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Veröffentlichuiitreii der Koiniiiissioii
für
Neuere Geschichte Österreichs.
3.
Österreichische Staatsverträge.
England.
Erster Band 1536—1748.
• * •
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Innsbruck.
Verlag der WAGNER' sehen Universitüts Buchhandlung.
1907.
österreichische Staatsverträge.
England
Bearbeitet
Alfred Francis Pribram,
Erster Band 1526—1748.
Innsbruck.
Verlag der WAGNER' sehen UniversitUts-BuchhandJung.
1907.
Druck der Wagner'schen UniTersitäts-Buchdruckerei in Innsbruck.
Vorwort.
Die Gründe, die der unterzeichneten Komwission die Her-
ausgabe der österreichischen Staatsverträge wünschenswert er-
scheinen Hessen, liegen so deutlich \utage, dass deren eingehende
Erörterung wohl nicht Not tut. Die Tatsache, dass wir für die
Zeit vor iy6^ überhaupt keine derartige Sammlung besitzen,
würde allein genügen, das Unternehmen ^u rechtfertigen, Ist
doch die Zahl der bisher ungedruckten Verträge aus dieser Zeit
eine sehr beträchtliche, und vcm den gedruckten hat ein grosser
Teil in die umfassendefi, leicht :{ugänglichen Sammelwerke eines
Dumont, Martens, Wenck, Schmauss etc. keine Aufnahme ge-
funden, so dass der Forscher in vielen Fällen bisher genötigt
war, ^u alten, seltenen, oft nur mühsam aufzutreibenden Büchern
und Zeitschriften \u greifen. Etwas günstiger steht es für die
Zeit seit 176^. Wir besitzen für diese Periode neben dem Re-
gestenwerke Vesque von Püttlingens „Übersicht der österrei-
chischen Staatsverträge seit Maria Theresia bis auf die neueste
Zeit\ das grosse von L. Neumann begonnene, von Plascm fort-
gesetzte Urkundenwerk „Recueil des traites et Conventions con-
clus par V Autriche avec les puissances etrangeres depuis ijö^y
Leipzig 1855 ff-
Allein diese Publikation, deren Verdienst und Wert nicht
in Frage gestellt werden soll, ist — ^umal für die Jahre 176^
bis 181$ — xveder vollständig noch vollkommen zuverlässig.
Auch ist für diese Zeit die Zahl der seit dem Erscheinen des
Neumann' sehen Werkes bekannt gewordenen Verträge eine nicht
VI Vorwort.
geringe, und für eine Reihe der dotiselhst publizierten Akten-
stücke hat die neuere Forschung das Vorhandensein von Lücken
und Fehlern festgestellt Da^u kommt noch, dass sich diese
Sammlung auf den blossen Abdruck der Veriräge beschränkt
und im besten Falle nur das praktische, nicht aber das u^issen-
schajtliche Bedürfnis {// befriedigen in der Lage ist.
So leicht es nun aus den angeführten Ursachen der Kom-
mission wurde, sich für eine den Interessen des Diplomaten wie
des Gelehrten in gleicher Weise dienende Ausgabe der öster-
reichisclien Staatsverträge \u entscheiden, desto schwerer wurde
es ihr, über die Frage schlüssig ^u werden, ob die Verträge --
der überwiegenden Mehrzahl der vorangegangenen Publikationen
gleich — /// chronologischer Reihenfolge, oder etwa nach dem
Muster des bekannten Marte/is'schen Werkes, länderweise her-
ausgegeben werden sollten. Nach reiflicher Erwägung der
Gründe für und wider beide Formen, gelangte sie \u dem Ent-
schlüsse, die österreichischen Staatsverträge hhiderweise ^u pub-
lizieren. Ausschlaggebeful war dafür einerseits das praktische
Bedürfnis des Politikers, der die Beziehungen Österreichs ^^t
einem der übrigen Staaten in ihrer Continuität verfolgen wilh
anderseits die Überzeugung, dass eine strengeren wissejischaft-
lichen Anforderungen entsprechende Publikation in absehbarer
Zeit nur auf diesem Wege z^ erzielen sei. Sollte die Heraus-
gabe der österreichischen Staatsverträge über den Rahmen eines
blossen Textabdruckes hinausgehen, dem Benutzer nicht nur
das trockene, unzusammenhängende Material, sondern auch die
Mitlei |// dessen Verständnis bieten und so die diplomatischen
Beziehungen z^^eier Staaten erläutern, soweit sie in St aii fsver-
trägen ihren Niederschlag finden, dann war an eine Veröffent-
lichung in chronologischer Reilumfolge nicht f// denken. In
diesem weiteren Rahmen konnte die Arbeit nicht von einem Ein-
zelnen unternopnmen werden, da kaum ein Forscher über hin-
reichende Sprachkenntnisse verfügt, um auch nur die gedruckte
Literatur bei der Darstellung der Beziehungen Österreichs ^//
allen anderen Staaten fw Rate ziehen f// können, geschweige
denn, dass sein Leben und seine Kräfte hinreichen würden, die
archivalische Arbeit f // bewältigen, auf die Verzicht pi leisten
die Kommission sich nicht entschliessen mochte. Nahm aber
eine entsprechemie Anzahl von Mitarbeitern das Werk gleich-
Zeitig sofoi't in seiner ganzen Ausdehnung in Angriff, dann war
Vorwort. VII
— von der Aujwandfrage abgesehen — das Erscheinen des
ersten Bandes nicht sobald \u hoffen. Gegenüber diesen Er-
wägungen traten die Bedenken gegen die länderweise Bearbei-
tung — in erster Linie die Notwendigkeit von Wiederholungen
— \urück und die Kommission hegt die Hoffning , dass die
Benutzer des Werkes, dessen einzelne Abteilungen von verschie-
denen Gelehrten bearbeitet, in möglichst rascher Folge der Öf-
fentlichkeit übergeben werden sollen, die Gründe billigen werden,
die sie jw diesem Entschlüsse geführt haben.
Den einzelnen Mitarbeitern — die allein die wissenschaftliche
Verantwortung für die von ihnen übernommene Arbeit tragen
— wurde weitgehende Freiheit gewährt. Die Verschiedenartig-
keit des Material es bedingt oft von vorneherein eine verschieden-
artige Bearbeitung, und im Einzelfalle wird der Takt des Her-
ausgebers meist besser entscheiden können, als noch so genaue
Vorschriften einer Kommission, Doch wurden gewisse Bestim-
mungen im Interesse der Gleichförmigkeit der Anlage getroffen,
die wohl jeder der Bearbeiter unbeschadet seiner Bewegungs-
freiheit wird einhalten können. Darnach wurden als österrei-
chische Staatsverträge alle jene Vereinbarungen angesehen, die
^^wischeft einem Mitgliede der deutschen Linie der Habsburger
als Staatsoberhaupt aller oder eines Teiles der ^ur Zeit des Ver-
tragsschlusses im Besitze dieser Linie befindlichen Territorien
und einer fremden, völkerrechtlich ^ur Vertragschliessung fähi-
gen Macht über staatliche Hoheitsrechte zustande gekommen
sind. Die Verträge, an denen das Staatsoberhaupt der öster-
reichischen Momirchie nur als deutscher Kaiser beteiligt war,
sollen ausgeschlossen bleiben, dagegen jene Vereinbarungen
Aufnahme finden, die mit der Stellung der österreichischen
Hausmacht in der Reichsverfassung zusammenhängen, sowie
alle jene, die das Staatsoberhaupt der österreichischen Mo-
narchie zwar auch als deutscher Kaiser, zugleich aber unter
Beitritt seiner Hausmacht mit fremden Mächten getroffen hat.
In diesem Sinne waren die Verträge, die der Kaiser als Ober-
haupt des österreichischen Kreises schloss, in die vorliegende
Sammlung aufzunehmen.
Inhaltlich fallen unter die Staiitsverträge alle Vereinba-
rungen über staatliche Hoheitsrechte ; es bleiben daher alle Fa-
milienverträge ausgeschlossen, soweit darin nicht auch üb:r
Gegenstände Verfügungen getroffen werden, die in die Sphäre
VIII Vorwort.
der staatlichen Hoheitsrechte gehören. Accessionen Österreichs
^u einem ^wischen ^j^wei oder mehreren fremden Mächten ge-
schlossenen Vertrage wurden aufgenommen; der Beitritt einer
fremden Macht \u einem \wischen Österreich und einem oder
mehreren Staaten geschlossenen YeHrage wurde nur verzeichnet,
da der Abdruck des betreffenden Vertrages in jener Abteilung
erfolgt, in der die Abmachungen Österreichs mit dem ur-
sprünglichen Vertragsgegner publiziert werden, Garantieer-
klärungen wurden wörtlich wiedergegeben; der Abdruck des
garantierten Vertrages erfolgte dagegen nur ausnahmsweise.
Für die Giltigkeit eines Staatsvertrages ist in der Regel
dessen Bestätigung durch das Staatsoberhaupt erfn-derlich ;
doch wurde gelegentlich — namentlich bei Waffenstillständen
und Militärconventionen — von der Ratifikation abgesehen.
Solche Vereinbarungen wurden in die vorliegende Publikation
aufgenommen, soweit die Bevollmächtigung ^tun Abschlüsse
seitens des Staatsoberhauptes im Vertrage ersichtlich ist. Von
der Veröffentlichung der Ratifikationen wurde im allgemeinen
abgesehen; nur wo besondere Umstände vorlagen — insbe-
sondere Bezugnahme der Ratifikation auf sachliche Änderungen
des Vertragsinhaltes — gelangte die Ratifikationsurkunde f //m
Abdrucke.
Jede der geplanten Abteilungen der von Österreichs Staats-
oberhaupt mit einem fremden SUiate geschlossenen Verträge
wird mit einer allgemeinen Einleitung eröffnet, die mit Benilt-
Zting der gedruckten Literatur und mit gleichzeitiger Heran-
ziehung archivalischen Materiales die diplomatischen Beziehun-
gen der beiden Staaten bis fw dem Zeitpunkte schildern solL
mit welchem dann die Staatsverträge nach 1^26 einsetzen.
Die Veröffentlichung dieser erfolgt chronologisch mit foii-
laufender Nummerierung. Vorangestellt wird dem Drucke
I. ein kurzes Regest; 2, Angabe von Ort und Zeit der Rati-
fikation; }. Mitteilungen über die Überlieferung der Urkunde ;
4. Angabe der Drucke, respective Verweis auf das von Ludwig
Bittner im Auftrage der Kommission für neux*re Geschichte
Österreichs herausgegebene chronologische Verzeichnis der öster-
reichischen Staatsverträge L Die österreichischen Staatsverträge
1^26 — iy6^ (Wien A. Holzhausen ipojj; 5. eine orientirende
Einleitung sachlicher Natur.
Vorwort. IX
Die einzelnen Urkunden werden nach der besten erhaltenen
Überlieferung abgedruckt , womöglich nach dem von den be-
vollmächtigten Ministern unterzeichneten Original Existieren
mehrere Originalausfertigungen, so wird im Hinblicke auj
eine mögliche Collation des Drtukes mit dem Original der im
Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchive befindlichen Ausferti-
gung der Vorrang eingeräumt, Fehlen die Originalausferti-
gungen des Vertrage >, dann treten, auch hier mit Bevorzugung
der in Wien befindlichen Dokumente bei sonst gleichem Werte,
die den Ratifikationen ifiserierten Texte und in Ermanglung
solcher die sotistige beste Überlieferung ein.
Als Editionsprinzip gilt, die dem Drucke ^ugrurxde gelegte
Urkunde möglichst getreu wiederzugeben. Nur bei Feststellung
der Interpunktion, die sinngemäss erfolgen soll, mtd beim Ge-
brauche grosser und kleiner Anfangsbuchstaben ist der Heraus-
geber an die Vorlage nicht gebunden. Im übrigen hielt es die
Kommission für zweckmässig, auch für diese Fragen den ein-
Zehun Mitarbeitern einen gewissen Spielraum zu lassen.
Wien im September 1906,
Die Kommission für neuere Geschichte Österreichs,
Vorbemerkungen des Bearbeiters.
Der Untcr^ieichncte hat die von der Kommission für neuere
Geschichte Österreichs aufgestellten Grundsät;[e, nach denen die
Bearbeitung der österreichischen Staatsverträge erfolgen soll,
strenge beobachtet. Diese Erklärung gestattet ihm wohl, von
eifwr eingehenden Erörterung seiner Arbeitsweise abzusehen und
sich auf einige das Vorhergehende ergän^^ende Bemerlwngen {u
beschränken. Er hat seine Aufgabe darin erbliclit, innerhalb
der durch die Anlage des Gesamtwerkes gesteckten Grenzen
alles beizutragen, was da\u dienen konnte, die diplomatiscluii
Beziehungen Österreichs und Englands f// erläutern, soweit sie
in abgeschlossenen oder geplanten Verträgen ihren Ausdruck
finden. In diesem Sinne ist die allgemeine bis {//;w fahre ijoi
reichende Einleitung gedacht. Das erste Kapitel derselben schil-
dert in flüchtigem Überblicke die Begehungen der beiden Staaten
bis yim Tode Maximilians I. und bringt im Anhange nebst
einer Urkunde aus dem vierzehenten Jahrhundert die zahlreichen
Verträge, die dieser Herrscher im Laufe seiner Regierung mit
den englischen Königen Heinrich VH. und Heinrich VHI. ab-
geschlossen hat. Da als zeitlicher Ausgangspunkt für die Ver-
öffentlichung der österreichischen Staatsverti'äge das fahr 1526
— das Geburtsjahr der heutigen Monarchie — gewählt worden
war, Hess sich die Mitteilung dieser Verträge, auf deren Auf-
nahme in das vorliegende Werk der Bearbeiter nicht ver-
zichten wollte, nur in dieser Form bewerJzst elligen. Vier weitere
Kapitel der Einleitung umfassen die fahre 1^26 — 1700 und e fit-
Vonvort. XI
halten die Schilderimg der Verhandlungen, die in diesem Zeit-
räume \wischen den Regierungen Englands und Österreichs
über Angelegenheiten geführt worden sind, deren Ordnung
durch schrißliche Abmachungen geplant war. Zu direkten
rechtlich giltigen Vereinbarungen ist es in dieser langen Periode
nicht gekommen, obgleich die Begehungen der beiden Staaten,
namentlich in der :j:weiten Hälfte des 17. Jahrhunderts, sehr
rege waren und obgleich die beiden Mächte viele Jahre als Ver-
bündete gegen Ludwig XIV. kämpften. Denn die Allianz vom
9. Sept. 1689, deren Abschluss dem Ausbruche des Krieges gegen
die Franzosen vorangieng, erfolgte in der Form eimr Beitritts-
erklärung Wilhelms III. \um österreichisch-staatischen Bünd-
nisse vom 12. Mai 1689 und kann daher nicht als ursprüngliche
Abmachung ^wisclien Österreich und England angesehen werden.
Dagegen hat es an Bemühungen derartige rechtsgiltige Verein-
barungen ^u treffen sticht gefehlt, und der Bearbeiter hat
im Anhange ^u den einzelnen Kiipiteln der Einleitung die Ver-
tragsentwürfe abgedruckt, die er gelegentlich seiner archiva-
lischen Forschungen gefunden hat.
Mit dem Jahre ijoi beginnt die Reihe der direkt ^wischen
Österreich und England abgeschlossenen Verträge, deren Zahl
bis \um Jahre iy48 48 beträgt. Sie wurden in der Regel ein-
^^eln abgedruckt; nur wo zwingende Gründe dafür sprachen,
sind mehrere ^usammengefasst worden. Die ihnen vorange-
schickte sachliche Einleitung verfolgt den Zweck, an der Hand
der gedruckten Literatur, aber auch mit Benützung aller er-
reichbaren Archivalien die Haltung der beiden Mächte bei An-
bahnung und im Laufe der Verhandlungen \u schildern,
de dem Abschlüsse der Verträge vorangegangen sind. Dabei
hat der Bearbeiter das Hauptgewicht darauf gelegt, die Ent-
stehung der Vertragsurkunde ^u verfolgen, dem Leser die
Wandlungen vorzuführen, die das in der vorliegenden Publi-
kation mitgeteilte Dokument von dem ersten Entwürfe bis ^ur
Unterfertigung durch die bevollmächtigten Minister mitge-
macht hat. Der Forscher lernt auf d'ese Weise — für die über-
wiegende Mehrzahl der Fälle \um erstenmale — die Änderungen
kennen, die an dem betreffenden Schriftstücke vorgenommen
worden sind; er erfährt, welche Artikel gestrichen, welche neu
aufgenommen, welche verändert wurden. Doch hiit sich der
Bearbeiter bei der Darstellung der Entwickelungsge schichte
Xn Vorwort.
der citi^elnen Urkunden auf die dusschlaggcbendcn Punkte be-
schränkt uml weniger wesentliche Fragen sowie Änderungen, die
sich auf wenige Worte beliehen, in den Anmerkungen lum Ver-
trage oder sonstwie kur\ erledigt.
Den wissenschaftlichen Zielen, die ihm vorschwebten, ver-
danken auch die 5 Entwürfe, die nicht ^u giltigen Vereinba-
rungen geführt haben, ihre Aufnahme in die vorliegende Samm-
lung. Es sei gestattet auf diese ^um Teile gänzlich unbekannten
Urkunden besonders hinzuweisen, da sie den Forsclvrr nicht
minder interessieren dürften, als die Mehrzahl der von den Be-
vollmächtigten unterfertigten und von den Herrschern ratifizier-
ten Verträge. Diese Entwürfe sind in chronologischer Reihen-
folge mit den rechtsgiltigen Verträgen abgedrtu^kt und nicht
wie bei den einleitenden Kapiteln in den Anhang verwiesen wor-
den, da sie sonst erst am Schlüsse der ganzen Abteilung hätten
mitgeteilt werden können, was sich aus soc-hlichen Gründen nicht
empfohlen hätte. In den? Regeste, das dem Abdrucke der ein-
zelnen Urkunden vorangeht, sind diese Entwürfe als solche aus-
drücklich bezeichnet, so dass der Bearbeiter hoffen darf dass
eine Verwechslung mit rechtsgiltigen Verträgen nicht erfolgen
wird.
Der Umfang der sacMichen Einleitungen {// den einzelnen
Urkunden ist ein verschiedener; er ist sowohl durch die poli-
tische Bedeutung des Vertrages, als auch durch die bereits
vorhandene Literatur bedingt. Nur dort wo wichtige Verträge
noch keine entspreche^ide Erörterung gefunden haben, glaubte
der Bearbeiter die Resultate seiner Eoi'schung eingehender
vortragen f // müssen. Dagegen hat er prinzipiell davon Ab-
stand genommen, biographische Mitteilungen über die bei Ver-
handlung und Unter{eichnung der einzelnen Verträge beschäf-
tigten österreichischen und englischen Staatsmäner ;f// machen,
da diese fast ausnahmslos bekannte Diplomaten waren, deren
Biographie in den leicht ^j-z/^^/w^Z/W/tvi Sammelwerken „All-
gemeine deutsche Biographie'*, Wurzbachs „Biographisches
Lexicon des Kaisertums Österreich^' , „National Biography*'
nachgelesen werden fcann.
In den Fällen, wo neben England andere Staaten — be-
sanders häufig waren es die „ Vereinigten Niederlande'' —
als Vertragsgegner Österreichs erscheinen, hat der Bearbeiter
bei Schilderung der Verhandlungen in erster Linie die öster-
Vorwort. XITT
reich-englischen Beziehungen :(U beleuchten gesticht ; manchmal
— wie bei den ^wei Barriereverträgen von lyi^ und 1718 —
sogar die Haupteinleitung dem Bearbeiter einer anderen Ab-
teilung der Staatsverträge vorbehalten und sich auf wenige Be-
merkungen beschränkt. In wie weit Militärkonventionen, Ac-
cessionen und Garantieverträge Aufnahme gefunden, wird der
Benutzer den Ausführungen entnehmen, die dem Abdrucke
solcher Verträge vorangehen.
Dort wird er auch die Gründe angeführt finden, die den
Bearbeiter veranlasst haben, gelegentlich von dem im all-
gemeineti festgehaltenen .Principe abzuweichen, nach dem Ver-
träge, die Österreich und England als gemeinsame Kontra-
henten mit anderen Mächten abgeschlossen haben und solche, die
einer Accession inseriert sind, nicht abgedruckt werden sollen,
Ratifikationen sind nur dann aufgenommen worden, wenn
besondere Umstände es wünschenswert erscheinen Hessen; sei
es, dass die Ratifikationsurkwide Änderungen an dem Wort-
laute oder Inhalte des von den Bevollmächtigten unterzeichneten
Vertrages feststellt, sei es, dass sie — wie beim Garantiever-
trage vom 24.fanuar iy24 (vgl. p, 433 ff ) — die ^(wischen Eng-
land und Österreich getroffene Vereinbarung repräsentiert.
Bezüglich der Datierung der Verträge sei bemerkt, dass
dieselbe sehr ofl eine doppelte ist, da die Engländer über das
Jahr 1748 hinaus an dem alten Stile festhielten. Wo nur ein
Datum vorliegt, ist — falls nicht eine das Gegenteil betonende
Bemerkung beigefügt ist — die neue Datierung gemeint.
Bei der Angabe der Drucke hat sich der Bearbeiter
regelmässig auf das oben erwähnte Bittnet^sche chronologische
Verzeichnis belogen, Wohl sind dort nicht alle Drucke der
englisch-österreichischen Verträge angegeben, da diese aber in
der vorliegenden Publikation nach der besten uns erhaltenen
Vorlage — fast ausnahmslos nach dem Originale — abge-
druckt werden, hielt der Bearbeiter die Vervollständigung
der Druckangaben für überflüssig. Die überwiegende Mehr-
:^ahl der in dem vorliegenden Werke abgedruckten Urkunden
erliegt im Haus-, Hof- und Staatsarchive in Wien (St.-A.) und
im Recordoffice in London (R. O.). Doch hat der Bearbeiter
auch das British-Museum in London (B. M.), das Reichsarchiv
im Haag (R, A,J und die Archive des Reichskriegs- und des
Ministeriums des Innern in Wien mit Erfolg benutzen können.
XIV Vorwort.
Auf die Herstellung eitles verlässlichen Textes ist viel
Mühe verdDanJt worden. Durch eine sinngemässe Interpunk-
tion hat der Bearbeiter in schwierigen Fällen angedeutet, wie
er den Inhalt der betreffmden Stellen versteht. Die Anwen-
dung grosser und kleiner Anfängsbuchstaben erfolgte nach
dem heutigen Gebrauche, Im übrigen hat er seine Vorlage
möglichst genau wiedergegeben und nur dort Änderungen vor-
genommen, wo ihm solche geeignet schiebten die Ij^ktüre der
Urkunden \u erleichtern. Die insbesondere bei den älteren la-
teinischen Stücken häufige Verdoppelung der Anfängskon-
sonanten — f. B, Ffranciae, Fflandriae etc, — wurde ge-
strichen, für ofl wiederkehrende Worte, wie Majestas, Cae-
sarea, Potentissimus etc, bestimmte Abkürzungen gewählt. Bei
Wiedergabe der französischen Urluinden wurde — dein Bei-
spiele hervorragender französischer Publikationen folgend —
die Accentuierung der Vorlage beibehalten, nur wo durch eine
kleine Änderung die Lektüre erleichtert werden konnte — f. B.
durch richtige Anwendung von „a und ä", von y,ou und oii'*
— wurde diese vorgenommen.
Besonders aufmerksam möchte der Unterzeichnete auf die
Inkonsequenz der Schreibweise machen, die bei der Lck. üre der
im nachfolgenden abgedruckten Urkunden auffällt. Oft er-
scheint ein und dasselbe Wort — und fu^^zr nicht blos Eigen-
namen — in derselben Urkunde, ja in derselben Zeile in ver-
schiedener Form; bei Jranzösischen Stücken wird ein Laut bald
mit einem Accent versehen, bald nicht. Aus diesem Grunde
bittet der Bearbeiter derlei Inkonsequenzen nicht von vorneher-
ein als sein Verschulden anzusehen.
Der z^^^li^ ^f^d f//^/^/6'A letzte Band der österreichisch-
englischen Staatsverträge, der auch ein chronologisches Register
bringen wird, dürfte in nicht allzu ferner Zeit den Benutzern
vorliegen. Aber schon jet^t möchte der Unterzeichnete es nicht
unterlassen, allen Förderern seiner Arbeit den verbindlichsten
Dank auszusprechen,
Wien im September 1906.
Alfred Francis Pribram,
Einleitung.
/. österreichisch-englische Staatsverträge bis 1526,
Der erste Vertrag \wischen Herrschern Österreichs und
Englands dUrfle jener sein, den Albrecht IL und Otto im
Februar ißß9 mit Eduard IIL eingegangen sind. Was für
frühere Zeiten an Beziehungen ^wischen diesen beiden Staa-
ten nachgewiesen werden kann — und es ist wenig genug —
lässt sich in dem Rahmen der vorliegenden Publikation nicht
unterbringen, nicht einmal die mit den Namen Richard Lö-
wenher\ und Leopold V verknüpften bekannten Ereignisse, da
die entscheidenden Abmachungen ^wischen dem österreichischen
LLerrscher und Kaiser Heinrich VL und ^wischen diesem und
Richard Löwenher \, nicht aber direkt ^wischen den Herrschern
Österreichs und Englands getroffen worden sind,^) Auch die
ersten Beziehungen des Hauses Habsburg ^u England, die
in der Zeit Rudolfs von Habsburg stattfanden und nicht nur
die Heirat von Rudolfs z^eitgeborenem Sohne Hartmann mit
Eduards ILL, Tochter Johanna ^um Ziele hatten, sondern auch
wichtige politische Fragen betrafen, können in diesem Zusam-
menhange nur flüchtig erwähnt werden. ^) Zu dem oben er-
wähnten Vertrage hat der Kampf Veranlassung gegeben, der
») Vgl, Wallnöfer P, Der Anteil des Babenbergers Leopold V. an dem
sog. dritten Kreui\uge ; mit besonderer Berücksichtigung des Verhältnisses, in
dem Leopold \u dem englischen Könige Richard stand, Progr, d, kath. Gymn,
in Teschen 1861 ; Töche, Heinrich VL ^58 ff, ; Huber, Gesch, Ost. L 275 jf.
») Vgl. Pauli R, Die ältesten Beziehungen des Hauses Habsburg \u Eng*
land in Allg. Monatschrift für Literatur und Kunst 18^4, 5^^ ff' ^nd dessen
Östcneichisch-eoglische StaatsTcrträge. Bd. I. I
fl Einleitung.
fischen den Herrschern in England und Frankreich infolge
der Ansprüche des Hauses Plantagenet auf den Thron Frank-
reichs beim Erlöschen des Mannsstamnies der direkten cape-
tingischen Linie ausgebrochen war.
Der englische König, Eduard IIL, suchte füi den Kampf
gegen Frankreich Bundesgenossen im deutschen Reiche ^) und
trat bei dieser Gelegenheit auch mit den Habsburgern in Ver-
bindung, Nachdem bereits seit dem Jahre iß^^ über eine Heirat
^wischen Friedrich dem erstgeborenen Sohne Herzog Otto's
und Eduards HL Tochter Johanna unterhandelt worden war,^)
kam am i6. Februar iß^g f« Antwerpen ^wischen den habs-
burgischen Brüdern Albrecht H und Otto einer-, und Eduard HL
andererseits ein Bündnis f « Stande, das beide Teile ^ur gegen-
seitigen Unterstützung „mit 200 behelmten Kriegern*' ver-
pflichtete, wobei jedoch den österreichischen Fürsten freigestellt
wurde, „in dem gegenwärtigen Streite, den Eduard Hl. mit
Philipp von Valois — der sich als König von Frankreich ausgibt
— auszukämpfen habe, das Land und Volk des Herrschers
von Burgund mit einer entsprechenden Truppenzahl \u über-
fallen und dieses Land feindlich \u okkupierend Nur mit bei-
derseitiger Einwilligung sollte der Friede mit den Burgundern
geschlossen werdend)
Allein lange währte die Freundschaß z^iVischen den Habs-
burgern und Eduard TU, nicht Die ersteren wendeten sich,
sobald sie erkannten, dass das mit England geschlossene Bünd-
nis die erhofften Vorteile nicht brachte, den Franzosen \u,^)
und die englische Prinzessin kehrte, nachdem sie lange in
Deutschland geweilt, in ihre Heimat ^urück^) Eine geraume
Zeit später, da der Krieg fischen England und Frankreich
von neuem entbrannte, finden wir die Habsburger im Bunde
mit Frankreich. Herzog Friedrich von Österreich schloss im
Engl, Gesch. (Heeren und Uckerfschc Sammlung) IV 44 ff, ; Green tke princesscs
of England 11 y 21 ff. und neuestens Redlich Osw. Rudolf von Habsburg i(?oy,
410 ff. und a. ^94 ff' und desselben Autors Regesten R. v. H. Nr. p?_5 — 9^7,
939—943'
0 Vgl. u. a. Pauli L c. TV ^4^ ff.
2) Vgl. Pauli 1. c. 346.
8) Vgl. den Abdruck dieses Vertrages im Anhange \u diesem Kapitel
Nr. I.
*) Vgl Pauli l. c. IV. s8ß.
») Vgl. Pauli l. c. IV. 362.
Einleitung. . ^
Jahre 14^ mit König Karl VIT, von Frankreich einen Ver-
trag, der ihn ^um Waffengange mit Englands Verbündeteny
dem Herzoge Philipp von Burgund, verpflichtete ;^) doch kam
es bald darauf \u einem Waffenstillstände ^wischen Karl VIL
und Philipp, in dem auch Herzog Friedrich Aufnahme fand.^)
Heinrich VI, aber suchte die Freundschaft, die einst ^wischen
den Habsburgern und den englischen Herrschern bestanden
hatte, wieder aufzufrischen. Er übersandte nach dem Tode
Sigismunds den Hosenbandorden dessen Schwiegersohn, Al-
brecht von Österreich, erklärte sich mit dessen Erhebung
auf den Kaiserthron einverstanden und suchte engere Bezieh-
ungen zwischen seinem und dem Hause Habsburg anzuknü-
pfen.^) Seine Bemühungen blieben in diesem Punkte erfolglos;
trotzdem suchte er nach Albrechts frühzeitigem Tode die
Freundschaft Kaiser Friedrichs III, zu gewinnen^). Von
grosser Bedeutung waren aber die Beziehungen der bei-
den Staaten auch in den Zeiten Friedrichs III nicht.^) Un-
zweifelhaft verdankten die Bewohner des heutigen österrei-
chischen Staates die Kenntnisse, die sie noch gegen Ende des
75. Jahrhunderts von dem Inselstaate besassen, in erster Linie
jenen glaubenseifrigen Männern, die nach England wallfahrte-
ten, um dort die Lehre Wiclißs zu vernehmen, Befriedigung ihrer
seelischen Bedürfnisse f « finden, und die dann erfüllt von den
Ideen des grossen englischen Reformators in ihre Heimat zu-
rückkehrten.^)
Erst der Regierungsantritt Maximilians I brachte dauernde
und bedeutungsvolle Beziehungen zwischen Österreich und Eng-
land, Freilich nicht als Besitzer der österreichischen Län-
der, sondern als Erbe der burgundischen Maria sah sich
») Vertrag vom 15. Sept. 14^0, St.-A. vgl, Lichnovski Gesch. d. H. Habs-
biirg Reg. Nr. 28pp.
«) WaffenstaUtand d. d. 8. Mai 14^2 St-A.
8) Vgl. Pauli l. c. V. aöif.
*) Ebenda.
*) Ich möchte in diesem Zusammenhafige auf den am 7. Sept. 1448 ge^
schlossenen Vertrag fischen Karl von Frankreich, König Jakob von Schottland
und Herzog Sigismund von Österreich aufmerksam machen, (St.-A.; vgl. Herr-
gott Mon. III, 128J der aber in diese Publikation nicht aufgenommen werden hann.
") Auf die Beziehungen der Herrscher Böhmens und Ungarns :f// England
bis {ur Vereinigung dieser beiden Staaten mit Österreich, also bis 1^26, kann
hier nicht eingegangen werden^
4 Einleitung.
Maximilian f« VerJuindlungen mit dem Herrscher Englands
genötigt Schon seine Ehe mit Maria hatte eine entschei-
dende Wendung der burgundischen Politik \ur Folge gehabt.
Die Abneigung der dortigen Bevölkerung gegen England
wandelte sich, seitdem die geplante Verbindung mit Frankreich
gescheitert war, in den Wunsch nach Freundschaft mit dem
Inselvolke um. Denn Burgund war, falls es sich dem
mächtigen Fran^osenkönige gegenüber behaupten wollte, ge-
nötigt, einen Rückhalt \u suchen, und diesen \u bieten war
niemand geeigneter als der HerrscJier Englands. Freilich war
vorauszusehen, dass dieser für den Schut^, den er gewähren
sollte, ein Entgegenkommen des burgundischen Herzogs in
allen handelspolitischen Fragen fordern werde. Es war nun
für Maximilian nicht leicht, ein solches fw ^eigen.^) Denn die
flandrischen Kaufleute, die vordem, solange die Inselbewohner
sich begnügten, dem vlämischcn Weber die Wolle ^u liefern
und die verarbeitete Ware in Flandern kaujten, für das po-
litische Zusammenhalten mit England eingetreten waren, for-
derten nun, da die Engländer nicht nur ihren Bedarf — ^um
grossen Teile wenigstens — selbst deckten, sondern ihre In-
dustrieprodukte in den Niederlanden abzusetzen begannen, von
ihrem Landesherrn eine streng antienglische Haltung.'^)
>) Für die Beziehungen Maximilian L {it Heinrich Vif. und Heinrich VUL
sind im allgemeinen \u vgl.: Von deutscher Seite Ulmann H. Maximilian /.,
2 Bde., Stuttgart 1884, i8()i (I. bis 1^00) (II.—i^iq) ; Pauli R., Gesch. Engl.
Bd, V, p. ^20 ff, 18^8 und Heinrich VUL als Bundesgenosse Max. I. fAufsät{e
;{wr Engl, Gesch, j86p, p. 48 ff.) und Die Anfänge Heinriclis VII J. (Aufs. {.
G. E. N. F. Jaöff.); Busch W., Gesch. Englands unter den Tudors, Bd. I.,
Heinrich VIL, Stuttgart i8p2 (daselbst Anhang III. p. 425 ff- reiche Literatur-
angaben) ; Lan\ K., Einleitung \um Bd. /. der Aktenstücke und Briefe {. Gesch.
Karl V. j8^7 und die Quellenwerke von Chmel J., Urk., Briefe und Aktenstücke
lur Gesch. Max. I. und seiner Zeit. Bibl. des Lit. Vereins B. X, Stuttgart 184 t,
sowie die Regesten bei Lichnowski, Gesch. d. Hauses Habsburg. Tom. 8, Wien
1844; von englischer Seite die Arbeiten Gairdners: Letters andpapers illustrative
of the reigns of Rieh. III. and Henry VII., 2 Bde., London 1862 f. Bergenroth,
CaUndar oflettres, despatches andstate papers etc., (Spain) London 1862 ff. ; Camp-
bell, Materials for a history of the reign of Henry VII., 2 Bde.^ London 187^ ff. ;
für Heinrich VIII. insb. die Einleitungen Brewer's J. S. ^u Lettres and papers,
foreign and domestic of tlte reign of Henry VIII. London 1862—76 und des-
selben Autors Reign of Henry VIII. from his accession to the death of Wolsey
ed. Gairdner 1884.
*) VgL Schan\ G., Englische Handelspolitik gegen Ende des Mittelalters
Einleitung. ^
Trotzdem geigte Maximilian den Willen, seine Beziehun-
gen f w England freundschaftlich \u gestalten. Er hatte schon
im Jahre 1478 in seinem und Maria's Namen einen Handels-
vertrag mit England geschlossen,^) der :{war Brabant und den
deutschen Niederlanden Vorteil brachte, aber den Interessen
der flandrischen Kaufleute ungütistig war. Diesen erneuerte
er im Jan. 1487 ^) auf einige Zeit und rief dadurch den Hass
der flandrischen Stände gegen sich wach, die schon im Jahre
1482, nach dem Tode Maria' s, Maximilian als Herrscher nicht
hatten anerkennen wollen wid in Ludwig XI, von Frankreich
einen hilf bereiten Förderer ihrer Bestrebungen gewonnen hatten,
Margarethe, die Tochter Maximilians I, und Maria's, war von
ihnen dem Dauphin ^ur Braut bestimmt und Maximilian die
Varmundschaß über seinen in ihrer Gewalt befindlichen Sohn
Philipp entrissen worden. Erst nach langen Kämpfen war es Ma-
ximilian gelungen, die Empörer \u unterwerfen, erst im Jahre
2 BJe Leip{ig 1881 und die Kritik dieses Werkes durch Dietrich Schäfer in
Uhrb, für Nationalökonomie ctc, Herausg, von Conrad XLI. 88 ff,, sowie Cun-
ningham W.y The growth of English industry and commerce during tlie early
and middle ages j8go,
») Dieser Vertrag d, d, Lilie i^yS JuU 12, (Or, R, 0,J ist u, a, gedruckt
bei Rymer l, c. V/j 86 ; Maximilian und Maria ratifizierten denselben d, d*
tiriissel 14^8 Okt, 10, Vgl, Rymer l. c, V/? p5. Zum Abdrucke konnte derselbe
III diesem Werke nicht gelangen ; ebenso wenig die von Maximilian u. Maria
mit dem Herrscher Englands abgeschlossenen Verträge d. d, i, Aug, 1480 (Rat,
eines Vertrages über t*wige Freundschaft und gegenseitige Unterstüt\ung, den
Karl von Burgund mit Eduard IV. von England geschlossen) ; d, d, 4, Aug,
1480 (Schadloshaltung des englischen Königs wegen der ^onoo Kronen^ die er
durch Aufgabe der Freundschaft mit Frankreich verliert) und d, d, 5v 7« '"'^^^
2u, Aug, 1480 (Heirat Philipps, Maximilians und Maria' s Sohn, mit Anna,
Tochter Eduard IV,); alle diese Verträge sind bei Rymer l, c. V/j logff, ab-
gedruckt,
*) Die Erneuerung des Vertrages vom 12. Juli 1478 erfolgte am a, Jan,
1487 {u Calais, (R, O,) Vgl. Rymer l, c, V/7 182; die Ratifikation seitens Ma-
ximilians und Philipps d, d, Brüssel 1487 Jan, 06 (R, O,) Vom Abdrucke diestT
Vertragserneuerung musste aus den obtm erwähnten Gründen gleichfalls Ab-
stand genommen werden. Im R. O. (Box 20 Nr. 595^ befindet sich überdies die
Rat. Maximiliins I, und Philipps von Burgund d, d. i^, Mär\ 148^ über eine
am 28, Febr, 1481) getroffene Vereinbarung bezüglich Erneuerung des Vertrags
vorn 12. Juli 1478 ; das Or, dieser Vertragserneuerung findet sich gleichfalls
im R, O. (B. 20 Sr. V)6,)
5 Einleitung.
1485 brachte er den Sohn in seine Gewalt, wurde er als dessen
Vormund anerkannt. Ein Jahr später \og er als gewählter
deutscher König in den Niederlanden ein, fest entschlossen,
mit Frankreich abzurechnen. In diesem Sinne hatte er bereits
im Mär^ i486 mit dem Herzoge Fran^ IL von der Bretagne
ein gegen Prankreich gerichtetes Bündnis geschlossen^) das die
Selbständigkeit der Bretagne, Maximilian aber mit der Hand
der älteren Tochter des söhnelosen Herzogs dieses Landes den
Erwerb desselben sichern sollte. In dem Wunsche, die Bre-
tagne nicht in die Hände der Franzosen gelangen \u lassen,
traf nun Maximilian mit Heinrich VIL zusammen. Wie Bur-
gund und Spanien fürchtete auch England die Machterwei-
terung der französischen Krone an dieser Küste, doch zögerte
Heinrich VIL durch Kämpfe im Innern in Ansprtuh genom-
men sich offen gegen Frankreieh auszusprechen, das ihm in
den Tagen der Not Zuflucht gewährt, mit dem er kur^ nach
seinem Regierungsantritte Verträge abschlössen hatte, die der
Erhaltung des Friedens dienen sollten,^) Er bot daher seine
Vermittelung an und hielt an dem Frieden mit Frankreich
auch dann fest, als engliche Truppen unter Führung des On-
kels seiner Frau an den Kämpfen gegen Frankreich teilnah-
men. Dieser Krieg endete \u Gunsten der Franzosen, die
nach mehreren Erfolgen im Jahre 1487 die Entscheidungs-
schlacht bei St. Aubin im Juli 1488 gewannefi. Fran^ II
schloss mit Karl VIII Frieden, versprach die Gegner Frank-
reichs aus dem Lande ^u weisen und seine Töchter nicht
ohne die Zustimmung des Jran^ösischen Königs ^u vermählen.
Wenige Tage fiach dem Abschlüsse dieses Vertrages starb der
Herzog; seine Tochter Anna war seine Erbin. Sofort erhob
Frankreich Anspruch auf die Vormundschaß dieser minder-
jährigen Fürstin. Die Lage war eine schwierige. Von Maxi-
milian war Hilfe vorerst nicht \u erwarten, da er in schwere
Konflikte mit den flandrischen Ständen geraten, im Februar
1488 ^u Brügge ihr Gefangener geworden war, im Mai sich
durch eidliche Zugeständnisse losgekauft hatte, trotzdem aber
an dem Rachekriege teilnahm, den sein Vater gegen die Nie-
>) Vgl Ulmann L c. L ii; Clurrier, Hist. de Oiarles VIIL L i.fy.
*) Für die Beziehungen Heinrichs VIL \u Frankreich in dieser Z^^if,
Busch W,, Heinrich VU. 41 ff, und die dort zitierte Literatur,
Einleitung. w
derlande führte.^) Da rettete das Interesse der Nachbar mächte,
insbesondere die kluge Politik Ferdinand des Katholischen,
Anna und ihr Reich, Den Bemühungen dieses Fürsten, der
dem Wunsche Heinrichs VIT. durch verwandtschaftliche Be-
\iehungen \um spanischen Königshause seinen Thron \u stützen
entgegen kam, gelang es auch Heinrich VH. \u einer An-
derung seiner Haltung, \u einem entschiedenen Eingreifen tju
Gunsten der bretagnischen Erbin \u vermögen?) Da aber Fer-
dinand eine günstige Beendigung des Kampfes gegen Frank-
reich nur dann fiir möglich hielt, wenn auch Maximilian an
der Aktion teilnahm und durch seinen Gesandten in London
in nachdrücklichster Weise diesen Standpunkt betonte, sah sich
Heinrich VIL genötigt, dem sich ihm nähernden Maximilian
entgegenzukommen.
Leicht war eine Einigung ^wischen den beiden Fürsten
nicht ^u erzielen ;^) nicht nur das beiderseitige Mistrauen,
sondern tiefgehende Differenzen, auch solche handelspolitischer
Natur, erschwerten jede Vereinbarung. In dem Streite gegen
ihren Herrn hatten .die Vlämen die Hilfe Englands ange-
rufen, und Heinrich VIL hätte gerne die Gelegenheit er-
griffen^ das gespannte Verhältnis ^u bessern, in dem er ^u
den Vlämen stand. Es bedurfte des ganzen Einflusses des in
London weilenden spanischen Botschafters, um Heinrich VIL
soweit zurückzuhalten, dass er sich mit der Abschickung eines
Gesandten begnügte, der den Vlämen das Bedauern des
Königs über ihre Differenzen mit Maximilian ausdrückte und
erklärte, dass Heinrich VII. keineswegs verpflichtet sei, Ma-
ximilian zu unterstützen. Aber die Erbitterung Heinrichs zu-
mal darüber, dass gerade das burgundische Wittum Marga-
rethens den Herd yorkischer Umtriebe bildete, war noch im
Sommer 1488 so gross, dass er sich entschieden weigerte
mit Maximilian in Verbindung f « treten. Erst der Druck,
den die spanische Regierung auf ihn ausübte, bewog ihn,
dem Gedanken einer Allianz mit dem deutschen Könige
0 Vgl. Ulmann l. c. I. ip ff.
*) Für die Beziehungen Heinrichs VIL \u Spanien ist insbesondere die
\itiertc Publikation Bergenroths, Einleitung und Akten, {u vergleichen.
') ^S^' ß^^ ^^ Beziehungen Maximilians \u Heinrich VII. Busch l. c.
48 ff. und die dort \itierte Literatur , insbesondere Campbell l. c. IL 2^2 ff.,
Bergenroth I. loff., sowie Ulmann l. c, I 66 f..
8 Einleitung.
näher \u treten. Seit dem Herbste 1488 wurden die Ver-
handlungen gepflogen, Sie führten nach mancherlei Schwie-
rigkeiten, \u denen namentlich die Pläne Maximilians auf die
Hand der Erbin der Bretagne Anlass gaben, \um Abschlüsse
eines Vertrages^) der die Kontrahenten \um gegenseitigen
Einschlüsse in alle übrigen Bündnisse und \ur wechselseitigen
Hilfe nach jeweiligem Vermögen verpflichtete. Auch wurde
der freie Handelsverkehr der beiderseitigen Untertanen von
neuem garantiert. Besonders ernst scheint aber diese Ver-
bindung von keiner Seite genommen worden \usein; vielmehr
dachte jeder der Herrscher lediglich an die Vorteile, die ihm
aus dieser Verbindung erwachsen konnten. Für Maximilian
geigten sich dieselben alsbald. Die Beschäftigung Frankreichs
durch die Spanier und Engländer erleichterte ihm die Unter-
werfung Flanderns und Brabants, während Heinrich VH,
seinerseits Handelsverträge mit Flandern abschloss, die seinem
Bestreben entsprachen, der Industrie Englands jenseits des
Kanales Absatzgebiete ^u eröffnen.
Zu der geplanten grossen Expedition in die Bretagne und
^um energischen Kampfe gegen Frankreich kam es aber nicht.
Die Verhältnisse im Osten, die Rücksichtnahme auf seine Erb-
lande Hessen es Maximilian rätlich erscheinen, den Frieden
mit Frankreich, den der Papst vermittelte, anzunehmen. Die
Frankfurter Abmachung vom 22. Juli 1489^) brachte ^war
keine vollständige Beilegung der Konflikte mit Frankreich,
aber sie diente da^u, dem deutschenKönige die Unterwerfung
Flanderns ^u erleichtern. Am jo, Oktober 1489 wurde der
Vertrag geschlossen, durch den Maximilian als rechtmässiger
Vormund Philipps und als Gouverneur Flanderns anerkannt
wurde,^) Den Engländern war der Beitritt ^um Frankfurter
Vertrage offen gelassen worden; soweit hielt sich Maximilian
durch die in Dortrecht eingegangenen Verpflichtungen für ge-
bunden; allein seine Alian^ mit England hinderte ihn nicht,
bezüglich der Bretagne Abmachungen mit Karl VHL ^u
') Vgl, den Abdruck im AnJiatigc Nr, 2; daselbst auch die Bemerkungen
über das Datum des Vertrages,
*) Vgl, den Druck bei Dumont l. c, IU\2 2^7.
*) Vgl, den Druck bei Dumont llf\2 244 mit unrichtigem Datum; vgl,
ülmann L c, L 75 Anm,
Einleitung. ^
treffen, die lediglich seinen Interessen dienen sollten. Zur
Durchführung dieser Pläne kam es aber vorerst nicht Der
plötzliche Tod des Königs Matthias von Ungarn — 6. April 1490
— nötigte Maximilian sich mit den Verhältnissen im Osten
Europa' s eingehender \u beschäftigen, und da seine Bemühun-
gen mit Frankreich \u einer völligen Einigung \u gelangen
scheiterten, suchte er neuerdings engeren Anschluss an Hein-
rich VIT, der, mehr durch Not als durch Neigung bewogen,
die ihm fum Bunde ausgestreckte Hand Maximilians ergriff.
Am II., 12. und ij, September 1490 wurden die Bündnisse ge-
schlossen, durch die bestimmt wurde, dass der Angriff Frank-
reichs nicht nur auf einen der beiden Kontrahenten, sondern
ebenso auf Burgund oder die Bretagne den anderen ^ur so-
fortigen Hilfeleistung verpflichten sollte; auch gelobten die
beiden Könige in } fahren mit ganzer Macht gegen Frank-
reich \u Felde \u ^iehen.^)
Bald darauffand die Trauung des Kaisers mit Anna von
der Bretagne durch Procuratie statte) Maximilian selbst weilte
damals im Osten seines Reiches, mit den wichtigsten Fragen be-
schäftigt; doch verpflichtete er auf den derzeitigen Erwerb der
ungarischen Krofie, um freie Hand für die Durchführung seiner
Pläne im Westen \u erlangen. Allein wenige Wochen, nach-
dem er durch den Pressburger Vertrag sich die Möglichkeit
eines energischen Vorgehens gegen Frankreich gesichert hatte, ^)
erfuhr er, dass Anna sich \ur Vermählung mit Karl VIU,
entschlossen habe,*) und als er im folgenden fahre den Krieg
gegen Frankreich mit allem Eifer \u führen begann, fand er
nicht nur bei den deutschen Fürsten geringes Entgegenkom-
men, auch Heinrich VII, zögerte, wusste ernste Konflikte mit
den Franzosen ^u vermeiden und schloss gegen Ende des
fahres, — ^. Nao, 1492 — eben in dem Augenblicke, da Ma-
ximilian einen entscheidenden Schritt seines Bundesgenossen
') ^gt. den Abdruck im Anhange ;{// diesem Kapitel Nr, 9 — 5. Für den
Gang der Verhandlungen Busch L c. 61 und ^4^ ; Ulmann l, c, L 117 ff' Die
Vollmacht Maximilians \um Abschlüsse mit England ist datiert Ulm i^goMai 22 ;
abgedruckt bei Dumont /. c. IIIjs 2^4.
«) Vgl, Busch l. c. 6a und ^4^,
») Vgl, Ulmann l, c, I, 129/,
*) Vgl, die Verträge vofn 55. Nov. und 6. De{, 14^1 bei Dumont l, c,
IJII2 aögff,; für die Ereignisse Busch L c. 6ß,
10 Einleitung.
erwartete, mit Frankreich den Frieden \u Etaples, der ihm
Handelsfreiheit und eine grosse Summe Geldes eintrug.^) Für
Maximilian bedeutete der Abfall Englands eine schwere Ent-
täuschung; er verschluss sein Rachegefühl in seinem Herren
und suchte den Kampf mit Karl VIIL fortzusetzen, obgleich
sich auch Spanien f e/ Beginn des fahr es 149^ mit Frankreich
einigte}) Er hat diesen Krieg nicht ohne Erfolg geführt; doch
i Hessen es ihm verschiedenene Rücksichten wünschenswert er-
r scheinen, auch seinerseits \u einer gütlichen Vereinbarung mit
I Karl VIIL ^u gelangen; sie erfolgte im Mai 1493 durch den
i Frieden von Senlis; ehrenvoll genügt) Maximilian behielt die
\ Freigrafschaß und Artois, die er im Felde behauptet hatte,
\ und konnte seine in Frankreich erlogene Tochter, Margarethc,
\ die zur Gattin Karls VIIL ausersehen gewesen war, in die Arme
i schliessen. Sein Groll aber gegen den ungetreuen Bundesge-
\ nassen war grenzenlos, Dass er selbst durch den Frankfurter
\ Vertrag dem englischen Könige die Wege gewiesen, hatte er
A g^^i vergessen; er wartete nur auf eine günstige Gelegen-
heit, Heinrich VIL seinen Mass fühleti z^ lassen. Nur z^ bald
fand sich eine. Unter den zahlreichen Personen, die Heinreh VIL
gegenüber ihr Anrecht auf den englischen Thron geltend f w
machen suchten^ hat keiner dies mit grösserer Zähigkeit und
mehr Erfolg fw thun verstanden, als der Zollaufseherssohn
Perkin Warbeck, der sich Richard voft England natinte und
die Behauptung aufstellte, der aus dem Tower entkommetie
Sohn Eduards IV z^ -^^^w. Zuerst in Irland, dann in Frank-
i reich, hatte er, von den vielen Feinden Heinrichs VIL unter-
\ stützt, seine Sache mit den Waffen in der Hafid vertreten,^)
\ Durch eine besondere Abmachung hatte sich Karl VLLL auf
*) Vgl. den Druck bei Dumont l. c. Illja 2QI ff, ; für den Gang der Ereig-
nisse und für die Verhandlungen, die \um Frieden führten, Busch L c, 68 ff» u. 344f
In dem Vertrage vom ^. Nov, 1492 wurde festgesetzt, dass Max, h und Philipp
auf ihr Begehren in die {wiscfien England und Frankreich getroffene Abmachung
aufgenommen werden sollten,
*) Dumont L c, Illja 2pyff.
«) Abdruck bei Dumont L c. IIIJ2 297 ff. ; vgl, Ulmann /. c, I. 16$ ff.
*) Vgl. über Warbeck und seine Verschwörung Busch l, c. 86 ff. und die
dort \itierte Literatur, insbesondere die Arbeit Gairdners /., Hist, of the life
and reign of Rieh, IIL Towhich is added the story of Perkin Warbeck. IL Aug.
Lond. 187p.
Einieitung. I j
Heinrichs ausdrücklichen Wunsch gelegentlich des Friedens von
Etaples verpflichtet, keine Gegner des englischeti Kanigs \u
miterstüt^en, noch in Frankreich ^u dulden, und er hatte dieser
Verpflichtung entsprechend Warbeck aus seinem Lande ge-
Miesen, Doch fafid dieser Zuflucht und weitgehende Unter-
stützung bei der Her^ogifi- Witwe Margarethe , Maximilians
Schwiegermutter y einer geborenen York, die Warbeck als Neffen
anerkannte, und Maximilian ergriff die sich ihm darbietetide
Gelegenheit mit Eifer, Heinrich VIL Schwierigkeiten ^u berei-
ten. Es kam ^u erregten Verhandlungen ^wischen den Vertre-
tern der beiden Herrscher und bald darauf ^u entscheidenden
Massregeln^), Obgleich auf die Förderung des englischen Han-
dels bedacht, untersagte Heinrich V7/. seinett Kaufleuten deti
Verkehr mit den Untertanen Philipps, Maximilians Sohn, ver-
legte den von den „merchant adventures" in Antwerpefi gehaltenen
Markt nach Calais (Sept. 1493), verwies die flafuirischen Kauf-
leute aus Englafid, nahm ihre Güter in Beschlag. Ein halbes
Jahr darauf wurde die Einfuhr englicher Tücher nach Flandern^
ihr Kauf und Verkauf daselbst verboten, dem englischen Kauf-
manne die Niederlande verschlossen. Die Folgen dieser Massregeln
trafen die Untertanen beider Fürsten schwer; sie murrten laut
und suchten die Beschlüsse ihrer Herren so gut es ging ^u um-
gehen. Doch wurden die Edikte gegen den Verkehr von Philipp
erneuert mid Maximilian hielt unpolitisch genug an Warbeck
fest,^) obgleich die allgemeine Lage nicht minder gebieterisch
als seine eigenen Interessen einen Ausgleich mit Heinrich VH.
forderten. Im Mär^ 1495 war ^wischen dem Papst, Spanien,
Mailafid, Venedig und Maximilian die heilige Liga ^u Venedig
geschlossen worden, ') und es war den verbündeten Mächten ge-
») Vgl. dafür und für das folgende Busch l c, 90 ff.; Schan:^ l. c. I. 18 f
*) In dieser Zeit vmrde auch der Vertrag \xHsc1ien Warheck und Maxi-
milian geschlossen^ durch den der letztere für den Fall des unbeerbten Todes
des Prätendenten :^m Erben desselben in England, Frankreich, York und
Schottland eingesetzt wurde. — Im St-A. befindet sich 5. d. Mecheln 149^ Jan. 24.
das Or. dieser Erklärung; ebendaselbst (Reichsregistratur G. G. yßj ein kur\
gefasstes Konzept derselben d, d, 1494 Nov. p. Da Warbeck nicht Herrscher
Englands toar, konnte dieses Dokument in dieses Werk nicht aufgenommen wer^
den. Es ist u. a. abgedruckt bei Gudenus Cod. dipL Mog. IV. ^02 f. Vgl. Busch
l. c. p7; Ulmann /. c. I. 264 und Gairdner 1. c. )^^f.
') Inhaltsangabe bei Bergenroth l. c. I. ^^f
l^ Einleitung.
langen die italienischen Pläne Karls VIII, ju durchkreuzen.
Allein es drohte eine Wiederholung der frafV(ösisclien Über-
griffe und der geistige Führer der Verbündeten, Ferdinand der
Katholische, wünschte dringend den von Frankreich angegan-
genen englischen König \um Eintritt in die Liga \u bestim-
men,^) Tjumal seitdem der Herzog von Mailand ^u Karl VIII,
abgefallen war, Heinrich war bereit, sich auf die Seite der
Alliirten \u schlagen, doch weigerte sich Maximilian, die For-
derung des englischen Königs, die Preisgebung Warbecks, fw
erfüllen. Vergebens bemühten sich die Verbündeten den Kaiser
umzustimmen. Er widersetzte sich längere Zeit dem Beitritte
Heinrichs VIT, zur Liga und Hess Warbeck auch dann nicht
fallen, als er auf neuerliches Drängen seiner Alliirten die Ein-
willigung zur Aufnahme Heinrichs VIT, in den gegen Frank-
reich gerichteten Bund gab,^) Selbst die Wandlung der bur-
gundischen Politik, die sich deutlich in dem am 24, Febr, 1496
ZU London abgeschlossenen Handelsvertrage aussprach,^) der
u. a, auch beiden Teilen die Unterstützung von Rebellen gegen
den Verbündeten verbot, brachte nicht den erhofften Wechsel
^n der Gesinnung Maximilians I,
Ferdinand der Katholische sah sich daher zu neuen Zu-
geständnissen an Heinrich VIT, genötigt, ohiw jedoch verhin-
dern zu können, das^ mit dem Eintritte Englands in die Liga
— der darauf bezügliche Vertrag wurde zu Rom am 18, Juli
1496 geschlossen^) — diese ihren aggressiven Charakter verlor.
Der Bund gegen Frankreich dauerte aber überhaupt nicht lange ;
nacheinander schlössen im Laufe der nächsten Jahre die ein-
zelnen Mitglieder desselben ihren Frieden mit Frankreich ; selbst
Burgund näherte sich den Franzosen,^) Nur Maximilian hielt
') yg^' u. a, Lan^ I, f, ?.V/. und Bergenroth Cal. Spain l c. I. Eifüei'
tung und Akten,
*) Die Vollmacht Maximilians ist datiert 1406 April 18 ; ein Konzept der-
selben befindet sich im St,- A, Reichsregistratur ; vgl, für die Angelegenheit selbst
Busch l, c, i;^2, Ulmann /. c. I, 410 ff*
») Vgl den Abdruck u, a, bei Rymer l, c, Vj^ 82 ff.^ Dumont i, c, I/JI2 7 ;0 ß\
Für die engU-burg, Beziehungen vgl. Schan; l, c, I. 18 /,, Busch l. c. 154/., X>5/.
*) Vg^' Jen Abdruck im Anhange Nr, 6. Für die Situation Busch l. c, ij^
Text u, Anm. 2, Ulmann l, .. /. 40^; Lan{ l. c. f, 76' Anm, Heinrich VIl. rat,
den Vertrag am 2^, Sept. 1496; vgl. Bergenroth l, c. I. z/^/.
*) Vgl. Ulmann l. c. L ^88 f.
Einleitung. t^
iius und begann unmittelbar nach dem Tode Karls VIII,, gegen
Jessen Nachfolger Ludwig XII., der des Kaisers Forderungen
bezüglich des Herzogtums Burgund f// erfüllen sich weigerte,
einen — allerdings erfolglosen — Krieg, dem erst der Trienter
Vertrag vom 13. Oktober i^oi ein Ende bereitete.^) Aber auch
diese Einigung, die nicht nur Frieden und Bündnis und gegen-
seitige Garantie des Besitzes, sondern auch wechselseitige Heirat
\ur Folge haben sollte, war nicht aufrichtig gemeint. Die über-
nommenen Verpflichtungen wurden nicht in vollem Umfange
eingehalten. Doch hielten die Furcht Ludwigs XII vor einer
Verbifuiung Maximilians mit Ferdinarui dem Katholischeti
und der Wunsch des Kaisers, die geplante Allianz des fran-
\osisclien Herrschers mit seiften Feinden f// verhindern, die
beiden Manarclien vom Bruche der äusserlich freundschaftli-
c'fien Beziehungen ab. Es gelang sogar Philipp vcm Burgund
im fahre 1^04 eine neue Vereinbarung ^üoisclwn seinem Vater
und Ludwig XII. {u Stande {// bringen, die nicht nur die Bei-
legung der bestehefideti Konflikte, sondern eine innige Verbin-
Jung {ur Folge haben sollte.^)
Allein auch dieses Bündnis währte nur so lange, als es
den beiden Herrschern genehm schien, und schon im fahre 1^06
liatte sich die Lage durch den Tod Philipps von Burgund, durch
die Besitzergreifung Kastiliens seitens Ferdinand des Katho-
lischen — Ludwigs XII. Bundesgenossen — uful durch die Ver-
bindung Venedigs mit Frankreich so geändert, dass Ludwig XII.
an die Einhaltung der Maximilian gemachten Zusagen nicht
dachte, und dieser ernstlich mit der Wiederaufnahme der Waf-
fen gegen den treulosen Verbündeten rechnete.^) Von der gröss-
ten Bedeutung für den Ausgang eines solchen Kampfes musste
die Haltung des englischen Königs sein. Volle Sicherheit, dass
Heinrich VII. sich \ur Teilnahme an einem gegen Ludwig XIL
geführten Kriege entschliessen werde, besass Maximilian nicht.
Wohl war in den Beziehungen der beiden Herrscher seit der
Gefangennahme und Hinrichtung Warbecks — 1499 — ein
Wechsel ^um besseren eingetreten, und wenn atuh Maximilian
*) Gedruckt u. a. bei Dumont L c IVjj i6f.;flir die Lage vgl. Ulmann
II. 107 ff. und die dort {itierte Literatur.
») VgL Ulmann L c. IL i^i ff.
«) Ebenda^ '7^ ff-
H Einleitung.
einem neuen berechtigteren Prätendenten, dem Grafen Suffolk,^)
Hilfe versprach, so geschah dies in zurückhaltenderer Weise,
Und als Philipp, der sich im Mai 1499 mit England ausgesöhnt
hatte, im Jahre i^oi auf Wunsch des englischen Königs eine
Annäherung desselheti an seinen Vater herbeizuführen versuchte,
fand er bei diesem keinen prinzipiellen Widerspruch, Es bedurfte
freilich langer Verhandlungen, bei denen das tiefe Mstrauen
der beiden Herrscher immer wieder j^m Vorschein kam, bis
am 19. und 20. Juni 1^02 die Verträge ju Stande kamen, durch
welche die Handelsbeziehungen der beiderseitigen Untertanen ge-
regelt wurden wid Maximilian Suffolk preisgebend sich ver-
pflichtete alle Rebellen aus seinem Lande auszuweisen, dieselben
als Kapitalverbrecher z^i bestrafen, wogegen Heinrich ihm eine
grössere Summe f wr Verfügung stellte, die er im Hinblicke auf
den Türkenkrieg dringetid benötigte,^) Maximilian erhielt das
Geld; sein Versprechen erfüllte er aber nur, soweit es ihm
zweckmässig schien. Trotzdem blieben die Beziehungen der bei-
den Herrscher wenigstens äusserlich freundschaßliche. Selbst
die handelspolitischen Konflickte, in die bald darauf der Ver-
mittler der österreichisch-englischen Vereinbarung, Philipp von
Burgwid, mit Heinrich VH geriet,^) hatten keinen wesentlichen
Wechsel in der Haltung Maximilians fwr Folge, vielmehr sprach
er der Beilegung dieser Differenzen das Wort und half selbst
nach dem Tode seines Sohnes die bereits angebahnte Einigung
zwischen den Niederländern und Engländern zu Stande bringen,^)
>) VgL über Suffolk Busch l. c, 172 ff. und die ^öq \itierte Literatur.
*) Vgl. den Abdruck dieser Verträge im Anhang Nr. 7 — 10 ; für die Be-
ziehungen der beiden Fürsten in dieser Zeit, Busch l. c. 177 ff. u. 372 f. und
Gairdner Lettres and papers ill. of the reigns of Rieh. IIL and H. VII. I. 1^7 ff.
Busch macht p. ^7^ darauf aufmerksam, dass man den Vertrag vom k). Juni
fälschlich fu. a. auch Schan{ I. 28) als einen Vertrag Englands und Burgunds
bezeichnet habe, während in der Tat die Bevollmächtigten, obgleich Beamte Philipps
von Burgund, für Maximilian verhandelten. Über die Beschwörungen des Ver-
trages durch Maximilian 12. Febr. i ^oj und Heinrich VII. 2. April, Busch L c.
i8^funds7Sf'
3) Vgl.Lani l c. 82 f; Schan^ /. c. L 28 und da {u Busch l c. S7yff*
*) Vgl. Lan\ /. c. 87; Busch l. c. 202 ff. und die daselbst 20^ Anm.
\itierte Literatur, Der provisorische Handelsvertrag d. d. Brügge 5. Juni 1507
(Rymer l. c. VI4 p. 2^7) wurde {war von Maximilian I. und Karl von Spanien
mit England gescJilossen , doch glaubte der Herausgeber von der Aufnahme des-
selben in die vorliegende Publikation Abstand nehmen {u müssen, weil derselbe
Ginleitung. 1 5
Ein weit wirksameres Lockmittel bot ihm aber bei seinen
Bemühungen den englischen König ^u gewinnen, der Wunsch
des let:j[teren sich mit Maximilians Tochter Margarethe, seine
Tochter Marie mit Maximilians Enkel Karl, dem voraussicht-
lichen Erben der gan^eßt habsburgischen und spanischeti Lände)--
masse, ^u vermählefi.^) Schon seit langem hatte sich Hein-
rich VIL um das leichtere Projekt bemüht, aber erst seit dem
Jahre 1506, nachdem die Konkurrefi:{ Frankreichs beseitigt war,
wtichsen die englischen Hoffnungen und Maximilian selbst war
es, der in diesem Jahre die Ehe Karls wui Marias in Vorschlag
brachte, f// der ihm Philipp geraten habe. Ja auch der Ehe
Margarethetis mit Heinrich VII, hat Maximilian — freilich
vergebens*) — aus politischen Grtmden das Wort geredet. Da-
gegen wurden Ende i^oy die Verliandlungen über die Verbin-
dung der Häuser Habsburg und Tudor abgeschlossen. In Calais
wurden am 21. De^, i^oy die Verträge unterzeichnet, durch
welche die Ehe Karls mit Maria bestimmt wurde und beide
Fürsten sich ^ur gemeifisamen Verteidigung des beiderseitigen
Besitzes und ^im Schutze gegefi Rebellen verpflichteten,^) Für
lediglich die niederländisch-englischen Handelsbe{iehungen betrifft, eine ErläU'
terung des im Jahre 1496 Februar 24 von Philipp von Burgund mit Heinrich VII.
geschlossenen Handelsvertrages bietet, und weil Maximilian an den späteren de-
finitiven Abmachungen :^ischen Karl und den Engländern nicht teilnahm.
*) Vgl. für diese Frage Busch /. c. 227 ff, und die dort ^4/, \itierte
Literatur.
«) Vgl, Busch l c. 228.
3) Von dem Abdrucke der Dokumente, die sich auf die Ehe Karls be{ieften
— neben dem' Heiratsvertrage d. d. Calais i^oy Dc\, 21, kommen noch eine
Reihe von Urkunden des Jahres 1^08 in Betracht (vgl. Rymer l, c. VI4, 2^()ff.;
Dumont l, c, IV\i fjy ff») — musste im Hinblicke auf die von der Kommission
festgesetzte Ausschliessung der habsburgisclien Heiratsverträge y Abstand ge-
nommen werden. Maximilian erscheint übrigens in dem Vertrage vom 21. De-
\ember 1 507 lediglich als „rex Romanorum et avis et tutor praefati principis
Hispanici'* (id, est Caroli) , nicht als Herrscher Österreichs; in der Rati-
fikationskunde d, d, Brixen 1^08 Februar 22. findet sich dann im Titel Maxi-
milians auch der Ausdruck „archidux Austriae.'* Auch in dem im Anhange
Nr. II abgedruckten Freundschaftsvertrage wird Maximilian in den einlei-
tenden Worten nur als Teilnehmer in seiner Eigen^haft als tutor, gu-
bernator et administrator corporis et bonorum dicti principis Hispaniorum an-
geführt. Auch beliehen sich die ersten 12 Artikel lediglich auf Heinrich VII.
und Karl von Spanien, Da aber im iß, Artikel ausdrücklich betont wird, dass
die Gesandten diesen Vertrag auch im Namen Maximilians L als römischen
König abschliessen und in seinem Namen die Beobachtung desselben in allen
lg Einleitung.
Maximilian war der Haupt^eck dieser Allianz die Freund-
schaft und Teilnahme Englands am Kampfe gegen Spanien
und Frankreich.
Das fahr 1^08 ist mit Verhandlungen ausgefüllt, die die-
sem Ziele dienen sollten; aber nur :{u einem grossen Bunde ge-
gen Ferdinand wollte Heinrich VII. seine Hand bieten, an ein
aggressives Vorgehen gegen Frankreich, das Maximilian mehr
als alles andere wünschte, dachte der englische König jet\t
ebensowenig wie in früherer Zeit.^) Unter diesen Umständen
konnte Maximilian, der nicht einmal den Venetianern im Felde
Stand \u halten vermochte, auf eitlen erfolgreicheti Kampf
gegen die geeinigte Macht Ferdinands und Ludwigs XIL nicht
hoffen. So entschloss er sich, wie vorfahren, mit kühner Weti-
düng ins Lager seiner bisherigen Gegiur überzutreten; aus dem
Feinde Frankreichs und Spaniens wurde durch die Abmachun-
gen von Cambray — Ende des fahr es i$o8^) — der Verbündete
dieser Mächte gegen die Venetiancr, deren grosser Besit:^ jedem
der Alliierten Hoffnung auf eine entsprechende Beute bot. In
dem Masse aber, als die. Aussicht auf eine Einigung mit Frank-
reich und Spanien wuchs, nahm das Interesse Maximilians an
der Durchführung seiner mit Heinrich VII geschlossenen Ver-
träge ab. Er, der vordem der eifrigste Förderer der Ehe Hein-
richs mit Margarethe gewesen war, stand diesem Plane nun
gleichgültig gegenüber, wollte von einer persönlicJien Zusammen-
kunft mit Heinrich VII, für die er früher eingetreten war,
nichts hören und trat nur deshalb für die definitive Ordnung
der Heirat Karls und Maria's ein,^) weil er erst nach dem
Abschlüsse derselben auf die Aus\ahlung der ihm \ugesagten
Geldsumme rechnen konnte.^) Es ist bezeichnend ^ dass wenige
Tage, bevor in hmdan die feierliche Zeremonie der Vermählung
Punkten versprechen, Maximilian I, denselben am 22. Februar i=io8 in allrr
Form als ^// Recht bestehend anerkannte, glaubte der Herausgeber diesen Ver-
trag in die vorliegende Publikation aufnehmen \u sollen,
V) Vgl. Ulmann l. c, IL ^08 f.; Busch l. c. 2^0 ff,
*) Vgl, den Abdruck u, a. bei Dumont l, c. IV/i iioff,;für die Haltung
Max, Ulmann //. ^67 ff„ Busch L c. 2j2 ff,
*) Die darauf be\ugtiehmenden Dokumente vom 11, Okt, i'yoS, die in
diesem Zusammenhange nicht abgedruckt werden können, sind tt. a. gedruckt bei
Rymer l, c. VI4 55p jf.
*) Vgh Busch l, c, 2^4f, und die 7<95 gitterte Literatur,
Anleitung. t>^
Karls mit Maria vorgefwmmen wurde, ^) Maximilian als Ver-
bündeter Frankreicfis die Ligiie von Cambray unter^eichfiete.^)
Allerdings erfüllte sich die Hoffnung des ehrgeizigen Kaisers,
grosse Erfolge an der Seite des französischen Königs ju errin-
gen, diesmal ebetisowenig wie bei frülieren Gelegenheiten, Lud-
wig XIL wüfischte von Maximilian unterstützt f // werden, wollte
aber dessen Macht nicht mehren; er verstand es einen Ausgleich
des Kaisers mit Venedig :f« hintertreiben uful die Truppen des
ersteren für die Durchführung seiner Pläne z^i verwepiden, ohne
ihm den erfwfften Ländergewinn \u gestatten. Vergebens be-
mühte sich Maximilian für das fahr i^io ein gemeinsames
Vorgehen der Verbündeten gegen die Venetianer f« Stande f«
bringen; Papst fulius IL, dem das Übergewicht des fraw(ösi-
scheti Herrschers auf der apenninischen Halbinsel unangenehm
wurde, lockerte sticht nur seine Verbindung mit den Alliierten
von Cambray, sondern suchte Maximilian f« eimm gegen
Frankreich gerichteten Bündnisse ^i bewegen. Allein Maxi--
milian hielt, obgleich es Ferdinand der Katholische und Hein-
rich VIII,, der das von seinem Vater am 20, funi i$02 mit
Maximilian I, geschlossene ewige Bündnis am 20, August 1^09
erneuert hatte, ^) an Bemühungen nicht fehlen Hessen in glei^
chem Simw ^u wirken, durch weitgeliende Anerbietungen Lud-
wigs XII, getäuscht, an Frankreich fest und trachtete, nach-
dem er durch den neium Vertrag von Blois — Nov, i$io — *)
seine Beziehungen ju Frankreich noch inniger gestaltet hatte,
auf dem Kongresse ^u Mantua — 75/ j — die alte Liga gegen
Venedig wieder lebendig {u machen.
Sein Streben blieb erfolglos; dagegen gelang es fulius IL
— Okt, i^ii — die „heilige Liga'' mit Ferdinand dem Katho-
lischen und den Venetiamrn \u Stande ^u bringen, der bald
^) 17. De:{, 1,508; das ,^nstrumenf^ darüber ist //. */. abgedruckt hei Du-
tnont 1. c. IV li 119 f>; Rymer l, c, VI4 265 f.
*) Abgedruckt u, a, Dumont l. c, IVIi 109 f,; das Or» der BeschxDörung
des Vertrages durch Maximilian vom 26. De^ im St-A,
•) Abdruck im Anhange Nr. 12; vgl, Brewer /. c, L ^8 N. 4^2 ; für die
Politik Heinrich VIII. in dieser Zeit Brexoer l. c. Einleitung XXXII ff. und Akten
Nr. 1676. 1682 u. a. m,; Brosch l, c, VI. ^8ff. und Pauli, Anfänge Hein-
rich VIII. l. c. 147 ff.
*) Abdruck u. a, bei Dumont /. r. /V// 1^2; Inhaltsangabe bei Bergenroth
Cal. L c. II. 112 ff. Vgl. Ulmann l. c, II. 41g und die dort \itierte Literatur,
Österreiehisch-englische Staatsrerträge. Bd. I. 2
l8 Einleitung.
darauf auch Heinrich VIII. von England beitrat. Auch Maxi-
milian war der Eintritt offen gelassen worden, allein er ^ögerte,
obgleich der Feldyig des Jahres i$ii und Ludwigs XIL Ver-
halten ihm wenig Zweifel darüber Hessen, dass er an der Seite
Frankreichs die erwünschte Gebietserweiterung nicht erreichen
werde, ^u den Gegnern seines jetzigen Verbündeten über-
\utreten, da er sich den neuerlichen Weclisel möglichst teuer
befahlen lassen wollte. Erst die weitgehenden Zugeständnisse,
Tju denen sich Julius IL im Verlaufe der Unterhandlungen ent-
schloss, namentlich sein Versprechen des Kaisers Forderungeji
an Vettedig durchzusetzen, vermochten Maximilian I gegen
Ende des Jahres 1^12 mit dem Papste einen Vertrag ab^u-
schliessen,^) der freilich durch seine Venedig schädigenden Be-
stimmungen den Abfall dieser Macht und die Verbindung der-
selben mit Ludwig XIL f//r Folge hatte.
Dafür gelang es Maximilian die von seiner Tochter Mar-
garethe mit Heinrich VIII von England seit langem gepflogenen
Verhandlungen f// einem gedeihlichen Ende z^t fuhren. Das am
5. April i$ij f// Mecheln abgeschlossene Bündnis J^ührte die
beiden Mächte, die sich im Laufe der let^tvei-gangenen Jahr-
zehnte gegen Frankreich verbündet hatten, wieder in dem Be-
streben zusammen, alle Gebiete, die einst den Herzogen von Bur-
gimd oder den Königen von Enghmd gehört hatten utid sich
jet\t im fr anzösi seilen Besitze befmulen, für die rechtmässigen
Herren wieder z^ gewinnen.^)
Maximilian verpflichtete sich, den für den Sommer r^ij
festgesetzten Feldzug persönlich mitzumachen , auch Truppen
und Kriegsbedarf f« liefern, wofür ihm Heinrich VHI eine
grössere Subsidie z^^hlen sollte.^) Man dachte an die Mitwirkung
«) Vgl. Brosch L c, VI, 42 \ lan^ l c. 121 ff.
«) Vgl, Ulmann L c, IL 460, Brosch l. r. V. 46.
3) Abdruck des Vertrages im Anhang Nr, i^; ßir die Beziehungen Hein-
rieh VIII. ^ Maximilian vgl. Brewer l. c. XLII ff,; Ulmann l, c. II. 460 f. Der
Waffenstillstandsvertrag vom /., resp, 6, April i^iy konnte in diese Publikation
nicht aufgenommen werden, da England und Österreich in demselbtm nicht als
Vertragsgegner auftreten, derselbe vielmehr von den Gesandten Ferdinand des
Katholischen und Ludmgs XII, , von den ersteren auch im Namen Maximilians I.
und Heinrichs VII I,^ wn den letzteren auch im Namen Jakobs IV. von Schottland
und Karls von Geldern geschlossen wurde. Vgl, Ulmann /. c. I 461 u. Anm, und
Pauli, An/. H, VIH. l. c. 271.
Einleitung. 1 <^
Ferdinand des Katholischen und des Papstes, und wollte alle
Verbündeten verpflichten^ nur hei allgyneiner Zustimmung den
Frieden mit Frankreich \u schliessenS)
Allein auch diesmal gelang es nicht, die durch so ver-
schiedenartige Interessen bestimmten Fürsten zusammenzuhalten ;
d^is geplante grosse Bündnis, das alle Feitide Frankreichs um-
fassen sollte, kam nicht f w Stande, ja Ferdinand von Spanien,
(Eifersüchtig auf seine Verbündeten , schloss elften einjährigen
Waffeptstillstand mit Ludwig XII.,^) so dass die Hauptlast des
Krieges auf den Schultern Heinrichs VIH. und Maximilians
ru/ite, Sie führtest denselben nicht oh^w Erfolg. Unter Maxi-
milians Führung siegten die Engländer bei Guiftegate — Au-
gust i^ij — über die Franzosen und auch im Kampfe gegen
die Vnietiatwr erwiesen sich die verbündeten Truppen als die
überlegenen. Doch verstand es Ludwig XII. durch eine ge-
schickte wenn auch treulose Politik die Alliierten um die Früchte
ihrer Siege ^u bringen. Die in Frankreich eingefallenen Schwei-
zer \ogen, nachdem der französische König mit ihnen einen für
sie vorteilhaften Frieden abgeschlossen hatte — dessen Bedin-
gungen er später nicht einhielt — aus Frankreich ab und auch
das englische Heer kehrte ohne die entsprechenden Resultate er-
hielt {u haben, in seine Heimat ^irück. Immerhin waren die
Erfolge der Verbwtdeten gross genug gewesen, sie für einefi
erneuten Kampf im folgenden faJire gütistig ^u stimmen, {u-
mal der entscheidende Sieg der Engländer über die Schotten bei
Flodden — 9. Sept. i^ij — bei Maxim Jian die berechtigte Hoff-
nung erweckte, dass Heinrich VIII. mit seitier ganzen Kraft
an dem Feld:^ige des folgenden fahres teilnehmen werde. Auch
\eigte Ferdinand der Katholische Neigung nach Ablauf des
Waffenstillstandes mit Frankreich an der Aktion gegen das-
selbe teil:pmehmen. Unter diesen Umständen gelang es unschwer
eine neue Einigung ^uoischeti dem Kaiser, Spanien und England
*) Am 4. SepU 1^1^ d. d. Aire stellte Maximilian eine Bestätigung Über
den Empfang von 1 00000 Goldkronen aus, die er in Gemässheit des am 5. April
ißj^ mit Heinrich VIII. geschlossenen Vertrages erhalten habe, fOr, R. OJ Vgl,
Brewcr l, c I, p. 666 Nr, 44)^*
') ^S^* f^^ ^'^ Situation Ulmann l, c, IL 462 ; die Ratifikation des V>r-
trages von Mecheln \og sich durch das Verhalten Ferdinands von Spanien hin-
aus; vgl, Le Glay Corr, de l* emp, Max I. et de Marg, d'Autriche ifyoy — /57p
//. 141, i6j ; Brewer l. c, ^72 ff., ^78, 617 ff., 621 f, u, a. m*
20 tiÜnleitunf^.
pi Stande ^u bringai. In den ^u Lille am i6. u, ly. Okt i^ij ge-
schlossenen Verträgen^) verpflichteten sich die Alliirten im Sommer
1514 den Kampf gegen Frankreich von ^ Seiten her wieder auj-
\ufiehmen. Dem Kaiser wurde \ur Aufstellung eines Heeres
von 10.000 Mann an der Nordgren\e Frankreichs von England
eine Subsidie vofi 200.000 Goldgulden zugesagt, während Fer-
dinand voft Spanien ^ur Eroberung Guyenne's für Englatid mit-
wirken sollte. Es wurde feiiier festgesetzt, dass die seit langem
in Aussicht genommene Heirat des kaiserlichen Enkels und Er-
ben Karls mit Maria, des englischen Königs Schwester, im Mai
i$i4 stattfinden und dieser für den Fall des kinderlosen Todes
Heinrichs VHI. das Erbrecht in England vom Parlametite ge-
sichert werden sollte.'^) Fester als je schien das Band, das die
Gegner Frankreiclis umschloss. Allein serieller als je löste
es sich.
Ferdinand der Katliolische war durchaus nicht gewillt, die
Macht Maximilians in's masslose anwachsen \u lassen. Er wollte
das Gleichgewicht ^ucisclien Frankreich und dem Hause Habs-
burg herstellen, nicht Maximilian einen auch für Spanien ge-
fährlichen Einfluss auf den Gang der europäiscJien Politik ge-
statten. Daher wendete er sich auch diesmal, wie im Vorjahre,
bald nach dem Abschlüsse des erwähnten Vertrages an Lud-
wig XII., der die Idee, das gegen ihn geschlossene Bündnis ^u
^erreissen, mit Freuden aufgrifft) und Maximilian folgte
dem Spanier, indem er, geblendet durch das Versprechen Lud-
wigs XII. Maximilians Enkelin Eleonora :f« Jwiraten und auf
den Einfluss Ferdinands und Leo's X. auf Heinrich VHI bauend,
einen einjährigen Waffenstillstand mit Frankreich schloss und
sich verpflichtete, seilten englisclien Verbündeten \ur Anerkennung
dieses Vertrages ju bestimmen."^) Wie so oft täuschte sich Maxi-
milian auch diesmal in seinen Berechnungen. Heinrich VIII,
den seines Verbündeten Treulosigkeit unentschuldbar dünkte,
entschloss sich rasch ^ur Aussöhnung mit Frankreich. Bereits
*) Abdruck im Anhang Nr. 14 und i^; vgl. Uhnann L c. II, 48^, Brosch
/. c. VI, 6^ und Bergenroth /. c* IL 162 ff., Brewer /. c. LVI., Pauli Anfänge
H. VIII. /. c. 212 ff.
2) Vgl Pauli Anfänge H, VIII. /. c. 214.
3) Vgl. für diese Dinge Ulmann l. c. II. 484 f. , nach Bergenroth CaU
*) VgU ülmann /. c. IL 492 ff., die Akten bei Brewer L c. I Nr. 49^2,
ßo^'f, ^126 u, a. ni.
Einleitung. 2 j
im August des Jahres 1514 wurde der Vertrag unterzeichnet,
durch den sich Ludwig XIL, der erst vor kurzem Maximilian
versprochen hatte dessen Enkelin \u heiraten^ \ur Ehe mit Maria,
König Heinrichs VIIL Schwester, bereit erklärte, deren Heirat
mit Karl alten und öfters erneuerten Abmachungen ^ifolge be-
reits im Mai 1^14 hätte vol^ogen werden sollen,^) Im übrigen
garantierten sich die beiden Fürsten genau, wie es Heinrich und
Maximilian früher getan, nicht nur ihren gegenwärtigen Besitj,
sondern auch die Unterstützung bei der Eroberung jener Ge-
biete, die ihnen rechtmässig gehörten^)
Man begreift, wettn man diesen ewigen Wechsel der AU
Iian:{en verfolgt, wenn man so rasch Freunde ^u Feinden, Ver-
bündele ^i Gegnern werden sieht, dass die Vertragschliessenden
selbst die übernommenen Verpflichtungen nicht sehr strenge ein-
hielten. Man wundert sich daher auch nicht, im Jahre i$i$
Jen Papst einen Wechsel vollp'ehen ^u sehen, der ihn ^m
Freunde des einst so sehr befehdeten Frankreichs macht, und
erstaunt auch nicht, dass anderseits Heinrich VHL von Eng-
land, verletzt durch die Umtriebe Frankreichs in Schottland,
sich von Fran^ L trennt, mit Ferdinand dem Katholischen ein
Bündnis {u gemeinsamem Kampfe in Italien schliesst, und sich
nicht abgeneigt ^eigt mit Maximilian in ein freundschaftliches
Verhältnis pi treten.^) Zu dem von Maximilian aufrichtig ge-
wünschten Offensivbündnisse ist es damals allerdings nicht ge-
kommen ;*) auch wahrte der englische König seine freundschaft-
lichen Beziehungen pi den mit Fran^ 1. verbündeten Venetianem,
während es in des Kaisers Interesse gelegen gewesen wäre, die
vereinigten Kräfte auch gegen Venedig ^i verwenden.
Aber einem gemeinsamen Ziele galten doch die ersten
Kriegsleistungen des Feld\uges 1^16. Freilich trat bald genug
eine Trübung der freundschaftlichen Be^iehupigen ein; Maxi-
') V^L Brosch l. c. VI, 6'i und die Akten bei Brewer L e. L />. 819, a. a, O,,
der offiiieUe Verzicht auf die Heirat Maria' s mit Karl erfolgte am ^o, Juli,
*) Der Vertrag vom 7. Aug, j^i^ ist abgedruckt u, a, bei Dumont l, c,
IV ji 18^ ff,; vgl, Brewer l, c, I, p,8^4; Brosch l, c, VI, 66 und die dort filierte
Literatur,
») Vgl, für die Situation Brosch l, c, VI 8^ ff,; Breuer l, c, II LVff.;
Ulmann l, c, II, 6jj8 ff, und die dort \itierte Literatur,
*) Vgl, Brewer L c, II, LXXIII ff. und Acten, Ulmann l, c, IL 666,
Anm, I und Pauli, Anfänge H, VIIL L c, 26^ ff.
22 Einleitung.
milian betonte, dass Heinrich VIII. seine Verpßichtungeft Glicht
entsprechend erfülle ^ während dieser dem Kaiser egoistiscJie
Haltung vorwarf. Schon im Juni i$i6 entzog er Maximilian
die bis dahin gewährten Subsidien, erklärte auf die Klagen des
Kaisers, er wolle seine Politik in Zukunft auf eifu^ allgemeine
Liga gründen, und weigerte sich vor Abschluss derselben Ma-
ximilian fw unterstützen, 0 Der Zorn des Kaisers war masslos.
Am liebsten hätte er, wie einst Heinrich VH. gegenüber, den
sofortigen Bruch mit Englands jetzigem Herrscher vollzogen.
Allein die Verhältnisse nötigten \ur Vorsicht, und der Vertrag
von Noyon, den sein Enkel Karl im August i$i6 mit Fran^ I.
abschloss,^) sowie die Verhandlungen, die bald darauf seitens
der in diesem Vertrage geeinigten Mächte mit dem Kaiser ge-
führt wurden, bewiesen diesem, wie wenig er sich auf den von
seinen niederländischen Räten einseitig beeinflussten Enkel ver-
lassen konnte. So führte der Wunsch nach materieller Unter-
stützung und die Überzeugung, eine solche doch am ehesten
von dem englischen Herrscher erhalten f« können, den Kaiser
trotz seiner offenen Klagen über Englands Verhalten Ende
Oktober i^i6 ;fw einer neuen Vereinbarung mit Heinrich VHL,
der auch Papst LeoX. sich anschloss.^) An eine Dauer dieser Ver-
bindung glaubte Maximilian nicht; er hatte vielmehr während
der Zeit, da die letzten Verhandlungen über den Abschluss die-
ser Defensivliga geführt wurden, auch in die Besprechungen
eingegriffen, die fi^^/^cÄ^/^ Franz ^'^^ Karl in seinem Interesse
gepflogen wurden und schloss z^ Beginn des De^. i^i6 durch
Vermittelung Karls ^w Brüssel seinen Frieden mit Frankreich;^)
was ihn freilich nicht abhielt, die demselben widersprechefide
Defensivliga mit England {w ratifizieren.^)
*) ^gh Ulmann L c. II 68^ ff. und Pauli Diplomatu; im Jahre fiöi
in Sybcis Hist. Zeitschr, XIV 269 ff.; Busch, Engl. Vermiülungspol. p. 6 f.
und die eingehenden Mitteilungen bei Brewcr l. c. II. XCff. und Akten.
*) Abdruck u. a. Dumont /. c. IV/i 224 ; vgl. Baumgarten, Gesch. Karl V.
«) Vgl. den Abdruck im Anhang 16 und ly ; für die Situation vgl. Ul-
mann /. c. II 68 2 ff. ; Brosch L c. VI. 90 ff. und die dort zitierte Literatur.
*) y^^' Ulmann l. c. 686 f. und Anm.
*) Das geschah am 8. De\. J^j6; Breuer l. c. II Nr. 2647 ; Karl rati-
ii\ierte erst im Mai J$jy; Ulmann l. c. IL 68^ Anm. ^.
Einleitung. 2^
Allein ^u eitlem gemeinsamen Kampfe Maximilians und
Heinrich VIIL gegen Frankreich kam es nicht. Das Jahr i^ij
brachte vielmehr die Annäherung des deutschen Kaisers an
Frankreich, das Jahr ißi8 die durch Leo X. bewirkte Aus-
söhnung Englafids mit Frankreich und das Bündnis dieser bei-
den Mächte mit dem Papste,^) Maximilian wurde ^ar in die-
sem Vertrage, der ein gemeifisames Vorgehen der christlichen
Fürsten gegen die Ungläubigen ^um Zwecke hatte, als einer
der mitbeteiligten und sein Beitritt f w demselben als sicher be-
zeichnet; doch lehnte er, trot^ mannigfacher Beeinflussung von
burguftdischer Seite, eine Zustimmungserklärung ab, da er im
Hinblicke auf die ewigen BeTiiehungen der übrigen Verbildeten
auf eine erfolgreiche Vertretung seiner besonderen Interessen
nicht rechnen \u können glaubtet) Sein Enkel Karl ist diesem
Bündnisse vom 2. Okt. isiS am p. fan. i^ig beigetreten.^)
>) Vgl. für die Situation Ulmann l. c. Il4g2ff.; Brewer, Reign ofH. VIIL
I 148 ff. und Akten im Cal. 0/ State papers II 2 ; Lan{ l. c. iS8ff. ; Busch,
^ Jahre engl. Vermittlungspol. 2^ f.
«) Vgl. Ulmann l. c. II 6q^ ; Lan^ l. r. 208 f. ; Busch, Engl. Vermitt-
lungspol. p. 2^ f.
«) Der Vertrag vom 2. Okt. ist abgedruckt u. a. bei Dumont l. c. IVji,
p. 266 ff.; Rymer L c. VII i, 147 ff' mit der Beitrittserklärung Karls V. In
diese Publikation konnte der Vertrag nicht aufgtmommen werden, da Maximilian
weder beim Abs hlusse desselben vertreten war, noch demselben beigetreten ist.
Es heisst {war in der Einleitung \um Vertrage , dass man beschlossen habe,
gegen die Türktfi ein Defensivbündnis ^wischen dem Papst, dem Kaiser und den
Königen von England, Frankreich und Spanien \u sshliessen und in dem wei-
teren Verlaufe wird vom Kaiser wiederholt als von einem Mitgliede der Liga
gesprochen, doch erscheinen als Vertrag schliessende vptn 2. Okt. blos die Herr-
scJwr von Frankreich und England, während dem Kaiser Maximilian gleich den
anderen Fürsten eine vier monatliche Frist \um Beitritte gewährt wurde, die er
aber uiü>enüt:{t verstreiclien Hess. Der auf diesen Beitritt bezugnehmende Passus
des Vertrages vom 2. Okt. iß 18 lautet:
Et si quis alius pro princtpaliter contrahente in ßraesenti tractatu nomi-
natus manJatum sufficiens ad principaliter contraliendum in conclusione prae-
Sintis tractatu s in regno Angliae non habucrit, tunc infra quatuor metises post
notificationem huiusmodi tractatt4s sibi factam proxime et immediate sequentes
teneatur per literas suas patentes magno suo sigillo sigillatas et manu sua
subscriptas praesentis tractatus ac omnium et singulorum articulorum in codem
contentorum qu.itenus ipsum concernunt ratificatorias et confirmatorias ac per
2^ Einleitung.
Beilagen.
1.
Bündnis ^wischen den Herzogen Albrecht IL und Otto von
Österreich und Eduard IlL von England d, d, Antwerpen /jr?p
Februar i6, (Or, R O. Fat Roll.)
Druck : Rymer, foedera, conventiones etc. Ed. IIL Pars Ulla 42.
Rex Omnibus ad quos etc. salutem. Vestre volumus pa-
tere noticie, quod cum illustres, Albertus et Otto, duces Austrie,
Stirie^) et Karinthie quasdam ligas et pacta de prestando inter
nos auxilio mutuo nobiscum inierint et firmiter ac fideliter pro-
miserint se nobis pro nostris necessitatibus quandocumque ipsos
nostris certis legacionibus et litteris habuerimus requisitos con-
tra nostros adversarios quoslibet — Romano imperio dumtaxat
excepto — ducentos viros galeatos in civitatem Franchenfurtie
juxta Renum suis sub expensis in nostrum auxilium transmis-
suros eosque ibi in nostris manibus assignandos ac abinde nos-
tris expensis et pro nostris usibus traducendos et in ipsorum
reditu ad dictum locum Franchenfurtie sub securo transitu re-
ducendos, nos viceversa prefatis ducibus promittimus firmiter
et spondemus, ut quandocumque pro suis necessitatibus nos suis
certis legacionibus et litteris duxerint requirendos contra suos
adversarios quoslibet ducentos viros galeatos in civitatem Fran-
chenfurtie antedictam expensis nostris transmittere tenebimur
et ipsos ibidem dictorum ducum manibus assignare, quos abinde
oratorem vel oratorrs sufficientctti ad hoc iiutoritatem habeiitem vcl hiibentrs,
tradtfidjs et liberandas, quibiis sr ad obscn\infi\im dicti tractattts etiam jiira-
mento corporali super hoc praestaiido se obligabit et astringet, requirere et rogare
dictos Angliae et Francorum reges et eontni utrumque principaliter contraheilte s,
quod pro principali^er contra hente rccipiatur et acceptetur gaudeatque in tarn
amplis modo et forma bencjuio praescntis tractatus, ac si in conclusionc dicti
foederis mandatum ex parte ejus adfuisset ; alioquin si iiitra dictos quatuor
tnenses id ut praemittitur non fecerit , tantummodo pro cowprehenso et nan
principaliter contra hente per caeteros omnes confoederatos principaliter contra-
hentes rato manente inter eosdeni praesentis tractatus contractu habeatur et re-
putetur, non obstante quod pro principaliter contrahente superius fuerit no-
minatus.
*) Nachgetragen,
Einleitung. 2^
pro suis usibus suis traducent expensis et ipsos ad propria re-
versuros usque ad dictam civitatem de Franchenfurtia sab ex-
pensis ducalibus et securo conductu reducent
Intervenit eciam inter nos et dictos duces paccio specialis,
quam quatenus ad nos attinet plene promittimus observare:
Ut videlicet pro lite presenti, quam contra dominum Phi-
lippum de Valesio — pro rege Francie se gereutem — pre ma-
nibus habere dinoscimur, dicti duces loco ducentorum galeato-
rum, quos nobis pro dicta lite deberent traducere, possint si
id eis conveniencius apparebit terram et gentem illustris ducis
Burgundie decenti comitiva invadere ipsamque terram valide et
hostiliter occupare, de quo habemus esse contenti et dictos du-
ces Austrie de dictis ducenti^ galeatis pro ista vice penitus sup-
portare; et quod nos cum prefato domino Philippo ac duce
Burgundie nuUam composicionem seu concordie unionem sine
dictis ducibus nee ipsi sine nobis iniemus nee inient nee reci-
piemus nee reeipient, nisi nobis et ipsis utrimque in dictis com-
posicione et coneordia interclusis. In cuius rei testimonium has
litteras nostras sigillo nostro feeimus consignari.
Dat apud Andewerp. XVI. die Februarii.
2.
Bündnis fischen Maximilian L, Philipp von Burgund und
Heinrich VIL d, d. Dortrecht 1489 Febr, 14 (Or, R. O,) »)
Drttcke: Rymer l. c. V/j igS ; Dumont Ul\2 191 f^; Jean MoUnet, Chro-
niqucs manus rites, T, II p. 108*),
Maximilianus divina favente clemencia Romanorum rex
semper augustus et Philippus eadem clemencia archiduces Au-
stri \ duces Burgundie, Lotaringie, Brabancie, Limburgii, Luxem-
burgii et Ghelrie, comites Flandrie, Tyrolis, Arthesii, Burgundie,
palatini Hanonie, Hollandie, Zelandie, Namureii et Zutphanie
sacrique imperii marchiones ac domini Frizie, Salinarum et Me-
chelinie, omnibus ad quos presentes litere pervenerint salutem.
') Im St'A. liegen 2 Exemplare von alten Abschriften der Ausfertigufig
Heinrich VIL d. d. Westtninster XII dir Deccmbris 1488.
*) Die Drucke hei Dumont und Molinet sind in fran\ösischer Sprache und
weichen in etwas von dem hier abgedruckten autentischen Texte ab.
^6 Einleitung.
Quoniam execrabiles bellorum calamitates omnium huma-
narum legum exercicia subvertunt, ipsum deum ad ulcionem
provocant, quibus tarnen horrendum dictu est singule pene
christiani nominis provincie sese crudeliter lacerant singulique
principes sibi invicem dominandi libidine reluctantes altema
cede confodiunt, adeo ut nunc omnia christiani nominis imperia
prope in desolacionem venerint, nos igitur nobiscum revol-
ventes quantam utilitatem vera pax mutuaque regnorum ac
principum concordia eisdem sit allatura quantumque fraterna
dilectio ipsi deo sit accepta ad universitatis vestre noticiam de-
duci volumus per presentes, quod inter nos et serenissimum
principem Henricum Anglie regem quedam amiciciarum et con-
federacionum capitula sunt per nos nominibusque nostris trac-
tata, concordata, conventa, determinata et conclusa sub ea qua
sequitur verborum serie.
Hec sunt amiciciarum confederacionumque capitula inter
commissarios et deputatos serenissimorum principum Maximiliani
dei gracia Romanorum regis et Philippi eins filii archiducum
Austrie, ducum Burgundie etc. ex una parte et Henrici regis Anglie
ex altera parte nominibus principum antedictorum matura deli-
beracione communicata, tractata, conventa, firmata et conclusa.
Inprimis conventum, concordatum et conclusum existit,
quod ab hac die sit bona, sincera, vera, integra, perfecta, firma
et perpetua amicicia et confederacio et unio per terram, mare
et aquas dulces omni evo atque tempore duratura inter dictos
principes suosque heredes et successores, regna, patrias, dominia,
vassallos et subditos quoscunque presentes et futuros tam eccle-
siasticos quam seculares cuiuscunque gradus et condicionis exi-
stant; ita quod omnes eorum vassalli et subditi hincinde ubique
locorum sibi invicem faveant seseque mutuis officiis prosequan-
tur et honesta affectione pertractent possintque tute et libere
hincinde ad portus, dominia et districtus quoscumque tam citra
quam ultra mare ad dictos principes coniunctim vel divisim
pertinentes accedere in eisque commorari quamdiu voluerint et
secure abire quociens duxerint abeundum cum suis aut con-
ductis vel commodatis navibus^), plaustris, vehiculis, equis, ar-
*) Hier und in den folgende Zeilen des Or, ist der Rand ausgefressen;
ich crgän\e nach Rymer ; die im St-A. befindliclte Kopie der Ausfertigung Hein-
rich VIL hat navigiis.
Einleitung. ^pj
maturis, mercimoniis, sarcinulis i), bonis, rebus quibuscumque
ahsque uUo impedimento tarn in terra quam in man et aquis
dulcibus quemadmodum propriis in patriis hec omnia licerent;
ita quod nuUo salvo conductu generali aut speciali indigeant,
salvis tarnen semper urbium, regionum et locorum legibus, sta-
tutis, consuetudinibus, quibus nichil quoad cetera premissa cen-
setur derogatum.
Item quod prefati serenissimi Romanorum rex et illustrissi-
mus eins filius Philippus suique heredes et successores in qui-
buscumque aliis confederacionibus cum quovis principe, univer-
sitate, communitate, societate aut alia qualibet persona contra-
hendis dictum serenissimum regem Anglie comprehendent si
comprehendi voluerit una cum heredibus et successoribus suis
et versa vice dictus Serenissimus rex Anglie et sui pro tempore
heredes et successores in quibuscunque suis confederacionibus
cum quovis principe, universitate, communitate, societate aut
alia qualibet persona contrahendis semper teneatur comprehen-
dere si comprehendi velint serenissimum regem Romanorum et
illustrissimum filium suum archiduces antedictos suosque here-
des et successores.
Item conventum et concordatum existit, quod neutra immo
nulla parcium predictarum prestabit auxiiium, consilium vel fa-
vorem notoriis hostibus alterius partis eam infestare volentibus
per terram, mare vel aquas dulces, sed bona fide se mutuis
auxiliis militaribus gencium armorum expensis tamen illius
opem interpellantis adiuvabunt, quociens opus fuerit; in'quo-
rum auxiliorum prestacione, quoad numerum attinet armatorum,
habenda erit facultatis racio illius partis que de ferenda ope ro-
gabitur seu interpellabitur; ut scilicet non plus teneatur quam
tum *) facere poterit commode considerata temporis et locorum
oportunitate ac statu rerum suarum. Quas quidem amicicias et
confederaciones necnon tractatus, concordias, convenciones et
conclusiones inviolabiliter tenere et observare atque teneri et
observari facere atque omnia et singula suprascripta nos Maxi-
milianus rex Romanorum et Philippus archiduces antedicti pro
parte nostra, quantum ad nos pertinet et in nobis fuerit, bona
*) Ditr engl' Ausfertigtttig hat siirciuncuJis,
•) So hat Rymer, die Stelle im Or, ist ausgerissen, die engl. Ausferti-
gung des St'A, hat ,,nunc*\
aS Einleitung.
fide et in verbis regis et principis promittimus per presentes.
In quorum omnium et singulorum fidem et testimonium pre-
missonim has literas nostras patentes superinde fieri atque si-
gilli nostri fecimus appensione communiri.
Datum in oppido nostro Dordracensi ^) die XTTIT *) mensis
Februarii anno domini millesimo quadringentesimo octuagesimo
octavo^), regni vero nostri regis anno tercio.
Per regem
Numan.
Bündnis ^wischen Maximilian und Heinrich VII, gegen Frank-
reich d, d, Woking 1490 Sept 11, (Or. R. O.)
Ratification Maximilians L d, d, 1491 April 6, (Or. R, O.J
Drucke: Rymer /. c, Vj^ 12,
Dumont /. c, Illji 2>^4. f.
Universis et singulis ad quos presentes littere pervenerint
nos Ladron de Ghevara miles, consiliarius et camerarius ac Ja-
cobus de Gondebault secretarius in ordinanciis et guerris sa-
cratissimi principis Maximiliani dei gracia Romanorum regis
commissarii, procuratores et deputati salutem. Noveritis, quod
cum bellum eo felicius et securius agatur quo plurimorum prin-
cipum auctoritate, consilio, ope et auxilio conducatur ac com-
munis hostis virtus infirmior et debilior existat quo in plures
adversarios divisa fuerit, idcirco nos commissarii et deputati
antedicti cum spectabilibus et prehonorandis viris Thoma Lovell
milite thesaurario camere potentissimi principis Henrici regis
Anglie et Francie et domini Hibernie et Henrico AjTiesworth
legum doctore in officio privati sigilli eiusdem regis secundario,
ambassiatoribus, negociorum gestoribus et commissariis ad do-
minandi libidinem illustrissimi principis Francie Caroli regis re-
primendam mutuo communicantes ex certis causis et considera-
cionibus dictos principes nostros ad hoc specialiter hincinde
•) In der im 5A-J. befindlichen Kopie der Ausfertigung Heinrich VII,
lautet diese Stelle: Datum apud Westminster XII die Decembris anni domini
millesimo quadringentesimo octuagesimo octavo et anno regni nostri quarto,
*) Nachgetragen.
») = 148p.
Einleitung. ^g
moventibus preter et ultra ceteras quaslibet pacciones, conven-
ciones et confederaciones inter supradictum sacratissimum prin-
cipem nostrum Maximilianum Romanorum regem et antedictum
serenissimum principem Anglie regem initas et contractas et
eisdem in robore suo nichilominus remansuris, speciales quas-
dam intelligencias , pacciones, convenciones, amicicias, alli-
gancias et confederaciones de consensu, voluntate et man-
dato expressis ipsius dicti domini nostri regis ac virtute po-
testatis per ütteras suas patentes quarum tenor infra sequitur ^)
nobis attribute cum supradictis commissariis Anglie regis, cum
potestate similiter sufficienti per litteras dicti regis patentes
quarum tenor eciam subsequitur 2) munitis, communicavimus,
appunctuavimus , contraximus, conclusimus et concordavimus
ac per presentes appunctuamus, contrahimus, concludimus et
concordamus articulos, promissiones, pacciones, convenciones,
alligancias, amicicias et confederaciones que sequuntur.
Inprimis conventum, concordatum et conclusum est, quod
inter dictos illustrissimos et potentissimos Romanorum et An-
glie reges, heredes et successores suos sit una vera, firma et
inviolabilis pax et amicicia futuris temporibus perpetuo per dei
graciam duratura et quod in ea aliisque convencionibus sub-
sequentibus comprehendantur ^) sacratissimus dominus Romano-
rum imperator semper augustus, illustrissimi principes Castelle
et Legionis rex et regina eorumque primogenitus, Serenissimus
rex Dacie, Norwecie etc., rex Portugalie, electores et principes
imperii atque Britannie ducissa, si in eis comprehendi velint.
Item cum Carolus Gallorum princeps suique progenitores
nonnulla opida insignia, castra, dominia aliaque quam plurima
iura illustrissimorum principum Romanorum Anglorumque et
Hispanorum regum, illustrissimi Philippi archiducis Austrie et
Burgundie ducis necnon serenissime principis Anne Britannie du-
cisse ceterorumque Christiane religionis principum contra om-
nem iuris equitatem viribus et astucia nequiter usurpaverint
usurpaveritque atque iniuste detinet in presenti, inter nos ora-
tores, commissarios, procuratores, negociorum gestores et depu-
tatos antedictos vice, nomine et auctoritate illustrissimorum re-
») Abgedruckt u. a, bei Rymer /. c. VI4 10 f,
•) Abgedruckt u, a. bei Rymer L c, V\4 i^.
•) /l =^ Comprehandantur.
^ö Einleitung.
gum et supremorum nostrorum concordatum , conventuni et
conclusum est, quod si dictus Carolus Gallorum princeps vel
aliquis heredum aut successorum suorum aliquem prefatorum
principum supremorum nostrorum, Philippum Austrie archi-
ducem et Burgundie ducem seu Britannie ducissam vel alicuius
eorundem subditos per terram aut mare invaserit, aut guerram
de facto fecerit aut fieri mandaverit, aut aliquis subditorum suo-
rum sine eins mandato guerram fecerit et Gallorum princeps
requisitus superinde iusticiam denegaverit aut facere neglexerit
et dictus rex sie per se aut suos subditos invasus propter in-
vasionem sibi aut suis sie factam, aut alter regum predictorum
propter invasionem duci aut ducisse predictis factam aut iusti-
ciam superinde requisitam et ab ipso Gallorum principe dene-
gatam neglectamve contra eundem Gallorum principem se
hostem manifeste declaraverit bellum contra eundem indicendo
realiterque agendo, tunc si rex sie invasus alium regem non
invasum aut alter regum predictorum propter invasionem ducis
aut ducisse predictorum alterum regum ad huiusmodi bellum
requisierit, statim post ipsam requisicionem rex sie requisitus
se ipsius Gallorum prineipis hostem fore declarabit et mani-
festabit ae bellum contra eundem Gallorum principem seclusa
mora indieet guerram per terram et mare contra eundem rea-
liter et suis expensis agendo et prosequendo.
Item concordatum, conventum et conclusum est, quod im-
mediate post sex menses post requisicionem ut predicitur per
alterum dictorum duorum regum invasum alteri non invaso fac-
tam vel eicius, si eisdem duobus regibus id ^) utile et condu-
cibile Visum fuerit, uterque regum Romanorum et Anglonim
predictorum regnum Franeie cum tali armatorum potencia qua
posset campum teuere seque et suos contra ipsum Carolum
regem communem eorum adversarium tueri et defendere ac
verisimiliter sua iura ab eo reeuperare in propria persona in-
gredietur et suis expensis dictum principem Carolum eorum
hostem invadet et realiter prosequetur.
Item concordatum, conventum et conclusum est, quod si
propter invasionem ducisse Britannie ut premittitur factam alter
regum Romanorum et Anglorum predictorum alterum requi-
sierit, uterque eorum immediate post sex menses a tempore re-
*) Nachgetragen.
Einleitung. -^ j
quisicionis huiusmodi proxime futuros vel cicius, si utrique
eonim utile visum fuerit, regnum Francie cum sua potencia ut
supra personaliter ingredi dictumque principem Carolum eorum
hostem invadere infestareque ut prefertur teneatur, dummodo
Britannie ducissa per dictum Francorum principem invasa om-
nem et omnimodam guerram tam per terram quam per mare
contra eundem Gallorum regem et suos pro viribus fecerit et
realiter prosequatur.
Item inter nos oratores et commissarios antedictos com-
municatum, concordatum, conventum et conclusum est, quod
postquam uterque Romanorum et Anglie regum predictorum
regnum Francie cum sua potencia personaliter ingressus fuerit
bellumque invasivum ut predicitur inibi fecerit, neuter eorun-
dem regum sine alterius regis noticia et consensu a bello in-
cepto desistet
Item concordatum, conventum et conclusum est inter nos
oratores antedictos et auctoritate qua in hac parte fungimur
nostros supremos supradictos astringimus et per presentes ob-
ligamus, quod si post invasionem in regnum Francie per ut-
mmque Romanorum et Anglie regum predictorum factam ali-
quis eorundem regum aliqua castra, villas, municiones, fortalicia
vel opida ad alterum eorundem duorum regum de iure spec-
tancia evicerit aut quoquomodo adquisierit, ille sie adquirens
per alterum regem ad quem ea de iure spectare noscuntur re-
quisitus magna sine difficultate et dilacione eadem eidem re-
quirenti reddere, tradere et deliberare debebit.
Item concordatum et conclusum est inter nos oratores et
commissarios antedictos, quod neuter dictorum Romanorum et
Anglie regum treugas ^ amicicias, confederaciones aut aliquas
alias intelligencias absque assensu et consensu eorundem al-
terius cum Carolo Gallorum principe aut aliquo successoiiim
suorum post invasionem per eosdem ut prefertur in regnum
Francie inchoatam inibit aut faciet seu iniri aut fieri faciet aut
acceptabit
Sequuntur tenores regis Romanorum et regis Anglie.
Que omnia et singula nos illustrissimi principis Romano-
rum regis oratores prefati potestate qua supra spondemus at-
que promittimus eundemque regem nostrum firmiter obligamus,
quod idem princeps noster Romanorum rex antedictus quatenus
ipsum concernunt ratificabit, approbabit et observabit et in ac sub
^^ Einleitung.
nomine suo proprio unacum manus proprie subscripcione et sui
magni sigilli miinicione infra tres menses post datam presencium
proxime futuros innovabit. In quorum omninm et singulorum pre-
missornm fidem et testimonium nos omnes et singuli Romano-
rum et Anglorum regum oratores antedicti hiis presentibus ma-
nibus propriis subscriptis sigilla nostra apposuimus. Datum apud
Oking XI die Septembris anno domini millesimo quadringen-
tesimo nonagesimo.
Ladron. De Gondebault Thomas Lovell. Henricus Aynesworth.
L.S. LS. LS. LS.
4.
Bündnis ^(wischen Maximilian L und Heinrich VIL gegen
Frankreich d, d, Woking 1490 Sept. 12. (Or, R, O.J
Rat. Maximilians I. d. d. 1491 April 6. (Or. R. O.J
Drucke: Rymer h c. V/^. i} f.
Dumont l. c, UI\2 55.
Universis et singulis ad quos presentes littere pervenerint
nos Ladron de Ghevara miles, consiliarius et camerarius et
magister Jacobus de Gondebault secretarius in ordinanciis et
guerris sacratissimi principis Maximiliani dei gracia Romanorum
regis commissarii, procuratores et deputati salutem:
Sciatis, quod cum Serenissimus princeps Francie Carolus
rex nonnuUa opida insignia, castra, dominia aliaque quam plu-
rima iura potentissimorum principum Romanorum Anglorum-
que et Hispanorum regum, necnon illustrissimi principis Philippi
archiducis Austrie et Burgundie ducis^) serenissimeque prin-
cipis Anne Britannie ducisse atque ceterorum vicinorum Chri-
stiane religionis principum contra omnem iuris equitatem viri-
bus et astucia inique usurpaverit ac usurpat impresenciarumque
detinet, usque adeo quod nee pietati nee iuri nee iusticie aut
religioni quovis pacto pareat aut parere velit cumque etiam
certa capitula conventa, conclusa et iurata in quibusdam dietis
apud Frankfordiam et Ulmam separatim celebratis inter sacra-
tissimum principem Romanorum regem et eundem Carolum
regem minime observavit, imo spreto suo iuramento suaque ex
*) Nachgetragen,
Einleitung. 5 ^
culpa et dolo scienter et spontanie violavit sicque illi tractatus
et conventa in eodem nullius sunt vigoris et effectus atque pro
nichilo penitus habentur:
Nos, Ladron et magister Jacobus, prefati sacratissimi prin-
cipis nostri Maximiliani regis Romanorum oratores, commissarii,
procuratores et deputati antedicti vigore et auctoritate commis-
sionis nobis ab ipso concesse — cuius vero commissionis tenor
inferius inseritur — cum spectabilibus et prehonorandis viris
Thoma Lovel milite thesaurario camere potentissimi principis
Henrici dei gracia regis Anglie etc. et Henrico Aynesworth
legum doctore in officio privati sigilli eiusdem regis secundario,
oratoribus, commissariis, procuratoribus et deputatis — quorum
quidem auctoritatis et commissionis tenor etiam subinseritur —
auctoritate, vice et nominibus nostrorum principum Romanorum
Anglorumque regum antedictorum et Philippi archiducis Austrie
et Burgundie ducis prehabita matura deliberacione unanimiter
tractavimus, concordavimus, convenimus atque conclusimus ac
per presentes convenimus paciscimurque et concludimus omnia
et singula capitula que sequuntur, modo et forma subsequenti-
bus, Omnibus et singulis aliis conventionibus inter ipsos reges
antehac initis in suo robore permanentibus atque permansuris.
Tenor vero capitulorum inter nos utriusque principis antedicti
commissarios conclusorum sequitur et est talis:
Inprimis nos dictorum illustrissimorum principum Roma-
norum et Anglorum regum oratores et deputati antedicti no-
minibus eorum et pro eis auctoritate et potestate nobis ab eis
ut premittitur concessis corcordamus, convenimus et concludi-
mus ipsosque principes nostros firmiter obligamus, quod imme-
diate post tres annos post datam presencium proximo futuros
vel aliquo tempore citius, si utrique ipsorum regum id utile
atque conducibile videatur, uterque prefatorum Romanorum An-
glorumque regum contra dictum Carolum Gallorum principem
et quemcumque eins successorem bellum publice indicet seque
ipsius hostem manifeste declarabit atque sua cum potencia qua
per se poterit in regno Francie castrametari, suorum inimico-
rum iniurias viribus inibi propulsare et sua iura manu forti deo
iuvante recuperare valeat, bellum contra eundem Carolum re-
gem eiusque successores invasivum suo proprio ere realiter aget
ipsumque regnimi Francie cum huiusmodi potencia in persona
propria intrabit et quanto commode poterit continuo progre-
Österrdchisch-cngÜsche Staatsverträge. Bd. I. 3
5i Einleitung.
dietur sicque prefatum Carolum principem suorum communem
hostem et eius successores per terram et mare bellicis armis
pro eius viribus infestabit, nee alter eorum ab huiusmodi bello
sie incepto sine expresso alterius consensu infra duos annos
dictam eorum in regnum Francie invasionem proximo et im-
mediate sequentes quovis pacto desistet.
Et si contingat — quod deus avertat — quod alter dicto-
rum Romanorum et Anglorum regum (omni dolo, colore, Actione
et fraude semotis) ex aliqua causa legittima et neccessaria ut
puta infirmitate prepeditus fuerit, adeo quod in dicto termino
sie statuto in persona propria regnum Francie cum sua potencia
ullo modo ut premittitur ingredi nequeat, quod tunc, si alter
ipsorum regum in eo termino in persona propria dictum reg-
num' prout supradictum est cum sua potencia ingredi velit,
alius rex sie impeditus potenciam, qualem secum habuisset si
regnum Francie in persona propria ut prefertur ingressus fuisset,
cum uno idoneo capitaneo in eodem termino transmittere te-
neatur, sie quod per utriusque regis potenciam bellum invasi-
vum in regno Francie agatur et continetur simili modo ae si
uterque princeps in persona propria dictum bellum invasivura
prout supra inseritur egisset.
Item nos, dictorum regum oratores auetoritate nobis ut
premittitur commissa, convenimus et eoncludimus ae nostros
principes prefatos firmiter obligamus, quod si dicti nostri prin-
cipes Romanorum et Anglorum reges ex quavis causa dictum
eorum ingressum in Franciam in fine triennii ut prefertur sta-
tutum prorogaverint et alium terminum seu alios terminos pro
huiusmodi eorum ingressu in Franciam statuerint, quod uterque
eorum prineipum tunc teneatur in illo termino seu terminis per
eos sie statuto aut statutis bellum invasivum contra dictum
Gallorum principem Carolum communem eorum hostem ae
eius successores agere et in persona propria cum sua potencia
Francie regnum invadere et ipsum bellum continuare, eodem
modo ae si in fme ^) dicti triennii uterque eorum dictum reg-
num ut premittitur invasisset, licet huiusmodi termini aut ter-
minorum prorogacio litteris eorum missivis absque magno illo-
rum sigillo super hoc posthae habeatur.
*) Nachgetragen.
Einleitung. ^ 5
Item nos, dictorum regum oratores antedicti auctoritate
et potestate quibus supra, convenimus et concludimus ac no-
stros principes firmiter obligamus, quod postquam uterque ipso-
rum Romanorum et Anglie regum regnum Francie sua cum
potencia ingressus fuerit atque bellum in eodem invasivum ut
prefertur realiter egerit, neuter ipsorum regum cum dicto Ca-
rolo rege aut aliquo successorum suorum treugas, amicicias,
confederaciones aut aliquas alias intelligencias inibit aut faciet,
aut iniri seu fieri faciet aut acceptabit.
Item nos, sacratissimi principis Romanorum regis oratores
antedicti potestate qua supra, spondemus atque promittimus eun-
demque regem nostrum firmiter obligamus, quod omnia et sin-
gula premissa inter nos et potentissimi principis Anglorum regis
oratores prefatos concordata, conventa et conclusa, idem prin-
ceps noster Romanorum rex pro sua parte et quatenus ipsum
concemunt et attingunt approbabit, ratificabit et in ac sub no-
mine proprio una cum manus proprie subscripcione et sui
magni sigilli municione infra tres menses post datam presencium
proximo futuros innovabit. Tenores regis Romanorum et regis
Anglie. In quorum omnium et singulorum premissorum fidem
et testimonium nos omnes et singuli Romanorum et Anglorum
regum oratores antedicti hiis presentibus manibus propriis sub-
scriptis sigilla nostra apposuimus.
Datum apud Oking XII^ die Septembris anno domini mil-
lesimo quadringentesimo nonagesimo.
Ladron. De Gondebault. Thomas Lovell. ^)
L. S. L. S.
Henricus Aynesworth.
L. S.
>) Siegel fehlt.
3^
56 Einleitung.
5.
Bündnis ^^wischen Maximilian I. und Heinrich VIT. gegen
Frankreich d, d. Woking 1490 Sept. iß. (Or. R. O.)
Rat. Maximilians I. d. d. 1491^ April 6. (Or. R. O.)
Drucke: Rytner L c. VJ4. 14 f.
Dumont L c. IUI 2 55.
Universis et singulis presentes litteras inspecturis nos La-
dron de Ghevara miles, consiliarius et camerarius et magister
Jacobus de Gondebault secretarius in ordiaanciis et guerris sa-
cratissimi principis Maximiliani dei gracia Romanoram regis
commissarii, procuratores et deputati salutem.
Noveritis quod ^) nos, commissarii et deputati antedicti vi-
gore et auctoritate commissionis nobis ab ipso supremo domino
nostro concesse, cuius commissionis tenor inferius inseritxir,
cum spectabilibus et prenobilibus viris, domino Thoma Lovell
milite thesaurario camere potentissimi principis et domini Hen-
rici dei gracia regis Anglie etc. et magistro Henrico Aynesworth
legum doctore in officio privati sigilli eiusdem potentissimi do-
mini regis secundario, oratoribus, commissariis, procuratoribus
et deputatis — quorum quidem auctoritatis et commissionis tenor
etiam subinseritur — auctoritate, vice et nominibus nostrorum
principum Romanorum Anglorumque regum antedictoram pre-.
habita matura deliberacione unanimiter tractavimus, concor-
davimus, convenimus et conclusimus ac per presentes con-
venimus et concludimus paciscimurque omnia et singula capi-
tula que sequuntur modo et forma sequentibus, omnibus et
singulis aliis convencionibus inter ipsos reges antehac initis ni-
hilominus in suo robore permanentibus atque permansuris.
Inprimis quod, licet inter nos iam dudum auctoritate com-
missionum nostrarum communicatum, conventum et conclusum
Sit, quod propter invasionem alteri eorundem Romanorum aut
Anglie regum aut Philippe archiduci Austrie et Burgundie duci
seu ducisse Britannie per Gallorum regem factam uterque Ro-
manorum et Anglorum regum post alterius regis requisicionem
contra Carolum Francorum regem eiusve successores bellum
publice indicere et realiter prosequi ac in propriis personis et
expensis regnum Francie invadere teneatur, nee a bello sie in-
») NacJigetragen,
Einleitung. ^n
cepto quovis pacto alter sine consensu alterius desistere possit,
ut in litteris desuper confectis plenius continetur, nobis tarnen
cüctomm Romanoram et Anglorum regum commissariis ante-
iüctis Visum est atque auctoritate commissionum nostnram pre-
dictanim per presentes convenimus, concordamus et concludi-
mus, quod post duos annos dictam eorum in regnum Francie
invasionem proximo et immediate sequentes uterque eorum re-
gum a bello sie incepto absque alterius expresso consensu libere
desistere licebit priore convencione in aliquo non obstante.
Item licet inter nos commissarios antedictos in eisdem lit-
teris auctoritate commissionum nostrarum predictarum conven-
tum et conclusum sit, quod si post invasionem per Gallorum
principem alteri regum Romanorum et Anglie predictorum seu
Philippo archiduci Austrie et Burgundie duci aut ducisse Bri-
tannie factam alter Romanoram et Anglie regum predictorum
alterum requisierit, uterque Romanorum et Anglie regum im-
mediate post sex menses a tempore huius requisicionis regnum
Francie cum sua potencia personaliter et expensis suis invadere
teneatur, ut in litteris superinde confectis plenius continetur:
Nos tamen oratores antedicti auctoritate, vice et nomine
supremorum nostroram convenimus, concordavimus et con-
clusimus ac per presentes convenimus, concordamus et con-
cludimus, quod alteri regum predictorum sie requisito per al-
terum immediate post unum annum integrum regnum Francie
personaliter cum sua potencia a tempore requisicionis sibi facte
invadere sufficiat, priore convencione de tempore semestri non
obstante.
Item quod, licet inter nos oratores, commissarios et depu-
tatos antedictos in eisdem litteris auctoritate commissionum
nostrarum communicatum, conventum et conclusum sit, quod
si alter Romanoram aut Anglorum regum propter invasionem
sibi seu Philippo archiduci Austrie et Burgundie duci aut du-
cisse Britannie per Gallorum principem factam regnum Francie
personaliter invadere decreverit et alterum regem ad similem
invasionem requisierit tunc, si requirens immediate^) post sex
menses a tempore requisicionis huiusmodi realiter regnum Francie
cum sua potencia personaliter ingressus fuerit, alter regum pre-
dictorum sie requisitus similiter in sua persona cum simili po-
') Nachgetragen,
^S Einleitung.
tencia pariter idem regnum Francie invadere et ingredi teneatur,
ut in Ütteris desuper confectis plenius continetur:
Nos tarnen oratores et commissarii antedicti auctoritate
commissionum nostrarum ut supra mutuo convenimus, com-
municavimus et conclusimus ac per presentes convenimus, com-
municamus et concludimus ac principes nostros obligamus et
astringimus, quod si alter regum Romanorum et Anglie supra-
dictorum dolo, fraude et malo ingenio cessantibus aliquo legit-
timo et necessario impedimento ut puta infirmitate detineatur,
quominus personaliter regnum Francie invadere aut ingredi
possit et alter regum predictorum nihilominus personaliter dic-
tum regnum Francie cum sua potencia invadere velit, alter rex
tunc sie ut premittitur impeditus exercitum ita sufficientem
ac si in persona propria Franciam invasisset sub idoneo capi-
taneo gubernandum in Franciam infra supradictum tempus ut
premittitur transmittere et bellum incipere ac realiter expensis
suis prosequi teneatur, sie quod per utriusque regis potenciam
bellum invasivum in regno Francie agatur et continuetur simili
modo ac si uterque princeps in persona propria dictum bellum
invasivum prout supra inseritur egisset.
Item inter nos commissarios, oratores et deputatos ante-
dictos conventum et conclusum est, quod immediate postquam
illustrissimus princeps Philippus archidux Austrie et Burgundie
dux ad etatem maturam et legittimam pervenerit, tunc sacra-
tissimus princeps MaximUianus Romanorum rex procurabit, sol-
licitabit, faciet et pro viribus curabit, quod dictus Philippus om-
nia et singula in bis et supradictis litteris contenta observabit et
perimplebit ac in persona sua et pro se ac nomine suo innovabit
et se ad observanciam omnium et singulorum articulorum in
bis et supradictis litteris contentorum cum supradictis Roma-
norum et Anglie regibus alligabit et confederabit ac quemad-
modum alii duo reges supradicti se ad premissa obligarunt et
astrinxerunt se sub suo sigillo magno obligabit et astringet.
Item inter nos commissarios, oratores et deputatos ante-
dictos auctoritate qua supra conventum et conclusum est, quod
per presentes modificaciones, correcciones, limitaciones, inter-
pretaciones et addiciones prioribus litteris de quibus supra fit
mencio in aliis nullatenus derogetur, sed in omnibus et per
per omnia stabunt in omni robore suo et effectu supradictis
modificacionibus, correccionibus, limitacionibus, interpretacioni-
Kinleitung. t^g
bus et addicionibus dumtaxat exceptis. Sequuntur tenores regis
Romanorum et regis Anglie.
Que omnia et singula supradicta nos, sacratissimi principis
Romanorum regis oratores antedicti potestate qua supra, spon-
demus atque promittimus eundemque regem nostrum firmiter
obligamus, quod idem princeps noster Romanorum rex qua-
tenus ipsum attingunt ratificabit, approbabit et in ac sub no-
mine suo proprio una cum manus proprie subscripcione et sui
magni sigilli municione infra tres menses post datam presen-
cium proximo futuros innovabit.
In quorum omnium et singulorum fidem et testimonium
nos omnes et singuli Romanorum et Anglorum regum oratores
antedicti hiis presentibus manibus propriis subscriptis sigilla
nostra apposuimus.
Datum apud Oking XÜI® die Septembris anno domini
millesimo quadringentesimo nonagesimo.
Ladron. Gondebault. Thomas Lovell. Henricus Aynesworth.
L. S. L. S.
6.
Bimdnis ^(wischen Maximilian L, Heinrich VIT., Papst Ale-
xander VT,, Spanien, Venedig und Mailand, d. d. Rom 1496
Juli 18, 0
Rat TTeinrichs VTL d, d, Windsor 1496 Sept j2J. (R. O. French
Roll. 12.)
Drucke: Rymer l. c. VI 4 loy f.
Dumont 1. c. IIII2 s^^ff.
Rex universis et singulis ad quos etc. salutem.
Cum sanctissimus dominus noster Alexander sextus sere-
nissimusque dominus Maximilianus Romanorum rex ac Sere-
nissimi principes Ferdinandus rex et Elizabetha regina Hispa-
niarum necnon illustrissimus dominus Augustinus Barbadico
Veneciarum dux et illustrissimus dominus Ludovicus Maria
Sforcia Anglus dux Mediolani quandam confederacionem, colli-
0 Da das Original dieses Bündnisses weder im R. O. noch im St.'A. sich
vorfindet, wurde die im R. O. erhaltene Ratifikation desselben durch Heinrich VfL
\um Abdrucke gebracht.
^O Einleitung.
gacionem, unionem, intelligenciam et ligam ad finem pacis et
pro conservanda dignitate et auctoritate prefati sanctissimi do-
mini nostri pape atque sedis apostolice necnon pro tocius Chri-
stiane religionis salute sub anno domini millesimo quadringen —
tesimo nohagesimo quinto die ultima mensis Marcii prout no-
bis significarunt invicem contraxerint, inierint atque firmaverint
et ut in eandem confederacionem et ligam intraremus sepenu-
mero nos requisiverunt et invitarunt:
Unde nos, summopere deo complacere sanctissimoque do-
mino nostro inservire ac dignitati auctoritatique sue sanctitatis
ac sacre sedis apostolice conservandis totique Christiane reli-
gioni pro viribus prodesse studentes necnon ad contemplado-
nem serenissimorum prefatorum dominorum atque tarn salutari-
bus tamque honestissimis eorum votis et desideriis quantum cum
honore nostro valeamus annuere cupientes, nostrum ad eandem
sanctitatem suam oratorem sive nuncium dominum Robertum
Shirboum cum quibusdam instructionibus nostram super pre-
missis meutern continentibus iam paulo ante transmisimus.
Qui quidem orator sive nuncius noster in urbe Romana
cum sua sanctitate ceterorumque serenissimorum principum ante-
dictorum oratoribus constitutus et ab eodem sanctissimo domino
nostro confederatorumque predictorum oratoribus ac procura-
toribus de novo requisitus et invitatus dictam ligam, coUiga-
cionem et unionem anno domini millesimo quadringentesimo
nonagesimo sexto die vero decima octava mensis Julii nomine
nostro intravit ipsumque sie intrantem prefatus sanctissimus
dominus noster et predictorum principum oratores et procura-
tores nominibus suorum dominorum acceptarunt et admiserunt
ac de novo ligam, colligacionem et unionem predictas quoad
capitula subsequencia ut premittitur nominibus predictis inie-
runt et contraxerunt.
Quorum autem dictorum lige ac capitulorum, sie ut pre-
fertur per ipsum oratorem nostrum de novo conclusorum, tenor
sequitur et est talis.
Et primo supranominati, sanctissimus dominus noster do-
minus Alexander papa sextus pro se et successoribus suis ca-
nonice intrantibus ac sancte Romane ecclesie ^) adherentibus,
commendatis et subditis, nee non Serenissimus dominus Maxi-
*) i4 = sancta Romana ecclesia.
Einleitung. 4 1
milianus Romanorum rex, Hemicus Anglie rex eius nominis
septimus, Ferdinandus et Elizabetha rex et regina Hispaniarum
et illustrissimi domini Augustinus Barbadico dux Veneciarum
et Ludovicus Maria Sforcia Anglus dux Mediolanensis,*) pro se
et successoribus suis ac adherentibus, commendatis et subditis
et pro eis et quolibet eorum respective procuratores et oratores
supranominati nominibus quibus supra ineunt et contrahunt
bonam, meram et puram unionem, confederacionem, intelligen-
ciam et ligam duraturam usque ad annos viginti quinque et
ultra usque ad illud totum tempus quod ipsis partibus placi-
tum fuerit ad mutuam ut dictum est conservacionem statuum
parcium predictarum et uniuscuiuscunque earum contra omnes
et quoscumque quiqui illi fuerint dominos et potentatus in
Italia impresencianim statum habentes et tenentes et si durante
liga huiusmodi statum habere in Italia desierint, qui de cetero
non provocati et non lacessiti offenderent per se vel alium par-
tes predictas vel ipsarum aliquam seu Status adherentes, com-
mendatos et subditos uniuscuiusque parcium predictarum.
Item convenerunt, quod prefatus sanctissimus dominus
noster iuvare debeat confederatos predictos cum armis spiritua-
libus iuxta rei exigenciam et quantum de iure licuerit sue
sanctitati.
Item si forte occurreret quod deus avertat quod ad bel-
lum deveniret, non possit quovis modo fieri pax, nisi cum
sciencia sociorum et cum reservacione et sine preiudicio pre-
sentis confederacionis et lige.
Item casu quo offendens offenso pro oflfensione satisfac-
cionem exhiberet, treugas et inducias peteret, a bello aut mo-
lestia desistere et se coram confederatis iuri subicere vellet
teneatur tunc offensus acquiescere et partes illas oblatas iudicio
et consilio confederatorum acceptare et relinquere. Et si talis
offensus noUet, possint ceteri ex liga auxilium in eo casu ab
ipso oflfenso amovere et pro eo bello de cetero denegare.
Item convenerunt, quod aliqua pars predictarum facta con-
clusione presentis lige non possit ad aliquam intelligenciam seu
ligam devenire cum aliqua potencia habente ut superius est
expressum in Italia statum nisi de communi consensu et vo-
luntate omnium parcium et nisi fuerit sine preiudicio et cum
*) i4 = medeolanensis.
^2 Einleitung.
reservacione capitulorum presentis lige, quibus nullo modo
liceat derogari.
Item reservetur unicuique domino et potentatui locus in-
grediendi hanc ligam secundum uniuscuiusque decenciam cum
illis modis, condicionibus et obligacionibus, que partibus con-
trahentibus hanc ligam vise fuerint et placebunt.
Item post conclusionem presentis lige teneantur partes et
quelibet earum infra menses tres nominasse invicem suos ad-
herentes et commendatos cum hac declaracione pro maiori cau-
tela, quod nuUa parcium nominare possit in huiusmodi deno-
minacione facienda aliquem dominum aut potentatum, qui dig-
nitate, titulo aut potencia non sit inferior unicuique parcium
principalium huius confederacionis; et hoc quoniam, siquisma-
ioris gradus beneficio ipsius confederacionis uti voluerit, equum
quoque est eum aliorum confederatorum cognicionibus et alli-
gacionibus pariter subiacere, prout partibus contrahentibus \'i-
sum fuerit conveniens.
Item presens liga et confederacio per partes contrahentes
infra terminum trium mensium a die stipulacionis presentis imio-
nis et lige hincinde in forma publica et autentica per publica
instrumenta et literas debeat approbari et ratificari instrumen-
taque vel litere ratificacionis huiusmodi vicissim mitti et tradi
debeant, firmis nichilominus remanentibus in omnem eventum
aliis Omnibus capitulis huius confederacionis.
Item convenerunt, quod presens liga per sanctissimum do-
minum nostrum et illustrissimos duces prefatos solempniter
publicari debeat die dominico ultima presentis mensis Julii, qui
erit in terris et dominus cuiuslibet eorum, cum solempnitatibus
et processionibus demonstracionibusque et signis gaudii et leticie
ut est consuetum; et hoc idem servetur a cesarea maiestate,
serenissimis regibus Hispaniarum et Anglie faciantque similem
publicacionem post habitam noticiam in una ex festivitatibus
pro signis sequentibus ipsam noticiam a maiestatibus suis ha-
bitam.
Item ne magis potentes minus potentes opprimant utque
cuilibet quod sibi iure competit reddatur convenerunt partes
predicte, quod si forte occurreret ad bellum devenire in quo
hello caperentur a copiis confederatorum dominia, castra, loca
aut bona, que essent aut fuissent alicuius ipsarum parcium sive
earum adherencium et commendatorum simihterque illorum, qui
Einleitung. 43
de consensu et voluntate confederatorum post conclusionem
lige ligam intrabunt, in hoc casu ipsa dominia, castra, loca et
bona restitni debeant spoliatis cum illis pactis et condicionibus,
que partibus contrahentibus hanc ligam videbuntur.
Item si aliqua pars in liga comprehensa vel que post con-
tractum lige ligam intrabit aut domini vel comunitates pro ad-
herentibus aut commendatis dati per aliquam parcium in liga
comprehensarum offenderet aliquem ex partibus principalibus
seu adherentes aut commendatos alicuius ipsarum parcium, non
intelligatur liga violata quoad alias partes principales non con-
tra facientes, sed omnes alle partes principales in liga compre-
hense teneantur ad requisicionem oflfensi contra offendentem
subsidia prestare offenso pro eius defensione bona fide secun.
dum casus exigenciam, quemadmodum facerent et facere de-
berent si talis offendens non esset in liga tanquam principalis
aut accessorius in liga comprehensus.
Item contingente casu belli (quod absit) cum aliquo ex
colligatis vel in liga comprehensis partes alie non solum tene-
antur non dare transitum et receptum ac victualia gentibus ad
oflfensam alicuius parcium transeuntibus, sed illis transitum in-
terdicere non solum denegando sibi predicta, sed eciam ob-
sistendo ne transeant ad offensam ut supra bona fide et secun-
dum casus exigenciam.
Item quod aliqua parcium predictarum non possit nee de-
beat accipere nee conducere ad servicia et stipendia sua ali-
quem capitaneum armorum, ductorem, conestabilem, vel alium
stipendiarium alicuius alterius partis sine sciencia et consensu
illius partis cuius esset stipendiarius. Et si aliquis ex predictis
capitaneis armorum, ductoribus, armigeris, conestabilibus et sti-
pendiariis fugeret et se reciperet in dominium alicuius ex eis-
dem partibus, pars illa in cuius dominium huiusmodi transfu-
gerent teneatur ad omnem requisicionem et instanciam partis
a qua aufugerent eos realiter et personaliter detineri facere in
quocumque loco dominii sui, nee possint relaxari donec resti-
tuerint quicquid abstulerint aut cum hiis a quibus aufugerint
concordes fuerint.
Item cum ex laudabili consuetudine et sacrorum canonum
institutis Serenissimus dominus Romanorum rex ad imperato-
rium culmen electus pro cesareo diademate accipiendo Romam
Sit profecturus, prefati sanctissimus dominus noster et illustris-
44 Kinleitung.
simi domini duces promiserunt et promittunt prefate cesarie
maiestati et omnibus copiis suis transitum liberum per omnes
civitates et quecumque loca et passus dicionum suarum et cum
exhibicione commeatuum necessariorum, qui tarnen solvi de-
beant ab ipsis gentibus precio convenienti, nee aliqua molestia,
iniuria, dampnum aut offensio inferri debeant ab eisdem copiis
alicui subditorum aut locorum prefati serenissimi domini nostri
et illustrissimorum dominorum ducum, qui similiter prestabunt
omne auxilium et favorem oportunum pro habundanciori copia
commeatuum predictorum.
Item pro declaranda universo orbi summa observancia,
qua illustrissimi et excellentissimi domini Veneciarum et Medio-
lani duces prosequuntur cesaream maiestatem, prefati illustris-
simi domini duces promiserunt eidem maiestati profisciscenti
Romam ad accipiendam coronam imperii sui mittere ad eam
comitandum elmettos quadringentos pro quolibet ipsorum do-
minorum ducum propriis stipendiis et impensis; que quidem
copie comitari debeant maiestatem prenominatam Romam us-
que et stare ad omnem ipsius obedienciam et mandatum. Et
insuper supranominatus dominus Robertus ut principalis ac
privata persona ac vice et nomine supranominati serenissimi
domini regis Anglie, pro quo de rato et ratihabicione promisit
et convenit simili solempni stipulacione interveniente cum con*
federatis et colligatis predictis et Stephano quondam Alexandri
civi Narvien. publico apostolica et imperiali auctoritatibus et
camere apostolice notario, tunc ut publice persone presenti sti-
pulanti et recipienti pro eis, quod Serenissimus rex Anglie suus
principalis omnia et singula in dictis capitulis et presenti con-
tractu contenta et expressa per publicum instrumentum, sive
per eins literas regias sue maiestatis signatas et solito sigillo
pro more regni eins sigillatas in autentica forma, libere et ab-
solute infra tres menses proxime futuros a die presentis sti-
pulacionis computandos apud dominos confederatos ratificabit,
acceptabit et emologabit ut iacent ; promittentes supranominatus
sanctissimus dominus noster ut supra ac oratores et procura-
tores prefati et ipsorum quilibet nomine suorum principalium
predictorum respective invicem inter se solempni stipulacione
interveniente et notario suprascripto ut publice persone presenti
stipulanti et recipienti pro eis et eorum quolibet heredibusque
et successoribus suis et omnibus quorum interest, intererit aut
Einleitung. a^
interesse poterit, quomodolibet in futurum premissa omnia et
singula in presenti contractu et capitulis suprascriptis contenta
et expressa prout iacent attendere, observare et eflfectualiter
adimplere et nuUo modo contrafacere vel venire per se vel per
alium seu alios aliqua racione, occasione vel causa, directe vel
indirecte, tacite vel expresse, publice vel occulte, aut quovis
quesito colore, sub pena eadem, que in contractu alterius lige
de qua supra exposita et expressa fuit et est per partem con-
trafacientem ipso facto incurrenda et partibus observantibus ap-
plicanda; qua pena commissa vel non, soluta vel non, exacta
vel non, nichilominus predicta omnia et singula recta sint et
fmna perdurent; obligantesque videlicet sanctissimus dominus
noster sua et Romane ecclesie, procuratores vero prefati eis-
dem nominibus eomndem suorum principalium bona respective
presencia et futura statusque et dominia eorum pro observa-
cione et implemento predictorum omnium et singulorum; re-
nunciantes excepcioni non sie celebrati contractus, rei non sie
vel alias geste, excepcioni doli mali, metus, condicioni indebite
sine causa vel ex iniusta causa et omnibus aliis excepcionibus eis
et ipsorum cuilibet nominibus predictis adversus premissa et
quodlibet premissorum quomodolibet competentibus et com-
petituris.
Per hunc autem presentis lige contractum cum prefato
serenissimo domino rege Anglie inite prefati confederati vide-
licet sanctissimus dominus noster, serenissimi Romanorum et
Hispaniarum reges et regina necnon illustrissimi domini Vene-
ciarum et Mediolani duces et pro eis procuratores prefati dictis
nominibus non intellexerunt nee intelligunt recedere aliquo
modo a supradicta liga et confederacione inter eos inita et cele-
brata, die ultima mensis Marcii millesimo quadringentesimo
nonagesimo quinto, de qua supra in principio fitmencio, neque
intelligunt in aliquo ab eadem liga capitulis et obligacionibus
ceterisque aliis in ea contentis esse recessum aliisque deroga-
tum, preiudicatum seu quomodolibet alteratum, sed in omnibus
et *) per omnia illam firmam, ratam et immutatam perdurare
ac penitus observare et implere, perinde ac si presens liga et
confederacio cum predicto serenissimo domino rege facta mi-
nima fiiissent.
») et fehlt im Or.
46 Einleitung.
Et pro maiori omnium et singulorum predictorum robor^
et firmitate sanctissimus dominus noster in verbo pontificis af—
firmavit, oratores vero et procuratores prefati et quilibet ipso—
rum in animas suorum principalium predictorum in pectoribus
ad sancta dei evangelia corporaliter manutacta scripture respec-
tive iuraverunt premissa omnia et singula vera esse et ea at-
tendere et observare ut supra sub pena et obligacione pre-
dictis, rogantes notarium suprascriptum, ut de predictis Omni-
bus et singulis publicum conficeret instrumentum unum vel
plura conformia ad futuram rei memoriam.
Acta fuerunt hec Rome in palacio apostolico apud sanc-
tum Petrum in aula pontificum anno domini millesimo qua-
dringentesimo nonagesimo sexto dieque decima octava mensis
Julii supradicti.
Presentibus ibidem reverendis in Christo patribus et do-
minis Bartholomeo archiepiscopo Cusenten.; L. episcopo Capu-
taquen., sanctissimi domini nostri secretariis; Jeronimo episcopo
Archadien.; Felino episcopo Pennen.; Johanne electo Tüllen.;
Johanne Baptista episcopo Mutinen., ipsius sanctissimi domini
nostri datario; Francisco de Borgia electo Thrauen.; Martino
de Azpedia, apostolice sedis protonotario ; Antonio de Monte
sacri palacii apostolici causarum auditore; Johanne de Montay,
oratore serenissimi domini regis Hungarie; Johanne Copis, ar-
chidiacono Leodien.; Francisco de Parma, in maiori parco ab-
breviatore et Antonio Fabregnes, cubiculario sanctissimi nostri
pape, testibus ad premissa vocatis, habitis et specialiter requi-
sitis et rogatis.
Que quidem omnia et singula prefata capitula sive arti-
culos in hac nova liga contenta laudamus, approbamus, con-
firmamus, ratificamus et emologamus. In quorum etc.
Datum in castro nostro de Wyndesore anno domini mil-
lesimo quadringentesimo nonagesimo sexto, regni vero nostri
duodecimo mensisque Septembris die vicesimo tercio.
Consimiles litere in omnibus erant per dominum regem eis-
dem loco et tempore signate, sigillate et expedite, preter quam
quod inthemate ista clausula eratjapposita et adiecta postverbum
„unionem" primitus tamen contentis in dicta liga die ultima
Marcii conclusa, mutuum videlicet succursum sive subsidium
dictorum confederatorum concernentibus propter nimiam loco-
rum distanciam ceterasque causas in dictis nostris instruccioni-
Einleitung. ^'j
biis palam exhibitis et ostensis specificatas ex sanctissimi do-
rnini nostri ac aliorum serenissimorum principum prefatorum
oratorum et procuratorum consensu penitus omissis. Et in rati-
ficacione eiusdem apponatur ista clausula mutuum succursum
sive subsidium minime concernencia, videlicet immediate post
"hoc verbum „contenta" et immediate ante hoc verbum ,J[au-
damus."
7.
Hatidelsvertrag ^w/scJuii Maximilian 1. und Heinrich VIL J. J.
Atitwerpen i$o2 Juni 19. (Ot\ St.-A. u, R. O.J
Rat Heinrichs VIL d. d. Westminster 1^02 Aug. 14. (Or,
St'A. ;) Maximilians I. d. d. Augsburg i^o2ßJuli 28. fOr. R. O.J
Drucke: Rymer l. c\ V\4 174 f.
Dumont L c, iy\i ^o f.
Universis et singulis ad quorum noticias presentes littere per-
venerint Karolus Somerset unus militum ordinis garterii ac unus
camerariorum et capitaneus garde illustrissimi regis Anglie ac
magister Willielmus Warham in episcopum Londoniensem elec-
tus, ambassiatores, procuratores, oratores et commissarii in hac
parte serenissimi ac metuendissimi domini nostri supremi Hen-
rici dei gracia regis Anglie et Francie et domini Hibernie sa-
lutem. Sciatis, quod nos pro dicto seienissimo principe nostro
Anglie rege antedicto suisque heredibus et successoribus atque
eius et eorum nomine auctoritate nobis ab eodem rege nostro
per litteras suas patentes commissa, quarum tenor inferius se-
quitur % cum venerabilibus viris Cornelio de Bergis aurei vel-
leris milite, domino temporal! de Melin et Zevenberghes, ma-
rescallo illustrissimi principis domini Philippi archiducis Au-
strie, Henrico de Wittem milite aurei velleris domino tem-
poral! de Bersell, gubernatore domini Karoli ducis Luxenber-
gensis etc. et Judoco Prant milite domino temporal! de Blaes-
velt, ambassiatoribus, procuratoribus, oratoribus et commissariis
sacratissimi principis Maximilian! Romanorum regis semper au-
gusti, archiducis Austrie etc. ad infrascripta per ipsius regis
Romanorum litteras patentes deputatis, quarum eciam tenor in-
<) Abgedruckt u, a, Rymer L c. VI4 17^,
48 Einleitung.
ferius sequitur^), convenimus, contraximus et conclusimus ac
per presentes convenimus, contrahimus et concludimus omnes
et singulos mercium et mercandisarum intercursus sequentes
articulos.
Inprimis conventum, concordatum et conclusum est, quod
omnes et singiili mercatores regni Anglie, dominii Hibemie, ville
et marchiarum Calesii et eorum factores, famuliares, negociomm
gestores et ministri, naute, magistri navium et marinarii po-
terunt de cetero navigare, ire, transire et redire per terram,
mare et aquas dulces necnon eundo et redemido conversari,
esse et morari secure et libere in patriis, terris et dominus Se-
renissimi regis Romanorum et eciam in portubus et litoribus
patriarum, terrarum et dominiorum predictorum per ipsum re-
gem Romanorum aiictorizatis, in villis videlicet ubi custumarii
et alii officiarii regales sunt ordinati ad vacandum et attenden-
dum pro et super introitu et exitu navium, mercatorum et mer-
candisarum et non alibi nee in aliis locis cum eorum bonis et
mercandisis in patriis, terris et dominus ipsius regis Romanorum
non prohibitis ac cum navibus quibuscunque et cum merca-
toribus patriarum, terrarum et dominiorum predictorum seu
eorum factoribus, famuliaribus et negociorum gestoribus ac mi-
nistris necnon cum omnibus aliis mercatoribus cuiuscumque
nacionis existant et eorum factoribus, famuliaribus et negocio-
rum gestoribus ac ministris de quibuscumque mercandisis et
rebus non prohibitis libere mercare, emere, commercium habere
et vendere ac mercandisias facere; poterintque ad et in pre-
dictos portus et litora patriarum, terrarum et dominiorum pre-
fati domini regis Romanorum tam eorum propria bona quam
aliena ut prefertur non prohibita ducere, vel duci facere et ab
ipsis portubus seu litoribus quocienscumque, quandocumque et
quocumque voluerint cum predictis bonis, mercandisis et navi-
bus secure recedere et redire.
Et pari modo omnes et singuli mercatores patriarum, ter-
rarum et dominiorum prefati domini regis Romanorum et eorum
factores, famuliares, negociorum gestores et ministri, naute, ma-
gistri navium et marinarii poterunt de cetero secure et libere
navigare, ire, transire et redire per terram, mare et aquas dul-
ces necnon eundo et redeundo conversari, esse et morari secure
*) Abgedruckt u, a, Rymer l, c, Vj^ ly^.
Einleitung. 40
et libere in dictis regno Anglie, dominio Hibernie, villa et mar-
chiis Calesii et eciam in portubus et litoribus eorundem per
prefatum dominum regem Anglie auctorizatis, in villis videlicet
ubi custumarii ac alii officiarii regii sunt ordinati ad vacandum
et attendendum pro et super introitu et exitu navium, merca-
torum et mercandisarum et non alibi nee in aliis locis cum
eorum bonis et mercandisis in dicto regno Anglie, dominio Hi-
bernie, vel villa et marchiis Calesii non prohibitis ac cum na-
vibus quibuscumque et cum mercatoribus Anglie, Hibernie et
Calesii ac marchiarum eiusdem seu eorum factoribus, famuliari-
bus, negociorum gestoribus ac ministris necnon cum omnibus
aliis mercatoribus cuiuscumque nacionis existant et eorum fac-
toribus, famuliaribus et negociorum gestoribus et ministris de
quibuscumque mercandisis et rebus non prohibitis libere mercari,
emere, commercium habere et vendere ac mercandisias facere ;
poteruntque ad et in predictos portus Anglie, Hibernie ac Calesii
tarn eorum propria bona quam aliena ut prefertur non pro-
hibita ducere vel duci facere et ab ipsis portubus seu litoribus
quocienscumque, quandocumque et quocumque voluerint cum
predictis bonis, mercandisis et navibus libere et secure recedere
et redire, absque eo quod aliqui mercatores regnorum, pa-
triarum, terrarum alicuius principis principum predictorum per
ipsos principes seu eorum officiarios quovis pacto redargui vel
aliqua pena multari possint, vel quod per eosdem ipsis mer-
catoribus aliquod dampnum, preiudicium vel impedimentum
fieri aut inferri possit per viam facti occasione guerre vel depre-
dacionum aut attemptatorum factorum vel fiendorum vel alio
modo ex causa quacumque, solvendo tamen quantum attinet ad
mercatores utriusque partis parcium predictarum pro rebus, bo-
nis et mercandisis suis iura et theolonea pro eisdem debita et
consueta.
Item conventum est, quod presentem tractatum ac omnia
et singula capitula in eodem contenta uterque princeps prin-
cipum predictorum per litteras suas patentes magnis sigillis suis
sigillatas et manibus suis propriis subscriptas et subsignatas in-
fra duos menses datam presencium proxime et immediate se-
quentes acceptabit, confirmabit et ratificabit, omnesque'et sin-
gulos tam iuris quam facti defectus et presertim si que sunt
racione commissionis aut commissionum principum predictorum,
ita ut si ad presentem tractatum aut ad aliquod in eodem con-
Österrdchisch-eoglische SUatsverträgc Bd. I. 4
^O Einleitung.
tentum et nominibus eorundem principum per nos conclusum
in aliqua sua parte aliqua commissio commissionum predicta-
rum non satis ampla ac sufficiens videatur, per suas litteras con-
finnatorias ut premittitur signatas et sigillatas suplebit bene-
ficioque omnium et singulorum canonum ac legum, quos qui-
dem canones ac leges pro hie expressis habemus; quibus propter
defectum alicuius commissionis commissionum predictarum ali-
cui articulorum presentis tractatus in parte vel in toto derogari
possit in dictis suis litteris confirmatoriis palam et expresse re-
nunciabit et nos commissarii principum predictorum eorundem
nominibus renunciamus per presentes. Promittetque uterque
princeps principum predictorum bona fide et in verbo regio
omnia et singula capitula presentis tractatus et in eis aut eorum
aliquo contenta quantum ad eos pertinet pure, fideliter ac in-
violabiliter teuere, adimplere et observare et ab aliis teneri,
adimpleri et observari facere, nee contra ea aut eorum aliquod
facere aut venire, fierive aut xeniri uUo unquam tempore con-
sentire vel permittere. Quas quidem litteras confirmatorias et
ratificatorias ut premittitur sigillatas et subsignatas uterque
principum predictorum infra dictos duos menses in civitate Lon-
doniens commissariis sufficienter in ea parte deputatis vicissim
tradet et deliberabit, tradive et deliberari faciet.
[tem conventum est, quod dictus sacratissimus Roma-
norum rex omnia et singula capitula presentis tractatus vel
saltem tenorem et elTectum eorundem in dignioribus civitati-
bus et opidis patriarum suarum immediate post tradicionem
dictarum litterarum confirmatoriarum publicari, notificari ac pro-
clamari faciet cum effectu, et dictus Serenissimus rex Anglie
omnia et singula huiusmodi capitula presentis tractatus vel sal-
tem tenorem et effectum eorundem immediate post tradicionem
dictarum litterarum ut premittitur confirmatoriarum in digniori-
bus civitatibus et opidis regni sui publicari aut proclamari faciet
cum effectu.
Sequuntur tenores commissionum factarum commissariis
illustrissimi regis Anglie et sacratissimi regis Romanorum. i)
In quorum omnium et singulorum premissorum fidem et
testimonium nos Serenissimi regis Anglie commissarii antedicti
sigilla nostra presentibus apposuimus et nomina nostra mani-
*) VgL die Anw. p. ^7.
Einleitung. ^ I
bus nostris propriis subscripsimus. Datum apud Andwerpiam
decimo nono die mensis Junii anno domini millesimo quin-
gentesimo secundo.
C Somerset. William Warham.
8.
Freundschaftsbündnis :(uoischen Maximilian L und Heinrich VIL
d. d. Antwerpen i$o2 funi 20, (Or. St-A, //. R, 0,J
Rat. Heinrichs VH. d, d, Westminster 1^02 Augtist 14, (Or. St,-A, ;)
Maximilians I. Augsburg i$o2 Juli 28. (Or, R, O,)
Drucke: Rymer U c, VI4 180 ff,
Dumont h c, IVji ^4 ff.
Universis et singulis ad quorum noticias presentes littere
pervenerint Karolus Somerset unus militum ordinis garterii ac
unus camerariprum et capitaneus garde illustrissimi regis Anglie
ac magister Willielmus Warham in episcopum Londoniensem
electus, ambassiatores, procuratores, oratores et commissarii in
hac parte serenissimi ac metuendissimi domini nostri supremi
Henrici dei gracia regis Anglie et Francie et domini Hibernie
salutem. Sciatis, quod nos pro dicto serenissimo principe nostro
Anglie rege antedicto suisque heredibus et successoribus atque
eins et eorum nomine, auctoritate nobis ab eodem rege nostro
per litteras suas patentes commissa, quarum tenor inferius se-
quitur*), cum venerabilibus viris Cornelio de Bergis aurei vel-
leris milite, domino temporali de Melin et Zevenberghes etcl,
marescallo illustrissimi principis domini Philippi archiducis Au-
strie, Henrico de Wittem milite aurei velleris, domino temporali
de Bersell, gubernatorem domini Karoli ducis Luxenbergensis etc.
et Judoco Prant milite, domino temporali de Blaesvelt, ambas-
siatoribus, procuratoribus, oratoribus et commissariis sacratissimi
principis Maximiliani Romanorum regis semper augusti archi-
ducis Austrie etc. ad infrascripta per ipsius regis Romanorum
litteras patentes deputatis, quarum eciam tenor inferius sequi-
tur *), convenimus, contraximus et conclusimus ac per presentes
convenimus, contrahimus et concludimus omnes et singulos
pacis et amiciciarum sequentes articulos.
*) Vgl. Rymer l. c. VI4 j8j.
«) VgL Rpner l. c VI4 i8a.
4^
c^ • Einleitung.
Inprimis iiiter nos oratores, ambassiatores et commissarios
nominibus principum nostrorum appunctuatum, conventum, con-
cordatum et conclusum est, quod inter sacratissimum Romano-
rum et serenissimum Anglie reges, eorum heredes et successores,
regna, patrias et dominia, terras, districtus et iurisdicciones ac alia
loca quecumque sub eonim obediencia vel iurisdiccione existencia
iure hereditario vel successario ad eos aut eorum alterum spec-
tancia et pertinencia, necnon vasallos, ligeos homines subditos-
que suos quoscumque presentes et futuros, tam ecclesiasticos
quam seculares, cuiuscumque gradus, preeminencie, Status aut
condicionis existant, sit bona, realis, sincera, vera, integra et
firma pax, amicicia, liga, confederacio et guerranim abstinencia
per terram, mare et aquas dulces et ubique locorum de ceten^
et in antea semper perpetuis futuris temporibus duratura.
Item conventum et conclusum est, quod nuUus dictorum
principum movebit aut faciet per se aut subditos suos aut per
alios quoscumque moveri aut fieri permittet guerram per ter-
ram, mare neque aquas dulces adversus alterum dictorum prin-
cipum eorumve subditos aut ligeos suos nee dabit auxilium,
consilium vel favorem publice vel occulte, ut huiusmodi guerra
moveatur vel excitetur quovis modo.
Item pro securiori firmitate et observacione pacis, amicicie,
confederacionis et intelügencie predictarum conventum, concor-
datum et conclusum est, quod neuter regum predictorum in sua
regna, patrias, dominia, portus, districtus, territoria, obediencias
vel iurisdicciones quovis modo receptabit aut a subditis suis
eorum alter receptari permittet aliquem vel aliquos eorum vel
alterius eorum rebellem, proditorem aut transftigam, rebelles,
proditores aut transfugas cuiuscumque dignitatis, Status, gradus
aut condicionis existant, eciam si ducali aut alia dignitate qua-
cumque prefulgeant, de crimine lese magestatis suspectum, re-
putatum seu convictum, suspectos, reputatos aut convictos, nee
huiusmodi rebelli, proditori sive transfuge, rebellibus, proditori-
bus sive transfugis in suis aut alienis regnis, patriis, terris, do-
minus, portubus, districtubus, territoriis, obedienciis vel iuris-
diccionibus dabit aut a subditis suis dari seu prestari permittet
verbo, facto aut scripto aut alio modo quocumque consilium,
auxilium, favorem, subsidium aut assistenciam publice vel occulte.
Item conventum est quod si alter regum predictorum ali-
quem vel aliquos suum vel suos fuis^e et esse rebellem vel
Einleitung. ra
rebelies, profugum vel profugos et in sua regna, patrias, do-
minia, terras, portus vel districtus aut eorum aliquem receptum
esse vel receptos aut ibidem latitare aut se tenere per litteras
suas alten signicaverit aut declaraverit, tunc pars illa, que huius-
modi litteras receperit vel cui taliter significatum aut declaratum
fuerit, huiusmodi rebellem vel rebelles, profugum vel profugos
infra decem dies a die significacionis predicte proximo et con-
tinue numerandos tenebitur illum et illos illico proscribere et
bannire sub poena capitali et talem proscripcionem sive ban-
num contempnentem vel contempnentes eadem pena statim et
sine dilacione aut excusacione quacumque effectualiter pimiet
seu puniri faciet.
Item, quia firma amicicia inter principes esse non possit,
si alter principum hostes aut rebelles alterius in suis regnis, pa-
triis, terris, dominus aut obedienciis se continere permiserit, con-
ventum, concordatum et conclusum est, quod uterque princeps
principum predictorum omnes et singulos rebelles, profugum
vel profugos alterius principis, qui iam in suis regnis, patriis,
terris, dominus, villis, portubus, districtibus, obedienciis, terri-
toriis aut iurisdiccionibus existunt, ab eisdem regnis, patriis,
terris, dominus, villis, portubus, districtibus, territoriis, obedien-
ciis aut iurisdiccionibus immediate post datam presencium sub
pena capitali in locis publicis perpetuo banniet et proscribet;
et si eorum aliquis vel aliqui post et contra huiusmodi pro-
clamacionem, bannicionem et proscripcionem in aliquo loco
regnorum, terrarum, dominiorum, territoriorum , districtuum,
portuum, obedienciarum aut iurisdiccionum suorum predictorum
steterit vel steterint, vel in eadem regna, terras, dominia, terri-
toria, iurisdicciones vel portus redierit vel redierint vel in eisdem
vel eorum aliquo repertus aut reperti fuerint, princeps in cuius
regnis, terris, dominus, territoriis, districtibus, portubus vel iuris-
diccionibus sie steterit aut steterint vel ad que redierit vel re-
dierint aut in eisdem inventus aut inventi fuerint, eos et eorum
quemlibet in aliqua civitate, opido vel loco insigni et in eius-
dem civitatis, opidi et loci loco, ubi capitales execuciones fieri
consueverunt, infra decem dies postquam sie inventus aut in-
venti fuerint capitali execucioni publice demandabit
Item conventum, concordatum et conclusum est, quod sacra-
tissimus rex Romanorum necnon illustrissimus princeps dominus
Philippus, archidux Austrie, carissimus eiusdem regis primogeni-
e ^ Einleilung.
tus dignissimum et antiquissimum ordinem garterii, quam primum
post datam presencium fieri posset, admittent et acceptabunt et
eodem ordine palam et publice utentur ac omnia et singula
statuta, ordinaciones et consuetudines eiusdem ordinis, nisi qua-
tenus cum eis dispensatum fuerit, inviolabiliter observabunt ^)
Item conventum est, quod illustrissimus rex Anglie nee-
non Serenissimus dominus Henricus princeps Wallie carissimus
eiusdem regis filius et heres approbatissimum ordinem aurei
velleris, quam primum post datam presencium fieri possit, ad-
mittent et acceptabunt et eodem ordine palam et publice uten-
tur ac omnia et singula statuta, ordinaciones et consuetudines
eiusdem ordinis, nisi quatenus cum eis dispensatum fiierit, in-
violabiliter observabunt.
Item conventum, concordatum et conclusum est, quod in
presentibus pace et amicicia comprehendantur amici, confederati
et alligati utriusque principis si comprehendi voluerint et eorum
regna et dominia et super hoc animos suos declaraverint et
idem infra sex menses ex nunc proxime sequentes desidera-
verint ; et specialiter pro parte excellentissimi regis Anglie, rex
Ludovicus Francie et Hispanie, Portugalie, Scocie atque Dacie
reges, archidux Austrie, duces Veneciarum, Ferrarie et Sebaudie
necnon societates mercatorum Hanze theutonice; et pro parte
regis Romanorum rex Ludovicus Francie ac Hispanie et Scocie
reges necnon Philippus filius suus Austrie archidux.
Item conventum, concordatum et conclusum est, quod
omnes et singuli heredes et successores omnium et singulorum
regum Anglie et Romanorum infra sex menses proxime et im-
mediate sequentes obitum dicti principis decedentis litteras suas
omnium et singulorum capitulorum in presenti tractatu et da-
tura eiusdem comprehensorum et conclusorum ratificatorias et
confirmatorias magnoque suo sigillo sigillatas alteri eorundem
principum heredibus et successoribus suis tradent et delibera-
bunt, tradive et deliberari facient.
Item conventum est, quod presentem tractatum ac omnia
et singula capitula in eodem contenta uterque princeps prin-
cipum predictorum per litteras suas patentes magnis sigillis suis
sigillatas et manibus suis propriis subscriptas et subsignatas in-
fra duos menses datam presencium proxime et immediate se-
<) Vgl. Husch /. c. iS^f, und ^7^ f.
Einleitung. cc
quentes acceptabit, confirmabit et ratificabit, omnesque et sin-
gulüs tam iuris quam facti defectus et presertim, si qui sint ra-
cione commissionis aut commissionum principum predictorum,
ita ut si ad präsentem tractatum aut ad aliquod in eodem con-
tentum et nominibus eorundem principum per nos conclusum
in aliqua sua parte aliqua commissio commissionum predicta-
rum non satis ampla ac sufficiens videatur, per suas litteras
confirmatorias ut premittitur signatas et sigillatas suplebit be-
neficioque omnium et singulorum canonum ac legum, quos qui-
dem canones ac leges pro hie expressis habemus; quibus propter
defectum alicuius commissionis commissionimi predictarum ali-
cui articulorum presentis tractatus in parte vel in toto derogari
possit in dictis suis litteris confirmatoriis palam et expresse re-
nunciabit et nos commissarii principum predictorum eorundem
nominibus renunciamus per presentes. Quas quidem literas
confirmatorias et ratificatorias ut premittitiu* sigillatas et sub-
signatas uterque princeps principum predictorum infra dictos
duos menses in civitate Londoniensi commissariis sufficienter in
ea parte deputatis vicissim tradet et deliberabit aut tradive et
deliberari faciet.
Item conventum, concordatum et conclusum est, quod
uterque princeps principum predictorum infra quatuor menses
proxime et immediate sequentes datam dictarum litterarum con-
firmatoriarum per utrumque principem principum predictorum
ut premittitur suis sigillis sigillatarum et suis manibus sub-
scriptarum et subsignatarum ac in civitate Londoniensi commis-
sariis utriusque principis principum predictorum in ea parte sul-
ticienter auctorizatis traditarum et liberatarum iusiurandum tam
per sancta dei evangelia per eorum utrumque corporaliter tacta
quam ad et per sacrosanctum corpus domini nostri Jhesu Cristi
per eosdem corporaliter visum, in presencia illius quem prin-
cipes antedicti duxerint deputandum sine dilacione aut excu-
sacione quacumque dabit ac prestabit, quod bona fide et sine
fraude ac dolo aut sinistra interpretacione quacumque bene,
fideliter ac inviolabiliter omnia et singula capitula presentis trac-
tatus ac omnia in eisdem aut eorum aliquo contenta tenebit,
observabit et adimplebit et ab aliis teneri, adimpleri et obser-
vari faciet ac mandabit , nee aliquod contra aliquam partem ali-
cuius articuli presentis tractatus publice vel occulte fieri aut at-
^6 Einleitung.
temptari permittet, sed expresse et cum effectu contradicet et
impediet.
Item nos omnes et singuli commissarii utriusque principis
principum predictorum fatemur per presentes, nos et nostrum
quemlibet ad sancta dei evangelia per nos corporaliter tacta
nominibus eorundem principum nostrorum ac in eorum animas
iuramenta prestitisse eosdemque principes et eorum quemlibet
ad omnia et singula capitula in presenti tractatu inita et con-
clusa modo et forma quibus per nos concluduntur astrinxisse
et obligasse ac per presentes astringimus et obligamus.
Item conventum est, quod dictus sacratissimus Romano-
rum rex omnia et singula capitula presentis tractatus vel sal-
tem tenorem et effectum eorundem in dignioribus civitatibus
et opidis patriarum suarum immediate post tradicionem dicta-
rum litterarum confirmatoriarum publicari, notificari ac procla-
mari faciet cum effectu.
Et dictus Serenissimus rex Anglie omnia et singula huius-
modi capitula presentis tractatus vel saltem tenorem et effectum
eorundem immediate post tradicionem dictarum litterarum ut
premittitur confirmatoriarum in dignioribus civitatibus et opidis
regni sui publicari, notificari ac proclamari faciet cum effectu.
Sequunter tenores commissionum predictorum oratorum
et commissariorum serenissimi regis Anglie et sacratissimi regis
Romanorum. ^)
In quorum omnium et singulorum premissorum fidem et
testimonium nos serenissimi regis Anglie commissarii antedicti
sigilla nostra presentibus apposuimus et nomina nostra manibus
nostris propriis subscripsimus.
Data apud Andwerpiam vicesimo die mensis Junii anno
domini millesimo quingentesimo secundo.
C. Somerset. William Warham.
») VgL p. 5i Anm,
Einleitung. zn
9.
Vertrag ixjoischm Maximilian L und Heinrich VII. über die
Behandlung von Rebellen d. d, Antwerpen 1^02. Juni 20. (Or,
R. O., Kopie St.-A.)
Rat. Maximilians d. d. Augsburg 1^02 Juli 28. (Or. R. O.)^)
Druck: Rymer L c. VI4 178.
Universis et singulis ad quorum noticias presentes littere
pervenerint Cornelius de Berghes aiirei velleris miles, dominus
temporaüs de Melin et Zevenberghe etc., marescallus illustris-
simi principis domini Philippi archiducis Austrie, Henricus de
Wittam miles aurei velleris, dominus temporalis de Berssel,
gubernator domini Karoli ducis Luxembergensis etc. et Judocus
Prant miles, dominus temporalis de Blaesvelt, ambassiatores, pro-
curatores, oratores et commissarii in hac parte sacratissimi prin-
cipis Maximilian] Romanorum regis semper augusti archiducis
Austrie etc. salutem:
Sciatis, quod nos oratores antedicti a prefato rege suffi-
cientem commissionem habentes, cuius quidem commissionis
tenor inferius inseritur*), cum venerabilibus et egregiis viris,
Karolo Somerset^ uno militum ordinis garterii et uno camera-
riorum ac capitaneo garde illustrissimi regis Anglie ac magistro
Willielmo Warham in episcopum Londoniensem electo, am-
bassiatoribus, procuratoribus, oratoribus et commissariis dicti
regis Anglie et ab eodem domino rege Anglie sufficientem auc-
toritatem et commissionem habentibus, cuius commissionis tenor
eciam inferius inseritur»), preter et ultra capitula tractatus ami-
ciciarum, confederacionum et mercium intercursus de data pre-
sencium cum prefatis oratoribus nomine et auctoritate dicti re-
gis Romanorum eciam omnia et singula sequencia capitula ad
et per totum tempus vite utriusque principis principum pre-
dictorum et per unum annum post obitum principis Ultimi de-
cedentis inter eosdem reges et eorum subditos duratura in forma
*) Da das im R. O. befindUche Original dieses Vertrages stark beschädigt
ist, musste :{ur Herstellung des Textes gelegentlich neben dein Originale auch
die im Wiener Staatsarchive befindliche vidimierte Kopie herange\ogen werden.
») Vgl., Rymer l. c. V/^ ijS.
•') Vgl. Rymer /. c. V/^ 178.
c8 Einleitung.
sequenti convenimus, contraximus et conclusimus ac per pre-
sentes convenimus, contrahimus et concludimus.
Inprimis conventum, concordatum et conclusum est, quod
dictus rex Romanorum nee per se nee per alios in terras, pa-
trias, dominia, districtus et iurisdicciones aut alia loca quecum-
que imperii aliquem vel aliquos dicti regis Anglie rebellem,
proditorem aut transfugam, rebelles, proditores aut transfugas
de crimine lese magestatis suspectum, reputatum seu convictum,
suspectos, reputatos seu convictos, cuiuscunque Status, gradus
aut condicionis existant, eciam si ducali aut alia dignitate qua-
cumque prefulgeant, quovismodo receptabit nee ab aliis recep-
tari taeite vel oeeulte eonseneiet, sed palam et expresse cum
effectu quantum in eo erit prohibebit, eontradieet et impediet,
nee huiusmodi rebelli, proditori sive transfuge, rebellibus, pro-
ditoribus aut transfugis infra terras, patrias, dominia, obedien-
eias, portus, distrietus, iurisdieeiones aut alia loea imperii nee
extra terras, patrias, dominia, obedieneias, portus, distrietus,
iurisdieeiones verbo, faeto aut seripto vel alio modo quocum-
que eonsilium, auxilium, favorem, subsidium, naves, peeunias,
gentes armorum, vietualia aut aliam assisteneiam quameunqne
publiee vel oeeulte dabit aut a suis subditis dari aut prestari
eonseneiet, sed palam et expresse sie faeientibus eum effeetu
melioribus modo, via et forma quibus possit resistet et eos-
dem pro viribus impediet; nee idem rex Romanorum alieui re-
belli, proditori aut transfuge predieti regis Anglie de crimine
lese maiestatis quoquo modo suspeeto, eeiam si dueali aut alia
dignitate quaeunque prefulgeant, qui nunc sunt in regnis, terris,
patriis, dominus, territoriis, distrietibus, iurisdieeionibus aut ali-
quo obedieneiarum loco imperii, nee per se nee suos subditos
verbo, faeto aut seripto aut alio modo quocumque eonsilium,
auxilium, favorem, subsidium, naves, peeunias, gentes armorum,
vietualia aut aliam assisteneiam quameumque publiee vel oeeulte
dabit aut a subditis imperii dari aut prestari eonseneiet, sed
palam et expresse sie faeientibus eum effeetu melioribus modo,
via et forma quibus possit resistet et eosdem pro viribus quan-
tum in eo erit impediet.
Item conventum est, quod presentem traetatum ac omnia
et singula capitula in eodem contenta prefatus rex Romanorum
per litteras suas patentes magno sigillo suo sigillatas et manu
sua propria suscriptas et subsignatas infra duos menses datam
Einleitung. cq
presencium proxime et immediate sequentes acceptabit, con-
firmabit et ratificabit necnon omnia et singula ad presentem
tractatum quoquo modo spectancia faciet, que salvo iureiurando
per eum quovismodo imperio prestito facere possit, omnesque
et singulos tarn iuris quam facti defectus et presertim si qui
sint racione sue commissionis, ita ut si ad presentem tractatum
aut ad aliquod in eodem contentum in aliqua sua parte non
satis ampla ac sufficiens ea commissi© videatur per suas lit-
teras confirmatorias ut premittitur signatas et sigillatas suple-
bit beneficioque omnium et singulorum canonum et legum,
quos quidem canones et leges pro hie expressis habebit; quibus
propter defectum dicte commissionis alicui articulorum presentis
tractatus in parte vel in toto derogari possit in dictis suis lit-
teris confirmatoriis palam et expresse renunciabit et nos com-
missarii eiusdem regis Romanorum nomine eiusdem renuncia-
mus per presentes; quas quidem litteras confirmatorias et rati-
ficatorias ut premittitur sigillatas et subsignatas prefatus Ro-
manorum rex infra dictos duos menses in civitate Londoniensi,
commissariis prefati regis Anglie sufficienter in ea parte depu-
tatis tradet et deliberabit, aut tradive et deliberari faciet.
Item conventum, concordatum et conclusum est, quod pre-
fatus Romanorum rex infra quatuor menses proxime et imme-
diate sequentes datam dictarum litterarum confirmatoriarum ut
premittitur sigillatarum et subsignatarum et modo et forma
predictis traditarum et liberatarum iusiurandum tarn per sancta
dei evangelia per eundem corporaliter tacta, quam ad et per
sacrosanctum corpus domini nostri Jhesu Cristi per eundem
corporaliter visum, in presencia illius vel illorum quem vel
quos dictus Anglie rex duxerit deputandum vel deputandos,
sine dilacione et excusacione quacumque dabit et prestabit,
quod bona fide et sine fraude ac dolo ac sinistra interpretacione
quacumque bene, fideliter ac inviolabiliter omnia et singula ca-
pitula presentis tractatus ac omnia in eisdem aut eorum aliquo
contenta tenebit, observabit et adimplebit et ab aliis teneri, ob-
servari et adimpleri faciet ac mandabit, nee aliquod contra ali-
quam partem alicuius articuli presentis tractatus publice vel
occulte fieri aut attemptari permittet, sed expresse et cum efTectu
contradicet et impediet.
Item nos omnes et singuli commissarii dicti regis Roma-
norum fatemur per presentes nos et nostrum quemlibet ad
6o Einleitung.
sancta dei evangelia per nos corporaliter tacta nomine eiusdem
principis nostri ac in eins animam iuramentum prestitisse eun-
demque principem nostrum ad omnia et singula capitula in pre-
senti tractatu inita et conclusa modo et forma quibus per nos
concluduntur, astrinxisse et obligasse ac per presentes astrin-
gimus et obligamus.
Sequuntur tenores commissionum predictorum oratomm
et commissariorum sacratissimi regis Romanorum et Serenissimi
regis AnglieJ)
In quorum omnium et singulorum premissorum fidem et
testimonium nos sacratissimi regis Romanorum commissarii an-
tedicti sigilla nostra presentibus apposuimus et nomina nostra
manibus nostris propriis subscripsimus.
Data apud Andwerpiam die vicesima mensis Junii anno
domini millesimo quingentesimo secundo.
Cor. de Berghes. Bersselle. Jodocus de Prant
L. S. L. S. L. S.
Subsidicuvertrag :i'icischen Maximilian I. und Heinrich VII.
ä, d. Antwerpen 1^02 Juni 20. (Or. R. O.; Kopie St-A,;) und
Empfangsbestätigung Maximilians L über 10000 Pfund Sterling
d. d. Augsburg iß02 Juli 28. (Or. R. O,)^)
Dnuk: Ryinrr l. *. V/^ /75/. //. 170-
Cum ad tuicionem ac defensionem cristiane tidei et pre-
sertim contra perfidissimam et iniquissimam Turcorum gentem,
qui contra cristianos in dies bella movent eorumque domos,
predia, villas, dominia igne et ferro iniquissime vastant non-
nuUosque cristanos super dei altaria in contemptum cristiane
religionis in ecclesiis mactant ac eorumque liberos in cunis ad-
huc vagientes dampnantissime gladio transcurrunt, omnes cri-
stiani principes manus suas adiutrices apponere teneantur, nemo
-) Für t/ir HrrstcUun^ des Textes dieser Urkumie mi/ssie giciehfalls neben
dem stjrk heseliddigfen On)j[injJc des R. O. die vidimierte Kopie des St.-A.
herangezogen werden.
Einleitung. 6l
tarnen omnium cristianorum principum ad huiusmodi non solum
propulsandas set et ulciscendas iniurias maiori cura ac soUici-
tudine quam illustrissimus Anglie rex in dies afficitur, qui cum
tanta Turcorum a regno suo distancia in persona Ire prohibeatur,
piam, devotam ac animosam et omni laude extoUendam sacra-
tissimi Romanorum regis semper augusti, carissimi fratris et
consanguinei sui, mentem et diligenciam sepenumero secum
considerans, quam ad debellandos cristiane fidei hostes semper
habuit et habet, ad tam bonum ac sanctum propositum dicti
consanguinei sui debite perficiendum, per eundem eciam con-
sanguineum suum tam litteris quam nunciis ad id sepe rogatus
et requisitus, de bonis suis summam decem mille librarum ster-
lingorum monete Anglicane eidem consanguineo suo contra
dictos cristiane fidei hostes disponendarum per presentes con-
cessit.
Et nos Karolus Sommerset unus mihtum ordinis garterii
et unus camerariorum ac capitaneus garde prefati regis Anglie
ac magister Willielmus Warham in episcopum Londoniensem
electus, ambassiatores, procuratores, oratores et commissarii dicti
regis Anglie nomine eiusdem regis Anglie virtute cuiusdam
commissionis per eundem regem Anglie nobis in hac parte
facte, cuius tenor inferius inseritur,^) per presentes concedimus
et obligamus dictam summam solvere eidem regi Romanorum
aut suis sufficienter in hac parte deputato aut deputatis in civi-
tate Londoniensi, quando iidem deputatus aut deputati omnes
et singulas litteras confirmatorias duarum amiciciarum et mer-
cium intercursus, quarum amiciciarum utreque littere date sunt
apud Andwerpiam vicesimo die mensis Junii anno domini mil-
lesimo quingentesimo secundo et data litterarum mercium inter-
cursus est apud Andwerpiam predictam decimo nono die mensis
Junii anno supradicto magno sigillo eiusdem regis Romanorum
sigillatas et manu eiusdem regis subscriptas et subsignatas, nec-
non quando presentes litteras obligatorias per nos dictos Karo-
lum et Willielmum sigillatas et manibus nostris subscriptas ac
eciam quando litteras recepcionis summe predicte in bona et
legali forma factas et conceptas magno sigillo eiusdem sacra-
tissimi regis sigillatas propriaque manu eius subscriptas com-
•) Vgl Rymer L c. V/4 775.
6d Einleitung.
missarioque aut commissariis dicti Serenissimi regis Anglie in
ea parte sufficienter deputato aut deputatis in dicta civitate
Londoniensi secundum formam in hac parte initam et conclu-
sam tradet et deliberabit
In quorum omnium et singulorum premissorum testimo-
nium nos dicti Karolus et Willielmus sigilla nostra apposuimus
et nomina nostra manibus nostris propriis subscripsimus.
Data apud Andwerpiam vicesimo die Junii anno domini
millesimo quingentesimo secundo. Sequitur tenor commis-
sionis.
K. Somerset. W. Warham.
Maximilianus divina favente clemencia Romanorum rex
semper augustus ac Ungharie, Dalmacie, Kroacie etc. rex, archi-
dux Austrie, dux Burgundie, Lotharingie, Brabancie, Stirie, Ca-
rintie, Carnolie, Limburgie, Lucemburgie et Geldrie, Lantgra-
vius Elzacie, princeps Zvevie, comes palatinus in Hapsburg et
Honganie comes, i) princeps Burgundie, Hanonie, Flandrie, Thi-
rolis, Goricie, Artesie, Hollandie, Zeellandie, Ferretis, Kiburg,
Namurci et Zutphanie, marchio sacri Romani imperii in Enns
et Bourgauvie, dominus Frisie, marchie*) Slavonice, Mechlinie,
Portusnovis,^) Salinarum universis et singulis ad quorum noti-
ciam presentes litere pervenerint salutem.
Cum nos auditis immanissimorum Turcorum adversus cri-
strianum populum sevissimis crudelitatibus, cruentissimis cedi-
bus et miserabilibus captivitatibus ad eorumdem ausus nepha-
rios compescendos et orthodoxe fidei illatas iniurias vindicandas
cum exercitu potent! insurgere et adversus ipsos turculentissi-
mos Turcos personaliter proficisse decreverimus ad facultates
nostras oculos convertimus, et quoniam ad tantam belli mo-
lem sustinendam, nisi aliorum principum presidiis adiuti esse-
mus, ipso facultates nostre non suppetebant, nonnullos reges et
principes christianos tum litteris tum nunciis requisivimus, ut
') So im Ol'.; soll wohl hcisscn princeps et comes Burgundie ^ Hanonie etc.,
der Schreiber dieser Urkunde hat iiach sonst merkwürdige Wendungen und
Ausdrücke.
») /l =t Marchine,
■') So im Or. für Portusnaonis.
EÜnleitung. 6^
huic tarn sancto, tarn pio et necessario operi opem, auxilium et
subsidium impartirentur atque inter ceteros christianos reges
serenissimum et potentissimum principem Henricum Anglie re-
gem fratrem et consanguineum nostrum charissimum rogatum
habuimus, ut quoniam suum regnum et potencia ab ipsa gente
Turconim procul et longe sint constituta, sie quod sibi admo-
dum difficiUe esset excercitum terrestrem aut maritimum parare
et illuc destinare, hinc saltem nostre expedicioni contra rabidos
hostes crucis cristi subsidium aliquod concedere et conferre
dignaretur; qui tamquam princeps vere catholicus hiis nephan-
dissimis Turcorum crudelitatibus intime compaciens ad nostrum
speciale et singulare desiderium, quamvis per nonnullos reges
et principes sepius et instanter requisitus fuerit ut huiusmodi
subsidium per eorum manus contra ipsos Turcos exponendum
eis concederet et donaret, tamen ob illum presipium 0 zelum et
amorem, quem ad fidei Christiane tuicionem gerit obque illam
sanguinis necessitudinem, mutuam amiciciam, confederacionem
et intimum amorem quibus invicem connectimur, ut eo melius
et commodius hanc sanctam et necessariam expedicionem con-
tra perlidos Turcos per nos sumendam ad debitum effectum
deducere possemus, summam decem millium librarum sterlin-
gorum in eandem sanctam expedicionem per nos exponendam
et convertendam concessit et largitus est. Quam quidem sum-
mam et quamlibet eins partem fatemur nos a deputatis prefati
regis Anglie integraliter recepisse et de qua per presentes
declaramus nobis plenarie esse satisfactum. In cuius rei testi-
monium hiis presentibus manu propria subscriptis sigillum nos-
trum apponi fecimus. Datum in civitate nostra Augustensi die
XXVnP mensis Julii anno domini millessimo quingentesimo
secundo, regnorum nostrorum videlicet Romani XVn<>, Ung-
harie vero XIII^.
Maximilianus.
Per regem
Marmier.
») So im Or.
^^ Einleitung.
11.
Frctmdschaf tsvertrag ^cvtschen Maximilian /., Karl von Bur-
gund und Heinrich VIT. d. d. Calais 1^07, De^ 21. (Or. R. O.)^)
Rat, Maximilians d. d. Brixen 1508, Februar 22. (Or, R. O.
Kopie St,-A,) ; Max und Karl gemeinsam d, d. Mecheln 1508,
Mär^ 26. (Or, R. O.)
D nicke: Rymcr l. .. VI4 246 ff. mit Rat.Mjx. unJ Max. und Karls ge-
mcinsam.
Duitwnt IV/i lojff. mit Rat Max. I, und Karls getiieinsam,
Universis et singulis ad quorum noticiam presentes litere
pervenerint nos Jacobus de Luxemburgo, dominus de Fiennes,
de Erkingham, de Armentieres, de Zottenghem etc. locumtenens
et gubernator comitatuum Flandrie et Arthesii, Johannes do-
minus de Berghes etc., milites ordinis aurei velleris, consiliarii
et cambellani sacratissimi ac potentissimorum et excellentissi-
morum principum Maximiliani divina favente dementia regis
Romanorum semper augusti et domini Karoli eadem gracia
principis Hispaniarum etc., archiducum Austrie, ducum Burgundie,
Brabantie etc., comitum Flandrie etc., Laurentius de Gorrenodo,
baro Monthanesii, gubernator patriarum Bressie, Johannes le
Sauvaige miles, dominus de Scaubeca, preses consulatus Flan-
drie et Philippus Haneton, primus secretarius et audenciarius,
oratores, ambassiatores, procuratores, commissarii et nuncii spe-
ciales prefatorum dominorum nostrorum regis Romanorum et
principis Hispaniarum ad infrascripta per eosdem sufFicienter
auctorisati, constituti et deputati salutem in omnium salvatore:
Sciatis, quod nos pro prefatis sacratissimo et serenissimis
principibus Romanorum rege et principe Hispaniarum, videlicet
pro ipso rege tanquam tutore, gubernatore et administratore
corporis et bonorum dicti principis Hispaniarum et pro ipso
principe auctoritate, consensu et assensu eiusdem regis tutoris
sui eorumque nomine, auctoritate, consensu et assensu quibus
') Da das im R. O. (Box 24 Sr. yoh lixcUcqucr Dipl. Doc) befindliche
Original des Vertrages selir stark hesehädigt ist, so dass grössere Partien un-
lesbar sind, hat der Herausgeber a/s Grundlage für die Edition dieser Urkunde
die im R, O. (H, 24 Nr. 708) befindliche Originalratifikition Maximilians I, d. d,
Brixen i^yoS Februar 22 gewählt und ^ur gelegentlichen Hrgän{ung dieser
gleichfalls beschädigten Urkunde die im St.-A. befindlihe vidimierte Kopie dieser
Ratifikationsurkunde benutzt.
Einleitung. ßc
supra nobis ab eisdem rege et principe per literas suas pa-
tentes commissa, quanim tenor inferius describitur, ") cum re-
verendo in christo patre illustribus, spectabilibus ac prestantis-
simis viris Ricardo Wintoniensi episcopo, custode privati sigilli
illustrissimi, excellentissimi et potentissimi principis Henrici dei
gratia regis Anglie et Francie et domini Hibemie, Thoma comite
Surrey, thesaurario Anglie, Thoma Dockwra, priore sancti Jo-
hannis Jherusalemitani in Anglia, Gilberto Talbot, milite ordinis
garterii, deputato prefati regis Anglie ville sue Calesii et ma-
gistro Nicoiao West legum doctore, prefati regis Anglie con-
siliariis et ad infrascripta eiusdem regis oratoribus, commissariis,
procuratoribus et deputatis per literas et commissiones suas,
quarum tenor etiam inferius describitur^), ad laudem et gloriam
omnipotentis dei et tocius Christiane religionis rei publice exal-
tacionem ac regnorum, patriarum et subditorum prefatorum
regis Anglie et principis Hispaniarum communem utilitatem,
pacem et tranquiUitatem convenimus, concordavimiis, contraxi-
mus et conclusimus ac per presentes convenimus, concordamus,
contrahimus et concludimus omnes et singulos pacis, amicitia-
rum, lige et confederationum articulos sequentes:
1. articulus. Inprimis inter nos oratores predictos nomini-
bus, auctoritate et consensu quibus supra etc. conventum, con-
cordatum et conclusum est, quod inter prefatum regem Anglie
et principem Hispaniarum eorumque heredes et successores,
regna, patrias, dominia, terras, vassalos et subditos quoscunque
presentes et futuros, tam ecclesiasticos quam seculares, cuius-
cunque Status, gradus seu conditionis existant etiamsi archi-
episcopali, ducali vel quacunque alia dignitate, statu aut gradu
prefulgeant, sit bona, sincera, vera, integra, fidelis, perfecta et
firma amicicia, unio, liga, confederatio et pax per terram, mare,
et aquas dulces ac ubivis locorum futuris temporibus per-
petuo duratura.
2. articulus. Item conventum, concordatum et conclusum
est inter oratores predictos et prefati oratores regis Anglie pro-
miserunt et per presentes promittunt, quod nee idem rex An-
glie nee heredes aut successores sui quitquam«) aget, faciet,' trac-
>) VgL Rymer l c. VI4. 24p.
«) Vgl. Rymer l. c. VI4. S4p/.
Ötterrdchisch-englische Staattvertrage. Bd. L
66 Eioleitung.
tabit vel attemptabit, agent, facient, tractabunt vel attempta-
bunt aut ab aliis agi, fieri, tractari vel attemptari faciet vel fa-
cient aut consentiet vel consentient quocumque in loco, sive in
terra sive in mari,^) 'portubus vel aquis dulcibus occasione qua-
cunque nuUumque prestabit aut prestabunt anxilium, consilium,
favorem vel assensum, quod per alium vel per alios quosciin-
que aliquid fiat, agatur, tractetur vel attemptetur in iuriuriam,
preiudicium aut dampnum dicti principis Hispanianim here-
dumve aut successorum suorum, sed quibuscunque sie ut pre-
mittitur contra predictum principem Hispanianim heredesve
aut successores suos infra regna, patrias, dominia aut terras
suas predictas aliquid agentibus, tractantibus vel attemptantibus
expresse et cum effectu contradicet et contradicent, renitetur et
renitentur, obstabit et obstabunt et impedimentum realiter pre-
stabit et prestabunt.
3. articulus. Item conventum, concordatum et conclusum
est inter oratores predictos et prefati oratores regis Romanorum
et principis Hispaniarum nominibus, auctoritate, consensu et
assensu quibus supra promiserunt et per presentes promittunt,
quod nee idem princeps Hispaniarum nee heredes aut succes-
sores sui quitquam^) aget, faciet, tractabit vel attemptabit,
agent, facient, tractabunt vel attemptabunt aut ab aliis agi, fieri,
tractari vel attemptari faciet vel facient, aut consentiet vel con-
sentient quocunque in loco, sive in terra sive in mari, portubus
vel aquis dulcibus occasione quacunque nullumque prestabit
aut prestabunt auxilium, consilium, favorem vel assensum, quod
per alium vel alios quoscunque aliquid fiat, agatur, tractetur
vel attemptetur in iniuriam, preiudicium aut dampnum dicti
regis Anglie heredumve aut successorum suorum, sed quibus-
cunque sie ut premittitur contra predictum regem Anglie he-
redesve aut successores suos infra regna, patrias, dominia aut
terras suas predictas aliquid agentibus, tractantibus vel attemp-
tantibus expresse et cum effectu contradicet et contradicent,
renitetur et renitentur, obstabit et obstabunt et impedimentum
realiter prestabit et prestabunt.
4. articulus. Item conventum, concordatum et conclusum
est nominibus et auctoritatibus quibus supra et oratores pre-
fati regis Anglie promiserunt et per presentes promittunt, quod
^) A = mare.
Einleitung.
^7
»
b
neqae prefatus rex Anglie neque heredes aut successores sui
pr^tabit aut prestabunt auxilium, consilium vel favorem hosti-
bus vel inimicis prefati principis Hispaniarum heredumve aut
successorum suorum eosdem aut eorum aliquem per terrara,
mare vel aquas dulces infestare vel invadere volentibus, et si
aliquis vel aliqui cuiuscunque Status, gradus aut conditionis fue-
rint, sive alligati aut confederati sui sint sive non, regna» patrias,
dominia et terras prefati principis Hispaniarum, heredum aut
successorum suorum, ,que in presenti possidet aut in futurum
de iure possidere debet, per vi am guerre hostiliter invaserint
vel aggressi fuerint, aut iniuriam vel dampnum eidem principi
Hispaniarum, heredibus, successoribus aut subditis suis infra
regna, patrias, terras et dominia sua predicta inferre aut facere
voluerint, prefatus rex Anglie bona fide, realiter et cum effectu
eosdem principem, heredes et successores suos auxiliis müi-
taribus gentium armorum, expensis tarnen ipsius principis His-
paniarum, heredum aus successorum suorum, pro tuitione et de-
fensione eorumdem quotiens opus fuerit adiuvabit seu adiu-
vabunt, quanto citius commode poterit vel poterint, postquam
debite ad hoc requisitus fuerit vel fuerint; in quorum auxilio-
rum prestatione, quoad numerum attinet armatorum, habenda
erit facultatis ratio, ut scilicet prefatus rex Anglie, heredes aut
successores sui non ultra teneatur vel teneantur quam tunc
commode facere poterit vel poterint, considerata temporis et
iocorum oportunitate ac statu rerum suarum. Ac insu per pro
defeasione et tuitione persone et Status prefati principis Hispani-
arum eiusque heredum et successorum patriarum. terrarum, do-
miniorum predictorum contra invasores et hostiles agressores
earumdem patriarum et dominiorum qualescunque fuerint pre-
fatus rex Anghe, heredes et successores sui sine fraude, dolo,
dissimulatione aut colore quocumque erit et erunt de cetero
fiituris perpetuis temporibus prefati principis Hispaniarum, here-
dum et successorum suorum amicorum amicus et amici et ini-
micorum inimicus et inimici sine aliqua exceptione, non obstan-
tibus quibuscumque aUiganciis et confederationibus quas habet
et habentvel in futurum habere poterit vel poterint cum quibus-
cumque regibus, principi bus aut communitatibus, qualescunque
Uli iint aut erunt, necnon personam, status, honores, dignitates,
causas» res et negocia ipsius Serenissimi principis Hispaniarum
sibi ultimo amore, fide et amiciciarum federe coniuncti, quem
5*
68 Einleitung.
loco filii carissimi et dilectissimi reputat, taliter cordi habebit
et tractabit,''sicut pientissimum patrem dilectissimi filii honores,
Status, dignitates, causas, res et negotia habere, reputare et trac-
tare decet et convenit.
5. articulus. Item conventimi, concordatum et conclusum
est inter oratores predictos et oratores prefati regis Romano-
rum et principis Hispaniarum nominibus, auctoritate, consensu
et assensu quibus supra promiserunt et per presentes promit-
tunt, quod neque prefatus princeps Hispaijiarum neque heredes
aut successores sui prestabit vel prestabunt auxilium, consilium
vel favorem hostibus vel inimicis prefati regis Anglie here-
dumve aut successorum suorum eosdem aut eorum aliquem
per terram, mare vel aquas dulces infestare vel invadere vo-
lentibus, et si aliquis vel aliqui cuiuscunque Status, gradus vel
conditionis fuerint, sive allegati sive confederati sui sint sive
non, regna, patrias, dominia et terras prefati regis Anglie, here-
dum et successorum suorum, que in presenti possidet vel in
futurum de iure possidere debet, per viam guerre hostiliter in-
vaserint *) vel aggressi fuerint aut iniuriam vel dampnum eidem
regi Anglie, heredibus, successoribus aut subditis suis infra
regna, patrias, terras et dominia sua predicta inferre aut facere
voluerint, prefatus princeps Hispaniarum bona fide, realiter et-
cum eflfectu eosdem regem Anglie, heredes et successores suos
auxiliis militaribus gentium armorum, expensis tamen ipsius
regis Anglie, heredum aut successorum suorum pro tuicione et
defensione eorumdem quotiens opus fuerit adiuvabit et adiu-
vabunt, quanto citius commode poterit vel poterint, postquam
debite ad hoc requisitus fuerit vel fuerint. In quorum auxi-
liorum prestatione, quoad numerum attinet armatorum. habenda
erit facultatis ratio, ut scilicet prefatus princeps Hispaniarum,
heredes aut successores sui non ultra teneatur vel teneantur,
quam tunc commode facere poterit vel poterint considerata tem-
poris et locorum oportunitate ac statu rerum suarum; ac in-
super pro defensione et tuitione persone et Status prefati regis
Anglie eiusque heredum et successorum regnorum, patriarum,
terrarum et dominiorum predictorum contra invasores et ho-
stiles aggressores eorumdem regnorum, patriarum et domini-
orum qualescunque fuerint, prefatus princeps Hispaniarum he-
*) Durch mehrere Zeilen im Or, eine Lücke»
Einleitung. 69
redes et successores sui sine fraude, dolo et dissimulatione
aut colore quocunque erit et erunt de cetero perpetuis futuris
temporibus prefati regis Anglie heredum et successorum suo-
nim amicorum amicus et amici et inimicorum inimicus et inimid
sine aliqua exceptione, non obstantibus quibuscumque alligan-
ciis et confederationibus, quas habet aut habent vel in futurum
habere poterit vel poterint cum quibuscumque regibus, princi-
pibus aut communitatibus, qualescunque Uli sint aut erunt; pre-
fatus quoque princeps Hispaniarum personam, Status, honores,
dignitates, causas, res et negocia ipsius Serenissimi regis Anglie
sibi intimo amore, fide et amiciciarum federe coniuncti, quem
loco patris carissimi et dilectissimi habet et reputat, taliter cordi
habebit et tractabit, sicut amantissimum filium pientissimi patris
honores Status, dignitates, causas, res et negocia habere, repu-
tare et tractare decet et convenit.
6. articulus. Item conventum, concordatum et conclusum
est inter oratores predictos nominibus, auctoritatibus, consensu
et assensu quibus supra et oratores prefati regis Anglie pro-
miserunt et per presentes promittunt, quod nee prefatus rex
Anglie nee heredes aut successores sui nee subditi sui nee
eorum aliquis rebelli seu rebellibus, proditori seu proditoribus,
profugo seu profugis ipsius principis Hispaniarum, heredum aut
successorum suorum inobedienti subdito vel inobedientibus
subditis cuiuscunque gradus, Status aut conditionisjexistat vel
existant, ubicunque locorum exstiterit seu exstiterint verbo,
facto aut scripto auxilium, consilium vel favorem, victualia,
hospicia, stipendia, pecunias, naves, gentes armorum sive aliud
quodcunque subsidium ministrabit, dabit, prestabit aut concedet,
ministrabunt, dabunt, prestabunt aut concedent sive ab alio vel
ab aliis quibuscunque dari aut prestari, ministrari vel concedi
permittet aut permittent, sed eundem sive eosdem tanquam pro-
prium rebellem sive rebelles, profugum sive profugos, prodi-
torem seu proditores tanquam capitalem inimicum sive inimicos
ubicunque locorum persequetur et persequentur et ab aliis qui-
buscunque sie persequi curabit et efficiet, curabunt et efficient
cum effectu.
7. articulus. Item conventum, concordatum et conclusum
est inter oratores predictos et oratores prefati regis Romanorum
et principis Hispaniarum nominibus, auctoritate, consensu et
assensu quibus supra promiserunt et per presentes promittunt.
yo Einleitung.
quod nee prefatus princeps Hispaniarum nee heredes aut suc-
cessores sui nee subditi sui nee eonim aliquis rebelli seu re-
bellibus, proditori seu proditoribus, profugo seu profugis ipsius
regis Anglie, .heredum aut sueeessorum suorum inobedienti
subdito vel inobedientibus subditis euiuseunque gradus, Status
vel condieionis existat vel existant ubieunque loeorum exstiterit
seu exstiterint verbo, faeto aut seripto auxilium, eonsilium vel
favorem, vietualia, hospieia, stipendia, peeunias, naves, gentes
armorum, sive aliud quodcunque subsidium ministrabit, dabit,
prestabit aut eoncedet, ministrabunt, dabunt, prestabunt aut eon-
eedent, sive ab alio vel aliis quibuseunque darf vel prestari,
ministrari^) aut eoncedi permittet aut permittent, sed eundem
sive eosdem tamquam proprium rebellem sive rebelles, pro-
fugum seu profugos, proditorem seu proditores, tamquam capi-
talem inimieum sive inimicos ubieunque] loeorum persequetur
et persequentur et ab aliis quibuseumque sie persequi eurabit
et effieiet, eurabunt et effieient eum effeetu.
8. artieulus. Item eonventum, eoneordatum et eonelusum
est inter oratores predietos et oratores prefati regis Anglie pro-
miserunt et per presentes promittunt, quod nee prefatus rex
Anglie nee heredes aut sueeessores sui nee subditi sui, nee
quivis alius sub obedientia, distrietu, iurisdietione aut ditione
suis nee eorum aliquis rebellem seu rebelles, proditorem seu
proditores, profugum seu profugos dieti prineipis Hispaniarum
euiuseumque Status, gradus aut eonditionis existat vel existant
in sua regna, patrias, dominia, terras, portus, iurisdietiones, obe-
dientias aut distrietus quovismodo admittet sive reeipiet, ad-
mittent sive reeipient nee ab aliis quibuseumque reeipi vel ad-
mitti permittet vel permittent. Et casu quo deineeps huiusmodi
rebellem vel rebelles, proditorem seu proditores, profugum vel
profugos infra regna, patrias, dominia, terras, portus, obedientias,
iurisdietiones aut distrietus dieti regis Anglie esse, latitare aut
quoeunque alio modo etiam vi aut easu fortuito existere seu
applieare aeeeperit seu quoquomodo intellexerit, seiat aut ali-
quo modo suspitionem habuerit, aeeeperint vel quoquomodo
intellexerint, sciant aut suspitionem habuerint, tune absque omni
fraude, dolo, malo ingenio, dilatione, exeusatione, sinistra ver-
borum interpretatione aut dissimulatione quaeumque aut alio
*) Im Or. noch einmal dari.
Einleitung. yi
quovis quesito colore illum seu illos rebellem seu rebelies,
proditorem seu proditores, profugum seu profiigos cuiuscunque
gradus, Status, conditionis aut dignitatis existat sive existant,
statim et immediate et absque dilatione quacumque capiet aut
capi faciet, capient aut capi facient realiter et cum effectu eun-
demque sive eosdem sie captum sive captos vinculis et carceri-
bus eflfectualiter mandabit et committet, mandabunt et commit-
tent atque illum sive illos sie tute et secure tenebit et custo-
diet, tenebunt et custodient et prefatum principem Hispaniarum
heredes et sucessores suos per litteras suas propria manu sub-
scriptas et signatas de ea re quam primum potent aut poterint
advisare, monere et certiorem facere curabit et curabunt atque
illum seu illos sicut prefertur captum sive captos, custoditum
sive custoditos, quam primum per litteras dicti principis Hispa-
niarum, heredum aut successorum suorum ad hoc requisitus
fuerit sive fiierint absque omni dilatione, excusatione, sinistra
interpretatione, dolo, fraude, dissimulatione, malo ingenio aut
alio quovis quesito colore aut causa usque ad et in terras, patrias
et dominia eiusdem principis Hispaniarum per suos subditos
aut officiarios salvo et secure conduci faciet et facient realiter
et cum eflfectu; ipsumque rebellem seu rebelles, proditorem seu
proditores, profugum seu profugos sicut predicitur in regna,
terras, patrias et dominia dicti principis Hispaniarum conductum
vel conductos commissario vel commissariis eiusdem principis
Hispaniarum per litteras suas manu sua subscriptas ad hoc auc-
torisatas, videlicet in aliquo loco ad hoc tuto et securo infra
predicta regna, patrias, terras et dominia dicti principis Hispa-
niarum, heredum vel successorum suorum statim et inconti-
nenti et absque omni dilatione, excusatione, sinistra interpre-
tatione, dolo, fraude, dissimulatione, malo ingenio aut alio quo-
vis quesito colore aut causa et absque aliquo in contrarium
facto aut attemptato pure, simpliciter, absolute et absque con-
ditione quacumque tradet et deliberabit, tradent et deliberabunt,
tradive et deliberari faciet et facient, sumptibus tamen et ex-
pensis pro huiusmodi solummodo conducto necessariis et ra-
tionabilibus per requirentem vel eins commissarium vel com-
missarios tempore traditionis et deliberationis huiusmodi per-
sonis que huiusmodi conductum fecerint indilate solvendis.
9. articulus. Item conventum, concordatum et conclusum
est inter oratores predictos et oratores prefati regis Romanorum
n2 Einleitung.
et principis Hispaniarum nominibus, auctoritate et assensu quibus
supra promiserunt et per presentes promittunt, quod nee prefatus
princeps Hispaniarum nee heredes aut sueeessores sni nee subditi
sui nee quivis alius sub obedientia, distrietu, iurisdietione aut di-
tione suis nee eorum aliquis rebellem seu rebelies, proditorem seu
proditores, profugum seu profugos dieti regis Anglie euiuseumque
gradus, Status aut eonditionis existat vel existant in sua regna, pa-
trias, dominia, terras, portus, iurisdictiones, obedientias aut distrie-
tus quovismodo admittet sive recipiet, admittent sive reeipient,
nee ab aliis quibuseumque recipi vel admitti permittet seu per-
mittent, et casu quo deinceps huiusmodi rebellem vel rebelles,
proditorem seu proditores, profugum seu profugos infra regna,
patrias, dominia, terras, portus, obedientias, iurisdietiones aut
districtus dieti prineipis Hispaniarum esse, latitare aut quoeun-
que alio modo etiam vi aut easu fortuito existere seu applieare
aeeeperit seu quoquomodo intellexerit, seiat aut aliquo modo
suspitionem habuerit, aeceperint vel quoquomodo intellexerint,
seiant aut suspitionem habuerint, tune absque omni fraude,
dolo, malo ingenio, dilatione, exeusatione, sinistra verborum in-
terpretatione aut dissimulatione quacumque aut alio quovis que-
sito eolore illum seu illos, rebellem seu rebellos, proditorem
seu proditores, profugum vel profugos euiuseunque gradus,
Status, eonditionis aut dignitatis existat sive existant statim et
immediate et absque quacumque dilatione eapiet aut eapi faeiet,
eapient aut eapi faeient realiter et eum effeetu, eundemque sive
eosdem sie eaptum sive captos vineulis et eareeribus eflfeetu-
aliter mandabit et eommittet, mandabunt et eommittent atque
illum sive illos sie tuto et seeure tenebit et eustodiet, tenebunt
et eustodient et prefatum regem Anglie, heredes et sueeessores
suos per litteras suas propria manu subseriptas et signatas de
ea re quam primum poterit aut poterint advisare, monere et
eertiorem faeere eurabit et curabunt atque illum sive illos sie
ut prefertur eaptum sive eaptos, eustoditum sive eustoditos,
quam primum per litteras dieti regis Anglie, heredum aut sue-
cessorum suorum ad hoe requisitus fuerit sive fuerint, absque
omni dilatione, exeusatione, sinistra interpretatione, dolo, fraude,
dissimulatione, malo ingenio aut alio quovis quesito eolore aut
eausü usque ad et in terras, patrias et dominia eiusdem regis
Anglie per suos subditos aut offieiarios salvo et seeure eonduei
faeiet et tacient realiter et eum effeetu ; ipsumque rebellem seu
Einleitung. ^^
rebelies, proditorem vel proditores, profugum vel profagos
sicut predicitur in regna, terras, patrias et dominia dicti regis
Anglie conductum vel conductos, commissario vel commissariis
eiusdem regis Anglie per litteras suas manu sua subsriptas ad
hoc auctorisatis videlicet in aliquo loco ad hoc tuto et securo infra
predicta regna, terras, patrias et dominia dicti regis Anglie, he-
redum aut successorum statim et incontinenti et absque omni
dilatione, excusatione, sinistra interpretatione, dolo, fraude, dis-
simnlatione, malo ingenio aut alio quovis quesito colore aut
causa et absque aliquo in contrarium facto aut attemptato pure,
simpliciter, absolute et absque conditione quacumque tradet
et deliberabit, tradent et deliberabunt, tradive et deliberari faciet
et facient, sumptibus tamen et expensis pro huiusmodi solum-
modo conductu necessariis et rationabilibus per requirentem
vel eius commissarium vel commissarios tempore traditionis et
deliberationis huiusmodi personis que huiusmodi conductum
fecerint indilate solvendis.
IG. articulus. Item conventum, concordatum et conclusum
est inter oratores predictos et oratores prefati regis Anglie pro-
miserunt et per presentes promittunt, quod si dictus princeps
Hispaniarum, heredes aut successores sui per litteras suas manu
sua propria signatas et subscriptas prefatum regem Anglie, he-
redes aut successores suos advisaverit, monuerit sive certiorem
fecerit, advisaverint, monuerint sive'certiorem fecerint suum vel
suos rebellem vel rebelles, proditorem vel proditores, profu-
gum vel profugos infra sua regna, dominia, terras, patrias, por-
tus, iurisdictiones, obedientias aut districtus quoquomodo etiam
vi, casu fortuito aut alio modo quocumque venire, existere, ma-
nere, applicare aut latitare, idem rex Anglie, heredes et suc-
cessores sui sie moniti, advisati seu certiorati statim, inconti-
nenti et absque omni dilatione, excusatione, sive sinistra inter-
pretatione et dissimulatione quacumque, dolo, fraude, malo in-
genio aut alio quovis quesito colore iilum seu illos, rebellem
sive rebelles, proditorem sive proditores, profugum seu pro-
fugos realiter et cum effectu capiet seu capi faciet, capient seu
capi facient et eum sive eos et eorum quemlibet sie captum
sive captos vinculis et carceribus eflfectualiter mandabit et com-
mittet, mandabunt et committent atque in eisdem tuto et secure
tenebit et custodiet, tenebunt et custodient atque illum sive
illos sie captum vel captos, custoditum vel custoditos, quam
m^ Eicleittmg,
primum per litteras dicti principis Hispaniarüm, heredum aut
successorum suomm ad hoc requisittas fuerit sive fuerint, abs-
que omni dilatione, excusatiojie, smistra interpretatione, dolo,
fraude, dissimulatione, malo ingenio aut alio quovis quesito co-
lore et causa usque ad et in regna, terras, patrias et domima
eiusdem principis Hispaniarüm per suos subditos aut officiarios
salvo et secure conduci faciet et facient realiter et cum effectu
ipsumque rebellem sive rebelles, proditorem vel proditores,
profugum vel profugos sicut premittitiir in regna, patrias, ter-
ras et dominia eiusdem principis Hispaniarüm conductum vel
conductos , commissario vel commissariis eiusdem principis
Hispanianim per litteras suas manu sua subscriptas ad hoc auc*
torisätis, videlicet in aliquo loco ad hoc tuto et securo infra
regna predicta, patrias, terras et dominia dicti principis Hispa-
niarüm statim, incontinenti et absque omni dilatione, excusa^
tione, sinistra interpretatione, dolo^ fraude, dissimulatione, malo
ingenio, aut alio quovis quesito colore aut causa et absque
aliquo in contrarium facto vel attemptato pure, simpliciter, ab-
solute et absque aHqua conditione vel contradictione quacum-
que tradet et deliberabit tradent et deliberabunt, tradive et de-
liberari faciet et facient, sumptibus tarnen et expensis pro huius-
modi solummodo conductu necessariis et rationabilibus per re-
quirentem vel eius commissarium vel commissarios tempore
huiusmodi traditionis et deliberationis personis que huiusmodi
conductum fecerint indilate solvendis.
II* articulus. Item conventum, concordatum et conclusum
est inter oratores predictos et oratores prefatonim regis Ro-
manorum et principis Hispanianim nominibiis, auctoritate, con-
sensu et assensu quibus supra promiserunt et per presentes
promittunt, quod si dictus rex Anglie, heredes aut successores
sni per litteras suas manu sua propria signatas et subscriptas
prefatum principem Hispaniarüm, heredes aut successores suos
advisaverit, monuerit sive certiorem fecerit, advisaverint, mo-
nuerint sive certiorem fecerint suum vel suos rebellem sive
rebelies, proditorem vel proditores, profiigum vel profiigos in-
fra sua regna, dominia, terras, patrias, portus, iurisdictiones,
obedientias aut districtus quoquomodo etiam vi, casu fortuito
aut alio modo quocumque venire, existere, manere, appücare»
aut latitare; idem princeps Hispaniarüm, heredes et successores
sui sie moniti, advisati seü certiorati statim, incontinenti et abs^
Einleitung. -yj
que omni dilatione, excusatione, sive sinistra interpretatione et
dissimulatione quacumque, dolo, fraude et malo ingenio aut
aliquo alio quovis quesito colore iUum seu illos, rebellem seu
rebelies, proditorem seu proditores, profugum seu profugos
realiter et cum eflfectu capiet seu capi faciet, capient seu capi
facient et eum sive eos et eorum quemlibet sie captum sive
captos vinculis et carceribus effectualiter mandabit et committet,
mandabunt et committent atque in eisdem tute et secure tene-
bit et custodiet, tenebunt et custodient atque illum sive illos
sie captum vel captos, custoditum vel custoditos, quam primum
per litteras dicti regis Anglie, heredum aut successoram suorum
ad hoc requisitus fuerit sive fuerint, absque omni dilatione, ex-
cusatione, sinistra interpretatione, dolo, fraude, dissimulatione,
malo ingenio aut alio quovis quesito colore et causa usque ad
et in regna, terras, patrias et dominia eiusdem regis Anglie per
suos subditos aut ofQciarios salvo et secure conduci faciet et
facient realiter et cum effectu, ipsumque rebellem sive rebelies,
proditorem vel proditores, profugum vel profugos sicut pre-
mittitur in regna, patrias, terras et dominia eiusdem regis con-
ductum vel conductos commissario vel commissariis eiusdem
regis Anglie per litteras suas manu sua subscriptas ad hoc auc-
torisatis, videlicet in aliquo loco ad hoc tuto et securo infra
predicta regna, patrias, terras et dominia dicti regis Anglie sta-
tim, incontinenti et absque omni dilatione, excusatione, sinistra
interpretatione, dolo, fraude, dissimulatione, malo ingenio aut
alio quovis quesito colore aut causa et absque aliqua in con-
trarium facto vel attemptato pure, simpliciter, absolute et abs-
que aliqua conditione vel contradictione quacumque tradet et
deliberabit, tradent et deliberabunt, tradive et deliberari faciet
et facient, sumptibus tarnen et expensis pro huiusmodi solum-
modo conductu necessariis et rationabilibus per requirentem vel
eius commissarium vel commissarios tempore huiusmodi tra-
ditionis et deliberationis personis que huiusmodi conductum
fecerint indilate solvendis.
12. articulus. Item conventum, concordatum et conclusum
est inter oratores predictos et prefati oratores regis Anglie pro-
miserunt et per presentes promittunt, quod si de prefatorum
regis Anglie et principis Hispaniarum expressis consensu, as-
sensu et concordia contra aliquem regem, principem vel prin-
cipes aut alias communitates bellum aut guerras simul inferri
^^5 Einleitung.
aut moveri contigerit, prefatus rex Anglie nullum tractatum,
pacem, treugam aut aliquod apunctuamentum cum illo vel Ulis
aut aliis eorum hominibus contra quem vel quos huiusmodi
bellum sive guerra geretur aut inferetur sine expressa prefati
principis Hispaniarum scientia, consensu, assensu et voluntate
faciet aut fieri consentiet.
13. articulus. Item conventum, concordatum et conclusum
est inter oratores predictos et oratores prefati regis Romano-
rum et principis Hispaniarum nominibus, auctoritate, consensu
et assensu quibus supra promiserunt et per presentes promit-
tunt, quod si de prefatorum regis ^ Anglie et principis Hispa-
niarum expressis consensu, assensu et concordia contra aliquem
regem, principem vel principes aut alias communitates bellum
aut guerras simul inferri aut moveri contigerit, prefatus prin-
ceps Hispaniarum nullum tractatum, pacem, treugam aut ali-
quod apunctuamentum cum illo vel illis aut cmn aliis eorum
hominibus contra quem vel quos huiusmodi bellum sive guerra
geretur vel inferetur sine expressa prefati regis Anglie scientia,
consensu, assensu et voluntate faciet aut fieri consentiet
Quas quidem ligas, confederationes et promissiones pre-
dictas et earum quamlibet ac omnia et singula in capitulis su-
pradictis contenta prefati oratores dictorum regis Romanorum
et principis Hispaniarum pro prefato rege Romanorum pro se
et per se ac nomine suo tanquam rege Romanorum ac etiam
pro eodem rege et prefato principe Hispaniarum de eiusdem
regis Romanorum tutoris et avi sui auctoritate, consensu et
assensu eorumque heredibus et successoribus inierunt, tracta-
verunt, concordaverunt, concluserunt et acceptaverunt et per
presentes ineunt, tractant, concordant, concludunt et acceptant;
promittentes per presentes, quod ea omnia et singula idem sa-
cratissimus rex Romanorum tanquam rex Romanorum inte-
graliter observabit et adimplebit iuxta eorundem formam et
tenorem et quod citra festum pasche proxime et immediate
futurum post datam presentium et ante contractum sponsalium
inter prefatum principem Hispaniarum et serenissimam dominam,
dominam Mariam, dicti regis Anglie filiam, charissimam deo duce
contrahendorum, suas litteras huius tractatus et omnium et sin-
gulorum capitulorum in eodem contentorum ratificatorias, con-
») A = regt.
£inleituiig. ^jn
firmatörias et acceptatorias nomine suo proprio ut rege Ro-
manorum manu sua signatas et suo magno sigillo sigillatas
presentibus similes prefato regi Anglie eiusve deputato vel de-
putatis ad hoc sufficienter auctorisato vel auctorisatis in civitate
Londoniensi tradet tradive faciet. Qui quidem*) rex Anglie
tunc et ibidem tenebitur alias suas litteras patentes consimiles
prefato regi Romanorum eiusve commissario ad hoc sufficienter
auctorisato similiter tradere et deliberare, tradive et deliberari
facere, et si contingat quod minime creditur quod prefatus rex
Romanorum hoc facere neglexerit, remanebunt nichilominus
omnia et singula que suprascripta sunt, quantum ad prefatum
principem Hispaniarum, heredes et successores suos attinet, firma
et stabilia et per eundem principem, heredes, successores et
subditos suos iuxta sui formam et tenorem inviolabiliter ob-
servabuntur et adimplebuntur.
14. articulus. Item . conventum, concordatum et conclusum
est inter oratores predictos nominibus et auctoritatibus quibus
supra, quod neque prefatus rex Anglie neque prefatus rex Ro-
manorum per huius tractatus ratificationem, acceptationem aut
confirmationem aut per aliquid in eodem contentum possit aut
debebit recedere a tractatibus pacis, amiciciaiiim , lige et con-
federationum inter eosdem reges per eorum commissarios an-
tehac initis, contractis et conclusis de data vicesimi diei mensis
Junii anno domini millesimo quingentesimo secundo ac per se-
paratas litteras patentes prefatorum regum videlicet dicti regis
Anglie de data quartidecimi diei mensis Augusti anno domini
supradicto et prefati regis Romanorum de data vicesimi octavi
diei mensis Julii eodem anno approbatis, ratificatis et confir-
matis ac postea per eosdem reges solempniter iuratis, nee eis-
dem aut alicui eorumdem tractatuum capitulo quoquomodo con-
travenire aut derogare, sed quod iidem tractatus et omnia in
eisdem contenta in pleno et perfecto robore suo maneant et
effectu, presenti tractatu vel aliquo in eodem contento in aliquo
non obstante.
15. articulus. Item conventum, concordatum et conclusum
est inter oratores predictos nominibus et auctoritatibus quibus
supra, quod neque prefatus rex Anglie neque dictus princeps
Hispaniarum per presentem tractatum vel aliquid in eodem con-
*) i4 =8 quidam.
7 8 Einleitung*
tentum possit aut debeat recedere a tractatu pacis, amicicie, lige
et confederationis inter prefatum regem Anglie et celebris me-
morie Philippum nuper regem Castelle, prefati principis Hispa-
niarum patrem, Windesore pro se, heredibus et successoribus
suis irdto, concordato et concltiso de data noni diei mensis
Februarü anno domini millesimo quinquentesimo quinto, nee
eidem aut alicui eiusdem tractatus capitulo quoquomodo con-
travenire aut derogare, sed quod idem tractatus in omnibus et
per omnia in suo pleno et perfecto robore maneat et effectu,
presenti tractatu vel aliquo in eodem contento in aliquo non '
obstante.
i6. articulus. Item conventum, concordatum et conclusum
est inter oratores predictos et oratores prefati regis Romano mm
et principis Hispaniarum nominibus^ auctoritate, consensu et as-
sensu quibus supra promiserunt et per presentes promittunt,
quod prefatus princeps Hispaniarum tarn dictum tractatum ami-
ciciarum inter prefatum regem Anglie et bone memorie Phi-
lippum nuper regem Gast eile patrem suum pro se, heredibus
et successoribus suis initum, concordatum et conclusum de data
noni diei mensis Februarii anno domini millesimo quingente-
simo quinto et omnia et singula capitula in eodem tractatu
contenta quam etiam presentem tractatum et omnia et singula
capitula in eodem contenta, postquam decimum quartum etatis
sue annum attigerlt, per litteras suas patentes in debita et suf-
ficienti forma factas manu sua subscriptas et magno sigillo suob
sigillatas et harum serlem de verbo ad verbum continentes,
quandocunque et quocienscunque per dictum regem Anglie
eiusve heredes aut successores per nuncios aut litteras ad hoc
requisitus et interpellatus fuerit, confirmabit et ratitlcabit; eas-
demque litteras ratificatorias et confirmatorias sie ut prefertur
factas dictus princeps Hispaniarum prefato regi Anglie eiusve
deputato vel deputatis ad hoc auctorisato vel auctorisatis Infra
duos menses dictam requisitionem et interpellationem, requi-
sitiones et interpellatiooes' proxime et imraediate sequentes in
civitate Londoniensi tradet et 'deliberabit seu tradi et deli-
berari faciet idemque rex Anglie consimiles litteras ratificatorias
et confirmatorias prefati principis Hispaniarum oratori, deputato
vel commissario ad hoc sufficienter auctorisato tunc et ibidem
similiter tradere et deliberare tenebitur et obligabitur, prout
per presentes tenetur et obligatur.
Einleitung.
w
Item conventum, concordatum et conclusum est inter ora-
'tores predictos nominibus et auctoritatibus quibus supra^ quod
tarn prefatus rex Anglie quam dictus princeps Hispaniarum auc-
toritate, consensu et assensu dicti regis Romanorum avi et tu-
toris sui presentem tractatum ac omnia et singula capitula in
eodem contenta per suas litteras patentes in debita et sufficienti
forma factas magnis sigülis suis sigillatas et manu sua sub^
scTiptas confinnabit et ratificabit, suplendo omnes et singulos
tarn iuris quam facti defectus si qui tales sint ac eüam bene-
ficio omnium legum et canonum necnon omnibus et singulis
tarn iuris quam facti exceptionibus etiam specialem et expres-
sam renuntiationem requirentibus in vim pacti renunciando,
quibus etiam omnibus et singulis nos dicti oratores nominibus,
auctoritate, consensu et assensu quibus supra expresse et in
vim pacti in hiis scriptis renanciamus.
Quas quidem litteras ratificatorias et confirmatorias pre-
dictus princeps Hispaniarum citra festum pasche proxirae fu-
turum et antequam suus orator sive commissarius pro spon-
salibus cum dicta domina Maria contrahendis in Angliam ve-
nerit in civitate Londoniensi prefato domino regi Anglie eiusve
commissario ad hoc sufficienter deputato tradet et deliberabit
aut tradi et dehberari faciet et idem rex Anglie consimiles suas
litteras patentes commissario dicti prineipis Hispaniarum ad hoc
sufficienter auctorisato tunc et ibidem tradet et deliberabit aut
tradi et deliberari faciet, Sequuntur teueres commissionum re-
gis Romanorum et prineipis Hispaniarum et regis Anglie, In
quorum omnium et singulorum robur et testimonium has pre-
sentes litteras manibos nostris subsignavimus et sigillis nostris
communivimus,
Datum in opido Calesie vicesimo primo die mensis De-
cembris anno domini millesimo quingentesimo septimo* Sic
signatis super plicam.
J. de Luxemburg. J. de Berghes. L, de Gorrenodo.
J. de Sauvaige. Haneton,
Fueritque in decimo tercio dicti preinserti tractatus articulo
inter cetera conventum, tractatumj concordatum et conclusum,
quod nos nomine nostro proprio et privato ac sub titulo nostro
regis Romanorum predictum tractatum in omnibus et singulis
suis articulis, passibus, punctis et capitulis ratiun et gratum ha-
do EÜnleitung.
bebimus illumque acceptabimus et inviolabiliter observabimus
et ea causa litteras nostras patentes signo nostro manuali et
sigillo nostro communitas prefato serenissimo regi Anglie fratri
et consanguineo nostro carissimo eiusve conimissariis vel de-
putatis in civitate Londoniensi expediri et deliberari mandabi-
mus citra festum pasche proxime futurum, prout latius in dicto
tractatu et signanter in predicto decimo tercio illius articulo
expresse cavetur. Hinc est, quod nos preinsertum ligarum, fe-
derum, amicicie ac perpetue intelligencie tractatum per dictos
nostros ac dicti regis Anglie oratores factum et conclusum cum
Omnibus et singulis suis passibus, punctis, articulis et capitulis
tam in specie quam in genere ratum et gratum habentes con-
ventionique ac promissioni dictorum oratorum nostrorum circa
premissa factis ut par est satisfacere volentes eundem tractatum
ac omnia et singula in eodem contenta pro nobis ac nomine
nostro proprio et privato et sub titulo electi Romanorum im-
peratöris laudavimus, acceptavimus, confirmavimus, ratificavi-
mus et approbavimus laudamusque, ratificamus, acceptamus,
confirmamus, emologamus et approbamus ac roboris firmi-
tatem perpetuo obtinere volumus et declaramus per presen-
tes; promittentes bona fide nostra in verbo cesareo ac sub
titulo ^t dignitate nostris omnia et singula in dicto prein-
serto ligarum, amicicie ac perpetuarum intelligenciarum tractatu
contenta et descripta tam in specie quam in genere rata, grata
et firma habere eaque cum omnibus et singulis suis articulis,
passibus et punctis singula singulis referendo pro \) nostra parte
et in quantum nos attinet, nostra interest et intererit, inviola-
biliter et perpetuo observare et nunquam per nos vel alium
contraire, dicere, opponere vel venire seu contraire volenti
in aliquo consentire clam, palam, tacite vel expresse quovis
quesito colore, supplentes omnes et singulos tarn iuris quam
facti defectus si qui tales sint ac eciam beneficio omnium legum
et canonum; renunciamus etiam in vim pacti omnibus et sin-
gulis tam iuris quam facti exceptionibus specialem et expressam
renunciationem requirentibus. Declarantes tamen tenore pre-
sentium quod per huiusmodi tractatum ut premittitur factum
ac modo quo supra per nos acceptatum, approbatum et con-
firmatum non intendimus quovismodo recedere a tractatibus
') Nachgetragen»
Einleitung. gl
pacis, amicicianim et confederacionum alias per oratores nostros
ad id sufficienter instnictos ac etiam dicti regis Anglie tractatis
et conclusis inter nos ex una et prefatum regem Anglie fratrem
et consanguineum nostrum carissimum ex alia sub die vicesimo
mensis Junii anno domini millesimo quingentesimo secundo
ac inde per nos litteris nostris patentibus et separatis sub die
vicesimo octavo mensis Julü predicti anni ac etiam per ipsum
regem aliis litteris suis patentibus etiam separatim expeditis
datis decime quarte diei Augusti ipsius anni quingentesimi se-
cundi confirmatis, ratificatis et approbatis indeque per utrum-
que nostrum solemniter iuratis neque illis per premissa quovis-
modo derogatum iri, quinymo eosdem tractatus hie proxime
designatos cum omnibus et singulis clausulis et capituUs in eis
contentis in suo robore permanere ac debitum execucionis effec-
tum sortiri debere decernimus et declaramus presenti tractatu
superius ad longum inserto et confecto aliisque que in contra-
rium obici possent non obstantibus.
In quorum premissorum testimonium has nostras litteras
patentes manu nostra propria subscriptas et signatas sigillo
nostro iussimus communiri. Datum in monasterio nove fun-
dationis apud Brixinam ordinis sancti Augustini canonicorum
regularium die vicesima secunda mensis Februarii anno domiiv
millesimo quingentesimo octavo, regnorum nostrorum Romani
vicesimo tercio, Hungarie vero decimo octavo.
Maximilianus.
L. S.
12.
Erneuerung des fischen Maximilian L und Heinrich VIL
am 20, Juni i $02 geschlossenen Bündnisses durch Heinrich VIH
d. d. Westminster 1^09 August 20, fOr. St-A.J
Druck: Ryiner /. c. VII i 5.
Henricus dei gratia rex Anglie et Francie et dominus Hi-
bemie universis et singulis ad quorum noticias presentes lit-
tere pervenerint salutem.
östcrrdchisch-eiiglische StaatSTcrtrigc Bd. L 6
Stl Einleitung.
Cum quidam tractatus perpetue pacis et amidciarum inter
bone memorie dominum Henricum nuper regem Angliö et
Francie patrem nostrum charissimum nuperime defiinctum et
sacratissimum principem Maximilianum tunc Romanorum regem
nunc vero imperatorem electum fratrem et consanguineum nos-
trum per oratores suos hincinde sufficienter auctorizatos in Ant-
verpiä vicesimo die mensis Junii anno domini miJlesimo quin-
gentesimo secundo initus, factus et conclusus fuerit ac postea per
eodem reges per suas separatas et distinctas litteras patentes
magnis sigillis suis sigillatas et suis manibus subscriptas con-
firmatus, approbatus et ratificatus, cuius quidem tractatus tenor
sequitur et est talis:
Insertio tractatus et ratificationis regis Anglie.
Nos igitur omnia et singula predicti tractatus capitula per
oratores predictos ut premittitur inita, concordata, gesta et con-
clusa, rata, grata et firma habentes, ea omtiia et singula in eö-
dem tractatu contenta, inserta et specificata laudamus, ratifica-
mus, confirmamus, approbamus et corroboramus nee non cum
prefato sacratissimo rege Romanonmi fratre nostro cbarissimo
de novo tenore presencium specifice expresseque inimus, con-
trahimus et concludimus ac perpetui roboris firmitatem obtinere
volumus et declaramus; promittentes bona fide et verbo regio
nos omnes et singulos preinserti tractatus articulos firmiter
teuere, effectualiter adimplere et inviolabiliter observare necnon
a subditis nostris teneri et observari facere. In cuius rei testi-
monium has litteras nostras fieri fecimus patentes teste me
ipso apud Westminster vicesimo die Augusti anno domini mil-
lessimo quingentesimo nono et anno regni nostri primo.
Porter.
jginieitung. ^j
13.
Bündnis jw/schen Maximilian L, Heinrich VIIL, Leo X, und
Ferdinand dem Katholischen gegen Ludwig XIL von Frank-
reich d. d, Mecheln i$ij April $; nach dem im R.O, (Excheqtier,
Dipl Doc. Box 2$ Nr. 741J befindlichen Or, der Ausfertigung
durch Margaretha, der Bevollmächtigten Maximilians /J)
Rat Heinrichs VIIL d. d. i$ij Mai ij, (Or. R. O.J
Dru.ke: Ryiner l, c. VI/i 41 f.
Dumont L c. lV\i 173 ff. Vgl. Breuer l. c. Nr. ^8^9—^861..
Nos Margareta dei gracia archiducissa Austrie, ducissa et
comitissa Burgundie, vidua relicta Sabaudie etc., filia ac man-
dataria et procuratrix sacratissimi et invictissimi domini Maxi-
miliani divina favente clemencia Romanorum electi imperatoris
semper augusti, Germanie, Hungarie, Dalmacie et Croatie etc.
regis, archiducis Austrie, ducis Burgundie etc., domini et geni-
toris nostri metuendissimi per eum rite et legiptime ordinata,
constituta et deputata, vigore et auctoritate commissionis per
suam M*«™ nobis date et concesse, cuius tenor hie inferius de
verbo ad verbum inseritur et scribitur, universis et singulis ad
quorum noticiam presentes pervenerint notum facimus et mani-
festum :
Cum iure divino, naturali et humano sit institutum filios
debere parentes honorare eisque obedire, admonite requisiteque
fuerimus a predicto sacratissimo domino imperatore domino et
patre nostro colendissimo suscipere labores et onus nomine
sue sacratissime W^^ communicandi , tractandi et concludendi
unam bonam, sinceram, strictam et indissolubilem ligam, con-
federacionem, fedus et amicitiam cum sanctissimo domino nostro
*) Die Originalausfertigung Margaretha's, nach der wir diesen Vertrag
dru ken, ist stark beschädigt und enthält einige kleine Lücken, doch war es mög-
lich die Schrift {u entziffern und die Lücken auszufüllen. Die von Luis Carro^
unter{eHchnete spanische Originalausfertigung, die sich gleichfalls (Nr. 744 Ex-
chequer Dip. Doc.) im R. O. vorfindet, weicht in einigen Stücken von jener Mar-
garetha's ab. Im R. O. Nr, 74^ befindet sich die im Namen Ferdinands durch
Carro\ überreichte Ratifikation dieses Vertrages d. d. London i^ij April 2^
und Nr. 746 die Bestätigung Maximilians d. d. Aire i^iß Sept. 4 über 1 00000
Goldkronen, die ihm von Heinrich VIIL gemäss der geschlossenen Konvention
ausbezahlt wurden» Vgl. für die Oberlieferung dieser Urkunden Brewer l. c.
Nr. ß64p, ßSßp—ßSöß.
84 £inleitung.
Leone pontifice maximo serenissimisque et potentissimis prin-
cipibus dominis Henrico dei gracia Anglie rege domino et con-
sangineo nostro honorifico ac Ferdinande rege catholico Arago-
num utriusque Sicilie etc., de Jherusalem domino et socero nostro
honorifico tarn nomine suo quam serenissime domine Johanne
regine Castelle, Legionis et Granati, cuius persone et bonorum
curam et administracionem legiptime gerit, seu eorum oratore
vel oratoribus sufficienti mandato munitis vel munito, cuius
confederacionis gracia sancta sedes appostolica ab indebitis op-
pressionibus relevetur supranominatique principes, que sibi iure
competunt et spectant et ab aliis indebite occupantur, recuperent
et consequantur in perpetuaque et indissolubili amicitia, imione
et federis nexu commescant et signanter cum ipsius serenissimi
Anglie regis oratoribus parte sua apud nos hac de causa exi-
stentibus et transmissis, videlicet cum nobilibus, reverendo, ma-
gnifficis et generosis viris domino Edoardo Ponynghes equite au-
rato ordinis garterii, Johanne Yong vicecancellario Anglie, Thoma
Bolayn et Richardo Wingfilde militibus amplum et sufficiens
mandatum ad hoc habentibus; cumque ad dictam confedera-
cionem conciudendum destinaverit ad nos sua M«^ literas suas
patentes commissionis procuratorii et mandati specialis sua manu
signatas sub sigillo sigillatas et in debita et sufficiente forma
expeditas hie inferius ut prefertur insertas, nos igitur man-
dataria et procuratrix cupientes ut par est M** sue morem
gerere et iUi pro posse obedire pro eodem sacratissimo im-
peratore doftiino et patre nostro, cui nullum nostrum obsequium
et offitium negare possumus vel volumus, eiusque nomine, auc-
toritate et mandato virtute nostre commissionis predicte cum
supranominatis dominis oratoribus prefati serenissimi domini et
consanguinei nostri sufficienter autorizatis, quam etiam cum
sanctissimo domino nostro papa et serenissimo et cathohco rege
sive eius deputatis aut deputandis tarn nomine suo quam dicte
domine regine filie sue ad laudem et gloriam omnipotentis dei
et tocius Christiane rehgionis tiansquilitatem et pacem com-
municavimus, tractavimus et conclusimus, tractamus, commimi-
camus et concludimus omnes et singulos articulos sequentes.
Inprimis inter nos mandatariam et procuratricem predictam
et oratores predictos nominibus et auctoritatibus quibus supra
tractatum, communicatum et conclusum est, quod omnes et sin-
guli tractatus amiciciarum, confederäcionum sive intercursus
Einleitung. • 85
mercium antehac inter partes predictas per se, progenitores
aut antecessores, oratores vel commissarios suos respective sub
quibuscunque verborum formis inhiti, concordati et conclusi,
quibus non est expresse derogatum ac quos pro hie insertis
haben volumus, in omni suo robore permaneant et firmitate;
ita quod per presentem tractatum aut aliqua capitula in eodem
contenta non censeatur aut intelligalur quovismodo eisdem
tractatibus aut eorum alicui derogatum.
Item tractatum est, communicatum et conclusum, quod inter
confederatos predictos eorundemque heredes et sucxessores,
regna, patrias, terras, dominia, vassallos, subdictos, alligatos et
confederatos suos quoscunque presentes et futuros, tam eccle-
siasticos quam seculares, cuiuscunque gradus, conditionis aut
preheminencie existant, etiam si archiepiscopali, ducali aut qua-
cunque alia dignitate, statu aut gradu prefulgeant, aut presenti
lige non se opponentes aut contravenientes, sit perpetua, bona,
pura, sincera, vera, integra, fidelis, perfecta et firma amicitia, unio,
liga, confederacio et pax per terram, mare et aquas dulces ac
ubique locorum futuris temporibus perpetuo duratura erunt-
que hiidem confederati et eorum quilibet pro deffensionibus ac
thuicionibus sancte Romane ecclesie ac personarum et statuum
suorum eorundemque heredum et successorum necnon imperii,
regnorum, patriarum et dominiorum iam per ipsos aut eorum
aliquem possessorum aut postea iure belli vel quovis alio modo
recuperandorum aut possidendorum contra prefatum Ludovicum
Francorum regem communem eorum hostem eiusque heredes
et successores ac alios eiusdem Ludovici eiusve heredum aut
successorum fautores et adherentes quoscunque sine fraude,
dolo aut dissimulacione vel colore quocumque de cetero fu-
turis perpetuis temporibus non solum sibi invicem amici sed
etiam amicorum amici et inimicorum inimici sine excepcione
quacumque; dabuntque hiidem confederati sibi hincinde contra
prefatum Ludovicum Francorum regem communem eorum ho-
stem eiusque heredes et successores, quociens et quando per
aliquem confederatorum invasum, offensum sive hostiliter ag-
gressum requisitus aut requisiti fuerint, sumptibus et expensis
requirentis^) mutuum auxilium et succiu-sum bona fide sine
dilatione quacumque, non obstantibus quibuscunque alliganciis
») i4 = es.
8o Einleitung.
et confederacionibus, quas confederati predicti vel eorum aliquis
habent vel habet aut in futurum habere potent vel poterant
cum quocumque vel quibuscunque regibus, principibus aut co-
munitatibus, qualescumque Uli sint aut enint, quibus expresse
derogatum non censeatur, salvis et exceptis ligis et confe-
deracionibus inhitis et factis cum serenissimo rege Aragonie
comuni eorum amico si que sint, quibus in nullo derogatum
censeatur.
Item quoniam prefatus Ludovicus Francorum rex com-
munis hostis diu detinuit ac in presenti per vim et violenciam
contra ius et phas detinet et usurpat nonnuUa regna, ducatus,
principatus, dominia, patrias, terras et civitates ac oppida con-
federatis predictis respective spectancia; pro igitur recupera-
tione omnium et singulorum premissorum sie ut premittitur
iniuste occupatorum tractatum, communicatum et conclusum
est, quod confederati predicti omnes et singuli infra triginta dies
a data presentis tractatus immediate computandos per publica
edicta et proclamaciones palam declarabunt et eorum quilibet de-
clarabit se inimicum et hostem dicto Ludovico Francorum regi et
infra duos menses datam conclusionis huius tractatus proxime se-
quentes bellum invasivum contra eundem sumptibus et expensis
suis per se ipsos aut capitaneum vel capitaneos sufficientem vel
sufficientes, seu exercitus ducem vel duces, realiter et cum effectu
facient et quilibet eorum faciet; videlicet sanctissimus dominus
noster papa in provincia Provincie vel in Delphinatu aut alüs ter-
ris et dominus regi Gallorum subdictis et subiectis extra Ita-
liam ; C^ M*« in regno Francie vel patriis parentibus et obedienti-
bus regi Gallorum extra Italiam; rexAnglie in Aquitania, Picardia
sive Normania vel in alüs terris et dominus regi Gallorum sub-
iectis, et rex Aragonum in patria de Bearne, Langedoke^) et Aqui-
tania vel aliis terris et dominus regi Gallorum subdictis et sub-
iectis extra Italiam, ubi hiidem confederati omnes et singuli
communi hosti maxime nocere et officere poterunt; enintque
exercitus dictorum confederatorum, qui ad huiusmodi bellum
invasivum obligantur, potentes et bene instructi tam in peditatu
quam equitatu, artillieria et aliis instrumentis bellicis in ea parte
neccessariis et requisitis, sie quod singuli eorundem exercituum
communes hostes invadere, contra eosdem castra metari, civi-
*) Hier eine Lücke im Or,
Einleitung. 87
tates et oppida obsidere ac potenciis et maliciis eorundem re-
sistere et obviare ac eosdem cum eflfectu expugnare valeant
Nee ab huiusmodi bello sie ut premittitur incepto vel in-
cipiendo dicti confederati aut eorum alter desistet aut desistent
seu pacem, treugam vel belli inducias cum ipso communi hoste
aut cum aliquibus aliis, qui se presenti confederacioni velint
opponere, directe vel indirecte tractabunt, capient aut conclu-
dent absque noticia, consensu et expresso assensu aliorum om-
nium et singulorum confederatorum.
Item tractatimi est, communicatum et conclusum, quod nullus
confederatorum predictorum permittet aliquos ex subdictis suis
dicto regiLudovico, heredibus vel successoribus suis in bellis ser-
vire ac stipendia ab eodem recipere, sed ipsi omnes et singuli per
edictum expressum et solempne palam interdicent, prohibebunt
et precipient tempore publicacionis presentis tractatus, ne aliqui
subdictorum suorum sub pena capitis et confiscacionis omhium
bonorum taliter faciant; quod si huiusmodi preceptis contra-
venerint ipsa pena absque venia mulctentur; licebit tamen Om-
nibus et singulis confederatis hincinde habere subdictos suorum
confederatorum in suis stipendiis ad inserviendum eis in suis bel-
lis, principe cuius subdicti fuerint expresse non contradicente.
Item tractatum est, communicatum et conclusum, quod im-
perator, si iam non revocaverit, revocabit illam auctoritatem
suam cardinalibus scismaticis pro eorum consiliabolo antehac
concessam et tributam immediate post huius tractatus publi-
cacionem; quam revocacionem infra mensem proxime et im-
mediate ex tunc sequentem per suas literas patentes auctentice
iactas eisdem cardinalibus intimabit ac ea bmnia et singula vi-
gore et potestate dicte auctoritatis sue per eos facta et fienda
ex nunc prout ex tunc cassa et irrita reputabit et habebit.
Item tractatum est, communicatum et conclusum, quod
sanctissimus dominus noster papa teneatur et debeat contra
quoscumque quavis auctoritate vel dignitate ecclesiastica vel
mundana etiam regia fulgentes et preditos huiusmodi lige et
federi se opponentes eisque aut eorum alicui auxilium, con-
siliimi et favorem prestantes tam in Ytalia quam extra cen-
suras et penas ecclesiasticas fulminare et publicare, prout opus
fuerit ac quociens et quando per confederatos predictos aut
eorumi aliquem vel per eorundem commissarium vel commis-
sarios requisitus fuerit
88 Finleltung.
Item inter nos mandatariam et procuratricem ^c oratores
predictos tractatum, communicatum et conclusum est, quod ad
maximos sumptus neccessario subeundos per C^® M^^ pro
adimplemento et executione rerum supradictarum et hello pre*
dicto contra dictum Ludovicum Francorum regem gerendo, in-
ferendo et continuando, Serenissimus rex Anglie et Francie da-
bit et numerabit vel per commissarium suum aut commissarios
SUDS sufficienter in ea parte auctorizatum vel auctorizatos dari
vel numerari faciet imperatori vel domine archiducisse eorumve
aut eius legipttme deputato vel deputatis centurh milia corona-
rum auri in coronis aureis vel in auro equivalenti terminis,
modis, locis et forma sequentibus; videlicet dictus rex Anglie
et Francie solvet, dabit, traddet vel per commissarium suum aut
commissarios suos solvi, dari aut traddi faciet in oppido de
Gravur elinghe in comitatu Flandrie prefato imperatori vel dicte
domine archiducisse eorumve vel eius procuratori vel procura-
toribus recipiendi et quictancias faciendi in bona et sufficienti
forma dicto serenissimo regi Anglie et Francie eiusve commis-
sario vel commissarijs plenam potestatem habenti vel habenti-
bus triginta quinque milia coronarum auri intra mensem, post-
quam dictus imperator declaraverit se bestem et inimicum pre-
dicto regi Gallorum; deinde alia triginta quinque milia corona-
rum auri, cum dictus imperator per se vel idoneum aut suf-
ficientem capitaneum vel ydoneos aut sufficientes capitaneos
predicto Ludovico Francorum regi bellum realiter geret et ac-
tualiter inferet aut inferri faciet cum continuactone eiusdem iuxta
vim, formam et effectum cuiusdam articuli superinde in hoc
tractatu supra inserti; postremo triginta milia coronarum auri
in loco prenominato persone vel personis predictis intra tres
menses dictam belli incohationem et eiusdem continuacionem
proxime et immediate sequentes.
Item tractatum est, communicatum et conclusum» quod per
presentem tractatum C*^ M*"* non intendit aliquo modo de-
rogare tractatibus pacis cum quibuscunque regibus vel prin-
cipihus inhitis vel confirmatis per suam M^"^ tanquam tutorem
et maniburnum serenissimi principis Caroli sui nepotis et filii
carissimi et suarum patriarum et dominiorum nee sub specie
et pretextu dicte confederationis in presenti inhite, tractate et
concluse declarare dictum serenissimura principem et patrias
suas quoquo modo ad bellum contra dictum regem Ludovicum;
Einleitung. 89
quynimo in dicta tutoria qualitate vult et intelligit pacem cum
quibuscunque regibus et principibus servare et observari facere
per prefatum principem, suas patrias et subdictos.
Item tractatum est, communicatum et conclusum, quod om-
nes et singuli confederati predicti et eorum quilibet presentem
tractatum ac omnia et singula capitula in eodem contenta infra
terminos subscriptos, videlicet sanctissimus dominus noster et
catholicus rex Aragonum tam pro se ipso quam pro regina Ca-
stelle, cuius persone ac bonorum curam et administracionem
gerit, infra duos menses datam presencium proxime et imme-
diate sequentes, sacratissima M*" imperalis suo nomine et Se-
renissimus rex Anglie infra imum mensem datam huiusmodi et
sequentem per suas et cuiuslibet eorum literas patentes debite
confectas magnisque suis sigillis sigillatas et manibus subscriptas
acceptabunt, confirmabunt et ratifficabunt et eorum quilibet ac-
ceptabit ratifficabit et confirmabit; renunciantes et renuncians
specialiter et expresse ac in vim pacti excepcioni dicenti actum,
factum aut gestum nominibus aliorum vel alterius nomine esse
nuUum vel minus vallidum pretextu generalis vel specialis
mandati, quod ad taliter acti, facti et gesti meliorem firmitatem,
perfectius robur et validiorem efficatiam precedere debuit ac
etiam omnibus aliis tam iuris quam facti excepcionibus et ex-
ceptionum generibus, appellacionibus , provocacionibus, privil-
legiis, beneffitiis et deffensionibus quibuscunque, que et quas
pro hie insertis haberi volumus, per que aliquid dici, allegari
auf obici potest contra presentem tractatum vel contenta in
eodem, quo mediante a dicto tractatu vel articulis in eodem
insertis recedi potest directe vel indirecte quovis quesito colore;
supplentes etiam omnes et singulos tam iuris quam facti def-
fectus maxime auctoritatis, commissionis vel commissionum om-
nium confederatorum predictorum vel aliquorum aut alicuius
eorundem vel ob inhabilitatem personarum vel persone, quibus
vel cui auctoritas commissa est vel si quicquam aliud ad vali-
ditatem premissorum hie defuerit aut aliquid sit insertum in
commissione vel commissionibus confederatorum predictorum,
quod substanciam et effectum presentis tractatus vel alicuius
articuli eiusdem impediret, extenuaret, diminueret, extingueret
vel eundem abrogaret, id per suas confirmatorias literas signa-
tas et sigillatas mero motu et ex suis certis scienciis supple-
qo Einleitung.
bunt et quilibet eorum supplebit, ut perinde finnitatem habeat
atque si omnia soUempniter, rite et recte facta essent, et quod
ipsi et eorum quilibet ea omnia et singula, quathenus eos
aut eorum aliquem tangunt aut tangere poterunt, pro parte
sua realiter et cum effectu, bene et fideliter observabit, faciet,
adimplebit et exequetur non solum per ipsas literas con-
firmatorias bona fide et in verbo pontificio, imperiali et regio
promittet, verum etiam in presencia oratoris vel oratorum su-
orum vel eorum alicuius tunc in eorum curia existentis vel
existencium ac coram notariis et testibus per dictos oratores
ad hoc specialiter vocatis publice et sollempniter aliquo die
festivo intra missarum sollempnia super sacrosancta dei evan-
gelia et canonem misse per eos et eorum quemlibet corporaliter
tactos iurabit ipsasque literas confirmatorias una cum instru-
mento publico super prefato iuramento per dictos notarios de-
bite confecto tam dicti oratores quam dicti confederati ipsis
oratoribus tunc et ibidem vicisim^) dabunt et traddent et qui-
libet eorum dabit et traddet; proviso semper quod si dicti
sanctissimus dominus noster et rex Aragonum aut eorum alter
intra terminum supra specifficatum presentem tractatum et sin-
gula capitula in eo contenta et inserta pro se vel suum ora-
torem, commissarium aut procuratorem vel procuratores suos
in ea parte auctoritate sufficienti fulcitum vel fulcitos non ac-
ceptaverint, ratifficaverint, confirmaverint aut acceptaverit, ra-
tifficaverit et confirmaverit , nichillominus tamen inter C**°»
j^jtem et dictum regem Anglie, heredes et successores suos hinc-
inde valebit et in vigore, robore ac firmitate suis perpetuo
permanebit
Item auctoritatibus quibus supra communicatimi et trac-
tatum et conclusum est, quod in presenti tractatu comprehen-
dantur et includantur omnes et singuli amici, confederati et alli-
gati parcium predictarum subsequenter nominati; videlicet pro
parte sanctissimi domini nostri et catholici regis Aragonum ac
regine Castelle, cuius persone ac bonorum idem catholicus rex
curam et administracionem gerit, reges, principes, comunitates
et respublice, quos et quas denominabunt aut quis eorum de-
nominabit infra tempus duorum mensium a data huius federis
numerandorum et pro parte sacratissimi imperatoris Serenissimi
Einleitung. ^X^
et potentissimi reges Ladislaus Hungarie rex et reges Portu-
galie, Scotie, Datie, Polonie, principes electores sacri Romani
imperii, duces Clevensis, Julliacensis et episcopus Traiectensis ;
pro parte vero serenissimi regis Anglie et Francie reges Hun-
garie, Polonie, Scotorum, Datie ac communitas Hanse teu-
tonice.
Et nichillominus relinquitur et remanet locus aliis regi-
bus, ducibus, principibus et coraunitatibus quibuscunque ad
eflfectum premissorum hanc ligam et fedus ingredi volen-
tibus. Sequuntur tenores commissionum^).
Acta fuerunt omnia suprascripta dataque et conclusa in op-
pido Mechliniensi et domo habitacionis nostre die quinta mensis
Aprilis anno domini millesimo quingentesimo decimo tercio post
pasqua, presentibus ad ea nobilibus ac magnifficis et strenuis viris
domino Johanne domino de Berghes milite aurei velleris, Lauren-
cio de Gorrenodo barone Montanesii, Gerbaxii et de Mamay gu-
bematore Breissie, D. Gerardo de Pleyne milite, domino Rup-
pis preside privati consilii serenissimi principis Castelle ac
Thoma Spinelli dicti serenissimi Anglie regis solicitatore in
curia nostra commorante testibus ad premissa per nos ac pre-
fatos dominos oratores specialiter vocatis et rogatis.
In quorum testimonium has manu nostra signatas feci-
mus sigilli nostri appensione communiri.
Datas anno, die et loco premissis.
Marguerite.
L. S.
«) Vgl. Rymer VI/j. ^7.
ff 2 Einleitung.
u.
Vertrag ^(wischen Maximilian I. und Heinrich VIIL über den
Kampf gegen Frankreich und über die Heirat Karls von
Spanien mit Maria von England, d, d. Lille i$ij Okt. i6; nach
der im /?. O. (Exchequer Dipl Doc.) aufbewahrten Original^
erklärung Margarethas, der Bevollmächtigten Maximilians L
Rat Heinrichs VHL d, d, Greenich i^iß Nov, 6, (Or, R. O.J
Rat Maximilians I. d. d. Augsburg ij;ij Nov. 75. (Or. R. O.)
Druck: Rymer L c. VIli 5/.')
Nos Margareta dei gracia archiducissa Austrie, ducissa et
comitissa Burgundie, vidua relicta Sabaudie etc., filia sacratissimi
et invictissimi principis domini Maximiliani divina favente cle-
mencia Romanorum electi imperatoris semper augusti, Ger-
manie, Hungarie, Dalmatie et Croacie etc. regis, archiducis Au-
strie, ducis Burgundie etc. universis et singulis ad quorum no-
ticiam presentes litere pervenerint salutem.
Cum in quodam articulo cuiusdam tractatus*) initi et con-
clusi in oppido Meccliniensi quinta die mensis Aprilis anno do-
mini millesimo quingentesimo tercio decimo post pascha inter
nos procuratricem et mandatariam dicti imperatoris patris nostri
et oratores, procuratores, commissarios et deputatos serenissimi
et potentissimi principis Henrici regis Anglie et Francie inter
cetera contineatur, quod confederati omnes et singuli in dicto
tractatu comprehensi per publica edicta et proclamationes pa-
lam declarabunt et eorum quilibet declarabit se inimicum et
hostem Ludovico Francorum regi et infra certum tempus in
dicto articulo comprehensum bellum invasivum contra eundem
Ludovicum sumptibus et expensis suis per se ipsos aut capi-
taneum vel capitaneos sufficientem vel sufficientes, seu exer-
cituum ducem vel duces, realiter et cum effectu facient et qui-
libet eorum faciet respective in locis in dicto articulo compre-
hensis nee ab huiusmodi bellen sie ut premittitur incepto vel
incipiendo dicti confederati seu eorum aliquis desistet vel desi-
>) Der Druck bei Rymer s. d. i^. Okt. stimmt ni ht mit dem Wortlaut
des obigen Vertrages überein. Vgl, für die Überlieferung dieses und des Ver-
trages vom 17. Okt. Brewer l. c, I Nr. ^=i<>S — ./s//.
») i4 = tratatus.
£inleitung. ^^
Stent, seu pacem, treugam vel inducias cum dicto Ludovico com-
muni hoste aut cum aliquibus aliis, qui se dicte confederationi
velint opponere, directe vel indirecte tractabunt^ capient vel
concludent absque noticia, consensu et expresso assensu aliorum
omnium et singulorum confederatorutn, prout in dicto articulo
plenius continetur, ac prefatus sacratissimus Romanorum im-
perator bellum invasivum in ducatu Burgundie cum magno equi-
tum et peditum numero et omni genere armorum et artillerie
incohaverit et per aliquos menses continuaverit dictoque regi
Anglie et Francie consilio, directione et proprio suo corpore
omnem opem, auxilium et favorem prestiterit eo tempore, quo
equitatus omnis Ludovici Francorum regis fusus fugatusque fuit
et pariformiter dum Morinum et Tomacium obsidione cinge-
rentur; nichilominus nos prefata Margareta dicti imperatoris
filia nomine eiusdem agens et eins negocia gerens cum predicto
Henrico Francie et Anglie rege christianissimo ex certis urgen-
tibus causis, et precipue quia iam tempus hiemale hello gerendo
minus aptum instat et milites in hieme a castris in hibema de-
duci necesse erit, mutuo consensu et assensu convenimus et
conclusimus, quod dictus Francie et Anglie rex dimisso suffi-
cienti militum presidio cum capitaneo et thesaurario in dicta civi-
tate Tornacensi, territorio et baillinatu eiusdem ad ea guber-
nanda, tuenda et deffendenda contra dictum Gallorum regem
et eins potentiam reliquum omnem exercitum tam equitum
quam peditum libere dimittere et in Angliam reducere et in
persona sua redire de consensu et expresso assensu dicti im-
peratoris, quandocunque illi libuerit seu placitum fuerit, possit
et valeat
Item conventum, concordatum et conclusum est inter nos
et dictum christianissimum Francie et Anglie regem, quod
Cea ^tas ^ac duraute hieme pro tuitione patriarum et do-
miniorum Serenissimi Castelle principis et assistencia illorum,
qui ex parte dicti regis Francie et Anglie sunt rehcti ad pre-
sidium Tornacensis civitatis, et si et in quantum commode fieri
potent pro hello gerendo dicto tempore hiemah contra et ad-
versus dictum Ludovicum Francorum regem 'stipendiabit et con-
tinue in armis habebit quatuor milia equitum et sex milia pe-
ditum in Arthesia, Hanonia et locis vicinis et adiacentibus.
Conventumque, concordatum et conclusum est, quod dic-
tus Francie et Anglie rex in sublevamen impensarum et stipen-
^^ Anleitung.
diorum dictorum quatuor milium equitum et sex milium peditum
per C®*™ M*«"* fiendorum et solvendonim persolvi faciet sum-
mam ducentarum milium coronarum aurearum in terminis se-
quentibus; videlicet in fine cuiuslibet mensium Novembris, De-
cembris, Januarii, Februarii, Martii et Aprilis proxime futuronim
triginta milia dictarum coronarum et per totum mensem Maii vi-
ginti milia, ita tamen quod dicte summe in quolibet dictorum ter-
minorum per commissarios prefati regis persolventur capitaneis
et certo numero dictorum equitum et peditum iuxta ordina-
tionem seu statum desuper conficienda per C*^ M^" vel nos
prefatam dominam Margaretam, postquam dicti equites et pe-
dites debite fuerint coram quatuor commissariis ad hoc per
Ceam }^i»m et locumtenentem prefati regis Francie et Anglie civi-
tatis Tornacensis monstrati et numerus eorum fuerit per com-
missarios predictos approbatus.
Item conventum, concordatum et conclusum est, quod citra
primum diem mensis Junii proxime futuri dictus christianissi-
mus Francie et Anglie rex in Aquitania, Picardia sive Norman-
dia vel in aliis terris seu dominus regi Gallorum subiectis ac
dictus invictissimus imperator electus in regno Francie vel pa-
triis obedientibus et parentibus regi Gallorum vel in aliis terris
et dominus dicto regi Gallorum subditis et subiectis extra Ita-
liam, ubi idem principes et eorum quilibet communi hosti ma-
xime nocere et officere poterunt aut poterit, bellum invasivum
contra eundem Ludovicum Gallorum regem sumptibus et ex-
pensis suis, per se ipsos aut capitaneum vel capitaneos suffi-
cientem vel sufficientes, seu exercitus ducem vel duces, realiter
et cum effectu resument et facient et eorum quilibet resumet
et faciet; eruntque exercitus predicti, qui ad^) huiusmodi bellum
invasivum obligantur, potentes et bene instructi tam in pedi-
tatu quam in equitatu, artilliaria et aliis instrumentis bellicis in
ea parte neccessariis et requisitis, sie quod singuli eorum exer-
cituum communes hostes invadere, contra eosdem castra
metari, civitates et oppida obsidere ac potentiis et maliciis
eorum resistere et obviare ac eosdem cum eflfectu expugnare
valeant; nee ab huiusmodi hello sie ut premittitur incepto
vel incipiendo dicti principes aut eorum alter desistent aut
desistet, seu pacem, treugam vel belli inducias cum ipso
1) Or = ab.
Einleitung. ^t
communi hoste aut cum aliquibus aliis, qui se presenti trac-
tatui et confederacioni velint opponere, directe vel indirecte
tractabunt, capient aut concludent, vel alter eorum tractabit, ca-
piet aut concludiet absque noticia, consensu et expresso assensu
alterius principum predictorum.
Item conventum, concordatum et conclusum est inter nos
prefatam archiducissam et predictum christianissimum Francie
et Anglie regem, quod imperialis M**«, Carolus illustrissi-
mus princeps Castelle et nos dicta archiducissa Austrie ac pre-
fatus christianissimus Francie et Anglie rex, illustrissima do-
mina Katherina eins coniunx et serenissima domina Maria soroi:
dicti christianissimi Francie et Anglie regis citra quintumdeci-
mum diem mensis Maii proxime futurum in oppido Calisie per-
sonaliter simul conveniemus et nostrum quilibet conveniet; et
tunc et ibidem matrimonium sive sponsalia alias inter dictum
illustrissimum principem Castelle Carolum et dictam serenissi-
mam döminam Mariam contracta publice et solempniter in
facie ecclesie celebrari et solemnisari faciemus; ac dicti Carolus
et Maria tunc et ibidem publice in facie ecclesie matrimonium
contrahent et solempnisabunt
Item conventum, concordatum et conclusum est, quod per
huiusmodi tractatum seu capitula eiusdem non intelligatur ali-
quatenus derogatum capitulis confederationis aut alicuius alterius
tractatus antehac per aut inter dictos principes factis et fir-
matis; immo illa perseverent in suo robore et effectu nisi in
quantum huiusmodi articulis fuerint contraria.
Item conventum, concordatum et conclusum est, quod trac-
tatus iste et omnia et singula capitula in eo contenta confir-
mabuntur et ratificabuntur per invictissimum principem Maxi-
milianum, divina clemencia Romanorum imperatorem electum,
per suas literas patentes magno sigillo suo sigillatas et manu
ipsius subscriptas intra unum mensem datam presentis tracta-
tus immediate sequentem et dictum tractatum sie per eum con-
firmatum, sigiliatum et subscriptum prefato Francie et Anglie
regi quam primum mittet vel eins commissario tradet aut tradi
faciet.
In quorum omnium et singulorum fidem et testimonium
nos dicta archiducissa presentem tractatum manu nostra sub-
scripsimus et eundem magni sigilli nostri appensione muni-
vimus.
o^ Einleitung.
Datum in oppido Insulanim die XVI* mensis Octobris
anno domini millesimo quingentesimo decimo tercio.
Marguerite.
16.
Bündnis \wischen Maximilian L, Heinrich VIIL und Fer-
difiand von Arragonien gegen Prankreich d. d. Lille i$ij Okt 17;
flach dem Or, der spanischen Ausfertigung im British Museum
(Vesp. C. 7. Fol 91,)^)
Ratification Heitirichs VIIL (Or, R, O,) (Das Datum fehlt;
die Urkunde wurde beschnitten.)
Rat Maximilians L d. d. Augsburg i^iß Nov. 75. (Or. R. O.J*)
Universis et singulis ad quorum noticiam praesentes li-
terae pervenerint nos Don Petrus de Urrea cum C^ M*« et
Don Ludovicus Carroz de Villaragut cum serenissimo ac po-
tentissimo rege Franciae et Angliae et D. commendator Joannes
de la Nuza cum illustrissimo principe Castellae ac serenissima
principissa^) domina Margarita oratores Serenissimi ac potentis-
simi Ferdinandi Aragonum regis catholici etc. salutem. Noverint
nos praefatos Serenissimi ac potentissimi regis catholici actores,
factores et negotiorum gestores ac nomine ipsius agentes cum
generoso viro Joanne domino de Bergis milite ordinis velleris
aurei, primo camerario Maximiliani Romanorum imperatoris
electi semper augusti, gubernatore Namurcensi et magistro Ge-
rardo de Pleine, domino de Roca, presidente consilii dicti
Ceae y[üs et domiui archiducis, nomine dicti C^® M*^* agen-
tibus et dominis Richardo miseratione divina Wintoniensi
episcopo, christianissimi Franciae et Angliae regis privati sigilli
custode et domino Thoma Grey milite ordinis garterii, mar-
chione de Dorset, Henrici Franciae et Angliae regis christianis-
simi praefati nomine agentibus, tractatum praesentem cum suis
*) Dieser Vertrag ist noch nicht gedruckt; Inhaltsangabe bei Bergenrotk
l. c. II 162 f.
') Über die veränderte Form, in der Ferdinand von Arrigonien am 6. De\.
ißj^ den Vertrag vom //. Okt. lyi^ ratifizierte vgl. Bergenroth h c. II. Ein-
leitung LXXV. und Akten 162 ff., 17^, 179.
•) /l =r princissa.
Einleitung. ^'j
articulis Omnibus et singulis iniisse et conclusisse, cuius tenor
sequitur.
Cum nulla in praesentiarum sit pax, amicitia vel confoe-
deratio inter illustrissimum et potentissimum principem Fer-
dinandum catholicum Aragonum et Ludovicum Gallorum reges,
sed treugarum induciae dumtaxat initae et ad diem ultimum
mensis Martii proxime futuri duraturae, quas praefatus rex ca-
tholicus in maxima infirmitate illo tempore constitutus firmavit,
ut aperiretur via tollendi tam magnas sanguinis effusiones chri-
stianorum a scismaticis pernitiosis sanctaeque*) matris ecclesiae
divisionem, quae religioni christianae tantum important, prae-
fatusque Ludovicus Francorum rex, qui fuit causa omnium ho-
rum malorum, emendaret se desistendo a conciliabulo Pisano
eins favore incepto pariter et continuato reverteretque ad obe-
dientiam sanctae Romanae ecclesiae confitendo errorem suum
et de illo condignam penitentiam faciendo adhereret concilio
lateranensi canonice et legittime convocato restitueretque prin-
cipibus christianis quod ab illis tirannice et iniuste destinet vel
cum eisdem debite componeret, praesertim cum illustrissimo ac
potentissimo Henrico Franciae et Angliae rege et cum illustris-
simo Charolo Hispaniarum principe praefati regis catholici filiis
carissimis, sicuti praedictus Ludovicus rex in tractatu dictarum
treugarum M*» catholicae promittere et significare fecit, quod
minime post inducias factas adimplere curavit, imo quod peius
est totis suis viribus durantibus treugis praedictis contrarium
procuravit et fecit, prout clare deprehenditur per ea, quae in
Italia et extra fecit. Attenta igitur dicti Ludovici regis obsti-
natione et cordis obduratione, quae tantum in ipso creverunt,
quod nisi vi armorum eins ambitio comprimatur et obstinatio
corrigatur nulla amplius ab illo spes habenda est, quod aliter
propter eins ambitionem et potentiam possit provideri conser-
vationi et saluti ecclesiae et praefatorum principum indemnitati ;
propterea invictissimus princeps Maximilianus divina favente
dementia imperator Romanorum et illustrissimus et potentissi-
mus Ferdinandus catholicus Aragonum etc. ac dictus Henricus
christianissimus Franciae et Angliae reges volentes et aflfectantes
lapsis dictis induciis sive treugis ad laudem dei, ecclesiae su-
stentationem, sanctissimi domini nostri papae defensionem, liber-
») Ifi der Rat H, VIIL lieisst es sacrosanctaeque.
Österreichisch-englische Staatsverträge. Bd. I.
^ Einleitung.
tatis ecclesiasticae conservationem et sanctae matris ecciesiae
unionem ac perniciosi scismatis per dictum Ludovicum suscitati
et defensi^) extirpationem ac pro recuperatione patriarum ac do-
miniorum, civitatum et aliorum iurium dictoruin principum per
dictum Ludovicum Gallorum regem iniuste detentorum recol-
lectis animis et viribus bellum resumere ac in dictum Ludovi-
cum communem hostem simul in diversis tamen locis eorum
unicuique maxime ad eidem nocendum opportunis inferre et
ingerere atque ea ratione tirranidem dicti Ludovici sanctae Ro-
manae ecciesiae et omnibus christianis principibus infertam com-
pescere et opprimere, per generosum virum Joannem dominum
de Vergis militem ordinis velleris aurei, primum chamerarium
Ceae M*^, gubematorem Namurcensem et magistrum Gerar-
dum de Pleine, dominum de Rocha, presidentem in consilio*)
dictae C«** M*^» et domini archiducis et dominos Don Pe-
trum de Urrea, Don Ludovicimi Carroz de Villaragut et Joan-
nem de la Nuza Ferdinandi catholici Aragonum regis etc. ora-
tores et reverendum patrem Richardum permissione divina
Wintoniensem episcopum privati sigiUi dicti christianissimi Fran-
ciae et Angliae regis custodem, dominum Thomam Gray mili-
tem ordinis garterii'), marchionem de Dorset, dictorum prind-
pum actores, factores et negotiorum gestores nomine eorundem
praefatorum principum et pro eisdem respective agentes trac-
tatum sequentem cum articulis suis omnibus et singulis inierunt
et concluserunt, ineunt et concludunt
Inprimis conventum, concordatum et conclusum est, quod
dicti potentissimi principes pendente sive lapso termino dicta-
rum treugarum nullo pacto, nuUo medio nee ex causa quacun-
que prorogationem sive innovationem earundem sive aliarum
treugarum cum dicto Ludovico Gallorum rege facient nee fieri
consentient neque eorum aliquis faciet vel fieri consentiet, nee
treugas aliquas cum dicto Ludovico per quoscunque factas rati-
ficabunt neque eorum aliquis ratificabit.
Item conventum, concordatum et conclusum est, quod ter-
mino dictarum treugarum lapso et fmito dictus catholicus Ara-
gonum rex citra primum diem mensis Junii proxime futuri bel-
0 Or = defenssi,
*) Or = concüio.
s) Or rr=r. g arter u
Einleitung. ^^
lum invasivum in dictum Ludovicum ac eius fautores quos-
cunque in ducatu Guienniae sive Aquitaniae per illam partem,
per quam M** suae*) catholicae magis videbitur expedire, cum
quindecim milibus peditum, miUe et quingentis equitibus gravis
armaturae ac alüs mille et quingentis equitibus levis armaturae,
equis et omni genere armorum ad bellum sufficienter instructis
ac viginti quinque peciis artillariae, videlicet duodecim grossis
et tresdecim minoribus, et alüs instrumentis bellicis ac caeteris
Omnibus in ea parte necessariis et requisitis, sumptibus et ex-
pensis suis propriis per se inferet aut per duces seu capitaneos
suos ad hoc ab eo deputatos effectualiter inferri faciet, sie quod
dictum Ludovicum invadere, contra eundem castra metari, civi-
tates et oppida obsidere ac expugnare ac potenciae et maliciae
eiusdem Ludovici resistere et obviare ac eundem cum eflfectu
debellare valeat
Item conventum, concordatum et conclusum est, quod auc-
toritate et vigore praesentis tractatus sufficiens et valida com-
missio per dictum Franciae et Anglie regem praenominato regi
Aragonum etc. vel generali ductori aut capitaneo principali sui
exercitus, quem pro hac debellatione Aquitaniae sive Guienniae
ac executione eiusdem dictus Aragonum etc. rex nominabit, prae-
ficiet, designabit, intelligatur et sit^) tradita; ita quod huius tracta-
tus vigore et auctoritate idem Aragonum etc. rex vel capitaneus
suus generalis possit et valeat pro ipso serenissimo Franciae et An-
gliae rege ac vice et nomine eiusdem dictum ducatum Aquitaniae
sive Guienniae manu forti et potentia armata ingredi et quascun-
que civitates, villas, loca, arces, castra et fortalicia dicti ducatus
capere et expugnare et in eius potestatem ac ditionem ad usum
tarnen et utilitatem dicti regis Franciae et Angliae et pro eo
redigere, retinere et possidere juramentaque fidelitatis et ho-
magii ab omnibus et singulis archiepiscopis, episcopis, decanis
aliisque personis ecclesiasticis quibuscunque nee non ducibus,
marchionibus, comitibus, baronibus aliisque nobilibus, incolis et
subditis quibuscunque dicti ducatus, quacunque auctoritate ec-
clesiastica vel mundana fulgentibus, pro eodem Franciae et An-
gliae rege ad eius utilitatem exigere, capere et recipere, privi-
legia libertatis immunitatesque confirmare et si opus fuerit in-
») Or^Sue.
«) Die Rat H. VlIL hat fuit
7"
lOÖ Einleitung.
novare caeteraque omnia et singula facere et exercere, quae ad
integram subiectionem et redutionem^) dicti ducatus ad obe-
dientiam dicti regis Franciae et Angliae conducibilia, necessaria,
opportuna et utilia visa fuerint.
Idemque rex Aragonum, ab eodem rege Angliae quam
primum per suas literas ad hoc requisitus ftierit, omnes et sin-
gulas civitates, castra, oppida, fortalicia caeteraque alia quaecun-
que terras et dominia dicto ducatui Aquitaniae spectantia et per-
tinentia ubicunque per suum exercitum capta et detenta, in quo-
rum possessione vel quasi aliqui progenitores vel praedecessores
dicti regis Franciae et Angliae aliquando fuerint, ad monitum
et requisitionem eiusdem regis illico et absque aliqua dilatione,
difficultate et contraditione^) quacunque ob rem, causam aut
occasionem quamcunque restituet, tradet et liberabit vel re-
stitui, tradi et liberari faciet. Et ad hoc faciendum idem catho-
licus rex Aragonum etc. literas suas patentes in debita et suf-
ficienti forma expeditas sigillo et manu suis sigallatas et signa-
tas citra primum diem mensis Aprilis proxime futuri eidem regi
Franciae et Angliae eiusve deputato aut deputatis dabit et con-
signabit, darive^) et consignari faciet. Et pariformiter prefatus
Franciae*) et Angliae rex per consimiles literas eidem regi ca-
tholico promittet, quod expugnatis aliquibus civitatibus, terris
sive castris in dicto ducatu'^) Guienniae cum auxilio divino in-
fra tres menses, postquam ex parte regis Aragonum etc. fiierit
legittime requisitus, illa recipere et in manus et ditionem suam
acceptare tenebitur; hoc tarnen proviso, quod civitates, castra,
arces et loca quaecunque ducatus predicti, quae favente domino
ut predicitur capientur ad utilitatem christianissimi Franciae et
Angliae regis et pro bono expeditionis predictae custodiri de-
bent, illorum sive illarum custodia fiet et erit expensis dicti
Franciae et Angliae regis post ipsarum capturam, donec et
quousque personae vel personis per suam M*«™ deputandae vel
deputandis tradantur. Et caetera castra, civitates, arces et loca,
quorum custodia foret praefato Franciae et Angliae regi inutilis
») So im Or.
») So im Or.
^) Das ,yve'* nachgetragen.
♦) Or = Francie.
*; Ursprünglich stand dicto ducatui.
Einleitung. 10 1
et nitnis sumptuosa et quae poterunt sine magno incommodo
eiusdem regis demoliri, debent cura et industria praefati catho-
lici regis penitus demoliri et ad solum usque prosterni.
Item conventum, concordatum et conclusum est, quod dic-
tus christianissimus Franciae et Angliae rex in partem et sub-
sidium sustentationis et supportationis dicti exercitus decem et
octo milium peditum et equitum per dictum catholicum regem
vel eins ducem vel duces ad bellum in dicto ducatu Guienniae
ad eius commodum contra dictum Ludovicum gerendum ducen-
dorum viginti milium coronarum auri valentium quatuor solidos
monetae Anglicanae pro unaquaque ipsarum in fine singulo-
rum mensium in castris dicti exercitus, postquam dictus rex
Aragonum etc. realiter et cum effectu in dicto ducatu Guienniae
bellum ad utilitatem ut prefertur dicti Franciae et Angliae regis
inchoaverit ac realiter intulerit ac fecerit, solvet et numerabit,
vel solvi et numerari faciet dicto regi catholico vel eius depu-
tato cuicunque, recipiendi dictas pecunias et aquietandi^) ab eo
sufficientem auctoritatem habenti, dicta menstrua solutione sum-
mae praefatae tam diu duratura quam diu bellum per dictum
Aragonum etc. regem in prefato ducatu Aquitaniae sive Gui-
enniae ad utilitatem dicti regis Franciae et Angliae effectualiter
gestum et continuatum fuerit.
Item conventum et conclusum et concordatum est, quod
dicti Imperator et christianissimus Franciae et Angliae rex citra
primum diem mensis Junii proxime futuri bellum invasivum
sumptibus et expensis suis propriis contra dictum Ludovicum
Francorum regem in Picardia vel Normandia vel aliis locis regi
Gallorum subditis et subiectis, ubi dicto Ludovico maxime no-
cere et officere possint, per se ipsos vel sufficientes capitaneos
seu exercituum duces realiter et cum effectu facient et eorum
quilibet faciet cum exercitibus tam equitum quam peditum cum
artillaria et aliis instrumentis bellicis in hac parte necessariis et
requisitis adeo potentibus et bene instructis, sie quod dictum
Ludovicum invadere et contra eundem castra metari, civitates,
terras et oppida obsidere et expugnare ac potentiae et maliciae
eiusdem Ludovici resistere et obviare ac eundem cum eflfectu
debellare valeant et eorum quilibet valeat Et casu quo dictus
Franciae et Angliae rex ex aliqua causa iusta et legittima in
») In der Rat H, VIII. acquietandi.
I03 Einleitung.
persona sua loca praedicta praefato Ludovico regi Gallomm
subiecta invadere noUet^) vel non posset, tunc in loca et partes
predictas capitaneum vel capitaneos suos seu exercituum ducem
vel duces cum sexdecim milibus peditum et quatuor milibus
equitum, equis et omni genere annorum et artillaria ac caeteris
instrumentis bellicis sufficienter instructis, ad dictum Ludovicum
et loca ei subiecta ut praefertur invadenda, expugnanda et de-
bellanda mittet.
Item conventum, concordatum et conclusum est, quod
Aragonum etc. et Franciae et Angliae reges predicti pro custodia
maris, defensione et tuitione eiusdem naves*) cum gentibus ar-
morum et caeteris habilitamentis necessariis ad bellum navale
sufficienter instructas citra finem mensis Aprilis proxime futuri
realiter et cum effectu ad mare mittent et eorum quilibet mittet;
videlicet rex Franciae et Angliae pro parte sua tria milia viro-
rum bene et sufficienter armatorum in navibus ad bellum na-
vale gerendum sufficienter paratis et instructis, qui mare Galli-
cum et Britanicum durante termino subscripto navigabunt et
continuo sulcabunt et se, patrias et regna sua nee non sub-
ditos et amicos suos custodient et defendent, suis sumptibus et
expensis citra finem dicti mensis Aprilis realiter et cum effectu
mittet; et rex Aragonum ex parte sua etiam tria milia virorum
bene et sufficienter armatorum cum navibus ad bellum navale
gerendum sufficienter instructis, qui mare Gallicum et Britanni-
cum durante termino subscripto navigabunt et continuo sulca-
bunt et se, patrias et regna sua nee non subditos et amicos suos
ab incursu inimicorum et hostium in ea parte fiendo defendent,
citra finem dicti mensis Aprilis suis etiam impensis realiter et cum
effectu mittet. Et quilibet principum predictorum praefatum
numerum gentium armorum et navium modis et formis supra-
scriptis per sex menses finem dicti mensis Aprilis proxime et
immediate sequentes super mare et in locis praefatis continua-
bunt et manutenebunt et quotiens opus fuerit quilibet princi-
pum praedictorum dictum numerum'^) tam navium quam ar-
matorum non solum durantibus sed lapsis dictis sex mensibus
mutuo eorundem consensu augere vel diminuere poterit Nee
I) il = nolet.
*) Nachgetragen,
*) Nachgetragen.
Einleitung. lOa
licebit alicui principum praedictorum dictam classem cum gen-
tibus armorum nee aliquam partem eiusdem durante tempore
praedicto sine expresso consensu alterius revocare aut dimi-
nuere. Et si contingat huiusmodi exercitum aut classem mari-
timam sive aliquam earundem partem inimicorum insultibus
capi, prosterni aut expugnari, tunc princeps cuius sit classis aut
exercitus captus, prostratus aut expugnatus,^) dictam classem
sive exercitum, quam citius fieri poterit, plene reficiet et restau-
rabit atque resarciet.
Item conventum, concordatum et conclusum est, quod
nullus dictonim principum a bello per eos ut prefertur incepto
vel incipiendo quovismodo desistent seu aliquis eorum desistet,
nee pacem, treugam seu belli inducias cum dicto Ludovico Gal-
lonim*) rege vel cum aliquibus aliis, qui se huic confederationi
velint opponere, directe vel indirecte absque noticia et expresso
consensu aliorum tractabunt, capient aut concludent aut eorum
aliquis tractabit, capiet') aut concludet.
Item est conventum atque conclusum, quod huiusmodi
tractatus et omnia et singula in eo contenta ratificabuntur et
confirmabuntur per dictos imperatorem et Franciae et Angliae
et Aragonum etc. reges tam nominibus suis propriis quam se-
renissimae principis Joannae eins filiae*), cuius personae ac bo-
norum idem rex Aragonum curam gerit, respective intra tempus
quinque mensium a die quo per nos predictos actores, factores
negotiorumque gestores nomine prefatorum principum respec-
tive agentes firmata fiierit computandorum suasque literas pa-
tentes confirmatorias^) presentis tractatus omnes et singulos ar-
ticulos preinsertos de verbo ad verbum continentes debite con-
fectas et magnis sigillis eorum respective munitas et manibus
propriis ipsorum subscriptas intra tempus praedictum decement
et mutuo sibi mittent et tradi facient effectumque presentis
tractatus, quantum eos et eorum quemlibet tangit, realiter et
cum eflfectu implebunt, perficient et exequentur ac eorum qui-
libet implebit et perficiet et exequetur; renunciantes specialiter
* ) Im Or. folgt noch fuerit
«) In der Rat H. VIII. steht ffrancorum.
») Lücke im Or.
<) Lücke im Or., ergän\t nach der Rat. H. VIIL
•) Im Or» nach confirmatorias noch einmal „patentes'*
104 Einleitung.
et expresse ac in vim pacti exceptioni dicenti actum, factum
aut gestum nominibus aliorum vel alterius nomine esse nullum
vel minus validum pretextu nullius aut generalis vel specialis
mandati precedentis, quod ad taliter acti., facti et gesti meliorem
firmitatem, perfectius robur et validiorem efficatiam precedere
debuit ac etlam omnibus aliis tarn iuris quam facti exceptioni-
bus et exceptionum generibus, appellationibus, provocationibus,
privilegiis, beneficiis et defensionibus quibuscunque presentibus
et futuris, quae^) et quas pro hie insertis haberi volumus, per
quae*) aliquid dici, allegari aut obici potest aut potent contra
presentem tractatum vel contenta in eodem, quo mediante a
dicto tractatu vel articulis in eodem insertis recedi potest di-
recte vel indirecte seu quo vis quesito colore; supplentes etiam
omnes et singulos tam iuris quam facti defectus maxime auc-
toritatis, commissionis vel commissionum, mandati vel manda-
torum dictorum principum vel alicuius eorum; vel si quicquam
aliud ad validitatem premissorum hie defuerit aut aliquid sit
insertum in commissione vel commissionibus dictorum princi-
pum, quod substantiam et effectum presentis tractatus vel ali-
cuius articuli eiusdem impediret, extenuaret, diminueret, extin-
gueret vel eundem abrogaret, id per suas literas confirmatorias
signatas et sigillatas magnis suis sigillis et manibus suis sub-
scriptas mero motu et ex certis suis scientiis supplebunt et
eorum quilibet supplebit, ut perinde firmitatem habeat, atque
si omnia solempniter, rite et recte facta®) essent. Et ad eflfec-
tum omnium et singulorum premissorum pro parte dictorum
principum et eorum cuiuslibet realiter et cum eflfectu, bene et
fideliter observandorum, non solum dicti principes et eorum
quilibet per ipsas Hteras confirmatorias bona fide et in verbo
regio promittent et promittet, verum etiam in presentia ora-
toris vel oratorum ipsorum principum vel eorum alicuius tunc
in eorum curia existentis vel existentium ac eorum notariis et
testibus per dictos oratores vel oratorem ad hoc specialiter vo-
catis in mense Maii proxime futuri publice et solempniter ali-
quo die festivo inter missarum solemnia per sacrosancta dei
evangelia et canonem missae per eos et eorum quemlibet cor-
I) Or = qtfe,
•) Or = qtfe.
») Or^fata,
Einleitung. 1 05
poraliter tacta iurabunt et eorum quilibet iurabit ipsasque literas
confirmatorias unacum instrumento publice super praefato iura-
mento per dictos notarios debite confecto dicti principes et
eorum quilibet ipsis oratoribus seu oratori tunc et ibidem da-
bunt et tradent et eorum quilibet dabit et tradet.
Item conventum, concordatum atque conclusum est, quod
per huiusmodi capitula non intelligatur aliquatenus derogatum
capitulis confoederationis aut alicuius alterius tractatus antehac
per aut inter dictos principes factis et firmatis; imo illa perse-
verent in suo robore et effectu, nisi in quantum huiusmodi ar-
ticuüs fuissent contraria.
Item conventum, concordatum et conclusum est inter im-
peratorem et reges praedictos, quod locus hanc ligam et con-
foederationem ingrediendi relinquatur inferius nominatis; in-
primis sanctissimo domino nostro Leoni pontifici maximo;
Charolo illustrissimo principi Castelle, duci Mediolani et Hel-
vetiis et Florentinis.
In quorum omnium et singulorum fidem et testimonium
nos dicti Don Petrus de Urrea et Don Ludovicus Carroz de
Villaargut et D. Joannes de la Nu^a dicti Serenissimi ac poten-
tissimi Ferdinandi Aragonum etc. regis catholici oratores, ac-
tores, factores ac negociorum gestores ac nomine eiusdem agen-
tes sigilla nostra presentibus apposuimus*) et manibus nostris
subscripsimus. Datum in oppido Insularum die decimo sep-
timo mensis Octobris; anno domini millesimo quingentesimo
decimotertio.
Don Luis Carroz de Vilaragut. Ita est, Petrus de Urrea.
Joannes de la Nu9a.
*) Die Siegel fehlen; sie sind abgeschnitten worden.
I06 Einleitung.
16.
Bündnis {wischen Maximilian L, Heinrich VIIL, Johanna und
Karl von Spanien d, d, London i$i6 Okt. 29. (Or. R. O.; Ko-
pie St-A,J M.
Rat Maximilians L d, d. Hagenau i$j6 De^. 8. (Or. R. O.J
Drucke: Rymer /. c. VIji lai f-
Dumont U c, IV/i 240,
Universis et singulis ad quorum noticiam presentes literae
perveniunt nos Thomas miseratione divina tituli sanctae Ceciliae
trans Tyberim sacrosanctae Romanae ecclesiae presb)rter cardina-
lis, Eboracensis archiepiscopus, Angliae primas et apostolicae sedis
legatus, eiusdem regni Angliae cancellarius; Thomas dux Norf-
folciae, Angliae thesaurarius ac Thomas Dunolmensis episcopus
et privati sigilli regii custos, consiliarii, oratores, ambassiatores,
procuratores et comissarii excellentissimi et potentissimi prin-
cipis Henrici dei gratia regis Angliae et Franciae ac domini Hy-
berniae ad infrascripta sufficienter deputati, constituti et auctori-
zati salutem in omnium salvatore. Sciatis, quod nos oratores
predicti nomine et auctoritate eiusdem metuendissimi et poten-
tissimi regis nostri nobis ab eo per suas literas patentes datas,
concessas et commissas, quarum literarum tenor inferius ad ver-
bum inseritur*), cum reverendissimo in christo patre et domino, do-
mino Matheo miseratione divina tituli sanctae Potentianae sacro-
sanctae Romanae ecclesiae presbjiero cardinali Sedunensi sacri-
que Romani imperii principe, marchione, Viglevani prefecto et co-
mite Vallesiae ac strenuo et magnifico viro domino Johanne Bar-
tholomeo Ticiono, comite Decianae, sacratissimae,invictissimae et
excellentissimae C«*® M*»^ necnon cum reverendo in christo patre
et domino Bemardo Elnensi episcopo, potentissimorum et excel-
lentissimorum Joannae et Caroli Hispaniarum et Navarrae ac
utriusque Siciliae et Hierusalem etc. regum necnon archiducum
») Da die im R. O. (Exchcijurr Dipl. Doc. Box 2/ Nr, y^p) aufbewahrte
englische Originalausfertigung , die drr vo/iirgmden Edition -{w Grunde liegt,
sehr stark beschädigt ist, vyitrde ^ur Ergänzung die im St,-A. befindliche Kopie
dieser Ausfertigung durch England herangezogen und im Interesse einer fiVf-
heitlichen Orthographie jene dieser Kopie widergegeben. Die im R. O. vor-
handenen Originalausfertigungen der Vertreter Maximilians L und Spaniens
sind gleichfalls stark beschädigt. Vgl. Breuer l, c. Nr, 2486,
0 Abgedruckt bei Rymer VIji 120,
Einleitung. 107
Austriae, ducum Burgundiae etc., comitum Flandriae etc., ora-
toribus, consiliariis, ambassiatoribus et comissariis per literas
patentes supranominatonim supremorum dominorum suorum
supradictorum magnis sigillis suis respective sigillatas, quarum
tenores inferius ad verbum insenintur^), sufficienter constitutis,
deputatis et auctorizatis necnon spectabili viro domino Joanne
Hesdin oratore pro O* M*« apud prefatum dominum nos-
trum regem Angliae agente et in hoc actu oratoribus prefatae
sacrae C^^ M^» assistente ad laudem, gloriam et honorem
omnipotentis dei, gloriosissimae virginis Mariae totiusque cu-
riae celestis et orthodoxae fidei ac christianae religionis exal-
tationem et incrementum sacrosanctae Romanae ecclesiae et
sedis apostolicae defensionem et conservationem necnon pro
statuum, personarum et dignitatum principum predictorum et
eorum cuiushbet conservatione ac regnorum, dominiorüm, civi-
tatum, terrarum, oppidorum et villarum, castrorum et terri-
torionim suorum et cuiuslibet eorundem tuitione et defensione
subditonimque suorum tranquillitate et quiete, ac etiam ut
quonimcunque principum suis finibus minime contentorum
effrenata dominandi et aliena invadendi et diripiendi libido eo
facilius cohibeatur, compescatur et reprimatur, utque caeteri
principes christiani, quibus Omnibus et singulis presentem li-
gam intrandi libera facultas et locus inferius reservatur, ex
dictorum principum confederatorum indissolubili unione, fide
atque perfecta amicicia ad dictam ligam et confederationem in-
trandam citius invitentur et alliciantur, ex quo non solum uni-
versis ecclesiae Christi et reipublicae christianae pax subsequi,
verum etiam contra immanissimos Turcas unanimi christianorum
principum omnium consensu pariter et assensu generalis possit
haberi et fieri expeditio, que eorundem principum dissensione,
discordia, simultatibus et ambitu in hunc usque diem prepedita,
neglecta fuit et ommissa, convenimus, concordavimus, contra-
ximus et conclusimus ac per presentes convenimus, contrahi-
mus, concordamus et concludimus omnes et singulos pacis,
amiciciae, ligae et confederationum articulos sequentes.
In primis conventum, concordatum et conclusum est, quod
inter prefatam 0*°» M*«™ ac potentissimos Angliae et Hispa-
nianmi reges eorundemque heredes et successores, vasallos, in-
') Abgedruckt bei Rymer L c. Vlfi I2j,
io8 Einleitung.
colas, habitatores et subditos quoscunque presentes et fiituros
tarn ecclesiasticos quam seculares, cuiuscumque dignitatis, Status
gradus seu conditionis existant, seu quacumque dignitate, statu,
seu gradu praefulgeant eorundemque regna, patrias, terras, do-
minia, civitates, castra, territoria, villas, oppida et loca quae-
cumque modo per eorum aliquem habita, tenta, possessa et
occupata vel in posterum obtinenda, sit bona, sincera, vera,
Integra, fidelis, perfecta et firma amicicia, unio, liga, intelligentia,
confederatio et pax per terram, mare et aquas dulces, portus
maris et ubique loconim futuris temporibus perpetuo duraturis.
Item conventum, concordatum et conclusum est, quod pro
conservatione, tuitione et defensione dignitatum, personarum et
statuum prefatorum confederatorum omnium et singulorum ac
eorum cuilibet eorundemque heredum et successorum regnorum,
patriarum, terrarum, dominiorum, civitatum, castrorum, villarum,
territoriorum, emolumentorum sive proventuum contra invasores,
perturbatores et hostiles aggressores quoscumque predicti C^
M*8 et potentissimi Angliae et Hispaniarum reges erunt per-
petuis futuris temporibus amici, confederati, uniti et invicem
alligati sine aliqua exceptione seu contraditione, ita quod si
posthac rex, princeps, potentatus sive comunitas aut alius qui-
cunque per se vel locumtenentem capitaneum generalem aliumve
quemcunque potenti, valido vel magno exercitu aut alio quovis
modo directe vel indirecte regna, patrias, terra, dominia, castra,
civitates, oppida, territoria sive loca quecumque per dictorum con-
federatorum aliquem in presentiarum habita, tenta, possessa et
occupata sive in posterum habenda, tenenda, possidenda et occu-
panda hostiliter invaserit vel perturbaverit, aut invadi seu per-
turbari procuraverit sive cuique ex confederatis violentiam aut
damnum grave et intoUerabile inferre, facere vel irrogare at-
tentaverit, tunc et in eo casu princeps invasus, perturbatus vel
ut premittitur damnificatus cupiens habere suppetias dictorum
confederatorum pro sua defensione aut damnificatione ut pre-
dicitur tenebitur admonere et requirere omnes et singulos con-
federatos per suas literas patentes manu sua subscriptas ac suo
sigillo sigillatas super huiusmodi invasione, perturbatione, vio-
lentia et damnificatione, qui super hoc certiores effecti et ut
premittitur admoniti et lequisiti tenebuntur unanimiter et unico
contextu una cum ipso requirente regem, principem, potentatum
sive comunitatem sie invadentem aut huiusmodi invasionem
Ginleitung. IO9
fieri ut predicitur procurantem, perturbantem, violentiam, dam-
num grave vel intollerabile inferentem, facientem vel irrogan-
tem per oratores, literas sive nuntios suos monere et requirere,
monebitque et requiret eorum quilibet, ut ab huiusmodi hostili
invasione et guerra sive procuratione eiusdem, perturbatione,
violentia et damnificatione totaliter desistat et ab eadem et eis-
dem cesset realiter cum eflfectu et pro predictis sie de facto at-
temptatis et damnis exinde subsecutis condignam rependat emen-
dam et satisfactionem, significantes eidem, quod vigore et vir-
tute istius foederis sive ligae defensivae tenentur ipsi confederati
omnes et singuli sibi invicem assistere, suppetias dare et mutuo
se defendere; quod si illico et absque mora facere recusaverit
aut distulerit, tunc omnes et singuli confederati infra mensem
ex tunc proxime sequentem se hostes et inimicos regis, prin-
cipis, potentatus sive comunitatis sie invadentis, perturbantis,
damnificantis sive violentiam inferentis aut invasionem, pertur-
bationem, damnimi sive violentiam huiusmodi fieri procurantis
publice et expresse declarabunt et manifestabunt ac sie decla-
rabit et manifestabit eorum quilibet ac infra duos menses ex
tunc proxime et immediate sequentes ad summimi absque omni
dolo, fraude, malo ingenio aut alio quovis colore sive excu-
satione quacumque regna, patrias, terras et dominia regis, prin-
cipis et potentatus sive comunitatis aut alterius cuiuscumque
sicut prefertur invadentis, perturbantis, damnificantis seu vio-
lentiam inferentis vel huiusmodi fieri procurantis, ab ea parte,
que sibi propinquior existit vel qua id commodius fieri posse
sibi Visum fuerit, unanimiter et uno contextu ingredientur et hosti-
liter invadent ac sie ingredietur et invadet eorum quilibet propriis
suis expensis realiter et cum effectu cum tanto et tam vahdo exer-
citu tam equitum quam peditum, equis, armis, bombardis et in-
strumentis bellicis aliisque rebus quibuscumque ad tantam belli mo-
lem necessariis et requisitis sufficienter instruetis, quantus et qua-
lis inferius describitur; videlicet C®* M^« cum quinque milibus
equitum et viginti milibus peditum equis, armis, bombardis, in-
strumentis bellicis aUisque rebus quibuscumque ad bellum ge-
rendum necessariis et requisitis sufficienter ut prefertur instruetis
et communitis loco, tempore modoque et forma prescriptis ter-
ras et dominia communis inimici propriis |suis expensis hosti-
liter invadet et aggredietur ac bellum realiter et cum effectu
geret et prosequetur; potentissimus vero rex Angliae cum quin-
Ilo Einleitung.
que milibus equitum et viginti milibus peditum, etiam equis,
armis, bombardis, instrumentis bellicis ceterisque rebus quibus-
cumque ad bellum gerendum necessariis et requisitis sufficienter
ut prefertur instructis et communitis loco, tempore modoque et
forma praedictis terras et dominia prefati communis inimid
propriis suis expensis hostiliter invadet et aggredietiu" ac bel-
lum realiter et cum effectu geret et prosequetur; necnon dicti
catholici Hispaniarum, Navarrae etc. reges cum quinque milibus
equitum et viginti milibus peditum, equis, armis, bombardis,
instrumentis bellicis aliisque rebus quibuscumque ad bellum
gerendum necessariis et requisitis etiam sufficienter ut prefertur
instructis et communitis loco, tempore modoque et forma prae-
dictis terras et dominia communis inimici antedicti propriis suis
expensis hostiliter invadent et aggredientur ac bellum realiter
et cum effectu gereut et prosequentur. A qua quidem inva-
sione disistere aut tractatum pacis sive treugas, guerrarum ab-
stinentiam, intelligentiam aut appunctuacionem aliam quamcun-
que cum communi inimico per se vel per alium sive alios inire,
facere, tractare aut concludere vel alicui ineunti, facienti, trac-
tanti aut concludenti sive tractare aut concludere volenti tacite
vel expresse, directe vel indirecte consentire nullo modo pote-
rint aut eorum aliquis poterit absque scientia, noticia et volun-
täte omnium et singulorum praedictorum confederatorum ac de
expresso consensu eorundem.
Item conventum et concordatum est ut supra, quod si rex,
princeps, potentatus vel communitas seu quivis alius aliquem
principum sive confederatorum ut predicitur invadens, pertur-
bans, violentiam seu damnum ut supra inferens vel ea pro-
curans habeat, teneat vel possideat dominia, terras, loca mari-
tima, portus aut litora mari Britannico, Hispanico seu Ger-
manico adiacentia sive contigua, tunc et in eo casu potentissimi
Angliae et Hispaniarum reges non solum per terram modo et
forma suprascriptis guerram facient, verum etiam per mare bel-
lum gereut et eorum uterque faciet et geret cum tanta navium
classe, quanta inferius declarabitur, militibus sive hominibus ar-
matis, bombardis sive instrumentis bellicis, telis, victualibus et
aliis quibuscumque ad bellum navale gerendum necessariis et
requisitis sufficienter instructa, quam infra mensem, postquam
dictum bellum hosti communi sie ut prefertur indici et inferri
ceperit, ad mare realiter et cum effectu propriis suis expensis
Einleitung. 1 1 1
mittent ac mitti curabunt et facient ac sie mittet et mitti cura-
bit et faciet eorum uterque modo et forma sequentibus; vide-
licet potentissimus Angliae rex naves quinque milibus hominum
armatorum ac ceteris necessariis similiter ut prefertur instnictas
et ad bellum navale gerendum aptas ut predicitur mittet; nec-
non catholici Hispanianimi, Navarrae etc. reges naves quinque
milibus hominum armatorum et ceteris necessariis similiter ut
prefertur instnictas ad bellum navale gerendum aptas sie ut
predictum est mittent. Quae quidem naves omnes et singulae
ad mare communis hostis regnis, patriis, terris et dominus pro-
xime adiacens navigabunt ac ibidem continue remanebunt huc
et illuc navigando, communem hostem eiusque regna, patrias,
terras et dominia ac subditos suos quantum poterunt mole-
stando, sese ac ceteros amicos et confederatos eorumque regna,
patrias, terras et dominia defendendo, ac quotiens et quando
opus fuerit simul se coniungent, ut unitis viribus communi hosti
resistere atque eundem infestare et debellare possint; nee licebit
alteri regum predictorum naves sie ut prefertur missas inde
revocare aut earundem navium sive hominum numerum dimi-
nuere sine mutuo eorundem expresso eonsensu et voluntate;
sed si casu aliquo contingat numerum navium aut gentis ar-
morum hostium invasione aut maris tempestate capi, devinei
aut alio quovis diminui, quod deus avertat, tenebitur ille, cuius
classis sie ut prefertur casu capietur seu diminuetur, illam in-
fra mensem de novo reficere et ad perfectum numerum su-
perius limitatum reaUter et cum effectu resareire et reparare sine
onmi dolo, fraude, dilatione aut alia excusatione quacumque.
Item conventum et concordatum est ut supra, quod nuUus
confederatorum predictorum eorumve heredes aut successores,
vel alius quisquam eorum alicuius nomine sive auetoritate,
scientia vel eonsensu cum alio quoeunque principe non con-
federato traetatum pacis, amiciciae, guerrarum sive belli ab-
stinentiae in praeiudicium presentis confederationis iniet, faciet,
contrahet, traetabit aut eoncludet sive iniri, fieri, contrahi, trac-
tari vel concludi procurabit aut permittet, vel inire, facere, trae-
tare aut eontrahere vel concludere volenti quoquo modo tacite
vel expresse consentiet sine expresso eonsensu, assensu et
voluntate omnium et singulorum confederatorum predictorum.
Et si quid tale alicui confederatorum predictorum motum vel
suasum fuerit, ille cui talia mota aut suasa fuerint statim ac
tl2 Einleityng,
immediate et absque omni dilatione id ipsum ceteris confe-
demtis dare per suas literas significabit et explanabit cum Om-
nibus et singulis eiusdem motionis et suasionis qualitatibus et
ciraimstantiis. Et si contra aliquem confederatorum predicto-
rum süspicio super hoc exoriatur, UJe contra quem talis oritur
suspicio per aliqüem confederatorum admonitus et requisitus
statim et immediate eiusdem suspicionis occasionem quampri-
mum amovebit et amov^eri curabit.
Item conventum et concordatum est quod nuUus confe-
deratorum predictorum aliquid aget, faciet, tractabit vel at-
temptabit aut ab aliis agi, fieri, tractari vel attemptari procura-
bit sive procurari consentiet quocunque in loco sive causa et
occasione quacunque in praetudicium, damnum vel iniuriam ali-
cuius eorimdem eorumve regnorum, terrarum, patriarum, do-
miniorum, civitatum, villarum, oppidorum, territoriorum aut sub-
ditorum quorumcunque, aut alicui alteri aliquid tale facere vo-
lenti, conanti sive molienti consilium^ auxilium, assensum vel
favorem dabit sive prestabit aut dari sive praestari tacite vel
expresse consentiet aut procurabit^ sed omnibus viis et modis
ac tota potestate sua resistet ac realiter et cum effectu obstabit,
impediet et contradicet ac principem sive confederatum contra
quem talia moliuntur eius rei per suas literas manu sua subscrip-
tas ac sigillo suo sigillatas quamprimum potent certiorem faciet
Item conventum, concordatum et conclusum est, quod
datur cuilibet regi sive principi Christian o, potentatui sive com-
munitatt in hanc ligam, amiciciam vel confederationem intrandi
et ingrediendi locus eiusderaque benefitio utendi et gaudendi
infra octo menses post datam presentium immediate sequentes,
dummodo ad id accesserit Concors et unanimis omnium et sin-
gulorum confederatorum consensus et assensus ac infra idem
tempus rex, princeps vel communitas sive potentatus per literas
suas patentes manu sua subscriptas et magno sigillo suo si-
gillatas et corroboratas se ingredi velle presentem ligam sin-
gulis coijfederatis predictis significaverit et declaraverit ac etiam
eandem amiciciam et tractatum necnon omnia et singula ca-
pituia in eodem contenta per alias suas literas patentes etiam
sua manu subscriptas et magno suo sigillo sigillatas infra duos
menses ex tunc proxime sequentes contlrmaverit, ratiticaverit
et approbaverit ac ad observandum omnia et singula capitula
eiusdem tractatus juiamentmn prestiterit corporate.
Einleitung. 1 1^
Item conventum et concordatum est, quod per presentem
amiciciae tractatum aut aliquem eius articulum non censeatur
derogatum sive recessum ab aliquibus tractatibus pacis et ami-
ciciae sive mercium intercursus inter aliquos confederatorum
predictorum antehac initis, factis et conclusis, sed quod per-
maneant in suo robore et virtute nisi in quantum presenti trac-
tatui contrariantur et repugnant, quibus quantum ad illum ar-
ticulum vel articulos solum, si qui tales fuerint, derogatum et
ab eisdem recessum esse volumus per presentes. Et quoniam
supradicti confederati firmiter sibi persuadent ac indubie sperant
sanctissimum dominum nostrum Leonem decimum, papam mo-
demum, propter nonnullos egregios, salutares ac preclarissimos
eflfectus necnon ingentia et salutaria beneficia, quae ex hac liga
universae reipublicae christianae eiusdemque tranquillitati et
quieti verisimiliter proventura sunt, eandem ligam prompto, grato
ac libenti animo accepturum et presertim quod ex ea univer-
salis tantopere expectata et affectata pax post tot discordias,
simultates et diuturna bella in maximum ac pene irrecuperabile
totius reipublicae christianae damnum, detrimentum et dispen-
dium hucusque habita et continuata incunctanter provenire et
subsequi speratur, ex quo notabilis aliqua et felix expeditio con-
tra immanissimos Turcas crucis Christi atrocissimos hostes geri,
fieri et instrui poterit; iccirco dicti principes confederati omnes
et singuli prefatum sanctissimum dominum nostrum ac sanctam
sedem apostolicam tanquam primum, precipuum et principalem
confederatum dictique sanctissimi foederis aurigam, caput et
apicem comprehenderunt et per presentes comprehendunt adeo
plene et efficaciter, ac si sua sanctitas mediante sua commissione
unus principalium contrahentium ab initio extitisset reservarunt-
que dicti confederati ac per presentes reservant suae beatitudini ho-
norificum, condecentem et condignum in hanc ligam ingrediendi
et intrandi locum, tenore etiam presentium declarantes, quod dicta
sua sanctitas integro eiusdem ligae beneficio cum omni ipsius
eflfectu et commodidate utetur et gaudebit eisdem modo et
forma, quibus ipsi principales confederati et contrahentes quovis
modo uti et gaudere debeant et possint, dum tamen sanctitas
sua, casu quo hanc ligam acceptare et intrare ac beneficio eius-
dem uti voluerit, articulos et capitula, ad quae predicti con-
federati obligantur et asstringuntur, tam pro suorum statuum
et personarum tuitione auxilioque et assistentia contra quos-
Österidchisch-eoglische StaatsvertrAge. Bd. I. 8
ti4 Einleitung.
cumque dictorum confederatorum hostiles aggressores et in-
vasores, perturbatores ac damnificantes ut supra, vel invasionem
sive damnum huiusmodi fieri procurantes, quam in contribuendo
communibus sarcinis secundum ratam condecentem, ac etiam
omnia et singula articulos et capitula in ipsa liga comprehensa,
concordata et conclusa firmiter et inconcusse pro sua parte per-
impleverit^) et observaverit et insuper sententias excommuni-
cationis in personas aliquem confederatorum invadentes aut in-
vadere procurantes ac interdicti in eorum regna, patrias, do-
minia, terras, civitates, oppida, villas et territoria quaecunque
feret et fiilminabit aut ferri et fulminari faciet et mandabit abs-
que dilatione, excusatione aut alio quovis quesito colore, ac
sententias sie latas publice denuntiabit aut denuntiari realiter
et cum effectu faciet et mandabit cum earundem sententiarum
aggravatione, si et quatenus in sua contumatia perstiterint aut
perseveraverint aut steterit aut perseveraverit eorum aliquis,
quas quidem sententias aut earum aliquam quovis modo non
revocabit, suspendet, relaxabit vel ab eisdem absolvet sua sanc-
titas per se vel per alium tacite vel expresse, aut sie fieri per-
mittet vel consentiet, sine voluntate et consensu expresso ce-
terorum confederatorum. Super quibus omnibus et singulis sie
ut premittitur faciendis et perimplendis sua sanetitas, si in pre-
sentem ligam intrare voluerit, infra sex menses datam presentis
tractatus proxime et immediate sequentes non modo animum,
voluntatem et intentionem suam declarabit, sed etiam presentem
tractatum ac omnia et singula in eodem contenta per suas li-
teras patentes suo sigillo plumbeo munitas et roboratas appro-
babit, ratificabit et confirmabit seque ad firmam observantiam
eorundem per easdem suas literas asstringet et obligabit.
Item inter nos oratores predictos unanimi consensu et
assensu ac nominibus principum nostrorum principaliter contra-
hentium conventum, concordatum et conclusum est, quod in
presenti tractatu et foedere nova et antiqua liga, societas, com-
munitas ac cantones*^) Helvetiorum omnes et singuli ineludan-
tur et comprehendantur eiusdemque confederationis benefitio
et commoditate ad omnem effectum, qui exinde sequi potent,
utantur et gaudeant, modo comprehensionem huiusmodi aeeep-
*) In der Kopie proimpleverit
•) In der Kopie des St-Ä. cantoni.
fiinieitung. II e
tandam duxerint confederatisque praedictis adherere et ad dic-
torum confederatorum stipendia contra quoscumque arma gerere
nullique alii^) principi contra eos aut eorum aliquem inservire
decreverint, promiserint, se asstrinxerint et obligaverint. Et ut
dicti Helvetii, quos principes nostri ob eorum merita, virtutes,
probitates et res strenue gestas intimo amore persequuntur, eo
citius ad id invitentur et alliciantur, nos oratores, ambassiatores
et commissarii predicti communi concordia, nominibus et auc-
toritate principum nostrorum et de expresso mandato, consensu
et assensu eorundem non modo decrevimus certam annuam
pensionem, portionem sive largitionem cum contributione
omnium dictorum confederatorum et aliorum hanc ligam in-
gredi volentium eis constitui, assignari, dari et solvi, sed etiam
tractatus, conventiones, obligationes, securitates et pacta hiftcinde
super hoc fieri, concludi et firmari debere.
Sed quoniam dictis principibus dominis nostris supremis
nobisque eorundem principum oratoribus ad presens ocium,
tempus aut commoditas concludendi super huiusmodi pensione,
portione sive largitione dictis Helvetiis assignanda et consti-
tuenda*) non dabatur eo presertim, quod tractandi modus, con-
suetudo et forma contrahendi in similibus cum prefatis dominis
Helvetiis usitata nobis incognita existit, nos igitur oratores pre-
dicti, auctoritate et potestate principum nostrorum nobis in hac
parte datis et concessis, promittimus et eosdem principes nos-
tros omnes et singulos per presentes adstringimus et obligamus,
quod ipsi et eorum singuli respective, ne temporis procrasti-
natione aut dilatione dicti Helvetii elabantur*) et in aliorum
partes declinent, illico et absque mora destinabunt et mittent
sicque eorum quilibet destinabit et mittet oratorem seu ora-
tores suum aut suos sufficienti, plena et ampla potestate et in-
structione fulcitum seu fulcitos ad tractandum, communicandum,
paciscendum et finaliter concludendum cum dictis dominis Hel-
vetiis tam de et super predicta comprehensione, modo et forma
prescriptis, fienda, quam etiam super annuae pensionis, portionis
sive largitionis assignatione, tam in communi quam in particu-
lari, ipsosque principes omnes et singulos ad huiusmodi por-
•) So im Or,; vgl. 117, so. Zeile von unten.
*) In der Kopie drs St.'A. assignanJis et constittienJis.
■) In der Kopie des St.-A. elababuntttr.
11 6 Einleitung.
tionis, pensionis sive largitionis sie constituendae et assignandae
Solutionen! efficaciter astringendi et obligandi modis, formis,
temporibus et locis in ea parte advisandis, prefigendis et assi-
gnandis.
Item conventum et concordatum est, quod omnes et sin-
guli prefati confederati infra duos menses datam presentium
proxime et immediate sequentes presentem tractatum ac omnia
et singula capitula in eodem contenta per distinctas et separa-
tas literas suas patentes harum seriem de verbo ad verbum
continentes manu sua subscriptas et sigillo suo magno sigilla-
tas, supplentes omnes et singulos tam iuris quam facti defectus,
si qui ratione mandati vel alio quovis modo fortasse intervene-
rint, ratificabunt, approbabunt et confinnabunt ac easdem li-
teras patentes confirmatorias sie ut prefertur subscriptas et si-
giUatas singulis confederatis eorumve commissariis, oratoribus
aut procuratoribus ad hoc sufficienter deputatis et auctorizatis
infra dictum tempus tradent et liberabunt seu sie tradi et li-
berari facient tradetque et liberabit seu sie tradi et liberari
faciet eorum quilibet realiter et cum eflfectu.
Item conventum et concordatum est, quod omnes et sin-
guli confederati predicti, quando per oratorem sive commissa-
rium alicuius eorundem suffieientem auetoritatem et potestatem
habentem ad hoc debite requisiti fuerint et eorum quilibet re-
quisitus fuerit, tactis sacrosanetis dei evangeliis iuramentum cor-
porale prestabunt et prestabit ille sie requisitus in presentia ora-
toris sive commissarii predicti, quod omnia et singula in pre-
senti traetatu specificata et contenta bene et fideliter observa-
bunt et adimplebunt ac observabit et adimplebit eorum quilibet,
necnon a subditis suis et eorum cuiuslibet quatenus ipsos tan-
gunt aut tangere poterunt observari et adimpleri facient et faciet
eorum quilibet cum effectu. Sequunter tenores commissionum.^)
In quorum omnium et singulorum premissorum fidem et
testimonium nos prefati Thomas cardinalis, Thomas dux Norf-
folciae et Thomas Dunolmensis episcopus, oratores et commis-
sarii antedicti hiis presentibus literis sigilla nostra apposuimus
et easdem subscriptionibus manuum nostrarum roboravimus.
Datum Londoniae vieesimo nono die mensis Oetobris arme
domini millesimo quinquentesimo sexto deeimo.
0 Vgl Anm» p. io6 und wj.
Einleitung. H^
17.
Abmachung ^(wischen Maximilian L, Heinrich VIIL und Karl
von Spanien die den Schweizern ^u gewährenden Subsidien
betreffend, d. d. London i$i6 Nov. 7. (Or. St.-A. u. R. OJ
Drucke: Rymer l. c. VIli 126 ff.
Dumont I. c, IVji 2^1.
Quam vis inter cetera^) in tractatu pacis, amicicie et
federis defensivi inter nos ambassiatores et oratores Maximi-
liani sacratissime C®® M**» et serenissimorum principum Henrici
Anglie et Francie ac Caroli catholici regum iam dudum inito
et concluso de data vigesimi noni diei mensis Octobris anni
domini miUesimi quingentesimi decimi sexti provisum, concor-
datum et decretum fuerat, quod pro continendis et conservandis
dominis Helveciis in firma amicicia et solida benivolencia erga
dominos nostros supremos et eorum singulos, sie quod eis ad-
hereant nullique alii principi aut potentatui sive communitati
contra eos aut eorum aliquem hostiliter inserviant aut arma
gerant, annua quedam largicio, porcio sive provisio eisdem
Helveciis largiretur, constitueretur et assignaretur, prout in dicto
tractatu diffusius et copiosius continetur; quia tamen per dic-
tum tractatum huiusmodi largicio, porcio sive provisio specifice
et in particulari nondum nominata aut designata existit, opere
precium igitur et conducibile nobis oratoribus predictis visum
est, ut omni postposita mora ulteriorique procrastinacione se-
mota ipsa largicio, porcio sive provisio quotannis amicicia cum
eisdem Helveciis percucienda durante solvenda specifice et in
particulari constituatur et designetur. Nos igitur oratores pre-
dicti vice et nomine principum nostrorum predictorum et auc-
toritate commissionum nostrarum a dictis principibus nostris in
ea parte nobis respective datarum convenimus, concordavimus
et conclusimus, quod pro parte serenissimorum principimi An-
glie et catholici regum summa triginta milium florenorum auri
bene et fideliter dictis dominis Helveciis quotannis durante dicta
amicicia consignabitur et solvetur; videlicet pro parte regis An-
glie quindecim milia florenorum auri et pro parte Caroli ca-
tholici regis alia quindecim milia similium florenorum, C«*
*) Im Or. nach cetera quc.
1x3 Einleilung.
quoque M*» porcionem sive largicionem, ad quam dictis Helveciis
se aliis confederacionibus dandam et annuatim contribuendam
astrinxit, pro parte sua fideliter persolvet. Quod si huiusmcxli
summa pro continendis dictis dominis Helveciis in huiusmodi
amicicia non sufficiat, sed ampliori pro communibus et privatis
largicionibus vel sarcinis opus erit, inter nos dictos C^ M^ et
Caroli catholici regis oratores, nominibus et auctoritate princi-
pum nostrorum predictorum, conventum, concordatum et con-
clusum est, quod tunc et in eo casu dicta O* M*« et catholi-
cus rex totum et omne id, quod preter et ultra dictam sum-
mam triginta milium florenorum auri dictis Helveciis pro eorum
publica et privata largicione, porcione sive intertencione opus
erit, equis porcionibus persolvent et eorum quilibet persolvet
aut persolvi faciet, modo porcio huiusmodi supereroganda sum-
mam sex milium florenorum auri non excedat. Et insuper inter
nos oratores predictos conventum, concordatum et conclusum
est, quod si dicta summa sex milium florenorum auri per C«*°
et catholicam M*®« ad intertenendum Helvecios in publico et
privato ac particulari minime sufficiat, tunc summa per dictos
confederatos principaliter contrahentes super his, qui in predic-
tam ligam communi consensu ipsorum confederatorum admit-
tentur et ingredientur, taxabitur pro intertenendis dictis Helveciis
in publico et privato, applicabitur, convertetur et erogabitur, ut
eo pretextu dictis Helveciis ex omni parte provisis ipsi unani-
miter eisdem confederatis libencius adhereant et indissolubili
vinculo coniungantur.
Ad quarum omnium et singularum summarum ut pre-
mittitur solucionem modo et forma locisque et temporibus ad
hoc per oratores dictarum M*«^" apud dictos Helvecios agentes
designandis, deputandis, prefigendis, paciscendis ac promittendis
ut premittitur bene et fideliter fiendam, nos dictorum C^
M*^», Anglie et cathohci regum commissarii et oratores vigore
et auctoritate commissionum nobis per principes nostros in hac
parte datarum et concessarum eosdem principes nostros et
eorum singulos, quatenus eos respective tangit et concemit,
bona fide et in vim pacti astringimus et obligamus per pre-
sentes; promittentes, quod dicti principes et eorum singuli pre-
sentem articulum et omnia in eodem contenta infra duos menses
datam presencium immediate et proximo sequentes per literas
suas patentes magnis suis sigillis respective munitas et mani-
Einleitung. ng
bus suis subscriptas ratificabunt seque ad huiusmodi articuli
observanciam bona fide astringent et obligabunt sicque eorum
quilibet se astringet et obligabit. In quorum omnium et sin-
gulorum fidem et testimonimn nos oratores dicti serenissimi
regis Anglie et Francie presenti articulo manibus nostris sub-
scripto sigilla nostra apposuimus.
Datum Londoniis septimo die mensis Novembris anno
domini suprascripto.
Thomas cardinalis Eboracensis. Thomas Norfolk.
L S. L. S.
Thomas Dunehnensis.
L. S.
//. Die Zeiten des 30jährigen Krieges. Die pfäknsche
Frage.
Mit dem Tode Maximilians brach der rege diplomatische
Verkehr, der während seiner Regierung fischen dem Wiener
und dem Londoner Hof geherrscht hatte, ab. Sein Nachfolger
in der Kaiserwürde, Karl von Spanien, üherliess in verschiedenen
Abmachungen die österreichischen Gebiete seinem Bruder Fer-
dinand, der im Jahre i$26 durch die Vereinigung der habs-
burgischen Stammlätider mit der böhmischen und ungarischen
Krofie den neuen österreichischen Staat gründete, der fortan,
wenn atuh Jahrhunderte in engster Fühlung mit dem deutschen
Reiclie, seine eigene selbständige Existenz führte. Diesem neuen
Staate fehlten vorerst die treibenden Motive ^u wesentlichen
politisclien Abmachungen mit dem Inselvolke. So lange Karl V.
deutscher Kaiser war, hatte er, als Hauptrepräsentant der habs-
burgischen Macht, die diplomatischen Verhandlungen mit König
Heinrich VHL mid dessen Nachfolgern ^u führen, und von
ihm sind im Verlaufe seiner mehrere Jahrzehnte währenden
Regierung die höchst bedeutungsvollen Verträge mit den eng-
lischen Herrscherfi geschlossen worden, deren Tenden^ wie jene,
die Maximilian eingegangen war, sich in erster Linie gegen
die Franzosen wendete, mit denen Karl nicht minder leiden-
l^Q Einleitung.
schaftlich wie sein Grossvater um den Besit^ umfangreichef
Gebiete stritt. Die österreichische Politik ist durch diese Ab-
machungen wesentlich beeinflusst worden und eine Darstellung
der österreichischen Geschichte jetter Zeit wird zweifelsohne die-
ser fischen Karl V. und Heinrich VIIL geschlossetten Ver-
träge und des Antheils ^u gedenken haben, den Ferdinand L und
seine Ratgeber an dem Zustandekommen derselben genommen.
In eine Sammlung von Verträgen aber, die blos „alle Ver-
einbarungen umfassen soll, welche fischen einem Mitgliede der
deutschen Linie der Habsburger als Staatsoberhaupt aller oder
eines Theiles der ^ur Zeit des Vertragsschlusses im Besitze dieser
Linie befmdliclien Territorien und einer fremden, völkerrechtlich
^ur Vertragsschliessung fähigen Macht über staatliche Hoheits-
rechte {u Stande gekommen sind'*, ^) können sie keine Aufnahme
finden. Übrigens ist es auch unter den ersten Nachfolgern Karls V.
in der Kaiserwürde, die sämtlich der deutschen Linie des Hauses
Habsburg entstammten und zugleich Herrscher über Österreich
waren, ^u Staatsverträgen mit England nicht gekommen.
Die diplomatischen Beziehungen \wischen diesen beiden
Staaten blieben ein volles fahrhtmdert vorübergehende. Sie be-
trafen vorwiegend die Stellung der englischen und österreichi-
schert Fürsten \um Osten Europas. Wiederholt hat England
die Gelegenheit wahrgenommen, in den Kampf ein^igreifen, den
die Herrscher Österreichs mit den Fürsten Siebenbürgens^) und
mit der Pforte im i6. fahrhunderte ausgefochten haben,^) wie-
derholt haben Österreichs Fürsten sich an den englischen HoJ
mit der Bitte um Hilfe gegen den Feind des christlichen Glau-
bens gewendet.^) Auch die religiöse Frage gab den deutschen
») Vgl, Bittner l. c. p. VII f.
*) Über die cnglisch-siebenbürgi sehen Be\ichungen im j6, tinb ly. Jahrk.
ist neuest ens eine \usammenßissende . Wbeit von Dr. David Angyal in der Öster-
rcichisch'ungar. Revue Jahrg. 1904!=^ erschienen. Sie führt den Titel: „Gesch.
der pol. Beziehungen Siebenbürgens \u England''. Angyal berichtet u. a, vom
Au/enthalte J. Wallops am Hofe Ferdinands I. im fahre i^sy p. ^, von der
Mission Salamancas nach England u. a. ;//. Durch Angyals Forderungen sind
die älteren Darstellungen bei Buchhol:^ Gesch. Ferd. I. u. a. m. für diese Fra-
gen überholt.
') Auch darüber finden sich bei Angyal manche Mitteilungen, insbesondere
p. 66 f. über die Vermittelung Englands in den goer Jahren des 16. Jahrh.
Vgl. auch Zinckeisen, Gesch. der Türkei Tom. III. passim,
*j Auch Buchhol \ Ferd, I. gedenkt III. 2^yf. der Sendung des Bischefs
Einleitung. 121
Habsburgern öfters fw Verhandlungen mit den Tudors Afilass.^)
Gan\ besonders aber waren es handelspolitische Fragen, voie das
Verhältnis Englands \u defi Hansestädten, die — \umal in defi
Zeiten Elisabeths — Missionen von englischen Gesandten an den
Kaiser notwendig machten.^) Diese verschiedenartigen Beziehun-
gen ^ erörtern, liegt ausserhalb des Rahmens der vorliegenden
Arbeit, teils, weil sie, wie die Handelsfrageti, lediglich deti Kai-
ser, nicht deti österreichischen Herrscher betrafen, teils weil, wie
bei den Verhafidlungefi bezüglich der siebefibürgischen oder tür-
kischen Angelegenheiten, bindende Abmachungen fischen beiden
Staaten weder getroffen wurden, noch auch geplant waren. Doch
mag es gestattet sein, auch in diesem Zusammenhange darauf
hinzuweisen, dass die englische Politik, soweit sie auf Fragen
Einfltiss nahm, die Österreichs Interessen berührten, schon im
16. Jahrh, von jener ausschliesslichen Rücksichtsnahme auf deti
eigenen Vorteil geleitet wurde, die ihr auch in den folgenden
Jahrhunderten das Gepräge aufdrückt.^)
Zu lange dauernden Verhandlungen, in deren Verlaufe
sich die Aussicht auf eine auch für die politischen Beziehungen
der beiden Staaten bedeutungsvolle Abmachung eröffnete, gab
der Plan Ferdinands L Anlass, einen seiner jmgeren Söhne mit
Elisabeth von England ^u vermählen,^) Es ist während der
Faber nach London ^ die erfolglos blieb. Im Jährt' i^6y erschien im Auftrage
Max. IL Graf Ludwig von Stollberg bei Elisabeth, um sie für die Unterstützung
des Kaisers im Kampfe gegen die Türken \u gewinnen, (Instr. </. </. Prag /^. Mär{
jy6y St.'A.) Seine Mission blieb auch erfolglos. Die höfliche aber ablehnende
Antwort Elisabeths d, d. 15. Juni j^öy St.-A,
*) Auch in dem Briefwechsel :^'ischen den verschiedenen Mitgliedern der
österreichischen und englischen Herrscherfamilien spielen diese religiöstm Fragen
eine Rolle. Sowohl das R. O. als auch das St.-A. enthalten zahlreiche Schreiben
von Mitgliedern beider Familien. Vgl, übrigens auch Buchholi /. c, VII. ^/fiff»
•) Dafür zahlreiche Akten im St-A. Vgl. auch Ehrenberg, England und
Hamburg in der ^zweiten Hälfte des 16. Jahrh,
') Diesen Gesichtspunkt hebt auch der anonyme Verfasser der Schrift
„Österreich und England, Kritischer Beitrag -fwr Gesch, der Bündnisse und
Zerwürfnisse ^wischen beiden Staaten^*' Cotta i8')4 1^8 S, hervor. Im übrigen
enthält dieses von einem Österreicher (p. g) geschriebene Buch neben manchen
guten wenn auch keineswegs tiefen Bemerkungen, \ahlreiche Irrtümer und un-
begründete Behauptungen.
*) ^^» f^^ ^'^^^ Heiratspläne insbesondere die Arbeit von Werthnmer,
Heiratsverhandlungen ;{tt75^/f^« Elisabeth von England und Er^lter^og Karl von
Österreich, Sybels Hist. Zeitsch. XL. 38^ ff.
122 Einleitung.
12 Jahre, innerhalb deren diese Frage immer von neuem erör-
tert worden ist, ^u verschiedenen Sendungen hervorragender
Staatsmänner vofi beiden Seiten gekommen. Allein die Ver-
hatidhingen führten \u keinem Resultate, in erster Linie wohl
deshalb, weil Elisabeth niemals ernstlich an ihre Vermählung
mit einem der katholischen Kaisersöhne gedacht, vielmehr ledig-
lieh aus politischen Gründen den Wiener Hof durch auswei-
chende Erklärungen hingehaltefi hat. Zu ernsten Verhandlun-
gen bot sich übrigefis auch in den ersten Regierungsjahren Ja-
kobs L kein Anlass.^) Erst die Vermählung Elisabeths, der
Tochter Jakobs L, mit dem Pfäl^er Friedrich gab in ihren Fol-
gen, cfumal seitdem dieser als Gegenkönig Ferdinaftds IL in
Böhmen herrschte, Anlass \ur Aufnahme reger, direkter diplo-
matischer Beziehungen, die von da an niemals mehr dauernd
erloschen sind.
König Jakob hatte von seinem Regierungsantritte an, ob-
gleich er lieineswegs eine so schroff antihabsburgische Politik
vertrat, wie seine grosse Vorgängerin, die Pläne des französi-
schen Herrschers, Heinrichs IV, gegen das Haus Habs-
bürg gebilligt mid er hatte auch nach dessen Tode durch
sein im Jahre 1612 mit der protestantischen Union abge-
schlossenes Bündnis Beweise seiner Kaiserfeindlichen Politik
gegeben. Die Heirat seiner Tochter mit Friedrich von der
Pfal^y einem der vornehmsten Mitglieder dieses antihabsbur-
gisclien Bundes, im darauffolgenden Jahre festigte die Bande,
die ihn an die Mitglieder der Union knüpfieix. Allein ob-
gleich er {u Beginn des Jahres 1619 das im Jahre 1612 ge-
schlossene Abkommen erneuerte,^) \eigtc er sich doch in dem
Augenblicke^ da sein Schwiegersohn und Bundesge^wsse an ihn
mit der Aufforderung herantrat seine Kandidatur in Böhmen
*) Im R, O. Hegen Berichte englischer Gesandter am Hofe Rudolfs IL
Ihre Verhandlungen belogen sich vornehmlich auf Handelsangelegenheiten ; die
Klagen der englischen Kaufleute über die Hansa spielen die Hauptrolle, Lesieur,
der j6oß am Hofe Rudolfs IL erschien, meldete auch den Regierungsantritt
Jakcbs L, der von Rudolf IL als y, berecht igt*' bezeichnet uurde. Derselbe
Staatsmann erhielt am (j./k). Sept. 1612 (R, OJ die Instruktion, Matthias \u
begrüssen und von demselben Berit, ksichtigung der Forderungen der protestan-
tischen Reichsfürsten \u fordern. Seine im R. O. aufbewahrten Berichte ent-
halten //. a, \ahlreiche Mitteilungen kommerzieller Art,
*) VgL Gindely Gesch, des yojähr. Krieges L 4^4 f
Einleitung. I^^
mit Geld tmd nötigenfalls mit den Waffen in der Hafid ^
unterstfit:(efi, abgeneigt, auf diese weitausschauenden Pläne des
Pfäl:(ers ein^igehen.^) Als strenger Legitimist missbilligte er
prinzipiell jede Empörung und hätte schon aus diesem Grunde
seine Einwilligung ^m Kampfe gegen den König von Gottes
Gftaden ablehnen müssen. Da\u kam aber, dass fakob in sei-
ner Abneigung gegen die deutsche Linie des Hauses Habsburg
feindlich vorzugehen, durch den lebhaften Wunsch bestärkt
wurde, seinen Sohn mit der spanischen Infantin \ti vermählen,
um durch den Halt an dem spanischen Königshcuise seine Po-
sition dem englischen Parlamente gegenüber ^ti kräftigen, mit
dem er in fortwährendem Unfrieden lebte. Er erklärte da-
her dem Gesandten seines Schwiegersohnes, er könnte die Er-
hebung desselben auf den böhmischen Thron nicht billigen, wenn
sie nicht auf legitime Art erfolge, lehnte jede Unterstüt^ng
der aufständischen Böhmen ab und Hess durch Lord Doncaster,
den er im Mai 1619 nach Deutschland sendete^ seine Vermitte-
lung i{ur gütlichen Beilegimg des ^[wischen Ferdinaftd IL und
den Böhmen bestehenden Konfliktes anbieten.
Die Begegnung des englischen Bevollmächtigten, der übri-
gens mehr die Ideen des Pfäl{ers als die seines Herrn billigte,
mit Ferdinand II fand im Juli 161 9 statt, blieb aber erfolglos,^)
Bald darauf — August 1619 — wurde Friedrich {um Könige
von Böhmen gewählt und er nahm, ohne auf die Zustimmung
seines Schwiegervaters ju warten, die Krone an Jakob war
entrüstet, hiess das Vorgehen Friedrichs unredlich und weigerte
sich, obgleich die öffentliche Meinung in England eine dem
Pfäl\er günstige war, diesen \u unterstützen. Lord Doncaster
erhielt den Auftrag, Ferdinatid IL \ur Kaiserwähl \u gratu-
lierefi und neuerdings des Königs Mediation an^utragett^) Fer-
dinand machte von diesem Anerbietefi keinen Gebrauch und
der Kampf, der bald darauf ^wischen dem Kaiser und dem
fieueti Könige von Böhmen begann, fiel f// Ungunsten des let^-
terefi aus, Un^eifelhafl hat die Haltung Jakobs \u diesem
Ausgange wesentlich beigetragen. Nicht nur Friedrich, auch
>) Ebenda ^55.
•) Gardiner History of England from the acccssiou of James L (kleine
Ausgabe) (London iQojJ Vol, IIL ^oo ff., Gindely l, c, IL 134 ff,
•) ygl' Gindely /. c, IIL 42 ff.
12^ Einleitung.
die Generalstaaten, ja selbst die EngWider erklärten Jahob für
die Katastrophe mit verantwortlich, die mit dem Pfäl\er auch
den Protestantismus so schwer traf, Jakob Hess sich aber in
seiner Meinung nicht irre machen, Sir Henry Wotton, der im
Sommer 1620 den Auftrag erhielt, dem Kaiser neuerdings die
Vermittelung Englands anzutragen, erklärte im Namen und
auf Befehl Jakobs L, dieser habe an der Wahl seines Schwieger-
sohnes nicht teil gehabf, ihm auch den Titel eitles Königs nie
gegeben^) und in gleichem Sinne Hess der engliscJie Kötiig auch
an anderen Orten sein Missfallen über die Haltung seines
Schwiegersohnes kund tun. Seine Hoffnung, durch diese Hal-
tung auf Ferdinand H, Eindruck ^u machen, erfüllte sich frei-
lich nicht. Der Kaiser ging auf die Forderung Wottons, vor-
erst Waffenstillstand eintreten ^u lassen, nicht ein und wenige
Wochen nach der Ablehnung der englischen Vermittelung erlag
der PfälTjer in der Schlacht am weissen Berge der Übermacht
seiner Feinde, Unterdessen war auch die Pfal\ von dem untei'
Spinola's Fühi-ung stehenden spanisch-niederländischen Heere
überschwemmt worden und ein grosser Teil des Landes fiel
noch vor Ausgang des Jahres 1620 in die Hände der kaiser-
lichen Bundesgenossen.
Die Schlacht am weissen Berge brach den Mut der Union
vollständig : man riet dem Pfäl\er auf Böhmen t^i ver:{icht€n
und schloss mit Spinola im April 1621 einen Waffenstillstand,
durch den man sich ^ur Räumung der Pfa^ und ^ur Neutralität
für den Fall verpflichtete, dass die Aussöhnung der Pf alters mit
dem Kaiser nicht gelingen sollte. Bald darauf löste sich die
Union auf; Friedrich aber, der noch immer auf die Unter-
stützung auswärtiger Mächfe, {umal auf die seines Schwieger-
vaters rechnete, forderte von? Kaiser für den Fall seiner Unter-
werfung nicht nur den ungestörten Besit^ seiner Erblande und
Ersat^ für die im Laufe der letzten Jahre verausgabten Sum-
men, sondern auch für die Böhmen allgemeine Amnestie, Auf-
rechthaltung aller Privilegien, sowie volle Religionsfreiheit, Kai-
ser Ferdinand //. lehnte diese Forderungen schroff ab, sprach
die Acht über den flüchtigen Kurfürsten aus und erklärte ihn
») La propositione del ca-c, Wotton i ß. Sept, st. n, 162 1 St.-A. Vgl.
auch GarJiner III, j6j; GinJely l. c, IIL 272 ff , Im R. O, befinden sich meh-
rere Berichte H, Wottons aus depi Jahre 162 1,
Einleitung. I^c
all seiner Würden und Besitzungen verlustig. Für Jakob
bedeutete dieser letzte Schritt des deutschen Kaisers einen
schweren Schlag, Er wollte den Frieden mit dem Hause Habs-
bürg, schon um die geplante Verbindung mit der spanischeti
Linie desselben ^u ermöglichen und er war bereit, die Aft-
ndherung seines Schwiegersohnes an den Kaiser auch mit
Opfern für den ersteren \u erkaufen ; allein ^u einer Preis-
gebung des ganzen pfälzischen Hauses wollte und konnte er
sich, schon im Hinblicke auf die entschieden antiliabsburgische
Stimmufig des englischen Volkes, nicht entschliessen. So erhielt
Lord Digby, der im Mai 1621 London verlassen sollte, den Auf-
trag, am Kaiserhofe die Wiedereinsetzung des Pfäl{ers in den
Stand und in die Würden ^u fordern, die er vor seiner Ein-
mischung in die böhmische Angelegenheit besessen habe und
dafür in des Königs Namen ^u versprechen, dass Friedrich in
diesem Falle nicht nur für sich und seinen Sohn auf die Krone
Böhmens und desseti Nebenländer vernichten, sondern auch dem
Kaiser jede mit seiner Würde und Stellung vereinbare Genug-
tuung geben werde.^) Die Verhandlungen Digbys nahmen einen
a^echselndai Verlauft) Ferdinand war, ^umal im Sommer 1621,
als der Krieg gegen Bethlen eine bedetikliche Wendung nahm,
Mansfeld und der Markgraf von Jägemdorf den Kampf erfolg-
reich fortsetzten, nicht prinzipiell abgeneigt, der Bitte des eng-
lischen Königs wenigstens teilweise ^u entsprechen und Friedrich,
falls dieser sein Unrecht eingestehen und einen Teil seißtes Ge-
bietes abtreten oder eine entsprechende Geldsumme zahlen wollte,
wieder in Gnaden aufzunehmen. Allein der energische, Wider-
spruch des Herzogs Maximilian von Baiern, der vom Kaiser
die Erfüllung der gemachten Versprechungen — Übergabe der
Oberpfal\ und die Kurwürde — forderte und das Vorgehen
des geächteten Pfälzers, der von einer Gebietsabtretung nichts
wissen und den Krieg gegen das Haus Österreich fortsetzen
wollte, bewirkten, dass Digby' s Bemühungen erfolglos blieben,^)
Im September 1621 eroberte Maximilian die Oberpfalz und Fer-
dinand übertrug — wenn auch vorerst geheim — die Kurwürde
») Instruktion für Digby 2j, Mai 162 1 R. O.; v^l, die Analyse bei Gar-
diner IV. 200 f.
») Vgl. Gardiner /. c, IV. 204 ff.; Gindely l. c. IV. 16g ff-
3) Vgl. Gindely l. r. IV. 201.
i^^ fiinleituxig.
auf seinen Bundesgenossen, dessen Unterstüt^(ung er nicht ent-
behren konnte. Der Gedanke eiftes Ausgleiches {wischen Fer-
dinand und dem Pfäl\er wurde aber trotzdem nicht fallen ge-
lassetu *) Nicht nur eine Reihe protestantischer deutscher Fürsten,
auch die katholischen Kurfürsten voti Maini und Trier, traten
für den Pfäl^er ein, ja selbst die Spanier suchten, um Jakob L
in seiner ihren Interessen freundlichen Politik ^pi bestärken,
Ferdinand für die Wiedereinsetzung des Pfäljers oder dessen
Sohfies in das ihfien abgenommem Land ^/ gewinnen und ver-
sprachen ihrerseits in diesem Falle auf die Erwerbung der ihnen
vom Kaiser für die gewehrte Unterstüt^^ung versprochenefi Rhein-
pfali \u vernichten, Kaiser Ferdinand IL, der es xjoeder mit deti
Freunden noch mit den Feifiden des Pfdl^ers verderben wollte,
überliess in dieser schwierigen Situation dem Reichsdeputations-
tage die Entscheidung;*) dessen Beschlüssen gemäss übertrug
er im Februar 162} die Kurwürde dem baierischen Herzoge
auf Lebenszeit, erklärte sich aber ^^/gleich bereit, deti Pfal^-
grafen in dessen früheren Besit^ wieder ein{uset(efi, falls sich
derselbe j^ir schuldigen Abbitte verstellen und von allen feind-
liclien Umtrieben lassen würde. Auch versprach er über die
Rechte der Kifuler mul Agnaten des Pfäl{ers auf die Kur mit
dem englischen Könige Verhandlungen \u pflegen wid wenn
diese erfolglos bleiben sollten, im Einvernehmen mit den Kur-
fürsten die Entscheidung {u treffen, König fakob, der von den
geheimen Abmachungen nichts wusste, die Ferdinafid IL bald
darauj mit dem Baiernher\oge einging, hielt die Beschlüsse des
Regensburger Deputationstages für günstig genug, um seine
Bemühungen im Sinne einer Versöhnung seines Schwiegersohnes
mit dem Kaiser fort:(uset^en und rechnete dabei vornehmlich
auf die Unterstützung Philipps IV,, an dessen Hofe gerade da-
') Interessant sind neben den Btrichten Dighy's die {wischen den Herr'
Sehern gewechselten Briefe, insbesondere das Schreiben Jakobs L an Ferdinand IL
d, d, 12» Nov, 162 1, das die Bedingungen der \wi sehen Ferdinand IL und dem
Pfdl\er geplanten Vereinbarung enthielt und der Brief Ferd. IL an Jakob L
d, d. 14, Jan, 1622, beide im R, O, Ebendaselbst befindet suh auch d, d, 5. Febr,
1622 die Vollmacht Ferdinands IL für den Grafen Georg Ludwig Sclncar^en-
berg, der im April 1622 in London erschien und dort verhandelte. Vgl, Gindely
U c, IV, 404 ff,
•) Vgl, die eingeliende Erörterung bei Gindely l, c. IV. 420 ff.; Hurter
Gesch. Ferdinand IL IX, 1^2 ff'.
Einleitung. t^i
mats die Verhatidlungen über die englisch-spanische Heirat ^u
Ende geführt werden sollten.^) Jakob stellte an die spanische
Regierung die Forderung, beim Kaiser \u beantragen, dass
Friedrich, oder wetin dieser nicht genehm sein sollte, dessen
Sohn, in alle Würdeti und Ämter wieder eingesetzt, Maximi-
lian aber durch die Errichtung eifier achten Kurwürde oder
durch den Wechsel beider Häuser in der kurfürstlichen Würde
befriedigt werden sollte. Die Vertreter Jakobs L verstiegen sich
sogar {u der Forderung an den spanischen König, den Kaiser,
falls sich derselbe diesen Vorschlägen widersetzten sollte, mit den
Waffen jur Anerkennung derselben \u fingen. Allein so weit
xvollte die spanische Regierung nicht gehen und ihre Bemühun-
gen auf freundschaftlichem Wege vom Kaiser die Gewährung
der englischen Forderungen durchsetzen, scheiterteti an der
entschiedenen Weigerung Maximilians, in irgend eine Minderung
seifier Macht \u willigen.
Während Jakob in Madrid die Sache seines Schwieger-
sohnes ^u fördern bestrebt war, hatte er mit diesem selbst einen
schtvereti Stande) Der englische König wünschte nichts sehn-
licher, als die Beendigung des Krieges, der trotji aller Ver-
handlungen vofi beiden Seiten fortgeführt worden war und
drängte den Pfäl^er, durch das Eingehen eines Waffenstill-
standes und durch die Aufnahme der Friedensverhandlungen
seinen guten Willen \u geigen. Von dem Gedanken erfüllt,
die Hindernisse aus dem Wege f // räumen, die sich der Durch-
führung seiner Idee in den Weg stelltefi, hatte er wenige Tage,
nachdem er die Nachricht von der Übertragung der Kurwürde
auf den Herzog von Baiem erhalten, gegen den Rat der mass-
gebendeti Persönlichkeiten den Befehl ^(um Abschlüsse des Ver-
trages mit der Infantin Isabella, der Statthalterin der spani-
schen Niederlande, gegeben, durch den das strittige Frankentlial,
innerhalb dessen Mauern der Engländer Borough die Verteidi-
gung gegen die belagerndefi spanischen Truppen führte, für
einen Zeitraum von i8 Mofiaten der Infantin übergeben werdeft
sollte, während ^u gleicher Zeit festgesetzt xvurde, dass im Falle
die erhoffte Aussöhnung des Pfälj^ers mit dem Kaiser innerhalb
dieser Frist nicht erfolge, die Wiedereinführung einer engli-
0 Gardiner L c, V i ff.
») Gardiner h c. IV. 406 ff .
laÖ Einleitung.
sehen Garnison plat\greifen sollte, Isabella hatte diesen Ver-
trag für sich und im Namen Ferdinands IL und Philipps IV.
mit dem Könige Jakob, der im Namen des Pf alters verhandelte,
geschlossen,^) und bald darauf wurde in gleicher Vertretung
ein Waffenstillstand fischen den Kriegführenden vereinbart,
der Jakob und seinem Schwiegersohne den Eintritt in alle Bünd-
nisse untersagte, die der Schliessung des Reichsfriedens hinder-
lich werden konfiten und sie für die Dauer von i$ Monaten
{ur Enthaltung von allen Feindseligkeiten verpflichtete. Wäh-
rend dieses Zeitraumes sollten die Verhandlungen in Köln im
Interesse der Herstellung eines allgemeinen Friedens geführt
werden. Der Artikel, der sich mit den Bundesgenossen Fried-
riclis, dem Mansf eider und Christian von Brandenburg, be-
schäftigte, war absichtlich unklar gefasst worden, doch sollten
diese bei Fortsetzung des Kampfes als Reichsfeinde erklärt und
von Jakob und seinem Schwiegersohne desavouiert voerdenJ)
Allein Friedrich weigerte sich entschieden, diesen Vertrag {u
unter:j[eichnen und blieb bei seinem Entschlüsse, obgleich sein
Schwiegervater es an Bitten wie an Drohungen nicht fehlen
Hess, Erst nach der vollständigen Niederlage, die Christian
durch Tilly am 2y.Juli 162} bei Stadtlov erlitt, nahm Friedrich
— 16. August — den WaffenstiUstatui an, den Jakob /. vor
Monaten in seinem Namen unter:(eichnet hatte. Unterdessen
war aber ein Wechsel in den englisch-spanischen Beziehungen
eingetreten, der es Jakob I. unmöglich machte, die bisherigen
freundschaftlichen Beziehungen \um Hause Habsburg aufrecht
\u erhalten. Die Verhandlungen, die der Frin\ von Wales und
seift Vertrauter, der Herzog von Buckingham, mit dem leiten-
den spanischen Minister — Olivare^ — über die geplante Ehe
*) Dieser Vertrag, unter {eichnrt \it London ig^lsg, Mär{ i6aj, dessen
Aufnahme in die vor Hegen de Publikation ni ht erfolgen konnte, da ihn Isabeüa
Clara Eugenia nur im Namen Ferdinands IL und Jakob L nur im Namen Friede
richs V, von der Pfal{ schlosSy ist abgedruckt u, a. bei Abreu y Bertodano, Phe-
Upe IV. L 284; Prontuario de los tratados IL loi ; für die Ratifikationen pgL
Bittner L c, 42,
*) Der Vertrag wurde {u London 21. April 162^ st, v. geschlossen ; er bleibt
aus den gleichen Gründen wie der vom i(^l2(^. Mär{ 162^ von der Aufnahme
in die vorliegende Publikation ausgeschlossen] für die Ratifikation und Drucke
//. a. A general collection of treaties IL 2i(), Dumont L c. V/2 4^4; Rymer
l, e. VIIJ4 6() vgl, ; Bittner L r. 42,
Einleitung. j^q
geführt hatten, ^{erschlugen sich und Buckingham trat, in seine
Heimat ^irückgekehrt, an die Spitze der Partei, die der Stirn-
mutig des englischen Volkes Rechnung tragetid dem Brtcche
mit Spanien mid der Unterstützung der deutschen Protestanten
das Wort redete.^)
Mit Begeisterung folgte das im Jahre 1624 einberufene
englische Parlament der Führung Buckinghams, sprach sich
entschieden Jür den Abbruch aller Verhandlungen mit Spanien
aus und bewilligte trot^ prinzipieller Bedenken eine hohe Steuer,
die \ur Führung des Krieges gegen das Haus Habsburg die-
nten sollte. Jakob L entschloss sich nicht leicht auf seinen Lieb-
lingsgedanken einer engen Verbindung mit dem spanischen
Köfiigshause ^^ vernichten ; aber der Jubel, mit der sein dem
Parlamente mitgeteilter Entschluss mit Spanien fw brechen
aufgenommen wurde, musste ihm die Überzeugung verschaffen,
dass er in diesem Augenblicke die überwiegende Mehrzahl
seines Volkes an seiner Seite habe. Vom offenen Kampfe gegen
Spanien wollte er freilich trotzdem vorerst nichts wissen ; noch
immer wünschte er einen solchen zu vermeiden und die Wie-
dereinsetzung seines Schwiegersohnes oder Enkels f // errei-
chen, ohne mit der spanischen Linie des Hauses Habsburg in
Krieg f« geraten. In diesem Sinne hat er dem Grafen Mans-
feld, der im April 1624 nach England kam,^) den Auftrag er-
teilt, die Wieder er oberung der Pfalz V^ versuchen. Allein die
allgemeinen Verhältnisse nötigten die englische Krone immer
entschiedener zum Kampfe gegen das gesamte Haus der Habs-
burger. Dass der Tod Jakobs I. und die Thronbesteigung sei-
nes Sohnes Karls I. diesen Entschluss erleichtert hat, steht
ausser Zweifel. Bereits im September 162$ schloss dieser ein
Bündnis mit den Generalstaaten, das ihn f« einem Angriffe
auf die Küsten Spaniens verpflichtete, — ein Unternehmen,
das freilich ein unrühmliches Ende fand^) — und das Haa-
ger Bündnis vom 19. Dezeniber 162^, das er mit den General-
staaten und dem dänischen Könige einging, nötigte ihn nicht
nur f«r Zahlung einer bedeutenden Subsidie an den letzteren,
sondern auch zt^r Ausrüstung einer Flotte, die von den Schiffen
*) Gardiner /. c. V 130 ff.
•) Gardiner L c. V 222 f.
>) Gardiner l. c. VI loff.
Österreichisch-englische Staats vertrage. Bd. I.
1^0 EinleituDg.
der Generalstaaten unterstützt den Kampf gegen die Spanier
aufnehmen sollteS)
Rühmvoll war die Anteilnahme Englands an dem Kriege,
der in den folgenden Jahren fischen dem Hause Habsburg
und dessen Gegnern geführt wurde, nichts) Die wachsenden
Konflikte fischen dem Könige und dem Volke und die immer
ungünstigere Gestaltung der englisch-französischen Beziehun-
gen hinderten Karl L seine Bundesgenossen entsprechend zu
unterstützen, und so musste er es sich gefallen lassen, dass
der Dänenkönig, der im Jahre 1629 seinen Frieden mit dem
Hause Habsburg schloss, ihm in erster Linie die Schuld an
dem unglücklichen Ausgange des Krieges beimass. Karl /. war
für solchen Tadel nicht unempfindlich, doch nötigte ihn sein
fester Entschluss, den Kampf mit seinem Volke bis z^m aus-
sersten fortzusetzen, f // friedfertigem Verhalten gegenüber den
auswärtigen Mächten. Er begann noch im Jahre 1629 Ver-
handlungen mit den Spaniern und führte dieselben , allem
Widerspruch zum Trotz, der von verschiedener Seite erhoben
wurde, im Laufe des Jahres 16^0 z^ Ende, Der Madrider
Friede vom 5. Nov. 16^ enthielt keine Verpflichtung der Spa-
nier, die Restitution des Pfälzers vom Kaiser fw erzwingen;
Karl I. gab sich vielmehr damit z^ifrieden, dass der spanische
Gesandte in seine Hände ein Schreiben legte, durch das der
Herrscher Spaniens sein bestes für diesen Zweck zu tun ver-
sprach und übermittelte bald darauf seinem Gesandten An-
struther, der seit längerer Zeit die Interessen des Pfälzers im
Reiche vertrat,^) den Befehl, am Wiener Hofe für die Durch-
führung der pfälzischen Restauration im Sinne der spanischen
Versprechungen \u wirken*). Allein Anstruther fand mit den
•) Gardiner /. c. VI ^6 f.
*) Gariiinrr /. c\ VI piissini.
') Anstruther war seit dem Frühjahrr 16^0 im Interesse des Pfälzers
tätig. Die Instruktion für Hin d. d. 2*). ////// /^?<> im R. O. Eben daselbst
auch das Original der kaiserlichen Erklärung d. d. 12. Nov. 16^0, in der die
Bedingungen des Ausgleiches mit dem P/äl{er fixiert sind. Der ausflihrliche
Bericht Anstruthers über diese Verhandlungen ist datirt Nürnberg 14.I24. Nov.
16^0 R. O. Daselbst befindet sieh auch eine Instruktion für Anstrut/ter d. d. 18. Aprü
1627^ der damals in der gleichen Frage mit dem Kaiser und den Reichsfürsten
verhandeln sollte.
*) Die Instruktion d. d. 21. Mär\ 16 ji R. ().
Einleitung. 1 2 x
Forderungen seines Herrn beim Kaiser kein Gehor^) und die
Erklärungen der am kaiserlichen Hofe weilenden spanischen
Minister Hessen keinen Zweifel darüber aufkommen, dass auch
Philipp IV, nur gegen neue Zugeständnisse Englands — all-
gemeinen Frieden oder Unterstützung gegen die Niederlande —
die Sache des Ffäl\ers ernstlich \u vertreten gewillt war% Die
ungünstigen Berichte aus Wien und die Mitteilungen von den glän-
zenden Erfolgen des Schwedenkönigs Gustav Adolf veranlassten
Karl /. mit diesem Verhandlungen anzuknüpfen. Allein dieselben
führten ft/ keinem Ergebnisse, da Gustav Adolf geringe Nei-
gung zeigte, sich zum Vertreter der Ansprüche Friedrichs vim
der Pfalz V^ machen, wenn Karl 1. sich nicht entschloss, mit
ganzer Kraß den Krieg gegen das gesamte Haus Habsburg
ZU führen, während der engliche König sowohl vor dem Kampfe
mit Spanien, als atwh vor der Berufung des Parlamentes zu-
rückschreckte, ohne dessen Zustimmung er die z^ir Führung
des Krieges notwendigen Summen nicht z^ erlangen hoffen
konntet)
So knüpjte Karl L voti neuem mit dem Hause Habsburg
Verhandlungen an Ufid erklärte sich sogar bereit, mit dem
Kaiser und dem spanischen Könige ein Bündnis gegen derefi
Feinde in Deutschland einzugehen und seiften Schwager, den ver-
triebenen Pfalzgrafen, f // gleichem Vorgeheti zti bewegen, sobald
ihm bezüglich der Pfalz Genüge geschehen wäre. Die Antwort
liess lange auf sich warten und als endlich der spanische Ge-
sandte, im Auftrage seines Herrn und des Kaisers, Karl I, z^im
Eintritte in das gegen die Feinde des Hauses Habsburg gerich-
tete Bündnis aufforderte,^) z^lgt^ ^^ ^1^% dass der Kaiser die
Forderung Karls L — Wiederherstellung seines Schwagers in
Jessen Besitz als Vorbedingung einer Allianz des englischen
Königs mit dem Hause Habsburg — entschieden z^^i^^kwies,
während Karl L seinerseits Bedenken trug, ein Abkommen \u
treffen, das ihn f«m Kampfe mit dem siegreichen Schweden-
könige genötigt hätte, bevor sein Schwager des Preises sicher
«) Vgl Gardiner l c. VIL i8i ff.
•) Darüber berichten Anstruther und John Taylor, der ^u gleicher Zeit
und in gleiclier Mission in Wien weilte. Vgl. insbesondere seinen Bericht d. d.
10. Sept. n. st. i6ji. R. O. Vgl. auch Gardiner l c. VII. 187.
») Vgl Gardiner l. c. VIL iqo f.
*) Vgl. die Berichte Nrcolaldr's d, d. 9. und 16. April 16; 2 St.-A.
1^2 Einleitung.
war, um dessentwillen allein er mit seinen bisherigen Verbüfi-
deten brechen wollte. Erbittert über das geringe Entgegenkom-
men der habsburgischen Fürsten wandte sich Karl L van netiem
an Gustav Adolf, der auch diesmal seine Hand \um Bufide rei-
chenwollte, freilich unter Bedingungen, die seinem Interesse nicht
minder dienen sollten, als denen Karls L und des Pf divers.
Vergebens rieten die Bestunterrichteten dem Konige, auf die
Forderungen Gustav Adolfs ein^gehen, Karl antwortete auf
das Projekt des Schw3denkönigs mit Vorschlägen, die im we-
sentlichen darauf hinausliefen, diesen gegen eine massige nicht
einmal für längere Zeit gesicherte Geldunterstüt\ung für die
Wiedereinsetzung des Pf alters ^ gewinnen, und nötigte so
Gustav Adolf y der gerade damals \um entscheidenden Schlage
gegen Wallenstein ausholte und sich gerne Englands Mitwir-
kung im bevorsteheftden Kampfe gesichert hätte, die Verhand-
lungen abzubrechen.^) Die englischen Gesandten, sowohl jener,
der bei Gustav Adolf als jener, der am Wiener Hofe die In-
teressen seines Herrn vertreten hatte, kehrten ungefähr ^ur
selben Zeit, beide ohne einen Erfolg er^^ielt f« haben, nach Eng-
land \urück^)
Karl aber hielt trotzdem an seiner Politik fest Weder
der Tod Gustav Adolfs, noch das darauf erfolgte Ableben
seines Schwagers, des Pf alters, führten eine Änderung in seiner
Haltung herbei. Auch in den folgenden Jahren suchte er unter
möglichst günstigen Bedingungen von einer der kriegführenden
Parteien die Zusicherung der Wiedereinsetzung der vertriebenen
pfäl^iscJien Familie \u erlangen, ohne eine klare Vorstellung
von den Wegen pc haben, auf denen er sein Ziel erreichen
wollte.^) Er verhandelte — 16^3 — mit den Feinden des Hauses
>) Vgl Gardiner /. c. VII 196 f.
*) Vgl, Gardiner l. c. VII 20 =i. Von Anstridher liegt im R, O. eine Ein-
gabe an Ferdinand IL d, d, 28. Sept, 16^2, in der er im Hinblick auf die Er-
folglosigkeit seines Aufenthaltes um den Abschied bittet; die Antwort des Kaisers
d, d, 7. Okt. i6;2 ebenda,
^) Interessant ist in dieser Hinsicht der Briefwechsel der beiden Herr-
scher, In einem Schreiben d. d, 12. Aug. 16^2 R. O, (Cop.) dankt Karl L für
die Mitteilungen, du' der spanische Gesandte im Namen des Kaisers ihm ge-
macht, „quibus et sincerum erga nos amorem professi et ad comune foedus
pro restituenda in imperio pace nos ante alias hortati estis/' Er betont seine
Geneigtheit diesen Schritt {// wagen, falls die pfälzische Frage geordnet würde.
Einleitung. taa
Habsbtdrg ^u Heilbronn und geigte sich ^u gleicher Zeit ge-
neigt, dem Spanier die Mediation ^(wischen England und dem
Kaiser anzuvertrauen. Es war wirklich so, wie Necolalde, der
spanische Gesandte in London, sagte, Karl verstörte mit einer
Hand, was er mit der anderen aufbaute. Erst die Kenntnis
tnm der Allianz, die Frankreich mit den Holländern geschlos-
sen und Gerüchte von dem Plane beider Mächte, die spanischen
Niederlande ^u erobern und dann unter sich ju teilen, haben
ihn im Jahre i6ß$ veranlasst, den immer dringender werdemlen
Werbtingen der Spanier Gehör f w schenken und mit Philipp IV.
einen Vertrag ju schliessen, der ihn gegen eine entsprechende
Geldentschädigung {ur Aufstellung einer Flotte verpflichtete,
die im Kampfe gegen die Franzosen wie gegen die Holländer
Verwendung finden sollte. Es war eine selbstverständliche
Folge dieser neuerlichen Wendung Karls L, dass er auch mit
dem Wiener Hofe von fU!uem Verhandlungen anknüpfte. Im
Dezember i6j$ erschien daselbst John Taylor und brachte den
lebhaften Wunsch seines Herrn \um Ausdrucke, mit dem
Hause Österreich durch unzerstörbare Freundschaftsbande ver-
knüpft ff/ sein.^) Der Kaiser geigte sich im Principe nicht ab-
geneigt, in ein Bündnis mit England einzutreten;^) allein je
weiter die Verhandlungen gediehen, desto grösser wurden die
Differenzen, desto deutlicher geigte es sichy dass die Gründe,
die in früheren Jahreti den Abschluss eines Vertrages verhin-
dert hatten, auch jetzt fwch wirkend waren. Für den König
vim England war die pfälzische Frage, für den Wiener HoJ die
Teilnahme Englands am Kriege gegen die Feinde des Hauses
Hahsburg die Hauptsache, und es gelang Taylor keineswegs Fer-
dinand IL davon zu überzeugen, dass er mit der Erfüllung der
englischen Forderungen vorangehen müsse. Der Kaiser stellte
Et si ülam proscriptionem vestra prudentia potentiaqtie tandem abrogasset et e
media sustulisset, nos deinceps nullo vel honoris discn'tnine vel boni pubhci prae-
judicio prohiberemur, quominus intimam cum inclyta domo austriaca confoe-
derationem contraheretnus et sanctissime coloremus. Karl I. betont dann neuer-
dings seine Geneigtheit entgegenzukommen, doch müsse die Wiedereinsetzung
des Pfäl\ers erfolgen. Ähnlich lauten auch die späteren Schreiben Karls /.
") Memoire Taylors vom i6. De^. löß^. St-A, und R. O.
«) Erklärung des Kaisers d. d. 28. De^, 16^^ auf Taylors Memoire R, O.
In der Antwort Taylors d. d. 2. Jan, i6ß6 R. O. werden die Bedingungen fixiert,
unter denen Karl I. mit Ferdinand IL sich einigen wolle.
l^A Einleitung.
vielmehr in seiner Antwort auf Taylors Memoire die AI-
lian\frage in den Vordergrund^) und forderte von England
den Abschluss eines Offensiv- und Defensivbündnisses als
Vorbedingung einer günstigen Erledigung der p/dl^ischen
FrageJ)
Wie wenig aber Karl 1. geneigt war , diesen Wünschen
Ferdinands IL ^u entsprechen, bewies schon die Instruktion für
den Grafen Arundel, den er im Frühjahre 16^6 nach Wien
sandte, um dort die von Taylor begonnenen Verhandlufigen
Jort^usetjen,^) Karl forderte das gesamte pfälzische Gebiet und
die kurfürstliche Würde für seinen Neffen, bot aber keitws-
wegs eine Offensivliga gegen die Feinde des Hauses Habs-
bürg an; Arundel erhielt vielmehr den Auftrag, jedes Bündnis
lu vermeiden, das Karl L in einen Krieg verwickeln könnte,
oder ihn \ur Verletzung der mit seinen Verbündeten ge-
schlossenen Verträge nötigen würde und sich im Falle der
völligen Befriedigung der gestellten Forderungen nur f // eitler
Einigung im Sinne eines allgemeinen Friedens f« verpflichten,
für den z^i wirkest Karl I die weitgehetidsten Versprecheti
gab,^) Kein Wunder, dass Arundel, der im Sommer i6j6 beim
Kaiser vorsprach, mit seinen Erklärungen den Unmut der
österreichischen Regierung hervorrief,^) der sich noch steigerte,
als der Graf auf das entschiedenste in Abrede stellte, dass
England jemals sich \um Abschlüsse einer Offensivliga bereit
erklärt habeJ) Eine Einigung war unter diesen Umstättden
0 Dekret vom 24, Jan, 16^6 St-A.
«) /// diesem Sinne lautete auch die Instruktion für den Hof rat Matthias
Edi. von Vertemate d, d. 28. Febr, j6ß6, St-A, dir mit dem englischem Könige
und dem Kardinalinfanten verhandeln sollte, Ferdinand II. spri.ht davon, dass
Taylor nicht nur Freundschaft, ,,sed et tractatus arctioris cuiusdam foederis**
mit dem Gesamth.iuse Habshurg angetragen habe,
^) Instruktion d, d, i. April j6j6 R. O, Für die Mission Arundels vgL
Gardiner /. c, VIII. 138 ff.
<) Die Analyse der Instruktion Arundels bei Gardiner l. c. VIIL i')8f
ö) Im St,-A, befindet sich u, a, (Anglica varia) auch eine Art Vertrags*
entwurf unter dem Titel „Modus et gradus observandi in ulteriori tractatu cum
rege Anglorum.**
®) Ähnlich äusserte man sich in London Klemens Radolt gegenüber, der
dort seit Mai 16^6 die Verhandlungen führte. Wie weit Karl I, davon entfernt
war, ein Offensiv- und Defensivbündnis mit dem Kaiser ein\ugeken, beweist
die Entschiedenheit , mit der er die Behauptung , Taylor habe ein solclies
Einleitung. lac
nicht fw erreichen; Arundel sah die Fruchtlosigkeit seiner Be-
mühungen bald genug ein. Seine Gespräche mit dem Kur-
fürsten Maximilian — dessen Einfluss auf Ferdinand IL durch
seine Heirat mit der Tochter des Kaisers noch gewachsen war
und dessen Interesse durch die Rückgabe der ehemals pfäl-
zischen Besitzungen in erster Linie berührt worden wäre —
führten f^ hefligen Auseinandersetzungen, und die mündlichen
und schrifllichen Äusserungen Ferdinands IL Hessen erkennen,
dass dieser selbst an einen Erfolg der Verhandlungen mit
England nicht glaubte. Wenn trotzdem Arundel bis z^m Mai
i6j7 am kaiserlichen Hofe verblieb^) und der Wiener Hof
immer wieder die Geneigtheit kundtat, sich mit Karl L über
die pfählische Frage zu einigen, so geschah dies aus demselben
Grunde, ans dem auch die Franzosen, die ihrerseits den eng-
lischen König vergebens fww offenen Bruche mit dem Hause
Habsburg f « treiben suchten, die Verhandlungen mit Karl L
fortführten.^) Man wünschte in Wien und in Paris Englands
Bundesgenossenschaft z^ erwerben, oder, falls diese nicht z^
ergingen war, wenigstens dessen Anschluss an den Gegner z^^
verhindern und glaubte dies am sichersten durch die Fort-
setzung der Verliandlungen f« erreichen, auch wenn diese
keinen Erfolg versprachen. Diesem Bestreben verdankten wohl
auch die Konferenzen in Hamburg und in Brüssel i6j8\jp ihr
Zustatuiekommen. Sie verliefen resultatlos, wie ^w erwarten
stand, und vielleicht auch manchen Ortes geplant war. Und
ebenso vergebens bemühtett sich die Vertreter der Habsburger
wie jene Ludwigs XIIL in London, den Kehlig f « einem ent-
in seinem Namen dem Kaiserhofe afigeboten, \urücku)ies; (Bericht Radolts d. d.
Aug. 16^6 St'A.J und die ablehnenden Erklärungen, die er und Windbank im
Okt. RadoU gaben, (Berichte Radolts d. d. 8. und 17, Okt. i6j6.J In dem letz-
teren Berichte äusserte sich Radolt unter dem Eindrucke der Audien{ bei Karl L,
er sei überzeugt, dass Karl L, selbst wenn der Kaiser die Restitution des Pfäl-
\ers vornehmen und grosse Opfer bringen würde, doch mit Österreich keine ent-
sprechende Liga schliessen würde und fügte hin^u, wenn selbst der König da^u
bereit toäre, würde er von den Ministern, die sämtlich Feinde des Hauses Habs-
bürg seien, abgelialten werden.
') Im R, O. befindet sich, nebst den Berichten Arundels, eine „relation
of the principal oecurrentsl'* bei der Gesandtschaft Arundels ^,collected by John
Baroughsf' Sekretär Arundels, die über den Aufetitltalt des englischen Gesandten
nicht uninteressante Details enthält
«) Vgl Koch Ferd. IIL Bd. I. 98 ff.
136 Einleitung.
scheidenden Schritte fw bewegen, Karl L hörte diese wie jene,
geigte für die Wünsche beider Parteien Interesse, allein er lehnte
nach wie vor den offenen Brtich mit dem Hause Habsburg wie
mit dessen Gegnern ab, und dies um so schroffer, je deutlicher
die Unzufriedenheit seiner Untertanen mit seiner despotischeti
Herrschaft sich äusserte. Trotzdem wurden die Verhandlungen
über die Ordnwig der pfälzischen Frage seitens des Wiener
Hofes fortgeführt. Auf dem Kurfürstetitage ^u Nürnberg 1640
einigte man sich über die Vermittler und diese bestimmten den
Regensburger Reichstag als Ort, den 6. Mai 1641 als Tag für
die Wiederaufnahme der Verhandlungen.^) Das englische Par-
lament und Karl I. gaben ihre Einwilligung, ebenso der Kaiser.
Thomas Roe, ein von Karl I. hochgeschätzter Diplomat, er-
schien in Regensburg. Aber auch hier ergaben sich Schwierig-
keiten, die f M überwinden nicht gelang.^) Die Forderungen der
Pfäl\er — Restitution des Landes nach dem Bestände von 1618
und Schadloshaltung Karl Ludwigs für die im Laufe der Jahre
an Land und Leuten erlittenen Verluste — wurden von den
Baiern auf das entschiedenste zurückgewiesen und Roe \eigte
sich über die spanische Umgebung des Kaisers ebenso unge-
halten, wie diese über ihn. Wenn Ferdinand 77. trotzdem die
Verhandlungen nicht abbrach, vielmehr die Beteiligten ^u neuen
Beratungen für den i. New. nach Wien einlud, ja durch seinen
Gesandten am englischen Hofe Nachsicht für diese Verzöge-
rung erbat, und im Herbste 1641, dem Widerspruche Maxi-
milians ^um Trot^y den Prinzen Ruprecht aus der Haß ent-
liess, so geschah dies auch diesmal im Hinblicke auf die Kennt-
nis, die man in Wien von den Bemühungen der Franzosen
besass, England ^um Kriege gegen das Haus Habsburg ^u
bewegen und in der Hoffnung, dass es doch noch gelingen
werde, den Widerstand Karls I. gegen eine Einigung mit dem
Hause Habsburg \u brechen. Mit dem ganzen Aufwände seiner
reichen Begabung und unermüdlichen Arbeitskraft hat Franj
von Lisola, der seit dem Oktober 1641 in England weilte^ in
diesem Sinne ^u wirken gesucht.^) Aber aux:h ihm gegenüber
*) Vgh Pribram Lisola 21 f.
«) Blesch, Restitution der Pfal\ ^^ff.; Koch L c. 329/,
«) Für das folgende Pribram, Lisola 2^ ff. , dessen Berichte für die aus-
wärtige wie innere Geschichte Englands in den Jahren 1641 — 44 von grossem
Interesse sind.
Einleitung. I^y
wich Karl L jeder bindenden Erklärung aus, betonte immer wie-
der seine Neigung nach vollzogener Wiedereinsetzung des Pfäl-
jers in Amt und Würden Jür den Kaiser \u tun, was in seiner
Macht stehen würde, ohne aber, wo^ti Lisola drängte, diese
allgemeinen Redensarten durch detailliertere Äusserungen f«
ergänzen. Der kaiserliche Gesandte empfing den Eindruck,
dass von Karl L wenig \u hoffen, dass an eine offene, feind-
selige Erklärung desselben gegen Frankreich nicht ju denken
sei. Dagegen gelang es ihm den Nächstbeteiligten, den Pfäl\er
Karl Ludwig, \u einem Schritte von weittragender Bedeutung
\u bewegen. Er wusste dem ehrgeizigen Manne die Überzeu-
gung beizubringen, dass er nicht von den selbstsüchtigen Fran-
zosen, sondern nur vom Reichsoberhaupte die Erfüllung seiner
Wünsche erhoffen könne und bewog ihn am 12J29. De^- 1641
zur Unterzeichnung eines Vertrages, durch den er sich ver-
pflichtete, in allem und jedem die Interessen des Kaisers wahr-
zunehmen und mit dessen Gegnern weder direkt noch indirekt
Verträge zu schliessen, wogegen ihm die volle Wiedereinsetzung
in Amt und Würden versprochen wurde. Sollte innerhalb
zweier Monate die Gutheissung dieser Abmachung seitens des
Kaisers nicht erfolgefi, dann sollte es dem Gutdünken Karl
Ludwigs freigestellt bleiben, in jeder ihm zweckmässig erschei-
nenden Weise für seine Wiedereinsetzung vorzugehen.^) Mit
gewohnter Lebhaftigkeit empfahl Lisola seinem Herrn die
Durchführung dieses Vertrages, und gab seinerseits die Mittel
an, die im Wege stehenden Hindemisse fw beseitigen. Allein
dieselben waren doch weit grösser, als der kaiserliche Gesandte
dachte. Die Verhandlungen, die seit dem Nov. 1641 in Wien
geführt wurden, Hessen dies deutlich erkennen.^)
Schroffer als je vorher standen zu Beginn des Jahres 1642
die beiden Parteien einander gegenüber. Die Vertreter Karl
Ludwigs und Roe — Karls I. Gesandter — forderten nach wie
vor die volle Wiedereinsetzung des Pfälzers in Amt und Wür-
den. Die Spanier aber^ einer Einigung auf diesem Wege von
vorneherein abgeneigt, stellten die Restitution der von ihnen
besetzten pfälzischen Gebiete nur für den Fall in Aussicht,
') Vgl. Pribram l. c. 27 f.; Jüdel A., Verhandlungen über die Kurpfali
1641—42 i^f.
*) Pribram, Lisola 28 ff.; Jüdel l. c. und Koch l. c. /. ^/5#.
IjS Einleitung.
dass vorher der französisch-spanische Friede geschlossen xoäre
und auch dann nur gegen entsprechende Entschädigung, Ma-
ximilian von Baiern erklärte sich im Principe für einen Aus-
gleich und geigte Bereitwilligkeit unter gewissen Bedingungen
auf seinen Be\it\ in der Unterpfal\ \u vernichten, widersprach
aber auf das energischeste den Forderungen Roe's und der
Pfäl^er, soweit diese die Oberpfal^ und die Kurwürde betrafen.
Kaiser Ferdinand IIL aber, von dem nicht nur die Vertreter
Karl Ludwigs und Karls L, sondern auch jene der vermitteln-
den Herrscher von Dänemark, Main\, Sachseti und Branden-
burg, die Ausgleichung der Gegensätze und die baldige Ord-
nung der schon \u lange schwendenden Frage forderten, befand
sich mit Rücksicht auf die verschiedenartigen Interessen, die
er ju wahren hatte, in einer überaus schwierigen Lage. Er
wünschte aufrichtig die Ordnung der pfälzischen Frage; daran
wird man nach dem, was uns an Äusserungen von ihm vor-
liegt, nicht ^eifeln können ; allein er wünschte sie in einer sei-
nen weitaussehenden Plänen dienenden Art durchzuführen. Nicht
allein den Pfälzer, auch den englischen König wollte er als Bun-
desgenossen im Kampfe gegen Frankreich und Schweden, und
er wollte dieses Ziel erreichen, ohne deshalb auf die Unterstüt-
zung der Spanier oder Maximilians von Batern vernichten z^
müssen. In vielfachen Verhandlungen nach allen Seiten hin
hat er sich bemüht, dieses Ziel ^ w erreichen, allein es gelang
nicht. Die Spanier fanden in dem von des Kaisers Räten ent-
worfenen Projekte die spanischen, die Baiern die bairischen In-
teressen nicht genügend berücksichtigt und als ein ihren Wün-
schen halbwegs entsprechendes Projekt im Mai 1642 deti Ver-
tretern des Pfälzers und Karls I. vorgelegt wurde , konnten
diese nicht Worte genug finden, um ihrer Entrüstung Aus-
druck zu verleihen.^) Roe drohte mit der Abreise und liess sich
•) /// diesem Projekte (abgedruckt u. a. Theatntm Europ, V, 8 ; Ixmdorp
Acta pubL V. yS^) erklärte der Kaiser sich bereit, den Kindern des verstor-
benen Pfal\grafen Friedrieli nach stattgehabter Unterwerfung und gegen Ver-
:[ichtleistung derselben auf alle gegen Kaiser und Reich gerichteten Bündnisse,
die untere Pfal{, soweit dieselbe von Spanien und Baiern besetzt sei, als Reichs-
leiten ^u verleihen ; die Restitution der Oberpfal\ knüpfte er aber an den Erlag
einer Summe von 1^ Millionen Gulden Rheinisch ^u seinen Händen, um sie :{ur
Entschädigung des bairischen Kurfürsten [u verwenden , schloss die Grafschaft
Einleitung. lag
nur durch Jas Versprechen der österreichischen Regierung,
den vorgelegten Vertragsentwurf im Sinne der voti den Ver-
tretern Karl Ludwigs und Karls L geäusserten Wünsche ab-
zuändern, ^ur Verlängerung seines Aufenthaltes bewegen.^)
Die Spanier und Baiem umzustimmen gelang den kaiserlichen
Ratgebern nicht, aber sie erreichten durch ihre unausgesetzten
Bemühufigen doch so viel, dass Roe in seiner Abschiedsau-
dienz — Ende Juli 1642 — die Erklär wig abgab, er könne
die Schuld an dem Scheitern der Verhandlungen nicht dem
Kaiser, sondern nur Maximilian \us^^^^iben, und hoffe auf
die baldige Wiederaufnahme derselben^)
In der That bildete die pfälzische Frage auch im Jahre
i64ß einen der wesentlichsten Punkte der diplomatischen Ver-
handlufigeti zwischen dem Kaiser und dem englischen Könige.
Allein wie früher hinderte auch jetzt das zähe Festhalten des Kur-
fürsten Maximilian an seinen Forderungen die geplante Eini^
gung. Lisola, der in immer neuen Beratungen mit Roe usui
in Gesprächen mit Karl L die Interessen seines Herrn zu ver-
treten bestrebt war, musste bittere Klagen und Vorwürfe über
des Baiern Vorgehen hören und konnte es nicht verhindern,
dass Karl L den Entschluss fasste, die Ordnung der pfäl-
zischen Frage statt in Wien in Frankfurt zu versuchen, wo
im Sinne eines allgemeinen Friedens beraten wurde. Dass die
Übertragung der Verhandlungen von Wien nach Frankfurt,
wo die Franzosen einen mächtigen Einfluss besassen, den In-
teressen des Kaisers nicht entsprach, betimte nicht nur Lisola,
sondern anerkannten auch die österreichischen Minister, Doch
scheiterten ihre Bemühungen, die Fortsetzung dieser Verhand-
Otam von der Restitution aus, forderte bedeutende Zugeständnisse \u Gunsten
der römisch-kathoUschen Kirche und rückte die Wiedererlangung der Kurtvürde
für das pfälzische Haus in weite Ferne,
*) Interessant ist, dass Thomas Roe genötigt war, sich detn engUscIien
Parlamente gegenüber von dem Verdachte \u rechtfertigen, dass er, wie seitens
lies /ran basischen Gesandten in London behauptet wurde, dem Kaiser im Namen
des englisciten Königs eine Offensiv- und DefensivUga gegen Jedermann unter
der Bedingung angetragen habe, dass der Pfäl\e'r in Amt und Würden wieder
eingesetzt werde. Roe erklärte in einem an Eduard Waller gerichteten Briefe,
(St-AJ der im Juli 1642 im Parlamente verlesen wurde, diese Behauptung für
falsch,
*) Vgl- Pribram, Lisola ^4,
I40 Einleitung.
lungen in Wien durchzusetzen, an dem Widerstände eines
Teiles der vermittelnden Mächte, und so musste Ferdinand
Ende des Jahres 164^ den lange gehegten Wunsch aufgeben,
die pfälzische Frage durch einen kaiserlichen Machtspruch f «
erledigen und sich bereit erklären, diese Angelegenheit wie
so viele andere durch den Friedenskongress entscheiden ^w
lassen.
Die diplomatischen Beziehungen mit England wurden
trotzdem nicht abgebrochen, vielmehr beauftragte die öster-
reichische Regierung ihren am englischen Hofe weilenden
Gesandten, nach wie vor für eine Allianz zwischen Karl L
und dem Hause Habsburg z^ wirken, oder falls sich die
Durchführung dieses Planes als unmöglich erweisen sollte,
wenigstens den Anschluss Karls L an Frankreich z^ verhin-
dern. Das letztere gelang; Lisola wusste die Absichten der
Franzosen z^ durchkreuzen und konnte seiner Regierung
schon z^ Beginn des Jahres 1644 die erfreuliche Mitteilung
machen, dass die Gefahr eines französisch-englischen Bünd-
nisses vorüber sei,^) Dagegen scheiterten seine Bemühungen,
König Karl in das habsburgische Lager hinüberzuziehen.
„Was uns betrifft, schrieb er, haben wir von England nichts
ZU fürchten, aber auch nichts fw hoffen/'^) Die österreichische
Regierung war mit Lisola' s Erfolgen z^tf^i^den; denn je un-
günstiger sich im Laufe der nächsten fahre der Kampf ge-
staltete, den Karl L gegen sein Volk führte, desto weniger
Wert legte der Kaiser auf ein Bündnis mit dem englischen
Könige. Ende des Jahres 1644 verliess Lisola London und die
direkten diplomatischen Beziehungen der beiden Staaten hatten
damit wieder für längere Zeit ihr Ende erreicht
*) Pribram, Lisola 48,
*) Ebenda ^g.
Einleitung. 14I
///. Von der Gründung der englischen Republik bis
zum Nimweger Frieden 164g — lö^g.
Die Nachricht von der Enthauptung Karls L hat am
Wiener Hofe das grösste Entsetzen hervorgerufen. Es xvurden
Stimmen laut, die vom Kaiser, als dem obersten Anwalt des
Rechtes und der Moral, Rache an den Königsmördern for-
derten, Da:(u kam es nicht;^) doch ^ögerte Ferdinand IIL
keinen Augenblick, den Sohn des Enthaupteten als König von
England anzuerkennen, und geigte sich auf dessen erste Bitte
hin nicht abgeneigt, ihn nicht nur moralisch, sondern auch
durch eine Geldsubsidie ^u unterstützend) Im Laufe der Zeit
xüurden ihm allerdings die immer erneuerten Geldforderungen
Karls IL unangenehm und wiederholt mussten die Gesandten
des englischen Königs, ohne einen Erfolg erhielt \u haben, den
Kaiserhof verlassen,^) Doch blieben Ferdinand IIL und sein
Nachfolger Leopold L. ausgesprochene Gegner der republikani-
schen Regierung in England, wie des Lord Protektor Oliver
Cromwell, den anzuerkennen der Wiener Hof sich wohl auch
dann nicht entschlossen hätte, wenn dessen Politik sich nicht
durch einen so ausgesprochen antihabsburgischen Zug ausge-
zeichnet haben würde.*) In den schweren Konflikten, die in der
zweiten Hälfte der fünfziger fahre des ly, fahrh, den Süd-
westen wie den Nordosten Europas erschütterten, stand England
auf der Seite der Feinde des Hauses Habsburg, ^) und mehr
*) Insbesondere Maximilian von Baiern sprach sich gegen eine derartige
Unternehmung aus. Vgl. Loren\ Über englische Geschichte des 16. u, ly. Jahrh,
in „ß Bücher Geschichte und Politik'' ^01 f,
») Vgl. Loren\ /. c, 3oHff, Die Beziehungen Karls IL \um Wiener Hofe
in der 7Mt 1649—1660 verdienten noch eine eingehendere Darstellung. Karl II.
war für den Wiener Hof der eigentliche Herrscher ; ihm wurden die öffentlichen
Ereignisse, die Krönung Leopolds I. \um Könige von Ungarn und Böhmen etc.
mitgeteilt. Im R. O. liegt auch die Instruktion für George duke and marquis
of Buckingham d, d. Jersey 55. /. 164g, der wegen Frankenthals mit Ferd. IIL
verhandeln sollte.
3) 5o insbesondere 16^4 u. die folgenden Jahre.
*) ^S^' «• ^' Gardiner Commonwealth Bd. IIL a, v. O.
^) Ich möchte in diesem Zusammenhange darauf hinweisen, dass der
Friede von Oliva vom ^. Mai st. n. 1660, der diesem Kriege im Nordosten Eu-
ropa's ein Ende machte, unter der Garantie verschiedener Mächte, u. a. auch
1^2 Einleitung.
als einmal bekam die österreichische Regierung den mächtigen
Einfluss Oliver Cromwells in unliebsamer Weise ju /ühleti.^)
Mit der grössten Fretide erfüllte sie daher die Nachricht von
dem Tode des Protektors, und die bald darauf erfolgende
Wiedereiftsetping Karls IL rief in Wien umso grössereti Jubel
hervor, als man von dem englischen Könige eifrige Bun-
desgenossenschaß im Kampfe gegen das französische Über-
gewicht erhoffte. Allein man täuschte sich. Von Dankbarkeit
gegen den Kaiser war der englische König durchaus nicht er-
füllt; schofi seine ersten Regierungsmassregeln Hessen vielmehr
erkennen, dass er, wie sein Vater, sich lediglich durch die Er-
wägung des eigenen Vorteiles bei seinen Entscheidungen in
Fragen der allgemeinen europäischen Politik werde bestimmeti
lassen. Während Karl /. aber sein Interesse am besten ^ wahren
glaubte, wenn er sich in dem gewaltigen Kampfe, den das Haus
Habsburg gegen das emporstrebende französische Königshaus
führte^ neutral verhielt und sich daher keiner der beiden Par-
teien gan:( und voll anschliessen wollte, kämpfe Karl 11. bald
für bald gegen Frankreich und war stets bereit, seine Allianz
^i wechseln, wenn sein bisheriger Gegfier den Übertritt besser
fu befahlen bereit war, als sein Bundesgenosse die Fortdauer
der freundschaftlichen Begehungen. Da nun Ludwig XIV. über
reichere Mittel verfügte als seine Gegner, blieb er in dem Wett-
streite um die Allianz mit dem englischen Könige öfter Sieger
als das Haus Habsburg und dessen Verbündete, die vergebens
die Interessen der Allgemeinheit als Gegengewicht gegen das
französische Geld in die Wagschale warfen,
Anfangs freilich schien es, als werde sich die von dem
Hause Habsburg in früheren Zeiten so sehnlich gewünschte
Verbindung mit England leicht und schnell vollziehen,^) Denn
Karl II befand sich Anfang des Jahres 1666 in eitler Lage, in
der ihm der Ahschluss eines Bündnisses mit Österreich und
der EnglanJs \ustindr gekommen ist. Vgl. Hittner l, c, Nr, ^44 Atim,, wo die
englische Garantieerklärung für Brandtmbtirg d, d. Westminster 166^ 6, Febr.
st, n. verzeichnet ist,
') Insbesondere in der Wahlfrage, nach dem Tode Ferd, III,
*) Für die Beziehungen ÖsterreicJis und Englands in der Zeit Karls IL
verweise ich hier ein für allemal auf die Werke von O, Klopp, Geschichte des
Hauses Stuart I—VIII; und Pribram, Lisola (bis 1674), wo die aktentncissigen
Relege für die im Texte gegebene Darstellung ytt finden sind.
Emleiiuag.
143
Spanien als die einzige Retiung aus ä£r bedrängten SUnaikm
ef scheinen musste, in die er geraten war, seitdem Ludwig XIV.
sich enischiossen hatte, die Niederländer in ihrem Kampfe
gegen Engtand |« unterstützen ; seifte Truppen gegen den Bun-
desgenossen Karls IL, den Bischof von Mimster, marschieren
Hess; die Irlämler gegen ihren Herrscher auf reifte; sich mit
Dänemark in Verbindung setzte und deutsche Ftirsten fiir den
Kampf gegen England {u gewinnen suchte. Wie von selbst
richteten sich die Blicke Karls IL in diesem Augenblicke nach
Wien und Madrid und er ^ögerte auch nicht, an beiden Höfen
in entschiedenster Weise den Abschluss eines Bündnisses {u
fordern, das seinen momentanen Bediirjnissen entsprechen und
dem Hause Habsburg Sicherheit gegen weitergehende Absich-
ten Ludwigs XI V bieten sollte. Allein die Verhandlungen, die
Graf Iheobald Taaffe seit dem Beginne des fahr es 1666 am
Wiener Hofe führte, ergaben nicht das gewiinschte Resultat,
obgleich Leopold I sich damals in einer der Berücksichtigung
der englischen Interessen sehr geneigten Stimmung befand
und im Hinblicke auf den unausweichlichen Konflikt mit
Frankreich den Abschluss von Bündnissen mit Spanien, Eng-
land und Schweden dringend wünschte^} Denn je länger die
Beratungen dauerten, desto deutlicher geigte sich, dass Graf
Taaffe in der Teilnahme des Kaisers an dem Kriege gegen die
Generalstaaten den Hauptzweck seiner Missicm sah, während
die Wiener Begieß ung die Beilegung des englisch-staatischen
Kofißiktes wünschte und sich ptm Abschlüsse eines Offensiv-
hilndnisses gegen Ludwig XIV. nur dann verstehen wollte,
/alls die Spanier, mit denen die Engländer {« gleicher Zeit
Verhandlungen Juhrten, sich ^um Bruche mit Ludwig XLV.
entschliessen und dem Kaiser reichliche Mittel pir Verfügung
stellen sollten. Da aber die Bemühungen der in Madrid wir-
kenden englischen Gesandten, Spanien ^um Kriege mit Frank-
reich %u treiben, ebenso erfolglos blieben, als die Versuche
Poettings und Lisola's bindende Versprechen bezüglich der Sub-
sidienleistung an Leopold / seitens der Madrider Regierung \u
erzielen, verliefen die Veriiandlungen, die Graf Taaffe wäh-
rend des Frühjahres und Sommers 1666 in Wien forttührte.
*) Für die Mission des Otaßm Tdjffe vgl. neben den p. 147 trwiihnh'u
Wtrkt-n .^Mt^mmrs 0/ thc ftimily 0/ TnaffeJ' Viennij ii^^6.
144 Einleitung.
resultatlos. Immer wieder betonteti die kaiserlichen Minister
die Geneigtheit Leopolds L in ein Bundesverhältnis ^u England
pi treten, zugleich aber auch, dass der definittoeft Erklärung
des Kaisers der Abschluss Englands mit Spanien vorhergehen
müsse.
Es durfle unter diesen Umständen schon als ein Ent-
gegenkommen Leopolds L angesehen werden, dass er im Herbste
1666 dem nach England reisenden Lisola die Vollmacht gab,
mit Karl IL ein Defensivbündnis auch dann ab^uschliessen,
wenn der spanische Gesandte ^u derartigen Verhandlungen
nicht instruiert sein sollte, und den Spaniern defi Eintritt in
ein solches Bündnis frei^tistellen.^) Allein auch in London schei-
terten die Unterhandlungen trot^ der Begeisterung, mit der
Lisola im Sinne einer starken Liga gegen Ludwig XIV ar-
beitete, vornehmlich an der Haltung der Spanier, die Karl II
durch die unerfüllbaren Forderungen, die sie stellten und durch
die deutlichen Zeichen ihres Misstrauens in die Aufrichtigkeit
seiner Gesinnung auf das tiefste verletzten, Ihr unpolitisches
Vorgehen ermöglichte es Ludwig XIV, in dem Augetiblicke
da er sich c^um Überfalle der spanischen Niederlande an-
schickte, das Versprechen Karls II \u erpressen, das Haus
Habsburg ein Jahr lang nicht ^4 unterstützen.
Das Vorgehen des englischen Königs war ein schwerer
Schlag für jene, die trot\ aller Hindernisse an dem Gedanken fest-
hielten, die Generalstaaten mit den Engläfidern auszusöhnen und
diese beiden Mächte mit dem Hause Habsburg f« gemeinsamer
Abwehr der französischen Übergriffe z^ einigen ; allein er ent-
mutigte sie nicht. Der beispiellose Erfolg, der das Unter-
nehmen Ludwigs XIV. gegen die spanischen Niederlande krönte,
bot ihnen die erwünschte Gelegenheit, die Gefahr f« Z^^S^^>
die allen Mächten Europa' s von Frankreich drohte, und den
Beweis dafür \u bringen, dass nur ein enger Zusammenschluss
aller Bedrohten Hoffnung auf eine erfolgreiche Abwehr biete.
Niemand war eifriger in diesem Bestreben als Lisola ; er ver-
trat die Idee, dass der Kaiser unter allen Umständen mit dem
Könige von England und den Generalstaaten ^u einer Eini-
gung gelangen müsse und sprach die Überzeugung aus, dass
') Pribram /. c. ;o2 f.
Einleitung. I^t
der Abschluss einer englisch^staatisch-österreichischen Liga den
Wechsel der Haltung des spanischen Hofes mit Sicherheit her-
heif Uhren werde. Deshalb erschien ihm der Abschluss des eng-
lisch-niederländischen Friedens — 5/. Juli 1667 — ein Ereignis von
der grössten Bedeutung, der erste Erfolg jener Männer, denen
ein gemeinsamer Kampf aller Mächte gegen Frankreich als
Epid^'el ihrer Bestrebungen galt Allein wie vor Jahresfrist wei-
gerte sich auch jetjt der Wiener Hof ein Offensivbündnis ^
schliessen und verpflichtete Lisola, die Instruktion, die ihn
^m Eingehen einer Defensivliga bevollmächtigte, kraft welcher
der Einfall in das feindliche Gebiet erfolgen sollte falls die
Verteidigtmg des eigenen Besitzes nicht anders ^ erreichen
wärCy nur dann vorzuweisen, wenn der Vertreter Spaniens am
englischen Hofe eine gleiche Vollmacht besitzen sollte. Da dies
aber keineswegs der Fall war, Molina vielmehr noch Mitte No-
vember erklären musste, dass er keine entsprechende Weisung
besitze, auch keine Hoffnung habe, die Forderungen der Eng^
länder bei seiner Regierung durchzusetzen, entschloss sich' Kaiser
Leopold I. im Hinblicke auf die immer ungünstigeren Mitteilungen
über die Haltung der Spanier und in seinen Erwartungen auf eine
energische Unterstützung seitens der Generalstaaten, Schwedens
und der überwiegenden Mehrzahl der deutschen Fürsten ge^
täuscht, jedefi blutigen Konflikt mit Frankreich z^ vermeiden
und mit dem übermächtigen Feinde ein Abkommen fw treffen,
das ihn — allerdings gegen Preisgebung wichtiger Interessen —
wenigstens vor dem Verluste der ganzen spanischen Erbschaft
sicherte, falls der z^ befürchtende Tod Karls H, von Spanien
eintreten sollte.
Die Folgen dieses verfehlten Schrittes zagten sich alsbald,
Wohl einigten sich die Seemächte in eben jenen Tagen, da
Leopold L mit Ludwig XIV, abschloss, f «r Wahrung ihrer be-
sonderen und der allgemeinen Interessen, und Schweden trat
ihrem Bunde bald darauf bei, aber die j Mächte setzten den Be-
strebungen Lisola's zum Trotz, ^^ ^^^ ^^^ Vorgehen seines Hofes
keine Kenntnis besass und unermüdlich im Sinne einer grossen,
gegen Frankreichs Übergriffe gerichteten Allianz tätig war, den
Abschluss des Aachner Friedens — Mai 1668 — durch, der nicht
nur einen Teil der spanischen Niederlande in den Händen Lud-
wigs X/F. beliess, sondern diesen alsbald in die Lage setzte,
weitere Eroberungen durch die Sprengung des Haager Bund-"
ÖsteiTcichisch-engliache Staatsrertrfige. Bd. I. lO
146 Einleitung.
nisses vor^ubereitm. Am leichtesten gelang es Ludwig XIV, den
englischen König \u gewinnen, denn nur widerwillig hatte dieser,
der mächtig anwachsetiden Erregung seines Volkes nachgebend
und in der Hoffnung auf reiche Geldbewilligungen des Paria-
mentes, das Bündnis mit den Generalstaaten geschlossen, und er
geigte sich alsbald geneigt, auf die Seite des Königs von Frank-
reich ^u treten, falls dieser ihm die Mittel ^r Verfügung stel-
len wollte, die Regierung ohne Mithilfe des ihm verhasstett Par-
lamentes \u führen. Bereits im September 1668 durße Lud-
wig XIV mit Sicherheit auf den Abfall des englischen Königs
von dem Haager Bündnisse rechnen, und seinen weiteren Be-
mühungen gelang es, Karl IL in dem am i. Juni 1670 ab-
geschlossenen Vertrage von Dover \ur Teilnahme an dem. Er-
oberungskriege gegen die Niederländer — Englands früheren
Verbündeten — und ^r Unterstüt^ng der Ansprüche f« be-
wegen, die Ludwig XIV auf die spanische Monarchie geltend
machen wollte. Als Lohn für diesen Abfall und Treubruch
wurden Karl II reichliche Subsidien, Unterstützung gegen auf-
ständische Untertanen und ein allerdings nicht wesentlicher An-
teil an der ^u erhoffenden Beute versprochen.
Währe fid Ludwig XIV diese von Erfolg gekrönten Ver-
handlungen mit Karl II führte, waren auch die Feinde Frank-
reichs nicht untätig geblieben. Insbesondere Lisola war es, der
in immer erneuerten Unterredungen mit Karl II und dessen Mi-
nistern die Notwendigkeit eines gemeitisamen Vorgehens betonte
und mit allen Mitteln seines reichen Geistes für den Eintritt
Leopolds I in die Tripleliga ^u wirken suchte.^) Dass Karl IL
nur widerstrebend auf seine Pläne eingehen werde, daran konnte
Lisola nicht zweifeln, wusste er dochy wie mächtig der Einfluss des
französischen Geldes war. Umso notwendiger erschien ihm ein
energisches Vorgehen der Generalstaaten und der beiden Linien
des Hauses Habsburg, und umso verzweifelter war er über das
geringe Entgegenkommen der Niederländer, über das Zögern
der Spanier und über die ablehnende Haltung, die die Mehrzahl
*) Zur Ergän:[ung meitier Darstellung im „Lisola'* möchte ich auf ein
im R. O. befindliches Schreiben des Grafen Taaffe d, d, 17. Juni 1668 hin-
weisen, in dem dieser meint „The great business now at court is the emperors
entring into the alliance made between England, Holland and Swede. Ifs the
opinion of very many, that wee ought to purchase it at ar^ rate, as the omly
sure mean of securing iis against the French ambition/*
Einleitung. 14^
der Ratgeber Leopolds I. seinen Vorschlägen gegenüber beob-
achtete. Erst im Mai 1670 erfolgte nach Überwindung grosser
Schwierigkeiten der Eintritt Spaniens in die Tripleliga. Frucht-
los blieben aber die Bemühungen des kaiserlichen Gesandten,
seinen Herren ^um Eintritt in diese Liga \u bestimmen. Miss-
trauen in die Aufrichtigkeit der Erklärungen des englischen
Königs und der Generalstaaten, Bedenken bezüglich der Treue
der Schweden uftd einer grossen Anzahl deutscher Fürsten, vor
allem aber die Erkenntnis der Unmöglichkeit, sich ohne ent-
sprechende Zusicherungen der Spanier in einen Krieg mit Frank-
reich eimpilassen, hielten die Wiener Regierung lange von jeder
Zusage cd). Und als sie, dem unablässigen Drängen Lisola's nach-
gebend, Anfang 1669 ihre principielle Geneigtheit kundgab,
dem Bunde unter gewissen Bedingungen beizutreten, bewiesen
die Schwierigkeiten, die von den Mitgliedern der Liga dem Ein-
tritte des Kaisers in den Weg gelegt wurden, dass das Miss-
trauen Leopolds L kein unberechtigtes gewesen. Wohl gelang
es Usola diese Hindemisse ^ überwinden und ein Projekt des
Beitrittes Kaiser Leopolds L \ur Tripleliga fertigzustellen, das
deti Interessen aller auf das beste entsprach;^) allein ftoch immer
wollte die Wiener Regierung keinen Schritt unternehmen, dej' sie
der Gefahr eines Konfliktes mit Ludwig XIV. aussetzte. Uftd
wenn auch das Drängen der Spanier, die ein starkes Interesse
daran hatten, den Kaiser in die Tripleliga aufgenommen {u
sehen, Leopold L ^ dem Versprechen bewog, das von den See-
mächten geforderte Bündnis mit den Kurfürstefi von Main^ und
Trier, mit dem Lothringer und anderen Fürsten ^ schliessen
und über seinen Beitritt ^r Tripleliga ernstlich ^u verhandeln,
so geigen doch die Gutachten der massgebenden Minister, dass
man es am Wiener Hofe trot^ alledem durchaus nicht eilig
hatte.
Nur langsam entschloss man sich ^ir Absendung geeig-
neter Persönlichkeiten an die verschiedenen Höfe und warnte
Lisola immer wieder vor übereilten Schritten. Unter diesen Um-
ständen blieben alle Bemühungen des kaiserlichen Gesandten
erfolglos. Am i.funi 1670 schloss Karl II. mit Ludwig XIV. ab,
im Herbste desselben fahres überfielen die Franzosen Lothringen
Jet^t begannen die Spanier ängstlich ;ftt xverden und drängten
*) Vgl. den Abdruck im Anhange Nr. /.
10*
1^8 Einleitung.
Leopold L sich ^ entscheiden. Allein min stellte der englische
König Forderungen, die deutlich erkemien Hessen, dass er den
Eintritt des Kaisers in die Tripleliga ju hintertreiben wünschte,
und die Art und Weise, wie er die neuen von Lisola^) und de
Witt entworfenen Vertragsprqfekte beantwortete, Hessen keinen
Zweifel mehr daran übrig, dass die Verbündeten auf eine Mit-
wirkung Karls IL im Kampfe gegen Ludwig XIV, nicht rech--
nen durften. Im Februar 167 1 riet Lisola dem Kaiser den Ge-
danken des Eintrittes in die Tripleliga fallen ^t lassen und
nach dem Abschlüsse besonderer Bündnisse mit den General-
Staaten, den Reichsßirsten, Schweden und Spanien den Kampf
mit Frankreich aufzunehmen. Allein auch das(u wollte sich der
Kaiser nicht entschliessen, und je deutlicher die Kriegsvorberei-
tungen Ludwigs XIV erkennen Hessen, dass sein nächster Feld-
\ug sich gegen die Niederländer richten werde, desto fester
wurde des Kaisers Vorsat\, sich ^m Bruche mit Frank-
reich nur dann treiben ^u lassen, wenn er mit grosser Wahr-
scheinlichkeit auf einen Erfolg im Kampfe mit diesem furcht-
baren Gegner rechnen konnte. Da aber die Hältung der Mehr-
zahl der deutschen Fürsten, das ^eideutige Benehmen der
Schweden und die Zurückhalung der Spanier die Aussichten
auf einen erfolgreichen Krieg mit Frankreich äusserst gering
erscheinen Hessen, entschied sich Leopold — Ende 167 1 — ,
dem Rate der an seinem Hofe mächtigen Friedenspartei folgend,
wenn auch schweren Hertens, Jür den Abschluss mit Frank-
reich und damit für die Neutralität in dem bevorstehenden
französisch-niederländischen Kriege.
Es mag ein stolzes Gefühl für Ludwig XIV. gewesen
sein, dass ein Mitglied der Tripleliga, Karl IL von Eftgland,
als sein Bundesgenosse an dem Kampfe teilnahm, den er
im Jahre i6y2 gegen die Niederländer — das ijweite Glied dieses
Bundes — mit glücklichstem Erfolge begann, während das dritte,
der König Schwedens, eine dem erobernden Franjosenkonige
günstige Neutralität beobachtete. Aber noch grössere Genug-
tuung mochte er darüber empfinden, dass Fürsten des deutschen
Reiches an seiner Seite kämpften, dass der römische Kaiser
deutscher Nation, der mächtige Repräsentant des Hauses
Habsburg, den Arm flicht erhob, um seinen Eroberungspig ^
*) ygl* Prihram Lisola 49 '^ Antn.
Einleitung. l^^
hemmen. Sein Glück voll :j[u machen, fehlte nur eines, die Zu-
stimmung der Spanier. Allein hier scheiterten seine von klin-
gcftder Münje so wirksam unterstützten Bemühungen; die
Grösse der Gefahr half der Kriegspartei dort \um Siege. Ge-
rade in den Tagen, da die Abmachungen in Wien getroffen
wurden, die Ludwig XIV. vor einem Bündnisse des Kaisers mit
den Niederländern sicherte, fanden im Haag die entscheidenden
Beratungen statt, die \um Bündnisse vom. i6. De\. i6yi führten,
durch das sich Spanien und die Generalstaaten ^u gegenseitiger
Hilfe gegen einen französischen Angriff verpflichteten. Ver-
gebetis suchte Ludwig XIV. von seinem Bundesgenossen, Karl II.
von England^ unterstützt, die Spanier durch weitgehende ^Kon-
zessionen z^m Wechsel ihrer Politik fw bewegen. Sie blieben
ihrem Verbündeten treu, lehnten die Vorschläge der Franzosen
und Engländer ab und begannen sich Jür den Kampf gegen
die Feinde zu rüsten. Es war selbstverständlich, dass sie unter
diesen Umständen lebhafter als je in den Wiener Hof drangen,
sich dieser Bewegufig anzuschliessen. Sie fanden auch diesmal
ein williges Ohr. Leopold I. wusste^ dass sein Vorgehen weder
seiner Würde, noch seinen Interessen entsprach, und war nach
wie vor der Überzeugung, dass ein energisch geführter Krieg
gegen Frankreich Not tat. Auch war er jetzt wie früher z^r
Anteilnahme an diesem Kampfe entschlossen; was er forderte,
war xüiederum Gewissheit darüber, dass er nicht allein die Last
des Krieges werde tragen müssen.
Es hat lange gedauert, bis es gelang, die einzehun Staaten,
mit denen die auf Schliessung von Bündnissen gerichteten Ver-
handlungen gepflogen wurden, zu den notwendigen Konzessionen
ZU bewegen, und diesem Zörgem der beteiligten Mächte ent-
sprach die langsame Schwenkung des Kaisers in das Lager der
aktiven Feinde Ludxvigs XIV. Dem Bündnisse mit dem Kur-
fürsten von Brandenburg — Sommer 1672 — der freilich vor-
übergehend wieder aus der Reihe der gegen Frankreich käm-
pfenden Fürsten ausschied, folgte die Einigung mit den General-
staatett — Dez. ^^7^ — ^^ dieser — Ende August löyj — die
entscheidenden Abmachungen mit den Spaniern, Lothringen
und Sachsen.
Zum ersten Male hatte sich eine europäische Koalition,
protestantische und katholische Fürsten umfassend, in dem Be-
streben zusammengefmiden, den Störer des europäischen Gleich-
jtzQ Einleitung.
gewichtes mit gemeifisamen Kräßen lurückfuxveisen. Es war
daher selbstverständlich, dass die Feinde Frankreichs bei ihrem
Bestreben, Bundesgenossen für den Kampf gegen diese Macht
\u gewinnen, sich auch mit der Frage beschäftigten, ob es
nicht möglich sein sollte j den englischen König fw einem
Wechsel seiner Haltung ^ vermögen. Wie stark die Abnei-
gung der überwiegenden Mehrzahl der Engländer gegen die
französische Allianz war, davon gaben die Äusserungen des
Parlamentes und zahlreiche Schriften aus den Reihen der ver-
schiedensten Parteien und Volksklassen unzweideutige Beweise.
Es war nur die Frage, ob man abwarten sollte, bis die Macht
der öffentlichen Meinung den mit seinem Parlamente Mißfal-
lenen, von Frankreichs Subsidien abhängigen Monarchen nö-
tigen werde seine Politik ^u ändern, oder ob man durch
weitgehende Versprechungen an Karl II. dessen Übertritt in
das Lager der Franzosenfeinde beschleunigen sollte. Niemand
war ein entschiedenerer Vertreter der letzteren Ide^- als Lisöla,
der unablässig den Spaniern, den Niederländern und dem, Kai-
serhofe die Notwendigkeit vorhielt^ England selbst unter grossen
Opfern für die Koalition ;f« gewinnen^ wid seine zahlreichen
Verbindungen mit Engländern der verschiedensten Parteien
dazu benützte, im Parlamente und am Hofe Karls II. die Mei-
nung zu verbreiten, dass der Kaiser und seine Verbündeten den
Übertritt des englischen Königs mit Freuden begrüssen und ihm
goldene Brücken bauen würden. Im Sinne der Ideen jener Zeit
hielt Lisola die Heirat des im fahre i6yi Witwer gewordenen
Bruders und Thronfolgers Karls II, fakobs, mit der österreichi-
schen Prinzessin Claudia Felicitas für eines der wirksamsten
Mittel, die Umkehr des englischen Königs ;fw beschleunigett.
Schon im Herbste 1671 hatte er seinem Hofe diese Gedankeft
eröffnet und die Verhandlungen begonnen. Allein erst im
Herbste i6y2 waren dieselben soweit gediehen, dass die kaiser-
lichen Minister — Fürst Lobkowitz und Baron Hocher — und
der Vertreter der englischen Brüder, Bemard Gasconi, den
Heiratskontrakt unterzeichnen konnten, nach dem — die Gut-
heissung aller Betheiligten vorausgesetzt — die Vermählung des
katholischen Thronfolgers von England mit dem Mündel Kaiser
Leopolds I. stattfinden sollte.^) Unzweifelhaft hat die Hoffnung,
') Das Projekt vom Sept. 1672 befitidet sich nebst zahlreichen anderen
auf diese Ehe be\ughabenden Dokumenten im St.-A.
Einleitung. I c i
auf diesem Wege dem Katholi^mus einen festen Halt im In-
selreiche pi geben, mächtig auf die Entschliessung des öster-
reichischen Herrschers eingewirkt, allein ebenso sicher auch
die Erwartung, dass Karl //. seifte politische Haltung nach
erfolgtem Abschlüsse der Heiratstractate ändern werde. In die-
sem Sinne war sogar in den Ehevertrag , dessen Gutheissung
und Unterzeichnung auch von Leopold L ufid Karl //. gefordert
wurde, ein besonderer Paragraph aufgenommen worden, durch
den die beiden Fürsten, um die fischen ihnen bestehende Freund-
schaß um so fester und dauenider ^u gestalten, in ihrem und
im Namen ihrer Nachfolger, das Versprechen gaben, dem-
jenigen Könige oder Fürsten, der einen von ihnen mit den
Waffen angreifen sollte, nicht nur ernstlich von jeder Feind-
seligkeit [abtraten, sondern auch dem verletzten und ange-
griffenen Freunde Tjur Zurückweisung der Unbill Hilfe ^u lei-
sten. Auch verpflichtete diese Abmachung Karl //. — falls
er und Ludwig XIV, mit den Generalstaaten Frieden schlies-
sen sollten — ernstlich auf der Aufnahme des Kaisers in die-
sen Vertrag pi bestehen,^) Allein soweit wollte die englische Re-
gierung nicht gehen, da sie vorerst an eine Lösung ihrer Bezieh-
ungen 7ju Frankreich nicht dachte, und so musste Gasconi im
Dezember i6j2 erklären, dass Karl wohl gerne bereit sei, die Auf-
nahme des Kaisers in einen eventuellen Frieden mit den General-
staaten durch^set^en und sich auch \ur Garantie des Aachner
Friedens verpflichten wolle, es aber für unange^eigt halte, bei
den gegenwärtigen Verhältnissen derlei Versprechen in Form
eines Artikels im Vertrage Tjum Ausdrucke \u bringen!^) Leo-
pold war über diese Äusserungen Karls IL ungehalten, erklärte
sich aber im Laufe der Verhandlungen da^i bereit, die Strei-
chung dieses politischen Artikels in dem Heiratsprojekte ^ ge-
statten, falls die in demselben getroffenen Bestimmungen in
') Vgl. Jen Abdruck des auf diese Dinge be\ugnehmenden Artikels des
Heiratsvertragsprojektes im Anhange \u diesem KapiteL
•) Die Berichte Gasconis befinden sich im /?. O. Gasconi selbst fand die
Forderungen des Wiener Hofes, soweit sie das Bündnis mit dem Kaiser be-
trafen, sehr bescheiden (Bericht d, d, i6. Okt, 1672. R. O,) und meinte, was das
mit den Spaniern betreffe „I could not see any thing to replye upon ist*, da
Österreich die Engländer ^u nichts anderem verpflichten wolle, als ^ur Kon-
firmation dessen, was sie bisher geleistet hätten und fDO^u sie durch den Aachner
Frieden verpflichtet seien.
1^2 Einleitung.
einer ^u gleicher Zeit ^ unterzeichnenden besonderen Urkunde
^m Ausdrucke gelangen sollten.
Auf dieser Grundlage wurden in den ersten Monaten des
Jahres 167^ die Verhandlungen bis hart an das Ende gejährt.^)
Da starb die Gemahlin Leopolds L, die Spanierin Maria Mar-
garethe, und Claudia Felicitas trat als Brautkandidatin für den-
verwitweten Kaiser bald derart in den Vordergrund, dass an eine
Vollp'ehung des englich-österreichischen Heiratskontraktes nicht
mehr |w denken war. In der Tat entschloss sich Leopold auf
das unablässige Zureden seiner Familie und seiner persötilichen
und politischen Freunde bereits im Sommer 167^ eine neue Ehe
mit Claudia Felicitas einzugehen. Und da neuerliche Verhand-
lungen, in denen es sich um die Hatid der Schwester Leopolds L,
Eleonore, für Jakob handelte, an der Weigerung Karls und
Jakobs scheiterten, auf die Freundschaß Ludwigs XIV. jpi ver-
nichten, Jakob sich bald darauf mit der ihm von Ludwig XIV.
empfohlenen Prinzessin Maria von Modena vermählte, sank für
den Kiiser die Hoffnung, auf diesem Wege den so sehnlich
gewünschten Wechsel der politischen Haltung des englischen
Hofes herbeizuführen. Allein bald darauf bewirkte die öffent-
liche Meinung in England und das entschiedene Vorgehen des
wiedereinberufenen Parlamentes, was dem Drängen der Ver-
bündeten nicht gelungen war. Bereits am 19. Februar 1674
schloss England mit den Generalstaaten seinen Frieden und
Karl II. musste sich sogar ^^ur Gutheissung eines geheimen Zu-
sat^artikels verstehen, durch den die Vertragschliessenden sich
verpflichteten, die gegenseitigen Feinde nicht ^u unterstät[en.
Doch nur äusserlich hatte der Friede von Westminster die
Allianz der Könige von England und Frankreich gelöst; im
Grunde seines Hertens blieb Karl IL dem Fran^osenkönige,
dessen freigebige Hand er kannte und noch oft ^ benüt[en
dachte, freundschafilicher gesinnt, als den Generalstaaten und
dem Kaiser. Dass er in den nächsten Jahren unermüdlich im
Interesse des Friedens tätig war, lässt sich mit dieser An--
schauung sehr gut vereinbaren; auch Ludwig XIV. wollte den
Frieden, nur sollte ihm derselbe den Besit^ der neuerworbenen
*) Akten im St.-A. und im R. O. In letzterem Archive befindet sich auch
die Vollmacht d. d. 27. Febr. löy^ für Henry Birl of Peterborough, der ah
ausserordentlicher Gesandter in Wien den Heiratskontrakt abschliessen sollte»
Einleitung. I c^
Gebiete sichern, und Karl IL glaubte von Ludwig XIV. auf eine
um so ausgiebigere Unterstützung gegen die inneren Feinde
rechnen ^ dürfen, je günstiger der Friede war, der unter seiruer
Vermittelung mit Frankreich zustande kam. Die Generalstaaten
säumten nicht die Friedensvermittelung Karls IL einzunehmen,
dagegen Tjpgerte Kaiser Leopold I. ein gleiches tju thun. Denn
man war am Wiener Hofe mit dem Vorgehen Karls IL durch-
aus nicht einverstanden; man tadelte, dass englische Truppen
an der Seite der Franzosen gegen den Kaiser kämpften; man
murrte darüber, dass Karls IL Vertreter auf dem Kölner Frie-
denskongresse auch nach dem Abschlüsse des Westminster Ver-
trages mit den Fran:{osen stimmten; man jürnte ihm, weä er
mit |w den ersten ^dhlte, die gegen die Gefangennahme des
Landgrafen Wilhelm von Fürstenberg protestierten und weil
er seit der Überführung dieses französischen Mietlings nach
Wien unermüdlich für dessen Freilassung eintrat. Das Miss-
trauen Kaiser Leopolds /. in die Aufrichtigkeit der Gesinn-
ung Karls LL. war nicht unbegründet. Während er als Frie-
densvermittler vor Europa auftrat und nicht müde wurde von
seiner Unparteilichkeit und ernsten Friedensliebe :ju sprechen,
geigte er bei den Verhandlungen, die im Laufe des Jahres 167 j;
in London und an anderen Orten im Sinne einer Einigung
geführt wurden, entschieden Neigung, die Interessen Lud-
wigs XIV. mehr als gebührlich \u vertreten, löste Ende des Jahres
167$ das Parlament auf, in dem Ludwig XIV. das stärkste
Hindernis eines ihm vorteilhaften Friedens erblickte, und schloss
im Februar i6y6, als Pensionär Frankreichs, mit Ludwig XIV.
einen Vertrag, der ihn verpflichtete, nur in dessen Gemeinschaft
mit den Generalstaaten oder irgend einer anderen Macht Ver-
einbarungen :pi treffen. Zu gleicher Zeit hatte er, um den Frie-
denskongress zustande ^ bringen, während dessen Dauer ihm
eine seinen besonderen Interessen förderliche Rolle \ufallen
musste, die Schwierigkeit ^u beheben gesucht, die dem Beginne
der Kongressverhandlungen dadurch im Wege standen, dass
Ludwig XIV. die Freilassung des in Österreich gefangen ge-
haltenen Fiirstenbergers als Vorbedingung für die Absendung sei-
ner Vertreter nach Nimwegen forderte, während der Wiener Hof
von einer Nachgiebigkeit in dieser Frage nichts wissen wollte
und die darauf gerichteten Versuche Karls IL in schroffster
Form zurückwies. Wohl gelang es dem englischen Könige einen
fc^ Einleitung.
Ausweg lu finden, indem Ludwig XIV. sich auf die von England
veranlasste Bitte des Bischofs von Strassburg, des Bruders Wil-
helms von Fürstenberg, um des allgemeinen Friedens willen von
der früher gestellten Bedingung abzusehen, ^ur Beschickung
des Friedefiskongresses entschloss; allein vergebens bemühten
sich Karl IL und seine am Wiener Hofe wirkenden Vertreter,
Ducker und Skelton, bei Leopold die Erfüllung jenes Verspre-
chens durchsetzen, durch das Karl IL den Bischof von Strass-
burg bewogen hatte, jeyie Komödie \u spielen, des Versprechens,
den gefangenen Fürstenberger unmittelbar nach dem Beginne
der Nimweger Friedensverhandlungen einem neutralen Fürsten
— auch Karl bezeichnete sich als solchen — f« übergeben. *)
Dass die Verhandlungen ^^ Nimwegen Ende des Jahres
1676 begonnen werden konnten, war immerhin ein Erfolg, an
dem sich Karl IL einen Anteil j^chreiben konnte. Doch Hessen
schon die ersten Beratungen, die daselbst stattfanden, erkennen,
dass nicht am Kongressorte, sondern an den Höfen der mass-
gebenden Mächte die Entscheidung fallen werde. Aus diesem
Grunde und im Hinblicke auf die Erfolge, die Ludwig XLV.
im Jahre i6y6 den Verbündeten gegenüber errungen hatte, ent-
schloss sich Leopold auf die Aufforderung der Generalstaaten,
einen Bevollmächtigten an den Hof Karls LL i[u senden, um
hier in Gemeinschaß mit den übrigen Gegnern Frankreichs
die allgemeinen Lnteressen wahr^wiehmen. Die Instruktion,
die Graf Waldstein mitbekam,^) ^eigt, dass Leopold an die Mög-
lichkeit eine grosse Allianz g^g^^'^ Ludwig XIV ^(ustiznde ^u
bringen, an der auch England teilnehmen sollte, nicht recht
glaubte. Wohl gab er dem Grafen die Vollmacht, einen solchen
Vertrag ab^uschiessen, allein er legte das Hauptgewicht darauf,
Karl IL von dem Eigennütze und der Eroberungslust Lud-
wigs XIV. fw überzeugen, dem Ausgleiche ^wischen König utid
Parlameftt und dem Abschlüsse eines gerechten Friedens das
Wort z^c reden.^) In der Tat blieben die Bemühungen jener
Männer, die Karl IL ^^i überzeugen suchten, dass nur ein
*) Die Berichte Duckers und Skeltons im R. O. enthalten eine Fülle in-
teressanter Mitteilungen über die in der Fürstenbergerfrage stattgehabten Ver-
handlungen.
«) Instruktion für Karl Graf von Waldstein 6, Mär\ i6yy. St-A, Aus-
^ug bei Klopp /. c, IL ^4 /".
'') Vgl die Weisungen Leopolds L d. d, 5. und 20. Juli 1677 SL-A,
Einleitung. ice
energisch geführter Krieg den Fran^ösenköfdg ^ einem billige
Frieden bewegen könne, ohne Erfolg, obgleich das englische
Parlament in der entschiedensten Weise den Bruch mit Frank-
reich und den Abschluss entsprechender Bündnisse mit den
Feinden dieser Macht forderte.^)
Noch einmal siegte das Geld Ludwigs XIV über die bessere
Einsicht; Karl IL vertagte das Parlament, hielt die Vertreter
der verbündeten Mächte hin und nahm weitere Sübsidien von
Frankreich, die nicht ohne entsprechende Gegenleistungen ge-
währt wurden. Und wenn er auch bald darauf, dem unwider-
stehlichen Drucke der öffentlichen Meinung folgend, einen
Wechsel in seiner Haltung vollzog, der in der Vermahlung
des Prinzen Wilhelm von Oranien mit Karls IL Nichte Marie
seinen Ausdruck fand, wenn er auch imfanuar 1678 — nachdem
Ludwig XIV. die von Karl IL vorgeschlagenen Friedensbedingun-
gen, obgleich sie günstig genug für ihn waren, ^rückgewiesen
hatte — sich ^m Abschlüsse eines Vertrages mit den Generalstaa-
ten verstand, der die Beendigung des französisch-spanischen Krieges
jum Zwecke hatte, ^) so blieb er doch im Grunde seines Hertens
einem Kriege mit Ludwig XLV abhold. Vergebens drängte das
neuerlich einberufene Parlament ^m offenen Bruche mit Frank-
reich, vergebens versuchten die kriegerisch gesinnten Vertreter der
Verbündeten ihren Einfluss in diesem Sinne geltend ^ machen.
Karl IL liess sich i^war in Unterhandlungen mit ihnen ein,^)
') über die Be^hungen Waldsteins :^ verschiedenen Parlamentsmitglie-
dern enthalten Waldsteins Berichte St.-A, zahlreiche Mitteilungen,
■) Dieser Vertrag ist unter dem Datum 10, Jan. 1678 n. st, u. a, ge-
druckt bei Dumont l, c, Vll\i ^41 f> 2 Separatartikel beschäftigen sich mit der
näheren Erläuterung der Spanien und Lothringen \u gewährenden Entschädi-
gungen. Beglich Kaiser und Reich liegt eine Erklärung der Geruralstaaten
vor, in der es heisst, da im ersten Artikel des englisch-staatischen Vertrages die
Frage bezüglich der Rückgabe der von Frankreich eroberten Gebiete, soweit es
Kaiser und Reich betrifft, nicht klar genug erörtert ist, erklären die staatischen
Vertreter, dass ihre Meinung die sei „quod omnia oppida et loca pertinentia ad
imperatorem, imperium et principes imperü, quae rex christianissimus durante
hoc beüo occupavit eidem imperatori, imperio et principibus imperü restituentur,
Haag 16.I26. Jan. 1678. St.-A,
•) Vgl. die Berichte Waldsteins vom Jahre 1678 St.-A, Aus den Wei-
sungen des Kaisers an Waldstein ist \u ersehen, dass man am Wiener Hofe
an das Zustandekommen einer Allianz nicht recht glaubte; u. a, $. Jan., 14. Feb.,
^. Märi 1678 St.-A.
I cg Einleitung.
erklärte sogar Anfang April 1678 seine Gefieigfheitf mit dem
Kaiser, Holland und Spanien eitie gegen Frankreich gerichtete
Allianz |T/ schltessen;^) aber er ^og, in seinen Planen unter-
sti£t:(t durch die grosse für einen Separatfrieden mit Frankreich
mrketrde Partei der Niederländer, die an van Beuningen einen
eifrigen Förderer ihrer Wünsche hesass, die Verhandlungen
hin und unter leichnete int Mai i6y8 einen mmen Vertrag mit
Ludwig XIV, der ihm ^ar reichliche Subsidien einbrachte,
seine Teilnahme an einem Kriege gegen die Franiosen aber
unmöglich machte* Dass er am selben Tage, da er diesen Geld-
vertrag unterzeichnete, dem kaiserlicfu^n Gesandten, der ihn {i/r
Teilnahme am Kampfe gegen Ludwig XIV aufforderte- und an
sein gegebenes Versprechen erinnerte eituT darauf gerichteten
Allianz beizutreten, ^u erwidern wagte, er beharre atif diesem Ent-
schlüsse und müsse die Schuld an der Verzögerung des Abschlus-
ses dem Verhalten des englischen Parlamentes und den Nie-
derländern beimessen, entsprach ganz ^t'i>ii'm Plane, sich die
Möglichkeit des Übertrittes in diis Lager der Franzosenfeinde
1) Walästein übersandte am 35- Af^ril die von Karl IL /ür seifir lum
Ahschhisse eines Bündnisst*s Bevoilmächtigten ^im 3J. Mär{ 16^8 misgesteUtt
Urkunde; St.-A, Es keisst in derselben: Quum id maxinte requirere videatur
höJiertius reruni statuSj ut arctior unio et confoederdtio tnter nos et S^^*^^ pßtm^m
atque /flü"^™ priticipem Leapoidum Romanorum imperaton^m scmper irugustmn
gi 5toum ^j^ ^/miim principem domimtm Carolum secnndum regem Hispaniarum et
demntn ittter nös et celsos ac prtiepotefites dorn mos ordines generales füederati
Belgii connectatur, quo melius damimörum et statu um respeetive nostrorum de-
fcnsioui provideri et malist quibus belli iam flagrautis incendium rem christian.nn
t&m täte populatur^ remedmm tandem (voUnte deo optimo mäximoj adliiben
passiti quumque praememoratae sacrae C>*« M^* ablegatus a^pud nos residens,
iili*stris et generös us camerarius ipsius et consiliarius imperiiilis aulicus nee
n&n aiigustae imperatrLis daminite mjtris suvu amantissimae suprcmus stabuli
praefectus, Oirolus Ferdinandus comes a Waldstein , aurei veileris eques et prae-
memaraii Ser^^ regis Hispanitjrum ablegatus extraordiuarius mafckio de ßor-
goniainero itemque praemetnoratarum D. Z>. ordinum generalium legatus ad nos
extr^iordinariuSf dominus Conradus van Beuningen ^ per memoralia sua mtbis
exkibita signific averint f praefatos resp^ctiv^ dornt nos suos talent unionetn et con^
foederaHonem nobiscum inire cuper t^, seque praedictos miuistros tractatttm in eos
fines necessarium confieiendt pkna potestite et anthoritate munitos esse; nos qui'
dem huic propositiom non minus (uti videtur) neeessariae quam citristianis prin-
cipibus dignae lubenter accedentes de et super eiusmodi arctior i confoederatione
tractare paratos nos esse dedarämus*
Einleitung. tcf
offen pi haltend) In der Tat schien es einige Zeit, als werde
die Haltung Ludwigs XIV, ihn \ii diesem Entschlüsse fingen.
Denn je mehr die Furcht des Fran^osenkönigs vor einer all-
gemeinen Allianz seiner Feinde schwand, desto geringere Nei-
gung \eigte er auf die Bedingungen einzugehen, die ihm sei-
tens der Niederländer für den Abschluss eines Separatfriedens
gestellt wurden, ^ dem sie sich, dem Vorgehen Karls II miss-
trauend, entschlossen hatten.
Seine Weigerung, die 6 belgischen Städte — ^ deren
Übergabe er sich in seinem Vorschlage vom 75. April 1678 be-
reit erklärt hatte — herauszugeben, bevor sein Verbündeter, der
Schwedenkönig, die im Laufe des Krieges verlorenen Besitzungen
wieder erlangt haben würde, rief eine derartige Erregung in
den Niederlanden hervor, dass die Kriegspartei wieder die Ober-
hand erlangte und neuerdings den Versuch unternahm, die
Engländer :fwr Teilnahme an dem Kampfe gegen Ludwig XIV,
ZU bewegen. Wieder wurden in London mit den Vertretern
Hollands, Spaniens und des Kaisers Allianzverhandlungen ge-
führt und xvieder erklärte Karl II, er sei fe/m offenen Kampfe
gegen Frankreich bereit, falls dieser auf die Forderungen der
Niederländer nicht eingehen sollte. Der kaiserliche Gesandte
kannte seinem Hofe nicht genug von dem Eifer melden, den
der König und dessen Bruder in diesen Wochen für die Interessen
dei^ Franzosenfeinde f^/^w. Mit Ungeduld erwartete er die
Vollmacht, um das vom Kaiser so lange gewünschte Bündnis
zum Abschlüsse z^i bringen, Ende fuli langte die Nachricht in
London ein, dass im Haag ein Abkommen unterzeichnet worden
sei, durch das sich England und die Niederlande zt^r Kriegs-
erklärung an Frankreich verpflichtet hätten, falls dieses bis z^m
II, August von seiner im Interesse Schwedens gestellten For-
derung nicht ;f«r//^Ä/r^fen sollte. Man war aufs höchste ge-
spannt; allgemein wurde der baldige Ausbruch des Krieges er-
wartet Waldstein zählte die Stunden, die bis zum Einlangen der
kaiserlichen Weisung verfliessen mussten. Am 19, August trat
er, mit den ausgiebigsten Vollmachten z^m Abschlüsse eines
Offensivbündnisses gegen Ludwig XIV, ausgestattet, vor Karl II
«) Vgl, Waldsteins Berichte vom April— Juni 1678 St-A,; Aus^e bei
Klopp l. c, II, 104 ff.
1^8 Einleitung.
Es war ^ spät. Karl IL konnte darauf hinxixnsen, dass
die Generälstaaten vor xjoenigen Tagen einen Separatfrieden mit
Ludwig XIV, geschlossen hätten, nachdem dieser sich der For-
derung gefügt habe, deren Ablehnung die Engländer und Nie-
derländer \ur Eröffnung der Feindseligkeit gezwungen haben
würde. Als Waldstein von der Notwendigkeit sprach, auch
ohne die Niederländer den Kampf gegen Ludwig XIV. auf^i-
nehmen und eine englisch-spanisch-kaiserliche Offensioliga vor-
schlug, lehnte Karl IL eine solche ab, da in diesem Falle der
Übergang der Niederländer ins Lager der Franzosen f« be-
fürchten sei und sprach für eine Einigung, deren Zweck die
Sicherung des Friedens sein sollte. Es war nach diesen Worten
klar, das Leopold I. in einem\Kriege gegen Frankreich auf die
Mitwirkung Karls II nicht rechnen durfte. Bald darauf er-
fuhr man in Wien, dass auch die Spanier sich mit Frankreich
geeinigt, ihren Separatfrieden mit dieser Macht geschlossen
hätten. Unter diesen Umständen hielt Leopold, trot\ aller Er-
mutigung seitens Brandenburgs, die Fortsetzung des Kampfes
gegen Ludwig XIV. für nub(los und untunlich. Am 5. Februar
1679 unterzeichneten die österreichischen und die französischen
Unterhändler ^ Nimwegen den Vertrag, der dem lange und
erbittert geführten Kriege ein vorläufiges Ende machte.
Beilagea
1.
Projekt eines Bündnisses fischen Leopold L und seinen Ver-
bündeten einerseits und England, Holland und Schweden an-
derseits; sine dato.
(St'A. Beilage ^um Berichte Lisola's d. d. 1669 Febr. 7J
Notum Sit Omnibus, quod cum Ser°^°» rex ac Pot"~
dominus Leopoldus I etc. intellexisset, quod uniti triplicis foer
deris reges ac potentatus, scilicet Pot™"' ac Ser™™ etc.*), post
pacem officiis suis inter Coronas Hispaniae et Galliae resti-
') England, die vereinigten Niederlande und Schweden.
Einleitung. 159
tutam de eadem lirmis fundamentis stabilienda Hagae Comitis
inter suos aliorumque principum ministros maturam inirent de-
liberationem, praefata sacra C«* M^^ in eodem conservandae et
asserendae pacis studio nemini cedere cupiens nihil ex parte sua
praetermissum voluit, quo tantum opus toti reipublicae chri-
stianae saluberrimum posset ad maturitatem perduci et sua
suorumque foederatorum infranominandorum interventione cor-
roborari, ad quod nomine suo peragendum Franciscum de Li-
sola deputavit, qui debita plenipotentia instructus cum mini-
stris altememoratorum regum ac statuum ad hoc destinatis et
idonea etiam facultate munitis, scilicet etc., praesenteni con-
ventionem inivit, his quae sequentur conditionibus.
I. Sit maneatque firma ac reciproca unio inter sacram C®*™
Mtem eiusque foederatos scilicet etc.^), ex una et Ser™^ reges etc,
ex alia partibus, ut alter alterius commoda curet, damna de-
clinet nihilque in alterius praeiudicium fieri patiatur.
IL Cum ad firmitatem pacis Aquisgranensis nihil conduci*^
bilius Visum fuerit praememoratis potentatibus triplicis foederis,
quam si instrumentum guarantiae in amplissima forma concep-
tum et ab eorundem plenipotentiariis die etc. anni currentis
subscriptum Ser™« ac Pot™^ Hispaniarum ac Indiarum regi —
iuxta promissum ipsi ante pacis conclusionem ab iisdem so-r
lemniter praestitum — extraderent, quo universam hispanicae
monarchiae molem complectuntur et ad eam contra quoscun-
que pacis Aquisgranensis violatores armis suis defendendam ob-
ligantur, sacra C^ M*** una cum praememoratis suis foederatis
eandem guarantiae obligationem hoc praesenti instrumento in
se suscipiunt cum clausulis ac conditionibus in ea contentis, et
ad eam realiter et bona fide adimplendam sese obligant
in. Quandoquidem in praefato guarantiae instrumento
specialiter designatus est numerus et qualitas auxiliorum a quo-
libet praefatorum triplicis foederis potentatuum qua terra qu^
man suppeditandprum, similiter sacra C®* M*»^ promittit se in
omni casu, quo contra pacem Aquisgranensem regna aut pro-
vinciae monarchiae hispanicae armis invaderentur, associaturam
arma sua cum altememoratis triplicis foederis principibus et
I
*) Gemeint waren die Kurfürsten von Main^ und Trier und der Herzog
von Lothringen ; vgl, den Bericht Usola's d. d. 7. Febr. 1669 und Pribram U"
sola p, 462,
I^O Einleitung.
exercitum . . . millium peditum et . . . millium equitum re tof-
mentaria aliisque necessariis instructum submissuram, qni iuxta
rerum exigentiam communicatis cum eisdem principibus con-
siliis in communem finem et cx)ntra communem hostem opera-
buntur, donec pax cum omnium interessatorum inclusione fuerit
restituta.
IV. Similiter praefati Ser°»* principes ac electores iisdem
caesareis copiis accedent cum exercitu . . . millium peditum et . . .
equitum cum idoneo omnium necessariorum apparatu, et eadem
qua supradictum est ratione in communis causae utilitatem ra-
tiones suas instituent.
V. Cum ad hoc debite et ea qua par est celeritate per-
ficiendum necessarium sit, ut praefati electores etiam tempore
pacis instructas habeant copias, quae ad omnem exigentiam
aiunctae sint, tum etiam ut a repentinis irruptionibus, quibus
in odium huius conventionis obnoxii esse possent, debite prae-
serventur, conventum est, quod eorum quilibet . . . pedites et . . .
equites in propriis dominus suis quam citissime fieri potent
colliget ac sustentabit, et vicissim ad sublevanda horum sump-
tuum onera assignabuntur ipsis congrua subsidia speciali con-
ventione cum ipsis ineunda ea conditione, ut praememoratae
copiae ad omnem ruptae pacis vel viae facti quocunque prae-
textu intentatae occasionem copiis caesareis se coniungant, vel
prout ratio bellica ex sociorum consilio requirere iudicabitur in
commimes usus operentur.
VI. Si pendente bello contingerit, ut occasione praestiti
hispanicae monarchiae auxilii aliqua ex praemeroratis potentiis
armis hostilibus in propriis suis regnis aut provinciis invadatur,
caeteri omnes foederati ipsi necessarias sine mora submittere
tenebuntur suppetias, prout tunc rerum Status et necessitas
postulabunt et in iisdem conditionibus, de quibus in proiecto
guarantiae hispanicae conventum est.
Vn. Neutra partium absque scitu alterius de pace agere
multo minus concludere potent cum hoste communi eiusque
foederatis, sed invicem tenebuntur in pacis tractatibus mutuam
securitatem et indemnitatem procurare cum reciproco inter se
guarantiae nexu, nee arma prius deponent, quam omnia in pri-
stinum statum prout ante bellum extiterant ad minimum fuerint
restituta.
filinleitung. t^ t
2.
Prqfectumpactortim dotalium inter duceni Eboracensem etarchi-
dticissam Chudiam Felicem ah Inspnick, (St-A)
§ 25- Quin etiam, ut eo magis firma et perpetua inter im-
peratorem et regem Angliae maneat amicitia, mutuo promittunt
ambo principes tarn suo quam successorum suorum nomine,
quod si quem illorum quispiam regum aut principum alterum
armis aggrederetur, in talem eventum alter laedentem et ag-
gressorem non solum ut ab omni hostilitate desistat serio ad-
hortetur, sed etiam si non destiterit omni possibili modo laeso
et invaso ad propulsandam iniuriam assistat; quin etiam, si con-
tingeret pacem inter Angliae et Galliae reges et unitos Belgii
ordines concludi, inter pacis consortes denominet rex Angliae
ex sua parte imperatorem, et hoc pacificationi diserte inseri
curet.
Atque cum caesari aeque sit cordi conservatio amicitiae
et bonae corrispondentiae inter austriacam domum regis Hi-
spaniae sui nepotis et aliam Britanniae regis ac suae ipsius,
occasione huius matrimonii ab Hispaniarum regina eins sorore
ipsi propositi desideravit caesar a rege Angliae, quod novo hoc
ductus vinculo denuo confirmaret guarantiam pacis Aquisgra-
nensis hucusque ab ipso Angliae rege religiöse conservatam;
hinc est quod rex Angliae ad denotandum amorem suum erga
caesarem et desiderium veniendi in eins voluntatem vigore
huius capituli denuo confirmat supradictam guarantiam Aquis-
granensem et promittit ipsi caesari non solum omnera operam
suam impensurum, ut pax illa duret illaesa, sed armis etiam
suis si opus fuerit sine omni exceptione propugnaturam et de-
fensuram, ut in ipsa pace Aquisgranense magis patet, salva^)
tamen quoad hoc ultimum punctum ratione guarantiae pacis
Aquisgranensis ratificatione Ser*"*® reginae Hispaniae nee aliter
nee alio modo.^)
*) Von salva an von anderer Hand ; die let\ttm Worte „nee aliter nee
alio modo** von der Hand des Hof Händlers Hocher,
•) So ist die schliessliche Fassung; im St.-A. befinden sich auch andere
Projekte dieses Artikels,
Österrdchiach-eoglische StaatsvertrSgc Bd. I.
t6d Einleitung.
IV. Vom Frieden von Nimwegen bis 0$&m Beitritte Eng-
lands — g. Sept. i68g — zum österreichisch^staatischen
Bündnisse vom 12. Mai i68g.
Die ^eideutige Haltung, die Karl IL beiden Verhandlungen
gezeigt hatte, die von dem Grafen Waldstein in den Jahren I6^^
und i6y8 am englischen Hofe gefuhrt worden waren, hatte eine
arge Misstimmung bei Leopold L liervorgerufen, die ihren Aus-
druck in den Weisungefi fand, in denen er Waldstein ^u äus-
serst vorsichtigem Benehmen aufforderte und auf das eindring-
lichste ermahnte, jedes Eingreifen in den Konflikt ^u vermeiden,
der ^wischen Karl IL und seinem Volke bestand und sich täg-
lich scMrfer ^uspit:(te,^) Gegen Ende des Jahres 1678 entschloss
sich der Kaiser sogar Waldstein abzuberufen; so fest war er
damals davon überfleugt, dass eine den Interessen Österreichs
entsprechende Politik Karls 77. in der nächsten Zeit nicht \u
hoffen sei. Allein kein Jahr verging und der Wiener Hof fand
sich bemüssigt, in neue Verhandlungen mit dem englischen
Könige ein^jutreten, die nichts geringeres als eine grosse gegen
Frankreich gerichtete Allianz \um Ziele hatten. Die Idee pi
derselben war von dem Manne ausgegangen, der sich den
Kampf gegen Frankreichs Übergewicht :(ur Lebensaufgabe ge-
macht hatte und unermüdlich in diesem Sinne tätig war, von
Wilhelm von Oranien. Sein Plan ging dahin, vorerst eine Eini-
gung zustande z^i bringen, deren Pfeiler Spanien, Österreich,
England und die Generalstaaten , und deren Zweck die WaJi-
rung des Nimwegner Friedens sein sollte, Dass Ludwig XIV.
sofort auf das entschiedenste gegen jede derartige Verbindung
protestierte, nötigte Wilhelm wohl :(ur Vorsicht, bestärkte ihn
aber in seiner Meinung von der Notwendigkeit derselben. Und
das Vorgehen des französischen Königs bei der Durchführung
der Friedensschlüsse, sein Bemühen durch falsche Interpre-
tation der Vertragsbestimmungen den rechtlichen Anlass ju
neuen bedeutungsvollen Erwerbungen ^u finden, sowie die Ge-
waltsamkeit, mit der er seine vermeintlichen Rechtsansprüche
geltend ^u machen wusste, bewirkten, dass der Gedanke des
Oraniers an vielen Orten Anklang fand. Auch bei Karl IL,
') Vgl. äür Weisungen Leopolds an WalJstein aus dieser Zeit St-A*
tinteitung.
tos
der für sein Vorgehen während des letzten Kriegsjahres reiche
Belohnung von Ludwig XIV. erwartete mui nun lu seinem
grössten Erstaunen vernahm, dass dieser mit seiuem Verhal-
ten un^ufrieJen sei, sich benachteiligt fühle und durchatis
keine Neigung \eige, die hohen Geldforderungen des englischen
Königs fw befriedigen. Ja noch mehr; Karl Fl hatte bald
genug Gelegenheit ^u bemerken, dass Ludwig XIV, das oft er-
probt Mittel, durch die Unterstützung der parhimentarischen
Opposition einen Druck auf den englischen Herrscher auszu-
üben, neuerdings in Anwetidung brachte. Trotzdem suchte er
mit Ludwig XIV j« einem Abschlüsse {u kommen, da ihm
nur das franiösisciw Geld die Möglichkeit bot, deti Kampf
mit seinem Volke auf die Dauer fortiusetien. Als aber Lud-
wig XIV. die Freundschaft des englischen Königs immer
niedriger taxierte, die Geläforderungen Karls IL immer mehr
herab\udriicketi suchte, lieh dieser dmt Plänen seines Neffen
sein Ohr und trat, als die Unterzeichnung des von Karl IL
entworfenen Geldvertrages seitens Ludwigs XIV. verweigert
wurde, auf die Fran^osenfeind liehe Stimmung der Mehrzahl
der englischen Parlamentarier rechnend, mit den in London
weilenden Vertretern jener Mächte in Unterhandh/ngen, die
nach der Ansicßit seines Neßen den Mittelpunkt der grossen
gegefi Frankreich gerichteten Allianz *^^^'^ sollten.
Des Kaisers Gesandter, Graf Waldstein, hatte, wie er-
wähnt, Anfang des Jafires 1679 Ijmdon verlassen, aber ein kai-
serlicher Sekretär war lurückgehlieben; an ihn trat Karl IL
im Herbste 7679 fteran. Nawitj, so hiess der Mann, hatte gerade
in diesen Tageft von seiner Regienmg den Befehl erhalten, Lon-
don pi verlassen ; man hielt in VI Jen dafür, dass auch ein Ge-
sandtschaftssekretär am Hofe Karls IL überßüssig seL Nur
mit MiHie vermochten ihn jene Parlamentarier, von deren Feinde
scfiaft gegen Frankreich er überzeugt war, ptm Bleiben lu über-
reden. Von ihnen erfuhr er, dass der König und die Mehrzahl der
englischen Volksvertreter elfte Allianz mit Leopold L wünschten,
dass England unter Umstämlen dem Kiiser eine Armee von
400CXJ Mann \ur Verfügung stellen wolle, ^) Bald darauf Hess
sich Skeltmi, der Vertreter Karls IL am Wiener Hofe, ähnlich
*) BerLkU äi-s Namt{ d, iL r8. Dq* iö/f). St-A,; vgl auch Klopp l. c.
1^4 Emleituiig.
vernehmen,^) Zu gleicher Zeit verhandelte Wilhelm van Oranien
mit dem kaiserlichen Gesandten im Haag, dem Grafen Strat-
man. Es wurde immer klarer, dass eine grosse Allians^ gegen
Frankreich geplant war, der nebst dem Kaiser, Spanien, Eng-
land und Holland, auch Brandenburg und Hannover angehorett
sollten. Im Mär^ 1680 sprach Karl //. in der deutlichsten Form
seinen Wunsch aus, einem solchen Defensivbiindnisse an^^u-
gehören, und forderte Leopold auf, entsprechetide Massregeln
jum Abschlüsse desselben ^^u ergreifen.^) In gleichem Sinne lau-
teten die Berichte aus dem Haag, aus Brüssel Überall sprach
man die Behauptung aus, dass vom Kaiser der Erfolg oder der
Misserfolg des geplanten grossen Upiternehmepis abhänge. Leo-
pold L befand sich, als ihn die Aufforderung Karls IL traf
in Prag, auf der Flucht vor der Pest, die in seiner Hauptstadt
furchtbar wütete. Er war im Principe citier Einigung mit Eng-
land, Spanien tmd den Generalstaaten durchaus nicht abgeneigt.
Auch er hatte mit Frankreich nur notgedrungeti Frieden ge-
schlossen und empfand das Vorgehen Ludwigs XIV in der
Reunionsfrage nicht minder bitter, als irgend ein Fürst des
Reiches. Allein er hatte Bedenken; er misstraute Karl IL Wie
oft hatte sich dieser ^u Bündnissen gegen Frankreich bereit
erklärt, um dann, sobald Ludwig XIV. die Hami etwas mehr
öffnete, unter nichtigen Vorwänden zurückzutreten, fet^t legte
der intime Verkehr, der zwischen dem englischen uptd fran-
zösischen Vertreter am Kaiserhofe herrschte, den Gedanken
nahe, dass es sich auch diesmal nur um eine Geldfrage hafidle,
dass Karl IL auch in diesem Falle früher oder später reuig in
das Lager Ludwigs XIV zurückliehrenwerde.^) Auch beunruhigte
den Kaiser, dass die Generalstaaten sich zurückhielten und erst
nach erfolgter Erklärung Leopolds I ihre Entscheidung treffen
wollten.
*) Vgl ^ie Weisung Leopolds I. an Nawit{ d. d. 18. Mär\ 1680, St-A.
und die Berichte Skeltous im R. O.
*) Vgl. die Berichte Skeltons R. O. In einer Eingabe d. d. Prag 22. Mär\
1680 R. O., forderte Skelton im Namen seities Herrn die Absendung eines hat"
serli.hen Gesandten nach London ; der Kaiser antwortete {usagend am 11. April
1680. R. O.
0 Vgl. die Weisung Leopolds /. an Nawiti d. d. iS. Mär\ 1680 St.-A.
Einleitung.
165
Karl IL suchte, sobald er Kunde van diesen Besorgnissen
des Kaisers erhielt, diesen von der Aufrichtigkeit seiner Gesinn-
ung ^n üher^eugen; bot ein enges Bündnis unter günstigen Bedin-
gungen an;^) nef Skelton ab;-) sandte MiddJeton mit weitgehen-
den Vollmachten an den Kaiser und bat denselben um möglichst
schleunige Abschickting eines Gesandten, der das Bündnis mit
Engtand sogleich einzugehen befugt sein sollte* Tieferen Eindrturk
noch als diese Erklärung Karls IL machte das auf geschickte
Weise in die Hände Leopolds L gespielte Schreiben des in Lon-
don wirkenden spanisclu^n Gesandtim, der in beredten Worten
die Gefahren schihlerie, die aus einer Weigen/ng Leopolds,
dem vorgeschlagenen Defensii'bündnisse seine Zustimmung {u
geben, für das Reich und für gani Europa erwachsen müssten
und der von der Aufrichtigkeit der Gesinnung Karls IL mit
Überzeugung sprach: ,,Die Anfänge des Bündnisses, meinte er,
simt da. England hat seinett Vertrag mit der Republik Holland,
diese hat den ihrigen mit dem Hause Habsburg; es handelt
sich also nur noch um den Vertrag ^(wisciien dem Kaiser, Spa-
nien und Holland" ^^) Trotzdem pgerte Ixopold einen mit ent-
sprechender Vollmacht ausgestatteten Vertreter nach London ^
schicken. Was ihn beunruhigte war gerade die Eile der Eng-
länder: man wusste am Wiener Hofe, dass Karl IL mit dem
Vertrage in der Haml, der ihn ^um Bundesgenossen der Ge-
neralstaaten, der Spanier uful des Kaisers im Kampfe gegen
Frankreich machte, vor das Parlament treten wollte, um auf
diese Weise einen vorteilhaften Eyieden mit seiner Nation ^
schliesse^i, während Leopold die Bee^ullgung des inneren Kon-
fliktes als die Vorbedingung einer erfolgreichen Aktion gegefi
Frankreich ansah und v(m dem Werte einer Allianz nichts hielt,
die Karl IL. ohne vorherige Einwilligtmg des Parlamentes ein-
geluvt icürde. Erst die Nachricht von dem Abschlüsse der spa-
nisch^nglischen Allianz vom f um' 1680, deren ellßer Artikel den
') SMton übergab am 57. M^ri 16S0 ein Memoire ^ in dem er erklärte,
Kitfi !t habe ihm be fohlen^ dem Kaiser mit^teilen, dass er bereit sei „drrfw-
simum cum illiX (M^) inire foedus^ quo pm memorata mutua securitas vin*
dicari et tranquiUitas publica iliam conservari queat*' Als Atitumrf erfolgte di
Mitteilung am 7/. Mai^ dass man Thtm nach England senden werde.
■) Skelton verliess Wien im August iöSo; das Recreditif för ihn d. d*
ij, Aug. 1680 im R^ O.
") VgL Klopp L e. IL 244.
l66 Einleitung.
Beitritt des Kaisers in Aussicht stellte, sowie das Drängen der
von Frankreich bedrohten rheinischen Fürsten, veranlasste den
Kaiser die für den Grafen Thun bestimmte Vollmacht aus-
fertigen ^11 lassen, die diesen strenge anwies, das auf die Auf-
rechthaltung des Nimweger Friedens und die Sicherung des Ruhe-
standes gerichtete Bündnis nur als gültig anzusehen, wenn auch
das englische Pariamen!: seine Einwilligung \u demselben gegeben
haben würde.^) Mit Sehnsucht erwartete Karl IL, dem der Ab-
schluss mit dem Kaiser immer mehr als der beste Ausweg aus dei'
schwierigen Lage erschien, in die ihn die Konflikte mit seinem
Volke und das Verhalten Ludwigs XIV gebracht hatten, die
Ankunft Thuns, Allein erst im Sept. 1680 konnte dieser die
Reise nach England antreten. Unterdessen hatte Middleton im
Namen seines Herrn die Verhatuilungen mit den Vertretern
Leopolds begofinen und den englisch-spanischen Vertrag als
Grufuilage für das fischen dem Kaiser und England ab:(u-
schliessende Bündnis empfohlen^) Eine Einigung war aber nicht
erhielt worden, vielmehr waren die Schwierigkeiten, die sich der
geplanten Allianz hinderlich in den Weg stellten, erst bei dieser
Gelegenheit deutlich yttage getreten.^) Deshalb betonte Leopold
in seiner Instruktion für Thun den Unterschied der Verhält-
nisse und wies auf die ungeheure Gefahr hin, in die er sich
begebe, falls er, ohne der Unterstützung der Generalstaaten sicher
fw sein, mit England das gewünschte Bündnis schliessen sollte.
Er betonte, dass die Franzosen, falls der Kaiser den Englän-
dern Hilfe schicken sollte, dergleichen „Succurs pro ruptura
pacis deuten würden und wir also in der grössten Gefahr
stünden, dass sie — imiem der Seekrieg unvergleichlich schwerer
und gefährlicher fällt als auf dem Lande — von England ab-
lassen und sich gegen dasselbe nur defensiv verhalten, hingegen
aber die volle Macht und Kriegsschwall gegen uns allein wenden
würden:'^) Deshalb enthielt der Vertragsentwurf den Thun mit
') Instruktion für den Grafen Fran\ Sigismund Thun d. d, a8. Juni 1680
St'A.; vgl. Klopp l, c. IL 55p/.
•) Middletons Memorial d, d, iH. Aug. 1680 R, O.
») Um die Zweifel Leopolds L :{u beseitigen, übergab Middleton 12. Sept,
1680 ein neues Memoire, in dem er die Gründe für und wider den Abschluss
eines englisch-österreichisclu^n Defensivbündnisses erörterte /?. O.
*) Instruktion für Thun d, d. 20, Sept, 1680 St-A,
Einleitung.
167
auf den Weg nahm, *) auch die Fordentng, dass England sich
p4 einer grosseren Truppeniahl und ^ rascherer Bereitstel-
lung derselben verpflichten sollte als der Kaiser, und deshalb
vurde Vvm auch angewiesen^ deti Beitritt der Generalstaaten
und die Einwilligung des englischen Parlamentes f« fordern,
ohne dessen Zustimmung an eine richtige Leistung der ver-
sprocJienen Hilfe seitens Karl IL nicht ^u rechnen sei.^) Als
Thun in Londmi anlangte, war das Parlament, dem Karl den
fertigen Vertrag vorlegen wollte, einberufen, aber noch nicht
^sammcfigetreien. Um so eiliger schien dem kaiserlichen
Gesaftdtefi die Aufnahme der Verhandlungen^) Er begab sich
sogleich fii den leitenden Minis fern. Sie empfingen ihn fretmd-
lich, gedachten aber der geplanten Allian\ mit keinem Worte.
Dies hatte seinen guten Grund; sie hatten durch den Spanier
Rmiguillo von den Forderungen Leopolds L, vor allem van des-
sen Entschlüsse Kunde erhalten, nur mit Einwilligung des Par-
lamentes, also nach Beilegung der Kmißikte, die fischen dem
Könige und dem Volke bestanden, den Vertrag fw schliessetu
\Unter diesefi Umständen verlor die Allianz mit Leopold L
für Karl jeden Wert. Dass ein grosser Teil des Parlamentes
die Verbindung mit dem Kaiser wünschte und einer Offensiv-
liga das Wort redete, half Thun wenig. König Karl löste, nach
mancherlei vergeblichen Versuchen mit den Volksvetiretern pi
einer Einigung pi gelangen, das Parlametit \u Beginn des Mo-
nates Apn'l i6Si auf und schloss {u gleicfier Zeit eine milnd^
liehe Vereinbarung mit Ludwig XTV.^ durch die er sich gegen
entsprechende fährliche Subsidien verpflichtete, sich allmählig
von der Allianz mit Spanien lunu^k^tqiehen und das Parlament
van Massnahmen zurückzuhalten , die Frankreichs Interessen
widersprechen würden.
Der Kaiser hatte schon auf die ersten Mitteilunge7i seines
Gesmuiten hin, die Hoffnung aufgegeben, eine seinen Intcressett
'> VgL den Abdruck nach dem im St^A^ fAngUai varia) vorhandenen
Dokumente im Anhange {u diesem Kapitel Nf, i.
*) Instruktion für Thun d. d. 30. Sept. 16B0 StA- Aus den B^ü:hien
Middletons, {. B* s6. ÖkL^ 2, Nm\ 16S0 R, Ö. ist {u ersehen ^ dass man kein
Hehl daraus machte, das,s mtin eine ohne Zustimmung des ParlamenUs erfol-
gende Vereinbarung für nutzlos hielt
«) Für die Verhandlungen Tkuns lagen mir die im St-Ä> aufbewahrten
Berichte desselben vor.
l58 Einleitung.
förderlicfw Einigung nnt England zustande ^u hriugefu Im
Nov, 1680 wurde Thun heauf trugt, falls das Parlament aufge-
löst werdett sollte, von dem Abschlüsse eines Defensivbundm'sses
mit Karl IL abj^usebent ,^da ja keine Hoffnung sei, dass der
Kdtug von England ohne Parlament das notupcndige Geld her-
geben könne" .^) Noch weniger glaubte Leopold L seine Einwilli-
gung f// einem Offensivbündnisse geben ^u können, von dem
in den Unterredungen der Parlamentsmitglieder mit Thun öfters
die Rede gewesen wan Der i^aise?Iiche Gesandk erhielt Befehl,
steh gegebenen Falles mit mangelnder Instruktion {« entschul-
digen und \H erklären, dass er nicht daran glaube, dass der
Kaiser sich fu einem solchen Bimdnisse verstehen würde, ehe
derselbe wisse, wie sich Spanien, die Niederlande und die Fürstefi
des Reiches ^u diesem Plane stellen wimien.^)
In der Tat sah sich Thun im Sommer 168t genötigt, von
diesen Bedenken des Kaisers ^u sprechen, als neuerliche An-
fragen der spanischen und staatischen Gesandten sowie einiger
Engländer an ihn ergingen. Und er tat dies umso lieben als
er immer wieder Gelegenheit hatte sich da^on ^u tiber^et/gen,
dass ein Wechsel iv der Haltung des englischen Königs nicht
lu hoffen sei Die Bemiihungen, denselben pmt Beitritte pi der
von Schweden vorgeschlagetien Association ^u bestimmen, deren
Zweck die Sichenmg der westphdUschen und nimwegischen hrie*
densschlihse sein sollte, scheiterten; dem Falle Strassburgs sah
er gkiehgidtig pi: beantwortete die Klagen Tlimis mit dem
Hinweise auf die geringe Dankbarkeit, die er für seine grossen
dem Kaiser und dem Reiche gebrachten Opfer geerntet habe^
und verpflichtete sich Ende 1681 gegen neue grosse Geldspen-
den Ludwigs XIV., auch der Eroberung Luxemburgs durch die
Franzosen ruhig fu:pisehen. Hs mitsprach der Doppel^igigkeit
seines Wesens und seiner Politik, dass er trotzdem im Laute
der nächsten Jahre auch mit den Feinden Frankreichs verkmi-
delte, die Schuld an dem Scheitern der Allian{verhandlungeft
dem Vorgehen des Kaisers und der deutschen Rciclisfiirsten bei-
mass^ und den von den Generalstaaten und dem Kaiser gefor-
derten Beitritt ^ur Association im Fnihjahre 1682 im Hinblicke
auf die dem allgemeinen Interesse so feindliche Haltung Dane-
") Weisung an Thun v&tH iS. Nov, 16S0 St-A,
*} Weisung Lcopoiäs f. an Thun d, J. 30. Nav~ iöSo Si,'A^
Einlettung.
j6t^
marks und Brandmiburgs ablehnte. Auf die Klagen des sfaä-
tischen VWtreters erwiderte Thun: ,,Die guten Absichten der
Engländer bestehen nur in Worten; ich ^mfle an dem Ernste
derselben, solange man so leere Entschuldigungen und Anklagen
gegen Deutschland vorbringt Die Räte des Königs tadeln es,
wenn wir auf das Parlament Rücksicht nehmen, ohne welclies
doch die Macht des Königs gleich Null ist; dagegen verlangen
sie, dass im Reiche alle Fürsten, deren jeder doch seinen eigenen
Willen hat, mit dem Kaiser gehen sollen. Dies ist unmöglich.
Was der Kaiser seinerseits vermag, Ist geschehen oder geschieht
Er ist fest ^ur Abwehr des Unrechtes entschlossen; steht ge-
r listet, wie nie ip/vor; er hat die van Schweden beantragte As-
sociation gezeichnet; eine Reihe deutscher Fürsten steht pi ihm.
Desgleichen ist die Republik Holland in diesen Bund eingetreten;
auch der König von Spanien geht mit dem Kaiser \Wnn nun
auch noch England eintritt, so können wir Brandenburg und
Dänemark verschmerzen. Auf England kommt es an, die Hoff-
nung au f dasselbe ist freilich nicht gross:*^)
Thun behielt mit seinem Miss trauen in die Aufrichtigkeit
der Ätissenmgen Karls IL Recht. Je geringer die Aussicht auf
eitmt Ausgleich im Inneren wurde, desto enger schlössen sich
die königlichen Brüder an ihren geldspendenden Nachbar an,
desto ängstlicher stuhle Karl IL alles ^ vermeiden, was ihn
in Konßikte mit Ludwig XI\\ vef^ickeln kannte. Als Leopold /.,
sobald die Unvermeidlichlteit des Türkenkrieges ausser Zweifel
stand, an Karl //, wie an alle Fürsten der Christenheit, die
Bitte richtete, ihm beizustehen, oder doch wenigstens dahin fw
wirken, dass Ludwig XI\\ für die Zeit dieser Bedrängfiis von
Feindseligkeiten gegen den Kaiser abstehe, antwortete der eng-
lisclw König mit leeren Redensarten und erklärte schliesslich, er
würde sich durch eine solche Forderung an Frankreich lächerlich
machen,^) Und ebenso j^arte Rücksicht geigte er, als L.udwig XLV.
im Herbste i68j in die spanischen Niederlande einfiel und die
spanische Regierung auf Grund des spanisch-englisctien Ver-
trages van i6So die Hilfe der Bundesgenossen ^ur Abwehr der
französischen Übergriffe fordi^rte. Karl H suchte Ausßiichte;
lehnte, als die Spanier auf einer decidirten Erklärung bestanden,
<) BerUit Ihufis vom fj. April 1Ö82 SfM,; vgL Khpp L
*) VgL Klapp L c. U. 389.
IL 36y,
\
I^Ö Einjeitung.
die Erfüllung der VertragsbesUmmungen im Hinblicke auf die
Wirreft im Inneren des Landes ab und erklärte auf die immet^
erneuert en Bitteft der Staat isclwn und spanischen wie der kaiser-
lichen Gesandten im Frühjahre 16S4, dass auf eine Hilfeleistung
seinerseits nicht ^ rechnen sei ,,Nehmt die französischen Ver^
träge an, äusserte er sich, dann verspreclie ich Euch binnen j Mo-
vaten ein Parlament ^u berufen und den Stillstand kräftig ipi
garantiren, und ^ar für das gesammte Haus ÖsterreichJ*^
Die schroffe Art, in der Karl // die Mitwirkung am Kampfe
gegen Ludwig XIV. ablehnte, tat ihre Wirkung. Die Gefteral-
staatefi traten mit Frankreich in Unterhandlungen ein. Ihr
erstes Angebot, das nicht gan^ den von Ludwig XIV. gestellten
Fordertmgen tntsprach, wurde p^riickgewiesen^ Unterdessen er-
folgte die Einnahme Luxemburgs, die Beschiessung Genua's,
Die Verbündetcfi sahen ein, dass ihr Widerstand vergebetis sei;
sie entschlossen sich, mit Ftankreich auf Grundlage der vim
dieser Macht vorgeschlagenen Bedingungen ein Abkommen p4
treffen- Die Generalstaaten gingen voran, Spanien und das
Reich folgtefh Am 75. Juli 1684 gab Leopold L seine EinwilU-
gung fwm Abschlüsse eines WaffenstilhtafuleSy den^Jahre dauern
und dem Fran\ösenkönige für diese Zeit die Reunionen, die bis
lum I. August 1681 erfolgt waren — Strassburg eingerechnet —
sichern sollte. Thmt erhielt in den letzten Tagen des Juli 1684
die Weisung, dem englischen Kmige von diesen EntSchliessungen
Mitteilung ^u machen, die Vermittlung desselbefi bei Didwig XIV.
und lu gleicher Zeit die Garantie des ah fusch liessenden VVr-
träges durch Karl IL \u fordernd) Mit Freuden erklärte sich
dieser ^ur Erfüllung der kaiserlichen Wünsche bereit: einer
der leitenden englischen Minister wiederholte das Verspreclmi
seines Herrtt bezüglich der Garantie. Kur^e Zeit darauf
" 75. August 1684 — wt4rdc der Waffenstillstand ^wisclum
Frankreich und dem Reiche ^/ Regefishurg unter:{€ichnet. Nur
ungern und gedrängt durch die Lage der Dinge hatte sich
Leopold L pi demselben entschlossen. Aber es war nicht seine
Absicht, dem Feinde das abgetretene Gebiet nach Ablauf des
Waffenstillstandes ^i lassen, noch viel weniger aber ^u^usehen,
dass Ludwig XTV. noch innerhalb dieser Frist die Einwilligung
I) Bericht des Grf. Tkun d. d. i2. Mm 1684 St-A, VgL Klopp L c. <//.
') Wmsuttgan an Thun wm Juli 1684 St'A^
Einleitung. lyi
fe/w dauernden Besitze dieser Gebiete von den Beteiligten er^uoinge.
Aus diesem Grunde legte Leopold L auf die Garantie des Waffen^
Stillstandes seitens des englischen Königs so grosses Gewicht,^)
aus diesem Grunde hatte Thun sie fw wiederholtenmalen be^
gehrt und sich über die anstandslose Einwilligung der eng-
lischen Regierung so gefreut^) Als er aber bald nach dem Ab-
schlüsse des Waffenstillstandes den englischen König an des-
sen wiederholt gegebenes Wort erinnerte, fand er durchaus
nicht das gleiche Entgegenkommen wie vorher; Karl II hatte,
als er Thun das Versprechen gab, nicht gewusst, dass Lud-
wig XIV. auf das energischeste gegen eine derartige Garantie
Englands protestieren werde, die ihm bei seinen Plänen, deti ihm
zeitlich überlassenen Besit^ bei der ersten sich bietenden Ge-
legenheit Tju einem dauernden ^u machen, hinderlich werden
musste. Nun war aber die Einrede Ludwigs XIV, erfolgt und
Karl war entschlossen, nichts ^u tun, was ihn dem Manne etit-
fremden kannte, von dem allein er Rettung aus der bedrängten
Lage erwarten durfte, in der er sich befand. Deshalb seine
Ausflüchte, als Thun ihn mahnte und seine endliche Erklärung,
er könne sich des gegebenen Versprechens nicht entsinneti.^)
Wenn er dann auf Thuns heßige Äusserungen hin sich doch
in Unterhandlungen einliess und um die Ausfertigung eines
Vertragsefitxjourfes bat, so geschah dies nur, um seine Absage
in eine weniger verleidende Form ^i kleidefu Thun aber, der
alsbald die wahren Absichteft Karls IL durchschaute, bat den
Kaiser um seine Abberufung. Sie wurde ihm gewährt. Aber
wenige Tage bevor das betreffettde Schriftstück von Wien ab-
gesandt wurde, starb Karl IL und Thun erhielt alsbald den
Befehl, seine Abreise Tjti verzögern und mit dem neuen Könige,
dessen Auftreten beim Kaiser die Hoffnung auf eine energischere
Vertretung der allgemeinen Interessen durch England erweckt
hatte, in Verhandlungen einzutreten.^)
') Weisungen an Thun vom luli und August 1684 5/.-/1.
•) ygl' die bei Klopp //. 4^7 ^Herten Berichte Thuns,
») Bericht Thuns d, d, 10. Nov. 1684 St-A. Vgl Klopp U c, IL 441.
*) Man entschloss sich deshalb, auch den Grafen Martinit^ \ur Beglück-
wünschung nach London {u senden. Leopold L an Thun ip. Mai 168$ St.-A.
Daselbst auch die Instruktionen für Martinit\ und Thun, Vgl, auch Klopp l, c,
HL 37 und 47 f.
fj% Einleitung*
Man wird nicht leiigmn können, dass Jakob IL es in dm
ersten Zeiten seiner Regierung vortrefflich verstanden haU die
Gegner Frankreichs in ihren freudigen Er-wärtungeti fu be-
stärken. Er gab dem kaiserlichen Gesandten, der ihn pir
Thronbesteigung beglückwimschte, das Versprechen, sobald sein^
inneren Feinde besiegt seien, energisch im Interesse des Kaisers
^u wirken: trat in intime Begehungen ^u Wilhelm von Oranien :
enieuerte im August 1685 den Vertrag, den sein Bruder vor
Jahren mit den Generalstaaten geschlossen hatte und versprach
ein gleiches den Spaniern. Graf Tliun, der ursprünglich Be-
denken in die Aufrichtigkeit der Äusserungen Jakobs IL gesetzt
hatte, stimmte allmählig in den Chor der Bewunderer ein. Als
er im Spätsommer 168% das Inselreich verliess, verglich er iti
seinem Berichte an den Kaiser Karl IL und Jakob IL und hob
hervor, wie wesentlich sich die Verhältnisse pi Gunsten der
Gegner Frankreichs gebessert hätten.^) Allein er täuschte sich
ebenso, wie alle jene, die von Jakob IL ein energisches Vor-
gehen im Interesse der allgemeinen Wohlfahrt erhofftet!, Thun
wusste nicht f dass Jakob IL in eben den Tagen, da er mit defi
Gegnern Ludwigs XIV. verhandelte , auch mit dessen Vertreteni
Konferenzen hatte, und dass er nur deshalb mit diesen nicht
abschlöss, weil er die Gegenleistungen Frankreichs nicht für
genügend und es in seinem Interesse gelegen hielt, so lange es
ging, nach tyeiden Seiten bin ff/ verhandeln, um sich dann d^m
meistbietenden ^u verkaufen.
Nur diese Unklarheit über den Stand der französisch-eng-
lischen Begehungen und der Wunsch kein Mittel unversucht
p( lassen, um die Zahl der Bundesgenossen im Kampfe gegen
Ludwig XIV. ff/ vermehren , lassen es begreiflich erscheinen,
dass Leopold I im Sommer 1686, bald nach dem Abschlösse
des Augsburger Bündnisses und des Vetirages mit Kurbran-
denhurg, sich pi einem neuen Versuche entschloss, Jakob IL in
das Lager der Franzosen fein de hinüberzuziehen. Die Instruktion,
die Graf Kauniti mitbekam, ^eigt deutlich, in welchem Sinne
der Kaiser in ein Bupulesverhältnis \u England treten wollte.
Der kaiserliche Gesandte sollte dem englischen Konige den
Nachweis fükren, dass Ludwig XIV nichts geringeres im
Schilde fütire, als Belgien an sich ^u reissen und das römische
t) Vgl Klapp L c. HL J3f.
Einleitung. Xf,^
Reich ^u ^zerstückeln; dass derselbe in selbstsüchtiger Absicht die
guten Be:{iehungen fischen Engländern und Niederländern zu
trüben, die Differenzen {wischen König und Parlament in Eng^
land ^u vergrössern suche. Er sollte dem Frieden fischen
Jakob und dessen Volke das Wort reden und dem Wunsche
des Kaisers Ausdruck verleihen, den englischen König in die
Reihe derjenigen eintreten ^u sehen, deren Ziel die Aufrecht-
Haltung des Friedens und die Wahrung des Rechtes sei. In
diesem Sinne sei das Augsburger Bündnis geschlossen worden,
in diesem Sinne habe sich Leopold mit dem Brandenburger
geeinigt, in diesem Sinne biete er nun auch Jakob die Hattd
^um Bufuie,^)
Kaunitj hatte alsbald Gelegenheit sich davon ^u über-
zeugen, wie wenig die Wirklichkeit den Voraussetzungen des
Wiener Hofes entsprach. Er erfuhr im Haag von Wilhelm,
dass die englisch-staatischen Beziehungen sich bedenklich ge-
trübt hätten, dass der englische König in steter enger Fühlung
mit Ludwig XIV, lebe. Der Oranier versicherte ihm, dass ei'
an den Abschluss einer englisch-österreichischen Allianz nicht
glaube. Der Ratspensionär Fagel ging noch weiter; er widerriet
dem kaiserlichen Gesandten im Interesse des kaiserlichen An-
Sehens die Reise nach England, Vielleicht wäre es auch das
beste gewesen, dem Rate dieses erfahrenen Staatsmannes ;f//
folgen. Kaunitz, an seine Instruktion gebunden und durch-
drungen von der Überzeugung, dass man kein Mittel unver-
sucht lassen dürfe, begab sich nach London und suchte im
Sinne seiner Regierung — doch mit der durch die Äusserungen
Wilhelms mid Fagels bedingten Vorsicht — den englischen
König für die Ideen des Kaisers ;f« gewinnen,
Jakob II, der noch immer mit Frankreich nicht abge^
schlössen hatte, erwiderte auf die Klagen des kaiserlichen
Gesandten über Ludwigs XIV, gewalttätiges Vorgehen mit
freundlichen Worten, wich aber einer bindenden Erklärung
aus. Kaunitz erkannte, dass Wilhelm und Fagel die Verhält-
nisse richtiger beurteilt hatten, als die Minister Leopolds, Er
sah, wie mächtig die französisch gesinnte Partei am Hofe fa-
kobs war, wie reichlich die Mittel waren, mit denen sie ihr Ziel
verfolgte, den Ausgleich zwischen König und Parlament z^
») Vgl, :die Analyse der Instruktion für Kaunit:^ bei Klopp /. c. IIL 2^^ ff.
t74 Einleitung.
hindern und Jakob IL mit den Gegnern Frankreichs fw Ver-
feinden, und drückte dem Kaiser seine Überzeugung atis, dass
dieser von Jakob IL nichts ju hoffen habe.^) Das einzig tröstliche,
was er seinem Hofe berichten konnte^ war die Meinung des mit
den englischen Verhältnissen wohl vertrauten Spaniers Ron-
quillo. Der Kaiser habe sich, so lautete sie, von Jakob IL nichts {ti
versprechen, dagegen könne er aiuh darauf rechnen, dass Ja-
kob IL sich von Ltuiwig XLV. nicht jum Bruche mit den Ver-
einigten Niederlanden verleiten lassen, nicht in eine Allianz mit
Frankreich eintreten und, falls eine Einigung mit dem Parla-
mente erreicht werden sollte, schon im eigenen Lnteresse das
Gleichgewicht in Europa \u erhalten suchen werde. Diese
letztere Aussicht, glaubte Kaunit^ beifügen ^u müssen, würde
tröstlich sein, wenn nicht die Erfüllung der Bedingung, an
welche dieselbe sich knüpft — die Einigung mit dem Parla-
mente — mehr ^u wünsclien wäre, als \u hoffen; erreichbar nur
durch ein Wundert) Das Wufider blieb aus. Wenige Tage nach
der Absendung dieses Berichtes hatte Jakob LL. das Parlament
aufgelöst und Frankreichs Bemühungen, den englischen Köfiig
mit seinem Neffen ju entzweien, nahmen ihren Fortgang.
Man begreiß unter diesen Umständen nicht, wie Leopold L
auf den Gedanken kommen lionnte, an Jakob LL. mit der For-
derung heranzutreten, die Garantie für die Einhaltung des Re-
gensburger Waffenstillstandes yi übernehmen, die Karl LL be-
reits abgelehnt hattet) Kaunit^ holte sich, als er — Mai 1687 —
eine deutliche Antwort forderte, ein Refus.^) Bald darauf
verliess er London ; er war nun fest überzeugt, dass jedes Be-
mühen, Jabob LL ^u einer Franzosen feindlichen Haltung ju be-
stimmen, erfolglos bleiben werde. Die Ereignisse, die folgten,
c^eigten, dass er sieht nicht getäuscht hatte. Die Konflikte ^^wisclien
König und Volk trieben Jakob IL immer mehr in ein Ab-
hängigkeitsverhältnis {u Ludwig XIV., das dieser überaus ge-
schickt in seinem Lnteresse aus\unüt:{en verstand. Bald geriet
Jakob mit dem ein\igen Verbündeten, den er am Kontitiente
») Berichte Kaunit\s vom Febr. 1687 St.-A. Vgl. amh Klopp L c, IlL
») Bericht Kuimit^s ä. d. 21. Febr. 16S7 St-A^
») Weisungen Leopolds L an Kaunit{ vom April 1687 St-A,
-) Bericht Kaunit^s d. d. p. Mai 1687 ^ vgl. Klopp /. c, IIL ^42.
Einleitung. fji^
hatte, mit den Niederländern, in Feindschaft^ während der Un-
wille der Nation immer bedenklichere Dimensionen annahm.
Die Gegner Frankreichs gäben jede Hoffnung auf^ das Inselreich
für die Idee der Zurückweisung der französischen Übergriffe
ju gewinnen, solange Jakob II König von England war.
Aber schneller als irgend jemand hätte ahnen können^ er^
füllte sich das Schicksal der Stuarts in England. Die verblendete
katholische Restaurationspolitik Jakobs II und die Gewaltsam-
keit, mit der er von seinen vermeintlich unbeschränkten Herr-
scherrechten Gebrauch machte, rief bei dem seit langem in
seinen Gefühlen verletzten, in seinen Interessen benachteiligten
Volke eine steigende Erregung hervor, die sich immer klaret
in dem Wunsche ausdrückte, der Herrschaft Jakobs II, wenn
nötig auch auf gewaltsamen Wege, ein vorzeitiges Ende ju be-
reiten. Wie von selbst richteten sich die Blicke aller Uh{ti-
friedenen, in ihrer politischen und religiösen Freiheit Bedrohten,
auf Wilhelm von Oranien, den Gemahl der Thronerbin Maria,
der so viele Beweise seiner konstitutionellen, antikatholischen Ge-
sinnung und seiner Feindschaft gegen Ludwig XIV. gegeben
hatte. Nur i^ögemd war Wilhelm auf die Anerbietungen ein-
gegangen, die ihm die englischen Gegner Jakobs II. gemacht
hatten. Erst im Laufe des Jahres 1688, als er der Zustimmung
der Generalstaaten und der Unterstützung mächtiger Fürsten,
^umal des Brandenburgers, sicher war, lieh er den Bitten seiner
englischen Freunde Gehör, die umso dringender wurden^ je
grösser nach der im Juni 1688 erfolgten Geburt eines Sohnes
Jakobs II. die Gefahr einer dauernden katholisch-despotischen
Regierung wurde. Am 15. Nov. 1688 landete Wilhelm an der
englischen Küste; bald darauf vollzog sich in stürmischer Weise
der lange vorbereitete Abfäll aller Freunde der protestantischen
Religion und eines freien Parlamentes von dem legitimen Könige.
Ende des Jahres musste Jakob II das Land verlassen; er er-
schien als Flüchtling, Hilfe suchend, am Hofe Ludxjoigs XIV.
Die Ordnung der staatlichen Verhältnisse in England ging
dann rasch von statten ; schon im Februar 1689 bestiegen Maria
und Wilhelm den für erledigt erklärten Thron.
Für die Beziehungen Österreichs und Englands, die wir
in diesem Zusammenhange allein \u berücksichtigen haben, war
der Dynastiewechsel, der sich in England vollzogen hatte^ ein
Ereignis von der grössten Tragweite. Wir kennen die ablehnende
j^ Einleitung.
Haltung, welche die beiden letzten Könige aus dem Hause Sttmti
ikn ßestretungen der österreichischen Herrscher gegenüter ein-
genommen häbm, so ojt diese sie für den Plan eitler grossen
Coalition ^ur Abwehr der französischen Übergriße pi gewinnen
gesucht hatten nmi waren in der Lage ^u verfißlgen, wie schwer
die Interessen des Hauses Habsburg durch das Abhiing/gkeits-
verhältnis geschädigt wunien, in das die Stuarts {u Ludwig A7V'
geraten waren. Wie mit einem Schlage waren nun durch den
Dynastiewechsel, durch die Thronbesteigung Wiltielms, alle
Schwierigkeiten iiinwegge räumt, die bisher den Abschluss eines
österreichisch-englischen Bfmdnisses gehindert hatten. Das eng-
lische Volk, das längst erkannt tmtte , dass ihm vom Hause
Habsburg weit weniger Gefahr drohe, als von dem benach-
barten Frankreich, dessen Herrscher, in katholischen und de-
spotischen Ansciiauungen befangen, seit /ahr:^ehnten die mäch-
tigsten Helfer der volksfeindlictn'n Bestrebungen der Stuarts
gewesen, und das daher seit langem für eine Einigung mit
Spanien und mit dem Kaiser eingetreten war, stand nun unter
der Leitung eines Fürsten, der sich die Abwehr der franiösischen
Übergriße {ur Lebensaufgabe gemacht und in der festen Absicht
den englischen Boden betreten hatte, den Kampf mit dem ge-
waltigen Gegner sobald als möglich aufzunehmen.
Für den Kaiser war der Wechsel , der sich in England
vollzogen hatte, umso erfreuliciier, als er sich seit Monaten
im offenen Kampfe mit Ludwig XIV. befand. Es kann
nicht unsere Aufgabe sein, in diesem Zusammenhange den
Gründen nachzugehen, die den französischen Herrscher im
Herbste 1688 z^ir Kriegserklärung an den Kaiser und das
Reich veranlasst haben. Es war nicht eine einzelne, sondern
find Fülle von Ursachen, die ihn dazu bewogen; der Wunsch
nach Sicherstellung des bereits erobetien Getötetes, wie die Be-
gier nacfi weiteren Annexionen: die Furcht vor dem Empor-
kommen der kaiserlichen Macht, die ihre Überlegenheit im
Kriege gegen die Türken erwiesen und im Osten Europa's Er-
folge davongetragen hatte, die auch dem Franzosenkönige Be-
sorgnis einßosten ; die ablchnemie Haltung des deutschen Reiches,
die sich in der Weigerung desselben ausdrückte, den Waffen-
stillstand von 16S4 in einen definitiven Frieden umzuwandeln;
dk Umkehr so vieler deutscher Fürsten — insbesondere des Kur-
fMrsien von Brandenburg ~ die so lange die Interessen Frank-
Einleitung. Xn^j
reichs vertreten hatten; der Verlauf des Kölner Coadjutorstreites,
der pfälzischen Erbschaftsangelegenheit; das Bündnis Polens
mit dem Kaiser; der Übergang Schwedens in das Lager der
Gegner; das feindliche Vorgehen des Papstes, und nicht in
let(ter Linie die drohende Haltung, die Wilhelm von Oranien,
der Herr der Niederlande und Thronkandidat in England,
annahm; all dies liess in Ludwig XTV. den Gedanken reifen,
den Plänen seiner Gegner, die er nur all^u gut kannte, zuvor-
zukommen^ um durch einen rasch und energisch geführten
Schlag gegen den Kaiser und das Reich seine noch nicht ganz
geeinigten Gegner z^f trennen, die schwankenden und zögernden
auf seifte Seite z^i ;f/V'Ä^«. Sein Plan misslang; die Grausam-
keit, mit der Frankreichs Soldaten das südliche Deutschland
verwüsteten, führte nicht z^ der von Ludwig XIV, erwarteten
sofortigen Unterwerfung seiner Gegner; reizte diese vielmehr
ZU epurgischerem Widerstände, Und zu gleicher Zeit raubte das
geglückte Wagnis Wilhelms von Oranien dem Könige von
Frankreich nicht nur die Bundesgenossenschaft Englands, auf
die er bei seinen Unternehmungen gehofft hatte; er mtisstevieU
mehr mit Sicherheit darauf rechnen, dass die gewaltigen Mittel
dieses Staates in kürzester Frist seinen Gegnern zur Verfügung
stehen würden. In der Tat trug Wilhelm, kaum dass er Herr
in England war, dem Kaiser die Erneuerung der alten Freund"
schafl an, die Österreichs und Englands Herrscher in früheren
Zeiten verbunden hatte und Leopold I entschloss sich, so lockend
ihm auch als eifrigem Katholiken der zu gleicher Zeit von
Ludwig XIV, gemachte Vorschlag erscheinen musste, durch die
gewaltsame Rückführung fakobs II auf den englischen Thron
die Sache des Katholizismus in Europa zu stärken, die ihm,
dargebotene Hand des Oraniers zu ergreifen.
Schon längere Z^it stand dieser als Haupt der Vereinigten
Niederlande mit dem Kaiser in Unterhandlungen; jetzt erklärte
er als Herrscher Englands, an dem Kriege dieser beiden Mächte
gegen Frankreich teilnehmen zu wollen und sprach dem schleu-
nigen Abschlüsse des staatisch-österreichischen Bündnisses das
Wort.^) Am ii, April gaben die Generalstaaten ihre Einwilli-
gung, ein Schutz- und Trutzbündnts mit dem Kaiser zur
*) ygi» fi^r die Verhandlungen, die \um Abschlüsse dieses Bündnisses
führten. Klopp L c. IV, 414 ff,
Österreidiisch-eDglische StaaUvertrfige. Bd. • 12
I ^8 Einleitung.
Wahrung ihrer beiderseitigen Interessen ij[u sMiessen, dem
Spanien und England beitreten sollten und teilten Wilhelm die
Bedingungen mit, unter denen der Vertrag zustande kommen
sollte, Wilhelm hiess dieselben gut und erklärte, es sei ihm gleich-
giltig, ob er — als Herrscher Englands — sofort oder spater dem
BüPidnisse beitrete; doch empfahl er die Angelegenheit sobald als
möglich ^(uEnde zuführen. Bald darauf wurden die Verhandlun-
gen in Wien aufgenommen ; man einigte sich rasch; die ein\igc
erhebliche Schwierigkeit bildete die Forderung der Generalstaaten
an den Kaiser, den Frieden mit den Türken sogleich {U schlies-
sen. Auf die entschiedene Weigerung Leopolds /., in dieser Frage
ein bindendes VWsprechen ^u geben, standen die Vertreter der
Staaten von ihrem Begehren ab, d^igegen willigte Leopold L ein,
dass die schwerwiegenden Zusagen, die ihm die Generalsiaaten
in den Fragen der spanischen Succession und der deutschen
Königswahl f« machen sich bereit erklärten, in einem separaten
Geheimartikel ihren Ausdruck finden sollten. Schon am 12, Mai
1689 konnte das Bündnis unter:^eichnet werden,^) Es lautete auf
Schut^ und Trut:^ nicht {// Eroberungen, sondern ^ur Herstellung
des durch den westphä tischen und pyrenäischen Frieden gescliaffe-
nen Zustandes; Lothringen sollte seinem rechtmässigen Besitzer
wiedergegeben, die Reunionen rückgängig gemacht werden. Es ent-
sprach dem Wunsche beider Parteien, die gegenseitigen religiösen
Gefühle :iu schonen, dass in dem Vertrage jede Erörterung reli-
giöser Fragen vermieden wurde. Der Kaiser verpflichtete suh
bei Spanien, die Generalstaaten bei England für den Eintritt in
das Bündnis {// intervenieren. In dem geheimen Separatar-
tikel verpflichteten sich die Generalstaaten für die Aner-
kennung der Erbrechte der deutschen Linie des Hauses Habs-
burg beim Aussterben der spanischen Linie dieses Geschlechtes
und für die Wahl Josefs, Leopolds I. erstgeborenen Sohnes, ^^um
deutschen Könige einzutreten. Ausdrücklich wurde festgesetzt,
dass nur Wilhelm, nicht aber Spanien von diesem Gelwim-
artikel Kunde erhalten und ^ur Einhaltung desselben aufge-
fordert werden sollte.
Es gelang dem Kaiser unschwer den Beitritt Spaniern
lum Bündnisse vom 12. Mai 1689 durcl^uset^ett, Dass Wil-
helm HL dasselbe tun werde, konnte umso weniger be:^'eifelt
*) Für die Drucke «. a, Dumont VIII 2 22g, vgl. Bittner /. c. joo.
Einleitung. |^q
werden, als das Parlamcfit in eben den Tagen, da die Unter-
leichnung des staatisch-österreichischen Bündnisses erfolgte,
Ludwig XIV. den Krieg erklärte. In der Tat ruihmen die Ver-
liandlungen, die bald darauf am Hofe Wilhelms IIL geführt
wurden, einen günstigen Verlauf Am 9. Sept, 1689 unter-
^eichfiete der englische König das Dokument, durch das er dem
österreichisch'Staa tischen Bündnisse beitrat, alle Verfügungen
desselben guthiess und für die Einhaltung der übernommenen
Verpflichtungen garantierte. In einem besonderen Schriftstücke
gab er ein gleiches Versprechen bezüglich der Gegenstätide,
die in dem geheimen Separatartikel ihre Erörterimg gefunden
hatten. ^)
Beilagen.
1.
Projekt eines Dejensivbündnisses ^wischen Leopold I. und Karl IL
Sept. 1680 (St.'A.)
In nomine domini amen.
Notum testatumque sit quorum interest aut quomodo-
libet Interesse poterit, quod cum sacra M*»» C®* grato recoleret
animo quo zelo atque affectu Serenissimus atque potentissimus
Magnae-Britanniae rex, dum mediatoris munere in congressu
Noviomagi habito fungeretur, operam suam ad reducendam orbi
christiano pacem quousque ad felicem etiam exitum perducere-
tur indefesse navavit; insuperque perciperet eumdem serenissi-
mum regem pari etiamnum tranquillitatis publicae conservandae
studio propendere ut, quemadmodum se novissime cum sere-
nissimo et potentissimo Hispaniarum rege catholico in eum
finem arcte coniunxit, ita et cum alte memorata M*® sua C®*
eas iniret rationes et consilia, quae ad finem tam salutarem,
praesertim vero pro dicto pacis Noviomagensis tractatu in pleno
vigore conservando conducere maxime possint ; eadem M*« sua
O^ — cui pro supremo munere suo soUicitudo nuUa aeque cordi
nee res antiquior ulla est, quam in eo curam vertere ut stet in-
columis publica tantarum rerum discrimine parta tranquillitas —
0 ^g^' '^ten Abdruck dieser Dokumente im Anhange \u diesem Kapitel;
Nr. 2.
12*
iSo Einleituiig.
pro consulto duxerit, ut in eum fmem sua etiam ex parte fir-
missimum cum eodem serenissimo Magnae-Britanniae rege iniret
defensionis foedus. Misso igitur ad eiusdem aulam regiam cum
sufficienti mandato camerario suo (Tit.) Francisco Sigismundo
comite de Thun, inter hunc commissariosque regios N. N. suf-
ficientibus pariter mandatis instructos in articulos sequentes
conventum est.
I.
Sit inter M**"» suam C®*"* ex una et serenissimum atque po-
tentissimum Magnae-Britanniae regem ex altera parte et inter
ipsorum successores firmum deinceps, strictum et inviolabile
foedus, amicitia, societas et correspondentia pro communi de-
fensione regnorum, ditionum, urbium, locorum et terrarum ad
ipsos spectantium, tuendo se invicem et conservando contra
quoscunque hostes exteros in earundem plena possessione uti
et fruitione omnium jurium quibus iam gaudent vel de iure
gaudere debent, praesertim vero eorum quae tractatu Novio-
magi nuper inito comprehensa existunt; illud vero omne intra
Europae duntaxat limites.
n.
Si contigerit alterutrum dictorum confoederatorum aut
ambos in possessione vel fruitione ditionum, locorum, regio-
num urbiumque vel iurium, quae iam possident vel vigore
dicti tractatus Noviomagensis possidere debent, invadi aut quo-
cunque demum modo turbari, iidem confoederati alter ab altere
requisiti omnem operam sibi invicem impendent, ut hostilitas
seu turbatio cesset et ut damna et iniuriae quae alterutri illo-
rum illatae fiierint resarciantur.
III.
Vi huiusce foederis, si contingeret serenissimum Magnae-
Britanniae regem a quocunque hoste extero intra Europae li-
mites contra pacem Noviomagensem (cuius consors est) aut con-
tra ius iustitiamque hostiliter et formali bello infestari, oppug-
nari vel turbari in regnis, ditionibus, indeque dependentibus at-
que M*' suae regiae competentibus iuribus, terris, arcibus lo-
cisve in Europa sitis, M*^^ sua Q^ spondet atque promittit se
intra tres menses, a primo die quo M**^ sua regia eam desuper
requisiverit computandos, eidem suppetias octo millium pedi-
tum pro proximo subsecuturo trimestri laturam iisque sex men-
Einleitung. x8l
sibus durantibus omnem operam adhibituram, ut inter hostem
aggressorem sive invasorem et M^™ suam regiam ceu laesum
sive invasum pax aequis conditionibus redintegretur.
IV.
Cum autem praedictas octo millium peditum probe ar-
matorum suppetias caesareas uti bello maritimo minus assuetas
in Angliam transfretare minus commodum videatur, et vero
tali casu Serenissimus rex Hispaniarum catholicus vigore foe-
deris inter eundem et saepedictum Magnae-Britanniae regem
novissime initi par auxilium octo millium peditum primo tri-
mestri in Angliam mittere ac dein non succedente tentamine
pacis redintegrandae in apertum bellum se sociare teneatur,
conventum est ut tunc, auxilio illo hispanico in Anglia per-
manente, dictae suppetiae caesareae illius lociun in Belgio hi-
spanico sumptibus caesareis ibidem alendae subeant et contra
communem hostem agant in tales legiones et centurias redactae
nee non iis tribimis aliisque praefectis subiectae, quibus C^^ M**
tanquam auxiliatori visum fuerit.
V.
Si spatio dictorum sex mensium pax inter invasorem seu
turbatorem et M*«™ suam regiam britannicam non redintegretur,
M*^ sua O* bellum contra eundem invasorem per diversionem
suscipiet ex propriis regnis ditionibusque et omnes vires co-
piasque suas adhibebit, quo communis hostis in pacis honestae,
securae et aequae conditiones cum foederatis ambobus com-
pellatur.
VI.
Cum autem hoc casu omnis belli moles atque hostilis
Impetus facilius et maiore impetu in M**™ suam C^™ quam in
transmarina M*" suae britannicae regna defluxurus atque in-
cubiturus videatur adeoque dictae M^ suae C«*« extremis se
viribus in praedictmn diversionis bellum parare necessum foret>
dictus Serenissimus Magnae-Britanniae rex singulis mensibus
belli eins durantis subsidium centum milhum florenorum rhe-
nensium initio cuiusque mensis Francofiirti ad Moeniun adnu-
merabit.
vn.
M**« sua britannica viceversa spondet promittitque vigore
praesentis foederis, se in casum quo M*«« sua C®* a quocunque
i8j2 Einleitung.
hoste extero invaderetur, ita ut aggressio illa seu turbatio in
apertum bellum prorumperet statim ab ipsa die notificationis
seu requisitionis caesareae omnem operam adhibituram, ut in-
tra aggressorem et M*®™ suam C®*'" pax aequis conditionibus
redintegretur, simul vero eidem auxilium etiam ab eodem noti-
ficationis die octo millium peditum probe armatorum in niilite
ipso vel pecunia ut infra dicetur subministraturam ; et si intra
tres menses dicta pax redintegrata non fuerit indicto hosti
terra marique bello omnes vires copiasque suas adhibituram,
quo communis hostis in pacis honestae, securae et aequae con-
ditiones cum ambobus confoederatis impellatur, ac praeterea
— cum aerario non minus caesareo in talem casum subveniri
causae communi quam maxime intersit — subsidium etiam pe-
cuniarium centum millium florenorum rhenensium in menses
singulos quoad bellum duraverit depensuram.
vm.
Dictum vero auxilium octo millium peditum probe arma-
torum — si in ipso milite totum vel pro potiore parte praestetur
— in tales legiones et centurias redigetur nee non iis tribunis
aliisque praefectis subiicietur quibus subministranti visum fuerit;
a quo propriis etiam sumptibus in usum C®»® suae M*^ utpote
confoederati laesi seu invasi sustentabitur per totum illud tem-
pus quo iuxta hunc tractatum in aperti belli societatem venire
non tenebitur. Liberum vero erit M*^ suae Q^ dictum auxilium
vel totum militibus vel totum pecunia, vel partim militibus partim
pecunia, pro toto vel pro parte constituti temporis recipere, sin-
gulis mille peditibus pretio decem millum florenorum brabantico-
rum — quorum unus 20 stufferis constabit — pro quolibet mense
aestimandis; initio autem cuiusvis mensis solutio praestabitur
Francofurti ad Moenum ea ratione habita, ut si M*^ suae C^«
placuerit sibi subveniri ex parte equitibus seu dimachis (vulgo
dragons) ac implendum numerum dictorum octo mijlium peditum
vel talem eorundem partem quam eadem reqqisiverit, unusquis-
que dimachus seu eques tribus peditibus aequalis censebitur.
IX.
Supra dicta auxilia octo millium peditum reciproca, si vel
integre vel ex potiore parte militibus subministrentur, dicti mi-
lites eins voluntatem respicere et mandatis obtemperare tene-
antur ad quem missi sunt, quo scilicet (prout consultius visum
Einleitung. 183
füerit) adhibeantur in exercitu aut in obsidionibus custodiisve.
civitatum et ubique servituri pro eo^) ac necessitas et utilitas
postulaverit; ea tarnen lege, ut licitum non sit centurias sin-
gulas a se invicem distrahere et segregare, sed ut ad minimum
ducenti aut trecenti milites ex unaquaque legione sub iisdem
insignibus militent, imperio tarnen in auxiliares penes ipsorum
praefectum ab auxiliatore constitutum permanente, qui quidem
sub auspiciis praecipui exercitus ducis generalis militet eiusque
iussis pareat; hie tamen etiam super omnibus in commune cum
ipso consulat.
X.
Elapsis supradictis sex vel respective tribus mensibus,
queis imus confoederatus alteri dictum octo millium peditum
auxilium submittere tenebitur, optio etiam erit penes confoe-
deratum qui invasus seu laesus fuerit vel eodem auxilio di-
utius frui, si temporis et rerum suarum habita ratione id e re
sua magis esse iudicaverit, vel confoederatum alterum in aperti
belli societatem trahere. Si vero dicta auxiliatione ita durante
ipsum etiam auxiliatorem bello invadi seu infestari contigerit,
liberum eidem erit auxilium a se milite^) submissum deinceps
ad propriam tunc defensionem revocare.
XI.
Erupto semel inter confoederatos iuxta hunc tractatum
bello, in facultate neutrius confoederatorum erit suspensionem
quampiam armorum inire se inter hostemque nisi coniunctim
et de communi consensu. Casu vero eveniente ut de pace aut
tregua sive induciis quorundam annorum tractatus proponatur,
eum incipere non poterit alteruter confoederatorum sine alterius
participatione atque consensu, et nisi pars quae paciscendi ani-
mum habet alteri parti eodem quo sibi tempore procuret fa-
cultatem et salvos conductus necessarios solitosque quibus freta
ministros ad locum tractatui destinatum tuto mittere possit, et
nisi successive et de tempore in tempus communicet ea omnia
de quibus in dicto de tregua paceque tractatu agatur; neuter
vero confoederatorum in conclusionem praedictae pacis aut
treguae consentire poterit nisi confoederato simul comprehenso
eodemque si ita voluerit restituto in possessionem ditionum,
*) UrsprünglLh stand prout necessitas et utilitas postulabit,
») Ursprünglich stand sive milite sive pecttnia.
184 Einleitung.
terrarum et locorum, quin etiam omnium iurium et immuni-
tatum quibus ante bellum utebatur et gaudebat; tum etiam
nisi obtentis et concessis suo confoederato a communi hoste
iis iuribus, immunitatibus, exemptionibus et praerogativis quas
sibi ipse paciscebatur, nisi aliter inter ipsos convenerit
xn.
Quo vero omni meliori modo prospiciatur, ne sincerum
illud confoederatorum Studium ad stabiliendam per praesentem
tractatum inter ipsos eorumque hinc inde ditiones et subditos
arctiorem amicitiam et unionem cuicunque demum mutationi
Sit obnoxium, non solum conventum est haut licere eorum
cuicunque ullam omnino conventionem huic contrariam dein-
ceps inire, verum etiam nuUum quidem tractatum, nisi altero
confoederatorum si ita voluerit eodem comprehenso et Omni-
bus satis in tempore communicatis, ut de dicta comprehensione
consilium suum declarent.
xm.
Cumque huiusce foederis praecipuus scopus sit, ut publica
tranquillitas et restaurata orbi christiano pax illaesa et inviolata
maneat, über etiam sit aliis regibus, principibus et statibus,
praesertim vero generalibus foederati Belgii ordinibus accessus,
quo eas cum foederatis hisce rationes et consilia ineant quae
ad tam salutarem finem conducere maxime possunt; praesertim
vero omnis opera hinc inde dabitur, ut tractatus Neomagi nu-
per initi (quibus orbi christiano quies reddita est) in pleno vigore
maneant et conserventur.
XIV.
Foedus hoc defensivum usque ad 20/30 diem mensis
Augusti anno domini 1690™^ durabit et vigebit, et ante illius
temporis decursum convenient inter se dicti serenissimi con-
foederati de ulteriori eiusdem in pubHcum commodum proro-
gatione; et intra duos menses a die subscriptionis numerandos
hinc inde ratihabebitur. Actum in etc.
Annotanda.
Primo: Ut quemadmodum in ratificatione foederis huius
hispano-anglici appositum est magnum sigillum regni Angliae
quo nimirum constet regnum simul Universum esse obbligatum,
ita idem etiam sigillum magnum apponatur ad ratificationem
huius foederis caesareo-anghci.
Einleitung. 185
Secundo: Quod ponatur ubique casus, si Anglia ab hos-
tibus exteris invadatur; si enim intemae dissensiones regem
inter et parlamentum seu populum orirentur, imperator nuUo
modo se iis immiscere intendit; non magis quam ut hoc foedus
solummodo ad oras in Europa sitas per totum restringatur.
Actum etc.
2.
Beitrittserklärung Wilhelms IIL ^um österreichisch-staatischen
Bündnisse vom 12, Mai 1689 d. d. Hampton-Court 1689 Sept. 9.
fOr. St-A,^)
Gulielmus tertius dei gratia Magnae-Britanniae, Franciae
et Hibemiae rex, fidei defensor etc. omnibus et singulis ad
quos praesentes literae pervenerint salutem. Quandoquidem
tractatus quidam amicitiae et arctioris foederis inter serenissi-
mum, potentissimum et invictissimum principem et dominum,
dominum Leopoldum divina favente dementia electum Roma-
norum imperatorem semper augustum ac Germaniae, Hungariae,
Bohemiae, Dalmatiae, Croatiae, Sclavoniae etc. regem, archiducem
Austriae, ducem Burgundiae, Styriae, Carinthiae, Carniolae et
Wurtembergae, comitem Tyrolis etc. et celsos ac praepotentes
dominos ordines generales foederatarum Belgii provinciarum ini-
tus et conclusus sit Viennae i2<> die Mali proxime praeteriti
per Leopoldum Gulielmum comitem in Konigsegg, sacri Romani
imperii procancellarium, aurei velleris equitem et Theodorum
Althetum Henricum comitem a Stratman, cancellarium auli*
cum suae C«*® W^^ plenipotentiarios et consiliarios Status inti-
mos a parte suae O*® M**^ et per Jacobum Hop civitatis Am-
stelodamensis consiliarium et syndicum nee non in consessu
') Da das am (). Srpt i68g ausgefertigte Dokument nur cinr Erneuerung
des am la. Mai desselben Jahres \wiscJu*n lit^m Kaiser uuJ Jen Generalstaaten
geschlossenen Bündnisses ist, dem England am (),Sept, beitrat, wird den von der
Kommission gefassten Beschlüssen gemäss der Abdruck dieses Vertrages im Bande
y^y ereinigte Niederlande'* erfolgen. Dort werden auch die Verhandlungen \u
schildern sein, -f// denen die einzelnen Artikt'l dieses Bündnisses Anlass gegeben
haben. Im Hinblicke auf die Bedeutung des Vertrages und auf die Tatsache,
Jass derselbe im Laufe des Krieges erneuert wurde und andere Fürsten dem-
selben beitraten, schien es dem Herausgeber aber angezeigt, den der Accessions-
erklärung inserierten Vertrag hier mit abzudrucken. Das Or. der kaiserlichen
Ratifikation d, d, Augsburg i68(f De^eti^er aj. im R, O.
l86 Einleitung. •
D. D. ordinum generalium nomine Hollandiae et Westfrisiae
deputatum a parte D. D. ordinum generalium, cuius tractatus
tenor sequitur:
Notum testatumque sit, quod tametsi foedus illud quod pau-
eis ab hinc annis sacram C«»»" M*®™ inter et celsos ac praepo-
tentes D. D. ordines generales foederati Belgii Hagae Comitum
in mutuam defensionem sancitum est in suo adhuc dum vigore
permaneat, nihilominus tam sacra O* M*»** quam dicti D. D. or-
dines generales, perpendentes communis periculi post novissi-
mam invasionem gallicam reipublicae christianae impendentis
magnitudinem ac lubricam Gallorum in observandis tractatibus
fidem, necessarium iudicaverint praedicti foederis leges veterem-
que coniunctionem arctioribus firmioribusque vinculis roborare
et de efficacioribus simul tam reducendae quam conservandae
pacis et securitatis publicae mediis rationes inire, eaque propter
per utrimque ad id constitutos plenipotentiarios, a parte quidem
sacrae O»® M*»^ per eiusdem consiliarios Status intimos D. Leo-
poldum Gulielmum comitem in Konigsegg, sacri Romani imperii
procancellarium, aurei velleris equitem et D. Theodorum Althe-
tum Henricum comitem a Stratman, cancellarium aulicum, et a
parte celsorum ac praepotentium D. D. ordinum generalium
per D. Jacobum Hop, civitatis Amstelodamensis consiliarium et
syndicum nee non in consessu eorundem D. D. ordinum ge-
neralium nomine Hollandiae et Westfrisiae deputatum, com-
mutatis hinc inde plenipotentiarum tabulis conventum sit tenori
sequenti.
1.
Sit maneatque semper inter sacram C®*'" M*®'" et D. D. or-
dines generales foederati Belgii constans, perpetua et inviolabilis
amicitia et correspontentia teneaturque alter alterius commoda
sedulo promovere, damna ven^ et incommoda pro posse avertere.
IL
Et cum rex Galliae tam sacram O*"* M*«'" quam D. D. or-
dines generales uniti Belgii absque ulla legitima causa seu prae-
textu gravissimo iuxta ac iniquissimo bello nuperrime adortus sit,
sit eo durante inter partes contrahentes non tantum defensivum
sed et offensivum foedus, vi cuius nmbae omnibus viribus contra
praedictum Galliae regem terra marique eiusdemque foederatos,
qui quidem ad exhortationes eum in linem interponendas sese ab
eodem seiungere noluerint, hostiliter agant deque operationibus
Einleitung. 187
bellicis in communis hostis perniciem sive coniunctim sive se-
paratim utilins instituendis consilia identidem communicent.
m.
Neutri partium fas sit ab hoc contra Galliam bello recedere
sut cum illa illiusve adhaerentibus uUam conventionem aut
tractatum de pace vel armistitio sub quocunque demum prae-
textu seorsim instituere nisi volente et concurrente altera parte.
IV.
Nullatenus vero pax ineatur priusquam pax westphalica
osnabrugensis et monasteriensis nee non pyrenaea communibus
viribus iuvante deo vindicata et omnia iuxta earundem tenorem
in ecclesiasticis et politicis in pristinum statum restituta sint.
V.
Institutis autem communi consensu pacis aut armistitii trac-
tatibus, communicabuntur hinc inde bona fide ea quae agentur, nee
una pars sine alterius consensu et satisfactione quicquam concludet.
VI.
Postquam praesens bellum communi consensu finitum
et pax conclusa fuerit, maneat inter sacram O*™ M*«™ et eius-
dem haeredes et successores necnon D. D. ordines generales
foederati Belgii contra saepius memoratam coronam Galliae et
eiusdem adhaerentes foedus perpetuum defensivum, vi cuius
partes contrahentes omnem operam dabunt, ut pax ineunda
constanter perpetuoque duret.
vn.
Quod si vero contingeret ut corona Galliae iterum
unam alteramve partem contrahentem aut utramque contra
eandem pacem impeteret, quocunque id tempore fiat tenebun-
tur hae sibi vicissim eodem quo nunc modo terra marique Om-
nibus viribus fideliter assistere et quamcunque hostilitatem et
violentiam propulsare neque ab eo desistere, donec omnia in
pristinum statum iuxta praedictae pacis normam redintegrata
sint et parti laesae satisfactum fuerit.
vin.
Porro tarn sacra O^ M*»« omnia iura D. D. ordinum
generalium quam hi vicissim iura sacrae C®*« M*»^ contra coro-
nam Galliae et eiusdem adhaerentes omni tempore omnibusque
mediis et viribus tueantur et defendant neque etiam sibi invi-
cem in iis ullum praeiudicium afferant.
l88 Einleitung.
IX,
Si quae inter ipsos contrahentes ratione quorundam
limitaneonim dominiorum controversiae sint aut in futurum
exoriantur, eae per amicabilem commissionem aut deputandos
ab utraque parte ministros omni via facti penitus exclusa ami-
cabiliter discutiantur componanturque neque in iis interea tem-
poris quicquam innovetur.
X.
Ad praesentis foederis societatem invitentur ex parte sacrae
Ceae M*»» coroua Hispauiae et a DD. ordinibus generalibus foe-
derati Belgii corona Angliae, et admittantur ad illud pariter om-
nes utriusque partis foederati quibus eidem accedere visum fuerit.
XL
Includitur etiam huic foederi Serenissimus Lotharingiae
dux conferentque confoederati omnem operam, consilia et vires,
ut et ipse in suos avitos ducatus, ditiones, Status et iura ple-
nariae restituatur.
xn.
Ratihabebitur hoc foedus ab utraque parte intra spatium
quatuor septimanarum vel citius si fieri potest.
In quorum omnium certitudinem ac maius fidei et sin-
ceritatis robur bina eiusdem tenoris instrumenta desuper confecta
et a contrahentium plenipotentiariis subscripta signataque reci-
proce commutata sunt. Actum Viennae 12. Maii 1689.
L. S. Leopoldus Gulielmus comes in Konegsegg.
L. S. T. A. comes de Stratman.
L. S. J. Hop.
Articuli separati.
Postquam ex parte Galliae in variis locis et aulis palam
divulgatum est, quod non obstante renuntiatione solemnissima
successionem in monarchiam hispanicam casu quo rex catholi-
cus sine prole legitima e vivis decederet pro delphino indesi-
nenter praetendat vi et armis etiam asserendam, nee obscure
etiam eo coUimet ut praedictus delphinus in regem Romano-
rum evehatur, domini Status generales loederati Belgii, mature
considerantes quantam Status publici collisionem et quantum
praeiudicium publicae rei et tranquillitati tam una quam altera
praetensio afferre possit, promittunt hisce separatis articulis non
minus ac si foederi principali verbotenus inserti essent valituris;
Einleitung. 1^9
X casu quo modernus Hispaniarum rex e vita decederet non re-
lictis legitimis descendentibus, quem casum deus clementer aver-
lere velit, se sacram O*"* M*«"> eiusve haeredes ad successionem
^ugustae eiusdem domui legitime competentem in monarchiam
liispanicam et eins regna, provincias, ditiones et jura earumque
^dipiscendam et asserendam quietam possessionem contra Gallos
eiusve adhaerentes, qui se huic successioni directe vel indirecte
opponere vellent, omnibus viribus adiuturos et in contrarium
^ttentantium vim vi repulsuros; deinde etiam apud dominos
principes electores imperii foederatos suos omnia amica officia
et studia collaturos , ut quanto citius Serenissimus Hungariae rex
Josephus sacrae C«*« M*^* primogenitus in regem Romanorum
eligatur; et si ex parte Galliae haec electio minis aut armis im-
pediretur, controverteretur aut quo modo libet interturbaretur,
se pro eadem tuenda et avertenda vi omnibus pariter viribus
sacrae C«*« M*» opem laturos.
Invitabitur ad horum etiam articulorum societatem corona
Angliae. Actum Viennae 12. Maii 1689.^)
Quumque D. D. ordines generales per legatos suos extra-
ordinarios virtute articuli decimi nos in praedicti foederis so-
cietatem invitaverunt; nos, quibus nihil magis cordi est quam
eas omnes rationes amplecti quae necessariae maximeque utiles
sint tam reducendae quam conservandae paci et securitati pu-
blicae, eo etiam lubentius eidem accedimus, quo testimonium
hoc praebeamus sinceri nostri affectus et amicitiae erga suam
Qewoi ^tem dictosque ordiues generales; sciatis quod nos perlecto
matureque considerato praedicto tractatu eundem laudavimus,
approbavimus, gratum, acceptum ratumque habuimus, sicut per
praesentes pro nobis, haeredibus et successoribus nostris lau-
damus, approbamus, gratum, acceptum ratumque habemus, una
cum omnibus et singulis eiusdem articulis; spondentes et in
verbo regio promittentes, nos praedictum tractatum sancte et
inviolabiliter observaturos et adimpleturos, nee eidem in uUo
articulo contraventuros aut quantum in nobis erit contraveniri
passuros; proviso semper quod sua O* M^* et ordines generales
praedicti nos in eundem tractatum admittant et instrumenta
necessaria optima forma respective confecta nobis exhibeant
*) Dieselben Untersclirifieti ivie im Hauptvertrage,
tuo Einleitung.
tractantque. In cuius rei maiorem fidem et testimonium basce
literas manu nostra signatas magno Angliae sigillo communiri
fecimus. Quae dabantur in palatio nostro de Hamptoncourt,
nono die Septembris anno domini supra millesimum sexcen-
tesimum octogesimo nono regnique nostri primo.
Gulielmus R>)
V. Vom Abschlüsse der Alliana vom g. Sept. i68g bis
zum Tode Karls II. von Spanien i. Nov. lyoo.
Die grosse AUian^, wie seit dem Beitritte Wilhelms IIL
das staatisch'österrcichisciw Bündnis vom 12. Mai 1689 S^'
tuinnt wurde, trug die Gewähr einer längeren Dauer in sich;
denn sie dankte ihren Ursprung nicht einer augenblicklichen
Schwierigkeit, mit deren Beseitigung sie ihre Existen\berechti^
gung verlieren musste, sondern einer Idee, die seit Jahrzehnten
viele der heiTorragendstcn politischen Köpfe beschäftigt hatte
deren Realisierung schon oft versucht, aber immer wieder ah
der ablehnemien Haltung der englisclien Könige aus dem Hause
Stuart gescheitert war; der Idee, das eurapäische Gleichgewicht
gegenüber den jflachtgelüsten Ludwigs XIV. aufrecht^uhalten.
So lange der Herrscher Frankreichs an der Eroberungspolitik
festhielty die er so viele Jahre nu't immer steigendem Erfolge
•) Hinr gleichlautende Erklärung erfolgte be\üglich der Geheimartikel.
Die kaiserlichen Ratifikationen dieser Accessionserklä'rungcn Wilhrlms erfolgten
am 2;. De\embcr i68(j, Or. im St.-A.
Onno Klopp hat (Dr Fall des Hauses Stuart IV. 491 ff.) darauf auf-
merksam gemacht, dass diese Urkunde lediglich von dem König selbst, ohne Ge-
genzeichnung eines Ministers, aber mit dem beigefügtem^ grossem Siegel von Eng-
land unterzeichnet 'jcurde und hervorgehoben, dass Wilhelm seine Absicht, die
Urkunde gelegentlich dem Parlamente vorzulegen, nicht durchgeführt hat. Doch
erhob der Kaiser gegen diese Art des Beitrittes Wilhelms IIL {ur grossen
Allianz kein Bedenken. Übtr die Gründe, die Wilhelm {u diesem Vorgehen
vermocht haben, wird sich schuer ein sicJieres Urteil fällen lassen. Klopp scheint
anzunehmen , dass Wilhelm III, auf diese Weise seine Praerogative wahren
uollte. Gegen die Vorlegung der Separatartikel an das Parlament sprach
zweifellos die Verpflichtung der Geheimhaltung der in denselben vereinbarten
Bedingungen,
Einleitung. I^t
TH^rtreten hatte, miissten die Seemiuhte und das Haiis Habsburg
in einem gemeinsamen Vorgehen ihre Rettung erblicken, so ver-
schieden auch sonst ihre Interessen waren und so sehr auch jeder
cJicser Staaten auf die Wahrung derselben bedacht sein mochte.
/zs war ein Glück für alle Feinde des französischen Über-
jjc^ewichtes, dass Wilhelm III, wul Leopold I so viele gemein-
Siifne Interessen hatten und bereit waren, um diese ^u wahren,
I77i7 nc/ien Lieblingswunsch yi unterdrücken, manchen Plan {//-
iück:{ustellen, dessen Durchführung ihnen am Herren lag.
Es war kein leichtes für den Kaiser gewesen, das Bitt-
gesuch des katholischen Stuart und die Vorschläge Lud-
'Zjc/g'S XIV. \urück\uweisenj der ihm eine grosse Einigung der
Aatholischen Mächte in Aussicht stellte und ihn mit lockenden
Worten J^um Kampfe für die gute Sache rief Aber Leopold I.
/'i'ihlte, dass er in diesem Augenblicke seinen Untertanen, dem
€ie titschen Reiche, ja gan\ Europa einen ungeheueren Dienst
/eistete, wenn er den Versuchungen Ludwigs XIV. widerstand,
find er musste in dieser Auffassung bestärkt werden, als auch
die Mehr:[ahl der Geistlichen an seinem Hofe für den Abschluss
ßfiit den Andersgläubigen eintrat, als er sah, dass niemand
€.^ifriger gegen das französische Bündnis predigte , als der Ge-
sandte des katholischen Königs. Umi wie stark auch seine
Neigung sein mochte, die Interessen der katholischen Kirche \u
/'ordern, näher noch stand ihm das Wohl seiner Eamilie, der
Dynastie, deren Haupt er war. Seitfahr^ehnten drohte das Aus-
sterben der spanischen Linie des Hauses Habsburg, jeden Augen-
Nick konnte das nur mühsam ßackernde Lebenslicht Karls II.
erlöschen und{Leopold I. hatte keine Gewissheit, dass in diesem
Falle seine Interessen gewahrt werden, seine Ansprüche entspre-
chende Berüclisichtigung finden würden.^) Zweimal hatte er, von
der Furcht getrieben beim Todesfall Karls H. leer auszugehen,
mit Ludwig XIV. Verträge geschlossen, die ihm, unter Preisgabe
des ganzen Erbes, wenigstens einen Teil desselben sichern sollten.
Aber wo war die Gewähr, dass der französische Herrscher das
») Ic:h verweist' für die spanische Successionsfrage in den lahren i68p^
i/oo ein für allemal auf die Bände I.—IV. des Werkes von A. Legrelle „La
Jiploniatie /ran<,aise et la succession d* Espagnc*', 2. Aufl. jSp^. Legrelle gibt in
seinem Vorwort p. I.—XXXIL eine ausführli.he Kritik der hauptsä hlichen Li-
teratur über diesen Gegenstand»
ig2 Einleitung.
gegebene Wort halten werde? Die Unterstüt^ng der See-
mächte^ \u der sich dieselben durch den geheimen Separat-
artikel der grossen Allianz verpflichtet Imtten, war unter diesen
Umständen ein ungeheurer Vorteil für den Kaiser, den dieser
auch \u würdigen wusste. Nicht geringer dachte Leopold I.
von dem Versprechen der Seemächte, die Wähl seifies Sohnes
Josef \um deutschen Könige ^u fördern. Wusste er ja, dass
Ludwig XIV., sein Rivale in den Jahren 16^7 umi 1658, seit
dieser Zeit unablässig im Reiche tätig war für den Dauphin
Stimmung \u machen, dass es demselben gelungen war mafichen
der Wähler |/^ himienden Zusagen im Sinne der Förderung der
französischen Kandidatur {// bewegen, dass derselbe entschlossen
sei mit allen Mitteln, die ihm ^u Geboten stafiden, dieses Ziel
in verfolgen. Aber auch Wilhelm III. hatte allen Grund Wert
auf das Bündnis ^u legen, dem er beigetreten war. Es war
für ihn, der einem schweren Kampfe mit Ludwig XIV., dem
Vertreter der Stuart' sehen Sache entgegensah, ein nicht hoch
genug lu schät^epider Vorteil, dass Kaiser Leopold /., das Haupt
der Christenheit, der Führer im Kampfe gegen die Glaubens-
feinde, der treue Katholik, ihn in seiner Stellung anerkannte
und sich mit ihm ^u einem Kampfe einigte, der mit in erster
Linie die Rückkehr Jakobs II nach EnglafuI verhifidern sollte.
Wir sehen, neben den allgemeinen Interessen gab es noch
besondere, die Leopold I. uml Wilhelm III. auf einander an-
wiesen und f// gegenseitiger Nachgiebigkeit bestimmten, so oft
im Verlaufe des Krieges, der unter ihrer Leitung während der
folgemlen Jahre gegen Frankreich geführt wurde, Differenzen
entstanden und Streitigkeiten geschlichtet werden sollten. Es ist
nicht unsere Sache, diesen Kampf oder die diplomatischen Begeh-
ungen {// schildern, {// denen die Notwendigkeit einer Einigung
über die Kriegsoperationen^) Veranlassung gab ; die Verhand-
') Da der Hauptvertra^, der diesem Kriege voranging , fischen dem
Kaiser und den Generalstaaten geschlossen wurde, schien es cinge\eigt, die Et'
örterung der Umstände^ unter denen am 14. Februar i6g^ :^ischen den Bevoll»
mächtigten des Kaisers und der mit ihm gegen Frankreich verbündeten Mächte
— \u denen neben mehreren Reichsfürsten auch die Generalstaaten und Eng»
land {dhlten — ein Übereinkommen, betreffend den Schut\ des Mittel» und Nie»
derrlteins ges hlossen wurde, dem Herausgeber der niederländisclten Staatsver-
träge \u\uweisen, und dies umsomehr, als England bei diesem Unternehmen nur
Einleitung. 1^1
lungert ju verfolgen, die der Werbimg neuer Genossen für die
gemeifisame Sache galten;^) von den vielen kleinen ufid grossen
Gefälligkeiten fi/ erzählen, die sich die beiden Herrscher im
Laufe der Kriegsjahre erwiesen; den Ursachen nachzugehen,
die — \umal gegen Ende des Krieges — eine bedenkliche Entfrem-
dung :^isc}ien Wilhelm IIL und Leopold L herbeigeführt habend)
Es miiss in diesem Zusammenhang genügen, ^u erwähnen, dass
es Ludwig XIV., der in den letzten fahren den Krieg nur not-
gedrungen führte, im fahre 1694 gelang, Wilhelm IIL und
Leopold L lu Separatverhatidlungen ^u bewegen, die das ge-
genseitige Misstrauen der beiden Fürsten hervorriefen und dass
diese dem Geiste des Bündnisses von 1689 widersprechenden
Unterhandlungen auch nach der im Mai 169$ erfolgten Er-
neuer ung desselben^) nicht aufhörten. Entscheidend aber für
das Gelingen der Friedenspläne Ludwigs XIV, wurde der Ab-
fall des Herzogs von Savoyen^ der im fahre 1696 die Bezieh-
ungen \u den Alliierten löste und in ein Bundesverhältnis f«
seinem früheren Gegner trat, das den Kaiser, dessen Ange-
legenheiten in Ungarn damals nicht gerade günstig standen,
\u einem Neutralitätsvertrage mit Ludwig XIV. Tjwang, kraft
dessen beide Parteien ihre Truppen aus Italien entfernen sollten.
Den Hauptvoi'teil aus dieser Neutralität \og Ludwig XIV.
Wilhelm III erklärte die Fortsetzung des Kampfes unter diesen
Umstanden für unmöglich, gab seine Einwilligung j^ur Eröff-
nung der Friedepisverhandlungen und schloss mit Ludwig XIV.
in dem Augenblicke den Frieden, als dieser — schweren Her-
fumtineU mitbeteiligt war. Ich begnüge mich daher mit dem Verweise aufMörner
Kurbranäenburgs Staatsverträge Nr. ^68, p. ^iSi, wo ein ausführliches Regest
dieses Vertrages vorliegt.
*) Das am jSJqS. Mär{ jöpy im Haag geschlossene Bündnis —für die
Drucke vgl.Bittner /. c. Nr. ^6p — durch das der Bischo/ Friedrich Christian von
Münster dvn Wiener Bündnisse vom 12. Mii i68p beitrat, wird vom Heraus-
geber der Staatsverträge Österreichs mit Münster \u publizieren sein. Leopold I.,
Wilhelm IIL und die Generalstaaten erscheinen in demselben als eine Partei,
der Bischof von Münster als Vir Vertragsgegner.
*) Am Wiener Hofe erschienen naclieinander als Vertreter Wilhelms IH,
William Paget fi68pj, George Stepney (i6p^), Robert Lexington (16^4), Sutton
(i6p2). Von allen diesen Männern liegen zahlreiche Berichte im R. O. Eine
wichtige Rolle spielten bei ihren Verhandlungen auch die Titelfragen.
») Die Erneuerung des Wiener Bündnisses vom 12. Mai 1689 erfolgte im
Haag am 8. Aug. i6q^ ; vgl. den Abdruck im Anhange \u diesem Kapitel.
Öttareichisch-eoglischc Suatsverträge. Bd. I. 13
t94 Einleitung.
^ens — sich bereit geigte, Jakob IL fallen ^u lassen uftd das
Versprechen gab, der jakobitischen Partei ferner keine Unter-
Stützung ^uteil werden ^u lassen. Den Engländern schlössen
sich Holland utid Spanien an, und atuh der Kaiser und das
Reich mussten sich, da an eine erfolgreiche Fortführung des
Krieges nicht ^u denken war, bald darauf ^m Abschlüsse des
Ryswicker Friedens verstehen.
Derselbe entsprach nicht gani den Erwartungen, mit detien
Leopold L in den Krieg mit Frankreich eingetreten war. Lud-
wig XIV. behauptete das Elsa ss und behielt Strassburg. Doch be-
deuteten die Riickgabe der ausserelsässischen Reuniotien an die
rechtmässigen Besitzer; Lothringens — xi'enn auch noch so ver-
klausuliert — an den Herzog Leopold Josef, Freiburgs und
Breisachs an Österreich, Philipphurgs und Kehls an Kaiser und
Reich und die Demolierung aller französischen Befestigungen
an dem rechten Rheinufer und an der Mosel, wesentliche Erfolge,
\u denen noch die Ludwig XIV. wenig günstige Lösung der pfäl-
zischen Streitfrage und die Behauptung des Kölner Erzbistums
durch den bairischen Prinzen, den Kandidaten des Kaisers, hinzu-
kamen. Die Ryswicker Klausel aber — )iach der an allen resti-
tuierten 07'ten die römisch-katholisclie Religion in dem Zustande
bleiben sollte, in dem sie f //r Zeit der Restitution war — kimnte,
so schwer sie auch die evangeliscJien Fürsten traf, dem katholi-
schen Kaiser nur erwünscht sein. M Rechnet man noch hinzu, dass
die günstigen Bedingungen, unter denen das stammverwandte
spanische Königshaus den Frieden mit Frankreich geschlossen
hatte, dem Kaiser überaus erwünscht sein nutzsten, dass der
Friede im Westen ihm die Möglichkeit bot, den siegreich geführten
Krieg gegen die Türken erfolgreich zu beendigen, dass seifte
Stellung im europäischen Staatenkonzerte, durch das Zurück-
drängen des französisclicn Herrscliers wesentlich an Bedeutung
gewonnen hatte, so begreift man, dass der Ryswicker Friede Leo-
pold L ein annehmbarer erschien. Wenn trotzdem seine Stim-
mung in jenen lagen eine recht gedrückte war, wenn er der
Zukunft sorgenvoll entgegensah, so geschah dies, weil seine
Bemühungen eine günstige Lösung der wichtigsten Frage, die
ihn damals beschäftigte , jener der spani schert Succession, her-
') Für die Drucke des atn scj^o. Okt 1607 geschlossenen Ryswicker Frie-
dens vgl. Bittner l. c Nr. ^8p.
ßnieitun^. 1^^
beijiiführen oder vorzubereiten, erfolglos geblieben waren ; nicht
in letzter Linie durch die Haltung der Seemächte^ die sich im
fähre 1689 so un^xjoeideutig \ur Wahrung seiner Rechte ver-
pflichtet hatten. Wir wisseti, dass der Wunsch, bei Eröffnung
der spanischen Succession der Mithilfe dieser Mächte in seinem
Interesse sicher :{u sein, Leopolds L EntSchliessungen im Jahre
1689 bestimmt hatte und dass er dem geheimen Separatartikel
der Allianz grossen Wert beimass, durch den sich Kehlig Wilhelm
und die Generalstaaten verpflichtet hatten, „im Falle des Todes
Karls IL ohne rechtmässige Descenden:^ mit allen Kräften dem
Kaiser und dessen Erben beizustehen, um ihnen ^u der ihrem
Hause rechtmässig gebührenden Succession ju verhelfen/' Die
Befürchtungen des Kaisers hatten sich damals nicht blos gegen
Ludwig XIV,, sondern auch gegen jefie mächtige Partei am spani-
schen Hofe gerichtet, die seit der Vermählung Marie Antoniens
— der einzig überlebenden Tochter Maria Margarethens, der spa-
nischen Prinzessin, und Leopolds L — mit dem Kurfürsten Max
Emanuel von Baiern die Erbansprüche dieser beiden Persofiefi
vertrat und dem Verzichte, den Marie Antonie auf das Ganje
der spanischen Erbschaft gegen die Zusicherung der spanischefi
Niederlande geleistet hatte, keine Berechtigung zuerkannte.
Diese Partei nun hatte durch die während des Krieges — im fahre
1692 — erfolgte Geburt des bairischen Kurprinzen fosef Ferdinand,
dessen Erbrecht nach spanischer Rechtsanschauung durch die
Entsagung seiner Mutter durchaus nicht beeinflusst werden
konnte, einen mächtigen Einfluss erlangt, gegen den Leo-
pold L vergebens anzukämpfen sich bemühte, \umal auch seine
Schwester, Maria Anna, die bis dahin die Interessen des öster-
reichischen Hauses in Madrid vertreten hatte, der Erbfolge des
bairischen Kurprinzen das Wort sprach und ihrem Sohne,
Karl II, in ihrer letzten Stunde — sie starb im Mai 1696 —
dringetid die Ordnung dieser wichtigen Frage in diesem Sinne
empfahl Karl II zögerte aber, hauptsächlich beeinflusst durch
seifie Gattin, die Pfalz-Neuburgerin Maria Anna, die sich da-
nials mit der Hoffnung trug, dem Lande selbst den Thron-
erben \u schenken, den letzten Willen seiner Mutter f // erfüllen.
Erst im Herbste 1696, als sich die Hoffnung der Königin als
trügerisch erwiesen hatte, als sie und Karl II selbst schwer
erkrankten, wurde ein f « Gunsten fosef Ferdinands lautendes
Testament aufgesetzt, dessen Inhalt allen Beteiligten unbekannt
'3*
1^6 Einleitung.
bleiben sollte. Allein alsbald wusste man aller Orten, wie
Karl IL über sein Reich verfügt hatte, und es geigte sich, dass
weder Ludwig XIV. noch Leopold I mit den EntSchliessungen
des spanischen Königs einverstanden waren. Sie versuchten
beide eine Änderung derselben in ihrem Interesse durchzu-
setzen; Ludwig XIV., indem er grosse Anerbietungen für die
Berücksichtigung seiner Wütische machte , Leopold I., indem
er die Vererbung der Monarchie an den Kurprinzen als gleich-
bedeutend mit der Hingabe derselben an Frankreich bezeichnete:
die Unterdrückung der deutschen Linie des Hauses Habsburg,
den Verlust der Kaiserkroiw als die unausbleiblichen Folgen
der Handlungen Karls IL bezeichnete und energischer als voi-
her für die Nachfolge seines Z'^eitgebore^ien Sohnes Karl ein-
trat. Es war selbstverständlich, dass die Wiener Regieiiing in
dem Augenblicke, da sie Anspruch auf das gesamte Erbe Karls H.
— die spanischen Niederlande ausgenommen — erhob, mit der
Tatsache rechnen musste, dass Ludwig XIV, sollte der spa-
nische Hof auf die WünscJie Leopolds I. eingehen, mit den
Waffen in der Hand seine Forderungen geltend machen werde.
Allein man glaubte in der Umgebung des Kaisers den Kampf
mit Ludwig XIV. wagen ;fw dürfen, vorausgesetzt , dass die
Seemächte noch bereit waren, die Verpflichtungen fw halteti,
die sie im fahre 1689 übernommen hatten.
Es galt, sich f // vergewissern, ob dies der Fall war. An-
fang März 1697 trat Gi'af Auersperg, der kaiserliche Ge-
sandte am Londoner Hofe, an Wilhelm HI. mit der Frage
heran, ob er bereit sei, falls Karl U. eine fw Gunsten des
Kaiserhauses lautemle Erklärung in der Successimisfrage ab-
geben sollte, einen darauf bezughabenden Artikel in den Frie-
densvertrag aufzunehmen und die Annahme desselben seitens
Frankreichs ztir Bedingung ;j« machen. *) Dabei erimierte Graf
Auersperg den König an den geheimen Separatartikel der Al-
lianz von 1689. Wilhelm leugnete die damals übernommene
Verpflichtung nicht ab, aber er betonte, dass der dort voraus-
gesetzte Tod Karls II. noch nicht eingetreten sei und weigerte
sich auf das entschiedenste, eine solche Friedensbedingur g an
Ludwig XIV f// stellen. Eher wäre es möglich, meinte er,
») Bericht Aucrsper^rs J. ,/. 22. Mär^ i6(jy St.-A.; vgl. Klopp /. c. VII
Einleitung. ign
einen neuen Krieg \u beginnen, falls Ludwig XIV. sich beim
Tode Karls IL der Succession des Er^hauses in Spanien wider-
setzen sollte. Ebenso ablehnend verhielt sich der Grosspensionär
Heinsius. Die Erklärungen beider lassen darauf schliessen,
dass sie van dem Testamente Karls IL bereits Ketintnis be-
Sassen und mit der Löstmg der Frage ju Gunsten des bai-
rischen Prin^eti einverstanden waren. Insbesondere für die
Republik der Vereinigten Niederlande war die Nachbarschaft
eines minder kräfligen Fürsten ein nicht f« unterschätzen-
der Vorteil und Wilhelm war gerne bereit, deren Interessen
pi wahren, wefin dieselben, wie in diesem Falle, denen der
Engländer nicht zuwiderliefen. Von der Verpflichtung, die
er 1689 übernommen, hat sich Wilhelm durch diese Haltung
nicht losgesagt. Er Hess Auersperg vielmehr erklären, er werde
stets bereit sein dem Kaiser beizustehen, damit Frankreich aus
dem spanischen Erbfalle keinen Nutzen f/>A^ und betonte die
Notwendigkeit in der Garantie des zu schliessenden Friedens den
Artikel zu erneuern, der die spanische Succession und die Ver-
pflichtung des englischen Königs und der Generalstaaten be-
traf dieselbe aufrechtzuhalten. Trotzdem bedeutete das Verhalten
Wilhelms eine schwere Niederlage für den Kaiser. Dieser hatte
sich von dem Eintreten der Seemächte für seine Interessen
einen mächtigen Eindruck am Madrider Hoje versprochen
und gehofft, den ewig schwankenden König, der im Juni seine
Bereitwilligkeit kundgethan hatte, den Erzherzog Karl nach
Spanien z^i berufen und kaiserliche Truppen aufzunehmen,
für eine Entscheidung in diesem Sinne :f« gewinnen. Die Er-
klärungen Wilhelms, als deren Konsequenz sich sein zögern-
des Verhalten gegenüber der Forderung Karls II um Absen-
dung eines Geschwaders ;f//w Schutze Barcelonas gegen Lud-
wig XIV. ergab, raubten Leopold I. die Hoffnung, in diesem
Augenblicke mit seinen Plänen in Madrid durchzudringen, und
die Eile, mit der Wilhelm III und die Niederländer mit Lud-
wig XIV. abschlössen, sobald dieser ihre besonderen Wünsche
ZU erfüllen sich bereit f r/^/^, machte es Leopold I. unmöglich,
die Forderungen, f « denen er sich nach den letzten Erklärun-
gen Wilhelms III. berechtigt glaubte, rechtzeitig, vor Abschluss
des englisch-staatisch'franzd'sischen Friedens, an Wilhelm III
zu stellen.
198
Einleitung*
Erst am ii. Okt. i6p7, j Wochen nach erfolgter l/nter-
lekhnung des Sonder fnedenssthlusses, trat Leopold I. an WU-
hehn Ifl. mit dem Ersuchen heran, ili'e Fortdauer des Bünd-
nisses nach beendigtem Kriege, wie dies in der Allianz vor-
gesehen sei, feierlich atis^usprechen. Atisdriicklich hat Leo-
pold L als den Hauptzweck dieser Erneuerung der Verträge
von 1689 das Verlangm bezeichnet, ^^t erfahren, ,,was wir
von England und Holland inbetreff des damals errichteten ge-
heimen Artikels über die spanische Succession f« erwarten
haben/^^) Die Entscheidung ^ ob Erzherzog Karl gleich oder erst
spater nach Spanien reisen sollte, ilberliess er Wilhelm HL
Dieser erwiderte, es sei stets sein Gedanke gewesen, die be-
stehefide Allianz fortdauern f« lassen und erbat sich, sie in
feder Be:(iehu7tg ^u erneuern. Im übrigen verwies er Auserperg
auf die Verhandlungen, die er in Gemeinschaß mit dem Gross-
pen^ionär im Haag fähren wollte. Allein hier geigte sich,
dass die Hindernisse, die vor dem Ryswicker Friedefisschlusse
die Einigung Leopolds L mit den Seemächten erschwert hatten,
noch immer nicht beseitigt waren. Denn Heinsius — er, nicht
Wilhelm HL stand im Vordergründe — machte die Entschlies-
sangen der Seemächte von einer vorhergehenden öß^ent^
liehen Erklärung Karls //. fw Gunsten des Er^her^ogs Karl
abhängig, während der spanische König, aus Furcht vor Lud-
wig XIV. und vor der grossen antiösterreichischen Partei an
seinem Hofe, ohne sichere Aussicht auf eine entsprechende
fremde Hilfe der Welt seinen Willen nicht verkünden wollte.
Unter diesen Umständen hatte die Erneuerung der Allianz ,
p4 der Wilhelm HL wie die Generalstaaten drängten, für
die Wiener Regierung keinen Wert. ,Jch sehe nicht ah,
was es fruchten soll, eine Allianz f « erneuern, nachdem sie
feurj fWüor geh rochen worden isf, meinte Auersperg und
seine Anschauung teilten die massgebenden Kreise in Wien.
,}Man behauptet, schrieb Kinsky, von Seiten der Seemächte den
Zweck — die Wahrung der österreichischen Interessen beim
Tode Karls IL — f« wollen, aber die Anwendung der erfor-
derlichen Mittel verschiebt man auf eine unbestimmte Zukunß,
Auch ich bin der Ansicht, dass wir eine günstigere Zeit ab-
") Weisung an Attersperg d. il u, Okftfcer iSq^ St-A^ VgL Klopp l <r.
Einleitung. igq
^utvarten habenf'.^) Und wie die Minister dachte auch Leopold L
Er hatte immer die Ansicht vertreten, man dürfe keinen An-
spruch aufgeben, man solle aber die Durchführung desselben
nicht übereilen. Seiner Zähigkeit hatte er schon so manchen
Erfolg \u danken. Auch diesmal hoffte er auf die Fügung
Gottes, dessen schützende Hand er in den schwersten Augen--
blicken seines Lebens so deutlich gespürt hatte,
„Gott, auf den ich alles gegründet, hat bisher denen, die
mein Er^haus stünden wollten, das Konzept durchstrichen.
Darum hoffe ich, dass auch femer die Dinge glücklich von
statten gehen werden'' So schrieb Leopold seinem Botschafter in
Madrid \u Beginn des fahr es 1698^) Die Worte \eigen die
Unerschütterlichkeit, mit der Leopold L an seinem Ansprüche
auf die gan^e Erbschaft des spanischen Königs festhielt, trotj
aller Ereignisse, die sich im Laufe der let^tverflossenen fahre
am Madrider Hofe zugetragen hatten. Er rechnete noch immer
auf dett Familiensinn Karls II,, auf den Einfluss Maria Antut* s
von Pfal^'Neuburg , auf die Österreich freundlichen Kräfte
innerhalb des spanischen Adels und der hohett Geistlichkeit, und
er hoffte mit deren Hilfe die Einsetzung seines zweitgeborenen
Sohnes fww Erben des gesamten spanischen Besitzes — die
spanischen Niederlande ausgenommen — f« erwirken. Und
er war entschlossen diese Ansprüche, wenn es sein musste, mit
den Waffen in der Hand f« verteidigen, so ^f^rrÄ//^/ auch
nach dem Ende des schweren Doppelkrieges, den er geführt^
seine Finanzen und sein Heer waren. Er rechnete dabei auf
die Unterstützung mächtiger Fürsten des Reiches, noch mehr
aber auf die Hilfe der Seemächte, z^ der sie der geheime Ar-
tikel des Vetirages von 1689 verpflichtete, den f« emeuern sie
sich noch vor kurzem unter der Voraussetzung erboten hatten,
dass Karl IL eine entschiedene Erklärung f« Gunsten des
österreichischen Hauses abgeben sollte. Allein wie in früheren
Jahren blieben auch fetzt die Bemühungen der Österreicher
in Madrid erfolglos;^) die Kandidatur des bairischen Kur-
prinzen fosef Ferdinand gewann immer neue Anhänger und
0 Vgl, Klopp l c, VII. 498,
«) Leopold an Harrrch y. Jan. 1698; vgl. Klopp U c, VIIL ^5.
*) Für die österr, Politik in Madrid vgl. insbesondere Gaedeke, Die Politik
Österreichs in der spanischen Erbfolgefrage, 2 Bde.
200 Einleitung-
die Seemächte geigten infolge dessen, als die österreichisclim
Gesandten auf die Nachricht von einer neuerlichen schweren
Erkrankung Karls IL an sie mit der Auffordertmg heran-
traten, sich ^ur Unterstützung der Ansprache Leopolds L durch
die Erneuenmg des Garantievertrages pi verpflichten, durch--
aus nicht Jenes Entgegenkommen , das Leopold l, wünschte
und ericarfete. Wohl sprachen sie auch jetlt noch ihre
prinzipielle Bereifwilligkeit aus, die Allianz |« erneuern, allein
sie machten nach wie vor ihr Eintreten für den Erilterzog
Karl von einer öffentlichen Erklärung des spanisehen Königs
abhängig und forderten van Leopold L den Abschluss des Frie-
dens mit den Türken ah notwendige Voraussetjtmg eines er-
folgreichen Widerstandes gegen Ludwig XIV. Wie wenig auf-
richtig aber selbst diese Anerbietungen waren, beweist ein
Schreiben Wilhelms IIL an Heinsius vom April i6p8^ in dem
er es als ein Glück bezeichnete, ,,dass wir inbetreff der spani-
schen Sticcession nicht fester mit dem Kaiser verkniipß sind
und dass es fraglich ist^ ob die grosse Allianz fortbesteht oder
nicht'^ Es kann nicht unsere Aufgabe sein in diesem Zu-
sammenhange den Motiven nachzugehen, die Wilhelm TU. pi
diesem Wechsel seiner Anschauung bewogen haben. Die Art
und Weise, wie er sich \u dem kaiserlichen Gesandten stellte,
spricht dafür, dass er sich seiner Verpflichtung Leopold L ge-
genüber bewusst blieb und nur widerwillig der Gewalt der Tat-
sachen wich, als er das dem Kaiser gegebene Versprechen
brach und mit Ludwig XIV Verhandlungen anknüpfte, die
eine deti eingegangenen Verpflichtungen widersprecheftde Lö-
sung der Erbfolgefrage herbeiführen sollten. Unzweifelhaft
hat die Haltung der Niederländer, die sich durchaus ab-
geneigt geigten, für das Erbrecht der deutschen Habsbur-
ger einen neuen Krieg gegen Ludwig XIV pi führen und
die Eriedensstimmung des englischen Parlamentes^ das nach-
drücklichst die Entlassung der Armee forderte, die Entschlüsse
Wilhelms HL beeinflusst^ mehr aber noch die Erwägung, dass
der Heimfall des gesamten spanischen Besitzes an das Haus
Leopolds /, des Siegers von Zenta, des Eroberers im Osten
Europa's^ den Interessen des europäiscfien Gleichgewichtes nicht
weniger gejährlich werden mussie^ als die Besit^ergreißing
Spaniens seitens Ludwigs XIV und dessen Familie.
Einleitung. 201
Als er im Jahre 1689 mit dem Kaiser jene Allianz schloss,
die ihn :(ur Unterstützung der österreichischen Ansprüche auf
den spanischen Besit^ verpflichtete, hatte die bairische Kandi-
datur noch in Reiter Linie gestanden; seitdem hatte der Ktir^
prin\ Josef Ferdinand das Licht der Welt erblickt und für
dessen Thronansprüche war der grösste Teil der Spanier ein-
getreten. Es war nun der Gedanke Wilhelms IIL, diese bai-
rische Kandidatur, die den Interessen Englands nicht wider-
sprach ufid denen der Niederländer äusserst vorteilhaft warp
bei den rivalisierenden Herrschern von Frankreich und Öster-
reich durch das Anerbieten durchzusetzen, ihnen Teile der spa-
nischett Mmiarchie, die dem Haupterben genommen werden
sollten, als Entschädigung für ihre Ansprüche abzutreten.
Allein Ludwig XIV, der die Anregung des Oraniers mit Freu-
den aufgriff, forderte den Ausschluss des Kaisers, und Wil-
helm IIL fügte sich, wenn auch zagend und widerstrebend,
diesem Begehren, als die Äusserungen Leopolds L und dessen
Gesandten keinen Zweifel daran aufkommen Hessen, dass der
österreichische Herrscher mit der von Wilhelm HL geplanten
Abfertigung nicht einverstanden sein, vielmehr die Erneuerung
der Allianz von 1689 und damit der in derselben ausgespro-
chenen Unterstützung seiner Ansprüche auf das Gesamterbe
seitens der Seemächte fordern werde.
Am II. Oktober 1698 erfolgte im Haag die Unterzeich-
nung des ersten Teilungsvertrages fU756'Ä^;/ England, Frank-
reich und den Generalstaaten.^) Kurprinz Josef Ferdinand
sollte als nächstberechtigter Haupierbe Spanien, die Nieder-
lande und die Kolonien; der Dauphin von Frankreich Neapel,
Sizilien und die Grenzverbesserung an den Pyrenäen; Erz-
herzog Karl das Herzogtum Mailand erhalten. Die 9 Mächte
verpflichteten sich den Vertrag, wenn nötig auch mit Waffen-
gewalt, durchzusetien. Nach erfolgter Ratifikation sollte Wil-
helm III. den Kaiser von dem, was geschehen, in Kenntnis
setzen und ihn f«m Beitritte einladen. Allein am Tage vor
der Unterzeichnung forderte Ludwig XIV., dass der Vertrag
dem Kaiser bis f«w Tode Karls II. verborgen bleiben solle
und Wilhelm III. gab, obgleich der 8. Artikel des Teilungs-
0 Abgedruckt u. a. nach dem in Paris befindlichen Original bei Legrelle
l c. IL ^66 ff.
SOd Einleitung.
Vertrages die unmittelbare Mitteilung an Leopold L nach er-
folgter Ratifikation bestimmte, dem Drängen des französischen
Königs insoweit nach, dass er die Durchführung dieses Ar-
tikels bis \um Januar 1699 suspendierte. Vergebens bemühten
sich die Vertreter Leopolds L in London und im Haag offi-
:(ielle Kunde von dem Vertrage ^u erhalteti, vergebens forderte
der Kaiser die Erneuerung der Allianz von 1689. Die allge-
meinen Redensarten des staatischen Gesandten in Wien ufid
das zögernde Benehmen Wilhelms IIL Hessen keinen Zweifel
darüber, dass der Kaiser vorerst auf eine ernste Vertretung
seiner Interessen seitens der Seemächte nicht ^u rechnen habe.
Allein das Bemühen der ß Mächte, die den Haager Tei-
lungsvertrag unterzeichnet hatten, den Inhalt desselben geheim
^u halten, blieb erfolglos und Karl H. beantwortete diese eigen-
mächtige Einmischung in seine Angelegenheiten, indem er am
14. Nov. 1698 seinen Grossneßen, den Kurprinzen Josef Fer-
dinand von Baiern, feierlich pcm Erben seines gesamten Be-
sitzes einsetzte. Das Vorgehen Karls II fand bei den beteiligten
Mächten verschiedenartige Beurteilung. Die Engländer und
die Generalstaaten waren mit dieser friedlichen und ihreti In-
teressen vorteilhaften Lösung der Frage einverstanden; dagegen
begannen der Kaiser und der König von Frankreich, über
ihren Ausschluss von der Erbschaft entsetzt, vofi neuem das
Spiel der Intriguen und geheimen Verhandlungen, dessen
sie sich schon so oft — jeder in seinem Interesse — bedient
hatten.
Mitten in diese Bemühungen der österreichischen und
französischen Regierung, eine Änderung der Entschlüsse am
Madrider Hofe durchzusetzen , fiel die Nachricht, dass der junge
Prinz, an dessen Dasein sich so stolze Hoffnungen knüpften,
gestorben sei. Die Wirkung dieses Ereignisses war eine weittra-
gende; alle Vereinbarungen, die bisher getroffen wordett waren,
der Teilungsvertrag vom 11. Okt., wie das Testament Karls II.
vom 14. Nov. 1698, verloren ihre Geltung, und die grosse Frage,
deren Lösung so viele Köpfe beschäftigt hatte, rief vofi neuem
eine Fülle offener und geheimer Verhandlungen hervor, die
keiner der beteiligten Fürsten besser f« benützen xvusste, als
Ludwig XIV Er trat mit neuen Vorschlägen an Wilhelm III.
und die Generalstaaten heran, verhandelte aber z^ gleicher
Zeit mit Leopold I. und verstand es voi'trefflich, die Bemühungen
Einleitung. 203
der Seemächte \u durchkreti^efi, die ununterbrochen nach einer
Lösung suchten, die auch dem Wiener Hofe genügen kimnte.
Wir können in diesem Zusammenhange den Verhandlungen
nicht folgefi , die während des Jahres 1699 in diesem Sinne
^wischen dem englischen und dem österreichischen Hofe ge-
führt worden sind. Das Ergebnis derselbett war, dass Leo-
pold I,, obgleich er dem Projekte einer Teilung des spanischen
Erbes nicht prinzipiell abgeneigt war, die Entwürfe auf das
cfitschiedenste ^(urückwies, die ihm seitens der Seemächte im
Sommer des Jahres 1699 vorgelegt wurden. Er betonte in der
feierlichen Erklärung, mit der er die Vorschläge der Seemächte
beantwortete, dass er die Annahme derselben für unvereinbar
mit seiner Ehre halte, und dass er fest entschlossen sei, falls
die Seemächte auf der Durchführung ihres ungerechten Be-
schlusses beharren sollten, „^u tragen, was er nicht ju hindern
vermöge und mit ruhigem Sinne ^u erwarten, was der Lenker
der irdischen Geschicke über den König von Spanien und dessen
Monarchie verfügen werde ; in dem festen Vertrauen jedoch,
dass eben derselbe gerechte Gott die Anschläge derer verwirren
wird, die wider göttliches und menschliches Recht fremde
Königreiche ^erteileft, wegnehmen, an Andere vergeben''.'^) Aber-
mals aber und endgültig erklärte der Kaiser inbetreff der ge-
samten spanischen Monarchie nicht ^u gestatten, dass durch
Verträge ihm und seinen Erben auch nur ein Fussbreit Landes
strittig gemacht werde. Der Protest des Kaisers blieb er-
folglos: die Verhandlungen der Seemächte mit Ludwig XIV
wurden fortgesetzt und führten, nachdem neuerliche Versuche
Wilhelms HL den Kaiser umzustimmen gescheitert waren, im
März ^7^^ T^ ^^^^ fa'^//^« Teilungsvertrage z^l^^hen Frank-
reich und den Seemächten.^) In demselben wurden dem z^uoeit-
geborenen Sohne Leopolds I, Erzherzog Karl, Spanien, die Nie-
derlande und die Kolonien, dem Dauphin aber die gesamten
italienischen Besitzungen, auch Mailand, z^^g^^P^ochen ; doch
sollte letzteres dem Herzoge von Lothringen gegen Abtretung
seines Besitzes an Frankreich übergeben werden. Sogleich nach
dem Austausche der Ratifikationen sollte der Vertrag dem
') Vgl. Wagner Hist Leop, Magni IL 339 ff,, Klopp l. c. VIIL ßSg.
•) Abgedruckt u, a, nach dem in Paris bfindlichcn Original der fran^
\ösisch'hoUändischcn Ausfertigung bei Legrelle l. c, UL 50*» /f.
304 Einleitung.
Kaiser mitgeteilt und derselbe ^um Beitritte aufgefordert wer-
den. Erfolgte dieser innerhalb dreier Monate nicht, dann sollten
die ß Mächte den Anteil Karls einem anderen Fürsten über-
geben und jeden Versuch dieses Er^her^ogs, sich in den Besitj
irgend eines Teiles des spanischen Erbes ^u setzen, mit allen
Kräften abwehren. In einem geheimen Artikel, der seinen Ur-
sprung dem Wunsche Wilhelms III. verdankte, alles mögliche
vorzukehren, um eine Aktion der Vertragschliessendeti gegen
Leopold I, ^u verhinderet, wurde bestimmt, dass dem Kaiser
der Beitritt ^u diesem Bündnisse — falls derselbe innerhalb
der festgesetzten Frist von j Monaten nicht erfolgen sollte —
auch 2 Monate nach dem Tage freistehen sollte, an detn die
} Mächte ihm den Tod Karls IL notifiziert haben würden. In der
Tat lehnte Leopold I seinen Eintritt in das zwischeti Frankreich
und den Seemächten geschlossene Bürdnis entschieden ab und
blieb bei diesem Vorsätze auch dann, als Wilhelm IIL immer
dringender in seiner Aufforderung wurde und dem Kaiser die
üblen Folgen, die sich aus einer Weigerung ergeben könnten,
immer nachdrücklicher vorhielt.
Ganz unzweifelhafl haben die Nachrichten, die Leopold I.
in diesen Monaten aus Madrid erhielt, mit in erster Linie fw
seinem Entschlüsse beigetragen, dem ihm ungünstig scheinen-
den Teilungsvertrage seine Zustimmung fw versagen. Er er-
fuhr, dass die Spanier über die Einmischung der fremden
Mächte entrüstet und entschlossen seien die Einheit der Mo-
narchie z^^ wahren; dass Karl IL in London und Versailles
gegen das Vorgehen der Seemächte und Frankreichs protestiert,
dass die Stimmung in Madrid sichtbar znm Vorteile Österreichs
gewechselt habe. Und bald darauf erhielt er ein Schreiben Karls II.,
in dem dieser seinen Entschluss mitteilte, die Monarchie dem
habsburgischen Hause ungeteilt f« hinterlassen, und dem
Wunsche Ausdruck verlieh, den Erben, Erzherzog Karl, bald
in seinem Lande begrüssen f// können. Man wird es unter
diesen Umständen begreiflich fimlen, dass Leopold I. die jmo-
natliche Frist, die ihm f«;;/ Beitritte f«/^? Teilungsvertrage
gewährt worden war, unbenutzt vorübergehen Hess und
bei seiner Weigerung atuh dann blieb, als die Seemächte
im Herbste 1699 immer von neuem in ihn drangen, dem sonst
unausweichlichen Kriege durch seinen Beitritt zu den Bestim-
mungen des Teilungsvertrages vorztibeugen. Ganz Ausdruck-
Einleitung. ^ÖS
lieh xjourde in der entscheidenden Konferenz der Wiener Re-
gierung am 20, Okt als Hauptgrund für diese Ablehnung
das Versprechen bezeichnet, das Leopold L dem Könige von
Spanien gegeben habe, nicht bei dessen Lebzeiten über das spa-
nische Erbe ^u verfügen,^) Man glaubte eben am Wiener Hofe
mit voller Sicherheit auf ein ^u Gunsten der Er^her^ogs Karl
lautendes Testament Karls IL rechnen ^u dürfen und fürchtete-
durch das Eingehen auf einen Teilungsplan , der leicht ^ur
ICenntnis Kirls LL. gelangen kcmnte, diesen ^u verletzen.
Man täuschte sich, Wohl hatte Karl LL an seiner Ent-
scheidung \u Gunsten des Kaiserhauses lange festgehalten und
die Königin alles getan, um ihn in dieser Absicht ^i bestärken,
ciUein Kardinal Porto Carrero, der Vorkämpfer der fran-
^ösischen Partei, erzwang am j. Okt von dem auf den Tod
erkrankten Könige, den er geschickt von jedem kaiserfreund-
lichen Einflüsse \u isolieren verstamU die Unterzeichnung
eines Testamentes, in dem die Unteilbarkeit der spanischen
Monarchie ausgesprochen und Philipp von Anj'ou, der ^weit-
jyeborene Sohn des französischen Dauphins, z^im Nachfolger
Karls LL bestimmt wurde. Wenige Wochen später verschied
dieser, ohne seine Absicht, das ihm abgepresste Testament
um^tistossen, durchgeführt f // haben. Der letzte Wille Karls LL
fand die volle Zustimmung der Spanier; der neue König,
Philipp V., wurde ohne Widerstand anerkannt Eilboten
trugen die grosse Botschaft nach allen Windrichtungen. Sie
fanden die massgebenden Personen nicht unvorbereitet. Die
Nachricht von der Unterzeichnung des für Frankreich gün-
stigen Testamentes war im Laufe des Monates Oktober nicht
nur in Paris, sondern auch in London, im LLaag und in Wien
eingetroffen. Sie hatte \ur Folge, dass WiUielm LLL. und die
Generalstaaten heftiger als je den Beitritt Leopolds L ^um Tei-
lungsvertrage forderten. Allein auch diesmal lehnte der Kaiser
es ab, einer Teilung des spanischen Besitzes durch fremde Für-
sten bei Lebzeiten Karls LL. seine Zustimmung ^^u geben. Die
Nachricht von einer Wendung ^^um besseren im Befinden des
schwerkranken Königs und die LLoffnung, dass der Königin
die Umstossung des Testamentes vom j. Okt. gelingen werde,
*) Vgl. den Abdruck in den Fe1d\iigen des Pr in \cn Eugen III. ^71; Klopp
l c. VIII. ^86 /:
^o6 fiinieitung.
trugen da^u bei, Leopold L in seiner Ansicht ^ bestärken, von
der er dem Oranier in entschiedener, aber überaus freund-
licher Weise Kunde gab. „Dass \ur Ernennung eines dritten
— an Stelle des ErTjher^ogs Karl — noch nicht geschritten
wurde — schrieb er — vernehme ich gern und betrachte es
als ein Zeichen der Gerechtigkeit und Besonnenheit E, Z).
Denn Sie werden erkennen, wie viel weiter man sich von dem
Ziele der Erhaltung des allgemeinen Friedens entfernt^ wenn
man durch gewaltsame Massregeln eine so überaus wichtige
Angelegenheit in eine Extremität stürjt, aus der sie nachhei'
auf keine Weise ^u retten sein dürfte, Sie werden ferner auch
erkennen, wie wenig es jum wahren Ruhme der an dem Ver-
trage beteiligten Mächte gereichen kann, wenn diese mithelfen
wollen eitlen alten Freuml und um sie nicht unverdienten Bun-
desgenossen aus seinem angestammten Rechte ^u setzen, und
:(war deshalb, weil er sich weigert, und nach seiner Ansicht
mit Recht weigert, einen ohne sein Zutun geschlossenen
Vertrag gut\ulieissen. Und darum vertraue ich, E. D. werden
nicht gestatten, dass diese Angelegenlwit, insoweit sie bisher
noch unversehrt ist, fernerhin unrettbar verschlimmert werde.
Was im übrigen E, D. für geeignet halten vorTjiischlagen^ um
den Frieden und das Gemeinwohl \u schütten und \u kräftigen
und was ferner Ihtien zweckmässig erscJieint, die unlängst bei-
derseits gegebenen Erklärungen fesler \u begründen, wird mir
immer höchst willkommen seiny^)
Wir sehen, Leopold L hält an seinen Entschlüssen fest,
aber er bricht die Beziehungen fw Wilhelm IIL, dessen hohe
geistige und moralisclw Kraft er immer geschätzt hat, nicht
ab. Noch lebte, als Leopold diese Zeilen schrieb, Karl IL und
es war nicht ausgeschlossen^ dass dieser das ihm abgepresste Te-
stament widerrief und seiner Her^ensneigung folgend, dem
deutschen Vetter das gesamte Erbe vermachter Leopold L wollte
für diesen Fall durch keift n Vertrag gebunden sein, der die
Interessen seines Hauses schmälerte. Starb aber Karl IL, ohne
seinen letzten Willen geändert ^u haben, dann blieb Leopold /.
ja noch immer die Möglichkeit , sich ^ den Bestitnmungen des
Teilungsvertrages ^^u fügen, falls Ludwig XIV. der Durch-
führung desselben beipflichten sollte. Und wenn dies nicht ge-
») Vgl. Klopp /. c, VIIL 602.
Einieitung. • ^07
Schah? Wenfi Ludwig XIV sich allen Teilungsverträgen ^um
Trotte ^ur Annahme des gesamten spanischen Besitzes für sein
Haus entschied? Hatten in diesem Balle England und Holland
nicht mindestens ebenso viel von dem gewaltigen Machtju-
zcachse des bourbonisches Hauses \u fürchten als der Kaiser?
Musste ihnen dann an der Einigung mit Leopold L nicht
ebenso viel gelegen sein , als diesem an dem Anschlüsse an
die Seemächte? Von welcher Seite auch Leopold L die schwe-
bende Frage betrachtete^ Pßicht und Vorteil schienen ihm in
gleich hohem Masse ^m Ausharren auj dem Wege f « raten,
den er betreten hatte. Er wollte sich die Hände nicht binden,
bevor die Entscheidung in Madrid und in Paris gefallen war.
Wie sie erfolgte, wissen wir bereits. Karl H. starb, ohne seinen
letzten Willen, der ^u Gunsten der Franzosen lautete, wider-
rufen fw haben.
Die Nachricht von seinem Tode traf am 7. Nov. in Paris
ein; 2 Tage später die genaue Kunde von dem Inhalte des
Testamentes. Nur wenige Tage erwog Ludwig XIV die Frage,
ob er im Namen seines Enkelkindes annehmen, oder dem Pro-
gramme treu bleiben solle, |« dem er sich den Seemächten
gegenüber so feierlich verpflichtet hatte. Er entschied für das
erstere; am 16. Nov. wurde Philipp von Anjou in Versailles
^^um König von Spanien proklamiert. Die grosse Frage, die
fahrjehnte Fürsten und Diplomaten beschäßigt hatte, war
damit vorläufig erledigt. Was England und die General-
Staaten nicht minder fürchteten als der Kaiser war geschehen.
Die 2 grossen Reiche, die lange miteinander um die Vorherr-
schaft in Europa gekämpft hatten, waren jet\t durch eine ge-
meinsame Dynastie miteinander verbunden; das europäische
Gleichgewicht, für dessen Erhaltung so viele geblutet hatten,
"ijüar von neuem erschüttert und bedroht.
^o8 Einleitung.
Beilage.
Erneuerung der Allianz vom 12. Mai 1689; d, d. Haag 169^
Aug. 8, (Or, St-A,)^)
Quamquam foedus inter sacram C®*'" M*«™ et celsos ac
praepotentes dominos ordines generales foederati Belgii 12 Mali
1689 contra Galliam conclusum et per accessionem aliarum
potentiarum universale ac generale factum in suo vigore per
omnia firmum subsistat clarisque terminis contineat, qualiter
quivis confoederatorum durante hoc bello contra commiinem
hostem agere, et quae circumspectio ac modus in tractanda
pace aut armistitio cum Gallia reciproce adhiberi, necnon quod
moderna unio etiam conclusa tandem dicta pace in terminis
foederis defensivi persistere ac durare debeat ; nihilominus tamen
Sacra O» M^% laudabili zelo conservandae semper huius arc-
tae, constantis ac inviolabilis unionis alte dictarum potentiarum
confoederatarum mota, earumdem ad congressum hie Hagae
Comitum institutum plenipotentiariis proponi curavit, non abs re
et communi emolumento futurum, si obligationes quae per prae-
mentionatum foedus generale reciproce contractae fuerunt reno-
varentur; quam renovationem modo dicti plenipotentiarii tanto
magis proficuam ac necessariam existimarunt quanto vel ma-
xime interest hunc communem hostem non solum omni spe
assequendae intentionis suae per consuetas perniciosas machi-
nationes aut oblationes et per divisionem confoederatorum pe-
nitus exuere, verum etiam omnem diffidentiam ac formidinem
tractatuum separatorum e mediis tollere.
Ea propter saepedicti foederatarum potentiarum plenipoten-
tiarii vigore mandatorum suorum et unanimi consensu, salva ta-
men principalium suorum ratificatione, inter se convenerunt ante-
memoratum generale foedus die 12 Maii 1689 initum renovare,
recognoscere ac confirmare, prouti hisce renovant, recognoscunt
et confirmant, principales suos ad inviolabilem observationem
universi tenoris ac omnium punctorum, clausularum et obli-
gationum in modo dicto foedere contentarum obligando, non
secus quam si illud foedus huic instrumento de verbo ab ver-
') Ich tinukt' diese Hnieucrung nach dem im St-A befituiUchen Or, der
cngUscJten Ausfertigung ab. Die Rat. Wilhelms III. erfolgte d. d. Burford
j6()y Ndv, 6,1 16., die Leopolds I. d» d, Ehersdorf j6p5 Sept. 12.
\
Einleitung. ^Oö
bum insertum et noviter inter partes stipulatum foret; quod
tarnen etiam intelligi debet ad mentem et normam tractatuum,
conventionum aut actuum separatorum, quibus multi principes
ad primigenium ülum tractatum accesserunt et quibus dicti pleni-
potentiarii nihil quicquam vel detractum vel additum volunt,
quin imo omnes et singulae eiusmodi accessiones hie renovantur
et confirmantur cum omnibus stipulationibus et promissis inter
confoederatos invicem contractis. Praeterea etiam necessarium
iudicatum fuit sacram C®*'"M*®™ ex parte huius congressus requi-
rere, prouti eadem praesentibus humillime requiritur, quatenus
iiignaretur omnes electores, principes ac status imperii adhortari,
ut se huic renovationi foederis generalis agregent, et illi qui
liucusque in eo comprehensi non erant eidem quantocius acce-
dant, si quidem haec renovatio et confirmatio declarationi belli
ex parte imperii Ratisbonae die 4./14. Februarii 1689 contra
Galiiam factae plenarie conformis est, nuUum alium prae se
ferens scopum quam honestae, generalis ac securae pacis con-
iunctim adpiscendae eiusque pro cuiusvis foederatorum ac totius
Europae constanti tranquillitate in futurum conservandae. Obli-
gant se quoque supramemorati plenipotentiarii, quod super hac
renovatione dicti foederis ratificationem a suis principalibus
quantocius et ad plurimum respectu illorum qui longius ab-
sunt intra duos menses procurare velint. In cuius fidem unus-
quisque modo dictorum plenipotentiariorum simile instrumen-
tum saepementionatae renovationis propriae manus subscrip-
tione et sigilli sui appressione signavit. Actum Hagae Comitum
die octavo Augusti anni millesimi sexcentesimi nonagesimi
quinti.
Pro rege Magnae-Brittanniae.
L. S. Villiers.
österreichisch-englische Staatsverträge. Bd» I
210 i7o> Sept. 7.
1.
Bündnis ifwi sehen Leopold L, Wilhelm IIL und den General-
Staaten, die spanische Erbfolge betreffend; d, d, Haag 1701
Sept. 7, samt einem Separatartikel d. d. Haag iyo2 April 12,
betreffend die Anerkennung Jakob Stuarts als König von Eng-
land durch Ludwig XIV.
Rat. des Haupivertrages durch Wilhelm lU. d. d. Loa 1701 Sept. 21,
Okt. 2 ; durch Leopold I. d. d. Ebersdorf ijoi Sept. i^; durch die
Generalstaaten d. d, Haag lyoi Okt. $.
Rat. des Separatartikels durch Anna d. d. St. James IJ02 April ip.l^o. :
durch Leopold L d. d. Wien iyo2 Mär^ 22,^)
Die Originale des Hauptvertrages und des Separatartikels im St.-A. und
im R.O.; dieOr. der englischen Ratifikationen im St,'A.; die Leopolds im R. O.;
das Or. der Rat. des Hauptcertrages durch die Generalstaaten im St.-A. —
Drucke bei Bittner Nr. 616.
Es war für Leopold L. nicht leicht eine Entscheidung ^n treffen,
als er die Nachricht erhielt, dass Ludwig XIV. sich ßir die Annahme
der spanischen Krone seitens Philipps von Anjou ausgesprochen habe.
Dass er am liebsten sogleich die Waffen ^nr Wahrung seiner Ansprüche
ergriffen hätte, steht fest. Seinem Zorne über die List, durch die er
um das grosse Erbe betrogen worden war , das seinem Hause sicher
schien, würde die sofortige Eröffnung der Feindseligkeiten am besten
entsprochen haben. Allein mehr als ein Grund widerriet jede Über-
eilung: der üble Zustand der österreichischen Finanzen, die der jahre-
lang geführte Doppelkrieg erschöpft hatte , das Friedensbedürfnis der
Brcölherung, die beginnende Krise in Schweden und Polen, die be-
sorgniserregende Haltung der kaum beruhigten Ungarn, wie die Un-
sicherheit über die voraussichtliche Haltung der europäischen Gross-
') Die Wiener Re^rierung vollio^ schon am 22. Mär^ iyo2 die Ratifikation
des Separatartikels ; Hess aber die Frage offen, ob Jakob IIL in der Urkunde als
praetensus Walliae princeps bezeichnet uerdeii sollte^ {Akten im St.-A.) Als dann
die Bevollmächtigten am 12. April 1702 den Separatartikel in der von England
gewünschten Form unter:[eichneten, blieb die mit dem früheren Datum versehene
kaiserliche Ratifikation in Geltung.
ijroi Sept. 7. 2it
mächte. Alt dies hat der Kaiser von vielen erprobten Männern
hören müssen, die dem Frieden das Wort redeten und ihrem Herrn
den Rat gaben^ sich in das ufwermeidliche {u fügen. Leopold I. hat
sich dem Gewichte dieser Meinungen keineswegs verschlossen. Auch
er war der Ansicht^ dass er ungeheueres wagte y wenn er sich im An-
blicke der Gefahren, die seinem Reiche von allen Seiten drohten, in
einen weitaussehenden Krieg mit dem übermächtigen Gegner einliess,
und auch er wusste, dass an eine erfolgreiche Führung dieses Kamp/es
ohne die Hilfe des Reiches, vor allem ohne eine entsprechende Unter-
Stützung der reichen Seemächte nicht ^u denken war. Aber im Gegen-
sat:{e ^u diesen Männern, denen die Erhaltung des Friedens auch mit
dem Ver:{ichte auf jeden Vorteil aus der spanischen Erbschaft nicht
{M teuer erkauft schien, teilte Leopold L die Anschauung jener, die
ihn auf seine moralische Verpflichtung aufmerksam machten j für die
gute Sache einzutreten und die Aussichten auf einen erfolgreichen
Waffengang nicht so niedrig schätzten, als die entschiedenen Friedens-
freunde. Leichtsinnig wollte der Kaiser gewiss nicht ^u den Waffen
greifen,' er war vielmehr bereit, das ^um Kampfe erhobene Schwert
fallen ^u lassen, wenn er eine entsprechende Entschädigung auf fried-
lichem Wege erlangen konnte; aber er war entschlossen, allen Gefahren
{M trotten und den ihm aufgedrungenen Krieg ^u führen, wenn dies
missglücken sollte. Und er war fest überzeugt davon, dass es ihm in
diesem Falle gelingen werde für die gute Sache, die er vertrat, Bun-
desgenossen ^u werben, die Mehrzahl der Reichsfürsten, vor allem
aber die Seemächte, ^ur Teilnahme an dem Kriege gegen den Störer
der öffentlichen Ruhe j^u bewegen. Es entsprach diesefi Erwägungen,
dass Leopold L die Bemühungen jener Fürsten billigte, die nach einem
Mittel suchten, die ^^ischen Österreich und Frankreich bestehenden
Differenzen auf gütlichem Wege beizulegen, ^//^/^r/VÄ aber alle mög-
lichen Kriegsvorbereitungen traf und mit dem grössten Eifer die Un-
ierhandlungen mit jenen Mächten aufnahm, deren Unterstützung er sich
für einen eventuellen Krieg sichern wollte. Unter diesen standen die
Seemächte in erster Linie. Sie waren durch das Vot gehen Ludwigs XIV.
nicht minder hart getroffen als der Kaiser. Handelte es sich für
diesefi bei der Verteidigung seiner Ansprüche auf das spanische Erbe
um eine Besitzerweiterung für sein Haus, so mussten die Seemächte
von der Vereinigung der französischen und spanischen Flotten für ihre
Existenz als Handelsmächte fürchten. Um dieser Gefahr vorzubeugen,
hatten sie ja den Teilungsvertrag vom März 1700 geschlossen, der
Spanien und die Kolonien dem Kaisersohne .(«i£;/>5 und sich im Laufe
■4*
4l«i 1701 Öept ^.
des Jahres i^oo so sehr, wenn auch erfolglos, bemüht y den Beitritt
Leopolds L ^« demselben ^u erwirken.
Indem nun Ludwig XIV. die Krone Spaniens für seineti Enkel
annahm und sich damit die freie Verfügung über die Häfen und Schiffe
der gesamten alten spanischen und der französischen Monarchie sicherte,
wurde die Gefahr für den Handel Englands und Hollands eine immi-
nente. Niemand hat dies klarer erkannt, als Wilhelm IIL Auf die
Nachricht von dem Entschlüsse des französischen Königs, den mit den
Seemächten geschlossenen Vertrag j[« brechen und die spanische Erb-
Schaft für Philipp anzunehmen, schrieb er an Heinsius: ,Jch bin fest
überzeugt, dass, wenn dies Testament ausgeführt würde, England und
die Republik sich in der äusscrsten Gefahr befinden würden, unter-
zugehen/^ Das einzige Mittel aber, die Durchführung des Testamentes
ZU hindern, war der Krieg. In der Tat war Wilhelm IIL von allem
Anfange an entschlossen^ ihn z^f führen. Dass es trotzdem lange ge-
dauert hat, bis der entscheidende Vertrag zynischen den Seemächten
und dem Kaiser unterzeichnet werden konnte, hatte seinen Grund in
der Schwierigkeit, die Engländer und die Niederländer von der Not-
wendigkeit des Krieges ^7/ überzeugen. Weder das englische Parlament
noch die holländischen Kauflcute waren von vorneherein für eine ge-
waltsame Austragung der schwebenden Frage. Beide Nationen fürch-
teten von dem Abbruche der freundschaftlichen Beziehungen ^m den
Spaniern und deren Kolonien eine wesentliche Minderung ihrer Ein-
nahmen und waren durchaus nicht einsichtig genug, -^// erkennen^ dass
das einzige Mittel, dauernde, einträgliche Handelsbeziehungen z^
Spanien herzustellen, der Krieg gegen Ludwig XIV. war. In den Ver-
handlungen, die Wilhelm III. mit dem Grafen Johann Wenzel Wratis-
law, dem Vertreter des Kaisers am englischen Hofe, seit dem Beginne
des Jahres lyoi führte y trat dieser Gesichtspunkt immer wieder hervor.
,Jch sehe die Gefahr für Europa — meinte Wilhelm im Januar
lyoi — für jeden Einzelnen und für Alle. Ich weiss, dass dieses
Königreich und die Republik nicht blos für ihren Handel z^f fürchten
haben, sondern auch für ihre Freiheit. Ich bin endlich völlig über-
Z^itgt, dass ich persönlich so sehr exponiert bin, wie irgend einer. So
gut daher mein Wille ist, mit dem Kaiser ^« gehen, ihm beizustehen,
so ist ihm doch auch bekannt , dass ich, obwohl König hier, ohne die
Zustimmung des Parlamentes dem Kaiser eine sichere Hilfe nicht ver-
sprechen kann. . . . Ich muss aber offen sagen, dass hier in England
die Gefahr bisher nicht genügend begriffen wird. Der Reichtum, den
das Land aus dem Handel mit Spanien zi^ht, hat die Engländer derart
170 1 Sept. 7. 213
verblendet y Jass sie den Verlust, den der Krieg ihnen bringen würde,
über alle Massen fürchtend ^) Und ähnlich musste er sich noch im
April ijoi äussern. Nur allmälig und nach Überwindung wahlloser
Schwierigkeiten gelang es dem Oranier und seinen Freunden die mass-
gebenden Persönlichheiten für seine Anschauung {u gewinnen und eine
Äusserung des Parlamentes ^u bewirken, die ihn j(ur Kriegserklärung
an Frankreich für den Fall ermächtigte, dass die Friedensbemühungen
sich als vergebliche erweisen sollten. So erklärt es sich, dass die
Verhandlungen mit dem Wiener Hofe, die dieser mit möglichster Eile
^u Ende geführt wissen wollte^ nur langsam fortschritten, dass Wil-
helm IIL immer von 9ieuem genötigt war, den ungeduldigen, drän-
genden kaiserlichen Gesandten j^u beschwichtigen, bis er — //;/ Juli
lyoi — seine Einwilligung {ur Aufnahme der entscheidenden Bera-
tungen im Haag geben konnte. Aber auch dort noch betonte Heinsius
im Namen der Republik und des englischen Königs die Notwendigkeit,
alles :{jn vermeiden, was einer Offensive gegen Frankreich ähnlich sehen
würde und sprach weiteren Unterhandlungen mit Ludwig XIV, das
Wort, „damit Jedermann nach aussen, insbesondere aber die Unter-
tanen der Republik erkenneien, dass nach dem Fehlschlagen aller güt-
lichen Mittel der Krieg ^um Zwecke der Selbsterhaltung durchaus un-
vermeidlich und notwendig sei^ Und in gleichem Sinne äusserte sich
Wilhelm IIL, als die kaiserlichen Gesandten — neben Wratislaw Graj
Goess, der Vertreter Leopolds /. /;;/ Haag — energisch gegen jede
weitere Verzögerung mit der Begründung protestierten, dass sonst an
eine Unterstützung des Kaisers seitens der Seemächte in dem laufenden
Jahre nicht ^^t denken sei. Auch er betonte, wie wichtig es sei, dem
englischen Parlamente die Überzeugung beizubringen, dass man alles im
Interesse des Friedens aufgewendet und sich nur der Not gehorchend für
eine blutige Austragung der schwebenden Streitfragen entschlossen habe.
Alle Bemühungen der Wiener Regierung und ihrer Vertreter,
Wilhelm IIL und Heinsius umzustimmen, blieben erfolglos. Die See-
mächte forderten „ein terminum von 4 Monaten -(//r Fortsetzung der
Negociationen mit dem d* Avaux!^' und die kaiserlichen Gesandten
mussten sich schliesslich -{/^r Aufnahme eines Artikels bereit erklären,
durch den eine Frist von 2 Monaten nach vollzogener Ratifikation der
Allianz^) festgesetzt wurde, innerhalb der sich Ludwig XIV, bezüglich
0 Vgl, Klopp l, c, IX g^, nach Wrattslaws Bericht vom u, lan, 1701 St,-A,
*) Die kaiserlichen Gesandten liatten den Tag der Unterzeichnung des
Vertrages als dies a quo verlangt; dies aber nicht durchsetzen können, da die
214 "70' Sept- 7-
der Satisfaktion für den Kaiser und der Sicherheit für die Republik
der Niederlande ^u erklären habe.
Eine andere Frage, die seif dem Beginne der Verhandlungen
die grössten Schwierigkeiten verursacht hatte und noch ungelöst war,
als die Beratungen im Haag begannen, betraf das Ziel des ab:^uschlies-
senden Bündnisses, Leopold I. hatte vorerst die Erneuerung der Allian:^
von j68p vorgeschlagen, deren Geheimartikel die Seemächte verpflichtete y
dem Kaiser bei der Erwerbung des gesamten spanischen Erbes Hilfe
lu leisten und sein Begehren in erster Linie mit dem Hinweis darauf
begründet, dass jede andere Bestimmung, ähnlich wie der Teilung s-
vertrag von ijoo, eine Stärkung der französischen Partei am Madrider
Hofe lur Folge haben würde. ^) Da er aber wusste, dass die Seemächte
eine derartige Vermehrung der kaiserlichen Macht nicht wünschten, hatte
er gleich Anfangs dem Grafen Wratislaw seine Absicht kundgetan,
sich mit einer Entschädigung {u begnügen, „bei der das Gleichgewicht
von Europa einigermassen bestehen könnte'^ Er dachte dabei an die
Erwerbung der italienischen Besitzungen der spanischen Krone, an
Neapel, Sizilien und Mailand, fürchtete sich aber von diesem Vor-
schlage den Seemächten Mitteilung ^.u machen, „denn, wenn wir
die uns ehemals in dem Teilungsvertrage angebotene Portion, Spa-
nien und Westindien, völlig verwürfen und statt dessen eine Allianz
inbetreff Italiens beantragten, so würde damit das für England und
Holland wichtigste Interesse^ das für sie durchschlagende Motiv ^ur
Ergreifung der Waffen aufgehoben. Dieses besteht darin, das Frank-
reich sich nicht zum Meister von Spanien und Westindien mache und
Vertreter der Seemä htc, inshesonJcrc Marlboroughy mit Zäingkeit an dem Ter-
mine „2 Monate nach erfolgter Ratifikation** festhielten. Vgl. die Schreiben
Wratislaws und Goess vom 25. ///// //. 5. Sept. lyoi St.-A.
*) In den Weisungen an Wratislaw und Goess wird dieser Gesiehtspunkt
immer wieder betont. So lieisst es {. B. in der Weisung an Goess (St-A.) vom
j6. Juli: ,,Du hast unterdessen gan{ vernünftig remonstrirt, worumb die Allianz
auf keine gewisse Pnrcincien oder Länder \u limitiren seie, dann neben dem,
dass man dadurch die Cron Portugal völlig aus der Partei schliessen titäte,
würde man auch \ugleich die gan\c spanische Nation, welche fürnehmlich durch
die schädliche Repartition \ut Berufung eines französischen Prinzen bewogen
worden und worunter noch viele begriffen, welche eine merkliche Verwirrung oder
Diversion {u der gemeinen Sach Besten anrichten könnest, auf einmal völlig aus
der Waag werfen und in die Desperat ion sfiir;en, der Cron Frankreich fester
als bisher 0 an\uhangen und ihr ausser stes daran {// strecken, damit die völlige
Monarchie nicht nur unter dem Duc d'Anjou , sondern auch unter der Cron
Frankreich unzertrennlich beisammen bleibe.**
1701 Sept. 7. 2J5
dadurch ihren Handel beherrsche. An der Erhaltung von Neapel und
Si{ilten liegt diesen Mächten nicht so viel, dass sie sich deshalb in
einen langwierigen und kostspieligen Krieg stürben würden/^
Das Verhalten Wilhelms /IL entsprach nicht garn^ der Annahme
Leopolds /. Von der Erneuerung der Allian[ von i68p wollte er frei-
lich nichts wissen ; einmal weil er iiber^eugt war, dass weder England
noch die Vereinigten Niederlande ihre Einwilligung da{ii geben wür-
den, dass ihre Kräfte j^ur Erwerbung des gesamten spanischen Erbes
für das Haus Habsburg verwendet werden sollten; dann aber auch,
-weil das Parlament von dem Vertrage von 1689 noch immer keine
offizielle Kenntnis besass und an eine Gutheissung seines Inhaltes durch
dasselbe nicht ^// denkai war.^) Dagegen geigte er sich nicht abgeneigt
in eine Änderung der Bestimmungen des Teilungsvertrages vom Mär:(
jyoo einzuwilligen.
Schon im Februar lyoi stellte in seinem Auftrage Albemarle,
sein vertrauter Rat, an den kaiserlichen Gesandten die Frage, ob der
Kaiser sich mit Mailand und Belgien begnügen würde^), und im April
forderte Wilhelm IIL Heinsius auf, unter diesen Bedingungen mit dem
Kaiser ab^uschliessen,^) Allein die Wiener Regierung zeigte durchaus keine
Neigung auf den Besit{ Neapels und Si^^iliens {u vernichten, Ln ihrem Auf-
frage musste Wratislaw in London^) und Goess im Haag erklären, dass
Belgien für die Seemächte wohl eine Barriere gegen Frankreich, für den
Kaiser aber ein Besit:^ sei, dessen Lasten den Vorteil fast völlig aufwiegen,
während Neapel und Sii^ilien in den Händen des Hauses Bourbon eine
stete Bedrohung der kaiserlichen Er blande bedeuten würden,^) Und
») Der Vertrag wurde erst im April ijoi auf das Drängen des Unter-
hauses diesem vorgelegt und erfuhr eine scharfe Kritik seitens der Opposition,
Vgl, Klopp /. c, IX, 216 ff.
") Berichs Wratislaws vom 18, Febr. jyoi St-A.
») Vgl. Klopp l, c. IX. 203.
*) Die Vollmacht für Wratislato ist datiert Wieng.Mär\ 1701 St,-A,Angl.
Am selben Tage ergietig an Wratislaw eine ausfüJtrliche Weisung, in der des
Kaisers Standpunkt in allen Fragen eingehend erörtert wurde. Er erhielt in
derselben die Erlaubnis, f,wann hieran der Sc/tluss der Allianz haftet, die Er-
klärung {u thun, dass wir {ufrieden sein würden, wann Engeland und die General-
Staaten sich ^ur Recuperation der Niederlanden und der in Italien \ur Krön
Spanien gehörig gewesener Länder^ nemlich Neapel, Sicilien und Mailand sammt
denen an der toskanischen Grenzen gelegenen Orten verbindlih einlassen wollen.**
*) /// der Weisung vom q, Mär{ heisst es :{. B,: „Die Niederlanden kann
mm uns {// keinetn grossen Vorteil {u rechnen , lumalen dieselbe mehr denen
Generalstaaten als uns s^ur Sicherheit dienen und mehr Kosten \u ihrer Con-
2i6 170' Sept. 7.
ähnlich lauteten die Erklärungen der Wiener Regierung, als George
Stepney und Hamel Bruynincx — die Vertreter Englands und Hol-
lands am Kaiserhofe — eine genaue Bezeichnung der fiir den Kaiser
wiederzugewinnenden Länder forderten. Dass die staatische Regierung
trotzdem ^« Beginn des Monates Juni lyoi als Ultimatum , ja als
yyUltimatissimum^^ einer Entschädigung blos Belgien und Mailand anbot ^
wurde in Wien selbst von den entschiedensten Vertretern der Kriegspartei
bitter empfunden und veranlasste sogar Stepney -f« dem bezeichnenden
Ausspruche, das Vorgehen der Seemächte müsse den Eindruck hervor-
rufen, als ob es sich in der Erbfolgefrage lediglich um die hollän-
dischen und englischen Interessen, in keiner Weise aber um Rechts-
ansprüche des Kaisers handle ^^ Dieser aber war entschlossen, an
seiner Forderung bezüglich Süditaliens festzuhalten und glaubte den
Wünschen der Seemächte schon entgegenzukommen , wenn er dem Grafen
Goess am j6. Juli die Weisung z^tkonifnen Hess, „allen Fleisses daran
ZU sein^ dass bezüglich der Satisfaktion der Allianz vom Jahr i68p
inhaerirt werden möge, unter der mündlich oder auch per artictüum
secretum (wann es nicht anders sein kann) schriftlich gebender Ver-
sicherung, dass wir -{///>/></<';/ sein und die Seepotenzien weiter nicht
adstringircn wollen, als dass uns dasjenige von der Krön Frankreich
abgetreten werde, wessen wir uns durch den Grafen von Wratislaw
gegen des Königs von Engeland Ldtn erklärt haben und dieses umso viel
mehr, als uns allzu bedenklich sein würde, auf alle übrige spanische
Königreiche und Lande tacite oder cxpresse ^// renunciiren, ehe wir
einmal versichert seind, oh wir davon etwas und wie viel behaupten
werden :'^^) Eine Einigung in dieser Frage war also, wie wir sehen,
noch nicht erzielt, als im Juli die Verhandlungen im Haag begannen;
doch hatten sich die Aussichten -{« Gwisten des Kaisers in der letzten
Zeit dadurch wesentlich gebessert, dass die ersten Operationen der
kaiserlichen Armee in Italien erfolgreich verliefen y während die Hal-
tung Ludwigs XIV. auch den Kriegsgegnern in Eßigland und Holland
die Überzeugung aufnötigte^ dass die Hoffnung auf eine friedliche Lö-
sung der Konflikte eine überaus geringe sei.
servafion erfordern, als sich deren Erträgniissrii nicht erstrecken. , . . Du solltest
jedoch gedachter Niederlande nicht all{u gering achten und dadurch Anlass
geben, dass selbige etwa einem Dritten mögten ungeteilt xoerden wollen'*
») Noorden /. c. I. 161 f.
*) Leopold an Goess 16, Juli lyoi St.-A. Holt,
170 1 Sept. 7. 21 «7
Immerhin bereitete die Ordnung dieser Frage auch den im Haag
versammelten Ministern grosse Schwierigkeiten, Denn auch jet^t he-
tonten die kaiserlichen Gesandten, däss die Rücksicht auf die Stirn-
mung der Spanier es am j^weck massigsten erscheinen fassen würde,
von der Benennung der einzelnen für den Kaiser ^// gewinnenden
Länder Abstand j(u nehmen, dass aber, falls die Seemächte auf der-
selben bestünden, ausser der Erwerbung Belgiens auch die der gesamten
alten Besitzungen der spanischen Krone in Italien für die deutsche
Linie des Hauses Habsburg in Aussicht genommen werden müsste.
Wilhelm IIL und Heinsins aber hielten noch immer an dem Gedanken
fest, dass man versuchen müsse, den Krieg in den Augen aller ^ auch
der entschiedenst eti Friedensfreunde ^ als einen unvermeidlichen er-
scheinen ^w lassen, und sie hofften dieses Ziel umso eher ^// erreichen,
je massiger die Forderungen waren, die seitens der Verbündeten dem
{um Kriege entschlossenen Könige von Frankreich gestellt würden. Aus
diesem Grunde /orderten sie, dass in dem Vertrage blos von dem
Wiedergewinne Mailands und Belgiens gesprochen werde, und betonten
{ugleich, dass die unzweifelhafte Weigerung Ludwigs XIV, auf diese
Bedingungen einzugehen, die Möglichkeit bieten werde, des Kaisers
Wünschen in vollem Masse z^i entsprechen. Allein die kaiserlichen
Gesandten -{^'/j^/^w durchaus keine Neigung, sich in diesem Punkte mit
unverbindlichen Versprechungen ^w begnügen; sie machten nochmals auj
die Bedeutung aufmerksam, die der Kaiser dem Besitze Neapels und Sizi-
liens beimass und betonten, dass die Nicht-Erwähnung dieser Gebiete in
einer z" Gunsten des Kaisers abgeschlossenen Allianz den Papst, der
bisher dem Herzoge von Anjou die Belehnung mit diesen 2 König-
reichen verweigert habe^ ^//r Erteilung derselben vermögen könnte.
Aber noch immer weigerte sich Heinsius, der bei diesen Ver-
handlungen das Wort im Namen der Seemächte führte, nachzugeben.
Erst das Eingreifen des englischen Bevollmächtigten , des Grafen Marl-
borough, der sich für die Forderungen des Kaisers aussprach, übte
eine entscheidende Wirkung auf den holländischen Staatsmann aus. Er
erklärte seine Bereitwilligkeit, auch den Wiedergewinn der Königreiche
Neapel und Sizilien als Ziele der Allianz {« bezeichnen,^) freilich
*) Heinsius machte im Laufe der Verhandlungen auch den Vorschlag, die
Vereinbarungen über die \u erobernden Gebiete in Europa und in Indien in
einen Separatartikel :[u setzen, „weil sich andere Potentiell vielleicht wohl ge-
neraditer, nicht aber ein jeder auf ein- oder anderes in specie würde verbinden
wollen*' ; doch wiesen die Vertreter Leopolds diesen Vorschlag z^ff^k.
2i6 1701 Sept. 7.
nicht, ohne als Ersat:^ dafür vom Kaiser die Aufnahme eines Artikels
in den Vertrag :(u fordern, kraft dessen etwaige Eroberungen in Indien
den Engländern und Holländern verbleiben sollten.^) Die kaiserlichen
Gesandten gaben sich ^war alle Mühe die Seemächte :(um Fallenlassen
dieser neuen Forderung -f// bestimmen, allein Heinsius wie Marlborough
blieben dabei, „dass die nationes einzig und allein spe praemii vel Incri
{u disponiren seien^^ und setzten ihren Willen durch. Es gelang den
kaiserlichen Bevollmächtigten nur ^u bewirken, dass jede Bestimmung
„welcher gestalt und wie lang die occnpanda in Indien den Engländern
und Holländern verbleiben solltm^\ vermieden wurde. Dagegen schei-
terten ihre Bemühungen, eine ausdrückliche Sicherung der katholischen
Religion für diese Länder ^u erlangen, vornehmlich an dem Wider-
stände Marlboroughs, der in seinem und im Namen Wilhelms HL es
ablehnte, die Vertretung einer derartigen Forderung vor dem Parlamente
^u übernehmen. Goess und Wratislaw mussten sich schliesslich damit
begnügen, dass eine Vereinbarung über diese Frage künftigen Zeiten
vorbehalten wurde,^)
*) /// dem in fran\ösischrr Sprache abgefassten Projekte, das Heinsius
vorlegte, war verfügt worden, dass die von den Seemächten in Westindien ero-
berten Gebiete diesen „rn propre'*, d, //. eigentümlich gehören sollten ; durch
die Streichung dieser Worte erhielten die kaiserlichen Minister einen wenn auch
nicht sehr bedeutenden Erfolg. Ihre Bemühungen mehr durchzusetzen, die im Au-
gust und Sept. 1/1)1 erfolgten, waren resultatlos. Vgl. insbesondere ihre Berichte
vom 12. Aug. und />. Sept. St.-A.
s) Vgl. Art. IX. des Vertrages. Diesen Ausweg schlug Heinsius vor. Be-
richt der Gesandten vom 5. Sept. lyoi St.-A» Holl. Die entsclieidenden Stellen
des Konferen{protokolles vom S. Aug. lyoi lauten: „Der 0** Articul, die Indien be-
treffend, ist der geh. Deputation fast bedenklich vorgekommen. Zwar hat man
sich erinnert, dass E. K. M. die gan\e InJum vor diesem haben an Frankreich
abtreten wollen. Man hat auch erkennet, was grosse Reichtümer der Krön
Frankreich \uwachsen würden, wann sie das indianische Cotnmercium, mithin
das alldasige Gold und Silber, wie es ohne Zweifel geschehen würde, an sich
brachte; nicht weniger, dass den Engeländern und Holländern nicht wohl ver-
Wihrt werden kann, ihren Vorteil gegen ihren Feind auf gtm)isse Weise :{u suclwn,
wann sie den Krieg declariren. Item, dass E. K. M., wann sie nicht Spanien selbst
recuperiren, diese Indien nicht haben noch sich deren bedienen können, und dass
endlich Enjirrland Holland, und wann sie nicht spe lucri dar\u bewegt werden, den
Krieg so weit und in der Ferne, wodurch sie gleichwohl dem Feind eine grosse
Diversion verursachen könnten, nicht werden führen wollen. Man hat aber ver-
meint, dass es li. K. M. bei dem Päpsten und anderen, auch den Spaniern selbst,,
gar {// odios sein würde, wann diese Länder, welche mit so grosser Müßte
und vielem Blutvergiessen ^ur catholischen Religion gebracht worden, denen
heterodoxis sollten abgetreten und in Händen gelassen werden, ohne dass pro
1701 Sept. 7. 21^
Auch sonst gab es noch Differenzen genug , deren Beilegung
erst nach längeren Beratungen und auch dann nicht ohne Vorbehalte
von beiden Seiten gelang. Am 27. Juli legte Heinsius den Vertretern
des Kaisers seinen Entwurf vor, Sie fanden so manches an demselben
auszusetzen ; einige ihrer Forderungen fanden Berücksichtigung, andere
wurden verworfen. Schliesslich einigte man sich dahin ^ den Entwurf
an die beteiligten Höfe ^« senden und deren Zustimmung ^tt verlangen.
Zu Beginn des Monates August war das betreffende Schriftstück in
den Händen Leopolds I. Er war von dem Ergebnisse der Haager
Verhandlungen nicht befriedigt. Es verdross ihn, dass die Seemächte
noch immer auf dem Versuche beharrten , eine friedliche Vereinbarung
mit Ludwig XIV, zustande -f« bringen; dass sie für den allerdings
sehr unwahrscheinlichen Fall, dass dies glücken sollte, dem Kaiser
überhaupt eine bestimmte Entschädigung nicht gewährleisteten; dass
sie dem französischen Könige eine z'^^^^onatliche Frist nach erfolgter
Unterzeichnung des Vertrages z^r Entschliessung gewähren wollten und
mittlerweile dem Kaiser allein die schwere Last des Krieges gegen Lud-
wig XIV, aufbürdeten; dass man in unzweideutiger Weise von der Ver-
wendung der spanischen Niederlande als einer holländischen Barriere gegen
religione catholica etwas stiptdirt uDÜrde, Und ist derhalben geschlossen worden,
dass die kais, Abgesandte hier einige Wortc^ wodurch die Religion wenigstens
tacite salvirt würde, als nemlich, dass dasjenige, was obg, heedc Potcniien in
Indien occupiren mögten, ihnen in statu quo verbleiben solle, hin{us't{en oder
aber den Articnl dahin cin\uriihtcn suchen sollten, dass ihnen das dominium
nicht absolute angelegt, sondern die occupanda nur ad tempus oder bis (// Ver-
gütung üirer atigewandten Spesen in Händen gelassen werden sollten ; oder aber,
welches das beste wäre, von diesem Articul ganf abstrahirt würde, mit dem Be-
deuten, dass dieses sii:h von selbsten verstehe und I, K, M,, wann sie Spanien
nicht hätten, sich der Indien wenig annehmen, noch den Engeländern und Hollän-
dern verwehren könnten, sich deren \u bemächtigen, jedo.h auch pro nunc darauf
\u renunciiren defn publico nicht vorträglich achteten, All.'nfalls und wjnn obiges
nicht {// erlangen, müsste man davon, in Hoffnung dass bei künftigen Frieden
auch mit Hilf der Spanier und Franzosen selbst der Religion füglich werde zu
prospiciiren sein, einen Secret- und separaten Articul machen; wie wohl auch
nicht \u :^^eifeln, dass derselbe dem Parlament in Engeland bald xoerde müsse
communicirt werden und dabei gleichwohl in omnem eventum E, K, M, jetzigen
und künftig recuperirenden Provincien das freie commercium in den Indien vor-
behalten.'^ Wie aus den Berichten der kaiserlichen Gesandten im Haag vom
August und September 1701 {// ersehen ist, war es insbesondere Marlborough,
der von einer Änderung dieses Artikels nichts wissen wollte und nur mit Mühe
\u bewegen war, dass die von den Seemächten geforderte Bemerkung, dass der
Kaiser diese Eroberungen „pour Ics y animcr d* avantage consent et accorde'*,
gestrichen werde.
230 I/O' Sept. 7.
Frankreich sprach ^ dagegen dem Kaiser nicht einmal die künftige
Territorialsouveränitäi in Belgiai verbürgtet) Dass es Wratislaw und
Goess gelungen war^ den Seemächten das Versprechen ab^ugewintun,
j(ur Eroberung Neapels und Siziliens das äusserste auf^ubieteny konnte
wohl als ein Erfolg von weittragender Bedeutung aufgefasst werden,
aber Leopold L vermisste schmerzlich die Verpflichtung der Seemächte,
die Waffen nicht niederzulegen , bis dieses Ziel erreicht war,'^ Und
nur ungern sah der Kaiser die Aufnahme jenes Artikels in den Ver-
trag, nach welchem den Seemächten die von ihnen im Laufe des Krieges
eroberten spanischen Kolonien in Westindien verbleiben sollten. Sah
CS nicht aus, als ob das Projekt — wie die kaiserlichen Minister
Bruyninci gegenüber meinten — lediglich der Sicherung der Seemächte
durch die belgische Barriere und der Wahrung ihrer Handelsinteressen
dienen sollte? Auf alle diese und auf so manches andere Bedenken
*) Die geheimen Räte Harrach, WaUstein, Mansfeld, Kaunit\ und Bu-
cdini betonten in den entscheidenden Konfcrcnien , es wäre das beste, von den
Motiven {// schweigen, aus Jenen dieses oder jenes Land rekuperirt werden sollte,
„dann Theils Niederlanden seien ebensowohl Reichslehen als Mailand und müsse
in deren Eroberung nicht nur die Sicherheit der Engeländer und Holländer, welche
sonsten pro sua parte darauf renunciiren könnten, sondern auch E, K. M, Ge^
rechtsame beobachtet und {u dem Emle hin^ugeset^et werden, dass man solche
Niederlanden für E, K. M, und Dero durchlauchtigstes Er^haus \u recuperiren
suchen soll. Gleiche Bewantnus hat es mit dem Königreich Neapel und Sicilien ;
derhalben auch dabei, wann E. K, M. Gerechtsame nicht exprimirt werden sollen,
von anderen motivis oder Ursachen vielmehr \u abstrahiren wäre. Bei Mailand
aber wäre hingegen nicht eben namentlich aller und jeder Lehen insbesondere,
wohl aber in genere mit \u gedenken, dass nemlich nicht allein Mailand mit
seinen Zugehörungen, sondern auch alle und jedi^ Reichslehen, welche die letzten
Könige in Spanien innengehabt , wieder herbeigebracht werden sollen, worunter
auch die porti di Toscana, welche man sonsten expresse mit benennen könnte,
begriffen seind. Es ist auch hiebci in einem oder andern voto erinnert worden,
dass man die Insul oder das Königreich Sardinien ebenfalls für E, K, M, bc'
dingen sollte/' Conf Prot, vom S. Aug, Von diestn Plänen ist aber keiner
durchgedrungen ; die Seemächte blieben bei der von ihnen entworfenen Fassung
des Artikels 5, wiesen die Versuche der kaiserlichen Gesandten eine Änderung
liesselben \u bewirken, entschieden {urück und wollten nicht einmal da\u ihre
Einwilligung geben, dass bei Erwähnung der spanischen Niederlande als \u er-
oberndes Gebiet der Zusat\ aufgenommen werde „tant pour conserver les droits
de S. M. L et les flefs de l' empire^' ; es sollte lediglich der Bedeutung Bel-
giens als Barriire gegen Frankreich gedacht werden. Vgl. die Berichte des Goess
und Wratislaws vom Aug. ufid Stpt. 1701 St.-A.
*) Die Konferen^räte forderten eine darauf bezügliche ausdrückliche Be-
stimmung, die aber seitens der kaiserlichen Gesandten bei den Seemächten nicht
durch\uset{en war.
i^i Sept. 7. f^^t
ist in den Konferenzen aufmerksam gemacht worden, die im Laufe des
Monates August am Wiener Hofe gehalten wurden und manche Stimme
"iCurde laut , die den Wert dieses Bündnisses überaus niedrig ein-
schätzte. Aber schliesslich überwog die Einsicht^ dass ohne die Mit-
xcirkung der Seemächte an eine Fortführung des erfolgreich begonnenen
Krieges gegen Ludwig XLV. nicht ^u denken sei und die LLoffnung, im
Laufe der Begebenheiten grössere Zugeständnisse von den Verbündeten
{u erlangen. Aus diesen Gründen enfschloss sich L^eopold /. seine
Einwilligung {ur Unterj^eichnung des Haager Vertrasres ^u geben, nicht
ohne den Gesandten auf das wärmste die Vertretung jener Änderungen
an dem Allian^rojekte ^u empfehlen, die er in seinem Lnteresse für
dringend geboten hielt. Lhr Erfolg war auch jet^t ein minimaler ; nur
in wenigen Artikeln gelangten die vom Kaiser vorgeschlagenen Ab-
änderungen ^ur Annahme ; sein grösster Erfolg bestand darin, dass
der katholischen Niederlande in der Vorrede als eines Lehens des Reiches
gedacht wurde. ^)
Eine besondere Schwierigkeit, der in diesem Zusammenhange ge-
dacht werden muss, ergab sich, als die Vertreter der Alliierten, nach-
dem eine Einigung über Inhalt und Form der einj^elnen Artikel erhielt
worden war, an die Unterzeichnung des Vertrages schreiten wollten.
Marlborough verlangte als Botschafter den Vorrang vor den kaiser-
lichen Gesandten Goess und Wratislaw , während diese den höheren
Rang des Kaisers betonten. Die Sache rief, dem Brauche jener Zeit
*) In einem ausführlichen Schreiben aus dem Haag d. d, 5. Sept, lyoi
berichten Goess und Wratishiw über ihre Verhandlungen mit Heinsius und Marl-
borough und von ihren VersucJten Abänd^^rungen der einzelnen Paragraphe durch-
\uset\en. Man ersieht aus ihrem Berichte, zcie schwer ihnen jeder Hrfolg ge^
macht wurde und wie geschickt Marlborough und Heinsius die Interessen der
Seemächte \u vertreten wussten. Neben der im Text erwähnten Bezeichnung der
spanischen Niederlande als Reichslelien wurde auf Wunsch der kaiserlichen Ver-
treter in die Hinleitung d r Zusat^ aufgenommen, dass Leopold I. seine Armee
nach Italien auch „ad conservanda iura sua privata** geschickt habe und im
> Artikel wurden unter den {// erobernden Gebieten in Italien auch besonders ge-
nannt „terras atque insulas circa ora Hetruriae*\ Dagegen scheiterten ihre
BemüJmngen, einen Zusat\ {um 4. Artikel in dem Sinne {// erzielen, dass die
Seemächte sich verpflichten sollten , nach Ablauf der 2 Monate „de rompre toute
la negociation avec la France, de congedier sans delay ses ministres et ceux
X Espagne en Angleterre et en Hollande^* ; und ebensowenig wollten sich die See-
mächte bereit erklären, dm 8. Artikel, der die Bedingungen enthielt, unter denen
der Friede mit Frankreich geschlossen werden sollte, Worte voran siuschicken,
die lauten sollten „Et si a la fin on voit que par les armes ou par une autre
Jisposition divine on ne peut ^ emparer de toute la monarchie d' Espagne,'^
2^2 '?ö' äept 7.
entsprechend, grössere Aufregung hervor und führte j^u längerefi Ver-
handlungen, als uns Nachgeborenen begreiflich erscheint. Es wurden
die verschiedensten Auswege von allen Seiten vorgeschlagen, aber nur
sehr schwer gelang es schliesslich eine Einigung j(u erzielen. Die kai-
serlichen Gesandten unterzeichneten einen Revers, ^) durch den sie sich
verpflichteten, vor Auswechslung der Ratifikationen eine besondere für
diesen Fall bestimmte Vollmacht des Kaisers vorT^uweisen, in der sie
als „ambassadeurs extraordinaires et plenipotentiaires^^ qualifiziert sein
sollten. Bis dahin sollten die Originale der Verträge im staatischen
Archive aufbewahrt, den Vertretern der verschiedenen Mächte aber au-
tcntische Kopien übergeben werden. Da aber Marlborough trotzdem
nicht neben den kaiserlichen Gesandten unterzeichnen wollte , musstc
schliesslich der Ausweg gewählt werden, dass die Vertreter jeder Macht
besonders zeichneten. Es wurden daher im ganzen 6 Exemplare des
Vertrages ausgefertigt, von denen je 2 von Marlborough, 2 von Goess
*) Die HrkLirujig der kaiserlichen Gesandten vom 7. Aug. 1701 laufet:
Nous suusignes ministres de sa M^^ imperiale estant presents icy a Ja Haye
pmir traitter avec le ministre du roy d'Angleterre et /es deptitei des estats ge-
neraux des provinres unies des Pais-Bas, a fin de procurer une paix generale
dans V Europe, et ä cette fin faire avoir a sa dite M^^ imperiale une satisfac-
tion raisonnable sur ses pretensions de la suceession d* Espagne et des seuretes
Partien Her es taut a l' esgnard dn commerce et traficq des snjets du dit roy
d' Angleterre et des dits estats generaux qne de leurs royautnes, provinces, pais
et terres, nous nous trouvons ä eet effet munis et pourveus d* un plein pouvoir
de l* empereur nostre maistre en date du 17« juillet dernier avec la qualification
et titre de ses ambassadeurs extraordinaires et plenipotentiaires. Mais comme
le ministre du dit roy d* Angleterre et les dits depiitt^s des estats generaux ont
eu quelque scrupule au sujet de cette qualification^ d cause que le dit pouvoir
ne paroissoit pas asse^ special pour la presente negociation, si est ce que pourvü
que le projet traitte au sujet de la dite affaire fait ce jour d' huy entre nous,
r ambassadeur d' Angleterre et les dits depute\ des estats generaux soit signe,
nous promettons de produire et de delivrer devant V eschange des ratifications
du dit traitte un plein pouvoir de sa M\^ imperiale, qui aura raport et une re-
Lition speciale d la negociation du dit traitte sur nous sousignes avec la quali-
fication d' ambassadeurs extraordinaires et plenipotentiaires ^ et consentons que
les exemplaires du dit traitte qui nous devroient estre delivres resteront au greffe
de r estat jusques d ce que nous auroiis drlivre le dit plein pouvoir. En foy de
quoy nous avons signe la presente et y mis les cacliets de nos armes d la Haye
le y^ Aoust ijoi.
Pierre cowte de Goessen. Jeann Wenceslas comte \Vratislau.\
L. 5. /.. .V.
i^oF Sept. 7. ^^3
und Wratislaw y 2 von den staatischen Deputierten unterzeichnet
wurden.^)
In dem dritten Artikel des Vertrages vom 7. Sept. ijoi hatten
die Verbündeten eine zweimonatliche Frist festgesetzt^ innerhalb der der
Versuch unternommen werden sollte y das Ziel ihrer Einigung bei Lud-
wig XIV, auf friedlichem Wege ^« erreichen. Nur widerwillig und
{ögernd hatte Leopold I, seine Einwilligung ^// diesem Artikel gegeben y
jn dessen Aufnahme die Seemächte — insbesondere England —
mit unerbittlicher Zähigkeit festgehalten hatten. Diese Verhandlungen
haben nun niemals stattgefunden. Der Zweck, dem sie dienen sollten
— dem englischen Volke die Unabwendbarkcit einer gewaltsamen Aus-
tragung der bestehenden Differenzen ;{« beweisen — war auf andere
Weise erfüllt worden, ehe die friedlichen Eröffnungen der Seemächte
in Paris erfolgen konnten. Am 16, Sept, ijoi hatte Jakob IL, der
Gast Ludwigs XIV,, in St, Germain die müden Augen geschlossen /
bereits am 20, Sept. wusste man in London, dass der französische
Herrscher den i jjähr, Jakob:, ^^^^ ^^l^' Mehrzahl des englischen Volkes
für ein unterschobenes Kind des verstorbenen Königs hielt, als König
von England anerkannt habe. Die Wirkung dieser Tat war eine un-
geheuere, Wilhelm III, sah sich persönlich in seiner Stellung bedroht,
die Mehrzahl des englischen Volkes fürchtete die Restauration der
Stuart,^) Aber nicht nur Wilhelm IIL und die Engländer, auch die
Niederländer gaben ihrer Entrüstung über das Vorgehen Ludwigs XIV,
unverholen Ausdruck. Es bedurfte jetyt auch keiner neuen Beweise
dafür, dass an eine friedliche Beilegung der mit Frankreich bestehen-
den Differenzen nicht z^i denken sei; die im Vertrage vom 7. Sept.
vor altsgesehenen Eröffnungen an Ludwig XIV. unterblieben ,- der diplo-
matische Verkehr mit Frankreich wurde abgebrochen ; die Kriegsvor-
bereitungen schneller als bisher getroffen. Das englische Parlament,
das im Januar IJ02 ^//5t7/;/;;/r;//n7/, sprach sich mit seltener Einmütig-
keit Jür den Krieg aus und erklärte sich bereit dem Könige die Mittel
zur Verfügung -{w stellen, „um den Verpflichtungen aller Allianzen ge-
recht z^i werden, die er geschlossen habe oder noch schliessen werde:'
Zu gleicher Zeit richtete man an Wilhelm IIL eine Adresse, die ihn auf-
*) Wratislaw berichtet in seinem Schreiben d, d, Q, Sept. jyoi ausführlich
über diese Frage.
') Der erwähnte anonyme Verfasser der Schrift „Österreich und England*'
hebt diese Seite der Frage besonders hervor; wird aber der Persönlichkeit Wil-
helms IIL durchaus nicht gerecht.
424 '70' Sept. %
forderte, dafür Sorge ^u tragen, dass den verschiedenen Allianzen ein
Zusatj^artihel beigefügt werde, durch den bestimmt werden sollte, dass
der Friede mit Frankreich nicht geschlossen werden dürfe, bis Wilhelm IIL
und die englische Nation Genugtuung für die grosse Kränkung er-
halten hätten, die ihnen durch die Anerkennung des angeblichen Prin-
;(en von Wales als König von England, Schottland und Irland zuge-
fügt worden sei.
Wilhelm III. erklärte sich mit Freuden bereit , dem Wunsche
der Nation Rechnung {u tragen. Er Hess dem Grafen Wratislaw als-
bald die Beschlüsse des englischen Parlamentes mitteilen. Dieser war
schon vorher von dem Vorhaben des Parlamentes in Kenntnis gesetzt
worden und hatte, von der Überzeugung durchdrungen, dass eine feier-
liche Erklärung gegen die Erbfolge des katholischen Stuart in Eng-
land seinem Herrn überaus schwer fallen müsste, eifrig aber vergebens
sich bemüht, einflussreiche Parlamentarier von der Über flu ssigkeit dieser
Massregel {u über^eugen,^) Jet^t suchte er mit denselben Argumenten
auf Wilhelm III, und dessen leitende Minister einzuwirken. Auch
ihnen gegenüber betonte er, dass es eines besonderen Artikels nicht
bedürfe ; dass Ludwig XIV, eine solche ausdrückliche Erklärung
Leopolds I, benutzen würde , //;« diesen beim päpstlichen Stuhle und
allen katholischen Mächten anzuklagen. Allein Marlborough und
Vernon antworteten auf diese Erklärungen, wie die Vertreter des eng-
lichen Parlamentes, Sie stellten den Zusatzartikel als notwendig hin,
damit England, das bisher Jiur als Hilfsmacht in den Krieg habe ein-
treten wollen, als Prinzipalmacht in demselben erscheine ; sprachen von
den Vorteilen, die für Leopold I, aus einem solchen offenen Eintreten
für die Wünsche der englischen Nation erwachsen müssten; verpflichteten
') Über seine Verhandlungen 'mit den englischen Parlamentariern berichtet
Wratishiw ausführlich in dem umfingreichcn Schreiben vom 24, Jan. jyo2
St.-A, Angli.a, Er fuhr am Abend vorder entscheidenden Debatte \u einigen der
einflussreichsten Parlamentsmitglieder um sie umzustimmen , erfuhr aber von
allen, „dass in dieser Sacli kein Remcäium seie, da einesteils die gan\e Nation
diesen articulum {u ihrer vermeintlicher Sicherheit verlanget , andertheils wird
Engelland in hoc passu als principalis considrriret, wodurch E, M, Interesse con-
solidiret werde und wäre nicht billig y dass E, M, ein Bedenken tragen, sich vor
ihre innerliche Ruhe {u engagiren, nachdeme sie alles anzuwenden willig seien,
was da E, K, M. Interesse in der spanischen Monarchie befördern kann; umso
vielmehr weilen das Successionswesen allhier schon vor einem Jahr stabiliret ist
und dieser articulus als ein nachfolgendes Werk weder \u Stabilirung der Suc-
cession Ursach geben , viel weniger aber die Ausbleibung dessen in denen allbereits
genommenen Resolutionen das geringste ändern würde»**
1701 Sept. 7. 225
sich y bei der Abfassung des Artikels jedes Wort :{H vermeiden, das Leopolds
religiöse Empfindungen verletzen könnte und unterliessen nicht j^u
betonen, dass eine Weigerung des Kaisers, die Forderung Englands {u
erfüllen, die weitverbreitete Ansicht von einer nach dem Tode Wil-
helms IIL beabsichtigten Erhebung der Katholiken verstärken würde, ^)
Das Gutachten der Räte, das Leopold nach dem Einlangen der
Berichte Wratislaws forderte, lautete im Sinne der Annahme des Ar-
tikels, wenn seine Ablehnung sich als undurchführbar erweisen sollte,'^)
Man hob die Gründe hervor, die gegen die Gutheissung des englischen
Begehrens sprachen, betonte aber, dass der Nachteil, der aus der Wei-
gerung das Begehren Wilhelms IIL und der englischen Nation {u
erfüllen erwachsen könnte, jedes Bedenken überwiegen müsse. Im
Sinne dieser Meinung wurde Wratislaw beauftragt, alles ^u tun, um
die Engländer von ihrem Plane ab:{ubringen, aber seine Zustimmung
nicht {// verweigern, wenn von dieser die Kriegserklärung an Frankreich
seitens der Engländer abhängen sollte. Zu gleicher Zeit erhielt er
jedoch die Weisung, in letzterem Falle eine Änderung des von Eng-
land verfassten Entwurfes dieses Znsat:^artikels durch{uset:^en, da der
Kaiser es mit seinem Gewissen nicht vereinbaren könne, die eheliche
Geburt Jakobs IIL durch die Bcj^eichnung desselben als praetensus
Walliac princeps in Frage j(u stellen.^) Wratislaw sah alsbald die
Unmöglichkeit ein, die Engländer ^um Aufgeben ihrer Forderungen
{u bestimmen und beschränkte seine Opposition darauf, die Streichung
der vom Kaiser beanständeten Worte ^u verlangen. Aber auch in
diesem Punkte stiess er auf unüberwindliche Schwierigkeiten. Die
Engländer blieben dabei, dass der Titel eines Prinzen von Wales sich
nicht auf die Geburt beziehe, sondern durch Ernennung erfolge, dass
nur der rechtmässige nächste Erbe der Krone diesen Namen führen
könne, und dass die Beieichnung Jakobs als ,,Prin{ von Wales'^ ohne
den von ihnen geforderten Zusat^ der Anerkennung seines Thronrech' es
in England gleichkommen würde. Eine Einigung war vorerst nicht
\u erzielen. Erst nach dem Tode Wilhelms IIL entschloss sich Leo-
pold nach eingeholtem zustimmenden Gutachten des Beichtvaters Mene-
gatti,*') seine Zustimmung {u dem von den Engländern verfassten Ent-
») Berichte Wratislaws vom i^. und 14. Januar, sowie vom Februar und
Mär{ 170a; vgl. auch Klopp IX l. c. 4^7 f.
•) Den Inhalt dieses Gutachtens gibt Klopp l. c. IX. 4^9 ff. wörtlich wieder.
«) Weisung an Wratislaw d, d, 16. Mär\ 1702 St.-A. (Angl.) Eingehend
handelt über diese Frage Klopp l. c. IX, 460 f.
*) Klopp l. c. X. ^o f. druckt die sophistis hen Deduktionen Menegattis ab.
Österreichisch-englische Staatsverträge. Bd. I. '5
22() 17^1 Sept. 7.
Ztv/r/^' i/rs ZHsat:{artikcls ^// gehen , dessen Unterzeichnung dann am
12, April iyo2 int Haag staltfand, nachdem alle Versuche der kai-
serlichen Gesandten, eine Änderung des Wortlautes durchzusetzen, an
dem Widerstände Marlboroughs gescheitert waren?) Zu gleicher Zeit
wurde auch die Vereinbarung über die Kriegserklärung an Frankreich
von den im Haag versammelten Bevollmächtigten fertig gestellt,'^)
Quandoquidem mortuo sine liberis non ita pridem glorio-
sissimae memoriae Carolo secundo Hispanianim rege sacra sua
Cea ]^\A% successionem in regna et provincias regis defuncti do-
mui suae augustae legitime deberi asseruerit, rex autem chri-
stianissimus pro nepote suo, duce Andegavensi, eandem succes-
sionem ambiens et ius illi ex testamento quodam regis defuncti
natum esse praeferens pro modo-dicto duce Andegavensi pos-
sessionem universae haereditatis sive monarchiae hispanicae arri-
puerit, provincias Hispano-belgicas ducatumque Mediolanensem
armis occupaverit, classem in portu Gaditano paratam teneat,
naves plures bellicas ad Indias Hispano parentes miserit, atque
hoc modo aliisque plurimis regna Galliarum et Hispaniarum
tam arcte inter se uniantur et coalescant, ut posthac non aliter
quam pro uno eodemque regno consideranda esse videantur,
adeo ut nisi prospectum fuerit satis appareat C®*« suae M*^ abii-
ciendam esse omnem spem unquam sibi de praetensione sua
satisfactum iri; sacrum Romanum Imperium iura sua in feuda
quae sunt in Italia et in Belgio-hispanico perditurum; Britannis
et Belgis Foederatis liberum navigationis et commerciorum usum
in mare mediterraneum, in Indias et alibi funditus periturum;
Unitumque Belgium destitutum iri securitate, quam ex inter-
positis inter se et Gallos provinciis Hispano-belgicis, vulgo bar-
riere, tenebat; denique Gallos et Hispanos ita coniunctos adeo
Omnibus formidandos brevi evasuros, ut totius Europae Im-
perium facile sibi vindicaturi sint. Quum autem ob hunc proce-
dendi modum regis christianissimi O»® suae M*» necessitas im-
posita fuerit exercitum in Italiam mittendi ad conserv^anda tam
iura sua privata quam feuda imperii, rex Magnae-Brittanniae
necessarium existimaverit copias suas auxiliares mittendi Belgio
Foederato, cuius res eo loco sunt, ac si re ipsa iam aggressum
*) ^^g^* fi^f die lct\ten Verhandlungen WmtisLiws und Goess Klopp
X ^iff,;für das Datum der kaiserlichen Ratifikation p. 210 Anm,
*) ^^g^' den Abdruck p. 2^2/.
I70I Sept. ;. 227
foret, et domini ordines generales Uniti Belgii, quorum fines
undique fere patent, effracto et remoto obice, vulgo barriere,
qui Gallorum vicinitatem arcebat, coacti sint ea cuncta pro se-
curitate et salute reipublicae suae facere, quae bello impetiti fa-
cere debuissent vel potuissent ; quumque tarn anceps rerum con-
stitutio ipso bello periculosior sit et hoc rerum statu Gallia et
Hispania abutantur, ut se magis et magis inter se devinciant
ad opprimendam Europae libertatem et tollendum. commercio-
nim usum; bis rationibus adducti sacra sua C®* M", sacra sua
regia M**« Magnae-Brittanniae et celsi et praepotentes domini or-
dines generales Uniti Belgii tantis malis hinc surrecturis obviam
tendentes et pro viribus remedia afferre cupientes arctam inter se
coniunctionem et confoederationem pro depellenda communis
periculi magnitudine necessariam esse existimaverunt et hunc
in finem mandatis suis instruxerunt: Scilicet sacra sua O* M^^
nobilissimos, illustrissimos et excellentissimos dominos. domi-
num Petrum sacri Romani imperii comitem a Goessen, domi-
num de Carelsberg, sacrae O^® m*'»« camerarium, consiliarium
imperialem aulicum et ad celsos et praepotentes dominos or-
dines generales Uniti Belgii ablegatum extraordinarium, et do-
minum Joannem Wenceslaum, sacri Romani imperii comitem
Wratislau a Mitrowitz, dominum de Ginetz et Malleschitz, sa-
crae Romanae et Hungariae regiae M*»^ camerarium, intimae
cancellariae aulico-bohemicae consiliarium et asse^^sorem nec-
non sacrae C®^® M*** ad serenissimum Magnae-Brittanniae regem
ablegatum extraordinarium, legatos suos extraordinarios et ple-
nipotentiarios; sacra sua regia M^^^ Magnae-Brittanniae nobilissi-
mum, illustrissimum atque excellentissimum dominum, dominum
Joannem, comitem de Marlborough, baronem Churchil de San-
dridge, sacrae regiae M*^ a consiliis intimis, copiarum pedes-
Jrium ducem, vulgo generalem et summum exercitus memo-
ratae sacrae regiae suae M**^ in Belgio praefectum, legatum
eius extraordinarium, commissarium, procuratorem et pleni-
potentiarium, et domini ordines generales, dominos Didericum
Eck de Pantaleon, dominum de Gent et Erlekum; Fredericum
baronem de Rheede, dominum de Lier, agri sancti Antonii et de
Ter Lee, commendatorem Burae, unum nobilium et in ordine
equestri HoUandiae et Westfrisiae conscriptum ; Antonium Hein-
sium, dominorum ordinum HoUandiae et Westfrisiae consilia-
rium et syndicum, eorundem magni sigilli custodem ac feudo-
'3*
228 I7Ö» Sept. 7.
rum praesidem; Wilhelmum de Nassau, dominum de Odijk
Cortgiene etc., primum nobilem et repraesentantem ordinem
nobilium in dominorum ordinum Zelandiae et eorundem de-
putatorum consessu; Everhardum de Weede, dominum de
Weede, Dykvelt, Rateies etc., fundi civitatis Oudewater domi-
num, capituli sanctae Mariae quod Trajecti ad Rhenum est de-
canum, consiliarium primarium et praesidem consessus provinciae
Ultraiectinae, aggerum fluminis Leccae praefectum et praetorem;
Wilhelmum van Haren , agri Biltani in Frisia grictmannum,
universitatis Franequeranae curatorem, a parte nobilium in con-
sessu dominorum ordinum Frisiae deputatum ; Burchardum Jus-
tum a Welvelde in Buckhorst et Molekate, toparcham in Zal-
lick et Vekate, Ysselmudani agri satrapam et Wicherum Wichers,
civitatis Groningensis senatorem, respective dominorum ordinum
Gelriae, HoUandiae et Westfrisiae, Zelandiae, Ultraiecti ad Rhe-
num, Frisiae, Transysulaniae et Groninghae ac Omlandorum
ad conventum dominorum ordinum generalium Uniti Belgii de-
putatos, qui vi mandatorum suorum in sequentes foederis leges
convenerunt.
1. Sit maneatque inter sacram C®*™ M*®"*, sacram regiam
^tem Magnae-Brittanniae et dominos ordines generales Uniti
Belgii constans, perpetua et inviolabilis amicitia et correspon-
dentia teneaturque alter alterius commoda promovere, damna
vero et incommoda pro posse avertere.
2. Sacra sua C®* M*^^ sacra regia M**^ Magnae-Brittanniae
et domini ordines generales, cum nuUa res ipsis magis cordi
sit quam pax et tranquillitas generalis totius Europae, iudica-
verunt ad eam stabiliendam nihil efficacius futurum, quam pro-
curando C®*^® suae M*' ratione praetentionis suae in successio-
nem hispanicam satisfactionem aequam et rationi convenientem^)
et ut rex Magnae-Brittanniae et domini ordines generales securi-
tatem particularem et sufficientem pro regnis, provinciis, di-
tionibus suis et pro navigatione et commerciis subditorum suo-
rum adipiscantur.
3. Propterea foederati ante omnia operam dabunt quantam
possunt maximam ad obtinendam via amicabili et per trans-
actionem solidam et firmam O^« suae M*^ satisfactionem aequam
et rationi convenientem in causa memoratae successionis et
*) Der Kaiser hätte die Worte .Justa et aequa satisfacti&' gewünscht.
170 1 Sept. 7. 229
securitatem modo indigitatam regiae suae M*^ Magnae-Brittanniae
et dominis ordinibus generalibus Uniti Belgii, impendentque foe-
derati in hunc fmem omni studio et absque uUa intermissione
spatium duorum mensium a die quo ratificationum tabulae com-
mutabuntur numerandum.
4. Quod si praeter spem et vota intra tempus praefinitum
res eo quo dictum est modo transigi nequeat, foederati sibi in-
vicem spondent et promittunt, se alter alterum omnibus viri-
bus adiuturos idque iuxta specificationem peculiari in conven-
tione determinandam^), ut ita acquirant satisfactionem et securi-
tatem antememoratas.
5. Foederati ad procurandam satisfactionem et securitatem
antedictas inter alia^) omnes nervös intendent, ut recuperent
provincias Hispano-belgicas, ut sint obex et repagulum, vulgo
barriere, Galliam a Belgio Foederato removens et separans pro
securitate dominorum ordinum generalium, quemadmodum ab
omni tempore inservjerunt, donec rex christianissimus nuper eas
milite suo occupavit ; ut et ducatum Mediolanensem cum depen-
dentiis') eins, tanquam feudum imperii atque securitati provincia-
rum haereditariarum C®*« suae M*^« inserviens; praeterea regna
Neapolis et Siciliae et terras atque insulas circa ora Hetruriae
in man mediterraneo, quae sunt ditionis hispanicae et eiusdem
usus esse possunt, ut et prodesse navigationi et commerciis
subditorum regis Magnae-Brittanniae et Belgii Uniti.
6. Licitum sit regiae suae M*^ Magnae-Brittanniae et do-
minis ordinibus generalibus communi consilio pro utilitate et
commodo navigationis et commercii subditorum suorum quas
*) Heiiisius betonte, dass dies mit Rücksicht auf England geschehen müsse.
«) Wie Wratislaw in seinem Berichte vom 18, Okt. ijoi St-A. meldet,
fand er bei der gelegentlich der Auswechslung der Ratifikationen vorgenommenen
Lesung und Kollationirung des Vertrages, dass sich bei der Translation aus
dem fran\ösischcn ins lateinis he ein Fehler eingeschlichen habe, den Niemand
bemerkte, indem in der französischen Punktation beschlossen worden war, dass die
Verbündeten „employeront entre autres leurs forces^* , im lateinischen aber die
Worte inter alia ausgeblieben seien. Da aber diese Worte ihm unerlässlich
schienen, um die Ansprüche des Kaisers auf die gesamte spanische Monarchie
in salvo {u erhalten, bestand er energisch auf der Verbesserung der Stelle und
setzte sie auch, trot{ manc/ier Einwendungen, durch. In der englischen Original-
ausfertigung erscheinen diese 2 Worte nachgetragen,
•) Die kaiserlichen Bevollmächtigten wollten eine genauere Bezeichnung
dieser Dependen^ien, standen aber davon ab, als sich Schwierigkeiten ^f^igten.
230 «701 Sept. 7.
poterunt in Indiis hispanicae ditionis terras et urbes armis oc-
cupare, quicquid autem occupaverint ipsorum manebit.
7. Necessitate exigente ut foederati ad obtinendam ante-
dictam suae O*® M^*« satisfactionem et regis Magnae-Brittanniae
ac dominorum ordinum generalium securitatem bellum subire
adigantur, fideliter inter se consilia communicabunt de opera-
tionibus bellicis et de Omnibus rebus ad causam hanc com-
munem spectantibus.
8. Neutri partium fas sit bello semel suscepto de pace cum
hoste ^ractare, nisi coniunctim et communicatis consiliis cum
altera parte ; nee pax ineatur nisi adepta prius pro O^ sua M^
satisfactione aequa et rationi conveniente et pro regia sua M*^
Magnae-Brittanniae et dominis ordinibus generalibus securitate
particulari regnorum, provinciarum, ditionum, navigationis et
commerciorum suorum, et nisi iustis cautelis antea provisum sit
ne regna Galliae et Hispaniae unquam sub idem Imperium
veniant et uniantur, nee unquam unus et idem utriusque regni
rex fiat, et speciatim ne Galli unquam in possessionem India-
rum iuris hispanici veniant neque ipsis ibidem navigatio mer-
caturae exercendae causa sub quocunque praetextu directe vel
indirecte permittatur, et denique nisi pacta pro subditis regis
Magnae-Brittanniae et Foederati Belgii facultate plena utendi et
fruendi omnibus iisdem privilegiis, iuribus, immunitatibus et
libertatibus commerciorum terra marique in Hispania, man me-
diterraneo et in omnibus terris et locis, quae rex Hispaniarum
postremo defunctus tempore mortis tam in Europa quam alibi
possedit, quibus tunc utebantur et fruebantur, vel quibus am-
borum vel singulorum subditi iure ante obitum dicti regis Hi-
spaniarum quaesito per tractatus, per pacta conventa, per con-
suetudines vel per alium quemcunque modum uti et frui po-
terant.
9. Tempore, quo dicta transactio vel pax liet, foederati
inter se convenient de omnibus iis, quae ad stabiliendam navi-
gationem et commercia subditorum regis Magnae-Brittanniae et
dominorum ordinum generalium in terris et ditionibus acqui-
rendis et a postremo defuncto Hispaniarum rege possessis ne-
cessaria erjnt, quemadmodum etiam de modo quo domini or-
dines generales per obicem antedictum, vulgo barriere, securi
reddentur.
I70I Sept. 7. 231
10. Et quoniam controversiae quaedam religionis ergo
exoriri possent in locis a foederatis uti sperant armis occu-
pandis, de exercitio eius inter se etiam eodem quo supradictum
est tempore convenient.
11. Foederati se invicem omnibus viribus iuvare et opem
ferre contra aggressorem teneantur, si rex christianissimus vel
quisquam alius aliquem foederatorum ex causa huius foederis
aggredi sustineat.
12. Quod si vel nunc super saepe indigitata satisfactione
et securitate transigi queat vel post susceptum necessario bel-
lum pax iterum coalescat, post talem vel transactionem vel
pacem conclusam sit et maneat semper inter partes contrahen-
tes foedus defensivum pro guarantia eiusdem vel transactionis
vel pacis.
13. Ad huius foederis societatem admittentur cuncti reges,
principes et status, qui volent et quibus pax generalis cordi est.
Quoniam autem sacri Romani imperii peculiariter interest pa-
cem publicam servari et hie inter alia agatur de recuperandis
imperii feudis, ad huius foederis societatem dictum imperium
speciatim invitabitur. Praeterea foederatis coniunctim vel sin-
gulis seorsim licitum sit accessionem ad hoc foedus requirere,
eorum quos requirere ipsis visum fuerit.
14. Ratihabebitur hoc foedus ab omnibus foederatis intra
spatium sex septimanarum vel citius si fieri poterit.
In quorum fidem nos supra memorati plenipotentiarii
praesens foedus subscriptionibus et sigillis nostris munivimus.
Hagae Comitum die septimo Septembris anni millesimi septin-
gentesimi primi.
Marlborough.
Quandoquidem post foedus inter sacram suam O"" M^'",
suam sacram regiam M**^"* Magnae-Brittanniae regem nuper de-
functum et celsos ac praepotentes dominos ordines generales
Uniti Belgii Hagae Comitum die septimo mensis Septembris anni
millesimi septingentesimi primi confectum signatumque rex chri-
stianissimus sibi tantum arrogaverit, ut praetensum Walliae prin-
cipem agnosceret declararetque regem Angliae, Scotiae et Hi-
bemiae, atque eo facto dicto regi defuncto, reginae Magnae-
Brittanniae et universae nationi brittannicae gravem admodum
et indignam iniuriam intulerit, conventum igitur conclusumque
232 '7^2 April 18.
est intei praedictos dominos confoederatos, suam sacram C«"™
M*«°S sacram suam regiam M^^ reginam Magnae-Brittanniaa et
celsos ac praepotentes dominos ordines generales Uniti Belgii
per praesentem hunc articulum (qui parem et eandem prorsus
vim, virtutem et vigorem obtinebit ac si supradicto foederi ab
initio insertus fuerit), quod nuUa omnino pax cum Gallia ini-
bitur, priusquam antememoratae sacrae suae M*^ reginae Ma-
gnae-Brittanniae pro eadem atroci iniuria reparatio facta sit.
Ad praesentis foederis societatem invitabuntur reges et
principes, qui ad foedus ipsum iam accesserunt vel in posterum
accedent.
Ratihabebitur hie articulus intra spatium unius mensis vel
citius si fieri poterit
In quorum fidem eodem modo ut in supradicto foedere
sex huius articuli instiiimenta facta sunt, quorum duo pleni-
potentiarii sacrae suae O*® M*^^ alter Londini, alter Hagae Co-
mitum, altera duo infrascriptus plenipotentiarius sacrae suae
regiae M*»^ reginae Magnae-Brittanniae et reliqua duo deputati
dominorum ordinum generalium subscripserunt et sigillis suis
muniverunt. Hagae Comitum die duodecimo Aprilis anni mil-
lesimi septingentesimi secundi.
Marlborough.1)
Konvention fischen Leopold /., Anna von England und den
Generalstaaten über die an Frankreich am 75. Mai n. st, ^u
veröffentlichende Kriegserklärung, d. d. Haag iyo2 April 18.^)
Nach der im St-A. im Or, hcfindlichcn von MarJborough </. t/. London
iyo2 April i^l^y unter{richncti'n Urkunde; ebendaselbst auch die Originalaus-
fertigung der General Staaten.
Comme dans V article troisieme de V alliance entre sa Mi«-'
imperiale, sa Mt^' brittannique et les seigneurs estatz generaux
des provinces unies des Pa'is-Bas, concliie le septieme Septem-
bre de Tannee mille sept cent et un, il a este stipulö qu'on
employera deux mois pour tascher d* obtenir par voye amiable
*) Das holländische völlig gleichlautende Instrument befindet sich gleich^
falls im Or. im St.-A.
') Für die informirende Einleitung v^l. p. 226,
1702 April i8. 2^2
une satisfaction raisonnable ä sa Mt^ imperiale touchant la suc-
cession d'Espagne, et ä sa Mt^ brittannique et aux dits seigneurs
estatz generaux une seuret^ particuliere et süffisante pour leurs
royaumes, estatz et provinces; que ces deux mois sont passez
depuis long temps sans qu'on ait veu la moindre apparence
d'un accommodement; qu' au contraire le roy tres-chretien de-
meure resolu de maintenir la monarchie d'Espagne en son en-
tier pour son petit fils et de Tunir estroitement avec celle de
France; que ces deux puissances joignent pour cet effet leurs
armes en Italie et aux Pais-Bas; que les troupes de France
ont du depuis envahy et occupö tout le pa'is de Cologne et de
Liege, et qu'elles s'y fortifient aussy bien que par tout les Pais-
Bas Espagnolz ; que par Id elles tiennent bloquöes les Provinces
Unies; et que de plus la France menafe de les attaquer par ses
nombreuses armöes, si les dits seigneurs estatz generaux ne
fönt ce qu'elle desire; les dits hauts alliez, ne jugeant pas ä
propos de se laisser prevenir d'avantage, sont convenus suivant
l'article quatriöme de la dite alliance de joindre leurs forces et
de declarer la guerre par mer et par terre au roy tres-chretien
et ä son petit fils, et cette declaration se fera en mesme temps
le quatrieme/quinzieme de May de cette ann6e mille sept cent
et deux de la part de sa M^e Imple dans tous ses pa'is haeredi-
taires, de la part de sa Mte brittannique dans tous ses royaumes,
estatz et pais, et de la part des dits seigneurs estatz generaux
dans toute Testendüe de leur estat. En foy de quoy on a fait
six exemplaires de cette Convention, dont deux ont este signes
par les plenipotentiaires de sa Mte Imple , r un ä Londres, V au-
tre h laHaye, deux autres par le soussignö plenipotentiaire de
sa Mte ig( reyne de la Grande-Bretagne ä Londres, et les deux
qui restent par les deputez des seigneurs estatz generaux k la
Haye, et les dits plenipotentiaires et deputez y ont apposö les
cachets de leurs armes. Fait ä la Haye le dixhuitieme d'Avril
mille sept cent et deux; et a Londres le 14/25.
L. S. Marlborough.
234 '7^3 April II.
3.
Konvention iwischen Leopold L, Anna und den Generalstaatcn,
betreffend den Zeitpunkt des Verbotes des Handelsverkehrs und
der Korrespondenz ihrer Untertanen mit Frankreich und Spanien,
d, d, Haag ijo^ April ii.
Das Original dieser Konvention im R, O., Kopien derselben im St.-A,
und im R, A. im Haag.
Zu Beginn des Jahres ijoß verhandelte das englische Parlament
aber die von den Niederländern geforderte Verstärkung der Truppen
für den bevorstehenden Feld^ug, Bei dieser Gelegenheit wurde von
verschiedenen Seiten Klage darüber geßdirt , dass die französischen
Armeen in Italien^ am Rhein und in Flandern durch holländische und
englische Wechsel befahlt würden, ja dass die Kaufleute, durch die
von Frankreich gewährten hohen Zinsen gewonnen , gewöhnlich die
Beiahlung der Armeen für ß Monate anticipirten, wodurch den Fran-
:{osen wesentliche Vorteile im Felde erwnchstn. Es wurde ferner dar-
auf aufmerksam gemacht, dass die Vertreter der Generalstaaten statt
sich mit England über ein Verbot des Handels mit den feindlichen Mäch-
ten ^u einigen, der Neutralität in diesem Punkte das Wort spra-
chen und dadurch die Interessen der Engländer merklich schä-
digten.^) Nach einer längeren Debatte wurde mit einer beträchtlichen
Stimmenmehrheit der Beschlnss gefasst , der Königin {u raten, die
Verhandlungen mit den Generalstaaten ^u beginnen, zugleich aber von
ihnen das Verbot des Handels-, Geld- und Briefverkehres mit Frank-
reich und Spanien ^u fordern. Königin Anna sollte überdies erklären y
dass England sich ^ur Bej^ahlung der geforderten Verstärkungstruppen
erst von dem Tage für gebunden erachten könne, an dem das gefor-
derte Edikt gegen den Verkehr mit den feindlichen Mächten seitens
der Generalstaaten publiziert werden würde. In der Tat übergab der
englische Bevollmächtigte im Haag, Stanhope, im Laufe des Monates
Januar den General Staaten mehrere Denkschriften, in denen er bittere
Klage über ihr Verhalten führte und im Sinne der Parlamentsbeschlüsse
von der Publi^ierung des von England geforderten Verkehrsverbotes
die Bewilligung der j(ur Verstärkung der Truppen notwendigen Gelder
abhängig machte. ^)
') BrriJitc' des kaiserlichen Risidentrn Hof mann vom i6. und uj. Jan.
i/O^. St.-A. Angl.
») Denkschriften Stanhopes vmn 5. nnd 2;^. Jan. jyoy. Vgl. die Schreiben
des Gocss vom Jan. lyo). St.-A,
1703 April II. 235
Das entschiedene Auftreten Stanhopes hatte den gewünschten Er-
folg. Mit einer bei dem komplis^ierten Geschäftsgange der Republik
erstaunlichen Eile wurde seitens der einzelnen Provinzen die Einwilli-
gung erteilt und bereits Mitte Februar konnte Stanhope seinem Hofe
die Mitteilung von seinem Erfolge machen. Nun traten aber die Ge-
neralstaaten und Stanhope an den kaiserlichen Gesandten im Haag
tnit der Forderung heran^ sich über den Termin ^u äussern, an dem
dieses Verbot in den sämtlichen Ländern der Verbündeten und im
Reiche Geltung erlangen sollte. Goess, der keine Weisung in dieser
Angelegenheit besass, betonte die Schwierigkeit, vom Reiche, Journal
von den Handelsstädten, die Einwilligung {u erhalten und bat um eine
längere Frist.^) Als sich aber Stanhope auf das entschiedenste dagegen
aussprach ; Schreiben Stepneys — des englischen Gesandten am Wiener
Hofe — vorwies, aus denen ^« ersehen war, dass Kaiser Leopold I.
seine EntSchliessung von jener der Seemächte abhängig machte^) und
die Drohung aussprach, England werde nicht einen Pfennig von den
{ur Verstärkung der Truppen bewilligten Geldern hergeben^ bis
diese Frage endgiltig erledigt sei, entschloss sich Goess seine Zustim-
mung ^u geben, dass der /. Juni als Beginn des Verbotes festgesetzt
werde.^) Die Engländer waren mit dem Erfolge ihres Gesandten nicht
{ufrieden, weil das Verbot nur auf ein Jahr erßossen war, während
sie eine für die Dauer des Krieges berechnete Vereinbarung in dieser
Frage gewünscht hätten. In der Tat ergaben sich im Laufe des Jahres
1704 heftige Konflikte {wischen den Seemächten und die Verhand-
lungen, die im Haag bezüglich der Erneuerung dieser Konvention ge-
führt wurden, verliefen resultatlosS)
Comme sa Mte imperiale, sa M^e la reine de la Grande-
Bretagne et leurs hautes puissances les seigneurs estatz generaux
des Provinces Unies ont resolu de defendre le commerce ou
traficq comme aussy la correspondence de lettres et le change
avec les sujets de la France et d'Espagne et qu'il est necessaire
qu'on convienile d'un jour ou terme au quel la dite defence
commencera ä s'executer egalement par tout; ainsy les sous-
signez envoyez extraordinaires, plenipotentiaires et deputez de
*) Vgl. die Schreiben des Goess aus dem Haag Febr. bis April lyoj. St.-A.
*) Goess an den Kaiser Jo. April 170^. Sf.'A. Moll.
') Goess an den Kaiser, d. ä. ly. April lyo} Holt. Sf.-A. Stanhope for-
derte den 75. Mai als Anfangstermin.
*) Vgl. dafür Feld^üge des Prinzen Engen, I. Ser. Bd, VI, p. jp f.
236 1703-
leurs dites Mtez et des dits seigneuis estatz generaux sont con-
venus ensemble que la dite defence sera publice et commencera
dans les terres hereditaires de sa Mte imperiale, dans tout Tem-
pire, dans les terres de la domination de sa Mte de la Grande-
Bretagne et dans Celles des dits seigneurs estatz generaux le
Premier jour du mois de Juin de la presente ann^e 1703, dont
on pourra avertir les sujets quelque tems auparavant comme
chacun le trouvera necessaire, et cette defence durera pro-
visionellement le terme d'un an. Ainsy fait ä la Haye le
ii.e d'Avril 1702.
L. S. Pierre comte de Goessen.
L. S. Alexandre Stanhope.
L. S. D. V. Eck V. Panthaleon, Hr. v. Gent.
L. S. H. V. Bleyswyck.
L. S. A. Heinsius.
L. S. W. V. Nassau. 1)
L. S. D. V. Veldhuysen.
L. S. C. V. Scheltinga.
L. S. A. V. Lemker.
L. S. G. V. Drews.
4.
Projekt einer Konvention fischen Leopold L, Anna und den
Generalstaaten, die spanische Erbfolge betreffend; verfasst ijo^^.
Ein Kon\ept dieser projektierten Konvention befindet sich im St,-A. als
Beilage {um Berichte des Goess d. d. i/oß Aug. 28.
Bei den Verhandlungen, die dem Abschlüsse der Allianz vom
7. September ijoi vorangegangen waren, hatte Wilhelm IIL die For-
derung Kaiser Leopolds L, die Seemächte möchten sich :{iir Eroberung
der spanischen Gesamtmonarchie für die deutsche Linie des Hauses
Habsburg verpflichten, auf das energischeste :^u rückgewiesen und nach-
drücklichst betont, dass das englische Parlament ^ur Annahme eines
solchen Vorschlages nicht ^u bewegen sein würde. Allein noch im
Laufe des Jahres IJ02 hatten sich die Verhältnisse derart geändert,
dass die englische Regierung mit Plänen an den Wiener Hof heran-
trat, deren Durchführung eben diesem Zwecke galten. Das Programm
der Allianj( vom 7. Sept. lyoi hatte die Kriegsführung der Verbün-
*) Dieser Name fehlt in dem im R, O. befindlichen Or.
1703. 237
detni auf Belgien ^ Italien und den Oberrhein beschränkt und damit
die Hoffnung auf die Wiedereröffnung der für England ergiebigsten
Absatzgebiete in weite Ferne gerückt , während die Aussichten auf einen
direkten Verkehr mit dem spanischen Amerika, der für die Verluste
in Europa entschädigen sollte, sich nicht erfüllten. Immer lebhafter
wurden die Klagen der englischen Kaufleute über den Schaden, den
sie durch die Schliessung der spanischen Häfen erlitten; immer ent-
schiedener die Forderung des Parlamentes, dem Kriege durch ein ener-
gisches Vorgehen auf der pyrenäischen Halbinsel eine den englischen
Handelsinteressen förderliche Wendung ^m geben. In diesem Sinne
war der Abschluss eines Bündnisses mit dem Könige von Portugal ge-
meint, mit dessen Hilfe der Kampf gegen Philipp V, in Spanien ge-
führt werden sollte. Die englische Regierung trat nun wie an die
Generalstaaten, so auch an Kaiser Leopold L mit der Forderung heran,
sich an den Verhandlungen ^u beteiligen, die ^um Abschlüsse eines
Bundes mit Portugal führen sollten.
Allein der Wiener Hof geigte geringe Neigung, auf diese Pläne
einzugehen. Er stellte den Kampf in Italien in den Vordergrund und
betonte, dass der Wiedergewinn der spanischen Besitzungen in Italien
bei der Abneigung der Spanier gegen eine Zersplitterung ihres früheren
Besitzes den Sieg der Verbündeten auch in Spanien nach sich führen
müsste. Dass die englische Regierung die Absendung des Erzherzogs Karl
nach Portugal forderte und sich verpflichten wollte, den Krieg gegen Lud-
wig XIV. und Philipp V. so lange ^w führen^ bis Karl III., der un-
mittelbar nach seiner Landung auf der pyrenäischen Halbinsel als König
Spaniens ausgerufen werden sollte, als Herrscher der spanischen Gesamt-
monarchie anerkannt sei^ wirkte auf die Entscheidungen der Wiener
Regierung nicht in dem Masse, als die Seemächte erwartet hatten. Die
Mehrzahl der kaiserlichen Minister wünschte eben wenn irgend mög-
lich die Erwerbung der spanischen Gesamtmonarchie <{« persönlichem
Besitze Leopolds I. und seines erstgeborenen Sohnes und zog selbst den
Gewinn der spanisch-italienischen Besitzungen für das deutsche Haus
Habsburg, der Besitzergreifung des gesamten spanischen Erbes durch
einen Habsburger vor, der nicht ;f« gleicher Zeit Herrscher in Oster-
reich war. Erst tiach langem Sträuben fügte sich Leopold der mit
seltener Zähigkeit festgehaltenen Forderung der Seemächte und erklärte
sich bereit, die spanische Gesamtmonarchie als ungeteiltes Erbe für
seinen z'^'^^lg^^orenen Sohn Karl anzunehmen. Aber auch dann noch
legte er dem Abschlüsse des Bündnisses mit Portugal Schwierigkeiten
in den Weg, weigerte sich seine Einwilligung {w den Gebictsabtre-
238 '703-
hingen j^h geben, die der portugiesische König für die Teilnahme nw
Kampfe gegen Philipp V. forderte und entschloss sich erst nach neuen
energischen Mahnungen der Engländer y die Ordnung dieser Angelegen-
heit der englischen Königin anhe im :{ust eilen, nicht ohne nochmals der
Hoffnung Ausdruck j^u gehen, dass dem Königreiche Spanien möglichst
geringe Opfer j^ugemutet werden würden. Am 16, Mai wurde :^u Lissabon
der Bundesvertrag mite rj^^c lehnet. Als Zweck desselben wurde die Erhe-
bitng Karls IIL ^um Könige der spanischen Gesamtmonarchie angegeben.
Der Herrscher Portugals verpflichtete sich :{ur Teilnahme an dem
Kampfe in Spanien gegen Philipp V,, erhielt den Oberbefehl über die
Flotte und die Landarmee der Verbündeten, die Zusage der Seemächte,
einen grossen Teil der portugiesischen Armee ^u erhalten. Überdies
sicherte ihm ein geheimer Zusat{artikel beim Friedensschlüsse einige
Plätze in Estremadura und Galicia als Kriegsentschädigung,^) Als
Vertreter Leopolds L hatte Graf Waldstein dieses Dokument unter-
:^eichnet, doch hatte man dem Kaiser ^ur Ratifikation und ^ur Aner-
kennung seines Sohnes als König von Spanien eine Frist von ß Mo-
naten brwilligt,^) Es wurde den Engländern nicht leicht, die Wiener
Regierung ^^ur Gutheissung des Geschehenen ^u bestimmen. Dieselbe
stellte neuerdings die Forderung, dass die Eroberung Süditaliens dem
Angriffe auf Spanien vorangehen solle und es dauerte lange, bis der
Kaiser sich entschloss, diesen Plan fallen {u lassen und seine Ein-
willigung ^ur Reise Karls nach Spanien j(u geben. Noch schwieriger
war es, eine Entscheidung Leopolds L in der Cessionsfrage herbeizu-
führen. Insbesondere Mailand bildete das Streitobjekt parier Parteien
am Wiener Hofe^ von denen die eine dieses Herzogtum als ein Stück
der Gesamtmonarchie ansah, y,welches der Krone Spanien folgen müsse^^,
während die andere es als verfallenes Reichslehen für die deutsche
Linie in Anspruch nahm. Für die Bedeutung, die man in London der
raschen Erledigung dieser Cessionsfrage beimass, ist es bej^eichnend,
dass Königin Anna ihre Zustimmung j^u einer Fassung geben wollte,
die dem Kaiser oder seinem Nachfolger in Österreich die künftige
*) Dir Abdruck dieses am 16, Mai i'jo^ \u Lissabon abgeschlossenen
Vertrages, den England, die Generalstaaten und der Kaiser mit den Portugiesen
eingiengen, erfolgt, da Portugal und nicht England der Vertragsgegner Öster-
reichs ist, nicht hier, sondern in dem Bande ,yPortugaV* der österreichischen
Staatsverträge, Für die Rat, und Drucke (u, a, Dumont /. c, VIIIli i2y, Jen-
kinson l, c. I, ^^7 0 '^gi' Bittner l. c. Nr, 642.
•) Die kaiserliche Ratifikation erfolgte am ^, Juli 170^, Vgl, Bittner
l, c, Nr, 642.
1703- • 239
Abfrennunfr Mailands vom spanischen Gesamfcrhe ermöglichen sollie^^
Und ^// gleicher Zeit schlug die englische Regierung den General-
Staaten vor, der Allianz vom 7. Sept, ijoi einen Artikel hiniu^U'
fügen, durch den die völlige Ausschliessung der Bourbonen von dem
spanischen Erbe und die Erwerbung desselben für die deutsche Linie
des Hauses Habsburg festgeset:^t werden sollte.
Der Wiener Hof gieng mit Freuden auf die Anregung der Eng-
länder ein. Im Juli und August ijo) wurden eifrige Beratungen in
dieser Angelegenheit gepflogen und verschiedene Entwürfe von den be-
teiligten Mächten vorgelegt.^) Allein je weiter die Verhandlungen ge^
diehen, desto klarer wurde es, dass die Seemächte ihr Zugeständnis
an den Kaiser von einer Gegenerklärung desselben abhängig machen
wollten, die auszustellen dieser sich entschieden weigerte. Der sechste
Artikel der Allianz vom 7. Sept. besagte, dass die von den Seemächten
im Laufe des Krieges in Westindien eroberten Gebiete ihnen verbleiben
sollten. Wir wissen, wie ungern und gej(wungen damals Leopold L
seine Einwilligung {u diesem Zugeständnisse gegeben hatte, das er mit
Seinern Gewissen als Katholik nicht recht vereinbar fand. Seitdem nun
die Erhebung eines österreichischen Prinzen auf den spanischen Lhron
in Aussicht genommen war, traten ^// den religiösen auch dynastische
Bedenken und die Wiener Regierung wurde nicht müde die Forderung
{u stellen, dass Eroberungen der Seemächte in Westindien nur im
Namen des Hauses Habsburg erfolgen und dass katholische Priester
nach Westindien gebracht werdest sollten, um der Bevölkerung jener
Länder Sicherheit dafür ^u bieten, dass niemand etwas feindseliges
gegen ihre Religion beabsichtige. Eine bestimmte, rechtsverbindliche
Zusage der Engländer war {war nicht erfolgt, aber Wilhelm IIL hatte
weitgehende Zugeständnisse gemacht und Königin Anna hatte sich an-
fangs geneigt gezeigt, die Pläne ihres Vorgängers gui^uheissen.^) Als
») Vgl, Noorden l. c. I. ^q6.
*) Vgl. die darauf bezüglichen Mitteilungen bei Klopp l, c. X, ß8^ u. pas-
sim, sowie die im Anhange ;{// diesem Bande 40()f. abgedruckten Auszüge aus
den Berichten Hofmanns und Goess. Noorden L c. ^g6 spricht von Entwürfen
der kaiserlichrn Gesandten im Heiusiusarchive im Haag, die der Ausschlies-
sung der bairischen Ansprüchr gedachten. Davon ist auch in dem von Stan-
hope vorgelegten Entwürfe die Rede, den wir abdrucken.
«) Vgl. dafür die durchaus nicht übereinstimmenden Mitteilungen bei
Klopp l. i. X. 246 ff. und ^92 ff. und Noorden l. c. L ^9^ f. Die Berichte Wra-
tislaws aus London und die Weisungen Leopolds L an Um im St-A, enthalten
viele auf diese Frage bezugnehmende Stellen.
240 I703-
aber Graf Wraiislaw im Auftrage des Kaisers die Einhaltung der
gegebenen Versprechen forderte, geigte es sich, dass die Seemächte an
die Aufhebung des sechsten Artikels nicht dachten, vielmehr entschlos-
sen waren ihren Anteil an eventuellen Eroberungen in Westindien {u
fordern. *)
Und je deutlicher das Bestreben des Kaisers wurde, die Unteil-
barkeit des gesamten spanischen Erbes auch im Hinblicke auf West-
Indien ^u betonen, desto notwendiger schien es den Seemächten ihren
entgegengeset:{ten Standpunkt in nicht missiuverstehender Weise {um
Ausdrucke ^u bringen. In diesem Sinne fügte Stanhope , Englands
Vertreter im Haag, dem Entwürfe des Zusatiartikels, der die Erwer-
bung der spanischen Gesamtmonarchie für die deutsche Linie des
Hauses Habsburg feststellen sollte, die Bemerkung bei, dass dcmun-
geachtet die von den Seemächten in Westindien eroberten Gebiete —
dem 6» Artikel der Allianz vom 7. Sept. ijoi entsprechend — diesen
verbleiben sollten. ^) Da aber Leopold I. die Einwilligung j{u dieser Aji-
derung des Entwurfes nicht geben wollte, von der die englische Re-
gierung ihrerseits „um der englischen Nation willen*^ nicht lassen
wollte, und da anch der holländische Ratspensionär Schwierigkeiten
machte, ^^ wurde j(um gross ten Schaden für das Haus Habsburg von
der Unter ^{eichnung des Entwurfes Abstand genommen.
Quandoquidem ex foedere inter sacram C«*™ M*«™, Ser"*™
reginam Magnae-Britanniae, ordines generales Uniti Belgii et
Ser™**"' Portugalliae regem nuper concluso*) loca quaedam ad
monarchiam hispanicam pertinentia a sacra C«^ M*« sacrae regiae
M*^ Lusitaniae cessa sint, cumque eiusdem foederis articulo 21'"^
conventum sit, ne pax aut induciae cum rege christianissimo fiant
quamdiu eiusdem ex delphino nepos aut alius quispiam ex familia
borbonica princeps in Hispania remanebit^) et cum foedere
0 Vgl. die Berichte WratisLms St.-A.
') Vgl' den Entwurf des Zusatiartikcls \urAUian\ vom 7. Sept. lyoi.
") Die Behauptung Noordens l. c. I ^g6, dass die Unterzeichnung ledig-
lich an dem Widerstände des holländischen Ratspensionärs gescheitert sei, dürfte
gegenüber den Beweisen, die Klopp erbracht hat, nicht aufrecht \u erhalten sein.
*) Vgl. Anm. p. 2^8.
*) Der Artikel XXI. lautet nach dem St.-A. befindlichen Originale des
Vertrages vom 16, Mai lyo^. Neque pax neque induciae fieri poterunt nisi mutuo
consensu omniunt foederatorum neque ullo tempore fient manente in Hispania
secundogenito regis christianissimi ex delfino nepote, quolibetve alio principe
>703- 241
amicitiae Hagae Comitum die 7°^^ mensis Septembris anno 1701
inter imperatorem, Guilielmum tertium regem et ordines ge-
nerales Uniti Belgii*) inito conventum sit, ne de pace ullatenus
agatur donec sufficienter cautum sit, ne regna Galliae et Hi-
spaniae unquam uniantur aut sub idem imperium veniant et ne
una eademque persona regnorum amborum rex sit, sacrae C®*«
M*», regiae M*^ Magnae-Britanniae et ordinibus generalibus Uniti
Belgii Visum est hisce apertius declarare, quae ipsonim Concors
et constans de reliqua omni monarchia hispanica mens sit, sese
arctissimo modo ad inviolabilem eiusdem executionem adstrin-
gentes: Declarant igitur, statuunt sancteque promittunt, se nuUam
ullo unquam tempore pacem cum rege christanissimo, qui nunc
est aut imposterum futurus est, aut cum duce Andegavensi aut
alio quovis e familia borbonica principe eorumque adhaeren-
tibus aut vicem gerentibus causamque inde habentibus facturos,
quovis e familia borbonica principe in possessione partis cuius-
vis regnorum, provinciarum, regionum et locorum ubicumque
sitorum manente, quae potentissimus nuper princeps Carolus
2°» Hispaniarum rex pientissimae memoriae habuit et possedit
aut habere et possidere potuisset. Verum imprimis provisum
erit, quod omnia et singula regna, provinciae, regiones et loca
ubicunque sita et Universum ius, quod praefatus potentissimus
princeps Carolus 2°» Hispaniarum rex habuit aut possedit aut ha-
bere et possidere potuisset, foederatorum armis a domo borbo-
nica, eorum adhaerentibus, vicem gerentibus aut causam inde ha-
bentibus recuperata, inclitae domui austriacae reddentur aut eidem
per pacem absque ulla mora aut quovis retentionis vel tergi-
versationis praetextu restituentur iisque deinceps libere relin-
quentur, familia borbonica, eorum adhaerentibus, vicem geren-
tibus aut causam inde habentibus perpetuo et ubique exclusis.
Nominatim autem omnes omni tempore electoris Bavariae prae-
tensiones excludentur, si quidem ille iniusti belli praetextu, quo
non solum foederatorum progressus tardare verum et destruere
inique conatur, partem aliquam monarchiae hispanicae obtinere
praesumat, sanctionibus, dispositionibus aut contractibus quibus-
ex stirpe gallica et quin Lusitathi corona integre possiäeat et dominetur Omni-
bus tcrris, regnis, insuJis, statibus, ditionibus, arcibus, urbibus, opidis, pagis eorum-
que territoriis et annexis, quae nunc tarn in Hispania quam extra ipsam habet.
») In der Abschrift steht Unito BeJgio.
Österreichisch-englische Staatsverträge, ßd. I. l6
vis in contrarium non obstantibus, quae omnibus hisce cassa
et nulla declarantur. Excipientur^) autem ab hac restitutione
illae terrae et urbes ditionis hispanicae in Indiis occidentalibus,
quae armis reginae et ordinum generalium aut opibus*) al-
terius eorum durante hoc bello occupabuntur, quae terrae et
loca ita capta poenes captores remanebunt secundum articulum
gtum foederis praefati Hagae Comitis conclusi. Excipientur pa-
riter ab hac restitutione omnia illa oppida, urbes et castella
cum eorum dependentiis et omnes illae regiones, quae Lusi-
taniae regi vi secretorum articulorum foederis supradicti cum
illo conchisi conceduntur, quae quidem oppida, urbes, castella
et regiones regi Lusitaniae secundum praefatos articulos secretos
in perpetuum manebunt. Foedus autem supradictum intersa-
cram O^"* M^", Ser™«™ suam regiam M*®^ et ordines generales
Hagae Comitum conclusum in aliis omnibus suis articnlis et clau-
sulis integrum et illibatum semper manebit, atque haec expli-
catio seu nova conventio pro eiusdem parte et ampliori acces-
sione reputabitur et eandem vim obtinebit, ac si ab initio ibi-
dem his ipsis verbis inserta fuisset.^) Reservabitur etiam Ser°»°®
domui Sabaudiae ius, quod in successionem hispanicam post
augustissimam domum austriacam, exclusa familia borbonica,
eidem competit, dummodo ad eum tinem facilius assequendum
arma et consilia sua confoederatis sine mora iungat , reservato^)
illi ulterius, modo hoc fiat, omni alio iure in terras, regiones
et loca illa, quae ab imperatore vi foederis inter sacram Q^^ M^"^
et ducem praefatum initi ipsi concedentur. Ministri imperatoris,
reginae Magnae-Britanniae et ordinum generalium sufficienti ad
id facultate instructi spondent declarationem hanc seu novam
conventionem solemniter ratam habituram iri a sacra C®* M*«,
Ser»"'^ regina Magnae-Britanniae et ordinibus generalibus intra
spatium quatuor septimanarum etc.
•) In der Abschrift incipienttir*
*) In der Abschrift fehlt das opibus,
3) Abschrift =^ fuissent.
*) Abschrift = reservatur.
1708 April 14. ^43
5.
Konvention bezüglich der Überführung eines Korps von 4000
Mann kaiserlicher Truppen aus Italien nach Spanien; d, d, Haag
1708 April 14.
Das Original dieser Konvention im R, O. — Druck in dem Werke „Feld-
{üge des Prinzen Eugen'' X, Anhang 68 f. nach der im Kriegsarchive in Wien
Span, Fase. IVjg befindlichen Vorlage,
Unter den Verträgen, die von Osterreich und England im Laufe
des spanischen Erhfolgekrieges geschlossen worden sind, können einige
nicht in diese Publikation au/genommen werden, da die genannten beiden
Mächte in denselben nicht als Vertragsgegner erscheinen, sondern ge-
meinsam mit einem dritten Staate rechtsgiltige Vereinbarungen trafen.
Zu diesen {ählt der im Jahre lyoj mit den Schweizern geschlossene
Vertrag, der den Durchiug der Truppen der Alliierten durch Grau-
banden betraf;^) die im Jahre ijop im Vereine mit den Generalstaaten
entworfenen Friedenspräliminarien, ^) die von Frankreich nicht angenommen
wurden und einige Militärkonventionen, die von dem Prinzen Eugen von
Savoyen und dem Herzoge von Marlborough gemeinsam mit den Ver-
tretern der General Staaten geschlossen worden sind,^) Erwähnung ver-
*) Der Abdruck dieses Bündnisses, das Josef I. am p. April lyoy rati-
fizierte^ erfolgt im Bande „Schweiz" der österreichischen Staatsverträge, Vgl,
den Abdruck desselben bei Dumont-Rousset Suppi, Ilji 55.
V Dieser Vertragsentwurf d, d, Haag lyop Mai 28 ist u. a, abgedruckt
bei Dumont l. c, VIUji 2;; 4 ff,; General Coli, of treaties etc, I, 446 ff, ; et wird
im Bande „Frankreich** der Staatsvsrfräge publiziert werden,
') Diese Militikonventionen werden in den österreichisch-staatischen Ver-
trägen \um Abdrucke gelangen ; da sie aber ^um grösseren Teile bisher unbekannt
sind, S€*i ihr Inhalt hier kurz angegeben. Die Konvention d, d, 22. Dez. 1708
fOr. im niederlän. tischen Reichsarchiv im Haag) bestimmt, dass di • kaiserlichen
Truppt'n, die im Feldzuge 1708 in den Niederlanden gekämpft — 24 Eskadronen
und 8 Bataillone, sowie 2 Regimenter Husaren — daselbst überwintern dürfen
und entsprechende Verpflegung erhalten sollen unter der Bedingung, dem kom-
mandirenden General der vereinigten Truppen Gehorsam {// leisten und im fol-
genden Feldzuge ebensolche Dienste z" leisten, wie im vergangenen. Ein geheimer
Artikel d, d, /. Jan. 170p (Or, R.-A.J bestimmt dann^ dass für Lebensmittel,
die nicht in natura geliefert werden können, eine entsprechende Geldsumme —
chaque place et Portion de fourage et pain sera payi sur le pied de neufs sols
monnoye de Brabant — am Ende eines jeden Monates dem kaiserliclten Kom-
missär gezahlt werden solle.
Am I, Nov, lyog wurde ;{« Brüssel und am i. Nov. ijio im Lager vor
i6*
^44 '7o8 April 14.
dienen ferner die beiden Deklarationen Kaiser Leopolds L und Josefs /.,
durch die sie gewisse Bestimmungen der j^wischen England und Preussen
in den Jahren 1704 und iyo8 geiroffetien Vereinharungen bestätigten
und erläuterten. ^) Es handelte sich dabei in erster Linie um den Durch-
Aire je eine der Konvention vom 22, De{. jyo8 äUnliche Abmachung bezüglich
der )o Esciidronen, 8 Bataillone und 2 Reg, Husaren getroffen, die im Jahre
170g, resp. i/io in den Niederlanden gedient hatten. Die Or, dieser Konven-
tionen erliegen gleichfalls im R.-A,, jene vom i. Nov, 1710 ist u, a, gedruckt
bei Dumont /. c, VII [\i 2^7 f.
0 Der den Kaiser betreffende Artikel IV des englisch-preussischen Ver-
trages vom 28, Nov, 1704 lautet nach Solar de la Marguerite: Traites publics
de la royale maison de Savoic avec les puissances etrang^res, Tom, IL 241 f.
Comnie il est impossible de faire subsister un nombre si consid^rable de troupes
par la somme d^ argent stipulcc dans V article pnWdent, (Art, III, bestimmte,
dass die Seemächte dem Könige von Preussen jährlich ^00000 Thaler fahlen
sollten,) sa M*^ Imp^* s' engagera qu* outre la somme susdite qui doit Hre payc
par V Angleterre et la Hollande eile fera fournir et livrer par des voitures en-
tretenues ä si^s depens au corps de huit mille hommes susdit les rations du
pain ordinaires durant le temps qu' ils seront en campagne.
In der Deklaration Leopolds L d, d, Wien 22, Jan, 170^ (Kop. St.-AJ
heisst es: Da man von Leopold eine Erklärung einiger Punkte des von Marl-
borough mit Preussen in Berlin geschlossenen Vertrages fordert, erteilt er diese
in folgender Weise, I, Er acceptirt alles, was in seinem Namen im Vertrage
versprochen worden ist; „wollen auch solches sambt und sonders eben also erfüllen^
als wan mit Uns gleich Anfangs absonderlich darüber paciscirt wereJ* II, Er
verschafft den 8000 Mann preussischer Truppen, die dem Herzoge von Savoyen
:^ Hilfe geschickt werden sollen, freien Durchzug aus den preussisdien Landen
bis nach Safoyen, III, Er wird diesen 8000 Mann wie den eigenen Völkern wäh-
rend des Feld\uges unentgeltlich Brod reichen lassen, auch für die Zufuhr des"
selben Sorge tragen ; dagegen soll es einem kaiserliclien Kommissär freistehen
die Truppen wegen ihrer Zahl beim Aufbruch, beim Eintreffen in Italien und
bei Ende der Campagne \u mustern, IV, In den Quartieren sollen die preussi-
sdien Truppen dieselben Vorteile gemessen, wie jene Soldaten, die der König von
Preussen im vorigen Kriege dem Herzoge von Savoyen {u Hilfe gesendet hat;
ebenso soll der König von Preussen seinen entsprechenden Anteil an den dem Feinde
abgenommenen Kanonen, auferlegten Kontributionen und eroberten Ländern haben,
mit Ein rechnung dessen, was den Soldaten in den Winterquartieren gereicht wird,
V, Wegen der Rekrutirung der Truppen verpflichtet sich Leopold, falls in einer
Schlacht oder Belagerung über 1000 Mann verloren gelten sollten, die Halbscheid
solchen Abgangs durch .^reichende Werbgelder'* {u ersetzen, VI. Er approbirt alles,
was im Art, X des preussisch-englischen Vertrages „w.gen Beförderung des Königs
in Preussen Z.dcn juf den italienischen Gränt\en habenden Angelegenheiten \U'
gesaget worden** und wird während des Krieges und beim Friedensschlüsse dar-
auf achten^ dass der König von Preussen das seinige erhält, VII, Der Kaiser
wird bei der Abrechnung be\üglich der in baierischen Quartieren befindliclum
Truppen des Königs von Preussen sich billig erweisen und falls der König von
1708 April 14. 245
:{ug und die Verpflegung der 8000 Mann, die Friedrich L gegen ent-
sprechende Geldentschädigting ^ir Armee des Herzogs von Savoycn
stosscn lassen sollte. Der Abdruck dieser Deklarationen und die Dar-
legung der Verhandlungen, die der Ausstellung derselben vorange-
gangen sind, müssen dem Herausgeber der Österreich isch-preussi sehen
Staatsverträge vorbehalten bleiben; in diesem Zusammenhange möge es
genügen, darauf aufmerksam {u machen, dass die englische Regierung
sehr energisch am Wiener Hofe für die ungesäumte Ausstellung der
kaiserlichen Deklarationen tätig war und die Einwände der kaiserlichen
Minister gegen einige Forderungen des Preussenkönigs mit dem Hin-
weise auf die Not der Verhältnisse ^u widerlegen suchte,^)
Preiissen einen Teil dieser Truppen nach Italien senden und die entstandenen
Dicken nicht gleich ausfüllen sollte, diejenigen Portionen, die die dortigen
preussischen Truppen nicht in natura erhalten, in Geld erset\en. VIIL Er wird
Vorsorge treffen, dass die dem Könige von Preussen nach den Bestimmungen
des österreichisch'preussi sehen Vertrages von lyoo gebührenden Summen, sowohl
was die Rückstände als die laufenden Subsidien betrifft, befahlt werden.
Die Deklaration Josefs I. d, d. Wien jyo8 Sept 12 (Konzept St.-A.J
hat folgenden Inhalt: Da der englisch-preussischc Vertrag vom Nov. 1704, der
seither Jahr für Jahr prorogirt wurde, am ig, April lyoS im Haag wieder auf
ein Jahr erstreckt wurde, und in dieser Erneuerung einige Punkte enthalten sind^
bezüglich deren des Kaisers Bestätigung gefordert wird, ertheilt er diese hiemit
I) Josef I. verpflichtet sich, diesen 1704 geschlossenen und seitdem jährlich erneuer-
ten Vertrag, soweit derselbe ihn betrifft, nach Inhalt „unserer den 22, Januarii
170^, 26. Januarii 1706 und wiederumb den ^o. Januarii 1707 darüber ertheyl-
ter Erleutherung und Ratijicationsinstrumenten vest und genau \u observieren**
II) Er verpflichtet sich dem Könige von Preussen statt der mit 1^00 Mann fest-
gesetzten Rekrutierung das entsprechende Geld — für den Mann 20 Titaler oder
ß(» Gulden — sowohl de praeter ito, was noch ausständig, als auch für das laufende
Jahr, ^u \ahlen. III) Die dem Könige von Preussr'n im J. 170^ für den Fall zuge-
sagten 200.000 Gulden, dass dieser die Truppen den Winter hindurch im Elsass
stelwn lass n sollte, ^ahlt der Kaiser nicht, da Friedrich L im J, 170^ die Truppen
aus dem Elsass abführen Hess, IV) Eine gleiche Bi^andtnis hat es mit den
100.000 Thalern Subsiaiengeldern, die Preussen fordert, V) Belangend die Erhal-
tung des preussischen Königs beim Possess Neufchätels wird Josef I. mit seinen Al-
liierten jet{t und in künftigen Zeiten gerne alles beitragen, damit der preussische
Herrscher dabei geschützt werde. VI) Die von den Alliirten für die preussischen
Truppen im Falle ilirer Rückkehr nach Deutschland übernommenem „Douceurs
ausser unseres Entgelt^*, mögen geleistet werden. Quartiere in den Erb- und den
anderen inhabenden Ländern kann der Kaiser den preussischen Truppen nicht
gewähren, dagegen bei den Schweizern für den Dttrch\ug derselben eintreten und
in Tirol für die Beförderung des schweren Gepäckes gegen entsprechende Be-
zahlung sorgen.
*) Im R, O. befindet sich als Beilage z^tni Berichte Meadows vom 26. Sept,
246 i/oS April 14.
Zum Abdrucke gelangen dagegen einige Militärkonveniionen, die
von den Feldherren der österreich.-englichen Armee im Auftrage ihrer
Herrscher abgeschlossen worden sind. Dieselben betreffen die kaiser-
lichen Truppen, die im englischen Solde in Catalonien kämpften,^) Ein
näheres Eingehen auf die Verhältnisse, unier denen der Abschluss dieser
Konventionen erfolgte, durfte wohl in diesem Zusammenhange über-
flüssig sein; es möge nur erwähnt werden, dass sich im Laufe
der recht lange dauernden Verhandlungen, die dem Abschlüsse der
ersten ß Verträge vorangiengen , Differenzen bezüglich der Erhaltung
und Ersetzung der vom Kaiser {u stellenden Truppen ergaben, deren
Beilegung schliesslich im Sinne des Kaisers erfolgte.^)
Comme le malheur de la bataille donne ä Almanza a re-
duit les affaires en Espagne ä un tel point, que sans un prompt
secours de troupes S. Mte catholique pouroit se voir reduite a
la fatale necessite de quitter la Catalogne, et ce secours ne pou-
vant se trouver si facilement que par un prompt transport d'une
partie des celles de S. Mte Imple en Italie, il est convenu pour
ce sujet par les soussignez autorises a cet effet des conditions
suivantes :
I.
Que S. Mte Imple donnera un corps de quatre mille
fantassins de ses troupes a present en Italie bien armes et ha-
billes qui seront transport^s au plutost du port de Vado ou
du voisinage en Catalogne aux frais de S. Mte' la reine de la
Grande-Bretagne.
J/08 ein Untwiirf der kaisrrliihcn DekJaratiou vom 12. Sept, 1708; daselbst auch
Bemerkungen über die Stellung der Wiener Regierung \u dieser Frage,
') ^'gt' den Abdruck p. 246—2^2.
*) Vgl. für die Verhandlungen, die dem Abschlüsse der ersten Konvention
— vom 14. April ly 08 — vorangiengen^ die Briefe Eugens in ,fFeld{üge iles Prin-
:(en Eugen von Savoy.'n*' X 6ß ff. Dem Berichte des Grafen Gallas d, d. 4, De^.
Jy08 St.'A. (Angl.J liegt ein Memoire bei, in dem rs heisst: Da die im April
1708 im Haag ^wischen Eugen und Marlborough geschlossene Konvention nur
allgemein abgefasst werden konnte infolge mangelnder Information be\ü^lich der
Lage tn Qitalnnien, wird es notwaidig sein, um die im Jahre iyo8 begangenen
fehler -{// vermeiden, die erwähnt' Konvention etwas \u ändern. Es werden dann
21 Artikel von englischer Seite aufgestellt und dieselben wurden voti österreichi-
scher Seite begutachtet Ei/r die beiden folgenden Konventionen vgl. die Be-
richte von Heems und Sin^endorf aus dem Haag St.-A, (HolL)
1708 April 14. 247
n.
Que le dit corps de troupes sera entretenu au depends
de la ditte Mte du jour de leur embarquement (moiennant un
rabbat raisonnable pour les provisions qui leur seront fournies
pendant qu'ils seront abord) de la meme maniere que sont
payes les troupes de Testat en Espagne, et jouiront pareille-
ment des memes douceurs.
in.
Que S. Mte la reine aura soin que le dit corps d' Infan-
terie recoive leur paye regulierement tous les mois selon les
effectifs.
IV.
La reine s'oblige de fournir ä l'empereur, des que T em-
barquement sera faite, pour le remplacement de ce corps en
Italic la somme de vingt escus par homme pour tous les fac-
tionnaires effectifs qui auront este mis abord, moiennant la-
quelle somme S. Mte Impie s'engage de lever un nouveau^)
corps de quatre mille fantassins, et de les avoir complets, ha-
billez, arm^s et en estat de Service au bout de quatre mois
apres la recepte de la ditte somme ou argent de levee.
En dernier lieu, en cas que le dit corps de quatre mille
factionnaires ne fut pas complet au premier embarquement, ä
mesure qu'il arrivera en Catalogne des recrües pour completter
le dit corps, S. Mte la reine s'engage aussi de payer les vingt
escus pour les dits recrües jusques ä la concurrence des qua-
tre mille eflfectifs.
Ainsi accorde de part et d'autre ä la Haye ce quator-
zieme jour du mois d'Avril 1708.
Le prince et duc de Marlborough.
L. S.
Eugene de Savoye.
L. S.
*) Ursprünglich stand nouvel.
248 ^7^ J^"- 20.
6—10.
Konventionen bezüglich der Rekrutierung der in Catalonien im
englischen Solde stehenden kaiserlichen Truppen; d. d. Haag
1709 Jan. 20; d. d, H.uig 17 10 April 14; d. d, Lager vor Aire
IT 10 Okt 29; d. d, Haag lyio De{. 7; d. d. Lager von Lewarde
lyii Mai 27,
Dir Originale der drei Konventionen vom 2(j, Okt 1710, 7. De\. jyio
und 27. Mai lyii befinden sich im R, O. ; von den übrigen \wei Konventionen
(vom 20, Jan. 170p und 14. April lyio) nur Kopien im St-A. und /?. O.
6.
Convention faite entre les soussignes pour recruter le
Corps d'infanterie imperiale qui se trouve a la solde de S. Mtc
britannique en Catalogne, estants authoris^s pour cet effet de
la part de S. Mte Imple et de sa ditte Mte britannique.
I.
Que S. Mte impJe fera lever et marcher incessament pour
le port de Final le nombre de deux mille quatre cent soixante
et sept hommes qu'on assure manquer pour recruter le dit
Corps d'infanterie, lesquels doivent tous estre tres bien habillös
et arm^s.
n.
Que tous les dits recrües seront conduits aux depends
de S. Mte Imple jusques au port de Final, une moitie avant la
fin du mois de Mars et Tautre avant la fin du mois de May
prochain.
m.
Que les commissaires ou autres nommös de la part de
S. Mte Imple seront obliges de donner avis au ministre de S. Mte
la reine ä Turin ou ä son resident ä Genes trois semaines pour
le moins avant Tarrivee des dits recrües, afin que les vaisseaux
de transport soient prests au dit port de Final pour les recevoir.
IV.
Que tous les recrües seront k la solde de S. Mte britan-
nique du jour de leur arrivöe et reveue au dit port de Final
ou ailleurs selon les nombres specifics, et le transport se fera
de meme aux frais de sa ditte Mte, moiennant un rabat rai-
sonable pour les provisions dans leur passage selon le traitte
du 14 Avril passe.
1710 April 14. 249
V.
Que pour la levee des dits recrües, armes et habilles
comme cy dessus, et en consideration des grandes difficultös ä
mener un tel nombre des pa'is hereditaires de S. Mt^ Imple
jusqu'^) au bord de la mer, S. Mte la reine fera payer aux ordres
de Mr le prince de Savoye dans la ville d'Anvers la somme
de vingt escus par homme.
VI.
Que pour commen9er la levöe des dits recrües une moitie
de l'argent de levee pour les deux mille quatre cent soixante
et sept hommes sera payee incessament, une moitiö du restant
des qu'il sera certifi^ par le commissaire de S. Mt^ la reine
ordonn^ pour cet effet au port de Final que la moitiö des dits
recrües sera arriv^, et le restant quand le nombre complet des
recrües y sera venu.
Ainsi fait et conclu de part et d'autre ä la Haye ce ving-
tieme jour du mois de Janvier 1708/09.
Le prince et duc de Marlborough. Eugene de Savoye.
7-
Sa Mte Imple fera lever et marcher pour le port de Final
d'Espagne le nombre de mille sept cent hommes qu'on croit
manquer au corps d'infanterie imperiale qui se trouve ä la solde
de S. Mte britannique en Catalogne tous tres bien habillös et
armes. Toutes les dits recrües seront conduits aux depens de
S. Mte Imple jusques au port de Final avant la fm du mois de
May prochain, et Mr le colonel commissaire Baron de Martins-
berg donnera avis au ministre de S. Mte' britannique ä Turin
ou k son resident ä Genes trois semaines avant Tarriv^e des
dites recrües, afm que les vaisseaux de transport soient prSts
au dit port de Final pour les recevoir.
Toutes les recrües seront ä la solde de S. Mte' britannique
du jour de leur arrivöe et reveüe au dit port de Final ou ail-
leurs Selon les nombres specifies, et le transport avec les pro-
visions necessaires se fera de mgme aux frais de sa ditte Mt<^.
Pour la lev(5e des dites recrües arm^s et habilles comme
cy dessus, S. Mte la reine fera payer ä Amsterdam la somme
de vingt escus par homme a Vordre de Mr le prince Eugene
de Savoye.
*) In der Kopie der /?. O. jusques au.
250 '7'o Okt. 29.
Pour commenfer la lev^e des dites recrües une moitie de
Targent de lev^e pour les mille sept cent hommes sera payee
incessament, et le restant des qu' il sera certifiö par le commis-
saire de S. Mtc la reine britannique pour cet effet au port de
Final que les dites recrües y soient arrivees, Fait k la Haye
ce 14* Avril 17 10.
Eugene de Savoye. Le prince et duc de Marlborough.
8.
Convention faite entre les souissignez pour recruter le
Corps d'infanterie imperiale qui se trouve ä la solde de S. Mte
britannique en Espagne, ^tants authorises pour cet effet de la
part de S. Mte Imple et de sa ditte Mte britannique.
N'estants par informös au juste du nombre de recrües
qu'il sera necessaire de foumir pour completter le dit corps
d'infanterie pour la campagne prochaine on est provisionelle-
ment convenu:
I.
Que S. Mte' Imple fera lever et marcher incessamment
pour le port de Final le nombre de deux mille hommes pour
recruter le dit corps, lesquels doivent tous dtre tres bien ha-
billes et arm^s.
n.
Que tous les dits recrües seront conduits aux depends
de S. Mte Imple jusques au dit port de Final, une moitie avant
la fm du mois de Mars et Tautre moitie avant la fin du mois
de May prochain, ou plütöt s'il se pourra.
m.
Que les commissaires ou autres nommes de la part de
S. Mte' Imple seront Obligos de donner avis au ministre de S.
Mte la reine ä Turin ou ä son resident ä Genes trois semaines
pour le moins avant Tarrivee des dits recrües, afin que les
vaisseaux de transport soient prests au dit port de Final pour
les recevoir.
IV.
Que tous les recrües seront ä la solde de S. Mte' bri-
tannique des leur arriv(!^e et reveüe au port de Final ou autre
lieu d* embarquement selon les nombres specities, et le trans-
port se fera de meme aux frais de sa ditte Mte', moiennant un
rabat raisonnable pour les provisions dans leur passage selon
le traitte du 146 Avril 1708 ä proportion de la paie du soldat.
171 o Dez. 7. 251
V.
Que pour la levee des dits recrües armes et habillös
comme cy dessus, et en consideration des grands difficultez a
mener un tel nombre des pais hereditaires de S. Mtt' Imple jus-
ques au bord de la mer, S. Mte la reine fera payer aux ordres
de Mr le prince de Savoye dans la ville d* Amsterdam la
somme de vingt escus par homme.
VI.
Que pour commencer la lev6e des dits recrües une moitiö
de Targent de levee pour les deux mille hommes sera payö
incessamment aux ordres du soussignö prince de Savoye k
Amsterdam, et Tautre moitie restant des qu'il sera certifie par
le commissaire de S. Mtc la reine ordonnd pour cet effet au
port de Final, que le nombre complet de dits recrües aura est6
receu et embarque selon ce traitte.
Ainsi fait et conclu de part et d'autre au camp devant
Aire ce vingt neufieme d'Octobre 17 10.
Eugene de Savoye. Le prince et duc de Marlborough.
L. S. L. S.
9-
Les soussignes authorisös pour cet effet, ayants sign^ un
traitte provisionel le 29^ du mois d'octobre passö pour la lev^e
et marche de deux mille hommes au port de Final pour recru-
ter le corps d* Infanterie imperiale a la solde de S. Mte brittani-
que en Espagne, et ayant este represente depuis que le dit
Corps pouroit bien manquer encore cinq cents hommes de plus
pour le rendre complet:
On est convenu de part et d'autre de la ditte augmen-
tation de cinq cents hommes, lesquels seront transportös aux
fraix de sa ditte Mte dans le terme et aux conditions stipul^es
dans le traitte susmentionne.
Ainsi fait et conclu k la Haye ce septieme jour du mois
de Decembre 17 10.
Eugene de Savoye. Le prince et duc de Marlborough.
L. S. L. S.
10.
Les soussignöz authorizes pour cet eflet, ayants signe un
traitte provisionel le 296 du mois d' octobre passe pour la levee
et marche de deux mille hommes au port de Final pour re-
252 I7'0 MVltz 31.
cruter le corps d'infanterie imperiale ä la solde de S. Mte
brittanique en Espagne, comme aussi un autre traitt^ le ye de
Decembre pour cinq cents recrues de plus, et ayants estö re-
presentö depuis que le dit corps pourroit bien manquer encore
cinq cent hommes, c'est a dire trois mille en tout pour le
rendre complet, on est convenu de part et d' autre de la ditte
seconde augmentation de cinq cents hommes, lesquels seront
de meme transportös au plustot aux frais de sa ditte Mte selon
les conditions mentionnös dans les precedentes traittes.
Ainsi fait et conclu au camp de Warde ce vingt septieme
jour du mois de May 1711.
Eugene de Savoye. Le prince et duc de Marlborough.
L. S. L. S.
11.
Erstes „Kon^eri'' fischen Josef L, Anna und den Generalstaaten,
die Neutralität des deutschen Reiches im nordischen Kriege be-
treffend; d. d, Haag 17 10 Mär:^ ^/.
Originale dieses Vertrages im St-A,, R.-A.; Kopie im R, O. — Drucke bei
Bittner Nr. 676.
Von wesentlich grösserer Bedeutung als die erwähnten Militär-
konventionen sind die beiden Verträge , die am ßi, Mär^ und 4, Au-
gust 1710 von den Verbündeten der „Grossen Alliauj^^ im Haag ge-
schlossen wurden und die Neutralität des deutschen Reiches im nor-
dischen Kriege :{um Ziele, hatten. Die leitenden Persönlichkeiten der
gegen Frankreich koalierten Mächte hatten es immer als eine ihrer
Hauptaufgaben angesehen, den Krieg, der um die Wende des Jahr-
hunderts im Norden Europas ^{wischen Karl XH, von Schweden und
den Herrschern von Russland, Polen und Dänemark ausgebrochen war
und immer weiter um sich griffe {u lokalisieren, um ^u verhindern,
dass die ihnen {ur Verfügung stehenden Streiimitiel durch die Er-
eignisse im Norden und Osten Europas vermindert würden. Es war
auch ihren Bemühungen, insbesondere dem Eingreifen der englischen
und holländischen Diplomaten, gelungen, die Herrscher Preussens und
Hannovers, deren Truppen der gemeinsamen Sache unschätzbare Dienste
leisteten und deren Interessen am meisten durch den im Norden ge-
führten Krieg berührt wurden, von jeder Einmischung in denselben
ab{uhali<;n, und auch die Gefahr einer Einigung {wischen Schweden
1710 MUrz 31. 253
und Frankreich, die nach dem kühnen Marsche Karls XIL nach Kur-
Sachsen im J. IJ06 drohte y war — nicht luletit durch die diplomatische
Kunst des Her:{ogs von Marlhorough — glücklich vorübergegangen. Allein
der Zusammenbruch der schwedischen Macht bei Pultawa, Juli ijopy
veranlasste die einst gegen Karl XIL verbündet gewesenen Fürsten
;{// neuen Vereinbarungen, und sie unterliessen es auch jet^t nicht die
Herrscher Preussens und Hannovers unter lockenden Bedingungen {ur
Teilnahme an dem Kriege gegen Schweden aufzufordern. Dies sowohl,
als die Eroberungen der Russen in den Ostseeprovin{en, die Besiti-
er greif ung Schönens durch die Dänen, das Vordringen Augusts //. in Polen
und das Zurückdrängen der schwedischen Truppen unter General Kras-
sow flach Schwedisch-Pommern nötigte den Kaiser und die Seemächte
ihre Aufmerksamkeit von neuem den nordischen Verhältnissen und der
bedrohten Neutralität des deutschen Reiches {U{uwenden, Denn wenn
auch die gegen Karl XH. verbündeten nordischen Fürsten in Wien die
Erklärung abgaben, dass sie das Reich nicht beunruhigen, den Krieg
der Alliierten gegen Ludwig XLV. nicht stören, dem nach Pommern
entwichenen General Krassow nicht folgen wollten, so geschah dies
nur unter der Bedingung, dass die Seemächte und der Kaiser die Gar
rantie dafür übernehmen würden, dass den Nordmächten aus den
schwedischen Provinzen im Reiche kein Nachteil erwachsen und der
Schwede sich nicht durch Werbungen im Reiche verstärken werde.
Und in gleichem Sinne äusserte sich der Preussenkönig Friedrich I.^)
Die Wiener Regierung , die der Aufrechthaltung freundschaftlicher
Beziehungen {u all diesen Mächten, insbesondere aber j^u Russland
grosse Bedeutung beimass, gab beruhigende Versprechen und entschloss
sich alsbald mit den Seemächten und den übrigen beteiligten Staaten
die angeregte Frage der Garantie der Reichsneutralität beraten ^u lassen.
Die ersten Besprechungen der beteiligten Mächte — auch Preussen
und Hannover waren vertreten — fanden im Spätherbst 170p im Haag
statt und führten >{// dem von den übrigen Mächten gebilligten Be-
schlüsse der Generalstaaten vom 24. Dezember, jedwede Feindseligkeit
in Norddeutschland , Schleswig und Jütland {u verhindern und dis Neu-
tralität dieser Gebiete ^u verbürgen.^) Zu gleicher Zeit wurden die Be-
mühungen fortgeset:{t, König Friedrich /. von Preussen, der so manche
Beschwerde gegen die Seemächte erhob und durch die immer grösseren
Versprechungen des Clären Peter in der Ansicht bestärkt wurde ^ dass
») VgJ. u. a. Klopp l. c. X. )2if
«) Vgl. Umberty l. c V. 441 ff.
^54 '7'o ^^rz 31.
für ihn die Verwendung seiner Truppen im nordischen Kriege vorfeil-
haffer wäre als der Kampf an der Seife der eigenniif{igen Seemächfe,
yit beruhigen und von dem Anschlüsse an Russland und dessen Ver-
bünde fe ab{uhalfen. Zu Beginn des Jahres i/io legfe dann der kai-
serliche Kommissär dem deufschen Reichsfage den im Einvernehmen
mif den im Haag verfrefenen Mächfen entworfenen Plan einer Neutra-
litäf des Reiches vor, der in ersfer Linie auf die vollsfändige Neufrali-
sierung des in Schwedisch-Pommern sfehenden Kr assow' sehen Korps
hinauslieft) Man hofffe auf diesem Wege den Wünschen der Nord-
mächfe — von denen insbesondere Dänemark und Sachsen-Polen grosses
Gewichf darauf legfen, in ihren Operafionen nichf durch eine Diver-
sion Krassows gesförf yti werden und die aus diesem Grunde die
Sicherung der Reichsneufralifäf vom Kaiser und den Seemächfen ge-
fordert haffen, — zugleich aber auch den Bedürfnissen der Schwe-
den Rechnung ^u fragen. Denn wenn die von den alliierfen Mäch
fen j{u garanfirende Neufralifäf des Reiches die in Schwedisch-Pom-
mern sfehenden Truppen hindern sollfe nach Polen {urück^'^kehren,
oder durch ein Vorgehen gegen Schleswig und Jüfland die Feindselig-
keifen auf den Reichsboden ^u überfragen, so sollten doch auch durch
dieselbe Garantie die schwedischen Besif{ungen in Deutschland vor
Einfällen der Feinde Karls XIL geschützt werden. Auf dieser Grund-
lage wurde dann am ßi, Mär{ lyio im Haag nach längeren Ver-
handlungen *) der Neufralifä fsver trag von dem Kaiser und den Seemäch-
fen geschlossen, nachdem auch der schwedische Vertreter im Haag die
Bestimmungen desselben im Namen der für die Dauer der Abwesenheit
Karls Xn, eingesef^fen Regentschaft gutgeheissen haffe,^) Die deutsch-
schwedischen Gebiete und die Dänemark gehörenden Besitzungen
Schleswig und Jüfland wurden für neutral erklärt. Allein alsbald geigte
es sich, dass der im Süden Europas weilende Schwedenkönig durchaus
nichf gewillt war, das Vorgehen der Regentschaff ^u billigen. Schon
im Juni erfuhr man im Haag , dass Karl XH, mit der Neutralität
>) Feld\üge des Prinzen Eugen X, ßS.f,
*) Ziihireiche Mitteilungen über die im ILiag gepflogenen Beratungen in
dieser Frage enthalten die Berichte von Sin^endorf und Heems aus dem Haag,
St,'A. (Holt.) Man ersieht aus denselben, dass es insbesondere das Verhalten des
Dänenkönigs war, das den Alliierten Besorgnisse einflösste. Vgl. {, B. das
Schreiben Sinienäorfs d. d. i. Mär^ lyjo,
8) Der König von Preussen, die Kurfürsten von der Pfal\ und Hannover
und der Bisclwf von Münster traten demselben bei.
1710 Mürz 31. 255
nicht einverstanden sei,^) dass Krassow in Pommern werbe, dass eine
Diversion dieser Truppen bevorstehe^), und obgleich der schwedische Ge-
sandte im Haag das möglichste tat. um die Besorgnisse der Alliierten
yii {erstreuen y konnten Einsichtige in dieser Zeit nicht mehr daran
;^wei/eln, dass man schwedischerseits nur Zeit ^u gewinnen suche, die
beschlossene Neutralität aber auf die Dauer nicht \u halten denke. Als
daher Vertreter Russlands und Sachsen-Polens an die anlässlich der
Gertruydenberger Verhandlungen im Haag versammelten Vertreter der
Unter {eichner des ersten Haager Konzertes mit der Forderung herantraten,
ein Truppenkorps aufzustellen, das dem Schutze der beschlossenen Reichs-
neutralilät dienen sollte, und sich {u verpflichten, „demjenigen Teil beizu-
stehen und sich mit ihm {u conjungiren, der wider die Neutralität ange-
griffen werden sollte^^ ,^) glaubten diese im eigenen Interesse eine derartige
Sicherung des erwünschten Reichsfriedens nicht {uriickweisen {u dürfen.
So wurde in dem {weiten Haager Kon{erte vom 4, August die Aufstel-
lung einer Neutralitätsarmee von iß oder 16000 Mann an der Elbe
und Oder beschlossen ; die Hälfte der Truppen sollten die Seemächte,
die andere der Kaiser und die norddeutschen Reichsfürsten stellen.^)
Allein ^ur Durchführung der gefassten Beschlüsse kam es nicht.
Zwar der Kaiser und die kleineren deutschen Fürsten hielten ihre
Truppenkontingente {u Beginn des Monates September marschbereit
dagegen {eigten sich die Seemächte je geringer die Gefahr der Rück-
kehr Karls XH. wurde umso lässiger in der Erfüllung der über-
nommenen Verpflichtungen. Alle Mahnungen der kaiserlichen Bevoll-
mächtigten blieben erfolglos. Ende Oktober schrieb Prin{ Eugen, der
unermüdlich im Sinne der Zusammen {iehung des Allian{korps wirkte:
,Jch fürchte, nachdem ratione Schweden für den gegenwärtigen Winter
die Gefahr in etwas erloschen, dass man eher nichts thun werde, bis
nicht der Feind vor der Thür sei/"^ Er täuschte sich nicht. Das Jahr
*) /;;/ Juli jyjo konnte Sinicndorf dem Grosspensionär mitteilen , dass
Karl XII. in Wien ofß{iell habe erklären lassen, er könne die Neutralität für
das Königreich Polen nicht annehmen. Der Grosspensionär sah gerade darin
eine Mahnung, an der Neutralität festzuhalten und deren Durchführung \u
sichern, Sin{endorf an den Kaiser 16. Juli lyio. St.-A. (Holl.)
*) Feld{üge des l^rin^en Eugen X, 60.
') Ebenda.
*) Das {weite Haager Konzert wurde nach Beratung und im Einverständ-
nisse mit den Bevollmächtigten des Königs von Preussen, der Kurfürsten von der
Pfal{ und Hannover, des Bischofs vofi Münster, des Kurfürsten von Main^, des
Herzogs von Braunschweig -Wolfenbüttel und des Landgrafen von Hessen ge-
schlossen.
2^6 >7'0 MSrz 31.
/7/0 gietig {// Etidc, ohne dass die Neutra Ittätsarmee sich versammelt
hätte, Karl XI L aber er Hess von Bender ans am ßo, November lyio
einen Protest gegen die Verfügungen des Haager Konzertes und erklärte,
sich die freie Verfügung über seine Kräfte vorzubehalten, ^)
Quum sacrae C®*® M*S sacrae regiae M*^ reginae Magnae-
Brittanniae et celsis et praepotentibus dominis ordinibus generali-
bus Uniti Belgii maxime semper cordi fuerit et etiamnum sit,
ut quies et tranquillitas in imperio conservetur, et ideo com-
municatis cum quibusdam foederatorum suorum consiliis ab
aliquo iam tempore ad conservandam eandem quietem et tran-
quillitatem principes in septentrione inter se belligerantes se-
dulo et serio exhortati sint atque officia sua interposuerint, ne
occasione belli, quod in oris septentrionalibus gerituf; turbare-
tur vel qnicquam agatur, sive revocando copias sive alio quo-
cunque modo, quod rationibus et commodis foederatorum con-
tra Galliam belligerantium noxium sit vel praeiudicium aflferre
queat; quumque sua czarea M*^« eiusque foederati, Poloniae et
Daniae reges, mox nequaquam haesitantes declaraverint, firmam
sibi Stare sententiam nihil quidquam facere, quod ad turbandam
tranquillitatem in imperio ansam praebere possit et ex quo res
foederatorum bello gallico implicitorum sive revocando copias
aut alio quocumque modo detrimentum vel praeiudicium pati-
atur; et cum simul etiam postulaverint ut securi reddantur, co-
pias regis Sueciae, quae iam in Pomerania sunt, in Poloniam
non redituras nee actus uUos hostiles in terris imperii commis-
suras, idcirco etiam illorum ministri saepius instanter flagita-
rint, ut alte memorati foederati illos hac de re certos et se-
curos reddere velint, quorum petitiones sua regia M*** Borussiae
officiis suis suffulsit; quum etiam post communicata haec des-
*) Die Erklärung Karls XII. ist gedruckt //. a, bei Lamherty VI. ^20. Die
Berichte Sin\endorfs aus den letzten Monaten des Jahres lyio und den ersten
des Jahres lyii {eigen, wie schwer es war, die Seemächte in dieser Frage \u
entscheidenden Massregeln \ii bestimmen. Am 6. Jan. ijii übtYsendet Sin^ett-
dorf (St.'A. Hall.) ein neues Schema der einzelnen Kontingente der Neutralitäts-
armee, die im ganzen ^^00 Reiter und 16.100 Mann \u Fuss umfassen sollte,
berichtet aber {ugleich, dass sowohl der Pensionär von Holland als Towfishend
der Ansicht seien, dass Russland allein mächtig genug sein würde, die Neutralität
des Reiches Schweden gegenüber \u sichern, wenn es einen Teil seiner Truppen
aus Livland abziehen würde. Um dies \u erreichen, rieten sie mit weiteren Ver-
fügungen über das Neutralitätskorps \u warten.
1710 März 31. 257
deria cum regimine pro administratione regni Sueciae in ab-
sentia regis constituto regiae suae M*^^ Sueciae ablegatus extra-
ordinarius de Palmquist acceptis hac de re illius mandatis de-
claraverit, per Sueciam minime staturum quominus constans
neutralitas in imperio servetur, eumque in finem se paratum fore
nomine Sueciae spondere, copias suecicas quae in imperio sunt
ibidem uti etiam nee in Polonia nee in ducatu Schlesvicensi
nee in Jutlandia nihil hostile tentaturas, hac tamen sub con-
ditione, Sueciam vicissim securam redditum iri, copias regis Da-
niae, quae sunt ex hac parte maris baltici vel quae sunt in
Jutlandia, in ducatu Sleswicensi, in terris imperii ad haue coro-
nam speetantibus, et quae foederatis militant, nee intra nee extra
limites imperii nihil quoque hostile tentaturas; quumque com-
municata postmodum regi Daniae conditione sub qua regnum
Sueciae neutralitati in imperio adstipulatur, supra nominati foe-
derati quoque ad conservandam in imperio tranquillitatem et
neutralitatem proposuerint, ut ab una parte rex Daniae spon-
deat et consensum praebeat, copias suas in Jutlandia, in ducatu
Sleswicensi et in imperio degentes nihil hostile contra uUum,
quisquis ille fuerit, nee intra nee extra limites imperii, toto du-
catu Schleswicensi et Jutlandia una cum comprehensis, tentaturas
vel faeturas esse, utque pari modo ab altera parte regimen in
Suecia constitutum vicissim spondeat et consensum praebeat,
copias regis Sueciae in Pomerania et aliis imperii terris et pro-
vineiis existentes in Poloniam non redituras nee quiequam
hostile contra ullum, quisquis ille fuerit, nee intra nee extra
limites imperii, toto ducatu Schleswicensi et Jutlandia una cum
comprehensis, tentaturas vel faeturas esse, addita quoque ul-
teriori declaratione a supra memoratis foederatis, se propensos
et paratos fore aliquas copias utriusque partis ad usum suum
condueere et de iis quantocius transigere. Super quibus, cum
hie degens de Stöcken, regis Daniae secretarius, renovatis modo
dietae suae regiae M^^ obtestationibus, nullum se vel revoeatione
copiarum vel alio modo foederatis ineommodum vel praeiudieium
allaturam, praterea nomine eiusdem regiae suae M^^« declara-
verit, illam, ut novo doeumento ostendat quam prono erga foe-
deratos feratur aflfectu utque ad illorum petita respondeat, con-
sensum praebere, si ex parte Sueciae positive affirmetur, copias
eiusdem nunc in Pomerania degentes sub duetu Crassavii alias-
que omnes in provineiis Sueciae in imperio sitis existentes nihil
österreichisch-englische Staatsverträge. Bd. I. 17
1258 I7'0 MUrz 31.
hostile contra ditiones regi Daniae vel eius foederatis tarn inträ
quam extra limites imperii subditas tentaturas esse, tunc quoque
regiam suam M*«™ Daniae nullas ex ducatibus Holsatiae-Schleswici
vel ex Jutlandia copias avocaturam nee trans mare balticum
transportaturam, quin et copias a czarea sua M.^ auxilio mit-
tendas per Germaniam uUasve imperii ditiones vel terras mi-
nime transituras, in his Omnibus confidens absque ulteriori mora
foederatos sponsionem sive guarantiam suam pro stabilienda
in imperio, ducatu Schleswicensi et Jutlandia neutralitate inter-
posituros esse.
Itaque infrascripti plenipotentiarii et deputati sacrae O*«
M**», sacrae regiae M**^ Magnae-Britanniae et dominorum ordi-
num generalium Uniti Belgii rite perpensis czareae suae M^* re-
gumque Poloniae, Daniae et Bonissiae, iterato expositis desideriis
pro tuenda et sponsione sive guarantia confirmanda neutralitate
intra limites imperii acceptisque super his ab imperatore, regina
ordinibusque generalibus mandatis, illorum vi tenore praesen-
tium notum testatumque faciunt nomine sacrae C«»® M**^ sacrae
regiae M*^« Magnae-Britanniae et dominorum ordinum generalium
Uniti Belgii, se grato atque lubenti animo accipere supra memora-
torum principum in septentrione belligerantium mentis et volun-
tatis declarationem pro conservanda in imperio tranquillitate et
quiete et illaesa neutralitate tam in Omnibus imperii provinciis et
ditionibus quam toto ducatu Schleswicensi et Jutlandia, promit-
tentes sacram O^™, suam M*®™ regiam suam M^™ Magnae-Britan-
niae et dominos ordines generales coniunctim allaboraturos, ne
ullo modo neutralitas in terris imperii infringatur, sed ut ab ut-
raque partium rite servetur, eumque in fmem operam daturos, ne
copiae regis Sueciae in Pomerania aliisque ditionibus imperii de-
gentes in Poloniam redeant nee actus ullos hostiles contra uUum,
quisquis ille fuerit, nee intra nee extra limites imperii, toto ducatu
Schleswicensi et Jutlandia in illo comprehensis, committant, et
ne pari quoque modo copiae regis Daniae in Jutlandia, ducatu
Schleswicensi et ditionibus imperii degentes actus ullos hostiles
contra ullum, quisquis ille fuerit, intra vel extra limites imperii
ducatu Schleswicensi in illo comprehenso committant; quem-
admodum etiam ne copiae czareae suae M*^« regi Daniae in au-
xilium forsan mittendae per terras imperii transeant, verum ut
omnes et singulae imperii ditiones respectu partium in septen-
trione belligerantium ab omni transitu copiarum immunes ma-
1710 März 3t. 2^g
neant et perfecta neutralitate gaudeant. Praeterea infrascripti no-
mine ut supra declarant sacrae O»« M*^, sacrae regiae M*^ Magnae-
Britanniae et dominis ordinibus generalibus statutum esse, eo
quo dictum est modo quietem et tranquillitatem in imperio tueri.
Et quamvis post declarationes supra memoratas minime
exspectandum sit neutram belligerantium partem illam infrin-
gere vel quicquam quod illi contrarium sit facere velle, si ta-
rnen praeter omnem spem et exspectationem quisquam neutra-
litatem hanc violaverit, in hoc inopinato casu modo nominati
foederati simul omnes se cum illo, qui neutralitatem observa-
verit et factae violationis refectionem petierit, coniungent, quo
casu si opus fuerit communibus viribus ad conservandam neu-
tralitatem eo quo dictum est modo utentur. Ut autem haec de-
claratio promptiorem effectum sortiri possit, sacra O* M*^ ope-
ram dabit, ut imperium huic declarationi quantocius accedat,
sicut et regina Magnae-Britanniae et domini ordines generales
imperium ad hoc invitabunt.
Principes pariter et Status, quibus conservatio neutralitatis
et quietis in imperio cordi est, ^d corroborandam accessione
sua hanc declarationem, quae partibus quarum interest hinc
inde loco guarantiae erit, invitabuntur.
Praesentis declarationis exemplaria dabuntur ministris
suae czareae M*" et regiarum M^"^ Poloniae et Daniae ab una
et suae regiae M*»^ Sueciae ab altera parte, requirunturque ut
officia sua adhibeant, quo czarea et regiae M*®^ supradictae de-
clarationem hanc gratam habere nee quicquam quod illi con-
trarium sit facere velint.
Actum et signatum Hagae Comitum die trigesimo primo
Martii anni millesimi septingentesimi decimi.
L. S. Philippus Lud. C a Sinzendorff.
L. S. Le prince et duc de Marlborough.
L. S. Townshend.
L. S. W. Randwyck.
L. S. Allard Merens.
L. S. A. Heinsius.
L. S. C. van Gheel van Spanbroeck.
L. S. F. A. Baron de Reede de Renswoude.
L. S. S. V. Goslinga.
L. S. W. Ittersum.
L. S. W. Pott
'7*
260 J7>ö Aug. 4.
12.
Zweites „Kon^cH"' fischen Josef I., Anna und den General-
staaten die Neutralität des deutschen Reiches im nordischen
Kriege betreffend; d, d, Haag 17 10 Aug. 4.^)
Originale dieses \weiten Kon\crtcs im R. O, und B.A. — Drucke bei
Bittner Nr, 678.
Quandoquidem sacra sua C®* M**^ sacra sua regia M**^ re-
gina Magnae-Brittanniae et celsi et praepotentes domini ordines
generales Uniti Belgii scripto per plenipotentiarios et deputatos
suos die trigesimo primo mensis Martii anni currentis millesimi
septingentesimi decimi hie Hagae Comitum signato testati sunt
et declaraverunt, quantopere ipsis quietis et tranquillitatis in
tems imperii consei-vatio respectu belli quod in septentrione
geritur cordi sit, qua in re sacra sua regia M*** rex Borussiae,
Ser*«8 suae electorales Palatina et Brunsvico-Luneburgensis et
celsitudo sua episcopus et princeps Monasteriensis accedeiltes
ad dictam declarationem sese cum illis coniunxerunt ; cumque
Sacra O* sua M^^ regia sua M*»^ Magnae-Britanniae et domini
ordines generales Uniti Belgii non tantum hanc declarationem
tuendam esse persuasissimum habeant, sed et praeterea non
in hoc acquiescendum esse, quod haec declaratio facta sit,
verum ineundas esse vias et media, quibus finis propter quem
haec declaratio facta est assequi queat, summopere necessarium
ducant; itaque plenipotentiarii et deputati altememoratae O^®
suae M*^^ regiae suae M*'^ Magnae-Brittanniae et dominorum or-
dinum generalium communicatis cum ministris et plenipoten-
tiariis regis Borussiae, electorum Palatini et Brunsvico-Lune-
burgensis et episcopi ac principis Monasteriensis, quemadmodum
etiam cum ministris et plenipotentiariis electoris Moguntini et
ducum Brunsvici et Luneburgi in Wolffenbuttel, Megalopolis
et Landgravii Hassiae-Cassellanae, qui se quoque in hac causa
cum illis coniunxerunt, statuerunt et decreverunt, quantocyus fieri
poterit exercitum quindecim vel sexdecim mille militum certo
in loco congregandum esse pro tuenda declaratione de die tri-
gesimo primo Martii huius anni et pro conservanda quiete et
tranquillitate imperii modo in eadem declaratione explicato.
») Für die informierende Einleitung vgl. p. 2^4.
I7IO Aug. 4. 261
Ad coadunandum et constituendum modo indigitatum exer*
citum contribuent: Sacra sua O* M*** binas equitum turmas
(regimens), singulas mille equitum, i) regina Magnae-Brittanniae
et domini ordines generales duodecim cohortes (bataillons),
quarum singulae erunt septingentorum peditum.
Coeterum certa spes concipitur,^) coeteros quoque prin-
cipes, qui declarationi antedictae acceserunt vel neutralitatem
imperii sibi cordi esse ostenderunt, ad componendum eundem
exercitum copias collaturos modo sequenti:
Rex Borussiae turmam quingentorum equitum et tres co-
hortes septingentorum peditum singulas.
Elector Moguntinus cohortem unam.
Elector Palatinus turmam (esquadron) equitum unam et
cohortes binas.
Elector Brunsvico - Luneburgensis turmam quingentorum
equitum et cohortes septingentorum peditum tres.
Episcopus et princeps Monasteriensis cohortem pari nu-
mero septingentorum peditum.
Dux Brunsvico-Luneburgensis in Wolffenbuttel cohortem
peditum septingentorum.
Dux Megalopohtanus itidem cohortem singulam.
Princeps Hesso-Cassellanus cohortem unam.
Hunc in fmem ulterior haec declaratio cum iUis communi-
cabitur requirenturque, ut eidem accedere velint, quemadmodum
et ad accessionem parem certo cum militum numero invita-
buntur alii quoque principes, quorum neutralitatem in imperio
servari aeque interest
Omnes hae turmae et legiones in locis proximis et idoneis
constitutae paratae teneantur ita, ut absque mora se versus
Oderam vel Albim vel aliam in regionem prout res exiget
movere et in unum corpus coalescere queant.
Unusquisque copias suas propriis sumptibus et impensis
mittet et alet, cohortesque quas quihbet mittet tormentis mino-
ribus cum omnibus eo requisitis munitae erunt.
Quoniam electores, principes et Status imperii in comitiis
Ratisbonensibus conclusis et decretis suis a C®^ sua M*® con-
») In dein Or. ist hier und an anderen Stellen die An^M der Truppen
in Zahlen am Rande nochmals angegeben,
•) Erst stand concipiatur.
202 i7»o Aug. 4.
firmatis etiam pro conservanda quiete et neutralitate in terris
imperii relative ad bellum, quod in septentrione geritur, mentem
suam explicaverunt et se ad eandem tuendam paratos fore de-
claraverunt, sacra O» sua M*»» eosdem electores, principes et Sta-
tus coniunctim, atque directores et Status circulorum in specie,
modo quem efficacissimum fore iudicaverit, ad augendum si opus
fuerit antedictum copianim numerum et ad suppeditanda quaevis
necessaria, quibus ad rem bene agendam exercitus instructus
esse debet, admonebit et exhortabitur.
O» sua M*^ civitates imperiales Lubecum, Bremam, Ham-
burgum aliasque quibus aequum ipsi videbitur itidem exhor-
tabitur et impellet, ut tormenta cum munitionibus aliisque re-
quisitis hominibusque ad illa dirigenda aptis conferant
Coeterum principes, quibus quies et tranquillitas imperii
curae cordique est, successu temporis et quavis data occasione
consilia inter se conferent, ut una porro statuant atque decer-
nant quaecumque ad conservandam tuendamque eandem quietem
et tranquillitatem in terris imperii ad normam in declaratione
antememorata enunciatam utilia vel necessaria erunt.
In horum omnium fidem nos infrascripti sacrae C®*® M***,
sacrae regiae M*^^ reginae Magnae-Brittanniae et celsorum et
praepotentium dominorum ordinum generalium Uniti Belgii ple-
nipotentiarii et deputati ulteriorem hanc declarationem manu
nostra subscripsimus et sigilla nostra illi apposuimus. Hagae
Comitum die quarto Augusti anni millesimi septingentesimi
decimi.
L. S. Philippus Lud. C. a Sinzendorff.
L. S. Townshend.
L. S. J. V. Randwyck.
L. S. Allard Merens.
L. S. A. Heinsius.
L. S. S. Goslinga.
L. S. W. Ittersum.
L. S. J. van Nyevelt.
171 1 Aug. 263
13.
Entwurf eines Bündnisses fischen dem österreichischen, frän-
kischen, schwäbischen, kur- und oberrheinischen Kreise einer-,
Anna und den Generalstaaten anderseits, samt einem Separat-
artikel d. d. Frankfurt a, M. 171 1 Aug.^)
Eine Kopie des Entwurfes im St-A, — Drucke bei Bittner Nr. 682.
Je länger der Krieg dauerte, den die Verbündeten in den Jahren
1689 — 1697 gegen Ludwig XIV, führten, desto deutlicher geigte es
sich, dass für den Kampf am Mittel- und Oberrhein an eine entspre-
chende Hilfeleistung seitens des Kaisers oder der mächtigen Reichs-
fürsten nicht \u denken war. Die bedrohten Kreise erkannten, dass
sie selbst die Verteidigung ihres Besit:{es übernehmen müssien. Beraten
und geleitet von dem Markgrafen Ludwig Wilhelm von Baden be-
schlossen vorerst die Fürsten und Stände des schwäbischen und frän-
kischen Kreises eine Association ^u gründen, deren Zweck die Auf-
stellung und Erhaltung von Truppen war, mit denen der Krieg gegen
die Feinde geführt werden sollte. Der Plan gelang, die geworbenen
Soldaten bewährten sich. Im Jahre 1694 f^ssfen die beiden verbün-
deten Kreise den Beschluss, dem Beispiele der grösseren Mächte fol-
gend, ein stehendes Heer auch in Friedens^eiten \u halten und suchten
alsbald die benachbarten Kreise {u einem gleichen Vorgehen :{u be-
stimmen. In der Tat gelang es ihnen den kur- und oberrheinischen
und den westphälischen Kreis für ihre Ideen ^u gewinnen. In dem
Frankfurier Asso^iationsreiess vom 2^, Jan. st, n, 16(^7 einigten sich die
5 Kreise ein stehendes Heer ^u schaffen, das in Kriegs{eiten 60000, in
Friedens^ciien 40000 Mann stark sein sollte. In eingehendster Weise
wurde die Organisation dieses Truppenkörpers festgesetzt. Dem Be-
dürfnisse entsprungen für die Sicherheit der Kreise ^u sorgen, hatte diese
Einigung ^u gleicher Zeit unzweifelhaft eine föderalistische Tendenz»
Sie war mit Umgehung des Kaisers und des Reichstages ins Leben ge-
rufen worden, und wenn auch der erstere ihr, um ihre antikaiserliche
Spitze abzubrechen, beitrat, so konnte er doch nicht hindern, dass der
Kurerzkaniler die Führung an sich riss, dass die Assoziation als
') I)it' Aufnahme dieses Vcrfrjgsrntwurfrs erfolgte nach den Bestimmungen
der Kommission, denen Bittner I. e, IX. Ausdruck verliehen Ihat, Die Angabe des
^i. Aug, als Datum desselben bei Bittner l, c, p, I2(j beruht auf einem Irrthum ;
am ji, Aug, wurde ein Asso\iationsrecess der 5 Kreise unterzeichnet.
264 '7>« Aug.
solche mit den Ansprüchen einer selbständigen Macht auftrat, mit den
Seemächten Verhandlungen begann, in die grosse Allianz eintrat und
auf dem Ryswicker Kongresse ihre Interessen ^u vertreten suchte. Er-
folgreich war dieses Auftreten freilich nicht; es förderte nur das Be-
streben Ludwigs XIV. sich auf Kosten des Reiches für die Opfer
schadlos {u halten, die er den Seemächten bringen musste. In der Tat
musste der Ryswicker Friede, der Strassburg und das Elsass in den
Händen Frankreichs Hess, gerade den vorderen Reichskreisen beson-
ders nachteilig erscheinen, da er ihnen die erwünschte Barriere gegen
Frankreich nicht brachte, vielmehr ihren Besit^ dem französischen
Übermute schutzlos preisgab. Es war daher begreiflich, dass die vor-
deren Reichskreise nach dem Tode Karls II. ihre Association im Hin-
blicke auf die dem Reiche beim Ausbruche eines deutsch-französischen
Krieges drohende Gefahr erneuerten. Auch diesmal giengen der frän-
kische und der schwäbische Kreis voran. Ihre Einigung z}i Heiden-
heim im November lyoo bezweckte die Wahrung der Neutralität ihrer
Länder; an dem ^J^ischen den Grossmächten ausgebrochenen Streite
aktiv teilzunehmen, dachten sie damals nicht. Und ebensowenig war
dies in der nächsten Zeit der Fall. Sie suchten den Bund ^u erweitem,
andere Kreise ^u einem gleichen Vorgehen ^u vermögen, verhielten sich
aber ablehnend, als der Kaiser sie für eine aggressive Politik ^« ge-
winnen trachtete.
Auch der Heilbronner Assoziationsrezess vom ji. August ijoi
beschränkte sich auf die Wahrung der Neutralität der vertrag schlies- •
senden Teile. Aber bald darauf nötigte das Vorgehen Frankreichs und
die Rücksicht auf das eigene Interesse die vorderen Reichskreise z^im
Anschlüsse an die Feinde Ludwigs XIV. und z'tr Teilnahme an dem
Kriege. In dem Assoziaiionsrecesse , den am 20. März I/02 ß Reichs-
kreise — der schwäbische, fränkische, kur- und oberreinische und der
österreichische — ^// Nördlingen schlössen, wurde z'^^^ nochmals der
defensive Charakter der Einigung betont,^) allein die einzelnen Kreise
hatten sich unterdess mit dem Gedanken des Beitrittes -{//r grossen
Allianz vom 7. Sept. lyoi so weit vertraut gemacht, dass bereits am
22. März '^^^ Bedingungen unterzeichnet werden konnten, unter denen
•) Der Nvrdlinger Tr.iktat ist u. j. gedntkt bri Kopp /. c. Aiih. 88 ff.
Baicniy das die Heilbronner Asso{iiition — an welcher der österreichische Kreis
flicht teilhatte — unterzeichnet und sich an den Verhandlungen des Nördlinger
Rezesses beteiligt hatte, trat aus der Reihe der veriragschliessenden Kreise aus,
als die Haltung der vorderen Kreise ihre Frankreich feindliche Gesinnung er-
kennen Hess,
171 1 Aug. 265
5/V an dem Kampfe gegen Frankreich teilnehmen wollten,^) Ausdrück-
lich erscheint unter diesen die Verpflichtimg der alliierten Mächte, ,yauf
die Redintegration der oberen Reichskreise und Widerherbeibringimg
der denenselben entflogener ansehnlicher Mitglieder, Stätten und Lan-
den, mithin deren Restitution in vorigen statum'^^) j(u achten und sie
für die Verluste ^// entschädigen, die sie im Laufe des Krieges erleiden
sollten. Die Seemächte und der Kaiser hiessen diese Forderungen gut
und so traten die Mitglieder des Nördlinger Traktates im Laufe des
Jahres iyo2 einzeln der Haager AllianT^ vom 7. Sept. ijoi bei.^)
Sie haben ihr Kontingent ;[// den Reichsarmeen gestellt, soweit
ihfien dies bei der mangelhaften Organisation möglich war, an den
Kämpfen gegen Frankreich einen durchaus nicht unrühmlichen Anteil
genommen und j^um Vorteile der allgemeinen Interessen viel Unbill er-
duldet. Umso sicherer hofften sie auf die ihnen verbürgte Berück-
sichtigung ihrer Forderungen beim Friedensschlüsse. Als daher die
Kunde von den Verhandlungen^ die seit Beginn des JaJires Ijop im
Haag ^wischen Fratikreich und den Alliierten geführt wurden, sich im
Reiche verbreitete, traten die 4 Reichskreise — der schwäbische, frän-
kische, ober- und kurrheinische — im Mai ijop in Heilbronn zu-
sammen und beschlossen vom Kaiser und von den Seemächten in ener-
gischer Weise die Einhaltung der im Jahre IJ02 gegebenen Verspre-
chen ^u fordern. In diesem Sinne wurden die mit der Vertretung
ihrer Interessen im Haag beauftragten Gesandten angewiesen, „die
völlige Restitution dessen anzutragen, was Frankreich vor, durch und
nach dem münsterischen Friedensschlüsse dem römischen Reich ent-
zogen habe^\ sich aber endlich auch ^,mit der Restitution des Ober-
und Unterelsass sammt Breis- und Sundgau^ wie nicht weniger des
Bistums und der Stadt Strassburg, auch Demolirung aller deren auf
Reichs Grund und Boden vom Feind aufgebauter und von ihm etwan
behaltender Fortressen^^ z^i begnügen^)
') ,,Punkten, deren würckUche Praestation man sich von Seiten der {um
Beytritt {u der {wischen I. K. M., I. K. M. in Engellandt und denen /^ General-
Staaden der vereinigten Niederlanden den 7. Sept. neckst vorigen Jahrs errich-
teter Alliiin{ invitirter und mit einander associirter löblichen Crayssen quoad
quaestionem quomodo anforderist bedinget*^. Abg. u. a. Kopp l. c. Anh. gSff.
') § 8 des Vertrages.
*) Der fränkische Kreis am 24. Juni, der schwäbische am 4. Aug., der
kurrheinische am 21, Aug., der oberrheinische am 7. Okt. iyo2.
*) Das und das Nachfolgende nach den im St.-A. (Holt, und Main{ische
Akten) befindlichen Dokumenten,
266 17«' Aug.
Allein ehe sich die Bevollmächtigten der Kreise ihrer Aufgabe
entledigen konnten, wurden die im Haag geführten Friedensverhand-
lungen abgebrochen, da eine Einigung mit Frankreich nicht ^u erzielen
war» Doch sandten bald darauf die Generalstaaten y denen an der Fort-
dauer des Bündnisses mit den 4 Kreisen sehr gelegen war, den Grafen
Rechtern mit dem Auftrage nach Deutschland, den 4 Kreisen mitzu-
teilen, dass die Seemächte mit ihnen nicht nur solange der gegenwär-
tige Krieg dauere, „in einer engen und aufrichtig guten Verständnis
leben, sondern mit ihnen auch solche Massregeln nehmen wollten,
welche nach wiedererlangtem Frieden sowohl yti allseitiger Sicherheit
als Nut:{en der Untertanen convenabel erscheinen würden/^ Zu gleicher
Zeit sollte Rechtern sich bemühen, die 4 Reichskreise für eine Herab-
minderung der Forderungen :(u gewinnen, die sie als Vorbedingung
des mit Frankreich ^u schliessenden Friedens im Haag gestellt hatten.
Der staatische Gesandte erhielte nur einen halben Erfolg, Die :(u
Frankfurt versammelten Vertreter der 4 Kreise erklärten sich in der
quaestio an? bereit den Wünschen der Seemächte ^u entsprechen und
„nicht nur diesen noch wehrenden Krieg über und bis -{« erfolgenden
lieben Frieden auch dessen gänzlich vollbrachter Execution in deren
bisherigen Kriegsverfassung stehen ^u bleiben, sondern auch post exc-
cutam pacem und :{ii Friedens^eiten mit einer denen alsdann befindlichen
Kräften nach Proportion irtcn Armatur auf das Fundament der Nörd-
linger Allianitractaten ^« continuiren^^ , und verpflichteten sich den
österreichischen und den westphälischen Kreis {um Beitritte einzuladen.
Dagegen weigerten sie sich in der quaestio quomodo eine bestimmte Er-
klärung abzugeben und versprachen nur, „wann die Gott gebe bald
widerum {u reassumirende Friedenspraeliminarien unterschrieben sein
sollten^^ , wieder zusammen {utrete?i und ihre Entscheidung ^.u treffen.
Auch in der Entschädigungsfrage kam es {u keiner Einigung,
Graf Rechtern erklärte, die Äusserungen der Kreise in diesem Punkte
nur ad referendum annehtnen ^u können, und diese wiederum hielten
es unter solchen Umständen für un:{weckmässig, sich in weitere Ver-
handlungen einzulassen. Als dann im Jahre i/io j^u Gertruydenberg
die Friedensverhandlungen der Alliierten mit Frankreich von neuem
aufgenommen wurden, betonten die Abgesandten der Kreise wie im
Vorjahre, es müsse für Deutschland eine Barriere gegen Frankreich
errichtet, Elsass und Strassburg dem Reiche wiedergegeben werden,, die
'Wiederherstellung Lothringens und die Rückgabe der Bistümer Met^^
loul und Verdun erfolgen. Allein die das deutsche Interesse betreffen-
den Fragen wurden in den Verhandlungen mit Frankreich kaum be-
171 1 Aug. 267
rührt und eine bindende Erklärung im Sinne der deutschen Forde-
rungen war von den Seemächten nicht ^u erlangen; doch steht es
nach den Zugeständnissen Ludwigs XIV. ausser Zweifel, dass das
deutsche Reich wenigstens inbe^ug auf Strassburg und Elsass eine
entsprechende Genugtuung erlangt hätte, falls es damals ^um Frieden
gekommen wäre.
Da aber die Gertruydenbergcr Verhandlungen ^um grössten Scha-
den für das deutsche Reich scheiterten, sahen sich die 4 Kreise ge-
nötigt, neuerdings Stellung :{u dem Antrage ^u nehmen, den Graf
Rechtern im Jahre ijop vorgebracht hatte und nun wiederholte. Seit
dem Herbste lyio wurde an vielen Orten ^u gleicher Zeit und mit
gleichem Eifer die Frage erwogen, unter welchen Bedingungen man
sich ^ur Erneuerung des Bündnisses mit den Seemächten und ^ur Ver-
längerung desselben über den eventuellen Fricdensschluss hinaus ver-
stehen solle. Liest man die wahllosen Schriftstücke, die fischen den
einzelnen Kreisen, wie ^wischen diesen und dem Bevollmächtigten der
Seemächte gewechselt worden sind, so erkennt man leicht, dass es den
letzteren in erster Linie um die Teilnahme der Kreistruppen am Kriege,
den Kreisen um die Berücksichtigung ihrer Forderungen beim Friedens-
schlüsse :{u tun war. ^) Es kann nicht unsere Aufgabe sein, dem Gange
der Verhandlungen ^u folgen, der durch diesen verschiedenen Stand-
punkt der beiden Parteien bedingt wurde. Die Kreise selbst :^e igten
in den meisten Fragen eine rühmenswerte Übereinstimmung. Trotzdem
dauerte es lange, bis eine den Wünschen sämtlicher Beteiligten ent-
sprechende Verabredung getroffen war und der Mainzer Kurfürst —
Januar 17 ii — {ur Ausschreibung des nach Frankfürt einitiberuf en-
den Kongresses schreiten konnte. Unzweifelhaft hat j(u dieser bekla-
genswerten Verzögerung das Verhalten der Wiener Regierung sein
gut Teil beigetragen. Wir wissen, dass Leopold I. die Entwicke-
lung der Kreisasso^iationen, die, obgleich unter den Auspizien des
') Eine Fülle diese Verhandlungen betreffenden Materials enthalten die
Main\ischen Akten des Wiener Staatsar chives. Graf Rechtern war über das
säumige Verhalten der Kreise empört und machte seinem Unwillen in verschie-
denen Schreiben Luft, In einem derselben d, d, Frankfurt y. Jan. lyii heisst
es //. a, er begreife das Zögern der Kreise nicht; il s' agit icy que les dittes
ptiissanccs souhaitent de continuer avec vous une alUance dont par le passe sa
majeste Imp^^ et V empire t'/i gener al et les louables cerclcs en partic ulier ont
eu seuls le fruit et sans laquelle peut etre il y a long temps qu ih auruient perdu
leur etre, et en veue afin que pour l' avenir vous puisst^es etre garantis d n' etre
envahis par la force superieure et voisine dr la France etc.
2ö8 • i7n Aug.
Kaisers imstande gekommen^ förderalistische Tmde/i^en verfolgen ^ nicht
mif frciidiichvn Augen angesehen mtd es bitter empfunden hatte ^ dass
der Kiirer^kan{ler die Führung derselben an sich riss^ dass die Kreise
als selbständige Macht auf trafen und auch in Fragen der auswärtigen
Politik ein entscheidendes Wort mitsprechen woliteu.
Um diesen antiktiiseriichen Bestrebtingen die Spitze abzubrechen^
war er ja der Nördlinger Atiian^ beigetreten und hatte es durch-
gesef{tj dass die Kreise einzeln der Allianz beitraten^ die er am 7. Sept
lyoi mit den Seemächten geschlossen hatte. Die föderalistischen Ten-
denken der Reichsslände dauerten aber fort und Kaiser Josef empfand
dies umso bitterer, als er von seiner Stellung als Reichsoberhaupt eine
ungemein hohe Außasstmg hatte und entschlossen war,, sein Ansehen {«
wahren, Dass die Seemächte^ ^umal die General Staaten , im J* 1 yö^ mit
Umgehung seiner Person direkt mit den 4 vorderen Reichskreisen Ver-
tragsver handln ngen ankniipftetij erregte seinen heftigen Unwillen / dass
sie dieselben im folgenden Jahre trot^ der vielfachen Proteste der im
Haag weilenden kaiserlichen Gesandten erneuerten^ bewog ihn^ nicht
nur heftige Klage im Haag ^h führen und dort vorstellen {H lassen,
^jOb es nicht besser für des Kaisers Alliierte wäre^ die Aittorität des
Kaisers ^u stärken ^ mithin das Bündnis mit den Kreisen lieber durch
uns und unsere Direction vermitteln ^h lassen^ als darüber mit den-
selben immediate ^u verhandelnd"^ f^) sondern auch direkt den Mainier
Fr^kan^ler der Überschreitung seiner Machtbefugnisse {u beschuldigen
und die Berücksichtigung der kaiserlichen Praerogativen in entschie-
denster Weise ^n fordern.^) Es sah lange Zeit darnach auSj als würde
an dem Widerstände des Kaisers das gan^e Werk scheitern und erst
nach schwierigen Verhandlungen^ bei denen sich insbesondere der Pfäl-
^er als Vermittler bewährte,^) gelang es^ eine Einigung j^u erzielen ^
^) Aus versckiedenen Äusserungen der kaiserlichen Minister ist {u ent-
nehme n^ dass Josef I. verlangte^ f^dass die Gesandten der Seentäckte die Sac/te
beim Kaiser ^ als des Ftickes Oberhaupt^ anbringen sollten t lon dem es alsdann
dem Mjin{er Kurfürsten nnd sodann sub anspicHs caesareis von detn Mainzer
den assöcitrten Kreisen J[n c&mmnnciren wJre**^ Sehreihen Josefs I. an den Reichs -
vi\ekanihT d* d^ ^. De^. lyto u id Schreiben des V/indisehgräf^ d. d, ^, De^, lyia*
St-Ä. (Mainzer Akten), tibenso berichtet der Pfäl^cr Kurfürst an den Main {er
d, d. Wien qH. Febr. ijii St.-A. f Mainzer Akten,)
*) Sin^endorf berichtet oft über seine in dieser Frage mit dem Pensionär
gt führten Verhandtungen.
^> Viele diese Tätigkeit des Pf alters betreffende Akten im St'A* (Main {er
AJtt.n^ Der Ffäl^ir Kurfürst war ^ Beginn des Jahres lyji 'f* Wien und
führte hier die Verhandlungen. Er trat für das mi}gtichste Entgegenkommen
17» I Aug. 269
die beiden Parteien die AufrechihaUung ihres prinzipiellen Stand-
punktes, dem Kaiser aber die Teilnahme am Frankfurter Kongresse als
Haupt des österreichischen Kreises ermöglichte. Unterdessen aber war
Graf Rechtern y der im Dey:mber lyio und im Januar lyii vergebens
auf den Abschluss der Verhandlungen gedrungen hatte, Ende Januar
ijii nach dem Haag ^urückberujen worden und trat erst im Juni
von neuem an den Mainzer Er^bischof mit der Bitte heran, den so
oft versprochenen Kongress nach Frankfurt ein:{uberufen. Die Ein-
ladung des Mai:^ers ergieng am 7. ////// Anfang August begannen die
Verhandlungen, Sie führten nach langen Beratungen ^wischen dem
Grafen Rechtern, als Vertreter der Seemächte, und den ß Reichskr eisen
j^ur Feststellung des im nachfolgenden abgedruckten Vertragstextes, Die
Giltigkeit des geplanten Bündnisses wurde von dem binnen 2 Monaten
^n erfolgenden Austausche der Ratifikationen abhängig gemacht. Die
früheren Vereinbarungen der Vertragschliessenden wurden erneuert, ^/z-
gleich aber beschlossen, dass diese Allia7iJ{ auch nach erfolgtem Frieden
und {ur Garantie desselben als Defensivbündnis fortbestehen solle. Die
Seemächte verpflichteten sich in Friedens^eit 50000 Mann, im Falle
eines Krieges aber noch mehr Truppen bereitiuhalten und den Kreisen,
falls sie wegen dieses Vertrages in einen Krieg verwickelt werden soll-
ten, 20000 Mann auf eigene Kosten ^u Hilfe ^u senden/ die ß Kreise
gelobten in Friedensj^eiten ungefähr 22000, im Notfalle die doppelte
Zahl auf dem Fusse {u haben und den Seemächten, falls diese ange-
griffen werden sollten, 8000 Mann ^u überlassen. Beiden Teilen sollte
die Musterung der {ur Hilfeleistung bestimmten Truppen vorbehalten
sein, diese aber innerhalb dreier Monate dem angegriffenen Bundes-
genosseti :^ur Verfügung gestellt werden.
Weitaus die grösste Bedeutung für die asso^^iirten Kreise und
das Reich überhaupt besass aber der dem Vertrage beigefügte Separat-
artikel,^) In demselben wurde der Meinung Ausdruck gegeben, dass
Deutschland eine Barriere gegen Frankreich besitzen müsse und dass
volle Sicherheit gegen räuberische Überfälle seitens dieser Macht nur
nach Wiedergewinn der dem deutschen Reiche entrissenen Gebiete ^u
erhoffen sei. Diese werden namentlich angeführt: das gan^e Elsass,
der Sund- und Breisgau, die Bistümer Met^, Toul, Verdun und Loth-
dem Kaiser gegenüber ein, hielt aber an dem durch den xiestphälischen Frieden
und die Wahlkapitulation festgestellten jus foederis et armorum der Reiclts-
fürsten fest. Vgl, ^, B. sein Schreiben an Kurmain\ d, d. Wien 11, Febr, ijii
St,'A, (Mainzer Akten,)
0 Vgl. den Abdruck p, 276,
270 17« f Aug.
ringen. Die Verbündeten verpflichteten sich während des Krieges und
hei den Friedensverhandlungen alles aiifyubieten, um diese Gebiete dem
Reiche wieder:^ugewinnen, und trafen Verfügungen, die des Her:{ogs
von Lothringen Beitragsleistungen ^ur Truppenstcllung in dem Falle
betrafen, dass er durch die Bemühungen der Alliierten eine billige und
entsprechende Satisfaktion erlangen sollte. Der Vertragsentwurf wurde
dem Grafen Rechtern am 2ß., dem Vertreter der Engländer, Davenant, am
26, August ijii übergeben; wenige Tage später — ßi. August —
schlössen die 5 Kreise untereinander einen Asso^iationsrej^ess, in dem
sie neuerdings das Inkrafttreten der Vertragsbestimmungen von dem
Austausche der Ratifikationen abhängig machten und der Verpflichtung
der Seemächte gedachten, von der Krone Frankreich beim Friedens-
Schlüsse alles ^urückiuf ordern, was diese seit dem Jahre 1648 den
asso^iirten Reichskr eisen weggenommen hatte S)
Allein die erhoffte Ratifikation der Seemächte erfolgte nicht ; sie
hätte auch der Haltung nicht entsprochen, die diese — insbesondere
England — seit längerer Zeit Frankreich gegenüber beobachteten. Schon
lange, ehe die entscheidenden Beratungen in Frankfurt stattfanden,
lange auch vor dem Tode Josef L, der dann den Vorwand für das
Aufgeben des bisherigen Progr anwies bildete , hatte das neue Tory-
ministerium die baldige Herbeiführung des Friedens beschlossen und
sich in Unterhandlungen mit der französischen Regierung eingelassen,
bei denen die Wünsche der Reichsfürsten nur geringe Berücksichtigung
fanden, während man offiziell noch von der Fortsetzung des Krieges
gegen Ludwig XIV, und von der Befriedigung aller Verbündeten sprach.
Und eben in den Tagen, da die ß Reichskreisc die Ratifikation des
Frankfurter Allianzvertrages erwarteten, einigten sich Frankreich und
England über einen Entwurf von Friedenspräliminarien, in dem die
erstere Macht inbetreff der Forderungen der Alliierten Englands nur
allgemein gehaltene Zusagen gab. Noch einmal versuchten die Kreise
auf dem Utrecht er Friedenskongresse ihre Sache z}i vertreten;^) doch
blieben ihre Bemühungen ebenso wirkungslos, als ihr Protestschreiben
an das englische Ministerium, in dem sie die Engländer des Treu-
bruches ziehen und in energischester Weise ^//r Erfüllung der feierlich
*) Der Asso\iationsrc\css vom ^i, August lyii ist u. a. abgedruckt bei
Kopp l, c, 12g ff,
*) Die asso\iirten Kreise übergaben am 5. Mär\ 1712 ihre Forderungen ;
sie verlangten auch ji't{t die Rückgabe aller seit 1648 von Frankreich weggenom-
menen deutschen Gebiete, Lothringen und Bar mit eingeschlossen. Für den Wort-
laut ihrer Forderung vgl, Kopp l, c, 188 Anm,
1711 Aug. 271
gegebenen Versprechen aufforderten.^) Die Antwort lautete ablehnend;
man warf ihnen vor, sich nicht j^u rechter Zeit an England ange-
schlossen -{K haben und behauptete^ in diesem Falle hätte man ihnen
Strassburg als deutsche Barriere gegen Frankreich verschafft; nun sei
es lu spät. Mit der letzteren Behauptung hatten die Engländer Recht ;
es war ^u spät und blieb f « spät. Weder der Utrecht^r Vertrag noch die
Friedensschlüsse von Rastatt und Baden brachten den vorderen Reichs-
kreisen eine Verbesserung ihrer Lage, Die Holländer gewannen ihre
yyBarriere^" , den Oberdeutschen wurde sie vorenthalten ; Strassburg und
das Elsas s blieben franiösisch und die vorderen Reichskreise dem An-
griffe vom Westen her ebenso ausgesetzt wie vorher.
Cum dubiis ac difficillimis nuper temporibus, quae bellum
quod etiamnum geritur proxime praecesserunt , principes et
Status inclytorum Franconiae et Sueviae circulorum rite per-
pendentes, quantum ex coniunctione animorum et virium ad
tuendam et conservandam communem libertatem et salutem
roboris et emolumenti accedat, communicatis inter se consiliis
pro sua incolumitate et commodis societatem inter se inierunt
in pacto sive conventione die 16. Mart. 1702 Nordlingae asso-
ciationis nomine conclusa comprehensam , cui statim sequenti
die circulus austriacus et post quatuor dies vicesimo scilicet
Martii eiusdem anni 1702 circuli Rhenani electoralis et supe-
rioris Rheni accesserunt, quod et aliquo post tempore fecit cir-
culus Rhenanus westphalicus inferior; cumque eodem fere tem-
pore principes et Status inclytorum circulorum Rhenani electo-
ralis, franconici, suevici et Rhenani superioris a serenissimo et
potentissimo^) Magnae-Britanniae rege Gulielmo III. et a celsis
et praepotentibus dominis ordinibus Uniti Belgii ad societatem
foederis inter sacram C«*»* M*«'", sacram regiam M*«'" Magnae-
Britanniae regem modo nominatum et dominos ordines generales
die 7™** Sept. anno 1701 Hagae Comitum conclusi literis invi-
tati huic foederi accesserint, stipulatis quibusdam conditionibus
die 22^** Martii anno 1702 in congressu Nordlingensi exhibitis,
quarum conditionum praestationem post mortem praefati regis
Gulielmi III. serenissima et potentissima Magnae-Britanniae re-
gina nunc feliciter regnans et domini ordines generales Uniti
*) D, d, ßo. De{, 1712; abgedruckt u, a. bei Lamberty l, c, VllL ^,
») Bei Märten s folgt hier nuper.
272 '7»' Aug.
Belgii certo modo spoponderunt et accessionem eorundem cir-
culorum ad praedictum foedus gratam et acceptam habuerunt,
unde postea durante hoc hello re ipsa compertum est, maximam
utilitatem tarn puhlicis quam mutuis commodis ex hoc socie-
tatis et foederis vinculo accessise; quapropter etiam optandum
est, ut non tantum quamdiu hoc bellum duraverit sed etiam
ut post reductam favore numinis pacem continuetur et pro pa-
ciscentium mutua defensione et incolumitate novo nexu ad-
stringatur, quemadmodum et articulus XII. foederis indigitati
post pacem conclusam inter partes contrahentes foedus defen-
sivum pro eiusdem pacis guarantia mansunim esse declarat.
His itaque rationibus adducti Ser°^* et Pot™* Magnae-Bri-
tanniae regina, celsi et praepotentes domini ordines generales
Uniti Belgii ex una et ex altera parte principes et Status incly-
torum circulorum, nempe circuli Rhenani electoralis, austriaci,
franconici, suevici et Rhenani superioris e re publica et sua
fore existimarunt inter se mature consilia conferre, ne praesen-
tis societatis et foederis nexus, quo nunc invicem inter se ad-
stringuntur, post pacem factam dissolvatur, sed ut pro mutua
securitate et uniuscuiusque contrahentium defensione magis etiam
contrahatur; quem in fmem partes contrahentes modo nomi-
natae in articulos sequentes consenserunt:
L
Ne per hunc tractatum quicquam pacto sive conventioni
Nordlingensi derogetur, verum et haec una cum conditionibus,
quas associati circuU accedentes ad foedus anni 1701 quod mag-
num vocatur stipulati sunt quasque regina Magnae-Britanniae
et domini ordines generales promiserunt, in omni suo vigore
maneant, quatenus cum ratione temporis post factam pacem
convenire queant, ut illarum in hoc tractatu nihil innovatum
vel mutatum fiierit. Sit praeterea inter partes contrahentes post
pacem conclusam foedus defensivum pro eiusdem pacis gua-
rantia sub auspiciis caesareis, si bellum in imperio contra cir-
culos ex causa huius foederis exoriatur, salvis imibus circulo-
rum et statuum; atque hoc posito fundamento sit et maneat
inter partes contrahentes vera, constans et perpetua amicitia
adeo, ut alter alterius commoda promovere, incommoda aver-
tere omni studio teneatur, quemadmodum et se invicem cer-
tiores reddere, si quid in imius vel alterius pemiciem vel dam-
171 1 Aug. 2-73
num a quoquam moliri contingerit idque ad cuiusquam notitiam
perv'enerit.
n.
Quo autem magis amicitiae et coniunctionis huius rationes
inter partes contrahentes constent et quaelibet illarum de mu-
tuis auxiliis certam spem concipere queat, promittunt et spon-
dent regia sua M*^ Magnae-Britanniae et domini ordines ge-
nerales Uniti Belgii sese tempore pacis ad 50.000 militum simul,
tempore autem belli necessitate exigente adhuc ultra habituros,
ultimo vero casu, nempe periculo belli aut ipso bello emer-
gente, numerum copiarum infra stipulatum et promissum in au-
xilium missuros parti aggressae.
m.
Spondent et promittunt vicissim electores, principes et
Status praedictorum inclytorum circulorum sese tempore pacis
numerum perpetui militis circiter ad 22000 habituros, atque se
hunc numerum iuxta proportionem statuum ab hoste favente
numine recuperandorum aucturos, periculo autem belli pro re
nata aut ipso bello existente se in illum armaturae statum con-
stituturos in quo praesenti tempore sunt, exceptis illis copiis
quae hactenus ultra debitum et extra obligationem respectu
imperii a quibusdam circulis gravibus^) expensis supeniumerarie
sive supererogatorie sustentatae sunt.
IV.
Liberum esse dominis confoederatis ingruente bello, ubi
alter alten suppetias tulerit, copias in auxilium missas itidem
lustrare et recensere cuilibet compaciscentium, quotiens e re
Visum fuerit
V.
Si terras aut ditiones cuiusquam compaciscentium vel illas,
quas loco obicis vulgo Barriere cum futura pace quisquam
eorum stipulabitur, hostiliter aggredi praeter spem contigerit,
vel aUo modo ex causa huius foederis cuiquam compaciscen-
tium bellum illatum fuerit vel belli periculum intendetur, is qui
vel armis impeditus fuerit vel cui tale periculum imminet ce-
teros compaciscentes de facta aggresione vel periculo certiores
') In der Abschrift gravis.
Österreichisch-englische SUatsverträge. Bd. I. lo
^T4 '7" Aug.
reddet, qui statim amicabilibus quibuscunque officiis operam
dabunt, ut periculum avertatur et damna parti laesae illata re-
parentur, nihilominus tarnen intra trium mensium spatium sup-
petias ferre parti laesae adstricti erunt a die requisitionis ad
hoc factae numerandorum.
VL
Casu existente ut circuli supra nominati auxilio indigeant,
regina Magnae-Britanniae et domini ordines generales Ulis ope-
ram ferent intra tempus in praecedenti articulo detemiinatum,
et in illorum auxilium nfiittent regina Magnae-Brittaniae loooo
et domini ordines generales loooo propriis sumptibus alenda
ita, ut militi auxiliari bene vestito et armato consueta stipendia
solvant, cetera necessaria, gramen scilicet et foenum pro equis,
intra spatium sex mensium a primo nempe Maii usque ad finem
mensis Octobris gratis praestentur ab iis qui eorum opera
utentur.
\1L
Quod si vel regina Magnae-Britanniae vel domini ordines
generales auxilio opus habuerint, principes et Status inclytorum
circulorum supra memoratorum iis in auxilium mittent octo
millia etiam probe vestita et armata,^) quae si ex illo numero mi-
litum venient, quem circuli secundum art. 3 perpetuum vel
tempore belli alere adstricti sunt, iis principes et Status circu-
lorum etiam consueta stipendia solvent, loco autem augmenti,
quod „Aggii"^) nomine venit, panem et pabulum suis sumptibus
dabunt, qui eorum opera utentur; si autem praeter has alias tur-
mas vel legiones circuli in auxilium mittant, illae in totum sti-
pendiis reginae vel ordinum merebuntur et eorum ducibus et
praefectis obedient ab eo tempore, quo terras illorum attigerint,
et illius vel illorum quibus merebuntur propriae esse cense-
buntur iuxta modum super quo eveniente casu convenietur,
qui et iis tanquam propriis utentur, quapropter et pretium
conscriptionis vulgo „Antrittsgelder** pro illis solvent
vm.
Auxilia eo quo dictum est modo mittenda pro rerum et
temporum constitutione si necesse fuerit augeantur, ita tamen
') Bei Martens vestitos et armalos,
•) Soviel wie Agio,
171 1 Aug. ^75
ut is qui suppetias feret non propterea in societatem belli venire
teneatur, nisi communicatis casu existente consiliis hoc e re com-
muni esse partes contrahentes cx)nsenserint; quod si pars con-
trahens a qua anxilia petuntur ipsa quoque aggressa aut bello
implicita sit, eo casu ad auxilia mittenda obligata non erit, et si
in societatem belli veniat, hoc casu inter se consilia conferent
compaciscentes, quibus modis commune bellum quam maxime
promoveri queat.
IX.
Quaelibet legio auxiliaris munita erit duobus tormentis bel-
licis vibrantibus singulis globum ponderis 6 vel 4 librarum, et
munitionibus belli secundum proportionem.
X.
Casu foederis existente si quisquam compaciscentium in
terris ac regionibus alterius militem conscribere cupiat, haec
militum conscriptio praevia requisitione non impedietur sed
adiuvabitur quantum locorum et temporum constitutiones^) hoc
sinent, nee per illam proprii militis conscriptio difficilior reddatur.
XL
Fas non sit sub uUo praetextu transitum negare suppetiis
aut aliis necessitatibus bellicis, quarum pars aggressa egere
potest
xn.
Bello semel suscepto neutri partium fas sit de pace trac-
tare nisi coniunctim et communibus consiliis secundum formu-
lam et tenorem magni foederis.
xm.
Quandoquidem scopus huius continuationis pacti sive con-
ventionis Nordlingensis solummodo tendit in publicum et com-
mune bonum omnium foederatorum in hoc praesenti bello com-
prehensorum et in mutuam defensionem, itaque secundum prae-
fatum tractatum Nordlingensem electores, principes et Status
sacri imperii Romani ut et caeteri foederati ad huius tractatus
accessionem invitabuntur.
') Bei Martens folgt et mtiones.
i8»
276 t7ii Aug.
XIV.
Tractatus hie confirmabitur et ratihabebitur et tabulae rati-
habitionis extradentiir et permutabuntur intra spatium duonim
mensium a die conclusi tractatus vel etiam citius si fieri poterit.
In quorum fidem etc.
Articulus separatus.
Quandoquidem potissimum associatorum circulorum belli
scopus fuerit, ut pro maiori securitate divino favente numine
vi armorum associatorum aui futura pace contra continuas co-
ronae gallicae pacis transgressiones meliorem obicem et repa-
gulum obtinerent, hucusque ab una quidem parte compertum
Sit, a serenissima et potentissima Magnae-Britanniae regina et
dominis Uniti Belgii ordinibus generalibus nihil neglectum fuisse,
quod ad ohtinendum finem tarn salutarem inservire potuerit,
ab altera tarnen parte videatur vix talem securitatem obtineri,
nisi recuperandi avulsa imperii (scilicet universae Alsatiae, Sunt-
goviae et Brisgoviae nee non trium episcopatuum Metensis,
Tulonensis et Verodunensis, ducatus quoque Lotharingiae) ratio
habeatur; spondent itaque domini foederati sese tarn vi armo-
rum quam futura pace pro virili omni cura et opera conaturos,
ut praedicti Status avulsi si possibile erit imperio reuniantur et
Serenissimus quoque Lotharingiae dux aequam et convenientem
satisfactionem obtineat. Erga quam satisfactionem^) altefatus dux
ratione ditionum, quae ipsi ope dominorum foederatorum in fu-
turis pacis tractationibus contingent, non modo congruam con-
tributionem in circulo, ad quem ditiones et terras eiusmodi per-
tinere dignoscetur, in se reeipere obstrietus erit, sed et si adhue
res eo communi consilio dirigi posset, ut idem Serenissimus
dux ratione earundem ut et pro ea provincia aut terris, quas
in vicem et compensationem ducatus Montisferatensis conse-
quetur, huie foederi (prout recessus de anno 1709 die 15 Maii
inter superiores imperii circulos eonfectus id ipsum innuit) cum
adaequato militum numero aliisque praestationibus iuxta pro-
portionem deinceps determinandis accedet. Habebitque arti-
culus hie separatus tantum vigorem ac si verbotenus traetatui
de .... Augusti anno 171 1 insertus fuisset
') Bei Martens folgt et restitutionem.
17*3 Marz 3./14. 277
14.
Zwei Konventionen ^wischen Österreich und England, betreffend
die Räumung Catalofiiens, die Neutralität Italiens und die da-
selbst ^u beobachtende Haltung der kaiserlichen Truppen; d. d.
Utrecht 17 iß Mär^ J.I14.
Bat. Annas d. d. St, James lyij 24. Mär;{ st v, ; Rat. Karls VI.
d. d. Wien i/iß Mär^ ji.
Die Originale der Konventionen und der Ratifikation Karls im R. O.,
das der englischen Ratifikation im St.-A. — Drucke bei Bitttier Nr. 686.
Die in diesem Zusammenhange abgedruckten 2 Verträge vom
J^ji4. Mä'rjl i/ij sind ihrem Inhalte nach unter englischer Vermute-
hing ^{wischen Karl VI. und Frankreich getroffene Vereinbarungen über
die Bedingungen, unter denen der Kaiser die Räumung Cataloniens
und der Inseln Majorka und Ivi^a {u vollziehen und eine ß'ir gan{
Italien und die benachbarten Inseln geltende Neutralität einzugehen sich
bereit erklärte. Wenn dieselben in dieser Sammlung der österreichisch-
englischen Staaisver träge ;(um Abdrucke gelangen, so liegt der Grund
dafür darin, dass England bei dieser Gelegenheit flicht nur als Ver-
tragsteilnehmer, sondern auch als Vertragsgegner sowohl Frankreichs
als auch Österreichs erscheint.^) Jede dieser beiden Mächte verpflichtete
sich England gegenüber die dem Gegner gegebenen Versprechen \u
haltfn, wogegen der englische König die Garantie dafür übernahm,
dass der andere Teil seinerseits die übernommenen Verpflichtungen er-
füllen werde. Der von den österreichischen und englischen Bevoll-
mächtigten unterzeichnete Vertrag, den wir abdrucken, enthält im
Iß. Artikel das Versprechen Karls VI, die den Franj^osen gemachten
V) In der im R. O. befindliclten Ratifikation dieser Konvention durch
Karl VI. heisst es ausdrücklich „Cum die XIV huius mensis inter nostros et
Ser*»<** ac Pot^^' Magnae-Brittaniae reginae tum eiusdein atque etiam Ser****
ac PoP*** regis Christ^* ex altera parte ad praesentes qui Ultrajecti instituti sunt
pacis tractatus plena potcstate instructos ministros super educendo ex Catälaunia
seu Yvica nostro confoederatorumque nostrorum mtlite uti et super Italiae neu-
tralitate observanJoque in ea annistitio duae conventioncs initae fuerint etc.** . .
/// der im S^-A, befindlichen Rat. Annas heisst es „Quandoquidem conventiones
duae, una de evacuando Catalauniae principatu insulisque Majorcae et Ivicae ui
et de armistitio per totam Italiam instituendo, altera de neutralitate et securitate
Italiae durantc armistitio praedicto per plenipotentiarios tum nostros, tum Cae-
sareos etc. . /*
278 i7»3 MÄrz 3./14.
Zugeständnisse {« halten, und die Erklärung der Königin Anna, dass
Frankreich seinerseits die gegebenen Versprechen erfüllen werde. Ein
entsprechendes Dokument wurde am selben Tage von den Vertretern
Englands und Frankreichs unter i{e lehnet ,^')
Eine eingehende Erörterung der Umstände, unter denen dieses
Abkommen getroffen wurde, muss dem Herausgeber der österreichisch-
französischen Staatsverträge vorbehalten werden, der im Zusammen-
hange der gesamten österreichisch-französischen Friedensverhandlungen
auch die Frage der Räumung Cataloniens und des Waffenstillstandes
für Italien -f// erörtern haben wird. Für unsere Zwecke wird es
wohl genügen, darauf aufmerksam ^// machen, dass Karl VI, erst in
dem Augenblicke, da er jede Hoffnung aufgeben musste, auf anderem
Wege seine in Catalonien weilende Gattin und die dort für seine
Sache kämpfenden Truppen -f« retten,^) sich bereit erklärte, die vom
Gegner geforderte Neutralität für gan^ Italien {u Gunsten des nun-
mehr offen bundbrüchigen Herzogs von Savoyen^) z'^^uge stehen, nicht
ohne volle Afunestiefür die ihm treugebliebenen Catalonier au sj(ff bedingen.*)
Sein Wunsch den Privilegirten dieses Landes, die seine Sache vertreten
hatten, die Bestätigung ihrer Vorrechte -f« erwirken, woj^u beizutragen
sich die Engländer wiederholt verpflichtet hatten, blieb dagegen unerjüllt.
*) Dieses englisch-frjn\ösiche Dokument ist u, a, abgedruckt bei Dumont
l c. Vlllfi 327,
•) Die Engländer hatten im Laufe des Jahres 1712 versprochen, die Ge-
mahlin Karls VI. nach Italien ^m überführen, knüpften aber im Herbst 1712 die
Erfüllung dieses Versprechens an die Neutralitätserklärung Italiens, die \U\U'
gestehen dem Kaiser sehr schwer fiel. Vgl, Weber, Der Friede von Utrecht ß^p,
*) Vgl. für die Verhandlungen über diese Frage die Berichte Sin\endorfs
vom Jan, und Febr, 171^, St-A, und Weber l. c, ^67. Die österreichiscJie Re-
gierung wollte ursprünglich nur einen Waffenstillstand und keine Neutralität
{ugestehen, und entschloss sich erst alhnälig \ur Neutralität sowie :^ir Ausdeh^
nung derselben auf Commachio und Mantua und ^ur Reduktion des Armerstandes
in gan\ Italien auf 20000 Mann,
*) Die entsclieidende Weisung Karls VI, an seinen Residenten in England,
Hofmann, ist datiert 35. De\, 1712, St,-A, Der Kaiser betont in derselben aus-
drücklich, dass die Unmöglichkeit bei England seine Wünsche durch\uset\en,
ihn :{u dem Schritte bewege, seine Gemahlin und seine Truppen aus Spanien
ahiuberufen und betont \u gleicher Zeit^ dass vorher allen treugebliebenen Spa-
niern und Catalancn „durch eine Genrralamnestie für ihre Güter, Freifieiten^
Uhren, Ämter, auch jenen, die mit herüber gehen wollen, genugsam vorgesehen
werde,** Auch forderte er, dass die Überfahrt aus Spanien nach Italien auf
englischen Schiffen und auf englische Kosten geschehen solle. Vgl, auch Weber
l. c. s6y
171 3 Mttrz 3./14. 279
da die in England herrschende Partei, von dem Bestreben beseelt den
ihren Interessen günstigen Frieden mit Frankreich ^um Abschlüsse ^u
bringen, vor dem heßigen Widerstände der Franzosen :{tirückwich und
nicht eher ruhte, bis Karl VI. seine Einwilligung da^u gab, dass die
Ordnung dieser und einiger anderer Angelegenheiten dem Friedens-
kongresse ^^ugewiesen wurdeS) Die Engländer gaben ^war das Ver-
sprechen, die Interessen des Kaisers in dieser Frage daselbst ^« ver-
treten, hielten es aber nicht, Karl VI aber wurde nicht müde, auch
nach erfolgtem Friedensschlüsse mit Frankreich für die ihm Treuge-
bliebenen einzutreten und die Wiedereinsetzung derselben in ihre frü-
heren Privilegien j[u fordern.
Quo citius bella et quae exinde oboriri solent mala finian-
tur, Visum et ad pacis negotium maturandum utile iudicatum
fuit super evacuando Interim Catalauniae principatu insulisque
Majorca et Yvica nee non armistitio per totam Italiam insulas-
que adiacentes ac in mari mediterraneo sitas ut et suae regiae
celsitutinis ducis Sabaudiae ditiones ineundo convenire, id quod
etiam post varia colloquia inter sacrae C®*« et catholicae regiae
M^* et Ser"' regis christianissimi eiusque foederatorum mini-
stros plenipotentiarios habita per indefessam praeprimis operam
ministrorum plenipotentiariorum sacrae regiae M*^^ Magnae-Brit-
tanniae hinc inde collatam sequentem in modum effectum est
I.
Abducentur ex principatu Catalauniae ut et insulis Majorca
et Yvica copiae omnes caesareae et foederatorum; quo vero
id eo promptius et cum omni securitate fieri possit, erit in locis
*) Vgl, die Weisungen Karls VI. an Hof mann, wie an die kaiserlichen
Gesandten in Utrecht d, d, 25. Febr, 171^ St-A. und Weber L c. sS} f., insb,
die Anm, p. ^84 und Klopp l. c. XIV 444 f Wenn Weber 1, c. ^8^ meint, es
sei Karl VI, nicht möglich gewesen „Vorsorge :^ treffen für die Amnestie und
Privilegien der treuen Catalonier^' , so ist dies bezüglich der Amnestie nicht richtig,
da § 8 des im nachfolgenden abgedruckten Vertrages eine volle Amnestie für
dieselben entliält. Nur die Privilegienfrage der Catalonier und die Amnestie aller
anderen spanischen Untertanen wurde der späteren Entscheidung anheimgestellt.
Aus den Berichten Hofmanns vom ij; 20,, 27. Jan. und ij, Febr, 171^ St-A»
geht heroor, dass nebst der Frage der Privilegien für die Spanier, die der Trans-
portkosten beim Abzüge der kaiserliehen Truppen aus Spanien Anlass ^u lebhaften
Verhandlungen :^'ischen dem englischen und kaiserlichen Gesandten im Haag,
wie \wisclien Hofmann und den englischen Ministern gegeben hat.
28o »7 «3 März 3./14.
Omnibus supra memoratis inter partes belligerantes earumque
exercitus, milites et subditos terra marique plena et integra ar-
morum et omnis hostilitatis suspensio a die decimo quinto, ex
quo haec conventio in Catalauniae principatu innotescet, in-
choanda. Quo ipso etiam armistitii inchoandi die potentia Ca-
talauniam evacuatura tradet alteri potentiae belligeranti sive
Barcinonam sive Tarragonam, electione penes cedentem rema-
nente, quam ex nominatis urbibus usque ad peractam evacua-
tionem retinere velit. Durabit vero dicta armorum suspensio
usque dum aula O*, eins comitatus et quidquid adhuc perso-
narum, rerum bonorumve cuiusvis generis ad illam spectat una
cum Omnibus O»^ et foederatorum copiis personisque etiam non
militaribus sive Hispanis sive aliis aulam sequi volentibus exi-
verint et in Italiam pervenerint. Cum autem haec abductio non
aliter ac per mare fieri queat, hinc ulterius conventum est, quod
in casu eiusdem per partes faciendae primis evectis, qui post
hos usque dum sufficiens navium numerus in promptu sit re-
manebunt, in locis commodis tutisque coUocari debeant, in con-
formitate eorum quae articulo septimo continentur, ita tamen
ut loca interim occupata ab exeuntibus alteri parti in eodem
statu protinus extradantur.
IL
Praedictae aulae copiarumque transfretatio absque omni
mora inchoabitur et finietur, quae vero ad illam accelerandam
et perficiendam spectant classis britannicae in istis maribus
praefectus praevia cum utriusque partis belligerantis supfemis
militiae ductoribus sive commissariis ex utraque parte desuper
nominandis communicatione determinabit.
IIL
Saepe memoratae aulae O*« omnique eins comitatui ac
aliis sequi cupientibus inprimis copiis universis pateat plenaria
cum securitate ac sine uUo Galliae eiusque foederatorum earumve
classium exercituumque aut subditorum impedimento et periculo
transitus ex Catalaunia insulisque supradictis in Italiam sub
praesidio classis sacraeregiae M*'^ Magnae-Brittanniae, respective
cum sarcinis, armis rebusque omnibus suis, tormentis insuper
bellicis et reliquis instrumentis militaribus caeterisque eo spec-
tantibus, ita tamen, ut tormenta et instrumenta bellica, quae
tempore occupationis in locis evacuandis fuerunt ut et quae
1713 März 3./14. 281
gallicis scutis impressa inibi reperiuntur, parti alteri relinquan-
tur; quod si ex navibus transvectioni inservientibus aliquae ad
littora vel portus Galliae aut foederatorum tempestate vel alio
casu appulsae fuerint, non erit licitum illas vel personas aut
res transvehendas retinere, sed omni potius modo adiuvabuntur.
IV.
Debiti causa abituros retinere fas non esto; quo autem
creditorum nominibus cautum sit, placuit utrinque commissarios
constituendos esse, qui tam de debitis quam de obsidibus dan-
dis statuant.
V.
Aegrotis vulneratisque tam militaribus quam civilibus in-
terque hos etiam ecclesiasticis liceat cum omnimoda securitate
usque ad valetudinem recuperatam propriis tarnen illorum sump-
tibus in Catalaunia et dictis insulis permanere, postmodum
vero exinde, sive id mari per Italiam sive terra per Galliam
fiat, ad suos se recipere, ad quem fmem illis petentibus literae
securi transitus ab altera belligerantium parte concedendae erunt
VI.
Captivi omnes in bello hoc hispanico facti relaxabuntur
utrinque.
vn.
Quae vero ulterius ad accelerandum et cum omnimoda
securitate perficiendum hoc negotium pertinere videbuntur, in-
primis vero de locis per copias utriusque partis interea et usque
ad plenariam Catalauniae insularumque evacuationem occupan-
dis, ut et de aulae eiusque comitatus perinde ac copiarum com-
moda et quieta permansione et contra quoscunque insultus se-
curitate, super his convenient copiarum utrinque supremi duc-
tores, et quae inter eos conventa sunt pari cum caeteris huius
conventionis contentis firmitate gaudebunt.
vm.
Concedatur praeterea et statim a tempore inchoandae eva-
cuationis in nmplissima forma publicetur pro Omnibus Cata-
launiae dictarumque insularum subditis ac incolis cuiuscunque
conditionis, saecularibus et ecclesiasticis, amnestia generalis et
perpetua oblivio omnium eorum, quae ab illis in hoc bello vel
occasione eiusdem contra partes ex adverso belligerantes quo-
282 '7>3 Mätz 3./14.
cunque demum loco modove facta sunt, ita ut nee eorum nee
uUius similis rei causa vel praetextu illis omnibus aut singulis
posthac quidquam hostilitatis aut inimicitiae, molestiae ac im-
pedimenti quoad personas, exstimationem, bona et securitatem,
clam aut palam, directo aut indirecto, sub specie iuris aut via
facti, inferri nequaquam fas sit, sed omnes ac singulae tarn occa-
sione huius belli quam eo durante verbis, scriptis aut factis illa-
tae iniuriae, violentiae, hostilitates, damna etc. absque omni per-
sonarum rerumve respectu ita penitus aboleantur, ut quidquid
eo nomine contra illos forsitan praetendi potuisset aeterna ob-
livione sepultum maneat.
IX.
Cum vero ministri plenipotentiarii sacrae O"® M*^* pro fruitione
privilegiorum Catalauniensium ut et Majorcae et Yvicae sub-
ditorum et incolarum adhuc ante evacuationem institerint, ex
parte vero Galliae et foederatorum eins hoc quidquid est ne-
gotii ad pacis futurae conclusionem remissum sit, sacra regia
^tas Magnae-Brittanniae iterato declaravit, se officia sua quam
efficacissima ubicunque opus fuerit interposituram esse, ut et
in posterum Catalauniae et Majorcae Yvicaeque incolae suis
privilegiis gaudere possint; in quo praedicti ministri plenipo-
tentiarii caesarei tandem acquievere, cum ipsemet etiam rex
christianissimus se ad eundem finem allaboraturum fore per
ministros suos plenipotentiarios declarari fecerit
X.
Cum vero in conventionis huius serie de quibusdam aliis
negotiis tractatum sit, scilicet de amnestia universali ut et de
conservatione bonorum, beneficiorum , officiorum, pensionum
aliorumque huius generis commodorum tam pro subditis Hispa-
nis quam Italis Belgisque alterutras partes secutis aut sequi vo-
lentibus, neque e re iudicatum fuerit de iis quidquam statuendi
hac in conventione de evacuanda Catalaunia principaliter in-
stituta, ad futuros pacis tractatus eadem quoque remittere pla-
cuit, sua regia M.^ Magnae-Brittanniae declarante se officia sua
efficacissima adhibituram, ut et de iis omnibus reciproce circa
dictae pacis conclusionem statuatur.
XL
Conventum praeterea et concordatum est inter suam C®*"»
jvitem et suam M^"» regem christianissimum accedente insuper
171 3 MUrz 3./I4- 283
sua regia celsitudine duce Sabaudiae, quod usque ad futuram
pacem cum Gallia pangendam in universa Italia et insulis in
man mediterraneo sitis ac respective per partes belligerantes
possessis, ut et in omnibus terris, provinciis ac statibus suae re-
giae celsitudinis ducis Sabaudiae tarn citra quam ultra Alpes
intra quatuor hebdomadas a subscriptione praesentis conven-
tionis numerandas plena ac integra esse debeat cessatio omnium
cuiuscunque generis hostilitatum , quocunque nomine veniant
aut quacunque occasione aut praetextu terra marive exerceri
possint, absque ulla reservatione aut exceptione locorum quorum-
cunque, qui Itaüae insulisque supradictis et duci Sabaudiae sub-
iacent, inter exercitus, milites et subditos altememoratorum con-
trahentium, qui sine dilatione mandata necessaria mittent su-
premis illorum militiae praefectis aliisque, quo haec conventio
promptius executioni detur, adeo ut quidquid quocunque de-
mum modo aut loco contra fiat aut ab inito armistitio eoque
durante factum sit, tam ex una quam altera parte incontinenter
restituatur, annulletur et optima fide reparetur. Expresse prae-
terea cautum et declaratum est, quod durante armistitio in re-
giae suae celsitudinis ducis Sabaudiae a Gallia nunc possessis
ditionibus cessabunt omnes contributiones militares ita, ut nihil
omnino ultra reditus ordinarios et consuetos ibidem exigetur.
Quae dicti armistitii conditiones observabuntur etiam respectu
provinciarum gallicarum ditionibus ducis Sabaudiae circum vici-
narum, et subditis interea licebit invicem commerciari.
xn.
Res in Italia durante hoc armistitio in statu quo nunc
sunt permanebunt, earum compositio ad pacis negotium remit-
tatur.
xm.
Cum igitur ad hanc conventionem ineundam contulere
plurimum amicissimae suae regiae M**^ Magnae-Brittanniae hor-
tationes, atque ad eandem porro debitae executioni mandandam
opus omnino esse visum sit, ut et ipsa in partes huius pactionis
veniat, proinde spondente ex parte sua et foederatorum suorum
sua O* M^ et suae regiae M*^ Magnae-Brittanniae fide data per
praesens instrumentum vim pacti inter suas maiestates solem-
niter initi habiturum, C«*™ suam M*«"» foederatosque suos omnes
et singulos huius conventionis articulos bona fide observaturos
2S4 '7«3 MUrz 3./14.
et integerrime adimpleturos esse, ipsa quoque sacra regia M***
Magnae-Brittanniae praesenti Convention! sponsorio nomine ac-
cedere voluit, in se recipiendo et promittendo, quod ab altera
supra memoratonim contrahentium parte omnes et singuli huius
conventionis articuli bona fide observabuntur et integerrime
adimpleti erunt.
Ratihabebitur praesens conventio a sacra C®* et regia M*«
eiüsdemque ratihabitionis tabulae intra quatuor septimanas aut
si citius fieri potest Ultrajecti invicem commutabuntur.
In quoram fidem nos sacrae C®*® et catholicae M*^*' et sa-
crae regiae M*^« Magnae-Brittanniae ministri plenipotentiarii prae-
sentes tabulas manibus nostris subscriptas sigillis nostris muni-
vimus. Trajecti ad Rhenum die decimo quarto/tertio Martii,
anno millesimo septingentesimo decimo tertio/duodecimo.
L. S. Philippus Lud. C a. Sinzendorff. L. S. Job. Bristol.
L S. Michael Achatz L. B. de Kirchner. L. S. Strafford.
Ex occasione conventionis super evacuanda Catalaunia ut
et insulis Majoricae et Yvicae et armistitio in Italia hodie initae
plurimum idque gravissimis rationum momentis sua regia M***
Magnae-Brittanniae institit, ut omni suspicionis materiae ex in-
troducendis in praedictam Italiam copiis adeo numerosis ori-
turae forsitan uti solet obviam eatur; ideo infrascripti alteme-
moratae suae C^® et catholicae regiae M*^» ministri plenipoten-
tiarii de studio domini sui clementissimi ad opus tam salutare
prono certiores spondent solenniter et promittunt, sacram O*'"
M*®'" curaturam eumque in flnem talia supremis suae militiae
praefectis, generalibus, officialibus, locumtenentibusaliisque man-
data daturam, ut copiae omnes ex Catalaunia et insuHs prae-
dictis transvehendae aliaeque tam caesareae quam foederatae sine
omni mora brevissimaque ac commodiore qua fieri potest via
transitu innoxio ubique observato ex Itaha in Germaniam ab-
ducantur, ita ut in Italia praedicta durante armistitio hodie inito
tantum solummodo caesareanorum et foederatorum militum re-
linquatur, quantum ad praesidia munimentorum tutamenque pro-
vinciarum ibi locorum requiritur, idque ita ut eorum numerus
in universa Itaha viginti miUia militum non excedat. Cumque
exinde ratio hyberna et contributiones in reliqua Italia exigendi
sua sponte cesset, et ipsimet C®*® M*^ grave videretur Itahae
171 3 März 3./I4- 285
tranquillitati eo potissimum tempore deesse, quo se nihil magis
quam universi christiani orbis pacem et quietem cordi habere
undequaque non exiguis documentis testatum facit; promittit
idcirco sua O* M*^« nuUa quocunque titulo vel hyberna coUo-
canda vel contributiones quascunque exigendas esse durante
praedicto armistitio in Italia uUis in locis principum aliorumve,
ubi eiusmodi hyberna coUocata et contributiones durante hoc
hello collectae sunt.
Cum igitur ad conventionem supradictam ineundam omni-
busque in contrarium euntibus moHminibus obviandis plurimum
amicissimae suae regiae M*»^ Magnae-Brittanniae hortationes con-
tulerint atque ad eandem porro debitae executioni mandandam
opus omnino esse visum sit, ut et ipsa in partes huius pactionis
veniat, proinde spondente ex parte sua sacra O* M*« et sacrae
regiae M*» Magnae-Brittanniae fide data per praesens instrumen-
tum vim pacti solenniter cum sua regia M*« Magnae-Brittanniae
initi habiturum, O^™ suam M*®™ omnia et singula superius pro-
missa bona fide observaturam et adimpleturam, quinetiam man-
data ministris suis tam civilibus quam militaribus, quorum opera
hac in parte usura sit, quam expressissima daturam, ne quid ipsi
aut eorum aliquis facere aut attentare praesumant, quominus
eadem omnia debitum plenarie sortiantur effectum, ipsa quoque
sua regia M**« Magnae-Brittanniae in se recipit et promittit, quod
ab altera supramemoratorum contrahentium parte omnes et
singuli huius conventionis articuli bona fide observabuntur et
integerrime adimpleti erunt.
Ratihabebitur praesens conventio a sua O» et regia M*«
eiusdemque ratihabitionis tabulae intra quatuor septimanas aut
citius si fieri potest Traiecti invicem commutabuntur.
In quorum fidem nos sacrae O*® et catholicae M*^^ et sa-
crae regiae M*'» Magnae-Brittanniae ministri plenipotentiarii prae-
sentes tabulas manibus nostris subscriptas sigillis nostris muni-
vimus. Traiecti ad Rhenum die decimoquarto/tertio mensis Martii
anno millesimo septingentesimo decimotertio/duodecimo.
L. S. Philippus Lud. C. a. Sinzendorff. L. S. Joh. Bristol.
L. S. Michael Achatz L. B. de Kirchner. L. S. Strafford.
286 »715 Nov. 15.
15.
Barrieretractat fischen Karl VI,, Georg I. und den General-
Staaten samt einem Separatartikel und 2 Declarationen ; d, d,
Antwerpen 171$ Nov. 1$ n. st,
Rat. des Vertrages und des Separatartikels seitens Georgs L St. James
171$ Nov. jolDej(. 11/ seitens Karls VI. Wien lyi^ De^. 21;^) sei-
tens der Generalstaaten d. d Haag 1716 Jan. 14.
Die Originale des Traktates und Separatartikels im St-A., R. O. undR, A. ;
die Originale ihrer Ratifikationen durch Georg im St.-A,, durJi Karl im R. O.,
seitens der Generalstaaten im St-A. — Drucke bei Bittner Nr, 6py,
Da der Barrierevertrag vom ly Nov, 171$ eine Frage ^u lösen
hatte, die in erster Linie die Vereinigten Niederlande und Österreich
berührte, während England mehr die Rolle des Vermittlers fischen
den beiden hauptsächlich beteiligten Mächten spielte, muss eine ein-
gehefidere Erörterung der Umstände^ unter denen diese für die Ge-
schichte des 18. Jahrh. so bedeutungsvolle Abmachung zustande ge-
kommen ist, dem Herausgeber der österreichisch-niederländischen Staats-
verträge vorbehalten bleiben. Für unsere Zwecke genügt es wohl, in
Kür:{e die Stellung ^// charakterisieren, die England und Österreich
im Laufe der bis ^um Abschlüsse dieses Vertrages geführten langwieri-
gen Verhandlungen eingenommen haben, und nur jene Angelegenheiten
etwas eingehender ^u erörtern, durch welche die Interessen beider
Staaten direkt berührt wurden. Schon ^ur Zeit, da die Spanier in den
katholischen Niederlanden herrschten, hatten die Vereinigten Niederlande
das Recht erworben, eine Reihe von belgischen Festungen an der fran-
:(ösischen Grenze mit ihren Truppen {u besetzen, um durch diese Fe-
stungen „wie durch einen Damm oder eine Barriere'^ die Franzosen in
Schranken j^u halten. Wie wenig das aber gelang, geigte sich, als im
Februar ijoi eine fran:^ösische Armee unvermutet im Lande erschien.
Die holländischen Garnisonen wurden überrumpelt, gefangen genommen
und erst nach Anerkennung der bourbonischeu Erbfolge in Spanien
freigegeben.
Allein noch im selben Jahre kam es ^um Abschlüsse der Haager
Allianz vom 7. Sept, 1701^ und in dem ß. Artikel derselben verpflich-
teten sich die Verbündeten^ mit aller Kraft die Eroberung der spani-
schen Niederlande anzustreben, „damit dieselben als ein Damm und
ein Siegel oder als Barriere dienen möchten, durch die Frankreich
^) Be{üglich dieser Rat, vgl, die Anm. \um Artikel 27 dieses Vertrages,
I7I5 Nov. 15. 287
von den Vereinigten Niederlanden entfernt und getrennt gehalten
werdet Es wurde bereits in anderem Zusammenhange erwähnt y^)
welche Schwierigkeiten sich bei der Formulierung dieses Artikels er-
gaben, und wie wenig der Kaiser mit der Ausdrucksweise einverstanden
war, die schliesslich gewählt wurde. Im Jahre I/06 fiel der gros sie
Teil der katholischen Niederlande in die Hände der Verbündeten,
Karl IIL wurde als Herrscher derselbeji ausgerufen ; doch traten die
Seemächte, allen Protesten Österreichs ^um Trotte, als Pfandinhaber
des später an die deutschen Habsburger abzutretenden Gebietes auf Aber
auch ^wischen ihnen kam es ^m Konflikten, Die Holländer rissen die
gesamte Verwaltung an sich und verlangten von England die Garantie
ihrer Barriererechte, Eine Einigung wurde damals nicht erhielt; erst
im Jahre Jjop kam es — veranlasst durch die vorteilhaften Aner-
bietungeti, die Ludwig XIV, den Generalstaaten machte — :{um Ab-
schlüsse eines für die Vereinigten Niederlande ungemein günstigen
Vertrages,^) Für die Garantie der protestantischen Tlironfolge in Eng-
land wurden ihnen nicht nur die Barrierefestungen und alle künftig
den Franzosen abzunehmenden Plätze, sowie das Oberquartier von Gel-
dern zugewiesen, sondern auch das Recht erteilt, in Lüttich wie in
Huy und Bonn holländische Besatzungen ^// legen und eine beträcht-
liche Summe aus den Einkünften des Landes ^«r Erhaltung der Gar-
nisonen z^ fordern. Ferner wurde ihnen die Fortdauer das Verschlusses
der Scheide und der anderen Wasser Strassen in der im Friedensschlüsse
von 1648 festgesetzten Form und die Unterwerfung aller Waren, die
flandrische Häfeyi passieren wollten, unter die holländischen Tarife z^i-
gesagt. Auf das lebhafteste haben die Vertreter der kaiserlichen Po-
litik vor und nach dem Abschlüsse dieses Vertrages gegen eine der-
artige Missachtung der österreichischen Rechte protestiert. A)ifangs
vergebetis; erst der Wechsel im englischen Ministerium bewirkte eine
Änderung in der Haltung Englands, die in dem z'^^H^^ Barrierever-
trage vom ip. Jan, ijiß z^on Ausdruck kam.^) Die Niederländer
mussten ihre Ansprüche wesentlich herabsetzen und auf manche For-
derung Verzicht leisten^ die ihnen im Jahre lyop bewilligt worden
war. Immerhin wurde ihnen flicht nur der Besit{ von Fürnes, Ypres,
0 Vgl. p. 219 f
') Gedruckt u. a, bei Dumont Corps diph VIII/i 24^ff,; Jenkinson L c,
l' 3^4 ff' ^g^' Noordtm l, c, IIL 59^ ff- ; Gacharä Histoirc de la Belgique au
commencement du XVIII^ siede II, 310 ff,
8) Abgedruckt u. a, Dumont L c. Villi ^. 322 ff.
288 17« 5 Nov. 15.
Menin , Mons , Cluirleroi , Natmir ^ der CitadcUe von Namtir snwie
Tournays zugesichert^ sondern auch ihre handelspolitische Stellung durch
die Abtretung einiger wichtiger Forts und Schlösser — der Scheide-
verschluss wurde freilich nicht im Vertrage genannt — befestigt. Da-
für bedang sich die Königin von England nicht nur die Garantie der
hannover sehen Succession, sondern auch für ihre Untertanen die Fort-
dauer aller Rechte und Begünstigungen aus, die sie beim Handel mit
den spanischen Niederlanden bisher besessen hatten. Durch einen be-
sonderen Artikel verpflichtete sie sich die Zustimmung des Kaisers —
als des künftigen Besitzers der katholischen Niederlande — {u diesem
Vertrage :(u erwirken.
Allein es dauerte lange, ehe England daran dachte, das gegebene
Versprechen {u erfüllen, ^umal die Beziehungen des Inselvolkes ^u den
Generalstaaten sich in den letzten Tagen der Königin Anna immer un-
freundlicher gestalteten. Erst die Thronbesteigung Georgs I. uyid der Stur^
des Tor y minister iums führten die Annäherung der beiden Seemächte her-
be i!^^ Georg I. nahm die von Wilhelm III. vertretene Politik wieder auf;
er wünschte die Erneuerung des Bündnisses vom Jahre ijoi und den Zu-
sammenschluss der Feinde Frankreichs. Einer solchen Einigung stand vor^
erst die noch ungelöste Barriere frage entgegen. Sie mussie geordnet sein,
wenn an ein gemeinschaftliches Bündnis der Niederländer und des Kai-
sers mit England gedacht werden sollte. Schon auf seiner Reise nach
England hatte Georg I. — Sept. 17 14 — im Haag den holländischen wie
den kaiserlichen Diplom atm von der Notwendigkeit eines Ausgleiches
gesprochen und seine Bereitwilligkeit kundgetan, denselben ^// vermit-
teln. Sein Anerbieten wurde von beiden Seiten angenommen. Im Ok-
tober 1714 erschien William Cadogan im Hciag, im November des-
selben Jahres General Stanhope in Wien^). Beide hatten den Auftrag,
die Barriereangelegenheit möglichst rasch ^u ordnen. Allein die Ver-
handlungen geigten, wie weit man noch von einer Einigung entfernt war.
Die Forderungen der Generalstaaten erschienen dem Kaiser unerfüllbar.
Es gab eine Partei an seinem Hofe, die für den sofortigen Einmarsch
der kaiserlichen Truppen in Belgien war; eine andere — an ihrer
Spitze Prin^ Eugen — erklärte den Besitz Belgiens im Hinblicke auf
die Fordertingen der Generalstaaten als unvorteilhaft für Osterreich
*) liir die Haltung Georgs I. in dieser Zeit, Michael, Gesch. Eiigh im
18. Jahrh. I. 40^ ff.
*) Ausführlich handelt darüber Michael l. c. 6^4 ff.
171 5 Nov. 15. 289
und sprach dem Austausche Belgiens gegen Bayern das Wort.^) Stan-
hope taty was er konnte, um die Durchßihrung beider Pläne j(u ver-
hindern und bemühte sich ^u gleicher Zeit die Verhandlungen über den
Barrierevertrag -f m Ende j(u führen. Allein alles was er in diesem
Punkte erreichte, war die Ausfertigung eines österreichischen Projektes
des Barrierevertrages, das von den kaiserlichen Ministern als Ulti-
matum bei^eichnet, von den Generalstaaten aber sofort als unannehmbar
erklärt wurde.^) Die im Haag gefiihrten Verhandlungen waren durch
diese Reise Stanhopes nach Wien eher gehemmt als gefördert worden.
Die Österreicher set:{ten, aufmerksam gemacht auf die Bedeutung, die
Georg L ihrem Anschlüsse an die Seemächte beimass, den ungebühr-
lichen Forderungen der Generalstaatefi, auf denen diese nach wie vor
bestanden, energischeren Widerstand entgegen. Die Bemühungen der
vermittelnden Engländer blieben erfolglos. Da entschloss sich Georg /.,
Cadogan nach Wien ^u senden, um beim Kaiser weitere Zugeständnisse
durch:{uset^en. In der Tat gelang es dem englischen Minister den
Wiener Hof in einigen wichtigen Fragen — Gren^^er Schiebung in
Flandern, Be:{ahlung der holländischen Garnisonen und Besit^ der
Gebiete um Venlo und Stevensweert — ^ur Nachgiebigkeit ^u bewegen,^)
Der Wttnsch, den Verdacht eines geheimen Einverständnisses mit
Frankreich von sich ab^uwäl^en und die Versicherung Cadogans,
Georg I, werde die Holländer {ur Annahme des auf diese Weise
verbesserten österreichischen Vertragsentwurfes {u bewegen wissen,
haben Karl VI, -{// diesen weitgehenden Kon^essioften bestimmt. Der
erwartete Erfolg aber blieb aus. Wohl bemühten sich die Engländer auf
Grund der neuen kaiserlichen Zugeständnisse die Zustimmung der
Generalstaaten ^um Abschlüsse des Barrierevertrages ^u gewinnen und
geigten sich Anfangs auch entschlossen, neue Ansprüche der Holländer
zurückzuweisen/ allein allmälig gelang es den staatischen Diplomaten
*) In England erregte die Nachricht von diesem Plane des Kaisers grosse
Bestür:{ung. In der Instruktion, die Lord Richard Cobham, der als ausseror-
dentlicher Gesandter Englands nach Wien gieng^ mitgegeben wurde, (18. Ok-
tober 17 14 R' O.) heisst es, Cobham möge im Namen Englands entschieden
gegen dieses Projekt protestiren, das grosses Unglück herbeiführen würde, „that
we look upon tßie spanish low countrys to be by thcir Situation the iruest and
surest pledge of a firm and per^etual friendship between us, the emperor and
the States generali.
') Stanhope erhielt dieses Projekt um Weihnachten 1714. Vgl. Michael
l. c. 640.
») Für Cadogans Sendung, Michael l. c. 64^ f.
Osten eichiAch-engliAclio StaatsvertiÜge. Hd. I. '9
dQO
1715 Nov. IS.
König Georg L und Cadogan um {rt stimmen und {ur Gutheissung eines
Teiles ihrer tieuen Fordertmgen fii hewegen. Dass Karl VL dügegeft
energisch protestierte, half wenig. Graf Königseggj der in besonderer
Mission nach London geschickt wurde ^ bekam freundliche aber aus-
weichende Worte ^u hören^ Und ebenso geringen Eindruck machte
ein neues Ultimatum des Wiener Hqfes^ das dieser Mitte August nach
dem Haag mit dem Betnerken sandte^ dasselbe müsse innerhalb 6 Wo^
chen angenommen werden. Auch in diesem Falte stellte sich die eng-
lische Regierung &uf die Seite der Generalstaaten und nötigte den
Kaiser nach langen erregten Verhandlungen ^n weiteren Konzessionen^
Es kann kein Zweifel darüber bestehen ^ dass in erster Linie Rück^
sieht auf den gefährlichen Aufstand in Schottland^ der ^u Gunsten
des stuartischen Prätendenten erfolgte^ und der Wunsch, sich für diesen
Kampf die von den General Staaten zugesagte Hilfe ^u sichern j Georg L
^u dieser mit den in Wien gegebenen Versprechen nicht in Einklang
^w bringenden Haltung veranlasst hat. Er hat es selbst dem kaiser-
lichen Residenten in London gesagt^ dass ^r die militärische Unter-
Stützung der Niederländer nicht entbehren könne und deshalb den Kaiser
bitten müsse, nachzugeben^ um den Abschluss des Vertrages j^n ermög"
liehen. Derselbe wurde in der Tat am iß. Nov, IJ13 {u Antwerpen
von den Bevollmächtigten der j Mächte unterzeichnet. Der englisch-
staatischeu Barriereverträge von lyop und ijiß geschah in defnseiben
keine Erwähnung, dagegen wurde der Haager AllianJ^ von ijoi ge-
dacht und betont, dass man bereits damals beschlossen habe, die spa-
nischen Niederlande so in Sicherheit ^u setzen y ,_.dass sie f// einer
Barriere fUr Grossbritannien und die Vereinigten Provin^en^^ dienen
könnten. *) Der Kaiser gelaugte endlich in den Besit:^ Belgiens, aber
die Verteidigung des Landes wurde {um guten Teil den Niederländern
überlassen ; {Wei Fünftel der diesem Zwecke dienenden Truppen sollten
von ihnen gestellt werden. Dafür räumte Karl VL den holländischen
Garnisonen eine Reihe von Festungen längs der franko sisctien Grenze
ein — nicht so viele :, wie den Generalstaaten in den Verträgen von
iyo9 und ij i } von den auf fremde Kosteft freigebigen Engländern ange-
standen worden waren — und verpßichieie sich, jährlich ß 00. 000 Thaler
^ur Erhaltung dieser Truppen {« fahlen. Ans drücklich war im ersten
Artikel bemerkt worden, dass die katholischen Niederlande niemals von
den übrigen Besitzungen des deutschen Hauses Habsburg getreftnt wer*
•) Auf die Bcdeuhtng dieser Formeln hat Michael /, c, 6^g mit Reetit
aufmerksam gemacht.
1715 Nov. 15. 291
den ilurfteiu Durch diese Bestimmung wünschten die Seemächte — Eng-
land war dabei nicht minder interessiert als die Vereinigten Niederlande
— den Austauschplänen eines grossen Teiles der massgebenden Wiener
Minister einen Riegel vorzuschieben. Im übrigen enthielt der im fol-
gendcn abgedruckte Vertrag eine Reihe von Artikeln ^ ' die den Interessen
der Generalstaaten mehr entsprachen als denen der Wiener Regierung,
Sie im einzelnen aufzuzählen, kann in diesem Zusammenhange wohl
unterlassen werden ; es genüge die Bemerkung, dass die Generalstaaten
es vortrefflich verstanden, ihre Handelsintcressen -f« wahrest, indem sie
durch die Übernahme einiger flandrischer Landesteile , die ^w/5rÄ^«
dem Meere und der Scheide lagen, die Absperrung der Scheide — die
nicht offiziell ausgesprochen wurde — ^// ihren Gunsten durchsetzten,
und dass sie durch den Gewinn einiger an der Maas gelegener Ge-
biete des Oberquartiers von Geldern die militärisch so wichtige Be-
herrschung des gesamten unteren Laufes der Maas erzielten.
Dagegen mag es gestattet sein mit einigen Worten derjenigen
Verfügimgen des Barrieretractates z^* gedenken, die auf England Bezug
haben. Dieselben betrafen deti Handel der Engländer nach den 'spa-
nischen Niederlanden, Wir wissen, welche Bedeutung im Laufe der
Zeiten der belgische Markt für deti Absatz der groben englischen
Wollstoffe gewonnen und wie eifrig sich die englische Regierung
bemüht hatte, die Abgaben, mit denen die Einführung dieser Waren be-
legt wurde, herabzudrücken. In diesem Sinne hatten im 17, fahrh,
zwischen den Höfen von Madrid und London oft wiederkehrende Ver-
handlungen stattgefunden^ und es war den Engländern gelungen, so
manchen Vorteil für ihren Handel mit den spanischen Niederlanden
ZU erzielen, ') Insbesondere der Tarif von 1680 erleichterte ihnen die
Einfuhr ihrer Waren in Ostende, während sie an ihren Prohibitiv-
massregeln der belgischen Industrie gegenüber festhielten. Allein in den
letzten Jahren des 17, Jahrh, machte sich auch in Belgien eine starke
protektionistische Strömung bemerkbar, die sich nicht in letzter Linie
gegen^ England richtete und z^r Veröffentlichung mehrerer Dekrete
führte, durch die der Einfuhr englischer Waren z^ Gunsten der hei-
mischen Industrie gesteuert werden sollte. Bald darauf führte \ier Tod
Karls II, und der Übergang der spanischen Niederlande in den fran-
zösischen Besitz den Abbruch der englisch-belgischen Handelsbezieh-
ungen herbei. Kaum aber waren die Seemächte nach dem glänzenden
*) ^S^' f^^ ^^ese Fragen die eingeJumdcn Darlegungen von Michel Huis-
man in seinefn Werke La Belgique commerciaJe saus V empereur Charles VI
ipo2 p, 1 ff, und die daselbst \itierte Literatur,
■ 9»
392 '7 '5 Nov. 15.
Siege Marlboroughs bei Ratnillies — JJ06 — wieder in den Besif^
des Landes gelangt, so suchten sie ihre ehedent so vorteilhaften Han-
delsbeziehungen ^u den belgischen Provin:{en wieder herzustellen. Es
entsprach der günstigen Lage, in der sich die Vereinigten Niederlande
als wirkliche Verwalter des Landes befanden, dass dieser Wechsel zu-
nächst ihnen und nicht den Engländern die erhofften Vorteile brachte.
Ja die letzteren mnssten sich, so bitter sie das Vorgehen der General-
Staaten empfanden, im Jahre 170p ^« neuen Konzessionen bereitfinden.
Der erste Barrieretraktat , der den Engländern die weitere Unter-
stützung der Niederländer gegen Frankreich und deren Hilfeleistung z'*
Gunsten der protestantischen Tlironfolge nach dem Tode Annas sichern
sollte, ist nicht ohne schwere Opfer der englischen Handelsinteressen
zustande gekommen. Die Vorteile, die den holländischen Kaufleuten
bei ihrem Handel mit den spanischen Niederlanden eingeräumt wurden,
blieben' den englischen versagt. Die Habgier der Holländer war bei
diesen Verhandlungen deutlich ^w/ä^^ getreten; nicht nur die Nächst-
beteiligten., auch Ferner stehende und Weiterblickende verurteilten das
engherzige Vorgehen der Generalstaaten. Es ist daher begreiflich,
dass die gewonneften Vorteile sofort in Frage gestellt wurden, als die
allgemeine politische Lage sich änderte.
Das Toryniinisterium , das im Jahre 17 10 ans Ruder kam,
legte den für England so ungünstigen Vertrag, den die WJiigs abge-
schlossen hatten, dem Unterhause vor und dieses sprach ein vernich-
tendes Verdikt über die Urheber desselben aus. Und je deutlicher es
sich z^^^^^y ^^^^^ Ludwig XIV. auf die Entscheidung der Engländer in
der Friedensfrage das Hauptgewicht legte., je führender die Rolle der
englischen Staatsmänner bei den Unterhandlungen der Verbündeten mit
Frankreich wurde., desto entschiedener äusserte sich das Begehren der
englischen Kaufleute, mit ihren niederländischen Konkurrenten auf dem
belgischen Markte gleichgestellt {u werden. In der Tat enthielt der
zweite Barrieretraktat von 171 3 die Bestimmung , „dass die Unter-
thanen der Königin von Grossbritannien in allen Orten des spanischen
Flandern und der Barriere, alle Privilegien, Exemptionen, Freiheiten
und Vorteile des Handels gemessen sollten, die sie bisher genossen
haben oder hätten gemessen sollen, sowohl bei der Ein- als bei der
Ausfuhr der Waren, so dass sie derselben Vorteile teilhaft werden,
wie die Untertanen der Gcneralstaatenf' Die österreichischen Bevoll-
mächtigten waren beim Abschlüsse dieses Vertrages nicht gefragt wor-
den; die Seemächte wünschten eben die Handelsfrage in ihrem In-
teresse z'f ordnen, bevor das Land definitiv in die Hände Karls VL
1715 Nov. 15. 293
nbergieng. Vergebens suchten die Stände Brabants und Flanderns beim
Wiener Hofe Hilfe gegen die ihnen von den Seemächten — insbe-
sondere von den Holländern — drohende Übervorteilung ; ihre Aus-
einandersetzungen machten ^ar Eindruck auf den Kaiser, doch wei-
gerte er sich an den ^« Utrecht stattfindenden Verhandlungen direkt
teil:{unehmen. So geschah es, dass der daselbst geschlossene Friede
den Vereinigten Niederlanden neue Vorteile brachte, und dass Frank-
reich sich mit den Seemächten ^ur Ausbeutung der belgischen Pro-
vin^eti verband.
Fünfzehn Tage nach der Ratifikation des Friedens traten, wie
die englisch-staatische Konvention vom ip. Jan, i^ij bestimmte, die
Kommissäre der Seemächte zusammen, um die Handelsfragen im Ein-
vernehmen mit den Vertretern der katholischen Niederlande ^u ordnen.
Das letztere misslang, doch schlössen die Seemächte unter einander im
Juli 171 ß eine provisorische Konvention, die im wesentlichen an dem
Tarife von 1680 festhielt. Auch jet^t protestierten die Vertreter der
belgischen Interessen lebhaft gegen diese Vergewaltigung und hoben
neuerlich das Recht ihres Herrschers hervor, diesen Tarif ^u ändern,
Karl VI, schwieg auch jet^t. Die Konvention trat „provisorisch^^
in Kraft, So war die Lage, als im Oktober J714 im Haag die Ver-
handlungen über die Ordnung der Barrierefrage begannen, Dass
bei dieser Gelegenheit die Handelsfrage eine entscheidende Rolle
spielen werde^ war klar, Graf Königsegg, des Kaisers Bevollmäch-
tigter, erhielt den Auftrag, die Einsetzung von Spe^ialkommissären ^u
fordern, die neue Tarife entwerfen sollten; bis dahin sollte die Er-
hebung der Abgaben in der bisher gebräuchlichen Weise stattfinden,
Ueber die Bestimmungen des Utrechter Friedens, soweit diese die Han-
delsbeziehungen der Generalstaaten {u den spanischen Niederlanden
betrafen, gieng der Kaiser ^um grössten Kummer der belgischen Di-
plomaten stillschweigend hinweg und ermunterte dadurch die staatischen
Vertreter, auf der Aufnahme der ihnen vorteilhaften Abmachung in
den ab^uschliessenden Barrierevertrag ^« beharren. Im Januar iyi$
wurden dem kaiserlichen Bevollmächtigten zy^ei Vertragsprojekte von
den Seemächten übergeben. Das eine betraf die Handelsbeziehungen
der Engländer, das andere die der Vereinigten Niederlande ^/ Belgien,
Das erstere — das uns in diesem Zusammenhange allein interes-
siert — suchte in ip Artikeln die strittigen Fragen in einer lediglich
Englands Interessen berücksichtigenden Weise ;{« lösen,^) Der Tarif
») Eine ausführliche Analyse dieses Projektes gibt Huisnum l, c, 6^ f
394 *7»5 Nov* IS-
von i6So und die BesHfmHungen des Madrider Vertrages vom 2 h Mai
t66j — obgleich dieser niemals in den spanischen Niederlanden pub-
liziert worden war — so Uten fortan Geltung haben , die engl isc heu
Uniertanen jede mögliche Freiheit fiir ihren Handel üi Belgien ge^
niessen. Zahlreiche Waren, deren Export nach Belgien von besonderer
Bedefttung für die englischen Kanßeute war, sollten keiner Zollrevision
unterliegen , eine gan^e Reihe van Abgaben ^ die bisher hatten geleistet
werden müssen^ weg/allen, andere bedeutend ermässigt werden^ Auch
an die Erwerbung des Bürgerrechtes in Briigge oder anderen Ories
durch englische Untertanen und an den Genuss der damit verbundenen
Rechte dachten die Engländer bei der Abfassung ihres Entwurfes. Von
Gegenleistungen aber war nicht die Rede. Und nickt minder eigen -
nütj(ig lautete das Projekt der Geticrahtaaieth *) König segg übergab die
beiden Schriftstücke einer besonderen Kommission ^ur Prüfung und
übersandte Abschriften derselben den Provin^ialständen. Diese un-
ferliessen nicht j in der schärfsten Weise gegen das rücksichtslose
Vorgehen der Seemächte ^n protestieren^ während die Kommission im
Hinblicke auf die gegebenen Verhältnisse die Ordnung dieser Frage
bis nach Abschluss des Barrierevertrages ^u verschieben empfahl,^)
Die Wiener Regierung gieng auf diesen Vorschlag ein. Allein die
englischen Minister forderten^ durch die Klagen der englischen Kauf-
leuie gedrängt, im Laufe der Verhandlungen immer energischer eine
Ordnung der Frage, wenigstens soweit diese die Eiptfuhr der briti-
schen IVotlfihher nach Belgien betraf und setzten es auch durchs dass
Kon ig segg im Auftrage des Kaisers am 26^ Juli a, St. l^iß in London
eine Konvention unterzeichnete, durch die den Engländern eine wesent-
liche Herabsetzung der bis dahin auf Wolltücher verschiedener Qua-
lität gelegten Abgaben zugestanden wurde^^)
^) Huts man L c. 6^ f.
") Huisman L c. 6yff*
") Die Erklärung des Grafen Königsegg lautet nach dem im R. O. lü'*
genJen Or. : Les ministres de sa M^ brittdnique s' etmt ptt^ints que Ic nomnitTce
Je Sil ditie M^ ^"^ tiiec fes Pais-Bus Äutriduens est fort pftjudicie par les
gratfds droits d* entree imposes sur les äraps gros envoyt^s de la Orande-Bret-
tagfie ijux dits Pais-Bas Autriclnen^j le soussigut^ ministre et plenipotentiaire de
sa M^ Imp** et cathoUque pour le traitt** de la barriere d* Ativers deHare par
la presente, que sa M^ Imp^* et catkolique consentira a faire reduire incessa-
ment les droits sur les dits Jraps gros selon la spi-itfication ey-jüinte^ et qu'au
resteye commerce des sujets de sa M* brittaniqur ^nw- les Pais-Brns Autrickiens
rester a^ trontinuera et subsistera en lout sur le meme pifd qu' tl se fait presente-
ment, Sans qu* on y paisse faire aucun changementf innovatiimy diminution ou
I7I5 Nov. 15. 295
//// Sinne dieser Vereinbarung stellten die Engländer^ denen sich
nun auch die Generalstaaten mit der gleichen Forderung anschlössen,
am 6, Nov. j^u Brüssel an den dortigen Staatsrat das Begehren, die ;[ur
Durchßihrung dieses Beschlusses nötigen Weisungen an die betreffen-
den Zollstationen ergehen ^u lassen und sprachen zugleich den Wunsch
aus, die belgische Regierung möge auch die auf den Import von Korn-
branntwein aus beiden Staaten gelegten Abgaben auf ein bestimmtes
von ihtien fixiertes Mass reduzieren, *) Vergebens protestierten die mass-
gebenden belgischen Körperschaften gegen das schamlose Vorgehen der
Seemächte, die am Vorabend der Unterzeichnung des Barrieretraktates
diese Forderungen stellten, „um behaupten j^u können, dass der Bar-
rieretraktat inbe^ug auf den Handel keine neue Bestimmung enthalte'^
Sie mussten sich dem Befehle Cadogans fügen. Am 12. Nov, er-
giengen die entsprechenden Weisungen an die Steuereinnehmer der bel-
gischen Häfen,^) Drei Tage später unterzeichnete Königscgg in des
augmentation sous quel pretexte que ce puisse etre, jusques ä cc qtie tous les
pariys interesses conoiendront d'un traitt^ de commerce.
Draps teints.
Uiic piece de la valeur de 60 flor. et au dessus jusques a (jo .
>9 y> >f >f ff ff 4^ ff rt ff ff ff f* ^^
„ „ „ „ „ „ 40 „ „ „ dessous
Draps meles,
Une piece de la valeur de 60 flor. et au dessus jusques a (^
ff 9> ff ff » ff 4^ ff ff ff ff ff »> '^^ '
,. „ ,y „ „ „ 40 y, „ „ dessous
Draps blancs.
Une piece de la valeur de 60 flor. et au dessus jusques a po .
„ 60 .
ff
ff
f»
ff 40
ff
ff
ff ff
ff
»f
ff
ff 40
ff
ff
„ dessous
flor.
sols.
S
10
2
—
I
—
2
lO
j
10
I
—
2
10
2
—
1
—
Draps de pic de touttes sortes la piece 08
Fait ä Londres ce 26 Juillet v. st 171^.
L. S. J. L. de Kinigsegg.
*) ygt. die ausführliclten Erörterungen bei Huisman l. c. 6g ff.
•) Abgedruckt u. a. bei Jenkinson l. c. II. 146 f. Da sich Differenzen in
der Auslegung der Requisition vom 6. Nov. 171^ ergaben ^ wurde am 14, Nov.
am Tage vor Unterzeichnung des Barrieretracfates folgende Erklärung abgegeben:
A difficulty having arisen about t/te intention of the requisition of the 6^ of No-
vember 171^, of which mention is made in the 26^ article of the treaty of
barrier, it is agreed provisionally to cause the duties of importation on all the
different sorts comprehended in the above tariff under the denomination of
iDOollen cloths, to be collected according to the tenor of the said requisition of the
296 '715 Nov. 15.
Kaisers Namen den Barricreiraktat Der 26. Artikel desselben betraf
die Handelsfrage. Er lautet: ,,Was den Handel betrifft, ist man
über e ingekommen y dass die Schiffe, Waaren und Lebensmittel, die von
Grossbritannien und den Vereinigten Niederlanden nach den spanischen
Niederlanden kommest und ebenso die aus diesem Lande nach Gross-
britannien und den Vereinigten Niederlatiden gebrachten Schiffe, Waa-
ren und Lebensmittel, Einfuhr- und Ausfuhrabgaben nur in derselben
Höhe ^{ahlen sollen wie bisher,^) ^umal jene, über die man sich vor
Unterzeichnung des vorliegenden Vertrages gemäss der von den Mini-
stern der beiden Mächte beim Staatsrat in Brüssel erhobenen For-
derung vom 6. Nov. geeinigt hat ;^) und das alles soll allgemein auj
6^ of November . tili Ins imperial and catholic majesty and his majesty the
hing of Greift Britain shall agrec upon it othendse , and in the meanwhile
the kings collectors and officers shall permit the said manufactures to be im-
ported, giving notice and taking securiiy for the payment of the operplus dutics
of importation on tlie foot the same shall be settled, Jenkinson /. c, 147,
^) Es ist dies die umfangreiche Declaration des droits d* entree et sortie
qui se levent aux Pays-Bas Autrichiens ä V esgard de la Grande-Bretagne et
des ProvinceS'Unies d. d. jyj^ Nov. 14 (R. O.J und /?./!. (Barriere Bd, IV
Nr. yjs.J
») Der Wortlaut dieser Requisition d. d. Brüssel 6, Nov. lyj^ lautet in
englischer Spracite : It being absohitely necessary for the service of his imperial
and catholic majesty to lessen immediately the duties of importation on coarse
xDOollen cloths coming front Great Britain and from t/ie United Provinces, on
t/te following foot:
Woollen cloths dyed.
flor, sols
. 1 piece of the value above 60 florins up to po florins . . . j 10
from 40 to 60 20
of 40 and under 10
Mix ed.
A piece of the value of 60 florins and so up to Qu . . . 2 10
from 40—60 I Jo
of 40 and under i 10
White.
A piece of the value of 60 florins and so up to qü , . . .2 10
from 40 — 60 20
of 40 and under 10
Draps de pic (cloths to lic upon floors) of all sorts the piece . .08
and to reduce the duties of importation on brandies distilled from com
Coming from Great Britain and from the United Provinces to three florins
the awm instead of eight which is now paid ; you are requircd to give forthwith
the necessary directions in tlie finances, tliat the proper Orders may be imme-
diately issued for this purposc and that ihr collectors of the duties of impor-
1715 Nov. 15. 397
diesem Fnss bleiben, fortdauern und bestehen, ohne dass eine Verän-
derung, Neuerung, Verminderung oder Erhöhung, unter welchem Vor-
wand auch es geschehen möge, eintreten darf, bis der Kaiser, der
König von England und die General Staaten durch eineti Handelsver-
trag, der sobald als möglich geschlossen werden soll, anderweitig über-
eingekommen sein werdend Den Generalstaaten wurden überdies auf
ihren Wunsch die auf den Handel bezüglichen Artikel des Münsterer
Friedens von 1648 bestätigt und erneuert. Man erkennt leicht, wie
gross der Vorteil der Seemächte war, der in diesen Bestimmungeft
{um Ausdruck gelangte. Die ihnen günstigen Tarife blieben vorläufig
aufrecht, und da die Abänderung derselben von ihrem Belieben abhängig
gemacht wurde, war vorauszusehen, dass sie nicht leichten Kaufes für
eine solche s{,u haben sein würden. In der Tat hat die Regelung der
Handelsbeziehungen Belgiens ^k den Seemächten Jahrzehnte hindurch
die Regierungen der ß beteiligten Staaten beschäftigt und Atilass -f//
lebhaften Kontroversen gegeben, die uns noch im Verlauje unserer Dar-
stellung beschäftigen werden. An diesem Orte aber mag darauf hingewie-
sen werden, dass Meinungsdifferenzen , die noch im Jahre 17 iß bei der
Auslegung der Londoner Konvention vom Juli ijiß und der Erklärung
vom 6. Nov. desselben Jahres entstanden, eine wesentliche Verzögerung
bei der Auswechslung der Ratifikationen des Barrieretraktates hervor-
gerufen haben. Es bedurfte heftiger Klagen und ernster Drohungen
der kaiserlichen Gesandten,^) um die Londoner Regierung -{//»i Aus-
tausche der Ratifikationen {u bestimmen, noch ehe die von ihnen ge-
forderte Aujklärung z^ Gunsten ihrer Wollmanufaktur vom Kaiser ge-
tation and exportation may conform themsehes accordingly tJtereto, Dane at
thc Conference at Brüssels this 6*^ of Nov. 171 $»
Signed. William Cadogan.
John xfan der Bergk.
P. W. Francquen.
Gedruckt ist diese Erklärung u. a. bei Jenkinson l. c. II. 14^ f
») Vgl. Michael l. c. 6^2 f. Wie bedeutend der Wiener Regierung die
Sache schien y \eigt die Weisung d, d. 12. Febr. 1716 an Volckra, in- der es u. a.
iieisst: „Dass von Seiten Engelland aus dem 26^*» Art. ersagten Tractats erzwun-
gen teer den toill, dass unter der darinnen einsmalens und bis auf künftig er^
folgende Einrichtung eines beständigen Commerciitractats gestatteten Tarife des
groben englischen Tuechs, auch die kleine Tuechsorten mit begriffen seien, ....
set^ uns in einige Unruhe, \umalen das gan{e commercium unserer Nieder-
landen in ausser ste Gefahr geset^et wird; . . . wie dann das Contoir ^u Bruges
seit der erlaubten Einführung der engl, grobem Tücher en allein bei 150000 Gul-
ilen discapitiert \u haben versicheret wird.*'
^9S
t7r5 Nov, 15»
gehen war^) Diese erfolgte erst EuJe Angusi Iji6j |« eifter Zeit aho^
da England durch ein neues Defensivbündnis in engere FreunJselhr/ts^
be^iehmigen ^u Österreich getreten war*
Comme il a plö ou tout puissant de rendre depuis quelque
t^ms la paix ä TEurope; et que rien n'est plus desirable et ne-
cessaire que de retablir et asseurer par tout, autant que se peut,
la seurete et la tranquÜite commune et publique, et que les sei-
gneurs etats generaux des Provinces-Unies se sont engages de
remettre les Pays-Bas ä sa Mte Imp'^ et catholique Charles VL,
Selon qu'il at ete stipulc et arrett^ par le traite fait ä la Haye le
sept de Septembre miUe sept cent et un entre sa Mtc Imple Leo-
pold de glorieuse memoirej saMte brittaniqueGuillnumelTL aussi
de glorieuse memoire et les dits etats generaux, que les dittes
puissances conviendroient ensemble sur ce qui regarderoit leurs
interets reciproques, particulierement par rapport ä la maniere
dont on pourroit etablir la seurete des Pays-Bas pour servir
de barriere h la Grande* Bretagne et aux Provinces-Unies* et
par rapport au commerce des habitans des dits Pays-Bas, de
la Grande- Bretagne et de ceux des Provinces-Unies, et qu'ä
present sa M^e Imple et catholique Charles VL k qui les dits
Pays-Bas seront remis par ce present trait^p sa Mte brittanique
George, tous deux aujourdhuy regnants et tous deux heretiers
et successeurs legitimes de dits empereurs et rois, et les sei-
*) Diese Erklärung^ J. J* London üo^p. Aug. lyiö, von dem österrei'
chischen Bn'oUmächtigttm Grafen Votckra unter iftchndf lautet nacti dem im
R. O. liegende ti Original schreiben :
My Lard!
Vmts m*avt^s t^hnoigfu^ qu*mt se piaint i£y des contreventions d l* arttcle
26 du traitt^ de fa barriere, et f ai eu l'honneur de Vou& conummiqner ce que
M. le O* de Kintgsegg a repondu ia dessits. Je puis Vmis dtdarer outre t-ela
qu* on se tieiidra a l* ax^enir exacietneut ä V öbsrniititm du sudit Art. 36 da
traite de la barriJ^e du ip Nov. 17x5 et ä la t-onventiou de Londres du ^6 Juli'
let i^iy, comme encws ä la declariitimi du 14 Nov, 17 1^, ä Sfovüfr qu* an lever^
les droits sut* la peüte dfiipperie J* Afigltterte sur le pieJ des gros draps suivant
Ai diminution expnmee dans la sudittt* comeution de Londres s^ns 'ttuun^ al-
ter tiUon jusques j ce qu' ou eii Jiera conventi imtrentettt entre r empereur ei le
roy HOS ffmitres^ mais que pour tan t les marckau Js donneront caution de pa^r
le sur plus, si /* affaire sera alnst determinee entre les deux respertives cours ^ . .
O Volckra.
In engliscfter Übertragung ist diese Erklärung u, a* gedruckt bei Jen'
kiäson L c, 14&.
1715 Nov. 15. 299
gneurs etats generaux des Provinces-Unies, agissans en cela par
les^memes principes d' amitie et dans la meme Intention de pro-
curer et d'etablir la ditte seurete mutuelle et d'affermir de plus
en plus une etroite union, ont nommö, commis et etabli pour
cette fin pour leurs ministres plenipotentiaires s^avoir:
Sa Mte Imple et catholique le sieur Joseph Lothaire comte
de Königseck, son chambellan, conseiller de guerre et lieute-
nant general de ses armöes; sa Mte brittanique le sieur Guil-
laume Cadogan, ecuyer, son envoyö extraordinaire auprfes de
leurs hautes puissances les seigneurs etats generaux des Pro-
vinces-Unies, deputö au parlement de la Grande-Bretagne, mai-
tie de la garderobbe, lieutenant general de ses armöes et co-
lonel du second regiment de ses gardes; et les etats generaux
les sieurs Bruno van der Dussen, ancien bourguemaitre, senateur
et conseiller pensionaire de la ville de Gouda, assesseur du
conseil des heemsrades de Schieland, dykgraaf du Crimpener-
waerde, Adolph Henry comte de Rechtem, seigneur d'Almelo
et de Vrieseveen etc., president des seigneurs etats de la province
d' Overyssel, drossard du quartier de Zalland, Scato de Gokinga,
senateur de la ville de Groningue et Adrien de Borsselle, sei-
gneur de Geldermalsen etc., senateur de la ville Flissingue; les
trois Premiers deputes k Tassemblöe des seigneurs etats gener-
aux de la part des provinces d' Hollande et Weestfrise, d' Over-
yssel et de Groningue et Omelanden, et le quatrieme deputö
au conseil d'etat des Provinces-Unies.
Lesquels etans assembles dans la ville d'Anvers qui d'un
commun consentement avait ete nommöe pour Je lieu du con-
gr6s, et ayans echangös leurs pleinepouvoirs dont lesicopies
sont inseröes ä la fin de ce traitt^,i) aprte plusieurs Conferences
sont convenus pour et au nom de sa Mt^ Impie et catholique,
de sa Mte brittanique et des seigneurs etats generaux de la
maniere comme il s'ensuit
I.
Les etats generaux des Provinces-Unies remettront ä sa
Mte Imple et catholique, en vertu de la grande alliance de l'an-
nee mille sept cent et un et des engagemens dans lesquels ils
sont entr^s du depuis, immediatement aprfes Techange des rati-
fications du present traitte touttes les provinces et villes des
«) Abgedruckt //. a. bei Domont l. c. Villi i 464 ff.
300 '7»5 Nov. 15.
Pays-Bas et dependances, tant celles qui ont et6 possedees par
le feu roy d'Espagne Charles 11. de glorieuse memoire, que
Celles qui viennent d'etre cedöes par feu sa Mt^ le roy tres
chrStien aussy de glorieuse memoire; lesquelles provinces et
villes ensemble, tant Celles qu'on remettra par ce present
traitö que Celles qui ont deja et6 remises, ne seront desor-
mais et ne composeront en tout ou en partie qu' un seul
et indivisible, inalienable et incommutable domaine qui sera
inseparable des etats de la maison d'Autriche en AUemagne,
pour en jouir sa Mt^ Imple et catholique, ses successeurs et
heretiers en pleine irrevocable souverainetö et propriet^; sja-
voir ä l'egard des premieres provinces comme en a jouy ou
du jouir le feu roy Charles IL de glorieuse memoire confor-
mement au trait^ de Ryswick, et ä l'egard des autres pro-
vinces de la maniere et aux conditions qu'elles ont et6 cedees
et remises aux dits seigneurs etats generaux par le feu roy
tr^s chrßtien de glorieuse memoire en faveur de la tres au-
guste maison d'Autriche et sans autres charges ou hyppote-
cations constituöes de la part des etats generaux et ä leur profit.
n.
Sa Mt^ Imple et catholique promet et s'engage qu'aucune
province, viUe, place, forteresse ou territoire des dits Pays-
Bas ne pourra etre ced6, transferö, donne ou echoir ä la cou-
ronne de France, ny ä aucun prince ou princesse de la mai-
son et lign^e de France, ny h autre qui ne sera pas successeur,
heretier et possesseur des etats de la maison d'Autriche en
Allemagne, soit par donation, vente, echange, contract de ma-
riage, heredite, succession testamentaire ou ab intestato, ny sous
quelque autre titre ou pretexte que ce puisse etre, de sorte
qu'aucune province, ville, place, forteresse, ny territoire des dits
Pays-Bas ne pourra jamais Stre soummis ä aucun autre prince
qu'aux seuls successeurs de dits etats de la maison d'Autriche,
ä la reserve de ce qui deja a et6 cede au roy de Prusse et de
ce qui sera cede par le present traite aux dits seigneurs etats
generaux.
m.
Comme la seurete des Pays-Bas Autrichiens dependra prin-
cipalement du nombre des trouppes qu'on pourra avoir dans
les dits pays et dans les places qui formeront la barriere qui
at et^ promise aux seigneurs etats generaux par la grande al-
1715 Nov. 15. 3ÖI
liance, sa M^e Imple et catholique et leurs hautes puissances sont
convenus d'y entretenir, chacunä leurs propres fraix, toujoürsun
Corps de trente k trente cinq mille hommes desquels saMt^Impie
et catholique donnera trois cinquiemes et les etats generaux
deux cinquiemes; bien entendu que si sa W^ Imple et catholi-
que diminue son contingent il serat au pouvoir des dits etats
generaux de diminuer le leur ä proportion; et lorsqu'il y aura
apparance de guerre ou d'attaque on augmentera le dit corps
jusques ä quarante mille hommes suivant la mßme proportion;
et en cas de guerre effective on conviendra ulterieurement des
forces qui se trouveront necessaires. La repartition des dittes
trouppes en tßms de paix pour autant qu'elle concerne les
places commises ä la garde des trouppes de leurs hautes puis-
sances sera faite par elles seules, et la repartition du reste par
le gouverneur general des Pays-Bas, en se donnant part reci-
proquement des dispositions qu'ils auront fait.
IV.
Sa Mt^ Imple et catholique accorde aux etats generaux gar-
nison privative de leurs trouppes dans les villes et chateaux de
Namur et Toumay et dans les villes de Menin, Fumes, War-
neton, Ypres et le fort de Knoque, et s'engagent les etats ge-
neraux de ne pas employer dans les dittes places des trouppes
qui bien qu'ä leur solde pourroient etre d'un prince ou d'une
nation qui soit en guerre ou suspecte d'etre dans des engage-
mens contraires aux interets de sa Mt^ Imple et catholique.
V.
On est convenu qu'il y aura dans la ville de Dendre-
monde gamison commune qui sera composöe pour le present
d'un battaillon des trouppes imperiales et d'un battaillon de celles
des etats generaux, et que si dans la suite il pourroit etre neces-
saire d' augmenter la ditte gamison cette augmentation se ferat
Sgalement des trouppes de part et d'autre et de commun concert.
Le gouverneur sera mis de la part de sa Mt^ Imp^e et
catholique, lequel aussi bien que les subalternes pretteront ser-
ment aux etats generaux de ne jamais rien faire ny permettre
dans la ditte ville qui puisse etre prejudiciable ä leur Service par
rapport k la conservation de la ville et de la gamison ; et il serat
Obligo par le dit serment de donner libre passage ä leurs troup-
pes touttes et quante^) fois ils le souhaiteront, pourvü qu'il en
') So im Or.
30!£
171J Not. 15.
soit requis prealablement; et que ce ne soit que pour im nom-
bre modique ä la fois; le tout selon le formulaire dont on
est convenu et qui serat insere ä la ün de ce traite.^)
VI.
Sa Mte Iniple et catholique consent aussy que dans les
places ci-dessus, accordees aux etats generaux pour y tenir leurs
garnisons privatives, ils y puissent mettre tels gouverneurs,
commendants et autres officiers qui composent Fetat major
qu'ils jugeront ä propos, k condition qu'ils ne seront pas ä
Charge de sa Mte Imp^e et catholique ny aux villes et provin-
ces, si ce n'est pour le logement convenable et les emolumens
provenants des fortifications, et que ce ne soient pas des per-
sonnes qni pourroient etre desagreables ou suspectes ä sa ditte
Mf^ pour des raisons particulieres ä alleguer
vn.
Lesquels gouverneurs, commandans et officiers seront en-
tiereraent et privativement dependans et soummis aux seuls or-
dres et k la seule judicature des etats generaux pour tout ce
qui regarde la defense, garde, seurete et toutte autre affaire
militaire de leurs places; mais seront obliges les dits gouver-
neurs aussi bien que leurs subalternes k pretter serment k sa W^
Imple et catholique de garder les dittes places fidelement k la
souverainet^ de la maison d'Autriche, et de nese point ingerer
dans une aucune autre affaire, selon le formulaire dont on est
convenu et qui est insere ä la fin de ce traite.')
VlIL
Les generaux se rendront reciproquement, taut dans les
villes oü U yaura garnisonde saMt«^ Imple et catholique que dans
Celles qui sont confiees k la garde des trouppes de leurs ha Utes
puissances, les honneurs accoutumes selon leurs caracteres et la
maniere de chaque service; et au cas que le gouverneur general
desPays-Bas vintdans les places commises k la garde des troup-
pes des etats generaux on luy rendra les honneurs qu' il est ac-
coutume de recevoir dans les places des garnisons de sa Mtc
Imple et catholique, et pourra m^me y dünner la parole; le tout
Sans prejudice de Tarticle six. Et les gouvemeurs et eu leur ab-
sence les commendants donneront part au dit gouverneur ge-
neral des dispositions par eux faites pour la seorete et garde
') Abgedru kt fts il* Dmnont A r* Villi 1 ^./.
L
171 5 Nov. 15. 303
des places confiöes k leurs soins, et ils auront des egards con-
venables pour les changemens que le dit gouverneur general
pourroit juger y devoir etre faits.
EX.
Sa Mte Imple et catholique accorde V exercice de la religion
aux trouppes des etats generaux partout oü elles se trouveront
en gamison; mais cela dans des endroits particuliers, convenab-
les et proportionös au nombre de la garnison que les magi-
strats assigneront et entretiendront dans chaque ville et place,
oü il n'y en a pas deja d'assignös et auxquels endroits on
ne pourra donner aucune marque exterieure d'eglise. Et on
enjoindra severement de part et d'autre aux officiers politiques
et militairs comme aussy aux ecclesiastiques et ä tous autres
qu'il appartient d'empecher toutte occasion de scandale et de
contestations qui pourroient naitre sur le sujßt de la religion.
Et quand il naiträ quelque dispute ou difficulte on les applanirät
ä r amiable de part et d' autre. Et quant ä la religion par rap-
port aux habitans des Pays-Bas Autrichiens touttes choses re-
steront et demeureront sur le mSme pied qu' elles etoient pan-
dant^) le regne de Charles IL de glorieuse memoire.
X.
Touttes les munitions de guerre, artilleries, armes des etats
generaux, comme aussy les materiaux pour les fortifications,
les grains en temps de disette, les vivres pour mettre en ma-
gacins lorsqu'il y aurat apparance de guerre, et de plus les
draps et fournitures pour Thabillement des soldats que Ton
verifierä devoir etre employös ä cet usage, passeront librement
et Sans payer aucuns droits ou pöages aux moyens des passe-
ports qui seront demandös et accordez sur la specificaton signöe;
a condition neantmoins qu'au premier bureau de sa Mt^ Imp^e
et catholique oü les dittes provisions, materiaux, armes et mon-
tures entreront, qu'ä l'endroit oü elles devront ßtre dechargees,
les bateaux et autres voitures pourront etre düement visit^es,
pour empecher qu'on n'y mele d' autres marchandises, et pour
eviter toutte fraude et abus, contre lesquels il sera toujoürs
libre de prendre telles precautions que la suite du temps et
Texperience feront juger necessaires, sans qu'il sera permis aux
gouvemeurs et leurs subalternes d'empecher en quoique ce soit
l'effet de cet article.
•) So im Or.
304 »715 Nov. 15.
XI.
Les etats generaux pourront changer leiirs gamisons et
les dispositions des trouppes dans les villes et places commises
ä leur garde privative selon qu' ils le trouveront k propos, sans
qu'on puisse empecher ou arreter le passage des frouppes qu'-
ils enverront de tSms k autre ou celles qu'ils en tireront, sous
quelque pretexte que ce puisse etre. Pourront meme les dittes
trouppes, quand le cas le requereroit, passer par touttes les
villes de Brabant et de Flandre et par tout le plat pays, faire
des ponts, tant sur le canal entre Brügges et Gand que sur tous
les autres canaux et sur touttes les rivieres qu'elles trouveront
dans leurs routes; k condition neantmoins que ce seront des
trouppes d'un prince oud'une nation non en guerre avec sa Mte
Imple et catholique ny suspectes d'aucun engagement ou liai-
son contraire ä ses interets, comme il est dit ci-dessus en Tar-
ticle quatrieme, et que prealablement il en sera donnö connois-
sance et requisition feite au gouvemeur general des Pays-Bas,
avec lequel on reglera les routes et les autres besoins par quel-.
qu'un qui en aura la commission de leurs hautes puissances.
On observera le reglement feit par les etats generaux sur le
passage des trouppes, comme il est observö dans leur propre
pays; et les etats generaux tacheront de faire les dits chan-
gemens des gamisons ainsy que les dispositions necessaires
pour cela de la maniere qu' elles soient le moins qu'il se pourra
h Charge et incommodit^ des habitans.
xn.
Comme la seuretö commune demande en tgms de guerre
ou dans un imminent danger de guerre, que les etats generaux
envoyent leurs trouppes dans les places qui se trouveront les
plus exposöes au peril d'etre attaqu^es ou d'etre surprises, il
est convenu entre sa Mte Imp^e et catholique et les etats ge-
neraux, que leurs trouppes seront receües dans les dittes places
autant qu*il sera necessaire pour leur defense, quand le cas
viendrat evidemment ä exister, bien entendu que cela se fasse
d'accord et de concert avec le gouvemeur general des Pays-Bas.
XIII.
Les etats generaux pourront ä leurs fraix et depens faire
fortifier les sudittes villes et places, soit par de nouveaux
1715 Nov. 15. 305
ouvrages ou en fesant reparer les vieux, les entretenir et ge-
neralement pourvoir k tout ce qu'ils trouveront necessaire pour
la seurete et defense de dittes villes et places, ä la reserve
qu'ils ne pourront pas faire construire de nouvelles fortifica-
tions Sans en avoir donne connoisance pröalable au gouver-
neur general des Pays-Bas et avoir entendu son avis et ses
considerations lä-dessus, et sans qu'on pourra les porter k la
Charge de sa Mte Imple et catholique ou du pays qu'avec le
consentement de sa ditte Mt<^.
XIV.
Pour la seuretö de la communication entre les Provinces-
Unies et les villes et places de la barriere, sa Mt^ Imple et ca^
tholique aura sein de faire en sorte que les lettres et messagers
tant ordinairs qu' extraordinairs pourront passer librement pour
aller et venir dans les villes et places de la barriere et par
Celles des autres pays, ä condition que les dits messagers ne se
chargeront pas de lettres ou de paquets des marchands ou au-
tres particuliers, lesquels tant pour les places de la barriere
que pour tout autre pays devront etre remis aux bureaux des
postes de sa Mt^ Imple et catholique.
XV.
Pour ce qui regarde Tartillerie, magacins et provisions de
guerre que L. H. P. ont dans les villes et places qu'elles remet-
tent ä sa Mte Imple et catholique, il leur sera permis de les
faire transporter sans aucun empechement et sans payer au-
cuns droits ou pöages, tant Celles qu'elles y ont fait conduire
elles-memes que Tartillerie marquee de leurs armes perdue
dans la derniere guerre et leur appartenant, d'ailleurs qu'elles
auront trouvö dans les dittes places, ä moins que sa Mte Imple
et catholique ne souhaite de prendre la ditte artillerie et mu-
nitions de guerre pour son compte et ne convienne du prix
avec L. H. P. avant la reddition des places. Et quant h V ar-
tillerie et munitions qui sont presentement dans les places com-
mises ä la garde des trouppes des etats generaux, elles seront
laissöes h leur garde et direction suivant les inventaires qui en
seront dressös et signös de part et d' autre avant l'öchange des
ratifications du present traitö, sans qu'il sera permis de les faire
transporter ailleurs que d'un commun consentement, et restera
la propriete ä sa Mte' Impie et catholique pour autant qu' il s'en
Österrdehisch-englische Suat» vertrage. Bd. I. 20
3o6 i7>5 Nov. 15.
est trouv6 dans les dittes places au temps de leur cession ou
reddition,
XVI.
En cas que les provinces des Pays-Bas Autrichiens fussent
attaquöes, et qu'il arrivät (ce qu'ä dieu ne plaise) que les ar-
möes des ennemis entrassent dans le Brabant pour y agir et
faire le siege de quelque place dans la ditte province ou de quelq-
une de Celles qui en fönt la barriere, il sera permis k L, H. P.
de faire occuper et prendre poste par leurs trouppes dans les
villes et endroits sur le Demmer depuis l'Escaut jusques k la
Meuse, comme aussy d'y faire des retranchements, des lignes et
des inondations pour empecher les progrös ulterieurs des enne-
mis, autant que la raison de guerre le pourra demander, pourvü
que le tout se fasse de concert avec le gouvemeur general
des Pays-Bas.
xvn.
Comme il conste par V experience de la guerre passee que
pour mettre en seuret^ les frontieres des etats generaux en
Flandre il falloit y laisser plusieurs corps des trouppes si
considerables que V armöe se trouvoit beaucoup affoiblie par lä,
pour prevenir cet inconvenient et pour mieux asseurer les dit-
tes frontieres ä l'avenir, sa Mt^ Imple et catholique c6de aux
etats generaux tels forts et autant de territoire de la Flandre
Autrichienne limitrofe de leurs dittes frontieres qu' on aura be-
soin pour faire les inondations necessaires et pour les bien
couvrir depuis l'Escaut jusques ä la mer dans les endroits, oü
elles ne sont pas deja suffisament asseurees et oü elles ne s^au-
ront l'etre par des inondations sur les seules terres deja ap-
partenantes^) aux etats generaux.
Pour cette fm sa Mte Imple et catholique agree et ap-
prouve que pour Tavenir les limites des etats generaux en
Flandre commenceront ä la mer entre Blanchenberg et Heyste,
ä Tendroit oü il n'y a point des dunes, moy ennant qu' ils n'y
feront pas batir ny ne permettront pas qu'on batisse des vil-
lages ou des maisons auprfes du dit poste, ny ne soufriront*)
point aucun etablissement des pecheurs ou d'y faire des ecluses
ä la mer.
») A ^= appartenaiite.
•) So im Or.
1715 Nov. 15. 507
Et promettent de plus L. H. P. que, si elles trouvent bon
de faire construire quelques fortifications k la tete de leurs nou-
velles limites, elles auront soin de ne pas diminuer la force de
la digue, et non seulement se chargeront des fraix extraordi-
nairs qui pourroient etre causes ä roccasion de dittes forti-
fications, mais mßme dedommageront les habitants de la Flan-
dre Autrichienne de touttes pertes qu' ils pourroient souffrir au
cas que la mer vint ä faire des inondations par les fortifica-
tions sudittes.
On tirera du poste susnommö une ügne droite sur le Gote-
weegie, d'oü la ligne continuera vers Heyste; de Heyste eile ira
sur le Drie-hoek et Swarte Sluys ; de lä sur le fort de St Donas,
lequel sa Mt^ Imple et catholique c^de en propriet6 et sou-
verainet^ k L. H. P., (moyennant que les portes des ecluses au
dit fort seront et resteront ot^es en tßms de paix) et c^de pa-
reillement le terrain situ6 au nord de la ligne ci-dessus marquee.
Du fort St Donas les nouvelles limites des etats generaux
s*ötendront jusques au fort de St. Job, d'oü on regagnera les
anciennes prfes de la ville de Middelbourg, lesquelles limites on
suivra le long du Zydelingsdyk jusques ä V endroit oü le Eeche-
loose watergang et le waterloop se rencontrent ä une ecluse ;
ensuite de quoy on suivra le Graaf-Jaansdykh jusques au village
de Bouchout (aux interess^s des ecluses duquel on permet de
les remettre oü elles ont ete ci-devant), et du dit Bouchout
on continuera la ligne droite pour regagner les anciennes limi-
tes des etats generaux.
Sa Mt^ Imple et catholique cede aussi en pleine et entiere
souverainete aux etats generaux le territore situö au nord de
la ditte ligne.
Et comme pour leur entiere seuret^ il est necessaire que
rinondation soit continuöe de Bouchoute jusques au canal du
Sas de Gand de long du Graaf-Jansdykh, il sera permis en
tSms de guerre ä L. H. P. d' occuper et faire fortifier touttes les
ecluses qui se trouveront dans le Graaf-Jaansdykh et Zyde-
lingsdykh.
A Tegard de la ville du Sas de Gand les limites seront eten-
dues jusques ä la distance de deux mille pas geometriques, pour-
vü qu'il n'y aye point des villages compris dans cette etendue.
Et pour la conservation du bas Escaut et la communication
entre le Brabant et la Flandre des etats generaux^ sa Mte Imple
3o8 >7«5 Nov. 15.
et catholique cede en pleine et entiere propriet6 et souverainet^
aux etats generaux le village et polder de Doel comme aiissy
les polders de St Anne et Ketenisse.
Et comme en tems de guerre il sera besoin pour plus de
seuretö de former des inondations par les eclüses entre les forts de
la Marie et de la Perle, sa Mt^.Imple et catholique remettrat, aus-
sitot que la barriere sera attaquöe ou la guerre commencöe, la
gard du fort de la Perle k L. H. P. et celle des ecluses, bien
entendü que, la guerre venant ä cesser, elles remettront ces
ecluses et le dit fort de Perle k sa Mte Imple et catholique,
comme aussy celles qu' elles auront occupöes dans le Graaf-
Jaansdykh et Zydelingsdykh.
Les etats generaux ne pourront faire aucune inondation
en temps de paix, et se croyant Obligos d'en former en tfims
de guerre, ils en donneront connoissance pr^alable au gou-
verneur general des Pays-Bas, et en concerteront avec les ge-
neraux commandans les armöes aux Pays-Bas; promettant de
plus que si k V occassion de la cession de quelques ecluses (dont
les habitans de la Flandre Autrichienne conserveront le libre
usage en tßms de paix) ils vinssent k souffrir quelque donraiage
ou prejudice, tant par les commandants que par d'autres officiers
militairs, que non seulement les etats generaux y remedieront
incessament, mais aussy qu'ils dedommageront les interessös.
Et puisque par cette nouvelle Situation des limites il fau-
dra changer les bureaux pour prevenir les fraudes, en quoy
sa Mte Imple et catholique et L. H. P. sont egalement interessös,
on conviendra des lieux pour T etablissement de dits bureaux
et des precautions ulterieures qu'on jugera convenir de prendre.
II est de plus stipulö par cet article qu'une juste evalua-
tion sera faite avant la ratification du present traite des revenus
que le souverain tire des terres qui se trouveront cedees k L.
H. P. par cet article, comme aussy de ce que le souverain a
profite par le renouvellement des octroys sur le pied qu'ils
ont etö accordös depuis trente ans en de^ä, k etre deduits et
defalques sur le subside annuel de cinq cent mille ecus.
Et la religion catholique romaine sera conservöe et main-
tenue dans les lieux ci-dessus cedez en tout sur le pied qu' eile
y est exercee actuellement, et qu'elle Ta etö du temps du roy
Charles 11. de glorieuse memoire, et seront de meme conservös
et maintenüs tous les privilöges des habitans.
1715 Nov. 15. 309
Le fort de Rodenhuysen sera rasö et les differens touchant
le canal de Brügges seront remis ä la decision d'arbitres neu-
tres ä choisir de part et d'autre, bien entendu que par la cession
du fort de St. Donas ceux de la ville de Y Ecluse n' auront pas
plus de droit sur le dit canal qu'avant cette cession.
xvm.
Sa Mt^ Imple et catholique cede ä L. H. P. les etats ge-
neraux ä perpetuite en pleine souverainetö et propriet^ dans
le haut quartier de Gueldre la ville de Venlo avec sa banlieüe
et le fort de St Michel; de plus le fort de Stevensverth avec
son territoire ou banlieüe, comme aussy autant de terrain qu' il
faudra pour augmenter leurs fortifications en dega de la Meuse;
et promet sa ditte Mte de ne faire jamais batir ou permettre
qu' un autre batisse aucune fortification de quelque nom que ce
soit ä la distance d'une demie lieu de la ditte forteresse.
Sa Mte Imple et catholique cede de plus aux etats ge-
neraux Tammanie de Montfort consistant (ä Texception des
villages de Swalmt et Elmt qu'elle se reserve) dans les petites
villes de Neustadt et d'Echt avec les villages suivants: s^avoir
Ohe et Laek, Roosteren, Braght, Beesel, Belfen, Vlodorp,^) Po-
stert, Berg, Lin et Montfort, pour etre possedez par les dits etats
generaux de la maniere que les a possed^ et en a jouy sa Mt^
le roy Charles 11. de glorieuse memoire, avec les prefectures,
bourgs, fiefs, terres, fonds, cens, rentes, revenus, peages, de
quelque nature qu' ils soient, subsides, contributions et coUectes,
droits feodaux, domaniaux et autres quelconques appartenants aux
dits lieux ced6s ci-dessus, le tout pourtant sans prejudice et sauf
tous les droits qui pourront competer ä sa Mt^ le roy de Prusse,
etcenon obstant touttes exceptions, pretensions ou contradictions
faites ou ä faire pour troubler les etats generaux dans la paisible
possession des Heux cedös par le present article, touts pactes,
Conventions ou dispositions contraires au present article etant
censees nuUes et de nulle valeur; bien entendu que cette cession
se fait avec cette clause expresse, que les Statuts, anciennes
coutumes et generalement touts les privilöges civils et eccle-
siastiques, tant ä V egard des magistrats et des particuliers que
^) So im Or,; heute Vlodrop; ähnliche von der Jteutigen Schreibweise
abweichende Formen auch' bei einigen anderen Namen, ^. B. Swalmen, Bracht
tu a. m.
3IO ^7^5 Nov. 15.
des eglises, convents, monasteres, ecoles, seminaires, hospitaux
et autres lieux publics avec touttes leurs appartenances et de-
pendances, de meme qua le droit diocesain de Tev^que de
Ruremonde, et generalement tout ce qui regarde les droits,
libertes, immunit^s, fonctions, usages, ceremonies et Texercice
de la religion catholique, seront conservös et subsisteront, sans
y apporter changement ou Innovation ny directement ny in-
directement, dans tous les lieux ci-dessus cedez de la maniere
que du temps du roy Charles IL de glorieuse memoire, et Se-
lon qu'on Texpliquera de part et d'autre plus amplement en
cas qu'il arrive quelque dispute sur ce sujSt. Et ne pourront
etre donnöes les charges des magistratures et telles autres de
police qu'ä des personnes qui soient de la religion catholique.
Le droit de coUation des benefices qui a et6 jusques icy au
souverain appartiendra d' oresnavant h V eveque de Ruremonde,
ä condition que les dits benefices ne pourront etre donnes qu'ä
des personnes qui ne seront pas desagreables aux etats ge-
neraux pour des raisons particulieres ä alleguer.
II est aussy stipuld que les etats generaux ne pretendront
pas d' avoir acquis par la cession de la ville d' Echt aucun droit
de judicature ou d'appel par rapport au chapitre de Thom ou
autres terres de l'empire, et il sera libre ä sa Mte Imple et
catholique de nommer tel endroit qu'il conviendra pour la ditte
judicature ou appel.
Et puisque les habitans de la partie du haut quartier qui
vient d' etre cedee ne pourront plus porter leurs proces en cas
d' appel ä la cour de Ruremonde, il sera libre ä L. H. P. d'ö-
tablir une cour d' appel pour leurs sujets dans un tel lieu de la
province qu'elles trouveront convenir.
On est convenu de plus, que les droits d'entröe et de
sortie qui se levent tout le long de la Meuse ne pourront etre
hausses ny baisses en tout ou en partie que d'un commun
consentement, des quels droits sa Mte Imple et catholique tirera
ä son profit ceux qui se levent ä Ruremonde et ä Navagne,
et les seigneurs etats generaux ceux qui se levent ä Venlo.
Et comme les dits droits sur la Meuse en general comme aussy
ceux sur Y Escaut subsidiairement sont aflfect^s au payement de
deux rentes distinctes, scavoir une de quatre vingt mille et une
de vingt mille florins par an, en vertu de la transaction pas-
s6e et conclue le vingt six de Decembre mille six cent quatre
1715 Nov. 15. 311
vingt et sept avec feu sa Mte de la Grande-Bretagne, Quil-
laume III., on est convenu, que L. H. P. k cause de k cession
susmentionnöe subviendront ä sa Mte Imple et catholique dans
le payement de dittes rentes et autres debtes qui pourront y
etre hyppotequ^es annuellement et ä proportion du produit des
droits d'entröe et de sortie qu'elles recevront, le tout suivant
les constitutions memes des dites rentes.
Et quant aux dSttes et charges contractöes et constituees
sur la generalitö du haut quartier de Gueldre, les etats gener-
aux concurreront dans le payement d'iceux pour leur quote
part, Selon la proportion portee par la matricule de tout le dit
haut quartier. Tous les documens et papiers qui concement
le haut quartier de Gueldres resteront cx)mme cy-devant dans
les archives ä Ruremonde. Mais on est convenu qu'il en sera
form^ un inventaire ou registre ä T intervention des commis-
saires de sa Mt^ Imple et catholique, de sa Mte de Prusse et
des seigneurs etats generaux, et copie authentique sera donnöe
du dit inventaire ä chacune des trois puissances, pour avoir
toujours hbre acces ä tous les papiers et documens dont elles
pourroient avoir besoin pour la partie qu* elles possedent dans
le dit haut quartier de Gueldres et donc copie authentique
leur sera delivröe ä la premiere requisition.
XIX.
En consideration de grands fraix et depences extraordi-
naires aux quelles les etats generaux sont indispensablement
Obligos, tant pour entretenir le grand nombre de trouppes qu'ils
se sont engages par le present traitte de tenir dans les villes
ci-dessus nommees, que pour subvenir aux grosses charges ab-
solument necessaires pour Tentretien et reparation des forti-
fications des dittes places et pour les pourvoir des munitions
de guerre et de bouche, sa Mte Imple et catholique s'engage
et promet de faire payer annuellement aux etats generaux la
somme de cinq cent mille ecus ou douze cent cinquante mille
florins monnoye d' Hollande par dessus le revenu de la partie
du haut quartier de Gueldre, cede en propriet6 par sa Mt^ Imple
et catholique aux etats generaux par le dix huit article du pre-
sent traitte, comme aussy par dessus les fraix pour le logement
des trouppes selon le reglement fait en l'annöe mille six cent
quatre vingt dix huit, de la maniere que Ton en conviendra
313 '7'5 Nov. 15.
en detail. Laquelle somme de dnq cent miUe ecus ou douze
Cent cinquante mille florins monnoye d' Hollande sera asseuröe
et hyppotequöe, comme eile est assuröe et hyppotequöe par
cet article, generalement sur tous les revenus des Pays-Bas Au-
trichiens y compris les pays cedös de la France et specialement
sur les revenus les plus clairs et liquides des provinces de Bra-
bant et de Flandre et sur ceux du pays, villes, chatelenies et
dependances cedöes par la France, selon qu'on est convenu
plus specifiquement par un article separö, tant pour Thyppo-
teque que pour les moyens et termes de les percevoir. Et
commencera le dit payement du subside des cinq cent mille
ecus ou douze cent cinquante mille florins monnoye d' Hollande
du joür de la signature du present trait^, sur quoy seront de-
duits au pro rata du tßms les revenus des villes, chatelenies et
dependances cedöes par la France, echuz depuis le dit joür jus-
ques au joür que les dits pays seront remis ä sa Mt<5 Imple et
catholique, pour autant que les etats generaux les auront receü.
XX.
Sa Mt^ Imple et catholique confirme et ratifie par cet ar-
ticle les capitulations accordöes aux provinces et villes des Pays-
Bas ci-devant apellez Espagnols du temps de leur reduction
sous Tob^issance de sa ditte Mt^, ainsy que T administration ge-
nerale du dit pays y exercöe par la Grande-Bretagne et les
etats generaux des Provinces-Unies, ayans represente le legi-
time souverain par leurs ministres qui ont resid^ ä Bruxelles et
par le conseil d' etat commis au gouvemement general de dits
Pays-Bas, ensuite du pouvoir et des instructions qui luy ont
et6 donn^es, et des requisitions faites de la part des deux puis-
sances tant en matiere de regale, de justice, de pohce que des
finances, comme aussy T administration particuliere des etats,
des provinces, des Colleges, des villes et des communautez au
plat pays, de memo que des cours souveraines de justice et
d'autres cours et juges subalternes.
Lesquels acts de police, regale, justice et finances subsi-
steront et sortiront leur plein et entier eflfet selon la teneur de
dits actes et des sentences rendues, le tout de la mßme maniere
comme s' ils avoient et6 faits par le souverain legitime du pays
et sous son gouvernement.
1715 Nov. 15. 313
XXI.
Tout ce qui est compris dans rarticle precedent sera aussy
observö, ratifiö et maintenu de la part de sa Mte Impie et ca-
tholique ä Tögard du haut quartier de Gueldre et des pays
conquis sur la France (dont le roy Charles ü. de glorieuse
memoire n'etöit pas en possession h son dec6s) pour touttes
les dispositions faites au nom et de la part des etats generaux
des Provinces-Unies.
Et pour ce qui est des benefices et dignitez ecclesiastiques,
ceux qui en ont et6 pourvüs et qui se trouvent en possession
ne pourront etre depossedez; et ceux qui ne sont pas encore
en possession y seront admis, sans qu'on puisse s'y opposer
que par les voyes et dans T ordre de la justice, selon les lois
et coutumes du pays.
xxn.
Sa Mte Imple et catholique reconnoit et promet de satis-
faire les obligations qui ont et^ passöes de la part de sa Mt^
catholique Charles 11. de glorieuse memoire pour les levöes
d'argent que L. H. P. ont fait negocier pour sa ditte Mt^, dont
la liste est jointe au bas de cet article. Et comme on na point
encore remis aux etats generaux les obligations des etats des
Pays-Bas Espagnols pour la somme de deux cent mille florins
par an h foumir par eux pour le payement des interets et pour
remboursement d' un capital de quatorze cent mille florins, levös
ä intgret en Tan mille six cent quatre vingt et dix huit pour
etre employe aux necessitez des frontieres des dits Pays-Bas
Espagnols et de quatre annöes d'interet, portant la somme de
deux cent vingt quatre mille- florins, dont le dit capital de qua-
torze cent mille florins est augmentö, lesquelles obligations le
dit roy Charles 11. de glorieuse memoire avoit promis'de faire
tenir sans que cela s'est fait; sa Mi^ Imple et catholique promet
par cette de faire passer les obügations par les etats des pro-
vinces de dits Pays-Bas et de les faire delivrer incessament
apres aux dits etats generaux, conformement ä la teneur de la
ditte Obligation de sa Mte' catholique du trente de May mille
six cent quatre vingt et dix huit ä la premiere convocation des
etats ou au plus tard dans le terme de deux mois apr^s Te-
change des ratifications de ce traitö. •
314 ^7^5 Nov. 15.
Memoire des negociations faites ä la requisition de sa Mt^
catholique Charles n. de glorieuse memoire.
La premiere negociation a et6 d! un million cinq cent soi-
xante quinze mille florins sur les droits d'entröe et de sortie
de la Marie ä cinq pour cent, faite par acte du treize de Decem-
bre de Tan mille six cent quatre vingt dix . 1.575,000 —
La seconde at et6 de cinq cent vingt cinq
mille florins ä cinq pour cent sur le möme fonds,
levös par acte du vingt-un de Mars V an mille six
cent quatre vingt et un 525.000 —
La troisieme a et6 de cinq cent soixante et
sept mille florins ä cinq pour cent sur les revenus
du haut quartier de Gueldre, faite par acte du
quinze de Janvier Y an mille six cent quatre vingt
et douze 567.000 —
La quatrieme et cinquieme negociation de
cinq cent mille florins et de deux cent mille flo-
rins ont etö faites conformement k deux actes du
quatrieme et vingt deuxieme de May mille six cent
quatre vingt et treize sur les droits d' entree et de
sortie de la Marie a six pour cent . . . 700.000 —
La sixieme at etö de six cent soixante et cinq
mille florins sur le meme fonds et k cinq pour
cent, lev6e de V onze d' Avril mille six cent quatre
vingt et quinze 665.000 —
La septieme a ete de quatorze cent quarante
mille florins sur le meme fonds k cinq pour cent,
levöe par acte du vingt quatre de Novembre mille
six cent quatre vingt et quinze .... 1,44.0000 —
La huitieme, neufieme et dixieme sommes de
quatre cent mille, cent mille et trois cent mille
florins ont et6 levöes par acte du dix de Decem-
bre mille six cent quatre vingt et quinze, du douze
de Septembre mille six cent quatre vingt et seize,
et du sixieme de Mars mille six cent quatre vingt
et dix sept ä cinq pour cent sur les revenus de
la province de Namur et subsidiairement sur les
revenus de la Marie et les domaines de la pro-
vince de Luxembourg, portant ensemble 800.000 —
1715 Nov. 15. 315
L* onzieme somme de cinq cent mille florins
at et6 lev6e par acte du trente d' Avril mille six
cent quatre vingt et seize ä six pour cent sur les
revenus de la provostö de Mons . . . 500.000 —
La douxieme somme de quatorze cent mille
florins ä quatre pour cent at ete levee sur les
subsides des provinces desPays-Bas sur lesremises
d'Espagne et subsidiairement sur les revenus de
la Marie. Item deux cent et vingt quatre mille
florins pour quatre annees d'interet du capital
conformement k la teneur de Tobligation du trente
du May mille six cent quatre vingt et dix hui-
tieme annee; portant ainsy la somme totale 1,624.000 —
xxm.
Pareillement sa Mte Imple et catholique reconnoit, ap-
prouve et confirme touttes les levees d'argent, dont la liste
est jointe au bas de cet article, qu'on a et6 Obligo de faire
pour le payement de plusieurs necessitös indispensables pour
la conservation des Pays-Bas Espagnols et pour Y entretien des
trouppes de sa Mt^ Imple et catholique pendant le gouveme-
ment provisionel de la Grande-Bretagne et des etats gener-
aux des Provinces-Unies et faites par L. H. P. de concert avec
sa Mte brittanique, promettant sa Mte Imple et catholique d'y
satisfaire et de faire düement enregistrer les dittes negociations
dans les chambres des fmances et des comptes, et d' en faire
delivrer acte en forme ä L. H. P. et de faire payer le capital
et les interets hors des fonds et hyppotöques tant principales
que subsidiaires aflfectöes pour cette fin, sans que sa Mte' Imple
et catholique pourrat apporter, si ce n'est de Taveü des etats
generaux, aucun changement ä la direction ou ä Tadministra-
tion des hyppoteques sur lesquelles les negociations ont etö
faites, mais qu'elle les laisserat ä L. H. P. conformement h la
teneur des obligations,et si ces fonds n'etoient point suffisants,
ce qu'il y manquera sera suppige par les etats des provinces
des dits Pay-Bas Autrichiens.
Memoire des negociations faites pandant le gouvernement
provisionel de sa Mt^ brittanique et de L. H. P. aux Pays-Bas.
3i6 i7'5 Nov 15.
Dans rannte mille sept cent et sept ont et6 lev6s trois
Cent mille florins ä cinq pour cent sur la posterie et destinez
ä etre envoyös au roy ä Barcelone; encore quatre cent mille
florins ä cinq pour cent sur les droits d' entr^e et de sortie en
Flandre ;destinös ä des necessitös aux Pays-Bas. Les interets
des dits quatre cent mille florins ont etö assign^s sur la po-
sterie 700.000 —
Au mois de Fevrier de Tannee mille sept
cent et neuf ont 6t6 levis deux cent cinquante
mille florins k cinq pour cent sur les droits de
la Marie pour T entrieten des trouppes imperiales
et palatines . ^250.000 —
Au mois de May mille sept cent neuf a et^
levöe ime somme de cinq cent mille florins ä cinq
pour cent aux memes conditions, sur les memes
fonds et au meme usage 300.000 —
Au mois d'Aoust at etö encore levöe une
somme de dix cent mille florins aux mSmes condi-
tions, sur les mßmes fonds et au meme usage 1,000.000 —
Dans Tannöe mille sept cent et dix at eU
negoci^e une somme de trois cent mille florins
k six pour cent sur le revenu de la posterie pour
subvenir aux fraix des trouppes imperiales et pa-
latines au Service de sa Mt^ Imple et catholique 300.000 —
Item sur les droits d'entree et de sortie en
Flandre une somme de quatre cent mille florins
pour subvenir aux fraix des trouppes imperiales
ä six pour cent, sfavoir cinq pour cent ä trouver
sur les droits en Flandres et un pour cent sur les
revenus de la Marie 400. x>o —
Item sur les memes fonds et ä six pour cent,
s^avoir cinq pour cent ä trouver sur les droits
d'entree et de sortie en Flandre et un pour cent
sur les revenus de la Marie, une somme de trois
cent mille florins pour subvenir aux fraix des
trouppes imperiales 300.000 —
Item sur les mßmes fonds et ä six pour cent,
savoir cinq pour cent ä trouver sur les droits
d' entr^e et de sortie en Flandres et un pour cent
171 5 Nov. 15. 31^
sur les revenus de la Marie, une somme de trois
Cent quarante mille six cent vingt cinq florins
pour subvenir aux fraix des trouppes imperiales 340.625 —
Item sur les revenus de la Marie ä cinq pour
cent une somme de trois cent mille florins pour
subvenir aux fraix des trouppes imperiales . 300.000 —
Au mois de Mars mille sept cent et onze a
et6 lev6e une somme de trois cent mille florins
ä six pour cent sur le revenu de la posterie pour
subvenir aux fraix des trouppes imperiales . 300.000 —
En Decembre de Tann^e mille sept cent et
douze ont et6 negociös sur la Marie deux cent
vingt huit mille trois cent et trente florins ä cinq
pour cent pour pourvoir aux necessitös et aux
fortifications de Mons, St. Ghilain et Ath . . 228.330 —
Fesant les susdittes levöes ensemble la somme de quatre
million six cent dix huit mille neuf cent cinquante et cinq flo-
rins; Temploy de laquelle aussy bien que de la somme de cinq
cent cinquante mille florins que les receveurs des droits d'en-
tr6e et de sortie en Flandre ont foumis en lettres de change
aux etats generaux en Y an mille sept cent et dix, de cent mille
florins qu'ils ont receu du receveur des medianates, et de cent
cinq mille florins salvo errore calculi qu'ils ont receu de la tyoi-
sieme chambre du conseil de Flandre, at et^ verifiö au ministre
plenipotentiaire de sa Mt<^ Imple et catholique, de la maniere que
cela est expliquö plus particulierement par la^) declaration mise
au bas de Y etat des negociations, et argent foumy et de Y em-
ploy des dits deniers signö ce mfime joür.
XXIV.
On procedera aussitot que faire se pourra k la liqui-
dation du payement fait des interets et du capital des emprunts
mentionn^s dans les deux articles precedents, dans laquelle liqui-
dation ne sera port^e ä la charge de L. H. P. que tout ce qui
se trouvera pay^ effectivement et röelement en vertu de dittes
Obligations, et sans que de la part de sa Mt^ Imple et catholi-
que on pourra faire contre le payement de dits intSrets quel-
que difficultö ou pretensions de rabbat ou diminution ä cause
*) Du engliscJu' und die s^niitische Ausfertigung habtm sa.
3i8 J715 Nov. 15.
de non possession des hyppoteques, confiscation en t^ms de
guerre, depravation des hyppoteques ä cause de^) diminution
des droits d'entr^e et de sortie ou autre cause ou pretexte
quelconque, et sans qu'ä cause de cette liquidation on pourra
de la part de sa Mt^ Imple et catholique discontinuer le paye-
ment poor le recouvrement des interets et termes de rembour-
sement, dans lequel il sera continuö conformement aux con-
ditions port^es par les obligations, jusques ä ce qui constera
que tous les emprunts et interets d'iceux seront entierement
acquitös et rembours^s, apr^s quoy les hyppoteques seront due-
ment decharg^es et restituöes.
XXV.
De plus sont ratifiös et confirmös par le present article
tous les contracts pour le pain, chariots et fourrages des troup-
pes imperiales et palatines faits par les ministres de deux puis-
sances ä Bnixelles ou par le conseil d'etat commis au gou-
vemement des Pays-Bas sur la requisition des dits ministres,
et sont pareillement confirm^s et ratifiös tous les payemens
deja faits ä ce sujet par le conseil des finances, et les ordres
donnös par le dit conseil pour assigner le restant de ce qui
est du pour le dit pain, fourrages et charriots sur les droits
d' excrescence de quatre especes ensuite des requisitions du
conseil d'etat, sans que les dits droits d' excrescence puissent
etre divertis k d'autres usages sous quelque pretexte que ce
puisse etre, avant que les entreprenneurs qui ont livrö le dit
pain, fourrages et chariots soient entierement satisfaits, selon
la teneur de leurs contracts ensuite des requisitions des mi-
nistres de deux puissances et des ordres du conseil d'etat et
de celuy des finances.
XXVI.
Pour ce qui regarde le commerce, on est convenu que les
navires, marchandises et denrees venant de la Grande-Bretagne
et des Provinces-Unies et entrans dans les Pays-Bas Autrichiens,
de meme que les navires, marchandises et denröes sortant des
dits Pays-Bas vers la Grande-Bretagne et les Provinces-Unies
ne payeront les droits d'entree et de sortie que sur le meme
«) i4 = Jes.
1715 Nov. 15. 319
pied qu*on les leve ä present^), et particulierement tels qu'ils
ont et6 reglös avant la Signatare du present traitö, selon la
requisition faite au conseil d'etat ä Bnixelles par les ministres
de deux puissances en datte du six de Novembre,*) et qu'ainsy
le tout restera, continuera et subsistera generalement sur le dit
pied, Sans qu'on y puisse faire aucun changement, innovation,
diminution ou augmentation sous quelque pretexte que ce puisse
etre, jusques ä ce que sa Mt^ Imple et catholique, sa Mt^ bri-
tanique et les seigneurs etats generaux en conviendront autre-
ment par un traite de commerce ä faire le plutot qu'il se
pourra, demeurant au reste le commerce et tout ce qui en de-
pend entre les sujets de sa Mt^ Imple et catholique dans les
Pays-Bas Autrichiens et ceux des Provinces-Unies en tout et
en partie sur le pied etably et de la maniere portöe par les
articles du traitö fait ä Munster le trente de Janvier mille six
Cent quarante huit entre sa Mte le roy Philippe IV. de glo-
rieuse memoire et les dits seigneurs etats generaux des Pro-
vinces-Unies concernant le commerce , lesquels articles viennent
d'etre confirmös par le present article.
xxvn.
Que les fortifications et tous les ouvrages de la citadelle
de Liege de mSme que Celles du chateau de Huy aussy avec
tous les forts et ouvrages seront rasez et demolis, sans qu'ils
puissent etre jamais rebatis ou retablis, bien entendu que la
ditte demolition se ferat aux depens des etats du pays de Liöge
ä qui les materiaux resteront pour etre vendüs et transportes
ailleurs; le tout aux ordres et sous la direction des etats ge-
neraux qui enverront pour cette fin des personnes capables
pour avoir la direction de dites demolitions, aux quelles on
commencera de travailler immediatement aprfes la signature du
present traittö, et que Ton acheverat en dedans trois mois ou
plutot s'il se peut, 'et que cependant les gamisons des etats
generaux des Provinces-Unies ne sortiront de dittes places
avant que la demolition ne seit achevöe.®)
») Gemäss der ,,Declaration des droits d' enMe et sortie qui se levent
aux Pays-Bas Autrichiens ä V esgard de la Grande-Bretagne et des Provinces-
Unies", Dieselbe liegt dem Vertrage vom 15. Nov. 171 ", bei,
') ygi' P* 2g6 Anm, 2,
«) In der Ratifikation des Kaisers d, d. Wien 17 1^^ De^. 21 fOr, R. O.)
ist der gewöhnlichen Beeidigungsformel — Karl VL werde alles, was ihn be-
3^0 i7'5 Nov. !<;.
xxvm.
Et pour plus grande seuretö et execution du present traitte
promet et s'engage sa Mt^ brittanique de le confirmer et de
le garantir dans tous ses points et articles, comme eile le con-
firme et le garantis*) par celuy-cy.
XXIX.
Le present traitö sera ratifiö et approuvö par sa Mt^ Imp'e
et catholique, par sa Mt^ brittannique et par les seigneurs etats
generaux des Provinces-Unies, et les lettres de ratification se-
ront delivröes dans le terrae de six semaines ou plutot si faire
se peut ä compter du joür de la signature.
En foy de quoy nous ministres plenipotentiaires de sa
Mt^ Imple et catholique, de sa M^^ britannique et des seignetu^s
etats generaux en vertu de nos pouvoirs respectifs avons esdits
noms sign^s ces presentes de nos seings ordinaires et ä icelies
fait apposer ces cachets de nos armes.
Fait ä Anvers ce quinze du mois de Novembre de Y annee
mille sept cent et quinze.«)
L. S. J. L de Kinigsegg. L. S. W. Cadogan. L. S. B. v. Dussen.
L. S. Le comte de Rechteren. L. S. Sc. Gockinga.
L. S. Adr. van Borssele tot Geldermalsen.
Article separö.
Comme dans T article dix neuf du traitte de la barriere pour
les etats generaux des Provinces-Unies dans les Pays-Bas Au-
treffe, halten und nicht gestatten, dass etwas dagegen gescJiehe — heigefügt, ^^erto
confisos sacri Romani imperii electores, principes ac status perpensis rite rerum
motncntis iis, quae supra art 2y super aequatione munimentorum arcis Leo-
dinensis prout et casteUorum ac munimentorum urbisque Huyensis concedi prae-
sens temporum ratio coegit, consensu suo haud gravatim accessuros esse,*'
*) So im Or.; in den Rat garantit
*) Daran sind angeschlossen :
1. Formulaire du serment pour le gouverneur de Dendremonde,
2. Formulaire du serment pour les gouvemeurs des places,
^. Pl'inpouvoir du ministre plenipotentiaire de sa M^* Impß* et catholique
(lateinisch,)
4, Pleinpouvoir du ministre plenipotentiaire de sa M^^ brittaniqw (la-
teinisch,)
tI. Pleinepouioirs des ministres plenipotentiairs des seigneurs etats generaux
des Provinces-Unies (lateinisch) ; sämtlich u, a, gedruckt Du mont /. c. Villi i 464 ff.
»715 Nov. 15. 321
trichiens, conclu ce jourdhuy quinze de Novembre raille sept
Cent et quinze entre sa Mte Imple et catholique, sa Mte britani-
que et les dits seigneurs etats generaux, on est convenu de
s'expliquer plus specifiquement par un article separe au sujSt
des hyppoteques et des moyens de percevoir le subside y men-
tionne, sa Mte Imple et catholique pour assurer et faciliter d'au-
tant plus le payement du dit subside de cinq cent mille ecus
ou douze cent cinquante mille florins monnoye d' Hollande par
an, accorde et stipule par le dit article, assigne specialement
sur les pays, villes, chatelenies et dependances, ced^es par la
France, annuellement la somme de six cents et dix mille florins
monnoye d' Hollande selon la repartition suivante; ä sfavoir:
sur la ville de Toumay cinquante et cinq mille flor., sur la
chatelenie de Toumay, dit le Tournesis, vingt et cinq mille flor.,
sur la ville et verge de Menin quatre vingt dix mille flor., et sur la
partie de la Flandre occidentale qui at ete ced6e par la France,
h repartir sur les villes, chatelenies et dependances suivant le
transport de Flandre, quatre cent quarante mille flor., et le restant,
sur les subsides de la province de Brabant un tiers, fesant la
somme de deux cent treize mille trois cent trente et trois et
un tiers de florin, et sur ceux de la province de Flandre deux
tiers, fesant la somme de quatre cent vingt et six mille six cent
soixante six et deux tiers de florin; fesant les dittes sommes
respectives ensemble la suditte somme totale de cinq cents mille
§cus ou douze cent cinquante mille florins monnoye d' Hollande.
La portion de la province de Brabant est assignee sur le
contingent des sept quartiers d'Anvers et des autres districts
de Brabant dans les subsides de cette province et la portion
de la province de Flandre sur le contingent du pays de Waes
y compris Beveren, du pays d'Oudenbourg, du francq de Brüg-
ges, du pays d'Alost et de la ville et pays de Dendremonde
dans les subsides de cette province.
Et pour asseurer d'autant plus le payement regulier des
susdites sommes respectives, sa Mte Impie et catholique promet
et s'engage que le payement se fera de trois en trois mois, ä
commencer du joür de la signature du present trait6, k payer
ä Techeance du terme et au defaut du dit payement ä la fin
des dits trois mois. Ordonne sa Mte Imple et catholique d^s
ä present et par ce traitö aux etats des provinces et departe-
mens et les receveurs des subsides tant ordinairs qu'extraor-
()steiTeichisch-englische Staatsverträge. Bd. f. 2 (
322 '7' 5 Nov. 15.
dinairs, de mSme que ceux de ses droits et domaines, hors des
quels le payement se doit faire conformement ä la repartition
ci-dessus, qu'en vertu de cet article et sur une copie d'icelui
ils auront ä payer incessament ä chaque echeance et sans delay
au receveur general des dits etats generaux ou k ses ordres
les sommes ci-dessus marquöes et sans attendre autre ordre
ou assignation, ce present article leur devant servir d' ordre
et d' assignation dfes ä present et pour lors; et le dit payement
leur sera pass6 en compte ä la Charge de sa Mt^ Imple et ca-
tholique, comme s'il avoit et6 fait k elle-mSme.
Faute de quoy ou bien en cas que les dits etats n' accor-
dassent pas avec la promtitude*) necessaire les subsides, pour-
ront les etats generaux proceder aux moyens de contrainte et
d'execution et mSme par voye de fait contre les receveurs,
etats et domaines de dittes provinces et departemens, lesquels
sa Mte Imple et catholique y soumet en vertu de cet article,
le tout sans prejudice du droit de L. H. P. sur les autres reve-
nus du souverain par dessus le subside des provinces, comme
sont les droits d'entröe et de sortie, impots, tailles, pöages et
autres domaines.
De plus on est convenu que le payement du dit subside
ne pourra etre retard^ moins refusö sous pretexte de compen-
sation, liquidation ou autres pretensions de quelque nom ou
nature qu'elles puissent etre.
Et aura cet article separ^ la meme force que le dit traittJ
de la barriere, et tout comme s' il y etoit inser^ de mot ä mot
et sera ratifi^ dans le mSme temps que ce traitö.
En foy de quoy nous ministres plenipotentiaires de sa
Mt^ Imple et catholique, de sa Mte britanique et des seigneurs
etats generaux avons sign^ le present article et y avons fait
apposer le cachet de nos armes.
Fait ä An\^ers ce quinze de Novembre mille sept cent
quinze.2)
Addition au traite de barriere. ^j
Etat de Temploy des deniers provenus des negotiations
faittes sur divers fonds des Pays-Bas durant le gouvemement
0 So im On
*) Diesel brn Unterschriften wie im Hauptvertragc*
3) Nach dem im R, A. Barriere 1714—1716, Bd. IIL Nr. -/J7 befind-
1715 Nov. 15. 323
provisionel des deux puissances maritimes, distinctement men-
tionees dans la liste jointe au bas de rarticle 23 du traitö de
la barriere, signö le 15 de Novembre 17 15, montans ä une
somme de 4,618.955 florins, comme aussi des 550.000 florins
fournis en lettre de change par les receveurs des droits d'en-
tröe et sortie de Flandre, de plus 100.000 flor. fournis par le
receveur de medianants, et finalement de 105.000 florins fournis
par le troisiöme membre du conseil de Flandre, faisant en tout
ensemble une somme de savoir monnoye de Hollande:
Remise par L. H. P. Tannöe 1708 au roy catholique Char-
les in. hors les deniers levös sur la posterie des Pays-Bas
Espagnols la somme de trois cent mille florins 300.000
Pour la livraison du fourage faite aux
troupes de sa dite Mt^ selon le compte deux
millions septante huit mille neuf cents et seize
florins, six sous, six deniers .... 2,078.916. 6.6
La livraison de pain, compris les chariots
de vivres, selon le compte deux millions deux
Cents quatre vingt sept mille sept cents septante
six florins, quatorze sous, six deniers 2,287.776. 14.6
Item des autres payemens extraordinaires
mis en compte par Mrs les etats generaux soi-
xante neuf mille cinq cent quatre vingt trois
florins, quinze sous 69.583. 15.0
Argent pay^ ä la caisse de guerre pour
les portions de pains et fourages pendant le
quatier d' hiver, depuis le i. Janvier 1709 jus-
ques au mois d' Avril 171 1, selon le compte six
cent cinquante sept mille huit cent quatre vingt
neuf florins, seize sous 657.889. 16.0
Des fraix pour les hospitaux et autres de-
pences extraordinaires selon le compte trente
deux mille trois cents trente six florins, un sou,
six deniers 32.336. i-6
Depences pour les munitions et fortifica-
tions dans les villes de Mons, St. Guisslain et
liehen Or. Gedruckt ist die Urkunde u. a. bei Zinck Ruhe des jet{tlebenden Eu-
ropa I. 5/?/.
324 ^7^5 Nov. 15.
autres cent cinquante huit mille six cents trente
neuf florins, six sous, six deniers . 138.639. 6.6
Somme 5,585.142. 0.0
Le soubsignd ministre plenipotentiaire de sa Mte ImpJe et
catholique declare d' avoir vu et examin^ V etat cy-dessus et de
Taccepter et de Taprouver, comme je Taccepte et aprouve pour
et au nom de sa dite Mte, avec les conditions suivantes.
Que premierement serat defalqu^e de rimpöt*) total une
somme de 24.485 florins payös pour des chariots, dont les cha-
tellenies enemies ont et6 en defaut et qui par ainsi ne viemient
point ä^) Charge de sa Mt^ Imple et catholique.
Que secundo on produirat les quittances Originals de 7373
florins qui manquent sur une somme totale de 21.535 fl. 12 s.
10 d.^) ou au defaut d' icelies d' autres pieces justificatives.
Que tertio on produirat de mßme les quittances Originals*)
ou ä leurs defaut des justifications sur une somme de 37.927 fl.
16 s. sur la quelle Castiglio at donn^ une copie de quittance
suspecte.
Que quarto on produirat encore les quittances Originals
ou h leurs defaut des justifications authentiques sur une somme
de 14.636 fl. 14 s. sur lesquelles le susdit CastigHo n'at pro-
duit pour preuve de Hvraison qu'une attestation de Mr Arm-
strom.
Que quinto on produirat de meme les quittances Originals
ou ä leurs defaut la justification qui manque pour une somme
de 2818 fl. 14 s. et demi sur une somme totale de 17.237 fl. 6 d.
Que sexto on eclaircirat mieux les deux comptes pour
Ostende, portant la somme de 16.425 fl. j s. 3 d., pour averer
ce qui en doit rester ä la charge de sa Mte Imple et catholique.
Et qu' enfin on renseignerat les munitions de guerre selon
le compte specific^) qu'on at presente. Anvers^) ce 15. Nov. 17 15.
L. C. de Koenigsegg.
J) Or, = import,
*) Ziiick hat ä Ja charge,
3) Zinck hat 6 d,
*) Dieses Wort fehlt in dem Or. des R, A.
^) Ursprünglich stand la specification.
") Ursprünglich stand Dans la ville d' Anvers.
17*5 Nov. 15. 325
CommeO en ajustant Tarticle pour la d^molition des forti-
fications de la citadelle de Liege et du chateau de Huy les
sousignez ministres plenipotentiaires des seigneurs etats ge-
neraux ont insiste, que de la part de Tempereur on voulut
donner les assurances que le prince et etats de Liege se desi-
steroient de la pretension qu'ils ont portö ä la diete de rem-
pire contre le fort que les etats generaux ont fait construire
sur le Petersberg devant Maastright, et aussi que Ton puisse
convenir sur leurs pretensions au sujet de Bonn, soit en fai-
sant demolir les fortifications ou bien en s'accordant sur la
garnison que Y on y pourroit mettre pour la seuretö commune,
Mr le comte de Kinigsegg, ministre plenipotentiaire de sa Mte
Imple et catholique, s'etant excuse d'y entrer des ä preselit
faute d' ordre pour le quel il auroit ecrit en la cour, et que
d'ailleurs ces deux points aient tant de rapport avec le susdit
article et soient de tant d'importance pour les interets des
etats generaux que lesdits plenipotentiaires ne sauroient s*en
desister, aiant des ordres expres lä dessus, ils se trouvent obli-
gez de declarer comme ils declarent par cette, qu'ils n'ont con-
senti au contenu du dit article que dans la^) persuasion et
dans r attente, qu' a vant Y echange des ratifications il sera donne
de la part de sa Mte Imple et catholique pleine et entiere assu-
rance q'il sera satisfait aux pretensions de L. H. L. sur ces
deux points. Fait et delivre a Mr le comte de Kinigsegg ä
Anvers ce quinze de Novembre mille sept cens quinze.
L. S. B. V. Dussen.*)
L. S. Le comte de Rechteren.
L. S. Sc. Gockinga.
L. S. Adr. Borssele tot Geldermalsen.*)
*) Nach dem im /?. A. befindUchen Entwürfe,
*) Ursprünglich stand qu' ä condition,
5) Di^ Unterschrift fehlt in diesem Entwurf,
*) Da die in dieser Deklaration von den Generalstaaten gestellten Bedin-
gungen bis \um Tage des Austausches des Rat, vorn Kaiser nicht erfüllt wurden,
der Kurfürst von Köln vielmehr Truppen ohne Wissen und Teilnahme der Ge-
neralstaaten in Bonn einführte, erklärten die staatischen Deputierten gelegentlich
der Auswechslung der Bat, des Barrierevertrages in einer Deklaration d, d, Ant-
werpen iyi6 Jan. ßi ihre Verpflichtungen be\ügluh Lüttichs und Huys nicht er-
füllen \u können, bis ihnen bezüglich der Bonner und Petersberg er Affairen Ge-
^26 >7i6 ^l^i 25./Juni 5.
16.
Defensivbündnis ^ischeft Karl VI. wid Georg L, samt cuiem
Separatartikel d. d. Westminster 1716 Mai 2$ st v.
«
Rat. Georgs I. d. d. St. James 17 16 6.1 ly. Jnli^); Karls VI. d. d.
Wien ßo. Junfi) iyi6.
Geheimer y separater Zusatiariikel {ti diesem Vertrage d. d. Wien i'jij
Sept I, betreffend die gegen die grossbritannischen Rebellen ^u ergrei-
fenden Massregeln.^)
Rat. Georgs I. d. d. St. James lyiy De;^. ij\iTi8 Jan. y ; Karls VI.
d. d. Wieti IJ17 Sept. 10.
Die Originale des Bündnisses, des Separatartikels und des geheimen Zu-
sat\artikels im St-A. und /?. O. ; die Originale der Ratifikationen Georgs im
St.-A., die Karls im R. O, — Drucke bei Bittner N. yoo.
Eine der selbstverständlichen Folgen des englischen Minister-
wechsels vom Jahre lyio und der mit demselben :{usammenhängenden
Wendung in der auswärtigen Politik der Königin Anna, war der Ab-
bruch der freundschaftlichen Beziehungen, die seit ihrem Regierungs-
antritte ^wischen England und Österreich geherrscht hatten. Je eif-
riger das Toryministerium für den Frieden mit Ludwig XIV. ein-
trat und je selbstsüchtiger es dabei die besonderen Interessen des Insel-
Volkes in den Vordergrund rückte, desto verletzter fühlte sich der Wie-
nugtuung worden sei. Der kaiserliclie Gesandte stellte darauf am selben Tage
eine Gegenerklärung aus, in der er das Versprechen gab, dem Kaiser von den
Gründen dieser Aufschiebung bei der Erfüllung . der eingegangenen Verpflich-
tungen seitens der Generalstaaten Mitteilung \u machen. Die Or. beider Er-
klärungen im R. A. (Barriere 1714 — 1716.) Eben daselbst auch die Kopie der
Erklärung König seggs d. d. ^/. Jan, 17 16, in der er betont, dass der Kaiser
die Auswechslung der Rat. befohlen und dass er sie vollzogen habe, dass er aber
im Namen des Kaisers und um Dispute {u vermeiden erklären müsse, dass der
Kaiser, wie er einer bescheidenen Anzahl staatischer Truppen den Durchzug durch
sein Land gestatten wolle, von den Generalstaaten erwarte, dass der Art. 14, die
Post betreffend, strictissimo modo eingehalten werden würde. Bezüglich des von
den Gouverneuren der Barrierefestungen \u leistenden Eides soll die bezügliche
Verfügung des Vertrages ergän^^t werden.
*) Bittner set^t irrtümlich lö-lay, Juli.
•) Bittner set\t irrtümlich 16. Juni.
•) Bittner be\eichnet /. c. i^^ irrtümlich als Inhalt dieses Zusat\artikels
die Einladung der Generalstaaten \ur Accession,
171 ö Mai 25./Juni 5. ^21
ner Hof. Als der Inhalt der Friedensprälimmaricfty die England ohne
Wissen des Kaisers mit Frankreich entworfen hatte und auf einem
Friedenskongresse seinem Verbündeten aufnötigen wollte, dem kaiser-
lichen Gesandten am Londoner Hofe, Grafen Gallas, mitgeteilt wurde,
— Okt. ijii — gab dieser seinem Unwillen über das seinem Herrn zu-
gefügte Unrecht in so heftiger Form Ausdruck, dass ihm^der Zutritt j(u
Hof verweigert, den Ministern der Verkehr mit ihm untersagt wurde. ^)
Die Angelegenheit wurde dann notdürftig geordnet. Gallas verliess
den englischen Hof und Königin Anna erklärte sich bereit, jeden an-
deren kaiserlichen Gesandten ^u empfangen. Allein der Unmut der
Wiener Regierung über den Verrat Englands und über den Öster-
reich {ugemuteten Verzicht auf Spanien blieb bestehen. Sie weigerte
sich den Friedenskongrcss ^n beschicken, falls auf dieser Grundlage
verhandelt werden sollte und enischloss sich, auch in London gegen das
treulose Vorgehen des Bundesgenossen nachdrücklichst {u protestieren.
Niemand geringerer als Eugen von Savoyen, der grosse Kriegs-
held, sollte dort die Interessen der kaiserlichen Politik vertreten, Eng-
land {u neuerlicher Umkehr und ^um Einlenken in die ehemals be-
tretenen Pfade bewegen. Mitte Januar IJ12 erschien er in London;^)
er erfuhr, dass wenige Tage vorher Marlborongh's Stur{ erfolgt sei.
Damit war auch das Schicksal seiner Mission besiegelt. Er erkannte
alsbald, dass seine Bemühungen erfolglos bleibest würden. Um eine
Enttäuschung reicher^ kehrte er ins Lager {urück. Was folgte, ist
bekannt. Während der Kaiser sein gutes Recht mit den Waffen in
der Hand vertrat, schritt das Toryministerinm auf der eingeschla-
genen Bahn fort und schloss am 11. April 17 iß ^u Utrecht einen
Frieden mit Frankreich. Derselbe bedeutete einen glänzenden Erfolg
der englischen Politik. Die für die Entfaltung der englischen Han-
delsmacht im südlichen Europa wichtigen Stationen Gibraltar und
Port Mahon blieben im Besitze Grossbritanniens ; die Zerstörung
Dünkirchens befestigste die Herrschaft Englands im nördlichen
Meere ; sein Kolonialbesitz in Amerika wurde auf Kosten seines
gefährlichsten Rivalen, auf Kosten Frankreichs, ansehnlich vergrössert,
und die günstigen Handelsverträge, die es mit Holland, Spanien und
Frankreich schloss, sicherten den englischen Kaufleuten grossen Ge-
winn. Je berechtigter aber die Freude des englischen Volkes über
*) Für dies und das folgende vgl. Weher „Der Friede von Utrechts* I49ff»
•) Vgl. Weber l. c, 2^4 ff» : Arneih Eugen IL i^., Feld\üge desPrin\en
Eugen; XIV. Suppl.
3a8
1716' Mai 25. /Juni 5.
diesen günstigen Ausgang des langjährigen Krieges war^ der mt die
Opferwiiiigkeit der Nütion so grosse Anforde rnngm gesielii hatte ^ desto
biUerer empfand der Österreichische Herrscher das Vorgehen seines ehe"
maligen Kamp/genossen. Ihm in erster Linie mass er die Schuld daran
beif dass nicht alle seine Blittenträume reifen durften, dass er seh im
Jahre i/i^f nach vergeblichen Versuchen den Kamp/ gegen Ludwig XIV.
ohne Mithilfe der Seemächte er/olgreich /ürtiusef{^enj {um Frieden von
Rastatt her eil /In den nmsste, der, obgleich g/instig genüge seinen hoch-
gestelltai Erwartungen nicht entsprach. Karl VI gab seiner Entrnstimg
über dieses Vorgehen Annas und aller Leiter der englischen Politik un-
verholen Ausdruck f und wenn er auch die Beziehungen j^um englischen
Hofe nicht gänzlich abbrach, so bewies doch die Tatsache^ dass er die
Vertretung seiner Interessen in London seit dem Abgange des Grafen
Gallas seinem Residenten Ho ff mann überliesSj und die ^rückkalfende
Art^ mit der dirst^r die Eröffnungen der englischen Minister entgegen^
nahm, wie gering die Neigung des Kaisers war ^ die alten freund-
schaftlichen Beziehungen ^^m etiglischen Hofe wieder auJiunehmen.
Da führte der Tod Annas und die Thronbesteigmig Georgs I
eiften entscheidenden Wechsel herbei^) Die Partei^ die mit Georg I
in England ^^tr Herrschaft gelangte^ kehrte sogleich in die Bahnen
zurück j die Wilhelm HL eingeschlagen hatte upid denen Anna so
lange ge folgt war^ als Marlborough und seine Anhänger an der Spitze
der Geschäfte gestanden tiaften. Feindschaft ^ wenn möglich oßeuer
Krieg mit Frankreich wurde die Losung des neuen Whigministeriums
und als natürliche Folge davon die Neigung mit den alten Verbün-
deten^ mit Holland und dem Kaiser j das freundschaftliche Verhältnis
wiederzugewinnen, das durch die Franzosenfreundliche Politik des
Toryminisieriums verloren gegangen wan In unzweideutiger Weise
gab Georg /., dem schon als Kurfürsten von Hannover an der Au/^
rechihaltung guter Beziehungen {ati/ Re ichsober haupte gelegen sein
musste^ diesem Wunsche Ausdruck und die österreichische Regierung
glaubte die Werbungm des netten Herrschers nicht rundweg {;/r//£*^-
weiscn ^7/ dürfen. Doch verhielt sich Karl VI au /fallend kuhlj als
Graf Stanhopf f sein Freund vom spanischen Kriege her und nun
einer der leitenden Minister des neuen Frankreich feindlich gesinnten
') Für die auswärtige Politik George L vertmse ich ein* für allemal auf
die älteren Darstellungen bei Caxe „ Wiiipoie'', Mahon Hisiofy of England* VoL L
und IL ; Lecky Hist. of England Vol L und auf die neueren bei W, Mickaeh
Engl Gesek. im iS. Jaliflh L 40} jf, Basti Williams j^Tke foreign policy tjf
ßngland under Walpole Engl. Hist Rev^ i^oo und ipoß.
17 f 6 Mai 257Juiii j*
329
englischen KahmefUs^ im Nov. IJ14 in Wim (Tsckitftj von der Nöi-
weHdigkfit sprach, deti Bund des Kaisers mit deti Seemächten ^n er-
ftmeru mid dem Kaiser ein Defensivhundnis aitbot^ dem dann auch die
Gencraistaateti beitreten soitten.'^) Auch iegte die geheime Kon/eren^^
dir über Stanhope^s Anträge teriet, Wert tfarmif^ dem Vertreter Georgs L
bei dieser Geiegettheit vorzuhalten ^ wie übet England dem Kaiser in
den ietj^ten Jahren mitgespielt habe und wie berechtigt dessen Miss^
trauen in die Aufrichtigkeit der engtischen Erklärungen sei Je mehr
sich aber die Stelinng Georgs L in England befestigte, und je weiter-
gehender die Eröffnungen Stanhope's wurden^ der als Führer der Kriegs-
partei in England nur all^u geneigt war die Revanchepläne der Öster-
reicher gegcft Frankreich ^ nähren^ desto mehr traten die Bedenken
in tien Hintergrund^ die Anfangs von einem Teile der massgebenden
Räte Karls VI. gegen den Anschluss an England geäussert worden
war^n,^) Ais Stanbope Ende des Jahres IJ14 den Wiener Hof ver-
lies s^ nahm er nebst einem Entwürfe des Barrierevertrages auch den
eines Bnndnisses ^wischen dem Kaiser und den Seemächten mit^ das
dem Namen nach einen defensiven^ dem Inttaite nach einett gan^ aus-
gesprochen offensiven Charakter trug. Denn Karl VL forderte n, a,
die Verpjl ichtung der Seemächte^ ihn bei der Behauptung der Insel
Majorka, die noch von österreichischen Truppen besetzt gehalten wurde ^
^ unterstützen f nie ^^nlassen^ dass nach dem Aussterben des medi-
ceischen Mannsstammes in Toscana dieses Land an einen Prinzen ans
dem Hause Bourbon falle ^ und ihn überdies bei seinem Bestreben verloren
gegangene Teile der spanischen Monarchie wieder ^// gewinnen nach
Kräften ^n fördern,^) Stanhope toussie^ dass der Kaiser damit in erster
»> Die Instruktion für ihn (RM^ ist datiert 18, Okt 1^14. VgL Michael
Le.öß^ff.
*) Konferen\'Ref vom 2^, Nov* St.-A. Vgl Weö^r, Die Quadrupelallian^
mm Jahre iji8 p* ^,
•) Beilage lum Rt^kripf Karts VL an Hqffmann d, d. 26, Juni IJ15 S/.-A.
Im Hinbikke auf die Bedeutung dieses ProjMes sei der tnhait der 10 Artikel
und der j Geheimartikel liier mitgeitilt, Art, L bestimmte fortdauernde Freund-
se/taft ^wisL-hen den j Mä'chUfU Art, IL tautet: Foederis Imiu^ caput et finis esi,
non ut quisquam a foederatis invadatitr auf oß^enddtur, sed nt eorunt honor^ di-
gnitas^ reg na j proiitmae et iura, qthte tetnpore iondnsi foederi^i in Eitropae par^
tibus pössiJent aut durante foedere acquirentf contra quositbet tiggressores qui
exsitrgere possent communi ope Utaesa eonserventur, äefenJaniar et propognentur
simtd et ob iniuriam, quje ipsis a quopiam inferri vetlet, iust*i satisf actio pro*
curetur. Art. ///. Der Angegriffene gibt den Verbünde tea Kunde ^ und diese su-
^tten den Angreifer von weiteren Angriffen at\nßtaiten und \t4r Sctiadioshattung
(II bezeegefu Art. /V. Gelingt die^ innerhalb j^ Monate nichts dann Itaben die
Link Sizilien im Auge ^mtie^ das im Üir echter Frieden dem Herrscher
von SiWOfen zugewiesen worden war ttitd dessen BrsitJ( dem Kaiser
schon um Neapels willen unenthehrlich schien; er wussfc audh dass
Frankreich seine Zusfimmnng ^t einer derart igen Verletzung des ge-
schlossenen Friedens nie hl geben werde ^ und konnte daher nicht ^ei/eln,
dass der Al^schlnss des Binidnisses unter den von Osterreich gestellten Be-
dingungen den Krieg nach sich ^ietten würde. Wenn er trotzdem gegen
solche Forderungen der Wiener Regle rnng nicht e^ffen protestierte^ so ge-
schah dieSf weil er seihst hei dieser durch seine Erklärungen die Hoff-
^ Hitfc gerufenen Mächte Hilfe \u hisfen und nur gemeinsam mit d^m Feinde
Frieden ^u sMies&en. Art K Die Zahl der Truppen ist nicht atigegebefU Art VI.
enthält Bestimmungen iiber Erhaltung und Verpfleguug dieser Truppen^ Art. VtL
enthält Bestimmuftgen übt^r den Kriegsbefehl und Kriegsrat ^ Art. VIIL enthält
Bestimmungen iiber friedliche Beilegung euentuelkr Differenzen im Heere. Art* /X
Per foedtts hoc meram defensionem speetans eorum quae foederati tenipore ton-
ciusi foederis in Buropa posMtut auf durante faedere iuquirent^ nou tantum
niinl derogatum censehitur amp/ioribus iuribus, qitae singuÜs foedcratis t antra
irlios eompetuntf sed nee iis quicqitAm praeiudicii inferetur, quae se invieefn suos-
que tangunt, muÜo minus caesarei muneris admimstratteni uUum impedimentum
adferetur. Art. X, Die Dauer des Bundes soll 10 Jahre betragen und die Möglich-
keit gegeben sein^ ihn vor Ablauf dieser Frist ^u erneuern ; der Beitritt anderer
Fürsten ist nach Übereinkunft der j Mächte gestattet. Sccretatiikel L betrifft
Mdjorka; die Seemäcttte erklären^ eam insu/am cum omnibus eo spectitntibus
lociSf personiSf rebus ac iutibuSf. nön secus ac alia quat-vis foederatorum regna^
provincias et iura prassen ti foedere comprehensam dtque ad eam pro sacra C*»
et catholica M'* augusta^^ue domo austriaca defendendam et conservandam obli'
gatas se esse teile ac debere. Der 2^' Art. enthält die Verpflichtung der See*
mächte f quod non tantum nihil unquam impedinienli allatitri sint sacrae C**»* et
eatholicae Af' * , quominus nliquam monarchiae hispantcae partem acqutratt sed
uti accasia tulerit uttro operam dare velint et ofuni ope conniti, ut uniütrsmn
in eam ius et quaevis quocunque tempore adepta possessio penes sacram C"* et
cathoticam A/*™ et Ser****"** domum austriaca m setnper permaneat et perpetuo
canservetur ; a qua obÜgatione uti nuUa alüi monarchiae Hispanicae Portio ex-
cepta hattet debet, ita nontinatim id de SLtlia a duce Sabaudiae nunc detenta
alitsque eins praesenttbus aut futttris Usurpationibm ac molitionibus Intel ligitur.
Art. ilL Cum et sacri Romani imperii utilitas et publica Eurapae tranquillita^
ac securitas postulet^ ut superstite aeque ac extincta stirpe Medicaea mascwlina
eiusdem imperii in magnum Hetruriae ducatum aliasque iib ea familia possessas
ditiones et feuda ius ülaesum conservetur^ inprimis vero impediaturf ne ex iis
quicquam a^i Borboniam domum transferatur aut ab hac quavis ratione aut
quoiibet praetextu occupetur vel nsurpetur*^, verpflichten sich die j Mäehte steh
darüber immer ^n einigen und nickt ^w gestatten, dass darwider gehandelt werde;
iJem etiam de aliis ftaliae partihus doniui Borboniae n unquam permittendis a
faederatis observabitur.
1716 Mai 25./Juni 5. ^^I
nung erweckt hatte, für solche Bestrebungen die Unterstützung der
Seemächte {u gewinnen. Allein so sehr er für seine Person die baldige
Aufnahme des Krieges gegen Frankreich und dessen Verbündete wünschte,
so wenig glaubte er in diesem Augenblicke an die Möglichkeit eines
Erfolges, Er hielt es daher für angezeigt, von dem Entwürfe des
Wiefier Hofes vorerst seiner Regierung keine Mitteilung {u machen,
diese vielmehr auf elften geeigneteren Moment {« verschieben, was
ihm um so leichter wurde, als allerseits die Anschauung vorherrschte,
dass die Ordnung der Barricrefrage dem Abschlüsse eines Defensiv-
bündnisses fischen den Seemächten und Österreich vorangehen müsse.
In diesem Sinne vertröstete Stanhope den kaiserlichen Residenten Hoff-
mann, als dieser im Frühjahr iji} {u seiner grössten Überraschung
erfuhr, dass die meisten englischen Minister von dem österreichischen
Vertragsentwurfe überhaupt keine Kunde erhalten hatten, mit der Be-
merkung, es sei noch nicht die rechte Zeit da^ gekommefi.^) Und als
Hoffmann im Sommer 17 15 dem englischen Hofe von dem Anerbieten
des Papstes lnnocen{ XH. sprach, :[wischen Karl VI. und Philipp V.
von Spanien den Frieden :(u vermitteln, rieten die englischen Minister
nicht nur ab, sondern Stanhope betonte, dass Ludwig XTV. dem Tode
nahe sei „und dass innerhalb 6 Monaten die Sachen dahier dahin ge-
ändert sein werden, dass diese Nation mehr für den Krieg als den
Frieden sein wer de, ^^^^^ In der Tat war die herrschende Partei in jener
Zeit fest entschlossen, den Kampf mit Frankreich nach dem Tode Lud'
wigs XIV. anf^unehmen. Allein bevor noch dieses Ereignis eintrat,
und lange bevor die Lösung der Barriereangelegenheit gefunden war,
die dem Abschlüsse der gegen Frankreich gerichteten Allianz voran-
gehen sollte, hatten sich die Verhältnisse Grossbritanniens derart ge-
ändert, dass an eine Durchführung der Offensivpläne Stanhope' s nicht
{u denken war. Die schwere Gefahr, in die Georg I. durch den Auf-
stand der Jakobiten geriet, nötigte die englische Regierung ihre gan^e
Aufmerksamkeit den inneren Wirren ^^i^uwenden ,^) und so wünschens-
wert ihr gerade im Hinblicke auf diese neuen Konflikte ein freund-
schaftliches Verhälhiis {um Kaiserhofe war, so wenig glaubte sie jet^t
Verpflichtungen übernehmen ^u dürfen, die ihren Feinden Gelegenheit
') Für dies und das Folgende vgL die Berichte Hoffmanns St.-A. und die
Darstellung bei Michael 641 ff, und Weber p. 4 ff.
») Bericht Hoffmanns d. d. 55. Juni 171$ St,»A.
•) Über den Au/stand der Jakobiten vgl. Michael l. c, 48^ ff, und die dort
verzeichnete Literatur.
533 '7'ö Msi 25-/Jum 5,
bieten kounien ^ England in dem Momeni^ aH^grei/cPi , wa es alle
Kräfte aufbieten musste^ den inneren Feind {U besiegen.
Unterdessen hatte der Wiener Hof an dem seit einiger Zeit
Lord Cöhkam die Qeschäfte der englischen Regierung fuhric^ den Eni'
schluss gefasst, die Ältian^frage in Lmidon durch einen nmen Boi-
se hafter in Gang ^n bringen* Graf Voikra^ der für diese Mission
ausersehen wurde ^ erhielt die Weisung ^ kein Mitte/ unversucht ^u lassen^
um den Abschluss des geplanten Bnnduisses {n beschletmigen, ^u glei-
cher Zeit aber alles {u vermeiden^ was von England als eine Aner-
kennung des Utrechter Friedens gedeutet werden konnte,^) Der kaiser~
liehe Gesandte langte in London in eben der Zeit an^ da im Haag
die Ufiter:{ei€hnuitg des Sßrrierever träges erfolgte. *) Er konnte darauf
hinweisen^ dass dieses Hindernis beseitigt sei. Seine Aufnahme war
eine gute. Dort ergaben sich^ kaum dass die Frage des Bündnisses
erörtert wurde ^ Differenzen ^ deren Ausgleichung nicht leicht war.
England wünschte eine Tripleiiga ; der Kaiser im Hinblicke auf ftcue
Streitigkeiten , in die er mit den Generaistaaten geraten war ^ ein
Bnndnis Englands mit Österreich, dem beizutreten den J^iederldndern
freigestellt werden sollte. Da eine Einigung über diesen sowie über
andere Punkte nicht ^n erzielen war ^ entsckloss sich die englische
Regierung j der an der Unterstnt^nng durch die Niederlande in diesem
Augenblicke sehr viel gelegen war^ mit diesen vorerst ab{usckliessen.
Am 6. Febr. iji6 sL v. wurde diJS englisch-staatisehe Bündnis unter-
zeichnet* Die beiden Mächte bestätigten dnrch dasselbe alle Verträge,
die sie seit dem Frieden von Breda miteinander geschlossen hatten und
verpflichteten sich ^u gemeinsamer Verteidigung gegen jeden Angriff.
Graf Völkra hatte von diesen Entschlüssen der Engländer Kenninis
erhalten; sie von denselben ab{uhalfen^ war ihm aber nicht gelungen.
Doch weigerte er sich hartnäckige auf das Anerbieten der Engländer
einzugehen, die Österreich nun ^um Beitritte {ii der staatisch-englischen
A/lian{ aufforderten. Seine Auffassung stimmte in diesem Punkte mit
der des Kaisers übe rein. Karl VI. war über den Abschluss des eng--
iisch-staatischen Bündnisses entrüstet und gab seiner Unzufriedenheit
0 Voikrj erhielt ^ tnstrutäiömn, eine aus der Meichskan^lei «/. */, j. Atig.
ift^, in welcher utich die Titel- und Zerefnonienfragen eingehend erörtert wur-
den ^ und eine d. d* s8. Aug., die das Er {k jus betraf; letztere ist die wiärktigere,
Karl VI. erklärt gan^ au&drückliehy dass er die Tripleiiga Mos als König und
Er^her^og sefdiessen umlief ntihi tils KiiJiser, St.-A.
') Die Ankunft Volke a's in L&mitm erfolgte am lo* Nou. n. st. VgL
sein Sekreiben an den Kaiser d. d. London i./!^. NiA\ ^7^5*
iyi6 Mai 25./Juni 5. i^j
üSer das Vorgehen der englischen Regierung um so lebhafteren Aus-
druck, als ihn der im Dezember 1715 geschlossene englisch-spanische
Handelsvertrag der Hoffnung {u berauben schien, die Hilfe Englands
für seine gegen den spanischen Herrscher gerichteten Pläne ^u ge-
winnen, Volkra erhielt Auftrag, sich über die von England dem Kai-
ser gegenüber beobachtete Haltung {u beschweren und den Beitritt
Österreichs {u der bereits unterzeichneten Liga abzulehnen. Die englische
Regierung rechtfertigte sich und betonte ihre Neigung, einen neuen
Vertrag ^u schliessen. Die darauf bezüglichen Verhandlungen wurden
sowohl in Wien als auch in London gepflogen. Man dachte an beiden
Orten vorerst an eine Tripleliga. Februar IJ16 übersandte die Wiener
Regierung ihrem Vertreter in London ß Entwürfe einer solchen,^)
Allein {ur Verhandlung darüber kam es nicht. Die englischen Mini-
ster hatten unterdes Gelegenheit gehabt sich {u überzeugen, dass die
gereifte Stimmung, die zynischen dem Kaiser und den Generalstaaten
vor dem Abschlüsse des Barrierevertrages geherrscht hätte, seit der
Unterzeichnung desselben eher zu als abgenommen hatte, und da es ihnen
im eigenen Interesse wünschenswert schien, mit Österreich sobald als
möglich abzuschliessen , trat Townshend Ende Februar iyi6 mit dem
Vorschlage an Volkra heran, der Kaiser möge sich mit England ver-
binden und die Generalstaaten durch einen besonderen Artikel des
Vertrages z^m Beitritte eingeladen werden,
Karl VI, z^^S^^ ^^^^ gerne bereit, auf diese Pläne einzugehen,^)
zumal die Gefahr eines Krieges gegen die Türken nahe lag, während
ZU gleicher Zeit Nachrichten einlangten, die auf feindliche Absichten
Philipps V. von Spanien gegen die kaiserlichen Besitzungen in Italien
hinwiesen,^) In verhältnismässig kurzer Zeit führten die Beratungen
>) Weisung d, d. Wien 12. Febr. lyiö an Volkra; P, S, vom ig.Febr, St-A,
(AngL) Zwei dieser Entwürfe waren in die Form von Zusätzen \um Barriere-
traktat gekleidet; nach dem ersten sollte ein Separatartikel mit demselben Datum
wie der Barrierevertrag, nach dem ^fo^iten mit neuerem Datum aber gleichfalls
als Anhang :[um Barrierevertrag unterzeichnet werden. Der dritte Entwurf war
ein selbständiger Traktat der ^ Mächte,
*) Schaub, der in jener Zeit die Interessen Englands am Wiener Hofe
vertrat, verhandelte eifrig mit den österreichischen Ministem, insbesondere mit
dem Prinzen Eugen und dem Gragen Sin\endorff^ die nicht müde wurden z^
betonen, wie weit der Kaiser den Engländern entgegenkomme. Berichte Schaubs R, O.
*) Wie wesentlich diese Dinge auf die Entschliessungen des Wiener Hofes
eingewirkt haben, ^eigt die Weisung Karls VI, d. d, 4. April 1716. Es Iteisst
da: „Indem, aber die Bewegungs-Ursach^ die uns \um Schluss dieser Allianz
veranlasset, unter anderen nicht die letzte ist , dass unsere italienische König-
IJ4 17^^ Mai 357Jud 5*
der geheimai Kanfereni in dem Ehtschiussc, ohne Rücksicht auf die
früher verfassUn Projfkie , ein österreichhch - cngÜsches Defensiv-
bündnis ^ entwerfen und die Aniuihme desseihen ohne jede Änderung
{H forderu,^} Der hiha/f des5eihen entsprach gan{ den augeHbiicküchen
Bedürfnissen des Wiener Hofes und dem Wunsche^ ohne all^tt schwere
Verpßiihtttngat für den Kaiser diesem die Hiife Englands für den
Fall eines Konfliktes in Itaiicn {fi sichern. AusdrütkUch genannt wur-
den die iiaiienischen Besitzungen niclit ; man fnrclitefe am Wiener Hofe
in diesem Faile auch j^ur Aufnaltme der kontinentalen Gebiete
Georgs /. und seiner neuen Erwerbungen — Bremen und Verdun —
genötigt ^u werden, was man verhindern wollte und begnügte sich daher
mit der Erklärung^ dass die beiden Mächte sieh gegen seiHg im Falle
eines feindlichen Angriffes unterstützen sollten* Aliein indem der Ent-
wurf hei dieser Gelegenheit nicht nur der Länder und Hechte, sondern
auch der Ehren und Würden der vcriragsch liessenden Mächte gedachte j
hoffte der Wiener Hof seine Anrechte auf Spanien genügend betont
^ haben. Der Kaiser sollte dem englischen Könige mit 12000 Mann^
dieser jenem mit roooo Mann und 20 Kriegsschiffen 3'"- und ß**- Ord-
nung lu Hilfe kommen. Von einer Garantie der hannoverischen Thron-
folge, die seitens der englischen Minister dringend gefordert worden
war^ stand in dem Entwürfe nichts.^) Dagegen wurde der Gedanke
reich und Lande unter wehrendem Türkenkrieg mittelst einer engiisc/ten Flotta
oder HsqUiidra von alter äussert icher gefäitriictier Anfechtung sieher ges feitet
werden^ dessen en der Zeit desto mehr er {u bedörfen scheinet ^ it/s vom Due von
Anjou eine ^iemlicke Aniahl der Schiffen und Völker naeher Italien {u über'
s kicke fi ^ivar unterm yorwanä einer gegen den Türken abschickenden Hilf an~
getragen wird; also werdet ihr bei Schi fessung der Allinn{ vor allem auf Ab^
Hiiinehung einer iuelängli.hen Squadra in das Mediterratumm |w Sitherstellung
er sagt unserer italienischen Prmin{ert aniutringen Itaben/'
* ) VgL die Instruktian d. d. 4, April iji6 St*-At ,Jngestalten dann auch
ihr nicht einen Bu<^hstahen weder davon norh dar^ ^n thuen/*^
*) Dem Grafen Volkra wurde überdies in der Weisung d. d, 4. April
iyi6 mitgeteilt.' t^Wir /letten icimscfien mögen, dass Du Dich habender Instriutian
grmä'ss über diese a Punkten — Qaranfie der hannover's^ken Sueeessi^n in Eng'
laitd und dessen was Gearg L derzeit van Schweden hesass — in die von Dir
ersagten ministris gethane Vorschlag nickt ein, noch auch mit Deiner Rede und
Gegensatz so weit herausgelassen /leitest; allcrmassen künftighin all dergleichen
hilcfist verfhtgliche Discurs und gegenseits gejUssentlich gebende Anlass vorsieh-
tiglich abzuweichen seirrd.'^ Wegen der Garantie der im Besitze Georgs L be--
findUehen schwedischen Gebiete erklärte Karl VL ferner , nur bei einetn mit den
übrigen nordischen Alliierten -^w schUessenden Vertrage sich hegiuslassen ^u
können und betonte ^ dass diese Frage mit dem Defensivbändnisse in keiner Ver^
171 6 Mai 25./Ji;tni 5. ^15
die Generalstaaten :{um Beitritte einzuladen in einem besonderen Artikel
ausgedrückt Man siehty der Entwurf war recht geschickt gemacht ; wurde
er von den Engländern angenommen, dann hatte sich der Kaiser ohne
grosse Opfer die Hilfe des Inselreiches gesichert, ohne dessen Unter-
stützung an einen erfolgreichen Kampf in Italien nicht ^w denken war.
Deshalb wohl erhielten die in London weilenden Vertreter des Kaisers
den Auftrag, an dem Wortlaute des Entwurfes keinen Buchstaben -{w
ändern. Allein die kaiserlichen Minister täuschten sich, wenn sie
glaubten, ihre englischen Kollegen würden den Sinn der einzelnen Ar-
tikel nicht ^^ deuten verstehen. Dieselben durchschauten vielmehr die
Plätu des Kaisers vollkommen. Wenn sie trotzdem vorerst von jedem
Eingehen auf die Einzelheiten des Entwurfes absahen, so geschah dies,
weil ihnen das erneuerte Bestreben Frankreichs, die Getteralstaaten ^w
gewinnen, den Gedanken nahe legte, das vorhin fallen gelassene Projekt
einer Tripleliga wieder aufzunehmen. Erst als die Nachricht kam, dass
die Generalstaaten fest entschlossen seien, nur dann mit dem Kaiser
und England abzuschliessen, wenn z^ gleicher Zeit auch das staatisch-
englisch-französische Übereinkommen durchgeführt werde, entschieden
sich die englischen Minister für das englisch^österreichische Separat-
bündnis.
Jetzt traten sie aber auch mit ihrer Kritik des österreichischen
Entwurfes hervor. Sie forderten die Auslassung der Worte „honor^^
und „dignitas^^, und volle Gleichheit der Verpflichtungen beider Mächte
bei der Hilfeleistung. Die Situation der Vertreter Karls VI. war eine
schwierige. Wie viel ihrer Regierung an dem Abschlüsse des Vertrages
lag, wussten sie; andererseits lautete der Befehl, auch nicht einen Buch-
staben an dem Wortlaute des österreichischen Entwurfes ;[« ändern, so
präzise, dass ein Nachgeben den Engländern gegenüber ausgeschlossen
scheinen musste. In der Tat vertrat der erfahrene, vorsichtige Hoff-
mann den Standpunkt, dass man nicht um Haaresbreite von den auf-
gestellten Bedingungen weichen dürfe. Graf Volkra aber , dessen
hefligc, anmassende Art z^ manchen Konflikten am englischen Hofe
geführt und ihm zahlreiche Verweise seiner Regierung eingetragen hatte,
war in diesem Falle für ein Entgegenkommen, Nach langen Verhand-
lungen, die von beiden Seiten mit bemerkenswerter Hartnäckigkeit ge-
führt wurden, einigten sich die kämpfenden Parteien. Die kaiserlichen
Gesandten setzten es durch, dass die Worte „honor^^ und „dignitas^^.
bindung stehe. Zu einer Garantie der protestantisclien Succession könne er sich
aus Gründen, dir er oft geäussert liabe^ nicht verstehen.
%%£ iji6 Mai 25*/iuni y
sowir das, von Townshefhi gicichfaih befehdete Wort ijnra'* tu dem
iweiten Ariik^i beibehalten wurden^ wogegen sie ihre EmwiUtgung gaben ^
äass der defensive Charakier des Bündnisses in den ersten Worten
dieses Artikels noch besonders betont werde. Die Hilfeleistung^ die den
Gegenstand des vierten Paragraplten bildete y wurde dem Begehren der
Engländer entsprechend ' beiderseits in gleicher Höhe — 8000 Mann ^n
Fiiss und 4OQ0 Reiter — festgeset{t ; doch wurde den I Vitnschen des
Kaisers dunh den Zusat^ Reehnung getragen, dass England sich ver~
pflichtete^ falls der Krieg es erfordern sollte^ an Stelle der Landlrnp-
Pen yjof naves bellicaSj quamm sumptu^ praefahun mime r um armato^
ntm adaequarent^'^ ^u liefern. Gegen die Zufügung eines Separatar*
tikelsy durch den England sich dagegen sichern wollte im Falle eines
Österreichisch-türkischen Krieges {ur Unter stiit{ung des Kaisers heran-
gezogen {H werden, hatten die Österreich sehen Gesandten nichts ein-
anwenden. Im übrigen wttrde der Wortlaut des kaiserlichen Entwnrfes
beibehalten und im siebenten Artikel von neuem der Beschluss der Ver-
bündeten betont y die Genera/staaten ^um Eintritte in dieses Bündnis
au fj^iif ordern, ^)
Die Wiener Regierung erwartete mit Spannung die Mitteilungen
ihrer Vertreter in London und enfschloss sich^ als Volkra berichtete,
dass die Engländer die Worte ,Jwnor^^ und y^ügnitas^^' in den Ver-
trag nicht auf\unehmeny dagegen vom Kaiser eine grössere Anzahl Sol-
daten^ sowis die Garantie der hannoverischen Succession und der im
Besitze Georgs L befindlichen schwedischen Gebiete ^m fordern willens
seien und in diesem Sinne ein neues Vertragsprojekf entworfen hätten^
^u weitgehenden Konzessionen. Die Weisung vom 6, Juni JJ16 er-
mächtigte Volkra^ wenn es nötig sein sollte ^ von der Aufnahme der Worte
yjionor^^ und .Jignitas'^ abiustehen^ die vom Kaiser -(« leistende Hilfe
auf ißooo Mann ^u erhöhen und im äussersten Falle die Garantie
der hannoverischen SuccessioHy wenn auch nur in allgemein gehaltener
Form^ in den Vertrag auf{tmehmen. Über diese Zugeständnisse hin-
auszugehen weigerte sich Karl VL auf das entschiedenste, und befahl
seinen Gesandten in diesem Falle von jeder weiteren Verhandlung ab-
zustehen.^) Allein einen Tag vor Absendung dieser Weisung hatten —
wie aus der vorangehenden Darstellung ^u ersehen ist — die Vertreter
') In diesem Sinne ist die Bemerkimg Michaels L c, 67^, iils ob erst da*
maJs der auf die ßeitrittseiniadung der Gimeralstaateit be^iigticlie Aräkel hin\u-
gefügt worden wäre^ ^u rectifi\inm,
') Weisung Kmi VL an Valttra und Hoffman d. ./. Laxemburg 6. Juni
iyi6 St'A.
1^1 6 Mai 2S./iuni 5.
m
fCarls VI. unter wesentlich gimsttgernt Beifingfingen mit den Engländern
abgeschlossen. Als ihr Bericht in Wien einlangte, itherwog das Ge/uhi
der Befriedigfing j dass die Ahnachung {ustande gekommen war^ den
Arger über die Änderungen, die an dem kaiserlichen Mntwurfe vor'
genommen worden wäre iL *) Man darf sich in dieser Auß'assung durch
die Weisung nicht he irren lassen^ mit der Karl VL die Übersendung
des Vertrages erwiderte,'^) Denn wenn hier fast nur von den Nach teilet/
die Rede ist, die dem Kaiser aus dem abgeschlossenen Vertrage erwachsen
könnten f die Gefahr betont wird^ nach dem Wortlaute des Vertrages
{ur Garantie der hannoverischen Succession itnd des Besitzes Georgs L
an schwedischen Gebieten genötigt ^n werden^) tmd die ungünstige Form
hermrgehohen wirdy in der sich England ^ur See hilf e verj^ichtete^*) so
^eigt die rasche Erledigung der Ratifikation^ dass der Wiener Hof im
wesentlichen mit dem Vorgehen seiner Vertreter einverstanden war. In
der Tat war durch dasselbe die Grundlage für weitere Abmachungen
geschaffen j falls die Ereignisse^ die sich nicht voraussehen Hessen^ -[«
*J VgL den Bericht ScttauH d, d. 37, Juni i^i4 i?. O. Prin^ Eugen aus-
arte si^h ihm g^genüber^ dem Kaiser liege nichts mehr am Herren , ais stets in
engster Verbindung mit dem Könige van EnghnJ ^u leben ; die ÄHian^f die jet^t
geschlossen iei^ nhi^he dem Kaiser viel Freude.
*j Weisung an Volkrj und Hoff mann d. d. Lixenburg ^u. Juni iji6. St^^A,
^ Der Kaiser bemängt'ite insbesondere die Worte ^^in possessione regnorum,
proi'inciüfum et iurium eo quo sunt sttitu'* im 3. Artikel^ weil er fürchtete^
ftJer engUsclte Hof dörße eiu und anderes und namenttkh die jet^e Innkabung
des Her{ögfnms Bmm^n und Fürsten in ms Verden mit begriffen und verstanden
haben, . . . wrdiingegen uns Engelland durch obange{ogene Clansnt atlv Hilf und
Assisten{ ^u künftiger Widereroberung der spanischen Königreichen,, worauf wir
dock die Porten offen {« haltt' n nnserseitigi.% Absehen bei Erritktung dieser Ai^
Hanit wie billick, geset^et hatten^ und teor^u uns dt^r König durch den Stanhope
sotiohf als den Ctufogan auch Hoffnung geben lassen ^ gar deutlich absaget * . /*
VgL ftbrigens für die Überflüssigkdt dieser Besorgniasr die Ausführungen bei
Michael l c, ^75.
*) Es htnsst in der Weisung d. d. jo. Juni iyi6 St.-A, diesbezüglich : ,,Zu die-
sem kommet j dass lier König in nbang exogenem i'^** Ärtitrtd anstatt dir vtm selbem
begehrt- und ehevor {ugestandenen Hilf ^r See und Land, jet^t nur alternative ^
oder Volk ohne Sehiff\ ftder SM ff ohne Volk und dieses rrst auf den Notfall
dar {ligeben verbunden ist ; * . . womit nicht all*'in unsere italienische Länder, ab*
sonderlich ah-r unser Königreich Neapel unter wehrendem Türgenkrieg gegen
unsere Feimle und deren Anhang in sehle.hte Sicherheit gesef^et wird^ sondern
iiher das noch dieser üble Eingang gegen Engeiland gemacht worden, dass selbes
künftighin uns alle Seehilf in denen Allianien anrechnen und ihre Schiff und
die daraufgehende Unkosten für das {u Land ^ geben sctmldige Confingent
imputiren und abjithen wird***
QnerreichJscb-^ngliacbc SüAUvcrlrfigc. Bd, 1. ^^
338
ifi6 Mai ij./Jum 5-
solchen nätigen sollten. Vorerst aber benutzte die Wiener Regienmg
die Auswechseiung der Ratifikationen ^ um die Erwartung ausJ^usprectien ,
dass England dir bereits begonnenen Vertragsx^erhandhmgen mit Frank-
reich entweder abbrechen oder wenigstens ohne Schaden Karls VI. —
^mal seiner belgischen BeSit{Ungen — führen werde* Die englische
Regiemng j^Ögerte nichts das verlangte Versprechen in dem letzteren
Sinne {w geben ^ Die Niederländer geigten sich Anfangs über das Zu^
Standekommen dieses englisch-österreichischen Separatbundnisses tmge-
halten j dock milderte sich ihr Zorn, als sie wah mahnen ^ dass Georg /-
nicht abgeneigt war^ das von ihnen vorgeschlagene Bitndnis mit Frank-
reich IN sch Hessen. Vau der Hinladnng, dem englisch-österreichischen
Bunde beizutreten^ haben sie keinen Gebrauch gemachte Die Ereignisse
der folgenden Jahre Hessen dies überffussig erscheinen^
Längere Zeit nach erjnlgter Ratifikation dieses Vertrages wurde
demselben ein geheimer Separafartikel hin{Hgjf/iigtj durch den sich
Karl VL verpflichtete^ grossbritannische Rebellen ^ unter anderen auch
den Prätendenten Ja^ob Stuart, an/ Heqnisition der Engländer inner-
halb S lagen aus seinen Er blanden und aus den spanisctien Nieder-
landen auszuweisen. Veranlassnng ^u dieser Abmachung hatten die Kon-
spirationen gegeben f die auch nach der Niederlage der Stuartisriten An-
hänger in Schüttland von verschiedenen Selten gegen die hannoverische
Dpiastie stattgefunden tiattenj namentlich die Aufsehen erregende Ver*
schwörung j deren Mitte tpnuAt der in London weilende schwedische Ge-
sandte Graf Gyilenborg und der im schwedischen Dienste wirkende
Baron Görti bildeten und die den Zweck verfolgte^ Georg L^ der als
Kurfürst von Hannover gegen Karl XI L focht und auf die Herzog-
tümer Bremen nnd Verden Ansprnehe erhob, durch eine Verschwörung
im Innern von der Teilnahme am Kriege gegen Schweden ab^nhalten.^)
Gyilenborg ttaffe mit den Anhängern der Stuarts in Grossbritannien
die Verhandinngen geführt und die Vereinbarung getroffen ^ äass schwe-
dische Truppen — es war von 12000 Mann die Rede — in England
einfallen und dass in diesem Momente die Jakobiten die Fahne der Em^
pörung aufrollen sollten. Zu gleicher Zeit hatte Gört^ in verschiedenen Ge~
bieten des uvsf Heben Europa Stimmung für die Sache der Stuarts {u ma-
chen gesucht und namentlich bei den Vertretern Spaniens frcnndliches Ent-
gegenkommen gefunden. Alber am\ der damals die Geschicke Spaniens
bestimm te^ sendete reichliche Snbsidien und fakob Stuart^ der Präten-
*) VglMichad L c. 7^7 ff. und OianceTki^ Swedhh Plot of 1716^1717.
Bnglrsk ffi'if, R^ieu' t^j p. 87 ff.
t7i6 Mai 25./Juni 5. ^^q
dent, dessen Ausweisung aus Avignon gerade in dieser Zeit Gegenstand
lebhafter Kontroversen [wischen dem englischen und dem französischen
Hofe bildete, stellte nicht nur eine für seine Verhältnisse grosse Summe
:{ur Verfügung, sondern stand auf dem Sprunge nach Stockholm :(u
reisen, um bei geeigneter Gelegenheit seine Sache persönlich ^u unter-
stützen. Auch mit dem Zaren Peter waren Verhandlungen angeknüpft
worden und es lag nicht ausserhalb dem Bereiche der Möglichkeit,
dass Gört:{ens Plan, Russland und Schweden auszusöhnen und -{// einem
gemeinsamen Vorgehen gegen Georg L \u bewegen, sich realisieren
werde. Dass diesmal der protestantische Schwedenkönig die Sache der
katholischen Stuarts unterstützten sollte, schien den Verschwörern eine
wirksame Förderung ihrer Sache, Allein noch ehe die Dinge spruch-
reif waren, hatte die englische Regierung Kunde von den verräterischen
Absichten Gyllenborgs erlangt, diesen verhaftet, seine Papiere mit Be-
schlag belegt und die notwendigen Vorbereitungen getroffen, um einem
schwedischen Einfalle [u begegnen. Dem Ende Januar 1717 zu-
sammentretenden Parlamente wurden Dokumente vorgelegt, die den
Umfang und die Verwegenheit der Verschwörung deutlich erkennen
Hessen und ^u entschiedenen Protesten der beiden Häuser führten. Die
Gefahr war damit für den Augenblick abgewendet. Immerhin lag
aber die Möglichkeit der Wiederholung derartiger Verschwörungen
nahe, und Georg I, glaubte kein Mittel unversucht lassen j^u dürfen,
um sich gegen solche ^u schütten. In diesem Sinne hatte er bei seinen
Verhandlungett mit den Fran:{osen auf der Ausweisung Jakob Stuarts
aus Avignon \ähe bestanden und auch durchgeset:i;t, dass sie ausdrück-
lich in dem Vertrage ausgesprochen wurde , den die Seemächte mit
Frankreich in den ersten Tagen des Jahres 17 17 schlössen; in diesem
Sinne wünschte er nun auch eine besondere Erklärung des Kaisers,
dem aus Frankreich ausgewiesenen Prätendenten, sowie jenen Jakobiten,
die seit der Unterdrückung des stuartischen Aufstandes in Schottland
und seit der Gyllenborg* sehen Verschwörung nach den österreichischen
Erb- und den spanischen Niederlanden geflohen waren, ^) weder Unter-
stützung noch Schut^ ^« gewähren, dieselben vielmehr auf Verlangen der
englischen Regierung aus seinen Bestimmungen auszuweisen. Die Gelegen-
heit, eine solche Forderung ^u stellen, ergab sich, als der Kaiser immer
dringender die Begleichung der Suhsidienrückstände verlangte, auf die
er für die während des Erbfolgekrieges in Spanien geleisteten Dienste
») Vgl, die darauf bezüglichen Mitteilungen bei R, Pauli, Stuart und
Sübieski, Hist, Gesch. XLVL 2ypff,
^^0 <7i^ ^^i 25./<'uni 5.
Anspruch erhob. Die englischen Minister machten grosse Schwierig-
keiten und beantworteten die hohen Forderungen der kaiserlichen Ver-
treter mit gan\ ungenügenden Anerbietungen , indem sie immer deut-
licher auf die jedem Zugeständnisse abgeneigte Stimmung des Unter-
hauses hinwiesen, ohne dessen Genehmigung eine Entschädigung nicht
geleistet werden konnte, ^) Schliesslich erklärten sie sich -{// einer Zah-
lung von 120- bis ijo.ooo Pfund Sterling — die Österreicher ver-
langten 8 — 900,000 — bereit, stellten jedoch die Bedingung, dass der
Kaiser diese Summe als Gesamtentschädigung acceptire und sich ver-
pflichte, dem Prätendefiten im römischen Reiche und in den Erblanden
kein Asyl ^u gewähren.^)
Volkra und Hoffmann, denen die Abneigung Karls VI. gegen
eine derartige Erklärung nicht unbekannt war, sprachen ihr Befremden
über diese neue Zumutung aus, die mit der Angelegenheit, über die sie
verhandelten, in keinem Zusammenhange stehe, ^) Allein Stanhope wie
Sunderland bliebest dabei, dass sich viele dem Könige und der jct^^igen
Regierung verdächtige Engländer in den österreichischen Niederlanden
eingefunden hätten; betonten^ dass der Prätendent sich ebenfalls dahin
begeben könnte^), und erklärten trot^ ihres Vertrauens in den Kaiser,
im Hinblicke auf den Argwohn der englischen Nation, auf dieser For-
>) Die Erörterung dieser Frage nahm lange Zeit in Anspruch und führte
\u sehr erregten Verhandlungen. Der Kaiser hatte Ende 1716 eine eigene Kom-
mission nach London geschickt, die gemeinsam mit den kaiser Hellen Gesandten
die Forderungen des Wiener Hofes mit gyy.128 Pfund Sterling bezifferte. (Be-
richt Volkra* s und Hoffmanns d. d. 5. Mär\ 1717.) Stanhope, der in erster
Linie die Verhandlungen mit ihnen führte — neben ihm waren Sunderland und
der gewesene Kriigskommissa'r Carnaroon tätig, der seinerseits Forderungen an
den Wiener Hof stellte (Bericht Hoff ma uns an Sin\endorff d. d. 9. Okt. 17 16) —
erklärte alsbald, dass nun eine Billigung dieser Ansprüche seitens des Parlamentes
nicht lu hoffen habe, da dieses behaupte, an Österreich wegen der von dieser Macht
im Vertrage mit Portugal 1703 übernommenen und nitht eingehaltenen Verpflichtung,
ein Drittel der Subsidien {// \ahlen, Forderungen in der Höhe von mehreren
Millionen Thalern \u haben. (Bericht Volkra's und Hoffmanns d. d. 6, April.)
Doch versprach Stanhope eine besclit*idene Entschädigung — etwa 100.000 Ifund
— bei Georg L ^u befürworten. Bald darauf wurden dem Residente Hoffmann
insgeheim noch weitergehende Anerbietungen gemacht (vgl. dessen Beruht vom
6. April und die Weisung vom 27. April 1717), doch erklärte Stanhope \u Be-
ginn des Monates Mai nunmehr im Hinblicke auf die Opposition — \umal
Townshends und Walpole's — diese Versprechen nicht einhalten \u könmn.
') Bericht Volkra's und Hoffmanns d. d. ^.114. Mai 1717 St.-A. (Angl.J
') Ebenda; vgl. Pauli l. c. s6o.
*) Er befand sich damals in Italien,
1716 Mai 25./Juni 5. 34 1
derung bestehen j{u müssen. Der Wiener Hof war über das Vorgehen
der englischen Regierung sehr ungehalten, behauptete durch die im Ver-
trage vom Jahre ijjö eingegangene Verpflichtung, den englischen König
gegen jeden Angriff j^u schütj^en, g^f^^^g gethan {u haben und verwies
darauf, dass man schon im Jahre 1714 dem Prinzen Jakob den Auf-
t'uthalt in den Erblanden untersagt habe ; ^) eine ausdrückliche Verpflich-
tung in so bestimmter Form einzugehen , Verstösse aber gegen die kaiser-
liche Würde.^) In diese/n Sinne erhielten die kaiserlichen Vertreter in
England den Auftrag, Georg I. und seinen Ministern vorzuhalten, dass
von den katholischen Mächten nur Frankreich eine derartige Erklärung
abgegeben habe, jenes Frankreich, dessen Fürsten dem Prätendenten aus
dem Hause Stuart Aufnahme in ihr Reich und Unterstützung daselbst
gewährt und wiederholt versucht hätten, dem befreundeten Herrscher-
geschlechte die Krone in England wiederzugewinnen. Der Kaiser aber
habe ähnliches nie gethan und werde es auch in Zukunft nicht tun;
dafür gebe er sein Wort, und dieses sollte doch nicht weniger Gewicht
haben als irgend eine schriftliche Erklärung, die der Kaiser mit Rück-
sicht auf seine Stellung >{// den katholischen Fürsten vermeiden wolle.^)
Allein Volkra und Hoffmann predigten tauben Ohren, Die englischen
Minister blieben dabei, eine derartige Erklärung z^t ihrer eigenen Si-
cherheit gegenüber etwaigen Anklagen der Opposition nicht entbehren
ZU können, entwarfen einen darauf bezüglichen Vertrag und sandten
diesen, da die kaiserlichen Minister die Befürwortung desselben bei
Karl VI. ablehnten, an ihren Vertreter am Wiener Hofe, Stanyan,
mit der Weisung, die bezüglich der kaiserlichen Entschädigungsan-
sprüche bereitgehaltenen Wechsel nur dann auszufolgen, wenn der
Wiener Hof den ihm vorgelegten Vertrag unterzeichne.^") Dazu kam
es aber vorerst nicht. Auch Stanyan gegenüber beharrte der Wiener
Hof auj seiner Meinung'^) und gab z^ gleicher Zeit seinem neuen Ver-
treter in London, Penterriedter, Befehl, daselbst nochmals z^ betonen.
») Protokoll der Konf. d. d. 5. Sept. 1714 St-A.
') Referat d. d. 7. Juni lyiy über die Konferenz vom j. Juni St-A.
•*») Weisung an Volkra und Hoffmann d. d. 12. Juni 1717 St-A. (Angl.)
Vom ja. Juni 1717 sind auch die Vollmachten für die beiden Vertreter des Kai-
sers in diesen Fragen datirt. St-A.
♦) Bericht Volkra's und Hoffmanns d. d. ^.jiö. Juli 1717 St-A. (Angl.)
Diesem Berichte liegen auch di: Entwürfe bei, welclte die Engländer für die Be-
gleichung der Schuld und wegen des Prätendenten entworfen haben,
*) Am Iß, Juli 1717 Übergab Stanyan ein ausführliches Memoire über
diese Frage. R. O,
5^a 1716 Mai 25./Juni 5.
dass man sich auf das Wort des Kaisers auch so verlassen könne.
Stanhope geigte sich, als der kaiserliche Gesandte mit diesen Erklä-
rungen an ihn herantrat, entrüstet; wies darauf hin, dass er dieser
Geldforderung halber in der letzten Parlamentssession fast die gan^e
Nation gegen sich aufgebracht und die empfindlichsten Vorwürfe habe
ertragen müssen, und betonte, dass er, falls eine Einigung vor Beginn
der neuen Session nicht erfolgt sein sollte, die Garantie dafür nicht
mehr übernehmen könne, dass das Haus die mit wenigen Stimmen Mehr-
heit beschlossene Entschädigung von ißo.ooo Ptiind Sterling 9ieuerdings
gutheissen wer de, ^)
Das {ähe Festhalten der Engländer an ihrer Forderung hatte den
Wiener Hof unterdess {ti einem weiteren Schritte des Entgegenkom-
mens bewogen. Man etitschloss sich, die verlangte specielle Abmachung
wegen der grossbritannischen Rebellen {u ^uge stehen ; nur wünschte
man deti Namen des Prätendenten nicht direkt {// tief inen*) und über-
gab einen in diesem Sinne verfassten Entwurf des Separatartikels, der
dem Allian^rtrage vom Jahre iji6 angehängt werden sollte. Allein
auch darauf ein^^ugehen weigerte sich die englische Regierung und
setzte es schliesslich durch, dass Karl VI. Ende des Jahres lyiy den
von England entworfenen Separatartikel guthiess , in dem das Wort
„Prätendent^ gebraucht und dem Kaiser die Verpflichtung auferlegt
wurde, ihn wie jeden anderen Rebellen acht Tage nach erfolgter Ver-
ständigung seitens der englischen Regierung aus den Erblanden aus-
.(uweisen.^) Nur eine Bedingung stellte der Kaiser/ der dem Vertrage
>) Am 35. Aug. 1717 berichtet Stinyan (R. O,) über seine Verhandlungen
mit Sin{endorff, der die besten Versprechen gebe^ aber hervorhebe, dass man den
Prätendenten nicht spe\iell nennen könne, da dieser stets so viel Rücksicht auf
die kaiserliche Regierung genommen. Deren Vorgehen bezwecke „that they might
not make themseives odious to othcr catholik states.*' Stanyan erhält auch einen
HnfvDurf, in dem nach den Worttm „rebellibns subditis** statl „nee non personae
vulgo Pretandant nominato** ges t\t ist .^aut a parlamento A/»* Brit*'^ proscriptis
lUiuscunque gradus, statns, conditiouis aitt qu.ilitatis existmt.** Vgl. auch den
Bericht Saphorins an Robethon J. d. 1. St^t. 1717, \itiert bei Weher Quadrupel-
Allianz p. 7^.
*) Vgl. die Berichte Stanyans vom Okt. umi Nov. 1717 R. O. Im Oktober
ist noch keine Aussicht auf Erfolg, (Berichte vom 6. und 10. Oktober,) Erst am
jj. Nov, berichtet Stanyan, dass Sin^endorff Hoffnung mache, und zugleich be-
tone, dass es nicht der GeLifrage wegen geschehe. Stanyan gibt den Rat, Pen-
terriedter gegenüber sehr vorsichtig f« sein '(17. Nov, R. O.J
•) Schon im Jahre 1718 fand sich Gelegenheit {uni Einschreiten gegen
die Braut Jakob Stuarts und deren Mutter, die tatsächlich in Innsbruck ver-
haftet xvurden. Vgl. R. Pauli, Stuart und Sobieski, Hist. Zeits h. XLVL 764$.
17 16 Mai 25./Junt 5. ^^1
vom Jahre 17 16 angehängte geheime ZusaU^paragraph wurde auf den
/. Sept 1J17 zurückdatiert^ obgleich er erst in den letzten Tagen des
Jahres 1717 seine definitive Form erhielt. Karl VI. tat dies, weil er
den Schein :[u vermeiden wünschte, als ob ihm dieses Zugeständnis
durch die Ordnung der Entschädigungsfrage, die tatsächlich damit in
Verbiptdung stand und ^u eben dieser Zeit erfolgte, abgekauft worden
wärc.^) Penterriedter erhielt den Befehl, von den englischen Ministem
das Versprechen j(u fordern, voeder direkt noch indirekt in diesem
Sinne Erklärungen vor dem Parlamente abj^ugeben.^) Georg I. erklärte
sich mit dem Vorgehen der Wiener Regierung einverstanden und gab
seine Einwilligung \Hr Rückdatierung des Separatartikels.^) Bald dar-
auf — /o. Jan. 17 18 — unterfertigte Penterriedter die Erklärung,
durch die sich Karl VL nach erfolgter Auspfählung von ißo.ooo Ifund
Sterling verpflichtete, keine weiteren Ansprüche auf die Rückstände \u
erheben, die ihm fiir die im Erbfolgekriege in Spanien geleisteten
Dienste gebührten.*')
•) VgU den Bericht Schaubs d. d. 17. De{. 1717 R. O.
•) Vgl. die Weisung an Penterriedter d. d. 14. De\. 17 ly St.-A. (Angl.)
') Bericht Penterriedter s d. d. 7. Jan, 1718 St.-A. Stanßiope machte An-
fangs Schwierigkeiten und behauptete, es sei jet{t, wo das Parlament wieder tage,
sehr schwer, die Wechsel auszuzahlen; doch gelang es dem kaiserlichen Ge-
sandten allmälig die Opposition Stanhope's, die in dessen Furcht vor Angriffen
seiner Gegner im Parlament begründet war, ^^ überwinden, ^umal der König
sich für die Ordnung der Angelegenheit aussprach.
*) Diese Erklärung lautet nach dem im R. O. aufbewahrten Or. : Postea-
quam s.%cra C«« regiaque catkolica AP^ dominus noster clementissimus ob re-
stantia subsidiorum ex hello novissime in Hispania et Catalaunia gesto derivan-
tes non exiguae summae praetensiones (uti ex rationibus praesentatis uberius
constat) ad regium Magnae-Britanniae aerarium formasset, intuitu tamen mo-
dernae inter sacram C««^ et Magnae-Britanniae regiam M*^^ unionis et ad
contestandam erga hanc nationem siticeri affectus sui propensionem eo se de^
clarasset, ut pro totali summa antefatae praetensionis centum et triginta miBia
librarum Sterling dictarum absque mora solvantur ; quapropter vigore ab ante-
fata sa.ra sua C*« et cathölica M^ nobis infrasignatis impertitae plenipotentiae
et transmissi mandati supradictum regium Magnae-Britanniae aerarium pro
reali nobis praefatae summae librarum Sterling dictarum ctmtum et triginta
miüium facta parata solutione ac proinde totali extinctione huiusce et omnis
ulterioris praetensionis ratione debitorum ex ultimo bello provenientium omni
meliori modo ac solenni iuris forma quietamus et absolvimus.
In quorum fidem praesentes has proprüi manus subscriptione et sigillo
appresso nostro corroboravimus. Actum Londini die decima tertia mensis Januaris
anni miliesimi septitigentesimi decimi octavi.
L. 5. C. B. J. Penterriedter. L. S Jean Philippe Hqffman.
^44 17^6 Mai25*A'"ni 5-
In nomine sacrosanctae et individuae trinitatis.
Manifestum "sit Omnibus quibus expedit universis. Post-
eaquam augustus Romanorum imperator Carolus sextus, Hi-
spantarum, Hungariae et Bohemiae rex, archidux Austriae, dux
Burgundiae etc., nee non Ser^'^**'* ac Pot^"^ princeps Georgius,
dei gratia Magnae-Britanniae, Franciae et Hibemiae rex, dux
Brunsvici et Lunebürgi, sacri Romani imperii elector etc, in
memoriam revocassent insignia emolumenta, quae ex sincera
et constanti antecessorum suorum unione promanarunt, ideoque
praesentis temporis circunistantiis accuratius perpensis ad ean-
dem pro communi bono redintegrandam auimum admovissent;
tnde deo propitio factum, ut communicatis consiliis in sequen-
tium articulorum tractatum et mutuum foedus rite convenerint
L
Sit inter altefatam sacram C**"^ et regiam catholicam M**™
et sacram regiam Magnae-Britanniae M**"' sincera amicitia et
consiliorum coniunctio atque perfecta confoederatio, eorumque
quisque alterius commoda pro suis reputet ac serio promovere
studeat, damna vero qua potest optima ratione avertat
IL
Foederis huius defensivi intentio et flnis aliud non sit,
quam mutuo se invicem tuen ac in possessione regnorum, pro-
vinciarum et iurium, eo quo sunt statu et quibus unusquisque
actualiter gaudet et fruit ur, conservare i) Quod si igitur conti-
gerit, ut unus vel alter confoederatorum ab aliis potentiis ho-
stiliter invadatur aut offendatur, conventum est, ut eiusdem
honor, dignitas necnon regna, provinciae ac supradicta iura,
quae tempore huius foederis in Europae partibus possidet aut
eo durante mutuo consensu acquirent, contra quoscunque ag-
gressores communi ope et auxilio terra marique illaesa conser-
ventur, defendantur et propugnentur, nee non ob iniuriam for-
sitan illatam iosta satisfactio procuretur.
0 In dem Enhintrfi dt*s Kaisers, den er Anfang April n&ck London
Si kickte, laiitetefi die Eingangsu^orte dieses Artikels: Fot'äeris Imius intentio et
finis sitf tte quisquam foedemtorunt ab aliis potentiis hostiliter invadatur aut
offendatufj sed ut eorum konor, dignitas nee non regna^ prminciae ac iura, quae
tempore eonelusi huius foederis in Europae partibus possident^ attt eo durante ete*
Man sieht ^ dass im eingeschlossenen Vertrage die defensive Richtung stärker Iter*
tiorgehoben -u^urde*
1716 Mai 25./Juni 5. 215
m.
Ad hunc salutarem scopum assequendum casu praeme-
morato alicuius hostilis invasionis impetitus eandem confoede-
rato notificet, qui omnem apud aggressorem operam impendet,
quo sine mora ab ulteriori hostilitate abstineat, de illatis damnis
iuste satisfaciat ac de futura securitate confoederato caveat.
IV.
Blandiore hac via intra bimestre spatium non succedente,
impetito a foederato illico auxilia submittantur nee ante revo-
centur, quam id obtentum fuerit, quod articulo praecedente se-
cundo expressum est.
V.
Auxilia vero quae emergente hoc casu a confoederatis
mittenda sunt erunt sequentia.
Pro parte sacrae C^^ et catholicae M*^*^ armatorum duo-
decim millia; scilicet
pedites, octo millia,
equites, quatuor millia.
Pro parte vero sacrae regiae M*»* Magnae-Britanniae toti-
dem armatorum millia; scilicet
pedites, octo millia,
equites, quatuor millia. ^
Quod si vero ratio belli in totum vel in partem suppetias
maritimas potius postularet, loco supradictarum terrestrium co-
piarum tot naves bellicas, quarum sumptus praefatum numerum
armatorum adaequarent, praestare teneatur, uti et in casu, ubi
maiores etiam tam terrestres quam maritimae suppetiae neces-
sariae forent, de iis absque mora inter foederatos conveniatur
et ab utrinque amicabilis propensio exhibeatur.
VI.
Conventum est, nullum alium principem aut potentiam
ad praememoratum foedus invitandum esse aut admittendum,
nisi unanimi ac mutuo foederatorum consensu et hoc prorsus
modo quo inter eosdem pactum fuerit et conventum.
>) Hier hatte der österreichische Entwurf loooo Mann für England, und
{xcar 2 Drittel \u Fuss und ein Drittel ^u Pferd und „naves bellicae secundi et
tertii ordinis viginti.
^l6 1716 Mai i5./Juni 5.
vn.
Cum vero nihil magis utrique foederatorum in votis sit,
quam tractatu hoc inito salutem communem ope mutua tutam
reddere pacemque pubhcam illaesam conservare, nuUique du-
bium sit, quin praepotentes unitarum Belgii provinciarum ge-
nerales ordines admodum lubenter opus tarn utile tamque ne-
cessarium societate sua adiuvare atque promovere velint, ea-
propter ex nunc placuit eosdem generales ordines ad praesens
foedus non modo lubenter admittere, sed et eos ad illius acces-
sionem sine mora amice invitare.
VUI.
Ratificatio huius tractatus intra spatium sex septimanarum
aut citius si potest fiat.
In quorum fidem tum sacrae suae O*« et catholicae M*»*,
tum sacrae suae regiae M*^" Magnae-Britanniae plenipotentiarii
hasce praesentes manibus suis subscripsenint iisdemque sigilla
sua apposuerunt. Actum Westmonasterii die vicesimo quinto
mensis Maii, anno domini millesimo septingentesimo decimo
sexto.i)
L S. Otto Christophorus comes Volkra. L. S. W. Cant.
L. S. Joannes Philippus Hoffman. L. S. Cowper C
L. S. Sunderland C. P. S.
L. S. Devonshire.
L. S. Marlborough.
L. S. Roxburghe.
L. S. Orford.
L. S. Townshend.
L. S. James Stanhope.
L. S. R. Walpole.
»j Das ist alter Stil. Der Kaiser u\irf in seiner Weisung d. d. ^o. Juni
iyi6 seinen Gesandten vor, dass sie verabsäumt hatten, deti am Kaiserhof übli-
chen Heuen Stil, also in diesem Falle 5. Juni entweder ausschliesslich oder doch
wenigstens neben dem alten Stil anzuwenden.
17 16 Mai 25./Juni 5. y^n
Articulus separatus.
Conventum praeterea est, quod si tractu temporis inter
sacram C^^ et catholicam M*«"» et Ottomannum imperium bel-
lum oriretur, tractatus foederis hodierno die cum sacra regia
M^ Magnae-Britanniae conclusus nullatenus eo pertinere vel
extendi censeatur, nee bellum cum Turcis pro casu foederis
(ratione Status ita exigente) reputari poterit. In cuius fidem
sacrae C«»« et catholicae M*^» et sacrae regiae M**^ Magnae-Bri-
tanniae plenipotentiarii hunc articulum separatum manibus suis
subscripserunt et eidem sigilla sua apposuerunt. Actum West-
monasterii die vicesimo quinto mensis Maii, anno domini mil-
lesimo septingentesimo decimo sexto.
L. S. Otto Christophorus comes V'olkra. L. S. W. Cant.
L. S. Joannes Philippus Hoflman. L. S. Cowper C.
L. S. Sunderland C. P. S.
L. S. Devonshire.
L. S. Marlborough.
L. S. Roxburghe.
L. S. Orford.
L S. Towsnhend.
L. S. James Stanhope.
L. S. R. Walpole.
Articulus additionalis separatus et secretus.
Postquam tractatus foederis sacram C«*™ regio-catholicam
^tem inter nee non Magnae-Britanniae regiam M*«'" anno pro-
xime elapso conclusi principalis scopus et intentio sit, ut unio
et amicitia inter praedictas M*^«^ semper magis arctissimis quo
fieri potest vinculis adstringantur et qualibet data occasione
commoda sua invicem promoveant ac contra quoscunque ini-
micos fideliter et sincere sese tueantur; cum autem post supra-
dictum conclusum foedus multi suae M**» Magnae-Britanniae
rebelles subditi in varias suae C«*® et catholicae M*^» haeredi-
tarias provincias sese receperint, unde modum et opportunita-
tem nacti sunt pernitiosam correspondentiam cum aliis male-
volis et seditiosis Magnae-Britanniae incolis fovendi atque in
praefato regno novam rebellionem excitare omni conatu enitan-
tur, exinde vero tam gubemium M**^ suae britannicae quam
^48 '7'ö W*i 25./Juni 5.
tranquiUitas et quies fidelium suorum subditorum secretis hisce
factionibus et conspirationibus in maximum eorum detrimentum
continuo perturbentur, itaque per praesentes ex parte suae
\jti8 ceae regio-catholicae declaratiir, sese nuUum hospitium,
refugium vel transitum sub quocunque praetextu intra haere-
ditarias suas in Germania sitas provincias et Belgium austria-
cum suae britannicae M^^ rebellibus subditis, qui tales declarati
vel declarandi fuerint, nee non personae vulgo „Pretendant"
nominatae concessuram, uti et pariter sua regia Magnae-Bri-
tanniae M**^ spondet, sese nuUum unquam transitum, hospitium
et refugium rebellibus subditis suae M**^ O»® regio-catholicae,
qui tales declarati vel declarandi fuerint, intra sua Magnae-Bri-
tanniae regna nee non Romani imperii provincias concessuram.
Qua propter ab utrinque provisum est, praefatos rebelles sub-
ditos ad exeundum intra octo dierum spatium e dictis regnis
et provinciis sese mutuo coacturos, ex quo minister illius, cuius
subditi isti rebelles habentur, apud praedictam C*^™ M*®™ seu
regiam M*«™ eiusmodi requisitionem domini sui nomine fecerit.
In quorum fidem nos sacrae C«*« et regio-catholicae M**^
et sacrae regiae M*^^ Magnae-Britanniae commissarii et pleni-
potentiarii vigore plenipotentiarum respective nostrarum, (qua-
rum copiae ad fmem huius articuli adiunguntur)\), praesens in-
strumentum manibus nostris subscriptum sigillis nostris munivi-
mus. Actum Viennae, die prima mensis Septembris^), anno
millesimo septingentesimo decimo septimo.
L. S. Philippus Lud. C a. Sinzendorff.
L. S. A. Stanyan.
*) Liegen bei,
•) Die Worte die prima und die Buchstaben Sep mit anderer Tinte ein-
getragen ; vgl p, ^^j.
1718 Juli 22/Aug. 2. ^^^
17.
QuadrupelaWan^ ^wischen Karl VL, Georg /., Ludwig XV.
von Frankreich und den Generalstaaten samt 4 Separatartikeln,
12 geheimen Separatartikeln, einer grossbritannischen und einer
kaiserlichen Deklaration d. d. London iyi8 22, Julil2. Aug.
Rat, Georgs /. i1, iL Kensington 1718 August yjiS, Karls VL d, d,
Wien T/18 Sept. 14, Ludwigs XV. d. d. Paris IJ18 Aug. ßi.
Die Origiiuile aller Haupt- und Nebenverträge mit Ausnahme der
briden Dekhiraf tonen *) im St.-A, und R. O. ; die Originale der beiden Rati-
Jikationen seitens Georgs und Ludwigs im St.-A. , die Karls im R. O. —
Druikt^ bei Rittner Nr. 70p.
Die Friedensschlüsse der Jahre 171 ß und 17 14 hatten dem Kampfe
um das spanische Erbe ein Ende gemacht ; eine Aussöhnung ^wischtn
Österreich und Spanien, den beiden Hauptbeieiligten, war aber nicht
erfolgt. Philipp V. wie Karl VL. hatten die Waffen aus der Hand
legen und sich den EntSchliessungen der vermittelnden Mächte fügen
müssen, aber beiderseits blieb ein Gefühl der Enttäuschung und der
Unzufriedenheit und zugleich die Hoffnung ^urück, dass sich in nicht
all^u ferner Zeit die Möglichkeit eines neuen Kampfes ergeben werde.
Wie entscheidend die Rücksicht auf die spanische Frage auf die Ent-
Schliessungen der Wiener Regierung eingewirkt hat, konnten wir im
Laufe unserer Untersuchungefi ^u wiederholtenmalen beobachten. Wir
erinnern hier nochmals daran^ dass in jenem Vertragsentwürfe , der um
Weihnachten 17 14 dem in Wien weilenden Stanhope übergeben wurde,
Österreich die Unterstützung der Seemächte nicht nur für die Behaup-
tung Majorkas, sondern auch bei der Wiedereroberung eines beliebigen
Teiles der spanischen Monarchie und überdies die Zusicherung forderte,
dass Toscana nach dem Aussterben des Mediceischen Mannsstammes
nicht an einen Prinzen aus dem Hause Bourbon fallen werde,^) Und
wie läh der Wiener Hof an der Hoffnung festhielt , Sizilien -f« ge-
winnen, lehrt ein Blick auf die uns bekannten Verhandlungen, die ^^m
Abschlüsse des englisch- österreichischen Vertrages vom Jahre 17 16
geführt haben. Der Kaiser war auf die weitgehenden Forderungen
M Die beiden Deklarationen liegen nicht im Or. vor; die kaiserliche ist
hier nach einer im St.-A. (Angl.) vorhandenen Kopie, die grossbritannische nach
Dumont l. c. VIU\i ^36 f abgedruckt.
-) Referat vom 2(^. Nov. 1714 St.-A.
^^ö 171^ ^^ 32./Aug. 2.
d^ Engländer nur eingegangen, weil er die Unmöglichkeit einsah,
ohne ihre Flotte seine gegen Spanieti gerichteten Pläne durch^^uset^en,
und er hatte, wie wir wissen, an die englische Regierung, wie an
die in Wien weilenden Vertreter Georgs L immer wieder die Bitte
gerichtet^ eine englische Flotte ins Mittelmeer -{« senden und mit
Frankreich keine Verbindung einzugehen, die seinen Plänen, vor-
nehmlich seinem Wunsche Sizilien wieder ^u gewinnen, hinderlich
werden konnten. Die englische Regierung hatte ein derartiges Ver-
sprechen gegeben, setzte aber trotzdem die Verhandlungen mit Frank-
reich, dessen Regent einem Ausgleiche mit England sehr gewogen war
und mit den Generalstaaten seit langem in diesem Sinne unterhandelte^
fort. Dieselben führten nach Überwindung mancher Schwierigkeiten im
Herbste iyi6 ^u einem Abkommen, das am 4, Jan, 17 JJ durch den
Beitritt der Generalstaaten seine bindende Form erhielt und die macht-
volle Stellung, die England bereits besass, noch befestigte,^)
Dieses nahm nun die schwierige Aufgabe des Ausgleiches fi-
schen Osterreich und Spanien in dir Hand, von deren Lösung der
Friede Europas abhieng. Leicht wurde dem Vermittler sein Amt nicht.
Denn es war klar, dass ohne V er Nichtleistung Karls VL auf die ge-
samte spanische Monarchie, wie sie in diesem Augenblicke in den Hän-
den Philipps V, war, eine Aussöhnung unmöglich war, und alles was
der Kaiser seit dem Jahre 17 14 getan und geäussert hatte, Hess dar-
auf schliessen, dass er nur der äussersten Not gehorchend sich ^u
einer Erklärung verstehen werde, die er noch immer als eine Schmach
für sein Haus bezeichnete, Da^u kam, dass das Misstrauen der Wiener
Regierung in die ehrlichen Absichten Georgs L und seiner Ratgeber
durch die Haltung Englands in der feiten Hälfte des Jahres 1716,
lumal durch die geringe Rücksichtnahme auf die von Osterreich be-
züglich des englisch -fran:{ösischefi Vertrages geäusserten Wünsche,
merklich gestiegen w.ir. Man wird daher begreifen,, dass die Vertreter
Englands, die im Herbste 1716 in Wien weilten^) und dem Ausgleiche
mit Spanien das Wort redeten, einen schweren Stand hatten, Sie
mussten manches bittere Wort über sich ergehen lassen und hatten
') Ührr dirse euglisch-friin^ösischen Vertu ndluriirrn vgl. Weber l, c, jq ff»,
Michael l c. 7'y8 f., Baudrillart l. c. IL 2^8 ff,
*> Na.h ilnti Abgant^c Lord (lobltams hattr Lukjs Schaub die Geschäfte
Englands in Wien vertreten. Oktober 17 16 kam St. Sapkorin de Pesmes, ein
gebürtiger Schweizer, als englischer Gesjndter nach Wien; Nov, lyiö Abrnhani
Stanyan, St. Saphorin, der noch im Jahre 1716 Wien verlicss, kehrte 17 17 dort-
hin \urück und vertrat daselbst dann längere Zeit die Interessen Englands.
171S Juli 22./Aug. 1. ^^f
reichlich Gelegenheit, sich davon ^u überT^eugen, wie ferne dem Kaiser
der Gedanke lag, von seinen Ansprüchen auf Spanien abzulassen. Unter
diesen Umständen war es ein Glück für alle Freunde des Friedens,
dass der kluge Herzog von Savoyen, Viktor Amadeus, dem im Utrechter
Frieden die Insel Sizilien zugesprochen worden war, der sich aber
alsbald von der Unmöglichkeit überzeugte, diesen Besitz dauernd {//
erhalten, an die englische Regierung mit dem Vorschlage herantrat,
auf Sizilien gegen eine entsprechende Entschädigung z^ verzichten» Mit
Freuden griff Lord Stanhope diesen Gedanken auf und machte ihn
zum Ausgangspunkte für die umfassenden Verhandlungen^ als deren
Ergebnis die Quadrupelallianz von IJ18 anzusehen ist,
Abraham Stanyan, der im Nov. IJ16 als neuer Vertreter Georgs L
in Wien erschien, sprach den kaiserlichen Ministern von dem Plane
einer Aussöhnung der Wiener Regierung mit dem Hause Savoyen und
Karl VI. z^^^l^ ^'^^' prinzipiell nicht abgeneigt, darauf einzugehen.
Der Reichshofrat von Penterriedter erschien bald darauf in Hannover,
wo Stanhope weilte, um die Verhandlungen ^« führen. Als Voraus-
Setzung einer gedeihlichen Entwickelung derselben bezeichnete dieser
sogleich den Verzicht Karls VI. auf alle Länder, die sich im Besitze
Philipps he fanden, für alle Zeiten. Er forderte ferner die Aussöhnung
des Kaisers mit Viktor Amadeus von Savoyen und die Befriedigung
der Wünsche der ehrgeizigen Königin von Spanien, Elisabeth Farnese.
Als Ersatz dafür bot Stanhope die Garantie des kaiserlichen Besitzes
durch Frankreich und Spanien; den Verzicht der letzteren Macht auj
alle Gebiete^ die Eigentum des Kaisers waren; Sizilien ; die Verfügung
über Toscana, falls die Mediceer aussterben sollten. *) Parma und Pia-
renza sollten beim voraussichtlichen Erlöschen des Mannesstammes der
herrschenden Linie an einen der Söhne Elisabeth Farnese* s fallen.^)
Der kaiserliche Gesandte hatte gegen diesen Plan des englischen Staats-
mannes so manches einzuwenden, entschloss sich aber doch einen von
St. Saphorin verfasstcn Entwurf nach Wien z^ senden. Zu Beginn des
fahr es j/i/ fanden hier entscheidende Beratungen über denselben statt.
Gegen den definitiven Verzicht auf Spanien protestierten die Minister
') Cosmus in. hiittr nur einen Sohn, Johann Gaston, bereits bejahrt^ von
Seiner Frau getrennt lebend und kinderlos. Als Erben kamen in Betracht die
mit dem Pfi/^er verheiratete Schuester Johann Gastons und Elisabeth, die
spanische Königin.
-) Fran:(, Herzog von Parma, hatte als Erben nur seinen Bruder Anton,
einen 4 'y jährigen kranken Mann und eine Tochter Elisabeth ^ die Königin von
Spanien,
554
lyifi Juli 37*/Au^, ±
wie Karl VI. in gleich enfschiedcfur Weise. Während aber die er-
sieren sich für die Anerkenmmg Philipps V, ah König von Spanien
aussprachen^ wailte Kar! VL sich iedigiich verpßichien, Philipp K
tmd seine ehelichen Nachkommen im ruhigen Besitze Spaniens und In~
diens^) nicht ^n st&ren. Im übrigen geigte die Wiener Regierung grös^
seres En^egenkömmen als {« erwarten war und Penierriedter erhofft
hafte. Gegen die Abtretung Sardiniens an Viktor Amadeus, dem dieser
Besit{ auch den König stitet sicherte , hatte Karl V7. nichts einzuwenden ;
doch forderte er dafür nebst Siiilien anch Man ff er rat und die ijoß
an den Savofer abgetretenen Teile des Her^ygtnms Mailand. Auf das
entschiedenste förderte die Künfercn:^ die Tilgung des Artikels VA des
Utrechter Friedens^ der bestimmte^ dass nach dem Aussterben der hour-
bonischen Linie in Spanien dem Hause Savoyen vor den Habshurgern
die Nachfolge :i;fifallen sollte. Dagegen wurde es nur als ein Wnnsch
ausgesprochen f dass den kaiserlichen Untertanen günstige Bedingungen
für den Handel mit Indien gestellt ^ den Catalanen und Aragonesen
Bestätigung ihrer Privilegien gewährt werden solle.
Doch kam es vorerst nickt {u weiteren Verhandlungen ^ da Georg I
und seine Minister Hannover verlassen hatten^ ehe die entscheidendett
Weisungen in die Hände Penierriedters gelangt waren ^ und in denfol~
genden Monaten in erster Linie darauf ans wareft, die EinwilHgmig
Frankreichs und Spaniens in die von England geplante Ausgleichung
der österreichisch'^spanischen Differenzen ^u erhalten,^) Aliein dieser
Plan scheiterte vornehmlich an dem Widerstände Alber oniSy der unter-
stützt durch die Königin Elisabeth die Eroberungspolitik der spanischen
Habsburger wieder aufnahm^ int Sommer ijij eine ansehnliche spa~
nische Flotte ins Mittelmeer dirigierte^ Sardinien eroberte und die sp-v
nische Herrschaft daselbst wieder aufrichtete* Unter dem Eindrucke
dieser Ereignisse wurden im Herbste ijiy die unter des s in Wien nur
mühsam fortgesetzten Verhandlungen^) {wischen England und Öster-
reich wieder energischer aufgenommen und die Versöhnung Karls VI,
mit dem Regenten Philipp von Orleans in den Vordergrund gerückt.
Anfangs Nov. traf Penterrieäter In London ein. Er brachte ß Ver~
tragsenfwürfe mif^ von denen einer , der {^nlet^^t vertassfe^ auf die durch
*) Diese heiden Reiche waren iibsi^hUich genannt i da man noch immer
daran dachte ^ Mexico und Prru für Karl ^it gewin tu^n. Ref vom l6. Jan^ ijij
SL~A. Die Konfereni fand am i. Jan. statt* Vgt* attth Weber /* c* J3 f.
>> Vgl Weber L c. ßsff^
") ^gl* ß^^ diese Verhiindlungtm Michael /. c. jB^ 0\; Baudrillart L e^
26^ ff*; Bourgeois E.^ Lettres intimes de J, M.Älberoni Introduktion XÄXIX ff<.
17 lÖ Jüii 22./Aug. 1. ^55
die Eroberung Sardiniens veränderte Situation Rücksicht nahm, wäh-
rend die beiden anderen sich nur dadurch von einander unterschie-
den, dass bei dem einen auf eine Allianz mit, beim anderen ohne
Spanien gerechnet wurde. Die Instruktion aber Hess keinen Zweifel
darüber auj kommen, dass Karl VL auf die Erwerbung Siziliens das
grösste Gewicht legte, Penterriedter hatte die Unterstützung der Ver-
tragsmächte auch für den Fall {u fordern, dass der Savoyer infolge der
veränderten Verhältnisse gegen die Überlassung Siziliens an den Kaiser
protestieren sollte, und er hatte ^u erklären, dass Karl VL den Besiti dieses
Landes als conditio sine qua non ansehe. Dagegen erhielt er die Erlaubnis,
von der Abtretung Montferrats und der mailändischen Gebiete seitens des
Savoyer s an den Kaiser gegen Überlassung Sardiniens abzustehen, falls
sich Schwierigkeiten ergeben sollten. Die Ihronfolge in England wollte
der Kaiser garantieren — nur nicht ausdrücklich die protestantische
Thronfolge — und dem Könige Philipp und seinen ehelichen Nach-
kommen versprechen, sie in ihrem Besitze nicht j(u stören. Zu einer
unbedingten Verzichtleistung auf Spanien war er aber keineswegs ge-
willt seine Zustimmung {u geben, vielmehr sollte Pendler riedter wenn
irgend möglich die Anerkennung des Erbrechtes der deutschen Linie
des Hauses Habsburg für den Fall fordern, dass die Linie Anjou aus-
sterben oder Spanien verlassen würde. Es ist für die Auffassung Karls VL
charakteristisch, dass er in eine tu eigenhändigen Zusätze Pendler riedter
auftrug, in London {« betonen, dass die Spanier durch ihr rücksichts-
loses Vorgehen das Recht auf nachsichtige Behandlung verwirkt hätten
und {ur Abtretung Majorka's oder Porto Longone's an den Kaiser ver-
pflichtet werden müssten.
Allein schon die ersten Unterredungen nötigten Pendterriedter die
Überzeugung auf, dass die Engländer durchaus keine Neigung besassen,
auf die Forderungen des Kaisers einzugehen, Sie erklärten rundweg,
unter den gegebenen Verhältnissen die vertragsmässige Unterstützung
Karls VI, gegen Spanien nicht bewilligen z^i können, da ein Krieg
gegen diese Macht, ohne Teilnahme Frankreichs und der Generalstaaten,
den Ruin des englischen Handels z^i Gunsten dieser beiden Mächte her-
beiführen würde, und forderten die Verzichtleistung Karls VL auf den
gesamten spanischen Besitz, um Frankreich, sowie ein Entgegenkommen
in der strittigen Barrierefrage, um die Generalstaaten z^ gewinnen.
Pendterriedter ^^/]^/^ sich über das Benehmen der englischen Minister
entrüstet, konnte sich jedoch bald überzeugen, dass ihre Äusserungen
mit durch die Haltung bedingt waren, die der Regent Frankreichs da-
Ostcneichisch-englischc Staatsverträge. Bd. I. 23
^54 '7'^ «^"^ 22./Aug. 2.
mah in dieser Frage beobachtete,^) Der Abbe Dubais , der in jener
Zeit die Interessen Frankreichs am englischen Hofe vertrat und der
Hauptförderer einer gütlichen Beilegung der T^ischen Österreich und
Frankreich schwebenden Differenzen war, erklärte auf das entschie-
denste , der Regent werde einen Vertrag mit dem Kaiser ohne
dessen ausdrücklichen Verzicht auf Spanien :{u Gunsten Philipps V.
nicht schliessen und betonte überdies, dass der Herzog von Orleans
seine Zustimmung {ur Abtretung Siiiliens an Karl VI. nicht geben
könne, da dies dem Utrechter Frieden widerspreche, auf dem des Re-
genten Stellung ja beruhe,*)
Bald darauf übergab Stanhope dem kaiserlichen Gesandten ein
neues Projekt des ab{uschliessenden Vertrages. Von einer ausdrück-
lichen V er Nichtleistung des Kaisers auf Spanien war in demselben nicht
die Rede; England glaubte diese Forderung ruhig den Franzosen über-
lassen ^u dürfen und beschränkte sich darauf von Karl VI ^u ver-
langen, dass er Philipp V. den ruhigen Besit^ der Krone lassen und
ihm den Königstitel geben solle. Auch von der Aussicht auf Toscana
für den Sohn der spanischen Königin war in dem Vertrage nicht die
Rede, obgleich die Engländer dieses Zugeständnis den Franzosen bereits
gemacht hatten. Sie begnügten sich auch hier^ um Österreich vorerst
:iu schonen, mit der allgemeinen Bemerkung, dass Parma, Piacen^a und
Toscana Reichslehen werden sollten, über deren Verwendung sich die
Mächte schon einigen würden; der Kaiser sollte in diesem Falle dem
erwählten Prinzen in der Zeit j^wi sehen der Luter^eichnung und der
Ratifikation des Vertrages die Investitur und die Expectativcn erteilen,
Spanien falls es dem Vertrage beitreten sollte, auf die im BesityC des
Kaisers befindlichen ehemals ^u Spanien gehörigen ländcr vernichten,
wogegen einem Sohne der Königin von Spanien Parma ^uge sprachen wer-
den sollte. Sardinien war als Tauschobjekt gegen Sizilien für den Sa-
voyer ausersehen, der, falls Spanien dem Vertrage nicht beitreten würde,
für Sardinien mit Parma entschädigt werden sollte.^) Pendler ri edier
geigte sich über den Inhalt des ihm übergebencn Projektes entrüstet,
T^umal ihm nicht verborgen bliebe dass dir Massigung der Engländer
in ihren Forderungen bezüglich der Ver^ichtle istung Karls VI. auf den
spanischen Besii{ und der Zukunft Toscanas lediglich in ihrem Wunsche
begründet war, die weitgehenden Ansprüche der Franzosen in diesen
V) Vgl. Weber l. c. 46 f., Baudrillart l. c. IL 281 [f.
») Bericht Pendterriedters <). Nac. lyiy St.-A. (AngL)
•'») Bericht Pendterriedters d. d. 23. Nov. ijiy St.-A. (Angl)
1718 Juli 22./Aug. 2. ^55
Fragen von diesen selbst vertreten {u lassen. Nur widerwillig über-
nahm der kaiserliche Gesandte die Verpflichtung, seiner Regierung
Mitteilung von dem neuen Projekte ^u machen und betonte dieser ge-
genüber seine Zweifel an der erfolgreichen Fortführung der Verhand-
lungen in der deutlichsten Weise.
Allein die kaiserlichen Minister sprachen sich, als sie über Pend-
terriedttrrs Berichte berieten, für die Fortsetzung der Verhandlungen
aus, da der König von Spanien an der Spitze einer grossen Truppen-
macht ^u neuem Einfalle in Italien bereit stehe, Frankreich und Hol-
land unzuverlässig seien, im deutschen Reiche das nordische Feuer
fortglimme, ein Vergleich epischen Russland und Schweden ^u fürchten
stehe, die Fortsetzung des Türkenkrieges nicht ausserhalb dem Bereiche
der Möglichkeit liege. Man fürchtete, im Falle der Vertrag, über den
man so lange mit der englischen Regierung verhandelte, nicht ^ustandl
kommen sollte, eine Aussöhnung des Regenten mit Philipp V von
Spanien auf Kosten des Kaisers, und hielt es für notwendig, weit-
geheftde Konzessionen {// machen, um dieser Gefahr vorzubeugen. In
diesem Sinne erhielt Pendterriedter Vollmacht, im Notfalle die form-
liche Verzichtleistung des Kaisers auf Spanien y aber nur -{« Gunsten
Philipps V. und dessen Nachkommen, auszusprechen und die Abtretung
Sardiniens ^//<{i/^^5/^//^«. Dagegen sollte er Montferrat oder die mai-
ländischen Besitzungen z^i erhalten Stichen und entschieden dagegen
protestieren , dass Parma je dem Hause Savoyen , Toscana je dem
Hause Bourbon {ufalle, Toscana sollte als Entschädigung für Lo-
thringen verwendet werden und den Aragonesen und den Catalanen
die Restitution ihrer Privilegien für den Fall {ugesagt werden, als
Spanien dem Vertrage nicht beitreten sollte. Überdies erhielt der
kaiserliche Gesandte BefehL von der englischen Regierung den Ab-
schluss einer gegen Spanien gerichteten Offensivallianz oder, wenn dies
nicht z'f erreichen wäre, die ungesäumte Entsendung einer britischen
Flotte ins Mittel meer >{w fordern.^)
Allein auch diesmal kam die Weisung der Wiener Regierung z^
spät in die Hände ihres Vertreters. Stanhope hatte unterdess, besorgt
ob der schwankenden Haltung des Regenten, an dessen Hofe noch
immer eine starke spanische Partei gegen eine Einigung mit England
und für den Anschluss an Philipp V. arbeitete, sich entschlossen, einen
Frankreich günstigeren Entwurf der abzuschliessenden Allianz Z" ^^^'
>) Referat d. d. 11. Jan. 17 18 über die Konferefi{sit{ung d. d. ^1. De^.
17 17. St.'A. Vgl. Weber l. c, ^5 #.
23*
356 l?!^ •'uli 22./Aug. 2.
fassen^) und dessen Genehmigung erst bei Frankreich und dann beim
Kaiser ^u versuchen, Lukas Schaut, der sich als Unterhändler in dieser
Angelegenheit schon oft bewährt hatte, erhielt den Auftrag, mit diesem
neuen Vertragsentwurfe nach Paris ^u eilen, mit dem Regenten ^u ver-
handeln und, falls er sich mit diesem sollte verständigen können^ von
dort nach Wien ^u reisen, um auch hier die Einwilligung j^w den Ab-
machungen {u erlangen, die nach Stanhope's Meinung die Herstellung
der Ordnung ermöglichten, Pendterriedter erhielt daher, als er mit den
neuen Erklärungen Karls VL an die englischen Minister herantrat,
nur ausweichende Antworten, Der Plan einer Offensivall ian^ wurde
entschieden verworfen und auf die Forderung, eine Flotte ins Mittel-
meer ^u senden, mit allgemein gehaltenen Worten erwidert. Pendterriedter
hielt sich für verpflichtet, seine Regierung darauf aufmerksam ;(u
machen, dass die Entscheidung in dieser Angelegenheit in Paris und
Wien fallen werde. In der Tat erschien Schaub, dem es in wenigen
Tagen gelungen war, die Zustimmung des Regenten ^m dem neuen
Stanhope' sehen Vertragsentwurfe {u erhalten,^) j(u Beginn des Monates
Mär{ iyi8 am Wiener Hofe und suchte, unterstütz durch St, Saphorin,
der jet^t als Gesandter Englands in Wien akkreditirt war, den Kaiser
und dessen Räte für die Annahme des vom Regeuten genehmigten Ent-
wurfes {u gewinnen,^) Karl VI. geigte sich im Principe geneigt , auf
die Forderungen Englands einzugehen ; doch erhob er gegen eine gan^e
Reihe von Verfügungen des Vertragsentwurfes mehr oder minder hef-
tigen Einspruch, Er wollte eine allgemeine Verj^ichtle istung auf Spanien
nicht aussprechen, protestierte gegen die Überlassung Tnscaua's an den
0 Dieser Entwurf enthielt die völlige V er \ichtlc istung des Kaisers auf
Spanien ohne die Beschränkung auf die Familie Philipps V und die Verfügung,
dass Toscana einem Sohne der Konigin von Spanien \ttf allen sollte; dagegen
war in demselben nicht mehr die Rede davon, dass Parma rcentuell an Savoyen
fallen sollte. Auch suchte Stanhope die Bestimmung bezüglich Toscanas ab\U'
schwächen, in dem er vorschlug, das am Meere gelegene Gebiet mit Livorno und
Pisa \u einem Freistaate \u machen. Doch gelang es Schaub nicht, diese letztere
Bedingung in Paris dusch{uset{en. Vgl, dafür Weber l, c, ^8 und den Bericht
Bothmers mitgeteilt von Doebner Forsch, d. d. Gesch. XXVI 2ßy ff.
•) Der Regent verlangte blos die Tilgung des Artikels über die Los-
trennung Pisa's und Livorno's von Toscana, strich dafür die dem Kaiser pein-
lichen Worte „in Perpetuum** bei der Ver^ichtleistung auf den genannten Besit{
der spanischen Krone und gestattete, dass, im Falle Spanien nicht beitrete, die
kaiserliche Renun^iation geheim bleiben sollte,
^) Dieses Projekt ist nach seinem Inhalte wiedergegeben bei Weber l, c.
1718 Juli 22./Aug 2. ^feT
Sohu Philipps V., wie gegen die neuauf genommene Bestimmung y dass
Sardinien nach dem Aussterben der jetzigen savoyischen Dynastie an
Spanien fallen sollte ; forderte die Amnestie der österreichischen und
spanischen Untertanen, die beim Kriege und Aufstande in Italien und
Spanien beteiligt gewesen waren und die Aufnahme eines Zu sat Partikels y
durch den verhindert werden sollte y dass bei Lebzeiten der regierenden
Herrscher spanische oder französische Besatzungen in Parma, Piacen^a
und Toscana einquartiert würden ; weigerte sich dem Herrscher Spaniens
den Königstitel ^u geben, da dieser ihn nur als ,Mr^er:{0^^ ^u be-
zeichnen pflegte und forderte auch sonst manche Änderung an dem
Entwürfe, ^) der ihm überreicht worden war. Zu gleicher Zeit erfuhren
die englischen Gesandten, dass Karl VL sich direkt mit Viktor Ama-
deas ^u einigen suche und dass dieser seine Bereitwilligkeit geäussert
habe, die Verhandlmigen {u beginnen. Um so dringender schien es
ihnen, ^u einem Abschlüsse mit dem Kaiser ^« gelangen, Sie :{eigten
sich entgegenkommend, wo es tunlich wary und drohteny wo ihnen eine
Nachgiebigkeit unmöglich schien, Ihre Bemühungen hatten Erfolg.
Nach langen Erwägungen cntschloss sich die Konferenz dem Kaiser
die Annahme des englischen Vertragsentwurfes ^u empfehleny und Graf
Sin^endorff konnte am 4. April den englischen Gesandten die Mittei-
lung machen, dass der Kaiser j^um Abschlüsse des Bündnisses bereit
sei und die 2 wichtigsten Forderungen Englands, den Verzicht auf
Spanien itnd die Überlassung Toscattas an einen Sohn der spanischen
Königin, gutheisse, Pendterriedter , der von dieser Entscheidung in
Kenntnis gesetzt wurdcy erhielt {ugleich den Befehly die sofortige Ent-
sendung einer englischen Flotte ins Mittelmeer {u forderny und da auch
Schaub und Saphorin sich in diesem Sinne äusserten, erhielt der kai-
serliche Gesandte in London die feierliche Zusage y dass dem Willen
Karls VI in diesem Punkte entsprochen werden solle,
Uuterdess wurden die Verhandlungen über den Wortlaut der ein-
{chieu Artikel des englischen Vertragsentwurfes fortgeführt Es {eigte
sich, dass die beiden Parteien in wichtigen Fragen noch weit von einer
Einigung entfernt waren. Es kam {u lebhaften Kontroversen, die sich
erneuerten, als die Übersetzung des Entwurfes in die lateinische Sprache
erfolgt war. Von einer Umstossung des Artikels, der das Erbrecht auf
Spanien nächst der Linie Philipps V, dem Hause Savoyen ^usprach.
') So u, a. auch, Jdss übern II, wo von der savoyischen regierenden Fa-
milie gesprochen wurde, der Nebenlinien gedacht werden sollte ; es war dies ein
Zugeständnis tin den Prinzen Eugen,
ac8 171S •'uli 22.|Aug. 2.
wollten die Vertreter Georgs L ebensowenig wissen, wie von der Aus-
scheidung der deutschen Besitzungen Georgs L aus der Garantie, die
Österreich ebenso wie Frankreich und die General Staaten leisten sollte, und
sie setzten ihren Willen in diesen Punkten durch. Dagegen strichen sie
auf Verlangen der Österreicher die Einleitung des Vertrages, in der
verkündet wurde, dass die grossen Mächte das Recht haben sollten, aus
eigener Machtvollkommenheit die {wischeti anderen Staaten schwebenden
Streitfragen ^u entscheidest; gestattetest, dass blos von einer ernstlichen
Bemühung des Kaisers gesprochen wurde, die Zustimmung des Reiches
^ur Nachfolge des spanischen Infanten in Parma, Piacen^a und Toscana
{u gewinnen und mussten, wenn auch widerstrebend , die Aufnahme
eines geheimen Artikels {ulassen, durch den ausdrücklich gegen die
Einquartierung spanischer Besatzungen in die wichtigsten Plätze dieser
ß Länder, noch ehe der Erbfall einträte, protestiert wurde.
Es dauerte über 6 Wochen bis eine Einigung in allen diesen
Fragen erfolgte. Am 22, Mai konnten St, Saphorin und Schaub von
dem, Resultate ihrer Bemühungen nach London berichten, Sie suchten
die Änderungen, die an dem von Schaub überbrachten Entwürfe vor-
genommen worden waren, als bedeutungslos hinzustellen und empfahlen
:(umal im Hinblicke auf die günstige Position des Kaisers — der Friede
mit den Türken stand bevor, die Gefahr im Norden war geringer ge-
worden und Viktor Amadeus geigte die grösste Geneigtheit gegen ent-
sprechende Zugeständnisse mit dem Kaiser ab^uschliessen — die An-
nahme des jet^^t vorliegenden Vertragsentwurfes. In der Tat geigte die
englische Regierung die grösste Geneigtheit, das schwierige Werk ^//
Ende ^u führen und übersendete das neue Schriftstück mit Anmer-
kungen versehen, die im wesentlichen {ti Gunsteti der kaiserlichen For-
derungen lauteten, nach Paris, Allein nochmals erlangte hier die spa-
nische Partei das Übergewicht ; es wurden „Gegenbemerkungen^^ ver-
fasst, in denen Frankreich neue Forderungen an den Kaiser stellte,
an deren Gutheissting nicht :{ii denken war. Da entschloss sich Stan-
hope auf die Bitten Dubois' nach Paris ^n eilen,, und seinem persön-
lichen Eingreifen gelang es, den Regenten ^iim Abschlüsse einer
Konvention {u bestimmen, durch die er sich bereit erklärte, die Al-
lian:^ ^u unter ^eichneti, sobald die Zustimmung des Kaisers erfolgt sei.
Die Versuche der Gegenpartei, noch in letzter Stunde das Zustande-
kommen dieser Konvention j(n verhindern, scheiterten. Der Regentschafts-
rat billigte in seiner Sitzung vom 17. Juli fast einstimmig die ge-
plante Allian:^ und am folgenden Tage unterzeichneten die englischen
und französischen Bevollmächtigten das Schriftstück , durch das die
1718 Juli 22./Aug. 2. ^CQ
beiden Mächte sich verpflichteten, die Allianz , die sie dem Kaiser
als Ultimatum mitteilen wollten, {u unterschreiben, sobald die entspre-
chende Vollmacht für den Vertreter Karls VI, eingelangt sein werde,
unterdess aber sich um den Beitritt Spaniens, Siziliens und anderer
Mächte bemühen :{ii wollen. Die Ratifikation dieser Konvention sollte
innerhalb iß Tagen erfolgen. In einer besonderen Erklärung wurde
festgesetzt, dass Frankreich an diese Konvention nicht gebunden sein
sollte, falls der Kaiser sich nicht innerhalb yr Monate ^itr Unter-
{eichnimg des Vertrages bereit erklärt haben würdet)
Allein so lange dauerte es nicht, Pendterriedter hatte unterdess
die kaiserlichen Entschlüsse betreffs der let:{ten französischen Forderungen
erhalten; sie ermächtigten ihn ^ur Einquartierung Schweizer Garni-
sonen in die wichtigsten Städte Parma* s, Piacen^as und Toscanas seine
Zustimmung ^;/ geben, ebenso ^^r Renunciation der Collateralen und
{ur sofortigen Bestimmung eines ErbpriuT^en für Parma und Toscana an
Stelle des Don Carlos, Um so grössere Freude empfand Pendterriedter,
dass in der neuen Fassung des Vertrages der beiden letzten Punkte
keine Erwähnung geschah. So entschloss er sich, gedrängt durch die
englischen Minister, ohne die neue Instruktion seines Herrn abzuwarten,
{ur Unterzeichnung der Allianz* -^'^ ^- August ijiS n,St, wurde dieselbe
von den kaiserlichen, französischen und englischen Bevollmächtigtal
unterfertigt. Die Generalstaaten, deren Hinzutreten erst die Vereini-
gung ^// einer Qjuadriipelallianz machte , f Sitten bei der Unterzeich-
nung, Sie traten aus Gründen, die wir noch kennen lernen werden,
derselben erst anderthalb Jahre später bei.
In nomine sanctissimae et inviduae trinitatis.
Notum perspectumque sit omnibus quorum interest aut In-
teresse quomodocunque potest. Postquam Ser™'^' etPot'^'^^princeps
Georgias Magnae-Britanniae , Franciae et Hibemiae rex, dux
Brunsviccnsis et Luneburgensis, sacri Romani imperii'elector etc.,
et Ser°*"^ et Pot™"« princeps Ludovicus decimus quintusrex chri
stianissimus etc., nee non celsi et potentes Status generales uni-
tarum foederati Belgii provinciarum conservandae almae paci ju-
') Das Or. dieses englisch'fran\ösischeu Vorvertrages liegt im R, O. Der
fi\m\ösischc Bevollmächtigte unterfertigte bei dieser Gelegenheit eine Schrift, in
der er erklärte, aus dem Umstände, dass die beiden an diesem Tage — 18, Juli
1718 — ausgestellten Originalkonventionen in fran\ösischer Sprache abgefassi
uordi-n seien, kein Präjudi\ für künftige Fälle schaffen ^u wollen.
171 S lull 23./Aug, 1,
giter intenti probe aniinadverterunt, per foedus Ulud triplex sub
4. Januarii anno 17 17 inter se ictum regnisquidem suis atque pro-
vinciis utcunque» non tarnen undequaque neque tarn solide prospec-
tum esse ut, nist ima et gliscentes adhuc inter nonnuIlosEuropae
principes simultates ceu perpetua dissidioruni fomenta e niedio
tollerentur, tranquillitas publica vigere diu aut constare posset,
edocti videlicet experimento belli anno supenori in Italia exorti,
ad quod proinde tempestive sopiendum per tractatum die*) . * , -
anni 17 18 initum de cerüs inter se pacificationis articulis con-
venernnt, luxta quos pax quoque inter sacram C^°^ M**'!' et
Hispaniarum regem, nee non inter eandem regem que Siciliae
condliari stabilirique posset, facta desuper amica invitatione, ut
sua M^^ O* amore pacis ac quietis publicae istos conventionum
articulos suo qnoque nomine amplecti ac probare adeoque trac-
tatu! inter se inito et ipsa accedere quoque vellef ; quorum qui-
dem tenor sequens est.
Conditionum pacis inter suam M^™ C«*'" et regiam catho-
licam M*«*« articulus
I,
Ad reparanda ea, quae contra pacem Badensem die sep-
tima Septembris 17 14 conclusam prout et contra neutralitatem
per tractatum die 14**» Martii 1713 pro Italia stabilitam novissime
turbata fuerunt, Ser^^^'^et Pot"'** Hispaniarum rex obligat se ad
restituendam suae M*'^ C^\ prout et eidem mox vel ad sum-
mum duos post manses a commutatione ratificationum prae-
sentis tractatus actu restituet, insulam et regnum Sardiniae in
eo statu, quo erat tunc cum illud occupavit, renuntiabitque suae
j^ti Qoatj omnia iura, praetensiones, rationes et actiones in dic-
tum regnum, ita ut sua M**« C^ de illo ceu de re sua plene li-
bereque atque ad eum modum, iuxta quem amore boni publici
facere statuit, disponere possit.
IL
Quandoquidem unica quae excogitari potuit ratio ad con-
stttuendum duraturum in Europa aequilibrium ea visa fuerit, ut
pro regula statuatur, ne regna Galliae et Hispaniae uUo un-
quam tempore in unam eandemque personam nee in unam ean-
demque lineam coalescere unirique possent, istaeque duae mo-
*) In allen Originalamfcr Hg ungett fehlt d^i Datum; getnaint ist dit Aih
machung vom iS. Juli ijiS; vgl. p. ß^^ Anm,
ijiB JuU i2./Aug. 3*
361
narchiae perpetius retro temponbus separatae remanerent, atque
ad obfirmandam hanc regulam tranquillitati publicae adeo ne-
cessariam ii principes, quibus nativitatis praerogativa ius in utro-
que regno succedendi tribuere poterat, oni e duobus pro se
totaque sua posteritate soleimiter renuntiaverint, adeo ut ista
utriusque monarchiae separatio in legem fundamentalem abierit
in comitiis generalibus vulgo las cortes Madriti die nona men-
sis Novembris 1712 receptam et per tractatus Traiectenses die
n* Aprilis 17 13 consolidatam, sua M*^* O"* legi adeo neces-
sariae et salutari ultimum complementum datura atque omnem
sinistrae suspidonis ansam tollere tranquillitatique publicae con-
sulere volens acceptat et consentit in ea, quae in tractatu Tra-
iectensi super iure et ordine successionis in regna Franciae et
Hispaniae acta, sancita et transacta fuerunt, renuntiatque tarn
pro se quam pro suis haeredibus, descendentibus et successori-
bus, maribus et foeminis, omnibus iuribus omnibusque in Uni-
versum praetensionibus quibuscunque nuUa penttus excepta» in
quaecunque regna, ditiones et provincias monarchiae hispanicae,
quarum rex catholicus per tractatus Traiectenses agnitus fuit
legitimus possessor, solennesque desuper renunciationis actus in
omni meliore forma expediri eosque publicari et in acta loco
congruo referri curabit, ac super his instrumenta solita suae M^^
catholicae partibusque compaciscentibus exhibituram sepromittit.
in.
In vim dictae renuntiationis, quam sua M*** O* amore
universae Europae securitatis habita quoque ea ratione fecit,
quod dominus dux Aurelianensis iuribus et nitionibus suis in
regnum Hispaniae pro se et pro suis descendentibus sub ea con-
ditione renuntiaverit, ne imperator aut uUus eiusdem descen-
dentium in dicto regno succedere unquam posset, sua M^^ C«^
agnoscit regem Philippum quintum legitim um Hispaniarum et
Indiarum regem eidemque tribuere promittit titulos et praero-
gativas dignitati suae regnisque suis debitas, sinet praeterea
eundem eiusque descendentes, haeredes et successores, mascu-
los et foeminas, pacifice frui cunctis iis ditionibus monarchiae
hispanicae in Europa, in Indiis et alibi, quarum possessio ipsi
per tractatus Traiectenses asserta fuit, neque eum in dicta pos-
sessione directe vel indirecte turbabit unquum, aut ullum ius
in dicta regna et provincias sibi sumet.
1
n
362 '7'^ ^^^ 22.|Aug. 2.
IV.
Pro renuntiatione atque agnitione a sua M*® C«* in prae-
cedentibus duobus articulis facta, rex catholicus vicissim re-
nuntiat tarn suo quam suorum haeredum, descendentium et suc-
cessorum, marium et foeminarum, nomine, suae M** C**« eiusque
successoribus, haeredibus et descendentibus, masculis et foemi-
nis, cuncta iura ac rationes quascunque nulla penitus excepta in
omnia et quaelibet regna, provincias et ditiones, quae vel quas
sua M**8 o* in Italia vel in Belgio possidet aut ei vigore praesen-
tis tractatus obvenient, abdicatque se universim omnibus iuribus,
regnis et provinciis in Italia, quae olim ad monarchiam hispani-
cam pertinuerunt, quas intermarchionatusFinaliensis a suaM*«C«*
reipublicae Genuensi anno 17 13 cessus diserte quoque compre-
hensus intelligatur, solennesque desuper renunciationis actus in
omni meliore forma expediri eosque publicari et loco congruo in
acta referri curabit ac super his instrumenta consueta suae M*»
O*« et partibus compaciscentibus exhibituram se promittit. Sua
M*" catholica renuntiat pariter iuri reversionis ad coronam Hi-
spaniae sibi super regne Siciliae reservato omnibusque aliis actio-
nibus et praetensionibus, quarum praetextu suam M*«°^ O^^, eins
heredes et successores, directe vel indirecte, tam in supradictis
regnis et provinciis quam in cunctis aliis ditionibus, quas actu
in Belgio vel ubicunque alibi possidet, turbare posset.
Quia vero eo casu, quo magnum Hetruriae ducem prout
etiam ducem Parmae Placentiaeque eorumque successores abs-
que liberis masculis decedere contingeret, ipsa ratio successionis
in ditiones ab iis possessas novum facile bellum in Italia ex-
citare posset, ob diversa videlicet successionis iura, quae prae-
sens Hispaniarum regina, nata ducissa Parmensis, post decessum
propiorum ante se haeredum ex una, ex altera vero parte im-
perator et Imperium in dictos ducatus sibi competere utrinque
obtendunt; quo itaque gravibus eiusmodi contentionibus et iis
quae inde nascerentur malis tempestive obvietur, conventum
fuit, ut Status seu ducatus a praefatis magno duce Hetruriae
Parmaeque et Placentiae duce modo possessi futuris in perpe-
tuum retro temporibus ab omnibus partibus contractantibus
agnoscantur et habeantur pro indubitatis sacri Romani imperii
feudis masculinis. Vicissim sua M**« C®* per se ceu caput imperii
17 18 Juli a2./Aug. 2. ^6^
consentit ut, si quando casus aperturae dictorum ducatuum ob
deficientiam haeredum masculorum contingat, filius dictae Hi-
spaniarum reginae primogenitus huiusque descendentes mas-
culi ex legitimo matrimonio nati iisque deficientibus secundo-
aut alii postgeniti eiusdem reginae filii, si qui nascentur, pariter
una cum eorum posteris masculis ex legitimo matrimonio natis
in Omnibus dictis provinciis succedant. Quem in finem, cum
et imperii consensu opus sit, sua M**» C®* pro eo obtinendo
omnem operam impendet, eoque obtento literas expectativae
investituram eventualem continentes pro dictae reginae filio vel
filiis eorumque descendentibus masculis legitimis in debita forma
expediri easque regi catholico mox vel saltem post duos men-
ses a commutatis ratificationum tabulis tradi curabit absque
ullo tamen damno aut praeiudicio salvaque per omnia princi-
pum, qui dictos ducatus in praesens obtinent, possessione.
Conventum praeterea inter sacram C^^ M*«™ regemque
catholicum fuit, quod oppidum Liburni in perpetuum sit et per-
manere debeat portus liber, eo plane modo quo nunc est.
Virtute renunciationis ab Hispaniarum rege in universas
Italiae ditiones, regna ac provincias, quae olim ad reges Hi-
spaniae pertinebant, factae, ipse rex praefato principi suo filio
urbem Portus Longi una cum ea parte insulae Ilicae quam in
illa actutum tenet, cedet tradetque, quam primum dictus prin-
ceps extincta magni Hetruriae ducis posteritate masculina in
actualem eiusdem ditionum possessionem immissus fuerit.
Transactum insuper ac solenni stipulatione cautum fuit,
quod nuUus praedictorum ducatuum ac ditionum ullo unquam
tempore aut casu possideri possit aut debeat a principe, qui
uno tempore regnum Hispaniae obtinet, et quod nuUus unquam
Hispaniarum rex tutelam eiusmodi principis assumere possit
aut gerere valeat
Denique conventum est, et in id omnes singulaeque par-
tes contrahentes pariter sese obligarunt, nunquam iri admissum,
ut viventibus adhuc praesentibus ducatuum Hetruriae Parmaeque
possessoribus aut eorum successoribus masculis uUus unquam
miles cuiuscunque nationis, sive proprius sive conductitius, ab
imperatore et regibus Hispaniae ac Galliae aut etiam a principe
ad eam successionem supra designato in dictorum ducatuum
provincias et terras induci aut uUum ab iis praesidium urbibus,
portubus, oppidis et fortalitiis in iis sitis imponi possit
364 '7'^ ■'i^^i 23-/Aüg. 3.
Ut vero dictus reginae Hispaniae filius ad magni ducis
Hetruriae Parmaeque et Placentiae ducis successionem per hunc
tractatum designatus contra omnes casus uberiore securitate
fruatur certiorque de executione promissae sibi successionis red-
datur, iiec non imperatori et imperio feudum desuper constitu-
tum illibatum maneat, utrinque placuit, ut miles praesidiarius,
numerum tarnen sex millium non excedens, in praecipua eius-
dem oppida, Liburnum scilicet, Partum Ferraium, Parmam Pla-
centiarnque imponatur ab Helvetiae pagis vel ut vocant canto-
nibus, quibus cantonibus hunc in linem subsidium solvent tres
partes contrahentes mediatoris vices gereutes, ac miles ille ibi-
dem continuetur usque dum casus dictae successionis, quo op-
pida sibi commissa dicto principi ad eandem designato tradere
tenebitur, existat; absque ulla tamen molestia aut sumptu prae-
sentium possessorum eorumque successorum masculorum, qui-
bus etiam dicti milites praesidiarii iuramentum fidelitatis sunt
praestituri, nee aliam ullani sibi assument authoritatem praeter
solam urbium tuitionem custodiae suae commissarum.
Cum autem, donec de numero et stipendio et modo talis
militjs instituendi cum Helvetiorum pagis conveniatur, longior
forte quam operi tam salutari expediat mora eftlagitari posset,
Sacra regia M*^ britannica pro singulari suo in id tranquillita-
temque publicam studio et scopo citius assequendo interim, si
reliquis contra hentibus ita e re visum fuerit, proprium suum
militem ad supramemoratum usum praebere haud denegabit,
donec miles in Helvetiorum pagis conscribendus tuitionem et
custodiam dictarum urbium assumere possit,
VI.
Sua M**' catholica ad testificandam sinceram suam in tran-
quillitatem publicam voluntatem consentit iis, quae infra de
regno Siciliae in commodum suae M^*® C^* disponuntur» renun-
ciatque pro se suisque haeredJbus et successoribus^ maribus et
foeminis, iuri reversionis dicti regni ad coronam Hispaniae per
instrumentum cessionis die lo« Junii 1713 diserte eidem reser-
vato; amoreque boni public! dicto actui 10'"* Junii 17 13, in quan-
tum opus est, item et articulo sexto tractatus se inter regiam-
que suam celsitudinem ducem Sabaudiae Trajecti initi, prout et
generaliter omni ei derogat, quod retrocessioni, dispositioni et
permutationi memorati regni Siciliae per praesentia pacta sta-
1718 Juli 22./Aug. 2. ^ßt
bilitae adversari posset; ea tarnen conditione, ut ius reversionis
insulae et regni Sardiniae ad eandem coronam eidem vicissim
cedatur et asseratur, prout infra articiüo 2^^ conventionum inter
sacrani M*«"' C®«"» et regem Siciliae magis explicatur.
vn.
Imperator et rex catholicus spondent mutuo seseque ob-
stringunt ad defensionem seu guarantiam reciprocam omnium
regnorum et provinciarum, quae vel quas actu possident aut
quorum possessio ad illos vigore huius tractatus pervenire debet.
vm.
Sua M*^^ O^ suaque regia catholica M**« executioni man-
dabunt statim a commutatione ratificationum praesentium con-
ventionum omnes et singulas conditiones in iis comprehensas
idque intra spatium ad summum duonim mensium, instrumen-
taque ratificationum dictarum conventionum commutabuntur
Londini intra terminum duorum mensium a die subscriptionis
computandorum aut citius si fieri potest; qua conditionum exe-
cutione praevie facta eorum ministri plenipotentiarii ab iis no-
minandi in loco congressus, de quo inter 5e convenerint, quan-
tocyus caetera pacis suae particularis puncta singillatim sub me-
diatione trium partium compaciscentium component atque de-
tinient.
Conventum praeterea fuit, quod in tractatu pacis inter im-
peratorem et regem Hispaniarum peculiariter ineundae conce-
detur amnestia generalis pro omnibus personis cuiuscunque Sta-
tus, dignitatis, gradus aut sexus sint, tam ecclesiasticis quam
militaribus, politicis et civilibus, quae durante ultimo bello par-
tes unius aut alterius principis secutae sunt, vigore cuius uni-
versis et singulis dictis personis permittetur licebitque recipere
plenariam possessionem et usum fructum suorum bonorum, iu-
rium, privilegiorum, bonorum, dignitatum et immunitatum, iis-
que utentur fruenturque aeque libere ac iis sub initium Ultimi
belli vel quo tempore uni alterive parti coeperunt adhaerere
gavisae et fruitae fuerunt, non obstantibus confiscationibus, ar-
restis et sententiis sub bello factis, latis aut pronunciatis, quae
pro nuUis et ceu non factis habebuntur. Insuper virtute eius-
dem amnestiae omnibus et singulis dictis personis, quae unam
alteramve partem secutae sunt, fas liberumque erit repetere pa-
^66 i7>^ «'uli 32./Aug. 2.
triam suam bonisque suis uti, frui plane ac si bellum nuUum
intervenisset, data iis omnimoda facuttate dicta bona sua sive
per se, si praesentes sint, sive per procuratores, si abesse a
patria maluerint, administrandi eaque vendendi aut de illis quo-
cunque alio modo pro libitu suo disponendi, ad eum omnino
modum, quo ante coeptum bellum de iis disponere valuere.
Conditionum tractatus concludendi inter suam M*«'" C«*"'
et regem Siciliae articulus
I.
Postquam cessio Siciliae domui Sabaudicae per tractatus
Traiectenses unica consolidandae pacis causa nuUoque regis Si-
ciliae in eam habito iure facta teste universa Europa ad sco-
pum illum assequendum adeo nihil contulerit, ut magnum po-
tius obstaculum effecerit, quominus imperator eisdem tractatibus
accesserit, eo quod separatio regnorum Neapolis et Siciliae sub
uno eodemque dominatu vulgarique utriusque Siciliae appella-
tione tam diu stare solitae non modo communibus utriusque
regni rationibus mutuaeque conservationi verum etiam reliquae
Italiae quieti adversetur, novas in dies turbas paritura, dum
vetus illa necessitudo et commercia inter utrumque populum
neque tolli neque diversorum principum rationes tam facile con-
ciliari se sinant; hinc est quod principes, qui tractatibus Tra-
iectensibus primam manum admovere, licere sibi etiam citra
assensum eonim quorum interest existimarint, unum illum trac-
tatus Traiectensis articulum, qui regnum Siciliae spectat neque
aliquam eins adeo praecipuam partem facit, abrogare, iis potis-
simum rationibus nixi, quod praesens tractatus ab renunciatione
caesaris incrementum complementumque suum recipiat, et quod
per commutationem regni Siciliae cum regno Sardiniae impen-
dentia Italiae bella praeverterentur, quando imperator Siciliam,
cui nunquam renunciavit, armis, quod post fractam occupata
Sardinia Italiae neutralitatem iure potest, repeteret; praeterea
quod regi Siciliae beneficio tractatus adeo solennis cum sua
j^te qq& Qi g primis Europae principibus guarantigiati certus
permansurusque Status obtingeret; his tantis igitur rationibus
permoti convenerunt, quod rex Siciliae insulam regnumque Si-
ciliae cum Omnibus suis dependentiis et annexis suae M*^ C**<* in
eo quo nunc sunt statu mox vel ad summum duos post menses
a commutatione ratificationum praesentis tractatus restituet,
1718 Juli 22./Aug. 2. iöy
renuntiatis caesari eiusque haeredibus et successoribus utriusque
sexus in dictum regnum iuribus et actionibus quibuscunque,
tarn pro se quam pro suis haeredibus et successoribus, mas-
culis et foeminis, sublata penitus eins ad coronam Hispaniae
reversione.
n.
Vicissim sua M**^ O» cedet regi Siciliae insulam regnum-
que Sardinine in eo quo illud a rege catholico receperit statu,
renunciabitque omnibus iuribus et actionibus in dictum regnum
pro se, suis haeredibus et successoribus utriusque sexus, in
favorem regis Siciliae eiusque haeredum et successorum, ad
illud deinceps cum titulo regni cunctisque regio axiomati an-
nexis honoribus perpetuo possidendum, prout regnum Siciliae
possederat, salva tamen uti supra dicti regni Sardiniae ad co-
ronam Hispaniae reversione, quando regem Siciliae absque po-
steris masculis et totam domum Sabaudicam successoribus mas-
culis destitui contingeret, caeterum ad eum plane modum quo
dicta reversio per tractatus Traiectenses et per actum cessionis
consequenter a rege Hispaniae factae pro Siciliae regno pacta
et ordinata fuit.
ni.
Sua M^as cea confirmabit regi Siciliae omnes per tractatum
signatum Taurini 8" Novembris 1703® eidem factas cessiones,
tarn illius partis ducatus Montisferrati quam provinciarum, ur-
bium, oppidorum, castellorum, terrarum, locorum, iurium et
reddituum de statu Mediolanensi quae possidet, eo modo quo
ea actu possidet, spondebitque pro se, suis descendentibus et
successoribus, nunquam se neque illum nee eins haeredes et suc-
cessores in dicta possessione esse turbaturam, ea tamen lege,
quod omnes caeterae actiones seu praetensiones, quae dicto regi
Siciliae virtute memorati tractatus competere forte possent, per-
petuo peremptae sint et maneant.
IV.
Sua M*»^ O* agnoscet ins regis Siciliae eiusque domus suc-
cedendi immediate in regno Hispaniae et Indiarum, in casum
quando rex Philippus quintus eiusque posteri deficient, eo modo
ac per renunciationes regis cathoüci, ducis Biturigum, ducis Au-
relianensis et tractatus Traiectenses stabilitum fuit, promittetque
^6S 1718 iuli 22./Aug. 1.
sua M*" O* tarn pro se quam pro suis successoribus et des-
cendentibus, quod nuUo unquam tempore eidem se directe vel
indirecte opponere aut quidquam in contrarium obmovere velit;
hac tarnen declaratione adiecta, quod nullus princeps e domo
Sabaudica, qui in regno Hispaniae succedet, uUam unquam pro-
vinciam seu ditionem uno tempore possidere in continente Ita-
liae possit et quod in eum casum istae provinciae devolventur
ad principes collaterales istius domus, quorum unus post alium
secundum proximitatem sanguinis in iis succedet.
V.
Sua M^s O* et rex Siciliae mutuam lutelam seu guaran-
tiam sibi praestabunt pro regnis et provinciis universis quas
actu in Italia possident aut vigore buius tractatus eis obvenient.
VI.
Sua M*** O* et rex Siciliae statim a commutatione rati-
ficationum istarum conventionum executioni dabunt omnes et
singulas conditiones in iis contentas idque intra spatium ad
summum duorum mensium, ratificationumque instrumenta dic-
tarum conventionum commutabuntur Londini in termino duo-
rum mensium a die subscriptionis aut citius si fieri potest, et
mox ab executione praevia dictarum conditionum eorum mi-
nistri plenipotentiarii ab iis nominandi in loco congressus, de
quo ipsi mutuo convenerint, sub mediatione trium partium con-
tractantium caetera singillatim puncta pacis suae particularis
component
Quod altefata sua M^« Q* catholica ad promovendum
eiusmodi pacis propositum et ad averruncanda dira bellorum
mala suapte pronissima praeinsertas conventiones omnesque et
singulos earundem articulos ex sincero consolidandae univer-
salis pacificationis desiderio acceptaverit, prout hisce acceptat,
ac proinde cum praememoratis tribus potentiis foedus peculiare
in sequentes conditiones pepigerit.
I.
Sit maneatque inter sacram O*^™ catholicam M^^\ sacram
regiam M*^"^ Magnae-Britanniae, sacram regiam M*«™ christianis-
simam celsosque ac potentes dominos Status generales foederati
Belgii eorumque haeredes et successores foedus arctissimum,
vigore cuius singuli ditiones et subditos aliorum tueri necnon
17 j8 Juli 22./Aug^ 2. ^^9
pacem manutenere propriaque ipsorum commoda ceu sua mu-
tuo promovere, damna vero et iniurias cuiuscunque generis
praevenire avertereque teneantur.
n.
Tractatus Traiecti Badaeque Helvetiorum initi in suo vigore
et robore firmi pemianeant partemque istius efficiant, exceptis
tarnen iis articulis, quibus per praesentem tractatum expresse
derogare e re publica visum est, ut et iis tractatuum Traiec-
tensium articulis, quibus per tractatum Badensem derogatum
fuit. Attamen tractatus foederis Westmonasterii sub 25** men-
sis Maii anno 17 16® inter sacram O*™ catholicam M*®"» nee-
non inter sacram regiam Magnae-Britanniae M*«°^ celebratus,
prout et alter ille die quarta Januarii anno 17 17 Hagae Comitis
inter Magnae-Britanniae et christianissimum reges statusque ge-
nerales foederati Belgii initus, plenum suum per omnia robur
ac vim obtineant
m.
Sacra M**^ britannica prout et sacra M**» christianissima
dominique Status generales foederati Belgii pro se suisque bae-
redibus et successoribus spondent, quod sacram M*®"^ C®»" ca-
tholicam eiusque haeredes et successores in nullo penitus suo-
rum regnorum, ditionum et provinciarum, quae vel quas nunc
possidet vigore Traiecti Badaeque tractatuum aut quorum qua-
rumve possessionem vigore huius tractatus obtinebit, nee directe
nee indireete turbare unquam, quin potius eiusdem provineias,
regna et iura, quae modo possidet aut vi huius tractatus eidem
obvenient, tarn in Germania quam in Belgio et Italia, tutari et
ut aiunt guarantigiare velint ac debeant, expromittentes sese
dieta sacrae C®*® eatholicaeque M**» regna et provineias contra
omnes et singulos qui eas hostiliter invadere tentarent defendere
eique eveniente casu submittere velle et debere auxilia quibus
opus habebit, iuxta conditiones et partitionem de quibus infra
inter eos convenit; pariter utraque praefata britannica et chri-
stianissima M**'' regia ac Status generales diserte se obstringunt,
quod nullam unquam proteetionem aut azylum in ullo suarum
ditionum loco dare concedereve subditis sacrae M**" C^^ catho-
licae vehnt, qui actutum sunt aut in futurum ab ea declarati
fuerint rebelles, et casu quo eiusmodi forte in eorum regnis,
provinciis et dominus existerent, ii ut a fmibus suis intra octo
Österreichisch-«nglische Staatsvertrfige. Bd. I. 24
dies a facta interpellatione O^ expellantur serio se curaturos
sincere pollicentur.
rv.
Vicissim Sacra M**^ O* catholica, sacra regia M**^ britan-
nica foederatique Belgii Status generales pro se suisque haere-
dibus et successoribus promittunt, quod sacram M**^ christianis*
simam in nuUa penitus suarum ditionum ad coronam Galliae
nunc spectantium nee dtrecte nee indirecte turbare unquam,
quin potius easdem contra omnes et singulos qui illas hosti-
liter invadere tentarent tuen ac defendere eidemque in eum
casum auxilia submittere velint et debeant, quibus rex chri-
stianissmus opus habebit iuxta ac infra transactum est.
Pariter sacra M^® O*^ catholica, sacra M*^^ regia britannica
et domiixi stattis generales promittunt seseque obligant, quod
manutenere, guarantigiare et defendere velint ac debeant ius
successionis in regno Franciae iuxta tenorem tractatuum Tra-
iecti Ji* Aprilis anno 17 13 initorumj obstringentes se ad tutan-
dam dictam successionem plane ad normam renunciationis, quae
a rege Hispaniarum 5** Novembris anno 1712 facta et nona
eiusdem raensis et anni in comitiis generalibus Hispaniae per
solennem actum acceptata fuit, quae subinde die 18^ Martii anni
1713 in legem abiit et postremo per dictos tractatus Traiecti
stabilita et ordinata fuit; idque contra oranes quoscunque, qui
ordinem dictae successionis contra praemissos actus et subse-
cutivos tractatus turbare praesumerent, quem in finem auxilia
iuxta partitionem infra conventam suppeditabunt, quin ubi res
postularet omnibus viribus dictum successionis ordinem pro-
pugnabunt denunciato etiam belle ei qui eundem infringere
aut impugnare tentaret.
Insuper sua M*^^ O* regio-catholica et M^^ regia britannica
statusque generales pariter se obstringunt, quod nuUum unquam
tutamen aut azylum in suis ditionibus dabunt aut concedent sub-
ditis M^^ regiae christianissimae, qui actutum sunt aut olim fuerint
declarati rebelies, et casu quo eiusmodi forte in eorum regnis,
provinciis et dominus existerent» eos e finibus suis intra octo
dierum spatium a facta interpellatione regia exire iubebunt.
V.
Sacra M*^^ O*^ regio-catholica necnon regia M**^ christia*
nissima statusque generales foederati Belgii obligant se pro se,
suis haeredibus et successoribus ad manutenendam et guaranti-
giandam successionem in regno Magnae-Britanniaej quemad-
modum ea per leges regni stabilita est in domo suae M*^* bri-
tannicae modo regnantis, prout etiam ad defendendas universas
ditiones et provincias a sua M*^ possessas, nullumque azylum
aut refugimn in ullo suorum dominiorum loco dabunt aut con-
cedent personae eiusve descendentibus, si qui ei obtingant, quae
vivente Jacobo 2*^"^ principis Walliae et post eius excessum re-
gium Magnae-Britanniae titulum assumpsit, promittentes pariter
pro se ipsis, suis haeredibus et successoribus, nullum se dictae per-
sonae eiusve descendentibus directe vel indirecte, terra marive
praebituros esse auxilium, consilium aut opem quamcunque,
sive in aere, armiSj apparatu militari, navibus, milite, nautis sive
alio quocunque demum modo, idem obsei-vaturos intuitu eorura^
quibus a dicta persona eiusve descendentibus forte mandatum
aut commissum foret regimen suae M*^^ Britanniae aut tran-
quillitatem regni sui, sive bello aperto sive clandestinis con-
spirationibus, suscitandove seditiones et rebelliones aut pirati-
cam contra subditos suae M*^^ britannicae exercendo turbare:
quo postremo casu sacra M^*^ O*^ regio-catholica promittit, se
minime permissuram, ut eiusmodi piratis ullum in portubus
Belgii sui detur receptaculum. Tantundem spondent sacra M*»*
christianissima statusque generales foederati Belgii pro portubus
sui dominii, prout vicissim sua M^^ regia britannica, refugium
omne in portubus regni sui denegaturam promittit piratis sub-
ditos sacrae C«** M**^ regio-catholicae, sacrae regiae M*^** chri-
stianissimae aut dominorum statuum generalium infestantibus; de-
nique sua M*** C^^ regio-catbolica, sacra regia M*"*^ christianissima
dominique Status generales obstringunt sese, quod nuUam unquam
protectionem vel azylum in uUo suorum dominiorum loco illis re-
giae Magnae-Britanniae M*^^ subditis dabunt qui actutum sunt vel
aliquando fuerint declarati rebelles, et casu quo eiusmodi forte in
eorum regnis, provinciis et ditionibus existerent, eos e finibus suis
intra octo dierum spatium ab interpellatione regia exire iubebunt.
Quod si etiam sacram regiam M*^"^ britannicam in aliqua
parte hostiliter invadi accideret, sua M^* C^ regio-catholica, ut
et regia M*»^ christianissima foederatique Belgii Status generales
in eum casum obstringunt sese ad submittenda auxüia infra
determinata, idem facturi eius descendentibus, si quando eos
in successione regni Magnae- Britanniae turbari contingeret
24*
mn% ^^^^B 171S Juli 33./Aug« 1*
VL
Sua M**^ O» regio-catholica, regia britannica et christianis*
sima obligant se pro se ipsis, suis haeredibus et successoribus
ad guarantiam et tuitionem omnium ditioniim, iurium et pro-
vinciarum, quas domini Status generales foederati Belgii acta
possident, contra quoslibet qui eas turbarent aut invaderentj
promittentes eis existente casu auxilia infra enunciata. Sua M***
qk& regio-catholica utraque quoque M*»^ regia britannica et chri-
stianissima aeque se obstringunt, quod nullum unquam refugium
vel azylum in ullo regnonim suonim ÜHs statnum generalium
subditis concedent, qui sunt vel in futurum fuerint denunciati
rebelles, et si forte eiusmodi in eorum regnis, ditionibus et pro-
vinciis existerent, eos e finibus suis intra octo dierum spatium
a facta reipublicae interpellatione exire curabunt.
VIL
Ubi alterutram ex praedictis quatuor partibus contractan-
tibus a quocunque alio principe aut statu invadi aut etiam in
possessione regnorum ditionumque suarum per violentam de-
tentionem subditorum, na\num, rerum aut mercium, terra mari-
que turbari contingeret, tunc superstites tres officia sua, mox
ac de eo requisiti fuerint, impendent, quo offenso super illato
damno et iniuria satisfiat aggressorque a prosecutione hostili-
tatis abstineat. Ast ubi amica haec officia reconciliandis parti-
bus atque ad procurandam debitam parti laesae satisfactionem
reparationemque haud sufficerent^ eo casu alti contractantes
Submittent invaso intra bimestre spatium a facta requisitione
auxilia sequentia unitim vel separatim; videlicet sua M**^ C**
regio-aitholica octo millia peditum et quatuor miUia equitum;
sua M**^ britannica octo millia peditum et quatuor miUia equitum;
sua M^^® christianissima octo millia peditum et quatuor millia
equitum et domini Status generales quatuor millia peditum et
duo millia equitum.
Quod si princeps aut pars laesa pro milite naves bellicas
aut onerarias vel etiam subsidia pecuniaria submitti sibi mallet,
quod in eius arbitrium reponitur, eo casu petitae naves pecu-
niaeve ei subministrabuntur ad mensuram sumptuum in militem
impendendorum ; et ut omnis ambiguitas circa calculum seu aesti-
mationem dictorum sumptuum tollatur, placuit mille peditesmen-
struatim ad valorem decem millium florenorum hollandicorum,
17 18 Juli 22. /Aug. 2. ijj
mille vero equites ad triginta mille florenos hoUandicos men-
struatim aestimari, eadem intuitu navium proportione observata.
Ubi auxilia supra enumerata impendenti necessitati im-
paria forent, partes contractantes de ferendis amplioribus sup-
petiis indilatim cx)nvenient, quin exigente casu socium laesum
Omnibus suis viribus adiuvabunt bellumque aggressori denun-
tiabunt.
vin.
Principes et Status de quibus partes contractantes unani-
miter convenient isti tractatui accedere poterunt, nominatim
vero rex Lusitaniae.
Tractatus iste approbabitur et ratihabebitur a sua M*« C«*,
regia britannica et christianissima atque a celsis et potentibus
dominis statibus generalibus uniti Belgii tabulaeque ratificatio-
num commutabuntur Londini extradenturque reciproce intra
spatium duorum mensium aut citius si fieri potest.
In cuius rei fidem nos infrascripti plenipotentiarum tabulis
muniti iisdemque invicem communicatis, quarum apographa cum
archetypis rite a nobis coUata et recognita sub finem huius in-
strumenti verbotenus inserta sunt^), praesentem hunc tractatum
subscripsimus et sigillis nostris conmiunivimus. Actum Londini
die vicesimo secundo mensis Julii s. v./secundo Augusti s. n.,
anno domini millesimo septingentesimo decimo octavo.
L. S. Ch. Penterridter ab Adelshausen. L. S. W. Canf. L. S. Dubois.
L. S. Joannes Ph. HoflEman. L. S. Parker. C.
L. S. Simderland. P.
L. S. Kingston. C P. S.
L. S. Kent
L. S. Holles Newcastle.
LS. Bolton.
L. S. Roxburghe.
L. S. Berkeley.
L. S. J. Craggs.
*) Abgedruckt u. a, Dutnont l. c. VIII\j ^J7/*
^>f^ 1718 Juli 227Aug. 2.
Articuli separat! et secreti.
I.
Postquam Ser""* et Pot"*"* rex Magnae-Britanniae et Ser""*
et Pot*""" rex christianissimus nee non celsi et potentes domini
Status generales foederati Belgii vigore tractatus inter eos ho-
dierna die conclusi et subscripti super certis conditionibus con-
venerunt, secundum quas pax inter Ser"«»™ et Pot™°'" Romano-
rum imperatorem atque Ser™""» et Pot™"" regem Hispaniarum,
item inter eandem sacram M*«™ C®*™ regemque Siciliae (quem
deinceps regem Sardiniae nominare visum est) conciliari posset,
quarum quidem conditionum copiam praefatis tribus principibus
fecere, ut loco basis fixae stabiliendae inter eos pads forent,
sua M*" C®* ex gravissimis rationibus, ob quas rex Magnae-
Britanniae et rex christianissimus et supradicti Status generales
hoc tantum tamque salutare opus susceperunt, permota defe-
rensque circumspectis urgentibusque eorum consiliis et suasioni-
bus acceptare se declarat dictas conditiones seu articulos, nullo
penitus eorum excepto, ceu conditiones fixas et immutabiles,
iuxta quas pacem perpetuam cum rege Hispaniarum atque cum
rege Sardiniae concludere consentit
n.
Quia vero rex Hispaniarum et rex Sardiniae dictis con-
ditionibus necdum adhuc sunt assentiti, sua M^« O* prout et
suae M*^ regiae britannica et christianissima praefatique Status
generales convenerunt de admittendo iis ad consentiendum
spatio trium mensium, a die subscriptionis praesentis tractatus
computandorum, sufficere existimantes hoc temporis intervallum,
ut dictas conditiones rite perpendere possint, iique demum se
determinent atque declarent, num conditiones fixas et immuta-
biles pacificationis suae cum sua M*« C®* acceptare ipsi quo-
que velint, prout eos esse facturos ab eorum pietate et pru-
dentia sperare licet; fore scilicet, ut exemplum suae M*^^ C»«
secuti animi motibus moderari habitaque humanitatis ratione
tranquillitatem publicam privatis suis sensibus praehabere una-
que effusioni sanguinis subditorum suorum parcere atque cala-
mitates belli a rehquis Europae nationibus avertere velint. In
quem finem suae M*^ britannica et christianissima statusque
generales foederati Belgii officia sua quam eflicacissima una
1718 JlUi «7Aug- 2. jtig
simul et seorsim impendent, quo dictos principes ad eiusmodi
acceptationem permoveant
in.
Verum si contra omnetn expectationem alte contractan-
tium v^otaque universae Europae rex Hispaniamm et rex Sar-
diniae post elapsum trium mensium terminum dictas conditiones,
pro eorum pacificatione cum sua M** O^ propositas, acceptare
abnuerent cam tranquilUtatem Europae a renitentia vel moli-
minibus clandestinis dictorum duorum principum dependere
aequum non sit, suae M*^* britannica et christianissima nee non
Status generales suas cum viribus suae M*^^ C"* lungere pro-
mittunt, quo illi ad acceptationem et executionem praefatarum
conditionum adigantur. Quem in finem C*** suae M^* praebe-
bunt unitim et separatim eadem ipsa auxilia, de quibus pro
reciproca defensione mutua articulo septimo tractatus foederis
sub hodierno die subscripti convenere, unanimiter consentientes^
ut sua M*** christianissima subsidia loco militis praestet in aere,
Quod si auxilia in dicto articulo septimo enuntiata assequendo
proposito scopo imparia forent, tum quatuor partes contractan-
tes de amplioribus auxiliis suae M*^ O*** submittendis absque
mora convenient eaque continuabunt quousque sua M*"» C^ re-
gnum Siciliae subegerit eiusque regna et provinciae in Italia
plena sectiritate gaudeant. Conventum insuper et quidem di-
sertis verbis tuit, quod si ob causam auxiliorum, quae suae M*«»
britannica et christianissima dominique Status generales suae M**
Qa-i vi et in executionem praesentis tractatus suppeditabunt,
reges Hispaniae et Sardiniae vel unus illorum bellum alterutri
dictorum contractantium declararet aut inferret, sive eum in
suis ditionibus aggrediendo sive eorum subditos aut naves^
res et merces, terra marive violenter retinendo, in eum casum
duae aliae potentiae contractantes illico bellum praefatis regi-
bus Hispaniae et Sardiniae vel Uli binorum eorum regum, qui
id alterutri dictarum potentianim contractantium denuntiaverit
aut intuleritj declarabunt, neque arma ante deponent quam im-
perator in possessione Siciliae et securus ratione suorum regno-
rum et provinciarum in ItaHa sit, sattsfactumque pro iustitia
fuerit illi ex tribus partibus contractantibus, quae occasione
praesentis tractatus armis impetita aut damnificata fuerit.
n
a>T6 171^ ^^^ 22./Aug. 2.
IV.
Ubi unus duntaxat praefatorum binorum regum, qui pacis
conditionibus cum sua M*® O^ faciendae necdum assentiti sunt,
eas acceptaret, is quoque quatuor partibus contractantibus ad
compellendum eum qui eas recusaverit se coniunget submittet-
que suam partem subsidiorum iuxta distributionem desuper
faciendam.
V.
Si rex catholicus ainore boni public! et quod commutatio
regnorum Siciliae et Sardiniae pro manutentione pacis univer-
salis necessaria sit persuasus in eam consentiat conditionesque
pacis cum imperatore ineundae ut supra amplectatur, e contra
vero rex Sardiniae ex permutatione reiecta Siciliam retinere
persistat, in eo casu rex Hispaniae Sardiniam imperatori resti-
tuet, qui istius regni custodiam (salvo supremo suo in illud do-
minio) serenissimo regi britannico et dominis statibus generali-
bus tam diu committet, donec subacta Sicilia Sardiniae rex
supra recensitis conditionibus tractatus cum imperatore ineundi
subscribat atque in acceptationem regni Sardiniae loco aequi-
valentis pro regno Siciliae consentiat, quo facto in eins pos-
sessionem a rege Magnae-Britanniae statibusque generalibus
mittetur; si vero sua M**» C«* expugnare Siciliam atque in suam
potestatem redigere nequiret, in eum casum Magnae-Britanniae
rex statusque generales regnum Sardiniae eidem restituent,
frueturque interim sua M**^ O* dicti regni redditibus, qui sump-
tus in custodiam factos excedent
VI.
Ast ubi regem Sardiniae in dictam permutationem con-
sentire regem vero Hispaniarum eandem recusare contingeret,
in hoc casu imperator adiutus reliquorum compaciscentium au-
xiliis Sardiniam oppugnabit, quae .tamdiu ei submittere spon-
dent, aeque ac sua M^ O* arma minime deponere promittit,
donec Universum Sardiniae regnum occupaverit, quod mox ab
occupatione regi Sardiniae cedet
vn.
Quod si uterque et Hispaniae et Sardiniae rex permuta-
tioni Siciliae et Sardiniae sese opponerent, imperator una cum
sociorum auxiliis primo loco regnum Siciliae adorietur, quo
t^iS Juli %%IAug, 2.
377
occupato arma contra Sardiniam vertet et copiarum numero,
quo praeter auxilia sociorum ad utramque expeditionem opus
esse existtmabit; subacta quoque Sardinia eins custodiam sua
^tas Qm fegi britannico dominisque statibus generalibus eo us-
que committet, donec Sardiniae rex conditionibos pacis cum
imperatore ineundae subscripserit atque regnum Sardiniae pro
aequivalente regni Siciliae acceptare consentiat, sibi tunc a sua
M** britannica statibusque generalibus tradendum, frueturque
Interim sua M*^*' O^ redditibus isttus regni, qui sumptus in cu-
stodiam factos superabunt
VUI.
Casu quo rex catholicus Sardiniaeque rex vel alteruter
illonim dictas conditiones pacis Ulis propositas acceptare et
exequi renuerent, ob eamque causam quatuor partes compa-
ciscentes via facti contra eos vel alterutrum eorum procedere
compellerentur, conventum diserte fuit, imperatorem (qualem-
cunqua eius arma progressum contra dictos binos reges aut
eorum alterutrum habere possent) contentum esse et acquiescere
debere emolumentis sibi in dictis conditionibus mutuo consensu
designatis^ reservata tarnen suae M*^ C*** potestate, iura sua,
quae adversus regem Sardiniae super ea parte Status Medio-
lanensis quam iste nunc possidet habere praetendit, armis vel
etiam per tractatum pacis tale bellum subsecuturum revindi-
candi, salva quoque aliis tribus compadscentibus, in casum übt
eiusmodi bellum contra regem Hispaniae et regem Sardiniae
suscipiendum foret, facultate cum sua M^ O* conveniendi et de-
signandi aüumquendam principem, in cuiusfavorem tunc sua M**^
C»* de parte ducatus Montisferratensis a rege Sardiniae modo pos-
sessa ad eiusdem exclusionem disponere et quali alteri piincipi
velqualibus aliis principibus literas expectativae investituram con-
tinentes eventualem statuum nunc a magno duce Hetruriae et
a duce Parmae Placentiaeque possassorum in exclusionem fiUo-
rum praesentis reginae Hispaniae accedente consensu imperii
concedere debeat, hac declaratione adiecta, quod nullo unquam
tempore aut casu neque sua M*** C^ neque ullus princeps e
domo austriaca, qui regna, ditiones et provincias Italiae possi-
debit, dictos ducatus Hetruriae et Parmae asserere sibi aut at-
tribuere valeat.
jjg 1718 Juli iiVAug. 2.
IX
Verum ubi sua M**^ C^ Siciliam adhibito sufficienti co-
piarum numero sociorumque auxiliis et mediis impensa quoque
congma diligentia armis subigere aut in possessione istius regni
Stabilire se nequiretp partes compaciscentes conveniunt decla-
rantque, suam M*^"' C^*" esse et fore in eum casum omnino
liberam et solutam ab omni obligatione per hunc tractatum as-
sumpta consentiendo in supradictas conditiones pacis se inter
regesque Hispaniae et Sardiniae ineundae, salvis tarnen reliquis
praesentis tractatus ardculis» qui suam M.^^'^ C^^' suasque M**^«
regias Magnae-Britanniae et christianissimam et dominos Status
generales uniti Belgii mutuo spectant-
Attamen cum securitas et tranquillitas Europae finis sco-
pusque sit renantiationum a sua M**' O* et sua M*^ cathoüca
pro se, suis descendentibus et successoribus omni um praeten-
sionum super regno Hispaniae et Indiis ex una» ex altera parte
vero super regnis, ditionibus et provinciis Itaüae et Belgico-
austriacis faciendarum, memoratae renuntiationes fient ab una
et altera parte eo modo et forma» uti articulo secundo et
quarto conditionum pacis inter suam M**"^ O*"* et regiem ca-
tholicam M*®"^ pangendae conventum fuit; et quamvis rex ca-
tholicus praememoratas conditiones acceptare recusaret, impe-
rator nihilominus instrumenta suae renuntiationis expediri faciet,
cuius tamen publicatio in diem subscriptionis pacis suae cum
rege catholico differetur; et si rex catholicus in reiicienda dicta
pace constanter perseveraret, sua M^^ C^ nihilo secius regi
britaantco eo tempore, quo ratificationes istius tractatus com-
mutabuntur, actum solennem dictarum renunciationum extradet,
quem sua M**^ britannica iuxta commune contractantium pac-
tum regi christianissimo ante non exhibendum promittit, quam
sua M**^^ C*^ in possessionem Siciliae pervenerit, qua adepta
tunc tarn exhibitio quam publicatio dicti actus renuntiationum
caesarearum ad primam regis christianissimi requisitionem fiet
istaeque renuntiationes locum habebunt, sive rex catholicus paci
cum imperatore subscripserit sive non, eo quod in hoc ultimo
casu guarantia partium compaciscentium caesari esse debeat
locD securitatis, quam alioquin ipsae renuntiationes regis ca-
171 8 Juli 22./Aug. 2. ^y^
tholici suae M*^ C®*« pro Sicilia et caeteris Italiae statibus Bel-
giique provinciis praestitissent.
XI.
Sua M*** C«* promittit nihil se moliri aut movere nee
contra regem catholicum nee contra regem Sardiniae et ge-
neraliter contra neutralitatem Italiae velle in termino illo tri-
mestri, qui iis pro aceeptandis conditionibus paeis suae cum
imperatore concessus est; ast si intra dictum tempus trium men-
sium rex catholicus loeo dictas conditiones acceptandi suas po-
tius hostilitates contra suam M*®™ C«*™ prosequi pergeret, vel
si rex Sardiniae provincias, quas Imperator in Italia possidet,
armis aggrederetur, in eum casum suae M*«» britannica et chri-
stianissima nee non domini Status generales obstringunt sese
ad submittenda illico suae M*^ O»« in sui tutelam auxilia, quae
vi foederis hodie subscripti pro reeiproca suorum statuum de-
fensione invicem sibi praestare convenenmt, idque eoniunctim
vel separatim neque etiam expectato duorum mensium lapsu
amicis officiis adhibendis alias in dicto foedere praefixorum; et
ubi auxiüa in dicto tractatu determinata fini proposito haud
sufficerent, quatuor partes compaciscentes mox inter se de
validiore ope suae M** C«*« ferenda convenient.
xn.
Praemissi undecim artieuli apud suam M^™ O*"^, suas M*««
britannicam et christianissimam statusque generales per spatium
trium mensium a die subscriptionis secreti manento, nisi ab-
breviare terminum illum aut producere de communi eorum pla-
cito videretur; et quamvis praefati undecim artieuli sint a trac-
tatu foederis hodiema die a quatuor dictis partibus compacis-
centibus subseripto separati, eandem tamen vim ac robur ha-
bebunt ac si illi de verbo in verbum inserti essent, cum eius
partem essentialem efficere censeantur.
Porro ratihabitiones eorum uno tempore cum alteris illius
tractatus extradentur.
In quorum fidem nos infrascripti vigore plenipötentiarum
hodie invicem exhibitarum hos articulos separatos et secretos
subscripsimus et sigillis nostris communivimus.
igo '7^^ ^^ a2./Aug. 2.
Actum Londini die vicesimo secimdo mensis Julii s. v./se-
cundo Augusti s. n., anno domini millesimo septingentesimo de-
cimo octavo.*)
Articulus separatus.
Quum tractatus hodierao die inter M*^ suam C«"\ M*«™
suam britannicam et M*«™ suam christianissimam initus signatus-
que ac in se complectens tam conditiones, quae aequissimae
summeque aptae iudicatae sunt ad pacem stabiliendam inter
imperatorem et regem catholicum atque inter dictum impera-
torem regemque Siciliae, quam conditiones foederis ad pacem
publicam conservandam inter praedictas potentias contrahentes
sanciti, celsis et praepotentibus dominis ordinibus generalibus
unitarum Belgii provinciarum communicatus fuerit; cumque ar-
ticuli separati et secreti hodie itidem signati continentesque ra-
tiones, quas ad tractatum supradictum executioni mandandum
inire visum est, iisdem ordinibus generalibus mox proponendi
sint, Studium, quod iUa respublica testatur ad restituendam fir-
mandamque tranquillitatem publicam, nuUum dubitandi locum
relinquit, quin ipsa eidem animo perlubenti accedere velit; ideo-
que dicti ordines generales tanquam partes contrahentes in ipso
tractatu nominatim inseruntur sub spe scilicet fidentissima, illos
eidem sese tam cito adiuncturos ac usitatae in statu suo for-
mulae id pati possint
Sin vero praeter spem et vota partium contrahentium
(quod tamen omnino non suspicandum est) praefati domini or-
dines generales tractatui supradicto accedendi consilium haud
ceperint, expresse conventum concordatumque est inter dictas
partes contrahentes, quod tractatus saepe nominatus hodiemo-
que die signatus eflfectum suum inter ipsas nihilominus sortietur
et in Omnibus eins clausuiis et articulis executioni mandabitur
eodem modo, quo ibidem constitutum est, eiusdemque rati-
ficationes temporibus praefinitis exhibebuntur.
Aiticulus iste separatus eandem vim obtinebit ac si ipsi-
met tractatui hodie concluso signatoque verbotenus insertus
fuerit ratihabebiturque eodem modo atque ratihabitionum ta-
bulae intra idem tempus cum ipso tractatu extradentur.
*) Dtf Unterschriften sind die gleichen wie im Hauptvertrage.
1718 Juli 22./Aug. 2. ^81
In quonim fidem nos infrascripti vigore plenipotentianim
hodie invicem exhibitarum hunc articulum separatum subscrip-
simus et sigillis nostris communivimus. Actum Londini die
vicesimo secundo mensis Jiüii s, v./secundo Augusti s. n., anno
domini millesimo septingentesimo decimo octavo.^)
Articulus separatus.
Quod si forte dominis generalibus uniti Belgii ordinibus
grave nimis foret conferre ratam suam partem stipendii Hel-
vetiorum cantonibus pro Libumi, Portus Feraii, Parmae et Plan-
centiae praesidiis solvendi iuxta conclusi hodie tractatus foe-
deris tenorem, articulo isto separato expresse cautum et inter
quatuor partes contrahentes conventum est, quod eo casu rex
catholicus dictam dominorum statuum generalium ratam in se
recipere possit.
Articulus iste separatus eandem vim obtinebit ac si ipsi-
met tractatui hodie concluso signatoque verbotenus insertus
fuerit ratihabebiturque eodem modo atque ratihabitionum ta-
bulae intra idem tempus cum ipso tractatu extradentiu*.
In quorum fidem nos infrascripti vigore plenipotentianim
hodie invicem exhibitarum hunc articulum separatum subscrip-
simus et sigillis nostris communivimus. Actmn Londini die
vicesimo secundo mensis JuUi s. v./secundo Augusti s. n., anno
domini millesimo septingentesimo decimo octavo.*)
Articulus separatus.
Quum in tractatu foederis cum sacra C«* catholica M*« ho-
die subscribendo, ut et conditionibus pacis in eo insertis, sacrae
regiae M*«* britannica et christianissima et domini Status ge-
nerales Belgii uniti praesentem Hispaniarum et Indiarum pos-
sessorem regem catholiciun, et ducem Sabaudiae regem Siciliae
vel etiam Sardiniae appellent, et vero sacra M*" C^ catholica
binos hos principes pro regibus agnoscere haud possit ante-
quam et ii ad hunc tractatum accesserint; proinde sacra C^ ca-
tholica M^s per articulum ipsum separatum et ante tractatum
') Di> Unterschriften wie im Hauptvertrage,
■) Die Unterschriften wie im Hauptvertrage,
^02 1718 Juli 22./Aug. 2.
foederis subscriptum declarat et protestatur, quod per titulos
ibi adhibitos vel etiam omissos sibi minime praeiudicare neque
dictis binis principibus titulos regios concedere aut adiicere in-
tendat, nisi in eum duntaxat casum, ubi et illi tractatui hodie
subscribendo accesserint atque placitis in eo conditionibus pacis
pariter consenserint
Articulus iste separatus eandem vim obtinebit ac si ipsi-
met tractatui hodie concluso signatoque verbotenus insertus
fuerit, ratihabebiturque eodem modo atque ratihabitionum ta-
bulae intra idem tempus cum ipso tractatu extradentur.
In quorum fidem nos infrascripti vigore plenipotentiarum
hodie invicem exhibitarum hunc articulum separatum subscrip-
simus et sigillis nostris communivimus. Actum Londini die
vicesimo secundo mensis Julii s. v./secundo Augusti s, n., anno
domini millesimo septingentesimo decimo octavo.^)
Articulus separatus.
Quum titulorum aliqui, quibus sacra O* M*" sive in pleni-
potentiis sive in tractatu foederis hodie secum subscribendo uti-
tur, per sacram regiam M*®™ christianissimam agnosci haud pos-
sint, per hunc articulum separatum et ante tractatum foederis
subscriptum declarat et protestatur, quod per dictos hoc trac-
tatu adhibitos titulos, aut sibi alterive praeiudicare aut sacrae
Qae ^ti jus ullum adücere minime intendat
Articulus iste separatus eandem vim obtinebit ac si ipsi-
met tractatui hodie concluso signatoque verbotenus insertus
fuerit, ratihabebiturque eodem modo atque ratihabitionum ta-
bulae intra idem tempus cum ipso tractatu extradentur.
In quorum fidem nos infrascripti vigore plenipotentiarum
hodie invicem exhibitarum hunc articulum separatum subscrip-
simus et sigillis nostris conmiunivimus. Actum Londini die
vicesimo secundo mensis Juli s. v./secundo Augusti s. n., anno
domini millesimo septingentesimo decimo octavo.^)
») Die Unterschrifttm wie im Hauptvertrage,
*) Die Unterschriften wie im Hauptvertrage,
171S Juli 22./Aug. 2. 183
Declaratio a plenipotentiariis regis Britanniae subscripta.
(Ex Dumont VIIIji ^36 f.)
Quandoquidem secundum usum, quem utrinque convenit
receptum fuisse tractatibus inter W^ suas britannicam et chri-
stianissimam Ryswyci, Traiecti ad Rhenum et Hagae Comitis
pro triplici foedere initi, instrumenta pro rege Magnae-Britanniae
lingua latina, pro rege vero christianissimo lingua gallica con-
fecta sint, adiecta tamen declaratione, quod si alius antea usus
obtinuerit, eidem se rex christianissimus in posterum accomo-
daret; cumque in tractatu hodierno die inter imperatorem Ro-
manorum, regem Magnae-Britanniae, regem christianissimum et
Status generales foederati Belgii signato usus supra memoratus
observari haud potuit sine incommodo plurium adhuc instru-
mentorum faciendorum, quo tractatus huius subscriptio in lon-
gius differri necesse foret; cumque insuper aliqui e plenipo-
tentiariis enixe postulaverint, ut nullum tractatus hodiemi in-
strumentum fieret, quod omnium simul partiimi contrahentium
subscriptionibus munitum non fiierit, quo pacto factum est, ut
omnia dicti tractatus instrumenta lingua latina conscripta sint;
cum igitur in fmem, ne hoc exemplum in usum trahatur inter
regem christianissimum, nos plenipotentiarii M*^^ suae britan-
nicae rogatu plenipotentiarii M*^^ suae christianissimae declara-
mus, quod id omne idioma sive linguam tractatus hodiemi spec-
tans in exemplum trahi aut proferri non poterit in posterum,
verum usus antea receptus inter utramque coronam obtinebit,
ita ut quod hodie factum est eidem nuUo modo derogabit ne-
que ius aliquod novum in contrarium adiiciet
In quorum fidem nos plenipotentiarii M*^^ suae britannicae.
hanc declarationem subscripsimus et sigillis nostris communi-
vimus. Londini die vicesimo secundo mensis Julii, anno domini
millesimo septingentesimo decimo octavo.
L. S. Sunderland. L. S. Roxburghe. L. S. J. Craggs.
Declaratio a plenipotentiariis sacrae O*® et catholicae M^»
subscripta.
(SU-A. Angl. Cop.)
Quum plenipotentiarii M**« suae O»« et catholicae et regum
tarn Franciae quam Magnae-Britanniae plenipotentiarum suarum
^34 '7'^ ^"^^ 22./Aug. 2.
tabulas sibi mutuo communicarent, plenipotentiarius M*^** suae
christianissimae nobis declaravit, se non posse M**« suae O*«
plenipotentiarum tabulas admittere, quoniam regis Franciae titu-
lus ibidem M** suae britannicae tributus sit et dicta sua M^«
ante M*®™ suam christianissimam posita fuerit, neque etiam trac-
tatum cum M^ sua C®* et catholica signare posse, nisi nos aliis
plenipotentiarum tabulis muniti essemus, ubi rex Magnae-Bri-
tanniae titulo regis Franciae haud donatus sit atque ubi M*"
suae christianissimae nomen M*>« suae Britannicae titulo prae-
positum fuerit, aut nisi eiusmodi plenipotentias debita forma
conceptas nos exhibituros poUiceremur ante ratificationum com-
mutationem ; hisce de causis nos M**^ suae C«*« et catholicae ple-
nipotentiarii, negotio huic concludendo, quod tanti momenti sit ad
tranquillitatem publicam firmandam, moram iniicere nolentes,
promisimus et per hasce praesentes promittimus nosque obli-
gamus ad exhibendas spatio duorum mensium atque ante
commutationem tractatus hodie subscribendi plenipotentiarum
tabulas ex parte M*'* suae 0*% in quibus regis Franciae titulus
regi Magnae-Britanniae tributus haud sit atque ubi nomen regis
Franciae primum locum habeat ante M^^ suam britannicam
secundum formam hisce adiectam^) quamque nos manibus nos-
tris attestamur ut apographa dictae plenipotentiae ratificationi,
quam imperator regi Franciae daturus est atque ei, quam rex
Franciae M*» suae O*® extraditurus est, inserantur atque ut fmi
supra memorato uti rationi consentaneum est inservire possint-
In quorum fidem nos hoc instrumentum manibus nostris sub-
scripsimus et eidem sigilla nostra apposuimus. Londini se-
cundo die mensis Augusti, anno millesimo septingentesimo de-
cimo octavo.
*) Liegt nicht bei.
1718 Dez. 22. ^5
18.
Vertrag :{wischen Karl VI., Georg I. und den Generalstaaten,
betreffend die Exekution des Barrieretraktates von 171$ Nov. 75;
d. d. Haag 17 18 De^. 22.
Rat. Georgs I. d. d. St, James 1719 Jan, 13.124,, Karls VI. d, d. Wien
17 19 Jan, 21 y der Generalstaaten d, d, Haag 1719 Febr. i.
Die Originale dieses Vertrages im St.-A,, R, O., u, R, A, ; die Originale der
Ratifikationen durch Karl und durch die Generalstaaten im R. O., die Georgs
im St'A. — Drucke bei Bittner Nr, yiy.
Eine Erörterung der Umstände, unier denen der nachfolgende
Vertrag zustande gekommen ist, und eine Würdigung seines Inhaltes
muss dem Herausgeber der staatischen Verträge vorbehalten bleiben,
denn wie der Barrierevertrag vom Nov. 1715, ja noch in höherem
Masse als dieser, belogen sich die einzelnen Bestimmungen des am
21. De;^, 17 18 im Haag unterzeichneten Abkommens auf die Regelung
von Fragen, die England nur indirekt berührten. Wir dürfen uns
daher wohl in diesem Zusammenhange darauf beschränken, -jw betonen,
dass die Engländer während der ganj^en Dauer der Verhandlungen,
die unmittelbar nach der Unterzeichnung des Barrierevertrages be-
gannen^ kein Mittel unversucht Hessen, um Karl VI, z^r Herabmin-
derung seiner Ansprüche und {um Eingehen auf die Begehren der
Generalstaaten <{// bewegen, zj^mal die letzteren von einer günstigen
Erledigung dieser Angelegenheit ihr Verhalten in allen wichtigen
Fragen der auswärtigen Politik abhängig machten und sich wei-
gerten, vor Unterzeichnung dieses neuen Barrierevertrages dem -f«
London am 2. August 17 18 geschlossenen Bündnisse beizutreten. In
der Tat hat das eindringliche Ermahnen der am Wiener Hofe wei-
lenden Vertreter Georgs I. nicht wenig dazu beigetragen, dass Karl VI,
sich Ende des Jahres 17 18 -[«r Unterzeichnung eines Abkommens ent-
schloss, das seinen und den Wünschen der belgischen Bevölkerung nur
wenig entsprach und die ohnehin günstige Position der Niederländer
den Belgiern gegenüber von neuem stärkte. Der den Engländern vor-
teilhafte Artikel XXVI. des Barrierevertrages, durch den die Fortdauer
der besiehenden Einfuhr- und Ausfuhr abgaben bis ^mw Abschlüsse
eines neuen Handelsvertrages festgesetzt worden war,, blieb in Kraft,
und Georg I. übernahm wie vor Jahren die Garantie dafür, dass die
beiden Kontrahenten die eingegangenen Verpflichtungen erfüllen würden,
Österreichisch-cngUsche Staatsverträge. Bd. I. 25
386 i7'8 ^«2 *2-
Le traitö de barriere conclu le quinze de Novembre mil
sept Cents quinze entre sa Mt^ Imple et catholique, sa Mt^ le
roy de la Grande-Bretagne et les seigneurs estats generaux des
Provinces-Unies n'ayant pü avoir son execution ä Tegard de
quelques articles, ä cause des difficultös qu'on y a rencontröes,
et sa Mt^ Imple et catholique, sa Mte le roy de la Grande-Bre-
tagne et L. H. P. estant egalement portöes ä lever ces difficul-
tös par les moyens les plus convenables, ä fin de parvenir au
büt qu'on s'est proposö par le dit trait^ et pour etablir d'au-
tant mieux les fondemens d' une solide amitiö et bonne intelli-
gence ä laquelle on est portö de part et d'autre, sa Mt^ Impl«
et catholique, sa Mt^ le roy de la Grande-Bretagne et L. H. P.
ont nommö et commis pour en traiter et en convenir; ä Sfavoir
sa Mt^ Imple et catholique le sieur Hercule Joseph Louis Turi-
netti, marquis de Priö et de Pancalier, comte de Mitterbourg
et de Castillon, seigneur de Saint Servolo et Castelnovo en
Carniole, de Fridaw et Rabenstein en Aütriche, de Schiurgo,
Belvar et Saint Miclos en Hongrie, grand d'Espagne, Che-
valier de r ordre de l'Annonciade, conseiller intime d'etat de
sa Mte Imple et catholique, son ministre plenipotentiaire pour
le gouvemement des Pais-Bas et son ambassadeur plenipoten-
tiaire pour la conclusion et signature du present traitö pour
r execution de celuy de la barriere; sa Mt^ brittannique le sieur
Guillaume comte de Cadogan, vicomte de Cauversham, baron
deReding*) et d'Oakley, general de Tinfanterie, colonel du se-
cond regiment des gardesä pied, gouvemeurde Tisle de Weicht,*)
maitre de la garderobe, conseiller d' estat, Chevalier du tres noble
et tres ancien ordre de St. Andre et son ambassadeur extra-
ordinaire et plenipotentiaire auprös des seigneurs estats gener-
aux des Provinces-Unies ; et L. H. P. les sieurs Jean van Wyn-
bergen, seigneur de Glinthorst, du corps de la noblesse du
quartier de Veluwe en la province de Gueldre, Wigbold van
der Does, seigneur de Noortwyck, de T ordre de la noblesse
de Hollande et Westfrise, grand baillif et dyckgrave de Rhyn-
land, Antoine Heinsius, conseiller pensionaire, garde du grand
sceau et surintendant des fiefs de la province de Hollande et
Westfrise, Adrien Veiters, cy-devant echevin, senateur et pen-
') So im Or, für Reading,
») So im Or, für Wight.
17 18 Dez. 22. ^Qiy
sionaire de la viUe de Middelbourg en Zelande, Gerard Godart
Taets van Amerongen, chanoine du chapitre de St Jean ä Ut-
recht, assesseur dans le conseil des eins composant le premief
membre des estats de la province d' Utrecht, grand-veneur de
la meme province et assesseur au conseil des heenirades de
la riviere la Lecq, Dancker de Kempenaar, senateur de la ville
de Harlingen en Frise, Everhard Rouse, bourguemaitre de la
ville de Deventer en Overyssel et Eger Tamminga, Sr en Zeeryp,
Eenum, Lerumes et't Zand; tous respectivement deputez en
nostre assemblöe de la part des estats de Gueldre, de Hollande
et Westfrise, de Zelande, d' Utrecht, de Frise, d' Overyssel et
de Groningue et Ommelandes, lesquels en vertu de leurs pleins
pouvoirs respectifs apres avoir conferö plusieurs fois ensemble
sont convenus de la maniere suivante.
I.
Comme il est survenu des difficultez au sujet de Tarticle
dix sept du dit traitö de la barriere qui regarde la seuret^ des
frontieres et l'extension des limites de L. H. P. en Flandre,
dont il pourroit resulter des inconveniens qu'on souhaite de
part et d'autre de prevenir, on est convenu de substituer le
present article au lieu du dit article dix sept
Sa Mt^ Imple et catholique agröe et approuve que pour
Tavenir les limites des estats generaux en Flandre commen-
ceront ä la mer au nord-oüest du fort de St. Paul ä present
demoli, lequel sa Mt^ leur cede avec dix verges de terrain de
quatorze pieds la verge autour de l'avant foss^ du c6t6 oüest
et au zud; et Ton tirera une ligne droite depuis la digue qui
est au zud du dit fort, marqu^e par la lettre A sur la carte
figurative qui en a est6 formee et signöe de part et d'autre,
a travers le polder nommö Hasegras jusques ä la jonction de
la digue de Crommendyck marqu^e B, en allant le long d'un
fosse qui se trouve ä T oüest de la dite digue demolie et en-
suite au canal nomme Neeuw Ghedelft marquö C, lequel on
suivra jusques k Neeuw Ghedelft dryhoek marquö D; de lä
les nouvelles limites iront le long d'un watergang et fossö
marquez E jusques k la ligne marquöe F, lesquels waterganck
et fosse demeureront h sa Mt^. De la lettre F Ton continuera
le long de la dite ligne jusques au delä du bureau de sa Mt^
Imple et catholique marqu^ G dans un angle rentrant de la
digue duquel on traversera le petit polder sur l'alignement
25*
388 i7>8 Dez. 22.
d'un fossö jusques au coulant d'eau de TEcluse Noire en le con-
tinuant sur la pointe d'une redoute ou traverse qui est sur la
digue au delä des deux canaux de Saute et de Soute marquöe
H pres du fort de St Donas, lequel sa Mte Imple et catholique
cede en pleine souverainetö et propriöt^ aux estats generaux,
de mSme que la souverainetö de tout le terrain situö au nord
de la ligne marquöe cy-dessus, moyennant que les portes des
ecluses au dit fort seront et resteront ot^es en tems de paix,
et qu'il sera permis aux interessez d'en baisser les seuils au
niveau de celuy de V Ecluse Noire et d' en faire la visite quand
ils le trouveront necessaire, ä fm qu' en tems de paix V eau alt
toujours son libre coulant ä la mer.
Du dit poste les nouvelles limites retoumeront le long du
pied exterieur de la digue vers le polder noramö le „Beut du
monde", de lä le long de la digue de mer, comme il est marquö
sur la carte, jusques aux anciennes limites ä la coupure d'une
digue qui ferme la creque de Lapschure marquöe J, et appar-
tiendra ä L. H. P. en souverainet^ le terrain situö au nord de
cette ligne. V on suivra de lä les anciennes limites jusques au
Barbarapolder auquel les nouvelles limites entreront et com-
menceront au pied de la digue en allant le long de ce polder
et de Laurainepolder jusques ä la longue rue marquöe K, en
les continuant ä la ligne droite le long de la mSme rue jus-
ques ä la digue qui va de Bouckhoute au havre de Bouck-
houte marqu^e L, et de lä elles entreront dans le Capellepol-
der et continueront en ligne droite jusques ä un angle ren-
trant du Grave-Jansdyck marquöe M, et iront de lä le long de
la digue jusques au Polder Rouge.
Sa Mte Imple et catholique cede en pleine souverainet^ ä
L. H. P. les Barbarapolder, Laurainepolder, Capellepolder et
le Polder Rouge, excepte ce qui est reserve par la ligne mar-
quee cy-dessus dans les Capelle et Lauraine polders qui re-
stera ä sa Mte Imple et catholique. L. H. P. permettent aux in-
teressez des ecluses de Bouckhoute de les remettre oü elles ont
Ste cy-devant, et que les dites ecluses ayent les coulans d' eau di-
rectement ä la mer, comme ils V avoient avant la derniere guerre.
II sera permis ä L. H. P. en tems de guerre, lorsque la
riecessitö de la defense et seurete de leurs frontieres V exigera,
d'occuper et faire fortifier les postes necessaires dans le Graef
Jansdyck et Zydlingsdyck.
1718 Dez. 22. 189
A Tegard de la ville de Zas de Gand les limites seront
etendues jusques ä la distance de deux tiers de deux miUe pas
geometriques autour de la ville, en commen^ant aux angles des
bastions lesquels finiront du cöt^ de Zelsate sur le point de
leurs anciennes limites au bord du canal du Zas. Et pour la
conservation du bas Escaut et la communication entre le Bra-
bant et la Flandre des estats generaux, sa Mte Imple et catho-
lique cede en pleine et entiere souverainetö aux estats gener-
aux le village et polder de Doel comme aussi les polders de
St. Anne et Ketenisse, bien entendu que le territoire de L. H. P.
ne s'etendra entre les forts de la Perle et de Liefkenshoeck
qu'ä michemin ou ä distance egale des deux forts.
Sa Mte Imple et catholique remettra aussitöt que la bar-
riere sera attaquee ou la guerre commenc^e la garde de fort
de la Perle ä L. H. P., ä condition neanmoins que la guerre
venant ä cesser elles remettront le dit fort de la Perle ä sa Mt^
Imple et catholique, comme aussi les postes qu' elles auront oc-
cupös dans le Graef Jansdyck et Zydlingsdyck.
L. H. P. promettent de plus que si ä V occasion de la ces-
sion de quelques ecluses (dont les habitans de la Flandre Aü-
trichienne conserveront le libre usage en tems de paix) ils vins-
sent k souffrir quelque dommage ou prejudice, tant par les com-
mandans que par d'autres officiers militaires, que non seulement
les estats generaux y remedieront incessamment, mais aussy
qu'ils dedommageront les interessös.
Et puisque par cette nouvelle Situation des limites il fau-
dra changer les bureaux pour prevenir les fraudes ä quoy/sa
Mte Imple et catholique et L. H. P. sont egalement interess6es,
on conviendra des lieux pour T etablissement des dits bureaux
et des precautions ulterieures qu'on jugera convenir de prendre.
II est de plus stipul^ qu'une juste evaluation sera faite
dans le terme de trois mois des revenus que le souverain tire
des terres qui se trouveront ced^es ä L. H. P. par cet article,
comme aussi de ce que le souverain a profitö par le renou-
veUement des octroys sur le pied qu'ils ont 6tö accordös de-
puis trente ans en defa, k estre deduits et defalquez sur le sub-
side annuel de cinq cens mille ecus, sans que pour cette Eva-
luation on pourra retarder le payement du dit subside. Les-
quelles terres ne pourront estre chargöes d'impositions xii d'au-
200 '7'^ ^®** ^^•
tres taxes au delä de ce qu'elles contribuent ä present dans
les charges publiques suivant la dite evaluation qui en sera faite.
La religion catholique Romaine sera conservee et main-
tenue aux lieux cedez cy-dessus comme h present et avec la
m^me libert^ d'exercice publiq et dans la meme etendue qu'on
a stipule cette libertö par Tarticle dix huit du traite de barriere.
Les proprietaires des terres et autres biens situez dans
r etendue des dites cessions en retiendront la pleine proprietö
et jouissance avec toutes les prerogatives et droits y attachez,
nuls reservez, nuls exceptes, et seiont de plus les seigneurs
particuliers des mßmes terres et biens continuez et maintenus
dans la proprietö et possession paisible des jurisdictions qui
leur y appartiennent en tous degrez de justice, haute, moyenne
et basse, comme les uns et les autres en ont joui jusques k
present.
Le fort de Rodenhuysen sera rase, et les differens touchant
le canal de Bruges seront remis ä la decision d'arbitres neutres
k choisir de part et d'autre, bien entendu que par la cession
du fort de St Donas ceux de la ville de TEcluse n'auront pas
plus de droit sur le dit canal qu'avant cette cession.
Au moyen des cessions comprises en cet article L. H. P.
se desistent de toutes les autres terres et lieux qui leur ont
est^ cedez par T article dix sept du traitö de la barriere lesquels
demeureront comme auparavant sous la domination de sa Mte'
Imple et catholique.
n.
Comme sa Mt^ Imple et catholique a promis par T article
dix neuf du traite de la barriere de faire payer annuellement
h L. H. P. les seigneurs estats generaux des Provinces-Unies
la somme de cinq cents mille ecus, faisant un million deux cens
cinquante mille florins de Hollande, aux termes marqufe par
le dit traitö, en consideration des grands frais et depenses ex-
traordinaires auxquelles les seigneurs estats generaux sont in-
dispensablement obliges, tant pour entretenir le grand nombre
de troupes qu'ils se sont engages par le dit traitö de tenir dans
les villes et places de la barriere que pour subvenir aux grosses
charges absolument necessaires pour Tentretien et reparation
des fortifications des dites places et pour les pourvoir de mu-
nitions de guerre et de bouche ; et sa Mt^ voulant que sa pro-
1718 Dez. 22 aoi
messe soit executöe ponctuellement selon la teneur du dit article
dix neuf, ayant pour cet effet fait connoitre ä L. H. P. les difficultös
et les inconveniens qui pourroient se rencontrer dans rexecution
du dit article comm* aussy de V article separe du dit traitö par
raport aux assignations donnees sur les subsides des provinces
de Brabant et de Flandres et les quartiers, districts et chate-
lenies y enoncees pour la somme de six cens quarante mille
florins de Hollande, sa Mte Imple et catholique et les seigneurs
estats generaux sont convenus d' une autre forme de repartition
et d' une autre hypotheque speciale qui sera surrog^e ä la place
des susdites hypotheques et assignations sur le subside des pro-
vinces de Brabant et de Flandres par dessus T hypotheque ge-
nerale sur tous les revenus des Pais-Bas Aütricliiens stipul^e
par le dit trait^:
S^avoir que sa Mte Imple et catholique, pour assurer et
faciliter d' autant plus le payement du dit subside de cinq cens
mille ecus ou un million deux cens cinquante mille florins mon-
noye de Hollande par an, assigne une sonmie de sept cent mille
florins de HoUande ou deux cens quatre vingt mille ecus au
lieu de celle de six cens dix mille florins repartie sur les pais,
les villes et chätelenies et dependances retrocedöes par la France,
dont les revenus consistent dans les aides et subsides des dites
villes et chätelenies, les moyens courants, communement appel-
les les droits de quatre membres de Flandre, et autres droits
domaniaux, les quatre patars par bonnier et autres impositions
pour les fortifications, le rachat des cantines militaires, les emo-
lumens, ustencils et autres gratifications qui se payoient du
tems que les dites villes et chätelenies Stoient au pouvoir de la
France aux intendants, gouverneurs et autres officiers de Tetat
major des places, et generalement tous les droits et impositions
dont L. P. H. ont joui jusques k present en tout ou en partie
Sans exception quelconque; ä concütion qu'on n'y pourra faire
aucune diminution ni changement qui puisse porter du pre-
judice ä la dite hypotheque.
L'adjudication de la ferme des dits droits des quatre mem-
bres de Flandre se fera en pubhcq et au plus oflfrant, bien en-
tendu qu'en cas d'insolvabilitö des fermiers et de leurs cau-
tions sa Mte Jmpie et cathoüque supplöera des autres branches
et revenus des villes et chätelenies susmentionnöes ou de ses
2ü2 '7'^ ö®^' 22.
revenus domaniaux dans les autres Pais-Bas Aütrichiens ce qui
pourroit manquer par lä k la somme de sept cens mille flo-
rins par an.
Et lorsqu'il s'agira de quelque moderation, par laquelle
les revenus de la dite ferme ou des aides et autres droits et
impositions cy-dessus specifiöes seroient hors d'estat de pro-
duire la somme entiere de sept cens mille florins, on ne pourra
l'accorder qu'aprfes qu'on aura pourvu h cette moderation par
quelqu'autre moyen süffisant ä leur contentement
Assigne et aflfecte sa Mte Imple et catholique les cinq cens
cinquante mille florins de Hollande ou deux cens vingt mille
ecus restans sur tous les revenus des bureaux sousmentionnös
des droits d'entr^e et de sortie des Pais-Bas Aütrichiens qui ne
sont engagös que subsidiairement ä L. H. P. pour des lev^es
d'argent faites par elles en plusieurs rencontres ou pour des
rentes constituöes dans les pais et autres pareilles charges fixes ;
sfavoir les bureaux de Bruxelles, de Burgerhout, de Tirlemont,
de Turnhout, de Charleroy, de Mons, d'Ath, de Beaumont, de
Courtray, d'Ipres, de Tournay, de Nieuport, de la province de
Luxembourg et de celle de Malines, lesquels tous ensemble et
chacun en particulier serviront d'hypotheque speciale pour la
dite somme de cinq cens cinquante mille florins de Hollande.
Et pour plus grande seuretö du payement de la dite somme
engage sa Mte sur le pied d'un fonds subsidiaire et suppletoire
la somme de deux cents cinquante mille florins de Hollande
par an du premier et du plus clair revenu des bureaux des
droits d'entröe et de sortie de Gand, Bruges et Ostende, pro-
mettant de les faire dßcharger entierement dans cinq annees
de ce qui reste ä payer pour le remboursement et interets
d' un million quarante mille six cents vingt cinq florins qui ont
este levös en mille sept cents dix sur ces trois bureaux.
Promet aussy sa Mte qu'on ne fera aucun changement dans
les droits d'entröe et de sortie qui pourroit en diminuer le re-
venu au prejudice de Thypotheque.
Et si sa Mt^ dans la suite du tems jugeoit necessaire de
faire quelque changement ä la levöe des dits droits par lequel
ils seroient diminu^s, on ne pourra etablir ce changement qu'-
aprfes qu'on aura assignö un fonds süffisant pour suppleer ä
cette diminution.
r7iS Dez. 33-
3Q3
Ordonne sa M^^ Impl^ et catholique des ä present et par
cette Convention au receveur general des fmances de sa Mte
et k celuy qui sera etabli en chefT pour les snsdits pais retro-
cedes, qu'en vertu de la presente et sur une copie d'icelle ils
ayent ä payer de trois en trois mois, k commencer au premier
de ce mois de Decembre de Tann^e mille sept cents dix huit, au
receveur general des estats generaux, si^avoir celuy des dits pais
retroced&, eu telles especes d'argent ou teile monnoye qu'on re-
foit aux bureaux et ä la recette generale de sa M»«^' un juste quar-
tal de la somme de deux cents quatre vmgt mille ecus ou de sept
cents mille florins deHoUande, et le receveur general des fmances
de sa M^e dans la ville d'Anvers aussy un juste quartal de la
somme restante de cinq cents cinquante mille florins ou deux
cents vingt mille ecus, sans attendre autre ordre ou assignation,
la presente leur devant servir d* ordre ou d' assignation des h
present pour lors, et les dits payemens leur seront passes en
compte ä la Charge de sa Mte Imp^e et catholique, comme s'üs
les avoient faits ä eile mßme,
Quant aux arrerages du dit subside de cinq cents mille
ecus ou un miUion deux cents cinquante mille florins de Hol-
lande par an, echuz depuis le 15^ du mois de Novembre 17 15,
jour de la Signatare du trait^ de la barriere, jusqu*au demier
du mois de Novembre pass6, on est convenu pour eviter toute
discussion touchant le raport pendant le dit terme des revenus
des villes et chatelenies retrocedees par la France qui n'ont
pas exced^ trois cents mille ecus par an, toutes charges de-
düites, comme L. H. P, V ont fait voir par les estats qu elles en
ont fait dresser et communiquer et qui ont ßte examines par
un des commis des fmances de sa M^^' Impi*^ et catholique, et
pour ftnir de meme les contestations survenues k cause de T in-
execution de quelques articles du dit traite au sujet du paye-
ment des dits arrerages depuis le 15 de Novembre 1715 jus-
ques au premier de Janvier 17 18 que de la part des estats ge-
neraux on a fait monter au delä de quatre cents mUle ecus,
L H- R se contenteront pour tous ces arrerages depuis le 15
de Novembre 17 15 jusqu*au dit premier Janvier 17 18 de deux
cents mille ecus ou de cinq cents mille florins de HoUande, pay-
ables par vingt mille ecus par an, jusques ä Textinction de
cette somme totale^ pourveu que le subside entier leur soit
39^ rj'S Dez. 22,
paye depuis le commencement de la presente annee de la ma-
niere suivante:
Sjavoir que les arrerages des huit premiers mois de la
presente annöe, faisans la somme de trois cents trente trois mille
trois Cents trente trois florins, six sols, huit deniers de Hollande,
seront payös de la mßme maniere par portions de vingt mille
ecus par an, comme dit est, immediatement aprfes le payement
des dits arrerages des ann^es precedentes. Pour seuret^ du
payement des uns et des autres sa Mt^ Imple et catholique en-
gage et aflfecte par forme d'hypotheque speciale les droits d'en-
tr6e et de sortie des bureaux de Gand, Bruges et Ostende par
dessus et sans prejudice de Tengagement subsidiaire des dits
bureaux pour la somme de deux cents cinquante mille florins
de Hollande par an stipulöe par la presente Convention. Pour
plus grande seuretö de quoy les administrateurs generaux des
droits d'entr^e et de sortie se chargeront par Tacte de sou-
mission qu' ils pdsseront pour le payement annuel de cinq cents
cinquante mille florins de Hollande pendant les six annees de
leur administration de celuy des six premieres portions ou ter-
mes des dits arrerages, et aprfes Texpiration du tems de leur
contract et recette le reste sera pay^ par quartal par les nou-
veaux administrateurs ou par ceux qui auront alors la regie et
recette des dits droits ä Gand, Bruges et Ostende, de la ma-
niere et sous les engagemens stipulös pour F assurance du pay-
ement des cinq cents cinquante mille florins.
Le surplus ou les trois mois restants des arrerages de la
presente ann^e, faisant la somme de cent vingt cinq mille flo-
rins de Hollande, sera payd en 17 19 et 1720, sa Mte Imple et
catholique affectant specialement ä ce payement le revenu des
villes et chatelenies retrocedöes par la France par dessus et
sans prejudice de Taffectation des septs cents mille florins par
an faite par cette Convention.
L. H. P. jouiront des revenus des pais retrocedes jusques
au dernier du mois de Novembre passe, et elles pourront pro-
ceder par voye d'execution au recouvrement des arrerages des
revenus des dites villes et chatelenies, echuz et ä echeoir jus-
ques au demier du mois de Novembre passö, et se servir poiu"
cet effet des memes moyens d'execution contre les etats (ä la
reserve des ecclesiastiques), magistrats, villes et chatelenies, fer-
miers et autres qu' elles cnit stipulez pour le recouvrement de
171^ Dez. 22. ^^c
sept Cents mille florins par an assignez sur les dits revenus, et
se pourront servir aussy des memes moyens ä V egard de cent
vingt cinq mille florins qui leur sont assignös conformement ä
Tarticle precedent
Et comme sa Mte a donne ses droits d* entree et de sortie
en administration et direction avec Obligation aux administra-
teurs generaux ou directeurs des dits droits de payer annuelle-
ment une somme fixe au plus grand profit des finances de sa
Mte, les administrateurs generaux ou directeurs des susdits droits
passeront un acte par leguel ils s' obligeront sous condamnation
volontaire, laquelle sera decretee par le grand conseil de Ma-
lines et par ceux de Brabant et de Flandre, de payer de trois
en trois mois pendant tout le tems de leur administration le
dit quartal de la somme de cinq cents cinquante mille florins
de Hollande au receveur general des Provinces-Unies ou k ses
ordres, comme dit est, et le present article suffira pour la de-
charge des dits administrateurs ou directeurs avec la quitance
du dit receveur general des Provinces-Unies. Les dits admini-
strateurs generaux ou directeurs s' obligeront par le mßme acte
de rembourser dans cinq annöes en payemens egaux ce qui
reste ä payer aux estats generaux en remboursement des sus-
dits un million quarante mille six cents vingt cinq florins lev6s
en 17 10 sur les bureaux de Gand, Bruges et Ostende avec les
interets qui echerront chaque ann^e, ä fin qu'au bout de^cinq
ans ces bureaux soient entierement decharges de la dite levöe.
Et au defaut du payement de la maniere regime cy-dessus,
tant des sommes du subside de cinq cents mille ecus ou un
million deux cents cinquante mille florins monnoye de Hollande
qua du dit remboursement, pourront les seigneurs estats ge-
neraux proceder aux moyens de contrainte et d'execution, mßme
par voye de fait, contre le receveur general des finances de sa
Mt<^ et contre celuy des pais retroced^s qui seront Tun et Tau-
tre responsables et pourront Stre execut^s pour les receveurs
particuliers et subalternes des fonds assignös dans leur depar-
temens, s'ils venoient tant les susdits premiers que les autres
ä detourner quelque chose de leur recette generale ou parti-
culiere au prejudice de ce qui est portö par la presente Conven-
tion, bien entendu que cet article n' aura lieu contre le receveur
general des finances qu'en cas de regie des droits d'entröe et
de sortie.
396
171^ Öe£, 32.
Sa M'*^ accorde le möme droit d' execution tant contre les
bureaux engages cy-dessus par hypotheque speciale que con-
tre les bureaux engages subsidiairement au defaut des premiers
et contre les fonds meme du dit pais retrocede, comm* aussi
contre les estats (excepte les ecclesiastiques) et contre les magi-
strats des villes et chatalenies du dit pais retrocedö, s'ils ve-
noient ä faire difficulte ou ä porter de trop longs delais ä re-
partir et fournir les impositions qu ils doivent ä sa Mie Impl^
et catholique.
Et cette execution contre les dits estats, excapte les eccle-
siastiques, et contre les dits magistrats se fera au nom et de
la part de sa Mt<^ et de la maniere accoutumee, sa Mte authori-
sant ä cet effet les gouvemeurs des places de la barriere qui
luy ont prete serment et y soumettant les dits estats, excepte
les ecclesiastiques, et les dits magistrats en vertu de la presente
Convention aussi bien que les dits fonds, comme y ^toieot sou-
mis ceux qui estoient hypotheques specialenient et assignes pour
les sommes respectives du susdit subside par les articles dix
neuf et separ^ du traite de la barriere. Les officiers de justice
ä qui il appartiendra seront obliges de donner Tassistance ne-
cessaire de leur office, lorsque ceux qui seront porteurs des
condamnations volontaires qui seront decretees et expediees en
faveur de L. H. R contre les administrateurs des droits d*en-
tree et de sortie de sa Mtc de meme qu'ä la Charge de leurs
associes auront recours h eux, ä fin de proceder ä T execution
des dites condamnations volontaires, suivant V usage receu aux
tribunaux oü elles auront Bt6 expediees, de la meme maniere
qu'on est accoutume d'y executer les sentences que les natifs
et autres habitans des Pais-Bas Aütrichiens y obtiennent. Et
quant aux estats des pais retrocedez (ä la reserve des eccle-
siastiques) magistrats, bureaux et fonds, on pourra les executer
de la maniere qu'on en est convenu par le traite de barriere.
Et fmalement outre T ordre que sa Mte donnera au gou-
vemeur general des Pais-Bas Aütrichiens la presente Conven-
tion servira d' ordre et d' Instruction speciale et irrevocable pour
luy et ses successeurs ä venir^ en vertu de laquelle ils seront
obliges d* executer et de faire executer ce qui est porte par la
presente Convention, avec defense expresse de ne divertir ni
permettre que par . le conseil d' estat et des finances, directeur
general des finances ou tei autre que ce puisse estre soit di-
1718 Dez. 22. l^gn
vertie aucune somme des revenus susmentionnös des dites
villes et chätelenies ni de la dite administration, regie et recette
des droits d'entröe et de sortie pour quelque besoin que ce
puisse 6tre, mSme le plus essentiel et le plus pressant du Ser-
vice, si ce n'est de ce qui restera aprfes le payement des sus-
dits quartaux, lequel payement ne pourra estre letardö moins
refus^ sous pretexte de compensations, liquidations ou autres
pretensions de quelque nom ou nature qu'eUes puissent estre;
au moyen de quoy L. H. P. les seigneurs estats generaux re-
noncent et se departent entierement en vertu de la presente
Convention de toute action et hypotheque qui avoient &t6 sti-
pulöes par les articles dix neuf et separö du traitö de barriere
ä la Charge des provinces de Brabant et de Flandres, leurs de-
partemens, chätelenies, les sept quartiers d'Anvers et contre les
estats et receveurs des dites provinces.
m.
Le payement des interets des sommes levöes sur le re-
venu des postes aux Pais-Bas Austrichiens estant fort arrier^ sa
Mte Imple et catholique promet et s'engage d'y remedier, en
faisant le plütöt qu'il sera possible le remboursement entier de
ce qui est du des interSts et du capital, et en attendant que
cela soit executö sa Mt^ Imple et catholique donnera des or-
dres tres precis, pour que le revenu des postes soit employö
conformement aux obligations et qu'il n'en soit rien detoumö
au prejudice de leur contenu.
IV.
Les seigneurs estats generaux ayant fait des avances con-
siderables pour le payement des interets des levöes d'argent,
specifi^es au traitö de la barriere, il a et6 convenu et accordö;
que la somme de sept cens cinq mille onze florins, 18 sols,
10 deniers que sa Mte Imple et catholique doit ä L. H. P. sui-
vant la hquidation arret^e ce jourd'huy, 22 Decembre 17 18,
sera rembours^ en portions egales de vingt mille ecus ou cin-
quante mille florins de Hollande par an, ä commencer imme-
diatement apr^s les six ans de la presente administration ge-
nerale des droits d'entröe et de sortie, sa Mt^ Imple et catho-
lique engageant les dits droits en Flandre, tels qu'on les leve
a present et qu*on continuera de les lever aprte la fin de la
398 '7>^ I^z. 22.
dite administration generale, pour le remboursement de la dite
somme de sept cens cinq mille onze ilorins, 18 sols, 10 deniers,
par forme d'hypotheque speciale, et en attendant et jusqu'au
remboursement eflfectif eile fera payer les interöts ä raison de
deux et demi pour cent par an de la dite somme ou de la
partie qui n'en anra pas estö remboursöe.
Pour fiaciliter le payement des dits interets de deux et
demi pour cent par an, L. H. P. consentent qu'ils soient pris
sur le double canon par an des huit cents mille florins, lev^s
sur les revenus de la province de Namur et subsidiairement
sur ceux de la Marie et de la province de Luxembourg, ä con-
dition que le dit double canon sera continu^ ä proportion du
temps que le remboursement des dits huit cents mille florins
sera retard^ par cette diminution.
V.
Pour terminer les diflferens touchant Tartillerie et les ma-
gasins de guerre et specialement touchant la propriet^ de ceux
de Venlo, St. Michel et Stevenswaert, places cedöes aux estats
generaux par le trait^ de barriere, sa Mt^ Imple et catholique
renonce ä cette artillerie et k ses magasins, moyennant que L.
P. H. se desistent, comme elles fönt par la presente Convention,
du payement qui leur est du en vertu de l'acte pass^ k An-
vers le 30 du mois de Janvier 17 16 par le sieur comte de
Kinigseg, plenipotentiaire de sa Mt^ ImpJe et catholique, des
poudres, plomb et quelques autres munitions de guerre que
les commissaires de sa Mte Imp^e et catholique ont prises pour
son compte, conformement au dit acte et aux listes sign^es par
les dits commissaires, dont la valeur est au delk de cent mille
florins. Au reste sa M^^ Imple et catholique ne pretend rien
h titre des poudres et autres munitions qui furent trouvöes, ap-
partenantes h la France ä la reduction d' Anvers, Malines, Gand
et autres places des Pais-Bas Aütrichiens.
VI.
Les estats generaux remettront incessamment aprfes Te-
change des ratifications de la presente Convention ä sa Mte
Imple et catholique la possession et jouissance de toutes les
villes, chastelenies, districts et departemens retrocedez par la
France, suivant la teneur du premier article du traite de bar-
riere. Et sa Mte Imple et catholique remettra pareillement in-
17 18 Nov. 21. 5^0
cessamment apr^s le dit echange des ratifications ä L. H. P. la
possession du terrain et des polders qu'elle leur a cedes en
Flandre par Tarticle premier de cette Convention.
vn.
Au reste le traitö de barriere et Tarticle separ^ du 15 de
Novembre 171 5 seront confirmös, comme ils sont confinn^s
par ces presentes en tout et en chacun de leurs articles, en
tant qu'il n'y a rien de changö par les articles de cette Con-
vention.
vm.
Comme pour plus grande seuret^ et execution du traitö
de la barriere sa Mt^ brittannique a confirmö et garanti le dit
traite, ainsi sa dite Mte promet et s' engage de mesme de con-
firmer et de garantir la presente Convention, comme eile la
confirme et garantit par cet article.
IX.
Le present traitö sera ratifi^ et approuvö par sa Mt^ Imple
et catholique, par sa Mt^ brittannique et par les seigneurs estats
generaux des Provinpes-Unies, et les lettres de ratification seront
delivr^es dans le terme de six semaines ou plustost si faire se
peut, ä compter du jour de la signature.
En foy de quoy nous ambassadeurs et plenipotentiaires de
sa Mt^ Imple et catholique et de sa Mt^ brittannique et depu-
tez et plenipotentiaires des seigneurs estats generaux en vertu
de nos pouvoirs respectifs avons esdits noms signö ces pre-
sentes de nos seings ordinaires et ä icelies fait apposer les ca-
chets de nos armes. Fait ä la Haye, le vingt deuxi^me De-
cembre mil sept cens dix huict.i)
L. S. Le M« de Priö. L. S. Cadogan. L. S. J. v. Wynbergen.
L. S. W. van der Does.
L. S. A. Heinsius.
L. S. G. G. Taets van Amerongen,
L. S. D. d. Kempenaer.
L. S. Everhard Rouse.
L. S. E. Tamminga.
') Am Tilge, da die Unter^euhnunfr dieses Vertrages stattfand, 22, De\.
1718, stellte der A/'* de Prie im Haag eine Declaration folgenden Inhaltes aus:
'400 '7>9 Nov. i8.
19.
Konvention fischen Karl VI„ Georg L und Lndwig XV, von
Frankreich, betreffend die Accession Spaniens \ur Quadrupel-
allian^ und die Succession in Toscana, Parma und Piacen^a,
samt ^ei Separatartikeln d, d, Haag 171p Nov. 18.
Rat. Georgs L d, d. St. James ijip Nov. ßo.\Dei. 11 ; Karls VI.
d. d.Wien ijip De^. p; Ludwig XV. d. d. Paris 1719 De^. iß.
Die Originale des Haupivertrages und der Separatartikel im St-A. und
R. O., die Originale der Ratifikationen seitens Karls im R. O., jene Georgs
und Ludwigs im St-A. — Drucke bei Bittner N. 726.
Liest man die einzelnen Bestimmungen der Quadrupelalliani,
so merkt man alsbald, wie kompliziert die Verhältnisse waren, deren
Ordnung seitens der interessierten Mächte versucht wurde, wie sehr
diese aber auch darauf aus waren, sich gegen jeden möglichen Schaden
^« sichern, der sich ans der Auslegung des vereinbarten Vertrages für
sie ergehen konnte. Die Abmachungen waren getroffen, aber niemand
wusste, ob sich die beteiligten Mächte den Entscheidungen der Ver-
Der Kaiser hat sich im Barrierevertrag d. d. Antwerpen 171^ Nov. 75 \ur Zah-
lung der Anleihen, die der verstorbene Karl IL von Spanien unter der Garantie
der Generalstaaten aufgenommen hat und der SooiX) , resp, 20000 Gulden^
die Karl IL an Wilhelm von Oranien fahlen sollte — von denen im 18. Artikel
des Barrierevertrages weitläufig die Rede ist — nur auf Bitten der General stauten
und des englischen Königs und in der Absicht entschlossen, Jen Abschluss des
Barrierevertrages nicht {ii hindern, //. ^. mehr als Nachfolger in den spanischen
Königreichen als in den spanischen Niederlanden. Karl VI. protestiert nun bei dem
Abschlüsse des neuen Vertrages, der die Durchführung des Barrierevertrages
bezwecke, diese Erklärung anders als im obgedachten Sinne abgegeben \u haben
und behält sich das Recht vor, sich bei dem Besitzer Spaniens schadlos ^u halten ;
^ gleicher Zeit wird erklärt „que V intention de sa M*^ Impf* et catholique n' est
pas de deroger par cette protestation aux engagemens dans lesquels eile est en-
tr^e envers les etats generaux par le traite de barriere pour le payement des
dites pretensions, ni de prejudicier directement ni indirectement au droit que
L. H. P. ont acquis anterieurement au traite de barriere et ä la nouvelle Con-
vention tant sur les hypotheques ^comprises dans les obligations pass^es par le
dit feu roy Charles II de glorieuse memoire qu* a V cgard de sa M*^ Imp^ et
catholique comme prince souverain des Pats-Bas Auirichiens, puisque la presente
protestation ne sr fait que dans la veue de donner a connoitre et de reserver le
droit qu* a sa M^ de se faire desinteresser par la cour de Madrid ou par celui
qui possede l* Espagne des dt^tes et sommes mentionees cy-dessus.** Der Kaiser
spricht die Erwartung aus, dass die Generalstaaten wie England dafür Sorge
tragen werden^ dass dem Kaiser die erwartete EntscJtädigung \u Teil werde.
1719 '^ov- '^- 40t
mittler fügen würden. Deshalb die zahlreichen Beschränkungen und
Klauseln y die dem Vertrage einverleibt wurden^ deshalb die Verwah-
rungen gegen die Giltigkeit einzelner Zugeständnisse, falls nicht die
entsprechenden Gegenforderungen erfiilli werden sollten, deshalb auch die
ins einzelnste gehenden Verfügungen für alle möglichen Eventualitäten,
Die Ratifikationen wurden seitens der Herrscher Englands, Frankreichs
und Österreichs vor Ende des festgesetzten Termines vollzogen. Auch
gieng der Wiener Hof daran, den Wortlaut des Aktenstückes festzu-
stellen, diis des Kaisers Renunziation auf die spanische Monarchie
zum Ausdrucke bringen sollte. Man verfasste mehrere Projekte ; in
dem einen wurde Philipp V. als König von Spanien bezeichnet, in dem
anderen lediglich als Herzog von Anjou ; sich selbst legte Karl VI, in
beiden Aktenstücken den Titel eines Königs von Spanien bei; auch ge-
schah bei Aufzählung der verzichtleistenden Personen der josefmischen
Töchter keine Erwähnung , dagegen wurde ausdrücklich erwähnt, dass
nebst dem in Frankreich regierenden Hause auch die Familien Condd
und Conti vom spanischen Throne ausgeschlossen sein sollten,^) Allein
die französische Regierung weigerte sich auf das entschiedenste, diese
Erklärung z^i akzeptieren, Hess den 2, Oktober, den Tag des Rati-
fikation saustausche s, vorübergehen und ruhte nicht, bis durch Stanhope' s
Vermittelung der Wiener Hof sich ^«r Ausfertigung einer Verzicht-
leistung surkunde bereit erklärte, die den Wünschen der Franzosen
entsprach.^)
') Im St.-A. liegen als Beilage yur Weisung Karls VI, an Penterriedter
iL d, 14. Sept. lyiS verschiedene Entwürfe der Renunziation, Dieser Weisung
ist auch {u entnehmen, diiss St. Saphorin das Modell für diese Renunziations-
erhlärung entwarf Dasselbe befindet sich gleichfalls als Beilage der oben er-
wähnten Weisung im St,-A,
») Dieselbe wurde auf den i6, Sept. {urückdatiert und lautet nach dem
im R. O, befindlichen Gr.:
Nos Carolus etc, notum facimus omnibus praesentibus et futuris , post-
quam post immatura fifa Ser^* olim et Pot^^ principis Caroli II Hispaniarum
et Indiarum regis recol, mem. ob causam successionis in sua regna durum diu-
turnumque bellum ortum sit, quod universam pene Europam diu foedeque afflixit,
neque componendis litigiis ii qui Traiecti ad Rhenum Badaeque Helvetiorum
celebrati fuere conventus adeo ex integro suffecerinty quin recens in Italia bel-
lum rruperit, divina bonitatc factum esse, ut collatis amicis consiliis reque ma-
ture deliberata ac discussa, die 2^<^ mensis Augusti huius anni iyi8 Londini nos
inter et Ser»***»^ ac PoP*^^»^ Galliae regem Ludovicum XV sub tutela Ser^^ prin-
cipis Philippi, ducis Aurelianensis, regni Galliae pro tempore regentis agentem,
nee non Ser******* ac Rof^****^ Magnae-Britanniae regem Georgium, ducetn Bruns-
viiO-Luneburgensem, sacri Rom* imperii electorent, certi pacificationis foederumque
articuli conclusi signatique fuerint, eo unice collimantes, quo alma pax inter
Österreichisch-englische Staats vertrage. Bd. I 26
4oÖ iy'9 ^^ov. 18.
Auch die Verhandlungen mit dem neuen Könige von Sardinien
verliefen verhältnismässig glatt, nachdem Viktor Amadeus die Hoff-
principes quibuB ea tarn constat magis semperque magis firmetur, inter eos vero
qui adhuc dissident quantocyus revocetur ac reflorescat atque iideo hoc tantum
pacis beneficium sublatis e medio simultatibus universae Europae commune tan-
dem reddatur, ad assequendum vero tarn salutarem sco/um haud alia certior
via Visa sit, quam per ipsos hosce tractattis ad mentcm et normam praecedentium
separationem perpetitam coronarum Galliae et Hispani.ii\ itidem scparationem
perpetuam Hispaniarum et Indiarum a statibus, quos nunc possidemus et vi trac-
tatus possidere debemus, denuo imnmtabili lege (cui salus totius Europae innixa
est) stabilirc, atque ut stato inter Europae principes virium aequilibrio iustaque
commensuratione unio plurium coronarum in unum idcmqiw caput ac lineam
avertatur providere aliaque commoda et emolumenta nobis ac iis principibus, qui
istius pacificationis foederumque socii sunt aut iis a. cedere vellent asserere, prout
latius in dictis conventionum articulis continetur.
Cum vero istorum tractatuum partem constituat renuntiatio in regna Hi-
spaniarum et Indiarum a nobis facienda, quod nos ob insitum nobis pacis Stu-
dium atque in salutem trauquillitatemque pubJicam amorem omni alia rationr
potentiorem utque otnnem a nobis sinistrae suspicionis ansam removerrmus, iuri-
bus nostris in dicta Hispaniarum ac Indiarum regna cedere decreverimus die
tumque tractatum Londini per plenipotentiarios nostros subscribi mandaverimus,
scilicet statum Europae luctuosissimum impendentemque tot poptdis et nationibus,
ni votis amicorum principum cederemus, stragem commiscrati, commoti quoque
iis quae in praefato tractatu confinentur emolumentis in hanc regnorum Hi-
spaniarum et Indiarum cessionem et abdicationcm devcnimus, praesertim quoii
per illam ea quoque renuntiatio, quam Ser^*^ et Pof»***» princeps Philippus quin-
tus Hispaniarum et Indiarum rex in regnum et coronam Galliae pro se suisque
posteris sub 5^ Novembris anno 171 2 in favorem Ser**** ducis Aureli<inensis fecit
atque in Hispania in leqem abiit nostraeque ceu conäitioni innixa est, plenum
suum vigorem et effectum sortiatur, pariterque per eam illae renunciationes, quas
Ser^*** dux Bituricensis 24*^ die mensis Novembris anno I/12 Marlii et prae-
fatus Ser****** dux Aurelianensis die ig» eiusdem mensis et anni Parisiis fecerunt
et per tractatus Traiectenscs //"•« die mensis Aprilis anno iji^ eonfirmatae
fuere, convalidentur atque adeo perpetua et immiitabili iam lege statutum sami-
tumque permaneat, quod nullo unquam tempore monarchiae Galliae et Hispa-
niae in unam eandemque personam nee in unam eandemque lineam coalescere
valeant
His igitur tantis rationum momentis indu ti, nrce optatissimam pacnn
universalem quietemque Europae^ quae in bina isla renuntiatione consistere cen-
setur, diutius remoraremur, animo deliberato ac maturo consilio vigore praesentium
i edimus, abdicamus et renuntiamus pro nobis, heredihus, descendentihus et suc-
cessoribus nostris, maribus et foeminis, omnibits rationibus, iuribus^ actionibus
et praetensionibus, quae nobis in regna Hispaniarum et Indiarum ditionesque
coronae hispanicae per tractatus Traiectenses et per hos praefato Hispaniarum
et Imiiarum regi con essas competunt aut competere possent idque omne ius nos-
trum in modo dictum Ser**^**»^ principem Philippum Hispaniarum ac Indiarum
1^19 Nov. i8. ^03
nungslosigkeit schier Bemühungen erkannt hatte, sei es durch Abma-
chungen mit dem Kaiser, sei es durch den Anschluss an Spanien gün-
regem eiusque posteros, heredes ac successores, mares et foeminas, his vero quo-
modocunqiii' deficientibus in domum Sabaudicam iuxta praefati tractatus tenorem
ac in eo stattitiim siiccedendi ordinem, videlicet in Ser*****"^ modernum Sardiniae
regem, dncem Sabaiidiae, Pedemontii principe m, Victor em Amadeum eiusque ßJios
rt i/rscendentes mascidos ex legitimo matrimonio natos, et deficiente eins progenie
masatlina in principem Amadeum a Carignano eiusque filios et descendentes
masculos ex legitimo matrimonio procreatos, et deficiente quoque huius progenie
masculina in principem Emanuelem de Sabaudia eiusque filios et descendentes
masculos ex legitimo matrimonio natos, iisque deficientibus in principem Eu-
genium a Sabaudia eiusque filios et descendentes masculos ex legitimo matri-
monio natos, ceu ab infante Catharina regis Philippi II filia oriundos, ex certa
scientia, sponte libereque harum vigore transferimus et abdicamus, renuntiantes
pro nobis, nostris heredibus, descendentibus et successoribus nostris omnibus ra-
tionibus et iurihus, quae nobis aut ipsis in dicta regna quomodocunque sive iure
sanguinis sive ex pactis antiquis et legibus regni competunt aut competere qua-
cunqiw rattone possent
Confirmamus approbamusque istam a nobis factam renuntiationem regno-
rum Hispaniarum ac Indiarum, volentes ac statuentes eam habere vim legis
publicae et sanctionis pragmaticae, et ut ita ab omnibus regnorum nostrorum et
provinciarum subditis recipiatur executionique mandetur, non obstantibus quibus-
cunque legibus, sanctionibus, pactis et consuetudinibus in contrarium facientibus,
quibus omnibus quantum ad hunc actum expresse derogamus, suppientes omnes si
qui forent defe.tus iuris et facti, styli et observantiae ; renuntiantes quoque om-
nibus benefi^iis iuris in specie restitutionis in integrum, prout et exceptionibus
quibuscunque excogitahilibus etiam laesionis enormis et enormissimae , cui et
quibus omnibus deliberate, sponte et ex certa scientia renuntiamus easque pro
reiectis, nullis renuntiatisque haberi volumus, serio sancteque spondentes, nos
saepefatum principem modernum Hispaniarum et Indiarum regem eiusque po-
steros, heredes et successores in tranquilla et pacifica possessione dictorum re-
gnorum esse permissuros neque eos vi huius renuntiationis ullo unquam tempore
sive armis sive alio quocunque modo esse turbaturos aut tnolestaturos, quin bel-
lum, quod ipsis pro revindicandis dictis regnis a nobis aut successoribus nostris
inferretur, vel ex nunc illicitum ei iniustum, bellum e contra quod nobis ab ipsis
aut ipsis deficientibus ab iis, qui in istam regnorum successionem vocati sunt,
defendcndi sui causa inferretur, licitum ac iustum pronuntiamus.
Quod si forte ad hunc renuntiationis nostrae actum aliquid amplius de-
sideraretur, id omne ex praecitato tractatu Londini novissime inito, qui unica
basis, regula ac norma huius nostrae renuntiationis est ac per omnia esse debet,
supplcri ac pro suppieto haberi volumus ; verbo nostro caesareo-regio atque archi-
ducali promittentcs ea omnia, quae in hocce successionis, abdicationis et renun-
tiationis instrumenta continentur, sancte religioseque observaturos cum nos tum
a nostris posteris et successoribus subditisque nostris esse curaturos observari.
In cuius rei fidem, vim maiusque robur hunc cessionis, abdicationis et renuntia -
tionis actum iuramento corporali, a quo absolutionem nee petemus nos unquam
26*
404 *7'9 Nov. i8.
siigere Bedingungen {U erhalten.^) Am 8, Nov, unter zeichneten seine
Vertreter, wie jene Englands und Österreichs — die französischen erst
lo Tage später — ^m London jene Vereinbarung, durch die der Sa-
voyer den Bestimmungen der Quadrupelallianz seine Zustimmung gab^),
und noch vor Schluss des Jahres iji8 war auch über die Räumung
Siziliens und die Besitznahme Sardiniens eine Einigung zwischen Karl VI,
und Viktor Amadeus erfolgt,^) Dagegen weigerte sich die spanische Re-
gierung vorerst auf das entschiedenste, die Verfügungen der Quadrupel-
allianz anzuerkennen, obgleich die spanische Flotte wenige Tage nach er-
folgter Unterzeichnung dieses Vertrages beim Cap Passaro eine furchtbare
Niederlage erlitt und obgleich Stanhope persönlich in Madrid erschien,
um sein grosses Werk auch hier ^«w Sieg ^« führen, Alberoni, der
noch immer die ausschlaggebende Stimme am Madrider Hofe besass,
wollte seine ehrgeizigen Pläne nicht aufgeben und hoffte, dass ein Ein-
greifen der Russen und Schweden oder Unruhen in Frankreich und
England, oder Differenzen unter den Unterfertigern der Allianz, ihm
nee ab alio forte petitam auf etiam ultra oblatam admittemus, tactis sacrosanctis
evangeUis in praesentia tesfiuw infrascriptorum firmavinius praesensque renun-
tiationis ittstrumentum manu propria subscriptum caesarro-regio et archiducali
sigillo munitum ad manus prarfati Ser**** et Pot»*^ Magnae-Britanniae regis de^
posuimus, Ser^<* ac PoP^ Hispaniarum regt tempore et modo ipso tructatu prae^
scriptis extradendum.
Acta haec sunt Viennae die decima sexta mensis Septembris, anno domini
miUesimo septingentesimo decimo octavOj regnomm nostrorum Romani septimo,
Hispaniarum decimo sexto, Hungarici vero et Bohemici oetavo. Carolus ni. p.
Praesentes fuere Cel^**« dominus Joannes LeopoUus sacri Romani imperii
princeps Trautson etc. ; Exccll****^ et lUust»^**« dominus Vhilippus LuJovicus sacri
Romani imperii hereditarius ihesaurarius comes a Sin\endorff etc; /Txt •.'*"« et
Ill,mu» dominus Gundaccarus T/iomas sacri Romani imperii comes de Stahren-
berg etc.; Rev,*****f don Fr, Antonius Folch de Cardona etc.; Exe."****' item et
J/imus dominus Rochus comes Stella etc.
Et quia ego infrascriptus sacrae C'"*" regiaeque catholicac A/'"' consiliarius
aulicus , secretarius status et referendarius auihoritate C^» atque archiducali
ad hunc actum creatus notarius publicus omnia haec fieri praesens audivi et
vidi , ideo in fidem veritatis nomen nieum subscripsi et sigillum nieum apposui.
Anno et die ut supra.
L. S. Joannes Georgius de Hnof, sacri Romani imperii eques.
') Weber l. c. 79, 87 f
») Dieser Vertrag ist u. a. abgedruckt hei Dumont /. c. VIIIji 5^p ; Jen-
kinson /. c. II 226; vgl. überdies Bittner l. c. Nr. 712.
^) Dieser Vertrag d. d. Wien 2p. De{, 1718 ist gedruckt bei Solar de la
Marguerite , Traites puNics de la royale maison de Savoie etc. IL ;8q; vgl.
Bittner /. c. Nr. 719,
I7I9 ^OV' »8. 405
Gelegenheit bieten würdefi , sein Ziel ^m erreichen, Stanhope kehrte
unverrichteter Dinge nach England {uriick und der TenniUy bis j{U
welchem Spanien der Allian^ beitreten oder {ur Annahme derselben ge-
lungen werden sollte, gieng vorüber y ohne dass die Beitrittserklärung
des Madrider Hofes erfolgt wäre. Die Wiener Regierung empfand
aufrichtige Freude darüber : sie traf bereits Verfiigungen über die
italienischen Besitzungen, die sie so ufigern in die Hände der bour-
bonischen Familie gelangen lassen wollte, hoffte den Hauptteil Toscanas
an Lothringen als Entschädigung für Montf errat, den kleineren mit
Pisa an Modena übertragen ^u können.
Allein weder Frankreich noch England waren gewillt , die Pläne
des Kaisers {u fördern, Wohl sahen sich diese Mächte kraft der
dem Kaiser gegenüber eingegangenen Verpflichtungen genötigt, den
Krieg an Spanien ^u erklären; allein sie wurden nicht müde j(u be-
tonen, dass sie nur gegen Alberoni und dessen ehrgeizige Pläne und
nicht gegen das spanische Volk kämpfen wollten und pflichteten mit
Eifer der Forderung der Generalstaaten bei, die eine neue dreimonatliche
Frist für den Beitritt Spanien ^.ur Allianz verlangten. Vergebens
protestierte des Kaisers Gesandter in London und Paris; vergebens
bestürmten die kaiserlichen Minister in Wien die Vertreter Englands.
Stanhope und Dubois blieben fest und Karl VI, musste seine Einwilli-
gung z}i einer neuen dreimonatlichen Frist geben,^) Um gegen eine noch-
malige Fr ister Streckung gesichert {u sein, verlangte er von Frankreich
und England ein schriftliches Versprechen, dass dies die letzte dem spa-
nischen Könige j^u gewährende Frist sein werde, überdies aber die An-
nahme der Geheimartikel und die Unter ^eichnmig der Alliani in ihrem
vollen Umfange durch die Generalstaaten innerhalb dreier Wochen J^^ Das
letztere ^u erreichen gelang nicht ; dagegen stellte England, das gerade
damals Beweise der aufrichtigen Freundschaft des Kaisers durch die gegen
die neuen Pläne der Jakobiten gewährte Unterstützung erhielt, den ver-
langten Revers aus, nach welchem die Spanien neuerdings gewährte
dreimonatliche Frist die letzte sein und die Mächte sich sogleich mit der
neuen Vergebung von Parma und Toscana befassen sollten,^) Auch der
Regent unterzeichnete bald darauf diese Erklärung, die nach dem Bei-
tritte der Generalstaaten ihre Geltung erlangen sollte. Zu gleicher Zeit
') Dies und das folgende nach den Akten des St-A, Vgl, auch Weber
/. c. Sc^ff.
«) Vgl. Weber l, c, 92.
•) Vgl. die Berichte Penterriedters vom Mai 1719 , insbesondere votn 22, Mai
St.'A. ; Weber l, c. pj/.
4o6 i7»9 Nov. i8.
set:{te Pendterriedter es durch, dass Georg L ein schriftliches Ver--
sprechen gab, sich im Frieden von Österreich und Frankreich nicht
lu trennen,^) Man sieht, wie sehr die üblen Erfahrungen der Jahre
iyi2 und 171 ) nachwirkten. Das Misstrauen der Wiener Regierung
war übrigens nicht unbegründet, Pendterriedter konnte sich während
seines Aufenthaltes in den Niederlanden davon überzeugen, dass die
Engländer nicht weniger eifrig als die Franzosen die Bemühungen der
Generalstaaten unter stüt:^ten, die sich Ende Mai wohl j^nr Annahme
der Geheimartikel bereit erklärten, aber die Kriegserklärung an Spanien
weigerten und alles mögliche taten, um die oberitalienischen Besitzun-
gen für einen 'bourbonischen Prinj^en ^u retten, indem sie die Unterferti-
gung des bewussten Reverses und damit die Philipp V» yt gewährende
Frist — die ja vom Zeitpunkte ihres Beitrittes ) Monate währen sollte
— hinausschoben. Der Wiener Hof war über das Vorgehen der Ge-
neralstaaten empört, ^ürnte aber nicht minder den Engländern, deren
Pläne man durchschaute. St. Saphorin bekam bittere Worte ^u hören
und glaubte sich nur dadurch retten ^u können, dass er nun seinerseits
den Vorschlag machte, man möge einen Zeitpunkt fixiren, von dem an,
atich bei Weigerung der Generalstaaten, jener dreimonatliche Termin ^u
rechnen sei. Der Kaiser war ^ar mit dieser Lösung der Frage, die
einer neuen Verschleppung gleichkam, nicht eiyiver standen, glaubte aber
im Hinblicke auf den ungünstigen Feld^ug in Si{ilien, der ihm die
Notwendigkeit der Unterstützung durch die englische Flotte deutlich
bewies, neue Opfer bringen ^u müssen. Er forderte vorerst den /.
oder i^. Oktober als Ausgangstermin und schickte, um diesen Termin
und eine bindende Erklärung Englands und Frankreichs durch{usetie7i,
dass diese Frist die letzte sein werde, den Grafen Windischgrät^ in
besonderer Mission nach London,^) Doch blieb diese erfolglos; erst am
18. Nov. i/lp wurde im Haag die Erklärung von den Vertretern Eng-
lands, Frankreichs und Österreichs unterzeichnet, in der als Ausgangs-
punkt für die Spanien -{// gewährende Frist der 18. Nov., {// gleicher
Zeit aber bestimmt wurde, dass nach Ablauf dieses Termines die Söhne
der Königin von Spanien von der Erbfolge in Parma, Piacen^a und
Toscana ausgeschlossen sein sollten. Eine weitere Verlängerung des
Termines wurde als unstatthaft beieichnei und der Beschluss gefasst,
sogleich die Frage ^w erörtern, wem in diesem Falle der Besit{
jener italienischen Gebiete ^if allen sollte.'^).
') Ebenda,
*) Instruktion im St.-A.
") Dem Vertrage wurden 2 Separatartikd beigefügt; der erste be-
r7i9 Nov. i8. 407
Der Wiener Hof begann in der Tat sofort die Erörterung dieser
Frage und bestimmte Toscana dem Lothringer ^ Piacen^a dem Herzoge
von Modena; doch erklärte man sich bereit, auch da;(u die Einwilli"
gujig {N geben, dass dem letzteren die Anwartschaft auf Toscana unter
der Bedingung zugesprochen werde, dass er beim Antritte dieser Erb-
schaft, Modena und Reggio dem Lothringer überlasse ; Parma sollte an
Guastalla fallen. Allein ^ur Ausführung dieser Beschlüsse kam es
nicht. Ende des Jahres 17 19 fiel Alberoni, der Urheber und Förderer
aller ehrgeizigen, kriegerischen Ideen am spanischen Hofe, der ent-
schiedene Gegner des Friedens und der Unterwerfung unter die Macht-
sprüche der vermittelnden Fürsten. Das grösste Hindernis einer fried-
lichen Vereinbarung war damit aus dem Wege geräumt. Freilich fehlte
noch viel {ur Verständigung. Spanien stellte Forderungen, auf die der
Kaiser niemals eingehen konnte und die Hartnäckigkeit, mit der Phi-
lipp V. auf seinen Ansprüchen bestand, Hess beim Wiener Hofe noch--
mals die Hojfnung rege werden, dass Spanien auch diesen letzten Ter-
min — den man übrigens auf Bitten der vermittelnden Mächte erst
vom Tage der Unterzeichnung des Reverses durch die Generalstaaten,
vom 16. De^' an rechnete — unbenutzt werde vor überstreichen lassen.
Allein neue, höchst energisch abgefasste Erklärungen der vermittelnden
Mächte überzeugten Philipp V., dass seine Hoffnung durch Benützung
der Rivalität der einzelnen Fürsten etwas ^// erreichen eine eitle ge-
wesen; er musste erkennen, dass eine weitere Verzögerung ihm nur
schaden, nicht nützen würde. Ende Januar 1^20 gab er seinem Ge-
sandten im Haag den Befehl, die Beitrittserklärung ^«r Allianz in
seinem Namen auszustellen. Das darauf bezügliche Dokument wurde
am ly. Februar unterzeichnet.^) Dem Beispiele Spaniens folgten die
tonte, dass Karl VI. sich nur unter der Bedingung entschlossen habe dem
jet{igen Besitzer Spaniens den königlichen Titel zi^ZUgestehen^ falls dieser innet'
halb dreier Monate dem jet{t geschlossenen Vertrage beitrete; der zpeite Artikel
enthielt die Verwahrung des französischen Königs gegen gewisse Titel , deren
sich Karl VI. in der Konvention und bei der Ausstellung der Vollmachten bediente.
') Der Vertrag über die Access ion Philipps V, von Spanien zur Quadrupel-
allian^ d. d. Haag lyao Februar ij wird im Bande Spanien der Staatsverträge
{um Abdrucke gelangen; er ist u.a. gedruckt bei Lünig Cod. Germ. dipl. 1 881 ;
Coleccion de los fr atados de pa{ etc. II. j; vgl. Bittner l. c. Nr. yjp. Da
in der spanischen Ratifikation dieses Vertrages Karl dem sechsten der ihm
gebührende kaiserliche Titel nicht gegeben wurde, erklärte* Windischgrätz ^^
Ausioechslung der Ratifikationen nicht vornehmen \u können. Es wurde daher
am IQ. April eine neue Vi^einbarung z^isclten England, Frankreich, Spanien
und Österreich unter\euhnet, in welcher der spanische Vertreter die Erklärung
4o8 »7'9 Nov. i8.
Generalstaaten, Damit war officiell der Friede ^{wischen Spanien und
dem Kaiser hergestellt, das Ziel der Allianz erreicht. In der Tat
dauerte es aber noch ^ Jahre, bis auf gän:{lich veränderter Grundlage eine
wirkliche Aussöhnung der Herrscher von Spanien und Österreich stattfand.
abgab, djss Philipp V, dem Kaiser d*m ihm gebührenden kaiserlichen Titel durch-
aus nicht vorenthalten wolle und sich verpflichtete, eine neue Ratifikationsurkunde
sobald als möglich \u beschaffen. Bei dieser Gelegenheit legten die Vertreter
Frankreichs und Englands dagegen Venvahrung ein, dass die Spanier die beiden der
Ratifikation inserirten Verträge aus dem lateinischen und französischen itis spa-
nische übersetzt hatten. Diese Abmachung lautet nach dem im R, O, vorliegenden Or.
Postguam nobis, suae Af'«« C^*^, suae M^*' britannicae, suae Af'*» christianis-
simae et suae Af' •» catholicae ministris plenipotentiariis apud dominum comüem
a Windischgrat\, suae M**« C*'«'' ministrum plrnipoft*ntiarium, die i^ Aprilis
iy2o congregatis, dominus marchio de Heretti Landi, Af'»* suae catholicae mini-
ster plenipotentiarius, declaravit, se ratificationes tractatuum Hagae Comitum die
16^ et 77» Februarii eiusdem anni conclusorum a rege domino suo obtinuisse,
ut more solito invicem commutarentur, ideoque tenor dictarum ratificationum
tabularum a nobis mox dictis ministris reeognitus et perpensus est, printo quae-
dam occurrit difficultas, quae summi momenti iudicata est, quod videlicet in in-
strumentis ratificationum per dominum eomitem a Windischgrat\ exhibitis sua
M*<^ Qa nunc iam regis Hispaniarum titulum suae M** catholicae tribucret; e
contra vero in tabulis ratificationum, quas dominus marchio de Beretti Landi
protulit, nulla imperatorii tituli C*«* suae A/<« competentis facta esset mentio.
Et licet marchio de Beretti asseruerit, talem omissionem nullatenus animo con-
tendendi vel quod Af'«* sua catholica imperatorium titulum suae M** C*^ tri-
buere aut ut talem agnoscere haesitaret processisse, insuper offerendo scriptam
se declarationem extraditurum esse, vigore cuius alia ratificationum instrumenta
imperatorium titulum pro sua M** Cj<* eontinenfia defectuosisque praesentibus
substituenda absque mora allaturus esset ; nihilominus dominus cotnes a Win-
dischgrat{ inhaesit, se his circumstantiis praefatarum ratificationum comuta-
tionem nunc peragere absolute non valere, cum praecipue hie de actu sacrata et
imperatoria manu iam signato ageretur, cui nulla unquani deciaratio aequi-
pollere posset, tametsi caeterum minister caesareus et sinceram regis catholici in-
tentionem et ministri eiusdem affirmationem nullo modo in dubium traheret,
Secundo observatum fuit in instrumentis a domino marchione de Beretti
Landi exhibitis, non tantum praeambulum et finem hispanice scriptum^ verum
etiam ambos actus accessionis suae Af'*« catholicae ad conventionem Parisiis fac-
tam et ad tractatum Londini conclusum, quibus modo dictus tractatus de verbo
ad verbum insertus est, ex latino et gallico in hispanicum idioma fuisse trans-
latos, quod nos ministri suae M'** C>«*, suae M*^« britannicae et suae Af'»* chri-
stianissimae usui contrarium fore existimavimus in quantum eoncernit traduc-
tionem insertorum actuum primitus aliis in Unguis conceptorum , marchio vero
de Beretti Landi tanquam stylo curiae et praxi in eiusdem aula receptae con-
fortne defendit; has ob causas nos infrasignati plenipotentiarii ministri cupientes
unanimiter exoptato fine praesentes negociationes corotiare convenimus^ ut domi-
nus marchio de Beretti aulam suam de prima difficultate respectu titulorum
I719 Nov. 18. j^QQ
Tametsi rex Hispaniarum protrahendo bellum, quod tarn
iniuste movit, se privaverit a die 2^ Novembris expectativis
in ditiones a magno duce Hetruriae et duce Parmae Pia-
centiaeque possessas, quae deficientibus successoribus masculis
per articulum quintum tractatus foederis inter suam M^^^ O*™,
^t6m britannicam et regiam christianissimam M*«"* 2^ Augusti
1718 Londini initi in favorem filii primogeniti regis Hispaniarum
ex thoro secundo nati destinatae erant, octavo vero articulörum
secretorum diserte cautum sit, quod si rex Hispaniarum post
terminum trium mensium a die subscriptionis computandorum
conditiones pacis illi propositas acceptare renueret et principes
confoederati eundem per anna eo compellere tenerentur, tunc
nova conventione inter eos stabiliendum esset, cui principi vel
quibus aliis principibus sua M**** O* dictas expectativas in ex-
clusionem filii modernae Hispaniarum reginae ex consensu im-
perii conferre deberet; hac dispositione tarnen non obstante sua
Mtas cea cathoüca ad manifestandum sincerum suum in tranquilli-
absque mora certioreftt redderet, uti ex nunc tarn spondet, imperatorium tiiulum
sitae C«»* Af'« a rege catholico conferendum, quemadmodum etiam sua Af*«* C*«
catholici regis titulo M^*^ suam catholicam compellat
Quod secundam vero concemit difficultatem 'traductionis nimirum in ki-
spanicam linguam tractatuum primitus et originaliter in latino et gaUico idio-
mate conceptorttm pariter convenimus, ut unusquisque de hac difficultate aulam
suam informaret instructionesque illinc et mandata desuper expectaret, Nihilo-
minus declaramus lianc moram, quam praedictae duae difficultates produxerunt,
ratificationum commutationes convento tempore peragendas nunc impendientem
nulli partium contractantium praeiudicium afferc debere vel posse, et quod ubi
primum dominus marchio de Beretti Landi novas debito pro sua M^ imperatoria
titulo ornatas ratificationum tabulas acceperit, nosque omnes ministri plenipo-
tentiarii super difficultate traductionis tractatuum in hispanicum idioma (uti
supradictum est) ab aulis nostris explicationes et mandata obtinuerimus, ad com-
mutationem dictarum ratificationum indilate procedemus, et illa extraditio in-
vicem peragenda censebitur ac si convento tempore contigisset In quorum fidem
HOS ministri plenipotentiarii suae Af'*» C'«*, suae Af'»» britannicae, suae Afi** chri-
stianissimae et suae A/'«* catholicae praeseiitem declarationem manibus nostris
subscripsimus sigillisque nostris cofnmunivimus.
Actum Hagae Comitum die dedma nona Aprilis anni millesimi sepUn-
gentesimi vigesimi,
L, S, L, com es a Windischgrät:{,
L S. /. Dayrolle.
L, 5. Fleurau de Morville,
Marques Beretti Landi,^)
') Die Namen stehen im Or, in gleicher Linie,
^10 '7'9 Nov. i8.
tatem publicam Studium, et ad promovenda ea quae pacem resti-
tuere possent, et ut urgentibus foederatorum suorum votis non
desit, consentit, ut ea, quae in dicto articulo quinto tractatus Lon-
dini initi ratione spatii trium mensium continentur, intia quod fas
fuit regi Hispanianim praefato tractatui accedere, vi praesentis
conventionis iidem liberum sit intra spatium aliorum trium men-
sium a die decima octava Novembris anno 17 19 computandoram
dicto tractatui accedere eundemque acceptare, addita vero hac
expressa conditione, ut vicissim suae M*®* regiae britannica et chri-
stianissima spondeant et per hanc conventionem solennem se ob-
stringant, quod post elapsum hunc terminum trimestrem a die ho-
diema computandum et si rex Hispaniarum interea temporis con-
ditionibus pacis in dicto tractatu expressis non accesserit, filius vel
filii modernae Hispaniarum reginae ex tunc pro exclusis ac non
admissis a successione ditionum Hetruriae, Parmae et Placentiae
ipso facto habeantur. Ut autem eo minus nova haec termini
prolongatio, in quam sua M*»» O* nunc consentit in posterum
in exemplum adduci possit, dictae regiae M*^ promittunt, se
nuUam aliam unquam termini prolongationem in favorem filii
modernae Hispaniarum reginae ab imperatore petituras esse et
ex nunc cum sua M^ O* convenient, cui alten vel quibus aliis
principibus expectativas dictarum ditionum in exclusionem filii
aut filiorum modernae Hispaniarum reginae secundum dispo-
sitionem octavi articulorum secretorum concedere debeat.
Has ob causas et cum suae M*«^ britannica et christianis-
sima expertae sint, quod aula hispanica a turbulento ministro
seducta abusa hucusque fuerit indulgentiis in illius favorem ha-
bitis et inde occasionem potius sumpserit obstinate et pertina-
cius resistendi, consentiunt per hanc conventionem solennem
conditioni, quam imperator apponit prolongationi novi termini
trimestris, promittentes altefatae suae M*®^ et sese obstringentes
eandem se sincere adimpleturas ita ut, si rex Hispaniarum post
elapsum novum hunc terminum trimestrem a die hodierna com-
putandum conditionibus pacis in dicto tractatu expressis non
accesserit, nee expectativas nee ulteriorem termini prolongatio-
nem a sua M*« O* in favorem filii modernae Hispaniarum re-
ginae petent, ut qui per lapsum trium mensium ipso facto pro
excluso habebitur, et ex nunc convenient cum sua M*« O*^ ca-
tholica, cui alteri vel quibus aliis principibus expectativae in
exclusionem dicti principis eo casu conferendae forent.
17 ig Nov. i8. 4t I
In quorum fidem nos infrascripti suae M*^« O**, M**« bri-
tannicae et regiae christianissimae M^^ ministri plenipotentiarii
mandatis necessariis et plenipotentiarum tabulis invicem exhi-
bitarum muniti praesentem hanc conventionem subscripsimus et
sigillis nostris communivimus, quae eandem vim obtinebit ac
si tractatui foederis quadruplicis verbotenus inserta fuisset, et
ratificationum tabulae a sua M*« O*, M^ britannica et regia chri-
stianissima M*« extradentur et commutabuntur intra spatium
sex septimanarum aut citius si fieri possit. Actum Hagae Co-
mitis, die decima octava Novembris, anni millesimi septingen-
tesimi decimi noni.
L S. Leopoldus Victorinus comes a Windischgrätz.
L. S. Cadogan.
L. S. Fleuriau de Morville.^)
Articulus separatus.
Quamvis iam articulo separate quadruplicis foederis Lon-
dini 22. Julii v. st./2. Augusti n. st. elapsi anni conclusi cautum
sit, sacram O»™ regio-catholicam M*®»" moderno Hispaniarum
possessori regium titulum haud concedere, nisi in eum duntaxat
casum ubi et ille huic tractatui accesserit; cum tamen hodie
conventionem super novo termino trimestri, in qua dictus mo-
dernus Hispaniarum possessor rex Hispaniarum et Indiarum per
totum compellatur, inter sacrae O*® regio-catholicae, sacrae re-
giae britannicae et sacrae regiae christianissimae M*"'" pleni-
potentiarios subscribi contingat, e re esse iudicatum est reser-
vationis huius denuo mentionem fieri.
Articulus iste separatus eandem vim obtinebit ac si de
verbo ad verbum ipsimet tractatui insertus foret ratihabebitur-
que eodem modo atque ratihabitionum tabulae intra idem tem-
pus cum ipsa conventione extradentur.
In quorum fidem nos infrascripti vigore plenipotentiarum
hodie invicem exhibitarum hunc articulum separatum subscrip-
simus et sigillis nostris communivimus. Actum Hagae Comitis,
die decima octava Novembris, anni millesimi septingentesimi
decimi noni.^)
') Du Namen stehen im Or. in gleicher Linie,
*) Dieselben Unterschriften wie im Hauptvertrage,
412 »7^0 April 2.
Articulus separatus.
Quum titulorum aliqui, quibus sacra C«» M**« sive in ple-
nipotentiis sive in conventione et articulis separatis hodie sub-
scribendis utitur, per sacram regiam M*«™ christianissimam
agnosci haud possint, per hunc articulum separatum et ante
conventionem subscriptum declarat et protestatur, quod per
dictos hac conventione et articulis separatis adhibitos titulos
aut sibi alterive praeiudicare aut sacrae C®*® M** ius uUum ad-
iicere minime intendat.
Articulus iste separatus eandem vim obtinebit ac si ipsi-
met conventioni hodie subscriptae verbotenus insertus foret
ratihabebiturque eodem modo atque ratihabitionum tabulae in-
tra idem tempus cum ipsa conventione extradentur.
In quorum fidem nos infrascripti vigore plenipotentiarum
hodie invicem exhibitarum hunc articulum separatum subscrip-
simus et sigillis nostris communivimus. Actum Hagae Comitis,
die decima octava Novembris, anni millesimi septingentesimi
decimi noni. ')
20.
Konvention ^^wischen Karl VI., Georg L, Ltidicig XV, von
Frankreich^ Victor Amocleus IL von Sardinien und Philipp V.
von Spanien, betreffend den Waffenstillstand :{ur See d. d,
Haag 1720 April 2.
Rat, Philipps V. d. d, Aranjiie:^ i/20 Mai 20.
Dil- Originale der Konvention im .SY.-.-l. und R. ()., die der Ratifikation
derselben durch Philipp im St.-A. und R.-O, — Drtieke bei Hittner Nr. yji.
Als eine naiiir liehe Konsequenz des Beitrittes Spaniens {ur Qna-
drHpelallian{ ergab sich die Räumung Siziliens seitens der Spanier und
die Übergabe dieser Insel an den Kaiser. Allein auch in dieser Frage
ergaben sich Schwierigkeiten, deren Überwindung nicht (dtne grosse Mühe
gelang. Philipp V. hatte am selben Tage, da er die Bef etile yur Unter {cicJi-
nung der Quadrupelallian^ gab, den Abschluss eines Waffenstillstandes
für Sis^ilien verlangt; Osterreich aber erklärte, die Waffenruhe könne nur
') Dieselben Unterschriften wie im Hauptvertrage.
1720 April 2. 413
dann bewilligt werden^ wenn ^gleich die Räumung der Insel von den
Spaniern :{ugesianden werde. Dagegen protestierte ntm Philipp V. auf
das nachdrücklichste und forderte von den vermittelnden Mächten für
die Räumung Siziliens neue Konj^essionen ; unter anderen von England
die Übergabe Gibraltars, Aber auch diesmal war er nicht in der Lage
seine Ansprüche durchiuset^en ; es gelang dem englischen Vertreter in
Madrid die Einwilligung Philipps V. dafür ^u gewinnen, dass die Rege-
lung der Gibraltar frage einem künftigen Kongresse überlassen werden y die
Räumung Sardiniens und Siziliens dagegen gleich erfolgen sollte. Frei--
lieh nahmen die Spanier diese Erklärung nicht ernst und suchten nach
neuen Vora^änden, um die Durchführung des gefassten Beschlusses ^//
ver:{Ögern, In diesem Sinne stellten sie an Penterriedter das Ansinnen,
von den Bevollmächtigten der kriegführenden Mächte die Bedingungen
feststellen {u lassen, unter denen der Waffenstillstand und die Räu-
mung der beiden Inseln erfolgen sollte. Allein Penterriedter wies dieses
Begehren entschieden ^urück, betonte, dass darüber nur die an Ort und
Stelle befindlichen Generäle die richtigen Beschlüsse ^u fassen in der
Lage wären y und gab seine Einwilligung nur :{ur Unterzeichnung eines
Waffenstillstandes {ur See, der am 2, April 1J20 im Haag von den
Vertretern Englands, Frankreichs, Österreichs, Spaniens und Sardiniens
unterfertigt wurde,^) Gan^ ausdrücklich wurde aber in demselben die
definitive Ordnung der Waffenstillstands- und Räumungsfrage den in
Sizilien anwesenden englischen, spanischen und kaiserlichen Generälen
überlassen, die dann am 6, und 8, Mai 1720 vor Palermo {wei dar-
auf bezügliche Konventionen unterzeichneten,'^)
Cum sua M**^ catholica tractatum Londini 2" Augusti 17 18
signatum per omnia pure ac simpliciter et absque ulla reser-
vatione vel restrictione acceptaverit et ministri plenipotentiarii
britannicae, christianissimae et catholicae M***"* vi mandatorum
ipsis impertitorum 29» Februarii armistitium per mare signa-
verint, quod armistitium minister plenipotentiarius M*»** suae C«*«
deficientibus ad id plenipotentiarum tabulis una cum illis non
subscripsit, ideoque supradicti ministri scripto declaraverint, sese
') Die Generalstaaten fehlten, da sie an dem Kriege gegen Spanien nicht
teilgenommen hatten,
') Vgl. den Abdruck weiter unten p. 416 ff,; der Vertrag Karls VI, mit Vic-
tor Amadens IL d. d, Genua 1720 Juli /; und die Konvention Karls VI. mit Phi-
lipp V., die Übergabe und Räumung Sardiniens betreffend, sind gedruckt bei
Solar de la Marguerite l. c, IL 40g, 411, Vgl. Bittner l, c, Nr. y^6 u, 7^7,
414 ^7^0 April 1.
cum nominato caesareo ministro eiusmodi armistitium per mare
absque mora, quam primum ipse tale mandatum receperit, pa-
riter subscripturos esse; quandoquidem autem has plenipoten-
tiarum tabulas dominus comes a Windischgräz modo obtinuit
et dominus marchio de Beretti Landi pari mandato munitus et
de intentione regis sui satis instructus est, uti et pariter mini-
ster plenipotentiarius suae M*>^ regis Sardiniae interea plenipo-
tentiarum tabulas ad signandum armistitium per mare accepit,
nos infrascripti suae C^«, britannicae^ christianissimae, catholicae
et regis Sardiniae M*^™ ministri plenipotentiarii conclusimus, prout
hisce concludimus, armistitium per mare inter altefatas M*^ et
nominatim quod concernit portus suae M*^ O*^ tam in adriatico
(qui communiter litoralia austriaca vocantur) quam in medi-
terraneo et oceano; quae mox dicta suspensio armörum quam
primum fieri poterit in iis locis, ubi id e re esse iudicabitur,
publicanda erit atque subditorum vicissim navigationes et com-
mercia absque omni interruptione vel molestia eundem in mo-
dum, quo ante belli huius initium exercebantur, penitus resti-
tuentur. Ad evitandam autem omnem controvertendi aut con-
tendendi rationem, quae ob restitutionem navium, mercium et
reliquorum bonorum mobilium ab una parte alteri post signa-
tam iam hanc conventionem abreptorum forsitan exoriri valeret,
nos infrascripti suarum altefatarum M*«»'" ministri plenipoten-
tiarii declaramus, omnes naves, merces et reliqua bona mobilia,
quae una pars alteri auferre posset in mari britannico, baltico
et boreali, post duodecim dierum terminum, qui a die signatae
praesentis conventionis currere incipiet, post sex septimanas
vero a mari britannico, baltico et boreali usque ad Promon-
torium S^ Vincentii, post decem hebdomadum spatium inter
dictum Promontorium et lineam aequinoctialem, vulgo aequa-
torem, tam in mari oceano quam in mediterranen et adriatico;
fmaliter demum post sex menses in qualicunque mari ultra dic-
tam lineam aequinoctialem, absque ulla exceptione vel ulteriori
distinctione temporum locorumque ab una et altera parte re-
stituenda esse, eo semper sensu, quod recensiti modo termini
a dato huius conventionis tantummodo inter suam M^^ C®*^°^ et
suam M*®"^ catholicam atque inter suam M*^'" catholicam et re-
gem Sardiniae initium sumerc debeant, ex eo quod conclusum
inter suam M*«'" britannicam, christianissimam et catholicam ar-
1^20 April 2. ^15
mistitium a die 29** Februarii utpote die subscriptionis iam in-
ceperit.
Quandoquidem vero sua M*" C** supremo exercitus sui
in Sicilia praefecto, comiti a Mercy, ad tractandam cum mar-
chione de Leede suae M*^^ catholicae ibidem belli duce armorum
suspensionem uti et ad transingendum super omnimoda regno-
riim Siciliae et Sardiniae evacuatione facultatem concessit, et
sua M^** britannica pariter classis suae praefecto, equiti de Byngh,
mandavit, ut cum suae M**« catholicae ministris, militum prae-
sidibus et rei mai itimae praefectis suspensionem armorum con-
cludat, expresse declaramus, quod praesens conventio omnino
nihil poterit mutare, diminuere aut derogare illis conditionibus
et articulis cuiuscunque naturae sint, quos dictus comes a Mercy
aut nominatus eques de Byngh per aliquam forsan conventionem
cum marchione de Leede, ministris, militum praesidibus et rei
maritimae praefectis M*^^ suae catholicae concluserint, quae dicta
conventio comitis a Mercy aut dicti equitis de Byngh per totum
in suo vigore ex integro conservabitur.
In quorum fidem nos C^ britannicae, christianissimae,
catholicae et regis Sardiniae M*"™ ministri plenipotentiarii
vigore mandatorum hinc inde exhibitorum praesentem con-
ventionem manibus nostris subscripsimus sigillisque nostris
communivimus; promittentes quod ratificationum tabulae alte-
fatarum M*"'" debita forma confectae intra spatium duorum
mensium aut citius si fieri poterit commutabuntur. Actum
Hagae Comitum, die secunda Aprilis, anni millesimi septingen-
tesimi vigesimi.
L. S. Leop. comes a Windischgrätz.
L. S. Ja. DayroUe.
L. S. Fleuriau de Morville.
L. S. El marques Beretti Landi.
L. S. J. B. Despiene.*)
') Du Xjmrn stehen im Or. in gleicher Linie.
4i6 1720 Mai 6.
21—22.
2 Konventionen ^(wischen den englischen, österreichischen und
spanischen Generälen über den Waffenstillstand und die Räu-
mung Si^iliefis und Sardiniens d. d, Lager vor Palermo ij2o
Mai 6 u. 8,')
fOn St.'Ä.) Drucke Bittner Nr. 7^^.
21.
En vertu des pleins pouvoirs qua nous, les generaux com-
mandants les arm^es faisants la guerre en Sicile tant par mer
que par terre, avons receus de nos souverains pour y traitter
d'une Suspension d' armes et de Tevacuation des royaumes de
Sicile et de Sardaigne, nous avons convenu apres plusieurs
Conferences des articles suivants.
L
Qu'il y aura une Suspension d' armes et de tous actes
d'hostilitös entre les armöes, troupes, flottes, escadres et wais-
saux des puissances engagöes dans la guerre presente, jusques
ä rentiere evacuation des royaumes de Sicile et de Sardaigne
et le retour en Espagne des troupes Espagnoles qui sont dans
Tun et dans Tautre des d*« royaumes, et entre les guamisons
et troupes, aussi bien par terre que par mer ou sur les autres
eaux, au dedans de la mer mediterranee ou costes voisines;
tellement que s*il arrive que pendant la Suspension on y con-
trevienne d'aucunes des parties, en prenant une place ou par
attaque, surprise ou intelligence au de^a de l'etendue marque
dans ce traittö, ou qu' on fasse des prisonniers, ou qu' on com-
mette d' autres actes d*hostilitcs par aucun accident non prevü,
cette contravention sera bonifiee de chaque partie de bonne
foy Sans deley ou sans difficulte, en rendant sans aucune di-
minution ce qui aura ete pris et en donnnnt la libertö aux pri-
sonniers sans payer des rentions^) ou fraits. Ht pour prevenir
toutes les occasions de plaintes qui pourroient survenir ä Te-
gard des waissaux, marchandises et effets qui pourroient estre
') Für liic informierende liinleifung v^/. />. -//^ ; das eigentümliche der
Schreibweise ist darauf \uriick\u rühren, dass der Schreiber dieses Vertrages ein
Spanier war.
*) So im Or, wohl für rations.
1720 Mai 6. ^jiy
prises en mer, on convient reciproquement que tels waissaux,
marchandises et effets qui seront pris dans la mer mediteranöe
ou au levant du cap Saint Vincent vers ou dans la mer medi-
teranöe apres la datte de la signature de la Suspension d' armes
seront rendus de part et d'autre sans aucune exception.
n.
Les troupes Espagnoles ^vacueront Palerme cinq jours apres
la signature, et on rcmettra Castelamare, le mole et tous les
forts avec V artillerie et munitions de guerre que T on y a trouv^
et qui existent actuellement, et Tarraöe Espagnole marchera le
jour auparavant ä marche reglee d'armöe k Termini et dans
les villages suivants: Baucina, Bentemilia, Gimina, Montemajor,
Caltabuturo, Petralia, Vicary, Polici, la Rochela, Rocapalamo,
Cacamo, \) qui se trouvent tous aux environs de d* Terminy, et
ä mesure que les dites troupes s' embarqueront Ton ^vacuera
les villages les plus eloignös et on donnera les ordres les plus
rigoureux pour empecher qu' on ne couppe les arbres fruittiers
et les grains et qu'on ne fasse aucun desordre.
m.
Que les malades et blesses des troupes d'Espagne reste-
ront dans le mesme hopital ou elles sont ä Palerme avec tous
les medecins, chirurgiens et autres employ^s au 2) d* hopital pour
r assistance, Service et direction du d* hopital, oü il y aura une
garde d'un lieutenant et vingt hommes des troupes d'Espagne
pour contenir les malades dans T hopital, et on foumira pour
le d* hopital tout ce qu' ils auront besoin pour leur subsistence
au directeur pour son argent, et d' abord qu' il y aura des con-
valescens en etat de marcher on leurs foumira des bagages ou
barques pour les transporter ä Termini, en payant; ceux qui
auront des armes pourront les transporter avec eux.
IV.
11 sera permis que les ministres de Tintendence et com-
missaires de guerre, commis du contadore et du tresorier, tant
de terre que de mer, restent ä Palerme, tant pour rajustement
') Ventimiglia, Ciminna, Montemaggiore, Caltavulturo, Poli\\i, Rocella,
Roccapalumba.
*) Im Or, aux.
Österreichisch-englische Staatsverträge. Bd. L 27
4l8 »?20 Mai 6.
des comtes comme des dispositions necessaires pour Tembar-
quement, jusques a ce qu'ils soyoient effectu^s on donnera
im etat des noms de ceux qui resteront.
II sera permis aux officiers et ministres de Tarmöe Espa-
gnole et quelqu'autre qui se puisse estre employe a Tarni^e
de retirer du d* Palerme leur famille, effets et equipages, soit
par mer ou par terre, et de quel autre endroit du royaumes
qu'ils ayent, pour lequel il leurs sera donn^ des passeports,
leurs facillitant les bagages ou barques qu'ils auront besoin
pour leur transport, en payant. II sera permis aussi aux offi-
ciers, ministres et domestiques de Tarm^e Espagnole d'entrer
ä Palerme pour les affaires particulieres ou celles de leurs re-
giments, moyennant qu'ils ayent passeport de Monsieur le M'^
de Lede, leur general.
VI.
Que tous les magazins de munitions de guerre et vivres
de quelle espece qui se puisse estre, y compris Torge et la
paille, appartenant aux troupes d'Espagne dans le d* Palerme
ou ses faubourgs, y resteront en toute seuret^, et il sera per-
mis aux d*«» troupes de les entirer pour leur service, soit par
mer ou par terre, k mesure qu'ils en auront besoins, et quand
on le jugera convenir, on laissera des commissaires pour en
avoir soin, et Monsieur le comte de Mercy ordonnera d'v
mettre des gardes de ses troupes pour leur scurete.
vn.
Les troupes d'Espagne qui se trouveront dans les villes
et villages surnomm^s vivront pour leur argent h l'exception
du fourrage vert, paille et bois, et on nommera des officiers
commis pour faire fournir aux d^^ troupes fourage vert, la paille
et bois dans les villes et villages oü sont les troupes, aux-
quels on donnera les troupes qu'ils demanderont pour se faire
obeir, sans qu'il soit permis aux troupes Espagnoles d'envoyer
des troupes en execution.
VIII.
Aussitot apres Tevacuation de Palerme Ton envoyera
ordre pour faire retirer les troupes qui sont a Girgenti.
1^20 Mai 6. ^iq
IX.
L'evucuation d' Auguste se fera d'abord que Ton aura
fourni les embarquations necessaires pour T embarquement de
Tartillerie, munitions de guerre, vivres, de quelle qualitö que
ce soit, et autres attirails de guerre, et generalement tout ce qui
y est dans les magazins lesquels seront transportes ä Terminy
ou ä Palerme, comme Ton trouvera convenir, apres quoy les
troupes d'Espagne remettront la place aux troupes Allemandes
sans toucher aux fortifications, et la guarnison Espagnole se
mettra en chemin pour revenir a Terminy ou aux villages mar-
ques par le chemin le plus court, faisant une marche reglee
d' infanterie. Ä 1' egard des troupes d' Espagne qui se trouvent
au blocus de Siracuse et ä Jacyreale*) ou autres endroits du
royaume, on leur envoyera ordre aussitot apres Tevacuation
de Palerme de se mettre en marche et de venir joindre Y armöe
ä Terminy, leurs ordonnants de ne commettre aucun desordre
dans la route; il sera nomme de la part de M^ le comte de
Mercy des officiers commis pour marcher avec les dites trou-
pes pour leur faire livrer paille, orge et pain et ce qu'ils au-
ront besoin pour leur subsistence que Ton payera apres.
X.
Que toutes les troupes tant de terre que Celles de mer
et les gens de mer dans Tetat ou elles se trouvent ä present
dans ce royaume, tous les generaux, officiers, ministres et quel-
ques autres qui se puissent estre employ^s dans Tarmee, ils
leurs sera permis de s'embarquer pour passer en Espagne en
toute seurete, aussi bien que d* 'autres sujets Espagnols qui vou-
dront y passer, sans qu'on puisse les en empecher.
XL
Que toutes les troupes Espagnoles, tant infanterie que ca-
vallerie et dragons, devront estre conduites en Espagne avec
leurs armes, drapeaux, etendarts, chevaux, habits et bagages
en toute seuretö, sans qu'il leur puisse estre mis aucun ob-
stacle, et estre d^barques ä la coste de Catalogne ou Valence,
tant dans des embarquations qu' on pourra fournir promptement
que dans celles qui pourront venir d' Espagne ou d' autres ap-
partenantes k d' autres puissances, par la voye la plus courte.
') Aci Reale.
430 «7^0 ^ai <^«
xn.
Que Ton sera oblige de foumir tous les waisseaux et
autres embarquations necessaires pour T embarquement des
troupes Espagnoles, tant infanterie que cavalerie, artillerie,
munitions de guerre et equipages, bien entendu ä leurs frais,
leurs donnants des waisseaux de guerre de sa Mt^ britanique
pour les escorter et pour leur seuretö jusqu' ä ce qu' ils soyent
arrives en Espagne, dont Ton conviendra du nombre avec M"*
Tamiral Bings.
xin.
L' embarquement des troupes se fera en deux ou trois fois
et plutot si faire se peut, elles s'embarqueront d'abord que les
embarquations seront prettes et qu'il y ait tous les vivres ne-
cessaires dans les waisseaux et barques pour quarante jours,
tant pour les hommes que pour les chevaux, sur le pied de la
ration ordinaire, et on ne pourra point obliger d'embarquer
plus de monde dans les dites barques que ce qu' elles peuvent
contenir selon les regles ordinaires, pour quelles y puissent
estre ä leur aise dans la chaleur oü on va entrer.
XIV.
II sera permis d'embarquer et de conduire en Espagne
en toute seurete toute T artillerie, mortiers tant de bronze que
de fer qui existe dans les places qu on evacuc dans ce roy-
aume et qu 1' ona apporte d' Espagne, aussi bien que celle que
r on a fondu ä Palerme du metail que 1' on a apporte d' Espagne,
aussi bien que Celles qu'on a apportces d' autres endroits de-
puis que les troupes d' Espagne sont dans le ro vaume, laissant
dans les places celles qui existent et qu'on y a trouve. L'on
remettra aussi de bonne foy toutcs les munitions de guerre
qu'on a trouve dans Castelamare et les forts de Palerme, Ter-
mini et autres endroits, oü il y en avoit, quand les troupes
d' Espagne sont arrivees ou les ont occupes et qui existent. Et
il sera permis de rembarquer pour porter en Kspagne toutes
Celles qu'on a apportees d' Espagne ou fait venir d' Italic
XV.
Que tous les waisseaux, galeres et autres embarquations
appartenants a T Espagne ou h ses sujets qui se trouveront dans
ce royaume pourront librement passer en Espagne avec leur
1720 Mai 6. 42 j
artillerie tous leurs equipages et tous leurs effets qu'ils pour-
ront y avoir; il sera permis aussi de rembarquer toute T ar-
tillerie, armes, ancres, cordages, voiles et quelquonques autres
effets appartenantes aux galeres d'Espagne ou d' autres embar-
quations qu'on a desarmees ou qui ont faits nauffrage qui se
trouvent dans les places ou endroits qu'occupent les troupes
Espagnoles aujourd'huy.
XVI.
Qu'il sera permis aux commissaires qui seront nommes
de rester dans ce royaume pour y vendre les eflfets qui exi-
steront dans les magazins et en quelqu' autres endroits que
se puisse estre, aussi bien que pour avoir soin des malades qui
ne seront point en etats de s' embarquer avec le reste des trou-
pes, aux quels on sera Obligo, d'abord qu'ils seront en etats de
s' embarquer, de leurs fournir des embarquations pour les trans-
porter en Espagne, en payant.
xvn.
L* artillerie et la cavallerie d' Espagne s'embarquera au
molle de Palerme et l'infanterie a Terminy ou Solando.
xvm.
Que dans le tems de Tembarquement ou devant n'y apres
Ton ne pourra retenir n'y reclamer aucun deserteur de part et
d'autre n'y retenir aucun soldat sous pretexte de nation.
XIX.
Que tous les ofiiciers et soldats de terre prisonniers de
guerrc, comme aussi les officiers et soldats de marine et mat-
telots, faits pendant la guerre de Sicile et dans ces mers seront
rcstitues de part et d'autre.
XX.
Que Ton donnera des passeports a tous les waissaux,
galeres, felouques et autres embarquations pour aller en Espagne
ou pour autres endroits d'ltalie pour le service de Tarm^e
Espagnole, et Ton consent que les six felouques de la depeche
passe a Terminy pour y porter les depeches oü on leurs or-
donnera.
XXI.
Pour ce qui regarde les fraits des waissaux et toutes au-
tres embarquations qui serviront pour le transport des troupes
Espagnoles, ils se payeront aux pris accoutumös et dont Ton
conviendra pour le payement soit en argent content soit en
lettres de change.
XX.
L'on accordera six mois de tems aux officiers Espagnols
ou naturels du pays ou autres qui auront du bien ou eflFets
dans ce royaume, pour que dans le dit terme ils le puissent
vendre ou alliöner, apres quoy il leur sera accordö des passe-
ports pour passer en Espagne.
XXIII.
I/on nommera un commissaire de guerre pour examiner
les dettes et verifier celles que pourront avoir contract^es les
officiers de V armöe Espagnole comme aussi celles qui pourroient
y avoir pour le conte de leurs souverains, lesquels se trouvant
justes et verifiös seront pay^s, bien entendu que dans ces det-
tes ne devra pas estre compris la paille, les fourages et le bois
que r armöe peut avoir consumö, oü eile a estö campie, ou bien
oü ont etös les detachements; et on laissera pour ottages un
collonel avec un commissaire ordonnateur et un de guerre
pour les dettes du souverain et des officiers jusqu'ä rentiere
satisfaction.
XXIV.
11 sera permis et on donnera des passeports pour envoyer
prendre soit par mar ou par terre en quel endroit du royaume
que ce soit tous les vivres de quelle qualite qu'ils soyent et
autres choses, dont on aura besoin pour la subsistence et em-
barquations des troupes Espagnoles.
XXV.
La ville et chatteau de Termini sera evacue de mesme
que les autres places et remis aux troupes Allemandes aussitot
que les dernieres troupes Espagnoles seront embarquees, et du
jour de Tevacuation de Palerme il ne leur sera pas permis de
se mesler du gouvernement politique du royaume.
XXVI.
On reglera le nombre des troupes qui devront s'embar-
quer seien celuy qu'on aura des batiments et vivres, et Ton
avertira quelques jours auparavant pour que les troupes puis-
sent se preparer ä s'embarquer et arriver. II sera permis de
1720 Mai 8. 42^
laisser des commissaires k Palerme pour rögler les vivres et
reconnt^tre ceux qui sont dans les magazins. Apres le premier
embarquement fait, on donnera un etat de ce qui restera ä
s' embarquer tant en chevaux qu' en hommes et d' equipages ou
autres effets qui doivent estre transport^s pour pouvoir chercher
les embarquations.
xxvn.
Dfes que Palerme et le chatteau de Castelamare avec ses forts
seront evacues, les waisseaux, galeres ou quelqu' autres embar-
quations que se soit qui arriveront pour M^ le M}^ de Lede y
pourrpnt entrer et y rester librement et luy sera remis de
bonne foy Targent et toute autre chose qu'on luy apportera.
xxvni.
Pour Texecution de ces articles on donnera en ottage de
part et d' autre un marechal de camp et un collonel.
Nous les souissign^s generaux, faisants la guerre tant par
mer que par terre en Sicile, en vertu des pleins pouvoirs que
nous avons de nos souverains promettons de part et d' autre
de faire executer de bonne foy les articles cy-dessus men-
tionnes. Fait aux camps pr6s de Palerme le sixieme jour de
May, Tan mille sept cents et vingt.
Le comte de Mercy. G. Byng. Le Marq. de Lede.
L. S. L. S. L. S.
22.
En vertu des pleins pouvoirs que nous, les generaux com-
mendants les arm^es faisants la guerre en Sicile tant par mer
que par terre, avons recus de nos souverains pour y traiter
d'une Suspension d' armes et de Tevacuation du royaume de
Sardaigne nous sommes convenus apres plusieurs Conferences
des articles suivants.
I.
La meme Suspension d' armes, dont V on est convenu pour
le royaume de Sicile et la Mediterranee, subsistera dans tous
ces points pour celui de Sardaigne.
U.
Les trouppes Espagnoles evacueront le roiaume de Sar-
daigne aussitot que les trouppes Allemands ou autres qui sont
destines pour en prendre possession y seront arrives; Ton re-
mettra toutes les places fortes avec rartillerie, munitions de
guerre qu'on y a trouves quand les trouppes d'Espagne Tont
occup^s.
m.
Les malades et blessös des trouppes d'Espagne resteront
dans les memes hopitaux ou ils se trouvent dans les places
avec tous les medecins, chirurgiens et autres emploi^s aux dits
hopitaux pour leur assistence et service. Et il sera pennis d'y
laisser des officiers pour en avoir soin; Ton fournira pour les
dits hopitaux tout ce qu'ils auront besoing pour leur subsi-
stence au directeur pour son argent, et d'abord qu'il y aura
des convalescents en etat de marcher, il leur sera foumi des
bagages et barques avec des passeports pour passer en Es-
pagne, en paiant, et ceux qui auront des armes les pourront
porter avec eux.
IV.
II sera permis que les ministres de Tintendance, commis-
saires de guerre, commis du contador et du tresorier, tant de
terre que de mer, restent dans les places du dit roiaume, tant
pour Tajustement du conte que pour les dispositions neces-
saires pour T embarquement des trouppes, jusqu'a cequ'il soit
effectuö Ton donnera un etat des noms des ceux qui y re-
steront.
V.
II sera permis aux ministres de Sardaigne et autres sans
exception et aux officiers des trouppes d'Espagne et quelque
autres que ce puisse etre emploies au service des dites trouppes
de retirer du dit roiaume leurs familles, effets et equipages, pour
les transporter en Espagne^ leur donnant les passeports neces-
saires, bagages et barques qu'ils demanderont, en paiant.
VI.
Tous les magazins de munitions de guerre et des vivres
et de quelques autres especes que ce puissent etre, y compris
r orge, paille, apartenant aux trouppes d' Espagne dans les places
ou autres endroits, y resteront en toutte seurete, et il sera per-
mis aux dites trouppes de les embarquer ou de s'en servir,
comme elles le trouveront convenir, et V on nommera des com-
1720 Mai 8. ^25
missaires pour en avoir soin, y faisant mettre une guarde des
trouppes Alemandes ou autres qui prendront possession pour
la seurßt^ des dits magazins.
vn.
L'evacuation d'Algeri*) et du chateau Arragonese se faira
dans le tems marque, pourvu que les embarquations necessaires
soient preis a Algeri pour recevoir les trouppes et qu'il y ait
tous les vivres necessaires pour quarantes jours, oü s'embar-
quera pareillement la guamison du chateau Arragonese sans
que Ton puisse obliger les deux guarnisons de marcher par
terre a Cagliari pour s'embarquer, et celle de Cagliari s'embar-
quera au dit Cagliari, la cavallerie dans une de ces deux pla-
ces, dont conviendra le capitaine general qui commande dans ce
roiaume, aussi bien que toute rartillerie, magazins, munitions de
guerre et de bouche qui se pourront trouver dans les dites places
apartenants aux trouppes d' Espagne, et Ton remettra les places
aux trouppes Alemandes ou autres qui prendront possession dans
leur nom, sans toucher aux fortifications, le meme jour que les
trouppes Espagnoles s' embarqueront pour passer en Espagne.
vm.
Touttes les trouppes d' Espagne tant infanterie, cavallerie
que dragons devront etre transport^s en Espagne avec leurs
armes, drappeaux, etendarts, chevaux, habits, bagages, en toute
seurete, sans qu'ils puissent leur etre mis aucun obstacle, pour
etre debarques ä la cote de Catalogne ou de Valenze, tant dans
les embarquations que Ton pourra fournir promptement que
dans ceux qui pourront venir d' Espagne ou d' autres aparte-
nants h d' autres puissances, par la voye la plus courte.
EX.
Touttes les trouppes tant de terre que de mer dans V etat
qu' elles se trouvent presentement dans le roiaume de Sardaigne,
tous les generaux, officiers, ministres et autres personnes qui
se puissent etre emploies aux Services des trouppes d' Espagne,
ils leur sera permis de s'embarquer pour passer en Espagne,
aussi bien que d' autres naturels du pais de Sardaigne qui vou-
dront aussi y passer, sans qu'on puisse les en empecher.
V) Algher o.
426 '720 Mai 8.
X.
On sera oblige de fournir tous les vaisseaux et autres
embarquations necessaires pour T embarquement des trouppes
d'Espagne tant infanterie, cavallerie et dragons, artillerie, mu-
nitions de guerre et d'equipages, bien entendu a leurs frais,
leur donnant de vaisseaux de guerre de sa Mte brittanique pour
les escorter en toutte seurete jusqu'en Espagne.
XI.
L' embarquement des trouppes se fera dans les deux pla-
ces nommöes et dans le tems marque, les embarquations etant
pröts ä les recevoir et munis de vivres pour quarantes jours,
tant pour les hommes que pour les chevaux, sur le pied de
la ration ordinaire; et on ne pourra pas obliger d'embarquer
plus de monde dans les barques ou vaisseaux que ceux qu'ils
pourront contenir selon le regle ordinaire, pour qu' elles puissent
etre ä leurs aises dans le tems des chaleurs oü on va entrer.
xn.
II sera permis d'embarquer et transporter en Espagne en
toutte seurete toutte V aitillerie, mortiers tant de bronze que de
fer qui existent dans les places du roiaume de Sardaigne et
qu'on y a apport^ d'Espagne ou d' autres endroits depuis que
les trouppes d'Espagne y sont, laissant dans les places du dit
roiaume Celles qu'on y a trouvö et qui existent. Et on remet-
tra aussi de bonne foy touttes les munitions de guerre qu'on
y a trouves lorsque les trouppes d'Espagne les ont occupes
et qui existent encor, etant permis d'embarquer toutte cellc
qu'on a apporte d'Espagne ou fait venir d'ailleurs.
XIII.
Tous les vaisseaux, galeres et autres embarquations apar-
tenants ä T Espagne ou ä ses sujets qui se trouveront dans ce
roiaume pourront librement passer en Espagne avec leur ar-
tillerie, equipages et tous leurs effets qui pourront y avoir. II
sera permis aussi de rembarquer toutte 1' artillerie, armes, an-
cres, cordages, voiles et quelques autres elTets que ce soient,
apartenants aux galeres d'Espagne (Hi autres embarquations
que l'on a desarmes ou qui ont fait naufrage qui se trouvent
dans les places ou endroits qui occupent les trouppes Espagno-
les aujourdhuy.
1720 Mai 8. ^2*]
XIV.
II sera permis aux commissaires qui seront nommes de
rester dans ce roiaume, pour y vendre les eflföts qui existeront
dans les magazins ou en quelque autre endroit que ce puisse etre,
aussi bien que pour avoir soin des malades qui ne seront point
en etat de s' embarquer avec le reste des trouppes, aux quelles
on sera obligö, d'abord qu'ils seront en etat de s' embarquer,
de leur foumir des embarquations pour les transporter en
Espagne, en paiant.
XV.
Dans le tems de V embarquement ou devant ni apres V on
ne pourra retenir ni reclamer aucun deserteur de part et d' au-
tre ni retenir aucun soldat sous pretexte de nation.
* XVL
Tous les officiers et soldats des trouppes qui sont en Sar-
daigne, tant de mer que de terre, qui auront et6 faits prison-
niers dans cette guerre de Sicile et celle de Sardaigne seront
restituös, tant des AUemands que des autres nations, ä leurs
Services ou ä celle de leurs alli^s pendant cette guerre.
xvn.
L'on donnera des passeports ä tous les vaissaux, galeres,
felouques et autres embarquations qui sont en Sardaigne pour
aller en Espagne ou autres endroits d* Italic pour le service de
Tarmee d' Espagne.
xvm.
Pour ce qui regarde les flets des vaissaux et de tous au-
tres embarquations qui serviront pour le transport des troup-
pes Espagnoles, elles se paieront au prix accoutumö dont Ton
conviendra pour le paiement soit en argent comptant ou soit
en lettre de change.
XIX.
L'on accordera six mois de tems aux officiers Espagnols
ou autres naturels du pais ou autres qui auront des biens ou
eflfets dans ce roiaume, pour que dans le dit terme ils puissent
les vendre ou aliener, apres quoy il leur sera accordö des
passeports pour passer en Espagne.
XX.
IJ on nommera un commissaire de guerre pour examiner
les dettes et verifier celles que pourroient avoir contract^s les
428 1720 Mai 8.
qfficiers des trouppes d'Espagne, comme aussi Celles qu'il pour-
roit y avoir pour le compte de leur sou verain; lesquelies se
trouvant justes et verifiös seront paiös, et jusqu' a leur paiement
on laissera en otage un commissaire de guerre.
XXI.
D sera permis et on donnera des passeports pour envoier
prendre soit par mer ou par terre en quelque endroit du
ro'iaume que ce soit tous les vivres de quelle qualite qua ce
soit et autre chose, dont on aura besoin pour la subsistance
et embarquations pour les trouppes Espagnoles, en paiant.
XXII.
Les officiers, tant generaux que particuliers, qui sont en
otage de part et d' autre pourla seurete du traitte de la Suspen-
sion et de Tevacuation du roiaume de Sicile serviront de%neme
pour ötage de la seurete de l'evacuation de celui de Sardaigne.
XXffl.
Quand les transports qui porteront les trouppes destinöes
pour prendre possession de la Sardaigne ne suffiront pas pour
transporter touttes les trouppes d'Espagne k la fois, cellescy
s'embarqueront ä mesure que les premiers arriveront.
XXIV.
Lorsque Ton a pris la possession de Cagliari, les troup-
pes d'Espagne qui resteront jusqu'ä un autre embarquement
seront rassembles dans les villages autour de Cagliari, dont
conviendra le capitaine general qui y commande avec le mini-
stre qui sera authorise de prendre possession du roiaume, oii
y vivrons^) ä leurs frais et leurs depens ä la reserve de la
paille, du bois et du fourage verd qu' on leurs fera fournir par
les endroits le plus ä portes, et lorsqu' on aura pris possession
de Cagliari les Espagnols ne pourront plus se meler du gou-
vernement politique de Sardaigne.
Nous les sousignes generaux, faisants la guerre tant par
mer que par terre en Sicile, en vertu des pleins pouvoirs que
nous avons de nos souverains promettons de part et d'autres
de faire executer de bonne foy les articles cy-dessus mention-
nes. Fait aux camps pres de Palermo le huitieme jour de May,
Tan mille sept cent et vingt.
L. S. Le comte de Mercy. L. S. G. Byng. L. S. Le Marq. de Lede.
') So im Or.
1721 Sept. 27. 429
23.
Garantie der d. d, Wien 1718 Sept. 16 von Karl VI, und San
Loren {o 1720 Juni 22 von Philipp V. beurkundeten gegenseitigen
Renunciationen seitens Georgs 1, und Ludwigs XV, d. d. Paris
Sept. 2y ; sowie :^wei Erklärungen Österreichs und Spaniens,
die beiderseitigen Titel und den Zeitpunkt der Übergabe der
Renunciationen betreffend; d. d. LoMon 1721 November 81 ip.
Rat. Georgs /. iL cL St James 1^21 Nov. y//^,* Ludwigs XV. d. d.
Paris iy22 Jan. 10.
Die Originale der Garantie (in lateinisclwr Sprache) R. O, , (in fran-
{ösischer Sprache) St.-A.; die Or. der Ratifikationen St.-A. und R,0.; die Or,
der ersten Erklärung St.-A. u, R. O. ; das Or. der {weäen im R. O. ; Kopie im St.-A.
Eine Schwierig keif, die sich nach dem Beitritte Philipps V. j(Nr
Qni7dr/fpe/a//ianj( ergab, betraf die Renunciationserklärung dieses Für-
sten auf die nun im Besitze Österreichs befindlichen ehe fn als spani-
schen Besit{ungen in Italien und in den Niederlanden,^) Österreich
forderte die Bestätigung dieser Ver:{ichtleistung durch die Corte s.^) Die
Spanier aber verweigerten diese und stellten sie auf weiteres Drängen
der kaiserlichen Minister nur für den Fall in Aussicht, dass auch
Karl VL die seine durch alle österreichischen Landtage gutheissett lasse.
Vergebens wies der Wiener Hof auf den Unterschied in der Macht-
befugnis der beiden Körperschaften hin, vergebens suchte er die Re-
gierungen von England und Frankreich ^u energischen Massregeln
gegen Spanien auf\ureiien.^) Die massgebenden Minister der beiden
Mächte hielten die Befürchtung des Kaisers, dass sich aus dieser Wei-
gerung der Spanier in späterer Zeit ein Vorwand ergeben könnte, die
•) Die Renunciationserklärung Philipps V. ist datiert San Loren\o 1720
Juni 22; abgedrt4ckt u. a. bei Dumont VIII j 2, 10g ff,
-) Der Weisung Karls VI. d. d. 1720 Mär{ 27 liegt das Projekt der kai-
serliihen Ratifikation des Beitrittes Spaniens \ur Quadrupel allian\ bei. Der
Kaiser betonte in der Weisung an Hoffmann ^ er bestehe darauf, dass diese Re-
nn nciation in der von ihm vorgeschlagenen Form erfolge,
^) Die englische Regierung entwarf Anfang Mai 1721 eine Garantieer-
klärung an Österreich y die sehr kur\ gefasst war und sich auf die Garantie Eng-
lands dafür beschränkte, dass weder der gegenwärtige König von Spanien noch seine
Nachfolger jemals die Nullität dieser Renunciation aus fier Tatsache herleiten
würden, dass die<ielbc von den Cortes nicht bestätigt worden sei. Beilage {um
Berichte Ho ff man ns d. d, Mai 1721. Hin \weites Konzept der englischen Ga-
rantie, schon etwas weitläufiger, übersendet Hoffmann am 28, Juni 172 1. St.-A,
43Ö >72> ^ep^- 2^-
Renunciation Philipps V, für ungiltig {u erklären, für unbegründef
und es bedurfte langer Verhandlungen bis sie sich am 57. Sept, IJ2I
\ur Ausstellung einer Urkunde bereit fanden , durch die sie die Ga-
rantie dafür übernahmen, dass jene V er Nichtleistung auch ohne feier-
liche Genehmigung derselben durch die Cortes nie gebrochen werden
würde. Allein auch jetyt konnten die Refiunciationsurkunden noch nicht
ausgewechselt werden; ein neues Hindernis war aufgetaucht. Die bei-
den Fürsten hatten sich in den Renunciationserklärungen Titel gegeben,
die sie einander nicht mehr zugestehen wollten ; Karl hatte sich König
von Spanien, Philipp sich Eriher^og von Österreich genannt. Man
einigte sich dahin, eine Urkunde auszustellen y in der beide Fürsten
gegen die unberechtigte Titelführung des anderen Einsprache erhobest
und gegen jedes Präjudi^ protestierten S) Erst dann konnten die be-
treffenden Erklärungen ausgewechselt werden.
Cum in tractatu quadruplicis foederis die 2. Aug./22. Julii
anno 17 18 Londini conclusi et signati pactum conventumque
fuerit, ut sua M**^ O* ex una parte omnibus suis iuribus et
praetensionibus in coronam hispanicam, ex altera vero rex quoque
Hispaniarum iuribus pariter et praetensionibus quibuscunque in
regna, provincias et dominia, quae in Italia et Belgio antehac
ad monarchiam hispanicam pertinuerunt nunc vero a M*® sua
O* possidentur, renunciarent solennesque desuper renuncia-
tionis actus in omni meliori forma expediri eosque in acta
loco congruo referri curarent; instramentum vero renunciationis
ex parte M**** suae catholicae exhibitum, enuncians quidem ac
statuens dictam suam renunciationem vim legis publicae et
sanctionis pragmaticae habituram et ita ab ordinibus regni Hi-
spaniae, quos vulgo „las Cortes" appellant, receptum executioni-
que mandatum iri, in comitiis tamen praefatorum ordinum hac-
tenus acceptatum et confirmatum non fuerit, quod utique rite
et pro more fieri debere a M*^ sua C«* firmiter contenditur; quo
minus igitur istius solennitatis defectus futuro quocunque tem-
*) Der kaiserliche Rrsident Hoffniaun berichtete uieJerholt über diese An-
gelegenheit, und ebenso oft be\iehen sich auf dieselbe die Weisungen des Wiener
Hofes, Vfjrl, überdies die eingehende Instruktion für Konrad Grafen^Starhemberg
d, d. 2. Juli I/2I. St.-A. Dem Berichte Hojpuanus d. d. 1J21 Nov. 21. St-A,
liegen mehrere auf diese Frage be:{ughabende Dokumente bei. Dem Berichte
Hoffmanns d, d, ly. Xnv. i';2J liegt ein Kntwurf dieser lirklirungen bei.
i?2i Sept. :i?. . 4^^
pore in praeiudicium praefatae M^^ suae O*®, pariterque ne defec-
tus solennitatis cuiusvis, quae ad renunciationem M*^^ suae C®**
confirmandam desiderari posset, in praeiudicium M**^ suae C®** in
posterum vertatur, M*®^ suae britannica et christianissima, quo
amicorum communium munus adimpleant scopumque publicae
Europae tranquillitatis firmandae continuo sibi propositum adi-
piscantur, quoque difficultates, quae praedictorum renunciationis
instrumentorum permutationem ac pacem inter M*^'" suam O*"»
et regem Hispaniarum obstruere aut morari quacunque ictione
possent, e medio toUantur, per praesentes sese M**^°^ suis C^'^^
et catholicae earumque successoribus in regnis et provinciis per
praedictas renunciationes vicissim cessis obligant seque erga eas-
dem sponsores ac fideiussores vulgo Garants constiuunt, quod
si approbatio et confirmatio renunciationis M^'^ suae catholicae a
dictis ordinibus regni Hispaniae praestanda, pariterque si solenni-
tates, quae ad maiorem renunciationis C«** confirmationem et auc-
toritatem desiderari possent, non subsequantur, nee M*» sua O*
nee rex Hispaniae nee eorundem haeredes aut successores Ullis
unquam futuris temporibus obtendent obiicere aut allegare nulli-
tatem utriusvis dictarum ex utraque parte renunciationum ra-
tione aut praetextu cuiuspiam formae defectus, disertim autem
respectu renunciationis regis Hispaniarum ex eo, quod a prae-
dictis ordinibus sive las Cortes probata vel confirmata non
fuerit; et si quando id contra omnem expectationem contingeret,
ad firmiorem cautionem promittunt suae M*®" britannica et chri-
stianissima, quod tum praesens haec guarantia erga Romanorum
imperatorem et regem Hispaniarum cuiuscunque rei, quae ad
perfectionem dictarum renunciationum desiderari poterit, et spe-
ciatim delicientis ordinum Hispaniae approbationis vicem teuere,
isteque et quilibet alius dictarum ex utraque parte renunciatio-
num defectus per dictam guarantiam suppleri et pro suppleto ha-
beri debeat, obligantes se vigore praesentium coniunctim et se-
paratim, prout etiam iuxta tenorem quadruplicis foederis obstrictos
se agnoscunt, quod in eum casum manutenere, defendere et gua-
rantigiare velint et debeant suas M^«« C®*"^ et catholicam earumque
haeredes ac in regnis et dominus sibi invicem cessis successores
contra x^mnem vim et turbationem, quam ipsae earumve succes-
sores sub praefato nullitatis aut alicuius in dictis renunciationibus
defectus praetextu sibi alter utrinque inferre aut moliri futuris
quandocunque temporibus possent aut tentarent. Praesens hoc
43 ö 1721 Sept. 27.
guarantiae instrumentum in maius robur a sua regia M*® Magnae-
Britanniae et a sua regia M^ christianissima ratihabitionibus
suis rite confumabitur ratihabitionumque tabulae eodem tem-
pore, quo renunciationum instrumenta suae C^^ M*»» et suae
regiae catholicae M*** Londini commutabuntur, ministris ibidem
caesareo et regis catholici extradentur.
In cuius rei fidem nos infrascripti suae regiae M*^ Ma-
gnae-Britanniae et suae regiae M*»» christianissimae ministri suf-
ficientibus ad id mandatis muniti instrumentum hoc duplex sub-
scripsimus ac sigillis nostris communivimus. Actum Lutetiae
Parisiorum die vigesimo septimo mensis Septembris, anno mil-
lesimo septingentesimo vigesimo primo.
L. S. Rob. Sutton. L. S. W. Blanc.
Quum titulorum aliqui, quibus sacra O* M^^ ^t sacra M^»
catholica in renunciationum suarum instrumentis hodie mutuo
commutatis utuntur, per partes paciscentes agnosci haud possint
et de quorum admissione aut ommissione nondum inter easdem
conventum sit, nos infrascripti ministri speciali dictarum M*°™
mandato instructi earundem nomine declaramus, quod dicti tituli
in renunciationum instrumentis utrinque adhibiti vim nullam
obtinebunt, qua uni alten ve praeiudicare aut ius uUum adiicere
intendatur.
In quorum fidem nos infrascripti ministri praesens hocce
declarationis instrumentum subscripsimus et sigillis nostris com-
munivimus. Actum Londini die octavo/decimo nono Novembris,
anno millesimo septingentesimo vicesimo primo.
L. S. Johannes Philippus Hoffman. L. S. Marq. del Pozo Bueno.
Quum nos infrascripti sacrae suae O**^ M**** et sacrae suae M**«
catholicae ministri plenipotentiarii instrumentum quoddam mu-
tuarum renunciationum suarum M*""* nomine hodie commuta-
verimus, cuius instrumenti bina exemplaria, quae ab utroque
nostrum uni alterique ministrorum mediatorum regum rite tradi
debuerant, ad manus nostras nondum pervenerunt, spondemus
nos supradicta renunciationum exemplaria alte memoratis re-
gum mediatorum ministris exhibituros ad summum intra du-
orum mensium spatium a die subscriptionis computandorum,
aut citius si fieri potest.
1724 Jan. 24. 4^3
In quonim fidem praesens hocce instrumentum subscrip-
simus et sigillis nostris communivimus. Actum Londini die
octavo/decimo nono Novembris, anno domini millesimo septin-
gentesimo vicesimo primo.
L. S. Johannes Philippus Hoffman. L. S. Marq. del Pozo Bueno.
24.
Englische und französische Garantie der von Karl VI, gege-
benen Erklärungen bezüglich der Succession in Parma, Piacen^a
und Tosciina d. d, Cambray 1724 Jan, 24,
Rat. Georgs I. d, d. St James IJ24 Jan, 2ß\Febr. 2,
Rat. Ludwigs XV, d, d, Versailles IJ24 Jan. 28,
Das Original des englisch-französischen Vertrages im R, O, Die Originale
der Ratifikationen Georgs I, und Ludwigs XV, im St,-A,^)
Druck' bei Bittner Nr. 74^,
Die grössten Schwierigkeiten bei der Diirchfuhning der Bestim-
mungen der Quadrupelalliani bereitete die Ordnung der Thronfolge in
Parma, Piacen^a und Toscana,^), Nach den Verfügungen, die in diesem
Vertrage ^um Ausdrucke gelangten, sollten die ^u Gunsten der Söhne
Elisabeth Farnese's lautenden Expectativen vom Kaiser :(wei Monate
nach Auswechslung der Ratifikationen dem spanischen Könige übergeben
werden. Da aber die erhoffte Gutheissung der Vertragsbestimmungen
durch Philipp V, ausblieb, konnten die vermittelnden Mächte den Kaiser
{ur Durchführung des gegebenen Versprechens nicht nötigen, und dieser
:{eigte durchaus keine Neigung, eine seinen Interessen widersprechende
Ordnung dieser Frage ^{u^ulassen, sondern suchte die ablehnende Hal-
tung Spaniens :{ii benutzen, um die Verfügungen der Quadrupelall ian{
^// seinen Gunsten um^ustosscn. Wir hatten bereits Gelegenheit ^i
beobachten, mit welchem Eifer die vermittelnden Mächte diese Bestre-
') Die Aufnahme dieser von Frankreich und England an Österreich aus-
gestellten Garantie in die vorliegende Publikation erfolgte im Hinblicke auf den
Zusammenhang derselben mit der Quadrupelallian\. Das Or, des 3{wischen Eng-
land und Frankreich geschlossenen Vertrages liegt u, a, im R, O,, doch rourde
als Vorlage für den Abdruck das im St,-A, befindliclie Or, der Österreich über-
gebenen englischen Ratifikationsurkunde gewählt, weil diese die ^^ischen Österreich
und England getroffenen Abmachungen repräsentiert,
*) Vgl, für diese Fragen und für die Haltung der bei der Ordnung der-
selben beteiligten Mächte die Ausführungen bei Baudrillart Lc. IL 4^2 ff, und
IIL ^8 ff.; Weber l. c. 118 ff.
Österreichisch-englische Staats vertrage. Bd. I. sS
434 '7M -Jan. 24.
bungen des Wiener Hofes {u durchkreuzen bemüht waren, und wie
energisch sie die spanischen Interessen dem Kaiser gegenüber in der
langen Zeit ^u vertreten verstanden, die bis ^um Beitritte Spaniens i^ur
Quadrupelallian{ im Februar IJ20 verstrich. Immer wieder hatten
sie den Kaiser j^ur Prolongation des Termines ge^nngen^ nach dessen
Ablau/ die anderweitige Verleihung der Expectativen erfolgen sollte,
und es auf diese Weise ^u verhindern gewusst, dass die Söhne der
spanischen Königin ihres Anrechtes auf diese Besitzungen verlustig
erklärt wurden. Aber auch nach erfolgtem Beitritte Spaniens {ur Qua-
drupelallianz ergaben sich bei der Erledigung der italienischen Erbfolge-
frage Hindernisse, die ^u überwinden sehr schwer fiel und die j[wr Folge
hatten, dass man die definitive Ordnung dieser Angelegenheit auf die Ta-
gesordnung des Kongresses setzte, der im Okt, IJ20 in Cambray eröffnet
werden sollte. Allein die Jahre 1J20 und IJ21 verflossen, ohne dass
dies geschehen wäre und unterdess trat ein Wechsel in den Beziehungen
der europäischen Grossmächte ein, der die Aussichten des Kaisers auf
eine entsprechende Berücksichtigung seiner Wünsche merklich vermin-
derte. Ganz besonders nachteilig war es für die Wiener Regierung,
dass die Beziehungen des englischen Hofes z^im Kaiser sich in diesen
Jahren wesentlich {w dessen Ungunsten verschoben hatten.
Es wurde in der Umgebung Karls VI. bitter empfunden, dass
der englische Gesandte das dem Kaiserhofe genehme savoyische Heirats-
projekt zu durchkreuzen wussie, dass England im Kampfe ;[zr/5rÄ^«
dem Prinzen Eugen und dem Grafen Althann sich auf die Seite des
ersteren stellte, dass es an den Repressalien teilnahm, die gegen die Ka-
tholiken im Reiche ergriffen wurden. Dazu kam der Tod Stanhope*s
und die Ersetzung desselben durch Männer, die auf' die Erhaltung guter
Beziehungen ^« Österreich geringeres Gewicht legten. Dieser Wechsel
in den Anschauungen, der in Frankreich nicht minder deutlich hervor-
trat als in England, führte im Juni IJ2I ^«/;/ Abschlüsse einer englisch-
französisch-spanischen Allianz, in der sich Frankreich und England u. a,
bereit erklärten, die spanischen Wünsche auf dem Kongresse z^i Cambray
ZU unterstützen und — //;/ strikten Widerspruche mit den Bestimmungen
der Quadrupelallian{ — g^g^n, eine Änderung in der Beiehnuug von
Parma, Piacenza und loscana keine Einsprache z^i erheben, sowie die
Einlegung spanischer Garnisonen in diese Gebiete {u gestatten. ^) Welch
empfindlicher Schlag dieses Bündnis für den Kaiser war, ist klar.
') Vgl. Baudrillart /. c. IL 4^2 ff. ; der Vertrag d. d. Madrid lyai Juni i^
ist u. a. abgedruckt hei Jenkinson /. c, II. a68 ff.
i?24 ian. 24. 4^5
Spayiietiy das bisher isoliert den europäischen Grossmächten gegenüber-
gestanden, war nun der Bundesgenosse der beiden einflussreichsten eu-
ropäischen Mächte und diese hatten sich ^u Änderungen der Qua-
drupelallian^ verstanden, deren Durchführung Österreich aufs tiefste
verletzen inusste. Der Kaiser erfuhr allerdings vorerst von diesem Ver-
trage nichts ; wohl aber von dem englisch-spanischen Vertrage, durch
den die strittige Frage bezüglich Gibraltars gelöst wurde.^) Und bald
darauf langte die Nachricht von einer geplanten Wechselheirat :{wischen
den beiden Linien des Hauses Bourbon ein, die deutlich erkennen Hess,
wie sehr sich die Verhältnisse ^m Ungunsten der Wiener Regierung
geändert hatten. Um sich Klarheit ^u verschaffen, forderte Karl VI.
den Beginn der Kongressverhandlungen ; doch konnte er dies auch jet^t
nicht durchset:{pi. Das Jahr IT 22 verstrich unter fortgeset:{ten Be-
mühungen der vermittelnden Mächte den Wiederausbruch des österrei-
chisch-spanischen Krieges ^u verhindern. In der Tat gelang es ihnen
die beiden Fürsten ^u der Erklärung ^u vermögen, dass ihre Rüstungen
nicht gegen die Bestimmungen der Quadrupelalliani gerichtet seien, und
der Wiener Hof entschloss sich im Herbste 1J22 auf vielfaches Drän-
gen St. Saphorins, der eine Erklärung Philipps V. vorwies, kraft der
dieser auf den Aufenthalt des Don Carlos in Italien vorläufig vernichtete,
^u der schriftlichen Äusserung, dass der Kaiser dem Regierungsantritte
dieses Prinzen für den Fall keine Schwierigkeit in den Weg legen
wolle, als während der Dauer des Kongresses einet der ^m beerbenden
italienischen Fürsten sterben sollte.^)
Bald darauf forderte die englische Regierung, um sich vor un-
angenehmen Enttäuschungen ^u schütten, dass Karl VI. vor dem Zu-
sammentritte des Kongresses die Expectativen für Don Karlos ausstelle,
und die Wiener Regierung sah sich ^ur Nachgiebigkeit genötigt, da
die Erklärungen der Engländer und Franzosen erkennen Hessen, dass
diese sich nur unier dieser Bedingung ^ur Garantie der italienischen Be-
sit:{ungen als männlicher Reichslehen verpflichten würden. Am ). Jan.
172^ setzte die geheime Konferenz den Text der Expectativen fest.
Einige Stellen erregten bei England und Spanien Anstoss. Neue Ver-
handlungen fanden statt ; im Mai nahm Österreich einen Teil der von
beiden Mächten gewünschten Änderungen vor. Aber erst nach neuen
') Der Vertrag d. d. Madrid 17 21 Juni i^ n. st. ist u. a. abgedruckt bei
Jenkinson /. <. //. 264 ff.
*) Kopien dieser Erklärungen, jene Spaniens von GrimaUi am 26 • Sept.
1722 ausgestellt, befinden sich im St.-A. als Beilagen der Weisung an den
Grafen Starhemberg d. d. ^o, Nov. 1722.
28»
436 »7«4 Jan. 24.
langwierigen Verhandlungen konnte im Nov, 172 j das entsprechend sti-
lisierte Dokument übergeben werden. Bald darauf — am 24. Januar 1724
— unterzeichneten die vermittelnden Mächte {u Cambray den im nach'
folgenden abgedruckten Vertrag y durch den sie die Garantie für die
Einhaltung der von beiden Staaten eingegangenen Verpflichtungen über--
nahmen.
Georgius dei gratia Magnae-Britanniae , Franciae et Hi-
berniae rex, fidei defensor, dux Brunsvicensis et Luneburgensis,
sacri Romani imperii archithesaurarius et princeps elector etc.
Omnibus et singulis ad quos praesentes hae litterae pervenirent
salutem. Quandoquidem instrumentum quoddam guarantiae
Romanorum imperatori praestandae inter nos et bonum fratrem
nostrum regem christianissimum per ministros plenipotentiarios
utrinque mandatis et authoritate sufficienter munitos Cameraco
die vigesimo quarto mensis praesentis Januarii stili novi con-
clusum signatumque fuerit, forma et verbis quae sequuntur:
Postquam in tractatu quadruplicis foederis die secunda Au-
gusti anni millesimi septingentesimi decimi octavi Londini sub-
scripti ac deinde Hagae Comitum die decimo sexto Februarii
anno millesimo septingentesimo vicesimo a rege catholico so-
lemni ratificatione sua acceptati iuxta tenorem articuli quinti
conditionum pacis inter imperatorem et regem catholicum com-
muni omnium paciscentium consensu pactum defmitumque fuerit,
ut Status ceu ducatus a magno duce Hetruriae Parmaeque ac
Placentiae duce modo possessi futuris in perpetuum tempori-
bus ab Omnibus partibus contractantibus agnoscantur et habe-
antur pro indubitatis sacri Romani imperii feudis masculinis,
ac vicissim sua W^^ C^ per se ceu caput imperii consenserit
ut, si quando casus aperturae dictorum ducatuum ob deficien-
tiam haeredum masculorum contingat, tunc praesentis serenis-
simae et potentissimae Hispaniarum reginae natae ducissae Par-
mensis filius primogenitus, Serenissimus Carolus Hispaniarum in-
fans huiusque descendentes masculi ex legitimo matrimonio nati
iisque deficientibus secundogenitus aut alii postgeniti eiusdem
reginae filii, si qui nascentur, pariter una cum eorum posteris
masculis ex legitimo matrimonio natis in omnibus dictis pro-
vinciis succedant, eumque in finem sua O* M**^ obtento im-
perii consensu litteras expectativae investituram eventualem con-
1724 Jsn« 24. ^3y
tinentes pro dictae^) reginae filio vel filiis eorumque descen-
dentibus masculis legitimis in debita forma expeditas regi ca-
tholico tradi curaret; ita nunc in executionem et complementum
dicti foederis a sua O* M*® realiter id praestitum ac tale de-
super infeudationis instrumentum in debita forma regibus me-
diatoribus hodie extraditum ab iisque regi catholico transmis-
sum fuit, cuiusque tenor hie sequitur:
Carolus sextus^) etc. Agnoscimus et notum facimus tenore
praesentium universis, quod cum tanto sollicitudinis studio ad
nunc promovendum, qui Cameraci pendere noscitur, congres-
sum festinemus quanto amore pacis tractatui quadruplicis foe-
deris die secunda Augusti anno millesimo septingentesimo de-
cimo octavo inito et subscripto accessimus, et cum in eins ar-
ticulo quinto conventum fuerit, quod ad pristina superioritatis
imperialis iura Status ceu ducatus a duce Hetruriae Parmaeque
ac Placentiae duce modo possessi futuris in perpetuum tempo-
ribus ab Omnibus partibus contractantibus agnoscantur et ha-
beantur pro indubitatis sacri Romani imperii feudis masculinis,
et nos quantum in nobis erat ceu caput imperii insuper con-
senserimus, ut si quando casus aperturae dictorum ducatuum
ob deficientiam haeredum masculorum contingat, tunc praesen-
tis serenissimae et potentissimae principis dominae Elizabethae
Hispaniarum reginae natae ducissae Parmae et Placentiae filius
primogenitus, Serenissimus Carolus Hispaniarum infans, consan-
guineus et princeps noster charissimus huiusque descendentes
masculi ex legitimo matrimonio nati iisque deficientibus se-
cundogenitus aut alii postgeniti dictae reginae filii, si qui nas-
centur, pariter una cum eorum posteris masculis ex legitimo
matrimonio natis in Omnibus dictis provinciis succedant, et quod
nos solitum Romani imperii consensum desuper requisituri eo
obtento litteras expectativae investituram eventualem continen-
tes pro dictae reginae filio vel filiis eorumque descendentibus
masculis legitimis in debita forma expediri easque regi catholico
tradi curabimus absque ullo tamen damno aut praeiudicio sal-
vaque per omnia principum, qui dictos ducatus in praesens ob-
tinent, possessione. Et post nunc exhibitum nobis sacri imperii
Romano-germanici consensum, cum res in eo sit, ut si nobis
*) Der im R. O. befindlicJte Originalvertrag hat dicto.
•) Im Or. der grosse litel.
438 17*4 Jan* 24.
nostrisque successoribus Romanorum imperatoribus ac legibus
legitime intrantibus dictoque Romano imperio praefatus prin-
ceps Carolus caeterique eins descendentes aut ipsius fratres et
eorum masculi antedicti omnia et singula debite faciant et prae-
stent, quaecumque fideles obedientesque principes et vassallos
italicos de iure aut consuetudine ex antiquis feudonim rationi-
bus sub throno imperiali constanter et per omnia praestare et
fecere decet, nos in conformitate praenominati integri articuli
quinti et non aliter atque in sinceram eiusdem executionem
gratiae expectativae investituram eventualem continentis iuxta
rithum ac stilum caesareum solitum diploma imperiale ea qua
conventum est lege, modo ac forma eidem principi Carolo
concedere et elargiri possimus ac debeamus; proinde ex certa
nostra scientia, animo bene deliberato ac sano accedente
consilio deque C«*« nostrae M*" potestate, nostro nostroruni-
que in diademate imperiali legitimorum successorum Ro-
manorum imperatorum ac regum nomine praefato principi
Carolo eiusque descendentibus necnon ex dicta Hispaniarum
regina fratribus eorumque posteris uti supra legitime natis
aut nascituris masculis harum vigore litterarum benigne con-
cesserimus et hoc decreto ac diplomate imperiali expectati-
vam vim ac robur eventualis investiturae continentem clemen-
ter elargiti simus, eundemque principem Carolum pro se suis-
que successoribus masculis legitimo ex matrimonio descenden-
tibus necnon pro omnibus et singulis supra recensitis ipsius
fratribus et eorum masculis ex legitimo matrimonio natis aut
nascituris praetactis de ducatibus aut statibus tanquam veris
feudis imperialibus italicis masculinis memoratum in eventum
aperturae et caducitatis, quo scilicet praesentes ex domo Medicea
ac Farnesia possessores sine prole legitima naturali mascula suc-
cessionis capace vivere desierint, de caesareae nostrae potestatis
plenitudine iuxta expressum legeque imperiali receptum ordinem
primogeniturae eventualiter infeudaverimus atque investiverimus,
quemadmodum tenore praesentium hocce decreto et diplomate
nostro imperiali vim eventualis investiturae habente de iure, lege
aut consuetudine imperiali eundem principem Carolum de prae-
dictis Hetruriae, Parmae Placentiaeque ducatibus ceu statibus
omnibusque ipsis competentibus iuribus et pentinentiis ab ho-
rum ducatuum dominis tempore praefati foederis Londini sub-
scripti realiter possessis infeudamus ac investimus. Cuius infeu-
1724 Jan. 24. 439
dationis virtute idem hie princeps Carolus in casu ut supra
aperturae dictorum ducatuum ceu statuum immediate posses-
sionem omnimodam et administrationem asserere sibi et con-
sequi poterit, nempe ducatuum ceu statuum nunc a magno He-
truriae duce possessorum statim ac proles dicti ducis mascula
legitima, et ducatuum ceu statuum a Pannae Placentiaeque duce
nunc possessorum statim ac proles Famesia mascula legitima
defecerint, nostris caeteroqui et sacri imperii necnon alionim
quibuscunque iuribus semper salvis, ac nominatim hac diserta
sub conditione, ut in casu existentis realiter aperturae et quo-
ties deinceps ille casus evenerit actualem et proprie sie dictam
investituram a nobis nostrisque successoribus Romanorum im-
peratoribus et regibus memoratus princeps caeterique ut supra
ipsimet aut per legitimos post dispensationem imperialem va-
lidos et sufticientes mandatarios tempore, loco stiloque consuetis
requirere, debitum homagium facere ac praestitis quibuscunque
penes consilium ac cancellariam nostram imperialem aulicam
praestandis coram throno nostro caesareo recipere et solitum
desuper fidelitatis iusiurandum praestare teneatur teneanturque,
prout in feudis ac homagiis italicis recepti caesarii Romano-
germanici iuris et moris est, secus vero in conformitate eius-
dem totius articuli quinti foederis Londinensis hisce disertim et
sub conditione sine qua non declarantes, nos et sacrum im-
perium ad permittendam continuationem possessionis nomina-
torum ducatuum seu statuum teneri nee velle nee posse, salvo
porro, ut praefertur et dieto in foedere cavetur, principum prae-
sentium ac ducatuum Hetruriae, Parmae ac Placentiae posses-
sorum omnimodo iure insuper et reliqua huiusdem articuli quinti
stipulatione per omnia et semper salva, quod nempe nullus
praedictorum ducatuum ceu statuum uUo unquam tempore aut
casu a principe, qui regnum Hispaniarum obtinet, possideri pos-
sit aut debeat, et quod nullus unquam Hispaniarum rex tutelam
eiusmodi principis assumere possit aut gerere valeat
Ac propterea mandamus et praecipimus omnibus et sin-
gulis nostris et imperii sacri electoribus ac principibus tam ec-
clesiasticis quam saecularibus, archiepiscopis, episcopis, abbati-
bus, ducibus, marchionibus, comitibus, baronibus, militibus, no-
bilibus, clientibus, capitaneis, vicedominis, locumtenentibus, gu-
bematoribus, praesidentibus, praefectis, castellanis, rectoribus,
magistratibus, antianis, vexilliferis , potestatibus, civium magi-
440 '724 Jan. 24.
stris, consulibus, iudicibus ac generaliter omnibus nostris ac sacri
Romani imperii regnorum ac provinciarum nostrarum haere-
ditariarum subditis et fidelibus dilectis cuiuscunque Status, gra-
dus, ordinis, dignitatis aut praeeminentiae fuerint, ut saepe no-
minatum principem Carolum vel eius successores et haeredes
aut ex praedicta regina fratres ut supra quoad hanc conces-
sionem et gratiam nostram imperialem nullatenus impediant vel
turbent, sed potius defendant ac manuteneant, idque etiam ab
aliis quantum in ipsis erit fieri studeant ac curent, nee turbari
aut impediri sinant
Si quis vero praesens edictum hoc nostrum ac diploma
imperiale ausu quodam temerario transgredi vel violare prae-
sumpserit, is praeter gravissimam nostram et sacri Romani im-
perii indignationem mulctam quoque quadragintarum marcarum
auri puri pro dimidio fisco ceu aerario nostro imperiali et pro
altero dimidio iniuriam vel damnum passi usibus^), toties quoties
in contrarium quidquam attentatum factumque fuerit, irremissi-
biliter pendendam noverit harum testimonio litterarum manu
nostra subscriptarum et sigilli nostri caesarei appensione muni-
tarum, quae dabantur in civitate nostra Viennae nona Decem-
bris, anno millesimo septingentesimo vigesimo tertio, regnorum
nostrorum Romani decimo tertio, hispanicorum vigesimo primo,
hungarici et bohemici pariter decimo tertio.
Carolus.
Ad mandatum sacrae O*« M*^« proprium Philippus
Wildericus N. D. de Georgenthal.
Agnoscentes igitur reges mediatores imperatorem praefato
quadruplicis foederis tractatui sua ex parte quoad expeditionem
exhibitionemque praeinsertarum expectativae litterarum satis-
fecisse, ita vicissim erga suam O^'" M^^m ^q^q h^^ speciali sua
guarantia obstringunt, omnes et singulas in praeinsertis litteris
infeudationis expressas conditiones a serenissimo Hispaniarum
principe Carolo saepefatae reginae filio eiusque in feuda prae-
dicta nominatis successoribus rehgiose adimpleri debere, ac
praesertim quod in casu existentis realiter aperturae et quoties
deinceps ille casus evenerit ad summum intra annum et diem
ab adepta possessione actualem ac proprie sie dictam investi-
turam a sua O* M** eiusque in imperio successoribus memo-
*) So in den Or, der engl, und fran\, Garantie, wohl für patientibus.
1724 Jan- 24- 441
ratus princeps caeterique ut supra ipsimet aut per sufficientes
post imperialem dispensationem mandatarios coram throno im-
periali praestitis praestandis recipere ac solitum -desuper fideli-
tatis iusiurandum praestare teneatur teneanturque.
Proinde sua regia M*** britamiica et sua regia M*** chri-
stianissima coniunctim et separatim pro se suisque in regijo
successoribus particulari hac guarantia et sponsione promittunt,
prout iuxta tenorem supramemorati quadruplicis foederis sese
iam obligatas agnoscunt, se impletionem omnium singularum-
que praeinsertae infeudationis conditionum, dum casus evenerit,
serio manutenere et feudum caesari et imperio supra praefatos
ducatus constitutum illibatum conservare et deflfendere velle
ac debere.
Praesens hoc guarantiae instrumentum in maius robur a
sua regia M*« britannica et a sua regia M*« christianissima rati-
habitionibus suis rite confirmabitur ratihabitionumque tabulae
intra spatium quatuor septimanarum a die subscriptionis aut
citius si fieri possit suae C«*® M*^» ministris plenipotentiarüs Ca-
meraci extradentur.
In cuius rei fidem nos infrascripti suae regiae M*^ Ma-
gnae-Britaniae ministri plenipotentiarii et suae regiae M*^« chri-
stianissimae ministri plenipotentiarii sufficientibus ad id man-
datis muniti instrumentum hoc duplex subscripsimus ac sigillis
nostris communivimus.
Actum Cameraco, die vigesima quarta mensis Januarii s.n.,^)
anno millesimo septingentesimo vigesimo quarto.
L. S. Polwarth. L. S. De Barberie de Saint Contesf
L. S. Whitworth. L. S. Rottembourg.
Nos viso et perpenso instrumento guarantiae suprascripto
idem in omnibus et singulis eins articulis et clausulis appro-
bavimus et ratum firmumque habuimus, sicut per praesentes
pro nobis, haeredibus et successoribus nostris idem approba-
mus et ratum firmumque habemus, spondentes et in verbo regio
promittentes, nos praedictum instrumentum guarantiae omnia-
que et singula, quae in eo continentur, sancte atque inviola-
biliter praestituros et observaturos neque passuros unquanii
quantum in nobis est, ut a quopiam violetur aut ut eidem quo-
cunque modo in contrarium eatur. In quorum .maiorem fidem
>) 5. N, nachgetragen.
442 ^Ti'7 Mai 31.
ac robur hisce praesentibus manu nostra regia signatis magnum
nostrum Magnae-Britanniae sigilliim appendi iussimus. Daban-
tur in palatio nostro divi Jakobi die vicesimo tertio s. v. men-
sis Januariii anno domini millesimo septingentesimo vigesimo
tertio/quarto, regni nostri decimo.
Georgias R.
25.
Friedenspräliminarien i(wischen Karl VI,, Georg IL, Lud-
wig XV von Frankreich und den Generalstaaten der Ver-
einigten Niederlande d, d, Paris 172^ Mai ji.
Rat. Georgs IL St. James ijay Juni jo.lJuli 11 ; Karls VI. Wien ijij
Juli 12.
ferner 26.
Erklärung Bournonville's d. d. Wien Juni ij.
und 27.
Konvention {wischen Karl VI, Georg IL, Ludwig XV von
Frankreich, Philipp V von Spanien und den Generalstaaten,
betreffend die Auswechslung der Ratifikationen über die Fric-
de}ispräliminarien d. d. Paris iy2y Mai }i und Wien Juni /j
d. d. Prado iy28 Mär^ 6.
Die Originale der Urkunden 2y und 27 im St.-A. u. R. O. Das Or. der
Ratifikation der Friedenspräliminarien durch Georg IL im Sf.-A. ; durch Karl VI.
im R. O.
Drucke bei Hittner Nr. yyö und 780,
Wir kennen die überaus drückenden Bedingungen, unter denen die
Seemächte dem Kaiser Karl VI. den Besit{ der spanischen Niederlande
überlassen haben. Wir wissen, dass die Bewohner dieses Landes einen
guten Teil der Kosten tragen mussten, die ^ur Erhaltung der in bel-
gische Festungen gelegten holländischen Garnisonen notwendig waren,
dass sie für die vom Kaiser übernommene grosse Staatsschuld aufytkom-
men hatten. Wir haben auch vernommen, dass Karl VI, den Seemächten
die wichtigen Handelsvorteile bestätigen musste, die diese in früheren
Zeiten errungen hatten und konnten beobachten, wie konsequent ins-
besondere die Holländer die belgischen Städte durch eine feindselige
Zollpolitik ^u schädigen suchten. Kein \\under , dass unter solchen
1727 Mai 31. 443
Ufnständen die Stimmung der neuen kaiserlichen Untertanen eine ge-
drückte war. Karl VL begriff dies und hatte keinen sehnlicheren
Wunsch als den, die fleissigen und unternehmungslustigen Bewohner der
belgischen Städte für die grossen Opfer ^u entschädigen, die ihnen auf-
erlegt worden waren. Eine Gelegenheit da^u bot sich bald. Einige in Bei-
gien ansässige englische Kapitalisten, denen sich brabantische und flan-
drische Kaufleute anschlössen, fassten die Idee, von Ostende aus, dessen
Hafen da^u besonders geeignet schien, selbständige Handelsbeziehungen
mit Ostindien anzuknüpfen, und suchten die Genehmigung Karls VL
für dieses weitausschauende Unternehmen z^i erlangen. Mit Freuden
gieng der Kaiser auf ihren Plan ein. Wie die meisten seiner Zeit-
genossen hatte auch er eine ungemein hohe Meinung von dem Werte
des Handels, und das Beispiel des Kurfürsten Friedrich Wilhelm von
Brandenburg, das näher liegende Peters des Grossen von Russland, vor
allem aber das Englands und Hollands, reifte ^^r Nachahmung, Auch
waren in Wien die Ratschläge nicht vergessen, die vor mehr als einem
halben Jahrhunderte Johann Joachim Becher und etwas später Homigk
gegeben hatten und die seitdem ununterbrochen wiederholt worden waren,
dass es kein geeigneteres Mitte gebe, die Völker reicher und dadurch
fähiger T^ur Leistung hoher Abgaben !{u machen, als die Hebung der
Lndustrie und des Handels. Diese aber hoffte man durch sirenge
Ausfuhrverbote für Naturprodukte , die im Lnland verarbeitet werden
konnten und durch strenge Einfuhrverbote für im Ausland erzeugte
Waren, deren Herstellung auch im Lnlande möglich war, sowie durch
Erleichterung der Ausfuhr der im Lnlande erzeugten Waren und der
Einfuhr hier {u verarbeitender Naturprodukte {u erreichen. Es war
nur eine notwendige Folge dieser Erkenntnis, dass man ^ur Errichtung
von Handelskompagnien schritt, die den direkten Verkehr mit den aus-
sereuropäischen Gebieten, den günstigen Absat:^ der inländischen Er-
zeugnisse und den billigen Einkauf der fremdländischen Naturprodukte
übernehmen sollten. Ln diesem Sinne war in Österreich die orientalische
Kompagnie gegründet worden, hatte Karl VL, Trlest j^um Freihafen
gemacht und für dessen Aufschwung keine Mühe und keine Kosten
gescheut ; in diesem Sinne griff er nun den Plan der belgischen Kauf-
leute, von Ostende aus einen mit England und Holland konkurrenz-
fähigen Handel ^u schaff en^ mit Freuden auf. Er gab nicht nur seine
Einwilligung ^// dem geplanten Unternehmen, er wies auch die Be-
hörden an, dasselbe in jeder möglichen Weise ^« fördern und ge^
stattete den belgischen Schiffen die Fahrt nach dem fernen Osten unter
444 ^T^*^ ^^^ 3'-
kaiserlicher Flagge an:{utretenS) Der Erfolg der ersten Expedition über-
traf bereits alle Erwartungen; begreiflich daher, dass sich alsbald die
Feindseligkeit der Seemächte einstellte. Die ostendischen Kanffahrer
wurden gekapert, den in der Ferne weilenden Händlern jede mögliche
Lnbill zugefügt. Zu gleicher Zeit erhoben die Seemächte beim Kaiser
Protest gegen sein Vorgehen, Speziell die englische Regierung antwortete
auf die Beschwerden der belgischen Kanfleute über das ihnen angetane
Leid mit Klagen über die von der belgischen Regierung befolgte Politik
und protestierte energisch gegen das Engagement englischer Kapitäne,
wie gegen die Verleihung von Patenten an in Belgien lebende englische
Kaufleute, die den Engländern unerlaubte Konkurrent machten.
Karl VI,, dem in jener Zeit, Ende 1718, aus Gründen die wir bereits
kennen, sehr viel an der Anfrechthaltung guter Be^^iehungen {u Eng-
land gelegen war, gab in London beruhigende Erklärungen ab und der
Marquis de Priel, des Kaisers bevollmächtigter Minister in Brüssel,
verbot auf wiederholtes Ansuchen des daselbst weilenden englischen Ge-
sandtest jenen Schiffen Ostende j(u verlassen, durch deren Ausfahrt die
Engländer sich besonders geschädigt hielten. Bald darauf gieng er
einen Schritt weiter ; er weigerte, nach erfolgter Einigung mit dem
Vertreter Englands, englischen Kaufleuten, die um ihre Naturalisation
in Belgien einkamen, die Aufnahme in den Staatsverband, wogegen
England sich verpflichtete, den bereits Naturalisierten keine Unbill yju-
^ifügen. Vergebens erhoben die Belgier gegen das Vorgehen des kai-
serlichen Ministers Einsprache bei Karl VL; vergebens unterstützte
Prin^ Eugen ihre Bitten um Wahrung ihrer Interessen ; de Pric be-
hielt vorerst Recht,
Allein nun traf ein, was Prin{ Eugen und mit ihm alle weit-
sichtigeren Ratgeber Karls VI, vorausgesagt hatten. Die Nachgiebig-
keit des Kaisers und seines Statthalters in Belgien ermutigte die Eng-
länder neue Forderungen ^u stellen. In ihrem Namen überreichte F.
de Pesmes de Saint Sciphorin, der geschickte Vertreter der englischen
Interessen am Wiener Hofe, im Februar i/i<) dem Kaiser ein Me-
morandum, nach dem dieser das bestimmte Versprechen geben sollte,
in Zukunft keine Patente {u erteilen, die Englands Handel in Ost-
indien schädigen könnten.^) Und auch diesmal wies der Kaiser die
') Vgl, für diese Frage Iluisman M. La Belfriquc commcrcialc saus
V empertur Charles VI. La cumpaguie d' Ostende und die dort \itierte Li-
teratur.
») Für Saphorins Verhandlungen in Wien liegen mir dessen Berichte
vor ; vgl, auch Huisman l, c, 121 ff.
1727 Mai 31. 4^5
unsfebührliche Forderung nicht zurück, suchte vielmehr auch jet^t die
englische Regierung {ufriedenj^ustellen. Neue Wünsche der Seemächte
und verstärkte Quälereien der belgische^i Kaufleute durch englische und
holländische Schiffe waren die Folge. Erst jet^t begann Karl VI, eintau-
schen, wie verfehlt seine Politik gewesen war ; denn die politischen Be-
ziehungen {u England gestalteten sich trot^ der Nachgiebigkeit, die er
in der Handelsfrage gezeigt hatte, nicht günstiger, Englands Vorgehen
bewies vielmehr immer deutlicher, dass es für eine selbstlose Unterstüt-
zung der kaiserlichen Wünsche nicht ^u gewinnen war, Karl VI, bekam
immer deutlichere Beweise der egoistischen Motive, von denen sich die
leitenden Minister des Inselvolkes bestimmen Hessen, Er entschloss sich
daher, gegen die immer erneuerten und verstärkten Angriffe der See-
mächte auf die belgischen Schiffe ^u protestieren und Hess es, als diese
Proteste erfolglos blieben, an Repressalien nicht fehlen,^) Bald darauf
gieng er einen Schritt weiter ; er entschloss sich die ostendische Handels-
compagnie unter seinen direkten Schut^ {u stellen. Im Nov. 1^22 wurden
die Statuten der neuen ostendischen Handelsgesellschaft vom Kaiser ge-
nehmigt, und im August 172^ war das Werk nach Überwindung mancher
Schwierigkeit vollendet.^) Die Gesellschaft erhielt für ßo Jahre das aus-
schliessliche Recht des Handels nach Ost- und Westindien und nach den
afrikanischen Küsten diesseits und jenseits des Kaps der guten Hoffnung,
hatte volle Freiheit der Verwaltung und das Recht des Vertragsschlusses
in den überseeischen Ländern ; ihre Schiffe sollten Flagge und Wappen
des Kaisers führen, der gegen eine bescheidene Abgabe die Gesellschaft
formell in seinen Sehnt { nahm. Die Aktien waren rasch gezeichnet;
sie stiegen innerhalb weniger Tage um 12^%, Die Käufer derselben
sahen sich nicht betrogen. Das Unternehmen hatte einen ungeheueren
Erfolg ; man legte Faktoreien an, unter denen sich insbesondere die in
Sadatpainam an der Küste Corotnandel als erfolgreich erwies, verkaufte
die nach dem Orient gebrachten Produkte daselbst mit grossem Nut:^en,
mit noch grösserem aber nach erfolgter Rückkehr die dort in Tausch
genommenen Rohprodukte, Die ersten Dividenden waren schon so gross,
dass der Kurs der Aktien auf das doppelte des Nominale stieg. Je
') Saphorins Berichte enthalten zahlreiche Bemerkungen über seine Ver-
handlungen mit den kaiserlichen Ministem in dieser Frage R, O, Vgl. auch die
im R, O, (Empire Fase, ^g) liegende Relation „De la Situation interne de la
cour de Vienne*' d, d, 12, Sept. 1719, von Schaub verfasst.
*) ^S^' ^^^^ Gründung und Wesen dieser Compagnie die eingehende Dar-
stellung bei Huisman l, c. 2^^ ff.
446 >^7 Mai 31.
grösser aber der Erfolg, desto stärker der Hass der Konkurrenten. Wf-
mitielbar nach der Publikation des Privilegs für die ostendische Com-
pagnie hatte England, von den Generalstaaten da^u aufgefordert, gegen
das Vorgehen Karls VI. energisch protestiert und von der Möglichkeit
einer kriegerischen Aktion gesprochen.^) Allein die Wiener Regierung
Hess sich durch diese Drohung ebensowenig einschüchtern, als durch
die bald darauf folgenden Klagen der Holländer.
Die Forderung der Seemächte, die Compagnie j(u unterdrücken,
wurde ^zurückgewiesen , das Unternehmen neuerdings gefördert. Be-
greiflich daher, dass die Österreich ohnehin nicht günstige Stimmung
der Seemächte eine immer feindseligere wurde. In den Debatten des
englischen Parlamentes, wie in den Verhandlungen der leitenden Mini-
ster dieses Staates mit denen des Kaisers, fand der Unwille immer
deutlicheren Ausdruck. Und ebensowenig Hessen die Beratungen, die
seit Ende Januar 1724 ^« Cambray stattfanden, einen Zweifel daran
aufkommen, dass die antikaiserliche Partei am englischen Hofe das
Übergewicht besass. Für Karl VI. war aber dieser Wechsel in der
Haltung des Inselvolkes umso gefährlicher, als er :{iemlich isoliert da
stand und sich sagen musste, dass er einem Angriffe seiner Feinde,
der jeden Tag in Italien oder in Belgien erfolgen konnte, keinen ge-
nügenden Widerstand würde leisten können. Umso bereitwilliger er-
griff er daher die Hand, die ihm in diesem Augenblicke unerwartet
von seinem bisherigen Feinde, dem Könige von Spanien, entgegenge-
streckt wurde. Verletzt durch die Weigerung der Seemächte, seine
») Vgl. die Berichte Saphorins vom Jahre ij2} R. O. Am 5. Mai 172^
berichtet er von einer erregten Debatte mit Sin\endorf, der Jiervorhob, dass des
Kaisers Handlungsweise weder dem Frieden von Münster noch dem Barrierevertrage
widerspreche. Saphorin meinte es wäre leicht gewesen dies \u widerlegen ^ mais pour-
tant quand nUme ils renonceroient ä V Etablissement de cctte compagnie ^ toujours
ils persisteront ä soutenir que les Pais-Bas sont en droit de faire un commerce
aux Indes. R. O. Prin{ Eugen, mit dem Saphorin gleichfalls oft über diese
Frage sprach, betonte immer wieder (Bericht vom ly. Mai 172^ R. O.) „pour-
quoi si le roy de la Grande-Bretagne vouloit s*opposcr a cc commerce ne c' est-il
pas explique piustot de la mdme maniere qu il fait a prcsent et pourquoi ne se
dJclarer que lors que nous ne pouvons plus retrograder sans la plus grande
Prostitution.*' Als Ergänzung {u den Berichten Saphorins dienen jene, die Col-
man, der gleichfalls 172^ in Wien weilte, nach London schrieb. Er hebt besonders
den Anteil Karls VI. an den Handels fragen hervor und meint einmal (P. 5. ^w
Berichte vom 5. Mai 172}) „I believe P. Eugene and some of the first ministers
here will be very reasonable about this commerce, but it is certain, the emperor
has it intirely at heart as much as it is possibU io imagine.**
\^7f Mai 31. ^47
Wiinsche betreffs Gibraltars und Port Mahons ^u erfüllen und von
der Hoffnung getragen, durch direkte Verhandlung mit Karl VL nicht
nur in den friedlichen Besit:^ der seinem Sohne Don Carlos in Aus-
sicht gestellten italienischen Fürstentümer ^u gelangen, sondern auch
durch eine geplante Heirat den Gesamtbesit:^ der deutschen Habsburger
seinem Hause ^u sichern, hatte Philipp V,, von seiner ehrgeij^igen
Gattin Elisabeth bestimmt^ seinen Ratgeber Ripperda nach Wien ge-
sendet, und es gelang in der That dem geschickten Verhalten dieses
klugen Diplomaten den von allen Seiten bedrohten und hilfebedürftigen
Kaiser durch ein weitgehendes Entgegenkommen ^um Abschlüsse von Ver-
trägen j(u bestimmen, die einen völligen Wechsel der bisherigen österrei-
chischen Politik bedeuteten,^) In den Abmachungen, die am letzten April
und am ersten Mai 172$ ^n Wien getroffen wurden,^) ver:{ichtete Phi-
lipp V. auf die Niederlande, Mailand und das Königreich beider Sizilien,
garantierte dem Kaiser die pragmatische Sanktion^ erkannte Parma, Pia-
cen^a und Toscana als Reichslehen an und gab sich damit zufrieden,
dass sein Sohn erst nach dem Aussterben der herrschenden Familien in
den Besit:^ dieser Länder treten sollte. Überdies aber sprach er die
formelle Anerkennung der neuen ostendischen Compagnie aus, öffnete
dieser Gesellschaft und allen Untertanen des Kaisers die spanischen
Häfen, gewährte ihnen in Spanien und in den spanischen Colonien
weithehende Privilegien und dieselbe Handelsfreiheit , die Holländer
\nd Engländer seit längerer Zeit dortselbst besassen. Als Gegenlei-
stung für diese ungemein wichtigen Konzessionen des spanischen Hofes
vernichtete Karl VL auf jeden Anspruch auf Spanien, verpflichtete sich
der von Philipp V. geplanten Rückeroberung Gibraltars nicht ^u wider-
sprechen, vielmehr seine Vermittlung in dieser Frage ^u versuchen und
stellte — was wohl am schwersten ins Gewicht fiel — die Vermählung
seiner Töchter — der Erben des gesamten Reiches — mit den spani-
schen Infanten in Aussicht, Fürs erste konnten die Bestimmungen dieser
Verträge als ein Sieg der kaiserlichen Regierung erscheinen; selbst
die Gegner einer spanisch-österreichischen Allians^ konnten dies nicht be-
streiten, vorausgesetzt, dass Spanien an dem neuen Bündnisse festhielt.
') Für die österreichisch-spanischen Beziehungen dieser Zeit vgl, Syveton
Une cour et un aventiirier au XVIII sih-le ; Baudrilhirt Philipp V. et la cour de
France III 2-jiff,; Arneih Prin\ Eugen III 224 f,; A, Beer, Zur Geschichte der
Politik Karls VI, in Sybels Hist, Zeitschr. LV, 26ff,
*) Für die Drucke u, a, Dumont Villi 2 Joöff,; vgl, Bittner L c, Nr, 7^0
448 ^'7'^7 Mai 31.
Denn es gab am Wiener Hofe eine recht bedeutende Partei, die an der
Aufrichtigkeit der spanisch-bourbonischen Politik T^weifelte und sie sollte
nur ^u bald Recht behalten, Karl VI. aber vertraute vorerst den ge-
troffenen Abmachungen und freute sich insbesondere für seine handels-
politischen Pläne die Unterstützung der spanischen Flotte gewonnen
:(u haben.
Die Kunde von dem unerwarteten Entschlüsse Karls VI. erregte
an den Höfen von London und Paris das grösstc Aufsehen. Mit den
heftigsten Worten protestierte Saphorin gegen das Vorgehen des Kai-
sers, den er des Undankes ^ieh ; auch betonte er, dass England eine der-
artige Beeinträchtigung seiner Handclsinteressen in Spanien niemals
{Ugeben werde.^) In der Tat einigten sich sogleich die Höfe von
London und Paris über Massregeln, die :(ur Abwehr der von Öster-
reich und Spanien drohenden Gefahr dienen konnten, und es gelang
ihnen unschwer, den König von Preussen, der aus mehr als einem
Grunde Missiimmung gegen Karl VI. hegte, für ein gemeinsames Vorgehen
j(u gewinnen. In dem ^u Herrenhausen am 2J. Sept. I72ß abgeschlos-
senen Bündnisse war u. a. gan^ ausdrücklich gegenseitiger Schut^ der
bestehenden Handelsvorteile vorgesehen.^) Der Kaiser, erschreckt über
das entschiedene Vorgehen seiner Feinde, suchte seinr Stellung j(u be-
festigen, und da er noch immer an die Aufrichtigkeit der spanischen
Erklärungen glaubte, hielt er einen neuen Vertrag mit Philipp V.für das
sicherste Mittel, der drohenden Gefahr {u begegnen. Am 2ß. Nov.
I72ß wurde der neue geheime Vertrag unter zeichnet. Karl VI. ver-
sprach ^ei seiner j Töchter, so bald sie heiratsfähig sein würden,
den spanischen Infanten Don Carlos und Don Philipp >{// vermählen ;
er verpflichtete sich aber auch seine Einwilligung {ur Ehe seiner äl-
testen Tochter — Maria Theresia — ;;//'/ Do7i Carlos für den Fall
^^u erteilen, als er vor ihrer Mannbarkeit sterben sollte ; dagegen behielt
er sich die Wahl des Bräutigams für diese zunächst erbberechtigte
Tochter für den Fall vor, als er {ur Zeit ihrer Vermählung am Leben
sein sollte. Im übrigen sicherten sich beide Fürsten gegenseitige Unter-
stützung für alle Eventualitäten ^u ; falls der Krieg {ur See geführt
werden sollte — und das war das wahrscheinlichste — hatte Karl VI.
') Vgl. die Weisungen Toxvtishetids an Sciphorin vom Mai—Sept, 172^,
R. O. Sie beweisen die Entrüstung der englischen Regierung, aber auch das Be-
wusstsein derselben^ im Bunde mit Frankreich und den Niederlanden den Spa-
niern und Österreichern überlegen {u sein.
*) Gedruckt u. a. bei Dumont /. c. Villi 2 127.
1727 Mai 3». 449
dem Bunde sgenossefi bei der Rückeroberung Gibraltars und Port Mahons
behilflich ^u sein, während Philipp V, den Seehandel und die Schiff-
fahrt der kaiserlichen Untertanen gegen jedermann :{u schüt:^en, gan{
besonders aber die Bestrebungen der ostendischen Compagnte ^u fördern
versprach und grosse Subsidien für den Fall der Kriegsdrohung, noch
grössere für den Fall des wirklich beginnenden Krieges in Aussicht
stellte,^)
Auch an anderen Orten waren die Bemühungen der Wiener Re-
gierung Bundesgenossen ^u werben erfolgreich. Die russische d^arin,
Katharina L, schloss mit Karl VI, 1^26 ein Bündnis,^) desgleichen
mehrere Fürsten des Witteisbacher Hauses;^) Friedrich Wilhelm I,
kehrte den neuen Verbündeten den Rücken y sobald er sich davon über-
zeugt hatte, da SS sie ihn :{u übervorteilen strebten und schloss mit dem
Kaiser den Vertrag von Wusterhausen, Okt. ijaö,^) Unterdess war es
aber auch den Feinden Österreichs gelungen,^ Bundesgenossen ^u werben.
Die Holländer, die Karl VI, vergebens -{« gewinnen versucht hatte,
traten dem englisch-franiösi sehen Bündnisse bei, ihnen folgten die Dänen
und Schweden ; auch ein Teil der deutschen Fürsten einigte sich mit
den Feinden des Reichsoberhauptes, Inzwischen trug das Handels-
unternehmen, das mit in erster Linie den Anlass ^ diesem System-
wechsel gegeben, reichliche Früchte. Die Faktoreien im Osten nahmen
einen ungeheueren Aufschwung, die von Ostende auslaufenden Schiffe
kehrten mit Schätzen reich beladen von Indien und China :(urück ; die
Aktionäre freuten sich über die hohen Dividenden, die ihnen ausge-
zahlt wurden und suchten ihre einflussreichen Verbindungen {u Gunsten
des Unternehmens auszunutzen,^) Je grösser aber der Erfolg der Osten-
der Compagnie war, desto leidenschaftlicher wurde der Kampf der
Gegner, Namentlich die englischen Kaufleute, die ihren bedeutenden
und einträglichen Handel mit Spanien und dessen Colonien bedroht
') Das Biinäniss vom <y.Nov, 172^ ist u, a, gedruckt bei Cantillo AI. del,
Tr atados ctc, de pa^ etc, Madrid 184^ p. ^41 ; vgl, für den Gang der Verhand-
lungen insbesondere Baudrillart l. c, III, 217 ff,
*) Am 6. Aug, 1726. Für die Drucke — u, a, Martens {RussieJ I, ß2 —
vgl, Bittner l, c. Nr. yö'y,
3) Am 16, Aug, 1726 Karl Philipp von der Pfal\; Bittner Nr, 767;
am I, Sept, Karl Albrecht von Bayern und Clemens August von Köln; Bittner
l. c, Nr^ 76g.
*) Am 12, Okt, 1726, Für die Drucke — u, a, Dumont VIIII2 ißg —
Bittner l. c. Nr. 772,
*) Vgl. Huisman l. c. 3^^ ff»
Österreichisch-«nglische Staatsverträge. Bd. L 29
450 17*7 Mai 3«-
sahen, forderten von ihrer Regierung energische Massregeln ^um Schut:{e
ihrer gefährdeten Interessen, In der Tat wurden in England Kriegs-
vorbereitungen getroffen, die aus Amerika kommende Silherflotte Spa-
niens bedroht y während Spanien und der Kaiser den Plan einer Lan-
dung des Prätendenten Stuart in Schottland , die :{ur Revolution in
England fuhren sollte, ernstlich erwogen.
Ein weitanssehender , europäischer Krieg schien unvermeidlich.
Da brachte der Stur^ Ripperdas und die Erset:{iing des bis dahin ein-
flussreichsten französischen Staatsmannes, des Herzogs von Bourbon,
durch den schlauen, friedliebenden Kardinal Fleury eitle Wendung
lum besseren. Es gelang dem letzteren den Wiener Hof, der sich als-
bald über^^eugen musste, dass Spanien nicht alliuschwer auf die Seite
der Gegner Österreichs hinüberzuziehen sein werde, {ur Nach-
giebigkeit in der entscheidenden handelspolitischen Frage .{« vermögen,
Karl VI erklärte sich im* Verlaufe der in Paris und in Wien ge-
führten Verhandlungen ^u einer Herabminderung des belgischen Han-
dels bereit, vermochte aber seinen Plan, Frankreich auf diese Weise
von den Seemächten {u trenne?i, flicht durchzusetzen. Vergebens suchte
sein Vertreter in Paris, Fonseca, den Nachweis -(// erbringen, dass es
den Interessen Frankreichs widerspreche, die Haftdeismacht Englafids j{'i/
fördern, vergebens bot er Herab fnin de rufig der Tätigkeit der Ostendcr
Compagnie afi, vergebefis schlug er die Ernennufig einer Kommission vor,
die über die strittigen Punkte zu entscheiden haben sollte, Fleury wies eine
einseitige Verhandlufig mit detn Kaiser auf das entschiede fiste {«rw^Jt,
suchte aber z^i gleicher Zeit, überzeugt^ dass die Scetfiächtc im Falle
ei fies Krieges lediglich ihre Interessen ifn Auge behalten würden, den
Ausbruch der Feifidseligkeiten, der durch das Verhalten der Engläfider
und Spafiier drohend schien, {w verhifiderfi, und strebte ufiterdess un-
außiörlich einefi Ausgleich zpischefi den beiden Parteien afi. In diesem
Zusaffimefihatige ist die Idee aufgetaucht, durch die Unterdrückung der
ostendischen Cofnpagnic für eine bestifnmtc Zeit, innerhalb der die
Frage der Berechtigung dieses Handels erörtert werden sollte, die
strittige Af igele gefiheit einer die Ehre des Kaisers und die fnateriellen
Ifiteressen der Seemächte berücksichtigefiden Lösimg ^«^///////r^;/. Durch
Verffiittlung der päpstlichen Diplotfiatie gelang es dir prifizipielle Eifi-
willigufig Karls VI, .^«r Ahfassufig eines in diesem Sinne lautefiden
Vertrages {w erhalfen und bereits ifn Dezember lyaö konnte Gritnaldi,
der päpstliche Nuntius am Wiener Hofe, den Vertretern Frankreichs
und der Generalstaaten eitlen mit Genehmigung des Kaisers verjassten
1727 Mai 31. 451
Vertragsentwurf vorlegen,^) Dir Frage der Berechtigung der ostendi-
dischen Handelscompagnie sollte nach demselben von einer eigens dafür
ein^uset^t enden Kommission erörtert werden, der belgische Handel nach
Ostindien bis nach erfolgter Entscheidung unterbleiben ; doch wurde den
bereits a\is gelaufenen Schiffen die Rückhehr mit Waren gestattet. Fiel
innerhalb der festgeset:[ten Zeit — ein bestimmtes Datum war vorerst
nicht angegeben, doch rechnete die Wiener Regierung mit 2 — ) Jahren
— die erhoffte Entscheidung nicht , dann sollte es den beteiligten
Mächten frei stehen, in eine längere Frist {u willigen, oder aber ihre
früheren Rechte wieder geltend ^u machen, Gan^ ausdrücklich ver-
pflichtete sich Karl VI, {ur Unterwerfung auch unter ein gegen ihn
ausfallendes Uritil der aus unparteiischen Richtern ein^uset^^enden
Kommission ; ein weitgehendes Versprechen, das deutlich erkennen Idsst,
dass Karl VI. an der Möglichkeit ver:{weifelte, mit den Waffen in der
Hand die Rechte seiner Untertanen erfolgreich ^n vertreten. Die V5?r-
handlungen, die er unierdess mit Spanien geführt, hatten ihm die Über-
zeugung aufgenötigt, dass er von dieser Macht, auch wenn sie es — woran
{u {weifeln mehr als ein Grund vorlag — aufrichtig meinte, keines-
wegs auf eine Unterstütj^ung rechnen durfte, die ihm Hoffnung au/
einen aussichtsreichen Kampf gegen die Seemächte und Frankreich ge-
boten hätte,^) Und wenn sich Karl VI, sonst umsah, im Reiche und
bei den Nachbarstaaten, wo bot sich ihm ein genügender Schut^, falls
die Holländer und Engländer beim ersten Schusse der fiel Belgien
besetzen sollten, falls seine italienischen Besitzungen von Franzosen
und Engländern bedroht wurden ? Prin^ Eugen und Graf Starhemberg
wurden nicht müde dem Kaiser vorzuhalten, dass ein ungünstiger Aus-
gang eines Krieges vorauszusehen sei, dieser aber das dynastische Interesse
der Habsburger ernstlich gefährden könnte. Und selbst Graf Sin^en-
dorf, der eifrigste Vertreter der Wirtschaftspolitik Karls VI, und
Gegner Eugens, widersprach den friedliebenden Erklärungen seiner
Kollegen nicht, ^mwj/ er sich durch die Hoffnung täuschen Hess, es
werde eine 2 — ^jährige Suspension der Ostender Compagnie genügen
und schlimmsten Falles die Übertragung des Sitzes dieser Gesellschaft
nach Triest ein einfaches und den Interessen des Kaisers unschädliches
Mittel bieten, die Eifersucht der Seemächte z^ beschwichtigen. Allein
alsbald Z'^^S^^ ^^ ^^^^y ^^^^ ^/V5^ es auf den völligen Untergang der
«) Vgl. den Abdruck hei Rousset Recucil hist. l, c, 111. ^86; für den Zu-
sammenhang Baudrillart l, c III. ^75.
«) Vgl, Syveton, Le baron de Ripperda 24) ff-
»9*
45* '72? Mai 31.
Ostender Handelscompagnie abgesehen hatten. Die im Haag versam-
melten Vertreter der Seemächte wiesen den von Grimaldi entworfenen
Vertrag als ungenügend {urück und in den Beratungskörpern der bei-
den Nationen machte sich die gereifte Stimmung gegen die verbündeten
Höfe von Wien und Madrid in lauten Klagen und Drohungen LufL
Insbesondere im englischen Parlamente führte die Erregung der Kanf-
mannswelty die ihre Existcn{ bedroht sah, und der Regierungskreise,
die eine neue Erhebung der Stuartfreunde fürchtete^ {« bedeutsamen
Kundgebungen,^) Der König eröffnete im Januar 7727 das Parlament
mit einer Rede, die in dem Sat{e gipfelte, dass die j^nschen Spanien
und dem Kaiser geschlossenen Verträge „direkt unseren teuersten und
wertvollsten Privilegien feindlich sind und uns ^ur Entscheidung nöti-
gen, ob wir uns widerstandslos der entschiedenen und ungerechten For-
derung des spanischen Königs, ihm Gibraltar ^nrück{ugeben, unter-
werfen und es ruhig dulden wollen, dass der Kaiser die Vorteile eines
ausgedehnten Handels geniesst, den er usurpiert hat , oder ob wir uns
in die Lage setzen wollen, uns Gerechtigkeit {u verschaffen und unsere
Rechte {;// verteidigen gegen die Vereinbarungen unserer Feinde, die
sie in Missachtung und Verletzung des öffentlichen Glaubens und der
feierlichsten Verträge eingegangen sind^)f^ Die Rede des Königs
fand den ungefeilten Beifall des Hauses, das reiche Mittel bewilligte,
um Englands Heer und Flotte für den bevorstehenden Krieg ^n stärken ;
auch wurden im Laufe der Debatte die schwersten Vorwürfe gegen das
Reichsoberhaupt erhoben. Auch am englischen Hofe kam es {u er-
regten Auseinanderset;{ungcn ^wischen den englischen Minisfern und
dem Vertreter Karls VL Dieser profesficrfe mündlich und schriftlich
gegen die nnber echt igten Angriffe der Engländer und Graf Siniendorf
forderte in einem offenen Briefe Genugtuung für die seinem Herrn
durch Verbreitung falscher Behauptungen angetane Schnhich.^) Als
Antwort hierauf erhielt des Kaisers Vertreter in London den Befehl,
England {u verlassen. Unter diesen Umständen konnte Karl VL nicht
anders, als Saphorin aus Wien ausweisen.^)
') Vgl. Mahoii Hist of Engl, Taucini. Ed. iS'^r^ IL 108 ff.
*) Abgedruckt u. a. Rousset l. c. III. ^2j jf.
•) Vgl. Rousset Rec. hist. III, ?^f?, 75?; Miihon /. c. ioq f.
*) Vgl die Errichte Saphorins und seines Sekretärs Woodivcird vom Febr.-
April i'/27 R. O. Saphorin klagt wiederholt iib.'r Richelieu, der, obgleich Frank-
reich mit England verbündet sei, gegen letzteres intrigniere. Am 16. April 1727
berichten Saphorin und Woodward über die Pahnajfaire und über ihre Landes-
verweisung. Sie halten die Situation für sehr bedrohlich.
1727 Mai 31. 453
Der Krieg schien unvermeidlich Allein wieder war es Fleury, der
im wohlverstandenen französischen Interesse die Unterhandlungen nicht
fallen gelassen hatte, der rettend eingriff. In langwierigen Verhandlun-
gen, die ^// schildern nicht unsere Aufgabe sein kann, *) suchte er dem
Wiener Hofe die Über:{eugung beizubringen, dass die Lage der Dinge
ein weiteres Entgegenkommen des Kaisers erheische, und er verstand
es vortrefflich die bittere Pille, die er dem Kaiser in der Form einer
mindestens j jährigen Suspendierung der Ostender Compagnie reichte,
durch die Versicherung ^u versüssen, dass innerhalb dieser Frist nebst
der Ordnung dieser Angelegenheit ein Handelsvertrag ^(wischen den
Seemächten und dem Kaiser geschlossen werden sollte , der die von
diesem so oft geforderte Erläuterung des 26, Artikels des Barriere-
vertrages enthalten würde. Ende Märj( 172^ übergab der Herzog von
Richelieu, FrankreicJis Vertreter am Wiener Hofe, das erste Ultima-
tum,^) Nach demselben hatte Karl VI. die Unterdrückung des osten-
dischen Handels nach dem Orient für eine bestimmte Zeit — das Ulti-
matum sprach von 10 Jahren, Richelieu hatte aber Vollmacht, sich
mit 7 Jahren ^u begnügen — auszusprechen. Die Handelsprivilegien
aller Mächte in Europa und Indien sollten in dem Stande bleiben, wie
sie vor dem Jahre 172^ gewesen, alle übrigen Rechte und Besitzungen
der Vertragschliessenden^ wie sie durch die Verträge von Utrecht,
Baden und durch die Quadrupelallian^ geordnet worden waren. Beide
Parteien sollten sich der Einmischung in die Wirren des Nordens und
Niederdeutschlands enthalten und nach erfolgter Einigung die Feind-
seligkeiten aufhören ; die von Ostende nach Indien abgegangenen Schiffe,
deren Namen anzugeben der Wiener Hof verpflichtet werden sollte,
und die spanischen Galeonen sollten das Recht ^ur Rückkehr erhalten.
Über den Ausgang der Beratungen, die im Anschlüsse an dieses Ulti-
matum am Wiener Hofe, ^umal im Schoosse der geheimen Konferenz,
gepflogen wurden., konnte eigentlich kein Zweifel bestehen,^) Mochte
der Kaiser noch so bitter das Scheitern seiner handelspolitischen Pläne
empfinden, mochten die leitenden Minister noch so lebhaft das Schicksal
der neuen Untertanen bedauern, der Krieg mit den Seemächten und
Frankreich bot keine Aussicht auf Erfolg. In unzweideutiger Weise
haben dies Prin^ E'gen und Graf Starhemberg betont, und wenn sie'
schliesslich ihre Einwilligung ^u neuerlichen Verhandlungen und damit
•) Vgl. Baiidrillart l. c. III. ^14 ff,
^) Vgl, Rousset l. c, III. ß88,
*) Vgl, Huisman l. c. 416 ff „ Arneth l. c. III, 22^,
454 '7^7 Mai 31.
^M einer weiteren Verzögerung der Entscheidung gaben, für die S/m-
^endorf eifrigst eintrat, so geschah dies einerseits, um den Wünschen
ihres Herrn Rechnung j{u tragen, andererseits aber in der sicheren Er-
wartung, dass'die aus Deutschland und Spanien einlangenden Berichte,
von deren Inhalt Karl VI, seine Entscheidung abhängen lassen wollte,
ihre pessitn istische Auffassung bestätigen würden,
Unterdess wurden die Verhandlungen in Paris und in Wien
wieder aufgenommen. Die kaiserlichen Minister versuchten den Handel
der Belgier nach China {u retten, und als dies an der entschiedenen
Weigerung der Seemächte scheiterte, forderte man für die Dauer der
Suspension des belgischen Handels nach dem Orient deti Nachlass der
jährlich an die Vereinigten Niederlande {u entrichtettden ^00,000 Thl.
und dte Verbesserung des Zollsystems in Holland, erreichte aber nicht
mehr, als dass Fleury die Erledigung dieser Fragen auf dem künftig
{u eröffnenden Kongresse versprach. Mehr um eine weitere Verj^ö-
gerung :(U bewirken, als in der Erwartung eines Erfolges, überreichten
die kaiserlichen Minister ein 12 Artikel umfassendes Gegenprojekt, in
dem die Suspendierung der ostendischen Handelscompagnie auf 7 Jahre
im Prinj^ipe angenommen, die Entscheidung über die Bedingungen aber,
unter deften sie erfolgen sollte, dem Kongresse vorbehalten tvurde.^)
Allein Fleury, gedrängt von den Vertretern der Seemächte und von
der Furcht beseelt, bei längerem Zögern seinen Einßuss ein^ubüssen,
beantwortete die kaiserliche Erklärung mit der Übersendung eines neuen
8 Artikel umfassenden Ultimatums, das sich von dem früheren in erster
Linie durch genaue Bestimmungen für den möglichst bald {u berufenden
Kongress unterschied,"^) Zu gleicher Zeit aber wurde dem Kaiser mitge-
teilt, dass Frankreich und dessen Verbündete die Nichtannahme des Ulti-
matums innerhalb eines Monates — es war vom 2. Mai 1/2/ datiert
— als Kriegserklärung auffassen würden, Karl VI, hat den ihm ge-
setj^ten Termin nicht abgewartet. Die drohende Stellung der Seemächte,
die ungünstigen Nachrichten, dir er über dir Haltung der spanischen
Armee vor Gibraltar erhielt, das Ausbleiben der spanischen Subsidien,
die Nachricht vom Tode Katharina' s I, von Russland und die Wei-
gerung der Mehrj^ahl der am Reichstage vertretenen Fürsten sich in
•) Vgl, Rousset l, c, III, ;}Qo ; für den Gang der Vrrhandlinigen, Bau-
drillart l, c. III, S2yff, Im R, O, (Mise. Treat, Pap. \u 1727) liegt ein Akt, in
dem das erste und {weite Ultimatum und das Gegenprojekt des Kaisers neben
einander ver{eiehnet sind,
*) Vgl, Rousset l, c, III, J97; für die Verhandlungen Huisman L c*
426 ff,; Baudrillart l, c, III, 327 ff.
172/ Mai 31. 455
diese Angelegenheit ein:{u mischen, sprachen {u deutlich für den Ab-
schlitss, als dass sich Karl VI. noch länger den Mahnungen Eugens
und dessen Anhänger hätte widersetzten können, Baron Fonseca, des
Kaisers Vertreter in Paris ^ erhielt die Weisung, unter möglichster
Wahrung der kaiserlichen Interessen die Verhandlungen z^um Abschlüsse
^u bringen.
Am ßi, Mai erfolgte {u Paris die Unter^eichyiung der Frie-
denspräliminarien, Dieselben umfassten 12 Artikel, Der Kaiser ver-
pflichtete sich :^ur Unterdrückung des ostendischen Handels für die
Dauer von 7 Jahren, die Verbündeten garantierten den von Ostende
bereits ausgelaufenen Schiffen, deren Namen vom Wiener Hofe angegeben
werden solltefi, ebenso wie den spanischen Galeonen, die freie Rück-
kehr. Die englische Flotte sollte die spanischen Häfen in Amerika ver-
lassen, die Schiffe der Seemächte und jene Frankreichs sich von den
Küsten Spaniens und von jenen der kaiserlichen Besitzungen in Italien
j^urückj^iehen. Durch einen besonderen Artikel verpflichteten sich beide
Parteien, die nordischen Mächte {ur friedlichen Beilegung der beste-
henden Differenzen aufzufordern und bis {ur Verhandlung über diese
Frage auf dem Kongresse ihrerseits nichts gewalttätiges z^ ^^*^- -ö/>
weiteren Punkte betrafen die Berufung und Organisation des geplanten
Kongresses, Durch eine besondere Verfügung wurden aber schon jetzt
den Seemächten und Frankreich die Handelsprivilegien wiedergegeben,
die sie vor dem Abschlüsse der Wiener Verträge von 172$ in Spanien
und in Indien genossen hatten. Übersieht man den Inhalt dieses Ver-
trages, so kann über die verhängnisvolle Tragweite desselben für den
Kaiser kein Zweifel bestehen. Die Suspension des belgischen Handels
nach dem Orient für 7 Jahre kam einer gänzlichen Vernichtung des-
selben gleich, und die Wiedereinsetzung der Seemächte und Frankreichs
in die bevorzugte Stellung, die sie vor iy2ß beim Handel nach Spanien
und Westindien innegehabt, brachte den Kaiser um den einzigen grossen
Vorteil, der ihm aus der so kostspieligen Allianz mit Spanien hätte
erwachsen können, und bedeutete einen grossen Triwnpf für das eng-
lische Volk, das seinen ertragreichen Handel mit Spanien in vollem
Umfange wieder aufnehmen konnte. Die Hoffnung der Wiener Re-
gierung aber , den asiatischen Handel, den bisher die Belgier ge-
trieben, nach Triest <{« übertragen und so von einer anderen Stelle
aus den Seemächten erfolgreiche Konkurrenz Z" ffiachen, erwies sich
in der Folge nicht minder trügerisch, als die Erwartung eines raschen
Abschlusses des Handelsvertrages mit den Seemächten, den diese im
456 ^T^7 Mai 31.
Jahre IJJ^ versprochen, seitdem aber immer wieder unter mannig--
faltigen Ausreden ver:(6gert liatten,^)
Bei der Unter ^{eichnung der Friedenspräliminarien ergab sich eine
Schwierigkeit, Spanien hatte damals infolge der gespannten Beiiehungen,
die {wischen den beiden Linien des Hauses Bourbon herrschten, in Paris
keinen Vertreter, England keinen in Wien, Da aber der Inhalt des Ver-
trages die Teilnahme der spanischen Regierung unerlässlich machte, ent-
schloss sich der damals in Wien anwesende ausserordentliche spanische
Botschafter, Herzog von Bournonville, im Einverständnisse mit den kom-
petenten Regierungen am iß, Juni 1J2J eine besondere Erklärung abzuge-
ben, die, wörtlich mit den ^u Paris am ji, Mai abgeschlossenen Präli-
minarien übereinstimmend, Spaniens Beitritten diesem Vertrage festset:{ie,^)
Allein nun weigerte sich der spanische Hof, der noch immer die Fortset-
zung des Krieges wünschte, den unterzeichneten Vertrag {u ratifizieren,
begann an einzelnen Artikeln desselben {« mäkeln und erklärte von der
Belagerung Gibraltars erst dann ablassen {u wollen, wenn die englische
Flotte, die längs der spanischen Küste und Westindien kreuzte, ^«ri/cil-
berufen sein werde, König Georg IL aber, der mittlerweile Englands
Thron bestiegen hatte, weigerte sich, die Forderungen der Spanier z^
erfüllen und verlangte überdies die Herausgabe des der Südsee compagtiie
gehörigen von den Spaniern gekaperten Schiffes „Prinz Friedrich,*^ Wie-
derum schien es z^ir Entscheidung durch die Waffen kommen ^« müs-
sen,'^) aber es gelang auch diesmal der geschickten Intervention Fleury^s
dem Konflikte die Spitze abzubrechen. Die Abmachungen von Prado
vom 4. und ß. März I/28 führten den erwünschten Ausgleich ^U'/5^Ä^/
England und Spanien herbei, und am 6. Mär^ unterzeichneten die Ver-
treter der an den Friedenspräliminarien beteiligten Mächte das Schrift-
stück, durch das die letzten Schwierigkeiten hinweggeräumt wurden,
die der Geltung dieser Abmachungen im Wege gestanden hatten,^)
') Saphorin meldete nach dem Abschlüsse der Präliniiiiarien nach London,
dieselben hätten z'd\ir den Krieg verhindert, nicht jber die ehrgei\igen Pläne der
Höfe von Wien und Madrid vernichtet ; Österreich wolle noch immer mit Spanien
und den übrigen Verbündeten ge^en Frankreich und England kämpfen. Saphorin
schlägt vor, Verbindungen in Deutschland gegen den Kaiser anzuknüpfen, da
dieser in Deutsshland unbeliebt sei. R. O.
') Vgl. den Abdruck Nr. 57.
8) Vgl, Baudrillart L c. III. ^99 ff,
<) Abdruck Nr. 28, Vgl, Baudrillart l. c. 403 ff-
1727 Mai 31. 457
26.
Notum Sit Omnibus et singulis quod, cum a nonnuUo tem-
pore plura successissent, quae paci Europae disturbandae locum
dare potuissent nisi quam citius medela allata fuisset, sua sacra
C«^ regio-catholica M^»^ sua sacra M**» britannica, sua sacra M**«
christianissima et celsi ac potentes domini Status generales uni-
tarum foederati Belgii provinciarum sese invicem quam maxime
pronos exhibuerint ad omnia ea inquirenda, quae has omnes
simultates componere possent et ad hunc scopum attingendum
plenipotentiarum tabulis muniverint; nempe sua sacra O* regio-
catholica M**8 dominum baronem d'Effonseca, sua sacra M*** bri-
tannica dominum Horatium Walpole, sua sacra M^ christianis-
sima dominum comitem a Morville, suum ministrium ac Status
secretarium et aurei velleris equitem, itidem celsi et potentes
domini Status generales foederati Belgii dominum Guillelmum
Boreel, qui omnes post maturam inter se disquisitionem et com-
municatis invicem plenipotentiarum tabulis, quarum copiae in-
fra transcriptae reperientur *), vigore earumdem plenipotentiarum
super subsequentibus articulis praeliminaribus convenerunt.
I.
Cum sua sacra O* regio-catholica M**^ commercium Osten-
danum apud nonnuUos finitimos aemulationem atque etiam sol-
licitudinem excitasse animadvertat, publicae Europae tranquili-
tatis causa consentit, ut Privilegium, vulgo octroy, societati
Ostendanae concessum omneque ex Belgio austriaco in Indias
commercium per spatium Septem annorum suspendatur.
n.
Iura aut ea, quae vi tractatus Traiectensis, Badensis, qua-
druplicis foederis atque etiam eorum tractatuum et conven-
tionum, quae annum 1725 praecesserunt et imperatorem ac Sta-
tus generales foederati Belgii non tangunt, a quocunque con-
tractantium possessa fuere, intacta remanebunt; si quid vero
super iis immutatum vel executioni mandatum non fuisse com-
periretur iuxta tenorem eorumdem tractatuum et conventionum,
Status immutatus aut executioni non datus in futuro congressu
discutietur et decidetur.
») Abgedruckt //. a. bei Dumont /. c. VIIII2 147 f*
458 ^T^7 Mai 31.
III.
Consequenter cuncta commerciorum privilegia, quibus natio
anglica et gallica et subditi statuum generalium foederati Belgii
antehac vigore tractatuum cum in Europa tum in Hispania prout
et in Indiis gavisi sunt, ad eum usum et normam revocentun
secundum quam per tractatus anno millesimo septingentesimo
vigesimo quinto anteriores cum singulis conventum fuit.
IV.
Principes septentrionis ab eorum respective confoederatis
invitabuntur requirenturque, ut ab omni via facti mutuo absti-
neant, quin potius omnia media aequabilia conciliandae mutuo
inter se pacificationis amplectantur. Partes vero contractantes
spondent usque dum congressus inchoetur (de quo infra), in
quo partium intervenientium dissidia amicabiliter discutientur,
nee dii'ecte nee indirecte quocunque sub colore aut praetextu
ad uUam viam facti processuros, quo praesens septentrionis ac
inferioris Germaniae Status turbari possit, quin serio promittent
omnia se consilia inire velle, quo hostilitates, si quae forte in-
tercederent, sopiantur.
Mox a subscriptis praesentibus articulis hostilitates quae-
cunqufc, si forte quaepiam inchoatae fuissent, cessabunt et re-
spectu Hispaniae octiduum, postquam sua M**^ catholica hos ar-
ticulos subscriptos receperit, navibus illis, quae ante praefatam
cessationem Ostenda in Indias vela fecerunt et quorum nomina
in tabella quadam nomine suae M*^^ O*® regio-catholicae con-
ficienda declarabuntur, über tutusque ex Indiis Ostendam con-
cedetur reditus, et si quae forte naves interceptae fuissent, eae
una cum bonis ac mercibus eisdem impositis bona fide resti-
tuentur. Par aeque tutus navibus illis maioribus onerariis (vulgo
galliones dictis) admittetur reditus in ea firma fiducia, regem
catholicum intuitu oneris seu rerum ac mercium tam in maiori
quam minori illa classe Hispana, galliones et flotilla^ conten-
tarum eum ipsum, quo liberioribus antea semper temporibus
usus est , modum esse adhibiturum. Cui consequens est, quod
classis anglica non solum a Portu-Bello omnibusque in America
ad regem Hispaniarum pertinentibus portubus abscedet quam
primum fieri poterit, verum et eiusdem classis praefectus Hozier
1727 Mai 31. 459
una cum illa in Eufopam revertetur, quo subditi suae M*»" ca-
tholicae in Indiis ab omni ulteriori molestia et soUicitudine li-
berentur. Commercium ab Anglis in Americam uti de prae-
terito iuxta tractatus exercebitur. Pariter classes Anglorum,
Gallorum aut Batavorum, quae forte circum littora hispanica
vel etiam circa illa ad imperatorem pertinentia sese detinere
possent, inde omni qua fieri potest maiori celeritate mox a
tempore, quo isthaec cessatio hostiütatum inchoabit, sese reci-
pient, ut accolae dictorum littorum ac orarum ab omni deinceps
soUicitudine ac metu tuti ac liberi sint nihilque dictis navibus
contra modo memoratos portus sive directe sive indirecte moliri
licitum esto.
VI.
Isthaec hostilitatum cessatio tamdiu quamdiu suspensio
privilegii societati Ostendanae concessi, nimirum per Septem
annos durabit, ut intra hoc temporis spatium iura rationesque
reciprocae commode conciliari generalisque pacificatio eo soli-
dius stabiliri possit.
vn.
Si forte post subscriptionem istorum praeliminarium inter
principum contractantium subditos sive in Europa sive in Indiis
turbas sub qualicunque praetextu moveri aut hostilitatis actus
exerceri contingeret, ii damna a suis respective subditis per-
pessa communi ope reparabunt.
vm.
Secuta praecedentium articulorum acceptatione et sub-
scriptione congressus intra spatium quatuor mensium a die sub-
scriptionis computandorum Aquisgrani instituetur, intra quorum
decursum iura et praetentiones principum contractantium eorum-
que, qui ad dictum congressum invitati fuerint, examinabuntur,
discutientur ac terminabuntur.
IX.
Plenipotentiarii nominandi non poterunt nisi solos duos
nobiles, duos ephebos et sex famulos seu pedissequos in comi-
tatu suo habere, quo promptius se ad iter parare possint et ut
omnis aemulatio, luxus ac sumptus evitentur.
46o ^7'^7 Mai 31.
X.
Ceremoniale nuUum observabunt eamque normam tene-
bunt, quae in nupero congressu Cameracensi observata fuit
idque ad declinandas eas difficultates, quae circa praecedentiam
oriri possent, facultate tarnen protestandi cuique pro arbitrio
relicta.
XL
Principes suis respective plenipotentiariis serio demanda-
bunt, ut omnia impedimenta seu tricas evitent, quae protrahere
vel turbare congressum ullo modo possent.
XII.
Ratificatio horum articulorum intra spatium duorum men-
sium aut citius si fieri poterit a die subscriptionis erga se in-
vicem extradetur.
In quorum fidem nos infrascripti ministri plenipotentiarii
suae sacrae O*^* regio-catholicae M*»^ suae sacrae regiae M*'»
britannicae et suae sacrae regiae M^'^ christianissimae et celso-
rum ac potentium^) statuum generalium unitarum foederati
Belgii provinciarum hosce articulos manu nostra subscripsimus
et sigillis nostris communivimus. Actum Parisiis die ultima
mensis Maii, anno domini millesimo septingentesimo vigesimo
septimo.
L. S. Marcus baro Deffonseca. L. S. H. Walpole. ^)
27.»)
Comme les ministres qui ont signe ä Paris les articles
preliminaires ont considere que, ny ayant pas dans cette cour
des ministres de sa Mte catholique ny ä Vienne des ministres
de sa Mte britannique, il estoit impossible en suivant les formes
ordinaires de donner aussytöt qu' il seroit ä desirer la derniere
main aux actes qui seroient obligatoires entre sa Mte catholique
') /// </t'// Jtuieren Au s/crti Illingen folgt juf potentinni Jas Wort äonii-
noruni.
2) Gleichartige Ausfertigungen erfolgten seitens Frankreichs und der Ge-
neralstaaten.
^) Nach der im St.-A. befindlichen für Hnghinä bestimmten kaiserlichen
Ratifikation dieser Urkunde d, d, Wien iy2j Juli 12,
1727 Mai 31. 46t
et sa Mte britannique, je sousignö pour remedier ä cet incon-
venient ay en vertu de mes pleinpouvoirs sign^ seul un acte
pareil h ceux qui ont ete signes h Paris le 31 du mois de May
dernier le quel est compris cy-dessous.
Sequuntur articuli praeliminares et plenipotentiarum ta-
bulae suae sacrae M**^ catholicae d. d. Buen Retiro a veinte y
seis de Febrero de mil setezientos y veinte y siete.
En vertu de mon Pleinpouvoir susdit je declare que cet
acte ainsy signö par moy seul sera obligatoire pour le roy ca-
tholique mon maitre envers sa Mt^ britannique comme sMl
avoit ete signö avec un ministre de sa Mte britannique, bien
entendu que cette mienne signature se fait en consequence d' un
sign^ pareil au present acte que son excellence le duc de Ri-
chelieu, ambassadeur extraordinaire de sa Mte tres-chretienne
ä ]a cour imperiale, m*a remis cejourdhuy de son excellence
M"" de Walpole, ambassadeur extraordinaire de sa Mte bri-
tannique en France, le quel sera pareillement obligatoire envers
le roy mon maitre; promettant qu*il sera remis dans le tems
marque par le douziöme des articles preliminaires une ratifi-
cation du roy catholique pour etre echangee contre celle de
sa Mte' britannique. En foy de quoy j'ay sign^ la presente de-
claration et y fait apposer le cachet ^e mes armes. Donn^ ä
Vienne le 13 de Juin Tan de grace 1727.
Le duc de Boumonville.
Nos infrascripti ministri ac legati plenipotentiarii suae sa-
crae C«*<^ regiaeque catholicae M*^^ suae sacrae M*^^ christianis-
simae et celsorum ac potentium statuum generalium foederati
Belgii testatum facimus, verum esse quod supra suae sacrae re-
giae catholicae M^^ legati plenipotentiarii extraordinarii domini
ducis de Bournonville sigillum et signaturam, cuius omnes una
fuimus testes, in cuius fidem hocce testimonium manibus nostris
subscripsimus et sigillis nostris communivimus. Actum Viennae
die 13 Junii 1727.
Eugenius a Sabaudia. Philippus Ludovicus comes a Sinzendorff.
Gundaccarus comes a Starhemberg. Le duc de Richelieu.
D'Hamel Bruinincz.
46ö 1727 Mai 31.
28. 1)
Quandoquidem difficultates quaedam subortae sint sui>er
articulis exequendis qui „Praeliminares" vocantur, quique Lu-
tetiae Parisiorum die ultima mensis Maii deindeque Viennae die
decima tertia Junii anni millesimi septingentesimi vigesimi sep-
timi a ministris hinc inde potestate sufficienti communitis si-
gnati fuere, cumque per declarationem quandam a domino co-
mite de Rottembourg partium omnium consensu factam atque
comprobatam antedictae difficultates feliciter compositae fue-
rint, cuius declarationis eiusdemque a sua M** catholica accep-
tionis, prout ipsiusmet nomine et mandato a domino marchione
de la Paz exhibita et subscripta fuit, tenor hie sequitur.
D'autant que depuis la signature des preliminaires il.s'est
elev^ certaines difficultös entre les parties contractantes par ra-
port ä la restitution des prises qui ont estö faites de part et
d'autre et nommement celle du „Prince Frederick" et sa car-
gaisson apartenant ä la compagnie du Sud, saisi et arrest^ par
les Espagnols h la Vera Crux, les quelles difficultez ont retardö
Texecution des preliminaires, Techange des ratifications avec
TEspagne et 1' Ouvertüre du congrez, sa Mte britannique pour
faciliter autant qu*il luy est possible les choses et pour lever
tous les obstacles qui s'oposent ä une pacification generalle a
declare et donne sa parole royalle au roy tr6s chrestien qu' eile
envoyeroit sans delay des ordres ä ses amirnux Wager et Ho-
zier ou celuy qui commanderoit ä sa place de se retirer des
mers des Indes et d'Espagne et qu'elle consent que Ton dis-
cuteroit et decideroit dans le congres les contrebandes et autres
sujets de plaintes que les Espagnols peuvent avoir par rap-
port au vaisseau „le Prince Frederick"; que toutes les preten-
tions respectives de part et d'autre seront produites, debatües
et decidees au meme congrez, que V on y discutera et decidera
pareillement si les prises qui ont este faites de part et d'autre
en mer devront estre restituees, et que sa Mte britannique se
tiendra a ce qui sera regle sur tout cela.
*) Als Vorlage für Jen Druck dient das im St-A. vorhandene Or. lier
englischen Ausfertigung ; von Frankreich ^ Spanien und den Generalstaaten liegen
gleichlautende Ausfertigungen vor.
1727 Mai 31. 463
De mon costö je donne parole au nom du roy mon mai-
tre en vertu des ordres et des pleinspouvoirs que j'ay receus
pour cet effet, que cette discution ä faire au congrez s' executera
fidellement, que Techange des ratifications se fera sans delay,
et que le congrez s'asserablera infailliblement et le plustost
qu'il sera possible, selon que les ministres des parties contrac-
tantes qui se trouveront ä Paris en conviendront, si sa Mt^ ca-
tholique veut donner sa parole royalle; i<*de lever incessamment
le blocus de Gibraltar en renvoyant les troupes dans leurs
quartiers, en faisant retirer le canon, combler les tranchees et
detruire les ouvrages faits ä Toccasion de ce siege, en remet-
tant le tout de part et d'autre conformement au traite de Ut-
recht; 2^ d'envoyer sans retard ses ordres clairs et precis pour
remettre aussytost le vaisseau „le Prince Frederick" et sa car-
gaisson aux agens de la compagnie du Sud qui sont ä la Vera
Crux, pour qu'ä leur volonte ils le fassent passer en Europe
et pour remettre le commerce de la nation angloise aux Indes,
Selon ce qui est stipule par le traite de TAssiento et convenu
par les articles deux et trois des preliminaires ; 3° de faire remet-
tre incessamment les effets de la flotille aux interessez et ceux
des gallions quand ils reviendront, comme en tems libre et de
pleine paix, conformement ä l'article cinquieme des preliminai-
res; 40 que sa Mte catholique s'engage de la meme maniere
que sa Mt^ britannique s'y est engagöe cy-dessus a se tenir
ä tout ce qui sera regle par la susdite discution et decision du
congres. Donne au Pardo ce quatrieme Mars mil sept cent
vingt huit.
L. S Rottembourg.
lo el infrascripto marques de la Paz declaro de expresa
orden en el real nombre del rey catholico mi amo y en con-
secuencia de su plenopoder que su Mag^, por su siempre con-
stante deseo de facilitar las negociaciones para una paz uni-
bersal y permanente, hä venido en aceptar y efectivamente ad-
mite y acepta la proposicion ultimamte echa por el Sr conde
de Rottembourg ministro plenipotenciario de su Mag^ Chri-
sti anissima segun queda immediatamente aqui arriva inserta.
En fee de lo quäl firmo la presente declaration y la pongo el
sello de mis armas. En el Pardo ä cinco de Marzo de mil se-
tezientos y veinte y ocho.
L. S. El Marq. de la Paz.
464 '73' Mttra i6.
Nos infrascripti ministri plenipotentiarii debita authoritate
sufficienter instructi, quo declaratio acceptioque suprascriptae
vim vigoremque amplissimum obtinere possint, hoc accensus
confinnationisque speciale instrumentum nomine et mandato
dominorum nostrorum respective signavimus eidemque sigilla
nostra apposuimus. Datum hac regia dicta el Pardo die sexta
mensis Martii, anni millesimi septingentesimi vigesimi octavi.
L. S. H. comes a Kinigsegg. L. S. B. Keene. L. S. Rottembourg.
L. S.EI Marq. de la Paz. L. S. F. van der Meer.')
28.
Bündnis fischen Karl VI. wid Georg IL samt 2 Separat-
arlikeln, j Deklarationen, 2 Spe^^ißkationen und 2 Geheim-
artikeln; d, d. Wien 17^1 Mär^ 16,
Rat GeorgsIL d. d. St, James lyßi Märj{2p\Aprii p ; Karls VI April 21,
Die Originale des Haupivertrages, der Separatartikel, Deklarationen, Spe-
zifikationen und Geheimartikel im St,-A, und R, O. ; die Originale der Rati-
fikation VI Georgs im St,-A,f jene Karls im R. O.
Drucke bei Bittner Nr. 788,
Der Tod König Georgs L, der wenige Wochen nach der Unter-
zeichnung des Präliminarienvertrages vom ßi. Mai ijaj erfolgte,
führte fürs erste keinen Wechsel in den gespannten Beziehungen herbei,
die ^wischen der österreichischen und der englischen Regierung be-
standen. Der direkte Verkehr, der seit der Ausweisung der beider-
seitigen Vertreter unterbrochen war, wurde aich nach der Thronbe-
steigung Georgs IL nicht aufgenommen und die Verhandlungen , die
vornehmlich durch Frankreichs Vermittlung ^^'ischen den beiden Höfen
geführt wurden f Hessen die Hoffnung auf eine baldige Besserung als
eine sehr geringe erscheinen. Trotzdem erfolgte diese früher, als man
hätte vermuten können.^) Eine ruhige Erwägung der Lage führte die
massgebenden Faktoren beider Regierungen ^ur Erkenntnis, dass die
Wiederherstellung des früher bestandenen guten Einvernehmens im bei-
derseitigen Interesse dringend {u wünschen sei. Für Georg IL,
der Glicht nur König von England, sondern auch Kurfürst von Han-
^) Die Siegel in gleicher Linie.
*) Für die österreichisch-englischen Beziehungen in den ersten Regierungs-
Jahren Georgs IL vgl. Arneth Prin^ Eugen III. 278 ff. ; Coxe Wal pole R. IL
^16 ff,; Beer L c. 41 ff., Mahon /. c. II. passim.
173« M^rz »^. 465
nover war, konnte die Fortdauer gespannter Beiiehungen :(wn Reichs-
oberhaupte verhängnisvoll werden. Gegenüber der rivalisierenden Macht
Preussens , der drohenden Haltung der nordischen Mächte und der
Scheelsucht seiner deutschen Nachbarn ersch en der Rückhalt an dem
Kaiser als ein grosser Vorteily der auch mit einigen Opfern nicht ^u
teuer erkauft war, Dass das Inselvolk und seine Vertreter sich durch
die besonderen Interessen ihres Herrschers nicht bestimmen lassen
würden, wusste Georg IL, und er dachte auch keineswegs daran, die
Anbahnung besserer Be{iehungen {um Kaiserhofe mit Zugeständnissen
^N erkaufen, die der englischen Nation {u wertvoll erschienen wären.
In diesem Sinne war er fest entschlossen, an der Politik festzuhalten,
die J(i4r Unterfertigung der für England so günstigen Präliminarien
geführt hatten. An der Begünstigung des englischen Handels in Spa-
nien durfte nicht gerüttelt, von dem Kampfe gegen die ostendische Com-
pagnie nicht abgelassen werden. Gelang es aber in diesen Fragen das
Interesse der englischen Nation ^u wahren, dann durfte Georg IL
hoffen, dass die heftigen Ausfälle des Volksunwillens gegen das Haus
Habsburg sich nicht wiederholen, dass das Parlament der Aussöhnung
des englischen Hofes mit dem Wiener kein Hindernis in den Weg
legen werde. Es entsprach seinem Wunsche, diesen Wechsel unter
möglichst günstigen Bedingungen {u vollziehen, dass er von seiner Nei-
gung mit dem Wiener Hofe Freundschaft, eventuell auch ein Bündnis
{u schliessen, möglichst wenig merken Hess. Allein die Tatsache, dass
im Frühjahr 1728 Lord James Waldegrave als Vertreter Englands
am Wiener Hofe erschien und sich {u freundschaftlicher Erörterung
politischer Fragen bereit erklärte, bewies doch ein Entgegenkommen,
das, richtig gewürdigt, ^ur Anbahnung besserer Beziehungen fuhren
konnte. \) /;/ diesem Sinne fasste denn auch der eifrigste Fürsprecher
der englischen Bundesgenossenschaft am Wiener Hofe, Prinz ^^g^^y
die Sendung Waldegrave' s auf Durchdrungen von der Überzeugung,
dass nur von den Seemächten die dauernde Förderung der auf die Er-
haltung des Gesamtsiaates gerichteten Pläne Karls VL Z" erwarten
stand, hatte Eugen niemals davon abgelassen, der Verbindung mit dm
Seemächten das Wort {// reden. Dass dies nicht in einer die Ehre
>) linde April 1728 kam Waldegrave nach Wien. In einer Weisung
Townshends an ihn d. d. 26. Okt. 1727 R. O. wird bemerkt^ man sende ihn nach
Wien, weil man aus Frankreich Nachricht erhalten habe, dass Österreich es
wünsche. In einer Privatinstruktion vom selben Datum erhält er Weisung be-
züglich der pragmatischen Sanktion.
Österreichisch-englische Staatsverträge. Bd. I 3^
466 1^3' M'ärz i6.
des Kaisers verletzenden Weise geschehen sollte, dafür bürgte der htame
und die Vergangenheit des Prinzen,
Allein es wurde ihm und seinen Anhängern nicht leicht, Karl VI.
von der Richtigkeit ihrer Meinung ^u überzeugen. Das eigennützige
Vorgehen der englischen Nation^ der Karl VI. den ausschlaggebenden An--
teil an dem ungünstigen Ausgange der Verhandlungen beimass, die er im
Interesse seines Besitzes und seiner internationalen Stellung seit Jahren
geführt hatte, erfüllte die Brust des Herrschers mit tiefem Grolle und
Hess ihm die Ansicht der mächtigen, einßussr eichen Partei als die
richtige erscheinen, die für die Fortsetzung jener Politik eintrat, die
durch die mit Spanien abgeschlossenen Ver rage inauguriert worden
war und deren Ziel eine innige Verbindung mit den katholischen bour-
bonischen Höfen und energischer Widerstand gegen die egoistischen
Pläne der Seemächte war. Je klarer sich aber die Selbstsucht des
spanischen Hofes enthüllte, je lebhafter der Widerstand massgebender
Fürsten des deutschen Reiches gegen die geplante Verbindung der öster-
reichischen Erbin mit dem spanischen Königssohne und je berechtigter
die Zweifel in die Aufrichtigkeit und Selbstlosigkeit des französischen
Hofes wurden, desto geneigter z^^i^^ ^'^^' Karl VI, den Versuch eitler
Annäherung an die Seemächte {u wagen.
Die Absendung des Grafen Philipp Kinsky an den Londoner Hof
die Mitte Juni ijiS erfolgte, konnte als ein erster Schritt in diesem
Sinne gedeutet werden, *) Freilich sprach die Wahl des erst 24jährigen,
unerfahrenen, unbedeutenden Mannes, der nicht einmal der englischen
Sprache mächtig war, nicht sehr dafür, dass Karl VI. diesen Verhand-
lungen ausschlaggebende Bedeutung beimass. Ganz ausdrücklich wurde
überdies in der für Kinsky bestimmten Instruktion betont, dass die Ent-
Wickelung der österreichisch-englischen Beziehungen von dem Gange
der Beratungen abhängen werde, die eben damals — Mitte Juni IJ28
— in Soissons begannen.^) Es kann nicht unsere Aufgabe sein, diese
ausführlich -{?/ schildern,^) Es genüge die Bemerkung, dass im Ver-
laufe derselben jede einzelne Macht ihre besonderen Interessen in den
Vordergrund rückte und dass der Kaiser auf eine nachdrückliche
Förderung seiner Interessen bei keiner der daselbst vertretenen Re-
gierungen, auch nicht bei der Frankreichs , rechnen durfte. Fleury
') England hatte die Absenäung eines österreichischen Ministers direkt
gefordert. Vgl. Tounshends Weisung an Waldegrave d. d. 26. Okt. 1727 /?, O.
*) Instruktion für Kinsky d. d. 12. Juni 1728 St.-A.
^) Vgl. Höfler C. Der Kongress von Soissons, Fontes rerum Austr. Bde,
?5. ^8; Baudrillart l. c, II I. 419 ff.
173» ^^^ '^- 467
weigerte sich auf das entschiedenste , an dem von ihm vorgelegten
Vertragsentwürfe die von Österreichs Vertretern geforderte Änderung
des Artikels vorzunehmen, der den Besit^ der Vertrag schliessenden
garantierte und protestierte auf das lebhafteste gegen die Aufnahme
des von Karl VI, verlangten Zusatzes, nach dem die Garantie auch
yyjenen Erben ^n Gute kommen sollte, die durch die Erbfolgeordnung
hie{u berufen seiend Die Seemächte wider um waren unaufhörlich be-
strebt, den Wiederbeginn des ostendischen Handels ^u verhindern,
während die Spanier, ungewiss über den Ausgang der mit dem Wiener
Hofe geführten Verhandlungen, sich von den Westmächten die mög-
lichste Sicherung des in Aussicht stehenden Heimfalles Toscanas^ Par-
ma's und Piacen:{as ^u verschaffen suchten.
Als Graf Sim^endorf Ende des Jahres 1^28 die Resultate der
Kongressberatungen seinem Herrn übermittelte, geigte sich dieser über
die Massen ungehalten. Er grollte dem Pariser Hofe, der unter dem
Deckmantel einer unparteiischen Vermittelung selbstsüchtige Interessen
verfolgte, j^ürnte den Seemächten, die mit unerbittlicher Strenge die Un-
terdrückung des ostendischen Handels forderten , aber er fand ebenso
heftige Worte für den Undank der spanischen Regierung, die uneinge-
denk der mit dem Kaiser abgeschlossenen Verträge sich dem Meistbieten-
den lur Verfügung stellte. Allein was halfen die Klagen, Immer klarer
musste Karl VI. erkennen, dass er ohne schwere Opfer sich aus der
schwierigen Lage, in die er geraten, nicht werde befreien können. Aber
wem sollte er sie bringen? Es gab an seinem Hofe noch in diesem
Augenblicke Stimmen, die Uch für den Anschluss an die bourbonischen
Mächte aussprachen, die insbesondere für die Aufrechthaltung guter
Beziehungen {u dem französischen Hofe eintraten. Die Mehrzahl der
massgebenden Räte jedoch vertrat die Ansicht, dass man im Interesse
der Durchführung der pragmatischen Sanktion alles aufbietest müsse,
die Zustimmung der Seemächte >{« gewinnen. Und je fester der Eni-
schluss des Kaisers wurde, in die von Spanien geforderte Heirat der
Erzherzogin Maria Tlieresia mit Don Carlos nicht j^u willigen, desto
mehr neigte er der Ansicht der letzteren Partei ^//. Doch war er noch
weit davon entfernt, alle Forderungen der Seemächte gutzuheissen. Nur
ungern gab er seine prinzipielle Einwilligung ^«r Unterdrückung des
ostendischen Seehandels und knüpfte diese an Bedingungen, deren An-
nahme seitens der Engländer und Niederländer nicht ^u erwarten war.
Immerhin aber war mit den Beschlüssen des Wiener Hofes, die \u
Beginn des Jahres lyap gefasst wurden, die Möglichkeit gegeben, mit
den Seemächten in Unterhandlungen z^ treten. Dieselben :{eigten sofort
30*
468 >73' MSrz i6.
die Schwierigkeiten^ von deren Behebung die glückliche Lösung abhieng.
Als Graf Kinsky im Februar 172p an die leitenden englischen Staats-
männer mit der Frage herantrat, oh England dir Heirat Maria The-
resia's mit Fran^ von Lothringen billigen würde, wurde diese Frage
entschieden bejaht ; dagegen weigerten sich die englischen Minister die
vom Kaiser geforderten Zusicherungen {u geben, vor deren Festsetzung
dieser den Bruch mit Spanien nicht wagen {u können erklärte, und
stellteti überdies die Forderung, dass bei dem geplanten Ausgleiche der
fischen beiden Höfen bestehenden Differenien auch die Ansprüche
Georgs //. in seiner Eigenschaft als Kurfürst von Hannover ihre Berück-
sichtigung finden sollten, *) Wie gross noch das Misstrauen -in die Auf-
richtigkeit der englischen Erklärungen am Wiener Hofe war, beweist die
Tatsache, dass die geheime Konferenz bei ihrer Beratung über die Kinsky
^u erteilende Instruktion den Entschluss fasste, diese so einzurichten, dass
ein eventueller Missbrauch derselben durch die Engländer, dem Kaiser
weder bei Spanien, noch bei Frankreich, noch bei Preussen oder Russ-
land schaden könne. Im übrigen betonte man die Geneigtheit, mit Eng-
land einen Vertrag -{« schliessen, erklärte aber ^// gleicher Zeit, sich
von Spanien nicht trennen \u wollen und ebensowenig die Trennung
Englands von seinen bisherigen Verbündeten -{« fordern.^) Kinsky sollte
ferner hervorheben, dass Karl VI die Hände bei der Wahl des Mannes
für seine Tochter frei ^^i haben wünsche, dass er die Forderungen der
Spanier bezüglich der italienischen Herzogtümer soweit berücksichtigen
wolle, als dies in der Quadrupelallianz vorgesehen sei und des Kurfürsten
von Hannover Wünsche, soweit dies im Rahmen der Reichskonstitution
möglich sei, erfüllen wolle. Wie man sieht, Äusserungen, die erkennen
lassen, wie zögernd die Wiener Regierung sich {ur Fortsetzung der
Verhandlungen mit England entschloss. Allein die Ereignisse, die nun
folgten, drängten Karl VI. und seine Räte immer mehr in diese Rich-
tung. Ende April langten Nachrichten aus Madrid ein, die keinen
Zweifel mehr daran aufkommen Hessen, dass ohne Zugeständnis in der
Heiratsfrage der Bruch alsbald erfolgen werde, und kurz darauf be-
richtete der kaiserliche Gesandte in Paris, dass der französische Hof
daran sei, mit Spanien ab{uschliessen. Unter diesen Umständen hielt
es die geheime Konferenz für unerlässlich, die Verhandlungen mit den
') Dies und das folgende nach den Berichten Kinsky' s und den Weisungen
Karls VI. St.-A. Virl. auch Beer l. c. 47 ff.
*) Die wichtigsten Weisun^^en an Kinsky aus dieser Zeit vom 20. Mär\,
11. Mai und 26. Juni jjao St.-A.
173' März i6. ^6^
Seemächten, vor allem mit England, so rasch als möglich {u Ende ^u
führen und Karl VL gab durch die Verhältnisse bestimmt seine Ein-
willigung, Im Juni 1729 ergieng an Kinsky die Weisung, am eng-
tischen Hofe anzufragen, unter welchen Bedingungen England die Ga-
rantie für die vom Kaiser festgeset:^te Erbfolgeordnung übernehmen
wollet)
Je entgegenkommender aber die österreichische Regierung wurde,
desto ^zurückhaltender geigte sich der Londoner Hof Kinsky erhielt
sich widersprechende Antworten, denen nur eines mit Sicherheit :(u
entnehmen war, dass England mit Spanien nicht brechen und seine
Garantie der österreichischen Successionsordnung teuer verkaufen wolle.
Da aber die ^u Paris geführten Verhandlungen erkennen Hessen, dass der
Kongress {u einem erspriesslichen Resultate nicht Jühren werde und da
Karl VI, auf die Forderung der Spanier, Parma und Toscana mit spani-
schen Truppen j{u besetzen, unter keinerlei Bedingung eingehen wollte,'*)
gewann die englische Partei am Wiener Hofe immer mehr an Boden,
In eingehenden Unterredungen suchte insbesondere Prin^ Eugen dem
englischen Vertreter in Wien, Waldegrave, nachzuweisen, dass eine
Aussöhnung ^wischen England und Österreich ohne ein entschiedenes
Eintreten der ersteren Macht für die von Karl VL festgesetzte Thron-
folge unmöglich sei, dass der Kaiser lieber gegen die gan^e Welt
Krieg führen, als einen Vertrag unterzeichnen werde, der ihm nicht
die Garantie für eine gesicherte Thronfolge nach seinem Tode biete, ^)
Allein noch immer weigerte sich die englische Regierung auf die For-
derung des Kaisers einzugehen. Ende Oktober schrieb Townshend an
Waldegrave. ,, Was die Frage der Garantie betrifft, ist der König von
England der Meinung, dass obgleich die Seemächte dazu beitragen
wollen, dass keine Trennung der österreichischen Besitzungen statt-
finde, dies nicht der geeignete Zeitpunkt sei, England und Frankreich
einen Garantievertrag vorzuschlagen. Das Argument, das immer vor-
gebracht wird, dass Frankreich und England dieselbe Rücksicht auf
die Erhaltung der österreichischen Länder ^^/^^ sollten, die Öster-
reich ihnen gegenüber bei der Nachfolge bewiesen, hat kein Gewicht
beim französischen Hof^'^) Townshend suchte den Nachweis z^ erbringen,
*) Weisung d. d. 26. Juni jy2g St,-A. Vgl. auch Beer l. c. ^^f.
*) Für die österreichisch-spanischen Beziehungen in dieser Zeit Baudrillart
/. c. III. 505 ff. ; Syveton l. c. 264 ff.
«) Berichte Waldegrave' s d. d. 22. Okt. jy2p R.O,; vgl. auch Arneth
l. c. III. 282 f.; Coxc R. Wal pole IL 6^6 ff,
*) Townshend an Waldegrave ßi, Okt. i'j2g R. O.
^•yO «73' M'arz i6.
rfj55 die kaiserliche Garantie der Thronfolgeordnung in Frankreich
dieser Nation aufgezwungen wurde im Interesse des europäischen Gleich-
gewichtes und schloss mit der Bemerkungy England könne Frankreich
lur Anerkennung der von Karl VL festgeseilten Erbfolge nicht zwingen,
auch nicht dieser Ursache halber mit Frankreich brechen. Er rate der
Wiener Regierung, die guten Beziehungen {u Frankreich und England
wieder heriustellen ; in diesem Falle werde Karl VL durch die Be-
stimmungen der Quadrupelallianz allein eine genügende Garantie
seines Besitzes erreichen. Und bevor noch dieses Schreiben in die
Hände Waldegrave's gelangt war, unterzeichneten die Vertreter Eng-
lands und Frankreichs ^u Sevilla den Vertrag, durch den Philipp V,
gegen das Zugeständnis des sofortigen Eiufnarsches von 6000 Spaniern
in bestimmte Plätze Toscana's und Parmas von der mit Karl VL ge-
schlossenen Verbindung -{wr//rit/rÄ/ und alle Verfügtingen ^fff^cknahm,
durch die er des Kaisers und dessen Untertanen Hand eis Interessen ^u
fördern gelobt hatte, ^)
Anfang Dezember iJ29 war die sichere Kunde von dem -ff/ Sevilla
abgeschlossenen Vertrage in Wien eingelangt. Die Empörung der lei-
tenden Kreise über das Vorgehen der beiden bourbonischen und des
englischen Hofes war gross. Aber die Not der Zeit forderte Ruhe
und Überlegung, Prinz Eugen betonte in der Konferenz vom 20, Dez,,
dass hier ein Fall vorliege^ wie er wohl selten in den „Historien'^ ^«
ßnden sei; er riet auf das entschiedenste, sofort mit aller Kraft j{«
rüsteti ; nur mit den Waffen in der Hand könne man auf eine erfolg-
reiche diplomatische Aktion rechnen. Er verkannte die schwierige Lage
nicht y in der sich der Kaiser befand; er betonte, dass Österreich
ausser Preussen und Russland lauter Gegner habe, vertrat aber die
Ansicht, dass es der Ehre des Kaisers widersprechen würde, sich von
fremden Mächten Gesetze vorschreiben {// lassen. Und ähnlich, wenn
auch minder energisch, äusserten sich die übrigen Mitglieder der Kon-
ferenz-^) Mitte Januar I/30 wurde in neuerlicher Beratung der Be-
schluss gefasst, eher die Entscheidung durch die Waffen anzurufen ,
als die Einführung spanischer Besatzungen in Tose au a und Parma z't
dulden.^) Der Kaiser schloss sich dem Gutachten seiner Räte rückhalts-
los an. Dass gerade damals durch ein Edikt der englischen Regierung
•) Der Vertrag ist ahgrdruckt u. a. bei Dunioiit l. c. \lll\2 i^S f. Vgl.
Baudrillart III, ^27 ff,
«> Vgl. Beer l, c. 59/.
3) Vgl, Beer l c, 6a,
173* März i6. ahi
den Untertanen verboten wurde ohne ausdrückliche Bewilligung des
Königs fremden Staaten Geld {u leihen , wodurch die Durchführung
eines grossen Anlehens vereitelt wurde, das der Kaiser unter günstigen
Bedingungen in England abwuscht iessen im Begriffe war, konnte nur
da^u beitragen, die Abneigung Karls VI, gegen die Engländer ^u stärken.
Es wehte kriegerische Luft am Wiener Hofe ; man trieb die Vorberei-
tungen j(um Beginne des Kampfes mit allem Eifer, verhandelte mit
Preusseti und Russland , legte die Frage der Einführung spanischer
Besatzungen in Toscana und Parma dem Reichstage vor, versuchte auch
mit der Opposition in England anT^uknüpfen, Bis ^um Beginne des
Sommers lyjo sah es aus, als sei der Waffengang unvermeidlich. So
scharf als nur irgend möglich betonte Karl VI,, dass er in die Auf-
nahme der spanischen Garnisonen nicht willigen werde, und da die
Verbündeten von Sevilla auf der Erfüllung dieser Bedingung bestehen
^u müssen erklärten, schien eine friedliche Lösung des Streites aus-
geschlossen, Lord Waldegrave, der von der kriegerischen Stimmung
des Wiener Hofes nach London berichtete und die Antwort erhalten
hatte, man bedauere in England das Vorgehen des Kaisers, müsse sich
aber an die Vertragsbestimmungen halten und es der Welt überlassen
{u urteilen, ob eine so unbedeutende Abweichung von den Verfügungen
der Quadrupelallianz Grund genug sei einen Krieg {u beginnen,^)
erklärte unter diesen Umständen an einer erfolgreichen Verhandlung -fw
verzweifeln und verliess im Mai ijßo Wien.^)
Allein gerade in dem Augenblick, da es den Anschein hatte, als
werde es >(//r Entscheidung mit den Waffen kommen müssen, trat eine
Wendung {um besseren ein. Die Umfrage bei den deutschen und aus-
wärtigtn Mächten hatte ein für den Kaiser keineswegs befriedigendes
Resultat ergeben. Die meisten Reichsfürsten zeigten nicht die geringste
Neigung, sich der österreichischen* Interessen halber in einen weitaus-
sehenden Krieg -{« stürzen, einige nahmen sogar eine dem Reichsober-
haupte feindselige Stellung an. Unter den Grossmächten aber war es
Preussen allein auf dessen Unterstützung Karl VI, hätte zählen können ;
selbst Rus stand, auf dessen Mitwirkung man in erster Linie gerechnet
•) Townshend an Waldegrave 24, Febr, ly^o. R. O,
*) Wenn Waldegrave in seinem Berichte vom 2^, Mal lyjo R, O, darauf
hinweist f d iss am Wiener Hofe blas selbstsüchtige Motive herrscJien, dass Privat-
interessen den Hof bestimmen, und dass es den leitenden Ministem gleichgiliig
sei mit wem sie verhantieln, wenn sie nur Ihren Nutzen dabei finden, so ist gegen
die Richtigkeit namentlich der letzteren Bemerkung nichts einzuwenden. Nur hätte
sich dasselbe mit noch grösserer Berechtigung von der engllsclien Regierung sagen
lassen.
in 2 1731 März 16.
hatte, riet ^ur gütlichen Beilegung der schwebenden Differeuj^en, Muss-
ten nun schon diese Tatsachen den Kriegseifer am Wiener Hofe we-
sentlich herabsetzen, so kam noch hinj^a, dass die Rüstungen im eigenen
Lande hinter den Erwartungen ^{xirückblieben. Es geigte sich, dass des
Kaisers Streitkräfte höchstens {ur Sicherung Italiens^ keineswegs aber
lum Schutze der deutschen Erblande und Belgiens ausreichten, wäh-
rend nach allen Äusserungen, die gefallen waren, hier der Hauptan-
griff der Feinde erfolgen sollte. Trotzdem ist es ^zweifelhaft, ob Karl VI*
den Versuch der Entscheidung mit den Waffen nicht gewagt hätte,
wenn ihm nicht eben ^u der Zeit, da Prin:{ Eugen die Schwierigkeit
der Situation von neuem erörterte und für ein möglichst weitgehendes
nur der Ehre nicht widersprechendes Entgegenkommen eintrat, von Seite
der Seemächte die Hand {ur Versöhnung gereicht worden wäre. Das
gute Einvernehmen der Verbündeten von Sevilla — die erste Voraus-
set{U7ig für einen erfolgreichen Krieg gegen den Habsburger — dauerte
nicht lange. Es s^eigtc sich alsbald, dass England mit dem errungenen
Erfolge zufrieden, nur die Aufrechthaltung des st.itus quo be:^eckte,
während die bourboni sehen Höfe die günstige Gelegenheit benutzen
wollten, um entscheidende Schläge gegen die habsburgische Macht f«
führen. Je weniger dies aber den Plänen des englischen Königs ent-
sprach^ desto stärker wurde sein Verlangen, den Kaiser von dem Be-
ginne der Feindseligkeiten abzuhalten, die weiter führen konnten, als
den Interessen Englands förderlich war. Der Rücktritt lownshends,
dessen Abneigung gegen den Kaiser ^ur Verschärfung der {wischen
diesem und den Engländern bestehenden Konflikte mitgewirkt hatte,
konnte nur da{u beitragen, die einem Ausgleiche mit dem Wiener Hofe
günstige Stimmung {u stärken. Und das Mittel dieses Ziel {u errei-
chen, erblickten die leitenden englischen Staatsmänner in der Garantie
der pragmatischen Sanktion.
In der ausgesprochenen Absicht durch ein Entgegenkommen in
dieser Frage des Kaisers Billigung der {u Sevilla getroffenen Verein-
barungen {u erhalten, wurde Thomas Robinson, ein überaus kluger,
in diplomatischen Verhandlungen erfahrener , durch langjährige Betäti-
gung am Pariser Hofe mit den entscheidenden Fragen wohl vertrauter
Mann, an den Kaiserhof geschickt. Schon die ersten Unterredungen,
die er seit der {weiten Hälfte des Monates funi i/ßo mit den mass-
geboiden Ministern pflog, Hessen ihn erkennen, dass Prin{ Eugen der
entschiedenste Vertreter eines auf die Ehre und die Interessen des Kai-
sers Rücksicht nehmenden Ausgleiches mit den Seemächten war, gaben
ihm aber auch den Mut {ur Behauptung, dass eine Einigung, wenn
173' März i6. 4y3
auch nicht bald und nicht ohne ein weitergehendes Entgegenkommen
Englands, >(// cr:{ielen sein werde, ^) Denn dass der beschränkte Garantie-
vorschlag, dm ^u übermitteln er beauftragt war, den Wiener Hof
nicht befriedigen, noch weniger ;(ur bedingungslosen Anerkennung der
{u Sevilla beschlossenen Einführung spanischer Garnisonen in Toscana
und Parma hinreichen werde, daran konnte Robinson nach den ersten
Auseinandersetzungen, die er mit dem Reichsvi:{ekan:{ler Schönborn und
dem Grafen Sin^endorf hatte, nicht :^eifeln.^) Von dem let:{teren
gieng der Vorschlag aus, an Stelle der spanischen, englische Truppen
nach Toscana und Parma j(u senden, während Prin{ Eugen und Starhem-
berg die Garantie Englands für den Gesamtbesit:^ Karls VI. als die
unerlässliche Vorbedingung für eine gütliche Beilegung der bestehen-
den Differenzen bezeichneten.
Diesen Fordemngen zuzustimmen, fehlten Robinson Auftrag und
Neigung, Er sprach daher seine Zweifel darüber aus, ob der Plan
einer englischen Besatzung für die toscanischen und parmesaner Plätze
sich werde realisieren lassen und hob die Schwierigkeiten hervor, die
der Garantie der Erbfolgeordnung für alle Länder Karls VI, im Wege
standen. ^) Aber er fügte diesen wenig erfreulichen Worten die er-
munternde Bemerkung bei, Englands Interesse erheische, das Erzhaus
nicht fallen ^« lassen; wenn man sich einmal über die schwebenden
Streitfragen geeinigt , werde man sich englischerseits auch mit der
allgemeinen Garantie befreunden. Seiner Regierung aber schrieb er
unter dem Eindrucke dieser Beratung, er hoffe unter anständigen Be-
dingungen eine Einigung mit dem Kaiser ^m erzielen,^) Während nun
am englischen Hofe Beratungen darüber gepflogen wurden, ob und wie
weit man den Wünschen des Kaisers entgegenkommen sollte,^) hatte
') Berichte Robinsons d, d, ai, Juni und 26, August ly^o n, st. R, O,
*) Vgl. neben dem Berichte vom 21, Juni auch den vom 5. ///// und
2ö. August ly^o st, n, R, O,
^) Konferen\protokoU vom 21. Aug, ij^o, St,-A.
*) Über die mit Robinson in jenen Tagen gepflogenen Beratungen sind
neben dessen Berichten auch die Konferen^protokclle, namentlich das vom 21, Aug,
(St,-A.) \u vergleichen. Der Inhalt beider stimmt nicht imtner überein,
^) Vgl, über dieselben die Berichte Kinsky's vom Juli und Aug, 17^0, St-A,
Kinsky berichtete u, a, schon am i, Juli, „dass man in England nicht ungeneigt
wäre, gegen Einlassung spanischer Guarnisonen und Ausmachung der mecklen-
burgischen Sache E, K, M, allerhöchste Successionsordnung in omnibus et per
omnia ^u guarantiren:* Die Konferen\räte machten auf die Differenzen ^wi-
sehen den Berichten Kinskv's umi den Äusserungen Robinsons wiederholt auf-
merksam.
474 '73' ^'^^^ iß-
die Wiener Regierung ein Veriragsprojekt ausgearbeitet und Robinson
übermittelt, das im Hinblicke auf das noch herrschende Missirauen
vorsichtig abgefasst, i) die Grundlage für die künftigen Verhandlungen
bilden sollte. Der Kaiser sprach in demselben seine Geneigtheit aus,
die ehemals bestandenen freundschaftlichen Bea^iehungen ^nm englischen
Hofe wieder herzustellen und an der Herbeiführung geordneter y fried-
licher Zustände in Europa mitzuwirken. Er forderte die Garantie der
Erbfolgeordnung für den Gesamtbcsit^ des Hauses Habsburg , erklärte
sich aber dafür bereit, wenn es sein müsse, den ostendischen Handel
definitiv ^m unterdrücken, vorausgesetzt , dass als Äquivalent dafür sei-
tens der Seemächte in eine Änderung der bestehenden Tarife gewilligt
werden sollte,^) Die Einführung spanischer Garnisonen in loscana und
Parma gestand der Entwurf nicht ^«, doch betonte der Kaiser seine
Absicht, diese Angelegenheit ^// ordnen, ohne den Verbündeten Eng-
lands weh^utun und wies auf den Vorschlag des Grossher^ogs von
Toscana hin, Don Carlos als Nachfolger anzuerkennen, der seinen
Wohnsitz sogleich in Florenz aufschlagen solltet)
Die Antwort der englischen Regierung auf diese Erklärungen
Hess nicht lange auf sich warten / denn je genauer die leitenden Mi-
nister sich über die Pläne des Englapid verbündeten französischen Hofes
ZU unterrichten in die Lage kamen, desto wünschenswerter schien ihnen
der Ausgleich mit dem Kaiser. Voraussetzung für denselben blieb
•) /// dt^m Konfcnni^protokoll vom 21. Aug. heisst es, man möge die Ver-
hijiiälufig-rn mit Jen Srrmächtcn so leiten, ,,dass darcon -dcedcr bei dcro Bunds-
<renosst:n, noch andcrs'do ein übler Gebrauch gonjcht urrUen konnte.*' St.-A,
*) /// einer wcitläußiren Martina Inote \um Konferen\protokoll vom 21. Aug.
iy;o Sf.-A. äussert sieh Karl VI. dahin: ,,Der Punct wegen Gnarantie meiner
lirbfolgrrordnung ist iilso jngefiihrt \ii berühren, d^iss derselbe nach gehobt^nen in-
cidente der sp.misehen Gnarnisonen nnib so mehrers siehergestellt werden müsstr,
als der Ruhstand Europae, das eigen Interesse beeder Seemächten und ex reci-
proco entspringende Billichkeit es erheischte. Ich hette meine Minister lengst
hierüber instrnirty dass die bey dem at\juilibro Huropae meist interessirte Mäcitten
sich allerdings damit {u befridigen Ursacli haben würden und were icli nicht
entgegen auch in diesen wichtigen Punct wie ein als anderm mich also billicli
finden {u lassen, dass mit Fug ein mehrers mir nicht werd {ugemuth werden
können. Auf solche Weis vergibt man nichts in voraus, halt die Handlung offen
und probirt die Engeländer, ob sie es aufrichtig meinen oder nicht; wo inzwischen,
wan sie auf die Guarantie nur wegen Wall schland bestünden, die Conferen\ wey-
ters reyfli h überlegen und mir werd einrathen können, ob mit einer limitirten Gua-
rantie sich \u vergnügen thunlich und rathsamb were, welches wohl \u bedenken*
^) Das in französischer Sprache abifefasste Projekt umfasste 8 Artikel. Es
liegt bei dem Berichte Robinsons d. d. lol^o» Aug. i/ßo. R. O.
173' März lö. ^n^
freilich die Durchführung des Spanien im Vertrage von Sevilla ge-
gebenen Versprechens bezüglich der spanischen Garnisonen in Toscana
und Parma / in diesem Punkte blieben die Engländer umso fester, als
erneuerte Verhandlungen mit den Spaniern keinen Zweifel daran Hessen,
dass diese nur unter dieser Bedingung ihre England gewährten Kon-
Zessionen aufrechthalten würden, William Stanhope ^ der ^um Lord
Har rington erhoben, als Staatssekretär die Verhandlungen mit Kinsky
führte, lagerte denn auch nicht, in unzweideutiger Weise ^u erklären,
dass er in dieser Frage keinen Schritt entgegenkommen könne, und-
weder auf den Plan der Einführung englischer oder holländischer,
noch auf den vom Kaiser in dessen Projekte vorgeschlagenen Ausweg,
der sofortigen Anerkennung der Nachfolge des Don Carlos seitens des
jet^t regierenden Grossher^ogs von Toscana, eingehen könne,^) Und
genau in diesem Sinne lautete auch die Weisung, die Robinson erhielt,^)
Harrington betonte, dass die Garantie der Thronfolgeordnung Karls VI,
nicht nur wegen der Franzosen und Spanier, sondern auch wegen der
Reichsfürsten , {umal Sachsens und Baierns, eine gefährliche Sache
wäre , dass Georg IL aber bereit sei in dieselbe ^u willigen, falls der
Kaiser betreffs der Vermählung seiner Töchter den Verbündeten von
Sevilla und gan^ Europa beruhigende Erklärungen abgeben und sich ver-
pflichten wolle, die Wünsche des englischen Herrschers bezüglich des
ostendischen Handels und der spanischen ^Besatzungen in Toscana und
Parma, sowie jene des Kurfürsten von Hannover bezüglich der ost-
friesischen, mecklenburgischen und anderer Streitfragen ^u erfüllen,^)
Ganz ausdrücklich wurde das Erkalten der französisch - englischen
Freundschaft als Grund dieses Entgegenkommens der englischen Re-
gierung bezeichnet, zu gleicher Zeit aber Robinson auf das strengste
eingeschärft, mit keinem Worte dieses Beweggrundes Erwähnung z^
tun. Robinson zög^^te nicht von der ihm -{^//^^/^^wwi/w^m Weisung Ge-
brauch z^i machen. Seine Eröffnungen, die im Laufe des Monates Ok-
tober erfolgten, fanden bei den Konferenzräten keine unfreundliche
Aufnahme.^ wenngleich di^se die Notwendigkeit betonten, in neuerlichen
Verhandlungen weitere Zugeständnisse von der englischen Regierung z^
erzwingen. In der Hauptsache, der Zulassung spanischer Garnisonen
' ) Antwort Harriugtons an Kinsky Sept. 1730, /?. O,
*) Harrington an Robinson j^. Srpt 17^0. R. O.
^) ^S^' für die Forderungen Georgs IL in seiner Eigenschaft als Kurfürst
von Hannover , die er durch einen eigenen Gesandten — Dieden — vertreten
Hess, die weiteren Ausführungen im Texte sowie Coxe R, Walpole HI. passim.
476 »73* ^^^2, i6.
in Toscana und in Parma, T^eigten sie sich geneigt, die , Forderung
der Engländer \u crfülle^i,^)
Im Gegensätze da^u wollte Karl VL noch immer nichts von
Nachgiebigkeit in diesem Punkte wissen, Dass die Holländer den
Ausweg vorschlugen, die Besetzung :{ur Hälfte durch neutrale Trup-
pen vollziehen -{« lassen, bestärkte Karl VL in seiner Meinung, dass
seine Räte sich ^^t leicht der Forderung des englischen Gesandten
gefügt hätten. In einer besonderen Weisung vom letzten Oktober
ijßo befahl er ihnen, in neuerlicher Verhandlung mit Robinson dem
Vorschlage der Holländer das Wort ^tt reden,^) Dies geschah; beson--
ders energisch von Sin^endorf, der in wiederholten erregten Debatten
Robinson von der Notwendigkeit -{« überzeugen suchte, die ausgespro-
chene Abneigung des Kaisers {// berücksichtigen, und die schon früher
von England abgewiesenen Vorschläge der sofortigen Anerkennung des
Don Carlos als Nachfolger des jetzt regierenden Grossherzogs durch
diesen selbst oder der Belegung der Plätze in Toscana und Parma
durch ^«w Teil wenigstens neutrale Truppen von neuem vorbrachte.
Robinson beharrte aber auf seiner früheren Meinung und suchte dem
kaiserlichen Minister den Beweis dafür -{« erbringen, dass Georg II,
im Hinblicke auf das materielle Interesse, das alle englischen Kauf-
leute an der Aufrechthaltung der Handelsbeziehungen -^// Spanien hät-
ten, in diesem Punkte auch nicht einen Schritt entgegenkommen könne.^)
Da aber Karl VI, von einer rückhaltslosen Billigung der englischen
Forderung in dieser Frage trotz neuerlicher Bemühungen des Prinzen
Eugen nichts wissen wollte, sahen sich die kaiserlichen Minister ge-
nötigt, in dem Projekte, das Mitte November^) Robinson übergeben
wurde, neue Vermittlungsvorschläge zu machen, ob^^leich sie von der
Undurchführ barkeit derselben überzeugt waren. Es entsprach ihrem
Wunsche, den Abbruch der Verhandlungen ^w verhindern, dass Prinz
Eugen nach Überreichung des neuen Projektes dem englischen Ge-
sandten die Versicherung gab, der Kaiser wolle unter allen Um-
ständen mit England Freundschaft und Bündnis schliessen, und er und
•) Vgl. Beer l. c. 68.
•) Ebenda />. 6().
^) Robinson an Harrington d. d. iS. Nov. 17^0. R. O. Die rnts heidcnden
Worte lauten: yyin which (Verbindung mit Spanien) cvery trading snbject in Eng-
land was more or less interested, whose just coniplaints mi^ht raise such un
uneasiness in tlic nafion, as would make the emperor Utile the better for the
fricndship of a discontented people.
*) 77. Nov. ly^o.
173' März i6. ^y«^
seine Kollegen würden alles aufbieien, dieses Ziel {u erreichen. Ro-
binson empfieng aus dieser Unterredung den Eindruck, dass Eugen
und dessen Anhänger ^ur Gutheissung der englischen Forderung bereit
seien und nur aus Furcht zögerten, dies schriftlich :(U^ugestehen^)
In auffallender Eile erfolgte die Antwort der englischen Regie-
rung auf das neue Projekt des Kaisers» Bereits am 4, De^, ijßo
war die Weisung an Robinson und das englische Gegenprojekt fertig-
gestellt. Der Vertreter Englands am Wiener Hofe erhielt die Vollmacht, in
die entscheidenden Verhandlungen einzutreten und auf den raschen Ab-
schluss derselben ^u dringen. Als unerlässliche Voraus seti^ung für die
von den Seemächten j^u leistende Garantie der Erbfolgeordnung des
Gesamtbcsit^es des Habsburger wurde auch jet\t neben beruhigenden
Erklärungen über die Heirat der kaiserlichen Töchter , die Unter-
drückung des ostendischen Handels und die Einführung der 6000 Mann
Spanier in Toscana und Parma gefordert, und gan{ ausdrücklich die
Unmöglichkeit betont, in dem letzteren Punkte irgend welche Konzes-
sionen {u machen. Im übrigen wurde auch diesmal die günstige Er-
ledigung der Forderungen Georgs IL in seiner Eigenschaft als Kur-
fürst von Hannover,^) die von einem besonderen Abgesandten desselben
— Dicden — in Wien seit längerem vertreten wurden, als Vorausset-
zung für die definitive Unterzeichnung des Hauptvertrages bezeichnet.
Allein gerade diese Forderungen z^* erfüllen Z'^^S^^ ^'^^ Karl VI,
immer weniger geneigt. Wiederholt hatten schon in seinem Auftrage
die kaiserlichen Minister, ;f7/»i<2/ der Reichsvizekanzler , auf die Un-
gebührlichkeit derselben hingewiesen und betont, dass Karl VI, keine
Verpflichtungen einzugehen gedenke, die mit seiner Stellung als Reichs-
oberhaupt nicht vereinbar wären oder ihn in Konflikte mit seinen Bundes-
genossen bringen könnten. In diesem Sinne war denn auch die Deklaration
gehalten, die Dicden Ende N( vrmber übergeben wurde. Einzelne Forde^
rungcn Georgs IL fanden volle, andere nur teilweise Billigung der kaiser-
lichen Regierung, doch suchte diese jedes Wort zu vermeiden, das ihre
Verbündeten, Preussen und RussLind, verletzen konnte. Die Erregung der
kaiserlichen Minister war daher eine sehr grosse, als Dieden am letzten
Tage des Jahres 17 jo z^^g^^l^h mit der Antwort der kurfürstlichen Regie-
rung die Erklärung abgab, dass Georg IL die Einwilligung ^//r Unter-
zeichnung des Hauptvertrages von der endgiltigen Feststellung der Dekla-
ration über die hannoverischen Forderungen abhängig mache, und diese
') Rohinson an Harrington 28, Nov. 17 }o. R, O,
^) Harrington an Rohinson 4, De\, 17^0. /?. O.
478 »73' ^^'^ '^•
Erregung wuchs, als man aus der Lektüre dieses Schriftstückes ersah,
dass Georg IL seine Forderungen nicht herabgemindert hatte, dieselben
aber in ungleich schärferer Form vorbrachte als ^{Uüor, Mit seltener
Einmütigkeit erklärten die kaiserlichen Minister, dass man in ent-
schiedenster Weise das Vorgehen Georgs II, verurteilen, die gestellten
Forderungen zurückweisen und selbst die Last eines Krieges eher auf
sich nehmen müsse, als derartige Anmassungen duldeti. In diesem
Sinne wurde Die den in den zahlreichen, überaus erregten Debatten, die
in den ersten Tagen des Jahres ijßi stattfanden,^) vorgehalten, dass
die Form der Deklaration eine unpassende sei, der Inhalt aber dem
Kaiser Dinge ^umute, die der letztverstorbene englische König z^ be-
gehren sich nimmer habe einfallen lassen und die der vom Kaiser
beschworenen Wahlkapitulation^ den Reichsgrundsätzen, auch dem Rechte
Dritter z^uwider liefen. Sinzendorf erklärte , sein Herr werde eine
solche Deklaration nicht unterschreiben und wenn auch 100,000 Mann
vor den Toren Wiens stünden, und nicht minder energisch wiesen die
übrigen Mitglieder der Konferenz die Idee z^^ück, als könnte ihr Herr
jemals seine Einwilligung zu dieser Erklärung geben.
In der Tat blieben alle Bitten und Drohungen der Vertreter
Georgs IL vergebens. In den entscheidenden Beratungen vom 11, und
12. Januar 17 ßi wurde der Beschluss gefasst, die Antwort des Kai-
sers auf die letztest Erklärungen Georgs IL Dieden mit der Bemer-
kung zukommen zu lassen, dass an weitere Konzessionen nicht z^ ^^w-
ke7i sei. Auf das entschiedenste weigerte man sich auch jetzt, das von
Georg IL für die weiblichen Mitglieder seiner Familie geforderte Erb-
recht auf Bremen und Verden gutzuheissen, und ebenso bestimmt ver-
langte man, dass es in der Mecklenburger Frage bei dem auf Preussen
extendirten Konservatorium bleiben und nichts geschehen sollte^ was den
Ausschluss Preussens bedeuten könnte. Überdies aber wurde von der
Gutheissung dieser neuen kaiserlichen Erklärung seitens Diedens die
Fortsetzung der mit Robinson geführten Verhandlungen abhängig ge-
macht.^) Und um ja keinen Zwei fei darüber aufkommen -{// lassen,
dass diesen kurfürstlichen Interessen die Schuld an dem eventuellen
Scheitern der englisch-österreichischen Einigung beigemessen werden
müsste, entschloss sich Karl VI, den Widerstand, den er solange der For-
derung auf Einführung spanischer Besatzungen in Toscana und Parma
entgegengesetzt hatte, fallen zu lassen. Während er noch am 4, Januar
0 Akten im St.-A,
•) Konfereniprotokoll vom 11, und 12, Jan. ly^i St.-A.
173» März i6. ^-^Q
ijßi sich geweigert hatte ^ in diesem Punkte dem befürwortenden Gut-
achten seiner Räte j^u^ustimmen^^) erklärte er in der Sitzung vom
J2, Januar ijßj dem Wunsche Englands willfahren ^« wollen. Frei-
lich geschah dies nicht, ohne dass Karl VI. nochmals hervorhob, wie
gefährlich dies sei, „nicht so viel wegen derer spanischen Besatzungen,
als dass einem Prinzen vom Haus Bourbon so ansehnliche Länder in Ita-
lien andurch versichert würden^^. Und er fügte hin^u, es „würde vielleicht
gut gewesen sein, wann die Königin von Spanien ^u Folge ihrer be-
kannten Gachheit sich in denen feindlichen Unternehmungen übereilet und
andurch Gelegenheit an Hand gegeben hätte, aus besagten Übel her-
aus {ukommen''^) Auch wollte Karl VI dieses Zugeständnis von der
Bedingung abhängig machen, dass im Augenblicke, da Don Carlos in
den ruhigen Besit^ Toscana's und Parma s gelangt sei, die spanischen
Garnisonen herausgeflogen werden müssten, und dass die Zulassung der-
selben von der Zustimmung Spaniens ^u der getroffenen Vereinbarung
abhängen sollte. Im übrigen wurde bei der Fassung dieses Artikels
die grösste Mühe darauf verwendet, alles ^u vermeiden, was den Wi-
derspruch der jet{t gemachten Zugeständnisse mit den früher betonten
Rücksichten auf das Reich beweisen konnte.
Unterdes war es auch bezüglich der übrigen Artikel des Haupt-
vertrages ^u lebhaften Verhandlungen :^ischen Robinson und den kai-
serlichen Ministern gekommen. Was den letzteren sofort unangenehm
an dem neuen Entwürfe auffiel, war eine auf Wunsch des staatischen
Pensionärs von Robinson vorgenommene Änderung des auf die Auf-
hebung des ostendischen Handels bezugnehmenden Artikels, Während
nämlich früher der Kaiser nur verpflichtet worden war, seinen belgischen
Untertanen Handel und Schiffahrt nach Ostindien :(u untersagen,
sollte jet{t dieses Verbot auch auf die übrigen Gebiete des Kaisers
ausgedehnt werden, die früher der Krone Spaniens unterworfen wa-
ren. Gegen diese Beeinträchtigung der italienischen Besatzungen des
Kaisers erhoben dessen Minister entschiedenen Protest, ebenso gegen die
Weigerung der Seemächte die einmalige Absendung von ^wei belgi-
schen Schiffen nach Ostindien ^u gestatten und einen festen Termin ^u
bestimmen, bis ^u dem der vom Kaiser verlangte, von ihnen zugesagte
Handesvertrag abgeschlossen sein müsse, Robinson suchte sie ^u beruhi-
gen, da er aber entscheidende Zugeständnisse nicht machte, sahen sich die
kaiserlichen Minister genötigt, ihre Forderungen in ihrem neuen Ver-
') Vgl. Beer l, c, 6(j,
*) Konferen\protokoU vom 12, Jan. lyji St,-A,
480 <73' ^*^" 'ö.
tragsenfwurfe ^u formulieren, Sie bestanden auf der Beschränkung des
Verbotes des ostendischen Handels auf Belgien und auf der einmaligen
Absendung von 2 Schiffen nach Indien; dagegen Hessen sie die For-
derung eines bestimmten Termines für den Abschluss des Handelsver-
trages fallen. Eine weitere Schwierigkeit ergab sich beiüglich der Fas-
sung des Artikels, der die von den Seemächten {u leistende Garantie
der österreichischen Successionsordnung betraf Man war ^ar Kaiser-
licherseits bereit^ den Besorgnissen dieser Mächte be:^glich der Ver-
mählung der kaiserlichen Töchter Rechnung \u tragen und billigte
prinzipiell den für diesen Zweck bestimmten „articulum secretissimum^^ ,
allein man war mit der {u allgemein gefassten Einschränkung, die der
englische Entwurf enthielt, nicht einverstanden, „welche mit der Zeit, um
sich jeder auch noch so unnachteiliger Vorfallenheit der vorhin ausge-
drückten Zusage ^H entliehen, missbraucht werden dürftet Es geschah
gelegentlich der Beratungen über die diesem Artikel ^u gebenden Form,
dass Robinson des preussischen Kronprinzen als Heiratskandidaten Er-
wähnung tat. Die kaiserlichen Minister beeilten sich, die Versicherung
ZU geben, dass an der Sache nichts sei, auch nie daran gedacht wor-
den, betonten aber die Unmöglichkeit^ eine darauf bezügliche Bemer-
kung in den betreffenden Artikel aufzunehmen. Dagegen forderten sie
auf das entschiedenste dir Aufnahme eines Scparatartikels, durch den
sich Georg IL als Kur- und Fürst des Reiches verpflichten sollte, seine
Stimmen in beiden Reiqhskollegien im Sinne der Garantie der öster-
reichischen Successionsordnung durch das Reich abzugeben. Der Kaiser
billigte nicht nur dieses Vorgehen seiner RäiCy sondern bemerkte gan^z
ausdrücklich, man müsse auf der Aufnahme dieses Artikels umsomehr
bestehen, weil ßuan sonst auch keine Sicherheit habe, dass Georg //.
als englischer König sein Versprechen erfüllen werde. In einem be-
sonderen von den österreichischen Ministem entworfenen Artikel for-
derten diese überdies die Bestätigung der vom Kaiser mit des englischen
Königs Vorfahren errichteten Traktate, iushesouderc des Kurtraktates
von 16 p2, sowie den Beitritt der Geucralstaatcn ^wr Qjtadrupelallianz,
letzteres vornehmlich in der Absicht, die Geucralstaaten z^ir Garantie
der kaiserlichen Gebiete schon ^w Lebzeiten Kir/s VI. >{// {uj/«^<?//. Auch
wurden spezielle Verfügungen z^^ Gunsten der russischen Garantie und
der holsteinischen Interessen dem neuen Vertragsentwürfe einverleibt.
Es braucht wohl nicht erst bemerkt z'i werden, dass die bisher
erwähnten Differenzen nicht die ein {igen waren, die sich im Verlaufe
einer eingehenden Prüfung des englischen Entwurfes ergaben. Es gab
ihrer noch eine Menge ; teils sachlicher., teils formeller Natur, boten sie
173» März i6. 4Ö1
Anlass ^u langdauernden Erörterungen und bewiesen, wie stark das
Misstrauen der beiden Regierungen gegeneinander war, die sich hier
{ur alten „Freundschaff^ zusammenfinden sollten. Das entscheidende
aber war doch, dass Karl VI. in der Sitzung vom 12. Januar lyji
seinen festen Entschluss kundtat , unter den von ihm vorgeschlagenen
Bedingungen den Vertrag ^ti unterzeichnen. Die kaiserlichen Entwürfe
wurden noch an diesem Tage Robinson und Dieden überreicht. Der
letztere erklärte, unter diesen Umständen nicht abschliessen {u können
und Robinson :(ögerte nicht, ihn in seiner Opposition j{u unterstützen.
Beide drohten die Verhandlungen abzubrechen. Aber diesmal blieben
ihre Erklärungen wirkungslos. Man gab ihnen ^7/ verstehen, dass man
im Falle des Abbruches der Verhandlungen der ganzen Welt die
Gründe dafür darlegen werde. Die Energie der kaiserlichen Minister
hatte Erfolg, Als sie am iß, Januar von Robinson eine bestimmte
Erklärung forderten, ob er das Zustandekommen des Hauptvertrages
wegen der deutschen Angelegenheiten verhindern wolle, erwiderte er',
gewiss nicht; und am folgenden Tage entschloss er sich, als der von
ihm vorgeschlagene Ausweg, die beiden Verträge durch Kinsky in
London fertig stellen -{// lassen, von den kaiserlichen Ministern z^^^ück-
gewiesen wurde, einer Anregung dieser folgend, die schriftliche Er-
klärung abzugeben, dass er den Hauptvertrag soweit fertig stellen wolle,
dass derselbe, sobald betreffs der deutschen Fragen eine Einigung er-
zielt sei^ unterschrieben werden könnte,^) Daraufhin wurde ihm das
neue Vertragsprojekt der Österreicher übermittelt. Schon eine flüchtige
Leetüre desselben bewies ihm, wie wesentliche Änderungen die kaiser-
lichen Minister an dem von ihm überreichten Schriftstücke vorge-
nommen hatten. Er erklärte rundweg, Bestimmungen, die Georg IL
als deutschen Kurfürsten betrafen, nicht unterfertigen, die kaiserlichen
Forderungen bezüglich Russlands und Holsteins seiner Regierung gar
nicht übermitteln <{« können; hob nochmals die Notwendigkeit hervor,
die Seemächte auch bezüglich einer geplanten Heirat einer Kaisers-
iochter mit dem preussischen Kronprinzen durch eine dem Vertrage ein-
zuverleibende Erklärung ;[« beruhigen und betonte die Schwierigkeit,
des Kaisers Forderungen bezüglich der spanischen Besatzungen in Ita-
lien und des belgischen Handels bei seinem Hofe durchzusetzen. Trotz-
dem bezeichneten des Kaisers Räte das Ergebnis der Beratungen als
ein günstiges^ vorausgesetzt , dass man den Äusserungen Robinsons trauen
dürfe. Dieser hatte am 16, Januar eingehend seinem Hofe berichtet.
') Vorträge an den Kaiser d. d, 75. und 16, Jan, ij^i» SU-A,
Östcncicliisch-engllsclic Staalsvctiräße. Bd. I. 3 '
48a t73i Mttra 16*
das neue Vertragsprojekt des Kaisers überschickt und um schleunige
Instruktion gebeten.
Am 8. Februar cr/otgte die Antwort. Die englische Regierung
übermittelte ihrem Vertreter ein neues Vertragsprojekt, das mit Aus-
nahme einer des Kaisers Wünscheti entgegenkommenden Formulirung
des Garantieartikels dem früheren, englischen Entwürfe inhaltlich voll-
kommen entsprach, als Ultimatum und bezeichnete jedes Entgegenkommen
speziell in der Besat^ungsfrage als unmöglich. Doch erhielt Robinson die
Ermächtigung, in den anderen Punkten den kaiserlichen Wünschen soweit
entgegenzukommen, als sich dies als unerlässlich erweisen sollte.^) Har-
rington aber, der Staatssekretär, fügte diesen Weisungen an Robinson
noch die Bemerkung bei: „Ich kann diesen Brief nicht schliessen, ohne
Ihnen mitzuteilen, dass der König es für absolut notwendig hält, die
Angelegenheit -{«/« Abschlüsse ^w bringen, so oder so^ Derselbe Bote
aber, der dieses offizielle Aktenstück Robinson ^m überreichen hatte,
brachte ein >{w^//« privates Schreiben Harringtons, in dem dieser den
englischen Gesandten am Wiener Hofe nochmals beschwor , den Ab-
schluss des Vertrages wenn irgend möglich z^ erzwingen, und das mit
folgender, höchst bedeutungsvoller Wendung schloss: „Es ist ernstlich
ZU wünschen, dass der Kaiser bewogen werden könnte, in allen Fragen,
die Dieden -f w verhandeln beauftragt ist, volle Satisfaktion z^ gewähren ;
wenn aber alles, was -(// erreichen möglich, durchgesetzt ist^ werden Sie,
wie ich überzeugt bin, Ihrer Instruktion entsprechend, den (englisch-
österreichischen) Vertrag unterzeichnen und ^// gleicher Zeit darauf
bestehen, dass alles, was in der deutschen Frage nicht hat beglichen
werden können, später in freundschaftlicher Abmachung geordnet wirdf*^.^)
Ein weitgehendes Zugeständnis Georgs IL war in diesen Worten ent-
halten; er war bereit, auf die Erfüllung seiner kurfürstlichen For-
derungen eher ^« verzichten, als den für England so günstigen Ver-
trag scheitern z^t lassen.
Gegen den 20. Februar waren die iieuen Weisungen in den Hän-
den Robinsons. Am 22, Februar übergab er das neue englische Ver-
tragspro jeki ; die kaiserlichen Minister erkannten sogleich die Überein-
stimmung desselben mit dem Ende Dezember vorgelegten englischen
Entwürfe und begannen von neuem die Verhandlungen in der ausge-
sprochenen Absicht, den Abbruch derselben u\nn irgend möglich ^//
*) Weisung Harringtons d. d. 2S. Jan.jS. Fcbr, 17^1. Vgl. Coxe l. c.
IILS^ff,
*) Harrington an Robinson 2S. Jiin.jS. Febr. 17] i ; Coxe /. c, III. 87.
1^31 MUrz i6. 483
vermeiden y unter allen Umständen aber so j^u führen, dass ihren Herrn im
Falle der Erfolglosigkeit derselben kein Vorwurf treffen könne. Daher ihr
Entgegenkommen in allen Punkten, die sie mit der Ehre Karls VI, ver-
einbar und seinem Interesse nicht all:^n schädlich hielten. Sie vernich-
teten, wenn auch ^ögernd, auf die Aufnahme jener Artikel, kraft deren
die mit Hannover geschlossenen Verträge, s^umal der Kurvertrag vom
fahre 1692, im Hauptvertrage bestätigt und Georg IL verpflichtet wer"
den sollte,' als Kurfürst von Hannover auf dem Reichstage seine Stim-
men im Sinne der Garantie der österreichischen Erbfolgeordnung sei-
tens des Reiches ab:{ugeben. Sie standen von der ausdrücklichen Er^
wähnung Russlands und Holsteins in dem Artikel ab , der die Be^
^iehungen der Vertragschliessenden ^u deren Verbündeten betraf und
Hessen auch die Klausel fallen, deren Aufnahme der König von Preus-
sen in seinem Interesse gefordert hatte. Sie stimmten ferner dem
Wunsche der Seemächte bei, dass die gegenseitige Garantie sich auch
auf die „Rechte und Immunitäten'^ der Vertragschliessenden erstrecken
sollte, obgleich sie wohl wussten, dass die Engländer es damit auf die
Garantie der ihrem Handel gewonnenen Vorteile abgesehen hatten.
Auch gegen die Aufnahme eines Separatartikels, durch den die See-
mächte sich dagegen sicherten, an einem Kriege Österreichs gegen die
Türken ^u Gunsten der ersteren Macht teilnehmen ^u müssjen, erhoben sie
keine Widerrede und gestanden den Engländern und Niederländern ohne
weiters das Recht ^u, in Sizilien bei allen Handelsfragen als „meistbe^
günstigte Nationen'^' behandelt {u werden. Etwas schwerer gelang es,
in der spanischen Besatj{ungsfrage eine Einigung ^u erzielen, da die
Räte Karls VI. für eine unbedingte Billigung des englischen Entwurfes
nicht ^u gewinfien waren und überdies durch den im Januar ijßl er-
folgten Tod des Herzogs Anton von Parma und Piacen^a, sowie durch
die nach Wien gemeldete Schwangerschaft der Witwe desselben eine
neue Komplikation in der schon ohnehin verwickelten Frage eintrat.
Aber auch hier fand sich schliesslich eine Form, die beiden Teilen
genügte. Die Engländer vernichteten auf die Be;(eichnung der Garantie
der österreichischen Erbfolgeordnung als Recompens für die Zulassung
der spanischen Garnisonen seitens des Kaisers — worauf dieser Ehren-
halber nicht eingehen wollte — und auf die ausdrückliche Benennung
des Vertrages von Sevilla in dem ß. Artikel , der Kaiser auf die
Erwähnung der Quadrupelall ian^ und auf die Aufnahme der Be^
dingung, dass die Zulassung der spanischen Garnisonen vom Bei-
tritte Spaniens {ur Pacifikation abhängig gemacht werden sollte. Zu
gleicher Zeit aber wurden {ur Vermeidung weiterer Missverständnisse
3'*
484 «73« Mttrz 16.
ß Deklarationen ausgearbeitet. In der ersten gaben die Seemächte die
bindende Erklärung ab, die Bestimmungen des 5. Artikels der Quadrupel-
allian^y welche die Rechte des Kaisers und des Reiches in Italien betrafen,
genau einhalten {u wollen, und auf unaufhörliches Drängen der kai-
serlichen Minister vernichteten die Seemächte auf die ursprünglich ge-
plante Geheimhaltung dieser Deklaration. Durch die ^eite gleichfalls
für die Öffentlichkeit bestimmte Deklaration wurde die Frage der Suc-
cession in Parma und Piacenyi in der Weise geordnet, dass im Falle
die Witwe des verstorbenen Herj(ogs einen Sohn gebären sollte, die
Einführung der spanischen Garnisonen in die festgesetzten Plätze des
Landes stattfinden^ sonst aber Don Carlos sogleich ^ur Thronfolge in
beiden Gebieten zugelassen , in jedem Falle aber die kaiserlichen Trup-
pen, die beim Tode Antons in Parma und Piacen\a eingezogen waren,
dieses Gebiet verlassen sollten. In einer dritten geheim ^u haltenden
Deklaration endlich erklärten die Seemächte — auf wiederholtes stür-
misches Begehren des Kaisers — es sei auch jetzt wie beim Ab-
schlüsse des Vertrages von Sevilla ihre Meinung, dass Spanien,
den dort getroffenen Verabredungen entsprechend, die spanischen Gar-
nisonen aus Toscana, Parma und Piacenza abführen lassen sollte, so-
bald Don Carlos in den ruhigen Besitz dieser Länder gelangt sei.
Grösser waren schon die Schwierigkeiten, die sich der Ordnung
der Ostender Handelsfrage in den Weg stellten. Über die definitive
Unterdrückung der ostendischen Compagnie bestand zpar keine Mei-
nungsverschiedenheit. Auch gelang es den Vertretern Karls VI. nicht
allzitschwer, die Einwilligung der Seemächte z^tr einmaligen Absendung
zweier Handelsschiffe von Ostende nach Indien z^i erwirken. Dagegen
weigerten sich diese ebenso bestimmt , einen Termin für den Abschluss
eines Handelsvertrages ^u'/5r//^rw den Seemächten und Belgien festzu-
setzen, als die kaiserlichen Minister, die Bestimmungen des Artikels 26
des Barrierevertrages als noch >{// Recht bestehend anzuerkennen. Erst
nach langen ernsten Beratungen -{U^/W/r// Robinson und den kaiser-
lichen Ministern, die oft -{// heftigen Debatten führten, gelang es eine
Einigung dahin >{// treffen, dass der Kaiser, grgen die Zusicherung der
Seemächte den Handelsvertrag längstens innerhalb {wcier fahre vom
Beginne der Verhandlungen — der 2 Monate nach Unterzeichnung des
vorliegenden Vertrages erfolgen sollte — ab{uschliessen, in die Auf-
nahme des Artikels 26 des Barricrevertrages willigte.^) Aber auch
*) /// dem Vortrage vom S. Mär^ ly^j Sf.-A., in dem die Konferenzräte
dem Kaiser die Gut//eissung dieser emrlischeii Forderung empfahlen, betonten sie
173' Miirz i6. 485
dann waren die Schwierigkeiten, die sich der definitiven Ordnung dieser
Frage in den Weg stellten, nicht gan{ behohen. Denn da die Nieder-
länder an den j^u Wien gepflogenen Beratungen keinen direkten Anteil
hatten und ihr in Wien weilender Vertreter — offiziell aus formalen
Gründen — die gleichzeitige Unterfertigung des Vertrages ablehnte,
wünschte die Wiener Regierung sich gegen neue Chicanen der Ge-
neralstaaten -{« sichern und verlangte deshalb die Aufnahme eines Ar-
tikels, durch den diese ^ur bedingtingslosen Annahme der in dem
Vertrage festgesetzten sie betreffenden Verfügungen innerhalb einer be-
stimmten Frist unter der Drohung verpflichtet werden sollten, widrigen-
falls alle Vorteile -{« verlieren^ die ihnen zugewiesen worden seien,
Robinson aber, der von dem Vertreter der Niederländer ununterbrochen
bestürmt wurde, weigerte sich eine solche Erklärung ^// billigen, und
willigte erst spät in die Aufnahme eines Separatartikels, der den Nie-
derländern eine dreimonatliche Frist >{//r Unterzeichnung gewährte, da-
mit sie der Dinge teilhaftig würden, die z^ ihren Gunsten in dem vor-
erwähnten Vertrage ausbedungen worden seien. Zu gleicher Zeit aber
musste die Wiener Regierung in die Aufnahme eines geheimen Artikels
willigen, durch den sich der Kaiser verpflichtete, gleich jetzt , bevor
noch die Generalstaaten dem Vertrage beigetreten seien, seinen bel-
gischen Untertanen jeden Handel nach Indien .{// untersagen.
Ausdrücklich aber hatten des Kaisers Räte in ihren wiederholten
Vorträgen an Karl VI, betont, dass sie -{f/r Nachgiebigkeit in allen
diesen Punkten nur für den Fall raten könnten, als es gelingen sollte,
die Wünsche der kaiserlichen Regierung in der Garantiefrage durch-
zusetzen. ^) Diese aber giengen dahin^ die Garantie der Seemächte für
die gesamten Besitzungen Karls VI ohne jene entwürdigenden und
zweideutigen Zusätze ^w erlangen, die sich in dem Vertragsentwurfe
fanden, den Robinson Ende Dezember übergeben hatte und die auch
durch die Korrektur desselben seitens Harringtons im Februar ijßi
nicht beseitigt worden waren. Es war der feste., unwiderrufliche Ent-
schluss des Kaisers, eher von dem Abschlüsse des Vertrages abzustehen,
als in diesem Punkte nachzugeben. Allein auch die ausdrücklichsten
Erklärungen der kaiserlichen Räte vermochten Robinson, der in dieser
wiederum, wie bedenklich dieselbe sei und wie bedauerlich es sei, dass man sich
habe fügen müssen. Sie erklärten aber, sie keiften sich dadurch nicht also prä-
judiziert „dass um dessentwillen £•*. M. die Hände gebunden sein sollten nach
fruchtloser Verßiessitng \weier Jahre sich dero Gerechtsame als Souverain nicht
bedienen {u können.**
') Vortrag d. d, 4. Mär\ ly^i. St-A,
486 '73» MUrz i6.
Frage strikte Weisungen \u haben behauptete y von seiner Ansicht nicht
abzubringen, dass das Verbot der Vermählung der Thronerbin mit
einem bourbonischcn Prinzen nicht genüge, dass auch die Heirat der-
selben mit irgend einem Fürsten ausgeschlossen werden müsse, „cuius
potentia et Status iustas et legitimas formidinum causas quoad aequi-
librum Europae suppeditare possenty Vergebens wendeten die Ver-
treter der kaiserlichen Interessen ein, dass bei Zulassung dieser Be-
stimmung die Seemächte auch dann die Garantie \u leisten weigern
könnten, wenn der Prin^, dem die Erbin Karls VI, die Hand reiche,
auch nur „eine Handbreit Erde^^ besitze. Robinson blieb dabei, dass die
Seemächte sich gegen eine das Gleichgewicht Europa* s bedrohende Macht
Österreichs schütj^en müssten und ihre Garantie ^ur Unterstützung einer
solchen nicht ^usagen könnten. Es muss unter diesen Umständen ah
ein Glück beieichnet werden, dass im Schoosse der kaiserlichen Kon-
ferenz die Idee auftauchte, den bestehenden Konflikt durch die Ver-
fassung {weier neuer Artikel bei^^ulegen, von denen der erste die See-
mächte von der Verpflichtung der Garantie für den Fall entband, als
die österreichische Thronerbin einem männlichen Sprossen des Hauses
Bourbon angetraut werden sollte, während im ^^eiten festgesetzt wurde,
dass es dem Prin{en, der die Thronerb in heirate — falls seine Macht
wirklich eine so grosse sein sollte, dass durch die Vereinigung seines Be-
sitzes mit dem der Erbin Karls VL dem europäischen Gleichgewichte
augenscheinliche Gefahr drohe — freigestellt werden sollte, auf seine Ge-
biete z}i Gunsten seiner nächsten Verwandten, oder aber im Falle der
Vereinigung seiner und der Thronerbin Länder auf die Garantie der
Seemächte {u verzichtend) Auf dieser Grundlage erfolgte nicht ohne
neuerliche weitläufige Verhandlungen, die das gegenseitige Misstrauen
erkennen Hessen, der Abschluss, Kar! VI. gab seine Einwilligung z^
der von Robinson gegebenen Fassung dieser Artikel, in der Hoffnung,
dass man genügende Vorsorge getroffen habe, „wenn man (England
und Holland) nicht absolute mala ßdc gehen wilW^)
Während so durch beiderseitige Nachgiebigkeit die erwünschte
Einigung in allen Fragen erfolgte, die Englands Beziehungen zum Kai-
serhofe betrafen, konnten die noch bestehenden Differenzen bei den zu
gleicher Zeit geführten Verhandlungen z}^'i sehen den Minisie rn Karls VL
und Dieden — dem Vertreter Georgs IL als Kurfürsien von Hannover —
vorerst nicht behoben werden. Da aber der Kaiser drängte und Georg IL
^) Vortrag d. d. 4. Mär^ 17p » St-A.
*} Vortrag d. d. 12. Mär:^ 17 ji, St.-A,
173» März i6. 487
alles vermeiden wollte, was den Anschein erwecken konnte, als wolle
er auf Kosten der Engländer seine deutschen Interessen fördern, ent-
schloss sich Robinson, wenn auch erst nach wiederholten vergeblichen
Versuchen die Kaiserlichen ^«r Nachgiebigkeit {u bewegen, von der
ihm gewordenen Erlaubnis Gebrauch {« machen, und unter ^{eichnete am
16, Märi lyßi den Wiener Vertrag, die Ordnung der deutschen
Fragen einer späteren Vereinbarung überlassend^) Dieselbe erfolgte
früher, als man erwartet hatte. Am 10. April n. St übergab der
Kaiser dem kurfürstlichen Gesandten das Dekret be:{üglich der hanno-
ver'' sehen Forderungen,^) wogegen Die den dem Kaiser die vom selben
Tage datierte Deklaration Georgs IL überreichte, krajt der dieser auch
^Is Kurfürst von Hannover die Garantie der pragmatischen Sanktion
übernahm und sich verpflichtete, für die Annahme derselben auf dem
Reichstage nicht nur jeine Stimmen abzugeben, sondern auch in diesem
Sinne bei den ihm befreundeten Fürsten j(u wirken.^)
*) Wie schwer ihm dies wurde, beweisen seine an Harrington und Horacc
Willpole gerichteten Schreiben aus dieser Zeit Vgl, Coxe L c, IIL p^ff»
*) Eim^ Ratifikation dieses Dekretes und der gleichzeitigen Deklaration
Georgs IL erfolgte nicht, weil, wie Karl VI. bei ähnliclier Gelegenheit den Ge-
neralstaaten erklärte, der Kaiser derartige oberstrichterliche Erklärungen wohl
abgeben, aber keine Verträge darüber schliessen könne.
3) Da in dieser Erklärung des Vertrages vom j6. Mär{ gedacht wird, sei
sie hier widergegeben: Demnach ^wischen seiner KayserL Majestät an einem
und seiner KönigL Map- von Großbritannien am andern Tlieil unterm 16, Martii
ly^i ein gewißer Tractat geschloßen worden, und höchstgedachte seine KönigL
Maß darin unter andern die Guarantie wegen der künfftigen Succession in seiner
KayserL Map sämtlichen Erbkönigreichen und Landen \u leisten versprochen
haben; so dcclariren seine KönigL Majestät hiemit, daß Sie sowohl jet\tbesag-
ten Tractat überhaupt, alß auch insonderheit die darinnen außgedruckte Gua-
rantie auff Maaße und Weise und unter eben denen Conditionen, wie in vorer-
wehntem Tractat und deßen Nebenarticuln in mehrern angeführet ist, auch alß
Churfürst {u Braunschweig und Lüneburg übernehmen und selbige casu eveniente
obver st andener maßen würcklich ;[w praestiren sich verbündten erachten. Seine
KönigL Map von Großbritannien versprechen ferner, mit dero votis bey der
Reichsversamlung \u Regensburg dahin ^u concurriren, daß erwehnte Guarantie
von des gesambten Reichs wegen auff gleiche Weise übernommen werde^ wie dann
5e Königl, Maj^ alle diensahme gute officia bey dero Reichs- Mitständen, mit
welchen Sie in gutem Vernehmen stehen, dahin anwenden wollen, daß selbige ;{W
gleichmäßigen Setitimentcn bewogen werden mögen, Uhrkundlich seiner KönigL
Maj^ eigenhändigen Unterschrifft und nebengedrückten Insiegels, St James den
ßo, Martiijio, April Anno 17^1*
George R,
488 !73« MUrz i6.
Der 8. Artikel des Bündnisses vom i6, Mär^ verfugte ^ dass
alle von einem der Kontrahenten längstens 6 Monate nach erfolgter
Ratifikation genannten Mächte hei allgemeiner Zustimmung in diese
Vereinbarung eingeschlossen werden sollten. Die Form, in der diese
Aufnahme erfolgen sollte, war nicht näher bestimmt worden, An-
fang August lyßi trat nun der kaiserliche Gesandte in London,
Graf Kinsky , an die englischen Minister mit einem Access ionser-
suchen heran. Es handelte sich dem Wiener Hofe dabei in erster
Linie um Ru%sland und Preussen, doch wurden, schon im Hin-
blicke auf England, auch Dänemark und Schweden für den Beitritt
vorgeschlagen. Die englische Regierung betonte in ihrer Antwort die
Schwierigkeit der Sache, bezeichnete insbesondere die Aufnahme Prcus--
sens als bedenklich, entschloss sich aber doch ein in allgemeinen Aus-
drücken abgefasstes Accessionsprojekt dem kaiserlichen Gesandten ^u
überreichen,^) Als dieser aber, den ihm lugekommenen Weisungen ent-
sprechend, j^um Abschlüsse drängte, erhob Georg IL neue Einwände,
die deutlich geigten, dass er das im August gegebene Versprechen flicht
erfüllen wollte. Je zurückhaltender aber die Engländer wurden, desto
eifriger der Wiener Hof In einer Weisung vom i6, Nov, ly^i wurde
Kinsky darauf aufmerksam gemacht, dass das Vorgehen Englands beim
Abschlüsse eines Freundschaftsvertrages mit dem Österreich feindlichen
sächsischen Fürsten, und die Versuche Georgs II , den schwedischen König
in dessen Eigenschaft als Landgraf von Hessen-Kassel :{um Beitritte ^n
diesem Sonderbündnisse {u bewegen, dem Kaiser dir Übcr{eugung aufge-
nötigt hätten, dass die Durchführung der geplanten Accession einiger
Mächte ^iim Bündnisse vom i6.Mär^ J/ji dringend geboten sei. Matt be-
tonte, dass man bereit sei, dem Dänenkönige den Besit^ von Schleswig ^u
garanfiren und dafür Russlands Zustimmung j(u gewinnen, falls durch
Englands Vermitfelung der Holsteiner eine entsprechende Entschädi-
gung erlangen sollte ; man \eigic Geneigtheit, die mit Schweden herr-
schenden Konflikte unter Mitwirkung Englands {ii beseitigen und sprach
sich für die Aufnahme der beiden nordischen Mächte in das Bündnis vom
i6. Märi aus, forderte aber dafür die Zustimmung Englands {ur Ac-
cession Russlands und Preussens, 2) /;/ gleicher Weise wurde auch Ro-
binson angegangen und ihm gegenüber darauf hingewiesen, dass auch Eng-
lands Interresse schwer geschädigt werden würde, falls diese beiden letzteren
Mächte, vom Kaiser und von England zurückgewiesen, sich der Gegenpartei
') Bericht Kinsky s d, d. i^. August ij^i. St.-A.
*) Weisung an Kinsky d. d. i6, Nov. lyßJ. St.-A,
173« MUrz 16. 489
— Frankreich und Polen — anschliessen sollten. Allein auch jet:{t
{eigten weder die englischen Minister noch Robinson besondere Geneigt-
heit ^ des Kaisers Wünschen ^// entsprechen. Man hob in London neuer-
dings die Schwierigkeit hervor ^ Preussens Besit^ {u garantieren,^) wäh-
rend Robinson behauptete, Russland lege auf Eyiglands Garantie keinen
besonderen Wert.^) Diese let:(tere Ansicht ^u widerlegen, wurde dem
Wiener Hofe nicht schwer ; der in Wien weilende russische Gesandte
fand sich bereit, Robinson über den Irrtum aufzuklären, in dem er
sich befand, oder ^u befinden vorgab. Aber auch der Angst Georgs IL
vor j^u weitgehenden Verpflichtungen bei der Ausarbeitung eines neuen
Accessionsprojektes^) trug die Wiener Regierung Rechnung, Immerhin
enthielt dasselbe die Bestimmung, dass die Herrscher Schwedens, Däne-
marks, Russlands, Preussens und Holsteins mit allen Ländern, die sie
in Europa besassen, in den Vertrag eingeschlossen sein, Österreich und
England aber sich überdies verpflichten sollten, die nordischen Ange-
legenheiten {u ordnen. Als Kinsky diesen neuen Entwurf des Acces-
sionsartikels in London vorlegte, erklärten Georg IL und seine Minister,
') Berichte Kinsky' s vom Nov.^und De^, 1731, St-A.
*) Weisung an Kinsky d, d, 16, Nov. lyji St-A, und Berichte Robinsons
vom Nov, und De{, 17 ji, R. O.
■) Das kaiserliche Projekt wurde Anfang Januar 17^2 nach England ge-
schickt. Vgl, Weisung an Kinsky d. d, a. Jan, 17^2, St-A, Dasselbe lautet:
Cum articulo octavo tractatus die decima sexta Martii praesentis anni inter sa-
cram C*«"» catholicam A/"»» et aacram regiam M^**** Magnae-Britanniae Viennae
Austriac conclnsi disposituni sit, includendos huic ipsi tr acta tut omncs illos esse,
qui post pernmtationem tabularum ratiliabitionis intra sex menses ab una vel
altera parte ex communi consensu nominabuntur, variis autem de causis solennis
includendorum denominitio dilata hucusque fuerit; hinc est, quod nos infrascripti
altefafarum M'«"» suarum ministri pienipotentiarü praesenti instrumento nomine
earundem declaramus, pro inclusis ac comprehensis sub antedicto tractatu ha-
ben Jos esse Ser"***»* ac Po^w«»« principem \ : inserantur hie rex Daniae, rex Sueciae,
autocratrix tot ins Russiae, rex Borussia Cf dux HoUatiae observando alternativam
inter quatuor priores:] cum omnibus regnis, prooinciis ac terris, quas unusquis-
que eorundem in Europa actu possid-t, ita ut omnes et singuli ex hucusque no-
minatis principibus omni beneficio, plrna securitate cunctisque saepedicti tractatus
commodis liaud secus frui possint et debeant acsi ipsimd tractatui nominatim
forent inserti, Atquc ut septentrionis quies eo magis firme tur, sintul mutuo spon-
demits ac promiitimus, altefatas M*^* suas eo communi consilio ac Opera alla-
boraturas esse, quo controversiae seu iam enatae seu in posterum inter quoslibei
ex antememoratis principibus enascendae amice et aequa ratione quam primum
dirimantur, Interea vcro nemo ex iis, quorum res in controvervia sunt, pro iis
vindicandis vi uti possit atque hostilitatcs, si quae praeter spem exsurgerent^
quantocYus sopiantur. In quorum etc.
^00 173' März i6.
eine so weitgehende Garantie nicht j^ulassen {ti können. Georg IL ver^
wies auf seine in Wien und in Petersburg abgegebenen Erklärungen
und forderte vom Kaiser die Billigung der von den englischen Mini-
stem vorgenommenen Änderungen an dem kaiserlichen Entwürfe. Die-
selben bestanden darin, dass die vom Kaiser bezüglich der Beilegung
der nordischen Konflikte gewünschte Klausel yyinterea vero nemo ex iis,
quorum res in controversia sunt, pro iis vindicandis vi uti possit aique
hostilitates y si quae praeter spem exsnrgerenf, quantocius sopiantur^^ ge-
strichen, dagegen der Garantieverpflichtung die Worte hin:{ugefugi
werden sollten, y^ea tamen mente, ut partes principales contrahentes ad
guarantiam suam principibus inclusis eornmque regnis, provinciis ac
terris ullo modo praestandam vi huius instrumenti teneri haudquaquam
censeantur/^^)
Man erkannte am Wiener Hofe sofort, dass die von England vor-
geschlagene Form eher als Beweis der Feindschaft als der Freundschaft
für die in den Vertrag auf^^unehmenden Mächte gelten musste ; erhielt aber
auf alle Einwendungen von Robinson die Antwort, sein Herr seifest ent-
schlossen neue Garantien nicht mehr ^u übernehmen. Des Kaisers Ver-
bündete hdtteti sich um so weniger {u beschweren, da England auch für
seine Alliierten nicht mehr fordere, als er jeyien gewähren wolle ; übri-
*) Weisung an Robinson d, d, i, Februar 1732, R. O, und Weisung an
Kinsky d, d, 16, Mär\ 17^2, St.-A. Die dem Berichte Kinsky's d. d. 17^2 Fe-
bruar 12 beiliegende Kopie des englischen Entwurfes lautet: Cum articulo octavo
tractatus j6^<^ Martii praesentis anni intcr sacrani C^<"» catholicam M^"* et sa-
cram regiam M^^^ Magnae-Britanniae Viennae Austriae conclusi dispositum sit,
includendos huic ipsi tractatui omnes illos esse^ qui post permutationem tabu-
larum ratihabitionis intra sex menses ab una vel altera parte ex communi con-
sensu nominabuntur, variis autem de causis solennis ineludenJorum Jenominatio
hucusque Jilata fuerit; hinc est, quod nos infrascripti altefatarum A/'»*"» suarum
ministri plenipotentiarii praescnti instrumenta nomine earundem declaramus, pro
inclusis ac comprehensis sub antedicto tractatu habendos esse Ser'^o^ ac Pot'**^* prin-
cipes et dominos cum omnibus regnis, provintiis ac terris, quas unusquisque
eorundem in Europa actu possidet, ita ut omnes et singuli ex hucusque nominatis
principibus omni beneßcio, plena secui itate cunctisque saepedicti tractatus commodis
haud secus frui possint ac debeant acsi ipsimet tractatui nominatim forcnt in-
serti; ea tamen mente, ut partes principales contrahentes ad guarantiam suam
principibus inclusis eorumve regnis, provin iis ac terris ullo modo praestandam
vi huius instrumenti tenrri haudquaquam censeantur, Atque ut septemtrionis
quies eo magis firmetur, simul mutuo spondemus ac promittimus, altefatas M***
suas eo communi consilio ac opera allaboraturas esse, quo controversiae sive iam
enatae seu in posterum inter quoslibet ex antememoratis principibus enasciturae
amicc et aequa ratione quam primum dirimantur. In quorum ctc^
173' M^rz 16. 4^1
gens habe die C{arin neuerdings erklärt, mit einer derartigen Ausse^
rnng {ufrieden ^u sein; dem Könige von Preiissen aber Zeichen einer
engeren Freundschaft ^u geben, könne seinem Herrn nicht {tigemutet
werden. ^) Vergebens war es, dass die kaiserlichen Minister darauf hin-
wiesen, dass es sich um die Leistung einer Garantie gar nicht handeln
könne, da eine solche „aus einem blossen Inclusionsakt de sui natura
nicht fliessf* , vergebens auch, dass sie nachwiesen, dass die von Ro-
binson beanständeten Schlussworte dem 6. Artikel des Vertrages vom
16, Märj( lyji und dem 4, der Präliminarien vom ji. Mai iy2y ent-
nommen seien. Robinson fand gerade in dieser Tatsache einen neuen
Beweis für die Überflüssigkeit der vom Kaiser geforderten Erklärung,
betonte^ dass die in dem Vertrage gebrauchten Worte „quod plena se-
curiiate principes inclusi gaudere debeanf^ hinreichend seien, und sprach
die Befürchtung aus, dass die Hin:{ufügüng der von Karl VI, vorge-
schlagenen Klausel den Schein erwecken könnte, als habe sich England
in eine förmliche Garantie eingelassen.^) Das Ergebnis neuer lange
dauernder Verhandlungen war, dass die kaiserlichen Minister im Ein-
verständnisse mit Robinson ein neues Projekt verfassten, das die vom
Kaiser geforderte Klausel „interea vero nemo ex iis, quorum res in
controversia sunt, pro iis vindicandis vi uti possit atque hostilitates, si
quae praeter spem exsurgerent, quantocius sopiantur^' , aber auch den von
England verlangten Zusat^ enthalten sollte, nach dem die Garanten den
eingeschlossenen Mächten „non nisi ad illud praestandum teneantur^ quod
natura amicae eiusmodi inclusionis ex recepto inter gentes more secum-
fertj^ Allein auch in dieser Fassung schien den Engländern jet^t das
kaiserliche Projekt {u gefährlich, und da auch die Niederländer von
der Ausfertigung einer derartigen Accessionserklärung nichts wissen
wollten,^) blieben die Bemühungen des Kaisers und seiner Vertreter
ohne Erfolg.
In nomine sanctissimae ac individuae trinitatis amen.
Notum Sit Omnibus ac singulis quorum interest aut quo-
modocunque interesse potest.
Postquam Ser™"^ et Pot'""^ princeps et dominus Carolus
sextus Romanorum imperator, Hispaniarum, utriusque Siciliae,
*) Weisung an Kinsky d. d. 16. Mär\ 17 ^a. St-A. und Bericht Robinsons
d. d. II. Mär\ 17^2. R. O.
*) Weisung an Kinsky d. d. 17. Mär\ 17^2. St.-A.
^) Weisung an Robinson d. d. j8. April 17^2. R. O.
Hungariae et Bohemiae rex, archidux Austriae etc., tum Ser"'"
ac Pot'»'>s princeps ac dominus Georgius secundus, Magnae-Bri-
tanniae, Franciae et Hyberniae rex, nee non celsi et potentes
domini Status generales unitarum foederati Belgii provinciarum
considerato incerto turbidoque rerum, qui nunc est in Europa,
statu mature perpenderunt media, quibus non modo mala ex
gliscentibus in dies magis magisque simultatibus iamiam enip-
tura anteverterentur, sed et publica tranquillitas modo quantum
fieri potest stabili ac perennaturo facilique una ac prompta ra-
tione firmaretur, praefatae suae M*«^ ac praefati ordines ge-
nerales propenso penitus studio ducti opus tam salutare promo-
vendi perficiendique e re esse iudicaverunt, de certis quibusdam
conditionibus generalibus inter se convenire, quae basis loco
inservirent,^) iuxta quam dissentientium praecipuorum in Europa
principum animi conciliandi et controversiae, quae inter eosdem
non absque publicae tranquillitatis periculo quam maxime iam
vigent, componendae forent.^) Hunc itaque in fmem sacra sua
O* et catholica M^^ celsissimum principem ac dominum Eu-
genium Sabaudiae et Pedemontium principem, altefatae suae M*^*
O^® catholicae consiliarium actualem intimum, consilii aulico
bellici praesidem suumque locumtenentem generalem, sacri Ro-
mani imperii campi mareschallum ac eiusdem regnorum ac sta-
tuum per Italiam vicarium generalem et unius desultoriorum
legionis praefectum, aurei velleris equitem, nee non illustrissi-
mum et excellentissimum dominum Philippum Ludovicum sacri
Romani imperii thesaurarium haereditarium, comitem a Sinzen-
dorff, liberum baronem in Ernstbrunn, dominum dynastiarum
Gföll, superioris Selowiz, Porliz, Sabor, Mülzig, Loos, Zaan et
Droskau, burggravium in Reineck, supremum haereditarium
scutiferum ac praecisorcm in superiori et inferiori Austria ad
Anasum, aurei velleris equitem, sacrae O^^ catholicae M^^^ ca-
merarium, actualem consiliarium intimum ae primum aulae can-
eellarium, ae illustrissimum et excellentissimum dominum Gun-
daecarum Thomam sacri Romani imperii comitem de Starhen-
berg, in Schaumburg et Waxenberg, dominum ditionum Eschel-
') Die' Worte quae bis inservirent warcu auf Wunsch des Kaisers beige-
fügt worden.
*) Österreich hatte eine eticas deutlichere Fassung gewiin'icht ; insbesondere
im Hinblicke auf seine Alliierten ; war aber davon abgestanden, als England auf
dieser Fassung bestand.
1^31 MUrz lö. ^g^
berg, Liechtenhaag, Rottenegg, Freystatt, Haus, Oberwalsee,
Senfiftenberg, Bodendorff, Hatwan, aurei velleris equitem, sacrae
O*® catholicae M*»^ consiliarium intimum actualem, arcbiduca-
tus Austriae superioiis et inferioris mareschallum baereditarium ;
Sacra vero regia M^^ britannica dominum Thomam Robinson,
armigerum, in comitiis parlamenti Magnae-Britanniae senatorem
et ministrum suum apud praedictam M*®™ suam C®*™ et catho-
licam, tum celsi et potentes status unitarum foederati Belgii
provinciarum .... plena potestate muniverunt, qui coUatis inter
se consiliis et commutatis prius plenipotentiarum tabulis in se-
quentes articulos et conditiones convenerunt
I.
Sit maneatque inter sacram O*™ catholicam M*«"*, sacram
regiam M*«™ Magnae-Britanniae') ac utriusque heredes et suc-
cessores nee non celsos et potentes dominos status generales
foederati Belgii firma, sincera et inviolabilis amicitia pro mutuis
commodis provinciarum ac subditorum ad unumquemque ex
principibus contrahentibus spectantium ita stabilita, ut singuli
contrahentes ditiones et subditos aliorum tueri nee non pacem
manutenere atque reliquorum contrahentium commoda ceu sua
promovere, damna vero et iniurias cuiuscunque generis prae-
venire et avertere teneantur, idque iuxta tenorem praecedentium
pacis, amicitiae ac foederis tractatuum ac conventionum, qui
omnes et singuli tractatus et conventiones exceptis solummodo
iis articulis, clausulis aut conditionibus, quibus per praesentem
tractatum derogare e re visum est, plenum suum in Omnibus
ac per omnia robur ac vim obtineant, censeanturque vigore
praesentis tractatus renovati ac confirmati. Atque insuper par-
tes contrahentes ad mutuam tuitionem seu uti vocant guaran-
tiam omnium regnorum, ditionum ac terrarum ab unaquaque
earundem possessaiiim, tum etiam iurium ac immunitatum, qui-
bus unaquaeque gaudet aut gaudere debet,^) disertim sese vigore
huius articuli obstrinxerunt; ita quidem, ut mutuo declararint
*) Österreich wollte hier auch die Qualifikation Georgs IL als Herzog
von Braunschweig-Lüneburg und Kurßirst des Reiches einschalten, stand jedoch
davon ab, als Hngland es nicht wollte,
*) Die Worte von terrarum bis gaudere debet wurden österreichischerseits
auf das Verlangen der Engländer hin, die dadurch einen Schut\ ihrer Handels-
Privilegien bezweckten, zugestanden. Vortrag d, d. 4, Mär\ z/?/ St-A,
^^4 ^73' M^rz i6.
ac sibimet invicem spoponderint, quod omnibus viribus sese
sint oppositurae conatibus omnium ac singulorum, qui forsan
praeter spem vel uUum ex contrahentibus vel eorundem suc-
cessores ac haeredes in quieta possessione iUorum regnorum,
ditionum, provinciarum, terrarum, iurium aut immunitatum tur-
bare vellent, quibus unaquaeque contrahentium pars tempore
conclusi praesentis tractatus gaudet vel gaudere deberet
n.
Quandoquidem nomine sacrae O*® catholicae M*>" saepius
expositum fuit, haud diu publicam tranquillitatem vigere ac con-
stare nee securam pro conservando duraturo in Europa aequi-
librio rationem excogitari posse, nisi sibi generalis tuitio, sponsio
ac evictio seu uti vulgo vocant guarantia illius succedendi or-
dinis praestetur, qui iuxta declarationem anno millesimo sep-
tingentesimo decimo tertio emanatam in serenissima domo au-
striaca obtinet; sacra regia M**« britannica et celsi ac potentes
ordines generales unitarum foederati Belgii provinciarum tam
eo studio ducti, quo in tranquillitatem publicam tuendam et
aequilibrium in Europa conservandum feruntur, quam intuitu
conditionum, quae utrique huic scopo maxime inservientes in
subsequentibus articulis dispositae reperiuntur,^) vigore prae-
sentis articuli guarantiam mododicti succedendi ordinis genera-
lem in se suscipiunt ac quoties opus fuerit contra quoscunque
praestandam spondent, promittentes proinde quo fieri potest
meliore ac firmiore modo, quod omnibus viribus suis tueri,
manutenere ac uti vocant guarantigiare velint ac debeant contra
quoscunque quoties opus fuerit illum succedendi ordinem, quem
sua M**^ O^ in forma perpetui, indivisibilis ac inseparabilis fidei-
commissi primogenitura affecti pro universis suae M*'^ utriusque
sexus heredibus instrumento solenni die decima nona Aprilis
anno millesimo septingentesimo decimo tertio, prouti huius instru-
menti copia ad fmem tractatus adiuncta reperitur,^) declaravit et
stabilivit, quique subinde ab ordinibus et statibus universorum re-
gnorum, archiducatuum, ducatuum, principatuum, provinciarum
ac ditionum ad serenissimam domum austriacam iure haereditario
') Die Worte quam intuitu bis reperiuntur wurden auf die Forderung
des englischen Gesandten hin von den kaiserlichen Ministern \ugestanden.
*) ^gi' ^^" Abdruck weiter unten p. 4^9 ff-
173 1 ^^'*2 >6- 495
spectantium communi omnium voto susceptus ac grato submisso-
que animo agnitus atque in vim legis sanctionisque pragmaticae
perpetuo valiturae in publica monumenta relatus fuit Et quem-
admodum iuxta hanc succedendi normam et ordinem eum in
casum, ubi annuente divina misericordia mascula proles a sua
y[te Qeo. catholica descendens extabit, primogenitus filiorum suo-
rum aut hoc praemortuo huius primogeniti primogenitus, nulla
autem de sua O* catholica M*® prole masculina extante, pri-
mogenita filiarum suarum serenissimarum Austriae archiducum,
ordine ac iure primogeniturae indivisibilis nunquam non obser-
vato, succedere eidem debet in Omnibus regnis, provinciis ac di-
tionibus, quas actu sua O* M**« possidet absque eo, quod unquam
seu favore illorum aut illarum, qui vel quae de secunda, tertia, aut
ulteriore Unea aut gradu sunt, aut alias quacunque dem um de causa
divisioni ulli aut separationi locus sit, hoc ipso quoque ordine aut
iure primogeniturae indivisibilis in omnibus reliquis casibus pari-
ter obtinente ac perpetuis in omne aevum temporibus obser-
vando, qui vel in linea masculina suae C®*« M*^^ si divinum numen
mascula prole eandem bearet, vel extincta linea masculina in
linea eiusdem foeminina evenire, vel denique alias, quoties de
successione in regna, provincias ac ditiones haereditarias sere-
nissimae domus austriacae quaestio enasceretur, obtingere pos-
sent. Ita sua sacra regia britannica M**« et celsi ac praepoten-
tes domini Status generales foederati Belgii promittunt ac sese
obstringunt, quod illum vel illam, qui vel quae iuxta normam
et ordinem hactenus recensitum in regna, provincias ac ditiones,
quas sua M**^ O* actu possidet, succedere debet, in iisdem ma-
nutenere ac contra quoscunque, qui forsan turbare hanc posses-
sionem ullatenus praesumerent, perpetuo tutari vehnt ac tene-
antur.
m.
Cumque sacrae O*® catholicae M** nomine sacrae regiae
M*»» britannicae et celsorum ac potentium ordinum generalium
foederati Belgii amicissimis verbis expositum saepius fuerit, non
esse certius medium exoptatam tarn diu publicam tranquillita-
tem quo fieri potest promptiore modo stabiliendi, quam si per
immediatam introductionem sex millium Hispanorum militum
in munita Hetruriae, Parmae et Placentiae loca destinata sere-
nissimo infanti Don Carlos in mododictos ducatus successio
496 «73« W^rz lö.
magis adhuc firmetur;i) praefata sua M*^» O* catholica, quo et
ipsa pacifica suae M*»* britannicae et celsorum ac potentium or-
dinum generalium foederati Belgii consilia ac vota promoveret,
sua ex parte nuUa prorsus ratione obsistet praedictorum sex
millium Hispanorum militum pacatae introductioni in munita
Hetruriae, Parmae et Placentiae ducatuum loca iuxta sponsiones
a dicta sua M*® britannica atque ordinibus generalibus desuper
initas.*) Cum vero hunc in finem sua M^^ C^ catholica im-
perii quoque consensum necessarium censeat, simul eadem
promittit, quod omnem operam adhibere velit, quo consensus
iste intra duorum mensium spatium aut citius si fieri poterit
obtineatur. Atque ut promptius obviam eatur malis publicae
quieti imminentibus, spondet praeterea sua M**« O* catholica,
quod statim post commutatas invicem ratihabitionum tabulas
consensum a se qua imperii capite praefatae pacatae introduc-
tioni praebitum tum magni Hetruriae ducis tum Parmensi mi-
nistro in aula sua commorantibus alibive, ubi conveniens visum
fuerit, notum factura sit.^) Nee minus saepefata sua M*^* C**
catholica promittit ac spondet, tam longe a se abesse mentem
vel directe vel indirecte admissioni praesidiarii Hispani militis
in antedicta loca impedimentum ullum suscitandi aut aflferendi,
ut potius officia et auctoritatem suam interpositura sit, quo
enascente praeter spem obstaculo aut contradictione quicquid
antememoratae admissioni obesse potest amoveatur atque adeo
sex millia Hispanorum militum tranquille et sine mora in mu-
nita magni Hetruriae ducatus tum Parmae Placentiaeque duca-
tuum loca quo antea dictum est modo introduci queant.*)
') Urspriniglich hatten die Seemächte gewünscht , Jass die Einwilligung
in die spanischen Besatzungen als Reconipens für die Garantie der österrei-
chischen Successionsordnung bezeichnet werde, standen aber auf eindringliches
Bitten der kaiserlichen Räte davon ab und begnügten sich mit der im Texte
angegebenen Form,
*) Auf wiederholtes hartnäckiges Begehren der kaiserlichen Gesandten, die
von Karl VI, besondere Vorschrift erhalten hatten, wurde hier die von den See-
mächten ursprünglich geforderte direkte Bezeichnung der {u Sevilla am p. und
12. Nov, i/2() unterzeichneten Verträge ausgelassen.
3) Dieser Zusatz wurde von England f^e fordert und vom Kaiser concedirt.
*) Die Kaiserlischen hatten ursprünglich hier gefordert, dass der Qua-
drupelallianz gedacht und die Zulassung der spanischen Garnisonen von dem
Beitritt Spaniens :znr Pazißkation abhängig gemacht werdtm sollte. Nach langen
Beratungen standen sie gegen anderweitige Zusicherungen Robinsons davon ab.
173' März i6. 40*?
IV.
Sint proinde maneantquc articuli, de quibus irrevocabili
partium contrahentium consensu hoc modo conventum est, ita
firmiter et reciproce stabiliti penitiisque decisi, ut neque in iis
quae absque mora et statim post ratihabitionum tabulas invi-
cem commutatas effectui danda sunt, neque in iis quae in omne
aevum inconcussa permanere debent, partibus contrahentibus
Ulla in re recedere ab iisdem liceat.
V.
Cum pro assequendo scopo, quem partes praesentem trac-
tatum contrahentes attingere intendunt, necessarium visum sit,
ut cuncta dissidiorum ac dissensionum semina radicitus evellan-
tur atque adeo pristinus ille amicitiae nexus, qui modo memo-
ratas partes contrahentes invicem ligaverat, non tantum reno-
vetur sed et in dies arctius stringatur; hinc est, quod M**» sua
C®^ catholica promittit ac sese vigore praesentis articuli ob-
stringit, quod cessare illico penitus et in perpetuum debeat
omne ex Belgio austriaco ac ex aliis ditionibus, quae tempore
Caroli secundi Hispaniarum regis catholici sub Hispana domi-
natione erant,^ in Indias orientales commercium et navigatio,
et quod bona fide effectui sit datura, ne vel Ostendana societas
vel quivis alius seu in Belgio austriaco seu in ditionibus, quae
uti dictum est tempore Caroli secundi regis quondam catholici
sub Hispana dominatione erant, existens huic in perpetuum sta-
bilitae normae flirecte vel indirecte unquam contraveniat, dua-
bus tantum navibus exceptis,^) quae non nisi unica adhuc vice
ex Ostendano portu cursum suum in Indias orientales dirigere
et inde Ostendam mercibus onustae revertere ibidemque pro
lubitu asportatas ex Indiis merces venales exponere poterunt.
Et sua regia M*^^ Magnae-Britanniae celsique ac potentes Status
generales foederati Belgii sua quoque ex parte promittunt sese-
que obstringunt, quod nuUa interposita mora super commercio
et modo vectigalium, vulgo Tariff nuncupato, novum tractatum,
') Die Aufnahme dieser Bestimmung bedeutete ein Entgegenkommen des
Kaisers, der sich lange geweigert hatte, ausser Belgien auch die andern einst
^u Spanien gehörigen Länder seines Besitzes vom ostindischen Handel aus\U'
seh Hessen.
') Diese Konzession erfolgte als Recompens für den Ausschluss aller ehe-
mals ^u Spanien gehörigen Länder vom Handel nach Ostindien,
Osten eicliisch-englisclic Staatsverträge. Bd. I. 32
498 73« Mürz 16.
in quantum ad Belgium austriacum attinet, ad mentem articuli
vigesimi sexti tractatus, cui a limitibus nomen inditum fuit, vulgo
Barriere, cum sua sacra C«* catholica M^ inire velint. Quem
quidem in finem nominandi statim erunt a partibus contrahen-
tibus commissarii, qui intra spatium duorum mensium a die sub-
scripti tractatus computandum Antverpiae sese congregare ac
tum super iis, quae plenariam executionem antememorati trac-
tatus, cui a limitibus nomen inditum quique Antverpiae die
6.i)/i5. Novembris anno 17 15 conclusus fuit, tum conventionis
posterioris Hagae Comitum die 11. /22. Decembris anno 17 18
subscriptae concernunt, convenire, tum vero speciatim novum
uti dictum est super commercio et modo vectigalium, in quan-
tum ad Belgium austriacum attinet, tractatum ad mentem ante-
memorati articuli vigesimi sexti inire debebunt. Conventumque
insuper ac solenni stipulatione cautum est, quod cuncta ea,
quae commissariis Antverpiae congregandis demandare e re Vi-
sum fuit, quam citissime fieri poterit, ex aequo et bono ad
finem penitus perducenda sint ita quidem, ut non tardius quam
ad summum intra duorum annorum spatium ultima operi ma-
nus admovenda veniat.
VI.
Cum reliquorum capitum examen ac discussio, quae seu
inter ipsas partes paciscentes seu aliquem ex earundem foede-
ratis dirimenda restant, plus temporis consumptura sit, quam
ancipiti hoc rerum statu expediat; quo morae omnes, quae bono
communi detrimenti nimium allaturae forent, praecidantur, con-
ventum concordatumque est, ut invicem declaretur, quod trac-
tatus omnes conventionesque ab unaquaque partium dictarum
paciscentium cum principibus aliis statibusque initae uti sunt
subsistere possint, in quantum scilicet rei alicui haud adver-
santur, quae per praesentem hunc tractatum constituta est;
quodque controversiae seu inter dictas partes paciscentes seu
quemlibet ex earum foederatis amice quam primum dirimendae,
atque interea a partibus contrahentibus eo allaborandum sit, ut
nemo ex iis, quorum res in controversia sunt, pro iis vindi-
candis vi uti possit.
vn.
Sua autem M*»^ O^ et catholica, quo subditis regis Magnae-
Britanniae et dominorum ordinum generalium de ipsorum com-
') So im Or. statt 4 In.
731 Mürä i6. 49C)
mercio in regno Siciliae exercendo nuUus dubio locus supersit,
iam nunc declarare voluit, illos eodem modo et ad eandem
normam habitum iri uti habiti sunt aut haberi debuerant tem-
pore Hispaniarum regis Caroli secundi inclytae memoriae ac
prouti gens amicissima haberi consuevit.
vni.
Includentur huic tractatui patificationis omnes Uli, qui post
permutationem tabularum ratihabitionis intra sex menses ab
una vel altera parte ex communi consensu nominabuntur.
XL
Approbabitur et ratihabebitur praesens tractatus a sua
Sacra C®* catholica M*«, a sua sacra regia M^ Magnae-Britanniae
et a celsis et potentibus dominis statibus generalibus uniti Belgii,
et ratihabitionum tabulae intra spatium sex septimanarum a die
subscriptionis computandarum Viennae invicem extradentur et
commutabuntur.
In quorum fidem roburque tarn caesarei commissarii, tan-
quam legati plenipotentiarii extraordinarii, quam regis Magnae-
Britanniae minister plena pariter facultate munitus tabulas has
propriis manibus subscripserunt et sigillis suis muniverunt.
Acta haec sunt Viennae Austriae decima sexta die mensis Martii,
anno domini millesimo septingentesimo tricesimo primo.
L. S. Eugenius a Sabaudia. L. S. Thomas Robinson.
L. S. Philippus Lud. C. a Sinzendorff.
L. S. Gundaccarus C a Starhenberg.
Hie sequitur sanctio pragmatica, cuius articulo secundo tractatus
fit mentio et qua ordo succedendi, qui in serenissima domo au-
striaca obtinet, die 19*"^ Aprilis anno 1713 a sua M^ O* decla-
ratus fuit.
L K. M* haben auf den 19*«" Aprilis 17 13 umb 10 Uhr allen
dero allhier in Wienn anwesenden geheimen Räthen an dem
gewöhnlichen Orth zu erscheinen ansagen lassen.
Als nun die bestimbte Stund herbeykommen, haben sich
L K. M* in dero geheimen Rathsstuben unter den Baltachin
begeben und vor den gewöhnliche.n kayserlichen Tisch gestel-
let, darauff auch dero geheime Räthe und Ministros hinein-
3a*
^OO '>3i Mttrz i6.
beruffen. Diese seind in ihrer Ordnung eingetretten und jeder
an seinem Orth stehend geblieben: Alß (Tit.) Printz Eugenius
von Savoyen, Fürst von Trautsohn, Fürst von Schvsrarzenberg,
Graff von Traun Landmarschall, Graff von Thum I*^ K. M*
Eleonorae Obristhoffmeister, Graff von Dietrichstein Obriststall-
meister, Graff von Seileren Hoffcantzler, Graff von Starhenberg
Cammerpraesident, Graff von Martiniz junior, Graff von Her-
berstein Kriegsvicepraesident, Graff von Schlick böheimischer
obrister Hoffcantzler, Graff von Schönbom Reichsvicecantzler,
Ertzbischoff von Valentia, Graff von Sinzendorff Obristcam-
merer, Graff von Paar F K. M* Amaliae Obristhoffmeister, Graff
von Sinzendorff Reichshoffrathsvicepraesident , Graff Nicolaus
Palffy königl. hungarischer judex curiae, Graff lUieshasi hun-
garischer Cantzler, Graff Khevenhiller N. Ö. Statthallter, Graff
Gallas, Graff von Salm F K. M* Amaliae obrister Stallmeister, Mar-
ches Romeo königl. spanischer geheimer Staatssecretarius, Graff
Kornis Sibenbürg. Vicecantzler, Referendarius von Schickh.
Nachdem nun alle gemeldte geheime Räthe und Ministri
beysamen waren, haben I. K. M* vermeldet, daß die Ursach
und Zweck solcher Beruffung ihrer dero geheimen Räthen und
Ministrorum wäre, ihnen zu erkennen zu geben, daß von und
zwischen weyland ihres in Gott ruhenden gnädig- und höchst -
geehrtesten Herrn Vatters Kaysers Leopoldi und geliebtesten
Herrn Bruders, damahls römischen Königs, nachgehends auch
römischen Kaysers Josephi M^" und Liebden glorwürdigster Ge-
dächtnus und dann F K. M* als damahlig declarirten König
in Hispanien gewisse Disposition, Ordnung und Pacta succes-
soria errichtet und in Gegenwarth verschiedener kayserlicher
geheimer Räthen und Ministrorum allerseits beschworen wor-
den; weilen aber von denenselben Räthen und Ministris wenig
mehr beym Leben sich befindeten, so hätten I. K. M* der Noth-
durfft erachtet, ihnen anwesenden geheimen Räthen und Mini-
stris nicht allein obige Anzeige zu thun, sondern auch gemeldte ■
Satzung und Pacta selbstcn kund zu machen und vorlesen zu
lassen. Wie dann I. K. M* solche Ablesung ihrem HolTcantzlern,
Graffen von Seilern, stracks allergnädigst anbefohlen haben.
Solchemnach hat derselbe aus dem bey Händen gehabten kö-
niglich spanischen von damahls königlicher nunmehr o auch kay-
serl. M* unterschriebenem und mit ihrem anhangenden königl.
Insiegl bekrälTtigteüi Original-Acceptations-Instrument den spa-
173 J März i6. 50 1
nischen Eingang, folglich aus Kaysers Leopoldi und römischen
Königs Josephi unterschriebenem und mit anhangenden zwey-
fachen kayserl. und königl. Insieglen' bestättigtem Successions-
Instrument den vöUigen Innhallt von Anfang bis zum Ende sambt
dem beygefügten notariatischen Anhang, endlich wiederumb aus
dem königlich spanischen Instrument die Annehm- und ihrer-
seitige Verbindung bis zum Ende ebenmässig mit dem nota-
riatischen Anhang laut und deutlich abgelesen, welche Instru-
menta datirt seind: Wienn den 12*«° Septembris 1703.
Nachdeme dieses also geschehen, haben I. K. M. haubt-
sächhchen Innhallts weiters vermeldet: Es seye aus denen ab-
gelesenen Instrumentis die errichtete und beschwohrne Dispo-
sition und das ewige Pactum mutuae successionis zwischen
beyden Joseph- und Carolinischen Linien zu vernehmen ge-
wesen : Daß dahero nebenst und zu denen von weyland ihren
K". W^^ Leopoldo und Josepho höchstseeligster Gedächtnuss P
K. M* übertragenen spanischen Erb-Königreichen und Landen
nunmehr nach Absterben weyland ihres Herrn Bruders M* und
Liebden ohne männliche Erben auf L K. M* auch alle dessen
hinterlassene Erb-Königreiche und Landen gefallen und sambt-
lich bey ihren ehelichen männlichen Leibserben nach dem iure
primogeniturae, so lang solche vorhanden, ohnzertheilt zu ver-
bleiben haben; auf ihres männlichen Stammens Abgang aber
(so Gott gnädiglich abwenden wolle) auf die eheliche hinter-
lassende Töchter allzeit nach Ordnung und Recht der Primo-
genitur gleichmässig ohnzertheilt kommen; ferners in Ermang-
lung oder Abgang der von P K. M* herstammender aller ehe-
lichen Descendenten mann- und weiblichen Geschlechts dieses
Erbrecht aller Erb-Königreich und Landen ohnzertheilter auf
V M* Herrn Bruders Josephi K. M* und Liebden seeligster Ge-
dächtnuss nachgelassene Frauen Töchter und deren eheliche
Descendenten wiederumb auf obige Weise nach dem iure pri-
mogeniturae fallen; eben nach diesem Recht und Ordnung auch
ihnen Frauen Ertzherzoginen all andere Vorzüge und Vorgänge
gegenwertig zustehen und gedeyhen müsten ; alles in dem Ver-
stand, daß nach beyden der jetzt regierenden Carolinischen
und nachfolgender in dem weiblichen Geschlecht hinterlassenen
Josephinischen Linien F K. M* Frauen Schwesteren und allen
übrigen Linien des durchleuchtigisten Ertzhauses nach dem Recht
der Erstgeburth in ihrer daher entspringenden Ordnung jedes
ty02 1731 MUrz lö.
Erbrecht und was deme anklebet gebühre, allerdings bevor-
bleibe und vorbehallten seye. Umb willen nun diese immerweh-
rende Satzung, Ordnung und Pacta zu Ehre Gottes und Con-
servation aller Erblanden angesehen, errichtet, auch nächst und
sambt weyland ihres Herrn Vatters und Herrn Bruders M*«" und
Liebden von P K. M* durch leiblichen Eydschwur bekräfftiget
worden, so würden sowohl I. K. M* darob beständig hallten,
alß I. M. zu ihnen geheimen Käthen und Ministris sich mildest
vcrseheten, dieselbe auch gnädigst ermahneten und ihnen be-
fehleten, daß nicht minder sie solche Pacta und Verordnung
voUkommentlich zu beobachten, zu erhallten und zu verthädigen
gedacht und beflissen seyn sollten und werden. Wie dann L
K. M* zu diesem Ende sie geheime Räthe und Ministros in
diesem Fall ferners des vinculi silentii entlassen haben wollten.
Wornach I. K. M** und folgends die Herren geheime Räthe
und Ministri abgetretten seind.
Daß obiges alles also vorgangen und verhandlet worden, be-
zeuge mit meiner eygnen Handt UnterschrilTt und gewöhnlichen
Pettschafft. Wienn den neunzehenden Monathstag Aprilis anno
1713.
L. S. Jch Georg Friederich von Schickh
der Rom. K.M. Hoffrath^ geheimer N.-ö. Secretarius und Referendarius,
dann zu diesem actu auth. C*^» et archiducali creirter Notarius publicus.
Nos infrascripti ministri et plenipotentiarii declaramus prae-
sens apographum archetypo suo collatum et de verbo ad ver-
bum consimile esse. Actum V^iennac 16** Martii anno 1731.
L. S. Eugenius a Sabaudia.
L. S. Philippus Lud. C. a SintzendorlT.
L. S. Gundaccnrus C a Starhenberg.
Articulus separatus.
Quamvis articulo primo tractatus inter sacram O*^"* catho-
licam M**"", sacram regiam Magnae-Britanniae M^^"' et dominos
Status generales unitarum foederati Belgii provinciarum hodierna
die conclusi partes contrahentes inter alia sibimet invicem spo-
ponderint, quod omnibus viribus sese sint oppositurae conati-
bus oiTinium ac singulorum, qui forsan praeter spem vel uUum
ex contrahentibus vel eorundem successores ac haeredes in
quicta possessione illorum regnorum, ditionuni, provinciarum,
173» MUrz i6. 503
terrarum, iurium aut immunitatum turbare vellent, quibus una-
quaeque contrahentium pars tempore conclusi praesentis trac-
tatus gaudet aut gaudere deberet, conventum tarnen inter eas-
dem partes paciscentes vigore praesentis articuli separat! est,
quod si forsan tractu temporis contingeret, ut sacram C®^™ ca-
tholicam M*«™ aut eius haeredes ac successores Turcae in quieta
possessione regnorum, ditionum, provinciarum, terrarum, iurium
aut immunitatum, quibus sua O* M**^ actu gaudet aut gaudere
deberet, turbare vellent, ad hunc solum qui modo memoratus
est casum guarantia in dicto articulo primo sancita extendi haud
debeat. Articulus hie separatus eandem vim obtinebit, ac si
ipsimet tractatui hodie concluso signatoque verbotenus esset
insertus, ratihabebiturque eodem modo atque ratihabitionum ta-
bulae intra idem tempus cum ipso tractatu extradentur.
In quorum fidem nos infrascripti vigore plenipotentiarum
hodie invicem exhibitarum hunc articulum separatum subscrip-
simus et sigillis nostris communivimus. Actum Viennae die
decima sexta Martii, anno domini millesimo septingentesimo
trigesimo primo.
L S. Eugenius a Sabaudia. L. S. Thomas Robinson.
L. S. Philippus Lud. C. a Sinzendorff.
L. S. Gundaccarus C. a Starhenberg.
Declaratio super praesidiis Hispanis in munita Hetruriae, Parmae
et Placentiae loca introducendis.
Cum sua sacra O^ catholica M***^ antequam sua ex parte
consensum praeberet iis, quae articulo tertio tractatus hodierna
die conclusi de immediata introductione praesidiarii Hispani mi-
litis in munita Hetruriae, Parmae et Placentiae loca disposita
sunt, super vero scopo et obiecto sponsionum, quae desuper in
tractatu Hispalensi partim nona partim vigesima prima No-
vembris die anno millesimo septingentesimo vigesimo nono sub-
scripto continentur, secura omnino reddi voluerit, sacra sua regia
Magnae-Britanniae M*»« et celsi ac potentes domini Status ge-
nerales foederati Belgii non tantum sponsiones istas prouti hie
annexae reperiuntur suae sacrae O*® cathoUcae M*> bona fide
exhibuerunt, verum etiam firmissime asseverare haud dubita-
runt, non fuisse sibi, cum de introducendo in munita Hetruriae,
Parmae et Placentiae loca Hispano praesidiario milite conveni-
504 '73* Würz 16.
rent, mentem uUa in re ab iis recedere, quae articulo quinto
foederis quadruplicis Londini die 22. Julii/2. Augusti anno 17 18
conclusi, tum de caesareis ac imperii iuribus tum pro securitate
regnorum ac ditionum, quas sua M.^ O* in Italia actu possidet,
tum denique pro conservanda quiete ac dignitate eoram, qui
tunc erant praedictorum ducatuum legitimorum possessorum,
sancita reperiuntur. Quapropter sua regia Magnae-Britanniae
M*^8 et celsi et potentes domini Status generales foederati Belgii
declararunt, prouti declarant et prompt! paratique sunt ad dan-
das, prouti vigore praesentis instrumenti dant, suae C«*® catho-
licae M*^ tam super rerum capitibus superius recensitis quam
super Omnibus iis, quae ulterius adhuc praedicto articulo quinto
foederis quadruplicis nuncupati continentur, sponsiones, evic-
tiones seu uti vulgo vocant guarantias quantum desiderari po-
terunt validas et solennes.
Praesens declaratio eandem vim et robur habeat, ac si in
forma articuli tractatui hodierna die concluso verbotenus esset
inserta, atque eodem modo et intra idem temporis spatium quo
ipse tractatus ratihabebitur et ratihabitionum tabulae invicem
extradentur.
In quorum fidem nos infrascripti vigore plenitotentiarum
hodie invicem exhibitarum hanc declarationem subscripsimus
et sigillis nostris communivimus. Actum Viennae die decima
sexta Martii, anno domini miliesimo septingentesimo trigesimo
primo.
L. S. Eugenius a Sabaudia. L. S. Thomas Robinson.
L. S. Philippus Lud. C. a Sinzendorff.
L. S. Gundaccarus C. a Starhenberg.
Specification des engagemens du traitc signc a Seville le tf et
le 21^ 1729.
Qu'on effectuera des a present Tintroduction des garni-
sons dans les places de Livourne, Porto Ferrajo, Parme et Plai-
sance, au nombre de six mille hommes des troupes de sa Mte
catholique et a sa solde, lesquels serviront pour la plus grande
assurance et conser\'ation de la succession immediate des dits
etats en faveur du serenissime infant don Carlos et pour etre
en etat de resister a toute entreprise et Opposition qui pour-
1731 MUrz 16. 505
roit etre suscitee au pröjudice de ce qui a ete regio sur la dite
succession.
Que les puissances contractantes feront dös ä present toutes
les diligences qu'elles croiront convenables ä la dignitö et au
repos des serenissimes grand duc de Toscane et duc de Parme,
afin que les garnisons soient re9Ües avec la plus grande tran-
quilite et sans oposition, des qu' elles se presenteront ä la vüe
des places oü elles devront etre introduites.
Que les dites garnisons feront aux presens possesseurs le
serment de defendre leurs personnes, souverainetös, biens et
etats et sujets en tout ce qui ne sera point contraire au droit
de succession reserve au serenissime infant don Carlos, et les
presens possesseurs ne pourront rien demander ou exiger qui
y soit contraire.
Que les dites garnisons ne se meleront directement ni in-
directement sous aucun pretexte que ce puisse ßtre des affaires
du gouvernement politique, economique ni civil, et auront ordre
tres expres de rendre aux serenissimes grand duc de Toscane
et duc de Parme tous les respects et honeurs militaires qui
sont düs h des souverains dans leurs etats.
Que Tobjet de T introduction des dits six mille hommes
des troupes de sa Mte catholique et ä sa solde etant d' assurer
au serenissime infant don Carlos la succession immediate des
etats de Toscane, de Parme et de Plaisance, sa Mte catholique
promet tant pour eile que pour ses successeurs qu'aussitöt, que
le serenissime infant don Carlos son fils ou tel autre qui sera
ä ses droits sera possesseur tranquile de dits etats et en sürete
contre toute invasion et autres justes motifs de crainte, eile
fera retirer des places de ces etats les troupes qui seront siennes
et non pas propres ä T infant don Carlos ou ä celuy qui sera ä
ses droits, en sorte que par lä la dite succession et possession
reste assuree et exempte de tous evenemens.
Que les puissances contractantes s' engagent d' etablir selon
les droits de succession qui ont et6 stipul^s et de maintenir le
serenissime infant don Carlos ou celui ä qui passeront ses
droits dans la possession et jouissance des etats de Toscane,
Parme et Plaisance, lors qu'il y sera une fois etabli; de le de-
fendre de toute insulte contre quelque puissance que ce soit
qui penseroit h Tinquieter, se declarant garantes ä perpetuite
5o6 173 » MUrz 16.
du droit, possession, tranquilite et repos du serenissime Infant
et de ses successeurs aux dits etats.
Qu'ä r^gard des autres details ou reglemens, concemant
la manutention des dites garnisons une fois etablies dans les
etats de Toscane, de Parme et de Plaisance, comme il est ä
pr^sumer que sa Mte catholique et les serenissimes grand duc^)
et duc de Parme en conviendront par un accord particulier,
les autres puissances contractantes promettent que, dfes que cet
accord sera fait, elles le ratifieront et guarantiront tant envers
sa Mte catholique qu' envers les serenissimes grand duc et duc
de Parme.»)
Specification de tous les engagements, tant publics que secrets,
toüchant Tintroduction des garnisons Espagnoles, selon le traiteJ
signö ä Seville le 9® et le 2i<^ Novembre 1729.
Diese Spezifikation stimmt wörtlich mit der vorhergehenden Uberein,
enthalt aber überdies folgende als geheim bezeichnete Ergänzung:
Que les parties contractantes conviendront non seulement
de requerir les presens possesseurs de consentir ä la tranquile
et amiable introduction des dites garnisons, mais meme de se
servir de toutes voyes de persuasion, sommations et autres ter-
mes les plus propres a surmonter la resistance des dits pos-
sesseurs et de les amener ä un consentement exprfes.
Que les puissances contractantes se joindront pour obtenir,
conjointement avec sa Mte' catholique, de quelque maniere que
ce soit, des serenissimes grand duc de Toscane et duc de Parme,
que les garnisons qui seront etablies dans leurs etats pretent
serment eventuel pour la süret(5, la conservation et la remise
des dites places, en la forme dont on conviendra entre les par-
ties, pour que rien ne puisse prejudicier aux droits du susdit
infant don Carlos; qu'en tontes les places oü elles seront re-
parties les troupes des possesseurs y soient des deux tiers
moindres que Celles de sa Mte' catholique ; que les presens pos-
sesseurs n'exigeront des dites troupes aucun service contraire
aux droits acquis ä T infant don Carlos; que les commandans,
officiers et soldats des dites garnisons seront traites ainsi que
') Scilicet y,dc Toscane.*'
*) 7:5 folgt hier die Bestätigung, gleichlautend der der folgenden Speci-
fication, nur mit Auslassung der Worte „oninium tarn publicorum quatn secrc-
toruni articulorum.*'
173» März i6. 507
les troupes du pais; qu'on leur distribuera franchement des
logemens et quartiers commodes selon leurs besoins; qu'on
leur fournira sans difficultö et en payant tous les vivres dont
ils pourront avoir besoin au meme prix qu'aux habitans; que
le roy d'Espagne aura toute libert^ d'introduire et remplacer
jusqu'ä la concurrence des dits six mille hommes les soldats
qui manqueront par maladie, mort ou desertion ou autre cause;
que pourra pareillement sa Mt^ catholique aprfes en avoir averti
les presens possesseurs augmenter ou diminuer certaines gar-
nisons selon le besoin, en diminuant ou augmentant les autres,
retirer certains corps et y en substituer d' autres k son choix;
que si les places oii il y aura gamison faute d'artillerie ou
autres munitions de guerre n' etoient par en 6tat de defense, il
sera libre ä sa Mte catholique d'y pourvoir ou de ses propres
arsenaux ou dans le pays mfime en payant. Et, faute de pou-
voir obtenir les dits arrangemens qui sont justes et necessaires
ä la sürete des garnisons, les parties contractantes s'engagent
conjointement de faire executer toutes les dites conditions et
arrangemens meme par la force, sa Mte catholique s'obligeant
de payer et entretenir les dites troupes.
Nos infrascripti ministri plenipotentiarii suae sacrae regiae-
que M*'s britannicae et celsorum ac potentium statuum genera-
lium foederati Belgii testatum facimus bona fide designatas esse
ut supra conditiones omnium tarn publicorum quam secreto-
rum articulorum circa introductionem sex millium mihtum Hi-
spanorum in oppida Hetruriae, Parmae et Placentiae conten-
torum in tractatu Hispalensi concluso nono et vicesimo primo
diebus mensis Novembris, anno millesimo septingentesimo vice-
simo nono. In cuius fidem hoc testimonium manu nostra sub-
scripsimus sigillisque nostris communivimus. Actum Viennae
die decima sexta mensis Martii, anno millesimo septingentesimo
tricesimo primo.
L. S. Thomas Robinson.
Declaratio super Parmensi successione.
Ne inopina mors Serenissimi principis Antonii Famesii,
dum viveret Parmae et Placentiae ducis, quae in id ipsum tem-
pus, quo de concludendo praesenti tractatu agebatur, incidit,
eiusdem conclusioni moram aut obstaculum aflerret, sua M^«
5o8 173 1 MUrz 16.
C«* catholica vigore huius instrumenti declarat ac sese obstrin-
git, quod illo in casu, quo spes de gravidilate serenissimae ducis
viduae praefati Serenissimi ducis Antonii dum viveret coniugis
concepta haud evanesceret ac dicta dux vidua prolem mascu-
lam in lucem ederet, cuncta ea, quae de introducendo in Parmae
et Placentiae munita loca praesidiario Hispano milite tum ar-
ticulo tertio tractatus hodiema die conclusi tum declarationis
instrumento desuper dato sancita sunt, aeque locum obtinere
debeant, ac si mors ista inopina haud contigisset.
Quod si vero vel evanesceret spes de graviditate praedictae
ducis viduae concepta, vel posthumam illa in lucem ederet,
tum antefata sua M*»» O* declarat ac sese obstringit, quod loco
introducendi in munita Parmae et Placentiae loca praesidiarii
Hispani militis ipse Serenissimus Hispaniarum infans Carolus
iuxta normam, de qua imperii accedente consensu cum Hispana
aula olim convenerat, literasque investiturae eventualis, quarum
tenor in omnibus articulis, clausulis ac conditionibus pro repe-
tito ac confirmato habendus est, in possessionem praefatorum
ducatuum mittendus sit; ita tamen, ut prius tam dictus Hispa-
niarum infans quam Hispana aula iis faciat satis, quae tractatus
anteriores, quorum imperator accedente imperii consensu pars
contrahens extitit, requirunt. Cumque post mortem anteme-
morati ducis Antonii Farnesii miles caerareus in munita Parmae
et Placentiae loca introductus sit non ea mente, ut obstaculum
afferretur successioni eventualis prouti illa serenissimo infanti
Carolo per tractatum Londinensem vulgo foedus quadruplex
nuncupatum destinata fuerat, sed ut anteverterentur quaecun-
que Italiae tranquillitatem turbare poterant consilia, sacra sua
jvitas Qoü catholica quietem publicam iuxta pacifica sua vota
tractatu hodierna die concluso in quantum fieri potuit stabihtam
firmatamque cernens denuo declarat, quod immittendo copias
suas in munita Parmae et Placentiae loca non alia sibi mens
fuerit, quam ut quantum penes ipsam erat successionem Sere-
nissimi infantis Don Carlos, prouti illa tractatu Londinensi eidem
infanti destinata fuit, magis suffulciret; quodque tantum absit,
ut vel praedictae successioni, si forsan proles mascula Farnesia
penitus foret extincta, obsistere vel etiam introductioni praesi-
diarii Hispani militis, si forsan dux vidua posthumum in lucem
ederet, opponere sese velit, quod potius declaret et promittat,
proprio iussu copias suas inde educendas fore, seu ut ipse in-
1731 März 16. 509
fans Carolus in possessionem saepe memoratorum ducatuum
iuxta tenorem literarum investiturae eventualis mittatur, seu ut
introduci ibidem pacate et nemine obsistente Hispana praesidia
queant; quae ipsa praesidia non alii usui inservire debebunt,
quam ut certior de executione promissae sibi successionis in
eum casum, quo proles mascula Farnesia penitus erit extincta,
infans Carolus reddatur.
Praesens haec declaratio eandem vim et robur habeat, ac
si tractatui hodierna die concluso verbotenus esset inserta, at-
que eodem modo et intra idem temporis spatium quo ipse trac-
tatus ratihabebitur et ratihabitionum tabulae invicem extradentur.
In quorum fidem nos infrascripti vigore plenipotentiarum
hodie invicem exbibitarum hanc declarationem subscripsimus et
sigillis nostris communivimus. Actum Viennae die decima sexta
Martii, anno domini millesimo septingentesimo trigesimo primo. ^)
Declaratio a ministris regis Magnae-Britanniae et dominorum
ordinum generalium plena facultate munitis subscripta.
Quandoquidem inter alias conditiones, de quibus tractatu
Hispalensi nona ac vigesima prima Novembris die anno 1729
subscripto favore magni Hetruriae ducatüs tum Parmae Placen-
tiaeque ducatuum con venerat, cautum quoque fuit, ut quam pri-
mum Serenissimus Hispaniarum infans Carolus vel is, qui in
iura eiusdem subintrat, in quieta possessione destinatae sibi suc-
cessionis et securus ab omni hostili invasione ac contra iustas
formidinum causas fuerit, tunc regia sua M*** catholica protinus
effectui sit datura, ut copiae ad ipsam et non ad infantem Ca-
rolum vel eum, qui in iura eiusdem uti antea dictum est sub-
intrat, spectantes ex antememoratis ducatibus educantur, in-
frascripti ministri regis Magnae-Britanniae et dominorum ordi-
num generalium vigore praesentis instrumenti declarant, quod
quemadmodum altefata regia sua M**^ britannica et celsi et po-
tentes Status generales foederati Belgii nunquam non promissa
sua adimplere consueverunt, ita etiam constans illorum mens
ac voluntas sit, ut praedictis in casibus Hispana praesidia ex
Hetruriae, Parmae et Placentiae ducatibus protinus educantur.
Praesens haec declaratio secreta maneto, habeat tamen
eandem vim, ac si tractatui hodierna die concluso verbotenus
Dieselben Unterschriften wie im Hauptvertrage*
CIO '73' März i6.
esset inserta, atque eodem modo et intra idem temporis spatium
quo ipse tractatus ratihabebitur et ratihabitionum tabulae in-
vicem extradentur.
In quoram fidem nos infrascripti Magnae-Britanniae regis
et dominorum ordinum generalium ministri vigore plenipoten-
tiarum hodie exhibitarum hanc declarationem subscripsimus et
sigillis nostris communivimus. Actum Viennae die decima sexta
Martii, anno domini millesimo septingentesimo trigesimo primo.
L. S. Thomas Robinson.
Articulus separatus.
Cum tractatus hodiema die inter M*«°* suam C®*™ et ca-
tholicam, M^^ suam britannicam et celsos ac potentes dominos
ordines generales unitarum Belgii provinciarum conclusus a
ministro dictorum ordinum generalium in aula O* commorante
ideo subscribi et signari haud potuerit, quod iuxta morem in
republica usitatum eiusque regiminis formam plenipotentianim
tabulae pro dicto ministro tam cito ac opus fuit expediri ne-
quiverunt, conventum inter O*"^ et regiam britannicam M^^
est, ut praefati ordines generales (quippe quos conditiones in
hoc tractatu sancitae plurimum tangunt) pro parte principali
contractante habeantur ac cenceantur, sicuti etiam in ipso trac-
tatu nominatim inserti sunt, sub spe scilicet fidentissima, illos
eidem tam cito accessuros, ac consueta regiminis ipsorum forma
pati id poterit Et quoniam Studium, quod respublica illa pro
stabilienda firmandaque tranquillitate publica testatur, praedictis
^tibus nuUum (iubitandi locum relinquit, quin et praefata res-
publica, quo particeps fiat eorum quae in ipsius favorem ante-
memorato tractatu sancita reperiuntur,^) pars eiusdem princi-
palis contrahens quantocyus fieri cupiat, eo communi opera
allaborabunt ambae M*^^ suae, ut intra tres menses a die sub-
scriptionis praesentis tractatus computandos aut citius si fieri
poterit nomine quoque dictorum ordinum generalium hie ipse
tractatus Hagae Comitum subscribi et signari possit. Neces-
sarium enim tam O^« quam regiae britannicae M*^ pro asse-
quendo scopo qui praesente tractatu intenditur perficiendoque
*) Die Worte quae bis reperiuntur wurden von Robinson auf eindringliches
Begehren der Kaiserlichen {ugestanden.
173' MUrz i6. cji
communis tranquillitatis opere visum est, ut saepe memorati
ordines generales in partem quoque ac societatem horum pac-
torum veniant.
Articulus hie separatus eandem vim obtinebit, ac si ipsi-
met tractatui hodie concluso signatoque verbotenus esset inser-
tus, ratihebebiturque eodem modo atque ratihabitionum tabulae
intra idem tempus cum ipso tractatu extradentur.
In quorum fidem nos infrascripti vigore plenipotentiarum
hodie invicem exhibitarum hunc articulum separatum subscrip-
simus et sigiUis nostris communivimus. Actum Viennae die
decima sexta Martii, anno domini millesimo septingentesimo
trigesimo primo.
L. S. Eugenius a Sabaudia L. S. Thomas Robinson.
L. S. Philippus Lud. C. a Sinzendorff.
L. S. Gundaccarus C. Starhenberg.
Articulus secretus.
Quamvis articulo separato hodierna die subscripto, quo
conventum est, ut celsi ac potentes domini Status generales foe-
derati Belgii pro parte principali contrahente tractatus hodierna
pariter die conclusi censeri et haberi debeant, inter alia dictum
sit, quod suae M*^ O*® et suae M*^ britannicae nullus dubitandi
locus supersit, quin et praefati status generales foederati Belgii,
quo participes fiant eorum quae in ipsorum favorem anteme-
morato tractatu sancita reperiuntur, pars eiusdem principahs
contrahens quantocyus fieri cupiant, sua tamen regia Magnae-
Britanniae M**^ non aliter insertioni verborum: „quo participes
fiant eorum quae in ipsorum favorem antememorato tractatu
sancita reperiuntur", consensit, quam ut hac ratione eo facilius
permoveantur praefati Status generales, ut diutumiore mora
haud interposita sua quoque ex parte ad antedictum tractatum
concurrant. Quoniam vero non minus subditorum suae regiae
britannicae M*^^ ac eorum, qui dominationi praefatorum statuum
generahum subsunt, interest, ut sua M**^ O* cessare penitus
faciat omne ex Belgio austriaco aUisque ditionibus, quae tem-
pore Caroli secundi Hispaniarum quondam regis catholici sub
Hispana dominatione erant, in Indias orientales commerciiun,
id quod favore suae M*»« britannicae executioni dari non potest
absque eo, quod et saepefati status generales foederati Belgii
tI2 173 1 März 16.
in partem emolumenti veniant; ideo sua M**« O* catholica, ne
subditi regis Magnae-Britanniae ob moram statuum generalium
foederati Belgii commodis ex tarn solenni stipulatione in ipsos
redundantibus priventur, consentit ac promittit, quod suspen-
sionem antedicti in Indias orientales commercii non obstante
mora ista per totum illud morae tempus continuare velit, ip-
sum vero commercium statim cessare penitus et in perpetuum
debeat, ac saepe memorati Status generales foederati Belgii ad
tractatum hodierna die conclusum accesserint
Praesens articulus secretus maneto, habeat tarnen eandem
vim ac robur, ac si ipsimet tractatui hodie concluso signatoque
verbotenus esset insertus, ratihabebiturque eodem modo atque
ratihabitionum tabulae intra idem tempus cum ipso tractatu
extradentur.
In quorum fidem nos infrascripti vigore plenipotentia-
rum hodie invicem exhibitarum hunc articulum secretum sub-
scripsimus et sigillis nostris communivimus. Actum Viennae
die decima sexta Martii, anno domini millesimo septingente-
simo trigesimo primo.
L. S. Eugenius a Sabaudia. L. S. Thomas Robinson.
L. S. Philippus Lud. C. a Sinzendorff.
L. S. Gundaccarus C. a Starhenberg.
Articulus primus secretissimus.
Quamvis articulo secundo tractatus hodierna die cum sacra
Q* catholica M^^ conclusi, sacra regia M^^^ Magnae-Britanniae
et celsi ac potentes domini Status generales uniti Belgii absque
ullo omnino restrictione sese obstrinxerint, quod cum succe-
dendi ordinem, qui iuxta sanctionem pragmaticam de anno 17 13
in serenissima domo austriaca obtinet, contra quoscunque tueri
atque ut aiunt guarantigiare velint ac teneantur, conventum ta-
men simul inter partes eundem tractatum contrahentes est, quod
altefata regia sua M*'^^ Magnae-Britanniae et antememorati do-
mini Status generales uniti Belgii ad praestandam et explendam
hanc guarantiam toties haud teneantur, quoties illa ex serenis-
simis archiducibus foeminis, ad quam iuxta praefatum succe-
dendi ordinem omnia regna ac provinciae hereditariae, quas sua
sacra Q^ catholica M*^^ actu possidet, devolventur, nupta fuerit
principi per masculos ex domo Borbonia oriundo.
173» März i6. ci^
Articulus secundus secretissimus.
Cum vero per articulum secretissimum praecedentem so-
lummodo prövisum sit, quod sacra regia M**^ Magnae-Britan-
niae et celsi ac potentes, domini Status generales uniti Belgii
ad explendam guarantiam, quae in articulo secundo tractatus
hodierna die cum sacra O* catholica M^ cqnclusi sancita est,
toties haud teneantur, quoties illa ex serenissimis archiducibus
foeminis, ad quam iuxta praefatum succedendi ordinem omnia
regna ac provinciae hereditariae, quas sua sacra C«» catholica
M*a8 actu possidet, devolventur, nupta fuerit principi per masculos
ex domo Borbonia oriundo, necessarium simul visum fuit pro
aliis quoque casibus pariter providere, ne inde, quod conser-
vandum intenditur, Europae aequilibrium detrimenti quid capiat.
Quapropter inter partes contrahentes conventum porro est, ut
quoties illa ex archiducibus foeminis, ad quam iuxta ordinem
succedendi in sanctione pragmatica de anno 17 13 expressum
futuris temporibus orfinia regna ac provinciae hereditariae, quas
sua sacra C^^ catholica M^^ modo possidet, actu devolventur,
nupta fuerit principi tanta demum potentia et tot statibus prae-
dito ut, si ea potentia statusque ii regnis ac provinciis heredi-
tariis, quas serenissima domus austriaca iamiam possidet, uni-
rentur, iustae inde et legitimae formidinüm causae pro com-
muni Europae tranquillitate eiusdemque aequilibrio enascerentur,
toties liberum sit ac esse debeat huic principi vel transferendo
ditiones antea ad ipsum spectantes in proximum agnatum iure
ac beneficio guarantiae, quae in articulo secundo tractatus ho-
dierna die conclusi sancita est, uti, vel si ditiones antea ad ip-
sum spectantes retinere velit, huic guarantiae iuri ac beneficio
renuntiare; ita quidem, ut priore in casu sua sacra M^^ bri-
tannica et celsi ac potentes ordines generales foederati Belgii
ad implendas guarantiae leges aeque teneantur, ac si praefata
archidux foemina principi tanta potentia praedito nupta haud
fuisset, posteriore vero in casu antememorata sua M**» bri-
tannica et celsi ac potentes Status generales foederati Belgii
liberi sint a guarantia saepe citato articulo secundo tractatus
hodierna die conclusi promissa; salva caeteroquin in Omnibus
aliis casibus sub exceptionibus duabus, quae in praesenti et in
immediate antecedente articulo secreto continentur, haud com-
Östen eiclüsch-englische Staatsverträge. Bd. 1. 33
514 >73' Juli 22.
prehensis manente regula in praefato articulo secundo tractatus
hodierna die conclusi stabilita.
Praemissi duo articuli secreti manento, habeant tarnen ean-
dem vim ac robur, ac si ipsi tractatui de verbo ad verbuiii
essent inserti, atque eodem modo et intra idem temporis spa-
tium quo ipse tractatus ratihabebuntur ac ratihabitionum tabulae
invicem extradentur.
In quorum fidem nos infrascripti vigore plenipotentiarum
hodie invicem exhibitarum hos duos articulos secretissimos sub-
scripsimus et sigillis nostris communivimus. Actum Viennae
Austriae die decima sexta Martii, anno domini miUessimo sep-
tingentesimo trigesimo primo.^)
29.
Vertrag \wischcn Karl VI., Georg IL und Philipp V. von
Spanien samt einem Separat-, 2 geheimen Separatartikeln und
einer Deklaration cl. J, Wien ly^i Juli 22.
Rat, Georgs IL d, J. Hamptoncourt ijßi Juli 2 p] August p; Karls VL
d. d. Wien ijßi Sept 8; Philipps V. d, d. Sevilla lyji Aug. 18,
Die Originale des Hauptvertrages, der verschiedenen Separatartikcl und
der Deklaration befinden sich im St-A. und im R. O. ; das Original der Rati-
fikation Georgs im St.-A,, Karls VI. im R. O. — Drucke bei Bittner Nr. ygo.
Unmittelbar nach erfolgter Unterzeichnung des Wiener Vertrages
vom 16. Märj^ 17 Ji begannen der Kaiser und der König von England
mit den Spaniern Verhandlungen, um diese ^ur Gutheissung und ytir
Durchführung der sie beireffenden Verfügungen der erwähnten Verein-
barung {u bewegen.^) Dieselben verliefen nicht so glaii^ als der Wiener
Hof eruhirtet und gewünscht hatte. Die Spanier ^eigten sich durchaus
niclit geneigt^ die Bestimmungen de^ dritten Artikels und der ß De-
klarationen des Wiener Vertrages, die sie betrafen, rückhaltslos an-
ytterkennen ; sie dachten vielmehr einige ihren Interessen förderliche
Änderungen an denselben vorzunehmen, und wurden in diesem Bemühen
>) Dieselben Unterschriften wie beim vorhergehenden Geheimartikel.
*) Dafür liass Spanien bis Anfing Mär { in den Gati^ der österreichisch-
englischen Verhandlungen nicht eingeueiht worden war vgl. Baudrillart L c*
IV. ^2.
173» ^^ 22. tjc
von Jen Franzosen angeeifert, die eifersüchtig auf England und dessen
im Vertrage von Sevilla errungene Handelsvorteile die Seemächte und
Spanien i{ti veruneinigen suchten. Gerade deshalb aber waren die Eng-
länder eifrigst darauf aus, durch strikte Erfüllung der von ihnen Spa-
nien gegenüber übcrnommnien Verpflichtungen, dieser Macht jeden Vor-
wand ^um Widerrufe der den Engländern im Jahre 172^ zugesagten
Handelsvorteile ^m nehmen, Sie waren daher bestrebt, den Wiener Hof
{ur Billigung der neuen spanischen Forderungen :{u bewegen, die na-
mentlich die Succession in Parma betrafen,^) Es kann übrigens kein
Zweifel darüber bestehen, dass sie {u dieser Haltung auch mit durch
die Furcht bestimmt wurden, die Spanier könnten über ihren Kopf hin-
weg direkte Verhandlungen mit dem Kaiser beginnen. Robinson er-
fuhr, dass Liria, Spaniens Botschafter am Wiener Hofe, in der Tat
Vollmachten dieser Art erhalten hatte^) und wurde nicht müde, den
kaiserlichen Ministern von einseitigen Verhandlungen abzuraten und j(u
betonen, dass es Spanien mit dem Kaiserhause nicht ehrlich meine, dass
es lediglich darauf aus sei, England und Österreich ^u veruneinigen.
Die Befürchtungen Robinsons waren nicht unbegründet, Liria be-
mühte sich, die Frage der Vermählung des Don Carlos mit einer der
Töchter Karls VI, wieder {ur Erörterung ^u stellen und betonte, dass
sein Herr unter dieser Bedingung ^ur Erneuerung der alten Verträge
bereit sei.^) Allein Karl VI. war fest entschlossen, an den Bestim-
mungen des Wiener Vertrages fest^uhalten^^ und misstraute dem spa-
nischen Hofe überdies viel ^u sehr, um sich auf gefährliche Unter-
handlungen mit demselben einzulassen. Unter diesen Umständen blieb
Liria nichts übrig, als die Forderungen seines Herrn bezüglich der
spanischen Besatzungen und der Thronfolgeordnung in Toscana, Parma
und Piacen^a von neuem vorzubringen. Der Kaiser verhandelte mit ihm,
gab aber z}^ gleich Robinson Kunde von dem Geschehenen und forderte
dessen Teilnahme an der Beratung über die Antwort , die man den
Spaniern geben solle. Dieselbe fand am 7. Juni ijßi statt, Robinson
sprach sich auf das entschiedenste gegen den Abschluss eines neuen
Vertrages, den Spanien wünschte^ und für die blosse Accession dieser
») Vgl, Baudrillart l, c, IV, 9^,
*) Vgl, für die Liria \ugekommene Instruktion Baudrillart l, c, IV, 94,
3) Vgl, Baudrillart l c, IV, 94,
*) Robinson hatte in diesem Sinne im Mai nach London berichtet; die
englische Regierung betonte daher in ihrer Antwort an Robinson ihre Geneigt-
heit an den Österreich gegenüber eingegangenen Verpflichtungen festzuhalten,
Weisung an Robinson d, d, iß. Juni lyji R. O,
33'
516 '73» Ju^i 21.
Macht j{H dem ganzen Vertrage vom i6, Mär^ oder blos {um j. Ar-
tikel desseiden aus. Die Räte Karls VI, schlössen sich dieser Mei-
nung an; Liria wurde von dem Resultate der Beratung verständigt,
erklärte aber auf der Abfassung eines neuen Vertrages bestehen :{u
müssen. Während nun die kaiserlichen Minister in Verhandlungen mit Ro-
binson eintraten, ^) die über Form und Inhalt der mit Spanien ^u tref-
fenden Vereinbarungen entscheiden sollten, erfuhr man am Wiener Hofe,
dass Keene, der Vertreter Englands in Madrid, am 6, Juni eine separate
Abmachung mit der spanischen Regierung unterzeichnet habe, nach der
Spanien sich verpflichtete, alle England betreffenden günstigen Bestim-
mungen des Vertrages von Sevilla — ungeachtet der widersprechenden
Verfügungen der im Januar ij^i mit Frankreich getroffenen Verein-
barung — genau -{w beobachten, vorausgesetzt, dass die im Wiener
Vertrage festgesetzte Einführung der 6ooo Spanier in die Don Carlos
zugedachten Gebiete innerhalb einer Frist von ^Monaten erfolgen sollte,^)
Die Entrüstung der W'iener Regierung war gross und nur schwer gelang
es Robinson, das durch dieses Vorgehen wieder wachgerufene Misstrauen
%ler Kaiserlichen -{« beseitigen, indem er die Schuld an dem Gesche-
henen der Eigenmächtigkeit des englischen Gesandten beimass und sei-
nerseits alles mögliche tat, um den Abschluss des Vertrages mit den
Spaniern z^^ fördern.
Derselbe erfolgte am 22, Juli lyji. Die Quadrupelallianz und
der vom Kaiser und dem Reiche am 7. Juni 172$ mit Spanien ge-
schlossene Vertrag wurden durch diese Abmachung erneuert und genaue
Verfügungen über die Thronfolge des Don Carlos in Toscana, Parma
und Piacenza getroffen. Der Kaiser verpflichtete sich speziell gegen
die friedliche Einquartierung der 6000 Spanier in die festen Plätze
Toscana' s, Parma's und Piacenza' s auch dann keinen Einwand {// er-
heben, falls die Witwe des Herzogs von Parma einem männlichefi
Kinde das Leben schenken sollte, Falls die Hoffnungen dieser Fürstin
sich überhaupt nicht erfüllen, oder ein Mädchen das Licht der Welt
erblicken würde, dann sollte Don Carlos sogleich in den Besitz der
Herrschaft gelangen, Karl VI erklärte überdies, der Einmarsch der
kaiserlichen Truppen in Parma und Piacenza habe nur den Zweck ge-
habt, die Rechte des Don Carlos, wie sie im Londoner Vertrage vom
') Robinson wurde am ly. Juni i^ji bevollmächtigt mit Spanien ab{u-
schliessen, Instr. im R, O,
*) Vgl. Baudrillart l. c. IV, p6 ; daselbst — Anmerkung I — der Abdruck
dieser Deklaration.
173» J"l^ **• 517
2. August lyiS anerkannt worden waren, {ti sichern. Zugleich wurde
der Beschltiss ge/asst, den Beitritt des Grossher{ogs Johann Gaston
von Toscana ^n diesem Bündnisse ^u erwirken und festgesetzt, dass die
Durchführung der ihn betreffenden Massregeln auch dann erfolgen sollte,
falls er wider Erwarten {ur Gutheissung derselben innerhalb einer Frist
von 2 Monaten nicht j(u bewegen sein sollte. Da aber bereits am 2ß, Juli
— iilso bevor der Vertrag vom 22, Juli in Floren^ angelangt sein
konnte — eine Vereinbarung ^wischen Spanien und Toscana getroffen
worden war, so unterieichneten die Vertreter Englands, Österreichs und
Spaniens am p, Sept, ijßi in Wien eine Erklärung, in der Philipp V,
betonte, dass die Abmachung vom 2ß, Juli den Bestimmungen des
Vertrages vofn 22, Juli nicht j^iiwiderlaufe,^) wogegen England und der
Kaiser die Bestimmungen des Vertrages vom 2ß. Juli annahmen. Kurj{e
Zeit darauf — am 21. Sept, — unterzeichneten die Vertreter Englands,
Österreichs, Spaniens und Toscanas die Urkunde, die den Beitritt des
Gross her {ogs von Toscana ^^m Wiener Vertrage vom 22, Juli 17 ßi
{um Inhalte hatte.
In nomine sanctissimae ac individuae trinitatis amen.
Notum Sit Omnibus ac singulis quorum interest aut quo-
modocunque interesse postest.
Postquam super introductione praesidiarii Hispani militis,
cui loco militis neutrarum partium, de quo quadruplice foedere
convenerat, custodiam munitorum Hetruriae, Parmae et Pla-
centiae locorum sua M**^ catholica committi desideraverat, varii
motus non absque publicae tranquillitatis periculo exorti sint,
sua M^s O*^ catholica et sua M**^ regio-britannica praevertendis
malis, quae inde eruptura timebantur, articulo tertio tractatus die
decima sexta Martii praesentis anni Viennae conclusi signatique
atque duabus declarationibus eo partinentibus ita desuper con-
venerunt, sicuti ex tenore huius articuli atque praedictarum decla-
rationum uberius elucescit; qui quidem tenor de verbo ad ver-
bum ita sese habet
Insertio articuli III tractatus die 16» Martii 1731 conclusi;
declarationis super Parmensi successione; declarationis super
') Dies geschah, um die Opposition des Kaisers, der ursprünglich gegen
die Giltigkeit dieses Vertrages protestiert hatte^ 7^ beseitigen. Vgl, die Wei-
sung an Kinsky nach London d, d, 26. Aug, ly^i, St.-A.
jlS 1731 Juli 22.
praesidiis Hispanis in munita Hetruriae, Parmae et Placentiae
loca introducendis et specificationis „des engagemens du traitö
de Seville."!)
Cum proinde regia sua M**» catholica, facta sibi huius ar-
ticuli atque declarationum eo pertinentium communicatione, de-
siderio suo non nisi ad firmandam magis magisque serenissimo
infanti Carolo filio suo eventualem in Hetruriae, Parmae et Pla-
centiae ducatus successionem coilimanti atque sponsionibus in-
ter eandem et regiam Magnae-Britanniae M^°» initis, prouti illae
suae M*^ O*« catholicae communicatae atque praeinsertis decla-
rationibus explanatae fuerunt, penitus satisfactum cerneret, sua
quoque ex parte iis deesse noluit, quae communi quieti firmius
adhuc stabiliendae inservire poterant.
Quem quidem in finem sacra sua M^ C^ catholica cel-
sissimum principem ac dominum Eugenium Sabaudiae et Pede-
montium principem, altefatae suae M*" O*® catholicae consilia-
rium actualem intimum, consilii aulico bellici praesidem suum-
que locumtenentem generalem, sacri Romani imperii campi ma-
reschallum ac eiusdem regnorum ac statuum per Italiam vicarium
generalem et unius desultoriorum legionis praefectum, aurei vel-
leris equitem, nee non illustrissimum et excelientissimum do-
minum Phiiippum Ludovicum, sacri Romani imperii tbesaura-
rium haereditarium, comitem a Sinzendorff, liberum baronem
in Ernstbrunn, dominum dynastiarum GföU, superioris Selowiz,
Porliz, Sabor, Mülzig, Loos, Zaan et Droskau, burggravium in
Rheineck, supremum haereditarium scutiferum ac praecisorem in
superiori et inferiori Austria ad Anasum, aurei velleris equitem,
sacrae O^^ catholicae M*'^ camerarium, actualem consiliarium in-
timum ac primum aulae cancellarium, ac illustrissimum et excel-
ientissimum dominum Gundaccarum Thomam sacri Romani im-
perii comitem de Starhenberg, in Schaumburg et Waxenberg, do-
minum ditionum Eschelberg, Liechtenhaag, Rottenegg, Freystatt,
Haus, Oberwalsee, Senfftenberg, Bodendorff, Hattwari, aurei
velleris equitem, sacrae O^® catholicae M**^ consiliarium inti-
mum actualem, archiducatus Austriae superioris et inferioris
mareschallum haereditarium et denique illustrissimum et excel-
ientissimum dominum Josephum Lotharium sacri Romani im-
perii comitem a Koenigsegg et Rothenfels, dominum in Aulen-
*) Vgi, lim Abdruck p. 4^)^f*; yo^ff.
173» Juli 22. 519
dorff et Stauffen, sacrae C«*« catholicae M*'^ consiliarium ac-
tualem intimum, consilii aulico-bellici vicepraesidem, generalem
campi mareschallum, Warasdini et confinium Petriniorum prae-
fectum generalem, unius legionis pedestris tribunum et ordinis
albae aquilae polonicae equitem; sacra vero regio-britannica
M*»8 dominum Thomam Robinson, armigerum, in comitiis par-
lamenti Magnae-Britanniae senatorem et ministrum suum apud
praedictam M*®°» suam C®*"* catholicam ; et sacra denique regio-
catholica M^^ illustrissimum et excellentissimum dominum Ja-
cobum Franciscum Fitzjames, duca de Liria et de Xerica, ex
magnatibus Hispaniae primae classis, aurei velleris et sancto-
rum Andreae et Alexandri de Russia equitem, primum regen-
tem perpetuum civitatis sancti Philippi, sacrae regiae catholicae
M^is cubicularium, castrorum praefectum suumque apud altefa-
tam M^^ suam C^^^ catholicam ministrum plenipotentiarium,
plena potestate muniverunt, qui collatis inter se consiliis et
commutatis prius plenipotentiaruni tabulis in sequentes articulos
et conditiones convenerunt
I.
Sacra sua regia-catholica M**^ probe perpenso praeinserto
articulo tertio tractatus die decima sexta Martii praesentis anni
conclusi et probe perpensis duabus declarationibus pariter prae-
insertis, cuius quidem articuli et quarum declarationum tenor
in eo iam est ut efifectui detur, nihil amplius a se desiderari,
quin potius iisdem se penitus acquiescere protessa est. Atque
ne uUus dubio aut controversiae locus supersit, promptam sese
insuper paratamque exhibuit, ut tum tractatus Londini die se-
cunda Augusti anno 17 18 initus ac vulgo foedus quadruplex
nuncupatus, tum pax Viennae Austriae die septima Junii anno
1725 inter sacram C®^"^ catholicam M*«™ sacrumque Romanum
imperium ex una atque altefatam sacram regiam catholicam
j^teni ex altera parte conclusa plene in Omnibus articulis, clau-
sulis ac conditionibus renoventur ac firmentur iis tantum ex-
ceptis, quae de immutandis neutrarum partium praesidiis in Hi-
spana praesidia supracitato articulo ac declarationibus mutuo
consensu placuerunt atque presente tractatu denuo corroborata
sunt. Hunc itaque in finem sacra sua regia cathoHca M**» de-
claravit, sicuti vigore huius articuli declarat, quod praecitati
tractatus plene renovati ac denuo firmati censendi sint, prouti
520 «73« J"1I 22.
etiam praesente articulo renovantur ac denuo firmantur, pro-
mittitque sacra sua regia catholica M^^ tarn pro se quam pro
haeredibus suis ac successoribus et speciatim pro eo insuper ex
descendentibus suis masculis, cui iuxta modo memoratos trac-
tatus tenoremque literarum investiturae eventualis die nona
Decembris anno 1723 expeditarum extincta penitus linea Me-
dicea et Farnesia mascula successio in antedictos Hetruriae,
Parmae et Placentiae ducatus debetur, aut ad quem haec ipsa
successio futuris temporibus devolvetur, quod tam ipsa quam
haeredes sui ac successores et speciatim is ex descendentibus
suis masculis, ad quem modo memorata successio devoluta
fuerit, praestare atque adimplere omnia ea ac singula velint ac
teneantur, quae in praecitatis duobus tractatibus continentur.
n.
Vicissim sacra O» catholif a M**^ et sacra regia britannica
Mtas promittunt ac sese sacrae regiae catholicae M^ ipsiusque
haeredibus ac successoribus obstringunt, quod favore prolis
masculae praesentis Hispaniarum reginae, prout illa iuxta trac-
tatus antea citatos ac tenorem literarum investiturae eventualis
ad successionem in Hetruriae, Parmae et Placentiae ducatus vo-
cata est, omnia ea ac singula adimplere velint, quae in prae-
inserto articulo tertio tractatus die decima sexta Martii huius
anni conclusi ac duabus declarationibus pariter praeinsertis di-
sposita reperiuntur. Nee minus sacra C^^ catholica M**^ et sacra
regia Magnae-Britanniae M*»^ acceptando renovationem foederis
quadruplicis nuncupati, sacra autem O-*^ catholica M**^ accep-
tando insuper renovationem pacis die septima Junii anno 1725
inter eandem et sacrum Romanum imperium ex una tum sa-
cram regiam catholicam M^^^ ex altera parte conclusae promit-
tunt ac sese pro se ac suis haeredibus et successoribus obstrin-
gunt, quod sua quoque ex parte, in quantum ad unamquamque
earundem spectat, erga sacram regiam catholicam M*«"^ et ipsius
haeredes et successores fidehter sint adimpleturae, quaecunque
vigore huius acceptationis praestanda veniunt; nimirum sacra
0*a catholica M^^^ quaecunque tum in foedere quadruplice tum
in antememorata pace die 7» Junii anno 17^25 conclusa sancita
sunt, sacra vero regia britannica M*^** quaecunque iuxta foedus
quadruplex nuncupatum ab eadem adimplenda veniunt
1731 Juli 22. 521
ni.
Quae hactenus mutuo ac irrevocabili partium contrahen-
tium consensu placuerunt, normae loco inservire debebunt, sive
unice de introducendo prqesidiario Hispano milite, sive casu
aperturae in quadruplice foedere expresso existente de immis-
sione quoque Serenissimi Hispaniarum infantis Caroli in Parmae
Placentiaeque ducatus quaestio sit; ita nimirum, ut ultimo hoc
in casu praefatus Serenissimus Hispaniarum infans Carolus, aut
qui post eum articulo quinto foederis quadruplicis ad succes-
sionem hanc eventualiter vocatur, possessionem horum duca-
tuum ea plane ratione, quae in literis investiturae eventualis de
die nona Decembris anno 1723 expressa est, adipisci possit
lac debeat.
IV.
Cum ea, quae favore serenissimi Hispaniarum infantis Caroli
aut eorum, qui in iura ipsius iuxta antememoratos tractatus sub-
intrant, articulo quinto foederis quadruplicis disposita reperiun-
tur, tum etiam sponsiones desuper inter sacram regiam bri-
tannicam et sacram regiam catholicam M*<^ initae, iam dudum
serenissimis, qui pro disparitate temporis tunc in vivis erant,
magnae Hetruriae, Parmae et Placentiae ducibus exhibitae,
neque minus praeinsertus articulus tertius tractatus die decima
sexta Martii praesentis anni Viennae conclusi eoque pertinen-
tes duae declarationes pariter praeinsertae magni Hetruriae
ducis et Parmensi^) in aula caesarea commorantibus ministris
communicatae fuerint, nihil autem pro corroboranda publica
tranquillitate magis exoptandum sit, quam ut omne obstaculum
et contradictio, unde remora forsan iis, quae mutuo partium
contrahentium consensu hactenus placuerunt, afferri posset, quan-
tocyus amoveatur; hinc est, quod sacra C«» catholica M**^ sacra
regia britannica M^^ et sacra regia cathohca M**« promiserint
ac sese obligarint, quod unaquaeque earundem statim, ac prae-
sens tractatus signatus atque subscriptus fuerit, omnem operam
bona fide sit impensura, quo Serenissimus quoque dux Hetruriae
non tantum saepefatae praesidiarii Hispani militis introductioni
sed et Omnibus iis, quae alias iuxta antecitatos tractatus, con-
ventiones et declarationes favore prolis masculae praesentis Hi-
spaniarum reginae disposita reperiuntur, quantocyus assentiat,
') Scilicet ministro.
5 22 173' J"^ **•
ita tarnen, ut subsecuto etiam praedicti magni Hetruriae ducis
consensu cuncta, quae hactenus memorata sunt, non nisi post
permutatas invicem ratihabitionum tabulas locum habere queant.
V.
Praeterea sacra C®* catholica M**^ sacra regia Magnae-
Britanniae M**» et sacra regia catholica M**^ declarant, nihil sibi
magis in votis esse, quam ut Serenissimus magnus Hetruriae
dux iis acquiescere velit, quibus in antememoratis tractatibus
tum dignitati suae ac quieti, tum etiam propriae et subditorum
statuum securitati consulitur. Quem quidem in finem prae-
fatae partes contrahentes non tantum sibimet invicem sed et
regiae suae celsitudini promittunt ac spondent, quod ea omnia
et singula, quae in antecitatis tractatibus tum quoad dignitatem
suam tum quoad propriam et subditorum statuum securitatem
disposita reperiuntur, renovata ac confirmata censeri debeant,
quodque ea tuenda et explenda seu uti vulgo vocant guaranti-
gianda in se suscipiant
VI.
Et quoniam pro assequendo perficiendoque salutari quem
partes contrahentes intendunt scopo communis nimirum quietis
penitus firmandae nihil magis expedire visum est, quam si Sere-
nissimus magnus dux Hetruriae praesenti tractatui accesserit,
hinc est, quod eaedem partes contrahentes e re esse iudicarunt,
regiam suam celsitudinem amicissimis verbis ad hanc quae modo
memorata est accessionem invitare, sicuti eandem praesehte ar-
ticulo ad hoc ipsum invitant, quo nimirum regia sua celsitudine
ad opus tarn proficuum pariter concurrente eo securior sit pu-
blica Europae tranquillitas.
VIT.
Praesens tractatus ratihabebitur et approbabitur a sua sacra
O^ catholica M^, a sua sacra regia M*« Magnae-Britanniae et
a sua regia catholica M^, et ratihabitionum tabulae intra spa-
tium duorum mensium a die subscriptionis computandorum aut
citius si fieri poterit Viennae Austriae invicem extradentur et
commutabuntur.
In quorum fidem roburque tarn caesarei commissarii, tan-
quam legati plenipotentiarii extraordinarii, quam regis Magnae-
Britanniae et regis catholici ministri plena pariter facultate mu-
173« JuJi 22. 523
niti tabulas has propriis manibus subscripserunt et sigillis suis
muniverunt.
Acta haec sunt Viennae Austriae die 22^* mensis Julii, anno
domini millesimo septingentesimo trigesimo primo.
L. S. E. a Sabaudia. L. S. Th. Robinson. L. S. J. d. de Liria et Xerica.
L. S. Philippus Lud. comes a Sinzendorff.
L. S. Gundaccanis comes a Starhenberg.
L. S. J. L. comes a Kinigsegg.
Articulus separatus.
Per articulum hunc separatum placuit et conventum est,
titulos hoc in tractatu a partibus contrahentibus assumptos neu-
tri partium contrahentium praeiudicio uUi haud fore, huicque ar-
ticulo separato eandem vim esse, ac si ipsimet tractatui insertus
fuisset, pari etiam modo ratihabendus.
In quorum fidem nos infrascripti vigore plenipotentiarum
hodie invicem exhibitarum praesentem articulum subscripsimus
et sigillis nostris communivimus.
Actum Viennae die 22^* Julii anno 173 i-O
Articulus separatus et secretus.
Cum sacrae O*« catholicae M*^, sacrae regiae britannicae
M*» et sacrae regiae catholicae M^ ea, quae dignitatem ac quie-
tem Serenissimi magni ducis Hetruriae tum securitatem sub-
ditorum eidem statuum concernunt, praecipuae curae cordique
fuerint, utque exoptatus hicce finis obtineatur tractatu hodierna
die inter altefatas M^^ suas inito satis provisum sit; spes qui-
dem easdem firma tenet, haud difficulter regiam suam celsitu-
dinem eo permotam iri, ut iis, quae favore ipsius renovata,
firmata, disposita atque uti vulgo vocant guarantigiata fuerunt,
acquiescere velit. Quod si tamen praeter spem ac communia
vota nee amica partium contrahentium invitatio nee sponsiones
vulgo guarantiae praesente tractatu favore regiae suae celsi-
tudinis sancitae eidemque oblatae, nee Opera iuxta articulum
') Es folgen die Unterschriften der österr. und des spanischen Bevollmäch-
tigten wie im Hauptvertrage von demselben Tage ; der Vertreter Englands unter-
zeichnete diesen Artikel nicht, da fleischen England und st inen Kontfahenten
keine Titeldiffercn\ bestand.
524 '73' ^^^^ 22.
tertium tractatus die decima sexta Martii praesentis anni con-
clusi a Sacra O* catholica M^ pro amovendis obstaculis ibidem
expressis impendenda, nee denique cuncta ea, quae de propensa
sua in praesentem serenissimum magnum Hetruriae ducem
mente et enixo studio eiusdem desideriis quantum fieri potest
satisfaciendi sacra regia catholica M**» per ministros suosViennae
et Florentiae existentes saepius testata fuit, pro obtinendo intra
spatium duorum mensium a die subscripti huius tractatus com-
putandorum regiae suae celsitudinis consensu sufficerent; ita
quidem ut bimestri hoc temporis spatio elapso dubium adhuc
foret, num regia sua celsitudo introductioni praesidiarii Hispani
militis assentiri vel ad minimum huic ipsi introductioni eo, quo
in tractatu expositum est, modo acquiescere velit, tunc sacra
sua C®* catholica M**» declarat ac vigore praesentis articuli pro-
mittit, quod nequaquam sese sit oppositura, quominus sponsio-
nes desuper inter sacram suam regiam britannicam M*«™ et sa-
cram suam regiam M*«"* catholicam initae, prouti illae hie ex-
hibitae et partim prooemio huius tractatus insertae partim vero
articulo eiusdem secreto annexae simulque declaratione super
praesidiis Hispanis explanatae fuerunt, plenarium in omnibus
sortiantur effectum.
Praesens articulus secretus maneto, habeat tamen eandem
vim, ac si tractatui hodierna die concluso verbotenus esset in-
sertus, atque eodem modo et intra idem temporis spatium quo
ipse tractatus ratihabebitur et ratihabitionum tabulae invicem
extradentur.
In quorum fidem nos infrascripti vigore plenipotentiarum
hodie invicem exhibitarum praesentem articulum subscripsimus
et sigiilis nostris communivimus.
Actum Viennae die 22^ Julii, anno domini miilesimo sep-
tingentesimo trigesimo primo.^)
Articulus separatus et secretus.
Quam vis in prooemio tractatus hodierna die inter sacram
Ceam catholicam M*®™, sacram regiam britannicam M^-"' et sacram re-
giam catholicam M.^^^ conclusi non nisi eae sponsiones super in-
troductione praesidiarii Hispani militis inter ambas regias Magnae-
*) Bs folgen die eigenhändigen Unterschriften der Vertreter aller ß Mächte
wie in dem Hauptvertrage vom gleichen Tage,
173 1 ^^^ 22- 525
Britanniae et catholicam M*®^ olim stabilitae recensitae sunt, quas
public! iuris facere partibus contrahentibus e re esse visum fuerat, ^)
nihilominus tarnen inter partes praesentem tractatum contrahen-
tes simul conventum est, quod etiam respectu reliquarum spon-
sionum, quae sacrae O*® catholicae M*^ separatim exhibitae et
praesenti articulo secreto annexae sunt,*) tenor articuli tertii
tractatus die decima sexta Martii huius anni Viennae conclusi
ac duarum declarationum eo pertinentium aeque locum habere
debeat, ac si haec quoque secreta sponsionum pars prooemio
praesentis tractatus de verbo ad verbum pariter foret inserta.
Praesens articulus secretus maneto, habeat tarnen eandem
vim, ac si tractatui hodierna die concluso verbotenus esset in-
sertus, atque eodem modo et intra idem temporis spatium quo
ipse tractatus ratihabebitur et ratihabitionum tabulae invicem
extradentur.
In quorum fidem nos infrascripti vigore plenipotentiarum
hodie invicem exhibitarum praesentem articulum subscripsimus
et sigillis nostris communivimus.
Actum Viennae die 22** Julii, anno domini millesimo sep-
tingentesimo trigesimo primo ^)
Declaratio.
Quamvis in fine articuli quarti tractatus hodierna die inter
sacram C^^ catholicam M*®"", sacram regiam britannicam M*«^ et
sacram regiam catholicam M^™ conclusi dictum sit, quod sub-
secuto etiam magni Hetruriae ducis consensu non nisi post per-
mutatas invicem ratihabitionum tabulas ea locum habere queant,
quae antea memorata fuerunt; simul tamen inter partes contra-
hentes conventum est, quod durante hoc intervallo, ne tempus
navigationi commodum firustra elabatur, ea quae actualem in-
troductionem praesidiarii Hispani militis antecedunt ita praepa-
rari possint, ut Hispanis navibus eodem milite onustis in ea
insulae Elvae parte, quae a sua M^ catholica modo possidetur,
appellere et ibidem commorari liceat, usque dum de permu-
tatis invicem ratihabitionum tabulis nuncius advenerit.
•) Vgl. p. 304 ff.
*) Genteint sind die p, ^06 f, abgedruckten Bestimmungen,
*) Es folgen die eigenhändigen Unterschriften der Vertreter aller ^ Mächte
wie im Hauptertrage von demselben Tage und die p. ßo6f. abgedruckte „sponsio.*'
526 173« Sept. 9.
Praesens declaratio secreta maneto, habeat tarnen eandem
vim, ac si tractatui hodierna die concluso verbotenus esset in-
serta, atque eodem modo et intra idem temporis spatium quo
ipse tractatus ratihabebitur et ratihabitionum tabulae invicem
extradentur.
In quorum fidem nos infrascripti vigore plenipotentiarum
hodie invicem exhibitarum hanc declarationem subscripsimus
et sigillis nostris communivimus.
Actum Viennae die 22^* Jiilii, anno domini miilesimo sep-
tingentesimo trigesimo primo.^)
30. und 31.
Deklaration der Vertreter Spaniens, Englands und ÖstetTeichs
d. d, Wien Sept. 9, betreffend den ^wischen Spanien und Tos-
cana geschlossenen Vertrag d. d. Floren:^ 17^1 Juli 2$,
und
Konvention fischen Karl VI., Georg IL, Philipp V. von Spa-
nien und Johann Gaston von Toscana d. d. Wien 17^1 Sept. 21,
betreffend des Letzteren Accession ^um Vertrage vom 22. Juli
17JI ; nebst einer Deklaration dieses Fürsten d. d. Wien 17^1
Nov. 17.'^)
Die Originale der Konvention sowie der Deklarationen befinden sich im
St'A. und im R. O. — Drucke bei Bittner Nr. 792 und jgy.
30.
Cum, priusquam notitia de tractatu intcr sacram O*™ ca-
tholicam M*<*^", sacram regiam britannicam M*®'" et sacram regiam
catholicam M^"* die vigesima secunda Julii huius anni Viennae
concluso Florentiam pervenisset, certa quaedam conventio die
vigesima quinta eiusdem mensis Julii a ministris plenipotentiariis
regiae suae catholicae M*'^ atque regiae suae celsitudinis magni
Hetruriae ducis ibidem subscripta signataque sit non nisi eo
tendens, ut privata regiae suae celsitudinis eiusdemque sororis
serenissimae electricis Palatinae viduae commoda absque uUo
praeiudicio pactorum conventorum, a praecipuis Europae prin-
') Es folgen die eigenhändigen Unterschriften der Vertreter aller y Mächte
wie im Hauptvertrage vom gleichen Tage.
*) Für die informierende Einleitung \u diesen Akten vgl. p. 5/7.
I73I Sept. 9. 527
cipibus initorum, foederis inprimis quadruplicis, pacis Viennae
die 7«»» Junii anno 1725 conclusae, tum supradicti tractatus de
die 22*^» Julii huius anni, pacto quodam de familia ad familiam
atque adeo tali ratione determinentur, qnae intuitu iurium ab
aliis principibus ad praefatam conventionem haud concurrenti-
bus assertorum iisdem pactis conventis haud contrarietur, pro
tollendo omni dubio necessarium iudicatum fuit, sacrae suae
regiae catholicae M*^« quoad antedictam conventionem mentem
solenni quodam declarationis instrumento explanare.
Quapropter ego infrascriptus sacrae regiae catholicae M^'»^
minister plenipotentiarius vigore plenipotentiae iam prius rite
exhibitae atque recognitae praesenti instrumento nomine alte-
fatae regiae catholicae M*»* testor atque spondeo, conventione die
vigesima quinta Julii huius anni Florentiae subscripta signataque
nulla plane in re derogari iis, ad quae tractatu die 22^* eiusdem
mensis Viennae Austriae concluso regia sua catholica M**^ erga
reliquas partes eundem tractatum contrahentes sese obstrinxit,
neque antedictam conventionem in praeiudicium sacrae suae O*®
catholicae M**» sacrique Romani imperii et sacrae suae regiae
britannicae M*^^ uUatenus vergere posse aut debere.
Vicissim vero nos infrascripti ministri plenipotentiarii sa-
crae O»® catholicae M*^^ et sacrae regiae britannicae M*»* vigore
plenipotentiarum rite pariter prius exhibitarum et recognitarum
praefatam declarationem super conventione die 25** Julii prae-
sentis anni Florentiae subscripta nomine sacrae regiae catholicae
M*^8 factam quo fieri potest meliore modo acceptamus.
In quorum fidem nos infrascripti praesens declarationis in-
strumentum, de quo eodem tempore, cum ratihabitionum ta-
bulae invicem extraderentur, conventum fuit, subscripsimus et
sigillis nostris communivimus.
Actum Viennae die 9* Septembris, anno millesimo septin-
gentesimo trigesimo primo.^)
31-
Cum pro assequendo perficiendoque salutari scopo, quem
tractatu die 22^* mensis Julii praesentis anni Viennae subscripto
signatoque sua sacra O* catholica M**^ sua sacra regia britan-
nica M^s q^ s^q sacra regia catholica M**» intenderunt, publicae
') Es folgen die eigenhändigen Unterschriften der Vertreter aller 7 Mächte
cbseno wie im Hauptvertrag vom 22, Juli 1731*
5a8 «73« Sept. 21.
nimirum Europae tranquillitatis omni ex parte finnandae nihil
iisdem expedire magis visum sit, quam si Serenissimus magnus
dux Hetruriae ad hunc ipsum tractatum accesserit, hinc est, quod
eaedem partes contrahentes articulo eiusdem sexto e re esse
iudicarunt, regiam suam celsitudinem amicissimis verbis invitare,
quo et ipsa ad eum, qui modo memoratus est, tractatum con-
currere veüt.
Sicuti proinde regia sua celsitudo oblatis eidem in prae-
dicto tractatu sponsionibus, et quae alias de propensa in eandem
mente partes contrahentes testatae sunt, secura denuo reddita
fuit, quod sacrae O^« catholicae W\ sacrae regiae britannicae M*»
et sacrae regiae catholicae M** ea, quae dignitatem ac quietem
suam tum securitatem et emolumentum subditonun sibi statuum
concernunt, praecipuae curae cordique sint, quodque eaedem
partes contrahentes in enixo studio persistant desideriis suis
quantum fieri potest satisfaciendi, ita regia sua celsitudo hoc
ipsum grata mente recolens et honori sibi ducens in laudabili
proposito conservandae firmandaeque tranquiUitatis pubhcae
tantis principibus sociari, mature perpensis omnibus iis, quae in
praecitato tractatu continentur, in quantum regiam suam celsi-
tudinem, dignitatem ac quietem suam tum securitatem et emo-
lumentum subditorum eidem statuum concernunt, ea omnia et
singula accessione et acceptatione sua comprobare decrevit.
Et cum, priusquam notitia de concluso antedicto tractatu
Florentiam pervenisset, conventio die 25^ eiusdem mensis Julii
a ministris plenipotentiariis regiae suae catholicae M*»^ atque
regiae suae celsitudinis ibidem subscripta signataque ac dein
hie exhibita sit non nisi eo tendens, ut privata regiae suae cel-
situdinis eiusdemque sororis serenissimae electricis Palatinae vi-
duae commoda, absque uUo praeiudicio pactorum conventorum,
a praecipuis Europae principibus initorum, pacto quodam de
familia ad familiam atque adeo lali ratione determinentur, quae
intuitu iurium ab aliis principibus ad praefotam conventionem
haud concurrentibus assertorum iisdem pactis conventis haud
contrarietur, necessarium simul iudicatum est, hanc ipsam par-
tium antedictam conventionem contrahentium mentem solenni
declarationis instrumento explanare.
Quo itaque omne circa eam, quae modo memorata est,
conventionem dubium toUatur atque regia sua celsitudine ad
scopum, quem partes tractatum die 22^*^ Julii huius anni Vien-
1^3' Sept. 21. fe29
nae concliisum contrahentes propositum sibi habuenint, pariter
concurrente eo securior sit communis quies, ego infrascriptus
regiae suae celsitudinis magni Hetniriae ducis ad aulam caesa-
ream ablegatus extraordinarius plena facultate rite exhibita at-
que recognitä instructus nomine regiae suae celsitudinis declaro
atque promitto, quod regia sua celsitudo omnibus et singulis^
quae in saepememorato tractatu die 22^» Julii huius anni Vien-
nae concluso continentur, in quantum regiam suam celsitudinem,
dignitatem ac quietem suam tum securitatem et emolumentum
subditorum eidem statuum concernunt, plene accedat eademque
omnia et singula acceptatione sua comprobet, quodque ante-
dicta conventio de die 25*» eiusdem mensis Julii non alia mente
inita fuerit, quam ut pacto quodam de familia ad familiam pri-
vata regiae suae celsitudinis eiusdemque sororis serenissimae
electricis Palatinae viduae commoda innocua plane ac tali ra-
tione firmentur, quae ne minima quidem in re in aliorum prin-
cipum ad praefatam conventionem.haud concurrentium praeiu-
dicium aut in detrimentum iurium, quae ab aliis vigore pac-
torum conventorum a praecipiüs Europae principibus initorum
asseruntur, vergere possit aut debeat.
Vicissim vero nos infrascripti ministri plenipotentiarii sacrae
C®^® catholicae M*^% sacrae regiae britannicae M*^» et sacrae re-
giae catholicae M^»» vigore plenipotentiarum rite exhibitarum
ac recognitarum, tum declarationem nomine regiae suae celsi-
tudinis magni ducis Hetruriae super conventione die 25** Julii
Florentiae subscripta factam, tum etiam antedictam accessionem
regiae suae celsitudinis ad tractatum die 22^* eiusdem mensis
Julii Viennae Austriae conclusum nomine altefatarum M*"™ sua-
rum acceptamus; ita quidem, ut altefatae M*^ suae ad adim-
plenda ac praestanda omnia ea, quae favore regiae 3uae celsi-
tudinis tam quoad eiusdem quietem et dignitatem quam quoad
securitatem ac emolumentum subditorum ipsi statuum in hoc
qui modo memoratus est tractatu disposita reperiuntur, se suos-
que haeredes ac successores regiae suae celsitudini obligent at-
que obstringant.
Praesens instrumentum accessionis, declarationis atque ac-*
ceptationis ab omnibus partibus compaciscentibus ratihabebitur
atque ratihabitionum tabulae in consueta debitaque forma ex-
peditae intra spatium duorum mensium a die subscriptionis
österreichisch-englische Staatsvertrftge. Bd. I. 34
530 '73' Ö«P*- **•
computandorum aut citius -si fieri potent Viennae Austriae
commutabuntur atque invicem extradentur.
In quonim omnium fidem nos infrascripti praesens acces-
sionis, declarationis atque acceptationis instrumentum subscrip-
simus et sigillis nostris communivimus.
Actum Viennae die 21. Septembris, anno millesimo sep-
tingentesimo trigesimo primo.*)
Declaratio a ministro plenipotentiario regiae suae celsitudinis
magni ducis Hetruriae subscribenda.
Cum ratihabitionimi tabulae instnmienti accessionis, de-
clarationis et acceptationis die vigesima prima Septembris huius
anni a ministris plenipotentiaiüs sacrae C**® catholicae M*^*, sa-
crae regiae catholicae M*^" et sacrae regiae britannicae MP^
Viennae subscripti signatique contra receptum hactenus morem
ex parte regiae suae celsitudinis magni Hetruriae ducis italico
idiomate confectae atque extraditae sint, ne hoc exemplum in
usum posthaec trahatur, ego infrascriptus eiusdem regiae suae
celsitudinis minister plenipotentiarius declaro, quod idioma ita-
licum in confectione antedictanmi tabularum ratihabitionis ad-
hibitum nuUo unquam tempore in exemplum trahi aut allegari
queat, verum usus antea receptus tabulas eiusmodi latino idio-
mate conficiendi et extradendi in simiUbus casibus locum porro
obtinere debeat absque eo, quod huic ipsi usui acceptatione
praefatarum ratihabitionis tabularum ullo modo derogatum siL
In quorum fidem ego infrascriptus minister plenipotentiarius
regiae suae celsitudinis magni ducis Hetruriae praesentem de-
clarationem subscripsi et sigillo meo communivi. Viennae Au-
striae die 17™* Novembris, anno domini millesimo septingente-
simo trigesimo primo.
L. S. Ferdinandus marchio de Bartolomei.
») Es folgen die eigenhändigen Unterschriften der Bevollmächtigten wie
im Vertrag von ly^i Juli 22, da{u L. 5. Ferd, marchio de Bartolomei ; die Na-
men Eugens und der Vertreter der } anderen Mächte in gleicher Linie.
t732 t'ebr. 2a t^t
82.
Vertrag fischen Karl VL, Georg IL und den Generalstaaten,
betreffend die Accession der Generalstaaten ^um Bändnisse vom
16, Mär^ 17J1, samt eitum Separatartikel; d. d, Haag 17 ^2 Febr. 20.
Rat. Georgs IL d. d. St. James 17J2 Mär^ io\2i ; Karls VL d, d,
Wien 17^2 Mär^ 12 ; der Generalstaaten d. d, Haag ijß2 April 10.
Die Originale des Hauptvertrages sowie des Separatartikels im St-A. und
R. O., jene der Ratifikationen der Generalstaaten und Georgs IL im St.-A., das
Original der Ratifikation Karls VI, im R. O,
Drucke bei Bittner Nr, 795.
Die Ordnung der handelspolitischen Beziehungen ^{wischen dem
Kaiser und den Seemächten bildete den Inhalt des ß, Artikels des Ver-
träges vom 16, Mä'rj( lyji- Der Kaiser hatte die gänzliche Unter-
drückung des Handels und der Schiffahrt von Belgien und den früher
im Besitze Spaniens befindlichen nun österreichischen Gebieten Italiens
ans nach Ostindien zugestanden. Nur einmal noch sollten 2 Schiffe
von Osiende aus ihren Kurs nach Ostindien nehmen und die dort auf-
geladenen Waren nach glücklicher Heimkehr in Ostende verkauft werden
dürfen. Dafür verpflichteten sich die Seemächte ohne weiteres Säumnis
in die Beratungen über einen Handelsvertrag mit Belgien — gemäss
den Bestimmungen des söten Artikels des Barrierevertrages — einzu-
treten. Zu diesem Behufe sollten alsbald von allen Parteien Kom-
missäre ernannt werden, die längstens {wei Monate nach Unterzeichnung
des Vertrages in Antwerpen ^usammentr^en und längstens innerhalb
zweier Jahre ihre Verhandlungen beenden sollten. Wir haben bereits
die Schwierigkeiten kennen gelernt, die sich der Ordnung dieser Fra-
gen in den Weg stellten. Wir wissen, dass die kaiserlichen Ge-
sandten lange auf der Aufnahme eines besonderen Artikels bestanden
hatten, nach dem die Generalstaaten, deren Gesandter die Unterferti-
gung des Vertrages aus formalen Gründen weigerte, -fur bedingungs-
losen Annahme desselben unter der Drohung verpflichtet werden sollten,
dass der Kaiser sonst an die übernommenen Verpflichtungen nicht ge-
bunden sei. An dem energischen Widerstände der Niederländer war
dieser Plan gescheitert. Der Kaiser hatte seine Zustimmung {u einer
weitaus zahmeren Fassung des Artikels, der die Folgen des verweiger-
ten Beitrittes der Generalstaaten ^«w Bündnisse vom 16. März ijßi
betonte, geben müssen, während er sich durch eine besondere, geheime
34*
e i^ i>32 f ebr. 2ö.
Bestimmung England gegenüber verpflichtete, den Handel der osien-
dischen Compagnie nach Ostindien sogleich nach erfolgter Unieri^eich-
nung des Vertrages durch die Engländer ^u unterdrücken.
Wir wissen aber auch wie energisch sich die Vertreter Karls VL
gelegentlich der Erörterung der Tariffrage und des !{ur Ordnung der-
selben geplanten Kongresses geweigert hatten, die Bestimmungen des
Artikels XXVI. des Barrierevertrages noch als ^u Recht bestehend an-
zuerkennen, und wie fest sie Robinson gegenüber bei der Ansicht be-
harrien, dass Karl VI, infolge des Verhaltens der Seemächte an die
im Barrierevertrage übernommenen Pflichten nicht mehr gebunden, viel-
mehr berechtigt sei, die Ordnung der belgischen Tariffrage durch eigene
Entscheidung herbeizuführen. Erst spät und nur auf eindringliches
Begehren Robinsons , der die Versicherung gab, dass die Seemächte
der Ordnung dieser Frage ernstlich nachzustreben gesonnen seien, hatte
Karl VL — und auch dann noch schweren Hertens — seine Einwilligung
dazu erteilt,^ dass des Artikels XXVI, des Barrierevertrages in dem ^w
treffenden Übereinkommen gedacht werden dürfe. Die Frage aber, ob der
Kaiser an die Bestimmungen des Barrierevertrages noch gebunden sei,
wurde in dem Bündnisse vom /6. März ^^^kt weiter berührt. Wie berech-
tigt nun das Misstrauen des Wiener Hofes in die aufrichtige Gesinnung
der Generalstaaten war, das gelegentlich der z^ Wien gepflogenen Bera-
tungen lum Ausdruck gelangte, z^igl^ sich sogleich, als der Kaiser nach
erfolgter Unterzeichnung des Vertrages vom i6. März ^73^ durch seinen
Gesandten — dasselbe geschah seitens Englands — an die General-
staaten mit der Aufforderung herantrat , dem geschlossenen Bündnisse
unier den festgesetzten Bedingungen bei{utreien. Denn nun erklärten
diese, sie seien ausser Stande, ohne eine Modifikation der im ß. Ar-
tikel des Wiener Vertrages getroffenen Verfügungen, demselben beizu-
treten ; und wenn sie auch die Änderungen, die sie wünschten, als durch-
aus berechtigte und leicht ^m gewährende bezeichneten, so waren die-
selben in der Tat so bedeutend, dass an eine Billigung derselben sei-
tens des Wiener Hofes nicht z^ denken war. Es kann nicht unsere
Aufgabe sein, in diesem Zusammenhange die weilläufigen Verhandlungen
ZU schildern, die seit dem April i/JJ im Haag geführt wurden und
erst im Februar 17^2 ein befriedigendes Ende erreichten. Es handelte
sich bei denselben in erster Linie um Interessen der Niederländer ; daher
wird die eingehende Schilderung all der Schwierigkeiten, die sich der
Einigung in den Weg stellten, an anderem Ort erfolgen. Da aber
mit dem Interesse der Niederländer auch das englische Hand in Hand
gieng, und da Chesterfield im Haag und Robinson in Wien ununter-
1732 Febr. 20. 5^2
brachen in den Gang der Verhandlungen eingriffen und das endgiltige
Resultat nicht in letzter Linie ihren Bemühungen ^11 danken ist, wird
auch hier eine kur^e Erörterung der wichtigsten Differen:{en ge-
stattet sein.
Gleich die ersten Verhandlungen des österreichischen Gesandten,
des Grafen Sin^endorf , Hessen erkennen, dass die Generalstaaten
sich des Vorteils bewusst waren, der ihnen daraus erwuchs, dass
der wichtigste Zweck ihres Kampfes gegen den Kaiser durch die
im' Vertrage vom 16, Mär^ ly^j ausgesprochene, an ihren Eintritt in
denselben nicht gebundene Unterdrückung des ostendischeti Handels be-
reits erreicht war. Es war vorauszusehen, dass sie ohne weitere
Vorteile die immerhin gefahrvolle Garantie der österreichischen
Successionsordnung nicht übernehmen würden.^) Trot:(dem überraschte
die Höhe der Forderungen, die sie stellten und die querst deutlich in
den „Remarquen^^ ^um Ausdruck kam, die im Monate Mai Namens
der holländischen Provin^ dem kaiserlichen Gesandten übergeben wurden.
Der erste Einwand, der gegen die Bestimmungen des Vertrages vom
16. Mär:^ erhoben wurde, be:{pg sich auf die unbeschränkte Garantie,
die man dem Kaiser für seine Besit:^ungen leisten sollte ; die Holländer
forderten die Aufnahme einer beschränkenden Klausel, nach der diese
Garantie weder früher eingegangenen Abmachungen widersprechen, noch
sich auf Verträge des Kaisers beliehen sollte, von denen die General-
Staaten keine Kunde hatten. Auch ^ur Garantie der Sucessionsordnung
wollten sie sich — die geheimsten Artikel des Vertrages vom 16. Mär^
waren ihnen nicht mitgeteilt worden — nur verstehen, falls durch eine
ausdrückliche Bestimmung diese Verpflichtung dann als aufgehoben gelten
sollte, wenn die ^ur Thronfolge bestimmte Er:{her:{Ogin eine Heirat ein-
gehen würde, welche die begründete Furcht einer Störung des euro-
päischen Gleichgewichtes hervorrufen könnte. Auch forderten sie, dass
die Truppen^ahl genau fixiert werde, mit der gegebenenfalls der an-
gegriffene Teil unterstütj^t werden sollte. Sie schlugen vor, die Be-
stimmungen des 7. Artikels der Quadrupelalliani auf diesen Fall an-
zuwenden, bemerkten aber ^u gleicher Zeit, dass sie j(ur Sendung von
Truppen nach Italien oder in andere weit entfernte Länder nicht ver-
halten, ihnen vielmehr gestattet werden sollte, einen entsprechenden Er-
•) /;/ diesem Sinne hatte sich Graf Sin\endorf schon am 22. Fe-
bfuar 17^ J, also vor der Unterzeichnung des Vertrages vom 16. Mär{ geäussert
und dringend vom Kaiser gefordert, den staatischen Vertreter :{uf. Mitunter-
fertigung \u zwingen. Schreiben Sin^endorfs d. d. 22. Febr. 17)1. St^^A» (Hoü.)
534
rjyj Febr, 30.
sat{ in Geld ^u UisUfh Das entscheidende aber waren die Änderungen^
die sie an dem 5. Artikel des Vertrages xrom 16. Mär^ ^73^ vor ^ti nehmen
wünschten. Hier offenbarte sich am dcutiichsten ihre Absicht ^ aus der
günstigen Situation, in der sie sich dem Kaiser gegenüber befanden^ den
gr assimögt ichsten Vorteil |« {iehen. Sie forderten die Aftsdehnung des
Handelsverbotes für die Untertanen des Kaisers in Belgien und in den
übrigen früher {« Spanien gehörigen italienischen B Sitzungen auf West-
indien, überdies aber eine ausdrückliche Erklärung Karls VL, dass er
diesen Untertanen nicht nur den direkten Handelsverkehr nach und von
Indien untersagen, sondern auch den in anderen Gebieten für den Orient
ausgerüsteten Schiff ai die Rückkehr nach flandrischen oder solchen Hä-
fen, die im Gebiete der früher ^u Spanien gehörigen italienischen ße^
Sitzungen lägen ^ sowie den Verkauf der Waren daselbst verbietet wolle*
Den beiden Schiffen aber^ deren einmalige Fahrt nach Ostindien der hel~
gischen Compagnie im Vertrage vom t6, Mär^ ^tgesagt worden war^ Söliie
nicht mehr als höchstens 5^/2 Jahre für die Hin- und Rückfahrt naeh
Ostindien — samt dem Aufenthalte daselbst — gewährt und den belgi~
sehen Kaufleuten ^ die sich an diesem Unternehmen beteiligten ^ der Verkauf
von Waren an jenen Orten, wo den Holländern der anssckliessUcke Hmn^
del vor allen Europäern lustehe^ verboten sein, Gan^ ausdrücklich wurde
ferner betont^ dass eine ße^iehung {wischen der Lösung der Tariffrage ^
die im Artikel XX VL des Barrieretractates vorgesehen sei und der Fort-
dauer der Giltigkeii dieses Vertrages selbst nicht bestehe, und an den
Kaiser das Ansuchen gestellt , dieser Tatsache entweder durch die Tren-
nung des ß, Artikels in 2 von einander unabhängige Teile ^ oder aber
durch eine besondere Erklärung Ausdruck ^u geben* Auch die Ord-
nung der lange schwebenden ostfriesischen Frage wurde von ihnen &is
Vorbedingung für ihren Eintritt in das Bündnis vom 16. Mä'r^ be^
zeichnet und schliesslich an den Kaiser die Bitte gerichtet ^ die seit dem
Jahre iJ3ß in. seinen Erblanden ^um Machte ile der englischen tmd
niederländischen Industrie eingeführten Zölle aufiuhebepu^) Die Kunde
von diesen ungemein weitgehenden Forderungen der massgebenden
Provini der vereinigten Niederlande erregte am Wiener Hofe eine
tiefgehende Erbitterung , und die Vertreter der belgischen Interessen^)
wurden nicht müde, dem Kaiser die Gefahren ^u schildern^ die ihrem
') Die ^,Remarquen" der H&Uiinäer übersandte Sin^endarf mit seinen
Schreiben t*om //. Mni 17s'' ^t.-A. (HoiL)
') Als Vertreter der Belgier ersctiienen in Wien Jer Direktor Proli und
Lonris Bernaerfj vgl^ Huisman L c. 478^
173* Febr* ao.
535
Lande drohten, falls er die rikcksichtsloseu Forderungen der Nieder^
länder billigen sollte, ^) Doch beschloss man im Interesse der Sache
und nach erfolgter Rücksprache mit Robinson — der das Ungebühr-
liche der niederländischen Forderungen ^ugestami und der Erwartung
Ausdruck verlieh, dass diese einen Teil derselben fallen lassen wurdept
— die jjRefnarqtien^* ^it prüfen und dieselben durch ^^Reflexionen* ^ {u
beantworten^ die Sin{endürf den Vertretern Hollands übergeben sollte.
Der Inhalt dieser ,, Reflexionen*' und die Sin^endorf ^ugehcude Weismig
lassen erkennen^ dass der Kaiser geneigt war, den Wünschen der Ge-
neral Staaten in einigen Punkten entgegenzukommen^ aber fest entschlos-
sen waTf in den meisten Fragen seinen Standpunkt pi behaupten.
Er erklärte sich bereit^ die General Staaten von der Furcht ^u he^
freien j als wolle er sie ^ur Garantie unbekannter Verträge verpflichten
und erteilte seinem Vertreter im Haag den Auftrag, durch die Mitteilung
der beiden y^articuli secretissimif* an die eigentlichen Unterhändler der
Gereralstaaten^ die Besorgnisse dieser ^u beseitigen^ als ob eine das Gleich-
gewicht Europas bedrohende Heirat der österreichischen Thronerbin ^u
fürchten stünde. Aber er weigerte sich auf das entschiedenste, den
Garantiebestimmungen durch die von den Generalstaaten geforderten
Klauseln jeden Wert |ii nehmen. Wenn er femer gegen die genaue
Feststellung der Hilfeleistung im Ernst/alle^ wie sie im 7. Artikel der
Qtiadr upela II ian^ fixiert war — 8000 Mann {u Fuss und 400Q {u Pferd
für den Kaiser mid den König von England^ 4000 ^u Fuss und saoo
^u Pferd für die Generalstaaten — nichts einzuwenden hatte, so sollte
Sin^endorf doch darauf bestehen^ dass die Bestimmung der Hilfeleistung
mit gesamter Kraft im Notfalle aufrecht bleibe und ausdrücklich her-
vorheben^ dass der Kaiser auf die Wahl von Kriegs- oder Transport-
schiffen nicht verlichten könne, Karl VL {eigte sich ferner bereit,
den Seemächten Jede mögliche Sicherheit dafür ^u bieten^ dass sein
Zugeständnis bezüglich der Unterdrückung des ostendischen Handels
nach Ostindien nicht umgangen werde; er weigerte sich nicht, die
Namen der Schiffe und der Kapitäne, denen eine einmalige Fahrt nach
Ostindien seitens der Seemächte gestattet worden war, diesen mit zu-
teilen und auf den Absat^ in jenen Gebieten ^ vernichten, in denen
die Niederländer den Handel ausschliesslich trieben / aber er verlangte,
dass dieser ausschliessliche Handel in dem Vertrage nicht als ein Recht
der Niederländer bezeichnet werde ; forderte, dass der für die Bück-
kehr der beiden Schiffe festgesetzte Termin nur dann eingehalten werden
») Für die Stellung der Belgier vgL imbesondere Haisman L e* 4jBff,
536 '73* Febr. 20.
f Nüsse, wenn kein Unfall die Schiffe am rechtzeitigen Eintreffen hin--
deriy ') und verwahrte sich auf das energischeste dagegen, Bestimmun-
gen in den Vertrag aufzunehmen^ durch die seinen Untertanen in Bel-
gien und in den übrigen ehemals {u Spanien gehörigen italienischen Be-
sitzungen jeder ^,Handel und Wandel^^ unmöglich gemacht werden sollte.
In eingehendster Weise erörterte Karl VL in der für Sinzendorf bestimm-
ten Weisung die Bedeutung dieser Frage ; er betonte, dass die Fassung
der besagten Bestimmung des Vertrages vom 16. März 1731 nicht von
den Österreichern, sondern von Robinson vorgeschlagen worden sei, der
^iderum behauptete, dass der Grosspensionär und der Grefßer Hol-
lands diesen Artikel aufgesetzt hätten, und gab seinen festen Entschluss
kund, lieber auf den Beitritt der Generalstaaten z^ verzichten, als in
die Aufnahme der von den letzteren geforderten Klausel z'* willigen,
durch die den belgischen Untertanen verboten sein sollte, ostindische
Waren von anderen Nationen ^w kaufen und dann wieder z^ verkaufen.
Ebensowenig wollte der Kaiser von der Ausdehnung des Handelsver-
botes auf Westindien wissen. Er betonte im Anschlüsse an die Auf-
klärungen, die ihm seitens der in Wien weilenden Vertreter der Belgier
gegeben wtirden, dass eine derartige Zumutung den Spaniern niemals
gestellt worden sei, dass der Friede von Münster eine solche Bestimmung
nicht enthalte,^) Auf das allerentschiedenste aber wies er das Verlangen
der Niederländer z^f'^^h, durch eine ausdrückliche Bestimmung z^ ^^"
tonen, dass die Fortdauer der Giltigkeit des Artikels XX VL des Bar-
rierevertrages mit der Erledigung der Tariffrage innerhalb z^^i^f" Jahre
in keinem Zusammenhange stehe^) und würdigte ihre Forderung, die
seit 172^ in seinen Erblanden erlassenen Zol her Ordnungen, gegen die
sich die Klagen der Seemächte richteten, z^^^ückzunehmen, keiner Ant-
wort, Man wird begreifen, dass im Hinblicke auf die weite Kluft, die
zwischen den beiden Parteien gähnte, die Annäherung nur langsam er-
folgen konnte.
Wir schildern die Verhandlungen, die in diesem Sinne geführt wur-
den, nicht im Detail, Anfang Juli übersandte Sin{cndorf das Projekt, das
*) Darauf machten insbesondere die Vertreter Belgiens aufmerksam^ vgl.
Huisman l, c, ^g,
*) Weisung an Sinken Jorf d. d, 2^. Mai und Reflexions sur les remarques
fointes d la relation du O« Wendel Sin\endorf du ii, Mai jyji, St;A. (Holt.)
*) Wie energisch in dieser Frage die belgischen Vertreter die Interessen
ihres Landes {« vertreten suchten, \eigen die bei Huisman l. c. 480 f, mitge-
teilten Verhandlungen, ^
1732 Febr. 20. cjy
ihr Greffier Fagcl entworfen hatte,^) Es enthielt einige Zugeständnisse
in unwesentlichen Punkten, keine in den entscheidenden Fragen. Ebenso^
wenig vermochte die Antwort des Wiener Hofes die Niederländer ^//
befriedigen. Denn Karl VL vertrat in derselben seinen Standpunkt mit
ungewöhnlicher Heftigkeit und geigte keine Neigung in irgend einer
der wichtigen Streitfragen nachzugeben. Mit besonderem Nachdrucke be-
tonte er in seiner Weisung an Sin^endorf seine moralische Verpflich-
tung, die Untertanen Belgiens und der ehemals ^u Spanien gehörigen ita-
lienischen Besit^iungen gegen die Absichten der Niederländer {u schütten,
Acren Durchführung die wirtschaßliche Vernichtung jener ^ur Folge
haben niüsste,^) Sin^endorf wandte sich, sobald er im Besit:{e der kai-
serlichen Weisung war, an Chesterßeld ; von diesem unterstützt, suchte
er die massgebenden staatischen Persönlichkeiten von der Ungebührlich-
keit ihrer Forderungen und von der Notwendigkeit eines Entgegen-
kommens {U überzeugen. Nicht ganz ohne Erfolg,^) Es gelang ihm
in der Garantie- und Subsidienfrage eine Einigung ^m erzielen. Die
Vertreter der Generalstaaten erklärten sich z^^^ Gutheissung der Ga-
rantiebestimmungen im ersten Artikel des Vertrages vom 16. März
bereit, in dem ihnen das Versprechen gegeben worden war, in der Ein-
leitung des z^ schliessenden Accessionsvertrages ausdrücklich -{w be-
tonen, dass diese Garantiebestimmungen niemals so gedeutet werden
sollten, als ob eine der vertragschliessenden Mächte j{;«r Garantie von
Bündnissen genötigt werden dürfte, die ihr unbekannt gewesen. Zu
gleicher Zeit teilte der Vertreter Karls VI., um die Zustimmung der
Niederländer ^«r Garantie der Erbfolgeordnung z" erhalten, den mit
ihm verhandelnden Vertretern der Generalstaaten den Inhalt der beiden
„articuli secretissimi*^ mit, und verpflichtete sich ^«r Abfassung eines
in die Accessionsurkunde aufzunehmenden Separatartikels, der ihre Be-
fürchtungen z^^^l^^^^^^ y j^^^ Sicherheit gegen eine das europäische
Gleichgewicht bedrohende Heirat der österreichischen Ihronerbin bieten,
den direkten Ausschluss des Hauses Bourbon aber vermeiden sollte.
Bezüglich der dem angegriffenen Teile ^w gewährenden Hilfe wurde
die Vereinbarung getroffen, dass der Kaiser und England je 8000
Mann ^// Fuss und 4000 Reiter, die Generalstaaten 4000 Mann ^//
Fiiss und 1000 Reiter innerhalb ZP^^^^ Monate vom Tage des Be-
gehrens an {ur Verfügung .{w stellen hätten. Doch wurde, um den
*) Sin\endorf übersandte dieses Projekt am 7. Juli St-A. (Holt.)
«) Weisung vom 6. Aug. ij^i, St.-A. (Hall.)
3) Vgl. die Berichte Sin\endorfs d. d. 2). 28. Aug. 1. u. 4. Sept. St.-A.
(Holl.)
538
1732 Febr. ao.
WimscJirn der Niederländer und des Kaisers Rechnung ^u tragen^ be-
stimmt^ da SS die General Staaten {ttr Truppensendung nach Italien, Un-
garn und nach den diesem Königreiche anliegenden nicht ^um deutscfttn
Reiche gehörigen Ländern nicht verpflichtet sein^ dem Kaiser dagegen das
Recht ^ustehen sol/e, gegebene n/alts ^wischen Kriegs- oder Lastschiffen
oder einer etitsprechcnden Geldsumme — j 0*000 holländische Gulden mo-
natlich für iöoo Mann ^u Fuss, ßo.ooo für looo Reiter — ^u wählen.
AI/ein betreffs der wichtigsten Ptmkte^ der Aufhebung des ostendi sehen
Handels^ der Tariffrage und der ostfriesischen Angelegenheit j, war man
Mitte Sefit^ ^73^ noch keineswegs \u einer Vereinbarung gelangte Stn^
^endorf schlug seinem Hofe vor^ die Schwierigkeit bezüglich der Aus-
dehnung des Handelsverbotes auf Westindien dadurch ^u beheben^ dass
man ^war an der Bezeichnung ^^Ostindien^^ festhalte u^ dagegen durch
eine bindende Klausel die Frage des Handels nach Westindien in dem
Sinne ordnen solle ^ d^ss man die darauf bezüglichen Verfügungen des
Friedens von Münster erneuere. Zugleich betonte er^ dass nhne ein
weitgehendes Fnfgegen kommen in der Tarif- und in der ostfritsi-
schrn Streitfrage an die glückliche Beendigung der von ihm im Haag
geßihrten Verhandlungen nickt ^u denken sei. Ab*r noch immer wei~
gente sich Karl VL^ wesentliche Konzessionen |k machen. Wühl war er
bereit f den Vorschlag seines Vertreters bezüglich Westindiens {« akzeptier
reUf falls dieser die darauf bezügliche Fassung des Vertrages vom 16* März
nicht sollte durchbritigen können. Er wollte sich auch in der un^eideu*^
tigsten Weise verpflichten^ jeden direkten und indirekten Handel, soweii
er die ostendische Conipagnie betraf ^« verbieten ^ und Bestimmungen in
die Erläuterung des ß. Artikels aufzunehmen^ durch die jede Umgehung
dieses Verbotes verhindert werden sollte. Er betonte aber ^« gleicher Zeit,
dass er sich niemals dazu verstehen werde^ seinen Untertanen in Belgien
und in den anderen ehemals zn Spanien gehörigen italienischen Besitzun-
gen ^« verbieten t mit indischen Waren {« handeln, die auf fremden Schif-
fen und nach fremden Häfen aus Indien gebracht werden würden. Bezüg-
lich der Tariffrage hatte Sinzendorf der Meinung Ausdruck verliehen ^
die Republik werde niemals gutwillig dem Kaiser das Recht z^f gestehen,
diese Angelegenheit nach eigenem Ermessen in ordnen, falls dies auf dem
Kongresse nicht geschehen sollte j und deshalb den Rat erteilt ^ von einer
Erläuterung dieser Bestimmungen des ß. Ä'irtikels in dem Accessions-
vertrage abzusehen ^ um auf diese Weise dem Kaiser wenigstens die
Möglichkeit ^/^ wahren^ den Sinn der Bestimmung später nach seinem
Willen z^ deuten. Aber selbst ^w dieser Lösung^ auf deren Billigung
seitens der Generalstaaten kaum ^w hoffen war, wollte sich Karl VL
1713 F"^^r' ao-
539
vorerst nickt verstehen. In eingehenden Erörterungen suchten seine
Minister dem Vertreter Georgs IL in Wien die Berechtigtmg ihrer
Auffassung {h beweisen und ^ur Förderung ihres Begehrens ^ be-
stimmen^ erreichten aber nur somel^ dass RobinsoH ihnen empfahiy den
Niederländern die Annahme einer Klausel vor{uschlageni in der die
Vertragschi iessenden ihrer Überzeugung Ausdruck verleihen sollten, dass
man \ur Ordnung dieser Frage nicht mehr Zeit brauchen werde j als
in dem Vertrage vorgesehen sei. Der Kaiser acceptierte den Antrag
Robinsons — der ausdrücklich forderte^ ihn nicht als Autor desselben
^u nennen — beaußragte Sin^endorf, die Genehmigung desselbeft bei
den Generalstaaten durch^nset^^en und teilte ihm ^u gleicher Zeit mit^
dass er {w weiteren Km^essionen in der ost/riesischen Frage nicht ge-
neigt sei. Aber auch diesmal vermochte Sinj^endör/ nicht durchzudrin-
gen. Detin wenn auch das von den Vertretern der Generaistaaten ver-
fasste neue Projekt in manchcfi Punkten den Wünschen des Kaisers
Rechnung trug; in den j entscheidenden Fragen wies es keine wesent-
lichen Änderungen gegenüber dem früheren auf.
So sah sich der Wiener Hof Ende November ijji neuerdings
in die Lage verset^t^ darüber ^u beraten^ ob man noch weiter nach-
geben, oder aber auf den Beitritt der Generalstaaten vernichten solle.
Die Räte Karls VI sprachen sich auf das lebhafteste dafür aus, den
Bruch wenn irgend möglich ^« vermeiden* Und da Sin^endorf ununter-
brochen von den Bemühungen der Franzosen berichtete ^ die Nieder-
länder von dem Beitritte ^ur Alliau^ vom 16, Mär^ ly}! ab^halten^
da femer Robinson :^ur raschen Entschliessung im Hinblicke auf die
bevorstehende Eröffnung des englischen Parlamentes drängte ^^) entsc bloss
sich Kart VL auf den Rat seiner Minister von seiner Forderung ab-
lU stehen j dass die Ordnung der Tariß'rage und ihre Verbindung mit
der Fortdauer der Giitigkeit des Artikels XXV L des Barrieretraktates
in der Accessionsurkunde irgendwie erläutert werde* Dagegen beharrte er
noch jet{t darauf dass durch eine besondere Klausel seinen Untertanen
in Belgien und in den übrigen ehemals ^u Spanien gehörigen italienischen
Besitzungen das Recht gesichert werde, Waren^ die auf fremden Schiffen
und in fremde Häfen aus Ostindien gebracht werden würden, nach
freiem Ermessen ^u kaufen und {u verkaufen, und erklärte neuerdings^
') Rotinsons Berichte vom 4, Oktober, 17, Nov. und 7- De^. ijji R. O,
entkaU^n sehr eingehende Mitteilungen über die mit ihm gepflogenen Beratungen,
Robinson gibt \Ui dass as dem Kaiser sehr sekwer werden miUse, die hohen For^
derungen der Niederländer gut{utteiss€n.
540 '73* ^c^^r* 20.
in der ost friesischen Frage Zugeständnisse nicht machen yi können^
die mit seiner Pflicht als Reichsoberhanpt unvereinbar seiend)
Die Niederländer waren über die Hartnäckigkeit des Kaisers
entrüstet. Sinkender f bekam harte Worte \n hören und begann an dem
Erfolge seiner Mission {u {wei/eln, ^umal der französische Gesandte
nicht müde wurde, die Niederländer vor dem Kaiser f« warnen. Noch
im Januar IT }2 fand er die Situation höchst prekär. Die Vertreter der
meisten Provinzen gaben ihm :^u verstehen, dass der Abschluss des Vertra-
ges unter den vorgeschlagenen Bedingungen ihnen keinen Nutzen bringen
würde,^) Trotzdem kam bald darauf die Einigung^ nicht in let:(ter Linie
durch die Vennittelung des englischen Vertreters im Haag, Chester-
fieldy {u Stande. Die Generalstaaten gaben ihre Einwilligung ^^ur Auf"
nähme der Klausel, durch die den kaiserlichen Untertanen in Belgien
und in den übrigen ^u Spanien ehemals gehörigen italienischen Gebieten
der Handel mit Waren gestattet werden sollte, die auf fremden Schiffen
und in fremde Häfen aus Ostindien gebracht werden würden, und be-
gnügten sich mit der von Karl VI. zugestandenen Deklaration in der
ostfriesischen Sache, Die grössten Schwierigkeiten verursachte bei den
einzelnen provinziellen Beratungen die Furcht, der Kaiser werde die
lariffrage, die ihre Interessen am meisten berührte, willkürlich ^u
seinen Gunsten ordnen , falls , wie sie voraussahen , die Lösung
derselben auf dem Kongresse innerhalb zweier Jahre nicht erfolgen
sollte. Erst als Chesterfield im Auftrage seiner Regierung das bin-
dende Versprechen gegeben hatte, dass England eine eigenmächtige An-
derung der gegenwärtig bestehenden Tarife durch den Kaiser nicht
dulden werde, ^) wich die Besorgnis der Generalstaaten, die nun nicht
mehr zög^i'teu, den mühsam ^w Staude gekommenen Accessionstraktat
ZU unterzeichnen.
Gelegentlich der Ratifikation desselben ergab sich eine Schwierig-
keit, Der Kaiser weigerte sich, die in der ostfriesischen Frage aus-
gestellte Deklaration {// ratifizieren oder ihrer in dem Ratifikations-
akte überhaupt .^w gedenken, weil diese Angelegenheit in sein oberstes
richterliches Amt einschlage, und über derlei Dinge wohl Versiche-
rungen auszustellen, aber keine Konventionen ab{uschliessen Brauch sei,*)
Man berief sich dabei auch darauf, dass die Dieden am 10, April
») Weisung d. J. 21. Nov, 1731, St,-A. (HollJ
*) Vgl, Sinzendorfs Berichte vom 8., n). u. 22, Januar 17^2 St-A, (HollJ)
•) Vgl. Sinzendorfs Berichte d. d, 2. u. 11. Fehr, 17^2 St,-A, (Moll.)
*) Karl VI. an Sin{endorf j6. Mär{ 17^2, St.-A.
1^3^ Febr. 20.- 5^1
ausgestellte Deklaration gleichfalls aus diesem Grunde in den Vertrag
keine Aufnahme gefunden habe und nicht ratifiziert worden sei. Doch
gab der Kaiser die bindende Zusage^ die Bestimmungen der Deklaration
genau ^u erfüllen,^)
Quum inter Ser™^»» et Pot"*""" principem et dominum Ca-
rolum sextum, Romanorum imperatorem, Hispaniarum, utriusque
Siciliae, Hungariae et Bohemiae regem, archiducem Austriae etc.
et Ser"»""» et Pot"^"°» principem ac dominum Georgium secun-
dum Magnae-Britanniae, Franciae et Hyberniae regem, consi-
derato incerto turbidoque rerum in Europa statu perpensisque
mature mediis, quibus mala ex gliscentibus in dies magis ma-
gisque simultatibus iamiam eruptura anteverterentur et publica
tranquillitas modo quantum fieri potest stabili ac perennaturo
facilique simul et prompta ratione firmaretur, die sexto decimo
Martii anni millesimi septingentesimi trigesimi primi Viennae
Austriae conventum sit de certis quibusdam conditionibus ge-
neralibus, quae basis loco inservirent, iuxta quas dissidentium
in Europa principum animi conciliandi et controversiae, quäe.
inter eosdem non absque publicae tranquillitatis periculo quam
maxime vigent, componendae forent, atque hunc in finem trac-
tatum modo memoratae W^^ inierint et concluserint, factoque
iudicio de propenso penitus studio celsorum et potentium do-
minorum ordinum generalium unitarum foederati Belgii pro-
vinciarum opus tam salutare promovendi eosdem in eodem
tractatu tanquam unam partium principalium contrahentium
comprehenderint, nuUi dubitantes, quin modo dicti domini or-
dines generale?, quamvis hie tractatus eodem loco et tempore
ex parte illorum, ob rationes in articulo separato indigitatas, sub-
scribi et signati nequiverit, tamen pro attingendo tam bonö
scopo stabiliendaque quiete publica sese altefatis O*® et cätho-
licae ut et regiae britannicae M*'^"^ adiungere haud gravarentur;
cumque propterea eundem tractatum die 16 Martii Viennae Au-
striae conclusum, ut et articulos separatos et declarationes eo-
dem tempore factas, cum iisdem communicaverint eosdemque in-
vitaverint, ut in societatem huius tractatus venire eidemque tan-
') Die Deklaration über Ostfriesland ist u, a. abgedruckt bei Du Mont
Villi 2 2j6 ; sie gehört aber nicht, wie sie dort erseheint, \ufn Wiener Traktat
vom 16. Mär\ 17^1, sondern \um Accessionstraktat vom 20, Febr. 17^2,
54a
173a Febn ao.
quam partes principales contractantes sese aggregare vellent,
qui tractatus ut et artictili separat! et declarationes de verbo
ad verbum transcripti hie sequuntun
Es folgt (Ur Verffiig vom i6. Mär\; der Sepatataf tÜtel üörr den Atis^
sckluss der HH/deistung gegen die Türken ; die j Dtklarationtn beiüglit^k der
Succ^ssian m Partnä und der spaniichen Besatiungen in Toseana ^ Parma und
Piacen^a ; der Separatiirtiiu'l^ den Einschluss der Niederlande betreffend und die
pragmatische Stinkttan vom ig. April /7/|*
Itaque celsi et potentes domini ordines generales umtarum
foederati Belgii provinciarum, C**^ et regiae catholicae suae M*»»
et regiae britannicae suae M*** laudatissimum pro bono piiblico,
pro amovendis dissidiorum periculis et calamitatibus, et pro con-
servanda pace et tranquillitate publica curam et soUicitudinem
assensu suo comprobantes simulque testatum facere cupienteSi
quanto et ipsi boni publici et pacis studio ferantur quantique
faciant atque honori sibi ducant in causa tarn aequa et in pro-
posito tarn laudabüi cum tantis principibus concurrere atque
O*® regiaeque catholicae suae M** et regiae suae M*^ Magnae-
Britanniae socios se adiungere, hoc aninjo et mtuitu examioa-
verunt omnia et singula in dicto tractatu, articulis separatis et
deckrationibus comprehensa; cumque persuasissimum ipsis sit,
sensum et meutern minime esse, ut per verba generalis et reci«
procae garantiae in articulo primo tractatus expressae quis-
quam contrahentium censeatur uUo modo obligari ad tuitionem
sive garantiam tractatuum uuüo modo notorum, itaqua hac
fiducia freti tractatui suprascripto et articulis separatis et de-
clarationibus eo modo et forma qua conclusi sunt tanquam par-
tes principales contractantes se adiungere decreverunt; quod ut
ad elTectum perducatur, plenam potestatem dederunt deputatis
et plenipotentiariis suis dominis Friderico Gulielmo Torck, or-
dinis teutonici equiti, ex ordine nobilium Geldriae in tetrar-
chia Velaviae» consiliario et assessori camerae rationum ducatus
Gelriae et comitatus Zutphaniae, consuli civitatis Hattemensis;
Johanni Henri CO deWassenaer, toparchae in Wassenaer, Zuyd-
wyck, Opdam, Hensbroeck, Wogmeer, Spierdyck, libero baroni
de Laege etc, ex ordine equestri et nobilium Hollandiae et
Westfrisiae, universitatis Lugduno-Batavae primo curatori; Si-
moni de Slingeland, ordinum Hollandiae et Westfrisiae con-
siliario et pensionario; Philippo Jacobo de Borsselen van der
1^2 Febr 20. cij
Hooge, toparchae in Voorhoute, quondam scabino et senatori
civitatis Medioburgensis in Zeelandia, consiliario et quaestori
aerarii in Brabantia ditionis foederati Belgii; Joanni Servasio de
Milan Visconti, sacri Romani imperii libero baroni, domino
castri de Nyeveld, toparchae in Veldhuysen, Beyleveld, Ros-
weyde, Reyerscoop, Lichtenberg, Ouden-Rhyn et Heycoop, ad
divae Mariae Trajecti canonico, provinciae Trajectinae ordinibus
primi loci adscripto, aggeribus Leccae superiori adsitis praefecto
ut et praefecto aquis et silvis dioceseos Trajectinae; Georgio
Wolfgango libero baroni in Schwartzenberg et Hohenlandsberg,
ex parte nobilium in consessu ordinum Frisiae deputato, ditio-
nis Menaldumadeel grietmanno, Reinhardo Burchardo Rutgero
de Rechteren sacri Romani imperii comiti, toparchae in Grams-
bergen, ex ordine nobilium provinciae Transisalaniae et Egero
Tamminga, toparchae in Maren et Maersbergen, praetori in
Axel, Neusen et Biervliet, omnibus in consessu dominorum
ordinum generalium deputatis ex provinciis Gelriae, HoUandiae
et Westfrisiae, Zeelandiae, Ultrajecti, Frisiae, Transisalaniae ac
Groningae et Ommelandorum. Et quandoquidem C®* et ca-
tholica sua M**** ac regia sua M^** britannica itidem plena po-
testate muniverint: Sacra quidem C^ et regia catholica M**»
illustrissimum et excellentissimum dominum Franciscum Wen-
ceslaum, sacri Romani imperii thesaurarium haereditarium, co-
mitem a Sintzendorflf, liberum baronem in Ernstbrunn, dominum
dynastiarum Plana, Gottschau, Leiben, Weiteneck, Zelcking et
Matzlsdorf, burggravium in Rheineck, sacrae O* catholicae suae
M*^» camerarium et consiliarium actualem intimum atque lega-
tum eins extraordinarium et plenipotentiarium ; sacra autem sua
regia M*»^ Magnae - Britanniae consanguineum et consiliarium
suum dominum Philippum comitem de Chesterfield, hospitii sui
regii praefectum, nobilissimum ordinis periscelidis equitem et
legatum suum extraordinarium et plenipotentiarium.
Qua propter modo nominati plenipotentiarii una congressi,
communicatis inter se consiliis et commutatis plenipotentiarum
tabulis, de modo, quo domini ordines generales foederati Belgii
se socios in dicto tractatu constituerent, consenserunt in articu-
los sequentes eandem vim cum tractatu habituros, et ad maio-
rem quorundam articulorum elucidationem convenerunt prout
sequitur :
544 '^'3^ Febr. ao.
I.
Domini comites a Sintzendorff et a Chesterfield vi pleni-
potentiarum suarum et nomine tarn C®*« regiaeque catholicae
suae M**** quam regiae suae M*^* Magnae-Britanniae agnoscentes
sensum, quem domini ordines generales garantiae generali et
reciprocae in articulo primo tractatus attribuerunt, genuinum
et verum illius esse sensum, quibus ita positis cum deputatis
et plenipoteiitiariis dominorum ordinum tanquam cum parte
principali contractante tractatum et articulos suprascriptos in-
eundum, subscribendum et sigillis suis confirmandum pares-
que declarationes mutuo extradendas susceperunt.
n.
Cum articulo primo et secundo tractatus die i6 Martii
anni praeteriti inter suam O»*" et catholicam M*«°> atque regiam
suam M*®°^ britannicam Viennae conclusi sancitum quidem sit,
quod garantiae, de quibus inibi sermo est, omnibus viribus ab
iis, qui ad easdem explendas se obstrinxerunt, praestandae ve-
nient; de modo autem, quo id fieri debeat, speciatim tunc pro-
visiun haud fuerit, necessarium censuerunt partes contrahentes
ea quoque de re peculiari articulo inter se convenire. Conven-
tum proinde inter easdem est, quod quotiescunque casus ga-
rantiae, seu in articulo primo seu in articulo secundo anteme-
morati tractatus expressae, existet, toties teneantur parti laesae
superstites contrahentes ab initio statim et intra bimestre tem-
poris spatium a facta requisitione computandum submittere au-
xilia sequentia, unitim vel separatim: Videlicet sua M**^ C^
catholica octo millia peditum et quatuor millia equitum; sua
regia M**^ Magnae-Britanniae tantundem; domini autem Status
generales quatuor millia peditum et mille equites; proviso ta-
men, quod si auxilia vel in Italiam vel in Hungariam ditiones-
que huic regno extra imperium adiacentes requirerentur, C®*®
et catholicae suae M*^ facultas et optio relinquetur ab ordini-
bus generalibus petendi vel naves bellicas vel onerarias, vel
pecuniam ad valorem auxilii ab ipsis praestandi, militem autem
ipsum in Italiam vel in Hungariam et ditiones huic regno extra
imperium adiacentes mittere ordines non teneantur. Quod si sua
O* catholica M**® aut eius haeredes ac successores existente uti
supra dictum est uno alterove garantiae casu aliis quoque in
ditionibus naves bellicas aut onerarias vel etiam subsidia pe-
1732 Febr. 20. cac
cuniaria submitti sibi mallet, quod in illius arbitrium reponitur,
eo casu petitae naves pecuniaeque altefatae suae M*> C®*« aut
eius haeredibus ac successoribus subministrabuntur ad mensu-
ram sumptuum in militem impendendorum ; et ut omnis ambi-
guitas circa calculum seu aestimationem dictorum sumptuum
tollatur, placuit mille pedites menstruatim ad valorem decem
millium florenorum hoUandicorum, mille vero equites ad tri-
ginta millia florenos hoUandicos menstruatim aestimari, eadem
intuitu navium proportione observata; ubi vero auxilia supra
enumerata impendenti necessitati imparia forent, partes contrac-
tantes de ferendis amplioribus suppetiis indilatim convenient,
teneanturque pro repellenda vi hostili ac procuranda parti laesae
satisfactione ac reparatione et plena securitate casu exigente
socium Omnibus viribus adiuvare bellumque aggressori de-
nuntiare.
m.
Quandoquidem articulus quartus, eo quo positus est in
tractatu loco, dubium excitare posset, num aeque ad sequentes
quam ad praecedentes articulos spectaret omnesque articuli trac-
tatus nuUo excepto eiusdem valoris sint paremque obligationem
inferant, proinde, ne quod dubium supersit, communi consensu
declaratur, articulum hunc quartum ad omnes tractatus articulos
aequaliter applicandum esse locumque in tractatu illi assignatum
nullius esse consequentiae. ^)
IV.
Quandoquidem articulus quintus ad commercium indicum
spectans explanatione quadam indigere videtur, conventum est:
Primo quod, quantum ad Indias occidentales attinet, partes
contrahentes bona fide se conformabunt ad normam tractatus
Monasteriensis^) in omnibus et singulis, quae de navigatione et
commercio ad Indias occidentales ibidem statuta sunt.
') Dieses Begehren hatten die Niederländer gleich \u Beginn der Ver-
handlungen gestellt und Karl VI. hatte sich sofort bereit gezeigt dasselbe \u
befriedigen.
*) Sin\endorf hatte vorgescJUagen den Artikel VL des Vertrages von
Münster \u nennen, und die Generalstaaten hatten sich damit einverstanden er-
klärt. In letzter Stunde aber protestierten die Vertreter der Provin\ Holland
dagegen, da sie meinten, die Erwähnung des Artikels VL und die Nichterwäh-
nung des dieselbe Materie betreffenden Artikels V, könnte ^r Meinung Anlass
österreichisch-englische SUatsrertrSge. Bd. I. 35
5^/^ tfy^ Febr. la
Deinde qucNl, qaemadmodum articulo quinto tractatos däe
decim^ sexta Martii anni praeteriti Viennae conclua statatmn
Sit, quod cessare iUico penitus et in perpetuum debeat ooine ex
Belgio austriaco ac ex ditionibus, quae tempore Caroli secundi
regis catholici sub Hispana dominatione erant, in Indias oiien-
tales commercium et navigatio, sie etiam vice versa onme coni-
mercium et navigatio ex Indiis orientalibus in Belgium austria-
cum et in ditiones modo dictas eodem modo cessare debeat;
atque propterea sacra sua C«* M*" promittit et se obstringit,
quod bona fide efTectui sit datura, ne vel Ostendana societas
vel quivis alius seu in Belgio austriaco seu in ditionibus, uti
dictum est quae tempori Caroli secundi regis quondam catho-
lici sub Hispana dominatione erant, existens huic in perpetuum
stabilitae normae directe vel indirecte unquam contraveniat
Prohibitum tamen non sit subditis dictarum ditionum C«*«
catholicae suae M*^" emere aut vendere merces ex Indus orien-
talibus venientes aliorum navibus alibi ex Indiis istis advectas
et mercaturam cum iis exercere ubicunque locorum.
Excipiuntur tamen duae naves, quas Ostendana societas
unica adhuc vice ex Ostendano portu vel alio loco ad monar-
chiam hispanicam quondam spectante versus Indias orientales
expedire poterit, ut inde Ostendam vel alium in portum Flan-
driae vel ditionis quondam hispanicae redeant, quod licitum erit.
Duae hae naves in Indias orientales navigaturae ibidemque
commercia exerciturae sese abstinebunt ab omnibus locis, por-
tubus et oris, quas societates Indiae orientaüs Magnae-Britanniae
et reipublicae foederati Belgii in Indiis possident et ab illis locis
ubi commercio privative actualiter fruuntur; neque dictis dua-
bus navibus fas erit iter suum extendere ultra viginti novem
menses a die primo Octobris anni millesimi septingentesimi tri-
gesimi secundi^) computandos, solo casu naufragii excepto. An-
tequam etiam modo dictae duae naves e portu Ostendano vela
faciant, nomina illarum ut et praefectorum sive capitaneorum,
simul etiam earum magnitudines Magnae-Britanniae et reipub-
licae foederati Belgii dcclaranda erunt iisque nomine suae regiae
gehen y als habe dieser Artikel seine Geltung verloren. Vgl. Sin\endorfs Bericht
ii. </. //. Febr. 17:12 St.-A, (Holl.)
') Die Festsetzung des ersten Oktober iy^2 als Ausgangstermin für die
2Q Monate, die den beiden Schiffen \ugestanden nur den, war erst nach viel-
fachen Verhandlungen der kaiserlichen und staatischen Deputierten erfolgt.
1^32 Febr. 20. c^»^
Magnae-Britanniae M*^^^ et celsorum ac potentium ordinum ge-
neralium foederati Belgii intra tres septimanas a facta declara-
tione numerandas literae dabuntur ad dispositionem huius ar-
ticuli sese referentes atque serio iniungentes, ut a subditis tum
Magnae-Britanniae tum foederati Belgii ubicunque locorum de-
gentibus non tantum vis nulla navibus hisce fiat, sed potius,
casu quo vi tempestatis vel alia necessitate ad loca a dictis so-
cietatibus possessa appellere cogantur, illis omnia officia prae-
stabuntur, quae amicis gentibus exhiberi consuetum est
Praesens instrumentum a sacra O* catholica M*«, a sacra
regia Magnae-Britanniae M^ et a celsis ac potentibus ordinibus
foederati Belgii ratihabebitur et approbabitur intra terminum
sex septimanarum a die subscriptionis computandarum aut citius
si fieri poterit, atque ratihabitionum tabulae Hagae Comitum in-
vicem extradentur et commutabuntur.
In quorum fidem roburque nos supranominati legati ex-
traordinarii et plenipotentiarii tam sacrae suae C«*« et regiae
catholicae M*»^ quam sacrae suae regiae M*^® Magnae-Britanniae,
ut et deputati et plenipotentiarii dominorum ordinum generalium
unitarum Belgii provinciarum plena facultate omnes muniti, trac-
tatum hunc propriis manibus subscripsimus et sigillis nostris
munivimus.
Acta haec sunt Hagae Comitum die vigesimo mensis Fe-
bruarii, anno millessimo septingentesimo trigesimo secundo.
L. S. F. W. comes Sintzendorff. L. S. Chesterfield. L. S. F. W. Torck.
L. S. J. H. V. Wassenaer.
L. S. S. van Slingelandt.
L. S. P. J. van Borssele van der Hooghe.
L. S. J. S. de Milan- Visconti.
L. S. G. W. B. in Schwartzenberg et Hohenlansberg.
L. S. R. B. R. comes a Rechteren.
Articulus separatus.
Ratione articuli secundi tractatus sexto decimo mensis
Martii anni praeteriti 1731 porro conventum est inter partes
eundem tractatum contrahentes, quod quoties illa ex archiduci-
bus foeminis, ad quam iuxta ordinem succedendi in sanctione
pragmatica de anno 17 13 expressum futuris temporibus omnia
regna et provinciae haereditariae, quas sua sacra C«* catholica
35^
548 »732 Febr. 20.
M**^ modo possidet, actu devolventur, nupta fuerit principi tanta
demum potentia et tot statibus praedito, ut si ea potentia sta-
tusque ii regnis ac provinciis haereditariis, quas serenissima do-
mus austriaca iamiam possidet, unirentur, iustae inde et legiti-
mae formidinum causae pro communi Europae tranquilütate
eiusdemque aequilibrio nascerentur, toties liberum sit ac esse
debeat huic principi, vel transferendo ditiones antea ad ipsum
spectantes in proximum agnatum iure et beneficio guarantiae,
quae in articulo secundo tractatus die 16 Martii anni praeteriti
conclusi sancita est, uti, vel, si ditiones antea ad ipsum spec-
tantes retinere velit, huic guarantiae iuri ac beneficio renuntiare;
ita quidem ut priore in casu sua sacra M*^ britannica et celsi
ac potentes ordines foederati Belgii ad implendas guarantiae
leges aeque teneantur, ac si praefata archidux foemina principi
tanta potentia praedito nupta haud fuisset, posteriore vero in
casu antea memorata sua M**^ britannica et celsi ac potentes
Status generales foederati Belgii liberi sint a guarantia saepe
citato articulo secundo tractatus supramemorati promissa, salva
caeteroquin in omnibus aliis casibus sub exceptione hac, qnae
in praesenti aiticulo separato continetur, haud comprehensis
manente regula in praefato articulo secundo tractatus die 16
Martii anni praeteriti 1731 stabilita.
Articulus hie separatus eandem vim ac robur habeat, ac
si ipsi tractatui de verbo ad verbum esset insertus, atque eodem
modo et intra idem temporis spatium quo ipse tractatus rati-
habebitur et ratihabitionum tabulae invicem extradentur.
In quorum fidem nos infrascripti vigore plenipotentianim
hodie invicem exhibitarum hunc articulum separatum subscrip-
simus et sigillis nostris communivimus.
Actum Hagae Comitum die vigesimo mensis Februarii
anno millesimo septingentesimo trigesimo secundo J)
•) Dieselben Unterschriften wie im Hauptvertrage. Der Separatartikel,
der die Seemächte von der Verpflichtung entband^ den Kaiser gegen die Türken
\u unterstützten, sowie die j Deklarationen bezüglich der Succession in Parma
und der Einführung spanischer Besatzungen in die festen Plät\e Toskana* s, Par-
ma*s und Piacen^a's wurden gleichfalls erneuert. Sie stimmen wörtlich mit den
p. y02 ff, abgedruckten Akten über ein ; hinzugefügt ist nur die Bemerkung, dass
sie dieselbe Geltung haben sollten, als ob sie von den staatischen Vertretern am
16. Mär{ ij^i unterzeichnet worden wären*
174» März. 549
33.
Projekt eines Büminisses ^Lüischen Maria Theresia, Georg IL,
Friedrich Augtist IL von Sachsen-Polen und den Generalstaaten
^ur Äußre hthaltung der pragmatischen Sanktion; entworfen
{// Wien Anfang Mär^ ^74^-
Eine Kopie dieses Projektes befindet sich im St.-A, als Beilage ^ur Weisung
an Ostein d, d. 1^41 Mär\ /^.
Die Beziehungen :^ischen Karl VL und Georg IL waren in den
letiien Regicrungs jähren des Ersteren nicht gerade die freundschaft-
lichsten. Man braucht, um sich von der Richtigkeit dieser Behauptung
{u überzeugen, nur die Instruktion {u lesen, die Karl VL wenige Mo-
nate vor seinem Tode dem Grafen Johann Friedrich Ostein zukommen
Hess, als er ihn an Stelle Wasners z^itn Botschafter am englischen
Hofe ernannte,^) Das mehr als hundert Seiten umfassende Schrift-
stück ist eine überaus scharfe Anklageschrift gegen Georg IL und
die englischen Minister, und legt deutlich Zeugnis von dem tiefen
Grolle ab, den der Kaiser gegen sie empfand, Selbstsucht und Treu-
losigkeit wirft er ihnen vor und ist bestrebt den Nachweis z}i erbringen,
dass sie in keinem Punkte die Verpflichtungen erfüllt hätten, die sie im
Jahre lyßi übernommen hatten. Er brandmarkt ihr Vorgehen in dem
Momente, da Österreich, in einen schweren Krieg mit den bourbonischen
Höfen verwickelt, ihre im Vertrage von ijßi garantierte Hilfe in An-
spruch nahm, „Die Vorteile im westindischen Commercio, womit eine
Nation vor der anderen von Spanien begünstiget werden kann, gaben eine
sehr kräftige Anlockung ab, welcher sich die Königin von Spanien
ZU Erreichung ihrer Absichten trefflich wohl ^u bedienen wusste,^'
Er zeigt, wie England aus egoistischen Gründen die verspro-
chene Hilfeleistung versagte ;^) er weist nach, dass er in der pol-
nischen Wahlfrage keinen Schritt ohne Englands Mitwissen gethan,
dass daher der Vorwand , unter dem die Engländer ihre Unter-
stützung verweigert hatten, ein nichtiger gewesen sei^) , „und ist
*) Instruktion für Johann Friedrich Graf Ostein d, d, ly, Juli 1740 St.- A.
*) In den Berichten Kin^ky's und in den Weisungen Karls VI, an ihn
spielen diese Angelegenheiten eine wichtige Rolle; es liegen auch eine Reihe Er^
klärungen der beiden Regierungen vor, die aber in diesem Zusammenhange nicht
\um Abdruck gelangen können. Die wichtigsten dieser Erklärungen sind datirt
75. Aug,y 6. Okty p. und 26. Nov. 77?^. St,-A,
3) In der — Anm, 2 — erwähnten und in späteren Erklärungen hatte England
diese Ansicht vertreten. Ich möchte in diesem Zusamenhange darauf aufmerksam
ccQ 1741 März.
durch die gan^e Zeit des fürgedauerten Kriegs von beeden Seemächten
nichts anders beschehen, als dass sie sich einander den Ballen ^ge-
warfen und von England der Republik Holland, von dieser aber jener
Krofi die Schuld der Untreue beigemessen worden ist^ Den Gipfel
der Treulosigkeit aber habe Georg IL erreicht, als er mit den Nieder-
Idndern gemeinsam „auf eine so unfreundliche Art, dass schwerlich ein
in etwas nur beikommendes Beispiel in detien Geschichten {ti finden
sein wird, unsere Einwilligung ^u noch schädlicheren Friedensbeding-
nussen als die nachhero geschlossenen Praeliminarien (mit Frankreich)
in sich enthalten'^, habe er:^ingen wollen, ^) Die Erklärung Robinsons,
der Kaiser habe keine Hilfe von den Seemächten {u erwarten, „wenn
auch gar der Feind in dieses unser Eriher^ogtum eindringen würdet ^ ,
habe Karl VI. am ), Okt. ijßß ;ium Abschlüsse der Wiener Präli-
minarien unter Bedingungen genötigt, die ihm gegen den Erwerb Tos-
cancCs, Parma s und Piacen^a's den Besit^ Lothringens, Neapels und
Siiiliens und einzelner Gebiete der Lombardei gekostet hätten. Aber
auch nach dem Abschlüsse dieses für Österreich so ungünstigen Ver-
trages, an dem die Engländer mit in erster Linie die Schuld trugen,
hätten sie ihr Benehmen nicht geändert^ die Bitten des Kaisers wegen
Aufnahme Toscanas unter die ihm ^u garantierenden Besitj(ungen :^ur
^selben Zeit abgelehnt^ da sie Don Carlos die Garantie des Königreiches
beider Siiilien aus freien Stücken anboten.
Und in gleich heftiger Weise warf Karl VI. den Engländern ihr
uniiemliches Vorgehen in der belgischen Handels- und lariffrage x)or ;
dass sie in Gemeinschaft mit den Niederländern allen gegebenen
Zusicherungen {um Trotte des Kaisers wiederholtes Begehren nach
Abschluss eines neuen Handelsvertrages unberücksichtigt gelassen, dass
sie die durch hohe Abgaben gedrückten, durch den Verlust des osten-
dischen Handels schwer geschädigten belglischen Untertanen gän:{lich
machen, dass Georg IL als Kurfürst von Hannover Jem Kaiser ein Hilfskorps
{ur Verfügung stellte. Der darauf bezügliche Vertrag wurde am g^oo. April
ij^4 in London unterzeichnet, VgL Bittner Nr, 821.
») Im St.-A. und im R. O. liegen eine gan\e Reihe von Projekten, die sich
auf die Vermittlung des Friedens {wischen Österreich und Frankreich beliehen
und von den Seemächten oder von England allein verfasst worden sind; die-
selben können aber in diesem Zusammenhange keine weitere Berücksichtigung
finden ; ebensowenig die verschiedenen „Memoires coneernant les affaires de
Bergues et de Juliers**, die gelegentlich der {wischen England und Österreich
viel erörterten Frage der Ordnung der jülich-bergischen Erbschaft entworfen
worden sind.
171 1 Marz. ccj
{w vernichten gesucht hätten, jooo Häuser stehen in Antwerpen leer
und das verdanken wir den Seemächten , ruft der Kaiser erbittert aus,
vor allem Georg IL, der durch seine Haltung die Niederländer er-
mutigt hat , des Kaisers Forderungen gering ^// achten und die ver-
sprochene Ordnung der Tariffrage unter leeren Ausflüchten ^u verei-
teln. Und wie erregt spricht der Kaiser von dem Undanke Georgs //.,
als Kurfürsten von Hannover ; wie bitter beklagt er sich über die :(wei-
de- tige Haltung, die dieser Fürst in allen Reichsfragen beobachtet,
über die Ränke, die er gesponnen habe, um die dem Kaiser so wichtige
Ordnung der jülich-bergischen Streitfrage {u verschleppen.^) „Mit
einem Wort, man wusste jeder Sach eine solche Gestalt ^// geben, dass
es einerseits nie an Entschuldigungen, andererseits nie an Ausstellungen
ermanglen konnte, der Sachen wahrer Grund möchte gleich noch so hell
in die Augen leuchtend
Freilich konnte sich Karl VI. nicht verhehlen, dass seit einiger
Zeit eine Wetidung in der Haltung der Engländer und ihres Herr-
schers eingetreten war , dass sie sich dem Wiener Hofe ^i nähern
suchten und Geneigtheit geigten, die Be:^iehungen ^ demselben
freundschaftlicher ^u gestalten. Aber weniger als je konnte sich Karl VI.
darüber täuschen, dass es nur egoistische Motive waren, die ^u diesem
Wechsel der Politik Anlass gaben. Die Bemühungen der Engländer,
durch ein weitreichendes Entgegenkommen die ihnen so wertvolle Freund-
schaft Spaniens \u erhalten, hatten nur vorübergehenden Erfolg gehabt.
Allmählig enthüllte sich den englischen Ministern der End^^eck de^
französisch- spanischen Verbindung ; sie mussten erkennest, dass diese
Mächte sich nicht allein gegen Österreich, sondern auch gegen Englands
immer drohendere maritime Gewalt geeinigt hatten, dass sie fest ent-
schlossen waren, sich der ihnen beiden gleich schädlichen Ausdehnung
des englischen Handels in den südamerikanisch-spanischen Colonien ^u
widersetzen. Jet^t begann \\<alpole — der leitende englische Minister —
einzusehen^ dass er einen Fehler begangen, als er stille gesessen und
ruhig zugesehen hatte, wie die bourbonischen Höfe dem Kaiser Neapel
und Sizilien entrissen ; dass sich die englischen Kaufleute geirrt hatten,
als sie annahmen, dass es ihren Interessen nur förderlich sein könne,
wenn die süditalienischen Häfen statt im Besitze des Kaisers z^ bleiben,
„der den Engländern das Commercium in Neapolis und Sizilien vsr^
darben habe^' , in den der Spanier gelangen würden. Und da alle Be-'
mühungen^ den Konflikt gütlich beizulegen, scheiterten, da im Jahre
ijjp England den Krieg gegen Spanien eröffnen musste und voraus-
zusehen war, dass der offene Kampf gegen Frankreich alsbald werde
CC2 174' M'ärz.
aufgenommen werden müssen, schien es der englischen Regierung j^wrck-
mässig, sich die Unterstützung jener Macht ^u sichern, die einst ^m
Kampfe gegen die Bourbonen die Hand entgegengestreckt hatte. Und
noch einen Grund hatten die leitenden Staatsmänner Englands , die
Freundschaft Österreichs {u suchen. Seit dem Jahre 171p hatte die
Wiener Regierung, dem allgemeinen Zuge der Zeit folgend, strenge
Massregeln ^um Schutze der aufblühenden heimischen Industrie ergriffen
und eine gan^e Reihe von Verordnungen erlassen, durch die der eng-
lische Handel in den österreichischen Ländern schwer getroffen wurde. ^)
Alle Bemühungen der englischen Regierung, dieser Bewegung Einhalt
^u gebieten, waren vergebene geblieben; auch die Androhung entspre-
chender Gegenmassregeln hatte nicht den gewünschten Erfolg gehabt;
immer wieder hatten die kaiserlichen Minister betont, dass die feind-
selige Haltung der Engländer in allen Fragen der europäischen und
deutschen Politik ein Entgegenkommen in Handelsangelegenheiten er-
schwere. Je mehr aber gerade der Kaufmannswelt im Hinblicke auf
die immer bedroht icher eyi Konflikte mit Spanien an der Herstellung guter
Handelslbe{iehungen j[« Österreich lag, desto dringender schien es dem
englischen Ministerium den Wünschen dieses ausschlaggebenden Teiles
der Bevölkerung entgegenzukommen. In diesem Sinne waren seit dem
Jahre 1738 von Robinson Versuche unternommen worden, den Kaiser
lum Abschlüsse eines österreichisch-englischen Handelsvertrages ^u ver-
mögen, und {ur Förderung dieses Planes hatte der englische Gesandte
*' alles mögliche getan, um das Misstrauen des Kaisers und der öster-
reichischen Minister -^u fje seit igen. Das war ihm nun nicht gelungen^
Wohl Hess sich Karl VI. in Unterhandlungen ein., wohl wurden sei-
tens der kaiserlichen Deputierten mit dem eigens {u diesem Zwecke aus
England nach Wien berufenen Fachmanne Verhandlungen begonnen;
allein die Differenzen waren viel ^n gross, als dass die gewünschte
Einigung alsbald hätte erfolgen können. Und an demselben Umstände
scheiterten auch die Bemühungen Robinsons , den Kaiser j^u Abma-
chungen gegen die honrhonischen Höfe {u vermögen.
„Solange Walpole am Ruder ist, lautet die betreffende Stelle der
für Ostein bestimmten Instruktion , ist kein Wechsel der englischen
Politik {u erwarten ; die Nation ist allerdings mehr für uns,'^ Ostein
sollte die bestimmte Erklärung abgeben, dass Karl VI die mit Frank-
>) VgL die Einleitung \u dem weiter unten jbgedruckten Handelsvertrags-
entwürfe vom Jahre 174^.
174' März. cc^
reich eitigegan}ycncn V er pfl ichhingen halten und nichts unternehmen
werde, was dieser Macht einen berechtigten Grund geben könnte, die
übernommene Garantie der Erbfolgeordnung {it verweigern. Der Kaiser,
sollte Ostein den englischen Ministern sagen, wolle die Verträge von
i/ßi und I7ß2 halten, fordere aber ein gleiches von den Engländern;
er sei bereit, mit den Seemächten gemeinsam eine in diesem Sinne lau-
tende Erklärung abj{ugeben, weigere sich aber auf das bestimmteste, in
den gegenwärtigen Krieg :{wischen England und Spanien einzutreten.
Man sieht, wie sich im Laufe der Jahre die Verhältnisse geändert
hatten ; lange Zeit hatte Karl VI. um die Freundschaft der Engländer
geworben, jet^t ^ögerte er die ihm entgegengestreckte Hand Georgs II.
{u ergreifen.
Mit dem Tode Karls VI. aber trat von neuem ein Wechsel ein.
Denn nun war die neue Herrscherin Österreichs ihrerseits genötigt,
die Hilfe Englands gegen jene Fürsten an:^urufen, die ihr den ruhigen
BesitT^ der ererbten Länder nicht gönnen wollten, Dass Georg IL in
seiner Thronrede am 2p. Nov. 1740 die Erklärung abgab, er wolle die
Osterreich gegenüber übernommenen Verpflichtungen im Einverständnisse
mit den übrigen durch ähnliche Verträge gebundenen Mächten erfüllen,
bereitete der jungen Herrscherin grosse Freude ; noch grössere die Ein-
mütigkeit, mit der Anhänger und Gegner des Ministeriums Walpole
der königlichen Erklärung beigestimmt und ihre Unterstützung bei der
Verwirklichung derselben angesagt hatten. Freilich handelte es sich
damals nur um die Ansprüche, die der von Frankreich unterstüt^^ie
Kurfürst von Baiern erhob, und Maria Theresia wusste, dass England
im eigenen Interesse dem Zerfalle Österreichs oder der Schwächung
dieser Macht ^u Gunsten Frankreichs vorzubeugen wünsche und dar-
auf rechne , sie auf diesem Wege -[«r Teilnahme am Kriege gegen
Spanien und gegebenen Falles auch gegen Frankreich ^tt vermögen,
wenn dieses {u Gunsten des verwandten Herrscherhauses eingreifen
sollte. Allein was giengen die Beweggründe des Inselvolkes die junge
Königin an. Sie kannte nur ein Ziel, die ungeschmälerte Behauptung
des ihr vom Vater hinter lassenen Besitzes gegen jeden Angriff. Des-
halb zögerte sie auch keinen Augenblick die Hilfe Englands, wie gegen
den Kurfürsten von Baiern, so auch gegen den Preussenkönig in An-
spruch z^ nehmen, als dieser schnell und unerwartet in Schlesien ein-
fiel und seine Rechte auf Teile ihres Besitzes geltend machte. Und da
König Georg IL von Hass, Eifersucht, Furcht und Abneigung gegen
seinen Neffen erfüllt, ihr abriet die Forderungen Friedrichs IL zu
cc^ 1741 MUrz.
erfüllen, da er ihr das Versprechen gab, mit seinen hannoverani sehen
und mit den in Englands Solde siehenden hessischen und dänischen
Truppen wider Preussen ins Feld j[u j(iehen und dringend die Ab Sen-
dung einer eigenen Vollmacht für Ostein forderte, damit dieser ein
enges Bündnis {wischen Österreich und England schliessen könne,
gieng Maria Theresia mit Eifer auf die Pläne des englischen Königs
ein. Sie hatte damals noch keine Kenntnis davon, dass Georg IL nur
in seinem Namen sprach, wenn er einen energischen Vorstoss gegen
den Preussenkönig als notwendig b e:{c lehnet e , während der grösste Teil
der englischen Nation einen Kampf gegen Friedrich IL nicht wünschte,
vielmehr der Ansicht war, Maria Iheresia möge den Frieden mit
Preussen durch eine entsprechende Gebietsabtretung erkaufen und auf
diesem Wege Preussen ^um Verbündeten gegen die von Baiem und
Frankreich drohende Gefahr gewinnen. Und wenn auch Robinson als-
bald :{ur Nachgiebigkeit gegen Preussen riet und Erklärungen abgab,
die deutlich erkennen Hessen, dass die Anschauungen Georgs IL nicht
mit denen seines Volkes übereinstimmten,^^ wenn auch Osteins Berichte
auf den Gegensat:^ :(wischen dem Könige und detn Parlamente hin-
wiesen, so war es begreiflich, das sich Maria Iheresia an die ihr ge-
nehmen Erklärungen des Königs hielt und der Hoffnung lebte, es werde
diesem gelingen seine Pläne durchzusetzen. In der Tat schien es einige
Zeit, als werde das kontinentale Interesse des Herrschers das Schicksal
des englischen Volkes bestimmen. Der Eifer, mit dem Georg IL für
den Krieg gegen Preussen eintrat, bewog wenigstens den um sein Porte-
feuille besorgten, von der Opposition hart bedrängten Walpole sich der
königlichen Auffassung der Dinge z}i nähern und eine Politik gntz}i-
heissen, die den wahren Interessen Englands und der Meinung der
meisten Parlamentarier widersprach. So geschah es, dass in den ersten
Monaten des Jahres I/41 Gesandte Georgs IL im Haag, in Peters-
burg und in Dresden Verhandlungen begannen, die den Abschlnss eines
gegen Friedrich //. gerichteten Offensivbiuidnisses be {weckten.^)
Und in gleichem Sinne äusserte sich Georg IL {n dem kaiser-
lichen Gesandten Ostein. Hatte er schon im Januar., wie erwähnt.
*) Für Robinsons Verhandlungen vgl. insbesondere Grünhjfren Geschichte
des ersten schlesisclien Krieges /. )^6 jf. und Arneth Maria Theresia I, 200 f.;
für die Strllung der verschiedenen englischen Parteien \ur auswärtigen Politik
in den Jahren 1740—1744 auch E. v. Wiese Die engl, parlamentarische Oppo-
sition und ihre Stellung \ur auswärtigen Politik des britischen Cabinets 1740 —
1744 (1883).
») Vgl. d. Grünhag^n l c. I. 271 ff.
174' März. 55 c
seine Bereitwilligkeit kundgetan, die im Solde Englands siehenden hes-
sischen und dänischen Truppen der jungen Herrscherin ^ur Verfügung
{N stellen *) und die Absendung einer Vollmacht ßir Ostein {^um Ab-
schlüsse eines Bündnisses empfohlen, so gieng er im Februar einen
Schritt weiter ; er riet der Königin sich nicht mit Preussen ^u ver-
gleichen, yyMan werde schon Mittel finden, den König von Preussen
in solche Enge {u treiben, dass Allerhöchstder selben der Schaden
würde ersetzt werden, andere auch dabei des ihrigen sich erholen kön-
nend ^^ Ostein griff die letitcn Worte des Königs auf Er betonte,
„dass die Königin froh sein würde, dem Kurhaus bei dieser Gelegen-
heit einige Vorteile j^u^uwenden. Der König erwiderte: Gut, aber man
muss es schriftlich habend Er riet Ostein, sich schleunigst eine ent-
sprechende Vollmacht ^u verschaffen. Dieser berichtete sofort seiner
Regierung über den Inhalt seiner Unterredung mit Georg IL, erbat
sich eingehende Instruktionen; betonte aber zugleich, es würde sich
empfehlen, in London und in Dresden getrennt j(u verhandeln, um jede
Eifersucht der beiden Fürsten bezüglich der Verteilung eventueller Er-
oberungen j[« vermeiden.^)
Ende Februar war der Bericht Osteins in den Händen der öster-
reichischen Regierung,^) Sein Vorschlag fiel auf fruchtbaren Boden,
Denn je unzweideutiger Georg IL von der Notwendigkeit sprach, ihn für
seine Hilfe durch Land und Leute ^u entschädigen, und je deutlicher die
seit längerer Zeit am sächsischen Hofe geführten Verhandlungen er-
kennen Hessen, dass auch Friedrich August IL nur durch beträchtliche
territoriale Zugeständnisse werde bewogen werden können auf seine An-
sprüche an Maria Theresia j^u ver:^ichten und an dem Kampfe gegen
Preussen teil{unehmen,^) desto wünschenswerter schien es lien öster-
reichischen Ministern, die beutelustigen Fürsten auf Preussen anj^u-
weisen. Ln diesem Sinne war schon vor dem Eintreffen d s Osteini-
schen Berichtes an die in Dresden weilenden Vertreter Maria Theresias
der Befehl ergangen, bei den Verhandlungen, die daselbst über den
') ^gl' Osteins Berichte vom ^,, 16,, ly, und 20, Januar und das Kon-
feren^protokoll d, d, 4. Februar 1741 St.-A, Vgl, auch das Schreiben Georgs II,
iin Maria Theresia d, d, 29, Jan, 1741. St,-A,
•) Osteins Bericht d, d. jß, Febr. 1741 St-A,
•) Ebenda,
*) Über die ungefähr \u gleicher Zeit erfolgende Weisung Haningtons
an Robinson vgl, Grünhagen l, c* /. 3^9 ff»
*) Für die in Dresden geführten Verhandlungen vgl, u, a, Grünkagen
l, c, I. 247 ff, und Arneth l. c, I. 196 ff.
556 »74» MUrz.
Abschluss eines sächsisch-österreichischen Bündnisses geführt wurden,
jede Gebietsabtretung auf Kosten Maria Theresia' s auf das entschie-
denste abzulehnend dagegen die Aussicht auf preussische Besit:{iingen
in den Vordergrund {u rücken/ in diesem Sinne wurde er jet:{t
wiederholt. Da aber die sächsischen Minister neuerdings für ihre
Einigung mit der österreichischen Herrscherin u, a. auch die Ab-
tretung dreier böhmischer Kreise forderten und trot^ eindringlicher
Mahnungen der österreichischen Gesandten von ihrem Begehren nicht
abliessen, entschloss sich die Wiener Regierung den von Georg IL
angeregten und an verschiedenen Höfen erörterten Gedanken eines
gegen Friedrich //. gerichteten Offensivbündnisses aufT^unehmen, um
sich auf diesem Wege und auf Kosten dieses Fürsten die so not-
wendige Unterstützung möglichst bald ^// sichern und den zögern-
den Sachsenfürsten durch das Vorgehen anderer Herrscher ^« einem
energischen Entschlüsse j{« bewegen. In der Konferenz am i, März
1741^) wurde die Ansicht geäussert, dass es besser sei in England,
als in Dresden oder in Holland abzuschliessen, und der Vorschlag ge-
macht. Ostein die nötigen Vollmachten und das Projekt eines Bünd-
nisses >{« übersenden, dasselbe aber so .{w. verfassen, dass die Ver-
bündeten für ihre Entschädigung auf die im Kriege -{// machenden Er-
oberungen angewiesen würden, ohne dass Maria Tlieresia eine Garantie
ZU übernehmen hätte. In verhältnismässig kurzer Zeit war der Ver-
tragsentwurf fertig. Schon am i}. März wurde derselbe z'ugl^ich mit
den entsprechenden Vollmachten z^*^ Unterzeichnung an Ostein ge-
schickt.^) Eine ausführliche Erläuterung sollte diesen über die Ge-
sichtspunkte aufklären, von denen man sich bei der Abfassung des
Entwurfes hafte leiten lassen.
Zur Rechtfertigung des lateinischen Textes wurde der das Reich be-
treffende Inhalt des Vertrages herangezogen ; doch erhielt Ostein die Er-
mächtigung, nötigenfalls die Übertragung ins französische {uzugeben.
Man betonte ferner, dass man {war neben den Seemächten auch die Herr -
■) Konfcren {Protokoll d. d. 1. Mär\ 17 41 St.-A.
*) Als Beilage \ur Weisung vom /;. Mdr\ 1741. St.-A. Das Projekt war
in lateinischer Sprache abgefisst und umfasste iß Artikel ; vgl. den Abdruck
weifer unten. Die in den y^Beihigen*' \um 2. Teile des ß. Bandes von J. Ch.
Adelungs „Priignutischer Staiitsgeschiehte Iinrop^'s^' Gotha 176-; p, 10 — 18
abgedruekten Projekte in englischer und deutscher Sprache sind Übersetzungen
aus dem lateinischen Entwürfe, doch fehlt in denselben der Art, XII. des latei-
nischen Entwurfes, der das Verbot für jeden der Vertragsteilnehnier enthält, einen
Separatfrieden mit den Feinden \u schliessen.
174' März. ttn
scher von Russland und Sachsen- Polen als Vertragsschliessende ausdrück-
lich beieichnei habcy dass man jedoch, um weitere Verzögerungen {u ver-
meiden, bereit sei, die Allianz vorerst in London :(wischen den Seemächten
und Osterreich :^um Abschlüsse {u bringen. Der Russen sei matt ^war
nach ihren in Wien und in Petersburg abgegebenen Erklärungen sicher,
doch sei es zweifelhaft, ob der russische Gesandte in London die ent-
sprechende Vollmacht {ur Unterzeichnung besitze/ sei dies nicht der
Fall, dann wäre es besser, Riisslands im Vertrage als Kontrahenten ^//
gedenken und die Unterzeichnung des Bündnisses durch diese Macht später
in Petersburg vornehmen .{« lassen. Weniger sicher sei man des säch-
sischen Herrschers ; man überlasse es Georg IL -^w entscheiden, ob dieser
Fürst unter die Vertragschliessenden aufzunehmen oder ihm blos der Bei-
tritt durch die allgemein gehaltenen Bestimmungen des ß, Artikels freizu-
stellen sei. Auf das materielle des Vertragsentwurfes übergehend, betonte
die Wiener Regierung , dass man in den einleitenden Worten die Gerechtig-
keit und Gemeinnützigkeit der Verbindung so begründet habe, dass Frank-
reich keinen Anlass ^//r Klage werde finden können. Überdies habe man
im ersten Artikel z^r Beruhigung Frankreichs ausdrücklich hervorge-
hoben, dass es sich nur um Erneuerung und Erfüllung früherer Verträge
handle , dass diese Einigung speziell nichts dem zwischen Österreich und
Frankreich am i8, Nov, ijßS geschlossenen Vertrage präjudizierliches
enthalte. Zur Erläuterung des z^'eiten Artikels wurde darauf hinge^
wiesen, dass man bei der Abfassung desselben darauf Bedacht ge-
nommen habe, die Verbündeten daran z^ erinnern, dass sie die"* früher
übernommenen Verbindlichkeiten in vollem Umfange, nicht nur für
Deutschland, aufrechtzuhalten verpflichtet seien, im übrigen aber diesen
Artikel so abgefasst habe, „dass er nicht minder gegen Kurbaiern, wenn
von diesem Kurfürsten etwas widriges sollte unternommen, denn gegen
Frankreich, wenn von jetzterwähnter Krön die freie Kaiserwahl sollte
gestört werden wollen, gerichtet ist.'^ Den dritten Artikel, der die
Aufnahme anderer Mächte in dieses Bündnis betreffe, habe man, um
jede Klage ^« vermeiden , allgemein gehalten , und überlasse die
Durchführung desselben weiteren Beratungen; auch sei die österrei-
chische Regierung nicht darauf erpicht, alles, was ihr förderlich sein
könnte, durchzusetzen ; doch müsse man dafür halten, dass z^r Durch-
führung der Wahl des Grossher{Ogs von Toscana z^m Kaiser die Un-
terstützung der Kurfürsten von Pfalz "''^ Köln unerlässlich sei. Die
im 4, Artikel ausgesprochene Absicht der ß mit Österreich verbündeten
Mächte, von z'^ei Seiten her in preussisches Gebiet einzufallen, sei von
England ausgegangen und nach dessen Vorschlag stilisiert; die Truppen-
55Ö »74» ^i^«-
lahly mit der Maria Theresia an dem Unternehmen teilnehmen solle,
im 5. Artikel nach den Ostein früher zugekommenen Mitteilungen auf
14 Regimenter ^u Fuss, 12 j^u Pßrd und 4 Regimenter Husaren fest-
gesetzt worden. Auch der 6. Artikel, der jeden der verbündeten Staa-
ten verpflichtete dem von Friedrich angegriffenen Bundesgenossen wenn
nötig mit gesammter Macht :(U Hilfe j(u eilen, sei in einer England
genehmen Weise ahgefasst worden.
Grössere Schwierigkeiten habe die Stilisierung des 7. Artikels ge-
boten, der den sächsischen Kurfürsten betreffe und verjüge, dass diesem
die Wahl freigelassen werden solle, Maria Theresia mit 6000 Mann
oder mit gesamter Macht ^u Hilfe j^u eilen. Im ersteren Falle sollten
die Bestimmungen des am 16, Juli ijßß {wischen Österreich und
Sachsen geschlossenen Vertrages in Geltung treten; im letzteren Falle
dagegen dem Kurfürsten ein entsprechender Anteil an den :(u ma-
chenden Eroberungen ^zugestanden werden. Ostein wurde nun beauftragt
dem englischen Könige mitzuteilen, dass bei längerem Zögern des kur säch-
sischen Hofes dieser Artikel auch gan{ ausgelassen und des Herrschers
von Sachsen- Polen auch im Eingange nicht als Vertragschliessendcn
gedacht werden müssfe. Ausserordentlich wichtig schien den österrei-
chischen Ministern die strikte Einhaltung des im 8, Artikel festgeset:{ten
Termines — längstens Ende April — für den Beginn der Operationen,
Ein besonderes Gewicht legte das österreichische Projekt auch auf die
Festsetzung dessen, was Maria Theresia und was ihre Verbündeten :[//
fordern berechtigt sein sollten. Das gan^e im Laufe des Krieges von den
Feinden okkupierte Gebiet — so lautete Artikel p, — solle dem recht-
mässigen Besitzer zurückgegeben werden , Maria Theresia ihr jeti^iger
Besit^ — Schlesien inbegriffen — erhalten bleiben. Dagegen ver-
pflichtete sich die österreichische Herrscherin, alles was sie erobern
sollte, nach erfolgter vollkommener Befriedigung ihrer oberwähnten For-
derungen, den Verbündeten \u überlassen. Die Vereinbarung über die
Teilung der ^w machenden Eroberungen sollte nach Artikel 10 durch
einen besonderen Vertrag erfolgen. Doch fügten die Minister Maria
Theresia' s :{Hr Vermeidung eines Missverständnisses dieser Bestimmung
die Bemerkung bei, dass, im Falle keine Eroberung preussischen Ge-
bietes erfolgen sollte, Maria Theresia keineswegs verhalten werde sollte,
etwas von ihren Erbländern den Verbündeten abzutreten. Die drei
letzten Artikel enthielten die Verpflichtung der Verbündeten nur gemein-
sam mit dem Feinde Frieden .{// schliessen und diesen Frieden j(u garan-
tieren, sowie die Bestimmung, dass der Vertrag längstens sechs Wo-
chen nach erfolgter Unterzeichnung ratifiziert werden, die geplante Aktion
1^4' März. ^cg
aber schon früher erfolgen sollte. Schliesslich wurde Ostein auf das
bestimmteste angewiesen^ sich in sachliche Änderungen der einzelnen
Artikel nicht einzulassen, *) Am selben Tage noch wurde den Vertretern
Maria Theresia' s in Dresden ein Exemplar des Ostein gesandten Projektes
übermittelt und ihnen gegenüber betont, dass der Kaiser, um den Ab-
schluss des gemeinsamen Konzertes nicht j^u hindern, geneigt sei, die
mit Sachsen begonnenen Verhandlungen über den Separatvertrag :(u
gleicher Zeit fortzuführen,^) Auch dem in Petersburg weilenden Ver-
treter Maria Theresia' s gieng eine Abschrift des Projektes und der Be-
fehl zu, sich darüber Gewissheit ^// verschaffen, ob die C{arin in Lon-
don oder in Petersburg die Unterzeichnung des Vertrages wünsche. Die
grosse Sicherheit, mit der die Wiener Regierung von dem Gelingen
des Werkes sprach, muss Wunder nehmen; aber unzweifelhaft grün-
dete sich die Hoffnung derselben in erster Linie auf die bestimmten
Versicherungen, die Georg IL Ostein,^) sowie dem in London weilen-
') Weisung vom ij, Mär\ 1741» St,-A, Dieser Weisung liegt eine Kopie des
Projektes der Konvention bei; 2 anärre Exemplare tourJen dem M** de Botta am
16. Mär\ nach Petersburg geschickt und liegen dieser Weisung St.-A, (Russl.) bei.
Aus der im Texte gegebenen Darstellung geht \weifcllos hervor, dass der hier erör-
terte und abgedruckte Vertragsentwurf nicht wie allgemein — auch von R, Koser
Friedrich der Grosse p, p/ und Griinhagen Gesch, des ersten sclüesisclien Krie-
ges L ^og f und Anm. — angenommen wird, von England, sondern von Öster-
reich herrührt. Ich bemerke Übrigens, dass Villiers selbst in seinem Berichte an
Harrington d, d, Dresden 1741 Mär{ 19 n, st (R, 0,J folgende Bemerkung
macht: The courier, dispatchgd with the news of the queen of Hungarfs being
safely delivered of a prince, arrived Iure the z/'* instant n» s, and brought to
Her Majesty's min isters a copy of a project of an alliance, which count
d* Ostein will probably receive and communicate before your Lordship has the
trouble of this dispatch. Durch diese Tatsache werden auch die Schwierigkeiten
beseitigt, die bisher der Deutung des Inhaltes dieser Vereinbarung im Wege
standen, (Grünhagen l. c, p. yop f. Anm,)
2) Weisung an Wratislaw und Khevenhiller d. d, 1^. Mär{ 17 41, St,-A, (Sax.J
Der Inhalt dieser Weisung ist ein weiterer Beweis für die Tatsache, dass das uns
vorliegende Projekt am Wiener Hofe verfasst wurde. Eine Stelle lautet: „Euch ist
bereits \u wessen gethan worden, dass des Königs von Grossbritannien Majestät dar-
aufgedrungen, den Grafen Ostein mit einer Vollmacht, um desto geschwinder und
geheimer die Einverständnus gegen Preussen -ff/ Stande {u bringen, \u versehen.
Ingleichen haben wir Euch \um voraus verständigt, wohin dies Orts bei dem Auf-
satz sotaner Einverständnus das Augenmerk würde gerichtet werden,*' Jet\t über^
sende ihnen Maria Theresia das davon handelnde Projekt,
«) Noch am y, Mär:^ berichtete Ostein (St-A,), dass Georg II, bei seinem
Vorhaben beharre.
^6o 1741 Mllrz.
den sächsischen Gesandten gegeben hatie,^) Allein alsbald sollte
Maria Theresia Gelegenheit haben , sich -^ « überzeugen , dass auf die
Worte des englischen Königs kein Verlass sei. In Angst verset:{t
durch die entschlossene Haltung Friedrichs IL, der ein Armeekorps
bei Magdeburg aufstellte , durch die Nachricht von dem verdächtigen
Verhalten der Franzosen und von der geringen Neigung der Nieder-
länder an dem Kampfe gegen Friedrich teilzunehmen, und beein-
flusst durch die einem Kriege gegen Friedrich II abgeneigte Stim-
mung seiner englischen Untertanen, begann Georg IL dem Gedanken
Raum ^w geben, dass ein Ausgleich mit dem Preussenkönige auf Kosten
der bedrohten österreichischen Herrscherin einem ungewissen Kampfe
gegen denselben vorzuziehen sei, und sprach von dem Vorteile, der den
Verbündeten aus der Anteilnahme des preussischen Herrschers an dem vor-
aussichtlichen Kampfe gegen Frankreich erwachsen würde. Schon Mitte
März hatte er sich in diesem Sinne geäussert ;^) und im Laufe der zp^iten
Hälfte dieses Monates hatte die dem Versuche eines Vergleiches günstige
Stimmung am Hofe Georgs IL derartig z^^g^f^ommen, dass Ostein es nicht
für zweckmässig hielt, das ihm in den letzten Tagen des Monates Märj^
zugekommene Konventionsprojekt dem englischen Könige zu überreichen. ®)
Er erfuhr dafür den herbsten Tadel seiner Regierung ; man warf ihm
vor, dem Interesse seiner Herrin direkt zuwidergehandelt zu haben, und
trug ihm auf das entschiedenste auf, seinen Fehler gutzumachen, für
den Abschluss des Konveniionsprojektes einzutreten.^^ Allein bevor noch
Ost ein in die Lage kam, von der ihn zugekommenen Weisung Gebrauch
ZU machen, hatte sich das Schicksal des österreichischen Vertragsent-
wurfes entschieden.
Der in Dresden weilende Vertreter Englands, dessen Vermitt-
lung es mit in erster Linie z^i danken war, dass der so lange ver-
handelte Separatvertrag zpischen Osterreich und Sachsen durch beider-
') Unter dem 18. Februar wird dem Ostein ein Schreiben der in Dresden
weilenden Vertreter Maria Theresia*s übermittelt, in dem von einer Äusserung
Georgs II. an den in London wirkenden Vertreter Sachsens berichtet wird. Georg IL
habe diesem in's Gesicht gesagt , er wolle gemeinschaftlich mit Holland dem
Könige von Preussen den Krieg erklären; auch müsse man, wofern dieser seine
Truppen nicht aus Schlesien herausziehe, ein gemeinsames Concert mit anderen
gutgesinnten Höfen machen. Weisung an Ostein d. d. 18. Febr. 1741. St.-A,
') Schreiben Osteins d. d. 17. Mär\ 1741 St.-A. ; vgl. auch Hnrringtons
Weisung an Robinson d. d. 16, Mär\ 1741 bei Grünhagen l. c. I. ^44.
^) Schreiben Osteins d. d. yi. Mär\ 1741- St.-A.
*) Weisung d. d. 16. April 1741. St.-A. : ähnlich auch in der Weisung
d. d. 24. April 1741. St.-A.
1741 März. 561
seifiges Entgegenkommen fertiggestellt werden konnte, erhob sich in der
Sitzung am 10. April, in der die Verlesung dieses Dokumentes statt-
fand und betonte, dass sein Herr sich im Hinblicke auf Frankreichs
Stellung entschlossen habe, dem dringend geäusserten Wunsche Fried-
richs //. entsprechend, die Vermittlung ^wischen Preussen und Öster-
reich {u versuchen.^) Das Erstaunen war ein allgemeines ; die Erbit-
terung der österreichischen Regierung, als sie davon erfuhr, eine grosse.
Aber an der Tatsache war nichts {u ändern, Englands Entschluss war
eine furchtbare Enttäuschung und eine schwere Schädigung für Maria
Theresia. Sie hatte gehofft, im April an der Seite der Seemächte, Russ-
lands, eventuell auch Polens den Kampf gegen Friedrich //. >{« beginnen;
nun sollte sie nochmals sich einer Vermittlung ^w erwehren haben, die
ihr den Verlust eines grossen Teiles des übernommenen Erbes ^umutete.
In nomine sacrosanctae et individuae trinitatis amen.
Notum Sit Omnibus et singulis quorum interest aut quo-
modocunque interesse potest.
Cum paulo post funestum et immaturum sacrae quondam
Ceae regiaeque catholicae M*^^ obitum hostilis Silesiae ducatus in-
vasio a Borussiae rege subsecuta sit, sacra regia Hungariae et Bo-
hemiae W^^ scriptis ad praecipuos Europae principes, illos inpri-
mis, qui eiusdem in regna et ditiones paternas immediatum suc-
cedendi ius evincendum susceperunt, tum ad legatos electorum,
principum et caeterorum imperii statuum Ratisbonae congrega-
tos literis, eosdem omnes ac singulos de ferendis suppetiis et tuenda
Omnibus viribus communi causa quam amicissime interpellavit,
amicam hancce requisitionem suam partim pactis conventis, quae
ei cum unoquoque horum principum intercedunt, partim intuitu
imperii statuum sanctioni legum eiusdem fundamentalium, aureae
inprimis bullae pacisque publicae, tum praestitae totius imperii
nomine sponsioni, seu uti vulgo nuncupare solent guarantiae
sanctionis pragmaticae, atque contracto disertim — cum anno 1708
Bohemiae regnum ad imperii comitia readmitteretur — mutuo tu-
telae vinculo superstruens. Causae et desiderii iustitiam haud
haesitanter agnoverunt Serenissimus et potentissimus princeps
dominus Georgius secundus Magnae-Britanniae rex, dux Bruns-
vicensis et Luneburgensis, sacri Romani imperii elector ; serenis-
•) Vgl. für diese S^ene Grünhagen /. c» /. ^/7/.
Österreichisch-englische StaatsvertrSge. Bd. I. 3"
§62 '^41 Mttrz.
simus et potentissimus princeps dominus Johannes tertius, to-
tius Russiae autocrator; tum Serenissimus et potentissimus prin-
ceps dominus Fridericus Augustus, Polonianmi rex, magnus
dux Lithvaniae, dux Saxoniae pariterque sacri Romani imperii
elector; nee non celsi et potentes domini Status generales uni-
tarum foederati Belgii provinciarum. Quo proinde illi pro-
vidam suam de restauranda quantocyus ac exin manutenenda
publica tranquillitate , tum de explenda sponsione seu vulgo
guarantia sanctionis ut vocant pragmaticae, quae die 19*^* Aprilis
anno 17 13 solenni ritu declarata fuit, curam tanto impensius
testarentur, cum antememorata sacra regia Hungariae et Bo-
hemiae M*« super mediis pro assequendo quo dtius eo melius
tam salutari scopo quam maxime opportunis per denomina-
tos ad id ipsum ministros plena facultate munitos in commune
consulere constituerunt. Qui quidem ministri habitis inter se
colloquiis et permutatis invicem plenipotentiarum tabulis, in
calce praesentis conventionis adiectis, de sequentibus articulis
convenerunt.
I.
Amicitiae, unionis ac foederis vinculum, quod sacrae regiae
Hungariae et Bohemiae M** vigore tractatus die decima sexta
Martii anno 17 31 conclusi tum editae decima Aprilis die eiusdem
anni declarationis cum sacra regia Magnae-Britanniae M^ tam
qua rege quam qua sacri Romani imperii electore, nee minus
cum sacra totius Russiae M^ vigore initi die 6^ Augusti anno
1726 foederis, cum sacra regia Poloniarum M*® autem qua Sa-
xoniae electore vigore signatae die 16. Julii anno 1733 con-
ventionis, ac denique iuxta accessionis instrumentum, quod Ha-
gae comitum 20"^ Februarii die anno 1732 subscriptum fuit,
cum celsis et potentibus dominis statibus generalibus foederati
Belgii intercedit, ita renovatum censeatur, ac si verbotenus om-
nes et singuli praecitati tractatus praesenti conventioni forent
inserti, partesque contrahentes sese ad explendas inibi contentas
conditiones denuo quam efficacissime obstrinxerint, ea tamen di-
sertim addita lege, quod renovatum hocce foedus nulla prorsus
ratione vel minimum praeiudicium afferre queat aut debeat pa-
cis tractatui inter caesarem quondam et imperium ex una, tum
christianissimum regem ex altera parte Viennae die 18. No-
vembris anno 1738 concluso.
1^4» Wärz. 563
IL
Sicuti ad explendas contentas in praecitatis tractatibus con-
ditiones partes contrahentes in genere sese et absque ulla ex-
ceptione obstrictas agnoscunt, ita pro praesente rerum statu
praecipuus et specialis renovati inter easdem amicitiae, unionis ac
foederis vinculi scopus est, turbatam in imperio a Borussiae rege
quietem quantocyus restaurare, restauratam manutenere aut, si a
quocunque alio turbabitur, contra aggressorem consilia et arma
sociare atque uno verbo omnibus viribus id satagere, quo regnis
et ditionibus ad sacram regiam Hungariae et Bohemiae M*«°' per
obitum divi genitoris sui haereditario iure devolutis nihil quic-
quam decedat, enatae turbae sopiantur, quae vero ulterius per-
timescendae sunt praecaveantur, suaque imperio libertas et se-
curitas constet et eiusdem compages, prouti illa legibus eiusdem
fundamentalibus innititur, sarta, tecta servetur.
m.
Pro obtinendo tarn salutari scopo promittunt sibi' invicem
partes contrahentes, quod non solum velint optima fide in com-
mune consulere, sed et concorde opera eo allaborare, quo com-
plures alii principes in foederis huius societatem tendentis quippe
ad commune imperii bonum et publicae tranquillitatis maius
firmamentum pertrahantur. .
IV.
Cum Sacra regia Hungariae et Bohemiae M^», utpote quae
iniusto a Borussiae rege hello fuit impetita, a principibus, qui
sanctionem uti vocant pragmaticam tuendam susceperunt, iuxta
normam tractatuum, qui ei cum unoquoque intercedunt, expe-
tierit, ut vel suppetias sibi ferre, vel bellum aggressori indicere
velint, optionem iisdem inter utramque, qua praestita evictio expleri
potest, viam relinquens ; sacra regia Magnae-Britanniae M**" sa-
craque totius Russiae M**«, nee non celsi et potentes domini
Status generales unitarum foederati Belgii provinciarum se ulti-
mam viam praeprima eligere, ac proinde una ex parte coadu-
natis sacrae regiae Magnae-Britanniae M*" et celsorum et po-
tentium statuum generalium foederati Belgii viribus, altera vero
ex parte iusto russico exercitu pro divertendis iniusti aggres-
soris armis in adiacentes eiusdem ditiones irrumpere velle de-
clararunt seseque obstrinxerunt. Qua facta optione sacra regia
Hungariae et Bohemiae M**» se penitus contentam testatur.
36-
564 <94> Mttrz.
V.
Vicissim sacra regia Hungariae et Bohemiae M*" spondet
quod ad minimum integras quatordecim legiones pedestres tum
duodecim equestres ac quatuor hussarorum legiones communi
inimico velit opponere.
VI.
Cumque ita diversis in locis arma contra Borussiae regem
quo fieri potest efficaciore modo sint vertenda, promittunt sibi
invicem partes contrahentes, quod eum in casum, ubi praefatiis
rex omnes vires suas contra unum ex foederatis colligere in-
tenderet, unusquisque alteri omni possibili modo suppetias ferre
eundemque ab imminente eidem soli periculo eliberare velit ac
teneatur.
vn.
Cumque sacra regia Poloniarum M**» qua Saxoniae elector
necdum mentem suam explanarit, quamnam ex memoratis articulo
quarto duabus viis velit eligere, conventum inter reliquos socios
est, quod eum in casum, ubi ab eadem non nisi sex militum
millia sacrae regiae Hungariae et Bohemiae M** in auxilium mit-
tentur, normae tractatus die 16** Julii anno 1733 conclusi unice
standum sit; ubi vero altefata süa M**« sua quoque ex parte
omnes vires suas contra communem hostem vertere malit, quod
tunc quoque in partem iustis armis ab eodem acquirendarum
ditionum venire debeat
vni.
Quoad tempus, quo executioni danda sunt quae supra arti-
culo quarto de divertendis communis hostis armis ac facienda in
eiusdem ditiones bina irruptione disposita reperiuntur, conven-
tum est, quam citissime id fieri potest et haud tardius quam
proxime imminente mense Aprilis a sacrae regiae Hungariae
et Bohemiae M*^^^ sociis eo esse procedendum; tum quia modo
fata Sacra regia M**^ in casu articuli sexti iamiam versatur, ma-
xima virium regis Borussiae parte actu contra eandem collecta,
tum quia timendum foret, ne intercedente diuturniore mora in-
testinae in imperio turbae ulterius adhuc sese possent dilatare,
quod quovis modo praecavere communi consensu e re visum fuit.
I74I MUrz. 565
IX.
Cum sociata pro tuenda iustissima causa tot principum arma
de felici eorum successu dubitare haud sinant, nee qui pacem
imperii publicam caeterasque eius leges fundamentales, auream
inprimis bullam pacemque westphalicam, tam aperte violavit
imperii princeps, ad earundem legimi beneficium provocare ul-
latenus queat; hinc aequum et iustum visimi fuit atque de eo
partes contrahentes expresse convenerunt, quod iuxta naturam
uniuscuiusque foederis nee minus iuxta dispositionem tractatuum
supra articulo primo citatorum ante omnia quaeeunque hosti-
libus armis occupata sunt nulla ne minima quidem parte inde
dempta in legitimae dominae potestatem redigenda et sub ea-
dem manutenenda, tum vero parti laesae, id est sacrae regiae
Hungariae et Bohemiae M** tum subditis suis atque Ulis, qui
Silesiae statuum fidem secuti sunt, de plena indemnitate sit
prospiciendum. Quo fine obtento sacra regia Hungariae et Bo-
hemiae M*»8 in antecessum declarat seque obstringit, quod nihil
de locis ac ditionibus, quae ante enatum bellum ad Borussiae
regem spectabant, pro se domoque sua velit praetendere, sed
si quae loca et ditiones armis suis fuerint oecupata aliis ea re-
linquere, non prius tamen quam redintegratae omni ex parte
devolutae ad eandem a divo genitore haereditariae possessiones
plenaque uti supradictum est indemnitas subsecuta fuerit.
X.
Quaeeunque ergo divisionem locorum ae ditionum, quae
ante enatum bellum ad Borrussiae regem spectabant ac durante
hello soeiorum armis oecupabuntur, concernunt, ad peculiarem
inter sacrae regiae Hungariae et Bohemiae M*>» foederatos prin-
cipes eonventionem fuerunt remissa; hac una sua ex parte
adieeta cautela, quod cum non nisi de vitando damno certet,
nee emolumentorum, quae ex prospero armorum successu omni
fiducia speranda simt, partem ambiat, altefata M^^ sua ad nul-
lum ne minimum quidem de suis regnis et ditionibus haere-
ditariis foederatis suis aut ulli ex illis teneatur aequivalens, si
forsan praeter omnem expectationem quae sperabantur emo-
lumenta ex suscepto hello in illos haud redundarent.
566 »74» Juni 24.
XL .
Quicquid vero concludenda posthac communi pace sta-
bilietur, mutua omnium foederatorum principum sponsione ac
evictione vulgo guarantia corroborare placuit.
xn.
Non liceat uUi ex foederatis separatam cum hoste pacem
inire.
xm.
Ratihabebitur praesens conventio intra spatium sex septi-
manarum a die subscriptionis computandarum aut citius si fieri
potest, et ratihabitionum tabulae Londini invicem permutabim-
tur; hac tarnen disertim adiecta declaratione, quod ob prae-
fixum huic ratihabitioni et permutationi terminum baud liceat
protrahere ea, quae de vertendis ante finem proximi mensis
Aprilis contra Borussiae regem armis articulo huius conven-
tionis octavo disposita reperiuntur.
In quorum omnium fidem roburque etc.
Geheimer Subsidienverirag ^fwischen Maria Theresia und Georg IL
d. d, Hannover 1741 Juni 1^124.
Rat. Georgs II. li. d. Herrenhausen 1741 Juni ijliS ; Maria Theresia' s
d, d. Pressburg Juli }.
Die Originale des Vertrages im St.-A. und R. O., das Or. der Ratifikation
Maria Theresia's im R- O,, Georgs im S\-A,
Drucke bei Bit tu er Nr. 8(j2.
Maria Theresia lehnte die Forderung Englands, sich mit Preussen
unter Preisgabe eines Teiles der ererbten Länder auszugleichen und auj
diesem Wege die Bildung einer grossen gegen die Bourbonen gerich-
teten Allianz {u ermöglichen, auf das entschiedenste ab, Sie blieb den
Auseinandersetzungen Robinsons, wie den Äusserungen Walpole^s ge-
genüber, die von der Notwendigkeit sprachen den Übergang Fried-
richs IL ins französische Lager ^/^ verhindern, dabei, dass man von
ihr neue Opfer nicht fordern dürfe, und dass das sicherste Mittel, die
auch von ihr gewünschte Verständigung mit Preussen -fw erreichen, ein
energisches Vorgehen aller Garanten der pragmatischen Sanktion sei.
174» Juni 24. c6y
/« diesem Sinne befahl sie, wie bereits erwähnt wurde, dem Grafen
Ostein in der feiten Hälfte des April 1741 — also nachdem Villiers in
Dresden und Robinson in Wien den festen Entschluss ihres Herrn kund-
getan hatten, die Verständigung mit Preussen {u versuchen — dem
englischen Hofe neuerdings den ' baldigen Abschluss eines Offensivbünd-
nisses gegen Friedrich //. vorzuschlagen und das in seinen Händen
befindliche Projekt ^ur Annahme ^u empfehlen. Da^u kam es nun
allerdings nicht ; der von Maria Theresia vorgelegte fiir sie so günstig
lautende Entwurf wurde in London nicht weiter erörtert; aber die Hoff-
nung der jungen Herrscherin, den Weifen ^um Kampf e gegen den Hohen-
\ollcrn iit bestimmen, schien trotzdem eine ^eitlang der Verwirklichung
nahe. Am ip, April hielt Georg //. an die beiden Häuser des Par-
lamentes eine Anrede, in der er, an seine früheren Erklärungen in der
Frage der Garantie der pragmatischen Sanktion anknüpfend, hervorhob,
dass er auf Verlangen der österreichischen Herrscherin die verträgs-
mässig festgesetzten 12000 Mann marschbereit halte und in Beratungen
über Massregeln eingetreten sei, die der Bekämpfung aller ungerechten
Ansprüche auf die Besitzungen der jungen Fürstin dienen sollten. Er
erbat sich ^ur Einhaltung der vertrag smässigen und eventueller neuer
Leistungen die materielle Unterstützung seines Volkes, Das Parlament
bewilligte mit grosser Majorität 200,000 Pfund Sterling für die Er-
haltung der 12000 Mann englischer Soldtruppen und stellte dem Könige
eine weitere Summe von joo,ooo Pfund St, j[«r Verfügung, über die
er z^i Gunsten der bedrohten österreichischen Herrscherin sotlie be-
stimmen können. Die Debatte, die der Abstimmung vorausgieng, Hess
erkennen, dass die englische Nation an ihrer Ansicht festhielt, dass
Österreich als Gegengewicht gegen Frankreich auf dem Kontinente un-
entbehrlich sei. Einer der Führer der Opposition, Lord Carteret,
gab der Überzeugung der meisten seiner Kollegen Ausdruck, als er
bei dieser Gelegenheit die Meinung äusserte : „ Wenn das Haus Öster-
reich sinkt, werden wir genötigt sein in Friedenszeiten so viel Truppen
ZU halten, dass wir daran {« Grunde gehen,'^ Den Ausgleich Öster-
reichs mit Preussen wünschte das Parlament ; allein es fiel keine Be-
merkung, der zu entnehmen gewesen wäre, dass man die Österreich zu
gewährende Hilfe von der Befriedigung Preussens abhängig machen
wolle. Es ist daher begreiflich, dass die leitenden österreichischen
Minister die Zumutung Robinsons, der -{« Beginn des Monates Mai
im Auftrage seiner Regierung den Ausgleich mit Preussen unter Opfern
für Maria Theresia forderte, mit Entrüstting zurückwiesen und von der
Überzeugung durchdrungen, dass das englische Volk die Ansicht des
568 '74» Juni 24.
Ministeriums nicht teile, neuerdings die Notwendigkeit eines energischen
Vorgehens gegen Friedrich IL betonten. Und die Berichte^ die bald
darauf von Ostein einliefen, konnten die Wiener Regierung nur in der
Meinung bestärken, dass wenigstens der englische König durchaus nicht
so abgeneigt sei, die Waffen gegen Friedrich IL ^u ergreifen, als Ro-
binsons Erklärungen glauben machen sollten. Denn unmittelbar nach-
dem das Parlament dem Könige die erwähnten Summen :{ur Unterstüt-
zung Maria Theresia s {ur Verfügung gestellt hatte, erschien bei Ostein
ein Abgesandter Georgs II, und teilte ihm mit, sein Herr sei bereit
nebst den jooo Mann, die er vertragsmässig als Kurfürst von Hannover
{u stellen habe, eine grössere Zahl seiner hannoveranischen Truppen der
jungen Herrscherin j(ur Verfügung {u stellen. Als Entschädigung für
diese Leistung möge Maria Theresia den grösseren Teil der vom eng-
lischen Ministeritim bewilligten Subsidien Georg IL überlassen. Alle
Einwendungen Osteins gegen diese letztere Forderung — der Hinweis
auf das Interesse Hannovers, auf die in Aussicht stehenden Eroberungen
— blieben erfolglos. Als er bei den Verhandlungen, in die er im Hin-
blicke auf den ihm wohlbekannten Wunsch Maria Theresia' s Georg IL
j(um Losschlagen ^u bewegen ohne vorherige Weisung seiner Regierung
eingetreten war, hervorhob, dass beim Abschlüsse der von ihm vordem
vorgeschlagenen Generalkonvention sich die Möglichkeit ergeben würde,,
derartige Begehren Georgs IL ^u befriedigen, fuhren ihn dessen Ver-
treter scharf an ; Russland wolle von Eroberungen nichts wissen und
ebenso wenig die englischen Minister ; die Generalkonvention {u unter-
leichnen sei jet^t unmöglich. Und je länger Ostein verhandelte,, desto
mehr befestigte sich bei ihm die Überzeugung, dass es ohne die Billi-
gung dieser Forderung unmöglich sein werde, die Verwendung der vom
englischen Parlamente bewilligten ßoo.ooo Pfund St. ^u Gunsten Maria
Theresia s durch{uset:^en. So entschloss er sich in die Verhandlungen
einzutreten, eifrig bemüht, seiner Herrscherin von dem Gelde {u retten,
was ^u retten war. Er bot den Vertretern Georgs IL für die loooo
Mann, die dieser als Kurfürst von Hannover über das von ihm ver-
tragsmässig übernommene Quantum von ^000 Mann der österreichi-
schen Herrscherin {ur Verfügung stellen wollte, ißo.ooo Pfund an ;
fand aber für seine Vorstellungen nicht das geringste Verständptis.
Seine Gegner blieben bei ihren Forderungen, drängten {um Abschlüsse
und legten ihm j Vertragsprojekte ^itr Ordnung der ganzen englisch-
hannover sehen Frage mit dem Ersuchen vor, sich ohne Säumnis :^u
entscheiden, da Georg IL noch vor der demnächst erfolgenden Ab-
reise nach Hannover über diese Dinge klar sehen wolle. Ostein
174' Juni 24. 56g
geriet in eine schwierige Lage; er besass keine Vollmacht, die ihm
vorgelegten Verträge j^n unter:{eichnen ; auch war er mit mancher Be-
stimmung derselben nicht einverstanden und hielt einige wesentliche
Zusätze für dringend geboten. Allein die Not der Zeit und die Über-
zeugung, dass es seiner Herrin in erster Linie auf ein möglichst ra-
sches Eingreifen Georgs IL ankam, Hessen es ihm rätlich erscheinen,
seine Zustimmung {ur Fortführung der Verhandlungen ^u geben und
seine Forderungen auf das ausser ste ^u beschränken,^) Das erste der
} Projekte betraf die von England {u leistende Unterstützung, Georg IL
erklärte sich als König von England bereit, im Sinne der Verträge von
i/ßi und 17 )2 12000 Mann der österreichischen Herrscherin z}ir Ver-
fügung {u stellen, überdies derselben joo,ooo Pfund St, inner Jahresfrist
{u überweisen. Als Voraussetj^ung dieser Unterstützung galt ^ dass Maria
Theresia die Truppen lediglich {ur Aufrechthaltung der pragmatischen
Sanktion verwenden werde. Ostein war mit den Hauptpunkten dieses Pro-
jektes, wie nicht anders ^u erwarten, einverstanden ; doch forderte er bes-
sere Zahlungstermine und vor allem die Hin^ufügung eines Artikels, durch
den ganz ausdrücklich die im Jahre iyj8 von Österreich abgetretenen
Gebiete von der Garantie und jede Beeinträchtigung des von Karl VI,
mit Frankreich in diesem Jahre e ingegang enefi Friedens ausgeschlossen
werden sollten. Kein Zweifel, dass Ostein in Erinnerung an den ersten
Artikel des ihm von Wien zugeschickten Entwurfes der Generalkon-
vention, der dieselbe Bestimmung enthielt, ^«r Stellung dieses ZusatZ"
artikels bewogen wurde. Allein in beiden Punkten fand er entschie-
denen Widerstand bei den englischen Ministern, Wir wissen ja, dass
diese gerade in der Teilnahme der österreichischen Herrscherin an dem
vermutlich unvermeidlichen Kampfe gegen Frankreich den wesentlichsten
Vorteil der geplanten Verbindung erblickten und dem Ausgleiche Öster-
reichs mit Preussen ununterbrochen das Wort redeten. Begreiflich da-
her, dass sie Osteins Forderung entschieden ^ttrwr/lwi>5^/i.
Aber auch bezüglich des zweiten Vertrages, den Georg IL als Herr-
scher von Hannover mit Maria Theresia schliessen wollte und dessen Er-
ledigung als notwendige Voraussetzung für den Abschluss des erster en be-
zeichnet wurde, ergaben sich wesentliche Differenzen, Ostein suchte neuer-
dings die Summe, die Georg IL für die Überlassung der loooo Mann
forderte, her abzudrücken, und bestand darauf, dass die Truppen Anfang
») Berichte vom 16, und 16. Mai 1741. St-A. Dem letzteren liegen die
^ Vertragsprojekte bei.
cyo 1741 Juni 24.
Juni marschbereit sein sollten, fand aber auch bei diesen Fragen kein Ent-
gegenkommen, Selbst bezüglich des dritten Vertrages, obgleich derselbe
nur die Verwendung und deti Unterhalt der gesamten Hilfstruppen regeln
sollte, war eine volle Einigung vorerst nicht :(ii erzielen. So kam es, dass
Georg IL nach Hannover reiste, bevor noch die Verträge unterzeichnet
waren. Ostein war ihm dahin gefolgt, um die Verhandlungen ^n Ende
^u führen, sobald ihn die entsprechende Weisung seiner Regierung
^kommen würde. Gegen Mitte des Monates Juni war sie in seinen
Händen, Sie enthielt die Mitteilung, dass man ihm schon am p, Mai,
also lange vor dem Einlangen der Projekte Georgs U,, die Ermächtig
gung erteilt habe , den grössten Teil der vom englischen Parlamente
bewilligten Subsidien „in die hannover sehen Kassen einfliessen ^ las-
scn^% wenn nur dadurch die wirkliche Hilfeleistung wider Preussen ge-
sichert und gefördert werde, „dann ja ohnmöglich an uns verlangt wer-
den kann, dass uns zugleich die Hülfe ermanglen und dann och unter deren
scheinbaren Vorwand das Geld entgehen solle,'^ In diesem Sinne habe man
schon im Mai die Befugnis für Maria Theresia gefordert, die Truppen
nach Umständen {u ihrem Dienst und f//r Verteidigung ihrer Erbländer
frei 3{U gebrauchen. Mit Befremden habe man nun bemerkt, dass „ob-
gleich sowohl die französische Convention als deutsche Nebenconvention
nach der Sachen selbstredender Natur eine Folge derer Massnehmungen
wider Preussen sein sollten, dannoch dieser Massnehmungen specißce nicht
gedacht, vielmehr das, was erst nach derer Festsetzung ^u verabreden
wäre, andererseits vorausgesetzt werden wolle. ^'^) Ostein erhielt nunmehr
die strikte Weisung, z}i betonen.^ dass Maria Tlieresia den Marsch der
hannover anischen Truppen gegen Preussen >{w beschleunigen wünsche
und nur um dieses Zweckes willen bereit sei so beträchtliche Summen
— Ostein hatte die Ermächtigung, wenn es nicht möglich sein sollte
die Forderung der Hannoveraner auf jßo.ooo Pfund herab{udrücken ,
auch 200,000 Pfund {U bieten — ^u opfern. Im übrigen erhielt er
den Befehl, auf der Aufnahme des von ihm vorgeschlagenen Zusatz-
artikels >{//w englisch-österreichischen Vertrage, der ^wr Vermeidung
eines Konfliktes mit Frankreich dienen sollte, z^^ bestehen, die Zahlungs-
termine so eng als möglich festzusetzen und die Unterzeichnung dieses
Vertrages nur -{« gleicher Zeit oder nach erfolgter Unterfertigung der
österreich-hannover scheu Konvention vorzunehmen.
Es wurde Ostein nicht leicht den Befehlen seiner Regierung nach-
zukommen. Erst nach langen Bemühungen gelang es ihm und seinem
') Weisung ä, d. 5. ///;;/ 1741 an Ostein St.-A.
1741 Juni 24. cji
für die Ordnung der deutschen Angelegenheiten mitbeglaubigten Kol-
legen, Jaxheim, Georg IL ^w dem Versprechen :{U vermögen, dass die
Operationen einen Monat nach erfolgter Unterzeichnung des Vertrages
heginnen sollten. Die grössten Schwierigkeiten ergaben sich aber, als
die Vertreter Maria Theresia' s die von Ostein schon in London ge-
stellte Forderung erneuerten, es möge in dem deutschen Vertrage aus-
drücklich die Verwendung der hannoveranischen Truppen gegen Preussen
hervorgehoben werden. Denn da^u wollte sich Georg IL, nicht ver-
stehen; einerseits weil er noch immer mit Friedrich LL. verhandelte
und denselben hindern wollte, sich in die Arme der Franzosen {u
werfen ; anderseits aber weil er die Empörung seiner englischen Unter-
tanen fürchtete, deren Abneigung gegen einen j^u Gnnsten Hannovers
geführten Krieg mit Preussen er ^ur Genüge kannte. Erst im letzten
Momente einigte man sich über eine Fassung, die in ihrer Unbestimmt-
heit ,ydas Hilfscorps solle verwendet werden, wo es am passendsten
sein werde'' , den Wünschen beider Parteien wenigstens halbwegs ent-
sprach.
Zu gleicher Zeit, da Ostein im Vereine mit seinem Kollegen
Jaxheim diese heftigen Kämpfe mit den deutschen Vertretern Georgs IL
bestand, hatte er mit dessen englischem Minister, Lord Harrington, rege
Debatten über den Abschluss des englisch-österreichischen Hauptver-
trages geführt. Denn auch hier verlief die Sache nicjft so glatt, wie
man gehofft hatte. Zwar stand Harrington von seiner Forderung
ab, dass Maria Theresia die nach Befriedigung Georgs LL, als Kur-
fürsten erübrigenden 100.000 Pfund in England lassen möge, damit
das Geld im Laufe des Jahres von dort aus im Dienste der gemein-
samen Sache verwendet würde, als Ostein nachwies, wie sehr Maria
Theresia dieses Geld :{ur Bestreitung der dringendsten Bedürfnisse be-
nötige ; und Ostein gab sich seinerseits damit \ufrieden, dass die Aus-
pfählung der englischen Subsidien vierteljährig, vom letzten April IJ41
an gerechnet, erfolgen sollte. Aber ungemein erregt wurden die Ver-
handlungen, als Ostein auf der Einrückung des Artikels bestand^ wel-
cher die Exempiion der im Jahre ijßS von Österreich abgetretenen
Gebiete von der Garantie bestimmen und damit jeden Verdacht besei-
tigen sollte, als gebe Österreich im gegenwärtigen Momente seine Ein-
willigung {ur Verletzung seines im Jahre lyjS mit Frankreich ge-
schlossenen Friedens, Harrington weigerte sich auf das entschiedenste,
die von Ostein vorgeschlagene Bestimmung in den Vertrag aufzunehmen,
betonte, dass die von ihm vorgelegte Fassung die Zustimmung des eng-
lischen Conseils erhalten habe, dass er ohne vorherige Mitteilung an
^'j2 1741 Juni 24.
dieses eine so wesentliche Änderung nicht vornehmen könnte tind gab
{u bedenken, dass die Folgen der dadurch hervorgerufenen Ver:{ögerung
für Osterreich verhängnisvoll werden könnten. Ostein aber, der sehr
wohl wusste , wie viel Georg IL an den ihm durch den Nebenver-
trag {ugewiesenen 200,000 Pfund lag, erklärte noch am 24. Juni^ von
seinem Vorhaben nicht abstehen j[n können/ die Verantwortung für
alles, was daraus entstehen sollte, werde Harrington {7i tragen haben.
Zugleich verständigte er die deutschen Minister Georgs IL davon, dass
die für diesen Abend geplante Un1er:{eichnung der Nebenkonvention
unterbleiben müsse. Das wirkte, Harrington, der Ostein um j Uhr
Nachmittag mit der Bemerkung verlassen hatte, Maria Theresia werde
auf die J00.000 Pfund St. vernichten müssen, erschien bald darauf fnit
einem der deutschen Minister Georgs IL bei Ostein und stellte an diesen
die Frage^ ob er dabei beharre, nur bei Aufnahme des erwähnten Ar-
tikels alle ) Verträge {u unter :{e lehnen. Ostein bejahte die Frage. Dar-
auf erklärte Harrington seinen Widerstand auf :{ii geben, nicht ohne j^a
betonen, dass Maria Theresia sich dadurch die Hoffnung verscherzte,
die verlorenen italienischen Besitiufigen wiederiugewinnen. Noch am
selben Abend :{wischen p und 10 Uhr wurden die ) Verträge unier-
zeichnet, ^)
') Bericht Osteins J, d, 2y, Juni 1741 * St,'A. (Hannover). Der Inhalt der
Nebenkonvention d, d, Hannover 17 41 Juni 24 ist folgender: Es wurde beschlos-
sen, neben der Hauptkonvention \wischen Maria Theresia und Georg IL als König
von Grossbritannien, eine Nebenkonvention :{wischen Maria Theresia und Georg II,
als Kurfürsten von Braunschxveig-Lüneburg einnagelten^ wo{u seitens der ersteren
Heinrich Karl Graf von Ostein, seitens des letzteren Wilhelm Sigmund Frei-
Iwrr von Jaxheim, Gerlach Adolph von Miinchhausen, Ernst von Steinberg und
Otto Christian von Lentlie als Bevollmächtigte bestimmt un4rden. Dieselben haben
folgende Artikel vereinbart:
I. Georg II. überlässt Maria Theresia ein Corps von loooo Mann —
6000 Mann Infanterie und 4001) Mann Cavallerie — das 4 Wochen nach Un-
terzeichnung dieser Konvention der Königin von Ungarn und Böhmen {ur Ver-
fügung stehen soll, „um es dahin ^ wo es am nützlichsten ist, {u empiqyiren/*
II. Für die Unterhaltung dieses Corps bis letzten April 1742 z^ihlt Maria
Theresia die Summe von 200.000 Pfund St. und vergütet überdies, was an Mann-
schaft und Pferden vor dem Feinde bleiben sollte, nach dem Werte, wie England
den dänischen und hessischen Truppen dergleichen Abgang ersetzt.
III. Als Kurfürst von Braunschweig-Lüneburg stellt Georg IL auf eigene
Kosten überdies yooo Mann Infanterie \u gleicher Zeit und {u gleichem Zwecke.
IV. Der Nebrnvertrag soll gleiche Verbindlichkeit haben wie der am selben
Tage geschlossene Hauptvertrag und \u gleicher Zeit ratifi\irt, die Ratifikationen
längstens innerhalb 14 lagen ausgewechselt werden.
1741 ^uni 24. c<yä
Die Ratifikationen derselben sollten spätestens innerhalb dreier
Wochen in Hannover ausgewechselt werden; aber nur der englisch-
österreichische Hauptvertrag wttrde beiderseits ratifiziert. ^) Als näm-
lich die von Maria Theresia ratifizierten Nebenkonventionen in Hannover
eintrafen^ hatte die kriegslustige Stimmung, die Georg //. noch Ende
Juni gezeigt, anderen Erwägungen Plat^ gemacht. Die hannoveranischen
Minister erklärten jetzt, ihr Herr werde im Hinblicke auf Frankreichs
drohende Haltung einen grossen Teil der Truppen, die er der öster-
reichischen Herrscherin habe z}ir Verfügung stellen wollen, -^fiw Schutze
seines eigenen Landes verwenden müssen. Alle Bemühungen der öster-
reichischen Gesandten, Georg //. umzustimmen, blieben erfolglos ; er
Hess ihnen vielmehr am 2). Juli eine Erklärung -^«5/^//^«, in der er
den beiden von ihm als Kurfürsten von Hannover abgeschlossenen Ver-
Der erste geheime Separatartikel betrifft die Art der Ausfolgung der
200.000 Pfund St an die da\u von Georg IL bevollmächtigte Person ; der z^oeite
lerfügt, dass äas gesamte Atixiliarcorps der deutschen Truppen Georgs IL nir-
gends anders als in Deutschland dienen soll.
In einer weiteren von denselben Bevollmächtigten unterzeichneten Separat-
konvention de eodem die wird bezüglich dieser Truppen verfügt: I) Diese sämt-
lichen Truppen sollen bei „Partheyen, Convoyen und Wachten'* den Truppen
Maria Theresia* s gleichgehalten y weder gan\ noch zum Teil in Festungen gelegt
und nicht mehr exponiri und fatigirt werden als die Truppen Maria Theresia* s,
II) Die Justiz übt — gewisse nach Kriegsgebrauch ausgenommene Fälle abgerechnet
— der von Georg IL ernannte commandirende General dieses Corps, III) Die-
ser wird allen Beratungen, die sein Corps betreffen, beige\ogen. Wird Kriegsrat
gehalten y so sollen alle bei diesen Truppen befindlichen grossbritannischen und
braunschweigischen Generäle :[uge\ogen werden, wenn andere in gleichem
Character dienende Generäle da\u berufen werden, IVj Die beim Corps stehen-
den Officiere sollen nach ihrer Anciennetät dienen und dem gan^^en Corps das
gegeben werden, was anderen königlichen Truppen zugestanden wird, V) Maria
Theresia verspricht dem Corps nötigenfalls Brod und Fourage gegen billige und
bare Be^^ahlung auf Verlangen \u reichen. VI. Georg IL sorgt für die not-
wendigen Feld- oder Regimentsstücke, VII) Die für den Marsch dieses Corps
notwendigen Requisitorialschreiben besorgt Maria Theresia, VIIL Sowohl die ßooo
als die loooo Mann, die Georg IL stellt, sollen in dem Genuss der Winterquar-
tiere den Truppen Maria Theresia' s gleichgestellt sein, sofern die Winterquartiere
ausserhalb der Länder Maria Theresia's genommen werden. Findet dies aber
nicht statt und gibt Maria Theresia üinen nicht Quartiere in Utren Ländern, so
soll den Truppen Georgs IL die Rückkehr in ihre Standquartiere in den deut-
s. hen Ländern Georgs IL \u einer entsprechend frühen 2^it gestattet werden,
IX, Wird Georg IL in seinen eigenen deutschen Gebieten angegriffen, dann
kann er die ^000 Mann, die er als Reichsfürst stellt, sofort zurückfordern,
0 Von England am ly.jaS, Juni ^u Herrenhausen ; von Maria Theresia
\u Pressburg ), Juli,
tnj^ 1741 Juni 24.
trägen die Ratifikation verweigerte; und einige Zeit später , erschreckt
durch die Annäherung eines französischen Armeekorps^ sprach er sogar
Maria Theresia' s Gegnern gegenüber seine Geneigtheit aus, neutral jf«
bleiben, der österreichischen Herrscherin keine Hilfe j^m leisten und
dem Kurfürsten von Baiern seine Stimme bei der Kaiserwahl ^u geben, ^)
Da die Nebenkonvention ihre Geltung nicht erlangte, hätten der öster-
reichischen Herrscherin die ihr kraft des Hauptvertrages ^zugewiesenen
ßoo,ooo Pfund St ohne AS{ug ausgezahlt werden sollen ; allein Georg //.
forderte und erhielt als Entschädigung für Auslagen, die er im In-
teresse Maria Theresia" s in Deutschland gehabt, die Summe von ^oqoo
Pfund, und behielt überdies 2^000 Pfund {xir Begleichung des um
diese Zeit fälligen Teiles eines noch von Karl VI. in England kon-
trahierten Darlehens auf die ungarischen Kupferbergwerke ^zurück,
und verzögerte die Auszahlung der übrigbleibenden Summe so lang
als möglich.^)
Soit notoire ä tous ceux ä qui il pourra appartenir. Comme
il a Stö convenu par 1' article second du trait^ conclu le vingt-
ieme de Fevrier de Tannee 1732 ä la Haye entre feue sa Mte
Imple et catholique et sa Mte britannique et L. H. P. les etats
generaux des provinces unies des Pais-Bas que, pour remplir
les garanties reciproques qui se trouvent stipulöes par le traitö
anterieur de Tann^e 1731 ä Vienne, leurs Mtes Imple et britan-
nique s' entre-donneroient, le cas existant, un secours chacun de
douze mille hommes, et comme apres la mort de sa dite Mt^
Imple et catholique de glorieuse memoire sa Mte la reine d*Hon-
grie et de Boheme etc., se trouvant attaqu^e dans la possession
de quelques-uns de ses etats et ayant des craintes et appre-
hensions bien fondees par rapport ä la conduite de certaines
autres puissances, a requis par la maniere preschte par les dits
traites le secours susmentionne de douze mille hommes de la
0 Arneth 1. c. IL 59, Grün/tagen i. c, IL i<)4.
*) Vgl. Arneth /. c. IL 60 und ^79 (Arneih erwähnt l. e. 60, dass über-
dies 1)000 Pfund abge\ogen worden sind) und die Ausführungen bei Grünhagrn
L c. 414 //. Anm, In den letzten Regierungsjahren Karls VI. — von 7775 an —
sind mehrere Anleihen österreichischerseits in England aufgenommen worden ;
die darauf be{üglichen Abmachungen befinden sich im St,-A, In die vorliegende
Publikation konfiten dieselben aber nicht aufgenommen werden, da die Verträge
wohl mit Genehmigung des englischen Königs, aber nicht mit ihm, sondern mit
englischen Privatpersonen geschlossen worden sind.
i74i Juni 14. tnt
part de sa Mt^ britannique, k quoi sa dite Mt^ a promis le plus
amiablement de vouloir satisfaire aussitot qu'il seroit possible,
en faisant marcher sans perte de tßms pour la defense de sa
dite M^^ la reine un corps de six mille hommes de troupes
danoises, et un autre corps de six mille hommes de troupes
hessoises lesquels sa Mte britannique a actuellement pris
a sa paye pour cet effet; et comme il a &t6 stipulö en outre
par le dit traitö de 1732 que lorsque les secours susmentionn^s
de douze mille hommes ne se trouveroient pas suffisants, vü
r exigence du cas, les parties contractantes convieifdroient inces-
samment d*une assistance plus considerable; et le comte d'O-
stein, ministre plenipotentiaire de sa Mt^ la reine d'Hongrie,
ayant representö h sa Mt^ britannique que le cas, dont il est
fait mention la dedans, existoit actuellement, et ayant en con-
sequence demand^ un plus ample secours selon le trait^, et
le dit ministre ayant en meme tdms representö que le plus sür
moyen de secourir ulterieurement la reine sa maitresse seroit,
si sa Mt^ britannique vouloit bien foumir k sa dite Mt^ une
somme d'argent pour luy aider k augmenter son armöe; et
comme il a plü ä sa Mt^ britannique d'ecouter favorablement
cette demande, on a jugö necessaire qu'il fut fiait incessamment
une Convention lä dessus entre les deux hautes parties susdites ;
et pour cet effet leurs dites Mt^s ont trouv^ convenable de mu-
nir de leurs pleinpouvoirs leurs ministres respectifs; savoir sa
Mt^ la reine d'Hongrie et de Boheme a nomm^ le dit comte
d' Ostein, son ministre plenipotentiaire aupres de sa Mt^ bri-
tannique , et sa Mte britannique son ministre et secretaire d' etat
le baron de Harrington, un des seigneurs justiciers de son roy-
aume de la Grande-Bretagne et son conseiller privö lesquels,
ayant conferö ensemble sur cette affaire, sont convenus en
vertu de leurs pleinpouvoirs des articles suivans.
I.
Sa Mte la reine d' Hongrie et de Boheme et sa Mte le roy
de la Grande-Bretagne renouvellent reciproquement les enga-
gemens contractös par le traitö d'alliance du seizieme Mars
1731 et de Tacte d'accession du vingtieme Fevrier 1732;*) en
•) NiJch dem früheren Entwürfe Osteins hatte es hier Jteissen sollen „re-
nonvellent reciproquement les engagements de taus les tfait^s anterieurs et noinmi*
576 »741 Juni 24.
exceptant neantmoins des dits engagemens ainsi renouvell^s les
etats ced^s ä d'autres puissances par le dernier traitö de paix
conclu avec la France auquel leur intention n'est pas de don-
ner atteinte.
n.
Sa Mt^ le roy de la Grande-Bretragne promet de payer
dans Tespace d'un an, ä commencer du 19^/30 du mois d'Avril
1741, par quartier dans la ville de Londres ou dans celle d' Am-
sterdam, au choix de sa dite Mte britannique, la somme de
trois cens mille livres Sterling [le livre Sterling devant ßtre
evalu^ dans ce demier cas ä dix florins, dix sous de la Hol-
lande] entre les mains de la personne ou des personnes, au-
toris^es par sa Mte la reine d' Hongrie k la recevoir, sa Mt^ bri-
tannique etant assuröe authentiquement de la part de sa dite
Mt^ hongroise qu'elle employera veritablement cet argent, ou
pour la lev6e de nouvelles troupes pour T augmentation de
son arm^e, ou bien pour la paye des troupes etrangeres qu' eile
prendra incessamment ä sa solde.
m.
Sa Mte la reine de Hongrie, reconnoissant le procedö
amiable de sa Mte' britannique en ce qui est stipulö de sa part
par le precedent article, promet et s' engage de la maniere la plus
religieuse qu'elle n' employera la dite somme de trois cens
mille livres Sterling en tout ou en partie qu'ä Tun ou Tautre
de ces deux usages dont il est parie dans le dit article precedent.
IV.
Ce trait(J demeurera secret jusques ä ce que les hautes
parties contractantes en conviendront autrement.
V.
Ce traite sera ratifiö et les ratifications en seront echan-
gces dans Tespace de trois semaines ä Hanovre ou plütöt si
faire sc peut.
En foy de quoi nous soussignes, munis des pleinpouvoirs
de sa Mte la reine de Hongrie et de Boheme et de sa Mte' le
metit cchi/* etc.; doch wurde die Anfühning der vor ly^i geschlossenen Ver-
träge im let\ten Momente fallen gelassen.
1742 Juli 6. :zn'J
roy de la Grande-Bretagne, avons signe le present es dits noms
et y avons fait apposer les cachets de nos armes. Fait ä Ha-
novre le tresieme/vingtquatrieme jour de Juin, Tan de grace
mil sept Cent quarante un.
L. S. Henry Charles comte d' Ostein. L. S. Harrington.
35.
Suhsiilicuvcrtrag ^^wischcn Maria Theresia wid Georg II. J, J,
Whitchall 1^42 Juni 2^\Juli 6.
Rat. Georgs IL d. d. Kensington 1^42 Juli }o\ August 10; Maria
Theresia* s d, d. Wien 1742 Juli ij.
Die Originale des Vertrages im St,-A. und R. O. , das Or. der öster-
reichischen Ratifikation im R, O,, jenes der englischen Ratifikation im St.-A.
Maria Theresia hatte mehr als einen Grund, Georg IL ob seines
Verhaltens in der ^weiten Hälfte des Jahres 1741 {U {Urnen, Als
Kurfürst von Hannover, wie als König von England hatte er die Hoff-
nungen nicht erjiillt , die {u hegen er der jungen Herrscherin in der
ersten Hälfte des Jahres Anlass gegeben. Seine Weigerung, die beiden
Verträge vom 24. Juni {// ratifizieren, die er als Kurfürst von Han-
nover unterzeichnet hatte, bedeutete einen furchtbaren Schlag für Maria
Theresia. An die Durchführung ihrer gegen Friedrich IL gerichteten
Pläne war ohne die Mitwirkung Georgs nicht ^u denken. Auch bot des-
sen Vorgehen dem sächsischen Hofe den erwünschten Vorwand, sich von
Osterreich abzuwenden und am ip. September 1741 dem Nymphenburger
Vertrage, den die Feinde Maria Theresia' s geschlossen hatten, beizutreten.
Wenige Tage später — 2J, Sept, IJ41 — unterzeichneten die hanno-
ve r an i sehen Minister Georgs IL die Deklaration, durch die sich dieser
— als Kurfürst — verpflichtete, der österreichischen Herrscherin
weder Beistand z^^ leisten, noch sich den Unternehmungen des Königs
von Preussen, des Kurfürsten von Baiern und dessen Alliierten j^«
widersetzen, sowie Karl Albert seine Stimme bei der Kaiserwahl .{w
geben. Und das geschah {//r Zeit, da das bairisch- französische Heer
Lin{ einnahm, da sich Karl Albert von den österreichischen Ständen
huldigen Hess und seinen Zug gegen Wien ankündigte,
Maria Theresia sah sich in die peinlichste Situation versetzt.
Um {// retten, was möglich war, schloss sie unter Englands Vermiii-
österreichisch-englische Staatsverträge. Bd. 1. 37
^yÖ '74* J"H 6.
/w«^ — p, Okt. 1741 — in dem Schlosse Kleinschnellendorf ein Ab-
kommen mit Friedrich IL^ demzufolge dieser gegen Abtretung Nieder-
Schlesiens von weiteren Angriffen auf Osterreich abzustehen versprach.
Während aber die österreichische Herrscherin die dadurch frei gewor-
denen Kräfte {H/n Schutze Wiens herbeirief, hatte sich das bairisch-
französische Heer nach Böhmen gewendet und Prag eingenommen. Karl
Albert Hess sich — De^, 1741 — ^«/;/ Könige von Böhmen ausrufen
und huldigen ; am 24. Januar 1742 erfolgte seine Wahl {um Kaiser.
Die Erfolge der Franzosen und Baiern Hessen Friedrich IL nicht ruhen.
Ohne Rücksicht auf das zn Kleinschnellendorf unterzeichnete Abkommen
trat er dem Teilungsbündnisse bei, das Sachsen und Baiem auf Kosten
Österreichs vereinbart hatten ^ schloss mit Baiern einen besonderen Vertrag y
und begann im Dez* ^74^ ^^^^ neuem den Kampf mit Osterreich. Ver-
gebens hatte Maria TItcresia während dieser Zeit die Hilfe Georgs IL an-
gerufen. Er hatte auf all ihre Bitten um Unterstützung nur eine Ant-
wort: sie möge sich, koste es was es wolle ^ mit dem Preussenkönige
vergleichen. Aber nicht nur in seiner Eigenschaft als Kurfürst von
Hannover^ auch als König von England z^igl^ Georg IL geringe Nei-
gung, die Interessen Maria Theresia' s z^i fördern. Es wurde bereits
erwähnt, dass er ihr unter eigentümlichen Vorwänden ein Viertel der
ihr vom Parlamente bewilligten Subsidien entzog und in der Auszah-
lung des Restes sich so säumig z^^S^^> ^^^^^ ^^^ kaiserliche Gesandte
wiederholt um die Einhaltung der festgesetzten Termine petitionieren
musste. Die 12000 Mann dänischer und hesscn-kasser scher Truppen,
die er bereits im Frühjahre marschbereit gehalten und -{« deren Be-
soldung das Parlament 200.000 Pfund St, bewilligt hatte, waren nicht
in Aktion getreten. Und auch als König von England forderte er von
Mitria Theresia ununterbrochen Nachgiebigkeit und Opferwilligkeit im
Interesse der allgemeinen Sache und wurde nicht müde z'i betonen,
dass der Ausgleich mit Friedrich II, die unerlässliche Voraussetzung
für einen erfolgreichen Kampf gegen die bourbonischen Höfe sei.
Wie bitter die österreichische Herrscherin das Verhalten Georgs II.
empfand, beweisen zahlreiche Aussprüche , die sie damals getan, die
Weisungen, die Graf Kinsky , ihr Vertreter am englichen Hofe, er-
hielt und die Instruktion, die sie Ende des fahr es IJ41 für Ignaz von
Wasner ausarbeiten Hess. Allein was halfen all die Klagen und Vor-
würfe. Maria Theresia konnte in diesem Augenblicke, wo sie ;[///;/ ener-
gischen Schlage gegen ihre vielen Feinde ausholte, die Unterstützung
Georgs II. nicht entbehren; sie musste den Groll, den sie empfand,
verhehlen und von neuem an ihn mit der Bitte herantreten, sie in dem
1742 Juli 6. 5.7g
schweren Kampfe^ den sie für ihre Existen^ und damit auch für die
Erhaltung des europäischen Gleichgewichtes führte, nicht :(u verlassen.
Zu Beginn des Jahres 1742 erhielt Wasner den Befehl y als Entschä-
digung für die nicht erfolgte Hilfeleistung im Jahre 1741, {u der die
Engländer vertragsmässig verpflichtet gewesen wären, 2,800.000 hol-
ländische Gulden, überdies aber eine den Verhältnissen entsprechende
Unterstützung für das laufende Jahr {u fordern. Mit Recht betonte
Maria Theresia, dass der in den Bündnissen von lyßl und 17^2 vor-
gesehene Fall ,, entweder dermalen vorhanden sei, oder er kann in Ewig-
keit sich nicht ereignen,^' Wasner habe darauf ^« beharren, dass Eng-
land den Österreichern mit ganzer Kraft beistehe, oder den Krieg an
Frankreich und dessen Bundesgenossen erkläre, Maria Theresia sei
bereit, {ur Ordnung der Kriegsvorbereitungen auf Wunsch der Eng-
länder einen erprobten General nach London, oder wohin es Georg IL
zweckmässig scheinen sollte, {u senden; im übrigen bedürfe sie, ,,um
die auf den Beinen habende Kriegsmacht {u unterhalten, {u recrutiren
und -{// ermuntern*^ , eine ausgiebige Gddhilfe, die jedenfalls nicht hin-
ter der des Vorjahres zurückbleiben dürfe,^) Es ist nicht anzunehmen,
dass die österreichische Regierung damit gerechnet hat, ihre Forde-
rungen in Gän{e durchzusetzen. Man hatte j[« oft Gelegenheit gehabt,
sich davon <f// überzeugen, dass von dem Ministerium Walpole ein rück-
haltloses Eintreten -{// Gunsten Maria Theresid's nicht ;f// erwarten
sei, als dass man sich derartigen Hoffnungen hätte hingeben können.
Man war daher auch nicht überrascht, als die ersten Berichte
Wasner s nicht sonderlich günstig lauteten, als die englischen Minister
geringe Neigung z^^^l^^h '^^'^ Krieg an Frankreich j^« erklären, die
Schuld an der nicht erfolgten Teilnahme der 12000 Mann, die Eng-
land hätte stellen sollen, dem Wiener Hofe beimassen und bezüglich
der Geldsubsidien keine bindenden Erklärungen abgeben wollten, ^) Um
so freudiger berührte daher die Mitte Februar 1742 in Wien einge-
troffene Mitteilung vom Sturze dieses Ministeriums und von der Er-
set{ung desselben durch ein anderes, unter dessen Mitgliedern Lord
Carteret eine massgebende Stellung bekleidete, jener Carteret, der so
oft im Parlamente erklärt hatte, dass Englands Wohlfahrt die Auf-
rechthaltung des Hauses Österreich fordere.^)
') Weisung d, d, 10. Jan, 1742, St-A,
*) Berichte Wasners vom Jan. 1742 und Weisung d, d, 12, Febr, 1742,
St.-A,
^) Vgl, Arneth I, c, IL 62 und neuerdings Ballantyne Lord Carteret Lon-
don jS(j7 p, 2ß8 ff,
37*
580 »74^ Juli 6.
In der Tai geigte sich alsbald ein erfreulicher Wechsel in der
Haltung des englischen Ministeriums. Dasselbe bewies aufrichtige Nei-
gung, Maria Theresia {u Hilfe {u eilen, und wenn auch die ersten
Massnahmen, die getroffen wurden, den hohen Erwartungen nicht ent-
sprachen, die man in Wien hegte, wenn auch die englische Regierung
noch immer den Standpunkt vertrat, dass Österreich den Ausgleich mit
Preussen, auch unter Opfern, erstreben müsse, wenn man somit nach
wie vor in England das eigene Interesse in den Vordergrund stellte,
so Hessen doch die Verhandlungen des Parlamentes und die Erklä-
rungen Carterets und seiner Kollegen keinen Zweifel darüber auf-
kommen, dass man Maria Tfieresia nicht fallen lassen, sie vielmehr
gegen all^uweitgehende Verluste schütten wolle. Die grossen Erfolge,
die seitens der im Interesse Maria Theresia' s kämpfenden Feldherren
gerade ^u dieser Zeit in Oberösterreich und Baiern erhielt wurden,
trugen da^u bei, die günstige Stimmung der englischen Bevölkerung
für Österreich und die Erbitterung gegen das immer gewalttätiger vor-
gehende Frankreich :(u steig er ßi. Am 2j. Mär^ 1^42 richtete das Un-
terhaus eine Adresse an den König, in der die Gefahr erörtert wurde,
die gan:^ Europa von den Gegnern Maria Tfieresia' s drohe , in der
aber auch auf die Erfolge, die sie erreicht hatte, hingewiesen und dem
Gedanken Ausdruck verliehen wurde, dass durch eine rechtzeitige und
entsprecheftde Unterstützung dieser Herrscherin seitens jener Mächte,
die da^u durch Verträge und im eigenen Interesse verpflichtet seien,
das Gleichgewicht und die Ruhe Europa's wieder hergestellt werden
könnte. Das Oberhaus folgte mit einer ähnlichen Erklärung, Bald dar-
auf — am Iß. April IJ42 — votierte das Unterhaus ^u Gunsten
Maria Theresia's eine Subsidie von ßoo.ooo Pfund St,
Die Wiener Regierung hatte mit grösster Spannung der Entscheidung
des englischen Parlamentes und Ministeriums entgegengesehen. Schon yju
Beginn des Monates Mär^ hatte sie Wasner in Kenntjiis gesetzt, dass
die ^ur Verfügung stehenden Mittel erschöpft, dass {ur Erhaltung der in
Böhmen s'ehenden Truppen eine schleunige und ausgiebige Unterstützung
seitens der Engländer dringend geboten sei, ^) Als gegen Ende des Monates
Märi auf privatem Wege die Nachricht in Wien eintraf, das Parlament
wolle 600.000 Pfund St. bewilligen, erregte dies hier die hellste Freude ;
doch wurde auch jet^t betont, dass nur eine schleunige Geldsendung
Rettung bringen könnte und Wasner der strikte Befehl erteilt, in diesem
M Weisung d, d, 7. M:ir\ 1742, St-A.
1742 Juli 6. 581
Sinne {u wirkend) Einen Monat später war der Wiener Hof im Be-
sitze der Mitteilung y dass die vom englischen Parlamente votierte Sub-
sidie ßoo.ooo P/und St. betrage,^) Zu gleicher Zeit langte auch die
Meldung ein^ dass der Hass der Engländer gegen Frankreich
und ihr Mitleid mit Maria Theresia ^u einem öffentlichen Aufrufe
Veranlassung gegeben hätten, durch den alle Bewohner des Landes, ^u-
mal die Frauen, aufgefordert wurden, der jungen Herrscherin eine Geld-
summe {ur Verteidigung ihrer gerechten Sache ^^ur Verfügung ^u stellen.
Der Wiener Hof nahm dankend von beiden Nachrichten Kenntnis,
forderte aber Wasner von neuem auf, die Übersendung des Geldes,
wenigstens die eines Teiles^ ^i beschleunigen,^) Allein bald sollte sich
{eigen, dass die Gegenströmung, die in früheren Jahren jede energische
Unterstützung Maria Theresia s verhindert hatte, noch bestand und dass
Georg //. auch jet^t nicht mit ganzer Kraft ^u Gunsten Maria The-
resia s eintreten wollte. Der Aufruf ^u einer freiwilligen Hilfe für
die österreichische Herrscherin erregte das Missfallen des englischen
Hofes^) und führte, da die massgebenden Kreise demselben keine Folge
leisteten, {u keinem Ergebnisse, Statt einer weit höheren :^uge sagten
Truppen:{ahl wurden Ende April nur 16000 Mann nach den Nieder-
landen dirigiert und {u gleicher Zeit erklärte Carteret, da das Par-
lament die ^oojooo Pfutid St. m dem Zwecke bewilligt habe, „die Kö-
nigin von Ungarn ^u unterstützen und Allianzen ab^uschliessen^^ habe
sich Georg IL entschlossen, von dieser Summe dem Könige von Sar-
dinien für seine Hilfeleistung gegen die Bourbonen 200,000, der öster-
reichischen Herrscherin ßoo.ooo Pfund St, ^ur Verfügung {u stellen,^)
Vergebens betonte Wasner, dass eine derartige Auslegung der parla-
mentarischen Erklärung unstatthaft sei ; dass kein Zweifel darüber be-
stehen könne, dass die Vertreter des englischen Volkes die gan{e Summe
seiner Herrscherin {ugedacht hätten/ Carteret blieb dabei, dass man
nur unter der Voraussetzung der gleichzeitigen Unterstützung des Sa-
voyers eine so hohe Summe bewilligt habe.^) Und ebenso vergebens war
es, dass die Wiefter Regierung, sobald sie von dieser Absicht des eng-
lischen Ministeriums Kenntnis erhielt, Robinson von der Notwendigkeit
ZU überz^^igcn suchte, die ^m ihrer Rettung festgesetzte Summe unge-
*) Weisung d, J, ji, Mär{ 1742, St,-A,
») Weisung d, d, ^o, April 1742, St,-A,
'') Weisung d, d. p. und 21, Mai 1742, St-A,
*) Vgl. die Berichte Wasners vom April und Mai 1742. St,-A,
*) Bericht Wasners d. d, 20. April 1742, St,-A,
") Berichte Wasners d, d, 20. und ^7. April 1742, St.-A.
582 '742 Juli 6.
schmälert ^ti übersenden,^) Die englischen Minister blieben bei ihrer
Ansicht , übermittelten liem finanziell arg bedrängten Wiener Hofe
1^0,000 Pfund St. als erste Hälfte der bewilligten Subsidie und /or-
derten Wasner {ur Unterzeichnung eines von ihnen entworfenen Ver-
trages aufy durch den die Angelegenheit ihren definitiven Abschluss
finden und nach dessen Unterzeichnung die :;weite Hälfte der Subsidie
sofort erlegt werden sollte,
Wasner entschloss sich, obgleich er nicht im Besitze einer Voll-
macht {ur Unterzeichnung eines Vertrages war, auf den Vorschlag der
Engländer einzugehen. Zu Beginn des Monates Juli wurde ihm der
Entwurf überreicht. Er fand den dritten- Artikel desselben bedenklich,
Maria Theresia sollte sich durch denselben verpflichten, mit ihren
Feinden keinen Vertrag einzugehen,, ohne den König von England und
Kurfürsten von Hannover, sowie Russland und die Generalstaaten in
denselben einznschliessen, Wasner machte Carteret darauf atifmerksapn,
dass seine Herrscherin sich ^«r Aufnahme eines solchen Artikels wohl
nur dann verstehen werde, wenn auch die Verbündeten ^«r strikten
Einhaltung der übernommenen Leistungen im Vertrage verpflichtet wür-
den. In diesem Sinne verfasste er einen Zusatz -{"/w dritten Artikel.^)
Lange sträubten sich die englischen Minister ihre Einwilligung z'*^
Aufnahme desselben -f« geben. Erst als Wasner betonte, dass er
den Widerstand der Engländer nur in dem Sinne deuten könne, als
wollten sie den fortwährenden Versicherungen z}^wider die übernom-
menen Verpflichtungen nicht erfüllen und die Erklärung abgab, ohne
diesen Zusatz den Vertrag nicht unterzeichnen {u können, gaben seine
Gegner nach,'^) Am 6, fuli n, st. wurde der Vertrag unterfertigt , bald
darauf die rückständige Hälfte der Subsidie dem österreichischen Hof
übermittelt. Dieser erteilte alsbald Wasner die Indemnität für die ohne
vorherige Vollmacht vollzogene Unterfertigung des Vertrages und über-
sandte die verlangte Ratifikation.^)
'; Weisung d. J. 21. Mai und 12, Juni 17^2. St.-A.
*) Dieser Zusat^ lautete nach Wasners VorscItLur: bien eutendu, que /es
liites puissaneeSf nommement le roy d* Angleterre, remplissent fidelement de Icur
cote les engagements contractes par /es traites qui suhsii>tent entrc e//es et sa
M*" /a reine d* Hongric et de Bo/ieme. Später wurden die Worte ,,nommenumt
/e roy d' Ang/eterre'* auf Wunsch der /ing/änder gestric/ien.
») Beric/it Wasners d. d, (), Ju/i 17.^2. St.-A.
*) Weisung d, d, 2g. Juli 1742, Sf.-A,
1742 Juli 6. '583
Soit notoire ä tous ceiix ä qui il pourra appartenir: Que
sa Mte la reine d'Hongrie et de Boheme, a'iant avec instance
fait representer ä sa Mte le roy de la Grande-Bretagne que, vu
les grandes depenses dont eile se trouvoit chargöe pour tenir
en campagne tant et de si nombreuses armöes qu'il luy etoit
indispensable d'opposer en plusieurs endroits 6loign6s les uns
des autres aux invasions et attaques ennemies, eile avoit le be-
soin le plus pressant d'un secours immödiat en argent; et sa
Mte britannique tr^s-disposöe a faire ce qui peut döpendre d'elle
pour le soütien de la ser^nissime maison d'Autriche et pour
contribuer par lä au maintien d'un juste equilibre en Europe,
aiant fait connoitre k sa Mt^ la reine d'Hongrie et de Boheme
rintention oü eile ^toit de luy fournir sans dölai une somme
d' argent pour cet effSt aux conditions dont on conviendroit;
et leurs dites Mte's aiant trouvö convenable qu'il füt fait lä-
dessus un traite ou Convention, ä cette fin elles ont muni de
leurs pleinpouvoirs respectifs : Savoir sa Mt^ la reine d' Hongrie
et de Bohöme le sieur Ignace Jean de Wasner, son ministre
plenipotentiaire auprfes de sa dite Mte' britannique, et sa dite
M^e' le roy de la Grande-Bretagne ses conseillers privds Phi-
lippe Lord Hardwicke, son chancelier de la Grande-Bretagne;
Thomas HoUes, duc de Newcastle, Tun de ses principaux se-
cretaires d'etät; Spencer comte de Wilmington, premier com-
missaire de sa tresorerie et Jean Lord Carteret, baron de Haw-
nes, un autre de ses principaux secretaires d'etät lesquels, aprfes
avoir confere cnsemble sur les objets ci-dessus mentionnes et
s' ctre entre-communiquö leurs pleinpouvoirs, sont convenus des
articics suivans.
I.
Sa Mte le roy de la Grande-Bretagne promet de faire paier
immediatemcnt dans la ville de Londres, entre les mains de la
personne ou des personnes authorisees par sa Mte la reine
d'Hongrie et de Boheme h la recevoir en son nom, la somme
de trois cens mille livres sterlin.
IL
Sa Mte' la reine d' Hongrie et de Boheme, reconnoissant le
procede amiable du roy de la Grande-Bretagne en ce qui est
promis de sa part par Tarticle precödent, promet et s'engage
584 *742 Juli 6.
d' emploier la dite somme de trois cens milles livres sterlin, soit
pour la solde des troupes qu' eile a actüellement en campagne,
soit pour se procurer des nouvelles forces, et non autrement.
m.
S'engage en outre sa dite Mte la reine d'Hongrie et de
Boheme de ne conclurre^) aucun traite de paix, de treve ou de
neutralite, ni teile autre Convention ou accord que ce soit avec
les puissances qui luy fönt actüellement la guerre ou qui pour-
roient la luy faire, ni avec aucune d' icelies, sans y comprendre
sa Mte britannique nommement, tant comme roy que comme
electeur, et pareillement sa Mte de toutes les Russies et les
etäts generaux des Provinces-Unies ; bien entendu que les dites
puissances remplissent fidelement de leur cöte les engagements
contract^s par les traites qui subsistent entre elles et sa Mte la
reine d'Hongrie et de Boheme.
IV.
Ce traite sera ratifie et les ratifications en seront echan-
gees dans Tespace d'un mois ou plutöt si faire se peut.
En foy de quoy nous les susdits plenipotentiaires avons
soussignö le prdsent traite de nos propres mains et y avons
aposö les cachets de nos armes. Fait h Whitehall ce 25 juin
1742.2)
L. S. J. Wasner. L. S. Hardwick C.
L. S. Helles Newcastle.
L. S. Wilmington.
L. S. Carteret.
') So im Or.
2) Das ist alter Stil.
1742 August lo. 585
36.
knglische Giirantic der Brcslauer Frieclenspräliwinaricn vorn
II. Juni 1742 d. d, Kensington 1742 Juli jojAugust 10 und
des Berliner Friedens vom 28. Juli 1742 d, d. St James 174}
Mär^ iol2i.^)
Die Originale dieser Garantien im SL-A.
Drucke bei Bittner Nr, qdo und Qi>8.
Am II. Juni 1742 wurden in Breslau, von Podewils als Ver-
treter Friedrichs IL und von dem Engländer Hyndford als Vertreter
Maria Tliercsia'sy die Friedenspräliminarien unterzeichnet , 'die dem
Kriege {wischen Österreich und Preussen ein Ende bereiten sollten,^)
Maria Tlieresia trat gan^ Nieder- und Oberschlesien mit Ausnahme
von Teschen, Troppau und einiger anderer Gebiete, überdies aber die
Graf schalt Glat^, mit allen Souveränitätsrechten und mit völliger Unab-
hängigkeit von der Krone Böhmen für ewige Zeiten an Friedrich IL
ab. Dieser vernichtete dafür auf alle seine sonstigen Ansprüche ; er-
klärte sich bereit, 16 Tage nach erfolgter Unterzeichnung der Präli-
minarien seine Truppen aus dem österreichischen Gebiete zurückzu-
ziehen ; verpflichtete sich die katholische Religion in Schlesien in ihrem
gegenwärtigen Zustande und jedermann im Genüsse seiner Besitzungen,
Freiheiten und Privilegien {// belassen. Die Regelung des Handels-
verkehres {wischen den beiderseitigen Untertanen wurde dem definitiven
Frieden vorbehalten.
Zwei Artikel betrafen Angelegenheiten, die England direkt be-
rührten. Kraft des einen (7.) übernahm Friedrich IL von den auf
Schlesien haftenden Schulden die Bezahlung des Darlehens, das Karl VL
im Jahre 17}^ ^// London bei englischen Kaufleuten aufgenomme^i
hatte, ^) kraft des andern fii.J wurde England-Hannover in den Traktat
aufgenommen. Unmittelbar nach erfolgter Unterzeichnung dieser Prä-
liminarien hatte sich Friedrich IL, von der Besorgnis erfüllt, Oster-
') Von dem wörtlichen Abdrucke dieser Garantie des Berliner Friedens
wurde abgesehen, da sie jener der Breslauer Präliminarien bis auf wenige Worte
(vgl. die liitileitung {u dieser letzteren p. ^86) gleichlautend ist
*) Vgl, den Druck bei F, A. W, Wenck Cod. jur, gent. rec. L 7^4.
'•) Es handelte sich damals um ein Anlehen vou 2^0,000 Pfund St; die
Vollmacht für Wasner die Anleihe abyuschliessen d. d, ly. April lyß'i und an-
ilere darauf bezügliche Akten im St-A.
586 »742 August 10.
reich könnte — infolge der damals stattgehabten glücklichen Kriegs-
ereignisse — die Umwandlung dieser provisorischen Abmachungen ///
definitive ^u verhindern trachten y und im Hinblicke auf die seinen
westphälischen Ländern drohende Gefahr, an seinen Oheim, Georg IL,
mit der Bitte um eine Garantie der Präliminarien gewendet,^) und
dieser hatte y von dem Wunsche beseelt den Preussenkönig gan\ für sich
^u gewinnen, dessen Begehren so schnell als möglich erfüllt. Bereits
am ß. Juli 1742 unterzeichnete Georg LI, {u Kensington das gewünschte
Dokument, Von diesem Akte gab Carteret dem Vertreter Maria The-
resia's in London sogleich Nachricht und betonte die Geneigtheit seines
Herrn, der österreichischen Herrscherin auf Wunsch ein gleichlautendes
Aktenstück auszustellen.^) Noch bevor die Mitteilung Wasners nach Wien
gelangt war, hatte übrigens Robinson daselbst die dem preussischen
Herrscher ausgestellte Garantie vorgelegt, Maria Theresia entschloss
sich „nicht nur um uns allenfalls gegen deren über kur^ oder lang
andererseits erfolgen mögenden Unterbruch^ insoweit sich auf Garantien
{u verlassen ist, ^u verwahren, sondern auch um andurch unseren Eni-
schluss, das geschlossene auf das heiligste ^// halten, mehrers an lag
ZU legen'^, eine gleiche Garantieerklärung von England j{^m fordern,^)
Dieselbe wurde von Georg IL am jo. Juli v, st, ausgestellt.
Der definitive Vertrag zynischen Österreich wid Preussen wurde
am 28, Juli >{// Berlin unterzeichnet,^) Die Bestimmung, durch die
Engliind' Hannover in denselben eingeschlossen wurde (14.), war jener
der Präliminarien gleichlaufend. Dagegen hatte der die schlesische
Schuldfrage betreffende Artikel (9) eine Änderung dahin erfahren,
dass Maria Theresia die auf Schlesien hypothezirrte Brabanter Anleihe
übernahm, während sich Friedrich IL verpfiichlete, die von den Englän-
dern und Holländern aufgenommenen Darlehen z'f bezahlen. Auch diesen
Vertrag -(w garantieren übernahm Georg LL. Das für Maria Theresia
bestimmte Dokument wurde am jo, März 174J st, n. in London aus-
gestellt. Es stimmt wörtlich mit der Garantie der Präliminarien über-
ein, nur dass es überall statt ,,articles prcliminaircs de paix et de neu-
tralite^^ ,,traite et articlc separeV heisst und dass die Klausel „et que
'j Vgl, Arncth l, c. II, 77 u. Anm. ^9 p. -/^V/.
2) Bericht Wasners d, d. /;. ///// 1742. St.-A, Für die Haltutig Cartcrets
f'n dieser Zeit v^I, Ballantyne L c, 2^0 f
^) Weisung an Wasner d, d. 2S. ///// 1742. St.-A,
*) Vgl. den Druck bei Wenck l, c. I. 7^9,
1742 August 10. 587
sa ditc Mt^' prussiennc s* offrc et promet (i* entrer dercchef et irnrnddia-
tcmeni avec nons et avec Z. //. P, Jans iine ^trotte et intime alliance
pour la defense generale et partictiliere de tous nos royaumes, electorat,
etats ei päis respeetifs'^ und die darauf beinghabenden Worte „et nons
confumt en cette promesse'' ausblieben, da unterdess am 29, Nov, n. st,
{H Westminster [wischen Preussen und England eine Defensivallian^
geschlossen worden war, die unter gegenseitiger Garantie aller Länder
der beiden Nationen (ausgenommen waren die aussereuropäischen Ge-
biete Englands), eine Hilfe von loooo Mann und die Einladung der
Generalstaaten {um Beitritt festsetzte,
Nous George second, par la grace de dieu roy de la
Grande-Bretagne, de France et d'Irlande, d^fenseur de la foy,
duc de Brunswick et de Lüneburg, archi-tr^sorier et prince
electeur du S*. empire Romain etc. : Savoir faisons ä tous et un
chacun qui ces presentes verront; que comme par nos soins
et par nötre entremise et mödiation des articles prcliminaires
de paix et de neutralite ont öte heureusement röglös, arrßtes,
conclus et signes entre nötre chere soeur la reine d'Hongrie
et de Boheme et notre eher frere et neveu le roy de Prusse
le 11« jour du mois de Juin dernier n. s. dont la teneur s'en-
suit mot k mot.
Insertion des Vertrages vom //. Juni 17^2 n. st.
Des queis articles preliminaires leurs Mtes la reine d' Hon-
^rie et de Boheme et le roy de Prusse ont actuellement fourni
et fait cchanger leurs ratifications. Et comme sa dite Mtc la
reine d' Hongrie nous a requis que, pour la plus-grande seuretö
des deux parties contractantes et de leur paix reciproque si
necessaire au retablissement du repos g^n^ral de T empire, il
nous plüt de leur garantir sp^cialement Texten tion et Obser-
vation rdciproque, exacte, constante et inviolable des susmen-
tionnes articles prdliminaires de paix et de neutralitö et de tou-
tes les conditions, obligations et stipulations y contenuäs, et de
convier les seigneurs etats g^neraux des Provinces-Unies ä les
leur garantir de mßme; et que sa dite Mt^ prussienne s'oflfre
et promet d'entrer derechef et immödiatement avec nous et
avec L. H. P. dans une ^troite et intime alliance pour la de-
fense generale et particuliere de tous nos royaumes, electorat,
588 »743 Februar 15.
etats et pais respectifs. Par toutes ces considerations, et nous con-
fiant en cette promesse et ne voulant rien omettre de ce qui peut
döpendre de nous pour consolider de plus en plus une paix et
neutralit^ aussi salutaire, nous, en vertu des präsentes, garantissons
en la meilleure forme que faire se peut ä sa Mte la reine d' Hon-
grie et de Bohöme et ä sa Mte le roy de Prusse les cy-dessus in-
seres articles pröliminaires, promettant et nous obligeant de
tenir la main et de faire tout ce qui sera dans nötre pouvoir,
pourque toutes les conditions, obligations et stipulations y
contenues et ^nonc^es soient et demeurent pour toüjours fidel-
lement, ponctuellement et religieusement executees et observees
par les deux parties contractantes, et qu'il n'y soit contrevenu
en maniere quelconque; et nous convierons incessamment les
seigneurs etats generaux des Provinces-Unies ä leur en donner
et delivrer un pareil acte de garantie. En foy de quoy nous
avons signe cet acte de nötre main royale et y avons fait ap-
poser nötre grande Sfeau de la Grande-Bretagne. Fait dans
nötre palais de Kensington, le trentieme jour de Juillet, Tan
de grace 1742 et de nötre regne le seizieme.
George R.
37.
Subsidienvcrtrag ^züischcfi Maria Theresia uml Georg TL d, d.
West m inster 174J Febr. 75.
Rat, Georgs IL d, cL St, James 1743 Februar 2i\Miir^ 4; Maria
TJieresia's Wien 174} Mä'r{ 14,
Völlig gleichlautend dem />. =>8^f. abgedruckten Vertrage vom 2^, Juli 17^2.
Die Originale des Vertrages im St.-A, und R. O., das Or, der engl,
Ratifikation im St.-A., jenes der Ratifikation Maria Theresia* s im R. O,
38.
Entwurf eines Bündnisses ^zvisthen Georg IL, Maria Theresia
und mehreren deutschen Fürsten; verfasst in London \u Be-
ginn des Jahres 1743; samt Bemerkungen Maria Theresia's.
Dieser Bündnisentwurf befindet sich als Beilage \ur Weisung an Wasner
d, d. ly^^ Februar y im St.-A.
Am 24, Januar 1742 wurde der Wittelshacher Karl Albert y vor-
nehmlich auf die Empfehlung des Prcnssenkönigs hin, ^um Kaiser ge-
1743 s. d (Anfang des Jahres.) 58Q
wählt. Wenige Wochen später befand sich München, seine Haupt-
stadt, in den Händen seiner Feinde. Ausser Stande den Kampf gegen
Maria Theresia mit eigenen Mitteln ^u führen, suchte der neue Kaiser
das Reich für seine Sache {u gewinnen. Allein der schwache von
dtn Fran{osen abhängige Herrscher fand unter den Reichsgenossen
nur wenige selbstlose Freunde. Wohl gelang es ihm, allen Protesten
Österreichs ^um Trot{, die Verlegung des Reichstages von Regensburg
nach Frankfurt und die Eröffnung desselben in letiterer Stadt im
Frühjahre 1742 durch^uset^^en ; j{u einer etiergi sehen Unter stüt:{ung des
Reichsoberhauptes kam es aber nicht. Denn wie verschieden auch die
Gesinnung der einzelnen Stände sein mochte, in der Abneigung gegen
Frankreich stimmteft die meisten überein. Vergebens war es daher,
dass Karl VU. die Hilfe des Reiches gegen Maria Tlieresia forderte,
dass er unermüdlich an den Höfen der grösseren und kleineren Fürsten
Verhandlungen führte, die den Abschluss von Bündnissen be:{weckten^
die gegen Österreich gerichtet sein sollten.
Die Reichsversammlung, in der Österreichs Herrscher, obgleich
der Kaiserwürde entkleidet, noch immer einen überaus starken Anhang
bcsass, bewilligte erst spät und :(ögernd die dem Oberhaupte gebühren-
den Römermonate, weigerte sich aber auf das entschiedenste, unmittelbar
an dem Kampfe gegen Maria Tlieresia teil{unehmen und geigte vorerst
keine Neigung, die von Karl VH. geforderte bewaffnete Mediation
fischen dem Reichsoberhaupte und Österreich ^u übernehmen. Noch
erfolgreicher als auf dem Reichstage, an dessen Beratungen die Ver-
treter Öterreichs keinen direkten Anteil nahmen, war Maria Theresia
in ihrem Bemühen, die einT^elnen Reichsstände, die Karl VH. gegen
sie aufiuhet{en bestrebt war, von jedem feindlichen Schritte ab:{uhalten.
Sie verstand es vortrefflich durch Briefwechsel und Gesandtschaften
das gute Einvernehmen mit den ihr freundlich gesinnten. Reichsständen
aufrecht ^u halten, begegnete jedem Fürsten, dessen Länder von dem
Krieg betroffen werden mussten, mit Massigung und Gefälligkeit , be-
tonte unaufhörlich ihre Geneigtheit mit dem Reichsoberhaupte in Frie-
den ^u leben, Hess mit schlauer Berechnung den Kampf gegen den
Reichsfeind, die Vertreibung desselben von des Reiches Boden, als ihr
Hauptziel erscheinen und forderte im Gegetisat^^e {u Karl VH. blos
die strikte Einhaltung der Neutralität, ^u der sich schon im Mär{^ ^74^
die durch die Beset{ung Baierns seitens der Österreicher zunächst be-
drohten Stände, im Laufe des Jahres 1742 eine grosse An^^ahl ein-
flussreicher Fürsten verpflichteten. Es kann nicht unsere Aufgabe sein,
die überaus verwickelten Verhandlungen ^u schildern, die im Verlaufe
cQo '743 s. d. (^ Anfang des Jahres.)
des Jahres 1742 an den verschiede^ien Höfen Detiischlands von den
Vertretern der beiden grossen Parteien geführt wurden^in die das Reich
damals gespalten war. Es wird in diesem Zusammenhange genügen,
darauf hinzuweisen, dass die Association der vier vorderen Reichskreise,
die int Laufe der letzten ßo Jahre so oft ^u Gunsten des Reichsober-
hauptes eingetreten war, sich Karl VIL vornehmlich aus dem Grunde
versagte, weil dieser im Bunde mit Frankreich stand, und dass unter
den weltlichen Fürsten des Reiches niemand eifriger darauf aus war,
Maria Theresia fördernd {ur Seite {u stehen, als der Kurfürst voti
Hannover, hinter dem die grosse Macht der englischen Nation stand.
Wir wissen, dass Georg IL der österreichischen Herrscherin eine ener-
gische Unterstützung für den Fall zugesagt hatte, dass sie den von der
englischen Nation so dringend geforderten Frieden mit Friedrich IL
von Preussen seh Hessen würde. In der Tai waren Georgs IL deutsche
Truppen, sobald seine hannoveranischen Besitzungen durch die Ent-
fernung des französischen Kriegsheeres Luft bekommen hatten — 16000
Hannoveraner und 6000 Hessen — nach den Niederlanden marschiert,
um von hier aus mit englischen und niederländischen Soldaten gemein-
sam den Kampf {« Gunsten Maria Tlieresia's aufzunehmen. Allein der
Zug dieser Truppen nach Deutschland, den Maria Theresia dringend
wünschte und für den sie unaufhörlich am englischen Hofe wirken
Hess, verzögerte sich. Erst gegen Ende des Jahres 174^ y als die
Franzosen Böhmeti aufgegeben, die Engländer mit Preussen und Russ-
land Bündnisse geschlossen hatten und die Niederländer sich bereit
zeigten dem Österreichisch-englischen Kriegsbündnisse beizutreten, glaubte
mau in Wien mit einiger Wahrscheinlichkeit auf den baldcn Marsch
der so sehnlichst erwarteten Hilfstrnppen rechnen ^m dürfen.
Allein nun stellte sich ein neues unerwartetes Hindernis der
Durchführung des gefassten Planes entgegen. Der König von Preussen
protestierte, vom Kaiser {w energischem Widerspruch angespornt, auf
das entschiedenste gegen den Marsch der englischen Hilfsvölker ins
Reich, Und wenn es auch der vermittelnden Tätigkeit der englischen
und preussischen Staatsmänner gelang , die Schärfe der Erklärungen
Friedrichs IL, die den Ausbruch des Krieges befürchten Hessen, z^
mildern, die Tatsache blieb bestehen, dass der preussische König
den Engländern blos die unmittelbare Verwendung ihrer Truppen gegen
Frankreich gestatten, dagegen die Vernichtung Karls VII, — dessen
Hauptbesitz die Fr an {ose n im Herbste 1^42 den Österreichern wieder
abgenommen hatten — und die Übertragung des Kriegsfeuers in die bis-
her neutral gebliebenen deutschen Gebiete nicht z^igeben wollte. Es
1743 s- ^- (Anfang des Jahres.) cQi
entsprach dieser Auffassung der Verhältnisse ^ dass Friedrich IL {ti
gleicher Zeit beim Reichstage den Antrag stellte^ das Reich möge in
dem Streite {wischen Karl V/I, und Maria Theresia die Vermittelung
übernehmen und T^jar Wahrung der eigenen Interessen eine Reichs-
armce aufstellen^ und dass er den englischen König aufforderte, den
Ausgleich {wischen Baiern und Österreich herbeizuführen.
Die Erklärungen des preussischen Königs riefen am englischen
wie am österreichischen Hofe grosse Bestürmung hervor. Während aber
Maria Theresia, die Ungebührlichheit der preussischen Forderunge^i
betonend, von Georg II, den schleunigen Marsch der in den Nieder-
landen einquartierten Truppen nach Deutschland forderte, suchte dieser,
schon im Hinblicke auf die einem Bruche mit Preussen abgeneigte
Stimmung des Parlamentes, alles mögliche ^ur Beruhigung Friedrichs II,
bei{utragen. Sein am Berliner Hofe weilender Vertreter gab die Erklä-
rung ab, dass dem englischen Könige nichts ferner liege, als die Ver-
nichtung des Kaisers oder die Vergewaltigung neutraler Reichsstände, und
Georg IL betonte seinerseits, dass er dem Plane einer Intervention ^u
Gunsten des Kaisers näher treten wolle. An dem Marsche der in den
Niederlanden einquartierten Truppen nach Deutschland hielt er aber
fest und traf, von der österreichischen Regierung gedrängt, alle Vor-
her e Usingen für den bevorstehenden Kampf Zu diesen Vorbereitungen
yählte auch sein Plan, die vielen Stände des Reiches, die nach wie
vor das Interesse des Hauses Habsburg vertraten und allen Bemühungen
des neuen Kaisers :(um Trotte ihre Einwilligung {u feindseligem Vor-
gehen gegen Maria Theresia geweigert hatten, j(um Abschlüsse eines
Bündnisses ^u bewegen, das, in streng defensive Formen gekleidet, die
Pläne Friedrichs IL, die auf die Durchführung einer bewaffneten Me-
diation des Reiches und auf die Verhinderung des Einmarsches der eng-
lischen Hilfstruppen in Reichsgebiet gerichtet waren, durchkreuzen und
eine wesentliche Stärkung der Gegner Frankreichs im Reiche herbei-
führen sollte. Zu Beginn des Monates Februar 174} stellte Villiers
im Auftrage seines Herrn das im nachfolgenden ^um Abdrucke gelan-
gende Bündnisprojekt und ein ausführliches Memoire, das die Moti-
vierung des geplanten Unternehmens enthielt, dem österreichischen Hof'
kandier mit der Bitte um schleunige Beschlussfassung \u.^) Der eng-
') Hauptquelle für diese bisher so gut wie unbekannt gebliebenen Ver-
tragsvcrhandlungcn (eine Andeutung findet sich bei Arneth IL jap) sind die
Weisungen Man\i Theresia' s tin Wasner d. d. 5. und 6. Februat 174); der
crsteren liegen die Antwort der Wiener Regierung auf das Memoire des Villiers
und die beiden im nachfolgenden abgedruckten Entwürfe bei.
cq2 '743 s. d. (Anfang des Jahres.)
liscJie König weist in dem letzteren auf die üblen Folgen hin, die dem
Reiche aus der Überschwemmung mit französischen Truppen erwachsen
seien ; auf die Ungerechtigkeit, die darin liege, Truppen, die einem Reichs-
stande ^u Hilfe eilen wollen — dessen Besitzungen vom Reiche feierlich
garantiert worden seien — den Durchzug z}i versagen, während vtan
Soldaten, die herbeigeführt wurden, um Unruhe im Reiche hervor:^uru-
fen, das Regierungssystem ^w ändern und unberechtigte Forderungen der
Reichsfeinde {u fördern, den Einmarsch gestattet habe. Das Verhalten
Karls VIL wird heftig getadelt; es wird ihm vorgeworfen seine P/lich-
ten als Reichsoberhaupt verletzt und die friedlichen Anerbietungen der
österreichischen Herrscherin in ungebührlicher Weise ^zurückgewiesen
^u haben. Indem endlich auf die Gefahr aufmerksam gemacht wird,
die dem Reiche in, der Zukunft von den Fran{osen und ihren Ver-
bündeten drohe, werden die einzelnen Fürsten aufgefordert, ihrer Pflich-
ten als Patrioten eingedenk ^u bleiben und sich der englisch-österrei-
chischen Allianz im Interesse ihrer eigenen Freiheit und {um Schuts^r
des bedrohten Reichsfriedens an^uschliessen,^)
Die Antwort des Wiener Hofes auf die Erklärungen Villiers
lautete nicht so unbedingt :(Nstimmend, wie Georg II. im Hinblicke auf
den Zweck des Bündnisses erwartet hatte. Zwar billigte Maria Tlie-
resia das Vorgehen des englischen Königs und erklärte sich auch :{jum
Abseht II SS der geplanten Allian:{ bereit, allein die Erwiderung auf das
englische Memoire und der im nachfolgenden abgedruckte Entwurf
eines österreichisch-englischen Bündnisses lassen deutlich erkennen, dass
auch in diesem Falle dir Interessen der beiden Mächte sich nicht voll-
ständ'g deckten. Denn während England auf den Abschluss des De-
fensivbündnisses mit den einzelnen Rrichsfürsten das grösste Gewicht
Itgtc und sich durch dasselbe eine namhafte Unter stuf :^ung gegen den
Reiihsfeind ^u sichern wünschte, war das Bestreben der österreichischen
Herrscherin in erster Linie daraif gerichtet, die Pläne des preussischen
Königs ^u durchkreuzen und das Zustandekommen der von diesem vor-
geschlagenen bewaffneten Reichsmediation {u verhindern. Aus diesem
Grunde wollte Maria Theresia alles vermeiden, was jenen Reichsstän-
den, die bisher die Neutralität genau beobachtet hatten, Anlass {ur
Furcht geben und jene abschrecken konnte, die aus persönlichen Grün-
den oder aus Verehrung für das Reichsoherhaupt^ diesem {um Nach-
teil der j^e rechten und guten Sache zuneigten. In diesem Sinne for-
derte die österreichische Regierung in ihrer Antwort auf das Memoire
') Memoire des Villiers und Antwort auf dasselbe, St.-A,
1743 s« ^' (Anfang des Jahres.) 502
Villiers Georg IL auf, die Reichsfürsten vorerst für die Zurückwei-
sung der Mediationspläne der französischen Partei im Reiche ^« ge-
winnen , die weiteren Schritte aber erst dann ^u tun, wenn die in den
Niederlanden stehenden Truppen den Rhein überschritten hätten. In
diesem Sinne enthielt auch das von den österreichischen Ministern dem
Villiers übergebene Allian:{projekt die ausdrückliche Bestimmungy dass
dieses Bündnis bis ^um Übergänge der in den Niederlanden stehenden
Armee über den Rhein geheim bleiben^) und die Abmachungen , die
Osterreich mit den einzelnen Reichsfürsten bes^üglich deren Neutra-
lität getroffen habe, bis dahin Geltung behalten sollten.^) Aber auch
die übrigen Änderungen, die seitens der Österreicher an dem von
Villiers überreichten Allian:{projehte gewünscht wurden, sprechen deutlich
dafür, dass Maria Iheresia eifrig darauf bedacht war, die Empfin-
dungen jener Reichsstände, die den Kurfürsten von Baiern als ihren
Herrn betrachteten, ^u schonen und ihnen den Übergang in das öster-
reichische Lager {u erleichtern.^)
Villiers war mit dem entworfenen Projekte des österreichisch-
englischen Defensivbündnisses nicht gan^ einverstanden. Er er-
klärte, neue Verhaltungsbefehle von seiner Regierung einholen -{«
müssen und weigerte sich die von Maria Theresia angetragene Unter-
zeichnung des Allianiprojektes in der österreichischen Fassung ^u voll-
liehen, obgleich er selbst betont hatte, dass Gefahr im Verzuge sei,^)
Es ist auch im weiteren Verlaufe der Begebenheiten {um Abschlüsse
dieses Defensivbündnisses nicht gekommen. Zwar erklärte Lord Carteret
dem Vertreter Maria Theresia s in London -{« wiederholtenmalen, dass
man nicht den geringsten Anstand nehme, die von Österreich vorge-
schlagene Form des Defensivbündnisses gut^uheissen und Villiers Befehl
erteilt habe, {u unter :{e lehnen ;^) doch kam es da^u nicht, Wohl aber
wurde der Zweck, den Maria Theresia bei den Unterhandlungen mit
Villiers im Auge gehabt hatte, erreicht. Das Gutachten vom 17. Mai
') Vgl. Artikel XII. des österreichischen Entwurfes p. 5^7.
') Vgl. die darauf beiüglichcn Worte in der Einleitung {um österrei-
chischen Entwürfe p. ^gö.
3) Sehr eingehend beschäftigt sich die Antwort der Österreicher (St.-A.) auf
das Memoire Villiers mit diesem Gedanken, Man ersieht aus Jen Äusserungen
der österreichischen Minister, dass es diesen in erster Linie auf den Prinzen
Wilhelm von Hessen-Cassel ankam.
♦) Weisung an Wasner d. d. 6. Februar 174}. St.-A.
^) Berichte Wasners d. d. 2a, und 26. Februar 174^. St.-A.
Österreichisch-englische Suatsvertrftge. Bd. I. 3^
594 '743 s. d. (Anfang des Jahres.)
1743) durch welches das Reich den streitenden Teilen — dem Kaiset
und der österreichischen Herrscherin — seine Vermittlung antrug, ohne
aber für die von Preussen befürwortete Aufstellung einer Neutralitäts-
armee j(u stimmen, bedeutete einen grossen Erfolg der Österreichisch-
hannover sehen Partei im Reiche, und der entscheidende Sieg, Jen die
pragmatische Armee am 27. Juni JJ43 bei Dettingen erfocht, war das
Werk jener Truppen, deren Einmarsch in deutsches Gebiet dem Preussen-
könige ^u Trotte erfolgt war.
Cette alliance ou association n' aboutissant pas ä TofiFense
de qui que ce soit, mais uniquement au maintien de la libert^,
du repos et du Systeme de V AUemagne en general et ä la seu-
retö et ä la defense mutuelle des contractans en particulier,
ceux-ci s'engagent Tun envers Tautre et s' entre-promettent
d' employer leurs soins et leurs forces pour que d' un cot^ le
Systeme de Tempire, tel qu'il est fondö dans ses loix et con-
stitutions, soit conserve et T AUemagne mise ä couvert contre
des troubles exterieurs et interieurs, et que de Tautre cot6
chacun des allies soit maintenu dans ses possessions et droits et
secouru en cas d'attaque ou d'atteinte.
IL
On nc souffrira donc pas que Tun des alliös soit attaque
hostilement dans ses terres et provinces ou moleste malgre luy
par des passages et des sejours de troupes etrangeres, par des
quarticrs d'hyver et par des exactions de contributions de fou-
rages ou des vivres.
m.
On consultera fidelement et en secret sur tous les objets
qui pourront etre relatifs au but de cette alliance, et les mini-
stres respectifs qui se trouveront ensemble dans les cours etran-
gcres et a la diete de Tempire entretiendront bonne intelligence.
IV.
Mais aussi pour donner du poids k cette confederation,
chacun tiendra sur pied un nombre proportionnc de troupes,
savoir sa W<^ britannique .... hommes etc., afin d'en pouvoir
1743 s. d. (Anfang des Jahres.) cqc
former une armöe et faire marcher celle-ci d'abord que le cas
l'exigera; de meme on fera provision de munitions de guerre
et de bouche.
V.
S'il arrivoit que Tenipire füt attaque par une puissance
etrangere ou qu'on allät lui arracher des provinces et amoin-
drir sa consistance, les alliös s'y opposeront sans attendre le
concours des autres princes de Tempire, en faisant marcher
leur armee combinee lä oü besoin sera pour faire töte ä l'ag-
gresseur; ils augmenteront aussi le nombre susmentionnö de
troupes ä proportion du danger.
VI.
Si quelqu'un d'eux etoit attaque en haine de cette alli-
ance, on en fera d' abord cause commune et on s' assistera reci-
proquement de toutes ses forces.
vn.
La marche de ces troupes ne doit pas etre differ^e sous
pretexte de bons Offices lesquels chacun des alliez devra em-
ployer V un pour V autre, et comme il depend du requerant de
demander au dessous du nombre ci exprime de troupes, de
meme il luy sera libre de demander le double et le triple, ce
qui luy sera accordö.
VlIL
Quond on fera marcher des troupes pour soutenir la cause
commune, le general de celui des alliez qui fournit le plus
grand nombre aura le commandement en chef de l'arm^e
combin(5e.
DL
Chacun des princes alliez fournira ä la paye et k la sub-
sistance de ses troupes comme aussi aux pieces et au train
d'artillerie et aux munitions de guerre.
X.
Aucun des contractans ne pretera des troupes soit pour
subsides ou autrement ä des puissances ou princes qui ne sont
pas compris dans cette alliance sans un consentement commun.
38*
c^6 '743 s. d. (Anfang des Jahres.)
XI.
Cette alliance subsistera . . . ans et sera renouvell^e suivant
les conjonctures d'un tems k l'autre, et on invitera d'un con-
sentement commun les autres princes de Tempire d'y acceder.
Quoique*) sa Mt^ la reine de Hongrie et de Boheme et sa
Mt^ britannique soient deja etroitement unies par le traitö d' al-
liance du i6 Mars 1731 et Tacte d'accession du 20 Fevrier 1732,
et qu'en conformitö de Tarticle second du dit traitö Tempire
se soit charg(5 de la garantie de la sanction pragmatique par
le resultat de la diete du 11 Janvier 1732, leurs dites Mt^s ont
neantmoins trouv(5 convenable, ä cause de la presente Situation
des affaires en Allemagne qui semble demander tout leur soin
et attention, de conclure entre elles une confederation plus spe-
cifiquement adapt^e ä ses besoins et d'y inviter les etats qui
ont h coeur le salut de leur patrie, mais sans deroger par Ik
en fa^on quelconque ä tous et un chacun des engagemens sus-
dits lesquels au contraire doivent rester dans leur pleine et
entiere vigueur, ä la seule reserve de ce que sa Mt^ la reine
de Hongrie et de Boheme a fait declarer au sujet de la neu-
tralit<5 que dans les presents troubles la plüpart des etats de
Tempire ont professö jusqu'icy, ce qui h leur egard aura lieu
pour tout le temps qu' on est convenu de tenir la presente con-
federation secrete, mais pas plus outre.
Dans Tarticle ler \i paroit necessaire d'inserer aprfes les
mots „possessions et droits*' ceux qui suivent „repare pleine-
ment le tort qui aura ete fait aux dits droits."
Dans Tarticle second il semble convenir d*ajouter aux
mots „de troupes etrangeres" les suivans „qui sont ou seront
introduites pour une fin contraire ä la presente alliance.''
Pour la raison connue, la reine souhaite qu'on subsistue
h Tarticle III. aux mots „ä la diete de Tempire" ceux: „ä Tas-
semblee de Francfort." ^) L'article IV pourroit etre concjü en ces
termcs. „L* assistance mutuelle entre sa Mte la reine de Hongrie
') Hirr bcfrinnt das österreichische Gegenprojekt.
*) Osterreich hatte gegen die TransJocirung des Reichstages von Regens-
bürg nach Frankfurt, die von Karl VII. beantragt worden war, protestiert,
doch war dieselbe am 77. Mär{ beschlossen worden. Vgl. Adelung l. c. IL 102 f.
1743 Sept. 13. 597
et de Boheme et sa Mte britannique etant reglee par Tarticle
second de Tacte d*accession du 20 Fevrier 1732, et sa dite Mte
britannique faisant actuellement marcher dans Tempire une
armee de . . ., il a ete convenu en outre que, pour donner meme
a r avenir et pour toujours plus de poids ä cette confed^ration,
chacun des allies tiendra sur pied et pröt ä secourir les autres
pendant tout le tems qu'elle durera un nombre proportionne
de troupes, S9avoir etc.**
II n'y rien ä remarquer sur le contenu des articles 5. 6.
et 7, mais Tarticle VIII pourroit etre con^u en ces termes:
„Quant au commandement en chef de T armee combinee
on se reglera exactement selon ce qui a ete observe durant la
guerre qui a precede les traites de paix d' Utrecht et de Bade."
Sur Tarticle 9 et 10 il n'y a pareillement rien ä remarquer,
mais on pourroit ajouter ä la fin de Tarticle XI „le tout sauf
le lien perpetuel qui resulte des traites d' associations anterieurs
a r egard de ceux qui y sont compris" Article XII. „La presente
alliance sera tenue secrete jusqu'ä ce que T armee combinee
des Pais-Bas aura passe le Rhin."
Bündnis ^wischen Maria Theresia, Georg IL und Karl Emanuel
von Savoyen -Sardinien samt ß geheimen Separataiiikeln und
einer Deklaration der österreichischen und englischen Bevoll-
mächt igten betreffend die Entschädigung Maria Tlwresias für
die erlittenen Verluste^) d. d. Worms 174^ Sept 2//^.
Rat, des Vertrages und der ß geheimen Separatartikel durch Georg IL
d. d, Westminster iJ4ß Sept. 2o\Okt, i ; durch Maria Theresia d, d,
Wien iy4ß Sept. 28 ; durch Karl Emanuel d. d, Turin iJ4ß Sept. 2ß.
Die Ratifikationen der oben erwähnten Deklaration J, d, Wien 174^ Sept. 28,
resp, Westminster 174^ Sept. 2olOkt i wurden nicht ausgewechselt.
Die Originale des Bündnisses samt Geheimartikeln und Deklar atiim sowie
die der sardinischen Ratifikation im St.-A. und R. O., das Original der engli-
schen Ratifikation im St.-A., das der österreichischen im R. O,
Drucke bei Bittner Nr. pjo.
Von den weiten italienischen Gebieten, die der deutschen Linie
des Hauses Habsburg nach Beendigung des spanischen Successions-
») Darnach ist das Regest bei Bittner Nr, pio \u korrigieren.
598 »743 Sept. 13.
Krieges angefallen waren, besass dasselbe beim Tode Karls VI, nur
noch einen geringen Teil, Neapel und Sizilien waren an den Infanten
Don Carlos, wertvolle Gebiete des Herzogtums Mailand an das Haus
Savoyen gefallen. Die Erwerbung Parma s und Piacenj(a's bot für
diese Verluste nur unvollkommenen Ersat^, Diese beiden Herzogtümer
mit denen von Mailand und Mantua bildeten im Jahre 1740 den Besitz
des Hauses Habsburg in Italien, der allerdings durch die Besitzer-
greifung Toscanas seitens des Gemals Maria Theresias, Franzens von
Lothringen, eine wesentliche Stärkung erhielt. Aber auch diesem ge-
schmälerten Besitze drohte unmittelbar nach der Thronbesteigung Maria
Thcresia's Gefahr, Karl Emanuel, König von Sardinien, Herzog von
Savoyen , hatte die pragmatische Sanktion niemals gewährleistet, und
wenn auch das enge verwandtschaftliche Verhältnis , in das er durch
seine Vermählung mit einer Schwester Franzens von Lothringen -^«m
österreichischen Herrscherhause getreten war, die Hoffnung auf einen
gütlichen Ausgleich berechtigt erscheinen Hess, so war doch aus der
Vergangenheit dieses ehrgeizigen und klugen Fürsten ^ schliesscn,
dass Österreich mit weitgehenden Zugeständnissen die Freundschaft des
Turiner Hofes werde bezahlen müssen. Diese ^« erreichen, musste aber
der jungen Herrscherin Österreichs um so dringender erscheinen^ als un-
mittelbar nach ihrer Thronbesteigung die ränkevolle Königin von Spanien,
Elisabeth, sich der italienischen Besitzungen Maria Theresia' s {« Gunsten
ihres jüngeren Sohnes Don Philipp -{« bemächtigen und Karl Emanuel
durch weitgehende Anerbietungen für ihre Interessen -{« gewinnen
suchte. Es kann nicht unsere Aufgabe sein dem Gange der Verhand-
lungen ^M folgen, die nun jahrelang au vielen Höfen Europa' s geführt
wurden, um den Savoycr für eine der beiden Parteien z^ gewinnen, in
die sich das damalige Europa schied. In diesem Zusammenhange muss
es genügen^ hervorzuheben, dass Karl Emanuel, der ;{« gleicher Zeit mit
der österreichisch-englischen und mit der spanisch- französischen Partei
verhandelte, sich — von der Erwägung geleitet, dass er von der letz-
teren Seife her für seine Interessen mehr {u fürchten habe als von der
ersteren — Österreich näherte und dass die englische Regierung ihren
ganzen E nfluss aufbot, um Maria Tlieresia , die Karl Emanuels
Freund- und Bundesgenossenschaft mit möglichst geringen Opfern er-
kaufen wollte, {u immer weitergehenderen Zugeständnissen {W vermögen.
Von Erfolg waren diese Befnühungen vorerst nicht begleitet. Die
Forderungen Karl Emanuels schienen der jungen Herrscherin viel zu
hohe, als dass sie sich ytir Gutheissung derselben hätte entschliessen
1743 Sept. 13. 599
körnten. So kam es, dass die provisorische Konventioti, die Karl Erna-
nucl tinter dem Eindrucke der schroffen Haltung, welche die spa-
nische Regierung nach der Landung ihrer Truppen in Italien ihm gc-
gcnilher einnahm und im Hinblicke auf die Erfolge der österreichischen
Waffen in Baiern am /. Fehr, 1742 mit Maria Tlieresia ahschloss,
Hos Abmachungen über die gegenseitigen militärischen Leistungen ent-
hielt, während die Ordnung der Gebietsabtretungsfrage einem defini-
tiven Vertrage vorbehalten blieb. Diesen ^u Stande >{/i bringen war die
englische Diplomatie seit dem Frühjahre 1742 unablässig tätig, und
es gelang ihr auch allmählig den hartnäckigen Widerstand der Österrei-
chischen Herrscherin ^u überwinden. Von England gedrängt gieng sie
auf fast alle Forderungen ein, die Karl Emanuel stellte. Schon im
August 1742 erklärte sie sich bereit, die Stadt und das Herzogtum
Piacen^a ; die Stadt und die Provin{ Pavia an beiden Ufern des Po;
die Grafschaft Anghiera bis {um Tessin, dem Lago Maggiore und den
schweiycrischen Gebirgen; die Stadt und das Gebiet von Vigevano an
Karl Emanuel abzutreten ; freilich nur dann, wenn sie für diese Ver-
luste sofortigen Ersat{ erhalte, Sie bezeichnete selbst Neapel und
Sizilien, das sich im Besitze Karls IIL befand, als wünschenswerte
Kompensation ; erbot sich ^ur Anspannung aller Kräfte, um im Vereine
mit Sardinien und England die Bourbonen aus Italien -{« vertreiben,
stellte aber {u gleicher Zeit die Forderung, dass ihr, falls sie die
encähnten italienischen Besit{ungen sofort an Sardinien abtreten
sollte, einstweilen und bis {ur Erwerbung Neapels und Si{iliens das
Herzogtum Modena eingeräumt werde. Aber auf diese Anerbietungen
giengen die Engländer nicht ein; sie drohten, Maria Theresia im Stiche
{u lassen und ihre Truppen aus den Niederlanden abzurufen, falls die
österreichische Herrscherin nicht weitere Konzessionen machen sollte
und erklärten das Zugeständnis, ^.u dem sich diese daraufhin bereit
fand — Sizilien nach völliger Vertreibung der Bourbonen aus Ita-
lien dem Könige von Sardinien ^m überlassen — für ungenügend, Sie
forderten vielmehr , ihrerseits gedrängt durch den von Spanien und
Frankreich umworbenen Karl Emanuel, für diesen auch den am öst-
lichen Ufer des Tessin und des Lago Maggiore gelegenen Teil von
Anghiera, Maria Tlieresia aber lehnte dieses neue Begehren schroff
ab und klagte lebhaft über das Vorgehen ihres Verbündeten, der nur
auf seinen eigenen Vorteil Rücksicht nehme und von ihr Opfer ver-
lange, die dem Verzichte auf ihre Herrschaft in Italien gleichkämen.
Nicht mit Unrecht betonte Bartenstein, die Abhängigkeit in die Osler-
6oo «743 Sept. 13.
reich England gegenüber gerate, sei nicht minder drückend, als die
des Kaisers Karls VIL gegenüber Frankreich,
Der Sieg bei Camposanto, den die vereinigten österreichischen
und sardinischen Truppen im Februar 174} über die Spanier davon-
trugen, änderte an diesem Verhältnisse nicht viel. Maria Theresia blieb
dabei, dass sie das östliche Ufer des Lago Maggiore Karl Emantul
nicht überlassen und in die geplante Gebietsabtretung nur dann willigen
könnte , falls ihr eine entsprechende Entschädigung ^u Teil werde.
Da aber die Engländer, eifrig darauf bedacht sich die Hilfe des
Savoyers gegen Spanien und Frankreich ^u sichern und durch ein weit-
gehendes Entgegenkommen Karl Emanuels in Handelsfragen gewonneti,
immer energischer von Maria Theresia die Erfüllung aller Forderungen
des Turiner Hofes verlangten und von einer VerT^ögerung der Übergabe
der dem Savoyer bestimmten Gebiete bis nach erfolgter Schadloshaltung
Österreichs nichts wissen wollten, kam es ^u erregten Debatten, in
deren Verlauf mehr als einmal von beiden Seiten mit dem Abbruche
der Beziehungen gedroht wurde, Maria Theresia erklärte, falls Sar-
dinien auf der sofortigen Abtretung bestehe, die früher gemachten Kon-
;^essionen nicht einhalten {u können^ weigerte sich jet:{i die Stadt Pavia
oder überhaupt ein an dem rechten Po- oder linken Tessinufer gele-
genes Gebiet, sowie die Pavia gegenüberliegende Insel und Piacen^a
an Karl Emanuel abzutreten , lehnte das Begehren ab. Finale von Genua
einzulösen und dann an Sardinien abzutreten und forderte von den
Engländern die Unterzeichnung einer Deklaration, durch die sie sich
ZU einer entsprechenden Schadloshaltung Österreichs verpflichten sollten.
Auf neuerliche Einwendungen des Turin er und des Londoner Hofes gab
Maria Theresia ihrem in London weilenden Vertreter Wasner am
ji, März den Auffrag, sich bezüglich der von Karl Emanuel gefor-
derten Gebietsabtretungen , auch bezüglich Finale' s, entgegenkommend {//
erweisen und im äusscrsten Falle, aber nur dann — ,,da vermeine, dass
das ganze Heil meines Haus daran liegt in Conscrvirung dieser Pro-
vin{ien , das übrige nur {u Last ist, und lieber ohne Cessionen völlig es
abandoniren mögte^' — in die Abtretung der Stadt Piacenza und eines
Teiles des piacenlischeyi Gebietes ^« willigen und den von dem Turiner
Hofe vorgeschlagenen dritten Separatartikel gut{uheissen.^) Doch stellte
sie ihrerseits einige Gegenforderungen und wies Wasner an, von der
Billigung derselben durch die Engländer seine Zusage abhängig z'*
machen. Und was Maria TIteresia forderte war nicht wenig. Das
') Weisung an Wjsner d. J, ^i, Mär\ 1743, St.-A.
1743 Sept. 13. 601
englische Minister um sollte nebst der bereits Mitte Februar von der
WiCncr Regierung vorgelegten Deklaration^ durch die der österreichi-
schen Herrscherin eine entsprechende Schadloshaltung gewährleistet
wurde^ eine {weite Deklaration ausstellen, durch die es sich verpflichten
sollte, von Maria Theresia keine weiteren Zugeständnisse :{u fordern,
dieselbe vielmehr gegen jeden Angriff {u schütten und den unter dem
Kommando Lord Stairs dienenden Truppen den Befehl {« gemeinsamen
Operationen mit den bei Heilbronn stehenden Soldaten Maria Theresia' s
{« geben.^) Überdies sollte England der österreichischen Herrscherin
für die Dauer des Krieges eine jährliche Subsidie von joo.ooo Pfund
Sterling {^sichern, diese aber von den Verflichtungen entbunden sein,
die sie im Provisionaltraktat bezüglich der militärischen Leistungen in
Italien übernommen hatte. Allein auch diesmal gelang es Wasner nicht,
die englischen Minister {u einem Wechsel ihrer Haltung {u bestimmen,
Sic gaben {u, dass Karl Emanuel viel fordere, blieben aber dabei, dass
Österreich sich dem Verlangen des luriner Hofes fügen müsse und
weigerten sich die von Wasner gestellten Begehren {u erfüllen. Verge-
bens wies dieser auf die Opfer hin, die Maria Theresia im gemeinsa-
men Interesse bereits gebracht habe und noch ;[« bringen willens sei ;
vergebens betonte er, dass man der österreichischen Herrscherin, die
ißo,ooo Mann auf den Beinen habe, doch wenigstens joo.ooo P/und
als Subsidie gewähren könne^ wenn man dem Savoyer, der nicht mehr
als 40,000 Mann {« erhalten habe, 200,000 Pfund St, bewillige; ver-
gebcns erinnerte er Lord Carter et an die übernommene Verpflichtung,
•) Second acte de declaration separ^e, Comme sa M^^ la reine de Hon-
grie et Je Boheme s' est UiissSc cngager par les fortes exhortations et persuasions
de sa M*^ britatuiiquc Je faire des cessions trcs cotisiderables ä sa M^^ le roy
de SarJaigne en vüe du granJ bien qui Joit en revenir a la cause commune^ sa
M^^ le roy Je Grande-Bretagne ^ inJepenJamment de la promesse faite cT empioyer
toutes ses forces pour procurer ä sa M^^ la reine de Hongrie et de Boheme un
juste lieJommagement, s* engage en outre Je iie plus vouloir iusister sur Jes
cessions ulterieures a faire par la reine ä qui que ce soit, ni Je ses Jroits ni de
ses possessions, mais Je vouloir V assister au contraire Je toutes ses forces noii
seulement contre ses ennemis presents, mais encore contre teile autre puissance
chretinne qui pourroit V attaquer Jans la suite, saus que sous aucun pretexie
tel qu* il puisse Hre les secours rdels et efficaces, stipulis par les trait^s, luy
soient refusi^s. Et spccialement sa M*^ britannique pro tuet encore Je faire mar-
eher incessamment les trouppes sous les orJres Je mylord Stairs taut Angloises
qu* Haunoverienues conjointement avec celles de la reine vers Hailbronn, et de
proceder tout de suite aux Operations ulterieures que les mouvemens des ennemis
et les autres circonstances pourroient exiger.
602 »743 Sept. 13.
der österreichischen Herrscherin eine entsprechende Entschädigung für
Schlesien ^u verschaffen. Die englischen Minister blieben dab^i, dass
die Schadloshaltung von dem Ausgange der Waffen abhänge und dass
ein solches schriftliches Versprechen verschiedenen Fürsten unangenehpn
sein, den König von Preussen aber in Harnisch bringen und ^^nithin
E, M, und der gemeinsamen Sache mehr schädlich als nütilich sein
witrde^^ y und erklärten eine dauernde Subsidie der österreichischen
Herrscherin nicht ^nsagen -(// können,^)
Unter diesen Umständen konnte, iiimal auch der Turiner Ho/
keine Geneigtheit ^eigte dem Hause Lothringen — wie von Wien aus ge-
fordert wurde — den Besit:{ Toscana's ^// garantieren, der Abschluss des
Bündnisses ^wischen Österreich, England und Sardinien nicht erfolgen.
Die Verhandlungen gerieten ins Stocken ; König Georg IL begab sich
ins Feldlager, um die Operationen gegen die Fran:{psen ^u leiten und
Wasner eilte nach Wien, um sich neue Instruktionen ^u holen. Bevor
er diese Stadt — Mitte Juli — wieder verliess, um im englischen Haupt-
quartiere die Verhandlungen von neuem >{« beginnen, hatte sich die
Situation vollständig geändert. Baiern, das die Franzosen im Herbst
1742 dem Witteisbacher wieder erobert hatten, war durch die Waffen-
taten der Feldherrn Maria Theresia" s neuerdings in den Besit^ dieser
Fürstin gelangt, und {u gleicher Zeit hatte Georg IL, der Führer der
pragmatischen Armee,, den Franzosen bei Dettingen eine empfindliche
Niederlage bereitet. Es lag in der Hand der Verbündeten über das
Schicksal des flüchtigen Kaisers, der von den Franzosen das ^ur Be-
streitung seiner täglichen Ausgaben nötige Geld erbitten musste, ^u
entscheiden. Mit dieser Tatsache nun rechnete Maria Tlieresia, als sie
den wie es scheint {uerst von dem sardiuischen Minister d'Ormea ge-
äusserten Plan aufgriff, das wittelsbachische ILius ^um Aufgeben seines
Stammlandes gegen entsprechende Entschädigungen in Italien Zugewinnen.
Hatte sie bereits am 8. Juni in einem für Georg II. bestimmten Me-
moire erklärt, dass sie auf einer Schadloshaltung durch ein angren-
zendes Land bestehen müsse, so wagte sie Mitte Juli die Behaup-
tung dass „wann nach dem Verlust von Schlesien die kurbairische
Lande an den Kurfürsten dieses Namens wieder zurückgestellet
werden sollten, wir ebensowenig für das künftige sicher sein wür-
den, als der König von Enge Hand sicher wäre, wann der Prätendent
') Berichte Wasner s vom April und Mdi i/^y ; insbcsondtTc d» d* 7. Mai
174^» St.'A. Für die englische Politik jener Zeit vgl. neben den bereits erwähn-
ten Werken auch Ballantync l. c. 261 f
1743 Sept. 13. 603
in dem Besiti derer Niederlande sich befände" ; und gab Wasner
die Weisung^ den Engländern ^u erklären, dass man der öster-
reichischen Herrscherin nicht {u gleicher Zeit die grossen Opfer in
Italien und die Rückgabe der kurbairischen Länder an Karl VIL j^u-
muten, ihre Schadloshaltung aber auf ungewisse Fälle verweisen dürfe.
Denn obgleich England ihr „das in Händen habende Heß, nämlich
den Besit^ derer kurbairischen Landen*^ mit Gewalt ^u entreissen, sich
nicht getrauen dürfte, so habe man doch Grund ^// besorgen, dass man
von ihr die Rückgabe dieser Gebiete durch die Drohung, sie sonst
gegen Preussen nicht {u unterstützten, ergingen wolle. „Gleichwie
nun, um Preussen im Zaum ^u halten, kein ergebigeres Mittel , als
die bei diesem König fürdaurende Beisorge ist, dass wir uns in Pes-
simum dabilem casum mit Frankreich setzen dörften, also lässt sich
obangedeuteter Anstössigkeit ohnmöglich änderst ausweichen, als wann die
deutsche und italienische Anlieg enheiten miteinander vereinbaret und
beede :{ugleich fesi^usetien angetragen wird, bevor ab da man gegründete
Ursach j^u hoffen hat, dass Sardinien von wegen seines eigenen Interesse
und Sicherheit uns in denen ersteren das Wort sprechen dörfte/^ Ein
bestimmtes Projekt für diese Schadloshaltung wurde Wasner nicht mit-
gegeben, wohl aber 2 Gutachten verfasstß in denen die Frage gründlich
erörtert wurde.^)
Die neuen Pläne Maria Theresia' s, von denen Wasner den Eng-
ländern im Hauptquartier {u Hanau Mitteilung machte, erregten den
heftigsten Unwillen Georgs //. und seines mit den Verhandlungen be-
trauten Ministers Carteret, Beide betonten, dass der Vertrag mit Karl
Emanuel geschlossen werden müsse, da man die Mitwirkung dieses
Fürsten bei dem geplanten Angriffe gegen Frankreich nicht entbehren
könnte^ beide erklärten aber auchy dass England eine schriftliche Zu-
sage, Osterreich den Besit^ des bairischen Stammlandes -{« garantieren,
nicht geben könne. Doch fügte Lord Carteret diesem Refus die cha-
rakteristischen von ihm schon öfters gebrauchten Worte hin:(u : „comme
sa Mti' la reyne etoit en possession de la Baviere qu eile la tienne
Sans dire si eile la veut garder ou non et en agissant en meme tems
contre la France avec toute la vigueur possible^ Alle Bemühungen
Wasners, eine schriftliche Erklärung der Engländer in dieser Frage
{u erhalten, blieben vergebens und ebensowenig gelang es ihm sie :{ur
Bewilligung der von Maria Theresia für die Dauer des Krieges be-
gehrten jährlichen Subsidie von joo.ooo Pfund St. ^u bewegen. Viel-
') Instruktion für Wasfter ä, d. 18. Juli 174^. St-A.
6o4 '743 Sept. 13.
mehr erhielt RobinsoHy der die Interessen Englands am Wiener Hofe
vertrat, strengen Befehl, der österreichischen Regierung in energische-
stetn Tone die Notwendigkeit vorzuhalten, den Vertrag unter den von
Sardinieft vorgeschlagenen und von England gebilligten Bedingungen
anzunehmen.^) Zu Beginn des Monates August 174} kam es in Wien
{u entscheidenden Beratungen, deren Resultat in der Weisung x>om
4. August an Wasner ihren Atisdruck fand. Dieser erhielt den Auf-
trags im Namen seiner Herrin ^u erklären, dass sie die For-
derungen Sardiniens bezüglich Finale's nur insoweit erfüllen könne,
als sie bereit sei, all ihre Befugnisse auf den König von Sardinien
:{U übertragen ; dass sie aber auf der Streichung des dritten Separat-
artikels bestehen müsse, durch den sie :{tir Übergabe dieses der Re-
publik Genua gehörenden Gebietes verpflichtet werden sollte. Da tum
Karl Emanuel die Belassung der vor Pavia liegenden Insel im
österreichischen Besit^ei gegen die Zusage der freien Schifffahrt
für seine Schiffe in diesem Gebiete gestatten wolle, hoffe Maria
Tlieresia , dass dem Abschlüsse des Bündnisses mit Sardinien kein
Hindernis mehr im Wege stehen werde. Von der Abtretung der
Stadt Piaccn:{a und des piacentischen Gebietes bis an die Nura, die
Karl Emanuel gefordert und die Engländer unterstützt hatten, sollte
Wasner vorerst nicht sprechen. Falls sich aber die englischen und sar-
dinischen Minister entschieden weigern sollten unter diesen Bedingtingen
abwuscht iessen ; falls ferner die unter dem Kommando Karls von Lo-
thringen stehende Armee weder den Rhein mit Sicherheit passieren,
noch aus Mangel an Subsisten:{ an ihrem jetzigen Standplätze bleiben
könnte, diinn sollte Wasner erklären, Maria Tlieresia sei bereit , falls
der Opcrationsplan {ur gän{/ichrn Zufriedenheit Karls von Lothringen
festgestellt, die beiden von Wasner in diesem Falle voritdegenden De-
klarationen betreffs der Schadloshaltung Maria Theresia' s von England
unterzeichnet y'^) der y und S. Artikel des ab^uschliessenden Vertrages
•) Bericht Wasners d. d. Hanau •2y. Juli 1743- St-A.
*) Acte Je dechiration separce.
Comwc sa M^^ le roy de la Grandc-Bretagtw a garauti de Li maniere
la p/us solemiielle non seulement toiites les possessions de la serenissini ' maison
d* Autriche, mais encore l* ordre de succession y etahli en vertu de la sanction
pragmatique par le traitte d' alliance du 16 Mars lyfi la quelle garantie a ete
renouvellee et expliquee plus amplement par V acte d* accession du 20 Febrier
1732, eile s* est en outre engagee specialement a V occasion des pa'is ced^s a
sa M^^ le roy de Prusse par le traitc de paix de Breslau d' emploier toutes ses
forces pour procurer a sa 3/'«' la reine de Hongrie et de Boheme un juste de-
174:^, Sept 13. 605
— sie betrafen die Subsidien^ahlung Englands an Österreich^) und die
Verpflichtung Österreichs, seine Truppen in Italien ^u vermehren'^) —
in der von der Wiener Regierung gewünschten Form gebilligt werden
sollten, die Stadt Piacen^a nebst dem Teile des piacentischen Gebietes
bis an die Nura an Sardinien abzutreten.
dommagement pour un si grand sacrificc qu* eile a fait au hien de la lihert'}
commune de taute V Europe qui se irouvoit dans A' danger le plus imminent
d* etrc total- ment opprinu^e par la maison de Bourbon, C'est pourquoy sa dite
M*^ Ic roy de la Grande-Bretagne pour tranquilliter enticrement sa M*^ la reine
de Hongrie et de Boheme sur le dedomtnagement ä eile promis renouvelle par
le present acte tous les engagemens susdits, promettant en foy de roy d* assister.
sa M^ la reine de Hongrie et de Boheme de toutes ses forces, et t/ • ne pas
poser les armes jusqu' a ce qu' eile alt obtenü tant un juste et proportionm^ de-
dommagcment pour le passe aux depens de V ennemi commun qu une reparation
des torts soufferts et seurett^ süffisante pour P avenir,
Second acte de declaration sepan^e et secrete,
En consequence de l' acte de declaration qui assüre a sa M^ la reine de
Hongrie et de Boheme le dedommagement qui luy est du selon V article 2 de
r acte d* accession du 20 Fevrier jyy2 , sa M^* britannique s* engage envers eile
et promet de ne jamais insister sur la restitution de la Baviere et du Haut-Pa-
latinat en tout ou en partie, ni de luy refuser V assistance stipuUe par les trat-
tes pour la porter par quel motif que ce puisse etre a faire la dite restitution
coutre son gre,
*) Der Artikel 8, sollte nach de tu österreichischen Projekte lauten: De
plus et pour subvenir a la depense extraordinaire que tant sa M^ la reine de
Hongrie et de Boheme que sa M^^ le roy de Sardaigne sont et seront obligt^s de
supporter pour niettre sur pied et faire agir un nombre des troupes beaucoup
plus grand que leurs propres nvenus jie suffisent a entretenir, la premiere s' en-
gageant sur tout de ne pas diminuer durant toute la guerre Itf nombre des trou-
pes qu' eile a actuellement sur picd, sa Af'^ le roy de la Grand-Bretagne s* oblige
de fournir a sa M*^ la reine de Hongrie et de Boheme tant que la guerre du-
rera un subsidc de trois cent mille livres Sterlings par an la quelle somtne luy
a deja ett^ accordee pour V ann^e militaire courante, et de fournir pareillement
tant que la guerre durera d sa Af' *•' le roy de Sardaigne un subside des deux
cent mille livres Sterlings par an a payer etc,
*) Maria Theresia wollte den 5. Artikel in der von England vorgeschla-
genen Form (es ist die gleiche, die dann gewählt wurde, vgl. § 5 des toeiter unten
abgedruckten Vertrages), mit der Verpflichtimg Österreichs seine Truppen in
Italien bis auf yotwo Mann {« erhöhen, nur dann annehmen, falls die jährliche
Subsidie von yoo.000 Pfund St, für die Dauer des Krieges von England bewilligt
werden sollte ; im anderen Falle wollte sich Maria Theresia nur verpflichten für
die Kosten des gegenwärtigen Krieges alle Erträgnisse ihrer Staaten in Italien
— nach Ab^ug des für die Justi\ und die Regierung des Landes notwendi-
gen Betrages — ^u verwenden.
6o6 '743 Sept. 13.
Aber auch diesmal fanden die österreichischen Anerbietungen
keinen Beifall, Carteret erklärte, nachdem er die beiden umfangrei-
chen Gutachten gelesen hatte ^ iii denen die Wiener Regierung die
Berechtigung ihrer Forderung auf Baiern und die Oberpfal^ als Ent-
schädigung für den Verlust Schlesiens ^ti erweisen suchte y nicht
nur Baiern, das gan^e Reich werde sich gegen einen derartigen Plan
ereifern; er müsse die Idee als eine undurchführbare bezeichnen. Und
viel heftiger noch äusserte sich Georg II, über die Untunlichkeit und
Gefährlichkeit des österreichischen Vorschlages, Beide aber blieben
dabei, dass man Karl Emanuel gewinnen und dass Österreich^ um
dieses Ziel ^u erreichen, sich enischliessen müsse, die Stadt und das
Gebiet von Piacen^a bis an die Nura an Sardinien abzutreten. Auch
diesmal blieben alle Bemühungen Wasners, die Gegner eines besseren
{u belehren, vergebens. Die schriftliche Antwort Carterets auf die
österreichischen Gutachten lautete schroff ablehnend, und in der De-
batte mit [Vasner meinte der englische Minister, „ich weiss aus sicherer
Quelle, dass es Personen in Wien gibt, welche sehr bestrebt sind, den
Geist der Königin gegen den englischen Hof und besonders gegen mich
einzunehmen, um die Königin z^ einer Vereinbarung mit Frankreich
ZU bewegen; aber das wird nach dem Urteile aller der Ruin der Kö-
nigin und des Hauses sein; abgesehen davon, dass ich vielleicht die
Mittel finde, ihr >{//pör^«^oww^«/*^ ') Da aber die Kriegsoperationen
ihren Fortgang nahmen, hielt es Wasner nicht für angezeigt mit seinem
Ultimatum herauszurücken; er teilte vielmehr das negative Ergebnis
seiner Verhandlungen dem Wiener Hofe mit der Bitte um neue In-
struktion mit. Dieselbe wurde ihm alsbald z^ Teil; sie unterschied
sich in den wichtigsten Punkten nicht von der früheren, Maria The-
resia blieb noch immer dabei, dass England ihr für das Zugeständnis
bezüglich Piacenza's die geforderte Schadloshaltung schriftlich z^^ sichern
solle, „Dein Hauptsystem, schrieb sie Wasner, hat jederzeit z^ sein,
dass uns Baiern nebst der Oberpfal{ verbleibe,^' '^) Doch war sie bereit
die Abmachung darüber geheim ^?^ halten und dem Hause Witteisbach
eine entsprechende Entschädigung ^w geben. Sie schlug Toscana, even-
tuell auch das Fürstentum Massa und die Grafschaft Novellara vor
und erteilte Wasner die Befugnis, auch vom Austausch der spanischen
Niederlande ^« sprechen,^) Im übrigen wurde Wasner von neuem be-
•) Bericht Wasticrs d, d, i(). Äug, 1741. St.-Ä. ; Carteret spmch französisch,
») Weisung vom 57. August 174^, St.-A.
^) Ebenda.
1743 Sept. 13. 607
auftragt, alles anzubieten, um von England die verlangte Subsidie für
die Dauer des Krieges :{ii erwirken.
Als der Vertreter Maria Theresia s — Anfang September 1743
— /;/ Worms, wohin das Hauptquartier Georgs IL verlegt worden
war, Carteret aufsuchte, fand er diesen in sehr erregter Stimmung, Ro-
binson hatte aus Wien von sehr heftigen Debatten mit dem Hojkan^ler
Ulefeld geschrieben, in deren Verlauf sich dieser bis :(ur Äusserung ver-
stiegen habe, „de cette fafon lä nous ne cheminerons pas long tems
ensembleJ' Auch hatte Robinson gemeldet, dass Maria Tlieresia mit
Sicherheit auf die Erwerbung Baierns und der Oberpfal^ rechne und
nur unter dieser Bedingung mit Sardinien abschliessen wolle, Carteret
erklärte auf das entschiedenste , England könne auf diese Forderung^
Maria Theresia' s nicht eingehen. Er berichtete Wasner {u gleicher Zeit
von einer Unterredung, die er in Main^ mit Haslang, dem Vertreter
Kaiser Karls VII,, gehabt, und in der dieser er:{ählt habe, sein Herr
habe :(u wiederholtenmalen betont, wenn ihm selbst das weit mehr
tragende Königreich Böhmen für Baiern angeboten würde, möchte
er dieses sein altes Erbland gegen besagtes Königreich nicht vertau-
schen. Auch wies der englische Minister neuerdings auf den Wider-
stand hin, den Maria Theresia" s Forderung bei den Fürsten des Reiches,
^itmal bei Friedrich IL, finden würde, Wasner suchte ihn umzustimmen,
indem er mit seinem Ultimatum hervortrat, die Bereitwilligkeit Maria
Theresia' s betonte, in die Abtretung der Stadt und des Gebietes von
Piacen^a bis an die Nura ^// willigen, falls England die beiden De-
klarationen, die er f« gleicher Zeit vorwies, unterzeichnen und die
Subsidie von joo.ooo Pfund St, für die Dauer des Krieges bewilligen
wolle. Kaum aber hatte Carteret die von dem Wiener Hofe entwor-
fenen Deklarationen gelesen, so erklärte er, die Unterzeichnung der-
selben nicht zugestehen ^w können; -{« einer solch bindenden Zusage
werde Georg IL nie >(« haben sein. Doch versprach er, die Sache -{//
erwägen und seine Entschlüsse dem Vertreter Maria Theresia' s mitzu-
teilen. Es dauerte fast eine Woche bis dies geschah. Am p. Sept.
legte er Wasner eine von ihm verfasste Deklaration vor. Dieselbe
war weitläufig, enthielt aber nur das allgemein gehaltene Versprechen
des englischen Königs „de procurer ä la reine d' Hongrie, sans pour-
tant entrer dans aucun engagement specifique, le meilleur dddommage-
ment qn il seroit possible suivant les conjonctures et le succds de la
guerre,'^ Wasner erklärte sich ausser Stande diese Deklaration z^
acceptieren , und da es ihm nicht glückte, Carteret von der Not-
wendigkeit weiterer Zugeständnisse ^« überzeugen , forderte er den
6o8 »743 ^"^ept. 13.
Aufschub der Verhandhmgeny um eine neue Instruktion seines Hofes
einzuholen. Nun aber erklärte Carteret in eine weitere Verzögerung
nicht willigen ^« können. Der Vertreter Karl Emanuel's, OsoriOy
habe ihm mitgeteilt, dass sein Herr von Spanien und Frankreich die
glänzendsten Anerbietungen erhalten habe und entschlossen sei, falls
die Unterzeichnung des Bündnisses z'^lschen Österreich, England und
Sardinien nicht alsbald erfolge, mit den oberwähnten Mächten ahzu-
schliessen. Im Hinblicke auf diese Gefahr und in der Erwägung,
dass nicht die geringste Hoffnung vorhanden sei eine andere Erklärung
ZU erhalten, möge Wasner sich ^//r Annahme der von England ver-
fasstcfi Deklaration und ^«r Unterzeichnung des Bündnisses entschliessen.
Aber noch immer z^g^^l^ ^^^^ österreichische Gesandte auf das Be-
gehren Carterets einzugehen und suchte diesen {// bestimmten Verspre-
chungen bezüglich der Schadloshaltung Maria Theresia's z^' bewegen.
Da aber Carteret standhaft blieb und Osorio wie die deutschen Minister
Georgs II, nicht müde wurden, Wasner ^m bestürmen, gab dieser end-
lich nach und erklärte sich einverstanden, mit Vorbehalt der Geneh-
migung seiner Regierung, die englische Deklaration -{« accepiieren und
den, Vertrag ^« unterzeichnen, falls die übrigen Forderungen Maria
Theresia's gegen Abtretung der Stadt und des Gebietes von Piaccnza
bis an die Nura gebilligt werden sollten.
Am 10, September begannen die Ve^^handlungen^) über die ein-
zelnen Artikel des von England entworfenen, von Maria Theresia und
Karl Emanuel begutachteten Projektes, Sie verliefen ungemein erregt ;
in manchem Punkte gab Wasner, in manchem seine Gegner nach. Der
erste Artikel, durch den sich die ) Mächte gegenseitige Freundschaft
und Unterstützung z?^sicherten ^ bot keine Schwierigkeiten, Dagegen
weigerte sich Osorio heftig, die Präliminarartikel vom ß, Okt, 17 Jß, wie
Wasner forderte , in die durch den ß. Artikel {« gewährleistenden
Verträge auf- und damit die Garantie Toscaua's ^/^ übernehmen, es
sei denn, dass der Grossher{og sich seinerseits >{7<r Garantie der Be-
sit{ungen Karl Emanuels verstehen wolle. Da aber Franz von Lothringen
sich z^ einer derartigen Recipro{itäf nicht verpflichten wollte und dem
Vertreter Maria Tlicresias den Befehl erteilt hatte, in diesem Falle
lieber von der Garantie des toscanischen Besitzes abzustehen, verzichtete
dieser auf die ausdrückliche Erwähnung des Präliminarver träges vom
}, Okt. 17 ßß. Grössere Schwierigkeiten verursachte auch die endgiltige
*) Vgt. für ätis folgende Jen Bericht Wasner' s J, d. 14, September
174^, St-A.
1743 Sept. 13. 609
Formulirung des dritten Artikels^ der die Renum^iation Karl Emanuels
auf Mailand und die Anerkennung der pragmatischen Sanktion durch
denselben enthielt. Man entschloss sich endlich, die Forderung des Sa-
voyers, dass sein Verzicht auf Mailand ungültig sein sollte falls eine der
Töchter des Hauses Österreich, auf die die Nachfolge fallen könnte^ mit
einem Prinzen des Hauses Bourbon sich vermählen würde, in einem ge-
hcimen Separatartikel :(U erfüllen und dafür den Verzicht auf Mailand
{// Gunsten Maria Theresia' s auch auf deren Erben und Nachfolger
auszudehnen. Die Feststellung der Artikel 4, 6 und y, durch die
Karl Emanuel {ur Fortführung des Kampfes an der Seite Maria The-
resia's, England j(ur Erhaltung einer starken Flotte im Mittelmeer ver-
pflichtet und Karl Emanuel :{um Kommandanten der vereinigten Armee
bestellt wurde, machte keine Schwierigkeit, Umsomehr die des ß, und
des mit diesem im Zusammenhange stehenden 8, Artikels, Österreich
wollte sich fiur gegen Gewährung einer jährlichen Subsidie von joo.ooo
Pfund St, für die Dauer des Krieges {ur Vermehrung seiner in Italien
stehenden Truppen auf ßoooo Mann verstehen, Carteret aber behauptete,
er dürfe ohne Einwilligung des gesamten englischen Cabinettes eine solche
bindende Zusage nicht geben. Dagegen bestand er auf der ursprüng-
lichen Formulierung des ß, Artikels, Die schliessliche Einigung be-
deutete den Sieg der Engländer, Wasner gab sich mit der mündlichen
Erklärung Carterets „Maria Theresia könne versichert sein, dass König
und Parlament nichts in der Geldfrage ^u tun unterlassen werden^' , {u-
frieden und gestand die Vermehrung der österreichischen Truppen in Ita-
lien auf ^0000 Mann {u, allerdings erst dann, als Carteret und Osorio
in die Aufnahme der beschränkenden Klausel gewilligt hatten, nach
der Maria Theresia {u dieser Erhöhung ihrer italienischen Truppen
verpflichtet sein solle „aussitdt que la Situation des affaires en Alle-
magne pourra le permettre,^' Die Formulierung des p, Artikels, der
die von Österreich an Sardinien abzutretenden Gebiete festsetzte, bot ,
nachdem Wasner seine Einwilligung bezüglich Piacem^cCs gegeben
hatte, keine wesentliche Schwierigkeiten, Um so grössere aber die des
10, Artikels, der die Verfügungen Maria Theresia's über Finale ent-
hielt. Es bedurfte langer Verhandlungen, bis endlich die in dem Ver-
trage ^um Ausdruck gelangende Fassung gefunden wurde, die in allen
wesentlichen Stücken den Wünschen der österreichischen Herrscherin
entsprach. Die Festsetzung des Wortlautes der weiteren 7 Artikel ge-
lang leicht, Sie enthielten gegenseitige Verpflichtungen beim Abschlüsse
von Friedensverträgen (11, 12, 14) und bei Fortdauer des Krieges
(Iß) ; Bestimmungen über die Aufnahme anderer Fürsten in das Bündnis
i )sterreic)iiscli-engHsche Staatsverträ^e. Bd. I. 39
6 10 »743 Sept. 13.
fi6, ly) und über die Ratifikation des Vertrages (i8J. Für die
österreichisch-englischen Beziehungen von besonderer Bedeutung war
der 1$, Artikel, durch den sich Maria Tfieresia nicht nur verpflichtete,
die englischen Untertanen im Besitze aller Handelsvorteile j^u be-
lassen, die sie in diesem Augenblicke besassen, sondern auf Verlan-
gen Englands einen besonderen Handels- und Schifffahr tsver trag ^u
schliessen. Auch die Formulirnng des ersten und dritten Geheimarti-
kels bot keine Schwierigkeit, Maria Theresia erklärte sich durch den
ersteren bereit, England bei dem Versuche :{ii unter siüt:{en, die Schwei:^
{ur Gestattung des Durchzuges von Soldaten und {ur Stellung eines
Truppenkorps ^u bewegen, und gab in dem letzteren ihre Zustimmung,
dass der Verzicht Karl Emanuels auf seine Ansprüche bezüglich Mai-
lands für den Fäll keine Geltung haben sollte, als eine der Succesions-
berechtigien Töchter des Hauses Habsburg sich mit einem Prinj^en
aus dem Hause Bourbon vermählen sollte.
Grosse Schwierigkeit verursachte dagegen die Texiirung des :{wei-
ten geheimen Separaiartikels, Wohl war Maria Theresia bereit all ihre
Kräfte mit denen der Verbündeten j(n vereinigen, um der spanischen
Herrschaft in Italien ein Ende ^// machen, und es hielt auch nicht
schwer, sie ^u dem Versprechen \u bewegen, im Falle des Gelingens
dieses Planes Sizilien dem Könige von Sardinien \u überlassen und
sich mit Neapel und dem „stato degli presidii^^ s^u begnügen. Da-
gegen hatte Wasner strengen Befehl, die Sireichung der von Karl
E mannet geforderten Klausel {u verlangen, durch die sich Österreich
verpflichten sollte, die savoyischcn Besitzungen gegen neue Einfälle
Frankreichs ^n sichern, ,,meme au moycn de quelques conquetes sur
la France de ce cote lä qn ils doivent ceder au susdit royf Allein
alle Bemühungen Wasner s scheiterten an dem festen Widerstände
Osorio'sy der ein Schreiben seines Herrn verlas, aus dem hervorgieng^
dass derselbe ohne dieses Zugeständnis an dem Kriege nicht teilnehmen
wolle. Der Ver freier Maria Theresia s mnssie, {utnal Carter et auch
in diesem Falle sich auf die Seite des Königs von Sardinien stellte,
nachgehen. Dagegen Hess Osorio den geheimen Separatartikel , der
sich auf Finale be{ngen hafte, fallen. Am iß, Sepf, wurde der Haupt-
verfrag und die 7 Separafarfikel von Carteref, Wasner und Osorio
unterzeichnet ; am selben Tage unterfertigten die beiden ersteren die
Deklarationsakte über die Schadloshaltung Maria Theresia s, Wasner
war sich bewnsst, dass er den Gegnern weitgehende Konzessionen ge-
macht hatte ; er fürchtete, seine Herrin werde mit ihm unzufrieden sein.
Der Bericht, mit dem er die Übersendung des Vertrages einbegleitete.
»743 Sept. 13. 611
liest sich wie eine Rechtfertigiingsschrift. Man habe ihm das Messer
an die Kehle gesetzt, er habe sich fügen müssen. In der Tat ent-
sprach das Resultat seiner Verhandlungen den Hoffnungen des Wiener
Hofes durchaus nicht. Die Hauptbeschwerden desselben richteten sich
gegen die IVeigenmg der Engländer ^ den Österreichern für die Dauer
des Krieges eine Subsidie von joo.ooo Pfund St, {u sichern^ g^g^^ ^^l^
weitgehende Verpflichtung, die diese im Interesse Sardiniens bei einem
Kriege gegen Frankreich übernehmen sollten und gegen die Deklarations-
akte, die in der vorliegenden Form > eher einen Rück- als einen Fort-
schritt gegenüber den früheren Erklärungen Englands bedeutete. Die
Ratifikation des ganzen Vertrages aus diesen Gründen ^u weigern, oder
auch nur ^« verzögern, wagte man aber im Hinblicke auf die Not der
Zeiten nicht. Doch cntschloss sich Maria Theresia auf die Ratifikation
der Deklarationsakte , deren Aufnahme in den Vertrag sie ja vorge-
schlagen hatte, ^u veri{ichten^^ und erteilte Wasner den Auftrag, die
von ihr am 28. Sept, unterfertigten Ratifikationsurkunden des Haupi^
Vertrages und der ß Separatartikel erst dann ^u überreichen , wenn
Georg IL in irgend einer Form sich ^ur Zahlung der Subsidie von
joo.ooo Pfund St, für die Dauer des Krieges verpflichtet haben würde.
Zu gleicher Zeit erhielt Wasner den Befehl, ^ur Vermeidung jedes
Missverständnisses, im Namen Maria Theresia s \u erklären, dass sie
durch die Ratifikation des ^weiten Sep^iratartikels Frankreich nicht im
geringsten verletzen wolle. Die Bemühungen Wasners blieben nicht
ohne Erfolg. Am 14, Okt, wurde in Worms eine neue Konvention
geschlossen,, von der im folgenden die Rede sein wird. Erst nach
Unterzeichnung derselben fand die Auswechslung der Ratificationen
des Hauptvertrages statt»
Au nom de la trfes-sainte trinitö.
Soit notoire ä tous et chaciin qu'il appartient ou peut
appartenir en maniere quelconque.
D'autant qua les troubles qui sur le deces de Tempereur
Charles VI. de glorieuse memoire sans lignöe masculine se sont
•) Die englische Rat. dies r Separatdeklaration d, d. Westminster 77/?
20, Sept.ji. Okt, (Or, R, O.J ist unterzeichnet „maniöus custodum et justiciariorum
nostrorum regni nostri Magnae-Britiinniae et locumtenentium nostrorum in eodem,*'
Bolton ; Haräwicke,
Halles Newciistle, Montague. Harringtou,
Winchelsea, Txieedal, Dorset
H, Pelham, Hav, Grafton,
39*
6 12 1743 Sept. 13-
elev^s en Allemagne non obstant Texpresse teneur des trait^
de paix et d' alliance les plus solemnels et les plus recens, cor-
robores par la garantie autentique du corps de rempire, qui
assurent h sa fille ainee et k sa posterit(5 rentiere et indivisible
succession de ses etats hereditaires, tendent manifestement ä
renverser tout equilibre en Europe et en exposent la liberte
et Celle du commerce au danger le plus evident lequel s'ac-
croit encore par la conquete que les rois d'Espagne et de Na-
ples ont entreprise ouvertement des etats possedös par la sere-
nissime maison d' Autriche en Italic contre la foi de leurs pro-
pres engagemens, aprös quoi le reste de V Italie ne pourroit plus
leur resister et toutes les cötes de la mer mediterranöe se trou-
veroient soumises h une meme maison.
Pour obvier autant qu'en eux est ä des maux si imminens
et h une entreprise dont les consequences seroient si fatales
ä tous les princes et etats d* Italie, h leur liberte, ä leur com-
merce et a celuy des puissances maritimes dans la mer medi-
terrance, la serenissime et tres-puissante prinsesse Marie Therese,
reine de Hongrie et de Bohöme, archiduchesse d' Autriche etc,
le serenissime et trcs-puissant prince George second, roi de la
Grand- Bretagne, electeur de Brunswic-Lunebourg etc., et le
serenissime et tres-puissant prince Charles Emanuel, roi de Sar-
daigne, duc de Savoye etc., se trouvant si essentiellement in-
teresscs a la conservation d'un juste equilibre en Europe, d'oü
depend la liberte de T Europe, et au maintien de la liberte et
scuretc de l'Italie en particulier, d'oü depend celle de son com-
merce et de celui de la mediterranee, ont resolü de s'unir en-
semble plus etroilement et plus inseparablement dans cette ferme
intention, et de perseverer inviolablemcnt a joindre leurs con-
seils et leurs forces pour en obtenir T eilet desire et speciale-
ment pour repousser d'un commun accord l'injuste invasion
intentee par les rois d'Espagne et de Naples et mettre, s*il se
peut, ritalie a couvert de tous pareils attentats ä l'avenir.
Dans cette xue et a fin de prevenir la dite invasion sans
perte de tems, sa M^e le roy de Sardaigne est entre des le
Premier du mois de Fevrier 1742 avec sa Mt^' la reine de Hon-
grie dans une c()n\ention provisioneile dont la teneur estrV)
•) Dirser Vrrfnijir ist u.a. i^u\irUikt : (A>Ui\tion 0/ all thc treaties II, ^^ ;
fr fi kill son 1. r. ff. ;()i : (^.liaJmcrs f. c. ff. ;22; Sofar Je fa Mirgurrite f, c. III i ;
W.'tlck /. r. f. r>y2.
1743 Sept. 13. 613
Folgt der Wortlaut des Vertrages vom /. Februar 1742,
En consequence de cette Convention sa M^c le roi de Sar-
daigne a d'abord Joint un corps considerable de ses trouppes
a Celles de la dite reine, sa M^e le roi de la Grande-Bretagne
ayant envoye une puissante escadre pour concourir au maintien
des libertös de l'Italie.
Ä fin de ne pas laisser 'infructueuses de si grandes de-
penses et d' assurer encore mieux et d' accelerer pour le present
r entiere execution d' une resolution si necessaire et si legitime,
et ä fin aussi d' en perpetuer V effet pour les tems ä venir, leurs
dites Mtes ont autorise et autoriscnt leurs ministres plenipoten-
tiaires ä en regier incessamment les details et les conditions: Sa-
voir sa Mte la reine de Hongrie et de Boheme le sieur Ignace
Jean de Wasner, son ministre plenipotentiaire aupr^s de sa Mte
britannique; sa M^^' le roi de Sardaigne le Chevalier Ossorio,
Chevalier grand-croix et grand-conservateur des ordres reli-
gieux et militaire des S. S. Maurice et Lazare, envoye extraordi-
naire et ministre plenipotentiaire de sa dite M^^' aupres de sa
Mte le roi de la Grande-Bretagne; et sa Mte le roi de la Grande-
Bretagne son conseiller prive Jean lord Carteret, baron de
Hawnes, un de ses principaux secretaires d*etats etc., lesquels
apres s'etre entre-communiques leurs pleinspouvoirs respectifs
et avoir meurement confere ensemble sont convenüs des ar-
ticles suivans.
I.
II y aura des a present et pour tous les tems ä venir
entre sa Mte la reine de Hongrie et de Boheme, sa Mte le roy
de la Grande-Bretagne et sa Mte' le roy de Sardaigne une etroite
amitic et alliance sincere^ perpetuelle et inviolable, en vertu de
laquelle ils seront tenüs de se soutenir, deffendre et secc^urir
reciproquement et constamment, de veiller ä leur sürete mu-
tucUe comme ä la leur propre, de procurer ce qui leur sera
avantageux, et d' eloigner autant qu' ils pourront ce qui leur se-
roit nuisible et dommageable.
IL
Pour cet effet les alliös s' engagent dercchef ä une garantie
tres expresse de tous les royaumes, etäts, pais et domaines
qu'ils possedent actuellement ou doivent posseder en vertu du
6 14 '743 Sept 13.
traite d'alliance fait ä Turin en 1703, des traitös de paix d' Ut-
recht et de Bade, du traitö de paix et d'aliiance communement
appellö la quadruple alliance, du traitö de pacification et d'al-
iiance conclü ä Vienne le 16 mars 1731, de Tacte de garantie
donne en consequence et passe en loi de Tempire Vonzieme
Janvier 1732, de Tacte d'accession signe pareillement en con-
sequence ä la Haye le 20 Fevrier 1732, du traitö de paix signe
ä Vienne le 18 Novembre 1738 et de Taccession qui y a ete
faite et signee ä Versailles le 3 Fevrier 1739; tous lesquels
traites sont pleinement rapelles et confirmös icy en tant qu'ils
peuvent concerner les alliös et quMls n'y ont pas deroge spe-
cialemcnt par le present traitö.
in.
En conformitö de la garantie contenue dans le precedent
article, et pour qu' il ne reste aucun sujet de contestation entre
les deux serenissimes maisons d' Autriche et de Savoye, sa Mte
le roy de Sardaigne pour lui, ses heritiers et successeurs re-
nonce nommement et pour toüjours mais uniquement en fa-
vcur de sa Mte la reyne de Hongrie et de Bohöme et de ses
heritiers et successeurs ä ses droits pretendus sur Tetat de
Milan lesquels, quoique jamais admis de la part de la reine, il
s' etoit reservö la liberte de faire valoir par la Convention pro-
visioneile. Et en outre sa Mte le roi de Sardaigne s'engage
formellement et specialement a la garantie de T ordre de suc-
cession etabli dans la dite serenissime maison par la sanction
pragmatique, de la memo maniere qu'elle est enoncee dans le
traite de pacification et d' alliance fait ä Vienne le 16 Mars
1731, Sans neanmoins que sa dite Mte soit jamais tenue d'en-
voyer du secours hors d'Italie.
IV.
A cette fin sa Mte le roi de Sardaigne qui a dejä Joint
ses trouppes a Celles de la reine d' Hongrie et qui les a dejä
augmentees considerablement continuera ä concerter et ä exe-
cuter conjointement avec eile et ses generaux toutes les me-
sures et Operations qui seront jugees les plus efficaces pour
eloigner et repousser l'iuvasion actuellement intentee ou ä in-
tenter contre les etats de la dite reine et pour les mettre ä
Y abri de tout danger present et futur autant que faire se pourra.
1743 Sept. 13. 615
V.
Pour parvenir ä ce but et durant le cours de la presente
guerre sa Mte la reyne de Hongrie s'engage non seulemcnt
d'entretenir en Italie le nombre de trouppes qu'elle y a ac-
tuellement, mais de les augmenter et jusqu au nombre de trente
milie hommes effectifs, aussitöt que la Situation des affaires en
Allemagne pourra le permettre. Et sa Mte le roi de Sardaigne
s' engage a entretcnir et employer le nombre de quarante mille
hommes d'infanterie et de cinq mille hommes de cavallerie, y
compris ce qu' il faudra pour les garnisons et la defense de ses
propres etäts.
VI.
Sa Mte le roy de Sardaigne aura le commandement su-
preme de V armee allice lorsqu' il s' y trouvera en personne, et il
en reglera les mouvemens et les Operations militaires de con-
cert avec sa Mte la reine de Hongrie selon que l'exigera l'in-
teret et le besoin commun.
vn.
Tant qu*il en sera besoin pour favoriser et seconder ces
Operations et que le danger des allies et de Tltahe le deman-
dera, sa M^e le roi de la Grande-Bretagne s' engage ä tenir
dans la mer mediterranee une forte escadre de vaisscaux de
guerre et ä bombes et de brulöts, dont Tamiral et les com-
mandants auront ordre de concerter constamment et reguliere-
ment avec sa Mte' le roi de Sardaigne ou bien avec ses gc-
neraux et ceux de sa Mte' la reine de Hongrie qui seront les
plus ä portee les mesures les plus convenables pour le Service
de la cause commune.
vm.
De plus, et pour subvenir ä la depense extraordinaire que
sa Mte le roi de Sardaigne est et sera obligöe de supporter
pour mettre sur pied et faire agir un nombre de trouppes beau-
coiip plus grand que ses propres revenus ne suffisent ä entre-
tenir, sa Mte le roi de la Grande-Bretagne s' engage k luy
fournir, tant que la guerre et le besoin durera, un subside de
deux cens mille livres Sterlings par an, ä payer chaque trois
mois et ä commencer du premier de Fevrier 1742 n. s., jour
que la Convention provisionelle füt signee entre le dit roi et
6l6 »743 Sept. 13.
sa Mte la reine de Hongrie. Et le dit subside sera ponctuelle-
ment paye de trois mois en trois mois d'avance, bien entendü
qu'il y soit impute ce qui aura et6 avance ä sa Mt^' le roy de
Sardaigne avant la Signatare du present traite.
IX.
En consideration du zele et de la generositö avec lesquels
sa Mte le roi de Sardaigne s'est portee ä exposer sa personne
et ses etäts pour la cause publique et pour celle de sa Mte ]a
reine d' Hongrie et de Boheme et de la serenissime maison
d'Autriche en particulier et des secours effectifs qu'elle en a
dejä re^üs, en consideration aussi des engagemens onereux
d'assistance et du lien perpetuel de garantie qu'il contracte
avec eile par la presente alliance, sa dite Mte la reine de Hongrie
et de Boheme pour eile, ses heritiers et successeurs cede et
transfere des k present et pour toüjours ä sa dite Mte le roi
de Sardaigne, ses heritiers et successeurs pour etre unis k ses
autres etats la ville et district de Vigevano appell^ le Vige-
vanasque, la partie du Pavesan qui est entre le Po et le Thesin,
en Sorte quo le Thesin fasse doresnavant par son milieu la
Separation et la bome entre les etats de part et d' autre depuis
le Lago Maggiore jusqu'ä l'endroit oü il se jette dans le Po,
ä Texception seulement de l'isle formt^e par le canal vis ä vis
de la ville de Pavie laquelle isle sera reservce ä sa Mi^ la reine,
aux conditions quo le roi n'aura pas moins la libre communi-
cation de la riviere du Thesin pour le passage des barques,
Sans qu'elles puissent etre ni arretces ni visitees ni assujetties
au payement d'aucun droit, et que le dit canal ne soit jamais
comblc et serve icy de bornc; de plus cette autre partie du
Pavesan, nommee Pavese oltro Po, Bobbio et son territoire y
compris, la ville de Plaisance avec la partie du Plaisantin qui
est entre le Pavesan et jusqu'ä la moitio du lit de la riviere
Nura depuis sa source jusqu'au Po, de maniere que le milieu
autant de la Nura que du Po fasse ici la bome des deux etäts,
et que par conscquent ce qui appartenoit jusqu'icy au Plai-
santin de r autre cöte du Po en reste separe; enfm la partie
du comte d'Anghiera ou soit de Tetat de Milan, quelque nom
particulier qu'on puisse y donner, qui confine avec le Na-
varois, la vallce de Sesia, les grandes Alpes et le pays de
Vallais en tournant jusqu'aux prefectures Suisses de Val-
1743 Sept. 13. 617
Maggia et Locarno et au long et dans le Lage Maggiore
jusqu'a la moitic du dit lac, de fafon qu'ä Tavenir les confins
entre les etats de sa Mt^ le roi de Sardaigne et ceux de sa
Mte la reine de Hongrie seront continuellement fixes par une
ligne tiree depuis les confins des Suisses au milieu et au long
du Lago Maggiore jusqu'a rembouchure du Thesin qui con-
tinue de lä au milieu du cours de cette riviere jusqu'ä son
embouchure dans le Po, ä Texception du front de la susdite
isle devant Pavie, et qui de lä poursuit au milieu du cours du
Po jusqu'ä rembouchure de la Nura dans le Po et remonte
par le milieu du lit de la Nura jusqu'ä sa source qui est contre
le pays de Genes. La susdite division des cours des rivieres n' em-
pechera pas que la navigation ne reste libre ainsi qu' eile doit le
rester aux sujets des deux souverains dans toute la largeur des
dites rivieres, avec la liberte de passer sur les rivages de part et
d' autre pour le tirage des batteaux qu' on fait remonter, les dits
rivages devant neanmoins appartenir tant pour la propriete
que pour tous autres egards aux souverains respectivement
d'une part et de T autre, lesquels pourront y faire chacun de
leur cöte les reparations qu' ils jugeront ä propos pour les for-
tifier, pourvü qu'elles ne soient point saillantes, c'est ä dire
qu' elles ne puissent pas repousser le cours de la riviere contre
la partie opposee et que de la part de sa Mte le roy de Sar-
daigne on ne puisse jamais sous quelque pretexte que ce soit
faire des ouvrages qui empechent la Ubre entröe des eaux dans
le canal ou navilio qui est du cöte de sa Mte' la reine de Hon-
grie et qui conduit les dites eaux ä Milan:
Pour en jouir en pleine propriete et souverainete, comme
sa Mte' la reine et ces predecesseurs en ont joui jusqu'ä pre-
sent; les quels pais sa Mt^ la reine demembre ä perpetuite de
ses etats hereditaires et de 1' etat de Milan, derogeant pour cet
effet autant qu'il peut en etre besoin ä tout ce qui en aucune
maniere pourroit ä ce etre contraire, sauf toujours le droit
direct de 1' cmpire.
X.
En outre, comme il importe ä la cause publique que sa
Mte le roi de Sardaigne ait une communication immediate de
ses etats avec la mer et avec les puissances maritimes, sa Mte'
6l8 «743 Sept. 13.
la reine de Hongrie et de Boheme lui cede tous les droits qui
peuvent lui competer en fa9on quelconque et k tel titre qua
ce soit sur la ville et marquisat de Final, lesquels droits eile
cede et transfere sans nulle restriction au dit roi de mßiiie que
les pais enonc^s dans Tarticle precedent, dans la juste attente
que la republique de Genes apportera toutes les facilitös neces-
saires ä un arrangement si indispensable pour la libert^ et sü-
ret6 presente et future de Y Italie, moyennant la somme qui se
trouvera lui etre due, sans que sa Mte le roi de Sardaigne ni
sa Mte la reine de Hongrie soient obliges de concourir au paye-
ment de cette somme, bien entendö que la ville de Final soit
et demeure ä perpetuitö un port franc, comme Test Livoume,
et qu'il soit libre k sa Mte le roi de Sardaigne d'y retablir les
forts qui ont et(5 detruits ou d'en faire construire d'autres Se-
lon qu'il le jugera convenable.
XI.
Sa Mte' la reine de Hongrie et de Bohöme, sa Mte' le roi
de Sardaigne et sa Mte le roi de la Grande-Bretagne s'enga-
gent h ne faire ni paix ni treve que toutes les cessions sus-
mentionnces n*y soient comprises expressement et qu aussi le
dit roi de Sardaigne ne soit pleinement restitue dans tout ce
qui pourroit avoir ett5 saisi et occupe de ses autres etäts en
haine de son union avec les allies, bien entendü que le roi de
Sardaigne se tienne des ä present dedommage du revenü qu' on
lui retiendroit par celui des pais ä lui cedes et transferes par
le present traite.
XII.
En (ichange, sa Mte' le roy de Sardaigne demeurera fer-
mement et inseparahlement uni et attache aux interets et ä la
cause des allies, non seulement pendant que la guerre durera
en Italie, mais jusqu'a la conclusion de la paix en Allemagne
et de la paix entre la Grande-Bretagne et l'Espagne, et c est
icy la condition principale et sine qua non des cessions ci-des-
sus a luy Aiites par les articles 9 et 10, lesquelles cessions ne
recevront leur force complete et irrevocable que de son entier
accomplissement, apres lequel les pais cedes au dit roi lui
seront censes garantis par les allies ä perpetuite comme ses
autres etats.
1743 Sept- 13- 619
xm.
Et aussitöt que T Italic, sera delivree d'ennemis et hors de
danger apparent d' etre envahie derechef, non seulement sa Mtc
la reine de Hongrie pourra en retirer une partie de ses trouppes
mais, si eile le demande, sa Mte le roi de Sardaigne lui fournira
de ses propres trouppes pour les employer h la sürete des etäts
de sa Mte la reine en Lombardie, ä firi qu'elle puisse se servir
d' un plus grand nombre des siennes en Allemagne ; tout comme
ä la requisition du roy de Sardaigne la reine de Hongrie feroit
passer de ses trouppes dans les etäts du dit roi, s*il le falloit,
pour en defendre les passages qu'une armde ennemie entre-
prendroit de forcer, et pour delivrer d'ennemis tous les etäts
de sa Mte le roi de Sardaigne et les mettre hors de danger
d'etre envahis derechef.
XIV.
En aucun cas les alliös ne feront ni paix ni treve ni ac-
commodement quelconque avcc Y ennemi commun que de con-
cert et avec la participation et conseil les uns des autres, ni
sans la garantie des puissances qui auroient part ä la pacifi-
cation pour les possessions et acquisitions des alliös enoncöes
dans ce traite. Et apres la paix faite, la presente alliance sub-
sistera egalement et inalterablement tant pour la sürete de son
execution que generalement pour la sürete mutuelle et con-
stante des alliös.
XV.
Sa Mte' la reine de Hongrie et de Bohfeme et sa Mte le
roi de Sardaigne, en reconnoissance des soins genereux de sa
Mte britannique pour la sürete publique et pour la leur et celle
de ritalie en particulier, non seulement confirment aux sujets
britanniques les avantages de commerce et de navigation dont
ils jouissent dans leurs etäts respectifs, mais promettent de les
assurer encore d'avantage, et autant qu'il pourra etre trouv^
raisonable et faisable, par un traite specifique de commerce et
de navigation d6s que sa Mte' britannique les en requerra.
XVI.
Les seigneurs etäts generaux des Provinces-Unies se trou-
vant dejä dans les memes engagemens envers la serenissime
620 »743 ^ept. 13.
maison d'Autriche et ayant le meme interSt que sa Mte bri-
tannique k tous les objets du present traite, les allies les con-
vieront conjointement d'entrer dans cette alliance comme par-
tie principale contractante.
xvn.
Les autres princes . et etäts qui ont k coeur la paix, la
libertc et la sürete de TEurope, de rempire et de T Italic, et
qui voudront entrer dans la presente alliance, y seront admis.
xvm.
Ce traite d' alliance sera ratificJ par tous les allies, et les
ratifications en seront cchangees dans Tespace de six semaines
ou plütöt, si faire se pourra.
En foi de quoi nous plenipotentiaires susnommes avons
signe le present traite de nos mains et T avons muni des sceaux
et cachets de nos armes. Fait ä Worms ce second/treisieme
jour de Septembre, mil sept cent quarante trois.
L. S. J. Wasner. L. S. Carteret. L. S. Ossorio.
Premier article separe et secret.
Sa Mte le roy de la Grande-Bretagne etant en negociation
actuellc avcc la republique des trois ligues Grises pour s'as-
surer de leurs passages et pour prendre a sa solde un corps
de leurs troupes, sa dite Mt^' promet de donner ses soins au
promt succes de cette negociation et d'employer en ce cas le
dit Corps de troupes la, oü il pourra etre de plus grand Service
aux allies; et sa Mte la reine de Hongrie et de Boheme promet
d'apporter en meme tems de son cötc les facilites necessaires
au succes de la dite negociation.
Cet article separe sera tenu secret jusqu' apres l'issue de
la dite negociation, et il aura la meme force que s'il etoit in-
sere möt a möt dans le traite d' alliance signö ce jourd'huy
et sera approuve et ratitie de meme, et les ratifications en se-
ront cchangees en meme tems que celles du traite.
En foy de quoy nous plenipotentiaires susnommes avons
signe le present article separe et secret et T avons munis des
sfeaux et cachets de nos armes. Fait a Worms ce second trei-
1743 Sept. 13. 621
sieme jour de Septembre, Tan de grace mil sept cent qua-
rante trois.
I.. S. J. Wasner. L. S. Carteret. L S. Ossorio.
Second article separe et secret.
Vü r extreme danger oü Tltalie se trouve exposöe par
les joints efforts que les roys d' Espagne et de Naples ont deja
faits et sont encore disposes ä faire en violation directe de
leurs engagemens les plus solemnels, il est convenu entre sa
Mte la reine de Hongrie et de Boheme, sa M^e le roy de la
Grande-Bretagne et sa Mt^ le roy de Sardaigne que, puisqu'il
a plü h dieu de benir jusqu'h present d'un heureux succes
leurs armes, principalement destinces ä defendre et proteger les
pais des allies en Italie dans Tetät oü ils sont et doivent etre
en vertu du present traite d'alliance, et ä repousser Tinvasion
actuellement intentee contre eux ou qui pourroit l'etre h Ta-
venir, soit par les rois d* Espagne et de Naples seuls, soit con-
jointement avec quelqu'autre puissance, tant que la maison de
Bourbon conserveroit un pied en Italie, leurs dites Mtes feront
tous leurs efforts pour se procurer et ä toute T Italie une seu-
rctc et tranquilite plus solide, plus stable et permanente. Et
pour cot effet en meme tems que sa Mte la reine de Hongrie
aidce des forces britanniques et des autres auxiliaires qu'on y
pourra engager s'efforcera ailleurs de reduire k de plus justes
bornes la puissance exorbitante de la maison de Bourbon, les
allies concerteront ensemble et executeront sans delai les me-
sures les plus efficaces, tant pour deloger entierement la dite
maison des royaumes de Naples et de Sicile et des autres pais
qu'elle occupe en Italie, que pour indemniser autant qu'il sera
possible sa Mte la reine de ce qu'elle a etö oblig(5e de ceder
de ses pais hereditaires pour Cv)nserver et defendre les autres
contre les attaques de la dite maison, comme aussi pour de-
livrer les etäls du roy de Sardaigne qui sont actuellement ou
pourront etre occupes par les ennemis, et les mettre ä couvert
d'une nouvelle invasion mome au moyen de quelques conqufi-
tes sur la France de ce cötö lä qu'ils doivent ceder au susdit
roy. Cependant, comme sa dite Mte la reine de Hongrie et de
Boheme ne pretend pas s'acquerir en Italie un accroissement de
622 1743 Sept. 13.
puissance qui puisse donner un juste sujet d'inquietude aux
autres princes et etäts d' Italic, eile s'oblige d6s ä present, en
cas d'heiireux succös ulterieurs des armes communes, de se con-
tenter pour sa part du royaume de Naples et stato de gli pre-
sidii et de laisser tout le royaume de Sicile h sa Mte le roy
de Sardaigne, tant pour le didommagement des fraix et risques
qu'il aura ä supporter en concourant aux dits recouvremens,
que pour luy assurer une addition de force proportionne k celle
que sa Mte la reine acquerra par lä.
Cet article separe sera tenu secret jusqu' apres Texecution
de son contenu, et il aura la meme force que s'il 6toit insere
möt h möt dans le traitö d'alliance sign6 ce jourd'huy, et sera
approuv^ et ratifie de mSme, et les ratifications en seront öchan-
gees en mßme töms que Celles du traitö.
En foy de quoy nous plenipotentiaires susnommös avons
signe le present article separe et T avons munis des s^eaux et
cachets de nos armes. Fait ä Worms ce second/treisieme jour
de Septembre, Tan de grace mil sept cent quarante trois.
L. S. J. Wasner. L. S. Carteret. L. S. Ossorio.
Troisieme article separö et tres secret.
Comme il est dit dans T article troisiöme du traite signe
aujourd'huy que sa Mt^ le roy de Sardaigne pour luy, ses
heritiers et successeurs renonce nommement et pour toüjours,
mais uniquement en faveur de sa Mte la reine d* Hongrie et de
Boheme, ses heritiers et successeurs, a ses droits pretendus sur
Tetät de Milan etc., Tintention de sa Mte le roy de Sardaigne
est que cette renonciation n'aura pas lieu au cas qu'une fille
de la maison d' Autriche ä qui la dite succession pourroit venir
h c'cheoir fut mariec a un prince de la maison de Bourbon,
conformcment a un article separe et tres secret des traites con-
clus en 173 1 et 1732 entre feue sa Mte Imple, le roy de la
Grande-Bretagne et les etats generaux des Provinces-Unies et
dont voici la teneur:
Quamvis articulo secundo tractatus hodierna die cum sacra
O" catholica M^ conclusi, sacra regia M*** Magnae-Britanniae
et celsi ac potentes domini Status generales uniti Belgii absque
1743 Sept. 13. 623
Ulla omnino restrictione sese obstrinxerint^ quod eum succe-
dendi ordinem, qui iuxta sanctionem pragmaticam de anno 17 13
in serenissima domo austriaca obtinet, contra quoscunque tueri,
uti aiunt guarantigiare, velint ac teneantur, conventum tarnen
simul inter partes eundem tractatum contrahentes est, quod
altefata regia sua M^^ Magnae-Britanniae et antememorati do-
mini status generales uniti Belgii ad praestandam et explendam
hanc guarantiam toties haud teneantur, quoties illa ex serenis-
simis archiducibus foeminis, ad quam juxta praefatum succe-
dendi ordinem omnia regna ac provinciae hereditariae , guas
sua Sacra Q* catholica M*^* actu possidet, devolventur, nupta
fuerit principi per masculos ex domo Borbonia oriundo.
Cet article separe sera tenu secret et aura la meme force
que s'il etoit insere mot h mot dans le traite d*alliance signe
ce jourd'huy et sera approuve et ratifie de meme, et les rati-
fications en seront echangöes en meme tems que Celles du traite.
En foy de quoy nous plenipotentiaires susnommes avons
signö le present article separö et trös secret et 1' avons munis
des s^eaux et cachets de nos armes. Fait ä Worms ce se-
cond/treisieme jour de Septembre, Tan de grace mil sept cent
quarante trois.
L. S. J. Wasner. L. S. Carteret L. S. Ossorio.
Acte de declaration separöe.^
Comme sa Mie le roy de la Grande-Bretagne a garanti
de la maniere la plus solemnelle non seulement toutes les pos-
sessions de la serenissime maison d' Antriebe, mais encore T or-
dre de succession y ötabli en vertu de la sanction pragmatique
par le traitö d'alliance du 16 Mars .1731 laquelle garantie a 6t6
renouvellee et expliqiiöe plus amplement par Y acte d' accession
du 20 Fevrier 1732, en consequence de quoy sa Mt^ le roy
de la Grande-Bretagne a depuis donne de puissans secours ä
sa Mte la reine; et quand la maison d' Antriebe se trouva atta-
quee de tant de cötcs qu' eile ötoit dans le danger le plus im-
minent d'etre totalement opprimöe au prejudice de la liberte
commune de tonte TEurope, sa Mte le roy de la Grande-Bre-
^) Diese Deklaration wurde nicht ratifiziert; vgl. p, 61 J,
624 »743 Sept. 13.
tagne a moyennö la paix entre leurs Mtes la reine et le roy
de Prusse qui füt heureusement temiinde par un traiti dont le
roy ^toit mediateur et qui füt signe ä Breslau et duquel traiti
le roy a donn^ sa garantie aux deux hautes puissances con-
tractantes ä leur requisition; et comme cette grande affaire a
rencontrö bien des obstacles avant que d'avoir etö portee ä
sa perfection, vü le grand sacrifice que la reine devoit faire
dans cette conjoncture critique pour le bien de tonte V Europe,
le roy a donne des assurances, sans pourtant entrer dans aucun
engagement specifique, de luy procurer le meilleur d^dommage-
ment qu'il seroit possible suivant les conjonctures et le succös
de la guerre, et sa Mte la reine ayant aussi fait une cession d* une
partie de ses etäts en Italie'en faveur de sa Mte le roy de Sardai-
gne, en quoy eile a uniquement d6{er6 aux salutaires conseils du
röy de la Grande-Bretagne, comme ötant le seul moyen qui pouvoit
dötruire les vues ambitieuses de la maison de Bourbon en Italic ;
et comme par le trait 5 actuellement signe entre la reine, le roy et
le roy de Sardaigne, la reine et le roy de Sardaigne se sont en-
gagös reciproquement envers le roy par le traite qui vient d'etre
signö, que ni Tun ni Tautre ne feront ni paix ni treve ni ac-
commodement quelconque avec V ennemi commun que de con-
cert et avec la participation et conseils les uns des autres; le
roy, pour tranquiliser sa Mte la reine sur le dödommagement,
renouvelle par le present acte tous les engagemens susdits,
promettant en foy de roy d' assister sa Mte la reine d'Hongrie
et de Boheme de toutes scs forces pour luy procurer avec
Tassistance divine tout le dedommagement possible et seurete
pour Tavenir, ainsi que de ne point faire ni paix ni treve ni
accommodement quelconque avec T ennemi commun que de
concert et avec la participation et conseil de sa Mte' la reine
de Hongrie et de Boheme et de sa Mte le roy de Sardaigne.
Et la reine renouvelle de sa part par l'acte present tous ses
engagemens avec le roy, et eile promet qu'elle demeurera fer-
mement et inviolablement attachee aux intercts et ä la cause,
des allies non seulement pendant que la guerre durera en Italic
et en Allemagne, mais jusqu'ä la conclusion de la paix entre
la Grande-Bretagne et TEspagne.
Cet acte de declaration separöe sera ratifie, et les ratifi-
cations en seront cchangces dans l'espace de six semaines ou
plutöt, si faire se pourra.
1743 Okt. 14. 625
En foy de quoy nous plenipotentiaires susnomm^s avons
sign^ le present acte de declaration separee et T avons munis
des S9eaux et cachets de nos armes. Fait ä Worms ce second/
treisieme jour de Septembre, Tan de grace mil sept cent qua-
rante trois.
L. S. J. Wasner. L. S. Carteret.
40«
Konvention iw/schen Maria Theresia und Georg IL, betreffend
die Entschädigung der erste ren für die erlittenen Verluste und
eine ihr von England \u gewährende dauernde Subsidie d, d,
Worms 174^ Okt. JI14,
Diese Konvention wurde von Georg IL nicht ratifiziert, daher wurde auch
die ausgefertigte Rat, Maria Theresia's nicht übergeben.
Das Original dieser Konvention findet sich im St.-A,
Zur selben Zeit, da Maria Theresia Georg IL und dessen Mi-
nister Carteret mitteilte, dass^ sie die Ratifikation des ^u Worms am
Iß. September geschlossenen Vertrages vollzogen habe , Hess sie ihnen
auch ein Schriftstück vorlegen, in dem sie der Hoffnung Ausdruck
verlieh, dass die Versicherungen, die ihr gelegentlich des Breslauer
Friedens gegeben WQrden waren, „ihren vollen Effekt erhalten würden^
Nur in dieser Erwartung habe sie sich ^u den grossen Opfern ent-
schlossen, die ihr der {u Worms unterzeichnete Vertrag auferlege. Un-
mögliches könne aber von keinem Menschen gefordert werden. Sie fühle
daher die Verpflichtung, {U erklären^ dass sie völlig ausser Stande sei,
einige Artikel des Wormser Vertrages \u erfüllen, wenn ihr nicht die
Zahlung der von England bisher geleisteten Subsidie für die Dauer
des Krieges ^ugesagt werde. Weigere sich Georg IL dieses Verlangen
{u befriedigen, dann werde sie genötigt sein, einen Teil ihrer Truppen,
die am Rhein und in Italien Kriegsdienste leisteten, abzuberufen. In
diesem Sinne habe sie Wasner beauftragt^ die Auswechslung der Rati-
fikationen des Wormser Vertrages von der Zusage Englands bezüglich
der Subsidie abhängig ^u machen. In demselben Schriftstücke er--
neuerte sie ihre Bitte betreffs der Deklaration und betonte ihre
Bereitwilligkeit eine Gegenerklärung auszustellen, Sie fügte hin^u, sie
wolle sich, falls Georg II, Bedenken tragen sollte die Deklaration in
der von ihr gewünschten Form auszustellen, mit einer Versicherung zu-
frieden geben, die der im ß. Artikel des Subsidienvertrages von IJ42
österreichisch-englische Staatsvertrfige. Bd. I. 4^
626 <743 ÖJtt. 14.
gleiche. Voraussetzung dafür sei aber, dass eine Erklärung des Inhaltes
beigefügt würde, Grossbritannien werde, falls der König von Preussen den
Breslauer Frieden brechen sollte, das Maria Theresia gegebene Versprechen
ebenso erfüllen, wie es dasselbe Preussen gegenüber erfüllen würde, falls
Maria Theresia den Frieden brechen sollte, was aber nicht geschehen
werde. Die österreichische Herrscherin schloss ihre Auseinander set^ing
mit den Worten: sie würde ihrer Familie, der fundamentalen Konstitution
des Reiches, der Ruhe und der Sicherheit gan^ Europa' s ^ nahe treten,
wenn sie jemals von diesem Ansprüche lassen würde und habe daher
Wasner aufgetragen, in ihrem Namen und auf ihren ausdrücklichen
Befehl ^n erklären, dass sie dies nicht tun wolle, vielmehr die ober-
wähnten Ansprüche immer geltend machen werde, man einige sich über
eine Deklaration oder nichts) Georg IL und sein Minister Car-
terct waren sehr bestür^ty als sie diese Beteuerungen Maria Theresia' s
vernahmen, ^umal Wasner auf das bestimmteste erklärte, ohne Zu-
sicherung der Subsidie für die Dauer des Krieges die Ratifikations-
auswechslung nicht vornehmen ^u können, Carter et erklärte, eine der-
artige Verpflichtung ohne Zustimmung des Parlamentes nicht über-
nehmen ^u können. Allein Wasner blieb standhaft und drohte mit der
Abreise. Zwei Tage dauerte der Kampf, dann gab Carteret nach ; er
erklärte sich bereit, die Vorschläge Wasners beim Könige ^u vertreten,
falls sie sich als durchführbar erweisen sollten.
In aller Eile stellte Wasner den Entwurf einer Konvention fertig.
Georg IL sollte sich nach derselben {ur Zahlung einer Subsidie von
mindestens ßoo.ooo Pfund St. für die Dauer des Krieges und :^ur
Einhaltung des Maria Theresia im Vertrage vom 20. Februar 1732
und gelegentlich des Breslaucr Friedens gegebenen Versprechens einer
gerechten Entschädigung verpflichten und die Garantie jfw Gunsten
der österreichischen Herrscherin im Falle eines Friedensbruches durch
Friedrich IL erneuern; Maria Theresia ihrerseits sich bereit erklären,
keinen Frieden oder Waffenstillstand einzugehen, ohne England- Han-
nover, Russland und die Vereinigten Niederlande in denselben ein^u-
sch Hessen. Carteret tu achte, als Wasner ihm das Schriftstück übergab,
neuerdings Einwendungen, entschloss sich aber, da der österreichische
Gesandte von seinem Vorhaben nicht abstand und weitere Änderungen
') Diese Erklärung — ohne Datum — findet sich im St-A. ; die Abfas-
sungs\cit ist aus dem Inhiilte leicht auf die let{ten Tage des Monates September
fest\uset\en.
1743 Okt. 14. 627
für unsiaUhüß erklärte,^) dem Könige den Entwurf vorzulegen, Georg IL
billigte denselben und antwortete auf die Frage Carterets, ob er unter-
zeichnen dürfe, er möge es tun, wenn er es vor dem Parlamente ver-
antworten z^ können glaube. Daraufliin erfolgte am 14. Okt.^ noch
vor Auswechslung der Ratifikationen des Vertrages vom ij. September,
die Unterfertigung dieser Konvention durch Carteret und Wasner. Dem
Gesandten Karl Emanuels wurde auf ausdrückliches Begehren Carter ets
von diesem Vertrage keine Mitteilung gemacht, ^^
Der Wiener Hof war über das Zugeständnis, das Georg IL ge-
macht hatte, sehr erfreut, und säumte nicht die Ratifikation der Kon-
vention vom 14, Okt. nach London z}i senden. Als aber Wasner die
Auswechslung derselben beantragte, fand er verlegene Mienen bei Car-
teret und erfuhr auf eindringliches Fragen, dass die Mehrzahl der
Cabinettsmitglieder auf das entschiedenste gegen die Ratifikation dieser
Konvention protestiert und dem Könige im Falle der Genehmigung
mit ihrer Entlassung gedroht hätten.^) Vergebens bemühte sich Wasner
die englischen Minister von der Lngerechtigkeit ihrer Vorgehens ^m
überzeugen, vergebens betonte er Georg IL gegenüber^ dass es doch
nicht angehe, einen Vertrag nicht anzuerkennen, ^m dessen Unterzeich-
nung der König die Einwilligung erteilt habe. Alles was er erreichte
war, dass ihm Carteret den Entwurf einer Ratifikation der Konvention
*) Doch gestand Wasner schliesslich \u, dass unter den Mächten, mit
denen Österreich ohne Englands Einschluss keinen Vertrag schliessen wolle, gan\
ausdrücklich Spanien angeführt werde. Vgl. den Bericht Wasners d. d. 14. Okt.
174^. St.-A.
*) Bericht Wasners d. d. 14. Okt. 174^.
•) Vgl. die Berichte Wasners d. d. 6., i^, und 17. De\. 1743* St.-A. In-
teressant sind itisbesonJere die Mitteilungen Carte rets über die Intriguen, die
seitens seiner Gegner gegen ihn gesponnen wurden, und die von ihm gemeldete
Tatsache, dass Georg IL, der sich mit seiner Ehre für gebunden hielt, in einem
erregten Gespräche mit dem Her\oge von Newcastle — einem der Gegner der mit
Österreich geschlossenen Konvention — dessen angebotene Demission angenommen
und erst auf Zureden Carterets, der in diesem Falle eine mächtige Bewegung
seiner Gegner fürchtete, davon abgestanden sei. Dem Berichte Wasners vom
ly. De^. 174^ liegt übrigens ein Verzeichnis der geheimen Räte bei, die für und
wider die Ratifikation der am 14. Okt. abgeschlossenen Konvention gestimmt
hatten. Im R. O. (Treaty Papers 11^) findet sich ein vom 27. Nov. datiertes Gut-
achten, in welcliem die Gegner dieser Konvention König Georg IL beschwören,
dieselbe nicht ^u ratifizieren, sondern den Versuch \u machen, mit Maria 'The»
resia einen Subsidienvertrag für das Jahr 1744 \u schliessen. Vgl* für die SteU
lung Carterets und seiner Gegner in dieser Zeit insbes. Ballantyne /. c. 277 ff.
und Coxe W. Memoirs of the administration of H. Pelham 76 ff.
40'
($a8 «743 Oku 14.
vom 14, Okt. übergab, in dem ausdrücklich hervorgehoben wurde, dass
England diese Konvention nur dann ratifizieren wolle, falls Österreich
die in der Ratifikationsurkunde der Engländer verzeichneten Ände-
rungen des Vertragsinhaltes anerkennen würde ,^) Diese betrafen aber
alle wesentlichen Punkte ; England wollte sich lediglich fiir das Jahr
1744 ^u einer Subsidie von joo.ooo P/und St. verpflichten und suchte
auch die Bestimmungen abzuschwächen^ welche die Schadloshaltimg
Maria Theresia's und die Garantie des Breslauer Friedens betrafen,
Wasner weigerte sich aber diese beschränkte Ratifikation jfii acceptieren
und ebenso energisch wies Maria Theresia das Begehren Robinsons
zurück, der gegen Ende des Jahres IJ4} in Wien seinerseits den Ver^
such wagte, die österreichische Herrscherin z^^f" Annahme der englischen
Ratifikationsurkunde ^« bewegen.^) Diese beauftragte vielmehr Wasner, .
sobald als möglich eine den früheren Verträgen gleichlautende Ab-
machung über die im Jahre 1744 ^« leistenden Subsidien mit den
englischen Ministern {u treffen. In der Tat wurde am 10. Februar
1744 ein mit den Verträgen vom 6. Juli 1742 und iß. Februar
1743 gleichlautendes Dokument ausgestellt, durch das sich England
») Der Entwurf ist datiert i. De{, 174J, er liegt heim Berichte Wasner s
d. d. 77. De\. 174^- St'A. Der Inhalt dieses Entwurfes ist folgender : Es ist eine
Konvention geschlossen worden ^Hschen Georg IL und Maria Theresia, die folgen-
den Inhalt hat Nach Wiedergabe desselben fährt Georg IL fort: Wir ratifizieren
die Konvention „eo tarnen modo et forma et cum mutationibus, oniissionibus et
additamentis, quae sequunturJ' Der Anfang stimmt wörtlich überein, danti aber
heisst es: Der König von England s* engage a fournir a sa M*^ la reine de Hon-
gric et de Boheme un subside de trois cent nulle livres Sterlings pour l* annt^e
mille sept cent quarante quatre de la meme maniere que sa M** britannique a
fourni la meme somme d' argent ä sa M^^ Li reine pour V amüe mille sept cent
quarante trois par le traue signe ä Westminster le quin\ieme jour de Fevrier
iy^2l^y. Sa AV^ britannique promet de meme par cette Convention d'executer
fideliement tous les engagemens contractes par les traites precedens et nom-
mement ceux qui resultent du second article de V acte d* accession du 20^ Fevrier
iy}2. Et en cas que contre toute attenie le roy de Prusse vint jamais ä rompre
la paix de Breslau, le roy ne remplira pas moins fideliement la garantie dont
il s' est Charge en faveur de la reine qu' il auroit ä remplir u, s. w. gan{ wie
in der Konvention, bis auf die Schlussworte dieses Paragraphen, die hier lauten,
„ce qui est egalement contre toute attente/' Sodann folgt die österreichische Ge-
generklärung und nach dem Schlüsse derselben die Worte „vigore itaque presen-
tium nos suprascriptam conventionem ita ut supra in quibusdam eiusdem clau-
sulis immutatam et non aliter approbamus et ratam habemus/'
S^, James /. De{, 174^.
*) Weisung an Wasner d, d, ji, De\, 174). St'A,
1743 O^^' '4- 629
{iir Zahlung einer Stibsidic von joo.ooo Pfund SL an Österreich für
das Jahr 1744 verpflichtete.^)
Comme les revenüs de sa Mte la reine ne suffisent pas ä
beaucoup pres pour entretenir le grand nombre de trouppes
qu'elle a sur pied et qui sont si utilement employöes ä de-
fendre et ä soütenir conjointement avec Celles de ses fidels
alliez la libertö de l'Europe, et sa Mte le roy de la Grande-
Bretagne, connoissant combien l'entretien de ces trouppes est
indispensable pour le salut et le bien de la cause commune,
sa dite Mte britannique, en consequence des eflforts genereux
et salutaires qu'elle a deja faits pour cet efitöt, s'engage ä foumir
ä sa Mte' la reine de Hongrie et de Boheme, tant que la guerre
et le besoin durera, un subside pour le moins de trois cent
mille livres Sterling par an, de la mfime maniere qu'un subside
annuel de deux cent mille livres Sterling a etö stipule par V ar-
ticle 8 du traitö de Worms en faveur de sa Mt^ le roy de Sar-
daigne. Sa Mte' britannique promet de mßme par cette Con-
vention d'executer fidellement touts les engagements precedents
et nommement ceux qui resultent du second article de l'acte
d'accession du 20 Fevrier 1732 et des assurances qui ont ete
donnees ä sa Mte' la reine ä Toccasion de la paix de Breslau
touchant une juste satisfaction pour le pass6 et la seuretö pour
r avenir et qu' enfin, au cas que contre toute attente le roy de
Prusse vint jamais ä rompre la dite paix^ le roy ne remplira
pas moins fidellement la garantie dont il s' est Charge en faveur
de la reine qu'il auroit ä remplir celle dont il s'est Charge en
faveur du roy de Prusse, au cas que cette princesse la rom-
proit la premiere ce qui n'arrivera jamais.
En öchange sa dite Mte' la reine de Hongrie et de Bohfeme
confirme aussi de son cötö touts les engagements qu'elle a
contract^s envers sa Mt^ britannique et nommement celui de
ne conclure aucun traite de paix, de trfive ou de neutralit^, ni
teile autre Convention ou accord que ce soit, avec TEspagne
ou telles autres puissances qui luy fönt actuellement la guerre
ou qui pourroient la luy faire ä 1' avenir ni avec aucune d'i-
celles, Sans y comprendre sa Mt^ britannique, tant comme roy
que comme electeur, et pareillement l'imperatrice de toutes les
») Vgl. Nr. 42.
630 1743 ^- ^* (Ende des Jahres.)
Russies et les etäts generaux des Provinces-Unies ; bien en-
tendu que les dites puissances remplissent fidellement de
leur cötö les engagements contractös par les traitös qui subsi-
stent entre elles et sa Mte la reine de Hongrie et de Boheme.
Cette Convention sera ratifiöe et les ratifications en seront
dchangöes dans Tespace de six semaines ou plütöt si faire se
pourra.
En foy de quoy nous plenipotentiaires susnommös avons
signe la presente Convention de nos mains et T avons muni des
sfeaux et cachets de nos armes. Fait ä Worms ce troisi^me/
quartorzi^me d'Octobre Tan de grace 1743.
L. S. J. Wasner. L. S. Carteret.
*1-
Entwurf eines Handelsvertrages ^wischen England und Öster-
reich s. d. (Ende des Jahres 174JJ
Dieser Entwurf befindet sich im R, O,
Zu den entscheidenden Ursachen der Osterreich feindlichen Stirn-
mungy die sich im dritten De:{ennium des 18, Jahrhundertes in Eng-
land bemerkbar machte, gehörte der Unwille der englichen Kaufmanns-
welt über die zahlreichen Verordnungen, durch die Karl VL der Einfuhr
von englischen Waren, {umal von Tuchwaren, j^u steuern suchte, die den
österreichischen Markt überschwemmten und wegen ihrer Güte bei ver-
hältnismässig niedrigen Preisen von den Bewohnern der Gesammt-
monarchie den Erzeugnissen des Landes vorgewogen wurden. Bedeute-
ten doch diese Verfügungen einen schweren Verlust für den englischen
Export nach den Donauländern, der, seit der ^weiten Hälfte des
ly, Jahrhunderts anwachsend, in den letzten Dezennien dieses und in
dem ersten des 18, Jahrhunderts — /;/ den Zeiten des gemeinsamen
Kampfes der* beiden Mächte gegen Ludwig XIV. — eine ansehnliche
Höhe erreicht hatte. Dass diese Steigerung des Absatzes englischer
Erzeugnisse in Österreich in erster Linie auf Kosten des französi-
schen Handels geschah^ musste den Werf dieser Erfolge noch ver-
mehren. Jede Verordnung, die sich gegen die Einfuhr französischer
Waren nach Österreich richtete^ war im Inselreiche mit Jubel begrüsst,
und wiederholt war in diesen Zeiten der Gedanke erwogen worden,
diesen Handelsbeziehungen durch den Abschluss eines Vertrages eine
1743 s. d. (Ende des Jahres.) 63 1
sichere Unterlage j^u bieten.^) AI/ein alle dahin :{ielenden Versuche
waren erfolglos geblieben; nicht allein , weil die Not der Zeiten und
die Rücksicht auf die mitverbündeten Niederländer eine Vereinbarung
erschwerten, sondern auch, weil die Eigennüt:^igkeit der englischen
Kaufleute sich immer wieder geigte , so oft die Vertreter der öster-
reichischen Interessen die Frage nach den Gegenleistungen stellten,
die England den Untertanen des Kaisers für die geforderte weitere
Begünstigung des englischen Handels gewähren wolle. Die Erhöhung
des Aufschlages auf die schlesische Leinwand — des weitaus bedeu-
tendsten Exportartikels der österreichischen Industrie nach England —
die im Jahre i6p8 erfolgte und deren Abschaffung allen Bemühungen
der österreichischen Regierung j^um Trotj^ nicht erfolgt war, hatte den
heftigsten Unwillen der durch diese Massregel getroffenen Kreise erregt,
und die Hoffnung jener Männer, die im Sinne eines englisch-öster-
reichischen Handelsvertrages tätig waren , als eine eitle erscheinen
lassen.^) Dass die leitenden österreichischen Kreise nicht sofort aus
der egoistischen Haltung der Engländer die Konsequenzen gebogen
hatten, dass die Begünstigung des englischen Handels in den beiden
ersten Dezennien des 18. Jahrh, vielmehr ihren Fortgang nahm, hatte
seinen Grund nicht allein in den politischen Verhältnissen, die Öster-
reich auf England als auf seinen Bundesgenossen und Geldleiher hinwie-
sen, sondern auch in der langsamen Eniwickelung .der neu geschaffenen
österreichischen Grossindustrie, Als aber im Laufe des dritten De-
zenniums des 18. Jahrh. in den politischen Beziehungen der beiden
Staaten eine Entfremdung eintrat, die mit in erster Linie durch die
Selbstsucht hervorgerufen wurde, welche die Seemächte bei der Ord-
nung ihrer Handelsbeziehungen ^// den in den Besitz Karls VI, über-
gegangenen spanischen Niederlanden bewiesen, während -{// gleicher Zeit
die von der Regierung nunmehr reichlicher unterstützte österreichische
Industrie emporblühte, entschloss sich Karl VI,, jene englischen Fa-
brikate, für die er eitlen halbwegs entsprechenden Ersatz in den im
Lande erzeugten Waren z^ bieten in der Lage war — m erster Linie
Wollwaren mittlerer und gröberer Art — von der Einfuhr gänzlich aus-
») Der Verfasser hofft, in Küt\e eine Arbeit \u publizieren, welche die
Entwickelung der englisch-österreichischen Handelsbeziehungen dem Leser vor-
führen soll. Dort soll das hier angedeutete eingehend erörtert und quellenmässig
belegt werden,
•) Für die engliscJie Handelspolitik jener Zeit vgl. W, Cunningluitn The
growth ofenglish industry and commerce in modern times; Cambridge i8p2 ; und
die daselbst p, yo^ff, verzeichnete Literatur*
6^3 1743 s* ^- (Ende des Jahres.)
IHSchlicssen ; die übrigen Fabrikate und Rohprodukte aber, die England
teils direkt y teils aus seinen Colonien nach Osterreich einführte^ mit
wesentlich höheren Abgaben ^« belegen. In diesem Sinne sind — tnit
dem Jahre 17 ip beginnend — eine gan{e Reihe von Verordnungen
Verlautbart worden^^) die den englischen Handel nach den Donaulän-
dern schwer trafen, den Absatz gewisser Waren gänzlich, den anderer
^nm Teile unterband. Und diese Schädigung ihrer Handelsinteressen
wurde von den Engländern umso bitterer empfunden, als die Wiener
Regierung kur{ vorher — im Passarowit^er Frieden — den Türken
weitgehende Erleichterungen für den Handel in Österreich :^igestanden
hatte, ^) und durch den im Jahre 172$ mit Spanien geschlossenen Han-
dels- und Schiffahrtsvertrag, ^) sowie durch die lätigkeit der Ostender
Handelscompagnie , direkte Vorstösse gegen das Übergewicht des eng-
lischen Handels in den ausser europäischen Ländern unternahm.
Diese Bemühungen sind, wie wir wissen, schliesslich erfolglos
geblieben ; die Spanier erwiesen sich als unzuverlässige Bundesgenossen;
internationale Konflikte und der Wunsch Karls VI., die Nachfolge in
seinem Gesamtbesit^e seiner Tochter ^u sichern, nötigten die Wiener
Regierung die Freundschaft der Seemächte mit dem schweren Opfer
der Unterdrückung der ostendischen Compagnie ^u erkaufen. Dagegen
blieben auch nach dem Abschlüsse des Freundschaftsvertrages vom Jahre
ijßi zahlreiche englische Waren von der Einfuhr nach Österreich
ausgeschlossen, andere mit hohen Abgaben belegt. Es hat an Klagen
der durch diese Bestimmungen besonders hart getroffenen englischen
Kaufleute nicht gefehlt. Sie forderten vom Parlamente, dieses
von der Regierung energische Massregeln gegen das Vorgehen des
Wiener Hofes. Und als Karl VI. daraufhin in London erklären Hess,
er könne die Einfuhrverbote und Zollerhöhungen, die England betrafen,
im Interesse der emporblühenden österreichischen Industrie nicht ab-
schaffen, wurde im englischen Parlamente der Plan erörtert, den schle-
sischen Leinwandhandel durch Erhöhung der EingangSyöllc und Aufhebung
der bisher zugestandenen Begünstigungen ^u vernichten. Zweifellos hat
auch der Groll über das selbständige handelspolitische Vorgehen des
Kaisers, der den Engländern „das Commercium in Neapolis und Si-
*) Viele dieser Patente — nicht alle — sind abgedruckt im Codex au-
striacus. Stippl. Pars IL
*) Gemeint ist der Artikel III des Vertrages vom 27. Juli 1718 ; derselbe
ist u. a. abgedruckt im Codex austriacus. Pars III. 916 ff,
3) Vom 1. Mai 172^; für die Drucke — u. a. Dumout l. c, VIIII2 u^ —
Bittner Nr. 7^2,
1743 s* ^* (Ende des Jahres.) 633
lilien verdorben hatte'' und seine eigenen Besitzungen den englischen
Waren verschlosSy mit in erster Linie die englische Regierung be^
wogen, dem Kaiser unter nichtigen Vorwänden die Hilfe j{u versagen,
auf die bauend sich dieser im Jahre lyßß in einen weitausschauenden
Krieg mit den bourbonischen Mächten eingelassen hatte. Allein all-
mählig begannen die massgebenden Kreise Englands einzusehen, dass
das französisch-spanische Bündnis nicht allem gegen das Haus Habs-
bürg, sondern auch gegen England gerichtet war, dessen immer weiter
sich erstreckender Handelsverkehr, ;f«;;/a/ nach den südamerikanisch"
spanischen Colonien, den Franzosen nicht minder als den Spaniern ein
Dorn im Auge blieb. Die Niederlagen, die das von seinen Bundes-
genossen im Stiche gelassene Österreich erlitt, wurden auch in England
bitter empfunden, und je näher im Laufe der Jahre die Gefahr eines
Konfliktes mit den bourbonischen Höfen, speziell mit Spanien, rückte,
desto wünschenswerter schien es der englischen Regierung, die mit
dem Wiener Hofe bestehende Spannung -^// beseitigen.
IJire Bemühungen blieben Anfangs erfolglos. Karl VL wies die
von den Seemächten angebotene Vermittelung bei der Beilegung der
Österreich 'französischen Konflikte schroff zj'^rück und z^^^^ ^"^*
sonst geringe Neigung, mit den Engländern in freundschaftlichere Be^
Ziehungen z^^ treten. Allein der unglückliche Verlauf des Krieges, in
den er seit dem J. iy}6 mit den Türken verwickelt war, bot Georg IL
den erwünschten Anlass, sich Österreich {« nähern, und die Gemein-
samkeit ihrer Interessen in der jülich-bergischen Sttccessionsfrage führte
im Laufe des Jahres iJßS -{« intimeren Beziehungen der beiden Re-
gierungen, die Thomas Robinson, Englands geschickter Vertreter am
Kaiserhofe, auch im Interesse der englischen Industrie z^i verwerten
dachte. Im Juni 17^8 — Robinson verhandelte mit dem Freiherrn
von Bartenstein über die von England geplante Vermittelung zwischen
Österreich und der Türkei — machte der Vertreter Georgs IL darauf
aufmerksam, dass der mit den Türken bestehende Konflikt dem Kaiser
Karl VL die erwünschte Gelegenheit biete, die handelspolitischen Be-
günstigungen, die er den Osmanen im Passarowitzer Frieden, sehr
zum Verdrusse der Engländer, gewährt, aufzuheben und sich damit die
letzteren ^« Dank :[« verpflichten. Bartenstein griff den Gedanken
Robinsons auf und Hess im weiteren Verlaufe des Gespräches das Wort
fallen, Österreich und England sollten sich überhaupt auf dem Fusse
des „vivre et laisser vivre^^ handelspolitisch vergleichen. Man einigte
sich dahin, den Grafen Philipp Kinsky, der in allen diesen Angelegen-
heiten das ausschlaggebende Wort >jm sprechen hatte, um seine Mitarbeit
634- '743 s* ^* (Elnde des Jahres.)
ani^gehen. ^) Unterdessen berichtete Robinson seiner Regierung von seinen
Bemühungen ; betonte^ wie vorteilhaft ein Handelsvertrag mit Österreich
auf Grundlage eines wechselseitigen, ausschliesslichen Handels mit ge-
wissen Waren — für England in erster Linie mit Tucltwaren — den
Engländern sein müsste und bat um Ermächtigung ^u weiteren Ver-
handlungen. Dieselbe erfolgte alsbald.^) Bereits im Aug. iJjS konnten
die Beratungen beginnen. Graj Kinsky, wohl einer der besten Kenner
der österreichischen Industrie, unterliess nicht hervor:{uheben , dass
Österreich — weniger im Hinblicke auf die seit Imigem bestehende
Linker Fabrik, als auf die neuen Unternehmungen in Böhmen und
Mähren — lediglich den feinen englischen Tuchwaren die Einfuhr in
Osterreich erleichtern könnte ; sprach von der ^ befürchtenden Oppo-
sition der Generalstaaten y und wies auf die Notwendigkeit hin, auch
Österreichs Export nach England ^/ erleichtern. Die Engländer
widerum legten das Hauptgewicht auf die Aufhebung der Einfuhr-
verbote, auf die Herabset^^jung der Zölle und auf die Beseitigung der
^zahlreichen Landes-, Stadt- und Privatmauten, die dem Verkaufe frem-
der Waren hindernd im Wege standen.^) Dass j(u eben dieser Zeit im
englischen Parlamente von neuem die Aufhebung des „DrawbacV^^
für die schlesische Leinwand erörtert wurde, sollte vermutlich da:{u
dienen^ den Forderungen der englischen Regierung in Wien mehr Nach-
druck ^u verleihen, und hatte in der Tat den Erfolg, dass Karl VL,
der in London gegen das Vorgehen des Parlamentes protestierte^) und
persönlich auf Robinson Einßuss \u nehmen suchte,^) die Aufnahme
der Verhandlungen ^u Gunsten eines österreichisch-englischen Handels-
vertrages beschleunigte.
Allein es geigte sich alsbald, dass der Vcnvirklichung des Planes
ungeheure Schwierigkeiten im Wege standen, die umso schwerer aus
dem Wege ^w räumen waren, als Robinson selbst j^ugeben musstc,
dijss ihm die Kenntnisse mangelten, um die Einwände seiner Gegner
*) Vgl' das Schreiben Robinsons an Harrington d, J. 4. Juni st n, 17^8.
R, O.
2) Weisung an Robinson ä. d, ij. Juni st. v. 17^8, R, O.
^) Vgl, Robinsons Berichte vom q-j, u, 27. August, 10, w. 17. September
I7j8. R. O.
*) Die englische Regierung hatte die bei Einfuhr der schlesischen Lein^
wand erlegten Abgaben für die in England nicht verkauften Waren bei deren
Ausfuhr aus England \um grüsstcn Teile {urückerstattet.
^) VgU die Berichte Wasners aus dieser Zeit. St-A.
•) Robinson an Harrington ^, Jan, J7jg. /?. O.
1743 s* ^' (Ende des Jahres.) 635
{ti widerlegen,^) Es tnuss daher als ein Zeichen der ehrlichen Absicht
Georgs IL angesehen werden, ^u einem positiven Resultate mit Karl VI.
^u gelangen, dass er sich auf die Aufforderung der Wiener Re-
gierung hin entschloss, den auf handelspolitischem Gebiete erprobten
James Porter nach Wien ^u senden.^) Mitte Juni 1739 traf dieser
in der Kaiser Stadt ein. Die ersten Unterredungen verliefen nicht un^
günstig. Porter bekam den Eindruck, dass ein den Engländern vor-
teilhafter Handelsvertrag ^u Stande kommen werde. Insbesondere die
Geneigtheit der Österreicher, den Engländern die ausschliessliche Ein-
fuhr bestimmter Waren über Triest ^w gestatten, schien ihm vielver-
sprechend.^) Freilich ergaben sich auch jet^t Differenzen, als man ins
einzelne gieng. Die kaiserlichen Minister hielten daran fest, dass ledig-
lich die feineren englischen Tuchwaren nach Österreich eingeführt wer-
den sollten, den mittleren und gröberen aber im Interesse der heimi^
sehen Industrie die Einfuhr untersagt bleiben müsse. Vergebens wies
Porter darauf hin, dass gerade der Absatj( dieser Tuchgattungen den
Engländern am Herren liege, vergebens berief er sich auf die öster-
reichischen Kaufleute, die — wie er behauptete — dem Importe aller
Tuchwaren das Wort sprachen. Kinsky erwiderte mit Recht, das Vorgehen
der Kaufleute entspringe egoistischen Motiven; Aufgabe der Regierung
aber sei, das allgemeine Wohl im Auge {u behalten, das dringend die
Förderung der heimischen Industrie fordere. Und wenn auch die öster-
reichischen Unterhändler ihre Geneigtheit aussprachen, den Engländern
bei der Einfuhr von Zucker, Kaffee, Thee, Pfeffer, Reis, gedörrten
Fischen, Gold- und Silberwaren, Hüten, Strümpfen u. a. m. besondere
Begünstigungen ^u gewähren, so geigte sich auch hier, sobald man an
die Feststellung der Tarife schritt, wie weit die Kluft war, die fi-
schen den Forderungen Porters und den Zugeständnissen der Öster-
reicher lag. Dasselbe Verhältnis trat auch {u Tage, als die Vertreter
Karls VI die Forderungen pr anvisierten, die sie an die englische Re-
gierung ^u stellen beauftragt waren. Wohl erklärte Porter, er ^weifte
nicht, dass die Engländer sich geneigt {eigen würden, den Österreichern
bedeutende Konj^essionen ^u machen, dass sie die Einfuhr von Leinwand,
Kupfer, Quecksilber, Glas, Sal^, Wachs, Olivenöl, Wein, Hol\ u. a, m.
erleichtern würden; allein er nahm diesen Versprechungen sogleich
ihren hauptsächlichen Wert, indem er hervorhob, dass im Hinblicke
») Vgl. Robinsons Berichte vom 14., 17, u. 28. Jan. 17^9. R. O.
*) Vgl, die Weisungen an Robinson d, d. 6, April u. 8, Mai 17^9» R» O.
«) Bericht Porters d. d. 17. Juni 17^^, R. O.
636 >743 s* ^ (Ende des Jahres.)
auf die Stimmung des englischen Parlamentes an eine weitere Herab-
setnimg des Einfuhriolles auf Leinwand nicht {U denken sei, die
Schwierigkeit betonte, die vom Parlamente dringend geforderte Auf-
hebung des bislang gewährten yyDrawbacV^ hintanjfiihalten und auf die
Hindernisse hinwies, die der vollen Befriedigung der Wiinsche Öster-
reichs in allen anderen Punkten im Wege standen,^)
Die Mitteilungen Porters wurden in London mit grossem In-
teresse aufgenommen, seine Vorschläge ^um Gegenstande eifigehender
Beratungen gemacht.^) Mitte November I7ß9 ergieng an ihn und Ro-
binson die Weisung, die Verhandlungen fortzusetzen, dieselben aber so
ZU fiihren, dass den Engländern nicht das ausschliessliche Privileg ßir
den Handel mit gewissen Waren über Triest gewährt, sondern ihnen
nur grössere Konzessionen gemacht werden sollten, wie den anderen
Nationen, Ausdrücklich wurde von den massgebenden Kreisen als Grund
für dieses auf den ersten Blick unverständliche Vorgehen die Furcht
vor der Eifersucht Hollands und anderer Nationen bezeichnet und der
Hoffnung Ausdruck verliehen, durch niedrigere Einfuhrzölle flir die
englischen Waren auf friedlichem Wege gleichwertige Vorteile z^* ^^
zielen. Um so entschiedener aber forderte die englische Regierung die
Außiebung der Einfuhrverbote für die mittleren und gröberen, die Her-
absetzung der Zölle für alle Tuchwaren und die Erlaubnis der Einfuhr
allen englischen Tuches, nicht nur über Triest, sondern auf jedem
Wege. Auch wurden den Vertretern Englands genaue Vorschriften
erteilt, welche Erleichterungen sie für die Einfuhr bestimmter eng-
lischer Waren nach Österreich fordern, und welche Zugeständnisse
sie für die Einfuhr bestimmter österreichischer Artikel nach England
gewähren wollten.^) Die ersteren waren sehr hohe, die letzteren sehr
geringe. Die Herabsetzung der Zölle auf schlesische Leinwand wurde
direkt abgelehnt, jene auf ungarische Weine, Eisenwaren u. a. m. nicht
in dem Ausmasse bewilligt, wie die Österreicher gefordert hatten, da-
gegen nicht nur grosse Erleichterungen für die Einfuhr von Tuch- und
Seidenwaren, sondern auch eine wesentliche Herabminderung der Ab-
gaben für >{j///r^?/V://^ Artikel und besondere Begünstigungen für die
Einfuhr des Zuckers gefordert. Die österreichischen Unterhändler
zeigten sich entrüstet, als sie von den Erklärungen der englischen Re-
gierung Kunde erhielten. Es kam bei den Verhandlungen, die im
V) Vgl die Berichte Porters vom JttU~Okt. 1739. R. O.
*) Zahlreiche Akten darüber im R. O.
^) Weisung an Robinson und Porter d. d. 16. Nov. lyjp- R. O,
1743 s. d. (Ende des Jahres.) 5^rt
IVinffr des Jahres lyjpj^o am Wiener Hofe geführt wurden, {u hef-
tigen DehattenS) Die Vertreter Karls VI, hielten daran fest, dass man
von ihnen nicht Zugeständnisse Jordern dürfe^ die den Ruin ihres
Landes herbeiführen müssten, und Hessen immer deutlicher merken, dass
sie eine Begünstigung der schlesischen Leinwand gegenüber der aller
übrigen deutschen wie ausser deutschen Staaten wünschten, während
Porter wie Robinson nicht müde wurden, ^u betonen, dass es in dem
Belieben Englands liege, den schlesischen Leinwandhandel durch eine
einseitige Herabsetj^ung der Zölle auf die niederländische Lein-
wand ^u ruinieren. Trot^ alledem wurden die Verhandlungen nicht
abgebrochen , vielmehr die Fragen, über die vorerst -{« einer Einigung
lu gelangen unmöglich schien, ausgeschieden und der Versuch unter-
nommen, bezüglich der übrigen in's Reine ^u kommen. Ende Mär:{
1740 verfasste Porter über Aufforderung der Österreicher eine Sehr iß,
welche die Forderungen und die Zugeständnisse der Engländer enthielt
und als Grundlage für die weiteren Verhandlungen angesehen werden
sollte.^) Im Frühjahre und Sommer 1740 fantten solche statt ; sie fiihr-
ten in manchen Punkten s{ti einer Annäherung.^) Anfang Oktober 1740
berichteten Porter und Robinson ihrer Regierung, man habe sich in den
meisten Punkten geeinigt; nur die Festsetzung der Erleichterungen für
die Einfuhr der englischen Tuchwaren nach Österreich und der schlesi-
schen Leinwand nach England bereite Schwierigkeiten ; aber auch diese
hoffe man ^u überwinden.^)
Da starb Karl VI An die Fortseti^ung der Verhandlungen über
den Handelsvertrag war vorerst nicht ^u denken. Nicht allein, weil
es für die junge Erbin und deren Minister wichtigeres :(ii tun gab,
sondern auch deshalb, weil es den Engländern nicht rätlich scheinen
konnte, mit Maria Theresia einen Handelsvertrag :^i schliessen, bevor
num sicher war, ob sie sich in dem Besitze der österreichischen Ge-
samtmonarchie behaupten werde. Erst im Spätsommer 1742 konnte
Porter an die Wiederaufnahme der Verhandlungen schreiten. Die Si-
tuation hatte sich aber unterdess wesentlich geändert. Mit dem Ver-
luste des grössten Teiles Schlesiens war der Hauptgrund, der die Wiener
0 ^g^' die Berichte Robinsons und Porters vom Dezember I7ßp und Jan.
J740. R. O.
*) Vgl. den eingehenden Bericht Porters d. d. ^i. Mär\ st. n. 1740. R. O.;
er übersandte damals auch das Projekt.
■) Vgl. insbesondere die Berichte Porters d. d. 2p. April und i. Juni
1740. R. O.
*) Vgl, Porters Bericht d. d. Ä Okt 1740. R. O.
638 1743 s* ^* (Ende des Jahres,)
Regierung veranlasst hatte, den Engländern so wesentliche Konzessionen
;[« machen — die Rücksicht auf den schlesischen LeinwandhaniM —
weggefallen, Wohl wünschte man noch immer für die in Österreich
eriengte Leinwand — man hoffte ja auf den Wiedergewinn Schlesiens
und dachte die Leinenindustrie in Böhmen und Mähren ^u fördern —
Erleichterungen bei der Ausfuhr nach England und man unterschätzte
auch nicht den Wert der in Aussicht gestellten Ermässigung der Zölle,
die bisher von anderen Waren, die Österreich nach dem Inselreiche
exportierte, gefordert worden war. Allein so wertvoll wie ^^r Zeit
Karls VL konnte den Österreichern das mit England geplante Handels-
bündnis nicht erscheinen. Wenn sie trotzdem auf die Aufforderung
der englischen Regierung hin nicht nur die Verhandlungen von neuem
aufnahmen, sondern im Verlaufe derselben Geneigtheit ^eigten^ weitere
Zollermässigungen ^u Gunsten Englands lu^ugestehen , so geschah
dies zweifelsohne im Hinblicke auf die allgemeine politische Lage,
die es ihnen dringend geboten erscheinen lassen musste, die etiglische
Kaufmann swelt ^ deren ausschlaggebenden Einfluss auf die politi-
schen Entscheidungen sie kannten, und deren finanzielle Hilfe in
Form von Anlehen sie immer wieder in Anspruch nahmen, günstig -{«
stimmen. In immer erneuerten Konferenzen, die vom Herbste IJ42
bis zum Frühjahre des Jahres 1743 dauerten,^) wurde über jede ein-
zelne Tarif post gefeilscht, und immer wieder forderten und erhielten
die Engländer neue Zugeständnisse. Porter berechnete, dass bei den
nunmehr von Österreich z^^g^^l^^denen Zollsätzen die Engländer mit
den Kaufleuten von Leiden, Lüttich, Verviers beim Verkaufe der feinen,
mit den österreichischen beim Verkaufe der mittleren und gröberen
Tuchsorten würden konkurrieren können.^) Auch für den Absatz von
Zucker, Reis, Kaffee, TJiee gelang es den englischen Unterhändlern
wesentliche Herabmindernngcn der Zollsätze durchzusetzen, deren Wert
sie in erster Linie in der Möglichkeit einer siegreichen Konkurrenz
der englischen Colonien den französischen gegenüber erblickten. In
ihren Zugeständnissen an die Österreicher waren dagegen die Vertreter
Georgs IL sehr ^wr/V^^//a//^«^. Von einer Ausnahmsstellung für die
') Vgl. die Konferen\protokolle im Archive des Ministeriums des Innern
und die Berichte Porters im R. O.
*) Vgl. den Bericht Porters d. d. y. Jan. 174^. R. O. ; diesem Berichte
liegt auch die Antwort der österreichischen Regierung auf den ihr im August
1742 von Porter vorgelegten Entwurf, sowie „retnarks^^ Porters bei, in denen
dieser die Vorteile des geplanten Handelsvertrages mit Österreich an der Hand
von Ziffern eingehend erörtert.
1743 s. d (Ende des Jahres.) r^^^
österreichische Leinwand wollten sie nichts wissen y den ungarischen
Weinen die von Osterreich geforderte Gleichstellung mit den portu^
giesischen — die den niedrigsten Zoll in England {U fahlen hatten —
nicht zugestehen. Und wenn sie sich auch geneigt geigten, dem höh--
mischen Glas, dem innerösterreichischen Eisen, dem ungarischen Kupfer,
dem idrianischen Quecksilber und anderen Waren den Export nach
England ^u erleichtern, so hinderte sie doch ihre weitgehende Rück-
sichtnahme auf die besonderen Interessen nicht nur der Engländer,
sondern auch jener Nationen, mit denen sie in Handelsbes^iehungen
standen, den Österreichern Zugeständnisse ^u machen, die diesen als
Aequivalent für die von ihnen geforderten hätten erscheinen können.
Immerhin war man im Februar I74ß so weit, dass man bereits
an die Erörterung von Fragen schritt, die sich auf die Dauer des
Vertrages und auf die Sicherheit der Person und des Besitzes -jener
Kaußeute belogen, die sich nach Abschluss des Handelsbündnisses im
Lande des Vertragsgegners niederlassen sollten,^) Man darf es wohl
als einen Beweis dafür ansehen, dass die englischen Unterhändler den
Wert der geplanten Abmachungen höher einschalteten als die österrei-
chischen, dass jene den Vertrag auf unbegrenzte Zeit, diese aber nur
auf 2^ — }o Jahre schliessen wollten, „da man nicht wisse, ob der-
selbe sich als vorteilhaft erweisen werde^^, Porter hatte unterdess aus-
führlich über den Stand der Dinge nach London berichtet, die Situation
als eine den englischen Interessen äusserst günstige bezeichnet und an
einer Fülle von Beispielen an der Hand von Ziffern bewiesen, dass
der Abschluss des Vertrages unter den vorgeschlagenen Bedingungen
für England überaus vorteilhaft wäre. Der englische Handel nach
den Donaustaaten würde wesentlich gesteigert, den englischen Colonien
neue Absatzgebiete eröffnet, der englischen Schiffahrt neue Bahnen ge-
wiesen werden'^) Das englische Handelsamt, das Porters Bericht einer
eingehenden Prüfung unterzog, kam -{w ähnlichen Resultaten. Wohl
wurden neue Wünsche und die Ansicht geäussert, man müsse bei der
Gewährung von Konzessionen an Österreich auf die mit anderen Mäch-
ten, z^if^ial tnit Spanien, Portugal und den Niederlanden bestehenden Han-
delsverträge Rücksicht nehmen; aber schliesslich wurde der Meinung
Ausdruck verliehen, dass der Abschluss unter den von Porter vorgeschla-
genen Bedingungen wünschenswert und z^ beschleunigen sei, damit man
>) Vgl. die Konferen{protokolle vom Februar 174^ im Archive des Min.
des Innern in Wien.
«) Vgl. den Bericht Porters d. d. ^. Jan. 174^. R. O.
640 '743 ^ ^* (^^^ <les Jahres.)
{um im hiovember 1743 s^isammentretenden Parlamettie das ausgear-
beitete Projekt ^itr Gutheissung vorlegen könnet) Die englischen Unter-
händler begannen, sobald die Weisung ihrer Regierung in ihre Hände
gelangt war, die Verhandlungen. Am 2/. Juli 1743 übergaben sie den
Österreichern ein Memoire, das die Forderungen und Zugeständnisse
der englischen Regierung enthielte) Unter den erster en finden wir als
besonders dringend, nebst einer weiteren Herabset^mg der Zollsätze
auf die gröberen Tuchwaren und besonderen Vorteilen fiir den Handel
in Ungarn, die Reorganisation der Maut hervorgehoben. „Gegenüber
den verschiedenen Interessen der einzelnen Länder — hiess es — sei
es notwendig, eine feste einheitliche Organisation der Verwaltung s^u
schaffen, da sonst auch nach Abschluss des Vertrages tausendfältige
Schwierigkeiten {u befürchten seiend Die österreichischen Unterhändler
haben die Berechtigung dieser Forderung nicht geleugnet. In den von
ihnen mit Porter und Robinson geführten Verhandlungen fiel von ihrer
Seite manches Wort bitterer Klage über die den allgemeinen Interessen
so schädlichen Mängel der österreichischen Verwaltung. Aber sie
wussten recht gut, dass dieselben mit einem Schlage nicht -f« beheben
sein würden und beschränkten sich daher darauf , weitgehende aber
nicht bindende Versprechen bezüglich der Mautordnung ^u geben. Im
übrigen suchten sie in den zahlreichen Konferenzen, die seit dem Hoch-
sommer I74ß in der Handelsfrage stattfanden,^) die Interessen ihrer
Herrscherin ^.u wahren. In manchen Punkten mit, in anderen ohne
Erfolg.
Im September 1743, {ur Zeit, da der Wormser Vertrag unter-
zeichnet wurde, dessen iß. Artikel das Versprechen Maria Theresia's
enthielt, die Handrlsinfcressen der Engländer möglichst ;[// berücksich-
tigen,^) hegten die englischen Unterhändler die Hoffnung, die Ange-
legenheit in Kürze {it einem gedeihlichen Ende .{// führen. Allein ihr
Wunsch, rechtzeitig, also vor Beginn der neuen Parlamentssession, die
Antwort der österreichischen Regierung auf Porters Memoire vom
21. fuli zu erhalfen, erfüllte sich nicht. Unzweifelhaft hat der Zorn
Maria Theresia' s über die Weigerung des englischen Ministeriums^ ihr
' ) Erklärung der Lords of trade d, d. ^o. Mär\ 1743» ^« ^' Porter be-
antwortete diese Hrklärung am 3, Mai und 27. De\, 1743. R. O.
2) Eine KoptJ desselben liegt der Antwort Porters d. d, 27. De\. 174^ auf
die Erklärung der Lords of trade vom 50. ALlir{ 1743 ^^'* ^- ^*
*) Die Protokolle dieser Beratungen befinden sich im Archive des Min. des
Innern in Wien.
*) VgL p. 619.
'743 s. d. (Ende des Jahres.) 64 1
dauernde Suhsidlen :(U{usagen^) und ihre Reichspläne — die in erster
Linie auf den Erwerb Baier ns hinzielten — ^u fördern, die Ver:(ö-
gerung der österreichischen Erklärung verschuldet. Doch wurden die
Verhandlungen im November I74ß wieder aufgenommen, und nach
langen, heftigen Debatten, in deren Verlauf die Vertreter beider Par-
teien ihren Standpunkt mit Eifer und Geschick vertraten, entschloss
sich die Wiener Regierung, die von den Engländern dringend f{efor-
derte Antwort ;^u geben.*) Dieselbe beginnt mit der Erklärung, Maria
Theresia „unfähig je die dankbare Erinnerung an die edlen Anstren-
gungen i{u verlieren, die Englands Bürger für sie aufgewendef^, werde
nichts unterlassen, die Bande der Freundschaft, die beide Nationen
bisher umschlungen, noch fester ^u knüpfen, bemerke aber, man dürfe
ihren Untertanen nicht Opfer auferlegen, die diese nicht bringen
könnten. Es werden sodann alle Zugeständnisse aufgezählt, die man
den Engländern gemacht, Maria Theresia betont, dass die Herabset-
zung der bisher bei der Einfuhr englischer Tuchwaren gezahlten Ab-
gaben um */3 des Betrages eine starke Verminderung ihrer Einnahmen
bedeute; dass die Bevorzugung der englischen Wollwaren vor denen
anderer Nationen ihr den Hass dieser -(W-{/VÄ^« werde; die Franzosen
verletze sie überdies durch die Gewährung eines Rabattes von 8^Iq für
den englischen Colonialzncker, Und besonders hoch schlug ue das
Entgegenkommen ihrer Vertreter gegenüber den Wünschen der eng-
lischen Kaufleute nach Erleichterung des Handels in Ungarn an. Es
war nur eine selbstverständliche Konsequenz dieser Schätzung ihrer Zu-
geständnisse, dass sie ein weiteres Entgegenkommen für unmöglich er-
klärte und die Erfüllung ihrer Versprechen an die Billigung der von
ihr gestellten Gegenforderungen knüpfle, unter denen widerum neben
der Beibehaltung des „DrawbacV* für ewige Zeiten, die Bevorzttgung der
österreichischen Leinenwaren vor denen der übrigen Nationen durch
Herabsetzung des bisher gezahlten Eingangszolles auf die Hälfte, die
Gleichstellung der ungarischen mit den portugiesischen Weinen und
weitere Ermässigungen der Abgaben auf Glas, Kupfer, Eisen //. a, m,
erscheinen, Robinson und Porter z^g^^l^^ nicht, die Äusserungen Maria
Tlieresia's der englischen Regierung z^ übermitteln, ;{« gleicher Zeit
aber auch das Projekt des Handelsvertrages ^ das Porter entworfen hatte
und das im nachfolgenden z}^n Abdruck gelangt. Dasselbe umfasst
0 Vgl, p, 62y
*) Diese Erklärung d, d, 2}, De\, 174^ Übersandten die englischen Unter-
kandier Ende des Jahres 174} nach London, Sie befindet sich im R, O.
Österreichisch-englische StaaUvertrSge. Bd. I. 4>
6^^ 1^43 s* ^' (Ende des Jalires.)
4) Artikel, sowie eine Reihe von Tarifen^ in denen die bisher gelei-
steten und die in Zukunft j(u leistenden Abgaben von Waren, die aus
Eng/and nach den österreichischen Erbländern, nach Böhmen, Mähren,
Schlesien und Ungarn, sowie aus diesen Gebieten nach England ein-
geführt werden würden, nebeneinander verzeichnet sind. Der Inhalt
des Entwurfes legt deutlich Zeugnis für das Bestrehen Porters ab, die
Hindernisse ans dem Wege ^u räumen, die der Hebung des Handels-
verkehres j(wischen England und Österreich hinderlich waren und für
alle Eventualitäten Vorsorge ^u treffen, die sich aus der Steigerung
der geschäftlichen Be:^iehungen dieser beiden Staaten ergeben könnten.
Mit grosser Umsicht und mit feiner Berücksichtigung der besonderen
Verhältnisse werden — im Anschlüsse an ähnliche bereits abgeschlossene
Handelsverträge Englands mit anderen Staaten — Verfugungen getroffen,
welche die genaue Einhaltung der beiderseits ^gesagten Handelsvorteile,
eine rasche und sichere Erledigung der Geschäfte, Sicherheit der Per-
son und des Eigentums der Kauflente, eine unparteiische Rechtsspre-
chung und ähnliches mehr sicher stellen sollten, Dass Porter bei der
Abfassung dieser Bestimmungen, wie bei der Feststellung der Tarife
ausschliesslich das englische Interesse im Auge hatte, ist selbstver-
ständlich. Wer sich die Mühe giht^ den im nachfolgenden ^um Ab-
drucke gelangenden Entwurf {u lesen, wird sich leicht davon über^
^eugen können. Es kann auch kein Zweifel darüber bestehen, dass
ein auf dieser Grundlage abgeschlossener Handelsvertrag für die Eng-
länder überaus vorteilhaft gewesen wäre, Berechnungen, die Porter
auf Grund der neuen Tarife vornahm, führten ^u dem Ergebnisse,
dass England für die wichtigsten seiner Ausfuhrartikel einen lohnenden
Ahsati in dem österreichischen Staate gewinnen, dass es, im Hinblicke
auf die ihm bei der Einfuhr über Tricst, Fiume, Porto-Rd und Buccari
gewährten Vorzugsbedingungen, die Konkurrenz mit seinen Gegnern
— /;/ erster Linie waren dies die Niederländer und die Franzosen
— erfolgreich werde bestehen können. Für die englischen Tuchwaren
— denen insgesamt die Einfuhr bei wesentlich geringeren Abgaben ge-
stattet werden sollte — rechnete Porter allein auf einen Mehrabsat^
im Werte von Millionen von Gulden, Nicht minder hoch schlug er
den Vorteil an, der sich aus der Herabsetzung der Abgaben bei
Einfuhr von englischem Colonialzucker , Kaffee , Tliee , Pfeffer, Reis
u. a, m, über Triest ergeben werde , da die bei der Einfuhr dieser
Waren über Hamburg bisher erhobenen hohen Zölle für alle Nationen
aufrechterhalten werden sollten. Und er zy^eifelte keinen Augenblick,
dass der Handel mit gedörrten Fischen, mit Gold- und Silberwaren,
1^43 s* ^* {^^^^ des Jahres.) ^4^
m// Leder, Eisen und {ahlreichen anderen Waren sich in kürzester
Zeit wesentlich heben werde.
Das war auch die Empfindung der massgebenden Kreise in Lon-
don. Allgemein wurde das Vorgehen Porters gebilligt. Auch das Han-
delsamt anerkannte nach eingehender Prüfung des Entwurfes, dass
Porter in geschickter Weise die Interessen Englands vertreten habe
und sprach die Überzeugung aus, dass der englische Handel aus dem
Abschlüsse des Vertrages wesentliche Vorteile i^iehen werde. Um so
grösser war daher das Bedauern der englischen Regierung und Kauf-
mannswelt, als mit Ende des Jahres IJ4), durch die Haltung der
österreichischen Regierung veranlasst, eine lange Pause in den Ver-
handlungen eintrat, die Robinson und Porter bisher so erfolgreich am
Wietier Hofe geführt hatten. Es ist nicht leicht, die Ursachen dieser
neuen Verlagerung anzugeben; dass sie aber ^um guten Teil rein
politischer Natur waren — Rücksichtsnahme auf die Generalstaaten,
deren Hilfe man dringend benötigte, vielleicht auch, wie Porter ver-
mutete, auf Frankreich — wird sich wohl nicht bestreiten lassen. Ge-
wiss aber hat da{u auch die lebhafte Opposition beigetragen, die von
massgebenden höheren Beamten und von zahlreichen Kaufleuten aus-
gieng und eine kräftige Unterstützung bei den Ungarn fand, die sich
durchaus nicht geneigt ^^/^/^r//, die englischen Interessen auf ihre Ko-
sten zu fördern. *) Es bedurfte unter diesen Umständen wiederholter
dringender Mahnungen der englischen Regierung und ihrer Vertreter
in Wien, bis die Verhandlungen auf Grund eines neuen nun 45 Ar-
tikel umfassenden Entwurfes, der widerum von Porter verfasst worden
war,^) im März I74ß begänne ft. Wieder wurde jeder einzelne Para-
graph eingehend erörtert, die Tarife von neuem geprüft.^) Da sich
grössere Differenzen nicht ergaben, hielten die englischen Unterhändler
die Aussichten auf einen baldigen Abschluss für günstig. Ende Mai
erklärte Bartenstein, die letzte Redaktion des Entwurfes vornehmen z^
wollen; er las die Einleitung desselben, die er selbst verfasst hatte,
den Engländern vor, die sie genehmigten. Wenige Tage darauf er-
klärte Maria Theresia dem englischen Gesandten ihre Geneigtheit, den
Vertrag in Bälde ^« unterzeichnen. Ulefeld, Kinsky, Bartenstein gaben
beruhigende Versicherungen.^^ Aber Woche auf Woche verfloss, ohne
») Vgl. Porters und Robinsons Bericht d. d. 21. Nov, 1744. R. O.
•) Dieser Entwurf liegt nicht mehr vor,
«) Die Protokolle im Archive des Min. des Innern in Wien; vgl. auch
den Bericht Porters und Robinsons an Harrington d. d. 12. Mai st. n. 174$, /?. O,
*) Vgl. den Bericht Robinsons und Porters d. d. 22. Sept. st. n. 174^, R. O.
41-
6^j^ 1743 s. d. (Ende des lahfes.)
Jass der Abschluss erfolgte, Porter erfuhr y dass einige MilgUeder det
s^nr Verhandlung mit den Engländern eingesett^ten Komtnission, von
jeher Gegner des Vertrages, mit ihren Erklärungen von dem drohen^
den Untergange der österreichischen Industrie und von der Gefahr für
die Kaufleute der Monarchie , auf Starhemberg Eindruck gemacht
hätten. Sofort unternahm er es, diesen von der Haltlosigkeit solcher
Behauptungen :{ti überzeugen, und in ähnlichem Sinne suchte er auf
Maria Tlieresia einzuwirken. Allein obgleich die Herrscherin , wie
Porter vernahm, den österreichischen Kaufleuten, die in einer Au-
dienz Protest gegen die geplante Schädigung ihrer Interessen ein-
legten, von dem Vertrage als einer fest beschlossenen Tatsache
sprach, obgleich Bartenstein und Kinsky bestimmte Zusagen gaben,
verstrich Monat auf Monat, ohne dass Porter oder Robinson -{//r Unter-
fertigung des Vertrages gerufen wurden, Allmählig begann Porter
einzusehen, dass die Verzögerung eine beabsichtigte sei, dass Maria
Theresia , verletzt durch die Haltutig Georgs H, , der im August
gegen ihren Willen mit Friedrich IL von Prenssen den Präliminar-
frieden von Hannover geschlossen und dessen Annahme in Wien
durchzusetzen versprochen hatte, die Verhandlungen hinaus^z^V^^^^^
suche, um einen neuerlichen Druck auf die englische Nation im
Sinne der Unerstützung Österreichs im Kampfe gegen Preussen aus-
zuüben. In heftiger Weise hielt er den Vertretern Maria Theresia's
die Ungerechtigkeit und Unzweckmässigkeit ihres Vorgehens vor und
forderte dringend mit drohenden Worten die Unterzeichnung des
Vertrages,^) Aber auch jetzt blieben alle seine Bemühungen erfolg-
los. Denn je lebhafter sich Maria Theresia im Herbste 1743 mit
dem Gedanken beschäftigte , mit Frankreich ^// einer Einigung z}*
gelangen, um dann den Kampf gegen Preussen desto energischer
fortzusetzen , desto unzu^eckmässiger musste ihr die Unterzeichnung
des österreichisch-englischen Handelsbündnisses erscheinen , der keine
Nation schwerer traf, als die französische,^) Erst -{« Beginn des Jahres
1746 , als der Abschluss des Dresdner Friedens mit Friedrich IL
bereits erfolgt und die Fortsetzung des Krieges gegen Frankreich be-
schlossen war, fand Porter mit seiner Forderung aif Abschluss des
*) Vgl, den bereits eru ahnten Bericht Robinsons und Porters an Harrington
d. d. 22. Sept. st, n. 174^ R, O, und das Privatschreiben Robinsons an Har-
rington vom selben Datum,
*) Ebenda,
1743 s. d. (Ende des Jahres.) 645
Handelsvertrages geneigteres Gehör. ^) Insbesondere im Februar und
Mär^ J746 lauteten die Versprechungen der österreichischen Minister
so bestimmt y dass Porter wie Robinson auf die baldige Beendigung der
Verhandlungen mit Sicherheit rechneten und von ihrer Regierung
schleunige Instruktion bezüglich einiger formeller Punkte bei Unter-
leichnung des Vertrages erbaten.^) Allein auch diesmal täuschten sie
sich. Die Wiener Regierung :{0g die Verhandlungen neuerdings hin-
aus wid Hess allmählig erkennen, dass sie vorerst an die Unterferti-
gung des Vertrages nicht schreiten wolle,^) Un^eifelhaft hat die
Rücksicht auf Frankreich, die Furcht Maria Iheresia's, den Ausgleich
mit dieser Macht durch die Gewährung besonderer Handelsvorteile für
die Engländer {u erschweren, mit in erster Linie da^i beigetragen, dass
sie im let^^ten Momente von dem Abschlüsse des Bündnisses mit Eng-
land abstand. Gewiss ist aber auch, dass {u diesem Entschlüsse in
hohem Masse die Erkenntnis mitgewirkt hat, dass die den Völkern
Österreichs aus dem geplanten Handelsbündnisse entspringenden Vor-
teile in keinem richtigen Verhältnisse {u d^n ihnen im Interesse der
Engländer zugemuteten Opfern stehen würden. Im Herbste IJ46 ver-
lies s Porter, j(um Botschafter Englands bei der Pforte ernannt, Wien,^)
Mit seiner Abreise aus dieser Stadt brechen auch die Verhandlungen
über das englisch-österreichische Handelsbündnis ab. Erst nach De-
zennien sind dieselben unter gänzlich veränderten Verhältnissen wieder
aufgenommen worden,
I.
Her majesty the queen of Hungary and Bohemia promises
both in her own name and that of her successors, to suflfer
and admit hereafter in all her hereditary countries in Hungary
*) Vgl, die Berichte Porters an Har rington d, d, 14, Febr, und p. Mär^
17^, R, O.
») In erster Linie betraf dies den Termin des Ratifikationsaustausches und
y,with regard of the point of alternating or not with this princess or empress
cotisort only,'* Porter an Harrington 14. Febr. 1746, R, O,
•) Das erste Zeichen seines neuerlicJten Misstrauens gibt Porter in seinem
Berichte d, d, 12, Mär^ 1746. R. O,
*) Porter an Harrington d, d, 28, Sept, 1746. R, O. Nach der Biographie
J. Porters in der „English National Biographyi" XLVI, 179 erfolgte seine Er-
nennung am 23. Sept, 1746, In seinen Berichten aus Konstaniinopel betont
Porter öfters, er habe Wien gern verlassen, da sein fernerer Aufenthalt in
dieser Stadt überflüssig gewesen wäre.
546 '743 ^* ^ (Ende des Jahres.)
and Germany*) the entry, passage, transportation and sale of all
sorts of woollenmanufactures, ascloths, stuffsand petit draperies,
of what kind, quality or make soever, and of all silken manu-
factures and goods, wares and merchandises belonging to or
being the fabrick, growth or production of Great-Britain, its
provinces and colonies, as specified and regulated in the se-
veral tarifis annexed to the end of this treaty; and that all such
manufactures, goods, wares and merchandises shall pay for all
duties, imposts or transits, of what nature or denomination soe-
ver they may be, but once for all, and that on the foot as is
agreed and stipulated in the said tarifife, so that it shall not be
lawfuU or permitted on any account or* pretence whatsoever
or ander any other name, title or denomination, to alter, change
or augment the said duties contained in the said tariflfs; pro-
vided that the entry or importation of the said manufactures,
goods, wares or merchandises is made in the manner and con-
formable to the several conditions and restrictions contained in
the several articles of this treaty hereafter set forth and explained.
n.
In like manner his sacred majesty the king of Great-Bri-
tain promises, both in his own name and that of his succes-
sors, to suffer and admit hereafter in all the ports of Great-
Britain the entry, passage, transportation and sale of all sorts
of linnen manufactures of what kind, quality or make soeveri
and of all goods, wares and merchandises belonging to or
being of the fabrick, growth or production of all the hereditary
countries of Hungary and Germany of her majesty the queen
of Hungary and ßohemia,i) as specified and regulated in the se-
veral tariffs annexed to the end of this treaty; and that all such
linnen manufactures, goods, wares and merchandises shall pay
for all duties, imposts or transits, of what nature or denomi-
nation soever they may be, but once for all, and that on the
foot as is agreed and stipulated in the said tariffs, so that it
shall not be lawfuU or permitted on any account or pretence
whatsoever or under any other name, title or denomination, to
alter, change or augment the said duties contained in the said
tariffs; provided that the exportation or shipping out of the
said hereditary countries and the entry and importation in
') ^V^- i"'" Verständnisse dieser Bezeichnung den 1^, Arf. dieses Vertrages.
1743 ^ ^* (£n^c d^s Jahres«) 647
Great-Britain of the said linnen manufactures, goods, wares
and merchandises is made in the manner and conformable to
the several conditions and restrictions contained in the several
articles of this treaty hereafter set forth and explained.
m.
His majesty the king of Great-Britain being desirous to
grant all possible advantages to the subjects of her majesty
the queen of Hungary and Bohemia, promises and engages,
that all linnen cloth, made and manufactured in her said ma-
jesty's hereditary countries abovementioned, shall remain on the
low duties they at present pay, and that they shall enjoy the
continuance of the benefit and advantage of the drawback of
the duties, when they are shipped or transported out of the
port or ports of the kingdom of Great-Britain to be sent either
to the Indies or other parts of Europe, and also that all goods,
wares and merchandises of the growth or production of the
said hereditary countries, as specified in the aforesaid tariflfs,
shall likewjse reap the benefit and advantage of the said draw-
back of the duties on being reshipped, and especialy all cop-
per in plates or barrs etcetera, the growth, production etcetera
of the hereditary countries; and tho' any law should be made
either to take off the allowance of the benefit of the draw-
back, or to augment the duties, imposts etcetera on the linnen
manufacture, growth or production of any other countries
whatsoever, it is specialy provided, that all linnen manufactures
and all goods of the growth and production of the queen of
Hungary and Bohemia's hereditary countries, as specifyed in
the annexed tariffs, shall remain on the present footing stipu-
lated and agreed to by this treaty. His britannick majesty li-
kewise promises and engages, that all brandies, made and di-
stilled in her said majesty the queen of Hungary and Bohemia's
hereditary countries aforesaid, shall be hereafter admitted in
Great-Britain in paying the duty and imposts on the same
footing as those of Spain and PortugaL
IV.
And as it is the highest conveniency and interest of her
majesty the queen of Hungary and Bohemia, that trade should
be as much as possible introduced, brought ia aijd conceiitrate4
648 1743 s* ^ (Ende des Jahres.)
by such port or ports, harbours or havens, as are in her said
majesty's own dominions abovementioned, it is concluded and
agreed, that all manufactures, goods, wares and merchandises,
to be introduced, brought in and imported in her majesty's said
hereditary countries from his britannick majesty's dominions,
and which are specified and contained in the tariflfs annexed
to this treaty, are to be introduced, brought in and imported
but by the port or ports of Trieste, Fiume, Porto-Rö and
Buccari, belonging to her said majesty the queen of Hungary
and Bohemia. For which reason it is also concluded and agreed,
that all linnen manufactures, goods, wrares and merchandises of
the manufacture, growth or production of her said majestys'
hereditary countries, as contained and specified in the tariffs
annexed, and which are designed or intended to be exported
out of the said dominions and to be imported into any port
or ports of Great-Britain etcetera, are to be so shipped or ex-
ported but by the said port or ports of Trieste, Fiume, Porto-
R6 and Buccari ; for which end it is specialy provided, that all
such manufactures, goods, wares etcetera, shipped and exported
by the said ports, are to be accompanied with proper attesta-
tions and certificates, regularly attested by a proper officer or
officers, belonging to her said majesty and residing at the said
port or ports, and by an english consul or his deputy, who
shall be established in the aforesaid ports of Trieste, Fiume,
Porto-R6 and Buccari for that and other purposes of trade, in
which attestation or certificate is to be expressed, „that such
linnen manufactures, goods or merchandises are realy and bona
fide of the manufacture, growth and production of her majesty
the queen of Hungary and Bohemia's said hereditary countries,
with the name of the ship and Commander, its force, number
of men and tonnage, when and where the goods etcetera were
shipped, and to what port the ship belongs".
In like manner his majesty the king of Great-Britain en-
gages on his part, that in order to prevent all frauds and im-
positions, which may be committed by shipping in any port or
ports of Great-Britain etcetera to be imported in the ports of
her hungarian majesty's dominions aforesaid foreign manufac-
tures, goods, wares and merchandises under the pretence of
their being british, that all such measurable goods or manu-
factures, shipped in any port or ports of his said britannick
1743 ^* ^- (Ende des Jahres.) 649
majest/s dominions, as woollen cloths, stuffs or silks etcetera,
shall be regularly marked or sealed with a leaden seal, and
that both these and all other manufactures, goods, wares and
merchandises, specified in the tariflEs annexed hereunto, shall be
accompanied with proper certificates and attestations, duly at-
tested by a proper officer of the customs, where the said goods
or merchandises are shipped, and by the consul, who may
reside there on the part of her said hungarian majesty, if there
should be any, in which attestation or certificate^) to be ex-
pressed, that such manufactures, goods, wares and merchan-
dises are realy and bona fide of the manufacture, growth and
production of his britannick majest/s dominions, with the name
of the ship and Commander, its force, number of men and ton-
nage, when and where the goods etcetera were shipped, and
to what port the ship belongs.
And for the further security of the Performance of this
article, and the more effectualy to take off all pretence to fraud
and imposition on both sides, it is expressly concluded and
agreed, that this commerce, traffick and navigation to and
from the aforesaid port or ports belonging to her said majesty
the queen of Hungary and Bohemia be practised and carried
on in english ships or bottoms only; as also, that without
the strict observance and complyance to the aforesaid con-
ditions, limitations and restrictions, no manufactures, goods,
wares and merchandises of their respective majesties dominions
are to be treated and considered as such, and consequently are
not to enjoy the benefits and advantages contained in this
treaty.
V.
And to render the füll intentions of the high contracting
parties more solid and conducive to the end of establishing a
firm, lasting and durable commerce by the aforesaid ports of
Trieste, Fiume, Porto-Re, Buccari etcetera, it is further con-
sented to and agreed by her majesty the queen of Hungary and
Bohemia, that in consideration of the special advantages, gran-
ted and ascertained to her hungarian and bohemian majesty^s
subjects by this treaty, all duties and imposts to be paid on
*) /// der vorliegenden Abschrift or certificate ^weimal nacheinander.
iSko >743 s« cL (Ende des Jahres.)
english manufactures, goods, wares and merchandises are com-
prehended and stipulated in the several tariffs or rates annexed
to this present treaty, and that all the old duties, additional
duties, imposts and augmentations paid and levied heretofore
in her said majesties hereditary countries, and such as they
were at the decease of the late emperor Charles VT, and as
are specified and contained in the several tariffs made before
the date of this present treaty, are to remain in füll force here-
after, as well on all woolen goods, manufactured and to be
imported in her said majesty's hereditary countries by all and
every other nation or nations whatsoever, as on all goods,
wares, merchandises, specified in the said tariffs, which are of
the manufacture, growth or production of all and every other
nation or nations ; so that the füll benefit and advantage of the
low duties, imposts etcetera, as agreed upon, may be more
effectualy preserved for the woolen manufactures, goods, wa-
res and merchandises of the manufacture, growth and produc-
tion of his britannick majesty's dominions.
It is also further agreed by her said majesty the queen
of Hungary and Bohemia, that in all those kingdoms, provinces,
cities, tow^ns or villages of her majesty's said hereditary coun-
tries, where any woolen manufactures, goods, wares or mer-
chandises are now or were at the time of the decease of the
late emperor Charles VI. any or all of them actualy prohibited,
the said prohibition is to continue in füll force hereafter on
all woolen manufactures or goods, wares and merchandises of
the growth or production of all and every other nation or
nations, through whatever seaports, countries, roads or passa-
ges they may be imported in the said hereditary countries^
except on those of the british nation only , unless the absolute
want and necessity of them should require and compel her
said majesty to grant passeports for their entry and admission;
in which case, even then, the said high duties, additional du-
ties, imposts and augmentations are to be exacted, required
and paid.
VI.
And for the greater ease and conveniency of trade, her
said hungarian majesty promises, that on paying the customs
in any of her hereditary dominions on british manufactures
1743 s* ^* (Ende des Jahres.) 63 1
strict Charge shall be given, and that it shall be absolutely for-
bidden to open, unfold or measure any woolen cloths, stuffs,
silks or other measurable goods or merchandises in order to
prevent any hurt or detriment, which the trader may suffer
by such a practice; provided notwithstanding, that there should
arise no just cause or suspicion, that any fraud or counterband
is intended, in which case it may be lawfull to examine such
suspected goods, but even then one piece only.
vn.
For the farther encouragement and advancement of mu-
tual commerce, her majesty the queen of Hungary and Bohemia
grants füll liberty and permission to all subjects of Great-Bri-
tain to erect, settle and establish manufactures or works for
the making of refined sugars in or about any of her ports of
Trieste, Fiume, Porto-Rö and Buccari, and promises, that they
shall be fuUy and sufficiently protected in all such Settlements
and undertakings, and have also the special liberty to purchase,
possess and hire for any term or terms of years such grounds
for building or such buildings, as may be most suitable and
convenient for that end; that they may take into their Service
and employ all such person or persons, who are most fitting
and capable to inspect, direct or conduct such works, without
their being molested or hindered or burthened with heavy ta-
xes in any manner or on any account whatsoever, but that
on the contrary all ease, protection and security shall be gran-
ted in the füllest and amplest manner.
vm.
In Order to give an effectual proof of his majesty the king
of Great-Britains good will towards her majesty the queen of
Hungary and Bohemia and her subjects, and to aid and assist
as much as is possible the trade and commerce of her said
hungarian majest/s seaports and of all her hereditary countries,
his britannick majesty consents and agrees, that all linnen ma-
nufactures, goods, wares and merchandises belonging and ap-
pertaining to her said majesty the queen of Hungary and Bo-
hemia's subjects and shipped according to the conditions and
restrictions contained in the several articles of this treaty and
the several tarüTs annexed hereunto at the aforesaid ports of
(5^2 1743 s* ^ {Ende des Jahres.)
Trieste, Fiume, Porto-R6 and Buccari, to be entered, imported
and sold in his said britannick majesty's dominions, shall be
freated in all and every port and ports, belonging to his said
majesty, in the same manner and on the same footing as those
of his britannick majesty's own subjects, that is to say shall
be quite exempt and free from the duty paid in Great-Britain
by all foreigners according to the laws therein being, which
duty is commonly called aliensduty.
And as by several acts of parliament or laws, passed by
the parliament of Great-Britain in the reigns of Charles 2.^,
James 2.^ etcetera, it is expressly declared and provided, that
all ships or vessels coming from any port or ports of the Le-
vant or mediterranean seas into any port or ports of his bri-
tannick majesty's dominions in order to unlade and vend ma-
nufactures, goods, wrares and merchandises of the growth and
production of those countries are to pay an extraordinary duty
of one percent on such manufactures, goods and wares etce-
tera, except according to the tenor and conditions of the afore-
said laws they are navigated with a certain number of men,
videücet 32 men and 16 guns, or that they have shipped or
carried out from the ports or dominions of Great-Britain into
the said ports of the Levant or mediterranean seas a certain
quantity of fish ; his britannick majesty consents and agrees, that
by the present treaty all ships, coming laden with goods, wares
and merchandises of the growth and production of her hungarian
majesty's dominions aforesaid into any port or ports of Great-
Britain, of any force or number of men, or whether having
complied with the conditions required by the aforesaid acts
of parliament or not, shall be exempted from the said duty of
one percent, in order the more effectualy to encourage the na-
vigation from her hungarian majesty's said ports, provided they
have in all other respects complied with the terms and con-
ditions of the present treaty.
X.
Whereas nothing is more detrimental to mutual commerce
than the diversity of duties, imposts etcetera, wherewith goods
are excessively burthened, her majesty the queen of Hungary
1743 ^- ^ (Ende des Jahres.) 653
and Bohemia etcetera, being desirous to remedy this evil throu-
ghout all her hereditary countries aforesaid and therefore the
more clearly to explain, what is meant by paying the duties
and imposts once for all, promises, consents and agrees, that
all duties, imposts and transits, on all english woollen manu-
factures, silks, goods, wares and merchandises , imported by
the ports of Trieste, Fiume, Porto-Rö and Buccari, shall hence-
forth be reduced to the sums only, stipulated and specified in
the several tariflfs annexed A; so that no other duty, imposts
or transits, of the sovereign or of the states or of private and
particular persons shall be on any account or pretexte what-
soevef exacted or demanded throughout all or any of her
hungarian majesty's said hereditary countries, and all those at
Klochnitz,^) Laibach and Clagenfurth, and in general all others
of whatever nature or denomination, either by sea or land or
by the rivers, such as the Danube, the Saave and the Draave,
into or from Hungary, are to be totaly abolished ; and no du-
ties, imposts or transits are to be demanded or paid but at the
place, where the aforesaid wroolen manufactures, silks, goods,
wares or merchandises are landed.
And when once the said duty, as specified in the annexed
tariffs, is paid, and that once for all, in transporting or sending
the said manufactures, goods, wares etcetera from any city,
town or village to any other city, town or village of all or
any of her hungarian majesty's said hereditary countries, no
other duties, imposts or transits, of whatever nature or deno-
mination, can be exacted or demanded; although it is to be
understood, thal all duties, imposts and transits, as now prac-
ticed or at the time of the decease of the late emperor Char-
les VI., shall remain and be exacted and demanded on all ma-
nufactures, goods, wares and merchandises manufactured or
belonging to any or all other nation or nations. And the
better to distinguish what may or may not be british manu-
factures, goods, wares etcetera, and to answer the füll inten-
tion and purport of this treaty* proper certificates and attesta-
tions are to be produced from the proper officer at Trieste,
Fiume etcetera or the port where the goods were landed, or
from the English consul or his deputy at the said ports, at-
») Gloggniti.
6^^ 1743 ^ ^ (Ende des Jahres.)
testing the said manufactures etcetera to be british and landed
out of british ships, or the bales and bundles are to be pro-
perly marked or sealed by him or them, and a füll declaration
to be there given, that the whole duties have been there paid,
on which declaration the said goods etcetera may pass, re-
pass and be sold and consumed in any province, city, town
or village in the said hereditary countries, without its being
lawfuU to exact or demand any other toll, due or tax of any
kind on any pretence whatsoever; provided nevertheless, that
the tax, toll or due now paid through all the hereditary coun-
tries for the better repairing and preserving the high roads,
which is commonly called Weeggeldt, be continued and paid
as heretofore.
XL
Whereas many articles of goods, wares, manufactures and
productions of the respective countries of Great-Britain and of
her majesty the queen of Hungary and Bohemia's hereditary
countries, which are not specified in the respective tariffs an-
nexed to this treaty, may be found hereafter of use in the re-
ciprocal trade and consumption of said countries, it is agreed
that, when any such articles are discovered, proportionate allo-
wances on the respective tariffs shall be fixed, according to
the füll designand intention of this treaty; provided however,
that all goods, either comprehended in the tariffs or not, which
pay according to the value, if suspected to be undervalued by
the owner, may be yielded up to the officer of the customs so
suspecting them for the price they are valued at, which said
officer shall be obliged to pay down forthwith.
xn.
In like manner, when any of the aforesaid british manu-
factures, goods, wares and merchandises are introduced, im-
ported and sold in any city, town or village of that part of
the dutchy of Silesia belonging to the queen of Hungary and
Bohemin, and are there either sold to the Poles or to any other
person or persons to be exported or sent into Poland, in that
case they shall receive a drawback of the whole duties, im-
posts etcetera, they paid in being sent forward by land from
the said ports of Trieste, Fiume etcetera, w^hich drawback shall
be immediately paid on their exportation into the said king-
dom of Polani
1743 s- ^- (Ende des Jahres.) 655
xm.
It is also particularly provided, promised and agreed by
her majesty the queen of Hungary and Bohemia, that notwith-
standing any prohibition, which may have hitherto existed or
have been put in force concerning the importation, sale, -wear
or transit of any cotton goods or manufactures made of cotton,
that it shall be suffered and permitted hereafter to all her own
and his britannick majesty's subjects, to import through all or any
of her Said majesty's hereditary countries all sorts of cotton goods
or manufactures made of cotton, manufactured, made or printed
in his britannick majesty's dominions, on condition of their pay-
ing for such passage or transit through the said hereditary coun-
tries the half of the duties and imposts, which they now ac-
tualy pay.
But if the said cotton goods or manufactures made of
cotton happen to be sold in the Austrias or other parts of the
hereditary countries, where such prohibition has been in force
heretofore, except in the aforesaid seaports of Trieste, Fiume,
Porto-Re and Buccari, and to be sent and exported from thence
into the kingdom of Hungary, shall pay the duty once for all
at the aforesaid ports, as specified in the tariff of that kingdom.
And füll liberty is also given to her said hungarian maje-
sty's subjects and those of his majesty the king of Great-Bri-
tain to import and seil the aforesaid cotton goods and manu-
factures made of cotton in the kingdom of Bohemia, in Mora-
via and the Austrias, and the wear of the said goods shall be
ftilly permitted wherever the said prohibition may have here-
tofore existed in her said majesty's hereditary countries, in pay-
ing the füll duties and imposts now exacted and paid.^)
XIV.
And for the better explaining what is meant and under-
stood in the several articles of this treaty by her majesty the
queen of Hungary and Bohemia's hereditary countries, it is ex-
pressly declared, that under that term is comprehended the
kingdoms of Hungary and Bohemia, Dalmatia, Croatia, Scla-
vonia, Servia, Transilvania as also the Austrias, the part of the
<) // is apprehended the wear of said cotton goods in Austriap Bohemia
etcetera will be difficultly permitted 'tho it alwc^s has. beeri in Hungary*
6^6 1743 s. d. (Ende des Jahres.)
dutchy of Silesia belonging to the queen of Hungary, Moravia,
Tyrol, Stiria, Carinthia, Carniola, Görtz, Gradisca and all the
sea-coast in the adriatick gulph belonging to her said majesty,
and in general all her dominions in Germany; to which coun-
tries alone the force and effect of this treaty is to extend.
XV.
Her majesty the queen of Hungary and Bobemia gives
füll permission and liberty to all british subjects to settle and
inhabit, to buy as they shall think proper and to seil by who-
lesale only in all the aforesaid kingdoms and provinces of the
hereditary countries, to hire dwelling houses and proper store-
houses for all their goods and merchandises; but if they should
rather choose to lay up their goods etcetera in the ware-
houses belonging to her majesty, built for that purpose, they
have füll permission to do it for as long a time as they shall
think convenient, on paying the moderate dues annexed to the
octroy, granted by the late emperor; and generaly all the Pri-
vileges, rights and immunities, specified and contained in the
aforesaid several general octroys, published by the late em-
peror Charles VI. in favour of the ports of Trieste and Fiiime,
are fully approved and confirmed.
XVI.
Among which Privileges, rights and immunities, both as
to the british subjects, inhabiting the said countries, as well as
to all british ships navigating in her said hungarian majesty*s
ports, are the foUowing: A liberty to change their abode at
their own pleasure and without any previous leave from
any one and exemption from all inquiry, search and mole-
station in their dwellings and warehouses on account of
their merchandises, except in case of a well grounded su-
spicion or an evident proof of their having defrauded the
queens customs, in which case they shall be Hable to be
searched, but nevertheless with this proviso, that it shall not
be done but in the presence of the consul or his deputy, who
shall be expressly called in for that purpose, nor shall any
other trouble be given to the merchant or his goods; and if
the merchant shall be convicted of having run or imported
goods fraudently, they shall be confiscated, and he shall pay
the charges of the search, but his person and the rest of his
1743 s- ^' (Ende des Jahres.) gcy
goods shall remain free. His britannick majesty promises the
same liberty and Privileges to her hungarian majesty^s subjects
in all his dominions.
xvn.
That as to all british ships or vessels laden with manu-
factures, goods, wares or merchandises, that arrive in the ports
of Trieste, Fiume, Porto-Rö and Buccari, if the master or Com-
mander thinks proper to land their said cargos or any part of
them at the said ports, they are at füll liberty, without paying
any sort of duty, impost or custom, under any pretext or de-
nomination whatsoever, and if it should be thought convenient
to reship them in order to carry them elsewhere, or by way
of sale, truck or barter to lade or unlade them from one ship
to another, such manufactures, goods, wares and merchandises
shall be entirely exempt and free from all duties, imposts and
customs.
But if they should be landed in order to be sent by land
or by the rivers in the hereditary countries, in that case they
are to be subject to the conditions specified in the . . . article
of this treaty; provided notwhithstanding that at the arrival of
the ship in the said ports the master or Commander delivers
in an exact declaration of his cargo and whether he intends
to land all or any part.
xvm.
All british ships or vessels, wrhether great or small, en-
tering the ports of Trieste, Fiume, Porto-Rö, Buccari etcetera,
shall be exempt of all manner of Visitation whatsoever, either
in going out or Coming in, except by the british consul or his
deputy if he should think proper, provided that the masters
or Commanders of the said vessels produce their authentick
passeports with the master and ship's name, whence she comes
and whither she is bound; but if there should be just ground
or cause of suspicion to think her infected by the plague, or
that she might have counterband goods on board, she may
then be lawfully and justly visited, the consul or his deputy
being present; and in this last case such counterband goods
only shall be visited and confiscated, not the rest of the cargo,
nor shall the said ship, master of ship or his mariners be mo-
lested or hindered, but remain quite free.
österreichisch-englische Staatsverträge. Bd. I. 4^
6c8 '743 s. d. (Ende des Jahres.)
XIX.
And that a stricter intercourse and friendship may be pre-
served and cultivated with the subjects of the Grand-Signor,
it shall be permitted to all british subjects to carry, send or
transport all sorts of woolen manufactures, goods, wares and
merchandises through or from what cities, towns and villages
in the hereditary countries by land or by the rivers to Bei-
grade or any other cities, towns or villages belonging to the
Ottoman porte, and in li^e manner to bring back for expor-
tation to all port or ports belonging to her majesty the queen
of Hungary, what goods, wares and merchandises they shall
think proper, so that they may be at füll liberty to buy, seil
and traffick with the said subjects of the Grand-Signor in
what place or places are thought most convenient, without
any let, hindrance or molestation, but on the contrary all aid
and assistance shall be granted them according to the füll tenor
and Contents of the present treaty.
XX.
As nothing is more pernicious to trade than all excesses,
impositions and abuses of power in the several Offices con-
stituted and appointed for its facility and ease, so her majesty
the queen of Hungary and Bohemia will take proper care, that
such abuses and excesses, both in the customs and in the po-
licy, shall be prevented and rigourpus penalties and punish-
ments inflicted on the aggressors, and that a strict hand shall
be kept on the inhabitants of the several ports and the lav^^s
well executed, in order to secure all british subjects by proper
officers or by a military force, if thought proper, in their per-
sons, properties and habitations; that the high ways and navi-
gation of the rivers be kept in due repair, protected and se-
cured, r.nd that sufficient plenty of forage and provisions at
easy rates shall be provided in all inns and publick places; and
more especialy that Inrgc and sufficient carriages of all kinds
shall be always ready at the said seaports and elsewhere at
a moderate regulation, so that by giving all manner of facility
and conveniency and ease to the trader mutual commerce may
effectualy flourish and be improved.
1743 5- ^- (Ende des Jahres.) 659
XXL
The subjects of the abovesaid contracting parties, who
have settled habitations in the dominions of either for the sake
of trade, shall not be obliged to produce their books of ac-
counts to any one, unless it be to draw some proof out of
them ; neither shall it be allowable for any one under any pre-
tence whatsoever to seize the said books or to take them out
of their hands; and they may write them in what language they
please, without being forced to write them in any other.
xxn.
The subjects of both crowns, of whatsoever quality or
condition they may be, shall not be arrested in their persons,
neither by the governors nor officers of justice, by reason of
any publick or private debts not contracted by themselves or
for which they have not been bound, neither may their goods
and merchandises be seized and attacked for the like causes,
either during the peace or in case of a rupture; and in this
article masters of ships, their officers and seamen and ships
both large and small with their whole cargoes are especialy
comprized.
XXIII.
In like manner there shall be no imbargo laid upon men
of war, merchant ships, transports, or any other such sort of
ships, whether by general or special order, to make use of
them either for war or for transports, unless by viitue of a
particular free and spontaneous agreement first made with the
Commanders or proprietors thereof ; much less shall it be per-
mitted to force the officers, masters or seamen to desert their
ships and enter into any Service, although it might be for a
Short time and should happen on the most pressing occasions;
but it shall be lawfuU to hire such men, if they ofTer to enter
into the Service of their own accord and with the permission
of the consul.
XXIV.
As to the personal immunities granted by the present
treaty, all subjects of Great-Britain shall be exempt not only
from military Service, quarters for soldiers, guardian ships, care
42*
56o 1743 s* ^' (Elnde des Jahres.)
of others estates and the administrations of any kind of goods,
effects and persons, unless they should be willing to cbarge
themselves with such Offices.
XXV.
They shall be freely allowed to appoint for themselves
counsellors, doctors, agents, attorneys and sollicitors, -wben-
soever they shall have need of them, and if they should desire
to have particular brokers of their own, they may choose to
themselves one or two such out of the number of those, that
are in the place and legaly appointed.
XXVI.
In all the ports and chief trading cities, where the king
of Great-Britain and the queen of Hungary and Bohemia shall
think fit, national consuls shall be established, to protect the
merchants on both sides, and they are to enjoy all the rights,
authorities, liberties and immunities which others the most
befriended nation use to enjoy.
XXVII.
These consuls shall have a particular power and autho-
rity at their pleasure to take cognizance of the disputes, that
may arise betw^een the merchants and the masters of ships or
between the latter and the crews, and to decide same, whether
they arose on account of freight and wages or from any other
cause, from w^hose sentence it shall not be lawfuU to appeal
to the judges of those places, but to those who have been
appointed by the prince whose subjects they are.
XXVIII.
And that the laws of commerce may not remain unfruit-
fuU as would fall out, if the subjects of the king of Great-
Britain, v^^hen they go to, come from, or remain in the do-
minions, kingdoms or lordships of the queen of Hungary and
Bohemia by reason of their commerce or other business, should
be molested for case of conscience, therefore, that the commerce
be secure and without danger as w^ell upon land as sea, the
said queen of Hungary and Bohemia shall provide, that the sub-
jects of the said king of Great-Britain shall not be aggrieved
contrary to the laws of commerce, and that none of them on
1743 s. d. (Ende des Jahres.) 66 1
any account whatsoever shall be molested or disturbed for their
conscience, so long as they give no publick scandal or offence;
and the said king of Great-Britain shall likewise provide for
the same reasons, that the subjects of the queen of Hungary
and Bohemia shall not be molested or disturbed for their con-
science against the laws of commerce or on any account
whatever, so long as they give no pubhck scandal or offence.
XXIX.
That speedy justice may be administred without let, hin-
drance or delay, it is agreed by her majesty the queen of
Hungary and Bohemia, that all disputes arising about commerce
between the british subjects or other traders, or whatever com-
plaints may be made concerning contreband or prohibited
goods, shall be first heared before a Council of commerce esta-
bUshed at Trieste, Fiume etcetera, wrho shall forthwith give
sentence without partiahty, favour or affection, and that no
appeal can be made firom this sentence in such causes touching
any of his britannick majesty's subjects but to the president
and Council of commerce to be established at Vienna only, and
not to any other tribunal.
XXX.
And for the better prevention of the differences, which
might arise touching the meaning of counterband or prohibited
goods or merchandise, it is declared, that under that term are
comprehended all species of every kind of goods, wrought up
or not wrought up, used or usefuU in war, such are all sorts
of arms, offensive or defensive, particularly canon, mortars, fal-
conets, patereroes, fireworks, saucisses, Shells and band grena-
des, buUets, moulds for buUets, muskets, pistols, swords, dag-
gers, headpieces, cuirasses or armours, belts, gunpowder, salt-
petre, planks and timber for building and refitting of ships,
sails, pitch and cordage, which shall all be forfeitable. But
this is to be understood only in case they shall appear by the
bills of lading, to be produced to the proper officers, to be de-
signed for the succour of enemies or to be bound to an ene-
my's port. Unter the name of prohibited goods are also com-
prehended all merchandises of what covmtry soever, the ex-
portation whereof is forbidden by the laws of that country,
563 1743 ^' ^' (Ende des Jahres.)
except wheat and other breadcorn, wine, oil, firuits and other
eatables, copper, iroii and steel; likewise whatever may serve
for the habits of both sexes, even ready made cloaths, provided
they are not designed for the cloathing of whole regiments
or companies.
XXXI.
All english men of war may freely enter and remain in
the Said ports belonging to her majesty the queen of Hungary
and Bohemia, and if any english man of war meets in the high
seas a merchant ship belonging to the subjects of the queen
of Hungary and Bohemia or viceversa, then the man of war
shall not approach the merchant ship nearer than reach of ca-
non shot, bat shall send out the boat with only two or three
men, to whom the master of the merchant ship is to produce
his bill of lading, whereby it may be understood from what
place she came, to whom she belongs, and Avith what goods
she is laden. And in case she be bound to carry among others
any prohibited goods designed for the enemy of the prince to
whom the man of war belongs, in that case, and not other-
wise, such goods are to be condemned and confiscated; but the
ship, men and other goods shall remain safe and credit shall
be givcn to the bilis of lading, produced by the master of the
ship; and when it shall be found necessary, a mutual agreement
shall be made concerning a certain mark to be fixed upon all
such bills of lading to give them the better credit.
XXXIl.
Moreover it is agreed, that the liberty of navigation and
commerce on both sides shall be so füll and unmolested, that
although either of the most serene contracting parties should
happen to be at war with one or more princes or states, the
subjects of the other most serene contracting party may never-
theless continue their navigation and commerce with all kind
of security in the same manner as before the war was begun,
whether that be done directly or from one hostile port to ano-
ther hostile port, and that as well in going as returning, wi-
thout any manner of trouble, disturbance or hindrance, except
nevertheless when the port to which they are bound is actualy
besieged or beset and blocked up towards the sea; and for
1743 s. d. (Ende des Jahres.) 563
removing all manner of doubt, as to what may be understood
hereby. it is declared, that no seaport ought to be deemed ac-
tualy besieged, unless it be shut up by two ships of war at
least in the sea or by one battery of canon at the least on
the shore, as that its entrance cannot be attempted withoiit
being exposed to canon shot.
XXXIII.
It is furthermore stipulated and agreed, that all merchan-
dises of any kind whatever belonging to the subjects of either
of the most serene contracting parties, if found in an enemy's
bottom, shall be confiscated together with the ship, tho' the said
merchandises be not of the sorts that are prohibited.
XXXIV.
Whatever right there may be of inheriting aliens estates
or any right of the like nature, shall not be made use of with
respect to the subjects of either of the most serene contracting
parties; but the lawfuU heirs of the deceased, wherever they
died or whatever country or province they are of, shall suc-
ceed them without any hindrance in all goods as well mo-
veable as immoveable, whether they died testate or intestate,
the right of a third person always reserved.
XXXV.
If a merchnnt or other subject of either of the abovesaid
contracting parties should happen to die within the others do-
minions, then the consul or some other their publick minister,
it there be any at that time, shall repair to the house of the
deceased and take an inventory of all his merchandises and
effects as likewise of his books and papers, which shall be all
deposited in his hands or those of two or three merchants
that shall be named by the said consul or publick minister, to
be kept for the heirs, successors and creditors, without any
publick Charge or deduction whatsoever; but ifany such mer-
chant or other subject shall happen to die upon a joumey or
in any place where there is no consul nor any other publick
minister of his nation, in that case the judge of the place shall,
in the presence of witnesses, at the least expence possible,
make such inventory, and shall deliver to the master of the
564 '743 ^* ^* (Ende des Jahres.)
family or owner of the house all the things inventoried, to be
by him faithfuUy kept; which being done, he shall give notice
of the whole matter to the publick minister then residing at
court or to the consul of the place, where the house and fa-
mily of the deceased are, to the end, that they may send so-
mebody to take into their custody the things inventoried and
pay the debts.
XXXVL
If any ship belonging to the british subjects should be
wrecked on the coast belonging to her majesty the queen of
Hungary and Bohemia, in such case the domain or fiscal of-
ficers shall claim no right to it, and all plundering shall be
severely forbidden to all private persons w^hatsoever, and mo-
reever the lord and magistrate of the nearest place shall be
obhged to assist the ship wrecked persons .with all possible
help and to save all they can out of the shipwrecked vessel,
and to dispose of it in a place of security, for which they
shall be paid in right of salvage 5 per cent according to the
value of the goods and be reimbursed their expences in that
charitable work; but if the ship, how much soever it may be
damaged, shall nevertheless remain entire and neither the ma-
riners nor the passengers shall be lost, it shall be incumbent
upon them to take care of saving the things, to whom howe-
ver speedy help and assistance shall be given, by furnishing
them at a reasonable price with whatever they shall stand in
need of.
XXXVII.
And as it may be often necessary on account of the Si-
tuation and neighbourhood of the seaports of Trieste, Fiume,
Porto-Re and Buccari, to fix and establish quarantaines in Or-
der to prevent the spreading of contagious distempers, more
especialy the plague, her majesty the queen of Hungary and
Bohemia promises, that proper care shall be taken, that all such
quarantaines shall not be put in practice but on solid and just
suspicions of places being infected from which ships may come,
nor shall any british sliip be prevented in the immediate lan-
ding or sale of her cargo without sufficient proofs of her Co-
ming from such realy suspected places and not on any trifling
1743 s. d. (Ende des Jahres.) 665
pretences. But if such suspicion required the performing a re-
gulär quarantaine, the crew of the said ship shall be treated
with all humanity, and the goods and merchandises beO care-
fully deposited and preserved in the lazarettes built for that
purpose, without its being suffered for any debts however pri-
vileged, were they even due to the fiscal, or any account
whatever, to seize, detain or arrest the said goods or merchan-
dises which are performing quarantaine in the said lazarettes;
and if out of malice or evil Intention quarantaines should be
established without any just grounds by any of the neigh-
bouring states, her majesty the queen of Hungary and Bohemia
promises to erect and estabhsh like quarantaines in her own
estates in order to annoy and deter such neighbours from such
proceedings.
XXXVIII.
Her majesty the queen of Hungary and Bohemia shall not
suffer, that under pretext of policy or any other whatsoever
a limited price be*^) set upon the merchandises belonging to bis
britannick majesty's subjects; but they shall be at-fuU liberty to
seil at as high a price and to buy at as cheap a rate as the
ordinary course of trade permits; the same liberty shall be
likewise enjoyed by her hungarian majesty's subjects in his
britannick majesty's dominions.
XXXIX.
If the effects of any merchant or subject belonging to her
majesty the queen of Hungary and Bohemia should be con-
fiscated, and that some goods belonging to any other merchant
or private person should happen to be among them, they shall
be restored to the owner, altho' they may have been sold al-
ready; provided the money in the whole or in part hath not
been paid. And in case the like effects or goods were only
deposited with the merchant w^hose goods were seized and
he should have sold them without the permission of the de-
positor, then the value of such merchandises shall be consi-
dered as a true deposit and shall be paid to the said depositor
in right of preference.
^) A^ by.
*) A = by.
666 1743 s- ^' (E^nde des Jahres.)
XL
Their majesties the king of Great-Britain and queen of
Hungary and Bohemia shall take care, that their respective
people and subjects from henceforward do abstain from all
force, violence or wrong; and if any injury shall be done by
either of the said princes or by the people or subjects of either
of them to the people or subjects of the other against the ar-
ticles of this alliance or against common right, there shall not
therefore be given letters of reprisal, marque or counter-mar-
que by any of the confoederates untill such time as justice is
sought and foUowed in the ordinary course of law; but if ju-
stice be denied or delayed, then the prince, whose people or
inhabitants have received härm, shall ask it of the other, by
whom as is said the justice shall have been denied or refused,
or of the commissioners that shall be appointed by either of
their said majesties to receive and hear such demand, to the end
that all such differences may be Compound in friendship or
according to law; but if there should be yet a delay, or ju-
stice should not be done nor satisfaction given within six
months after having the same so demanded, then may be given
letters of reprisal, marque or counter -marque.
XLI.
The subjects of his britannick majesty and of her majesty
the queen of Hungary and Bohemia shall be strictly forbidden
to take commission from any other prince for fitting out pri-
vatiers or letters of marque in order to cruize against the sub-
jects of the other, and the infringer of this article shall be
treated as a pirate not only in the provinces against which he
accepted such commissions, when being taken in the very act
of such cruizing he shall have been carried thither, but also
in the dominions of the prince whose subject he is; therefore
such a one shall upon the first complaint be proceeded against
criminaly, even to execution.
XLII.
And if it shall happen hereafter, that any difference fall
out (which god forbid) between the king of Great-Britain and
the queen of Hungary and Bohemia, whereby the mutual com-
merce and good correspondence may be endangered, the re-
spective subjects and people of each paity shall have notice
1743 ^- ^- (Ende des Jahres) 667
thereof given them in time, that is to say . . . months, to trans-
port their merchandise and effects, without giving them in that
time any molestation or trouble or retaining, arresting or embar-
going their goods or persons, but on the contrary sufficient pass-
ports shall be granted them to go where they shall think proper.
XLin.
And to the end that the officers and magistrates of all
cities, towns and villages, belonging to either, may neither de-
mand nor take from the respective merchants and people ta-
xes, duties, stipends, recompenses, gifts or any other charges,
under the pretence of transits or any other pretence what-
soever, than what ought to be taken by virtue of this treaty,
and that the said merchants may know and understand with
certainty what is ordained in all things touching this, it is
agreed and concluded, that tables and lists shall be put up at
the doors of the custom-houses and registries or the gates of
all the cities, towns and villages of or appertaining to one or
the other prince, where such rights, dues or customs are usualy
paid, in which how much and of what quality such rights,
dues or customs either to the princes or any of the aforesaid
officers are allowed shall be put down in writing, declaring
as well the species of what is imported as w^hat is carried
out; and if any officer or any other in his name upon any
pretence whatsoever, in publick or in secret, directly or indi-
rectly, shall ask or receive of any merchant or other person
respectively any sum of money or other thiifg by the name
of due, right, stipend, allowance or recompence, though it be
by the way of voluntary donative more or otherwise than
aforesaid, the said officer or his deputy, being in such manner
guilty and convict before the Council of commerce at Vienna
or a competant judge in the country , where the crime is
comitted, shall be put in prison for three months, and shall
pay thrice the value of the thing so received; of which the
half shall be for the prince of the country, where the crime
is committed, and the other half for the denunciator, for the
which he may sue his right before the Council of commerce
at Vienna or before any competent judge of the counctry where
it shall happen, according to his, the said denunciator's, will
and choise.
668
1743 s* ^' (Ende des Jahres.)
Autr iche.*)
Droits de
*
Nouveaux
douane le&-
droits Jes-
Consignation
quels süivant le
vectigal de Tan
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Les draps d'Anßleterre fins et orJinuircs
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6 florins p, paire
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et Zuhini^ p. aune , ^ * * . . *
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soye -
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iidcte Woiirurm seltener Ali^J rücke vun der
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in etwai ab
1743 s- (^' (Ende des Jahres.)
669
Droits de douane
Nouveaux
Jesquels suivant le
droits lesquels
Consignation
vectigal de Tan 1726
devronl se i
se payent presentemenr
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Rubans deto, Taune au
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p. 100 pieces , , . . -
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Farinne etLümpen sucre
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670
1743 s« d. (Ende des Jahres.)
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Droits de
douane les-
queb suivant ]e>
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deto, simple p^ piece ■
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deto, de Saxe p. piece - -
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Barcan p. piece . , . *
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( p. piecü
Perpetuel, consumo p, flon,
Aufschlag p, piece -
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deto, moindre p, piece -
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1743 ^* ^* (Ende des Jahres.)
671
Consignation
Droits de douane
lesquels suivant le
vecTigal de Fan 1716
se payent presente-
ment
Nouveaux
droits lesquels
devront se payer
a Tavemr
Cünaum
I piece Ziicotton a 13 ßorim de
valeur, paye consumo p. dorins et
Zulaag p. piece, quacid on la fall
entrer pour le consumo , , - ,
I piece- de cction entier en va-
leur de 6 florins, paie le consumo
p. florfn^ et Zulaag p. ptece, quand
ou la fait entrer pour etre con-
sommee
I piece de demi cocton en va-
leur de 5 florins, paie consumo p.
florins et Zulaag p* piece, eCant en-
Ire'e comme consumo * - . ,
Pour le transito ce^ Irois sortes
pnyent la moltie' comme s*ensuit:
Zizcotton p. piece
Gölten entier p, piece ... *
Demi cotCon
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Auf-
en tout
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30
55
672
rp43 s- ^* (Ende des Jahres.)
Boheme.
Droits de douane., du
Cansignation
cansumo et d' Aufschlag
lesquels, panie selon Ic
veciigal de Tan 1737,
partie Selon les reso-
lutions decretees, se
pnyent presentement
Nouveaux
droits lesqueb
devrojii se
payera Tavenii
Les draps d'Angleterre fins et
fl, "kr.
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—
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—
30
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1 p. dozQine , , , .
Chapeaux/ q^^^^^ castor de poil de
7
—
p. ptece
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30
p. piece
1
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temme p. livre
—
37
p. paire ;
—
3b
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—
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—
—
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Merchaiidises de Nuremberg en
valeur d'un fiorin
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—
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1
22
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0;
\f43 ^' ^' i^^^^ ^cs Jahres.)
Boheme.
673
Droits de douane,
deconsumo etd'Auf-
schlflg lesquels, partie
Nouveaux
i
LIansLgnation
selon le victigal de
l'an 1737, partie Selon
droits lesquels
devront se payer
les resolutions de-
a Tavenir
cretees, se payeni
presentemenc
Con-
Auf-
Peau de mouton. tra-
vaülee dans Talun^ sa-
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lier p. 100 pieces . - .
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tans, ou peau de ster-
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—
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—
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—
07
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livre cuire de bufle, boeuf
sauvage et autre boeuf
p, quintal >....*.
3
—
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—
10
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1
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'
payent
—
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—
—
03
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brün Sucre candis
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1
—
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03
en tout
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tal ...... .
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i^ujntal
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i
—
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Schiff-poUsonp. quintal ,
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1
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—
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—
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30
piece*
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1
45
üsterreichisch-engliache Staatsvertrfige. Bd. |.
43
674
1^43 ^ P- C^^c ^Gs iahres.)
Boheme.
Consignntion
Droits Je douane^ de
consumo et d'^Auf-
sching lesqueb^ piinie
Selon le vectigal de
i*an 1/37, partie selon
Ics resoluiLons de^
crerJcs, sc payent
presenienient
Nouveaux
droits lesqucls
devronr sc payer
a rnvenir
Con^iium
fl. |kr.
Cronrnsh p. piccc de 44 ä 4O
nuncs •
Soye p. piccc u 40 aunes. .
FJanncl d'Angieterre p, piece
detr», ordiiiiiire p. piece de 4*1 a 50
Munes < *
Sarfie p, piccc ii 17 aunes
Scoiii p. piece de 42 ü 43 aiinys
Crcp de dnme p* piece de 45
a 48 ouncs «,,..*.»
Ktroite de kiinc p. piece de 30
il 4jü aunes »
Poy revcrs, puy Jlroite d'An
gleterre p. piece ii 37 aunes
deto, Pükings et Colchester p*
piece de 73 ü So aunes ....
Engelsat p- pie^e de 40 a 42
aunes
Camelot ün d' Holljmde et du
Pais-Bas p. piece de §^ ä t>o ounes
deto, etrnngcr ordinairc p. piece
ii 42 auiie?
Pülamit ordinaire p. piece a 40
aunes
Rnrcan Hü et ordinaire p, piece
ü 47 aunes
Drotiuct le muindrc p. piect! d<
4i> ii 4S aunes ,...»..
- 54
- [4^
I
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I
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Auf-
»chlaq
n7\ kf.
n. I kr.
30
p. rtorin
04
1743 s- ^' (£nde des Jahres.)
Boheme.
675
Consignation
Droits de douane, de
consumo et d' Auf-
schlag lesquels,partie
Selon le vectigal de
Tan 1737, partie Selon
les resolutions dc-
cret^es, se payent
presentement
Nouveaux
droits lesquels
devront se payer
a Tavenir
Chints
Perpetual p. piece de 46
a 48 aunes
Wurschet p. piece de 16
a 17 aunes
Calamancoes finnes p.
piece u 42 aunes ....
deto, ordinaire p. piece
a 42 aunes
Grobgrinn et satin p.
piece de 16 a 17 aunes .
Puffy p. piece ....
Ziz fin p. piece ä 20
aunes
- d'autre p. piece de 7
a 10 aunes
(lotton entier , etoffes
de cotton p. piece u 27
aunes
Etoffe de demi cotton
]). piece ä 20 aunes . .
Plomb p. quintal . . .
Consum
n. kr.
9 12
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p. florin
p. florin
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aunes
Auf-
sclilag
fl. kr.
8
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3
p. florin
en tout
en tout
en tout
fl. |kr.
04
43*
676
1743 s- ^- (J^ndc des Jahres.)
M oravie.
CQnisgnation
Les dr:ips iJ'Angleierre fins ci
ortlmpires payent p- fiorin ,
Brocnde de soye p* livre .
Les soycs unkä p. quitital .
Etofies de demi soyes p. qiüntal
Taferns lustre et moire q> quintul
{castor entier p* piece
moiiie casTor p, piece
toüte Sorte de moindre
chnpeauY p, piece . .
Bas de soye ü'hotnme p. paire
Bas de soyo de femme et d' en
fant p. paire ..♦.,.
Galiintene p, Honn ....
Mcrchandises de Nürnberg
florirv . ,
Rh bans de loute sor[c p, lidrin
Ris p. quintal . . , , »
F^oivre p. tiuintiil .
Gingembre entier ci blessj
qüintnl
Beurre ctranger p. quintal
Penu de venu^ faite ä TAngloisc
p. roo pieces
Droits de douane, de
consumo et d' Auf-
schlag lesquels sui-
vant le veciigal de
Pan [701 sc pnyent
presememetii
fl. kr.
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P' aimc
p. livie
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30
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loij
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droits Jesqueb
devront se paycr
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p, paire
p- paire
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45
1743 s. d. (Knde des Juhr£s.)
M o r a V i e.
(77
Consignuüon
Droits de douane^ de
consumo et d* Auf-
schlag lesquels sui-
vant ]e vectigal Je
Tan 1731 se payent
prescntement
Nouveaux
droits Icsquels
d^vront se payer
a Tavenir
Peau de vcau ordinaire et etriin-
gere p. 100 pieccs
Pciiu de veau d^Hongrie p. 100
pieces . . , >
Peau de mouton et brebis acco-
modoe p. 100 pieces .....
Deto, pas cncore accomodJe p„ 1 00
picccs , *
Mcrchandises de Pfennigwerlh et
de Ntirnberg p. florin , . . .
Cüira, livre cuirc et toute sortc
de cuItq cirangcr p* quintal
Üemi Uvre cuire et tou!e sorte
d'etranger p. quinial , , * .
Cuire de bufle, boeuf sauvage et
imtre boeuf, travaüle'e dans la graisse
de potKSOQ p. quintal • . . . «
Elend cnire an peau pour des
couverts p, quintal .*,.,-
Consum
fl.
kr.
3
—
2
—
l
30
—
40
-
05
^
4
30
5
-
6
—
Auf-
30
iL kr.
30
30
03
'5
30
678
1743 s- d. (Ende des Jahres.)
M o r a V i c.
Conslgnation
Droits de dotiane, de
consumo et d* Auf-
schlag lesquels sui-
vant h vecti^al de
V HO J731 se payeni
[^resentement
Noaveaux
droits Jesqueb
devront se paycr
Comufn
Deto. non travajUee p, quintal ♦
Sucre, ün canans p. quintal
DetO) rufinat ou mcHs«, et brun
candis p. quintal
Dcto, blanc candis p. quintal
Lumpen et farinne sucre p. quintal
The p. Horin
Stock fish p, quintal . , . «
Laperdon*) p. quintal . , , ,
Saunion, enfume et sale p, quintal
Harring et Pittltng p. Tonne
Cron rasch p, piece de 15 a 30
aunes * « « « i , . . .
Soye p. piece
Fbnnel p. piece
Sarge p. ptecc ä 10 aunes ,
Scotti p, piece
Crep de dame p, piece ,
Poy, fin et ordinaire p. tiorin ,
Engelsat ou double fin harras p*
piece a 30 aune:s
kr.
05
p, livre
p.titre
p* lirre
p* li^-re
p, Uvrr
^ 1 Cent
P.Tonnt
piecB
Auf-
n. j kr.
03
^^
OJ
05
3! —
■a| —
3| -
2 \o
en tont
en tout
en tout
en tout
p* quint«
p. quinr.
p. quint,
p. Tonne
aunfü
p* piecc
> rtorin
' 50
5 ,oS
4.3^
48
03
3Vt
5
5
!
f 45
04
t| AI the nrticlc «J.apcrdon^^ AvIuLh U our Ni^wfoundLandl coii they havc omitted iddi-
lional kluty jlL t'o^ p. qiiiniit^ wliidi is agrecd to rcrnain ort all otlicr», ^o tli«' half we arc la pay
Li tl ro3 thc duty tti atl bcitig fl. 10s p» LjuinlaL
1743 s. d. (Ende des Jahres.)
M o r a V i e.
679
Consignation
Droits de douanc, de
consumo et d' Auf-
schlag lesquels suivant
le vectigal de Tan 1731
se payent presentement
Nouveaux
droits lesquels
devront se payer
a Tavenir
Chints
Deto, etroit p. piece ä
30 aunes
Camelot comme aussi
le fin barcan p. piece a
30 aunes
Polamit double p. piece
a 28 aunes
Deto, simple p. piece a
28 aunes
Baracan du Milan et
du Pais-Bas ou d'autre
endroit p. piece a 30 aunes
p. 20 Horins
Deto, fin, vide camelot.
Droguet unis^ lignc et de
toute Sorte p. piece a 36
aunes
Perpetual p. florin . .
Wünschet p. piece ä 15
aunes
Cakmancocs la plus finne
p. piece a 30 aunes . •
Deto, moindre p. piece
a 19 aunes
Deto, ordinaire p. piece
a 15 aunes
Grobgrinn p. piece ä 15
aunes
Puffy p. piece a 15 aunes
Ziz p. florin la piece ä
12 florin
Cotton, entier et demi,
comme aussi Zizzi . . .
Plomb p. quintal . . .
Consum
i\, kr.
48
30
40
d* Hollandc
et du Pais-
Bas p. piece
de 4} a 4(
nunes
p. aune
Auf-
schlaß
fl. kr.
30
12
p. tlorin
en tout
en tout
fl kr.
04
07
68o
1743 s. d. (Ende des Jahres.)
Silesie.
Droits de douane et d' Auf-
Nouveaux
Consignation
schlag lesquels selon le
vectigal de Tan 1739 se
droits lesquels
devront se payer
payent presentement
ä Tavenir
Consum
Aufschlag
•
Reichs-
Reichs-
Reichs-I ..
Les draps d^Angleterre
thalcr
Kr.
thalcr
Kr.
thalcr
|Kr.
1
fins et ordinaires payent
1
1
p. ecu
—
03
—
—
- '03
Brocade de soye p. ecu
—
Ol
—
—
— Ol
Les soyes unies p. ecu
—
Ol
—
—
— Ol
Les demi soyes etoffes
p. ecu
~
Ol
—
—
— Ol
Tafetas lustr^ et moir^
p. ecu
—
Ol
—
—
—
Ol
Chapeaux, tous e'trangers,
fins et ordinaires p. ecu .
—
06
—
—
—
06
Bas, tous e'trangers, bas
de soye et moitie soye.
item de poil de Beavre
p. ecu
—
Ol
—
—
- |oi
Galanteries de prix p. ecu
—
05
—
—
1
- ,05
— du moindre prix ou
1
Kramerey p. ecu . . .
—
03
—
—
- 03
Merchandises de Nürn-
berg et Pfengwerth p. ecu
-■-
Ol
—
-
— .01
Ris p. ecu
.-__
01%
._.
._.
- loi'/.
Poivre p. ecu ....
—
oiV.
—
—
- |o.'/.
Gingembre p. ecu . .
- ioiV«
—
--
- loiV,
Beurre p. ecu ....
■- |02
—
—
- 02
Peau de mouton et bre
1
1
bis Sans aucune distinc-
1
1
tion paye p. ecu . . .
1
— Ol
—
—
—
Ol
Peau de veau sans di-
1
stinction p. ecu ....
02
•
02
*743 s- ^- (En^lc des Jahres.)
S i I c s i c.
68 1
Droits de douane et d' Auf-
Nouveaux
Consignation
schlag lesquels selon le
droits lesquels
vectigal de Tan 1739 se
se devront paycr
payent presentement
a Tavenir
Consum
Aufschlag
1
Rcichs-
Rciclis-
Reichs-
Elends peau, accommode'e
thaler
Kr.
thalcr
Kr.
tliater
Kr.
ä la s:imish, d'un entiere
en valeur de 6 ecus . .
30
—
—
—
30
DetOi d'une au dessous
de 6 ecus; p. ecu . . .
—
01V2
—
--
—
oiV,
Livre cuire d'Angletcrre,
de Liege, de Danzig et
autre endroits, livre cuire
p. ecu
—
03
—
—
- 03
Sucre, sans aucune di-
stinction p. ecu ....
- Ol'/,
p. livre
—
03
p. quintal
2 06
The p. ecu
— ()6
—
— 06
Stockfish ei Platteys p.
1
i
quintal
- 05
p. livre
—
Ol
p. quintal
— ^'52
Laperdon p. ecu . . .
-
02
p. livre
—
Ol
p. quintal
- ;33
Saumon sans distinction
p. ecu
Harreng p. Tonne . .
:
02
06
sal£
p. livre
p. 100
picces
:
Ol
22V.
p. quintal
(p. Tonne i
\ picccs 1
- 58
> P3
Pittling p. ecu . . . .
02
p. 103
picces
22 V,
iv. Tonne k
\ picccs f
I .11
Toute Sorte d'etoffe de
1
laine , comme cronrash,
i
soye, sarge, camelot, po
1
lamit, wurschet et pareil-
les fabriques p. ecu . .
—
017.
—
--
- ;«"/.
EtofTes de laine qui se
1
fabriquent dans le pais
lesquels cependant on a
de coutume d' y faire ren-
trer,s9avoirles calamangs.
flannels et baracans pai-
i 1
ent p. ecu
—
02
—
—
oa
Plomb p. quintal • . .
04
04
682
1743 ^* ^- (E^nde des Jahres.)
Hongrie.
Consignation
Nouveaux
droits lesquels
devront payer a
Pavenir ä Trieste
sur les marchan-
dises destinees
pour le royaume
d' Hongrie
I
kr.
Les draps d'Angleterre payeront p. aune .
Brocard ou etoffes de soye massif p. quintal
Les soyes unies, comme taffetas p. quintal
Les etoffes de demi soye, capizol p. quintal
Chapeaux payeront suivant la valeur
Bas de toutes sortes suivant la valeur
Galanterie de Nurenberg, Steyrer et | payent
Pfenngwerth suivant la valeur 5 p. quintal
Kubans de soye p. livre
Ris p. quintal
Poivre p. quintal
Gingembre p. quintal
Beure p. quintal
Peau de veau accomodce p. 100 pieccs
Beitier ou peau accomodee dans Talun p. 100 pieces
Veau de boeuf accomodee p. 100 pieces ....
Veau de vactrc accomodee p. 100 pieces ....
Sucre candis blancs e brun p. quintal
Deto, du plus fin p. quintal
Deto, ordinaire p. quintal
The p. quintal
Stockfish \
LaperdonI
o / p. qumtal
baumon [ ' ^
Harrengs )
Plomb p. quintal
30
75
18
3
3
2
I
12
9
4
3
2
5
25
20
36
'5
1743 s. d. (Ende des Jahres.)
H o n g r i e.
683
Consignation
Nouveaux
droits lesquels se
devront payer
a Tavenir a
Trieste sur les
marchandises
destine'es pour
le royaume
d^ Hongrie
kr,
Cronrasch la piece ä 32 jusqu'ä 34 aunes ....
Soye ou double harras
Deto, simple
Flanelle presse'e sera regarde'e comme une piece de
cronrasch
Sarge de Londraie en valeur d*une piece ....
Poy d'Angleterre -.
Deto, ordinaire
Deto, poy commun de fourniture en la valeur d*une
piece
Engelsat sera regarde' comme fins harras, la piece de
30 et 32 aunes
Camelot
Polamit et consenz
Barcan, la piece ä 35 aunes
Droguet
Perpetuel
Wurschet, la piece ä 14 aunes
Grobgrinn
Calamanques, suivant la valeur
Puflfy fin
Deto, ou Polamit ordinaire la piece a 14 aunes .
NB. Cotton goods are by mistake omitted in this tarifT,
and time would not permit the immediate inserting of
them, but it is understood, that they are to be admitted at
least on the present footing of the duty in Hungary,
which is at 60 denarii or 36 kreytzers per piece.')
par
valeur
d' un flor.
04
i) Hier folgen in dem Entwürfe noch einige Auszüge aus bestehenden ZoUurifeo und
einige Calkulationen, die Porter ausgestellt hat, um die Vorteilhaftigkeit der neuen Tarife zu
erhärten.
684
1743 s. d. (Ende des Jahres.)
Toiles de Silcsie
de damas
ilcsie \ la
• • J la
U \
Scn
la 1
Napcs \
I verßc I
Scrvieltcs i
vei-gc j
Teiles de Silesie \ »^JP^, \
appelle Diaper . ( f/*^'/"" l
Toiles de Silesie large de 120
aunes d' Angictcrrc blanc ou
brune
Toiles de Silesie e'troites de
120 aunes
Lawns ou Linon la piece cn-
tre 4 et 8 aunes
Dowluss large la piece de 106
aunes d AngletLTre
Vins de Hongrie par ) rcmpii
Hamburg paye par ton-
neau de 352gallons qui
faii environ dix Eimers,
poui' vendrc
Vins de Hongrie, \
pour r usagc par - l
ticulier ) rcmpii
Eaux de vie de France le
tonneau
Cuivre par quintai non ira
vaillc, ronde ou quarre, le quintai
Argent vif, de Tendroit ou il
n'est pas du crti
- de Tendroit du crü . . .
Verres a boire le cent. . . .
rcmpii
rcmpii
Droits paye'
par des
Anglois
1. .|
-8«V.«,
-12 '7.«"/..
6'VoV.
2"/.."l4.
5"/..'/.
97..V.
8'/.."/«
7'7..
3
5
85%.
3 '"1.0
Droits payu
par des
etrangers
I. >.
2"/,."/.«
7V«'I.
2"/«"/..
11"/.«'/.
9*/t.V.
9"/.."/4.
10"/..
3
5'/..
<'"•/».
7j4"/.»
Drawback
ou restitution
des droits
1. .f
26
27
d.
6- "77.
8'»/,.'/t
• 'V..V.
5V.."/4,
3%.
8'V..
15 7'-/..
8 2"»/,o
-4%.
1743 s. d. (Ende des Jahres.)
6Ö5
Droits pay^
par des
Anglois
1. 5.
Droits paye
par des
etrangers
1. s.
Drawback
ou restitution
des droits
1. s.
Bois de douelles aux barri-
ques le cent de 120
Bois de douelles aux pipes et
muid les 120
Bois de hestre de 2 pouces
d'epaiseur les 120
Ditto, en planches au dessus
de 2 pouces d^epaiseur les 50
pieds quarre
Bois de chesne au dessous de
2 pouces d'epaiseur et dessous
15 pieds de longue les 120 . .
Dittes, de planches les 150
pieds solid
Toutes bois defendus comme
ci dessus seront admis par le port
de Trieste.
Pearl Ash defendus de Trieste
les 200 livres
Wax ou cire, le quintal . .
Acier, le quintal
Terra sigilata, le livrc . . .
„ de Pendroit d'oü il n'est
pas crO, le livre
Huile d'Olives le gallon de-
fendu de Trieste
Fer, le ton de 20 quintaux de
112 8"
Antimonium praepartitum de
Pendroit oü il n'est pas de
leur crO
„ de Pendroit de crO, le
livre
9'/..
6'«/.o
18 io'«/,„
9%o
6'"/..
5%,
5V..
<>
-7.«'/..
9"/..
7"/«
19 io'V„
■ «•/„
9"/..
iiV..
4'"/.«
9"/..
5"/..
0«/.o
3
I
'7
8'o/,o
5
8»V.o
47«uV6
-•/*oVi6
PourvQ que toutes les articles ci dessus soient transportes en vaisseaux
Anglois navige suivant les loix.
L'un pour cent exige de tous les vaisseaux lesqucls ne sont point
navige suivant les actes de Parlement du 14 annee de Charles 2'', du i« de
Jaques II. et le 9« de George II. et dont Trieste et Fiume doivent etre
exemts, doit se payer des ports de la mediterran^e.
606 1744 Aug. II.
42.
Ve?irag fischen England und Österreich, die Zahlung einer
Suhsidie von 300,000 Pfund St. an Österreich betreffend d. d,
WhitehiiU 1J44 Februar io\2i.
Rat, Georgs IL d, d. St, James 1744 Februar IJI24.
Völlig glcühJaiitend den Vertriigen vom 6. Juli 1742 und /j. Fe-
bruar 174^,
Dir Originale des Vertrages im St.-A, und R, O., das der engU Rati-
fikation im St.'A,
43.
A dditionalsubsidienl^ onven tion ^wischen Ma ria Theresia und
Georg IL d, d. London 1744 Aug, 11^) und Deklaration Was-
ners d. d. London 1744 ^ttgu^t IJI14.
Rat, Georgs LI, d. d, St. James 1744 Nov, isJQj/ Maria Theresia' s
d, d, Wien 1744 Aug, ji.
Die Originale der Konvention im St.-A, und R. O., das Original der
österreichischen Ratifikation sowie der Deklaration im R. O., eine Kopie der
letzteren sowie das Original der Ratifikation Georgs II. im St.-A.
Die Mitte/, die England im Februar 1744 der österreichischen
Herrscherin ^ur Führung des Krieges in diesem Jahre {ur Verfügung
gestellt hatte , waren bald erschöpft. Schon im Frühjahre trat VVasner
an Georg IL mit der Bitte um eine weitere Geldunterstüt^ung heran.
Er betonte y dass Maria Theresia im Interesse der allgemeinen Sache
ein Heer von 170.000 Mann in Italien, im Reiche und in den Nieder-
landen kämpfen lasse, dass sie aber ausser Stande sei, eine so zahl-
reiche Armee ohne weitere Hilfe seitens ihrer Verbündeten ^u erhalten.
Allein lange blieben Wasners immer erneuerte Bitten erfolglos. Und der
unglückliche Verlauf, den der Feld{ug in den Niederlanden für die
Verbündeten nahm, hatte den von Österreich erhofften Wechsel in der
Haltung der Engländer nicht ^ur Folge. Dieselben vertrösteten Wasner
auf den Augenblick, in dem die Generalstaaten den Krieg an Frank-
reich erklären würden und Hessen die Bemerkung fallen, dass sie in
dem Momente, wo die von Karl von Lothringen geführten Truppen den
') Für Jii' H(\ieutiiiig dieses Datums v^l. die liinleitung /». 6qo.
1^44 Aug. 11. 687
Rhein überschreiten und die Feinde im Elsass und in Lothringen an-
greifen würden, der österreichischen Herrrcherin neue Geldmittel i^ur
Verfügung stellen wollten. Kaum hatte daher Wasner die Nachricht
erhalten, dass Karl von Lothringen in den ersten Julitagen den Über-
gang über den Rhein bewerkstelligt habe und im Marsche gegen die
Franzosen begriffen sei, so überreichte er dem Lord Carteret ein Me-
moire ^ in dem er auf das mit so grossem Erfolge begonnene Un-
ternehmen hinwies und :^ir Fortsetzung desselben eine beträchtliche
Geldsumme für seine Herrin forderte,^) Die Engländer giengen mit
überraschender Eile auf seine Pläne ein. Am 11, August n, st. wurde
der Vertrag unterzeichnet, durch den sich England ^ur Leistung einer
Additionalsubsidie im Betrage von i $0.000 Pfund bereit erklärte, wo-
gegen Maria Theresia sich verpflichtete, 20000 Mann von ihrer in
Baiern stehenden Armee z^i den unter Karl von Lothringens Führung
im Elsass kämpfenden Truppen stossen ^u lassen und überdies ihre
Truppenkorps in den Niederlanden in kampffähigen Zustand ^u setzen.
Als Ersatz für die aus Baiern weggeführten 20000 Mann sollte Maria
Theresia alsbald in den Er blanden eine Aushebung von 12000 Mann
veranlassen und diese Rekruten sogleich nach Baiern z^r Ausfüllung
der entstandenen Lücken senden. Um jede Verzögerung dieser Trup-
penaushebung hintanzuhalten, sollte die Hälfte der Subsidie erst
nach Vorlegung der Truppenverzeichnisse ausgezahlt werden. Wasner
hatte wohl den Versuch gemacht, eine grössere Summe und günstigere
Zahlungsbedingungen ^// erreichen, war aber mit seinen Bemühungen
nicht durchgedrungen.^) Allein wenige Tage nach erfolgter Unter zcich-
*) Bericht Wasner s d. d. ßi. Juli 1744; diesem Berichte liegt auch eine
Kopie des von Wasner am I4l2^. Juli überreichten Memoire's bei. St.-A.
*) Vgl. Wasners Bericht vom //. August 1744' St.-A. Die beiden an die-
sem Tage unter\eichneten Verträge^ die nicht ratifi\iert, vielmehr kassiert wurden,
haben (Or. St.-A) folgenden Wortlaut: Sa M*^ la reine d* Hongrie et de Boheme
ayant fait representer a sa M*^ le roy de la Grande-Bretagne avec autant d*in-
stance que de regret de devoir luv Hre ä* avantage ä charge pour le support de
la cause publique que les finances se trouvent entierement epuis^es, et le subside
accorde par sa M*^ britannique pour cette presente anm^e actuellement consum^
par les efforts extraordinaires qu eile a faits et par V immense nombre de trou-
pes qu' eile a mises en campagne, se montant a plus de cent-soixante et dix
mille hommes, pour conjointement avec ses juieles allies faire face partout aux
ennemis communs et spt^cialemenf pour arrHer leurs progr^s dans les Pa'is-Bas
par une puissante diversion sur le Rhin; si bien que sans le protnpt secours
d* un subside additionel sa M*^ la reine seroii dans V impossibilitd absolue de
continuer mJme a fournir la solde aux teoupes qu* eile a sur pied, faute de quoy
600 1^44 Aug. ti.
nung dieses Vertrages, dessen Geltung ausdrücklich x>on der Ratifi'-
hation der beiden Herrscher abhängig gemacht wurde, langte in London
on les exposeroit ä se debander, bien hin de pouvoir, moyennant une lev^ ul-
terieure, augtnenter V arinee qui sous les ordres du serinissime prince Charles
de Lorraine a si heuretisement passi' le Rhin et peiietr^ en Alsace ; la quelle
armee il est cependant indispensable de renforcer afin de la mettre en etat de
s' tHablir et de se soutenir en Alsace, vn qu' autrement eile se verroit bientöt in-
ferieiire aux forces que la France se prepare ä a masser et ä assembler contre
eile, et obligt^e peut-etre ä repasser le Rhin.
Et sa M*^ le roy de la Grande-Bretagne ayant meurement consiJere le
besoin rcel et urgent Je sa M*^ la reine, et V extreme necessitt^ qu' il y a d'y
subvenir sans nul retard^ si V on ne veut risquer de faire perdre au serenissime
prince Charles de Lorraine les avantages qu* il a remport^s en Alsace, et V e-
sperance de les poursuivre avec su ct's et de s* y maintenir au point de pouvoir
hyverner dana les etats de France, par oh seulement Von pourra paroenir ä ren-
dre en effct, utiles d la cause publique le sang et les tresors dejd empiqyes et ä
terminer bientot le cours d' une guerre si onereuse et si coutetise par une prompte
et solide paix.
Par de si justes moiifs et pour contribuer autant qu' en luy est a une fin si
salutaire, sa M^^ le roy dt* la Grande- Bretagne s' est port^e ä accorder ä sa
M*^ la reine d* Hongrie et de Boheme le subside additionel qu' eile luy a de-
mande si instamment en la maniere et sous les conditions suivantes.
L Sa M^^ le roy de la Grande-Bretagne accorde d sa hP* la reine d' Hon-
grie et de Bohihne un subside additionel de cent cinquante mille livres sterlin,
tant pour V aider d faire subsister et d augmenter, moyennant une nouvelle leu^e
absolument necessaire, son arnuh' de^a du Rhin que pour completer et mettre
mieux en etat d' agir ses troupes aux Pais-Bas,
IL De cette somme une moittV' sera payt^e desque la presente Convention
sera signce et V autre nioiiir d'sque la nouvelle levi'e cy-dessous specifit^e sera
actuellement faite.
IIL Moyennant lequeJ subside additionel ainsi promis, sa A/'*"' la reine
d* Hongrie et de Bohnne sans aucune perte de tenis tire et tirera de l' arnu^e
qu* eile a dans les etats de Baviere le nonibre de vingt mille hommes pour les
joindre en tonte di/igen.e d V arnire com man, Ire par le serenissime prince Char-
les de Lorraine en Alsace, et sa M'*^ la reine achevera incessamment de com-
pleter et de mettre en etat d'agir les troupes qu* eile a dans les Pais-Bas,
IV. Les dits vingt mille hommes seront incessamment remplaces par dou\e
mille hommes que sa M**^ la reine fait et fera lever immediatement dans ses
pah hereditaires et qu' eile fera marcher et joindre d son arm^e dans les etats
de Baviere d mesure qu' ils sont et seront Iroes.
V. lit aussitdt que la leere de res dou\e mille hommes de troupes nou-
velles sera faite et complete, et qu' il en constera par les rdles effectifs, sa M*^ le
roy de la Grande-Bretagne payera d sa M**^ la reine d* Hongrie et de Bohi^me
et luy fera remettre les dernieres soixante et quin\e mille livres sterlin restantes
du subside additionel permis en vertu de rette Convention.
1744 Aug. lt. 689
die Nachricht ein, dass Friedrich IL der österreichischen Herrscherin
den Krieg erklärt habe und in Böhmen eingefallen sei. Da nun unter
diesen Umständen an eine Diversion der in Baiern siehenden Truppen
Maria Theresia' s an den Rhein und an die Verstärkung ihrer Truppen
in den Niederlanden nicht ^u denken war, schlugen die englischen
Minister Wasner vor, den am 11, August unterzeichneten Vertrag ^u
kassieren und an dessen Stelle einen anderen ^u setzen, durch den der
österreichischen Herrscherin eine gleiche Summe gegen die Verpflich-
tung zugesprochen werden sollte, ihre Truppen um 20000 Mann ^u
erhöhen, die nach glücklich beendeten Kriege gegen den Preussenkönig
im Kampfe mit Frankreich Verwendung finden sollten, und dem Kur-
fürsten von Sachsen und König von Polen ßoooo Pfund St., den drit-
ten Teil der von England gewährten Subsidie, ^u überweisen, damit
dieser eine Armee von 20000 Mann, {U deren Haltung er sich Maria
Ainsi fait, regU et convenu entre les ministres soussign^s de sa M** la
reine J' Hongrie et de Bohihne et de sa M*^ le roy Je la Grande-Bretagne sous
r jssurance reciproque que leurs M^^* le raiifieront et en feront echanger les
ratificaiions le piütöf que faire se pourra. A Londres ce ^o^* pur du mois de
fuillet 1744.
m L. S, Wasner, L. S, HarJwicke.
L, S. Harrington,
L, 5. Holles Newcastle,
L, S, Carter et,
L. S, Pelham,
Vom selben Tage existiert eine ^weite Abmachung, von denselben Ministern
unterzeichnet. Einleitung und Schluss gleichen denen der ersten Abmachung ;
dagegen lauten die Artikel, deren nur 4 sind, etwas anders.
/. Sa M^^ le roy de la Grande-Bretagne accorde a sa M*^ la reine d' Hon-
grie et </.• Boheme un subside additionel de cent cinquante mille livres sterlin,
tant pour V aider a faire subsister son armi^e en det^a du Rhin que pour faire
une nouvelle levee de dou\e ä quin\e mille hommes, et pour completer et mettre
mieux en etat d' agir ses troupes aux Pats-Bas.
IL Cette somme sera pay^e dt^squc la presente Convention sera signie,
in, Moyennant lequel subside additionel ainsi protnis, sa M*^ la reine
d* Hongrie et de Boheme s' oblige de conserver en entier V armde commandie par
le serenissime prince Charles de Lorraine en Alsace, et d* achever incessamment
de completer et de mettre en Mt d* agir les troupes qu eile a dans les Pats-Bas.
IV. De plus sa M*^ la reine fait et fera lever immddiatement dans ses
pais hereditaires un nouveau corps de ^ dou\e a quin\e mille hommes qu' eile
fera marcher et joindre a son arm^e dans les etats de Baviere a mesure qu' ils
sont et seront levt^s et dont eile fera exhiber a sa M** britannique les röles ef-
fectifs dans V espace de trois mois au plus tard.
Auch diese Konvention — sie lautet für Österreich etwas günstiger als
die oben mitgeteilte — ist nicht ratifi^ert worden.
Österreichisch-englische Staatovertiüge. Bd. L 44
690 »744 Aug. tu
Theresia gegenüber durch die Abmachung vom ij, Mai verpflichiei
hatte, ^) alsogleich ^ur Unterstiitiung Österreichs im Kampfe gegen
Friedrich IL nach Böhmen senden möge, Wasner cntschloss sich nur
ufigern die letztere Bedingung {u acceptieren, fügte sich aber, als er
die Hoßnungslosigkeit eines Widerstandes einsah.'^) Als es dann am
24. August n. st. :{ur Unterzeichnung des neuen Vertrages kam, ver-
langten die englischen Minister von Wasner die Ausstellung einer be-
sonderen Urkunde, durch die er sich ^ur sofortigen Ablieferung von
ßoooo Pfund St. an den König von Polen verpflichten sollte, so bald
der entsprechende Befehl seiner Herrin eingelangt sei.^) Auch ^^n dieser
Konzession musste sich Wasner j, der Not gehorchend , bequemen. Er
stellte am 24. August n. st. die im nachfolgenden abgedruckte Erklärung
aus, worauf die Unterzeichnung des auf den 11. August n. st, j^tt rück-
datierten neuen Subsidienvertrages erfolgte.
Die Wiener Regierung war mit der Tatsache, dass der ursprüng-
liche Vertrag vom 11. August kassiert werden sollte, sehr einverstan-
den; sie meinte, auch ohne den Einfall Preussens in Böhmen hätte
man es untunlich gefunden, 20000 Mann von Baiern nach dem Elsass
marschieren {u lassen.^) Dagegen war sie mit den einleitenden Worten
des neuen Subsidienvertrages nicht einverstanden, und erklärte auf die
ßoooo Pfund St. nicht dauernd verzichten ^// können. Wasner erhielt
Befehl, den abgeänderten Vertrag ^// überreichen und ein schriftliches
Versprechen bezüglich der Rückerstattung der ßoooo Pfund St. ^«
fordern, die Österreich den Sachsen z^i geben hatte.^) Allein seine Be-
mühungen einen Erfolg ^// erzielen, blieben in beiden Punkten ver-
gebens. Mitte November wurde der nun {zveimal abgeänderte Tractat
unter dem Datum des 11. August in London unterzeichnet und dem
Wiener Hofe mit der Bitte um möglichst rasche Ratifikation über-
sandt.^') Maria Theresia säumte auch nicht den Vertrag ^// ratifiziren,
Hess aber dem in Wien u\ileudcn Vertreter Georgs IL, Robinson, eine
Deklaration Uherreiclun, in der betont wurde, dass sie die Ratifikation
der Konvention vom 11. Aug. in der Erwarimig voll{ogen habe, dass
diese niemals ^//;;/ Präjudi^ der von Robinson im Auftrage Carterets
») Vgl. Bittner l. c. Nr. 016.
2) Btricht Wdsmrs J. J. 21. Aug. 17.14 St.-A.
•*j Bericht Wasiiers J. </. 2=^. Auir. ly^f. St.-A.
^) Weisung an Wjsnrr </. «/. 27. .1//^. ij/f St.-A.
^•) Vgl. Wrisung an Wjsnrr ./. J. s. Okt. IJ44. St.-A.
•') Vgl. den Bericht Wa^nrrs J. d- /;. AV):-. />././. St.-A.
1744 Aug. II. 69 t
im August gegebenen Erklärungen gedeutet werden würde.^) Robinson
erwiderte, dass es sich damals um die Sendung von Truppen an den
Rhein ^ur Verstärkung Karls von Lothringen gehandelt habe, während
die iweitc Konvention im Interesse der österreichischen Erbländer ge-
schlossen worden sei. Auf diese Erklärung des englischen Gesandten
erfolgte eine neue Antwort des Hof kandier s , in der er hervorhob,
dass Maria Theresia bei Wahrung ihres Standpunktes auf der Rück-
lahlung nur soweit bestehe, als es dem englischen Hofe genehm er-
scheinen werde, dieselbe erfolgen ^u lassen,^)
Sa Mt«-' la reine d'Hongrie et de Boheme ayant fait re-
presenter a sa Mte le roy de la Grande-Bretagne avec autant
d' instance que de regret de devoir luy 6tre d' avantage ä Charge
pour son propre support et pour celuy de la cause publique
que ses finances se trouvent entierement epuisees, et le subside
accorde par sa Mte britannique pour cette presente annee ac-
tuellement consum^ par les efforts extraordinaires qu'elle a
faits et par T immense nombre de troupes qu'elle a mises en
campagne, se montant ä plus de cent septante mille hommes,
pour conjointement avec ses fidöles alliös faire face partout aux
ennemis communs, et specialement pour arretter leurs progrez
dans les Pa'is-Bas par une puissante diversion sur le Rhin pour
laquelle sa Mte n'a rien epargn^ et qui a eflectivement oblige
la France ä y transporter de Flandre une grande partie de ses
forces; tellement que, sans le prompt secours d'un subside ad-
ditionel, sa Mte' la reine seroit dans T impossibilitt5 absolue de
continuer meme le pret aux troupes qu'elle a sur pied, bien
loin de pouvoir faire une levöe ulterieure et fournir aux autres
mesures et depenses indispensables pour la mettre en 6tat de
resister efficacement h la nouvelle invasion intentee par le roy
de Prusse contre ses pais hereditaires, et de la repousser assez
promtement pour que la France ne puisse derechef tourner
toutes ses force^ contre les allies de la reine.
Et sa Mte britannique ayant meurement consider^ le besoin
reel et pressant de sa Mte la reine, et V extreme necessite qu' il
y a d'y subvenir sans nul retard, si Ton ne veut risquer de la
•) Weisung an Wasnt^r d, d, 10, De^. 1744- St-A,
») Die Antwort Robinsons und Gegenerklärung Vlefelds liegen der Wei-
sung an Wasner d, ä, 11, De\, 1744 bei. St.-A.
44*
692 '744 Aug. it.
voir accablce par le nombre de ses ennemis et de perdre sans
ressource quelconque toute esperance d'une paix qui puisse
rassurer la liberte publique; par des motifs si justes et si ur-
gens sa Mte britannique s'est portee ä accorder ä sa Mt^' la
reine d' Hongrie et de Boheme le subside additionel qu' eile luv
a si instamment demande en la maniere suivante.
I.
Sa Mt^' le roy de la Grande-Bretagne accorde ä sa Mtc
la reine d' Hongrie et de Boheme un subside ndditionnel de
Cent cinquante mille livres sterlin, tant pour l'aider ä faire sub-
sister ses armces qu'a les augmenter par une nouvelle lev6e
au moins de vingt mille hommes, et k completer et mettre
mieux en etiit d'agir les troupes qu'elle a sur pied.
II.
Cette somme de cent cinquante mille livres sterlin sera
pay^e des la signature de la presente Convention afin qu'elle
puisse etre employce sans aucun delay ni perte de tems aux
usages salutaires auxquels eile est destinee.
III.
Moyennant lequel subside ainsy accorde et payö, sa Mte
la reine d' Hongrie et de Boheme s oblige de fournir immedia-
tement a sa Mtc le roy de Pologne la somme de cinquante
mille livres sterlin pour mettre en etat d'agir un corps au moins
de vingt mille hommes qui doit joindre son armee en Boheme,
et d'achever incessament de completer et mettre mieux en etat
d'agir ses propres troupes.
IV.
De plus sa M^^-' la reine d' Hongrie et de Boheme fait et
fera lever immediatement dans ses pais hereditaires un nou-
veau ccM'ps au moins de vingt mille hommes pour renforcer
ses armees et les mettre en etat de se retourner avec plus
d'efficace contre la France apres avoir pourvü a la seurete de
ses etats hereditaires; et eile fera exhiber a sa Mte britannique
les roles ellectifs dans Tespace de trois mois au plus tard.
Ainsv fait, regle et convenu entre les ministres soussignes
de sa Mt^' la reine d' Hongrie et de Boheme et de sa Mte le
1744 Aug. 24. 693
roy de la Grande-Bretagne sous Tassurance reciproque que
leurs Mtez le ratifieront et en feront cchangcr les ratifications
le plustöt que faire se pourra. A Londres Tonzieme jour du
mois d'Aoüt 1744.
L. S. J. Wasner. L. S. Hardwicke C
L. S. Harrington P.
L. S. Holles Newcastle.
L. S. Carteret.
L. S. II. Pelham.
Comme Tobjet principal de la Convention du 30 de Juil-
let dernier a ete de prevenir le besoin dejä apparent alors oü
la reyne de Hongrie et de Boheme pourroit se trouver d'ar-
reter les progres du serenissime prince Charles de Lorraine en
rappellant une partie de son armee pour la deffense des pa'is
hereditaires ; et comme depuis la signature de la dite Conven-
tion on est authentiquement informe que le roy de Prusse fait
marcher une armoe formidable pour attaquer la Boheme ce
qui obligeroit en effct sa Mt«' la reyne d'y appeller une partie
de Celle que monseigneur le prince Charles commande, a moins
qu'il n'y soit suppige par le secours que sa Mte polonoise en
qualite d'electeur a promis ä la reyne et qu'on ne fournisse
sur le champ ä sa dite M^e' polonoise les moyens de mettrc ce
secours en mouvement; pour ces causes les ministres de sa
Mte britannique ont par son ordre declarc a moy, soussigne
ministre plcnipotentiaire de sa Mte la reyne, que le subside ad-
ditionel de 150.000 Li v. St., promis en vertu de la dite Conven-
tion du 30 Juillet, nc sera delivrö que sous Texpressc condition
que 50000 Liv. St. en soient avancees immediatcment par sa
Mte' la reyne a sa Mte le roy de Polognc, affin de le mettre en
etat de rcmplir sans delai les engagements oü il est entre avec
eile pour la deffense de ses pais hereditaires, et non autrement;
en conformite de quoy je mc Charge, aussitöt que j'aurai re9U
des ministres de sa Mte' britannique le dit subside additionel en
enticr, d'en rcmcttre la sommc de 50000 Liv. St. h Leipzig ou tel
autrc endroit qui sera juge le plus convenable pour cet effet,
pour qu' eile y soit toute prete ä etre avanc^e ä sa Mte le roy
de Pologne pour V usagc du secours susdit, du moment que
694 »745 Jan. 8.
sa Mte la reyne Tordonnera sur le rapport que je luy vais
faire de ce que dessus.
A Londres ce 13/24 d'Aoüt 1744.
L. S. J. Wasner.
Allianz {wischen Maria Theresia, Georg IL, Friedrich Au^^ust IL
von Sachsen-Polen und den Generalstaaten samt j geheimen
Separatartikehi d. d. Warschau iJ4^ Jan, 8.
Rat. Georgs IL d, d. St. James 1743 Februar 11I22 ; Maria Theresia s
d. d, Wien 1743 Februar 20; Friedrich Augusts d. d, Dresden 1743
Mär{ 2/ der Generalstaaten d, d. Haag 1743 Mär\ 12,
Die Originale des Hauptvertrages samt Geheimartikeln sowie der Rati-
fikationen der Generalstaaten und Friedrich Augusts im 5/.-.4. und R. O. ; das
Original der englischen Ratifikation im St,-A., jenes der Ratifikation Maria
Theresia* s im R. O.
Drucke bei Bittner Nr, 9/p.
Die Wiederaufnahme der Feindseligkeiten ^wischen Preussen und
Österreich im Sommer 1744 rief bei Maria Theresia und den See-
mächten den Wunsch hervor, den Kurfürsten von Sachsen, der durch
die im Dezember 1743^) und Mai 1744^) mit Österreich getroffenen
Vereinbarungen seine Preussen feindliche Gesinnung kundgcthan hatte,
enger ati sich yti fesseln und sich seiner Mitwirkung bei dem voraus-
sichtlich schweren Kampfe gegen die gemeinsamen Gegner >{// ver-
sichern.^) In diesem Sinne hatte Georg IL, unmittelbar nach dem Ein-
langen der Nachricht von dem Marsche der preussischen Truppen nach
Böhmen, an Maria Theresia das Ansuchen gestellt, dem Kurfürsten
von Sachsen einen Teil der ihr zugesagten englischen Subsidien ^u
überlassen ,* /// diesem Sinne drängte er ^u gleicher Zeit den Wiener
Hof durch weitgehendes Entgegenkommen gegenüber den Forderungen
Friedrich Augusts die Durchführung des geplanten Bündnisses mit
') Vgl. den Abdruck des Vertrages vom 20. De^ ly^^ bei Wenck Codex
juris gentium rrcrntissimi I. 722.
*) Angeführt bei Vesque von Püttlingen, Sachsen 74; vgl, Droysen l. c.
//. 2^y f., woselbst der Wortlaut {. T. angtführt ist,
^) ^^^^« f*^ ^'^ allgemeine Lage in dieser Zeit Arneth IL 398 ff, ; Koser
l. c. I. 214 ff.
1745 Jan. 8. 695
diesem Fürsten ^n ermöglichen, ^) Die Situation war für Maria The^
resia eine recht schwierige, Sie unterschätzte die Vorteile nicht, die ihr
aus einer energischen Anteilnahme des sächsischen Herrschers an dem
Kriege gegen Friedrich II, erwachsen konnten / allein die seit Jahren mit
Friedrich August geführten Verhandlungen Hessen keinen Zweifel
daran übrig, dass er sich seine Mitwirkung von ihr sehr teuer werde be-
fahlen lassen. Hatte er doch von dem Augenblicke an, da er dem
Wiener Hofe von seiner Neigung Kunde gab, mit demselben gemein-
sime Massregeln ^ur Verhütung eines weiteren Anwachsens der preus-
sischen Macht ^u ergreifen, darauf hingewiesen, dass er für seine Mit-
hilfe eine Entschädigung auf Kosten Österreichs verlange, von der Er-
werbung einiger böhmischer Kreise gesprochen und den Gedanken des
Wiener Hofes, sich für seine Ixistung auf Kosten Preussens befahlt
{U machen, energisch {urückgewiesen,^^) Und wenn er auch dann, der
Not gehorchend , von solchen Forderungen zurückgetreten war und sich
im Vertrage vom 20. De^, 1/4} mit dem Erbrechte seiner Gattin und
deren Descendenten auf die gesamten Erbländer der deutschen Linie
der Habsburger im Falle des Ablebens der Nachkommen Maria The-
resia's begnügt hatte^ so war vorauszusehen, dass er jetzt, wo es sich
im Hinblicke auf die drohende Haltung Friedrichs II, um einen weit-
aussehenden Krieg handelte, die alten Wünsche wieder vorbringen werde.
In der Tat säumte Friedrich August nicht, die günstige Gelegenheit ^w
benützen. Er forderte im Falle der Rückeroberung Schlesiens für Maria
Theresia von dieser nebst kleineren Konzessionen auch die Abtretung^) der
Fürstentümer Sagan, Glogau und Jauer, Die Wiener Regierung wies
dieses Begehren in der entschiedensten Weise -{//r//^yt/ erklärte sich
aber bereit, gegebenenfalls das schlesische Fürstentum Crossen mit Zül-
lichau und die preussischen Lehen in der Lausitz an Sachsen gelangen
ZU lassen und versprach überdies, im Falle die Waffen der gegen
Friedrich IL Verbündeten siegreich sein sollten, dem Bundesgenossen
eine wesentliche Gebietserweiterung auf Kosten des besiegten Gegners,*')
Von diesen Entschlüssen Hess sie dem englischen Könige und den mass-
gebenden englischen Ministern — die unaufhörlich in Maria Tlieresia
•) Vgl. die Berichte Wasners vom Aug, und Sept. 1744, St.-A,
') Für die österreichisch-sächsischen Verhandlungen im Jahre 174^ vgl.
Ärneth l. c, II, ;oSß. ; Droysen l, c, II. 202,
^) Vgl. Arneth l. c, IL 4^4.
*) Ebenda; die entscheidenden Weisungen an Esterha\y er flössen am ij,
und ^o. Sept, 1744, St.'A. fSax,)
696 «745 Jan. 8.
drangen, Sachsen {u befriedigen^) — Mitteilung machen unti heauf-
tragie Wasner {u gleicher Zeit in ihrem Namen die Bitte auszuspre-
chen, den sächsischen Forderungen „nicht mit Abbruch unseres Er{'
hauses :[uviel nachzugeben. Wir sagen^ fuhr sie fort, wohl bedacht
mit Abbruch unseres Er{hauses, indem sobald uns Schlesien wieder {«
Teil wird, wir gar wohl ^ufrieden sind, dass Kursachsen mit Abbruch
des getneinsamen Feindes ^u dem Ende begünstigt werden möge. Das
ist um so nötiger , weil wir wissen, dass Sachsen sich auf unsere
und nicht auf Kosten Preussens vergrösser n will und anderenteils, dass,
wie ehedem {um Behuf sowohl Preussens als Sardiniens in uns ge-
drungen worden, die Beisorg mehr dann ^uviel bestärkt, dass das näm-
liehe nunmehr {um Behuf Kursachsens erfolgen dürfte y^)
Bevor noch Wasner in die Lage kam seifte Verhandinngen mit
den englischen Ministern {u beginnen, hatten ihm diese ein von ihnen
verfasstes Projekt des geplanten Bündnisses über r eicht, ^^ ;[w dessen Teil-
nehmern nach dem ursprünglichen*'^, später fallen gelassenen Plane auch
Russland fahlen sollte. Der Vertreter Maria Theresia' s konnte nach
beendeter Lektüre desselben nicht leugnen, dass die Bestimmungen dieses
Entwurfes den Wünschen und Bedürfnissen seiner Herrin in allen
wichtigen Punkten entsprachen. Der sächsische Kurfürst sollte neiter-
Hell die Anerkennung der pragmatischen Sanktion aussprechen, der be-
drohten Herrscherin eine Armee von joooo Mann j^ur Verfügttng
stellen und dafür von den Seemächten eine jährliche Subsidie x}on
ißo.ooo Pfund St. erhalten. Dass diese Armee nach Beseitigung iler
Böhmen drohenden Gefahr auch anderswo verwendet werden sollte,^)
konnte Österreich nur genehm sein. Und ebenso befriedigend fand
Wasner die Bestimmungen beiügiich der Fortdauer aller früher unier
den V erblindeten geschlossenen Vereinbarungen für die Zeit des Krieges
•) Vgl. die Berichte Robinsons vom Aug.-Okt. 17^4- R. O.
^) Weisung an Wasner d. d. 10. Sept. 1744. St.-A,
^) Bericht Wasners d. d. 18. Sept. 1744. St.-A. Dem Berichte liegt J,js
englische Vertragsprojekt hei.
^) Bericht Wasners d. d. 18. Sept, 1744. St.-A,
*) Der Artikel 6 des Projektes^ der darauf Be\ug hatte, verfügte^ dass
der Herrscher von Sachsen-Polen, nach Beseitigung der Böhmen drohenden Ge-
fahr, JOOOO Mann auf eigene Kosten nach den Niederlanden, oder wohin sonst
es das allgemeine Interesse er/ordern würde, marschieren lassen sollte. Doch
wurde dieser Artikel auf Wunsch Friedrich Augusts dahin geändert, dass diesem
für die versprocht^e Sendung von loooo Mann eine jährliche Subsidie von poooo
Pfund St, \Ugesagt wurde.
1745 «^^n» ^* 697
und der nun geschlossenen Verbindung auch nach Abschluss des Frie-
dens mit den gegenwärtigen Feinden.^)
Auch die ß geheimen Separatartikel , die dem englischen Projekte
einverleibt waren, fanden den vollen Beifall Wasners. Dass sich Sach-
sen in dem ersten ^u einverständlichem Vorgehen mit Hannover und
Österreich auf dem Reichstage, in dem ^weiten {ur Förderung der ge-
meinsamen Interessen bei einzelnen geistlichen und weltlichen Fürsten
verpflichtete, ^^^ konnte Österreich nur vorteilhaft sein, und wenn der
Kurfürst von Sachsen als Gegenleistung dafür forderte , dass Öster-
reich und England seine auf Stärkung seiner Herrschergewalt in Polen
gerichteten Bestrebungen unterstützen sollten, so konnte dies dem kai-
serlichen Gesandten umso weniger bedenklich erscheinen, da dabei aus-
drücklich die strenge Wahrung der Gesetze und Konstitutionen Polens
betont wurde. Ja selbst gegen die beiden Artikel (j. und 8,), die sich
auf die Sachsen {U gewährenden Entschädigungen belogen , glaubte
Wasner nichts wesentliches einwenden ^u können. Denn dass die Ver-
bündeten dem ihnen ^u Hilfe eilenden Kurfürsten den Besit^ seiner
deutschen Länder garantierten und das Versprechen gaben, die Waffen
nicht aus der Hand {// legen, bis ihm etwa verloren gehende Gebiete
lurückgestellt seien, verstand sich von selbst. Und wenn nach dem
8, Artikel die Verbündeten sich verpflichten sollten, im Falle eines Er-
folges, den Kurfürsten teilnehmen ^u lassen ,,aux avantages qiii en
reviendront par des convenances qu on lui procurera^^ , und beim näch-
sten Frieden auf die Interessen Sachsens die möglichste Rücksicht {u
nehmen, so entsprach die allgemeine Form dieser Zusage gan{ den
Wünschen des Wiener Hofes. Es kann auch kein Zweifel bestehen,
dass Maria Theresia, obgleich ihr die Fassung e niger Artikel des eng-
lischen Projektes nicht behagte,^) die Einwilligung {ur Unterzeichnung
*) Dtis englisciw Projekt lautete be\üglich dieses Punktes weit präziser als
das definitive Übereinkommen, indem in jenem bestimmt wurde, dass, im
Falle einer der Verbündeten nach erfolgtem Fri.'densscIUusse von einem der Feinde
angegriffen wer Jen sollte, die Übrigen demselben ohne Zögern Hilfe leisten soll-
ten, falls ihre Bemühungen, den Angreifer von jedem feindliclten Vorgehen ab-
\uhalten, innerhalb \weier Monate ohne Frfolg bleiben würden. Die Hilfsquote
für Fngland und Österreich wurde mit Sctoo Mann {u Fuss und 2000 \u Pferd,
jene Sachsen-I^olens mit .fcHJO ;{« Fuss und 2000 \u Pferd, die der General
Staaten mit ^000 {u Fuss und 1000 \u Pferd festgesetzt
*) //// Projekte war von den geistlichen Fürsten nur Main^ genannt.
•) Vgl. die Weisung an Wasner d. d, y Okt, 1744. St,-A. Sie klagte vor-
nehmlich über die Einleitung des Vertrages^ die, ungemein breit gehalten, das
Bestreben des englisclien Hofes erkennen liess, den Preussenkönig möglichst \u
698 »745 J**n« ß-
dieses Vertrages sogleich gegeben hätte, wenn nicht die Etigländer zu-
gleich mit der Überreichung dieses Projektes das Ersuchen an sie ge-
stellt hätten, dem sächsischen Kurfürsten in der Entschädigungsfrage,
über die ^wischen Osterreich und Sachsen separat verhandelt wurde —
und in die direkt einzugreifen für England kein Grund vorlag — mög-
lichst weit entgegenzukommen,^) Wie sie sich aber dieses Entgegen-
kommen der österreichischen Herrscherin d.ichten, wurde dieser klar,
als Robinson für die Forderung des sächsischen Hofes auf Überlassung
der } Fürstentümer Grossglogau, Sagan und Jauer eintrat und auf die
Einwendungen der Wiener Regierung von der Notwendigkeit sprach,
auch mit Opfern die Bundesgenossenschaft Friedrich Augusts ^u gewin-
nen,^) Maria Theresia war über die Haltung des englischen Ministeriums
empört, Sie erklärte in der entschiedensten Weise über die den Sach-
sen bereits gemachten Anerbietungen nicht hinausgehen ;[« wollen und
begleitete ihre Absage an England mit den an Wasner gerichteten
It zeichnenden Worten: „In Weltsachen muss nach den Werken
und nicht nach den Worten geurteilt werden, und jene z^lg^'^ "w ^H-
zu klar an, dass, wenn auch durch den göttlichen Beistand und unsere
fast alleinige Anwendung die Sachen gut gehen sollten, dennoch nur
immer unser Er^haus geschwächet, nicht aber die Mittel demseibcn
wieder aufzuhelfen angewendet oder auf unschädliche, billige Wege lier
andringenden Not ^u steuern, verf allen werden wollen/*^) Das energisclie
Auftreten der österreichischen Herrscherin verfehlte nicht in London
Eindruck -{// machen ; man erklärte daselbst keinerlei feindliche Ab-
sichten gegen Osterreich {u hegen und nur im Interesse der allge-
meinen Sache einige Konzessionen an Sachsen hefüncortet z'* haben.^)
Unterdessen war es den Vertretern Maria Theresia' s am polnischen
Hofe gelungen , Friedrich August {ur Billigung der von Osterreich
vorgeschlagenen Änderungen an dem englischen Vertragsprojekte und
{u dem Versprechen {/^ brurgen, die Unterschrift des mit den See-
mächten und Österreich {tf schliessenden Vertrages von der Erledigung
der durch einen Separatakt {u ordnenden En/schäd/gungsfrage nicht
schonen, und iihcr die Fassun^r des ./. Artikels, nach dem Karl von Lothringen,
der ycoiK) Mann kommandirte, dem Hei\oge von Weissenf eis, der ein Hilfs-
korps von 20000 Mann befehlifrte, unterordnet werden sollte,
M Berichte Wasners vom Sept und Okt. 1744. St.-A,
*) Vgl. die Berichte Robinsons vom Sept. und Okt. 1744 R. O. und die
Weisung an Wasner J. d. 12. Okt. 1744* St.-A.
^) Weisung an Wasner d. d. 28. Okt. 1744. St.-A.
♦) Bericht Wasners d. d. 2j. Okt. 1744. St.-A,
1745 Jan- 8. 699
abhängig {u machend) Die ösfcrreichis.che Herrscherin beauftragte
VVasner die engtische Regierung von dieser Tatsache in Kenntnis {u
setzen, {u gleicher Zeit aber hin{uiu/ügeny dass der Gedanke des Se-
parataktes von Sachsen ausgegangen sei, während sie wiederholt erklärt
habe, „dass man erst den Bären getötet haben müsse, bevor man sich
in sein Fell teilt '^ Und da die Wiener Regierung vernahm^ dass die
Generalstaaten mit diesem Plane einer Separatvereinigung nicht ein-
verstanden seien, erhielt VVasner den Befehl, in London j^u betonen,
dass Maria Theresia gerne bereit sei, von dem Separatabkommen mit
Sachsen gänzlich abzustehen, dass sie sich aber das Refht wahren
müsse, im Falle ein solches geschlossen werde, auch auf ihre Bedürf-
nisse Rücksicht ^u nehmen.^)
VVasner fand, als er den englischen Ministern Mitteilung von
den EntSchliessungen seiner Herrin machte, freundliches Gehör. Die
Engländer erklärten, es komme ihnen auf den möglichst baldigen Ab-
schluss der Allian:^, der {U Warschau erfolgen sollte, an; den Öster-
reichern Vorschriften bezüglich der den Sachsen ^u gewährenden Kou'
Zessionen ^u machen, falle ihnen nicht ein; sie empfahlen nur neuer-
dings ein weitreichendes Entgegenkommen und sprachen die Hoffnung
aus, dass das Separatabkommen ^u^ischen Osterreic/i und Sachsen, mit
dem sie einverstanden seien, bald ^u Stande kommen werde.^) Das war
nun nicht der Fall, vielmehr geigten die Verhandlungen, die in den
letzten Wochen des Jahres 1744 am Wiener und am Warschauer
Hofe geführt wurden, dass man noch weit von einer Verständigung
entfernt war. Doch hinderte dieser Umstand den Abschluss des Ver-
trages nicht, durch den sich Sachsen {ur Teilnahme am Kampfe gegen
Friedrich //. verpflichtete. Derselbe wurde am 8. Januar i/4ß in
Warschau unterzeichnet. Die Auswechslung der Ratifikationen erfolgte
langsam; namentlich der sächsische Hof zögerte, verletzt durch das
zurückhaltende Benehmen Maria Theresia s in der Entschädigungsfrage,
mit der definitiven Anerkennung der ^m Warschau getroffenen Verein-
barungen. Erst am 2. März hinter zeichnete Friedrich August, von England
unaufhörlich gedrängt, die Ratifikationsurkunde, behielt sich aber in
einer am 15. März atisgestellten Deklaration seine Rechte in der Ent-
schädigungsfrage vor.^) Die definitive Ordnung derselben erfolgte in
>) Vgl. die Berichte Esterha^/s vom Okt. und Nov. 1744. St.-A. (Pol.)
und die Weisungen an Wasner d. d. 14. und }0. Nov. 1744* St.
*) Weisung d. d. ^o. Nov. 1744. St.-A.
^) Bericht.' Wtisners vom 27. Nov. utui 8. De{, 1744. St.-A.
*) Gedruckt u. a. bei Martens, Suppl. III. 24.
•yOO '745 Jai>- 8«
einer geheimen Konvention, die Österreichs und Sachsens Bevollmäch-
tigte in Leipzig am i8. Mai 174$ unterzeichneten.^)
Au nom de la trcs sainte trinite.
Comme sur la mort de Tempereur Charles VI. de glo-
rieuse memoire sans enfans mäles les traites les plus sacres et
les pJiis explicites n ont pü empecher qu'il ne se soit eleve
dans Tempire des troubles qui Tont rempli de calamites et
qiii en mena^ent la liberte et la Constitution; et d'autant qua les
dits troubles sont contraires aux engagements solemnels, aux
intentions pacifiques, aux justes droits et aux interfits essentiels
des hauts contractants, afm d'obvier autant qu'en eux est aux
dommages qui peuvent resulter k eux memes et ä toute l'Eu-
rope de la continuation et du progres de ces troubles, et afin
d'animer et d'encourager par leur exemple tous les princes et
etäts Interesses comme eux ä sauver l'Europe en general et
r empire en particulier des maux sous lesquels ils gemissent et
des dangers dont ils sont mena5es, et de maintenir la foy des
traites qui assürent la liberte, la suretö et la tranquillite publi-
ques; sa serenissime et tres puissante princesse Marie Therese,
par la grace de dieu reine de Hongrie, de Boheme etc., le se-
renissime et tr6s puissant prince Frederic Auguste, roi de Po-
logne, comme electeur de Saxe etc., le serenissime et tres puis-
sant prince George II., roi de la Grande-Bretagne, de France
et d* Irrlande etc., et les hauts et puissants seigneurs les etäts
generaux des provinces unies des Pais-Bas ont resolu de se
lier ensemble et plus etroitement et plus inseparablement, et
d'unir leurs conscils et leurs forces pour pourvoir plus efficace-
ment et d'un commun concert ä leur seurete tant presente que
future, ä leur conservation reciproque et ä cclle de T empire,
et specialemcnt pour appaiser les troubles qui y ont ete ex-
cites et pour en dctourner toutc invasion nouvelle.
Pour cct cffet, et nc voulant pas dans un cas si urgent
tarder a effectuer des intentions si justes et si louables, ils ont
autorise leurs ministres plenipotentiaircs a en discuter et regier
les dctails, savoir sa Mtc la reine de Ilongrie et de Boheme le
sicur Nicolas comtc d'Esterhasy, son chambellan, conseiller de
la lieutenance roiale de Hongrie et ministre plenipotentiaire ä
') Gedruckt u. a, bei Marfcns Suppi. I. 2yo,
t745 -fan- ^- ^Ol
la cour de sa Mte polonoise; sa Mte le roi de Pologne, electeur
de Saxe, le sieur Henri comte de Brühl, baron de Forste et de
Pfoerten, Chevalier des ordres de T aigle blanc, de Saint Andre
et de r aigle noir, son ministre de cabinet, de Conference et
d'etät, general d'infanterie, grandmaitre de la garderobbe, Pre-
sident de la chambre des linances, directeur general des tailles
et des accises, commendant^des gardes saxonnes en Pologne
et colonel d'un regiment d' infanterie ; sa Mte britannique le
sieur Thomas Villiers, son envoye extraordinaire et ministre
plenipotentiaire k la cour de sa dite Mte le roi de Pologne,
electeur de Saxe; et leurs hautes puissances les etäts generaux
le sieur Corneille Calkoen, leur ministre plenipotentiaire au-
pres de sa Mte polonoise. Lesquels ministres, apres s'etre en-
tre-communique leurs pleinpouvoirs rcspectifs, sont convenüs
des articles suivants.
I.
11 y aura d^s ä present et pour tous les tems ä venir une
amitie, union et alliance ferme, constante et inalterable et une
confiance et correspondence paifaitc et intime cntre sa Mte la
reine de Hongrie et de Boheme, sa Mte le roi de Pologne, elec-
teur de Saxe, sa Mte' le roi de la Grande-Bretagne et les sei-
gneurs etäts generaux des Provinces-Unies, leurs royaumes,
etAts, terres et sujets, et ils seront tenus tant pour eux que
pour leurs successeurs de se soutenir et de s'entreaider recipro-
quement, de veiller a leur süret^ mutuelle comme ä la leur
propre, de procurcr avec soin et avec affection ce qui leur se-
roit avantageux, et d*eloigner et empecher autant qu'ils pour-
ront tout ce qui seroit nuisible h eux ou ä la cause publique.
II.
Pour cet elTet les hauts contractants prendront ensemble
des ä present et de concert les mesures les plus efficaces pour
retablir et raffermir la paix et le bon ordre en Europe et parti-
culierement dans l'empire, ainsi que pour s'entreaider recipro-
quement h protcger, conserver et defendre tous les ro'iaumes,
etäts, pais, provinces, terres, droits et possessions dont ils jouis-
sent actuellemcnt ou doivent jouir en vertu des trait^s de paix,
d' alliance et de garantie qui subsistent entre eux ou aucun
d* eux ; tous lesquels traites et specialement ceux d' alliance, de
»^Ü I745 Jan. d.
garantie et de defense mutuelle resteront en pleine vigueur,
en tant qu'ils concernent les hauts contractants respectifs.
III.
Sur tout sa Mte polonoise, electeur de Saxe, confirme et
renouvelle tr^s expressement en la maniere la plus stable et
la plus irrevocable tant pour eile que pour ses heritiers et suc-
cesseurs la garantie de 1' ordre de succession etabli dans la sere-
nissime maison d' Autriche par la sanction pragmatique, comme
sa Mte britannique et les seigneurs etats generaux y sont en-
gages, et au quel ordre de succession le corps de Tempire a
aussi donn^ sa garantie et sa sanction; promettant de concourir
avec toutes ses forces k ce qu'il ne soit jamais porte aucunß
atteinte ulterieure ä un reglement si salutaire qui est necessaire
h la sürete de Tempire et au repos de l'Europe en general et
qui interesse si essentiellement la propre posterite de sa Mte
polonoise, h la quelle le susdit reglement assüre la dite succes-
sion apr^s Textinction des descendants du feu empereur Char-
les VI.
IV.
Et ä cet effet le roiaume de Boheme se trouvant actuelle-
ment attaque, sa Mte polonoise, electeur de Saxe, agira imme-
diatement avec une armee de trente mille hommes de trouppes
auxiliaires pour la defense du dit roiaume et la sürete de sa
Mte la reine de Hongrie et de Boheme.
V.
Pour subvenir aux fraix d'un armement si considerable,
fait en faveur de la cause commune, sa Mte britannique et les
seigneurs etilts generaux s' engagent a fournir ä sa Mte polonoise,
electeur de Saxe, tant que la necessitc le requerra, un subside
annuel de cent cinquante mille livres Sterlings, ä commen^er
du ler de Janvier de Tannee 1745 nouveau style et payable
regulierement de trois mois en trois mois, du quel subside sa
Mte britannique paiera cent mille livres Sterlings et les seigneurs
etäts generaux cinquante mille, evalues ä la somme de cinq
cent cinquante mille florins d' Hollande.
1745 •'an. 8. "703
VI.
Aussitot que tout danger aura cesse du cöt6 de la Boheme
et de r electorat de Saxe ä la satisfaction des parties contrac-
tantes, sa Mte polonaise, electeur de Saxe, fera marcher ä la
premiere requisition et entretiendra k ses propres fraix, moien-
nant la continuation d' un subside de nonante mille livres Ster-
lings, pa'iable sur le pied de la somme specifiöe dans Tarticle
precedent, savoir soixante mille livres Sterlings de la part de
la Grande-Bietagne, et trente mille livres, övaluees h la somme
de trois cent trente mille florins d' Hollande, de celle de leurs
hautes puissances, un corps de dix mille de ses troupes, savoir
deux mille cavaliers et huit mille fantassins aux Pais-Bas ou
ailleurs dans Tempire, oü sa Mte britannique et les seigneurs
etäts generaux le jugeront necessaire pour le bien de la cause
commune.
VIT.
Si an consequence des engagemens que sa Mte polonoise,
electeur de Saxe, contracte par la presente alliance ses etats
en Allemagne venoient ä etre attaquöes, outre Tassistance ef-
fective que les alliös lui donncront pour sa defense immediate
ils s'efforceront de lui procurer de l'aggresseur satisfaction en-
tiere du dommnge qui y aura et6 causö, et pour cet effet si
Tun ou l'autre de ses dits pais etoit saisi, ils ne mettront pas
les armes bas que ces etats ne luy soyent pleinement resti-
tuees; comme sa Mte polonoise, electeur de Saxe, de son cöte
persistera inviolablement dans ces memes engagemens jusqu'ä
la paix et sur tout tant quMl y aura dans les etäts, soit de la
reine de Hongrie et de Boheme soit dans ceux des autres hauts
contractnnts^ des trouppes ennemies, ou danger qu'il n'en ren-
tre dans ces etäts ou dans Tempire.
vm.
S*il plaisoit ä dieu de benir les mesures et les precau-
tions que sa Mte' polonoise, electeur de Saxe, concourra ainsi
ä prendre avec les autres hauts contractants pour la suretö pre-
sente et future de TEurope en general et de Tempire en par-
ticulier, dans ce cas sa Mte polonoise, electeur de Saxe, parti-
cipera aux avantages qui en reviendront par des convenances
qu'on lui procurera, et les hauts contractants promettent en
7o4 '?45 «Jan. Ö.
general de prendre ä la pacification prochaine tous les soins
possibles des interets de sa Mt^' polonoise, electeur de Saxe, et
de sa maison.
IX.
Apres la paix faite, les hauts contractants demeureront de
memc et pour toujours etroitement unis, et ils concerteront
alors de quelle maniere ulterieure ils pourront pourvoir le plus
efficacement a leur surete et ä leur avantage reciproque.
X.
Sa Mte rimperatricc de toutes les Russies et le royaume
et republique de Pologne sont nommement et des ä präsent in-
vites ä acceder comme parties principales contractantes ä la
presente alliance, et tous les rois, electeurs, princes et 6täts qui
ont ä coeur la liberte et la seurete publique et la conservation
du Systeme de Tempire et qui voudront acceder ä la presente
alliance, y seront admis.
XT.
Ce present traite d' alliance sera approuvö et ratifie par
sa Mte la reine de Hongrie et de Boheme, sa Mte le roi de
Pologne, electeur de Saxe, sa Mte le roi de la Grande-Bre-
tagne et les seigneurs etäts generaux des Provinces-Unies, et
les lettres de ratification seront echangees en due forme ä Dresde
dans Tespace de deux mois ou plutot s il se pourra.
En foy de quoy les susdits ministres plenipotentiaires re-
spectifs ont signc le present traite d' alliance et y ont appose
les sceaux de leurs armes.
Fait ä X'arsovie ce huitieme Janvier Tan mille sept cent
quarante cinq.
N. comte d' Esterhasy. Comte de Brühl. Th. Villiers. C. Calkoen.
L. S. ^ L. S. L. S. L. S.
Articles separes et secrets.
I.
Sa Mte polonoise, electeur de Saxe, s'engage h faire agir
ses ministres a la diete de l'empire dans un parfait concert
avec ceux de sa Mte la reine de Hongrie et de Boheme et de
sa Mte' britannique, electeur de Brounswic-Lunebourg en la
1745 ^^^' ^- 705
fa^on qui semblera ä leurs Mtes la plus convenable au bien de
la cause publique et au büt de Talliance conclue aujourd'huy
et aux interöts des quatre puissances qui Tont signöe.
n.
Sa Mte polonoise, electeur de Saxe, s'engage expresse-
ment et specialement de vouloir de commun concert avec sa
Mte la reine de Hongrie et de Boheme et avec sa Mte britan-
nique, electeur de Brounswic-Lunebourg, conferer et convenir
avec leurs altesses electorales de Mayence, de Cologne et de
Treves, comme aussi avec d'autres princes et etäts bien in-
tentionnes pour le salut de leur patrie sur la methode et les
moiens les plus propres et les plus expeditifs de pourvoir au
repos et h la surete de TAllemagne, d'affermir le Systeme de
Tempire et d'en eloigner tout danger et dommage.
m.
Pour mettre le royaume de Pologne plus en etat d'fitre
utile ä la cause publique, sa Mte la reine de Hongrie et de
Boheme et sa Mte britannique promettent d'aider sa Mte po-
lonoise dans ses vues salutaires h cet egard d'autant qu'elles
le pourront faire sans porter atteinte aux loix et constitutions
du dit royaume.
Ces trois articles separös seront tenüs secrets et auront
la meme force, comme s'ils ötoient inser^s de möt ä möt dans
le traite d'alliance signe aujourd'huy entre les hauts contrac-
tants et les seigneurs etats generaux des provinces unies des
Pais-Bas.
En foy de quoi les susdits ministres plenipotentiaires re-
spectifs ont signe les presents articles separes et y ont appose
les sceaux de leurs armes.
Fait ä Varsovie ce huitieme Janvier, Tan mille sept cent
quarante cinq.
N. comte d' Esterhasy. Comte de Brühl. Thomas Villiers.
L. S. L. S. L. S.
österreichisch-englische StaatsvertrSge. Bd. I. 45
7o6 1745 April 13.
46.
Subsidienvertrag ^jw'schen Maria Theresia und Georg IL d. d,
Whitehall 174$ April 2\iß,
Rat, Georgs IL d, d. St James 174^ April a^jMai 8 ; Maria The-
fesia's d, d, Wien 174$ April 21,
Die Originale des Hauptvertrages im St-A, und R, O., das Original der
Ratifikation Maria Iheresia's im /?. O., jenes der englischen Ratifikation im St-A.
Noch bevor die Warschauer Allianz {u Stande gekommen war,
hatte sich Maria Theresia im Hinblicke auf die gewaltigen Truppen-
massen, die sie für den kommenden Feld^ug bereit halten mussie, an
die englische Regierung mit der Bitte um eine hohe Subsidic für das
Jahr 174^ gewandt. Auch bat sie, da sie des Kredites dringend be-
durfte, um eine insgeheim auszustellende Deklaration betreffs der Sub-
sidien. Die englischen Minister wiesen die letztere Forderung als un-
statthaft j^uriick, indem sie betonten, dass die Bewilligung von Sub-
sidien ein ausschliessliches Recht des Parlamentes sei, dem man nicht
vorgreifen dürfe.^) Dagegen gaben sie Hoffnung auf eine höhere Sub-
sidie, als die, welche bisher Maria Tlicresia zugesprochen worden war,
freilich nicht ohne eine Bedingung j^u stellen, deren Erfüllung der
österreichischen Herrscherin ein gut Teil der in Aussicht gestellten
Gelder entziehen sollte. Noch vor Schluss des Jahres 1744 teilte
Lord Har rington dem österreichischen Vertreter mit, dass das eng-
lische Volk den entschiedensten Willen {eige, die Entlassung der bis-
her im britischen Sold gestandenen 16000 hannover sehen Soldaten aus
dem englischen Dienste {u fordern, und dass es kein anderes Mittel
gebe, diese für den Kampf gegen die gemeinsamen Feinde unentbehr-
lichen Truppen ^u erhalten, als die Überlassung eines Teiles der vom
englischen Parlamente für Maria Theresia bestimmten Subsidien an
Georg IL als Kurfürsten von Hannover. Um dieses Anerbieten der
Wiener Regierung genehmer {u machen, versicherte Har rington,
Georg IL werde gegen Überlassung von 200.000 Pfund St., 20000
Mann seiner hannover^ schert Truppen {u der in Deutschland ^usamnien-
^usetj^enden Armee stossen lassen und Maria Theresia die Vollmacht
erteilen, dieselben nicht nur am Nieder- und Oberrhein, sondern wo
immer es nötig sein sollte, ^u verwenden.'"^) Auch erinnerte Harringion
*) Bericht Wasners d. d. 2;. Okt. 1744^ St.-A,
») Bericht Wasners d. d. 2p. De{. 1744. St.-A . ; vgl. für die Stellung
1745 April 13. 707
daran y dass bereits im Jahre 1741 ein ähnlicher Vertrag entworfen
und unterzeichnet , jedoch infolge eingetretener Schwierigheiten , die
Sachsen hervorgerufen, nicht ratifiziert worden sei,
Wasner war über diese Eröffnung des englischen Ministers sehr
bestürmt. Er suchte demselben begreiflich ^« machen, dass es dem all-
gemeinen Interesse förderlicher wäre, wenn Georg IL aus eigenem seine
Truppen erhalten und die englischen Subsidien ^ur Gewinnung Russ-
lands verwenden würde , fand aber taube Ohren, Harrington erklärte
in entschiedenster Weise, Georg IL könne auf eigene Kosten seine
hannover sehen Truppen nicht erhalten, und da keine Aussicht sei, dass
die Opposition in die fernere Bezahlung* derselben willigen werde,, gebe es
kein anderes, als das von ihm vorgeschlagene Mittel, *) Wasner gewann
schliesslich selbst die Überzeugung, dass ohne die Billigung des kur-
fürstlichen Begehrens auf eine energische Fordet ung der gemeinsamen
Sache seitens Georgs IL nicht ^u rechnen sei und empfahl seinem Hofe
sich {u fügen. In der That gab Maria Theresia ihre Einwilligung
zum Abschlüsse beider Verträge, übersandte Wasner die entsprechenden
Vollmachten, genehmigte seinen Vorschlag, die neuen Verträge nach
dem Muster der im Jahre 1^41 geschlossenen abzufassen, forderte
aber rasche Übersendung von Geld,^) Die Ausfertigung des Haupt-
vertrages bot keine Schwierigkeit,^) Der englische König versprach der
österreichischen Herrscherin nebst den joo,ooo Pfund St,, die z^r Er-
haltung ihrer im Felde stehenden Truppen z^ dienen hatten, eine weitere
Subsidie von 200,000 Pf, St,, die ^«r Vermehrung ihrer Armee um
loooo Mann z^ ^^^^^ "^^ 4000 ^/i Pferd verwendet werden sollte.
Ganz ausdrücklich wurde es Maria Theresia freigestellt, ein fremdes
Truppenkorps in ihre Dienste ^« nehmen und aus den ihr z^r Ver-
fügung gestellten Subsidiengeldern .{7/ bezahlen. Im übrigen enthielt
dieser Vertrag, wie jener der früheren Jahre, das Versprechen Maria
Theresia' s keinen Frieden oder Waffenstillstand mit den Feinden ein-
zugehen, falls ihre Verbündeten in denselben nicht eingeschlossen werden
sollten. Am selben Tage unterzeichnete Wasner mit Ernst von Stein-
berg, dem Vertreter Georgs IL als Kurfürsten von Hannover, einen
Vertrag, durch den Georg IL versprach, das in der konjöderierten
Armee am Rhein und am Main dienende hannover sehe Korps von
der Engländer in dieser Zeit Borkowskv E, Die englische FriedensvermittJung im
Jahre 174^ p, 13 f,
*) Bericht Wasners d, d, 5. Jan, 174')* St,-A,
*) Weisung an Wasner d, d, 2j, Jan, 174$. St.-A,
•) Vgl, den Bericht Wasners d. d. iß, April 174^. St.-A.
45
7o8 1745 April 13.
14000 Mann dort {u belassen und ßooo Mann Infanterie sowie 1000
Mann Kavallerie neu j(u stellen, wogegen Maria Theresia sich ver-
pflichtete y über den Empfang wn 200.000 Pfund St der englischen
Subsidien eine Quittung auszustellen, das Geld aber durch einen Ver-
treter des Kurfürsten von Hannover in Empfang nehmen ^u lassen.
Dem Verlrage wurde dieselbe Dauer wie dem Hauptvertrage verliehen. ^)
Soit notoire ä tous ceux ä qui il pourra appartenir que
sa Mte la reine d'Hongrie et de Boheme, ayant avec instance
fait representer k sa Mte le roy de la Grande-Bretagne que vü
les grandes depenses dont eile se trouvoit chargöe pour tenir
en campagne tant et de si nombreuses armees qu'il luy etoit
indispensable d'opposer en plusieurs endroits öloign^s les uns
des autres aux invasions et attaques ennemies, eile avoit le
besoin le plus pressent d'un secours immediat en argent; et sa
Mte britannique Xrhs dispos^e ä faire ce qui peut dependre
d'elle pour le soutien de la serenissime maison d'Autriche, et
pour contribuer par \k au maintien d'un juste equilibre en Eu-
rope, ayant fait connoitre ä sa Mte' la reine d'Hongrie et de
Bohfeme T Intention oü eile etoit de luy foumir sans delai une
somme d' argent pour cet effet aux conditions dont on con-
viendroit, et leurs dites Mtes ayant trouv^ convenable qu'il
füt fait lä-dessus un traite ou Convention; ä cette fin elles ont
muni de leurs pleinpouvoirs respectifs, savoir sa Mte' la reine
d'Hongrie et de Boheme le sieur Ignace Jean de Wasner, son
ministre plenipotentiaire aupres de sa dite Mt<? britannique, et
sa Mte' le roy de la Grande-Bretagne ses conseillers prives
Philippe Lord Hardwicke, son chancelier de la Grande-Bre-
tagne, Thomas Holles, duc de Newcastle, Tun de ses princi-
paux secretaires d'etät et Chevalier du tres noble ordre de la
jarretiere, Guillaume comte de Harrington, un autre de ses
principaiix secretaires d'etät, et Henry Pelham, premier com-
missaire de sa tresorerie et chanceliier et sous-tresorier de son
echiquier lesquels, apres avoir confere ensemble sur les objets
ci-dessus mentionnes et s'etre entre-communique leurs plein-
pouvoirs, sont convenus des articles suivans.
*) Dii'ser VcT/mg </. ä. London 2Ji^. April 1745, unter \cichnet von J. de
Wasner und F.rnst von Strinherg befindet sich im Or. im St.-A.; er umfjsst
5 Artikel. Zum Ahdrueke konnte er in dieser Publikation nicht gelangen.
1745 April 13. 709
I.
Sa M^e le roy de la Grande-Bretagne promet de faire
payer par quartier dans la ville de Londres entre les mains de
la personne ou des personnes, autorizees par sa Mt^ la reine
d'Hongrie et de Boheme ä la recevoir en son nom, la somme
de trois cens mille livres sterlin dans le cours de la presente
annee, le premier quartier payable le 25« jour de Mars de cette
meme annee.
n.
Sa Mte la reine d'Hongrie et de Boheme, reconnoissant
le procede amiable du roy de la Grande-Bretagne en ce qui
est promis de sa part par Tarticle pröcedent, promet et s*en-
gage d'emploier la dite somme de trois cens mille livres ster-
lin pour la solde des troupes qu'elle a actuellement en cam-
pagne.
IIL
Et comme il a ete represente en outre de la part de sa
dite Mte hongroise ä sa Mte le roy de la Grande-Bretagne que,
vü les efforts extraordinaires que les ennemis communs ne ces-
cent de faire, tant pour deposseder sa Mte la reine de ses etats
hereditaires que pour pouvoir donner la loy aux membres du
S^. empire romain et aux puissances bien - intentionnöes du
reste de TEurope, il seroit de la plus grande importance et
utilite aux interets de la cause commune que sa dite Mte hon-
groise put faire sans delai une augmentation considerable de
ses troupes, et sa dite Mte' ayant en meme tems fait apperce-
voir clairement au roy de la Grande-Bretagne que dans Tepu-
isement oü se trouvent actuellement ses finances, en suite des
depenses enormes qu'a demande de sa part une guerre aussi
longue et dispendieuse , il ne luy seroit aucunement practi-
cable de fournir de ses propres fonds aux fraix d'une teile
augmentation, et sa Mte' britannique, etant pleinement con-
vaincue de la veritö de ses representations, eile s'est deter-
minee ä vouloir donner incessamment une preuve ulterieure de
son amitie k la reine d'Hongrie, en luy accordant outre les
trois cens mille livres sterlin ci-dessus stipul^s un subside ad-
ditionel pour cette alinee de deux cent mille livres sterlin qui
sera pay^ de quartier en quartier dans le cours de la presente
7IO '745 Adril 13.
annöe, le premier quartier payable au 25« jour du mois de
Mars de la meme annee dans la ville de Londres k la personne
ou aux personnes authorisöes par sa Mte la reine ä le recevoir
aux conditions suivantes.
IV.
Sa Mte la reine d'Hongrie et de Boheme augmentera in-
cessamment ses forces actuelies d'un corps de dix mille hom-
mes d'infanterie et d'un corps de quatre mille hommes de ca-
valerie ou de dragons.
V.
Cette augmentation sera faite ou par une levee immediate
que sa Mte fera de nouvelles troupes ou en prenant un corps
de troupes etrangeres k sa solde lequel corps dans Tun ou
Tautre cas ne sera moindre de quatorze mille hommes, seien
ce qui est stipulö dans Tarticle precedent.
VI.
Ce nouveau corps de troupes sera employö pour l'avan-
tage de la cause commune partout oü Texigence du service
contre Tennemi commun et la raison de guerre demandera
quMl se porte.
vn.
Sa Mte la reine promet et s' engage de la maniere la plus
religicuse qu'elle n'employera las dits subsides de trois cens
mille et de deux cens mille livres sterlin en tout ou en partie
qu'aux usages dont on est convenu par les articles precedens
de cette Convention.
vm.
S' engage en outre sa dite Mte la reine dHongrie et de
Boheme de ne conclure aucun traitc de paix, de treve ou de
neutralite, ni teile autre Convention ou accord que ce soit, avec
les puissances qui luy fönt actuellement la guerre ou qui pour-
roient la luy faire, ni avec aucune d' icelies, sans y comprendre
sa Mte britannique, nommement tant comme roy que comme
electeur, et pareillement sa Mte' de toutes les Russies, sa Mte
polonoise, sa Mte le roy de Sardaigne et les etats generaux des
Provinces-Unies, bien entendu que les dites puissances rem-
plissent fidellement de leur c6t6 les engagements contractes
1745 J"^ S* 711
par les traites qui subsistent entre elles et sa Mt^ la reine de
Hongrie et de Boheme.
IX.
Ce traite sera ratifiö par leurs dites Mtes, et les ratifications
en seront echang^es dans Tespace d'un mois ou plütöt si faire
se peut.
En foy de quoi nous les susdits plenipotentiaires avons
soussignö le present traitö de nos propres mains et y avons
appose les cachets de nos armes. Fait a Whitehall ce second
jour d'avril 1745.
L. S. J. Wasner. L. S. Hardwicke C.
L. S. Harrington.
L. S. HoUes Newcastle.
L. S. H. Pelham.
46.
Konvention :(wischen Maria Theresia und Georg IL, betreffend
die Überlassung eines österreichischen Korps von 8000 Mann
an Grossbritannien d, d, Hannover 174^ Juni 8. ^)
Rat, Georgs IL d, d, Hcrrenhausen Juni 2 ^\ Juli 6 ; Maria Theresia' 5
d, d, Wien ly^ß Juni 24,
Die Originale der Konvention befimlen sich im St-A, und R, O., das
Original der RiiUfikation Maria Theresia's im /?. O., jenes der englischen Rati-
fikation im St.'A.
Schon ^u Beginn des Jahres 1745 hatten die Verbündeten Kunde
davon erhalten, dass Ludwig XV. sich entschlossen habe, den Haupt-
angriff auch in diesem Jahre gegen die spanischen Niederlande ^u
richten. Es galt sich ^u rüsten. Der Plan, österreichische Truppen
wie bei früheren Gelegenheiten für die gemeinsame Angelegenheit ^u
verwenden, wurde im Haag und in London eifrig erwogen. Auf eine
grosse Diversion der Soldaten Maria Theresia' s war freilich im Hin-
blicke auf den schweren Kampf den sie damals gegen Friedrich IL
führte, nicht j^u rechnen. Doch geigte sich der österreichische Bevoll-
mächtigte in Belgien, Graf Kaunit:{- Rietberg, geneigt, ein Korps von
*) Für die beiden anderen in dieser Frage geschlossenen aber nicht end-
giltig volliogenen Verträge vom i^, April und i, Juni 174^ vgl, die Einlei"
tung p, 7 12 f.
yi2 1745 Juni 8.
12000 Mann den Seemächten {u überlassen. Die Schwierigkeit, ans
eigenen Mitteln für die Erhaltung dieser Truppen ^u sorgen, bewog
ihn im Januar mit einem solchen Antrag an die Generalstaatcn heran-
lutrcten und ^u gleicher Zeit Wasner mit der Mission j^u betrauen,
von diesem Plane der englischen Regierung Mitteilung {u machen. ')
Allein die Generalstaaten lehnten das Anerbieten unter dem Verwände
ab, bereits mit einer anderen Macht wegen Überlassung von 12000
Mann ^u verhandeln, und die Engländer s^eigten vorerst nur geringe
Geneigtheit , bedeutendere Geldmittel im Interesse der gemeinsamen
Sache anfyä)ieten,^) Erst ^u Beginn des Monates Mär^ konnte Wasner
dem Grafen Kaunit^ melden, dass England im Hinblicke auf die be-
drohlichen Truppenansammlungen der Franzosen bereit sei, ein öster-
reichisches Armeekorps, aber nur gegen Ersat^ der Kosten, in Sold j{u
nehmen.^) Kaunit^ übersandte dem österreichischen Vertreter in London
sogleich einen Kostenüberschlag und die entsprechenden Instruktionen.^)
Die Verhandlungen, die darauf hin Wasner mit Pelham, Harrington
und dem Feldmarschall Wade begann, führten ^ar {u keinem defini-
tiven Resultate,^) doch wurde dem in Belgien stationierten englischen
General Ligonier \u Beginn des April IJ43 das Projekt einer Kon-
vention mit dem Befehle übersandt, den Abschluss derselben möglichst
j(u beschleunigen.^) Dies geschah ; bereits am iß. April unter:(eichneten
Ligonier und Kaunit^ die Konvention^ durch die sich Maria Theresia
lur Überlassung eines Korps von 8000 Mann — yioo {u Fuss und
poo :(u Pferd — an die Engländer, Georg IL dagegen {ur Bezahlung
bestimmter Summen für die Werbung und den Unterhalt dieser Truppen
verpflichtete. Zugleich versprach Georg IL sogleich nach Abschluss der
Konvention loooo Pfund St. als Vorschuss für die Maria Theresia er-
') Vgl. Jas Schreiben des Grafen Kaunit{ d. d, 18. April 7775 St.-A.
(Belgica), in dem er einen zusammenfassenden Bericht über die gan^e Verhand-
lung in dieser Frage gibt.
*) Vgl, die Berichte Wasners vom Jan. und Febr. 174^. St.-A.
3) Bericht Wasners d. d. 2. Mär^ 174^. St.-A.
*) Vgl. den Bericht Kaunit\ens vom 18. April 174^. St.-A. (Belgica.)
*) Kopie des Schreibens Wasners an Kaunit\ d. d. 2. April 174^. St.-A.
(Belgica.)
«) Das Projekt liegt dem Bericht des Kaunit^ vom 18. April bei, es umfasst
blos y Artikel. I) Die Königin wird den Engländern 8000 Mann Infanterie Uher-
lassen. II) Dafür bietet ihr Georg II. :[ur Werbung von anderen 8000 Mann
. . . Pfund und ^ur Erhaltung dieser Truppen . . . Pfund. III) Wohlverstanden,
für das was nicht wirklich gestellt wird, erfolgt entsprechender Ab:{ug.
1745 J""i S- 713
wachsenden Kosten {u erlegen. ^) Ligonier, der im Eifer die ihm dringend
erscheinende Vermehrung der Truppen durchzuseihen seine Vollmacht
überschritten hatte, bedang sich ausdrücklich die Genehmigung seiner
Abmachungen seitens seiner Regierung aus.^) Unter dieser Bedingung
erfolgte am iß, April snb spe rati die Unterzeichnung, Es geschah
dies am selben Tage, da Marschall Morit^ von Sachsen in Valenciennes
eintraf, um an der Spitze eines Heeres von 80000 Mann den Zug
gegen Tournay ^u beginnen. Allein trotzdem die Gefahr für die Ver-
bündeten^ die damals über kaum ßoooo Mann verfügten, eine sehr
grosse war und sich nach dem Siege der Franzosen bei Fontemoy am
12, Mai I74ß noch steigerte, weigerte sich die englische Regierung,
das von Ligonier getroffene Übereinkommen gtit^uheissen, Wasner er-
hielt auf sein Drängen ausweichende Antworten^) und erfuhr schliess-
lich, dass man die Konvention vom iß. April ^^ kassieren und durch
eine andere ^w ersetzen denke, ^u deren Abschluss Ligonier die Befehle
empfangen habe. In der Tat wurde im Lager -{« Lessins am i, Juni
eine neue Abmachung unter :{e lehnet^ die in einzelnen Ptmkten günstiger
für die Engländer lautete, als jene vom iß, AprilS) Kaunit:^ und der
Herzog von Cumberland, der Oberbefehlshaber der vereinigten Truppen,
beeilten sich, dieselbe \u ratifizieren. Dagegen erhob aber das eng-
lische Ministerium Einsprache ; der Schat^me ister erklärte, er werde die
Ausiahlung der bestimmten Summen nur dann veranlassen, wenn die
*) Convention par laquelle S, M. la reine de Hongrie et de Boheme etc.
ccde a la solde de S. M, le roy de la Grande-Bretagne un corps de huit mille
homtnes de ses trouppes aux Pais-Bas, fait ä Bruxelles le 75 Avril 174^ (Or.
Sf.'A. Cop. R. O,) Diese später kassierte Konvention enthält 11 Artikel. Vgl.
Bittner l. c. Nr. 92^. Für die Verhandlungen vgl. die Kopie des Schreibens von
Kauniti an Wasner d. d. Brüssel jy. April 174^. St-A. (Bdgica.)
*) Vgl, den Bericht des Kaunit\ vom 18, April 174^. St.-A, (Belgica.)
3) Vgl, seinen Bericht d. d. 21. Mai 174^. St.-A.
*) In London R. O, liegt das Original dieser Convention ,fait au quartier
general de Lessines ce premier Juin 174^ von P. Bcllanger und J. Ligonier/* in
Wien eine Kopie als Beilage \um Berichte des Kaunit\ vom 27, Juli 1745. Die-
selbe wurde am 12. Juni ratifiziert von Wendel Anton Graf v. Kaunit\'Rietberg ;
auch von dem Her\oge von Cumberland war die Ratifikation erfolgt ; jedoch ver-
weigerte, wie im Texte mitgeteilt wurde, die englische Regierung ihre Genehmig
gung und verlangte ordnungsgemässe Raiifikatiim durch Georg IL Das am
I. Juni unterzeichnete Dokument stimmt bis auf die Einleitung, in der von der
Bevollmächtigung des Bellanger und Ligonier gemeldet wird und die im defini-
tiven Vertrage vom 8, Juni auf Bitten Englands ausgelassen wurde, wörtlich
mit diesem let\teren überein, nur fehlt in der Urkunde vom i. Juni die Bestim-
mung Über die Auswechslung der Ratifikationen.
714 '745 ^^^^ S*
Konvention unter Beobachtung der gewohnten Formen ^u Stande komme.
Lord Harrington, der damals mit seinem Herrn in Hannover weilte,
machte dem gleichfalls daselbst anwesenden Wasner den Vorschlag,
das in Lessins am /. Juni von Kaunit^ und Ligonier unter :^eichnete
Schriftstück — nachdem kleinere Änderungen vorgenommen seien —
umzuschreiben und von Georg //. sogleich ratifizieren {u lassen. In
der That erfolgte am 6. Juli n. st, {u Hannover die Unterzeichnung
der neuen Urkunde, die auf den 8, Juni zurückdatiert wurde, durch
Harrington und Wasner^) und am selben Tage ratifizierte Georg //.
das ihm überreichte Aktenstück,^)
I.
Sa Mt^ la reine fournira ä sa Mte britannique un corps de
huit miUe hommes, savoir sept mille et cent hommes d' Infanterie
et neiif cens houssars qui seront aux ordres du commandant an
chef des forces de sa dite Mt^ britannique aux Pais-Bas.
II.
Que cette Convention durera une annöe, ä compter du
premier Juin 1745 jusqu'au dernier de May 1746, les deux puis-
sances contractantes se reservant reciproquement la libert^ de
la faire cesser aprös ce terme ou de la renouveller, pourvü que
Celle qui ne voudra pas la continuer s'en declare deux mois
d' avance.
IIL
Pour aider ä sa MttJ hongroise ä completter les corps qui
doivent composer les dits huit mille hommes (sa dite Mte en
ayant dejä le pied) et ä les mettre en campagne, sa Mte bri-
tannique fera payer ä sa Mto la reine d' Hongrie et de Boheme
la levee de sept mille cent hommes d'infanterie ä raison de
cinquante llorins d'AUemagne par tete, les officiers exceptes,
Celle de neuf cens houssars ä raison de cinquante deux florins
d'Allemagne par tete, avec la meme exception des officiers, et
Celle des chevaux de houssars ä raison de quatre vint deux et
demi florins d'Allemagne par cheval, montant la dite levee
') Arneih III. 6; gibt als Unter {cichnungsdatum irrtümlich den 4, Juni
J74^ an,
*) Vgl. die Berichte Wasners J. d. 4. und 8. Juli 174^. St.-A,
1745 ^'^'^ ^ 715
complete k quatre cens cinquante trois mille cent seize florins
d'AUemagne, bien entendu que Ton deduira sur le pied ci-
dessus ce qui ne se trouvera pas effectif k la premiere revue
qui en sera faite pas les commissaires de sa Mte britannique.
IV.
Sa Mt<^ britannique promet et s'engage en outre ä payer
Tentretien et la subsistance de ce corps sur le pied que sont
payees les troupes de sa Mt^ la reine suivant Y etat ci-joint sub
lit. A*), ce qui monteroit pour le complet ä soisante neuf mille
cinq cens soisante huit florins 30 kreytsers d'AUemagne par
mois, non compris Tetat general dont il est parlö specifique-
ment ci-aprös art.® 10®, la ration de fourrage calculöe ä sept
sols monnoie de Brabant, soit que le prix de la prochaine en-
treprise augmente ou diminue.
V.
Lorsque les troupes fourageront, Ton deduira l'impost des
rations de fourrage sur le pied usit^ dans les troupes autri-
chiennes aux Pais-Bas ä raison de sept sols par ration.
VI.
Et comme sa Mt^ la reine ne peut pas quant ä present
fournir les dits huit mille hommes complets sans trop degamir
ses places de guerre, et que le büt principal de la presente
Convention est de pouvoir faire marcher incessanmient un corps
de troupes ä Tarm^e alli^e, il est convenü que sa Mte britan-
nique aura d'abord ä sa disposition six bataiilons, cinq com-
pagnies de grenadiers et six escadrons de houssars, suivant la
tabelle ci-jointe sub lit. B^), dont sa Mte britannique payera dös
ä present la lev^e qui monteroit sur le pied complet de la dite
tabelle ä trois cens trente sept mille six cens seize florins
d'AUemagne, et Tentretien prendra cours du premier de Juin
1745, dont on payera toujours un mois d'avance sur le pied
effectif des revues.
VII.
Qu'ä compte de Tentretien du dit corps il sera fait aussi
une avance de dix mille livres Sterling pour mettre les officiers
en etat de faire leurs equipages.
*) Düse Beilagen sind vorhanden, wurden aber nicht abgedruckt
«) Vgl, Anm, j.
•yiö 1745 Juni 8.
vm.
Quant aux trois battaillons restans pour completter les
huit mille hommes et les houssars qui manquent pour com-
pletter les neuf cens hommes, la levee et Tentretien ne s'en
payeront par sa Mte britannique qu'ä mesure que chaque bat-
taillon sera pret ä marcher et lorsque ce qui manque aux
houssars aura Joint leurs regimens respectifs.
IX.
Aussitöt que ce corps de huit mille hommes aura passe
en tout ou en partie au service de sa Mte britannique il sera
passö en revue ä la fin de chaque mois par les commissaires,
et il sera deduit de Tentretien tout ce qui se trouvera man-
quer au complet des dits battaillons et escadrons.
X.
Sa Mte britannique accorde pour Tetat general, comme il
est specific par la liste sub lit. C^) ci-jointe, par mois la somme
de cinq mille trois cens dix sept florins 41 krs d'Allemagne
pour Tequipement de campagne, comme chariots, chevaux de
bat etc. du corps qui se livre ä present dix huit mille nonante
deux florins 30 krs d'AUemagne et le reste ä proportion et ä
mesure que les autres battaillons entreront en campagne.
XI.
Sa Mte la reine de Hongrie et de Boheme prend a sa
Charge les medicamens et cc qu'elle donne de plus dans Thö-
pital ä chaque soldat blesse ou malade, moiennant une somme
de neuf cens quatre vint seize florins 37 krs d'Allemagne par
battailion que sa Mte britannique accorde pour cet elTet pour
une annee, les six escadrons comptes pour un battailion ce qui
est conforme au pied usite dans les troupes autrichiennes.
XII.
Tous les payemens qui resultent de la presente Convention
se feront ä Anvers sans aucune deduction de droits d'office ni
autres quelconques.
') Vgl. Anm. p. 7iy.
1746 Juni 21. njn
xm.
Les battaillons et escadrons de houssars qui passent ä la
solde de sa Mte britannique, jouiront de tous les Privileges,
prerogatives et honneurs quant au Service comme les troupes
angloises, et il n'y aura de preference dans le commandement
que Tanciennete du caractere efiectif.
XIV.
Quant ä la discipline militaire, T economie des comptes et
autres Privileges des regimens du dit corps, il n' y sera fait au-
cune alteration de sorte que les dits regimens garderont leur
propre justice, oeconomie et autres Privileges et ne seront
comptables qu'avec le commissariat de guerre de sa Mte la
reine comme ci-devant, et il n' y aura de decomptes ä faire qu'-
entre les deux commissariats respetifs.
XV.
Ce traitö sera ratifi^, et les ratifications en seront echan-
gees ä Hanovre dans un mois ou plütöt, si faire se peut
Ainsi fait et convenu entre nous soussignes en vertu de
nos pleinpouvoirs respectifs. Ä Hanovre ce huitieme jour du
mois de Juin n. s., Tan de grace mil sept cent quarante cinq.
L. S. J. Wasner. L. S. Harrington.
47.
Subsidienvertrng ^iVischen Maria Theresia und Georg IL samt
2 Deklaratioften, betreffend die Kosten der 174^ Juni 8 verein-
barten Aufstellung eines Korps von 8000 Mann; d, d. WHiite-
hall 1746 Juni J0I21.
Rat, Georgs IL d, d. Kensington 1746 Juni 28 j Juli p/ Maria Tlie-
resias d, d. Wien 1746 Juli 7.
Die Originale des Vertrages und der Deklarationen im St-A, und R, O,,
das Original der engl, Ratifikation im St-A., jenes der österr. Ratif, im R. O,
Das rasche Umsichgreifen des Aufstandes y den die Landung des Prä-
tendenten Karl Eduard Stuart in Schottland hervorgerufen hatte, und das
siegreiche Vordringen dieses Prini^en in England, nötigten Georg IL,
7l8 1746 Juni 21.
der für seine Krone fürchtete, die in den spanischen Niederlanden sta-
tionierten, lum Kampfe wider Frankreich bestimmten englischen und
im englischen Solde stehenden hessischen Truppen abzuberufen. Die
Lage der Verbündeten, die bis dahin keine all^ugünstige gewesen war,
wurde dadurch eine sehr prekäre. Die ihnen {ur Verfügung stehende
Armee war viel {u scirwach, um den Feinden nachhaltigen Widerstand
lu leisten. „ Wenn die Franzosen wollen, urteilte Graf Kaunit^, der
bevollmächtigte Minister Maria Theresia s in Belgien, werden sie uns
in 14 Tagen aus den Niederlanden vertreibend ^^ Und die Franzosen
säumten in der Tat nicht, die Schwäche ihrer Gegner auszunützen,
Ende Januar 1746 ruckte das französische H^er unter der Führung
des Marschalls Moritz von Sachsen gegen Brüssel ; am 21. Februar
war die Stadt in seiner Macht. Die Nachricht von diesem Ereignisse
rief in Wien, aber auch in London und im Haag grosse Bestürzung
hervor. Maria Theresia, die sich bereits vorher entschlossen hatte, das
Kriegsglück gegen Frankreich nochmals {« versuchen, Hess einen Teil
ihrer Truppen flach den Niederlanden marschieren. Georg IL aber,
der eben in diesem Augenblicke ^«w entscheidenden Schlage gegen den
Prätendenten ausholte und aus diesem Grunde keine Truppen entbehren
konnte, trat an Maria Theresia mit dem Antrage heran, ihr für das
laufende Jahr eine Subsidie von 400.000 Pfund St. z^ gewähren, falls
sie eine Armee von ßoooo Mann in den Niederlanden erhalten und
gegen Frankreich kämpfen lassen wolle.^) Es wurde der österreichischen
Herrscherin nicht leicht, sich für die Billigung des gestellten Be-
gehrens z^i entscheiden. Stimmten doch auch all ihre Ratgeber darin
überein, dass ihr in Italien eine weit grössere Gefahr drohe als in
den Niederlanden, welches Gebiet England wie Holland doch niemals
im Besitze Frankreichs lassen würden, und dass der Feld{ug in Italien
viel gegründetere Hoffnung auf Erfolg biete, als jener in den Nieder^
landen, wo an eine Offensive gegenüber der überlegenen französischen
Armee nicht ^// denken sei.^) Trotzdem erklärte sich Maria Theresia,
{umal sie auf die ihr seit Jahren gewährten Subsidien der Engländer
») Zitiert bei Arneth l. c. IIL 211.
*) Vgl Bericht Wasners d. d. /. Mär\ 1746. St.-A. Im Jiinuar u.Februar
hatten die englischen Minister mit Wasner wegen Überlassung einer Armee von
^0000 Mann verhandelt ; erst auf die Nachricht vom Falle Brüssels wurde eine
Armee von ^0000 Mann gefordert* Vgh Berichte Wasners vom Januar und
Februar 1746, besonders 11. u. 14. Jan., i. u. 18. Febr. 1746. St.-A.
••') Vgl. Arneth l. c. IIL 218 f
1746 Juni 21. niQ
nicht ver^ichtefi und ohne Zugeständnis an diese Nation auf die Fort-
dauer derselben nicht rechnen konnte, bereit^ die Forderungen Georgs IL
;(u erfüllen, Sie beauftragte Wasner in diesem Sinne mit den leiten-
den Ministern Georgs IL ^u sprechen, {u gleicher Zeit aber ihre un-
günstigen finanziellen Verhälttiisse ^u betonen und nebst einer mög-
lichst hohen Subsidie auch die Erneuerung der am 8. Juni 1743 ge-
schlossenen Konvention für das Jahr 1746, überdies aber die Beglei-
chung der Rückstände ^u verlangen, die sich aus dieser Konvention er-
geben hatten.^)
Obleich aber die Situation in den Niederlanden eine rasche
Entscheidung des englischen Ministeriums erfordert hätte, verzögerte
sich der Abschluss des Vertrages Woche für Woche. Die Engländer
wünschten Gewissheit darüber, ob Maria Theresia unter allen Um-
ständen, was auch immer in Italien sich ereignen sollte^ 50000 Mann
in den Niederlanden erhalten würde, erklärten die bewilligten Subsidien
nur nach Massgabe der wirklich dort befindlichen Truppen auszahlen
lu wollen, und wiesen die Forderung Wasners, der sie {ur Verlän-
gerung der hannoverischen Konvention vom 8, Juni 1745 bis {ii Ende
des Jahres 1746 und {ur Bezahlung der aus derselben erwachsenen
Rückstände bewegen wollte, auf das entschiedenste ^urück.^) Im April
wurde die Subsidienfrage im englischen Parlamente im günstigen Sinne
erledigt;^) allein erst Mitte Mai überreichten die Engländer dem Ge-
sandten Maria Theresia' s den Entwurf des Subsidienvertrages.^) Von
der Verlängerung der hannover sehen Konvention war in demselben eben-
sowenig die Rede, wie von der Begleichung der Rückstände, dagegen
>) Weisungen an Wasner vom Mar{ und April 1746, St.-A.
») Vgl. Bericht Wnsners d, d. f 5. April 1746, St.-A, Auf die Bitte Har-
ringtons hatte Wasner ein für das Parlament bestimmtes Memoire über die For-
derungen Österreichs verfasst und Harrington überreicht. Da in demselben auch
der Verlängerung der hannoverischen Konvention vom 8. Juni 1^4^ und der
Rückstände gedacht war, die infolge dieser Abmachung bisher aufgelaufen waren,
weigerte sich Harrington dieses Dokument dem Parlamente vorzulegen und ver-
fasste ein anderes, in dem dieser Dinge nicht gedacht wurde, Wasner weigerte
sich Anfangs dieses {weite Memoire \u billigen, entschloss sich aber auf drin-
gendes Begehren Ha r ringtons darein {u willigen, dass dasselbe dem Parlamente
vorgelegt werde, wogegen Harrington für das Ministerium eine besondere Schrift
Wasners acceptierte, in der diese Forderungen begründet wurden* Die betref-
fenden Erklärungen finden sich im St-A. als Beilagen {um Berichte Wasners
d. d. 75. April 1746,
=») Bericht Wasners d. d, 26, April 1746. St.-A,
*) Beilage {um Berichte Wasners d, d. 17. Mai 1746, St,-A.
y^O '746 Juni 21.
blieben die Engländer dabei, dass die Subsidien nur nach Massgabe des
Effekiivstandes \u ^{ahlen seien, Wasner erklärte, unter diesen Be-
dingungen nicht unter T^eichnen ;(u können und begann lebhaften Streit
mit Lord Harrington, den er des Wortbruches und der Undankbarkeit
lieh. Da aber alle seine Bemühungen, Harrington umzustimmen frucht-
los blieben, da er ferner im Hinblicke auf die ihm zugekommenen
Nachrichten von der Friedensneigung dieses Ministers fürchten inusste,
dass im Falle einer weiteren Verzögerung Maria Theresia Gefahr laufe,
die Subsidie ganz V verlieren^ entschloss er sich am 2}, Juni, auf das
Versprechen der englischen Minister hin,^) dass die Bestimmungen be-
züglich der Kontrolle der in den Niederlanden wirklich vorhandenen
Truppen Maria Theresia' s nicht so genau eingehalten, und dass die
Subsidien in London, u. z^. in monatlichen Raten von ßoooo Pf St.,
ausbezahlt werden sollten, den Subsidienvertrag ^« unterzeichnen.^) Die
Frage der Verlängerung der hannoverischen Konvention vom 8. Juni
174$ und der Begleichung der aus derselben erwachsenen Rückstände
fand z^i gleicher Zeit eine wenn auch nicht definitive Lösung. Har-
rington stellte am selben Tage, da die Unterzeichnung des Subsidien-
Vertrages erfolgte, eine Erklärung aus,^) durch die sich die Engländer
zur Begleichung der bis Ende Dezember 1743 aufgelaufenen Rück-
stände verpflichteten, während Wasner seinerseits den Engländern ein
Dokument übergab, in dem er die Forderungen seiner Herrin aufrecht
hielt,^) Die Wiener Regierung billigte das Vorgehen Wasners, über-
sandte alsbald die Ratifikation des Subsidienvertrages , befahl ihrem
Gesandten aber im Gegensatze ^w Harringtons Deklaration, die blas
von der Begleichung der Rückstände bis Ende Dez> ^743 sprach, dem
Wortlaute der Konventton entsprechend die Bezahlung der Rückstände
bis I. Juni IJ46 ^« fordern.^) Bald darauf schien sich ein Mittel z^
bieten, auch diese Frage ^//r gegenseitigen Zufriedenheit z^^ lösen.
Noch bevor der Vertrag unterzeichnet war, der Maria Theresia
zur Erhaltung einer Armee von ßoooo Mann in den Niederlanden
verpflichtete, haften die Seemächte die Überzeugung gewonnen, dass
auch diese Vermehrung ihrer Truppen gegenüber den 100,000 Mann,
mit denen Frankreich im Mai 1^46 den Kampf in den Niederlanden
>) Pelham war, nach Wasners Bericht vom 27. Juni 1746, weit entgegen-
kommender als Harrington.
2) Bericht Wasners J. d, 27. ///;;/ 1746, St-A.
^) Vgl. den Abdruck />. 724 /*.
*) Vgl. den Abdruck p. 72^/,
') Vgl. die Weisung d. d. 8. Juli 1746. St-A.
174^ Juni 21. fj^i
au/nahm, nicht genügen werde. Sie waren daher schon Mitte des Mo-
nates Mai an die österreichische Regierung mit der Bitte um Über-
lassung weiterer 20000 Mann herangetreten y^) und ihr Begehren wurde
dringender, als der Fall Antwerpens und der Zug der französischen
Armee gegen Mons die Gefahr, die ihnen drohte, deutlich erkennen
Hess, Maria Theresia geigte sich nicht abgeneigt, dem Wunsche ihrer
Verbündeten entsprechend, 20000 Mann von ihrer am Rheine stehenden
Armee nach den Niederlanden ^u senden und die entstehenden Lücken
durch Neuwerbungen ausT^ufüllen ; sie beauftragte aber Wasner, ihre
trübe finanj^ielle Lage den Engländern ;{« schildern und beträchtliche
Subsidien ^u fordern, Wasner entsprach dem Befehle seiner Herrin ;
er verlangte 200,000 Pfund St; die Engländer boten erst 100,000 dann
ißo,ooo Pfund St, Auch diesmal gab es harte Kämpfe. Im Verlaufe
derselben Hess nun Wasner das Wort fallen, es wäre möglich, dass
Maria Theresia gegen eine Subsidie von 200,000 Pfund St. auf die
Fortsetzung der hannoverischen Konvention vom 8, Juni vernichten
würde.^) Die englischen Minister griffen diese Bemerkung auf und
erklärten sich bereit, in eine Subsidie von 200,000 Pfund St. ^u wil-
ligen — vorausgesetzt, dass die Generalstaaten auch von dieser Summe
ihr Dritteil fahlen wollten — falls von Verlängerung der erwähnten
Konvention und von Bezahlung der Rückstände nicht mehr gesprochen
werde.^) Wasner erklärte sich einverstanden und desgleichen seine Re-
gierung.^) Da aber die Einwilligung der Generalstaaten -{w dieser
Erhöhung der Subsidien nicht ^// erlangen war,^) konnte der Ausgleich
in der beiderseits erwünschten Form nicht erfolgen. Die Subsidien-
konvention wurde in der im folgenden mitgeteilten Form von den Ver-
tretern Englands, Österreichs und der Vereinigten Niederlanden am
ßi, August unterzeichnet und in derselben die Maria Theresia bewilligte
Subsidie mit ißo,ooo Pfund St. festgesetzt. Doch behielten sich die
beiden Vertreter Österreichs in einem am selben Tage ausgefertigten
*) Bericht Wasners d, d. 17, Mai 1746. St.-A,
*) In diesem Sinne lautete die Weisung an Wasner d. d, 7, Juni 1746. St-A.
») Bericht Wasners d. d. i. Juli 1746. St,-A.
*) Weisung an Wasner d, d, 17, Juli 1746. St-A.
*) Vgl, die Berichte Reischachs vom Juli und August 1746, St-A. (Hall.)
Wie aus dem Berichte Reischachs d, d, 4. Sept, 1746 St,'A, (Hall.) liervorgeht,
scheiterten die Bemühungen der österreichischen Gesandten vornehmlich daran,
dass die Generalstaaten blas 74 der ^0000 Pfund St. zahlen wollten, während
die Engländer ihnen, den früheren Konventionen entsprechend, die Übernahme
eines Dritteiis zumuteten.
Österreichisch-englische Suatsvertrflge. Bd. I. 4^
h^^ 1746 Juni 2 t.
yjAcfe separe^' das Recht vor,^) weitere Schritte {ur Erlangung der von
England bereits bewilligten Ergän^imgssnmme von $0000 Pfund St. ^u
tun. Sie Hessen es auch an Bemühungen nicht fehlen ; da aber die
Zustimmung der Gencralstaaten nicht {u erlangen war, verpflichiete
sich England im S. Artikel der Konvention , die am 12. Januar 1747
im Haag geschlossen wurde y^^ die ^wei Dritteile, die seinen Anteil
bildeten, sogleich {u befahlen und den General Staaten ^u einem gleichen
Entschlüsse :{ti{ureden. Von Erfolg waren diese letzteren Bemühungen
nicht begleitet. Als man im Januar 1748 eine neue Konvention ab-
schloss, waren die Generalstaaten noch immer mit der Begleichung
ihres Anteils im Rüchstande ; sie versprachen im Vereine mit Wil-
helm /y. bei den einzelnen Provinzen für die Bezahlung dieser wie
aller übrigen Rückstände einzutreten,^)
Soit notoire ä tous ceux ä qui il appartient que sa Mte
le roy de la Grande-Bretagne, ayant represent6 avec instance
ä sa Mte rimperatrice, reine de Hongrie et de Boheme, le dan-
ger evident et extreme de voir reduire sous le joug de la
France tous les Pa'is-Bas Autrichiens au grand prejudice tant de
la dite serenissime maison que des puissances maritimes, ä
moins qu'il ne plüt ä sa dite Mt^ d'y remedier au plütöt an y
envoyant et entretenant un corps trds considerable de ses
troupes, et sa Mt^ Timperatrice reine, ayant fait connoitre lä-
dessus ä sa Mt^ le roy la disposition sincere oü eile se trouvoit ä
deferer ä ces instances amiables, pourvü qu'elle fut secourue
par un subside proportionne de la part de sa dite Mte, Tepui-
sement extreme de ses propres fmances ne lui permettant pas
dans un tems, oü eile etoit necessitee d'entretenir ailleurs de
nombreuses armees, de prendre un si grand fardeau additionel
uniquement sur son propre compte, et sa Mte britannique ayant
reconnu la necessite d' accorder ä sa Mte' imperiale une somme
süffisante d'argent pour un objet aussi important; lä-dessus
leurs Mtes ont trouve convenable de regier et constater cette
affaire entre elles par une Convention. Et ä cette fin elles ont
muni de leurs pleinpouvoirs respectifs, savoir sa Mte' Timpera-
*) Vgl. Jen Abdruck p. y^o,
^) Vgl, Jen Abdruck p. 7^0,
3) Vgl. Jen weiter unten p. 764 abgeJruckten Artikd 16 der Konvention
vom 26. Jan. 1748 unJ die im Anhange \u Jieser Konvention p. 76^ ^ibgeJruckte
Spezifikation,
I74Ö Juni 2f. y^^
trice, reine de Hongrie et de Boheme, le sieur Ignace Jean de
Wasner, son ministre plenipotentiaire auprfes de sa dite Mt^ bri-
tannique, et sa Mtc le roy de la Grande-Bretagne ses conseillers
prives Philippe lord Hardwicke, son chancelier de la Grande-
Bretagne, Lionel Cranfield duc de Dorset, president de son con-
seil prive et Chevalier du tres noble ordre de la jarretiere,
Thomas HoUes, duc de Newcastle, Tun de ses principaux se-
cretaires d' etat et chevalier du trfes noble ordre de la jarretiere,
Guillaume comte de Harrington, un autre de ses principaux
secretaires d'etät^ et Henry Pelham, premier commissaire de sa
tresorerie et chancelier et sous-tresorier de son echiquier; les-
quels apr^s avoir conferö ensemble sur les objets ci-dessus
mentionncs et s' etre entre-communiqu^ leurs pleinpouvoirs, sont
convenus des articles suivans.
L
Sa Mte r imperatrice, reine de Hongrie et de Boheme, en-
tretiendra pendant cette campagne un corps de cinquante mille
hommes de troupes regulieres aux Pais-Bas Autrichiens.
IL
Les dits cinquante mille hommes seront employös con-
jointement avec les forces de sa M^^ britannique et Celles des
etäts generaux ä y faire la guerre, soit defensive soit offensive
Selon les circonstances du töms, ä la France.
m.
Pour aider sa Mte T imperatrice reine k soütenir une si
grande depense, le roy de la Grande-Bretagne promet et s' en-
gage de faire payer ä sa dite Mte un subside de quatre cens
mille livres sterlin pour cette ann^e.
IV.
Cette somme sera pay^e dans la ville de Londres entre
les mains de la personne ou des personnes autoris^es par
r imperatrice ä la recevoir, un quartier payable le premier jour
de Juillet qui vient, et le reste ä cinquante mille livres par
mois jusqu' ä ce que le tout soit payö.
V.
Bien eatendu qu'il sera permis ä sa Mte' britannique de
rabbatre de la dite somme ä proportion de ce qu'il manquera
46*
ij^j^ 1^46 Juni 21.
d'hommes effectifs au nombre susdit de cinquante mille que
rimperatrice doit entretenir aux Pais-Bas, et que pour ßtre suf-
fisamment informöe de Y etat reel de ce corps le roy pourra les
faire passer eti revue de tems en tSms par un officier general
quMl nommera a cet effet.
VI.
En reconnoissance de cette assistance genereuse fournie
par sa Mte britannique pour la conservation des Pais-Bas Au-
trichiens et de tant d'autres secours re^us de sa part, sa Mte
rimperatrice s'engage envers eile de ne conclurre ni paix ni
treve ni tel autre accord que ce soit avec les ennemis com-
muns Sans y comprendre sa dite Mte, tant comme roy que
comme electeur, les etäts generaux et les autres puissances qui
luy sont alli^s et amies.
vn.
Ce traite sera ratifie par leurs dites Mtes, et les ratifica-
tions en seront ecbangees dans Tespace d'un mois ou plütöt,
si faire se peut.
vm.
En foy de quoy nous les susdits plenipotentiaires avons
soussignö le present traite de nos propres mains et y avons
appose les cachets de nos armes.
Faite ä Whitehall ce dixidme jour du mois de Juin, Tan
mil sept Cent quarante six.
L. S. J. Wasner. L. S. Hardwicke C.
L. S. Dorset P.
L. S. Holles Newcastle.
L. S. Harringtoii.
L. S. H. Pelham.
Comme par un traite conclü ä Hanovre le 8® jour du mois
de Juin de Tannee passc5e entre sa Mte' le roy de la Grande-
Bretagne et sa Mte la reine d' Hongrie, ä present imperatrice,
sa dite Mte I. s'est obligee a fournir au scrvice de sa Mte bri-
tannique un corps de huit mille hommes ä certaines conditions
qui y sont stipulees par rapport ä la paye et autres articles
concernant le dit corps de troupes, et comme il est arrive, ä
1746 Juni 21. '725
cause des difficultes qu'on a rencontrees ä faire les levöes ne-
cessaires pour completer le dits corps et h cause de la grande
desertion qui y est survenue, que le dit traitö n'a jamais 6t6
pleinement execute jusques icy de la part de sa Mt^ Timpera-
trice, et que toutes fois sa dite Mte s'est trouv^e necessaire-
ment chargöe de tr6s grandes depenses ensuit des engagemens
contractes par ce traitö lesquelles depenses il n' a pas et6 pos-
sible jusqu'icy de liquider entierement, ä quoi cependant on est
actuellement occupö, et sa dite Mt^ I. ayant souhait^ d' etre as-
sur^e de Tintention de sa Mt^ britaimique par rapport au rem-
bourssement des dites depenses, je sousignö declare par ordre
du roy mon maitre que sa Mte fera payer ä sa Mte Timpera-
trice reine tout ce qui se trouvera avoir 6t6 du ä sa dite Mte'
h compte du susdit traitö d^s son commencement jusqu'au der-
nier jour du mois de Decembre n. st. de V annöe passöe, dös
aussitöt que les demandes de sa dite Mte' l. pour ce terme au-
ront pü etre constatöes et liquidöes.
Fait h Whitehall le dixieme jour de Juin 1746.
L. S. Harrington.
Comme dans le trait6 de subside signö aujourd' huy de
la part de sa Mte' T imperatrice reyne et de sa Mte le roy de
la Grande-Bretagne ainsy que dans la declaration delivr^e en
meme tems par son excellence mylord comte d' Harrington au
soussignö ministre plenipotentiaire de leurs Mte's imperiales, tou-
chant le payement des arrierages de la Convention de Bruxelles
echus ä la fm de Yann6e demiere, il n'est fait aucune mention
de la Prolongation de la dite Convention de Bruxelles signöe
le ler de Juin 1745; le soussignö ne peut pas se dispenser de
r^iterer par le präsent memoire la declaration qu'il a faite ä
plusieurs reprises non seulement de vive voix par ordre ex-
prös de sa dite Mte' imperiale, mais aussy par un memoire de-
livr^ le 2/^3 d' Avril et par une lettre ecrite le ^/i« de May k sa
dite excellence mylord Harrington, ä s^avoir que les finances
de sa Mt^ Timperatrice reyne etant tellement epuisöes h ne
pouvoir suffire avec un subside de 400.000 livres Sterlings aux
depenses qu'exigent les eflforts qu'elle fait en Italie et aux Pa'is-
Bas, eile se trouvoit dans la necessitö de prier le roy et d'in-
sister que la Convention faite ä Bruxelles le ler de Juin 1745
726 1746 Aug. 31.
soit continuee jusqu'ä la fin de Tannee courante comme un
moyen de mettre sa Mte rimperatrice reyne en etat de com-
pletter d'abord et sans perte de tems les 6000 hommes qui
manquoient encore h ceux qui se trouvoient actuellement en
Flandres, conformement aux ordres donnes pour cet eflFet de-
puis quelque tßms et qu' on etoit occupe ä executer pour rendre
complets et effectifs les 50000 hommes ä mettre par sa Mte
cette campagne en Flandres, Timperatrice reyne a lieu de se
flatter que le roy par le grand zele qu'il a constamment te-
moigne pour le bien de la cause commune sera d'autant plus
porte ä deferer ä cette instance que les soins extraordinaires
et r empressement de sa Mte Timperatrice reyne pour l'avan-
cement du meme grand objSt ne sont pas moins connus que
Tepuisement entier de ses finances, et par consequent Tim-
puissance absolue oü sans ce secours eile se trouveroit ä son
grand regret et au pröjudice infmi des Operations de cette
campagne en Flandres d*y fournir et entretenir le nombre com-
plet de 50000 hommes qui ont ete demandös.
A Londres ce 10/21 de Juin 1746.
J. Wasner.
Provisiomilsubsidicnvcrtrag fischen Maria Theresia, Georg IL
und den Gencralstoiiten d. d. Haag 1746 Aug. ji und eine
Separaterklärung der kaiserlichen Gesandten d, e. d.^)
Rat, Georgs IL d, d. Kensington I/46 Sept. p\20 / Maria Theresias
d, d, Wien IJ46 Sept, ij ; der Generalstaaten d. d, Haag 1/4/
Marl 2ß.
Die Originale des Vertrages im Sf.-A, un.i R. O., die Originale der eng-
lischcn Ratifikation und jener der Generalstaaten sowie eine Kopie des ,f Acte se-
pare'* im St.-A., das Original der letzteren im R. A. im Haag; das Original
der Ratifikation Maria T/ieresia's im R. O,
Seit notoire ä tous ceux a qui il appartient que sa Mte
rimperatrice, reine de Hongrie et de Boheme, d'un cote et sa
Mte britannique et L. H. P. les etats generaux des provinces
*) Die informierende Einleitung :{u diese/n mit dem vorhergehenden in eng-
stem Zusammenhange stehenden Vertrage ist />. /2j/. gegeben.
1746 Aug. 31,
737
unies des Pais-Bas de Tautre, etant egalement convainciies du
besoin qu' ont leurs interets communs d' un renfort considerable
de troupes aux Pais-Bas, et sa M^e F imperatrice reine ayant
fait connoitre ä sa M^e britannique et k L. H. R qu'eUe etoit
prSte k fournir \m pareil renfort de ses propres troupes^ pourvü
qu'elle fut secourue d*un subside proportione de leur part; les
trois hauts contractans ont trouve convenable de regier et con-
stater cette affaire entr'eux par la presente Convention. Et ä
cette fin ils ont munis de leurs pleinpouvoirs ou authorisation
respectifs, savoir sa Mte T imperatrice, reine de Hongrie et de
Boheme, les sieurs Philippe des Ursins comte de Rosenberg,
baron de Lerchenau et GrafTen stein, seigneur de Sonneg, Greif-
fenburg, Keutschach, Gleis et autres lieux, conseiller actuel in-
time d'etat de leurs Mtes imperiales et grand maitre hereditaire
de Carinthie et leur minist re plenipotentiaire auprfes de L. H. P.
les seigneurs etats generaux des provinces unies des Pais-Bas,
Thadee baron de Reischach, seigneur de Immendingeu et de
Zimmerholz, chambellan de leurs Mtes imperiales et r03'ales,
conseiller de la regence de 1* Autriche anterteure et leur envoye
extraordinaire aupr^s de L. H, P. les seigneurs etats generaux
des provinces unies des Pais-Bas, d'une part; et sa Mte bri-
tannique le sieur Robert Trevor, son euvoyd extraordinaire et
plenipotentiaire aupres de L H. P, les seigneurs etats generaux
des provinces unies des Pais-Bas; et L. R R les seigneurs etats
generaux les sieurs^ le comte Etienne de Randwyck, seigneur
de Homoet et Gaemeren, Chevalier de T ordre de Taigle blanc,
grand seneschal juge et dyckgrave d'Oberbetuw^e, drossard de
la ville et baronnie de Breda, du corps de la noblesse de Guel-
dre du quartier de Nymegue; le comte Guillaume Bentinck, sei-
gneur de Rhoon, du corps des nobles de la province de Hol-
lande et de Westfrise; Guillaume Buys, premier secretaire des
etats de HoUande et de Westfrise; lienri van Hoorn, seigneur
de Warmenhuyse, Crabbendam et Schoorldam; Jaques Henri
comte de Rechteren, seigneur de Westerveid, chanoine de
Teglise collegiale de St Pierre, elu au premier membre des
etats de la province d' Utrecht; Sjeuck Gerrold Juckema de
Burmania baron Rengers, seigneur d* Oosterbroeck, grietman de
Franckeradeel; Boudewin baron Sloet, seigneur de Lynden-
horst, du corps de la noblesse de la province d'Overyssel;
Tjaard Adrian Gerlacius; tous deputez ä Tassemblee des dits
728 »746 Aug. ^i.
seigneurs etats generaux de la part des etats de Gueldre, de
Hollande et Westfrise, de Zelande, d' Utrecht, de Frise, d' O ver-
yssel, de Groningue et Ommelanden d'autre part.
Lesquels, aprfes avoir confer^ ensemble et s'etre communi-
que leurs pleinpouvoirs ou authorisation respectife, .sont con-
venus des articles suivans.
Sa Mt^ r imperatrice, reine de Hongrie et de Boheme, en-
tretiendra pendant cette annee aux Pais-Bas et fera agir, seit
offensivement soit defensivement, avec Tarmee alliee qui y est,
un Corps de vingt mille hommes de troupes regulieres au delä
de celuy de cinquante mille auquel sa Mt^ s'est dejä engag^e
en vertu de la Convention signee entre eile et sa Mt^ britanni-
que le lo Juin 1746. Et ce corps additionel sera composd des
regimens suivans; s^avoir d'infanterie de Charles de Lorraine,
Damnitz, Braune, Platz, Bareith, Uyvari; de cavallerie de Ba-
tiani, Lichtenstein, Wurtenberg, Dimar; de hussars Nadasti et
Kalnocki.
IL
Sa Mte Timperatrice, reine de Hongrie et de Boheme,
s'engage ä remplacer effectivement et sans perte de tems k
son armöe au Rhin par un nombre egal de troupes toutes celles
qu'elle en aura detachöes pour former le susdit renfort.
III.
Pour mettre sa Mte Timperatrice reine en etat de soutenir
une si grande depense, sa Mte le roy de la Grande-Bretagne et
L. II. P. les etats generaux promettent et s'engagent a faire
payer a sa dite Mte' un subside de cent cinquante mille livres
Sterling pour cette annee.
IV.
Cette somme sera portce les deux tiers par sa Mte' bri-
tannique et un tiers par L. II. P., la livre Sterling evalu(§e ä
onze florins argent de Hollande. Et pour subvenir d'autant
plus promtement aux besoins du Service commun, sa Mte bri-
tannique et L. H. P. feront payer aux ordres de sa Mt^ Tim-
peratrice reine (apres deduction faite des sommes dejä avancees
ä sa dite Mte) ä Londres et ä la Haye respectivement la moiti(5
1746 Aug. 31. 729
de leurs quote-parts immediatement apres la signature de la
presente Convention, et Tautre moitie dans un mois apres
Techange des ratifications.
V.
Bien entendu qu'il sera permis ä sa Mte britannique et
ä L. H. P. de rabattre du dit subside ä proportion de ce qui
manquera d'hommes effectifs au nombre susdit de vingt mille
hommes que sa Mte Timperatrice reine doit entretenir ä Tar-
möe alliöe aux Pais-Bas en vertu de la presente Convention.
Et pour Stre suffisamment informe de T^tat reel des re-
gimens susnommes composans ce corps, le roy et les etats ge-
neraux auront le droit et la facultö de les faire passer en revue
toutesfois qu'ils voudront par deux commissaires qu'ils nom-
meront ä cet effet
XL
Cette Convention sera ratifiöe par les dits hauts contrac-
tans, et les ratifications en seront echangöes ä la Haye dans
Tespace de quatre semaines ou plutöt, si faire se peut
En foy de quoy nous les susdits plenipotentiaires ou au-
thorises avons signö cette Convention et y avons fait apposer
les cachets de nos armes.
Fait ä la Haye le trente un du mois d'Aout de Tann^e
mille sept cent quarante six.
L. S. Ph. des Ursins C. de Rosenberg.')
L. S. Rob. Trevor.
L. S. Le comte de Randwyck.
L. S. Thadö le baron de Reischach.
L. S. W. Bentinck.
L. S. Willem Buys.
L. S. H. van Hoom.
L. S. J. H. comte de Rechteren.
L S. S. G. J. V. B. Rengers.
L. S. B. Sloet.
*) Die drei ersten Namen stellen im Or. nebeneinander ; Reischach unter
Rosenberg, die übrigen unter Randwyck.
730 «747 ^^^' '*•
Acte separe.
Comme la Convention signee aujourd' huy ne regarde quo
Cent et cinquante mille livres sterlins, les ministres soussignes
de sa Mte imperiale et royale ont juge ä propos d' y joindre la
declaration suivante, k S9avoir que les dits ministres ne sc de-
partent cependant pas par cette demande en aucune fa9on de
leurs instances faites par ordre exprfes de sa Mte pour la somme
entiere de 200000 livres sterlins, et se reservent expressement
la facultö de faire lä dessus s'il est besoin les demarches ul-
terieures qu'ils jugeront') necessaires, dans la ferme persuasion
que L. H. P. trouveront leurs instances pour le restant de 50000
livres sterlins d' autant plus fondees, que sa Mte britannique par
le consentement qu'elle y a dejä donn^e pour sa quotepart
en a recönnu pleinement la justice et la necessite et que sans
percevoir cette somme ce seroit une impossibilite absolue de
faire subsister les troupes de sa Mte imperiale. 2) Fait ä la Haye
le 31 d'Aout 1746.
L S. Philipp des Ursins comte de Rosen bcrg.
L. S. Thade baron de Reischach.
49.
Kofwentiofi ^iVischen Maria Theresia, Georg IL, Karl Enia-
nuel IIL von Sardinien und den Generalstaaten, betreffend den
Feld^ug des Jahres 1747; d. d. Haeig 1747 Jan. 12.
Rat, Georgs IL d. it. St James 1747 Februar 2SlMär{ 11 ; Maria
Tlieresias d, d, Wien 1747 Januar ßi ; Karl Emanuels d d. lurin
1747 Marl 24.
Die Originale der Konvention befinden sich im St,-A. und R, O., die der
sardinischen sowie der englischen Ratifikation im St.-A,, das Original der Rati-
fikation Maria Theresia' s im R, O.
Der Feld^ug des Jahres 1746 hatte — soweit er in den spanischen
Niederlanden ge fuhrt wurde — für die Verbündeten unglücklich begonnen
^) In der Wiener Kopie (Beilage \um Bericht vom 4, Sept. 1746) folgt
nach jug ront etre,
*) In der Wiener Kopie folgt auf imperiale aux Pais-Bas; es fehlt aber
dort die im Or, folgende Datierung,
1747 Jan. 13. 731
und war unglücklich fortgesetzt worden. Dem Falle Brüssels im Februar y
folgte im Mai der Antwerpens , in den Sommermonaten der von Mons
und Charleroi. Dann hatte es einen Augenblick den Anschein gehabt^
als wurden die Verbündeten sich aufraffen. Der Sieg bei Culloden,
der dem stuartischen Aufstande ein Ende machte, hatte es Georg IL
ermöglichty hessische und englische Regimenter nach den Niederlanden
{U dirigiren, und da auch aus Hannover Verstärkungen anlangten und
Maria Theresia durch den Sieg bei Piacen^a in die Lage kam neue
Truppen nach den Niederlanden marschieren j{u lassen, ^ählte das Heer
der Verbündeten gegen Ende Juli — es war die Zeit da Charleroi
von den Franzosen belagert wurde — an po.ooo Mann. Allein die
Hoffnungen der Verbündeten auf einen Erfolg wurden, nicht in letzter
Linie durch die Unfähigkeit Karls von Lothringen, der die Führung
der vereinigten Truppen übernommen hatte, grimmig enttäuscht. Der
Fall Namiirs am 20, Sept, und die Niederlage bei Rocoux am 11, Okt
waren schwere Schläge für Maria Theresia und ihre Bundesgenossen,
Sie mussten es als ein Glück betrachten, dass die Franzosen ihren Sieg
nicht ausnützten, vielmehr noch vor Beginn des Winters ihre Quartiere
belogen, Lhrem Beispiele folgten die Verbündeten, *)
Noch bevor dies aber geschah, hatte Maria Theresia, von der Be-
sorgnis erfüllt, England könnte sich ^u einem für Österreich ungün-
stigen Frieden mit Frankreich und Spanien verstehen, dem englischen
Könige mitteilen lassen, dass sie bereit sei, im folgenden Jahre den
Kampf gegen die gemeinsamen Feinde mit verstärkten Mitteln ^u führen;
und je bedrohlicher die Nachrichten aus London und aus Breda lau-
teten, woselbst ihre Verbündeten mit ihrem Feinde über die Herstellung
des Friedens verhandelten, desto entschiedener riet sie ^ur Fortsetzung
des Krieges. Wasner, der ihre Interessen am Londoner Hofe {« ver-
treten hatte, erhielt den Befehl, nichts unversucht {u lassen, um Georg II,
{u einen energischen Entschlüsse im Sinne der Fortführung des Kampfes
^u bewegen, ^) Allein es schien längere Zeit, als würden seine Bemüh-
ungen erfolglos bleiben, Harrington und Pelham geigten grosse Nei-
gung Frieden ^u schliessen und betonten insbesondere, dass England
ohne Sardinien, von dessen Abfall ^u Frankreich damals in London
als von einer wahrscheinlichen Sache gesprochen wurde^ den Kampf
V) Für den Feld{ug von 1746 und für die Situation \u Ende dieses Jahres
vgl, Arneth L c, II L 20g ff, ; Broglie Maurice de Saxe et Ic M*« d* Argenson
Paris i8pj L jopff,
') Weisungen Maria Theresia' s an Wasner vom September und Oktober
1746, St.'A,
^^2 1747 J^'** '2.
gegen die Boiirbonen nicht fortsetzten werde, *) bnter diesen Umständen
mtisste es Wasner als ein Glück ansehen^ dass der Herzog von New-
Castle^ mit der Möglichkeit der Fortsets^ung des Krieges rechnend, ihm
und dem Vertreter Sardiniens am englischen Hofe, Osorio, das Projekt
einer Konvention vorlas, kraft der sich die Verbündeten über den Ope-
rationsplan für das Jahr 174J einigen sollten. Newcastle versprach
seinen Entwurf, nach erfolgter Billigung desselben durch den König,
seinem Bruder Pelham und Harrington vorzulegen und, falls diese ein-
willigen sollten, Abschriften für Wasner und Osorio anfertigen j^u
lassen, damit die verbündeten Fürsten rechtsseitig Stellung ^u demselben
nehmen könnten.^) Es traf sich glücklich, dass gerade damals die Nach-
richt von dem Marsche der kaiserlichen Truppen nach der Provence
in London eintraf Sie erleichterte Newcastle seine Aufgabe, als er
am 2, Nov. dem Grosskan^ler, Pelham und Harrington das von ihm
verfasste Projekt eines Operationsplanes für das Jahr 1747 vorlegte.
Die beiden ersteren billigten seine Vorschläge , Harrington dagegen
halte viel aus{uset:^en, gab aber, als man ihm mitteilte, dass der König
sich bereits für das Projekt ausgesprochen habe, seine Einwilligung
{ur Übermittlung der Abschriften an Osorio und Wasner.^) Die For-
derungen Englands, soweit sie sich auf Österreich belogen, lauteten.-^)
Maria Theresia lässt in den Niederlanden eine Armee von ßoooo Mann
— ohne Einrechuung der Besatzungen im Luxemburgischen — kämpfen;
sie verpflichtet sich ferner eine gleich grosse Truppeniahl für den
Kampf in der Provence bereitiuhalteu und eine i^um Schutze Italiens
genügende Armee in der Lombardei ^^urück^ulassen. Als wünschens-
wert wird überdies die Aufstellung einer von Maria Theresia und den
Reichskreisen ^u stellenJeu Defensivarmee am Rheine bezeichnet, um
Frankreich z^r Detachirung eines starken Korps in diese Gegend -[//
nötig eil. Als Entschädigung für die erwachsenden Kosten wird Maria
Theresia eine Subsidie von ßoo.ooo Pfund St. angesagt. Georg IL ver-
pflichtete sich ferner ^4000 Mann für den Kampf in den Niederlanden
{ur Verfügung {u stellen und ^wei starke Flotten im nächsten Früh-
jahre ausfahren ^w lassen, von denen die eine die Operationen der ver-
einigten österre ichisch- sard in ischen Truppen gegen Frankreich fördern.
») Vgl. den Bericht Wasncrs d. d. i. Nov. 1746. St.-A.
2) Ebenda.
^) Bericht Wasners d. d. 4. Nov. J746. St.-A.
*) Das Projekt der Engländer übersandte Wasner am 4. Nov. Es liegt
im St.-A. als Betlage ;jw diesem Berichte Wasners.
1747 «^a^- ^^' 733
die andere die englischen Colonien in Amerika schüiien und die fran-
zösischen daselbst angreifen sollte.
Der König von Sardinien, auf dessen Mitwirkung die Engländer
so grosses Gewicht legten, sollte für die Stellung von joooo Mann
eine entsprechende Subsidie von England erhalten. Auch erklärte sich
Georg IL bereit, mit den Russen wegen Überlassung einer grösseren
Truppen:{ahl in Unterhandlungen ^« treten, freilich nicht, ohne ^u be-
merken, dass er, im Falle dieser Versuch gelingen sollte, die Mittel ^ur
Bezahlung dieser Soldaten nur durch Verringerung der für Maria
Iheresia festgesetzten Hilfsgelder auftreiben könnte. Die Zahl der
Truppen, die von den Generalstaaten beigestellt werden sollten, war in
dem Projekte, das Newcastle dem österreichischen Gesandten übergab,
nicht festgesetzt, doch erklärte der englische Minister im Gespräche,
er rechne auf 2ßOoo Mann von dieser Seite. Bei dieser Gelegenheit
betonte auch Newcastle, sein Herr habe seine Einwilligung ;(// diesem
Projekte nur in der Erwartung gegeben, dass Maria Tlieresia der
Designirung des Herzogs von Cumberland ^«/w Oberbefehlshaber der
vereinigten Armee in den Niederlanden ^«5/iV;/w^« werde.
Wie man sieht, war das Anerbieten der Engländer keineswegs ein
besonders günstiges für Österreich. In der Tat hatte Pelham in der De-
batte, die seitens der englischen Minister stattgefunden hatte, die Vermu-
tung ausgesprochen, Maria Theresia werde auf diese Bedingungen nicht
eingehen. Und wie wenig Newcastle selbst an einen Erfolg glaubte^ be-
weist wohl die Tatsache, dass er, um seinen Anträgen Nachdruck ^1/
verleihen, Wasner gegenüber hervorhob, Georg IL werde, falls Öster-
reich sich in den Hauptpunkten nicht fuge, mit Frankreich Frieden
schliessen, z^ gleicher Zeit aber Hoffnung auf Erhöhung der Subsidien
gab.^) Allein die Wiener Regierung, die nach wie vor den Standpunkt
vertrat, dass der Friede, falls Maria Theresia nicht Neapel und Sizi-
lien oder ein entsprechendes Aequivalent erhaltn — und es war keine
Aussicht vorhanden, dass dies geschah — das grösste Übel für Öster-
reich sei, erklärte sich nicht nur in allen Hauptpunkten mit dem eng-
lischen Projekte einverstanden, sie betonte vielmehr ihre Geneigtheit, in
den Niederlanden 60000 Mann kämpfen ^« lassen, an der Mosel ein
Observationskorps von 40000 Mann auf zustellest und ihre für den Krieg
in der Provence bestimmte Armee von ßoooo Mann ^w verstärken, falls
Sardinien, wie vorauszusehen, die joooo Mann nicht werde bereithalten
können. Und wefin auch die Subsidie von joo.ooo Pfund St. der
>) Bericht Wasners d. J. 4. Nov. 1746. St.-A.
«734 '7^7 ^^^' '2'
österreichischen Regierung überaus gering erscheinen musste, so er-
klärte sie trot\dem^ sich mit einer solchen — falls eine Erhöhung
nicht durchzusetzen wäre — begnügen ^// wollen^ um so den deut-
lichsten Beweis ^^i liefern, dass sie alles aufbieten wolle, um die ge-
meinsame Sache {u fördern. Aus demselben Grunde gab sie auch die
Einwilligung da^u, dass der Herzog von Cumberland, der in England
besondere Beliebtheit genoss und von dessen Feldherrntalente man seit
seinem Siege bei Culloden eine hohe Meinung hatte, den Oberbefehl
über die gemeinsame Armee in den Niederlanden erhalten und ihm
Graf Batthyany als Feldmarschall beigegeben werden sollte. Nur eine
Bedingung stellte Maria Tlieresia: auch England und die Vereinigten
Niederlande sollten sich {u einer Vermehrung ihrer Truppen in Belgien
bereit erklären ; sie wünschte, dass jede dieser Mächte 40000 Mann
bereit halten sollte, da sie mit einer Armee von ij 0.000 Mann den
Kampf gegen die bisher überlegenen Franzosen erfolgreich aufnehmen
ZU können hoffte,^)
König Georg IL und seine Minister {eigten sich äusserst ^w-
frieden gestellt, als Wasner ihnen von den Entschliessungen seiner
Herrin Kunde gab. Sie erklärten sich {ur Vermehrung der englischeti
Truppen auf 40000 Mann bereit und gaben Hoffnung auf eine Erhöhung
der Maria Theresia -{«^^t/</^Ä/^w Subsidie. Das von Wasner verfasste
Projekt erhielt ihre Billigung und wurde nach dem Haag Übersandt,
um den Generalstaaten ^«r Gutheissung vorgelegt ^u werden.^) Hier
war die Stimmung dem Unternehmen nicht so günstig wie in London.
Insbesondere die Provin^ Holland, deren Votum ausschlaggebend war.
Zeigte entschiedene Neigung mit den Feinden Frieden z^i schliesseu.
Als Lord Sandwich und Baron Reischach, die Gesandten Englands
und Österreichs, der :;wischen ihnen getroffenen Abrede gemäss, ^w
gleicher Zeit den Gene ml Staaten die Bitte ihrer Regierungen vortrugen,
den ihnen vorgelegten Operationsplan für das fahr 1^4/ >{« billigen,^)
lautete die Resolution der Provinz Holland, man sei bereit sich j(u
rüsten, aber auch fest entschlossen, alles ^« tun, um Frieden z^^
schliessen. Falls die Verbündeten ihre Hand dazu nicht bieten sollten,
würden die Generalsiaaten allein mit Frankreich verhandeln.^) Die
^) Weisungen an Wasner d. d. iS. Nov. 1746. St.-A. Es sind a Wei-
sungen, die eine als Antwort auf das Schreiben Wasners vom i., die andere auf
seinen Bericht vom 4. Nov.
*) Berichte Wasners d. J. a., 6. und i^, De{. 1746. St-A.
8) Bericht Beischachs d. d. p. De\. 1746. St.-A. (HolL)
*) Bericht Reischachs d, d. a8. De^. 1746. St-A. (Holt.)
1747 Jan. 12. 735
Verbündelen fügien sich; die Friedensverhandlungen wurden fortgesetzt ;
^u gleicher Zeit aber der Operationsplan fertig gestellt. Es gelang
rasch eine Einigung j^u erzielen. Die Generalstaaten erklärten sich
in der Resolution vom 57. De{. ly^ö bereit, ein Contingent von 40000
Mann ^u stellen und den Oberbefehl dem Herzoge von Cumberland -{«-
zugestehen. Nur verlangten sie, dass die Vereinbarung, soweit sie die
Vereinigten Niederlande betraf — in die Bestimmungen bezüglich Ita-
liens und der Provence wollten sie sich nicht mischen — in die Form
eines Konzertes, nicht in die einer förmlichen Konvention gehleidet
werde, da die Deputierten der einzelnen Provinzen ^M ^i^^^ solchen
keine Vollmacht besassen und die Ausstellung einer solchen längere
Zeit in Anspruch nehmen würde.^) Auch dieser Forderung stimmten
die Vertreter der Verbündeten bei. Es wurde der Beschluss gefasst,
die Konvention zynischen Osterreich, England und Sardinien abzufassen
und das von England und Österreich mit den Generalstaaten getroffene
Konzert derselben rechtsgiltig einzuverleiben,
Ende Dezember war alles j{ww Abschlüsse bereit. Der Herzog
von Cumberland drängte ^«r Unterz'sichnung^ damit das Parlament die
Subsidien bewilligen könne, ^) Baron Reischach erklärte sich einver-
standen, bestand aber darauf, dass England sich in der abzuschliessen-
den Konvention verpflichte, die versprochenen T^ei Dritteile der bei
Abschluss des Subsidienvertrages vom ßi, August 1^46 ;fw^^5J^/^n Sub-
sidienerhöhung im Beirage von ßoooo Pfund St, sofort ^« bezahlen und
den Generalstaaten z^r Leistung ihres Beitrages und ^«r Abführung der
aus diesem Vertrage restirenden Summen z^i^^sprechen, *) Nach Ordnung
dieser Angelegenheit stand der Unterzeichnung der Konvention nichts
im Wege, Am Morgen des 10, Januar wurde das z'^l^^hen den See-
mächten und Österreich geschlossene Konzert, am Abend desselben
Tages die Konvention z'^^^^^en Österreich, England und Sardinien
richtig gestellt.*) Am 12. Januar unterzeichneten die Vertreter Öster-
reichs und Englands die Konvention, Für den Grafen Chavanne, der
die Vollmacht des Königs von Sardinien noch nicht erhalten hatte,
wurde der Platz ^^^^ gelassen; er fügte seinen Namen am 22, Fe-
bruar bei,^)
*) Resolution der Generalstaaten d. d, 27, Dez, 1746 , als Beilage \um
Berichte Reischachs d, d, jo, De\, 1746, Si.-A, (Hall.)
•) Bericht Reischachs d, d, ßo, Dez. 1746, St.-A. (Holl,)
») Bericht Reischachs d. d. 7. Jan, 1747. St,-A, (Hall,)
*) Bericht Reischachs d, d, IT, Jan. 1747, St,-A, (Holl)
*) Vgl. die Klausel am Schlüsse der Konvention p, 7^1,
736^ »747 Jöii- i^'
Soit notoire ä tous ceiix ä qui il appartient que la Situa-
tion dangereuse et les circonstances critiques dans lesquelles
les affaires de la cause commune se sont trouvees jusqu'ici et
particulierement pendant les deux dernieres campagnes par un
effet des forces superieures de la maison de Bourbon exigeant
la plus serieuse attention de la part des puissances alliöes et
les plus amples precautions pour non seulement 6tre en ötat
d'y resister ä Tavenir, mais afin de pouvoir de plus reparer
les pertes pass^es et obliger les ennemis ä une paix juste et
stable, au cas que les Conferences indiquees ä Breda pour une
pacification generale se trouvent sans effet par une suite con-
tinu^e des difficultös et des obstacles que la France y a ap-
portes jusqu'ä present; sa Mte britannique toüjours attentive
au salut de rEurope et au bien de la cause commune, ayant
particulierement ete frapp^e de la necessite et de Timportance
de ces memes precautions, a crü ne pouvoir mieux et plus
sürement y parvenir qu'en proposant ä ses alli^s, sa Mte Tim-
peratrice reine, sa Mte le roy de Sardaigne et les etats gener-
aux des Provinces-Unies, d'entrer dans uns concert entre eux
pour faire les preparatifs les plus efficaces, afin de mettre de
bonne heure de grandes arm^es en campagne et en ötat d' agfir
vigoureusement dez le commencement du printems.
Sur la proposition que sa Mte britannique en a fait faire
aux cours respectivcs, les trois premieres puissances ont due-
ment autorise Icurs ministres respectifs, savoir sa Mte Tim-
peratrice - reine d'Hongrie et de Boheme les sieurs Charles
comte de Bathyany, seigneur hereditaire de Gusing et des sei-
gneuries de Sicklos, Bolya, Mosgo et Ysock en Hongrie, de
Neuhoff et Göteniz en Boheme, supreme comte hereditaire de
la comte d'Eysenburg etc., chambellan et conseiller intime ac-
tuel de leurs Mte's imperiales, viceroy de Dalmatie, Croatie
et Esclavonie, veld-marechal, colonel d'un regiment de dra-
gons, general commandant les trouppes imperiales aux Pais-Bas,
ministre plenipotcntiaire de sa Mte Timperatrice et reine d'Hon-
grie et de Boheme pour le gouvernement general des dits Pais-
Bas; Ferdinand comte de Harrach, conseiller d'etat de leur
Mtez imperiales, marechal et colonel du pays de la basse Au-
triche et ministre plenipotentiaire de sa Mte' V imperatrice, reine
d' Hongrie et de Boheme, aupr^s L. H. P. les seigneurs etats
i747 Jai^- 'i- 73']/
des Provinces-Unies et au congres de Breda ; et Thadee baron de
Reischach, seigneur d' Immendingen et de Zimmerholz, chambel-
lan de leurs Mtez imperiales et royales, conseiller de la regence de
r Autriche anterieure et leur envoye extraordinaire aupres de L.
H. P. les seigneurs etats generaux des provinces unies des Pais-
Bas; sa Mte le roy de Sardaigne le sieur Joseph Borrö comte
de la Chavanne, ministre de sa dite Mt^ auprfes L. H. P. les etats
generaux des Provinces-Unies et son ministre plenipotentiaire
au congrfes de Breda ; et sa Mt^ le roy de la Grande-Bretagne
Jean comte de Sandwich, vis-comte Hinchingbrook, baron Mon-
tagu de St. Neotte, un des seigneurs de Tamirautö et ministre
plenipotentiaire. de sa Mte britannique aux etats generaux des
Provinces-Unies et aux Conferences de Breda, pour dresser et
signer une Convention qui constate les forces et trouppes qu'-
elles devront chacune fournir pour composer deux arm^es,
Tune destinöe ä agir dans la partie meridionale de la France,
et une autre superieure ä celle de France pour ^tre employee
aux Pais-Bas, et les subsides pour les mieux mettre en 6tat
de Texecuter.
1.
A ce dessein et pour remplir ce plan les susdits ministres,
aprfes avoir conferö ensemble sur les objets cy-dessus men-
tionn^s et s'etre entrecommuniquö leurs pouvoirs, sontavant tou-
tes choses convenus au nom de leurs souverains respectifs que
toutes les Conventions et traittös cy-devant conclus entre les
trois puissances ensemble ou separement et qui sont encore ac-
tuellement en vigueur et auxquels Ton n'a point deroge par
la presente auront leur plein et entier effet et seront recipro-
quement executös et accomplis dans toute leur ^tendue.
n. ,
Comme les ministres de sa Mte imperiale et royale et de
sa Mt^ le roy de la Grande-Bretagne sont entrös lä dessus
prealablement en concert avec les etats generaux des Provinces-
Unies des Pa'is-Bas, le resultat des Conferences tenues ä ce sujet
entre les dits ministres et les deputös des etats generaux qui
se trouve iftser^ de mot ä mot dans cet acte aura la mfime
force que les autres articles du present traitt^ dans tout ce qui
concefne leurs cours respectives.
Österrdchisch-englische SUatsverträge. Bd. J. 47
738 1747 Jan n.
Resultat des Conferences entre les ministres de sa Mte Tim-
peratrice, reine de Hongrie et de Boheme, de sa Mt^ britannique
et les deputös de L. H. P.
I.
Comme jusqu'ici les Pa'is-ßas n'ont pü resister ä la su-
perioritö des armes de la France et qu'il est essentiel k Tin-
terßt de la cause commune de pourvoir ä leur süretö aussi bien
qu'ä la defense des Provinces-Unies, on estconvenu de mettre
en campagne pour cet effet une armöe de cent quarante mille
hommes la quelle arm^e sera compos^e des contingents suivants.
Celuy de sa Mte Timperatrice reine k soixante mille hom-
mes outre encore dix mille hommes que sa Mt^ imperiale en-
tretiendra de plus dans les Pais-Bas pour pourvoir ä la sürete
de Luxemburg.
Celuy de sa Mte britannique est fix6 k quarante mille
hommes y compris les trouppes hanovriennes et hessoises.
L. H. P. prepareront pour leur contingent pour etre Joint
ä Tarmöe alliöe comme des trouppes auxiliaires le nombre de
quarante mille hommes y compris les troupes bavaroises. Du quel
nombre de quarante mille hommes marcheront trente et cinq
mille pour se joindre k Tarm^e combin^e aussitöt qu'elle se ras-
semblera, et les autres cinq mille aussitöt que Tarmöe assembl^e
sera trouv^e superieure et 6tre la premiere en campagne et qu'on
pourra par consequent s'en passer avec süretödans les gamisons.
2.
Pour remplir les contingents susdits, les soixante mille
hommes de sa Mte r imperatrice-reine seront composös des re-
gimens et des bataillons et escadrons suivants.
Nombre et noms des regimens d'infant.
Comp.
de grenad.
Battns
Hommes.
Charles Lorraine
2
3
2300
Vieux Königsegg
2
3
2300
Arenberg
2
3
2300
Los Rios
2
3
2300
Waldeck
2
3
2300
Wurmbrand
2
3
2300
Botta
2
3
2300
Damnitz
2
3
2300
Salm
I
2
1500
1747 Jan. 12.
739
Broune
2
3 2300
Gaisrug
2
3 2300
Wolfeiibuttel
2
2 1600
Platz
2
3 2300
Bayreuth
2
3 2300
Uyvary
—
3 2250
Bethlen
—
3 2250
Haller
—
3 2250
Trenck
2
3 2300
Ligne
2
2 1600
JI
54 41350
Nombre et noms des regimens de cavallerie
Esc.
Hommes.
Althann
1000
Liechtenstein
1000
Bathiany
1000
Styrum
1094
Ligne
1094
Wiirtenberg
1000
HohenzoUem
1000
Diemar
1000
Birckenfeld
1000
Bentheim
1000
70
IO188
Nombre et noms des regimens hussards.
Esc.
Hommes.
Ghylany
1300
Nadasty
1300
Karoly
1400
Esterhazy
1400
Belesnay
1300
Kalnocky
1300
3 Josikaise comp. dV
augmentation
300
31
8300
Item 4 comp, franches ä pied de
600
Faisant
en tout
Comp, de grenadiers.
ßatt. et Esc.
Hommes.
Chevaux.
Infanterie 31
54
41350
Cavallerie
70
IO188
IO188
Houzards
31
8300
8300
4 Comp, franches
600
Total 31
155
60438
18488
47*
^40 «?47 •'an. 12,
Comme parmi les battaillons et escadrons cy-dessus spe-
cifies il y en a qui sont prisonniers de guerre k savoir:
Noms des regimens. Comp, de grenadiers. Batt. Nombre d'hommes.
Vieux Königsegg i 700
Arenberg i 700
Los Rios I I 800
Salm I 7J0
Ligne avec deux
compagnies de fusiliers 2 i 1180
En tout 3 5 4080.
on est convenu que, si contre toute attente les dits prisonniers
de guerre ne seroient pas echangös dfes-aussitöt, sa Mte' Tim-
peratrice- reine fera actuellement les dispositions necessaires
pourqu'ils soient suplös ä tems par un pareil nombre de croates.
Les dix mille hommes que sa Mte' Timperatrice entretiendra
de plus dans les Pais-Bas pour pourvoir ä la süreteJ de Luxem-
bourg seront compos^s des bataillons et des compagnies de
grenadiers suivants.
Noms de regimens.
Comp.
de grenadiers.
Batf».
Hommes.
Priö
2
3
2300
Ligne
I
700
Salm
I
I
800
Wolfenbuttel
I
700
Arberg
2
4
3000
Nouveau Wallon
2
3
2300
7 13 9800
Les quarante mille hommes de sa Mte britannique seront
composes des bataillons et escadrons suivants.
Nombre et noms des bataillons. Nombre d' hommes.
Un bataillon de Wolfe
780
»
Graham
780
i>
Pultney
780
»>
G Howard
780
»
Grawfurth
780
>»
Douglas
780
»
Johnson
780
»
second bataillon du pre-
mier regiment des gardes
891
»
second bataillon du trois-
sifeme regiment des gard.
891
1747 ^^^' '2.
741
Un bataillon Scots fusiliers
780
„ Welsh fusiliers
780
„ Dejean
780
„ Conway
780
Artillerie cinq compagnies
500
Compagnies independantes
300
11163
mbre et noms des escadrons.
Nombre d'hommes
et chevaux.
3 escadrons de Stair
505
„ Rothes
505
„ Cope
505
„ de Riebe
505
• „ de son altesse le duc de 405
Total 13587 Anglois.
2425
Troupes hannovriennes.
Nombre et noms des bataillons. Nombre d-hommes.
2 bata
illons de gardes
„ de Campen
„ Sommerfeld
1624
tf
Druchleben
»»
Klinkostrom
j
Zastrow
y
Block
1
>
Sporeken
Borch
ä 814
Fruydeman
Hörn
y
Hugo
Oberg
Cheuses
y
Munchow
ArtiUe]
rie
385
I34IO
742
1747 Jan. 12.
Nombre et noms des escadrons. Nombre d'hommes.
2 escadrons du corps
359
»
de Schnitzen
359
>»
Montigni
359
1*
Hammerstein
359
i>
Behr
359
j>
Wreden
359
»
Hardenberg
359
»
Pont-Pietin
715
»
Wendt
715
»
Adelebsen
7^5
4658
Total 18068 Hanovriens.
Troupes hessoises.
Nombre et noms des bataillons. Nombre d' hommes»
I bataillon grenadiers
800
»
gardes
800
»>
Prince Frederik
800
)}
Prince Maximilien
800
«
Mansbach
800
n
Donep
800
Artillerie
120
7920
Nombre et noms des escadrons. Nombre d'hommes.
2 escadrons du corps
300
»
Prince Maximilien
300
»
Cressendorff
300
n
Yssenburg
300
Hussards
60
1260
Total
6180 Hessois
Total 37855
Encore 4 bataillons soit anglois soit ha-
novriens qui seront nommes au plütöt pour
etre prets au i de Mars ä 780 chacun 3120
Total general 40975
NB. 11 sc pourroit qu'il sc fit quelque change-
ment dans la designation des bataillons ou esca-
drons, mais le nombre d'hommes restera toujours
de mcmc.
1747 J^n. 12. »7^3
Les quarante mille hommes de L. H. P. seront composes
des bataillons et escadrons suivants.
Nombre et noms des bataillons. Nombre d^ hommes.
3
bataillons Bavarois
2349
3
»
99
2349
I
»
Gardes
900
2
»
de Colyear
1720
»>
de Stuart
860
19
99
860
»
de Majoribancks
860
»
99
860
3
l>
suisses de Hirzel
2400
»
de Nassau Stadhr Gelrc
860
>1
Constant
800
»9
Planta
800
»
de Sturler
800
2
n
Nassau Stadhr Frise
1720
2
»
de Waldeck
1720
2
»
Saxen-Gotha
1720
»
de la Lippe
860
»
de Bunnania
860
>•
de Braauw
860
»
de Reede oudshoorn
860
n
de Gadelliere
860
»
de Croy6
860
9»
de Lewe
860
99
d'Eck de Panthaleon
860
99
de Villattes
860
99
de Brakel
860
36 30178
Nombre et noms des escadrons. Nombre d^ hommes.
Dragons 5 escadrons gardes dragons 810
5 „ de Slippenbach 810
5 „ de Saxen-Gotha 810
15 chaque esc. ä 162 chevaux 2430
.744
.1747 Jan. 12.
Nombre et noms
► des escadrons. Nombre d'hommes.
Cavallerie 3
esc. gardes 558
3
„ Hessen -Philipstai 558
2
„ de Birkenfeld 372
2
„ de Hop 372
2
„ de Schack 372
2
„ de Ginkel 372
2
„ de Nassau Stadh"* Frise 372
2
„ du feu prihce de Hes-
sen Hombourg 372
2
„ de Lynden 372
2
„ de Buys 372
2
„ de Schagen 372
2
„ de Rechteren Over-
yssel 372
I
„ du comte Maurice 186
I
„ de Rechteren Zelande 186
I
„ de carabiniers 186
44 esc. chaque esc. ä 186 chev. 7824
Hussards 4 escadrons 800
Faisant en tout:
Infanterie 36 bataillons 30178
Cavallerie 44 7824
4 escadrons d'houssards ' 800
4 compagnies franches 650
Artilleristes 6öo
Total 40052
3-
Las dits contigents devront etre prets ä pouvoir etre as-
sembles pour former V armee alliee au plustard pour le prämier
de Mars prochain, bien entendu que sa Mte T imperatrice-reine
tiendra pour cet effet pret de son contingent le nombre effectif
de cinquante mille hommes pour le dit premier de Mars, et le
surplus de dix mille hommes sera fourni par sa dite Mte dans
le courant du mois d'Avril prochain au plus tard.
4.
Conformement aux offres faites par les ministres de sa
W^ Timperatrice- reine de faire verifier le nombre effectif des
1747 ^^^' »*• 745
troupes qui doivent former le contingent de sa dite Mte, on
foumira de tems en tSms k sa Mte britannique et k L. H. P.
des tabelles authentiques sign^es par le general commandant
imperial tant pour les recrues, ä mesure qu'elles arriveront,
que pour faire savoir la force reelle du dit contingent soit en
hommes soit en chevaux qui se trouveront actuellement pre-
sents et sur les lieux.
Et pour constater d'autant mieux la chose, sa Mte bri-
tannique et L. H. P. auront la facult^ de pouvoir, soit ensemble
soit separement, en faire le denombrement aussi souvent qu'-
elles le trouveront k propos par deux ou plusieurs generaux
qu'elles nommeront ä cet effet, bien entendu que sa Mte rim-
peratrice aura la mgme facult6 par rapport aux trouppes alliöes,
si sa Mt^ imperiale Texige.
5. '...'.. .
Outre les dits contingents destines pour Tarmöe combinöe
des alliös, les garnisons devront Stre pourvues par les puissances
respectives aux quelles les villes ou places appartiennent,
tellement pourtant qu'il en sera form6 des listes qui seront
remises de tßms en tfims au general en chef qui commandera
Varm6e combinöe, et si la necessitö d^mandoit que les garni-
sons fussent renforc^es, cela se fera hors des trouppes de l'ar-
möe combin^e qui sont k la puissance k laquelle les villes ou
places appartiennent.
6.
Comme le commandement en chef de Farmöe des alliös
aux Pais-Bas est defere par sa Mte' imperiale Ja reine de Hout
grie et de Bpheme, sa Mte' britannique et L. H. P. k son altesse
royale le duc de Cumberland, on est convenu des articles sui-
vants pour servir de reglement ä ce sujet.
Articles pour le commandement de Tarmöe alliöe.
I.
Le commandement en chef de Tarmee des allics aux Pais-
Bas ötant defer^ par sa Mte' imperiale la reine de Hongrie et
de. Boheme, sä Mte britannique et L. H, P. k son altesse royale
le duc de Cumberlapd, les generaux et les troupes qui com-:
746 '747 Jan. 12.
poseront cette armde seront pendant la campagne prochaine
sous les ordres de son altesse royale.
3.
Le general commandant en chef prendra dans tout ce qui
regarde les Operations de la guerre et le bien de la cause com-
mune Tavis du premier general de chaque corps des trouppes
allides qui sont sous ses ordres, lesquels generaux pourront
prendre sur les matieres proposöes Tavis des generaux des
memes troupes ^tant sous leurs ordres toutes les fois qu'ils le
trouveront necessaire.
3-
Lorsque le general commandant en chef trouvera ä propos de
convoquer un conseil de guerre, ce conseil sera composö des
generaux ou officiers de chaque nation du mdme rang.
4.
Les ordres que le general commandant en chef donnera
aux trouppes qui composeront l'armöe combin^e s'addresseront
directement au general de chaque corps qui le commandera,
autant que le service pourra le permettre,
5-
On laissera aux generaux de chaque corps le detail de
leurs trouppes.
6.
Les trouppes des differentes nations de Tarmee combinee
seront traittes par rapport au service sur le meme pied, et joui-
ront ögalement des quartiers et autres avantages.
7-
Par rapport au rang et Services des generaux et autres
articles semblables on suivra ce qui a eti pratiqu^ dans la
guerre finie par la paix d' Utrecht.
8.
Le dit general commandant en chef ira de concert avec
le general commandant des trouppes des etats generaux des
Provinces-Unies ä Tarm^e alli^e en tout ce qui regardera la
suTet6 des frontieres de la repubhque, et trouvant ä propos de
1747 Jan. 12. 747
tirer des trouppes de sa Mte imperiale ou de sa M^^ britanni-
que hors des places de Tetat, oü elles sont presentement ou
dans lesquelles elles seront re^ues cy-aprfes, n' envoyera pas les
ordres et patentes directement aux officiers commandans des
regimens ni meme aux gouverneurs des places, mais les ad-
dressera aux etats generaux, afin qu'ils y joignent leurs paten-
tes dans la forme ordinaire, quand il s'agira de tirer des troup-
pes hors des places du Braband et de Flandres qui sont de la
souverainetö des provinces unies. Mais lorsqu'il s'agira de les
tirer des places qui sont situöes dans les dites provinces, il
faudra une patente des etats de la province outre celle des
etats generaux, et les trouppes susdites seront oblig^es de suivre
dans leur marche les ordres contenus dans les patentes et les
routes qui leur seront donn^es.
9-
Pareillement les trouppes de sa Mte imperiale ou de sa
Mte britannique ne pourront entrer soit dans les dites places
de Braband ou de la Flandre ou dans celles qui sont situ^es dans
les Provinces-Unies ni mSme entrer dans leur territoire sur
les seuls ordres et patentes du dit commandant en chef, mais
il faudra de semblables patentes que dans Tarticle pr^cedent,
except^ qu'il suffira d'un ordre du general commandant les
trouppes de Tetat ä Tarmöe pour les faire recevoir dans les
places qui seront menacöes de siege, dans lesquelles il faudra
jetter du monde sans avoir le tSms d'öcrire k la Haye.
10.
Les trouppes de sa Mte imperiale ou de sa Mte britanni-
que, etant en garnisons dans les places des Tetat, feront en
entrant le serment suivant le formulaire inserd ä la fin de celle-
ci et obeiront aux ordres des gouverneurs ou des . officiers com-
mandants en tout ce qui regarde le Service, sans que les dits
gouverneurs ou commandants pourront se mßler de leiu* detail.
II.
On traittera les trouppes de sa Mte' imperiale et de sa
Mte britannique, ^tant en garnison dans les places de Tetat,
de la meme maniere et sur le meme pied que les trouppes de
retat
•748 »747 ^^^' '»•
12.
Vers la fm de la campagiie on reglera les quartiers d'hy-
ver d'un commun accord, et les trouppes ne se separeront
point pour aller aux quartiers d'hyver sans un consentement
mütuel.
Formnlaire de serment.
Nous proraettons et jurons que nous servirons fidellement
les etats generaux des Provinces-Unies et les etats de chaque
province (sauf neanmoins le serment de fidelitö que nous avons
prßt^ k sa Mte imperiale ou ä sa Mte britannique) pendant tout
le tSms que nous serons en gamison dans la ville de et
la defendrons contre tous ceux qui voudroient entreprendre
quoi que ce soit contre la süretö, sans que nous ferons le
moindre tort ou dommage aux bourgeois ou habitans, et qu'en
general nous nous comporterons comme il convient ä des of-
ficiers et soldats d'honneur et de valeur.
m.
Sa Mte rimperatrice fournira outre ce qui est dit dans le
resultat pr^cedent un corps de soixante mille hommes eflfectifs
qui agira dans la partie meridionale de la France, et sa Mte le
roy de Sardaigne aura un corps de trente mille hommes eflfec-
tifs qui agira conjointement avec Tarm^e imperiale en France.
IV.
Sa Mte rimperatrice et sa Mte' le roy de Sardaigne entre-
tiendront en outre un nombre süffisant des trouppes en Italie
pretes et en etat d*agir pour que les possessions de leurs Mtez
soient ä couvert et que le roy d* Espagne aye lieu de craindre
une entreprise prochaine pour les royaumes de Naples et Sicile
en cas que sa Mte' catholique ne fasse pas la paix avec sa Mte
imperiale et ses allies, bien entendu qu'en tout cas on ne di-
minuera pas le nombre de soixante mille imperiaux et trente
mille piemontois qui doivent agir comme il est dit cy-dessus
en France. Sa Mte britannique fournira le nombre de trente
vaisseaux de guerre qui agiront pour seconder et appuyer les
Operations de V armee combinee pour tout ce qui peut favoriser
les interets des allies dans la partie meridionale de la France
1747 Jan. 12. 749
et sur les cötes de 1' Italic; et sa Mte le roy de Sardaigne s'en-
gage d'employer ses galeres ä favoriser ces memes objets. Sa
Mte Timperatrice constatera ä ses alliös le nombre de ses troup-
pes dans la partie meridionale de la France de meme que de
Celles qui resteront en Italie par la communication des tabelles
authentiques signees par le general commandant, oü le nombre
des trouppes tel qu'il a 6t6 au mois d'Octobre passe sera mar-
que, et on demontrera par les tabelles authentiques les augmen-
tation et recrues faites par la suite que le nombre qui manquoit
au mois d'Octobre a ^t^ rempli et remplac6 effectivement. Et
sa Mte le roy de Sardaigne s' engage h la reciprocite h V egard
de ses trouppes.
V.
Pour aider sa Mte' T imperatrice-reine h soütenir une si
grande depense et pour la mieux mettre en ötat de faire les
susdits efforts et de remplir ses engagemens, sa Mte britanni-
que s' engage de faire payer ä sa dite Mte un subside de qua-
tre cens mille livres Sterlings pour cette annöe.
VL
Cette somme sera pay^e dans la ville de Londres entre
les mains du sieur de Wasner, ministre de sa Mt^ imperiale,
ou de la personne ou des personnes autorisöes par Timpera-
trice h la recevoir. On en payera le 24. de ce mois cent cin-
quante mille livres Sterlings pour mettre les trouppes de sa Mte'
imperiale en 6tat d'agir au terme fix6 du premier de Mars et
du courant du mois d' Avril, et on continuera ä payer le demier
de Fevrier cinquante mille livres Sterlings, le demier de Mars
cinquante mille livres Sterlings et enfm le dernier d' Avril cin-
quante mille livres Sterlings. Le payement des demieres cent
mille livres Sterlings sera fait lorsque les soixante mille hom-
mes destinös pour la campagne des Pa'is-Bas seront declarös
complettes par les certificats des generaux nommös pour en
faire le denombrement, et au cas qu'ils ne le soient pas ä la
fm du mois d' Avril procbain, sa Mte britannique ne se trouvera
pas engag^e envers sa Mt^ imperiale ä un plus haute subside
que celui de trois cens mille livres Sterlings.
vn. ';
Et comme aussi sa Mte le roy de Sardaigne devra faire
de son cot6 des efforts extraordinaires pour fourair son con-
750 »747 Jan. 12.
tingent de trouppes dans Tarmee qui agira en France et un ou
plusieurs corps, comme il sera jugö plus avantageux au bien
des affaires, et pour avoir en mcme tems les trouppes neces-
saires pour Tltalie, aussi bien que Celles qui devront garder
ses frontieres tant du cote de la Savoye que du Dauphin^ sa
Mte britannique s'oblige de luy payer le subside de trois cens
mille livres Sterlings lequel luy sera comptö proportionnement
en avance, et dans les memes termes et avec les mSmes faci-
\\t6s promises ä sa Mte Timperatrice, et stipulöes dans la pre-
sente Convention par Y article sixieme.
vm.
Diverses provinces de la republique n'ayant pas encore
paye leiu" quotepart respective dans le subside de cent cinquante
mille livres Sterlings accordö par la Convention du 31. Aout
1746, sa Mte le roy de la Grande-Bretagne fera cause commune
avec sa Mte r imperatrice-reine pour porter ces provinces ä sa-
tisfaire incessament ä leur Obligation.
Sa Mte' britannique, ayant donnö son consentement ä la
Convention ulterieure pour un subside additionel de cinquante
mille livres Sterlings, fera payer des-ä-present ses deux tiers,
faisant trente trois mille trois cens trente trois et une troisieme
livres Sterlings, et s'employera efficacement ä engager la re-
publique ä terminer cette Convention au plütöt et ä payer avec
la mßme promptitude sa quotepart.
IX.
Ce traitte sera ratifie par leurs dites Mtez^ et les rati-
fications en seront echangees dans V espace de six semaines ou
plütöt si faire se peut.
En foy de quoy nous les susdits ministres avons signe le
present traittö de nos propres mains et y avons appose le ca-
chet de nos armes.
Fait ä la Haye le 12. du mois de Janvier de Tannöe 1747.
Charles comte Batthyany. De la Chavanne. Sandwich.
L. S. L. S. L. S.
L. S. Ferdinand comte de Harrach.
L S. Thade le baron de Reischach.
174^ Jan. 36. nc]
Pour eviter tout equivoque ä Toccasion des dates, il a
et^ jugö bon d'expliquer ici que, comme le sieur comte Borre
de la Chavanne ne s'est point encore trouvö muni des plein-
pouvoirs necessaires pour signer la presente Convention le
12. Janvier dernier, jour au quel eile füt souscritte par les au-
tres ministres des puissances contractantes 6t qu'il ne les a
refus de sa cour que quelque tems apr^s, il n'a pü par con-
sequent la signer et remplir le vuide laissö pour cet effet que
ce jourd'huy 22. Fevrier 1747.
Ferd. comte de Harrach. De la Chavanne. Sandwich.
50.
Konvention fischen Maria Theresia, Georg IL, Karl Emanuel
von Sardinien und den Generalstaaten, den Feld^ug des Jahres
1748 betreffend, samt einem Geheimartikel über die Armeelei-
tung, einem Separatartikel über die Ratifikationsauswechslung,
einer Erklärung der staatischen Vertreter über Artikel IV. des
Vertrages, sowie pveier Deklarationen des Vertreters Maria
Theresia' s; d, d. Haag 1748, Jan. 26.
Rat. Georgs IL d. d. St James 1748 Jan. aßl Februar ß/ des Geheim-
artikels d. d. 26. Jan.\6. Febr.; Maria Theresia* s d. d, Wien Febr. 12 ;
Karl Emanuels d. d. Turin 1748 Februar iß.
Die Originale der Konvention samt Geheim- und Seperatartikeln und Er-
klärung sowie die Kopien der Deklarationen im St.-A. und R. O. Die Originale
der sardinischen und englischen Ratifikation im St.-A., die Originale der Ratifi-
kation der Konvention etc. sowie des Geheimartikels durch Maria Theresia im R. O.
Drucke bei Bittner Nr. 941.
Der Feld^ug der Verbündeten in den spanischen Niederlanden
verlief im Jahre 1^4 J nicht günstiger als im Vorjahre.^) Statt der
140.000 Mann, die nach den getroffenen Verabredungen dem Feinde
begegnen sollten, waren :(u Beginn des Monates Mär{ kaum 100.000
unter den Waffen. Zwiespalt unier den verbündeten Mächten und
Meinungsverschiedenheiten unter ihren Feldherren übten auch diesmal
ihre nachteilige Wirkung auf den Gang der Ereignisse. Wiederum
über Hess man dem Feinde die Eröffnung der Feindseligkeiten und sah
") Vgl Broglie Maurice de Saxe et le M^* d' Argenson IL 198 ff.
n^2 174^ •^sn* 2^
ruhig in, wie dieser in raschem Anlaufe grosse Gebiete Hollands am
linken Ufer der Scheide in Besitz nahm. Und der weitere Verlauf
des Krieges, der Sieg des Marschalls von Sachsen bei Laveid am 2. Juli
und die Erstürmung Berg op Zooms um die Mitte September durch
die FranioseUy legte deutliches Zeugnis dafür ab, dass die Truppen
und die Feldherren der Verbündeten ihren Gegnern nicht gewachsen
waren, Dass diese wie im Vorjahre {eitig die Winterquartiere be:{0gen
und von einer vollen Ausnutzung ihrer Überlegenheit absahen, mussien
die Verbündeten auch diesmal als ein unverhofftes Glück anerkennen.
Wie begreiflich, bestärkte der unglückliche Gang der Kriegs-
ereignisse die {ahlreichen Friedensfreunde in London und im Haag in
ihrer Auffassung, dass an einen erfolgreichen Kampf gegen Frank-
reich und dessen Bundesgenossen nicht {u denken sei, und ermunterte
sie, ihre seit langem im Interesse der Herstellung eines Dauer ver-
sprechenden Friedens unter nommenenen Schritte fortzusetzen. Je sicht-
barer aber der Verlauf der an den verschiedenen Höfen Europa* s und
auf den Kongressen geführten Verhandlungen erkennen Hess, dass
Österreich die Kosten des Friedens werde Z'^hlen müssen, desto eifriger
war Maria Theresia darauf aus, ihre Verbündeten für die Fortset^^^mg
des Krieges ^u gewinnen. Schon im September 1^47 hatte sie durch
Wasner in diesem Sinne beim englischen Hofe anfragen lassen, wie
man sich die Führung des Kampfes in den Niederlanden im folgenden
Jahre vorstelle und ihrerseits weitgehende Rüstungen versprochen. Die
Antwort^ die dem Vertreter Maria Theresia' s zuteil wurde, z^^gl^ deut-
lich die Stimmung des Londoner Hofes und der englischen Regierung,
Lord Chesterßeld, der die Frieden spartei innerhalb der letzteren ver-
trat, wurde nicht müde von der Notwendigkeit des Friedensschlusses
ZU sprechen und von Osterreich neue Opfer -{// fordern, während der
Herzog von Newcastle, obgleich einem günstigen Frieden durchaus ge-
neigt, der Meinung Ausdruck verlieh, man möge sich rüsten, um den
Krieg mit Nachdruck weiter führen {// können, falls sich ein bil-
liger Friede als undurchführbar erweisen sollte, *) Wie Newcastle dach-
ten auch König Georg IL und der Herzog von Cumberland, Und da
die Friedensverhandlungen , die seitens der Engländer in den letzten
Monaten des Jahren 174/ im Vereine mit den General Staaten und
ohne diese nach allen Seiten hin geführt wurden, kein erwünschtes Re-
sultat versprachen, gewann die Kriegspartei in beiden Staat, n noch ein-
mal die Oberhand.
») Vgl, die Berichte Wasncrs d. d. 26. u. 2(j, Sept. 1747, St.-A.
1748 Jan. 26. "75^
5*0 leicht wie im Vorjahre erfolgte aber diesmal die Einigung
nicht. Das gegenseitige Misstrauen trat einer raschen Feststellung des
Operationsplanes für das Jahr 1748 hinderlich in den Weg, Eng-
land und Sardinien fürchteten, dass Österreich mit Spanien einen be-
sonderen Frieden schliessen wer de, ^) Österreich besorgte wider um ein
Separat abkommen der Engländer mit Frankreich, Da{u kam die ge-
ringe Geneigtheit der General Staaten für die Fortführung des Krieges,
der nun ihr eigenes Land bedrohte, beträchtliche Opfer 7{u bringen,
kamen die immer sichtbareren Differenzen irischen Maria Theresia
und dem Könige von Sardinien,^) Die Furcht, von dem Vertragsgegner
übervorteilt ^// werden und der Wunsch, sich gegen ein solches Ver-
halten durch möglichst prä^^ise Bestimmungen der geplanten Konvention
j{u sichern, gaben ^u langdauernden Erörterungen Anlass, auf die wir
in diesem Zusammenhange nur in aller Kür^e hinweisen können. Zu
Beginn des Monates November 174J legten die Vertreter Englands und
Österreichs, Lord Sandwich und Baron Reischach, im Haag — wo die
Beratungen stattfanden — ihre Projekte vor, nachdem sie bereits im
Laufe des Monates Oktober das Terrain sondirt und sich über die
Stimmung der General Staaten und des Oraniers orientiert hatten.^) In
den Hauptfragen bestand ^wischen ihnen keine Meinungsdifferen^, Sie
traten beide dafür ein, dass eine bedeutende Kriegsmacht ^u früher
Jahreszeit kampfbereit gehalten und dass, wie im Vorjahre, der Krieg
auch diesmal in den Niederlanden und in Italien \u gleicher Zeit ge-
führt werden solle. Es gelang daher auch unschwer, sich über die
') Vgl, dafür auch die Berichte Wasners vom Aug,'Okt. 1747 St-A, Der
König von Sardinien forderte sogar die Aufnahme einer Klausel in den ersten
Artikel der geplanten Konvention, der die früher geschlossenen Vereinbarungen
der Alliierten bestätigte, durch die Österreich und Sardinien erklären sollten ,
dass sie kein Bündnis mit einer feindlichen Macht geschlossen hätten, noch ohne
Teilnahme der Verbündeten ein solches eingehen wollten. Die Engländer, immer ge-
neigt , die WünscJie Karl Erna nu eis :[u erfüllen, forderten dringend von Wasner
und Reischach die Zustimmung ihrer Regierung (Bericht Reischachs anBatthyany
d. d. j, De^, 1747 und Wasners d. d, 10, Nov,J, standen aber davon ab, als
Wasner und Reischach ihre Zustimmung davon abhängig machten, ob alle
4 Mächte eine gleiche Erklärung abgeben würden. Vgl. den Bericht Wasners d. d,
22, De{, 1747 St'A, Da nun auch England sich dem Begehren Karl Emanuels
widersetzte, liess dessen Vertreter im Haag seine Forderung in der letzten Sit-
zung fallen. Vgl. den Bericht Reischachs d, d* 27, Jan, 1748 St-A, (HolL)
*) Vgl, Arneth l. e, IIL 29^ ff,
«) VgU die Berichte des Baron Reischach d, d, 4, u, 16, Nov, 1747 St,'A,
(HolL) Dem letzteren liegt eine Abschrift des englischen Projektes bei,
Österreichtich-englische Suatsverträge. Bd. I 4^
^54 '74^ •'3"« 26.
//ö7/^ der em{elncn Contingenie ^it einigen. Österreich, das sich kriegs-
fähiger erwies, als man in London nach den dort verbreiteten Gerüchten
von gänzlicher Erschöpfung dieses Staates erwartet hatte, verpflichtete
sich in den Niederlanden und in Italien je 60000 Mann ins Feld {u
stellen, überdies aber die j{um Schutze der Lombardei und der belgi-
schen Festungen nötigen Truppen bereit ^u halten. Die Contingente
der Engländer und die der General Staaten wurden einschliesslich der
ßöooo Mann russischer Truppen, deren Stellung Kaiserin Elisabeth in
dem am jo. Nov. 1747 mit den Seemächten geschlossenen Vertrage zu-
gesagt hatte, ^^ Auf je 66000 Mann festgesetzt y während der König von
Sardinien, wie im Vorjahre, ßoooo Mann {u den in Italien stehenden
Truppen Maria Theresia'' s stossen lassen sollte.^) Sobald aber die Ver-
treter der 4 Mächte, die sich ^um Kampfe gegen die gemeinsamen
Feinde einigen sollten, in die Verhandlungen über die Leitung dieser
Truppen, über die Termine der Bereithaltung, wie über die Kontrolle
des effectiven Standes derselben und über die Höhe und Zahlungsbe-
dingungen der von England ^u gewährenden Subsidien eintraten, geigte
sich^ wie weit ihre Ansichten von einander abwichen, wie sehr sie
sich gegenseitig beargwöhnten und wie gering ihre Neigung war, über
dem allgemeinen Interesse das eigene z^ vergessen.
Gleich die erste der erwähnten Fragen, die der Leitung der ver-
bündeten Truppen, gab Anlass ^« überaus heftigen Debatten und drohte
lange Zeit den Abbruch der Verhandlungen herbeizuführen. Wie wir
wissen, hatte Maria Theresia im Jahre 1141 ihre Einwilligung daj^u
gegeben, dass der Herzog von Cuniberland die Führung der in den
Niederlanden kämpfenden Armee erhielt und sie zögerte trotz der durch-
aus nicht einwandfreien Leitung dieses Feldherrn nicht, der Fortdauer
dieses Regimes das Wort >{// reden. Ganz anders der Generalstatt-
halter der Niederlande, Wilhelm IV., der nun, da der Krieg sich in
das Gebiet der Vereinigten Niederlande z^S> ^^'"^ Rechte als Heer-
führer geltend machte.^) Es bedurfte langer Verhandhingen, bis eine
*) Vgl. den Abdruck dieses Bündnisses u. a. bei Martens, Recueil des trat-
Us et Conventions, conclus par Ja Russie etc. IX (X), Nr. ^87, ^88 und ^8p.
*) Eine Schwierigkeit ergab sich bezüglich der von England im Mittelmeer
\ur Unterstützung der österreich-sardinischen Armee \u stellenden Schiffe. Die
Österreicher verlangten, belehrt durch die Erfahrungen des Jahres 1747, von den
Engländern, nebst den grossen, auch kleinere, für die dortigen Verhältnisse ge-
eignetere Schiffe, konnten aber ihr gerechtfertigtes Ersuchen erst nach längeren
Kämpfen Jurchset^en. Vgl. Berichte Wasners d. d. 17. Nov. //. /. De^. 1747
5/.-/1. (Angl.); Reischachs d. d. 16. Nov. 1747 und 27, Jan. 1748 St.-A. (Holl.J
^) Beischach berichtet wiederholt über den Stand dieser Frage u. a. 22. De^.
«74^ Jan. 26. «755
Einigung erhielt wurde, Sie fand ihren Ausdruck in einem Geheim-
artikel der Konvention vom 26, Jan. 1^48, in dem der Oberbefehl dem
Herzoge von Cumberland belassen, ^{ugleich aber betont wurde, dass
der Oranier, im Falle der Notwendigkeit einer Teilung der Armee, die
Führung des ^um Schutze der Republik bestimmten Corps übernehmen
und dass seine Nachgiebigkeit keineswegs {ii Eingriffen in seine Rechte
und Privilegien Anlass geben sollte. Unvergleichlich grössere Schwierig-
keiten ergaben sich aus dem Konflikte fischen Maria Theresia und
Karl Emanuel von Sardinien bezüglich des Kommando's über die in
Italien kämpfenden Truppen, Der letztere bestand auf das hartnäckigste
darauf, dass ihm die Führung über die gesamte Armee übertragen
werde, gleichgiltig ob sie nun einheitlich oder getrennt operiren würde,
während die erstere im Hinblicke auf die Ereignisse des Kriegsjahres
IJ4J und auf ihre Würde von einem derartigen Zugeständnisse nichts
wissen wollte. Mehr als ^ei Monate wurde in London, wie im Haag,
über diese Frage debattiert, die verschiedensten Projekte wurden ver-
fasst und wieder verworfen, bis sich endlich eine Form fand, mit der
sich die beiden Parteien einverstanden erklärten,^)
Eine andere Frage, bei deren Erörterung das gegenseitige Miss-
trauen der Verbündeten deutlich ^utage trat , betraf die Festsetzung
der Termine, :{u denen die Truppenkörper bereitgehalten werden sollten.
Jede der Mächte warf den anderen vor, im verflossenen Feld^uge
die gegebenen Versprechen nicht gehalten ^u haben und bestand auf
der Feststellung eines möglichst leitlichen Termines für das kommende
Jahr, Man einigte sich schliesslich dahin, die verschiedenen Armee-
corps längstens am i, Mär{^ bereit ^u halten. Nur der österreichischen
Herrscherin wurde im Hinblicke auf die grosse Entfernung und auf die
bedeutenden Rüstungen, deren sie bedurfte, gestattet, loooo von den
60000 Mann, die sie ^/ stellen hatte, erst im Laufe des April {u lie-
fern. Es wurde ferner ausdrücklich betont, dass man den See-
St-A, (Holl,) Wilhelm IV, gab nur sehr ungern seine Einwilligung, bestand aber
darauf, dass diese Bestimmung in einem geheimen Separatartikel ihren Ausdruck
fand, wo\u Lord Sandwich, der die Regelung dieser Frage im 5. Artikel der Kon-
vention befürwortete, erst nach längerem Zögern seine Einwilligung gab. Vgl,
den Bericht Reischachs d. d. ay, Jan, 1748 St-A, (Hall,)
') ^^l' f^^ ^i^ i^ dieser Frage gepflogenen Beratungen die Berichte
Reischachs d, d, 14, u. 2i,De\, 1747, i^., 17,, 21, u, 27, Jan. 1748 ; ferner den
Briefwechsel des Lord Sandwich und Reischachs mit Batthyany ; die Berichte
Wasners d, d, London to„ 17. Nov., i,, iß,, 22, De\. und die Weisungen an
diesen d, d, /j. Nov, und ap. De\, 1747, St-A,
48*
756 17483 Jan. 26.
mächten nicht den Vorwurf des Vertragsbruches sollte wachen dürfen,
falls die von ihnen gewonnenen russischen Truppen nicht am /. Märi in
den Niederlanden eingetroffen sein sollten. Grosse Schwierigkeiten ver-
ursachte die Forderung der Engländer, dass die Zahlung der von ihnen
der österreichischen Herrscherin zugesagten Subsidien von der Kontrolle
über die wirklich vollzogene Stellung der 120.000 Mann seitetts der
Österreicher abhängig gemacht werden und im Falle eines nachge-
wiesenen Manco's ein entsprechender Ab{ug erfolgen sollte. Maria The-
resia fand dieses Begehren mit ihrer Würde und ihrer Stellung schwer
vereinbar, fügte sich aber, als die Engländer die Zahlungsfristen kürz-
ten und das Versprechen gaben, es mit der Kontrolle, deren Feststel-
lung im Hinblicke auf das Parlament unentbehrlich sei, nicht so streng
nehmen ^« wollen.^) Gan^ besonders lebhaft wurde über die Höhe der
Subsidien zynischen den österreichischen und englischen Politikern ge-
stritten. Die erster en forderten 500,000 Pfund St., die let^^teren wollten
sich lu einer Erhöhung der im Vorjahre bewilligten 400.000 Pfund St.
nicht verstehen. Vergebens wiesen Wasner in London, Reischach,
Kauniti^ und Batthyany im Haag auf die bedrohliche Lage der öster-
reichischen Finanzen, auf die ungeheueren Auslagen Maria Theresia^ s
hin ; vergebens erbot sich die österreichische Regierung gegen Gewäh-
rung einer Subsidie von ßoo.ooo Pfund St. :{u den bereits bewilligten
Truppen 4 Kavallerieregimenter den Verbündeten j^ur Verfügung {//
stellen, die in erster Linie da^u dienen sollten, den Marsch der rus-
>) Vgl. die Berichte Wasners und Reischachs vom Nov. 1747 — Jan. I/48
und die entsprechenden Weisungen des Wiener Hofes. Es kam übrigens dann
doch {ti Differen\t'n. Der englische Herrscher weigerte die Auszahlung der let^-
tcn 100.000 Pfund St.y als sich herausstellte, dass Maria Theresia nicht 60000
Mann nach den Niederlanden gesandt hatte. Maria Theresia wies darauf hin,
dass sie durch den Abseht uss der Präliminarien (Ende April 1748) an der Ab-
Schickung der bereits geworbenen Ergän^ungstruppen gehindert worden sei. Es
kam \u lange dauernden Verhandlungen , die beim Abschluss des definitiven
Aachner Friedens noch nicht beendet waren. Im British Museum Add. ßsSiy
liegt ein Projekt einer ,,convention entre sa M*^ britannique et sa M*^ V imperatrice,
reine de Hongrie et de Boheme/* nach dem sich Georg //. \ur Zahlung der
100.000 Pfund St. unter der Bedingung bereit erklärt, dass die Summe lediglich
{ur Begleichung der Rückstände an die Ofß\iere und Soldaten verwendet werden
sollte, die in den Niederlanden gedient hatten, und dass Maria Theresia auf jede
weitere aus einem früheren Vertrage Jierrührende Forderung vernichte. Das Pro-
jekt ist undatiert, dürfte aber aus dem Ende 1748 oder Anfang 174^ stammen,
da der definitive Aachner Friede als bereits geschlossen bezeichnet wird und Maria
Theresia die Verpflichtung übernimmt , alle in demselben getroffenen Abma-
chungen {tt halten.
1748 Jan. 26. yc<y
sischcn Hilfstruppen ^u sichern. Die Engländer betonten, dass ihnen
die Absendnng dieser Reitertruppe überaus erwünscht wäre, dass sie
aber auf Kosten Maria Tiieresia's erfolgen müsste. Alle Bemühungen
Wasners, sie umzustimmen , blieben vergebens.^) So kam es, dass sich
Maria Iheresia, von den Verbündeten {um Abschlüsse der Konvention
gedrängt, entschloss, auch in diesem Punkte vorerst nachzugeben. Doch
überreichte Baron Reischach am Tage der Unterzeichnung der Kon-
vention dem englischen Gesandten, Lord Sandwich, eine Deklaration,
in der er hervorhob, dass seine Herrin die in dieser Frage gestellten
Forderungen durchaus nicht fallen lassen könne.^) In der That wurden
sie im Laufe des Winters und des Frühjahres 1748 in London er-
neuert und führten Anfang Mai ^/^ einer Ergänzungskonvention, durch
die sich Österreich z^ir Stellung der 4 Kavallerieregimenter, die See-
mächte z'*f Zahlung einer Subsidie von 100,000 Pfund St, — England
sollte ^1^, die Generalstaaten ^j^ davon übernehmen — verpflichteten,^)
Auch mit dem Inhalte des 6, Artikels, der den Transport der
Lebensmittel und die Magazine betraf und Österreich den Vereinigten
Niederlanden gegenüber Lasten auferlegte, ohne von den letzteren
gleiche ^« fordern, war Baron Reischach nicht einverstanden und be-
tonte in einer besonderen Deklaration die Notwendigkeit der Recipro-
cität,^) Die Vertreter der Generalstaaten widexum protestierten in einer
besonderen Urkunde gegen die Unbilligkeit, die nach ihrer Meinung
in dem Inhalte des 4, Vertragsartikels lag, durch den bestimmt wurde,
dass jede Verstärkung der Besatzungen in den vom Feinde bedrohten
Festungen nicht von der verbündeten Armee, sondern von der Macht
vollzogen werden sollte, der diese Orte gehörten,^)
Mitte Januar hatten sich die Gesandten der verbündeten Mächte
über alle Punkte der geplanten Konvention geeinigt; nur die Frage des
0 Vgl, insbesondere das Schreiben Batthyany*s an Reischach d. d, ly, De\.y
die Berichte Reischachs d. d, 20, und 2j, Jan, 1748 und jene Wasners d, d,
10, Nov., I. und ip, DeZ'
*) Vgl. den Abdruck im Anhange \ur Konvention vom 26. Jan, 1748
p, 768,
•) ygl» Nr, LI. />. 76g ff,; für die weiteren Verhandlungen in dieser Frage
die Berichte Reischachs d, d, 6, Mär\ und ^, Mai 1748 St.-A, (Hall,)
*) Vgl, den Abdruck im Anhange ^ur Konv, vom 26, Jan. 1748 p, 767 ;
für die Verhandlungen in dieser Frage das Schreiben Reischachs an Batthyany
d, d, 21, Dei, 1747.
*) Vgl. den Abdruck im Anhange ^ur Konv, vom 26. Jan. 1748 p, 767 ;
für die Verhandlungen in dieser Frage den Bericht Reischachs d, d. 27, Jan.
1748 St.'A. {Holl.J
ycS 1748 Jan. 26.
Kommaiido's in Italien war noch ungelöst, Baron Reischach schlug,
einen Gedanken Wasners aufnehmend,^) den Engländern vor, die Unter-
{eichnung der Konvention ohne Sardinien vorzunehmen und diesem den
Beitritt nach erfolgter Vere'nbarung in der Kommandofrage mit Maria
Theresia offen ^u lassen,^) Da erklärte Lord Sandwich, dass England
ohne Sardinien den Vertrag nicht unter:{eichnen wer de, ^) während Graf
Chavanne, der Vertreter Karl Emanuels, betonte, dass sein Herr, selbst
auf die Gefahr hin unsagbares Unheil über seine und der Verbündeten
Staaten heraufzubeschwören, von seiner Forderung niemals abstehen
werde. Unter diesen Umständen entschlossen sich die Bevollmächtigten
Maria Theresia* s, durch die ihnen zugekommenen Weisungen gedeckt,^)
den auf diese Kommandofrage bezüglichen Artikel in der Form , die
er schliesslich erhalten hatte, ^u acceptieren. Nun stand der definitiven
Fassung des Vertrages kein Hindernis mehr im Wege. Am 26. Jan.
waren die Arbeiten beendet Am selben Tage unterzeichneten die Ver-
treter der 4 beteiligten Staaten die Konvention.^) Eine Bestimmung über
die Auswechslung der Ratifikationen wurde in den Vertrag nicht auf-
genommen, da man im Hinblicke auf den Brauch der Generalstaaten
eine beträchtliche Verzögerung bei der Durchführung fürchtete.^) Doch
einigten sich die Bevollmächtigten Österreichs, Englands und Sardiniens
in einem Separatartikel dahin, dass die Ratifikationen dieser Kon-
vention längstens in 4 Wochen ausgewechselt werden sollten und be-
tonten ^« gleicher Zeit, dass ^ie von einer gleichen Erklärung seitens
der Vertreter der General Staaten in der Überzeugung Abstand ge-
>) Vgl. Bericht Wasners d, d. ly. I)e\. 1747 St.-A.
«) Vgl. den Bericht Reischachs d. d. 20. Jjn. 1748 St.-A. (Hall)
3) Ebenda.
*) Die kaiserlichen Gesandten hatten si.h^ bevor sie im Besitze der Wei-
sung d. d. J2. Jan. waren, die sie {u diesem Zugeständnisse ermächtigte, blas
\ur Unter\eichnung sub spe rati entschlossen, Hessen aber nach Erhalt der Wei-
sung Maria Theresia' s diese bedingungsweise Unterzeichnung fallen. V^gl. die
Berichte Reischachs d. d. 20. //. 27. Jan. 1748 St-A. (Holl.)
^) Der englische Bevollmächtigte nur sub spe rati. Seine Erklärung lautet:
Le soussigne ministrc plenipotentiaire de sa M*^ le rot de la Grande-Bretagne
decLire de signer la Convention sans demander des nouveaux ordres aussi bien
que r article secret iouchant le eommandement de V armh^ alliee sub spe rati, la
Saison etant tellement avancee que des delais idterieurs pourroient nuire aux
affaires de la cause commune.
Fait a la Haye le 26. Janvier 1748.
Sandwich (Or. im R. A. im Haag.)
"j Vgl. den Bericht Reischachs d, d. 17. Jan. 1748 St.-A. (Holl.)
1748 Jan. 26. yc^
nommen hätten^ dass diese auch ohne spezielle Verpflichtung diesen
Separatartikel einhalten werden,^)
Soit notoire ä tous ceux ä qui il appartiendra que comme
il pourroit arriver que les moyens mis en oeuvre pour par-
venir k une paix juste et solide n'eussent pas Teffet desire, et
que Texperience du passe a fait voir que les forces des allics
ne sauroient resister efficacement aux efiforts de la France, ä
moins que d'avoir en campagne des armöes considerables et
superieures ä Celles de Tennemi et d'avoir en mer des forces
capables d'affoiblir les ressources de la France, les puissances
alli^es, savoir sa Mt^ imperiale la reine de Hongrie et de Bo-
heme, sa Mte le roy de la Grande-Bretagne, sa Mte le roy de
Sardaigne et L. H. P. les seigneurs etats generaux des Pro-
vinces-Unies, sont convenus de regier entre eux les preparatifs
les plus efficaces pour avoir des forces superieures ä Tennemi
et etre en etat d'agir avec vigueur au plutot et sans perte
de tems.
I.
Toutes les Conventions et traitös cy-devant conclus entre
les puissances ensemble ou separement auront leur plein et
entier effet et seront reciproquement execut^s et accomplis dans
toute leur ötendue, T intention de haut-contractans ^tant de con-
certer et de regier seulement par le present acte ce que cha-
que puissance alliöe doit contribuer pour la campagne pro-
chaine* sans vouloir deroger en aucune maniere par la presente
Convention aux engagemens precedens.
n.
Comme les armes de la France ont fait par leur superio-
rite aux Pa'is-Bas des progrfes extraordinaires et meme envahi
une partie considerable du territoire de la republique des Pro-
vinces-Unies, et qu'il est necessaire de prevenir les suites fä-
cheuses qui en pourroient resulter et de se mettre en etat de
reparer les dommages et recouvrer les pertes du passö, on
mettra pour cet effet en campagne aux Pa'is-Bas une armöe de
*) VgL Jen Abdruck im Anhange ^ur Konvention vom 26. Jan, ij^S
p. y66.
yöo »748 Jan. 26.
Cent quatre vingt et douze mille hommes composee des con-
tingents suivants.
Le contingent de sa Mte imperiale, la reine de Hongrie et
de Boheme, est fixe ä soixante mille hommes effectifs et sera
compose des regimens, bataillons et escadrons suivant la speci-
fication qui en sera remise aux puissances contractantes le 20.
du mois de Fevrier prochain.
Le contingent de sa Mte britannique est fix6 ä soixante et
six mille hommes effectifs suivant la specification des bataillons
et escadrons qui sera donnee et remise aux puissances con-
tractantes le 20. du mois de Fevrier prochain.
Le contingent des etats generaux est fixe ä soixante et
six mille hommes effectifs, et la specification des bataillons et
escadrons des quels le dit contingent sera compose sera remise
aux puissances contractantes le 20. du mois de Fevrier prochain
comme dessus.
in.
Les dits contingents devront etre prets k etre assemblcs
pour former l'armee alliee au plus tard pour le prämier de
Mars prochain. Sa Mte Timperatrice- reine tiendra ä cet effet
pret pour former son contingent le nombre effectif de cinquante
mille hommes, et le surplus de dix mille hommes sera fourni
au plus tard dans le courant du mois d'Avril prochain. Mais
au cas que les troupes russiennes ne fussent pas encore arri-
vees au tems fixe du premier de Mars, sa Mtt- britannique ni
L. H. P. ne seront pas censes d'avoir manque ä cet egard a
r engagement pris dans le present article.
IV.
Outre les dits contingents destines pour Tarmee combinee
des allies les ganiisons devront etre pourvues par les puissan-
ces respectives aux quelles les villes ou places appartiennent,
tellement pourtant qu' il en sera forme des listes qui seront re-
mises de tems en tems aux generaux en chef qui comman-
deront l'armee combinee, et si la necessite demandoit que les
garnisons fussent renforcees cela se fera hors des troupes de
r armee combinee qiii sont ä la puissance ä la quelle les villes
ou places appartiennent.
1748 Jan. 26. «761
V.
Le commandement des armces au Pais-Bas ainsi que les
articles qui le regardent seront regles d'un commun accord
entre leurs altesse royale et serenissime avec le consentement
et Tapprobation des puissances respectives.
VI.
Pour ce qui regarde rartillerie, les fraix des sieges avec
ce qui en depend, tous les autres fraix casuels de la guerre et
les subsides nouveaux ou ulterieures qu on jugera ä propos
de promettre ä quelques cours ou princes, il est convenu entre
sa Mt^-' britannique et L. H. P. que Y on suivra ce qui a ete sti-
pule ä cet egard dans les 2. 3. 4. et 5 me articles du resultat
fait le 30. Mars 1745 entre messieurs le comte de Chesterfield
et Trevor et les deputös de L. IL R, et dans la Convention
qui a ete faite pour T execution " du dit resultat entre lesdits
sieurs comte de Chesterfield et Trevor et les deputcs du con-
seil d*etat le 5. May 1745.
Et pour ce qui regarde le transport de la grosse artillerie
et de son train par terre, la livraison de la paille et du bois
ä fournir aux troupes lorsqu'elles camperont sur le territoire
de la republique, de mcme que les fraix des chariots, charettes
et chevaux qu'on fera venir du plat pais de la republique pour
le Service de Tarmöe dans une marche prochaine, Ton suivra
ce qui a ^te regle l'annee passee par les 2. 3. et 4.^6 articles
de Tautre resultat des Conferences tenues entre le ministre de
sa Mte britannique et les deputes de L- H. P. insere dans la
resolution de L. H. P. du g.e Janvier 1747.
vn.
La republique s'engage de fournir Ic nombre de dix k
douze vaisseaux de guerre pour etre joints ä la flotte angloisc
destinee pour ruiner le commerce des Fran9ois et proteger le
commerce respectif des deux nations.
vni.
Outre Tarmee susmentionnee qui doit se former dans les
Pais-Bas, sa Mto r imperatrice s' engage d' avoir en Italie en etat
d' agir et operer ou en France ou selon le concert ä faire de la
part des puissances alliees pour regier les Operations de la guerre
yöa '748 Jan. 26.
et toutes les mesures et arrangemens preventifs aux dites Ope-
rations soixante mille hommes effectifs, une fois independam-
ment de ce qui est necessaire pour garnir des troupes les places
en Lombardie, et sa dite Mte s' oblige de constater aussitöt que
cela se pourra que le dit nombre s*y est trouvö en hommes
effectifs. La specification des bataillons et escadrons dont le dit
contingent doit etre composö sera remise aux puissances con-
tractantes le premier du mois de Mars prochain.
EX.
Sa Mt^ le roy de Sardaigne s' engage de foumir outre les
garnisons necessaires pour la süretö de ses places trente mille
hommes effectifs pour agir ou en France ou suivant le concert
ou la Convention qui se doit faire entre les puissances alliees
pour regier les Operations des armees, comme il est dit cy-de-
vant. Et la specification des bataillons et escadrons dont on
composera le dit contingent sera remise aux puissances con-
tractantes au mßme terme du mois de Mars prochain.
X.
Les susdits contingents bien effectifs devront fitre pres ä
pouvoir former Tarmee au plus tard le premier de May pro-
chain, et les troupes des deux couronnes devront ßtre pour-
vues de tout ce qui est necessaire ä des corps qui agissent en
campagne.
XI.
Sa Mte le roy de la Grande-Bretagne fournira comme
Tannee passee trente vaisseaux de guerre dont on changera
quelquesuns contre des petits batimens plus propres ä appro-
cher des cotes, pour seconder les Operations des troupes alliees
sur les cötes de France et de Tltalie, faciliter leurs transports
et empecher ceux des ennemis. Et le roy de Sardaigne s* en-
gage demployer ses galeres a favoriser les memes objets.
XII.
Pour mettre sa Mtcrimperatrice reine plus en etat de
subvenir aux fraix des dits contingents tant en Flandre que du
cote de l'Italie sa Mte britannique payera ä sa Mte' imperiale
un subside de quatre cens mille livres Sterlings, dont les paye-
mens se feront de la maniere suivante, c'est-ä-dire cent ein-
1748 Jan. 26. ^63
•
quante mille livrcs Sterlings immediatement apres la signature
de la presente Convention sans attendre la ratification de sa Mtc
imperiale; cent mille autres livres Sterlings immediatement aprfes
r echange des ratifications ; cinquante mille livres un mois aprfes
le payement de iOO,000 susmentionnes ; et fmalement les der-
nieres cent mille livres Sterlings en un seul payement, aussitöt
qu' il sera certifiö par les officiers nommös pour faire le denom-
brement des troupes de sa Mte Timperatrice-reine que son con-
tingent monte ä soixante mille hommes effectifs en Flandre et
a soixante mille hommes effectifs du cot6 de Tltalie, bien en-
tendu qu* en cas que par les certificats qui se feront de ce de-
nombrement Tun ou Tautre de ces deux corps ne se trouve
pas complet, savoir soixante mille hommes en Flandre et soi-
xante mille hommes du cot6 de Tltalie, on rebattra de la dite
somme de cent mille livres Sterlings une partie ä proportion
de ce qui manquera au dit nombre de cent et vingt mille
hommes.
xni.
Pour mettre le roy de Sardaigne en ötat de supporter et
de foumir aux fraix du contingent susmentionne, sa M^e bri-
tannique payera ä sa dite Mte un subside de trois cens mille
livres Sterlings, et les payemens du dit subside se feront de la
meme maniere, dans le meme tems, memes termes et avec les
mßmes precautions, en cas que le nombre de trente mille hom-
mes ne fut pas complet, et enfm suivant la mSme regle de
proportion arretöe et convenue avec sa Mte i' imperatrice reine.
XIV.
Pour assürer plus efficacement V etat complet des dits con-
tingents en Italie de meme qu' aux Pais-Bas, tous les generaux
et commandants des puissances contractantes seront obligtJs de
s' entrefoumir reciproquement des töms en tSms des tabelles
authentiques de la force effective des corps sous leurs ordres
lesquelles seront aussi toutes remises aux generaux comman-
dants en chef, et pour constater d'^utant mieux la chose chaque
puissance contractante aura le pouvoir et la faculte d'en faire
faire ensemble ou separement au commencement de la cam-
pagne le denombrement par deux ou plusieurs officiers gener-
aux qu'elle nommera ä cet effet.
XV.
Sa Mte le roy de Sardaigne aura le commandement su-
preme de toute Tarmee alliee soit qu'elle reste an corps ou
qu'on la partage et en fasse des detachemens pour en diriger
et gouverner les Operations au plus grand bien da la cause
commune, le tout conformement ä Tarticle VI. du traite de
Worms inser^ icy mot ä mot:
„Sa Mte le roy de Sardaigne aura le commandement su-
preme de Tarmöe alliöe lorsqu'il y sera en personne, et il en
reglera les mouvemens et les Operations militaires de concert
avec sa Mte la reine de Hongrie selon que l'exigera Tinteret
et le besoin commun."
XVI.
L. H. P. s engagent conjointement avec son altesse sere-
nissime monseigneur le prince d' Orange d'employer tout leur
credit et pouvoir aupres des provinces pour les porter ä payer
les arrerages tant du vieux que du nouveau subside suivant la
specification cy-jointe, y compris le subside additionel de cin-
quante mille livres Sterlings, ou du moins ä en assürer le paye-
ment dans un tel terme qu' on puisse trouver d' abord credit lä
dessus, apr^s en avoir deduit ce que Tetat a deja avance aux
troupes de sa Mte imperiale et pour les payemens des bateliers.
Ainsi conclus et signe par les ministres plenipotentiaires
et les deputes soussignes, autorises ä cet effet respectivement
de la part de sa Mte imperiale la reine de Hongrie et de Bo-
heme, sa Mte le roy de la Grande -Bretagne, sa Mte le roy de
Sardaigne et L. H, P. les etats generaux des Provinces-Unies,
ä la Haye le 26.e Janvier 1748.
Le B. de Reischach. Sandwich. De la Chavanne. T. W. Torck.
L. S. L. S. L. S. L. S.
L. S. W. Bentinck.
L. S. J. Güles.
L. S. W. Borssele.
L. S. D* Ablaing de Giessenburg.
L. S. W. S. V. Grovestins.
L. S. C. Bentinck.
L. S. E. Tamminga.
1748 Jan. 26. «ygc
Specification
des arrerages des subsides düs ä sa Mt<i T imperatrice-reine.
Pour Tannee 1741.
La province d" Utrecht
Le quartier de la Velue
fl.
48982
14672
s.
lO
18
d.
Pour l'annöe 1742.
La province de Zelande
La province de Frise .
La province d'Overyssel .
Le quartier de la Velue
La province d' Utrecht
73466
88627
32476
27948
93300
13
I
18
7
4
8
8
8
Somme . 379474 8 12
Les arrerages du subside de 150.000 Ib. St.,
accord^ ä sa Mte par la Convention du
31. d'Aout 1746, se montent ä . . 229.298 8 13
Le contingent dans le subside additionel
de 50000 Ib. St., oü la republique paye
un quart, fait la somme de . . 137.500 — —
Somme totale de tout ce qui reste ä payer . 746.272 17 9
Article secret.
Le commandement^ en chef de T arm^e alli^e aux Pais-Bas
ayant 6t6 deferö 1' annee passö k son altesse royale monseigneur
le duc de Cumberland, on ne fera point de changement ä cet
egard pour la campagne prochaine, et son altesse royale mon-
seigneur le duc commandera par consequent aux memes con-
ditions qui lui furent accordöes par la Convention du Q.me Jan-
vier 1747. Mais comme le bien du Service et les circonstances
et la Situation des affaires exige que Tarm^e soit partagöe en
plus d'un corps, son altesse serenissime monseigneur le prince
d' Orange aura le commandement en chef d' un des deux corps
de l'armöe, et specialement de celui qui d*abord sera destinö
pour couvrir les frontieres les plus exposees de la republique,
et son altesse royale et son altesse serenissime iront de con-
cert ensemble dans tout ce qui conceme et interesse la seurete
et la deflfense de la republique la plus manifestement en danger
de tous les alliez.
y66 174^ Jsn- 26.
Le tout sous la reservation que la deference que son al-
tesse serenissime temoigne en cedant et renon^ant ä la parite
du commandement pour se conformer aux desirs de sa Mte ne
derogera en rien aux droits et priviI6ges du capitaine general
de r Union par rappoit ä son commandement sur le territoire
de Tetat et qu'on n'en pourra tirer aucune consequence en
faveur des capitaines generaux des tetes couronnöes au pre-
judice de celui de la republique.
Fait ä la Haye le 26. de Janvier 1748.
Le baron de Reischach. Sandwich. T. W. Torck.
L. S. L. S. L. S.
L. S. W. Bentinck.
L. S. J. Gilles.
L. S. W. Borssele.
L. S. D'Ablajng de Giessenburg.
L. S. W. S. V. Grovestins.
L. S. C. Bentinck.
L. S. E. Tamminga.
Article separö.
Nous ministres plenipotentiaires soubsign^s avons convenus
que les ratifications de la Convention signöe ce jourd' hui seront
echang^s entre nous au nom de nos maitres et souverains re-
spectifs dans le terme d' un mois ou plütöt s' il est possible, et
nous n' avons point mis le present article dans la Convention
suivant 1' usage ordinaire pour eviter les longueurs et les retar-
demens qu'auroit necessairement causö Texpedition des rati-
fications de L. H. P. et les formalites qui sont d* usage en pareil
cas dans leur republique; lesquelles formalites ont ete recon-
nues superflues et inutiles a la validit^ des engagemens pris au
nom de L. H. P. par messieurs les deputes commis speciale-
ment ä la conclusion finale de la dite Convention d*une ma-
niere que suivant 1' ordre etabli dans leur etat cet article se
trouve avoir toute T autenticite requise, comme s'il etoit pourvü
d'un acte de ratilication de leur part. Le present article aura
la meme force que s'il etoit insere mot ä mot dans la dite
Convention. Fait ä la Haye le 26. Janvier 1748.
Le baron de Reischach. De la Chavanne. Sandwich.
L. S. L. S. L. S.
1784 Jan. 26. »767
Bien que L. H. R, persuadöes de la necessite et de Tim-
portance de la perfection de la Convention, n'ont pas fait de
difficulte pour prevenir tout prejudice qu'un plus long delay
pourroit porter aux interets de la cause commune de con-
courir par leur signature ä la conclusion de la dite Convention,
elles ne peuvent se dispenser de declarer qu'elles avoient espere
qu'on auroit prette quelqüe attention ä leurs justes instances,
pour que Tarticle 4 eut &t6 couchö de fafon que les troupes
de Tetat ne seroient point surchargöes au de lä des autres, et
L. H. P. se reservent non seulement leur plein droit d'egalitö
entre les alliez, mais se flattent encore que si dans le cours
de la campagne le cas specific venoit h exister on y aura egard.
Fait ä la Haye le 26, Janvier 1748.O
Declaration remise ä son altesse serenissime monseigneur le
prince d' Orange-Nassau*) etc.
Comme sa Mte imperiale et royale a fait fournir dans ses
Pa'is-Bas pendant les campagnes prec^dentes aux troupes alliees
les chevaux et les chariots gratis et k ses fraix et depens pour
les transports des vivres, des fourages et des magazins, et
qu'on leur a permis de fourager lorsque la saison le deman-
doit, et que l'equit^ et la justice exigent que la parfaite reci-
procit^ soit observö ä T egard des troupes imperiales qui sont
sur le territoire de la republique, je soussign^ ministre plenipo-
tentiaire de sa Mte imperiale et royale etc. declare que le con-
tenu du 6me article de la Convention signöe ce jourd' huy entre
les puissances alliöes ne pourra jamais porter aucun prejudice
ä une demande si juste, sa Mte imperiale se reservant expres-
sement par cette declaration que la dite parfaite reciprocit^ soit
reglee et etablie entre les chefs commandants de troupes de
deux puissances.
Fait ä la Haye le 26. Janvier 1748. . .
Le baron de Reischacb.
*) Unterzeichnet von Jen atich im Hauptoer trage unterzeichneten Abge-
ordneten der Generalstaaten.
*) Nach der im St-A, — Beilage {um Berichte Reischachs d, d. Haag
1748 Jan, 27 — befindlichen Kopie. Im R, A, im Haag befindet sich auch eine
Kopie dieser Erklärung.
nßß 1748 Jan. 26.
Declaration remise h milord Sandwich, ministre plenipotentiaire
de sa Mte britannique.*)
Je soussigne ministre plenipotentiaire de sa M^^' imperiale
et royale etc. declare qu'attendu la necessite indispensable de
ne pas retarder d' un moment la signature de la Convention si-
gn^e ce jourd'huy, je n*ai point insistö pour y faire inserer la
reserve de cent mille livres Sterlings que V imperatrice ma mai-
tresse a toujours constamment demandö en augmentation de
subside au de lä de celuy qui luy est deja promis par sa Mte
britannique dans la dite Convention, en oflfrant quatre regimens
de cavallerie, faisant quatre mille hommes indispensablement
necessaires, soit pour frayer le chemin autravers de toute TAI-
lemagne aux 30000 Russiens qui doivent la traverser pour venir
ä leur destination, soit pour pourvoir ä leur surete et favoriser
leurs Operations au cas qu'ils soient employös sur le haut Rhin
ou sur la Moselle suivant que le plan general des Operations
militaires pourroit exiger, soit enfin que les dits secours des
Russes vinssent aux Pais-Bas, oü chacun sait que T armee n' est
pas fournie ä beaucoup prfes d'une quantit^ de cavallerie pro-
portionnee et süffisante au Service de Tinfanterie, et s'opposer
aux efforts de celle des ennemis qu' on a eprouve la campagne
derniere avoir eu d'assez grands avantages par sa superiorite
sur celle des alliees ; de sorte que par le present acte sa Mte se
reserve tr6s expressement le payement de dits cent mille livres
subsides additioneis, et declare n' avoir consenti au subside
borne a 400.000 livres St. dans la Convention que dans la
ferme confiance que ces dcrnieres 100.000 livres St. lui seront
egalement accordes, soit que sa Mt^' britannique veuille s'en
charger seule, soit que sa dite Mtc et L. H. P. trouvent bon
de le repartir entre les deux puissances maritimes.
Fait ä la Haye ce 26. Janvier 1748.
Le baron de Reischach.
') Nach der im St.A, — Beilage \um Berichte Reischaehs d. d. Haag
1748 lau. 57. — befindlichen Kopie,
1748 Mai 3. pj^g
61.
Ergän^ungskanvention {wischen Maria Theresia, Georg IL,
Karl Enianuel IIL von Sardinien und den Generalstaaten, be-
treffend den Feld\ug des Jahres 1748, samt einem Separatartikel
d, d, Haag 174S Mai jA)
Rat, Georgs IL d. d, Herrenhausen 1748 Juni 28lJuli p; Maria The-
resiä's d, d, Wien Mai iß.
Die Originale der Konvtmtion samt Separatartikel im St.-A. und R. 0„
das Original der englischen Ratifikation im St.-A,, das der österreichischen
im R, O,
Les puissances alliöes ayant trouvö que la grande aug-
mentation d'infanterie reglee par la Convention du 26. Jan-
vier de Tannöe presente exigeoit de mSme une proportion de
cavallerie :
I.
Sa Mte rimperatrice reine s'engage par la presente ä faire
marcher quatre regimens de cavallerie, chaque regiment de
1000 hommes effectifs, les quels se mettront en mouvement
le plustot que possible, meme sans attendre V arrivö des troupes
russiennes, si par aucun retardement imprevu des Russiens leur
marche peut se faire avant V arrive du dit corps des troupes.
n.
Pour mettre Timperatrice reine plus en etat de supporter
les fraix de la marche et de V entretien des dits 4000 hommes,
sa Mte le roy de la Grande-Bretagne et les seigneurs etats ge-
neraux des provinces unies des Pais-Bas s engagent de payer
ä sa Mte imperiale, reine de Hongrie et de Boheme, un sub-
side additionel de 100.000 livres Sterlings, ä sfavoir 75000 pour
le compte de sa Mte et 25000 pour le compte des etats ge-
neraux; les quelles sommes se payeront en deux payements,
ä sijavoir 50000 le premier du mois de Juin et 50000 le pre-
mier du mois de Juillet prochain.
') Die informierende Einleitung :{u diesem mit dem vorhergehenden in
engster Beziehung stehenden Vertrage ist p, y^y gegeben.
Österreichisch-englische StaatsvertrSge. Bd. T. 49
•yyO 1748 Mai 3.
m.
Sa Mte le roy de la Grande-Bretagne ayant (pour ne point
perdre d*occasion d' augmenter les forces des alliez) par cet
arrangement fait une addition ä son contingent de 3000 che-
vaux, les seigneurs etats generaux s'engagent par la presente
Convention d' augmenter leur cx>ntingent, dejä üx6 a 66000
hommes, de 1000 chevaux et 2000 troupes d* Infanterie, outre
ce qui a 6X6 stipulö dans Tarticle 2^, et la specification des
Corps des quels la dite addition sera composöe se fera imme-
diatement aprhs la signature de la presente Convention.
Ainsi conclu et signe par les ministres plenipotentiaires
et les deputes soussignös, authorises ä cet effet respectivement
de la part de sa Mte imperiale la reine de Hongrie et de Bo-
heme, sa Mte le roy de la Grande-Bretagne et L. H. P. les
etats generaux des Provinces-Unies.
A la Haye le 3 de May 1748.
L. S. Le baron de Reischach. L S. Dayrolle. L. S. T. W. Torck.
L. S. C. V. Dijck.
L. S. J. Gilles.
L. S. F. Buteux.
L. S. D'Ablaing de Giessenburg.
L. S. D. V. Hamerster.
L. S. G. Eckelboom.
L. S. E. Tamminga.
Article separc a la Convention additioneile 3. May 1748,
ä la Haye.
Ist wörtlich gleich dem geheimen Artikel der Konvention für den
Feldzug 1748, ddo. 26. Jan. 1748.')
L. S. Le baron de Reischach. L. S. S. Dayrolle.
•) V^rL p. -66 f.
1748 Mai 25. nni
52.
Accesston Österreichs d. d. Aachen 1748 Mai 2$ ^u den ^u
Aachen 1748 April jo unterzeichneten Präliminarien und ^ den
darauf bezüglichen Erklärungen d. d, Aachen 1748 Mai 21 ;
Acceptation dieser Accession durch England d, d, Aachen 1748
Mai 26, sowie Deklaration d, d. Aachen Mai ji über Artikel II
der Präliminarien und Accession Österreichs da^u d. e d.
Rat. der Accession durch Maria Theresia d. d. Wien IJ48 Juni $ ;
durch Georg IL d. d, Herrenhausen 1748 Mai ßo\Junt 10; Rat. der
Accept, dieser Accession durch Georg IL d. d, Herrenhausen 1748
Juni 6\ij.
Or. der österr, Accession im R. O. ; der engl, Acceptation im St-A,
Original der Ratifikation Maria Theresia's im R, O., der Georgs IL im St-A,
Die eingehende Erörterung der Politik, die Österreich im Laufe
der Verhandlungen befolgt hat, die dem Abschlüsse der Präliminarien
vom jo, April und des definitiven Aachener Friedens vom 18. Oktober
1748 vorangegangen sind,^) muss dem Herausgeber der österreichisch-
fran:{ösischen Staatsverträge vorbehalten bleiben, da Frankreich der
eigentliche Veriragsgegner Österreichs war, während England als Com-
paciscent Maria Theresia's an den Unterhandlungen jener Tage teil-
nahm. Aus diesem Grunde wurde auch Abstand genommen, in diesem
Zusammenhange die Vertragsentwürfe >{w ver^^eichnen und ^u besprechen,
die seitens der englischen und der österreichischen Regierung in den
Jahren 1747 und 1748 verfasst worden sind. Da aber der Gang der
Ereignisse dahin führte, dass Maria Theresia von der Unterzeichnung
der Präliminarien wie des* Definitiwertrages ausgeschlossen blieb, bei-
den Vereinbarungen aber später beitrat, spielte sie schliesslich nicht
nur Frankreich, sondern auch den Vereinigten Niederlanden und Eng-
land gegenüber die Rolle des Vertragsgegners. Daher mussten die auf
die Accession Österreichs ^u den Präliminarien vom ßo, April und
lum Vertrage vom 18. Oktober 1748 bezugnehmenden Dokumente in
die vorliegende Publikation aufgenommen werden, und es geschah dies
in der Weise, dass die in die österreichische Accessionsurkunden auf-
genommenen beiden Verträge vom ßo. April und 18. Okt. mitpubliciert
wurden, da sonst diese beiden wichtigen Abmachungen in der Gesamt-
ausgabe der österreichischen Siaatsver träge fehlen würden.
») Vgl, Broglie La paix d* Aix4a-Chapelle, Paris j8ga und die Abhand-
lungen von A. Beer ffHoIland und der österr. ErbfoJgekrieg" A. f. K. ö. G. XLVL
und „Zur Geschichte des Friedens von Aachen*' l. c. XLVIl i ff. Arneth, Ma-
ria Theresia III 36^ ff.
49*
nn2 1748 Mai 25.
Zum Verständnisse der österreichischen Politik mögen di€ fol-
genden kurzen Erörterungen dienen. Die österreichische Regierung
war nicht prinzipiell gegen den Ahschluss eines Friedens mit Frank-
reich und dessen Verbündeten^ sie ersehnte denselben vielmehr nicht
minder als ihre Bundesgenossen, Wenn sie sich trotzdem immer leb-
hafter für die Fortsetzung des Krieges aussprach, so geschah dies nur
deshalb, weil die von den verschiedenen Höfen einlangenden Berichte
und die Äusserungen der in Wien accreditierten Vertreter der verbün-
deten Regierungen immer deutlicher erkennen Hessen, dass der Friede,
den Österreichs Feinde und Freunde wünschten, auf Kosten dieser
Macht geschlossen werden sollte. Namentlich die von Robinson in
Wien abgegebenen und die seitens der englischen Minister an Wasner
erfolgten Erklärungen Hessen keinen Zweifel darüber aufkommen, dass
Maria Theresia von den Engländern nichts gutes {u erwarten habe,
dass dieselben aus egoistischen Gründen von ihrem Vorhaben nicht
ablassen wollten, dem Könige von Sardinien den dauernden Bcsit^ all
jener Gebiete {u sichern^ ^u deren Abtretung sich Maria Theresia im
Wormser Vertrage nur in der Erwartung einer entsprechenden Entschä-
digung verstanden hatte und dass sie entschlossen waren, dem Könige von
Preussen die Garantie Schlesiens seitens der vcrtragschliessendcn Mächte
{u verschaffen. ') Es war wirklich so, wie Maria Tlieresia schon Mitte Nov,
77^7 an Wasner schrieb : „Der Erfolg beweiset nur allzuviel, was wir
längstens besorget, was die vielfältige Erfahrung seit dem Jahre 17 J),
als Robinson und Dieden, um den Grund ^ur Schwächung unseres
Er{hauses ^u legen, den hiesigen Hof in das polnische Wahlwesen
gleichsam wider Willen durch allerhaUi Kunstgriffe verwicklet haben,
unschwer vorsehen machen und was Grimaldi'^) mehrmalen vorgesagt,
diiss wir am Ende für die hiesige weif über die tractatenmässige Ob-
liegenheiten sich erstreckende Aufmerksamkeit von Engeland ^u ge-
iViirten haben wurden. Mit dem Deckmantel eines besonderen Friedens
wird ^u beschönigen gesuchet, was im Grund dahin abfielet, uns in der
Gcneralpacificalion nicht nur an Feinde, sondern zugleich nebst die-
sen auch an falsche Freunde aufzuopfern^ so Just das übelste ist,
was unserem Er^^hjus nur immer fiäffe widerfahren können ; massen
unsere Feinde urnigsfens nur auf ein einfaches und nicfit auf solch
doppelte Opfer angefragen.^^ ^) Es ist daher begreift ich, dass Maria
•) Vgl. die BrricJih' Wasners vom Okt. 1747- Mär{ 1748. St.-A.
2) Hin getiursiscitrr I\itri{ier.
^) Weisung an Wasner J. d. 75. Nov. 1747* St.-A.
1748 Mai 25. nn^
Theresia die Gelegenheit, ^u einem direkten Vergleiche mit ihrem
Hauptgegtier y dem Könige von Frankreich, {u gelangen, die sich ihr
unter verhältnismässig günstigen Bedingungen ^u bieten schien, freudig
ergriff und die Verhandlungen mit demselben eifrig führte,^) Allein
auch dieser Versuch mislang. In dem Augenblicke, da Graf Kaunit^
die ^n Aachen mit St. Severin geführten Verhandlungen dem Abschlüsse
nahe wähnte, entschloss sich Ludwig XV,, von der Erkenntnis geleitet,
dass eine Vereinbarung mit England einen viel sichereren Erfolg ver-
sprach, als ein Abkommen mit Österreich, die ihm von England ent-
gegengestreckte Hand ^u ergreifen.
Am Abend des jo, April erschien Lord Sandwich bei Kaunit{
und theilte ihm mit, dass sich England, Frankreich und die Vereinig-
ten Niederlande über die Präliminarien eines Friedens geeinigt hätten.
Er las ihm die vereinbarten Ptinkte vor: Alle Eroberungen, sowohl in
Europa als in den überseeischen Gebieten, sollten zurückgestellt , die
Befestigungen Dünkirchens auf der Landseite erhalten bleiben. Jene
nach der See abgetragen werden. Dem Infanten Don Philipp wurden
die Fürstentümer Parma, Piacen^a und Guastalla zugesprochen und
^zugleich der Rückfall dieser Gebiete an ihre gegenwärtigen Besitzer
für den Fall vorgesehen, dass Don Philipp auf den Thron Neapels
gelangen oder kinderlos sterben sollte. Der Herzog von Modena und
die Republik Getiua sollten zurückerhalten, was sie vor Ausbruch des
Krieges besessen hatten. Dem Könige von Sardinien zvurden die im
Wormscr Vertrage von Österreich überlassenen Gebiete für alle Zu-
kunft, dem Könige von Preussen der Besitz von Schlesien und Glaiz
garantiert. England erhielt die Bestätigung der im Jahre 17 iß er-
langten Vorteile beim Negerhandel und der im Jahre IJ18 ausgespro-
chenen Garantie der Thronfolge des Hauses Hannover ; Franz ^^^^ ^^'
thringen sollte als Kaiser anerkannt und die pragmatische Sanction,
jedoch mit Ausnahme der an Preussefi und Sardinien erfolgten Ab-
tretungen, garantiert werden. Die Entscheidung der Streitfragen z'^^~
sehen Österreich und Spanien wegen der Verleihung des goldenen
Vliesses, zynischen Österreich und Frankreich wegen der hennegau sehen
Enclaven und der Abtei St, Hubert wurden dem definitiven Friedens^
Schlüsse vorbehalten. Die Belagerung Mastrichis durch die Franzosen
sollte fortgesetzt werden, sonst aber aller Orten Waffenstillstand ein-
treten. Durch einen besonderen Geheimartikel wurde festgesetzt, dass
*) Vgl. für diese Verhandlungen u. a. Beer Zur Gesch, des Aachner
Friedens /. c. lyff» und Broglie l. c. Soff.
jfjj^ 1748 Mai 25.
jene Mächte^ die sich weigern würden, diesen Abmachungen bei:^utrefen,
der Vorteile verlustig gehen sollten^ die ihnen aus denselben erwachsen
könnten. Indem Sandwich den Grafen Kaunit^ auf diese Bestimmung
besonders au/merksam machte, forderte er ihn :^ur Mit^^eichnung auf
Dieser aber, empört über das Vorgehen der Franzosen und der Eng-
länder^ weigerte sich auf das entschiedenste, eine Abmachung gui^-
heissen, durch die dem Könige von Sardinien alle im Wörmser Ver-
trage von Österreich überlassenen Gebiete, dem Könige von Preussen
der Besit:^ von Schlessien und Glat:{ garantiert, dem spanischen In-
fanten Don Philipp auf Österreichs Kosten ß Fürstentümer abgetreten
wurden, ohne dass der österreichischen Herrscherin irgend ein Ersjt{
für die verlorenen und abzutretenden Gebiete geboten wurde,^) und
Hess dem mündlichen Proteste am 4, Mai einen* schriftlichen folgen,
der nebst der Verwahrung gegen die ohne Wissen Österreich^ ge-
troffenen Vereinbarungen die Mitteilung enthielt, dass Maria Theresia
dem für Don Philipp geplanten „Etablissetnenf^ in Italien nur dann
:^ustitnmen wolle, falls ihr die im Wörmser Vertrage an Sardinien
überlassenen Besitf^jungen ^zurückgegeben werden sollten.^) Maria The-
«) Vgl, Beer L c. ^iff.; Artieth l. c, III ß6^.
*) Derselbe lautet:
Protestation de V imp^ratrice, reine de Hongrie et de Boheme,
d, d. 4. Mai 1748 t Kopie St.-A. Ft-iedemakttH 187 aj
Le soüsignc ministre plenipotentiaire de sa Af /' imperatriae, reine d* Hon-
grie et Je Boheme, aiant vü les articles preliminaires que les ministres pleni-
potentiaire s de sa M** le roi de la Grande-Bretagne et deL, P, H. les etats gener aux
des Provinces-Unies ont juge a propos d\irrHer avec le ministre plenipotentiaire
de sa M*''' frrs chretienne , il ne peut se dispenser de protester par le present
acte, ainsi qu* il Va dejä fait de vive voix, de la maniere la plus forte et la plus
solemnelle contre ces preliminaires et contre tont ce qu* ils contiennent Je pre-
judiciable aux interets Je sa M^^.
CepenJant comme Jepuis le commencement Jes troubles qui agitent V Eu-
rope sa M^^ l* imperatriee a temoigne constamment le Jesir ardent dont eile est
aninit^e pour le retablissement Je la tranquillite generale, le soüssigne Jeclare
que Jans la vue Je parvenir a une fin aussi desirable, et pour faire cesser les
horreurs et les calamite\ que tant Je peuples n* eprouvent que Jepuis trop longtems,
sa M*^ veut bien consentir a accorJer, m<^nie ä ses Jepens, un etablissenient tem-
poraire pour le Ser**** Infant don Philippe, jusqu a ce que par V Ouvertüre du
trone Je Naples ou Je celui J' Espagne ce prince puisse succeder a V un ou a
r autre Je ces Jeux roiaumes,
Le soüssigne Jeclare neantmoins que sa M*^ imperiale n' tmtenJ point
Jonner les mains ä cet etablissenient sur le pie cy-Jessus mentionne que sous la
condition bien expresse et autrement pas, que toutes les cessions qu eile a faites
par le traite Je Worms en faveur Je sa M*^ Je SarJaigne soient revoquees, an-
i74^S Mai 25. nnc
resia stimmte mit den Anschauungen ihres Gesandten vollkommen überein,
Sie billigte den Protest, den er erhoben hatte und Hess durch Wasner
Georg IL ihre Entrüstung über das Vorgehen der englischen Regierung
ausdrücken. Die englischen Minister leugneten nicht, dass die Präli-
minarien der österreichischen Herrscherin nicht günstig seien, betonten
aber, dass die Not der Zeit sie ^um Abschlüsse mit Frankreich ge-
lungen hätte, Sie stellten auch nicht in Abrede, dass die Kata-
strophe sich hätte abwenden lassen, wenn der Haager Konvention sei-
tens der Verbündeten nachgelebt worden wäre. Da dies aber nicht
geschehen sei, da die Generalstaaten von den m Beginn des Kampfes
^u stellenden Truppen nicht loooo beisammen gehabt, von den kai-
serlichen Truppen die Hälfte, auch von den englischen ein Teil gefehlt,
die Franzosen aber über 120,000 Mann verfügt hätten, da ferner am
jo. April Ma stricht der Übergabe nahe und die Gefahr des Abschnei-
dens der Verbindung ^{wischen der Armee der Verbündeten und dem
russischen Zuj{ug drohend gewesen sei, habe man die Präliminarien
unterzeichnen müssen. Die Garantie von Schlesien und Glat{ habe
England schon vorher erteilt, die Vereinigten Niederlande dieselbe ver-
sprochen, Frankreich sie als eine conditio sine qua non be:{eichnet ; die
Belassung Sardiniens im Besitze der im Jahre 174J erworbenen Länder
nulli^es et aneanties, et sa AP^ V imperatrice retablie dans la possession actuelle
des villes, terres et districts qui fönt V ohjet des memes cessions, II est taut
evident que les hauts contractans du traite de Worms n' t^tant entre\ dans les
engagements de ce traiti^ que dans Li vue d* empecher itn etablissement de la
maison de Bourbon en Italie, et V imperatrice en partic ulier n' ayant ete obligee
ä faire les cessions dont il s' agit que par ce motif, et par la consideration des
avantages qu' on lui promettoit en echange, la raison et V equite ne permettent
pas que sa M^^ seit tenue aux engagements qui lui sont onereux, tandis qu* au
Heu de lui procurer les avantages qui etoient stipule^ en sa faveur V on renversc
directement le büt, la base et le fondement du traite par les nouveaux sacrifices
que Von veut exiger de sa M^^ pour l* etablissement de V infant.
C est sur le pit^ de cette declaration que le soussign*^ est pret d* entrer
en tnatiere avec les ministres des puissances interessees et de concourir d* abord
ä la conclusion d'un armistice general aussi-bien qu* a tous les moiens qui se-
ront estime\ raisonables pour accelerer /' ouvrage salutaire de la paix. Au
moien de ce temperament la paix pourra se faire sans que personne y perde
que sa M*^ seule ; tout autre expedient, au Heu de remplir l* objet que l* on doit
se proposer dans une reconciliation qui est de retablir la bonne intelligence avec
les ennemis et d* affermir la confianee entre les allie^, ne produira que des effets
directement contraires au but desirable,
Fait ä Aix la Chapelle le 4 May 1748,
C. Kauni^-Rittberg,
nn^ 1748 Mai 25.
sei nur eine natürliche Folge des Wormser Vertrages ; der Abtretung
Guastallas an Don Philipp habe Sandwich solange als möglich sich
widersetit und nur der Not gehorchend sich dem Gebote drs über-
mächtigen Gegners gefügt,^)
Zu gleicher Zeit klagten die englichen Minister über den Protest
Österreichs und forderten, Maria Theresia möge sich im allgemeinen
und in ihrem eigenen Interesse den Bestimmungen der Präliminarien,
die nun einmal nicht ^« ändern seien, unterwerfen. Da aber Kaunit{
aus den Verhandlungen, die er unmittelbar nach Abschluss der Prä-
liminarien mit den Vertretern Frankreichs und Spaniens führte,^) die
Hoffnung schöpfle, dass diese beiden Mächte — welche die Erwerbung
Savoyens für Don Philipp jener Parma' s, Piacen^a's und Guastallas
vori^ogen — in eine Abänderung der Friedensbedingungen in diesem
Punkte {um Vorteile Österreichs willigen würden und in diesem Sinne
nach Wien berichtete, entschloss sich Maria Theresia in voller Über-
einstimmung mit Kaunit^, ihren Beitritt {u den Präliminarien, ^// dem
sie sich bei ruhiger Erwägung der Situation und in der Erkenntnis
ihrer unzulänglichen Kriegsmittel entschlossen hatte, nur in bedingter
Form ^u erklären. In diesem Sinne lautete die Deklaration, die
Kaunit:^ am 2j, Mai 1748 in Aachen übergab,^) Maria Tlieresia sei
») Vgl Wasners Bericht d. d, 24. Mai 1748 St-A,
«) Vgl, Beer l. c. 41 f,
') Dieselbe lautet:
Declaration d* accession conditionelle de sa M*^ V ifuperatrice-reinc aux articles
prrliminaires ; d. d. 174S Mai 2"} (Kopie St-A. Friedensakten jSy^,j
II y auroit hien des remarques a faire sur les articles preliminaircs con-
eins et signes a V ins<,u et exclusion de sa M^^ l* imperatru:e-reine, man au-
guste souveraine, Mais, contente de n avoir rien a se reprocher, fant par rap-
port aux puissances avec lesquelles eile a ete jusqu* ici eu guerre que par rap-
port a ses allirs, eile ne pretend pas d' examiner la conduite qu ort a teiiue a
soll egard. Sans s* y arreter , eile dcsire au contraire de niettre fin le plus
promptement possible aux calamites de la guerre. Ainsi eile adopte sans reserve
ni exception tout le contenu des articles preliniinaires qui lui ont ete communi-
ques pour autant qu' ils la regardent et concernent les differens qui ont sub-
siste jusqu* ici entre les puissances bellige rantes, differends qui d* un comtnun
accord devoient faire V unique objet des Conferences qu* on rtoit convenu de tenir
en cette ville^ et avec lesquelles les cessions au traite de Worms n* ont rien de
commun ei ne S(,auroienf meme de leur nature avoir rien de commun.
Et quant a la garantie de la partie *de la Silesie qui a ete cedee par le
traitte de Dresde d sa Af '•' le roy de Prusse de meme que le cotnte de Glat{,
sa Af' '■ /' imperatrice-reine a toujours declare et declare dereche f de xxmloir de
$ on cote remplir trcs religieusement ce dit traite. Ses ministres tm ont mt^me
1748 Mai 25. nnn
bereit^ sich den Präliminarien — soviel sie auch gegen deren Inhalt
einzuwenden hätte — >{// fügen, soweit sie sich auf die Streitpunkte
mit den Mächten belogen, mit denen sie Krieg führe, nicht aber, so-
weit dieselben die Abtretungen an Sardinien und die Garantie von Schle-
sien und Glat{ beträfen. Die im Wormser Vertrage bestimmten Ge-
bietsabtretungen hätten mit diesem Frieden nichts ^u tun. Was aber
Schlesien und Glat{ betreffe, sei sie, ihren früher gegebenen Erklärungen
entsprechend, die sie jet^t wiederhole, bereit, den Dresdner Vertrag ge-
wissenhaft lu beobachten; auch hätten ihre Gesandten mit denen Fried-
richs IL gemeinschaftlich die Garantie dieses Vertrages von den See-
mächten in dem Umfange verlangt,^) wie sie bezüglich der Prälimi-
narien von Breslau und des Berliner Vertrages von Grossbritannien
geleistet worden sei. Allein es widerstrebe jedem göttlichen wie mensch-
lichem Rechte^ nur die Abtretung und nicht gleichzeitig die Bedin-
gungen z^ garantieren, unter denen sie stattgefunden habe. In der
Erwartung, dass der Dresdner Friede in seiner Gesamtheit einen Teil
soUicitd conjointement avec ceux du roy de Prusse la garantie des puissances
maritimes dans la memc forme et etcndue que la Grande-Bretagne avoit ga-
rantie ci'devant tant les preliminaires de Breslau que le traiti definitif de Ber-
lin ; d* ou il resulte un droit qu* on ne s^auroit sjns injustice ni violence lui
otcr malgre eile. Et comme il repugneroit ä tout droit divin et humain de ga-
rantir uniquement un^^ cession sans garantir pareillement les clauscs et con-
ditions sous lesquelles eile a eti faite du consentement des parties contranctan-
tes, V Intention des puissances qui ont signes les preliminaires ne sauroit etre de
contrevenir ä cette regle.
Or ceci suppose V imperatrice-reine ne s* oppose en aucune maniere que
la garantie du traite de Dresde, en son entier, ne fasse partie de la pacification
generale. Et sur ce pied je suis non seulement autorist' et prdt de concourir
pareillement ä la Signatare des preliminaires, mais je dois mt^me, pour accelerer
d' avantage un prompt et parfait repos, insister au nom de mon auguste sou-
veraine que ces preliminaires ayent toute la force et vigueur d* un traitc de paix
definitif, sans qu* aucune demande ulterieure soit admise ä la charge des puis-
sances qui jusqu* ici ont ete en guerre ensemble. *
Fait ä Aix la Chapelle le vingt trois May mil sept ccnt quarante huit
Le comte V, A, de Kaunit\-Rietbcrg.
») Die Verhandlungen über diese Frage \ogen sich lange hin; es wurden
beiderseits Projekte dieser Garantie entworfen ; ^u einer Einigung kam es aber
erst am J.I14, Juli 17^0, an welchem Tage Georg IL die Garantieurkunde über
den Dresdner Frieden ausstellte. Sie ist gedruckt //. a, bei Wenck Cod. jur,
gent, rec. IL jsy. Ihr Abdruck wird im {weiten Bande dieser Publikation er-
folgen. Ebendaselbst auch die auf die am 20.j]o, Oki, 17^0 vollzogene Accession
Englands (Or. St.-A.) \um österreichisch-russischen Vertrage vom 22. Mai 17^
be\ughabenden Deklarationen, gedruckt u. a. Martens (Suppl.) III. 26,
yyS »74S Mai 25.
des allgemeinen Friedens bilden und in der Voraussetzung , dass keine
weitere Einwendung gegen die Präliminarien ^gelassen werde, wolle
sie denselben beitreten. Der Eindruck, den diese Erklärung Öster-
reichs hervorrief, war ein ungünstiger. Die Vertreter der Seemächte
verlangten eine Erläuterung derselben und da Kaunit^ auch mündlich
versicherte, dass es nicht in seiner Gewalt stünde, „von den durch den
Wormser Vertrag erworbenen Gerechtsamen der Kaiserin das mindeste
\u entsagen i^ ^) schien es, als ob die Einigung mit Österreich über die
Präliminarien nicht erfolgest werde. Allein 2 Tage später kündigte
Kaunii{ den bedingungslosen Beitritt Maria Theresia' s {u den Prälimi-
narien an,^) Man hatte sich in Wiett, vermutlich auf Bartensteins Rat,
^u diesem Schritte entschlossen, durch den man die Wünsche der ver-
bündeten Seemächte -{« befriedigen hoffte, ohne aber — die Deklaration
vom 2), Mai wurde nicht ausdrücklich widerrufen — auf die Ver-
wirklichung der Bedingungen ^u vernichten, von deren Erfüllung man
ursprünglich die Annahme der Präliminarien abhängig gemacht hatteJ")
Viel war damit nicht erreicht, denn Sandwich forderte nun die Zurück-
nahme der am 2J, Mai abgegebenen Erklärung, und wenn auch Kaunit^,
von defn Vertreter Frankreichs unterstützt, dieses Ansinnen entschieden
ablehnte — wie denn ein derartiger Widerruf seitens Österreichs nicht
erfolgt ist — so konnte er doch nicht hindern, dass die Vertreter
Englands und der Generalstaaten am ji. Mai eine Deklaration unter-
zeichneten,^) in der darauf hingewieseti wurde, dass die Accession
») Beer l. c. 4^
*) Vgl. die im folgenden abgedruckte Aecession Österreichs {u den Prj-
liminiirien d, d. 55. Mai»
^) Weisung an Kaunit{ d. J. 14. Mai ; vgl. Arneth l. c. III. ^7/.
'*) Declaration des ministres plenipotentiaires de sa M*^ britannique et de
la republique des Pnrcinces-Unies ; </. d, ly^S Mai yi.
Quoique M*' le comte de Kaunit{ ait accSdt^ de la fa^on la plus simple
et Sans aucune exception ni rcserve aux articles preliminaires signes le }0 Avril
i7.fS et d' une fa«;on si claire que cela ne sauroit souffrir aucune difßculte, ce-
pendant comme il n est point fait nonunement mention dans son dit acte d\ic-
cession de la declaration qu* il a fait auparavant le 2^ du nithne tnois ; pour
tk'iter a l' avenir tout mal entendu ou rquivoque a ce sujet, nous soussignes mi-
nistres plenipotentiaires de sa AP*' le toi de la Grande- Bretagne et de la repub-
lique des provinces unies des Pays-Bas declarons et certißons que nous avons
admis le susdit acte d' aceession pt4renient et simplement et sans aucune reserve
ni exception quelconque, et d* une maniere a ne pouvoir ni devoir t^tre sujette ä
aucune explication relative a la declaration du 2} Mai qui est tenue pour nulle.,
abrogce et sans effet, ainsi qu* il a ete tres-expressement drclare au dit comte
1748 Mai 25 nyo
Österreichs in ihrer bedingungslosen Form accepiiert worden sei, und
in der ausdrücklich die Deklaration des österreichischen Bevollmäch-
t igten vom 2}, Mai als null und nichtig erklärt wurde.
Au nom de la tres sainte trinite.^)
Sa Mte britannique, sa Mte trfes chretienne et les seigneurs
etats generaux des Provincies-Unies, ögalement animös du desir
sincere de se reconcilier et de contribuer au prompt retablisse-
ment de la paix generale en Europe, et persuades que les au-
tres puissances qui ont jusqu*ä present ete ennemies concour-
reront avec le mSme empressement ä des demarches aussi sa-
lutaires que celles qui doivent mettre fin aux calamitös publi-
ques, et ne feront point des difficultös d'acceder ä des arran-
gements dont le bonheur des peuples est X objet, ont pour cet
effet donnö leurs pleins pouvoirs, savoir sa Mte britannique au
sieur Jean comte de Sandwich, vicomte d'Hinchingbrowk, baron
Montagu de S*. Neots, pair d' Angleterre, premier seigneur com-
missaire de T amiraute, son ministre plenipotentiaire aupres des
etats generaux des Provinces-Unies et aux Conferences d'Aix
la Chapelle, sa Mte tres chretienne au sieur Alphonse Marie Louis
comte de S*. Severin d' Aragon, Chevalier nomm^ de ses ordres
et son ministre plenipotentiaire aux Conferences d'Aix la Cha-
pelle, et les seigneurs etats generaux des Provinces-Unies au sieur
Guillaume comte de Bentinck, seigneur de Rhoon et Pendrecht,
du Corps des nobles de la province de Hollande et de Westfrise,
curateur de Tuniversit^ de Leyden etc., Frederic Henry baron
de Wassenaer, seigneur de Catwyk et Zand, du corps des
nobles de la province de Hollande et Westfrise, hoogheimrade
de Rhynland etc., Gerard Arnout Hasselaer, echevin et sena-
teur de la ville d' Amsterstam, directeur de la compagnie des
Indes orientales, deputez respectifs dans Tassemblee des etats
generaux et leurs ministres plenipotentiaires aux Conferences
de Kaunit\ avant et apres son acte d* accession, En foi de quoi nous avons
sigttt^ la presente declaration ä Aix4a-Chapelle le ji Mai J748.
Sandwich. Bentinck. Wassenaer. Hasselaer. van Haren.
Die Wiener Regierung nahm auch in ihrer Ratifikation d. d. 5. Juni
auf diese Sache Rücksicht. Vgl. die Weisung an Wasner d. d. ly. Juni, in
der es heisst, die Ratijikation sei erfolgt „ohne der früheren Deklaration irgend-
wie \u nahe \u treten,"
') Gedruckt nach dem im St.-A. befindlichen Or. der engl. Acceptation.
780 »74^ Mai 25.
d'Aix la Chapelle lesquels apres une mure deliberation sont
convenus des presents articles preliminaires.
L
Les traitös de Westphalie, de Breda de 1667, de Madrid
entre les couronnes d'Espagne et d'Angleterre de 1670, de Ni-
megue, de Riswick, d' Utrecht, de Bade de 1713^, de la qua-
druple alliance signee ä Londres le 2. Aout mil sept cent dix huit,
serviront de base aux presents articles preliminaires et sont renou-
velles dans toute leur teneur ä la reserve des articles auxquels il a
ete cy-devant ou sera deroge par les presents articles preliminaires.
n.
On restituera de part et d'autre toutes les conquetes qui
ont ete faites depuis le commencement de la presente guerre
tant en Europe qu' aux Indes orientales et occidentales en V etat
qu'elles sont actuellement
m.
Dunkerque restera fortifiö du cote de terre en V etat qu* il
est actuellement, et pour le cotd de mer il restera sur le pied
des anciens traitds.
IV.
Les duchös de Parme, de Plaisance et de Guastalla seront
cedes au serenissime infant don Philippe pour lui tenir lieu
d' etablissement avec le droit de reversion aux presents pos-
sesseurs apres que sa Mte le roy des deux Siciles aura passe ä
la couronne d'Espagne, ainsi que dans le cas oü le dit sere-
nissime infant don Philippe viendroit a mourir sans enfants.
V.
Le serenissime duc de Modene sera remis en possession
de ses etats, biens, rentes, prerogatives et dignites de la meme
maniere qu il les possedoit avant la presente guerre ou il lui
sera donne un dedommagement de ce qui ne pourroit lui etre
rendu.
VI.
On rendra a la serenissime republique de Genes tout ce
dont eile etoit en possession avant la presente guerre avec les
mcmes droits, Privileges et prerogatives dont eile jouissoit en
Tannee mil sept cent quarante.
') v^^/. A 7^5'
1748 Mai 25. ySl
vn.
Sa Mte le roy de Sardaigne restera en possession de tout
ce dont il jouissoit anciennement et nouvellement, et particuliete-
ment de Tacquisition qu'il a fait en mil sept cent quarante
trois du Vigevanasque, d'une partie de Pavesan et du comt^
d' Anghera, de la maniere que ce prince les possede aujourd'
hui en vertu des cessions qui lui ont et^ faites.
vm.
Sa Mt^ britannique sera comprise dans les presents ar-
ticles preliminaires en qualite d'electeur d' Hannover ainsi que
Telectorat d' Hannover.
EX.
Sa Mt^ britannique aiant en la dite qualitö d'electeur
d'Hannovre des pretensions ä former sur la couronne d'Es-
pagne pour des sommes d' argent, sa M^e trfes chretienne et les
seigneurs etats generaux des Provinces-Unies s' engagent d' em-
ploier leurs bons Offices aupres de sa Mte catholique pour pro-
curer ä sa Mte britannique la liquidation et le payement de
ces sommes.
X.
Le traite de TAssiento pour la traite des negres, sign^ ä
Madrid le 26. Mars 17 13, et Tarticle du vaisseau annuel sont
specialement confirmös par les presents articles preliminaires
pour les annöes de nonjouissance.
XI.
L'article cinq du traite conclu ä Londres le deux Aoust
mil sept Cent dix huit contenant la garantie de la succession au
royaume de la Grande-Bretagne dans la maison de sa Mte' bri-
tannique ä present regnante, et par lequel on a pourvü ä tout
ce qui peut etre relatif ä la personne qui a pris le titre de roy
de la Grande-Bretagne et ä ses descendants des deux sexes, est
expressement rappellö et renouvelle par les presents articles
preliminaires, comme s'il y etoit insere dans tout son contenu.
xn.
Les pretensions de Y electeur Palatin sur le fief de Pleisteing
seront renvoyees au congres general pour y etre discutöes et
reglöes.
782 1748 Mai 25.
xm.
Sa Mte britannique, sa Mte tres chretienne, et les seigneurs
etats generaux des Provinces-Unies s'engagent ä interposer
leurs bons Offices et leurs soins amiables pour faire regier et
decider par le congrös general le differend concernant la grande
maitrise de T ordre de la toison d'or.
XIV.
Le prince elu ä la dignitö d' empereur sera reconnu en la
dite qualite par toutes les puissances qui ne Tont pas encore
reconnu.
XV.
Les differends concernant les enclaves du Haynaut, Tab-
baye de St. Hubert, les bureaux nouvellement tJtablis et autres
de cette nature, seront renvoies au futur congrös et y seront
decidös.
XVI.
La cessation des hostilitös entre toutes les parties belli-
gerantes aura Heu par terre dans six semaines ä compter du
jour de la signature des presents articles preliminaires, et par
mer on suivra les termes ou espaces de tems portes dans V acte
de Suspension d' armes entre TAngleterre et la France sign6 ä
Paris le 19. Aout 1712.
xvn.
Les restitutions enoncees cy-dessus dans Tarticle second
n'auront lieu qu'a raccession aux presents articles preliminaires
de toutes les puissances qui y sont interessces.
xvm.
Les dites cessions, restitutions, etablissement du serenissime
infant don Philippe, se feront en meme tcms et marcheront
d'un pas egal.
XIX.
Toutes les puissances interressees aux presents articles pre-
liminaires renouvelleront dans la meilleure forme qu'il sera pos-
sible la garantie de la sanction pragmatique du dix neuf Avril
mil sept Cent treize pour tout V heritage du feu empereur Char-
les six en faveur de sa fiUe presentement regnante et de ses
descendans a perpetuite selon V ordre titabli par la dite sanction
1748 Mai 25 y83
pragmatique, ä Texception cependant des cessions deja faites
par la dite princesse et de Celles stipulees par les presents ar-
ticles preliminaires.
XX.
Le duchö de Silesie et le comte de Glatz, tels que sa Mte
prusienne les possede aujourd' hui, seront garantis ä ce prince
par toutes les puissances, parties et contractantes dans les pre-
sents articles preliminaires.
XXL
II y aura un oubli general de tout ce qui a pü ötre fait
ou commis pendant la presente guerre, et chacun au jour de
r accession de toutes les parties sera conservö ou remis en pos-
session de tous les biens, dignites, benefices ecclesiastiques, hon-
neurs, rentes dont il jouissoit ou devoit jouir au commence-
ment de la guerre, non obstant toutes depossessions, saisies ou
confiscations occasionnees par la presente guerre.
XXII.
Toutes les puissances qui ont part aux arrangements pris
par les presents preliminaires seront invitees a y acceder le
plutöt qu'il sera possible.
XXIII.
Toutes les puissances interess^es et contractantes dans les
presents articles preliminaires en garantiront reciproquement et
respectivement Texecution.
XXIV.
Les ratifications des presents articles preliminaires seront
(^chang^es dans cette ville d*Aix la Chapelle dans Tespace de
trois semaines ou plutöt, si faire se peut.
En foy de quoi nous soussigncs ministres plenipotentiaires
de sa Mte britannique, de sa Mte tres chretienne, et des seigneurs
etats generaux des Provinces-Unies en vertu de nos pouvoirs
respectifs avons esdits noms signö ces presents articles pre-
liminaires et y avons fait apposer le cachet de nos armes.
Ä Aix la Chapelle le trente Avril mil sept cent quarante huit.
L. S. Sandwich. L. S. St. Severin d' Aragon. L. S. W. Bentinck.
L. S. F. H. v. Wassenaer.
L. S. G. A. Hasselaer.
784 *748 Mai 25.
Article separö et secret.
En cas de refus ou de delay de la part de quelque iine
des puissances interessöes aux presents articles preliminaires de
concourir k la Signatare et ä Texecution des dits articles, sa
Mte britannique, sa Mt^ tr^s chretienne, et les seigneurs etats
generaux des Provinces-Unies se concerteront ensemble sur
les moyens les plus efficaces pour Texecution de ce qui est
convenu cy-dessus entre eux, et si contre toute attente quel-
qu'une de ces puissances persistoit ä n'y pas consentir, eile
ne jouira point des avantages qui lui sont procur^s par les pre-
sents articles preliminaires. Cet article separe et secret aura la
meme force que si il ötoit inserö de mot ä mot dans les ar-
ticles preliminaires conclus et sign^s aujourd'hui. II sera ra-
tifie de la meme maniere, et les ratifications en seront echan-
göes dans le meme tems que Celles des articles preliminaires
En foy de quoy nous soussignös ministres plenipotentiaires
de sa Mte britannique, de sa Mt^ trös chretienne, et des seigneurs
etats generaux des Provinces-Unies en vertu de nos pleins pou-
voirs respectifs avons signe cet article separ6 et secret de nos
seings ordinaires et y avons fait apposer le cachet de nos armes.
Ä Aix la Chapelle le trente Avril mil sept cent quarante huit*)
Nous soussignes ministres plenipotentiaires de sa Mte bri-
tannique, de sa Mte tres chretienne, et des seigneurs etats gener-
aux des Provinces-Unies declarons qu', aiant aujourd' hui signe
des articles preliminaires pour la paix generale et voulant em-
pecher autant qu'il depend de nous la continuation de Teffu-
sion du sang chretien, nous sommes 'convenus sous le con-
sentement et Y approbation de sa Mte' britannique, de sa Mte' tres
chretienne, et des seigneurs etats generaux des Provinces-Unies
que toutes les hostiUtes ulterieures, excepte le siege de Maestricht
deja commence, cesseront dans tous les Pa'is-Bas, et qu'on en
fera part aux generaux respectifs des troupes des differentes
puissances pour pouvoir convenir entre eux du jour precis que
cette cessation d' hostilitös * aura lieu. En foy de quoy nous
avons signe le present acte. Fait ä Aix la Chapelle le trente
Avril mil sept cent quarante huit.^)
•) Dicsclhtm Unterschriften wie im Hauptvertragc.
') Folgen die Unterschriften wie oben.
174^ Mai 25.' ^85
Nous soussignes, ministres plenipotentiaires de sa Mte bri-
tannique, de sa Mte tr6s chrßtienne, et des seigneurs etats gener-
aux des Provinces-Unies declarons qu'aiant reconnu que dans
les articles preliminaires de paix signös par nous le 30 Avril
dernier Tarticle premier est con9U dans ces termes:
Es folgt der i, Artikel der Präliminarien wie obenJ)
nous sommes convenus qu'il a ctö ainsi ccrit dans les quatre
Instruments des dits articles preliminaires par erreur et faute
de copiste et qu'il doit 6tre reformö de la maniere suivante:
„Les traitös de Westphalie, les deux traites de Madrid entre
les couronnes d'Espagne et d' Angleterre, le premier du J23. May
1667 et le second du 18. Juillet 167O; de Nimegue, de Riswick,
d' Utrecht, de Bade de 17 14, de la triple alliance conclue a la
Haye le 4. Janvier 17 17, de la quadruple alliance sign^e ä Lon-
dres le 2 Aout 17 18 et celui de Vienne du 18. Novembre
1738 serviront de base aux presents articles preliminaires, et
sont renouvelles dans toute leur teneur ä la reserve des arti-
cles aux quels il a ete cy-devant ou sera derogö par les pre-
sents articles preliminaires."
Declarons de plus que V article second etant con^u en ces
termes :
Es folgt der a. Artikel wi^ oben,^)
nous sommes convenus que pour plus de precision il doit ötre
con^u dans les termes suivants:
„On restituera de part et d' autre toutes les conquetes qui
ont 6X6 faites ou qui pourroient ctre faites depuis le commen-
cement de la presente guerre jusqu'ä la paix generale tant en
Europe qu'aux Indes orientales et occidentales, ä la reserve de
ce dont il est dispose autrement par les articles preliminaires
signes par nous le 30. Avril de la presente annee."
En foy de quoy nous avons signe la presente declaration
qui doit servir et valoir comme si ces deux articles etoient
inseres de mot ä mot ainsi reformes dans les articles prelimi-
naires, et dont il sera donne une ratification separee, valable et
en bonne forme dans le terme de trois semaines stipule pour
la ratification generale des dits articles preliminaires, et avons
ä la presente declaration fait apposer le cachet de nos armes.
•) Vgl. p. 780.
') Vgl. p. 780.
österreichisch-englische Stnats vertrage. Bd. f. 5°
786 174^ Mai 25.
Fait ä Aix la Chapelle le vingt un May mil sept cent
quarante huit.^)
Nous soussignö, ministre plenipotentiaire de sa Mte Tim-
peratrice, reine d' Hongrie et de Boheme, etc. etc. etc, declarons
que quoique differentes raisons ayent empechö jusqu' ici sa
Mte r imperatrice d'acceder aux articles preliminaires signes
dans cette ville d'Aix la Chapelle le trente du mois d'Avril
par les ministres plenipotentiaires de sa Mte britannique, de
sa Mte tr^s chretienne, et des seigneurs etats generaux des Pro-
vinces-Unies, sa Mte' voulant contribuer autant qu'il depend
d'elle au plus prompt retablissement de la paix et de la tran-
quilite generale: Nous au nom de sa dite Mte' T imperatrice,
reine de Hongrie et de Boheme, en vertu des pleins pouvoirs
dont nous sommes munis, accedons sans reserve ni exception
ä tout le contenu des dits articles preliminaires qui nous ont
ete communiques; ainsi que nous accedons k la declaration
signee le vingt un de ce mois par les ministres susdits pour
rectifier des erreurs de dattes et omissions contenues dans le
Premier article des preliminaires et pour donner plus d'exten-
tion au second des dits articles ; et acceptons la dite declaration
dans tout son contenu.
Declarons de plus quant ä la cessation d'hostilites que,
tout comme nous acceptons par la presente accession aux pre-
liminaires ce qui y est stipule sur ce sujet dans le seizieme ar-
ticle, nous acceptons aussi l'acte separc de Suspension d* armes
dattc du trente Avril, et que par consequent la cessation d'ho-
stilites aura lieu pareillement entre les armees de sa Mte r im-
peratrice et Celles de sa Mte trös chretienne dans le terme de
trois semaines a compter du jour de la presente accession.
Promettons raporter dans Tespace de trois semaines la
ratification en bonne forme de sa Mte r imperatrice de la pre-
sente declaration que nous avons signe de notre main, et a
laquelle nous avons fait apposer le cachet de nos armes.
Fait ä Aix la Chapelle le vingt cinq May mil sept cent
quarante huit.
Le comte V. A. de Kaunitz-Rittberg.
') Dieselben Unterschriften wie im Hauptcertrage.
1748 Mai 25. 1^87
Nous soussignö, ministre plenipotentiaire de sa Mte bri-
tannique aux Conferences d' Aix la Chapelle, declarons que mon-
sier le comte de Kaunitz-Rittberg, seigneur de Essens, Stedes-
dorff, Wittmund, Austeiiitz, Hungrisch-Brod, Wiese etc. etc. etc.,
conseiller d* etat intime actuel de leurs Mtes imperiales et pre-
mier ministre plenipotentiaire de sa Mte T imperatrice, reine
de Hongrie et de Boheme, aux dites Conferences, aiant declare
hier par un acte signö de lui en vertu de ses pleins pouvoirs,
qu'il accede au nom de sa dite Mte Timperatrice, reine de
Hongrie et de Boheme, purement et simplement et dans la
meilleure forme qu'il est possible aux articles preliminaires de
paix, a Tarticle separe et secret, a Tacte pour la cessation des
hostilites, le tout signe par nous dans cette ville d' Aix la Cha-
pelle le trente du mois d'Avril, ainsi que par messieurs les
plenipotentiaires de sa Mte trfes chretienne et des seigneurs etats
generaux des Provinces-Unies, et h la declaration signce aussi
par nous et les dits ministres le 21. de ce mois, pour rectifier
des erreurs de date et omissions contenues dans le premier ar-
ticle des preliminaires et pour donner plus d'extension au se-
cond article, et acceptant le tout dans toute sa forme et teneur
Sans aucune exception et de la maniere la plus simple qu' il est
possible, nous au nom et de Tautoritö de sa Mte britannique
avons admis, adjoint et associe, comme par le present acte ad-
mettons, adjoignons et associons pleinement et entierement sa
dite Mt^ Timperatrice, reine de Hongrie et Boheme, aux dits pre-
liminaires inseres cy-dessus et aux declarations qui y ont rapport.
Promettons en vertu de la meme autorite que sa Mte bri-
tannique executera et accomplira entierement ä Tegard de sa
Mt<^ Timperatrice, reine de Hongrie et de Boheme, toutes les
conditions contenues et exprimees dans les dits articles pre-
liminaires.
En foy de quoy nous avons remis h monsieur le comte
de Kaunitz-Rittberg le present acte d' acceptation signe de nous,
et auquel nous avons fait apposer le cachet de nos armes, et
dont nous promettons lui remettre la ratification de sa Mte' bri-
tannique en bonne forme dans Tespace de trois semaines.
Fait ä Aix la Chapelle le vingt six May mil sept cent
quarante huit. L. S. Sandwich, i)
») Dieselbe Acceptation liegt auch seitens Fr ankreiclts und der Gener alstaaten vor,
so*
788 174^ Mai 25.
D^claration des ministres plenipotentiaires aux Conferences d'Aix-
la-Chapelle relative au n article des preliminaires.
(Ausfertigung des Lord Sandwich. Kopie St.-A )
Nous soussignö, ministre plenipotentiaire de sa Mte bri-
tannique aux Conferences d' Aix-la-Chapelle, declarons que par
r Interpretation que nous avons donn^e le 21 de ce mois au
second des articles preliminaires signes le trente Avril par nous
et les ministres de sa Mte trös chretienne et de L. H. P. les
seigneurs etats generaux des Provinces-Unies, ii est expresse-
ment önoncö „Qu'on restituera de part et d'autre toutes les
conquetes qui ont etö faites et qui pourroient etre faites depuis
le commencement de la presente guerre jusqu'ä la paix ge-
nerale tant en Europe qu'aux Indes orientales et occidentales,
ä la reserve de ce dont il est dispose autrement par les dits ar-
ticles preliminaires, signes par nous le trente Avril dans la pre-
sente ann^e." Nous entendons que toutes les dites conquetes
seront rendues en T etat ou elles ^toient au dit jour trente Avril,
comme il est dit dans le second article de T original des pre-
liminaires.
En foi de quoi nous avons signö la presente declaration
dont nous promettons fournir la ratification en bonne forme
dans Tespace de trois semaines ä compter d* aujourd' hui et ä
laquelle nous avons fait apposer le cachet de nos armes. Fait
ä Aix-la-Chapelle le trente un May mil sept cent quarante huit.
L. S. Sandwich.
Nous soussigne, ministre plenipotentiaire de sa Mt^.' Tim-
peratrice, reine de Hongrie et de Boheme, aux Conferences
d'Aix la Chapelle, declarons qu'aiant accede le vingt cinq de
ce mois aux preliminaires, a 1' article separc et secret, et a la
Convention pour la cessation des hostilites, le tout signe par
messieurs les ministres plenipotentiaires de sa Mte britannique,
de sa Mte trcs-chretienne et des seigneurs etats generaux des
Provinces-Unies le trent Avril demier dans cette ville d'Aix
la Chapelle, et ayant accede de meme a la declaration, signee
par les dits ministres le vingt et un de ce mois; nous n' avons
accede au nom de sa M^e T imperatrice, reine de Hongrie et de
Boheme, ä la dite declaration du vingt et un May, et ne V avons
accepte que dans le sens de la delaration ulterieure, signee au-
1748 Okt. 23. 789
jourd'hui par messieurs les ministres susdits; savoir qu ils ont
entendu que toutes les dites conquetes seront rendues en V etat
qu'elles etoient au dit jour trente Avril, comme il est dit dans
le second article de T original des preliminaires.
En foi de quoi nous avons s\gn6 la presente declaration,
promettant d'en rapporter la ratification en due forme de sa
Mte l'imperatrice dans Tespace de trois semaines.
Fait ä Aix la Chapellc le trente et un May mil sept cent
quarante huit.
Le comte V. A. de Kaunitz-Rittberg. 0
53.
Accession Österreichs d. d. Aachen 1748 Okt. 2^ :(um Frieden
von Aachen d. d. Aachen 1748 Okt 18 und Konventiofi fischen
Maria Theresia und Georg IL, betreffend die Exekution des
Aachner Friedens im Falle des Unterbleibens der Accession einer
der kriegführenden Mächte d. d. Aachen 1748 Okt 24.
Rat, Georgs IL d, d, Hannover 1748 18, jag. Okt,; Maria Theresias
d. J. Wien 174S Nov. j.^)
Die Originale der Accession sowie der Konvention im St.-A. und /?. O.,
das Original der Ratifikation Georgs IL im St-A., jenes der Ratifikation Maria
Theresia* s im R. O.
Drucke bei Bittner Nr. ()6o u. p62.
An Bemühungen eine Änderung an den Bestimmunsfen der Prä-
liminarien {u Gunsten Österreichs durch:(nset^en , haben es Maria
') Die Zustimmungserklärung der Vertrag sgegner Österreichs lautet nach
devi im 5/.-/1, vorhandenen Or. der Rat. der französischen Erklärung (die eng-
lische war im St-A. nicht auffindbar) durch Ludwig XV.
Nous etc, dt'clarons que M*' le comte de Kau nit{- Rittberg ministre plt-ni-
potentiaire de sa M^^ l'imperatrice, reyne de Hongrie et de Boheme, a accede
aujourd' huy a la declaration signee aussy aujourd* huy par nous et M*"' les mi-
nistres pienipotentiaires de sa Af'**' britannique et des seigneurs etats gcneraux
des Provinces-Unies, pour Interpreter ce qui est dit dans la declaration du vingt
un May, signee par nous et les dits ministres, relativement a V articl^ second
des prdiminaires du trente Avril, nous acceptons la dite accession de M*" le comte
de Kaunit{-Rittberg par le present acte que nous luv avons remis et dont nous
promettons rapporter la ratiffication en bonne forme dans l* espace de trois se-
maines. Fait ä Aix la Chapelle le trente un May mil sept cent quarante huit,
*) Aus denselben Gründen, aus denen die Insertion der Präliminarien vom
n^O '748 Okt. 23.
Theresia und Kaunit:^ in den Monaten, die der Unterzeichnung der-
selben folgten, nicht fehlen lassen. Sie verhandelten mit den See-
mächten, ^u gleicher Zeit aber auch mit Frankreich, Und je lieut-
licher die Haltung der Ersteren, namentlich die der Engländer , er-
kennen Hess, dass von dieser Seite eher eine Verschärfung als eine
Milderung jener Vertragsbestimmungen :^u erwarten stand, die Öster-
reichs Interessen betrafen, desto lebhafter beschäftigte die Wiener Re-
gierung der Gedanke, sich mit dem Hauptgegner, mit dem Könige von
Frankreich, über einen Separatfrieden {u einigen, der wenigstens in
einigen Punkten den Wünschen Maria Theresia' s entsprechen sollte.
In der Tat schien es längere Zeit, als werde es {u einer besonderen
Abmachung ^^ischen Osterreich und Frankreich kommenS) Allein auch
diesmal entschloss sich Ludwig XV. nach längerem Schwanken die von
den Seemächten beantragte allgemeine Pacißkation der besonderen mit
Österreich vorzuziehen. Diesem aber blieb, von allen Seiten im Stiche
gelassen, nichts übrig, als sich ^u fügen. Kaunit^ erhielt Ende Sept.
die Weisung, an den Beratungen, die in Aachen stattfanden, teilzu-
nehmen und ^M retten was z^ retten war ; vor allem aber darauf zu
sehen, „dass uns wegcfi Sardinien und Preussen ein mehreres als die
Präliminarien vermögen, nicht aufgedrungen wird.^^^) Der österrei-
chische Bevollmächtigte entwickelte in der Tat eine fieberhafte Tätig-
keit, suchte die Verbündeten und die Gegner in gleich energischer
Weise ^w Konzessionen .{// bewegen^) und betonte immer wieder, dass
Österreich sich nur dann an dem Friedensschlüsse beteiligen wolle,
falls die Übergabe der spanischen Niederlande an Maria Vieresia erfolge,
und die Preussen und Sardinien betreffenden Präliminarartikel wört-
lich in den Vertrag aufgenommen würden. Das letztere durchzusetzen
gelang ihm, dagegen rief die erste dieser Forderungen lebhafte De-
batten hervor, da die Vertreter der Generalstaaten nicht nur darauf
bestanden, dass die Barriereplätze ihren Truppen übergeben werden
sollten, sondern auch die Aufnahme eines Zusatzes im Vertrage for-
derten^ der bestimmt war, ihre bisherigen Rechte {u wahren. Es be-
^ü. April in die Acccssionserkläning Österreichs d. d. 25. Mai {um Abdrucke
gelangte, publizierte wir auch im nachfolgenden den Wortlaut des . [achner Frie-
dens als Einleitung der Accession Österreichs \u demselben.
') Vgl. Broglie l. c. 188 ff. und Beer l. c. 48 ff.; der Vertragsentwurf
Österreichs ist abgedruckt bei Beer l. c. i^y ff.
«) Vgl Beer L c. 7./.
•'') Vgl. für diese Verhandlungen des Grafen Kaunit\ Beer l. c. 86 ff,,
wo auch die einzelnen Punkte, um die es sich handelte, erörtert sind.
1748 Okt. 23. 791
dtirße langer Verhandlungen , bis Kaunit:^ und Bentinck sich über eine
Form einigten, die den Wünschen beider Mächte Rechnung trug, *) Am
18, Oktober wurde der deßnitivc Vertrag von den Vertretern Frank-
reichs, Englands und der Vereinigten Niederlande unter :{e lehnet. Man
hatte es Osterreich freigestellt, sich an der Unterjertigung {u beteiligen,
oder dem Deßnitiwertrage wie früher den Präliminarien beizutreten.
Der Wiener Hof entschied sich für das letztere. Am 2ß, Oktober
erfolgte die Accession Österreichs, und am folgenden Tage schloss
dasselbe mit England wie mit Frankreich, Spanien und den General-
Staaten Konventionen, durch die es sich ^ur Durchführung der Ver-
tragsbestimmungen auch für den Fall verpflichtete , dass eine der krieg-
führenden Mächte die Accession ^um Aachener Frieden verweigern
sollte,^)
Au nom de la tres sainte et indivisible trinitö; pere, fils et
Saint esprit.
Ainsi soit il: Soit notoire ä tous ceux qu'il appartiendra
ou peut appartenir:
Les ambassadeurs extraordinaires et plenipotentiaires de
sa Mte britannique, de sa Mte tres chretienne et des hauts et
puissants seigneurs les etats generaux des Provinces-Unies aiant
conclu et signe en cette ville d* Aix la Chapelle le dix huit du
present mois d' Octobre sur le fondement des preliminaires, con-
venus et arretes d' abord entre eux le trentieme Avril de cette
annee, un traite general et definitif de paix et deux articles se-
pares desquels traite et articles separös la teneur s'ensuit.
Au nom de la tres sainte et indivisible trinite, pere, fils et saint
esprit.
Ainsi soit il: Soit notoire ä tous ceux qu'il appartiendra
ou peut appartenir en maniere quelconque. L'Europe voit luire
le jour que la providence divine avoit marque pour le retablis-
sement de son repös. Une paix generale succede ä la longue
*) In dem Projekte du Theils lautete dieser Siit{ : Le roy tres chretien re-
mettra taut ii la reine de Hongrie et de Boheme imperatriee qu* aux etats ge-
neraux des Provinces-Unies toutes les conquetes qu il a faites dans les Pays-Bas
catholiques pour Hre possedees par la reine de Hongrie et de Bolieme . . . sur Ic
meme pied et sous les memes conditio ns qu eile les a possedt^es ou du posseder
avant la presente guerre,
*) Vgl. den Abdruck im Anhange \um Abdrucke der Accession Österreichs
\utn Aachner Frieden,
792 '74^ Okt. 23.
et sanglante guerre qui s'etoit elevee entre le serenissime et
tres puissant prince George second, par la grace de dieu roy
de la Grande-Bretagne, de France et d'Irlande, duc de Brun-
swick et de Lunebourg, architresorier et electeur du saint em-
pire romain etc. et la serenissime et tres puissante princesse
Maria Therese, par la grace de dieu reyne de Hongrie et de
Boheme etc., imperatrice des Romains d'une part, et le sere-
nissime et tres puissant prince Louis quinze, par la grace de dieu
roy tres chretien de Tautre, comme aussi entre le roy de la
Grande-Bretagne, V imperatrice-reine de Hongrie et de Boheme
et le serenissime et tres puissant prince Charles Emanuel trois,
par la grace de dieu roy de Sardaigne d'une part, et le sere-
nissime et tres puissant prince Philippe cinq, par la grace de
dieu roy d'Espagne et des Indes (de glorieuse memoire) et
apres son deces le serenissime et tres puissant prince Ferdinand
six, par la grace de dieu roy d'Espagne et des Indes de Tau-
tre, ä laquelle guerre s' etoient interesses les hauts et puissants
seigneurs les etats generaux des Provinces-Unies de Pays-Bas
comme auxiliaires du roy de la Grande-Bretagne et de T im-
peratrice, reyne de Hongrie et de Boheme; le serenissime duc
de Modene et la serenissime republique de Genes comme au-
xiliaires du roy d'Espagne. Dieu dans sa misericorde a fait
connoitre ä toutes ces puissances en meme tems la voye par
laquelle il vouloit qu'elle se reconciliassent et rendissent la
tranquillitö aux peuples qu'il a soumis a leur gorvernement ;
elles ont envoie leurs ministres plenipotentiaires ä Aix la Cha-
pelle, QU ceux du roy de la Grande-Bretagne, du roy tres chre-
tien et des etats generaux des Provinces-Unies, etant convenus
des conditions preliminaires d' une pacification generale, et ceux
de r imperatrice reine de Hongrie et de Boheme, du roy ca-
tholique, du roy de Sardaigne, du duc de Modene et de la re-
publique de Genes y aiant accedc, une cessation generale
d'hostilites par mer et par terre en est heureusement resultee.
A Teilet de consommer dans le meme Heu d'Aix la Chapelle
le grand ouvrage d'une paix aussi convenable a tous que so-
lide, les hauts contractans ont nomme, commis et muni de
leurs pleins-pouvoirs les tres illustres et tres excellens seigneurs
pour leurs ambassadeurs extraordinaires et ministres plenipo-
tentiaires savoir; sa sacrc^e Mte britannique les seigneurs Jean
comte de Sandwich, vicomte de Hinchinbrooke, baron Montagu
1748 Okt. 23. y^3
de Saint Neots, paire d' Angleterre, premier seigneur commis-
saire de V amiraute, V un des seigneurs regens du royaume, son
ministre plenipotentiaire aupres des seigneurs etats generaux
des Provinces-Unies, et Thomas Robinson, Chevalier du tres
honorable ordre du bain et son ministre plenipotentiaire aupres
de sa Mte l'empereur des Romains et de sa Mt^' Timperatrice,
reine de Hongrie et de Boheme; sa sacree Mte tres chretienne
les seigneurs Alphonse Marie Louis comte de Saint Severin
d' Arragon, Chevalier de ses ordres, et Jean Gabriel de la Porte
du Theil, Chevalier de V ordre de Notre-Dame de Mont Carmel
et de Saint Lazare de Jerusalem, conseiller du roy en ses con-
seils, secretaire de la chambre et du cabinet de sa Mte, des
commandemens de monseigneur le dauphin et des mesdames
de France; sa sacree Mte T imperatrice, reine de Hongrie et de
Boheme, le seigneur Wenceslas Antoine comte de Kaunitz-
Rittberg, seigneur de Essens, Stetesdorf, Wittmund, Austerlitz,
Hongrischbrod, Wiese etc., conseiller d'etat intime actuel de
leurs Mtes imperiales; sa sacree Mte' catholique le seigneur don
Jaques Massones de Lima y Sotto Major, gentilhomme de la
chambre de sa dite Mte catholique et marechal de camp de ses
armees; sa sacree Mte le roy de Sardaigne les seigneurs don
Joseph Ossorio, Chevalier grand croix et grand conservateur de
r ordre mihtaire de Saint Maurice et Lazare et envoie extra-
ordinaire de sa Mte' le roy de Sardaigne auprfes de sa Mte le
roy de la Grande-Bretagne, et Joseph Borre comte de la Cha-
vanne, son conseiller d' etat et son ministre aupres des seigneurs
etats generaux des Provinces-Unies; les hauts et puissants sei-
gneurs les etats generaux des Provinces-Unies les seigneurs
Guillaume comte de Bentinck, seigneur de Rhoon et Pendrecht,
du Corps des nobles de la province de Hollande et Westfrise,
curateur de T universite de Leyden etc. etc. etc., Frederic Henry
baron de Wassenaer, seigneur de Catwick et Zand, du corps
des nobles de la province d' Hollande et de Westfrise, hoog-
heemrade de Rhynlande etc., Gerard Arnoud Hasselaer, bour-
guemaitre et conseiller de la ville d' Amsterdam, directeur de
la compagnie des Indes orientales, Jean baron de Borssele, pre-
mier noble et represuntant la noblesse dans les etats au con-
seil et ä T amiraute de Zelande, directeur de la compagnie des
Indes orientales, Onno Zwier de Haren, grietman de Westel-
lingwcrf, conseiller depute de la province de Frise et com-
794 «748 Okt. 23.
missaire general de toutes les troupes suisses et grisonnes au
Services des dits seigneurs etats generaux et deput^s respectifs
en rassembl6e des etats generaux et au conseil d'etat de la
part des provinces de Hollande et de Westfrise, de Zelande et
de Frise ; le serenissime duc de Modene le sieur comte de Mon-
zone, son conseiller d'etat et colonel ä son service et son mi-
nistre plenipotentiaire aupres de sa Mte tres chretienne ; la se-
renissime republique de Genes le sieur Fran^ois Marquis Doria.
Lesquels, apres s'etre duement communiquö leurs plein-
pouvoirs en bonne forme dont les copies cont ajoutees ä la
fm du present traite et avoir conferö sur les divers objets quo
leurs souverains ont juge devoir entrer dant cet instrument de
paix generale, sont convenus des articles dont la teneur s'ensuit.
I.
II y aura une paix chretienne, universelle et perpetuelle tant
par mer que par terre et une amitie sincere et constante entre
les huit puissances cy-dessus nommöes et entre leurs heretiers
et successeurs, royaumes, etats, provinces, pays, sujets et vas-
saux de quelque qualite et condition qu'ils soient, sans excep-
tion de lieux ni de personnes; en sorte que les hautes parties
contractantes apportent la plus grande attention ä maintenir
entre elles et leurs dits etats et sujets cette amitie et corre-
spondence reciproque, sans pcrmettre que de part ni d'autre
on commette aucune sorte d'hostilites pour quelque cause et
sous quelque pretexte que ce puisse etre, et evitant tout ce qui
pourroit alterer ä l'avcnir l'union hcuresement retablie entre
elles, et s'attachant au contraire a procurer en toute occasion
ce qui pourroit contribuer a leur gloire, interets et avantages
mutuels, sans donner aucun secours ou protection directement
ou indirectement a ceux qui voudroient porter quelque preju-
dice a Tune ou a Tautre des dites hautes parties contractantes.
IL
II y aura un oubli general de tout ce qui a pü etre fait ou
commis pendant la guerre qui vient de fmir, et chacun au jour
de Techange des ratifications des toutes les parties sera con-
serve ou remis en possession des tous les biens, dignites, be-
nefices eclesiastiques, honneurs, rentes dont il juissoit ou devoit
1748 Okt. 23. yge
jouir au commencement de la guerre, non obstant toutes de-
possessions, saisies ou confiscations occasiormees par la dite
guerre.
m.
Les traites de Westphalie de mille six cent quarante huit,
ceux de Madrid entre les couronnes d' Angleterre et d' Espagne
de mille six cent soixante sept et de mille six cent soixante
dix, les traites de paix de Nimegue de mil six cent soixante
dix huit et de mille six cent soixante dix neuf, de Ryswyck
de mille six cent quatrevingt dix sept, d* Utrecht de mille sept
cent treize, de Bade de mille sept cent quatorze, le traite de
la triple alliance de la Haye de mille sept cent dix sept celui
de la quadruple alliance de Londres de mille sept cent dix huit
et le traitö de paix de V^ienne de mille sept cent trente huit
servent de base et de fondement k la paix generale et au pre-
sent traite, et pour cet effet ils sont renouvelles et confirmes
dans la meilleure forme et comme s'ils etoient inseres ici mot
ä mot, en sorte qu'ils devront exactement etre observes ä
Tavenir dans toute leur teneur et religieusement executcs de
part et d'autre, ä Texception cependant despoints auxquels il
est derog(5 par le present traite.
IV.
Tous les prisonniers faits de part et d'autre tant sur terre
que sur mer et les otages exiges ou donnes pendant la guerre
et jusqu'ä ce jour seront restitues sans ranfon dans six se-
maines au plus tard ä compter de Techange de la ratilication
du present traitö, et V on y procedera immediatement apres cet
echange, et tous les vaisseaux tant de guerre que marchands qui
auront et6 pris depuis Texpiration des termes convenus pour
la cessation des hostilitcs par mer seront pareillemcnt rendus
de bonne foi avec tous leurs equipages et cargaissons, et il sera
donne de part et d' autre des suretös pour le paiement des det-
tes que les prisonniers ou otages auroicnt pü contractcr dans
les etats ou ils auroient etc detenus jusqu' ä leur entiere libertc.
■ V.
Toutes les conquetes qui ont ete faites depuis le commen-
cement de la guerre, ou qui depuis la conclusion des articles
preliminaires signes le trente du mois Avril dernier pourroient
796 1748 Okt. 23.
avoir etö ou etre faites soit en Europe soit aux Indes orien-
tales ou occidentales ou en quelque partie du monde que ce
soit, devant etre restituöes sans exception conformement a ce
qui a ete stipule par les dits articles praeliminaines et par les
declarations signees depuis, les hautes parties s*engagent ä faire
incessament proceder ä cette restitution ainsi qu'ä la mise en
possession du serenissime infant don Philippe dans les etats
qui lui doivent etre cedes en vertu des dits preliminaires, les
dites parties renon^ant solemnellement tant pour elles que
pour leurs heretiers et successeurs k tous droits et pretentions
ä quelque titre et sous quelque pretexte que ce puisse etre,
ä tous les etats, pays et places qu' elles s'engagent respective-
ment ä restituer ou ä ceder, sauf cependant la reversion stipulee
des etat^ cedes au serenissime infant don Philippe.
VI.
II est arretö et convenu que toutes les restitutions et ces-
sions respectives cn Europe seront entierement faites et exe-
cutees de part et d'autre dans l'espace de six semaines ou
plutöt si faire se peut, ä compter du jour de Techange des rati-
fications du present traitc de toutes les huit parties ci dessus
nommees, de sorte que dans le memo terme de six semaines
le roy tres chretien remettra tant h V imperatrice, reine de Hon-
grie et de Boheme, qu'aux etats generaux des Provinces-Unies
toutes les conquetes qu' il a faites sur eux pendant cette guerre.
L' imperatrice, reyne de Hongrie et de Boheme, sera re-
mise en consequence dans la pleine et paisible possession de
tout ce qu'elle a possede avant la presente guerre dans les
Pais-Bas et ailleurs, sauf ce qui est regle autrement par le pre-
sent traite. Dans le meme tems les seigneurs etats generaux
des Provinces-Unies seront remis dans la pleine et paisible pos-
session et teile qu'ils l'avoient avant la presente guerre des pla-
ces de Bergen-op-Zoom et de Macstricht et de tout ce qu'ils
possedoient avant la dite presente guerre dans la Flandre dite
HoUandoise et dans le Brabant dit HoUandois et ailleurs, et les
villes et places dans les Pais-Bas dont la souverainete appar-
tient a T imperatrice, reine d' Hongrie et de Boheme, dans les-
quelles leurs hautes puissances ont le droit de garnison, seront
evacuees aux trouppes de la republique dans le meme espace
de tems. Le roy de Sardaigne sera de meme et dans le meme
1748 Okt. 23. yc)^
terme entierement retabli et maintenu dans le duchc de Savoie
et dans le comt^ de Nice, aussi bien que dans tous les etats,
pays, places et forts conquis et occup^s sur lui ä Y occasion de
la presente guerre.
Le serenissime duc de Modene et la serenissime republi-
que de Genes seront aussi dans le meme terme entierement
retablis et maintenus dans les etats, pays, places et forts con-
quis ou occupös sur eux pendant la presente guerre, et ce con-
formement ä la teneur des articles treizieme et quatorzieme de
ce traitd qui les concernent
Toutes les restitutions et cessions des dittes villes, forts
et places se feront avec toute Y artillerie et munitions de guerre
qui s'y sont trouv^es au jour de leur occupation dans le cours
de la guerre par les puissances qui ont k faire les dittes ces-
sions et restitutions, et ce suivant les inventaires qui en ont
et6 faits ou qui en seront delivres de bonne foi de part et
d'autre; bien entendu qu'ä Tegard des pieces d' artillerie qui
ont ete transportces ailleurs pour etre refondues ou pour d' au-
tres usages elles seront remplacees par le meme nombre, de
meme calibre ou poids en metal, bien entendu aussi que les
places de Charleroy, Mons, Ath, Oudenarde et Menin dont on
a demoli tous les ouvrages extcricurs seront restituees sans
artillerie; on n'exigera rien pour les fraix et depenses em-
ploiös aux fortifications de toutes les autres ni pour autres
ouvrages publics ou particuliers qui ont ete faits dans les pays
qui doivent etre restitues.
vn.
En consideration des restitutions que sa Mt<^ tres chrctienne
et sa Mtt* catholique fönt par le present traite soit a sa Mte
Timpcratrice, reine de Hongrie et de Boheme, soit ä sa Mte le
roy de Sardaigne, les duches de Parme, de Plaisance et de
Guastalle appartiendront ä Favenir au serenissime infant don
Philippe pour etre possedös par lui et ses descendans mäles
nes en legitime mariage en la meme maniere et dans la meme
etendue qu'ils ont ete ou du etre possedes par les presents
possesseurs, et le dit serenissime infant ou ses descendans mä-
les jouiront des dits trois duches conformement et sous les
conditions exprimöes dans les actes de cession de Timperatrice,
reine de Hongrie et de Boheme, et du roy de Sardaigne. Ces
798 174^ Okt. 23.
actes de cession de T imperatrice, reine de Hongrie et de Bo-
heme, et du roy de Sardaigne seront remis avec leurs ratifica-
tions du present trait^ ä V ambassadeur extraordinaire et pleni-
potentiaire du roy catholique, de meme que les ambassadeurs
extraordinaires et plenipotentiaires du roy tres chretien et du
roy catholique remettront avec les ratifications de leurs Mtes
ä celui du roy de Sardaigne les ordres aux generaux des troup-
pes fran9oises et espagnolles de remettre la Savoie et le comte
de Nice aux personnes commises par ce prince ä Teffet de les
recevoir, de sorte que la restitution des dits etats et la prise
de possession des duchös des Parme, Plaisance et Guastalle, par
ou au nom du serenissime infant don Philippe puisse s' effectuer
dans le meme tems, conformement aux actes de cession dont
la teneur s'ensuit.
Nos Maria Theresia etc.
Notum testatumque vigore praesentium facimus, cum
finiendo funesto hello inter ministros plenipotentiarios Sere-
nissimi et potentissimi principis domini Georgii secundi Magnae-
Britanhiae regis et Serenissimi ac potentissimi principis domini
Ludovici decimi quinti regis christianissimi, nee non celsorum
et potentium statuum generalium unitarum foederati Belgii pro-
vinciarum, trigesima Aprilis die huius anni de certis quibusdam
articulis praeliminaribus conventum^ hique posthac ab omnibus
quos illi concernunt principibus rati habiti, tenor autem articuli
eorundem quarti scquentem in modum conceptus sit:
Les duches de Parme, de Plaisance et de Guastalle se-
ront cedes au serenissime infant don Philippe pour lui tenir
Heu d' etablissement, avec le droit de reversion aux pre-
sents possesseurs apres que sa Mte le roy des deux Siciles
aura passe a la couronne d' Espagne, ainsi que dans le cas
ou le dit serenissime infant don Philippe viendroit ä mourir
sans enfans.
Ncque minus subsequuto posthac defmitivo pacis tractatu
vigore eiusdem articulorum diversa hanc materiam concerncntia
rerum capita communi eorundem quorum interest consensu ea
quae scquitur ratione explanata fuerint:
En consideration des restitutions que sa Mte catholi-
que fönt par le present traitc soit h sa Mte Vimperatrice,
reine de Hongrie et de Boheme, soit h sa Mte' le roy de
1748 Okt. 23. nqq
Sardaigne, les duches de Panne, de Plaisance et de Gua-
stalle appartiendront a Tavenir au serenissime Infant don
Philippe pour etre possedös par lui et ses descendans mä-
les nes en legitime mariage en la meme maniere et dans
la meme etendue qu'ils ont etc ou du etre possedes par
les presents possesseurs, et le dit serenissime infant ou ses
descendans mäles jouiront des dits trois duches conforme-
ment et sous les conditions exprimees dans les actes de
cession de Timperatrice, reine de Hongrie et de Boheme,
et du roy de Sardaigne.
Ces actes de cession de Y imperatrice, reine de Hongrie
et de Boheme, et du roy de Sardaigne seront remis avec
leurs ratifications du present traite a Tambassadeur extra-
ordinaire et plenipotentiaire du roy catholique, de meme
que les ambavSsadeurs extraordinaires et plenipotentiaires
du roy tres chretien et du roy catholique remettront avec
les ratifications de leurs Mtes h celui du roy de Sardaigne
les ordres aux generaux des trouppes fran^oises et espagno-
les de remettre la Savoie et le comtc de Nice aux per-
sonnes commises par ce prince h Teffet de les recevoir de
Sorte que la restitution des dits etats et la prisc de posscs-
sion des duches de Parmc, Plaisance et Guastalle par ou
au nom du serenissime infant don Philippe puissent s* eflec-
tuer dans le meme tems conformement aux dits actes de
* cession.
Hinc est quod nos satisfacturae iis ad quae nos in praein-
sertis articulis obstrinximus ac certa spe fretae, vicissim a regi-
bus christianissimo, catholico et futuro praefatorum trium du-
catuum possessore eiusque descendentibus masculis anteme-
moratorum articulorum tenorem pari bona fide ex asse adim-
pletum, pariterque ad normam eorumdem tum articuli secundi
et decimi octavi praeliminarium ditiones et loca nobis resti-
tuenda aequalibus passibus nobis restitutum iri, pro nobis et
successoribus nostris sub iis quae in supra insertis et memoratis
articulis sancitae sunt conditionibus cedimus et renuntiamus Om-
nibus iuribus, actionibus et praetentionibus, quae nobis quocum-
que titulo aut quacumque demum de causa in praefatos tres du-
catus Parmae, Placentiae et Guastallae antehac a nobis possessos
competunt, eademque iura, actiones et praetentiones in serenissi-
mum Hispaniarum infantem Philippum eiusque descendentes mas-
8oo 1748 Okt. 23.
culos ex legitimo matrimonio nascituros quo fieri potest meliore
et solemniore modo transferimus, absolventes et obsequio et iu-
ramento quod nobis praestiterunt universos praedictorum duca-
tuum incolas, qui id impostenim iis quibus iura nostra cessi-
mus praestare tenebuntur. Quae omnia tarnen non nisi de eo
temporis intervallo intelligenda sunt, quo vel praedictus Sere-
nissimus Hispaniarum infans Philippus vel unus ex eiusdem
descendentibus vel utriusque Siciliae vel Hispaniarum thronum
necdum conscenderit, quippe pro quo tempore et illo, quo saepe
memoratus infans absque descendentibus masculis decesserit,
nos nobis nostrique haeredibus et successoribus omnia iura,
actiones ac praetentiones, quae nobis in eosdem ducatus prius
competierunt ac proinde reversionis ius per expressum reser-
vamus. In quorum onmium fidem roburque etc. etc.
Carlo Emanuelo etc.
II desiderio di contribuire dal canto nostro al piü pronto
ristabilimento della publica tranquillitä che gih ci mosse ad ac-
cedere k gli articoli preliminari segnati li trenta Aprile scaduto
tra i ministri di sua maestä britannica, di sua maestä christianis-
sima e dei signori stati generali delle Provincie-Unite, come
sotto il di trenta uno Maggio scorso v' habbiamo per mezzo del
nostro plenipotenziario acceduto, portandoci ora al compimento
di quanto da farsi da noi in dependenza di essi e singolar-
mente per Tesecutione del disposto all articolo quarto dei me-
desimi, in vigore di cui devono essere ceduti al serenissimo
principe don Filippo infante di Spagna i ducati di Parma, Pia-
cenza e Guastalla per tenergli luogo di stabilimento col diritto
di reversibilitä a i presentanei possessori tosto che sua maestä
il re delle due Sicilie sar<\ pnssato alla Corona di Spagna o
che il nominato infante venisse a morire senza figliuoli maschi,
per il presente atto, in conformita di quanto sopra, renunciamo,
cediamo e trasportiamo per noi e nostri successori al predetto
serenissimo infante don Filippo ed a suoi figliuoli maschi e da
medesimi nati di legitimo e costante matrimonio, la citth di
Piacenza ed il Piacentino da noi posseduto, per tenerlo e pos-
sederlo in qualita di duca di Piacenza, renunziando a quesf ef-
fetto a tutti i diritti, azioni e pretese che sopra di cssi ci com-
petono, riservata pero espressamente a noi ed a i nostri suc-
1748 Okt. 23. 801
cessori la raggione di reversibilitä ne i casi sopra detti. In fede
di che etc.
vm.
Pour assurer et effectuer les dites restitutions et cessions,
on est convenu qu'elles seront entierement execut^es et accom-
plies de part et d' autre en Europe dans V espace de six semai-
, nes ou plutüt si faire se peut, ä compter du jour de V echange
des ratifications de toutes les huit puissances ; bien entendu que
quinze jours apres la Signatare du present traitö les generaux
ou autres personnes que les hauts contractans de part et d' au-
tre jugeront ä propos de commettre k cet effet s'assembleront
h Bruxelles et ä Nice pour concerter et convenir des moiens
de proceder aux restitutions et mises en possession d'une
fafon egalement convenable au bien des trouppes, des habitans
et des pays respectifs, mais aussi de sorte que toutes et cha-
cune des hautes parties contractantes se trouvent, conformement
ä leurs intentions et aux engagemens contractös par le present
traitö, en possession tranquile et entiere, sans rien excepter de
tout ce qui doit leur revenir soit par restitution soit par ces-
sion dans le dit terme de six semaines ou plutöt si faire se
peut aprös T echange des ratifications du present traitö de tou-
tes les dittes huit puissances.
IX.
En consideration de ce que, nonobstant Tengagement
mutuel pris par Tarticle dixhuit des preliminaires, portant que
toutes les restitutions et cessions marcheront d'un pas egal et
s' executeront en meme tems, sa Mt^ tres chretienne s* engage
par Tarticle six du present trait^ ä restituer dans T espace de
six semaines ou plutöt si faire se peut, ä compter du jour de
r echange des ratifications du present trait^, toutes les conque-
tes qu'elle a faites dans les Pais-Bas, pendant qu'il n'est pas
possible vü la distance des pais que ce qui concerne TAmeri-
que ait son effet dans le meme tems, ni meme de fixer le terme
de sa parfaite execution, sa Mt^ britannique s' engage aussi de
son cot6 k faire passer auprfes du roy tres chretien aussitöt
apres Y echange des ratifications du present traitö deux person-
nes de rang et de consideration qui y demeureront en otage,
jusqu'h ce qu'on y ait appris d'une fa9on certaine et autenti- .
que la restitution de Tisle roiale dite cap Breton et de toutes
ÖsteiTcicbiscIi-englische Staatsvcrträj^e. Bd. I. 5 '
Boa »748 Okt. 23.
les conquetes qui les armes ou les sujets de sa Mt^ britannique
pourroient avoir faites avant ou aprfes la signature des preli-
minaires dans les Indes orientales et occidentales.
Leurs Mtes britannique et tres chretienne s'obligent pareil-
lement de faire remettre ä Techange des ratifications du pre-
sent traitö les duplicata des ordres addressös aux commissaires,
nommes pour remettre et pour recevoir respectivement tout ce
qui pourroit avoir ete conquis de part et d'autre dans les dit-
tes Indes orientales et occidentales, conformement ä Tarticle
second des preliminaires et aux declarations de vingt un et trent
un May et huit Juillet derniers, pour ce qui concerne les dites
conquetes dans les Indes orientales et occidentales; bien en-
tendu neanmoins que l'isle roiale dite le cap Breton sera ren-
due avec toute Tartillerie et munitions de guerre qui s'y se-
ront trouv^es au jour de la reddition, conformement aux in-
ventaires qui en ont etö dresses et dans Tetat ou etoit la dite
place le dit jour de sa reddition; quant aux autres restitutions
elles auront leur effet conformement ä Tesprit de Tarticle se-
cond des preliminaires et des declarations et Convention des
vingt un et trente un May et huit Juillet demiers dans Tetat
oü se seront trouvöes les choses le onze Juin nouveau stile
dans les Indes occidentales et le trente un Octobre pareillement
nouveau stile dans les Indes orientales; toutes choses d'ailleurs
y seront remises sur le pied qu' elles etoient ou devoient etre
avant la presente guerre.
Les dits commissaires respectifs tant ceux pour les Indes
occidentales que ceux pour les Indes orientales devront etre
prets a partir au premier avis que leurs M^es britannique et
tres chretienne recevront de Techange des ratifications, munis
de toutes les instructions, commissions, pouvoirs et ordres ne-
cessaires pour le plus prompt accomplissement des intentions
de leurs dites M^e^ et dos engagemens qu'ellos contractent
par le prescnt traite.
X.
Les revenus ordinaires des pays qui doivent etre restitues
ou cedes respectivement, et les impositions faites dans ces pays
pour le traitement et les quartiers d' hiver des trouppes appar-
tiendront aux puissances qui en sont en possession jusqu'au
jour de Techange des ratifications du present traite, sans nean-
1748 Okt. 23. 803
moins qu'il soit permis d'user d'aucune voie d'execution, pour-
veu qu'il ait ete donne caution süffisante pour le paiement;
bien entendu que les fourages et ustenciles pour les trouppes
se fourniront jusqu'aux evacuations, au moien de quoi toutes
les puissances promettent et s'engagent de ne rien repeter ni
exiger des impositions et contributions qu' elles pourroient avoir
etablies sur les pays, villes et places qu* elles ont occupees dans
le cours de la guerre et qui n' auroient point etö paiös au tems
que les evenemens de la dite guerre les auroient obligees ä
abandonner les dits pays, villes et places, toutes pretentions de
cette nature demeurant en vertu du present traitö aneanties.
XL
Tous les papiers, lettres, documents et archives qui se
sont trouvds dans les pays, terres, villes et places qui sont
restituös et ceux appartenants aux pays cedes seront delivrös
QU fournis respectivement de bonne foi dans le meme tems
sMl est possible de la prise de possession ou au plus tard deux
mois apres V echange des ratifications du present traite de tou-
tes les huit parties, en quelques lieux que les dits papiers ou
documents se puissent trouver, nommement ceux qui auroient
ete transportös de Tarchive du grand conseil de Malines.
xn.
Sa Mt^ le roy de Sardaigne restera en possession de tout
ce dont il jouissoit anciennement et nouvellement et particulic-
rement de Tacquisition qu'il a faite en mille sept cent qua-
rante trois du Vigevanasque, d'une partie du Pavesan et du
comte d'Anghiera, de la maniere que ce prince les possede
aujourd'huy en vertu des cessions qui lui en ont etö faites.
XUI.
Le serenissime duc de Modene, en vertu tant du present
traite que de ses droits, prerogatives et dignit^s, prendra pos-
session six semaines ou plutöt si faire se peut aprös T echange
des ratifications du dit traite de tous ses etats, places, forts,
pays, biens et rentes et generalement de tout ce dont il jouis-
soit avant la guerre. Lui seront rendus pareillement dans le
meme tems ses archives, documents, ecrits et meubles de quel-
que nature que ce puisse etre, comme aussi Tartillerie, attirails
51-
8o4 '748 Okt. 23.
et munitions de guerre qui se seront trouvös dans ses pays au
tems de leur occupation. Quant k ce qui manquera ou qui
aura et6 converti en une autre forme, le juste prix des choses
ainsi otöes et qui doivent etre restituöes sera paiö en argent
comptant lequel prix, ainsi que l'equivalent des fiefs qua le
serenissime duc de Modene possedoit en Hongrie, s'ils ne lui
sont pas remis, sera reglt^ et constat^ par les generaux ou
commissaires respectifs qui suivant Tarticle huitieme du pre-
sent trait^ doivent s'assembler k Nice quinze jours aprfes la
signature pour convenir des moiens d'es^ecuter les restitutions
et mises en possession reciproques, de sorte que dans le meme
tems et le meme jour que le serenissime duc de Modene pren-
dra possession de tous ses etats il puisse entrer aussi en jouis-
sance soit de ses fiefs en Hongrie soit du dit equivalent et
recevoir le prix des choses que ne pourroient lui etre restituöes.
Lui sera pareillement fait justice dans le dit terme de six se-
maines apr^s Techange des ratifications sur les allodiaux de la
maison de Guastalle.
XIV.
La serenissime republique de Genes, en vertu tant du pre-
sent traitö que de ses droits, prerogatives et dignitös, rentrera
en possession six semaines ou jplutöt si faire se peut apres
Techange des ratifications du dit traitö de tous les etats, forts,
places, pays, biens, de quelque nature que ce puisse etre, ren-
tes et revenus dont eile jouissoit avant la guerre; specialement
tous et chacun des membres et sujets de la dite republique
rentreront dans le terme susdit aprös V echange des ratifications
du present traite en possession, jouissance et liberte de disposer
de tous les fonds qu'ils avoient sur la banque de Vienne en
Autriche, en Boheme ou en quelque partie que ce soit des
etats de T imperatrice, reine de Hongrie et de Boheme, et de
ceux du roy de Sardaigne, et les interets leur seront paies exac-
tement et regulierement ä compter du jour de T echange des
ratifications du present trait(6.
XV.
II a est6 arrete et convenu entre les huit hautes parties
que pour le bien et affermissement de la paix en general et
pour la tranquillite de Tltahe en particulier toutes choses y
1748 Okt. 23. 805
demeureront dans Tetat ou elles etoient avant la guerre, sauf
et aprfes V execution des dispositions faites par le present traitö.
XVI.
Le traitö de TAssiento pour la traite des negres signee ä
Madrid le vingt six Mars mil sept cent treize et Tarticle du
vaisseau annuel faisant partie du dit traite sont specialement
confirmes par le present traite pour les quatre annces pendant
lesquelles la jouissance en a ete interrompue depuis le com-
mencement de la presente guerre et seront executes sur le
meme pied et sous les memes conditions qu'ils ont ete ou du
etre executes avant la dite guerre.
xvn.
Dunkerque restera fortifie du cote de terre en T etat qu' il
est actueliement, et pour le cote de mer il restera sur le pied
des anciens traitös.
XVIII.
Les pretentions d'argent que sa Mt^ britannique a comme
electeur d'Hannovre sur la couronne d'Espagne, les differends
touchant Tabbaye de Saint Hubert, les enclaves du Hainaut et
les bureaux nouvellement etablis dans les Pays-Bas, les preten-
tions de r electeur-palatin et les autres articles qui n ont pü
etre regles pour entrer dans le present traitd, le seront inces-
sament ä Tamiable par des commissaires nommes k cet effet
de part et d'autre ou autrement, seien qu'il en sera convenu
par les puissances interessöes.
XIX.
L'article cinq du traite de la quadruple alliance conclu k
Londres le deux d'Aout mille sept cent dix huit, contenant la
garantie de la succession au royaume de la Grande-Bretagne
dans la maison de sa Mte britannique k present regnante, et
par lequel on a pourvu h tout ce qui peut etre relatif ä la
personne qui a pris le titre de roy de la Grande-Bretagne et
ä ses descendans des deux sexes, est expressement rappelle et
renouvelle par le present article comme s'il y etoit inserö dans
tout son contenu.
8o6 «748 Okt. 23.
XX.
Sa Mte britannique en sa qualit^ d* electeur de Brunswick-
Lunebourg tant pour lui que pour ses heretiers et successeurs
et tous les etats et possessions de sa dite Mte en AUemagne
sont compris et garantis par le present traitö de paix.
XXI.
Toutes les puissances interessöes au present traite qui ont
garanti la sanction pragmatique du dix neuf Avril mille sept
Cent treize pour tout Theritage du feu empereur Charles six
en faveur de sa fille Timperatrice, reine de Hongrie et de Bo-
heme, actuellement regnante et de ses descendans ä perpetuite,
suivant T ordre etabli pour la ditte sanction pragmatique, la
renouvellent dans la meilleure forme qu'il est possible, ä
Texception cependant des cessions dejä faites soit par le dit
empereur soit par la ditte princesse et de celles qui sont sti-
pulöes par le present traitö.
xxn.
Le duche de Silesie et le comte de Glatz tels que sa Mte
prussienne les possede aujourd*huy sont garantis ä ce prince
par toutes les puissances, parties et contractantes du present
traitö.
xxin.
Toutes les puissances contractantes et interessees au pre-
sent traite en garantissent reciproquement et respectivement
Texecution.
xxiv.
Les ratifications solemnelles du present traite expediees
en bonne et due forme seront echangees en cette ville d'Aix
la Chapelle entre toutes les huit parties dans l'espace d'un
mois ou plütot s'il est possible, ä compter du jour de la si-
gnature. En foi de quoi nous soussignes leurs ambassadeurs
extraordinaires et ministres plenipotentiaires avons signe de
notre main en leur nom et en vertu de nos pleins-pouvoirs le
present traite defmitif et y avons fait apposer le cachet de nos
armes.
1748 Okt. 23. 807
Fait k Aix la Chapelle le dixhuit Octobre, mille sept cent
quaranta huit.
L. S. Sandwich. L. S. S* Severin d'Arragon. L. S. W. Bentinck.
L. S T. Robinson. L. S. la Porte du Theil. L. S. G. A. Hasselaer.
L. S. J. V. Borssele.
L. S. O. Z. van Haren.
Articles separes.
L
Quelques uns des titres employes par les puissances con-
tractantes, soit dans les pleins-pouvoirs et autres actes pendant
le cours de la negociation, soit dans le preambule du present
traite, n'etantpas generalement reconnus, il'a ete convenu qu' il
ne pourroit jamais en resulter aucun prejudice pour aucune
des dittes parties contractantes, et que les titres pris ou omis
de part et d'autre ä Toccasion de la ditte negociation et du
present traitö ne pourront etre cites ni tires k consequence.
n.
II a etc convenu et arrete que'la langue fran^oise em-
ployee dans tous les exemplaires du present traite et qui pourra
Tetre dans les actes d'accession ne formera point un exemple
qui puisse etre allegu6 ni tire k consequence, ni porter preju-
dice en aucune maniere k aucune des puissances contractantes
et que Ton se conformera k Tavenir k ce qui a ete observe
et doit etre observ6 k Y egard et de la part des puissances qui
sont en usage et en possession de donner et de recevoir des
exemplaires de semblables traitcs et actes en une autre langue
que la fran^oise; le present traite et les accessions qui inter-
viendront ne laissant pas d' avoir la meme force et vertu que
si le susdit usage y avoit et6 observe; et les presents articles
separes auront pareillement la meme force que s'ils etoient in-
ser^s dans le traite.
En foi de quoi nous soussignes ambassadeurs extraordi-
naires et ministres plenipotentiaires de sa Mte britannique, de
sa Mte tres chretienne et des seigneurs etats generaux des Pro-
vinces-Unies avons signe les presents articles separös, et y
avons fait apposer le cachet de nos armes.
8o8 1748 Okt. 23.
Fait k Aix la Chapelle le dix huit Octobre mille sept
Cent quarante huit^)
Et les dits ambassadeurs extraordinaires et plenipotentiaires
aiant amiablement invite Y ambassadeur extraordinaire et pleni-
potentiaire de sa Mte Y imperatrice, reine de Hongrie et de Bo-
heme, d'y acceder au nom de sa dite Mte; les ambassadeurs
soussign^s, savoir de la part de la serenissime et tres puissante
princesse Marie Therese, par la grace de dieu reine de Hongrie
et de Boheme, imperatrice, le seigneur Wenceslas Antoine comte
de Kaunitz-Rittberg, seigneur de Essens, Stetesdorf, Wittmund,
Austerlitz, Hongrisch-Brod, Wiese etc., conseiller d'etat intime
actuel des leurs Mtes imperiales, et de la part du serenissime
et tres puissant prince George second, par la grace de dieu
roy de la Grande-Bretagne, les seigneurs Jean comte de Sand-
wich, vicomte de Hinchingbrooke , baron Montagu de Saint
Neots, pair d' Angleterre , premier seigneur commissaire de
r amiraut^, Y un des seigneurs regens du royaume, son ministre
plenipotentiaire aupr^s des seigneurs etats generaux des Pro-
vinces-Unies, et Thomas Robinson, chevaher du tres honorable
ordre du bain et son ministre plenipotentiaire aupres de sa Mte
Tempereur des Romains et de sa Mte T imperatrice, reine de
Hongrie et de Boheme, en vertu de leurs pleins-pouvoirs qu' ils
se sont communiques et dont copies sont ajoutöes ä la fin du
present acte, sont convenus de ce qui suit:
Quc sa Mte 1' imperatrice, reine de Hongrie et de Bo-
heme, desirant contribuer et concourir ä retabhr et affermir au
plutöt le repos de TEurope, accede en vertu du present acte
aux dits traite et deux articles separös sans aucune reserve ou
exception, dans la ferme confiance que tout ce qui y est promis
ä sa dite Mte sera accompH de bonne foi, declarant en meme
tems et promettant qu'elle accomplira de meme de la meilleure
foi tous les articles, clauses et conditions qui la concernent.
De meme sa M^e britannique accepte la presente accession
de r imperatrice, reine de Hongrie et de Boheme, et promet
pareillement d'accomphr sans aucune reserve ni exception tous
les articles, clauses et conditions, contenus dans le dit traite et
les deux articles separes cy dessus inseres. Les ratifications
') Dieselben UnterschrifUn wie im Hauph^ertrage,
174» Okt. 24. 809
du present acte seront echangöes en cette ville d*Aix la Cha-
pelle dans Tespace de trois seraaines, ä compter de ce jour.
En foi de quoi nous ambassadeurs extraordinaires et pleni-
potentiaires de sa Mte britannique et de sa Mte T imperatrice,
reine de Hongrie et de Boheme, avons signö le present acte et
y avons fait apposer le cachet de nos armes.
Fait k Aix la Chapelle le vingt trois Octobre, mille sept
Cent quarante huit.
L. S. Le comte V. A. de Kaunitz-Rittberg. L. S. Sandwich.
L. S. Th. Robinson. 1)
Les ambassadeurs extraordinaires et plenipotentiaires du
roy de la Grande-Bretagne, du roy tres-chretien et des etats
generaux des Provinces-Unies ont conclü et signö le dix-hui-
tieme du present mois d' Octobre un traitd general et defmitif
de paix sur le fondement et en conformitö des pröliminaires
convenüs et arr^tös d'abord entre eux le trenti^me du mois
d'Avril dernier en cette ville d'Aix la Chapelle et ensuite
acceptds et ratifies par toutes les puissances engagöes dans la
guerre, auquel traite Tambassadeur extraordinaire et plenipo-
tentiaire du roy catholique a donnö l'accession de ce prince le
vingt de ce mois, et Tambassadeur extraordinaire et pleni-
potentiaire de T imperatrice, reine de Hongrie et de BohSme,
a donne pareillement Taccession de cette princesse le vingt
trois de ce mois. Et comme tant dans le dit traite que dans
les dites accessions il n*a et6 et il n est portö aucune atteinte
ä ce qui avoit ete stipule, convenü et arrete par les dits pre-
liminaires acceptcs generalement, les ambassadeurs extraordi-
naires et plenipotentiaires de V imperatrice, reine de Hongrie et
de Boheme, et du roy de la Grande- Bretagne sont convenüs que
dans le cas oü quelqu' une des dites puissances engagees dans la
guerre refuseroit on differeroit son accession au dit traite, de sorte
que Ton put craindre du retardement h Taccomplissement des
arrangemens convenüs et fix& dans le dit traite, leurs M^es de
concert tant entre elles qu'avec les puissances soit contrac-
tantes soit accedantes du dit traite employeront les moyens les
plus efficaces pour Texecution des dits arrangemens et pour que
*) Gleichlautende Verträge mit Jen anderen Kontrahenten liegen vor.
8io '748 Okt. 24.
toutes les parties soit contractantes soit accedantes se trouvent
aux termes fixös par le dit traite en pleine et paisible posses-
sion de tout ce qui doit leur revenir et appartenir soit par re-
stitution soit par cession.
En foi de quoi nous soüssignes ambassadeurs extraordi-
naires et plenipotentiaires de rimperatrice, reine de Hongrie et
de Boheme, et du roy de la Grande-Bretagne en connoissance
des intentions de nos souverains respectifs avons signe le pre-
sent acte et y avons fait apposer le cachet de nos armes.
Fait ä Aix la Chapelle le vingt quatre Octobre, mille sept
Cent quarante huit.^)
L. S. Le comte V. A. de Kaunitz-Rittberg. L. S. Sandwich.
L. S. T. Robinson.
*) Gleichlautende Konventionen von demselben Datum fischen Österreich
und Frankreich, Österreich und Spanien und {wischen Österreich und den Ge-
neralstaaten liegen vor.
Berichtigungen und Ergänzungen.
Seite II Zeile i8 von oben ist statt „englischer TUcher*' zu lesen „englischen
Tuches."
„ 20 Zeile 10 von oben ist vor und nach dem Worte „Karls" ein Bei-
strich zu setzen.
„ 23 Zeile 2 von oben und Seite 25 Anm. i Zeile 2 ist statt „Heinrich'*
zu lesen „Heinrichs".
w 35* ^^^ Name „Aynesworth*' steht im Original in gleicher Linie mit
den anderen Namen.
„ 50 Zeile 21 von oben ist statt „Londoniens" zu lesen „Londoniensi.^^
,, 54 Überschrift ist statt „Einleilung" zu lesen „Einleitung.^
„ 62 Anm. I Zeile 2 ist statt „aach^' zu lesen „auch'S
, 66 Zeile 7 von oben ist statt „iuriuriam" zu lesen ,^niuriam."
» 72 n 21 „ „ „ „ „rebellos" „ „ „rebelles".
„ 1 17 Regest Zeile 3 ist nach dem Worte „betreffend" statt des Punktes
ein Strichpunkt zu setzen.
„ 120 Anm. 2 Zeile 6 ist statt „Forderungen*' zu lesen „Forschungen."
„ 126 Zeile II von oben ist statt „gewehrte" zu lesen „gewährte."
„ 136 Text, Zeile 15 von unten ist statt „Ferdinand II." zu lesen „Fer-
dinand III."
„ 165 Anm. I Zeile 4 ist statt „di" zu lesen „die".
„ 190 Text, Zeile 7 von unten ist nach dem Worte ,^atte" ein Beistrich
zu setzen.
„ 218 Anm. 2 Zeile i ist statt „Art. IX." zu lesen „Art. X." und Anm. 2
Zeile 13 statt „Cngeland Holland, und wann" zu lesen „Engeland und
Holland, wann".
„ 228 bis 231 sind vor den einzelnen Artikeln statt der arabischen, la-
teinische Ziffern zu setzen.
„ 234. Nach Abschluss der Arbeit hat sich im Staatsarchive in Wien das
Original der Konvention d. d. Haag 1703 April 11 gefunden.
„ 235 Zeile 13 von oben ist nach dem Worte ,,aussprach' ' statt des Strich-
punktes ein Beistrich zu setzen.
8x2 Berichtigungen und Ergänzungen.
Seite 236 Zeile 10 von oben ist statt „1702** zu lesen „1703**. Die 3 ersten
Namen der Unterzeichner ebenda stehen im Original nebeneinander.
„ 246 Art. I Zeile 2 ist statt „a" zu lesen „ä*\
„ 247. Die Namen der beiden Unterzeichner stehen im Original neben-
einander.
„ 248 Zeile 10 von oben ist statt „a" zu lesen „ä".
„ 249 Anm. I ist statt „der*' zu lesen „des".
„ 251 Zeile 2 von oben und 14 von unten ist statt „a" zu lesen „ä".
»t 255 91 21 „ „ ist nach dem Worte „marschbereit" ein Beistrich
zu setzen.
„ 259. Die Namen SinzendorfF, Mariborough, Randwyck stehen im Ori-
ginal in gleicher Linie; Townshend unter Mariborough, die Übrigen
unter Randwyck.
„ 262. Die Namen Sinzendorff, Townshend, Randwyck stehen im Original
nebeneinander; die übrigen unter Randwyck.
„ 267 Anm. I Zeile 5 ist nach „u. a." ein Beistrich zu setzen.
>» 279 „ I „ II ist statt „kaiserliehen" zu lesen „kaiserlichen".
„ 294 Text, Zeile 2 von unten ist statt „Wolltücher*' zu lesen „Woll-
waren".
„ 323 Zeile II von oben ist statt „deniers" zu lesen „demiers".
91 334 « io „ „ „ „ „Verdun" „ „ „Verden".
„ 348 ist in der Überschrift statt „1716 Mai 25/Juni 5** zu lesen „1717
Sept. i". Die beiden Namen der Unterzeichner ebenda stehen im Ori-
ginal in gleicher Linie.
„ 40a Zeile I von oben ist statt „Lndwig'' zu lesen „Ludwig" und ebenda
Zeile 6 von oben statt „Ludwig** „Ludwigs".
'^ „ 420 Art. XIV. Zeile 4 ist statt „qu P ona" zu lesen „que V on a".
., 421 Art. XIX. Zeile 3 ist nach dem Worte „mers" ein Beistrich zu setzen.
„ 451 Zeile 3 von oben ist statt „einzusetztenden" zu lesen „einzusetzenden/'
„ 456 Anm. 2 ist statt ,,27'* zu lesen „26"; Anm. 4 statt „28" ,2;'';
Seite 457 Zeile i von oben statt „26" „25*-; Seite 460 Text. Zeile 7 von
unten statt „27" „26"; Seite 462 Zeile i von oben statt „^8'* „27".
„ 476 Text, Zeile i von unten ist nach dem Worte „schliessen" statt des
Punktes ein Beistrich zu setzen.
„ 506 Text, Zeile 6 von unten ist statt „tontes'^ zu lesen „toutes".
„ 540 „ „ i „ „ ist nach dem Worte „April" zu ergänzen
„ 551 Zeile 10 von oben ist das Zeichen „*)" nach dem Worte „ver-
schleppen" zu streichen.
„ 552 Zeile 17 von oben ist statt „Hersteltung'" zu lesen „Herstellung'"'.
?> 555 rext, Zeile 3 von unten ist statt „ d s" zu lesen „des".
„ 588 Zeile 9 von oben ist statt ,.pourque" zu lesen „pour que".
„ 589 „ 16 „ unten ist statt „Öterreichs" zu lesen „Österreichs".
„ 595 Art. VIII. Zeile i ist statt „Quond" zu lesen „Quand".
„ 597. Für die Vorgeschichte des Wormser Vertrages ist nebst den an-
geführten Werken noch zu verweisen auf den Aufsatz von Karg-Beben-
burg ,,Zur Würdigung der auswärtigen Politik Lord Carterets" (Fest-
gabe für K. Th. Heigel) p. 405 ff. ; insbesondere 426 ff. und auf die Aus-
Berichtigungen und Ergänzungen. 813
führungen bei Rauch M. v. „Die Politik Hessen- Cassels im österrei-
chischen Erbfolgekrieg bis zum Frieden von Dresden*', insbesondere
p. 71 fif.
Seite 644 Text, Zeile 21 von oben ist statt „UnerstUtzung" zu lesen „Unter -
stUtzung^S
„ 6C)o Art. XXVII. Zeile 4 ist statt „same" zu lesen „them".
„ 686 Regest Nr. 43 Zeile 3 ist statt „13/14" zu lesen „13/24".
„ 693 Zeile 14 von unten und Seite 704, Art. IX., Zeile 4 ist statt „a"
zu lesen „ä".
„ 713 Zeile 10 von oben ist statt ,,Fonternoy" zu lesen „Fontenoy".
„ 721 Text, Zeile 4 von unten ist statt „Niederlanden'^ zu lesen „Nieder-
lande".
„ 731 Zeile 14 von oben ist statt „enttäuscht" zu lesen „getäuscht".
„ 768 Zeile 5 von oben ist statt „d*** zu lesen „d'".
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